# m. 282 Swett« Blatt Erfchenri käglich mit Ausnahme des Sonntags. *67. Jahrgang Beilagen: „Gießener Zamilienblütter" und , f Kreisblatt für den Kreis Gießen". Postscheckkonto: 5ranfsnrt am Main Ur. N686- Vantverkehr: Gewerbebank Gießen. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejsen Zreitag. 39. November '^9* *7 ZnnllingSrunddruck und Verlag: B r ühl'sche UniversttätS-Bnch-u.Dteiirdruckeret. R. Lange, Gießen. Schnstleilung, Geschäftsstelle und Vrnckerei: Schu!^:age7. Geschäf ^»eUe:uVerlag: «-EG1, Schrift leitung: 118. Anschrift für D ra hto chr ichten: AnzeigerGiihe n. .Friede und Zreiheit". Gießen, 29. s Jtoöember. Im Saale des Gasthauses „Fürfterthvf" fand gestern abend eine von der Fortschrittlichen Volks Partei einberufene Bersanunlung statt, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende, Geh. Fustizrctt Metz, eröffnete die Versammlung und hieß die Erschienenen lvillkommeu. Er legte kurz die Gründe für die Einberufung der Versarnmlnng dar und bemerkte zur Geschästsordniung, daß mit Rücksicht aus die Mrze der Zeit den Diskussionsrednern nicht mehr als Kehn Minuten z>u-gebilligt loerden könnten. Dann erteilte er dem Redner des Abends, Reiche tagsab geordneten Ko ps ch-Berlin, daS Wort zu seinem Bortrage „Friede Freiheit". Der Vortragende führte aus, wie zurzeit in der ganzen Welt, auch im deutschen Volke, eine starke Friedenssehn sucht eilvgetreten sei. Nicht dem Gefühl der Schwäche, sondern rm Hinblick auf die ungohchrre Berantwvrttmg sei die Kundgebung der deutschen Reichsregierung vom 12. Dezember 1916 entsprurrgon, durch welche sie aller Webt ihre Friedens- bereitschast zu erkennen geben wollte. Diese Kundgebung habe auch aus das deutsche Volt und die Neu.rrctten eine sehr günstige Wirkung hervorgerußen. Daß sie von den Feinden höhnend abgelehnt worden sei, dürfe nicht w unser nehmen, da die Führer der Entente weiter Hetzen müßten, um ihre Stellung cmrfveclstzuerhalben. Nun nrußten Taten folgen, das deutsche Volk mutzte stahlhart werden., wie der karser- licke Erlaß an Heer und Volk lautete. Das deutsche Volk ist militärisch, finanziell und wirtschaftlich zmn Durchhalten in der Lage, wenn auch zugegeben werden muß, daß in wirtschaftlicher Beziehung die größte Sparsamkett herrschen -mutz. Worauf hoffen nun eigentlich unsere Feinde rwch? Sie erhoffen «inen Erfolg durch die Uneinigkeit rm deutschen Volke selbst, nach dem Rörmvrwort: Deutschland ist mir durch sich selbst zu besiegen. Me die Reden Lloyd Georges. Driands, Wilsons sind nicht an das eigene, sondern an oas deutsche Volk gericlstet. Sie wollen dem deutschen Volke die Freiheit und Demokratie bringen, es vonr Militarismus befreien und mit dem deutschen Volke als solchem keinen Krieg führerr. Aber alle derartigen Bemühungen, das Volk zu spalten, sttrd bisher vergeblich gewesen. Das deutsche Aolk weiß sich einig mtt seiner Regierung und läßt sich die Freiheit nicht von Amerika schenke, es wird sie sich selbst ackämpsen und verbittet sich alles Dreinreden in seine inneren Angelegcmheiten. Uneinigkeit droht im Volke nur infolge der Erörterung der Kriegsziele. Der Kaiser erklärte an jenem denkwürdigen 4. August 1914: Uns treibt keine Eroberungssucht, wir ziehen das Schwert zur Verteidigung unserer Grenzen. Davon sind bis jetzt weder der Kaiser, noch die Reichsregierung rwch der Reichstag abgewichen. Aber die durch die allDeiutsche Presse und Flug- schristen über die Schützengräben ins feindliche Ausland gelangten Forderungen und Ansichten haben uns unendlich geschadet, denn sie sind in der 5-and der feindlick-en Führer ein Mittel, die Kriegslust der Völker anzufachen und den Krieg zu verlängern. Die Erklärung der Friedenskundgebung im Reichstag, die im Einverständnis mtt der obersten Heeresleitung lurb Reichsregierung erjWate, war rwtwendig, um die Ei7rigke.it des Volkes untereinanoer und mit unfern Bundesgenossen zu erhalten. Sie hat ihren Zweck voll und ganz erfüllt. Der Redner wies darauf hrir, dag im Wortlaut der Entschließung durchaus nicht auf jegliche Grenzver> änderungerl und Entschädigungen verzichtet werde. Auch die feindlichen Völker Hütten die Kundgebung verstanden, und seit dieser Zeit ist ein vollständiger Umschwung im feindlichen Ausland erfolgt. Nur an einer Stelle ist der Erfolg nicht anerkannt worden: bei den Alldeutschen. Sie wollen «men Gewaltfrieden, der nicht zu erreichen ist und keinen Bestand haben kann Nur der Verständigungsfrieden kann in Betracht ko77rmen. Nurr ist die Baterlcrrrdspartei auf den Plan getreten. Sie wttl alle Deutschen, alle Baterlands- sreundc sammeln. Schon ihr Name kann als eine Herausforderung, als eine Beleidigung angesehen werden. Sie wttl jetzt ferne inneren Reformen. Aber es ist sichtig, daß das Recht jetzt festgestellt und dies nicht bis nach Beendigung des.Krie- verschoben tvird, wo dann, wie die Erfahrung früherer den lehrt, alles unterbleibt. An der Spitze der Vater- dspartei stehen Reaktionäre, Antisemiten und der Bund der Landwttte. Jeder liberal gesinnte Mann rnuß sich von ihr abkehren. Das deutsch- Volk wird einst den Männern dankbar sein, die das Volk einig erhalten haben mro darauf hinwirken, eine Regierung zu schaffen, die das Volk versteht. Wenn dann noch .Hindenburg'sche Schläge dazlckonrmen uno weise Mäßigung im Aufstellen der Friedensziele, dann kann auch der Friede nicht Mtsbleiben, für dessen nicht all- zufernen Eintritt sich die Zeichen mehren. Zunächst muß eine Friedensatmosphöre geschaffen werden, wie dies der Reichsstaatssekretär v. Kühlmann ausführte. Grundlagen und Richtlinien siird in der letzten Papstnote und in der Antwort unserer stiegierung angegeben. Glsa ^Lothringen scheidet bei der Friedensfrage vollständig aus. In Belgien besitzen wir ein Faustpfand, das wir nicht eher aus der Hand geben, bis die Engländer uns alles zurückgegeben haben, was wir bittig beanspruchen müssen. Jeder Krieg bringt Aende- rungen. Auch bei uns in Deutschland iverden sie eirrtreten. Die Osderbotschast vom 7. April berechtigt uns zu jeder Hoffnung, daß es zu einer Neuorientterung kommen wird, die uns befriedigen tarnt. Die Soldaten draußen und wir daheim werden dann gekämlpft habet! für ein großes, glückliches deutsches Volk. (Anhaltender Beifall.) Bei der nun folgende:: Aussprache konnten den einzelnen Rednern rrur fünf Minuten Zert gegeben werden, wodurch es schlechterdings unmöglich war, aus die Ausführungen der Vorredner in wünschenswerter Weise ein zw aehen. Pvofessor Opitz wies als erster Diskussionsredner die gegen die neugegründete Vaterlands Partei erhobenen Borwürfe zurück, als ob sie Unfrieden sttsten wolle oder im Dienste der Schwerindustrie stehe. Sie gehe von den edelsten Absichten aus und und habe unter der halben Mittion Mitglieder Leute aus allen Parteien, auch aus der freisinnigen Partei. Sie sei keine Partei über den Parteien, sondern wolle eine Grundlage bilden, wo das besonders in Erwägung gezogen werden rnüsse, was dem Vaterland not tue. Er gebe zu, daß der Name etwas unglücklich gewählt sei. besser würde inan Vaterlandsbund sagen, das könne indessen kein Grund dafür sein, ihre durchaus einwandfreien Ziele abzuweisen. Beigeordneter Grünewald hält die Gründung der Vaterlandspartei für ein Unglück, da hierdurch der Burgfriede unliebsain gestört, also Uneinigkeit im deutscher: Volke gesäet werde. Die Gegirer jeder freiheitlichen BeivePung hätten sich zusairrrnengefunden. Nachdem er die Verhältnisse eingehender studiert habe, müsse er seine früher geäußerten Bedenken gegen Demokratisierungen tvährend der Kriegszeit fallen lassen. Stadtverordneter Krumm hält die heutige Versammlung für eine StirmNungs- nlache und führt aus, wie die Gründung der Vater- lcrndsvartei aus der Nottvendigkett entstanden sei, aus den ständigen Krisen herauszukcmrmeit. Ein 'Friede ohne Elttschädigurrg werde eilt armes Deutschland schaffen, in den: gerade der Arbeiter den größten NachteÄ habe. Die Wirkung des Beschlusses der Reichs tagsmehrhett sei rm Ar^- land als Schwäche aufgelegt worden. Bon jeher habe sich der Deutsche darin gefallen, tut Glauben an die Mensclchetts- reclfte die Härche in den Schoß zu legen, während die übrigen Völker die Welt teilten. ^liedakteur Vetters sagte,-der Beschluß des Reichstags vom 19. Juli biete die Aussicht, daß der Friede kommt, wonach sich die West sehnt, die unter dem Krieg so unsagbar leide. Professor Buffet als letzter Redner inchtot die Mahnung cur die Anwesender:, die noch keiner Partei angehören, sich recht bald irgendeiner Partei anzuschiliehei:. Die Hinfühvwng aus die Beschäftigung mtt den großen Lebensfragen sei das einzig Gitte, was die Griindrmg der Vaterland spartet gebracht habe. Professor Urstadt schlägt folgende Entschließung vor, die von den: größten Teil der Anwesenden angenommen wird: „Die von der Fortschrittlichen Volkspariei einberufene und autt) von zahlreichen Anhängern anderer Parteien besuchte öffentliche Versarrrmtung unterstützt die Bemühm:gen, im Rahmen der Friedenskurwgebung der Mehrheitsparteien des Reichstags einen Frieden der Verständigung und des Ausgleichs herbeizuführen, und gibt den entschlossenen Willen kund, wenn die Feiiche auf einen solchen Frieden nicht ein- geheit, unerschütterlich auszuharren im Kampfe, bis Deutschlands und seiner Verbündeten Recht auf Leben und Entwicklung gesichert ist. Sie begrüßt den mit der Berufung der Negierung Hert- ling-Payer-Friedberg erzielten Fortschritt aus dem Wege der Parlamentarisierung und Schaffung demokratischer Staats- ernrichtungeu. Sie spricht ihre volle Zustirmnung auslzu dein zwischen Regierung und Parlament vereinbarten Aktionsprogramm und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß ein vertrauensvolles Zusammenwirken gesichert, die Wiederkehr innerpolitischer Krisen verhindert und die Geschlossenheit des deutschen Volkes gefestigt wird." Damit schloß der Vorsitzende die Versammlung. Die Organisation der Zrauenreferate durch dar »riegsamt. Gießer:, den 30. 5tavember 1917. Unter Anwest n.hett der Gwßhnzvgrn von Hessen sowie der skiaüichen und städtischen Behörden sprach Fräulein Keller von der Kriegsarntsstelle Frm:kfurt a. M. im Hotel „Fürstenhoi^ über „Ibie Organisation der F^cruorrrefercrbe durch das Kriegsanrtt^. Ter Vorsitzende des öandesversichernnqsamtes Tarmstadt Ge- heimvat Dietz leitete den Borttag ein. Wie groß die Leistungen der Francnveveine sein können, hat sich erwiesen, und es gehört in, erster Linie rare weitgehende Organisation dazu, daß die im Lande verfügbaren weiblichen Kräfte im rechten Maße herangezo- gm: werden. Fräulein Keller sprach dann im allgeineiner: über das Hilssdienstpflichtgesetz der Heeresverivaltung, das dem Gesetze nach bis jetzt rrur die MBnnor bettifft, aber sich moralisch auch an die Frcor wendet. Durch die Einfü hrung und Steigerung mancher durch de:: Krieg notwendig gewordener Erzeugnisse und durch die Heran- ziehing von immer mehr männlicher: Hilfskräften zum Heeresdienst, ftrch bereits viele Frauen im Httfsdienst beschäftigt, wie das inr Sinne Hindenbnrgs liegt, der zur Durchführm:g des .Krieges alle verfügbaren männlichen Kräfte ins Heer verlangt. Das Kriegs- crmt Berlin nnd seine Nebenstellen in allen größeren Städten sorgen in erster Linie für eine rechte Verteilung der Hilfskräfte, sodcmn für die nötige Aufklärung. Es sind Ablellungen für die verschiedenen Zweige eingerichtet: wie Waffen, Kleidung, Ernährung, Woh- rmngspflege. Beförderung. Das Frauenveserat arbeitet mtt den Behörden, dcn Dersicherunge:: nnd den Frauenvereinen zusammen, um Uc Frauen für den Hilfsdienst m werben, um' i^ntcn die rechte ArbeitS fteudi gkett zu geben und nn: die Arbeitskraft der Frauen^ je nach ihren Leistu::gen, zu verteilen. Seit Frühjahr 1917 sind überall die Frauen in: Etappengebiet beschäftigt. Die Industrie der Heimat wird zum großer: Teil von Frauen betrieben/ und da die dort schon fett dem ersten Kriegs jahre arbeitenden Frauen nicht mehr w leistimgsfähig sind, schon alleii: durch die Sorgen Um die Kinder nnd die Ernährung!, :mll das Frauenrefevat neue Arbeits- rvillige werben. Es werrdet sich an die, welche ihre freie Zett zur Verfügung stellen können. Es sirtd viele Mitglieder der Frarrenvereine in Pulverfabriken beschäftigt Natürlich sirtt> von dem Gesetze nicht die erfaßt, die im Hause notwendig sind, die daheim den Vater, fren Mann, den 'Bruder ersetzen, sondern diejervigen, hie über fveie Zeit versügLn, seien es auch' Nltt einige Stunden am Tage. Die Frcnieiwereine, im Verein mit den: Ministeriutn, haben :rmr überall Arbettsnebenstell-en errcchtet, die außer der Werbe- arbett auch die Fürsorge für die Httfsdiensbarbeiterrnnen in: Airge l-ccken. Wenn, Frau einen vevantwortungsvollen Posten hat, dann muß ne in Rühe um ihr Haus, um ihre Kinder sein können, außerdem muß sie selLsi in jeder Weist geschützt werden. Tie soziale Fürsorge steht im engsten Zusammenhang Mit den Behörden. Es ittndett sich hauptsächlich um die Unterbringung jugendlicher Arbeiterinnen und Arbeiter, um Ernährung, Kleidung. Man hat in Fvankfurt jetzt 40, in Deutschland 420 Fobritpslegerinnen crngeslellt Tie Kinder der .Kriegs beschch'tigten werden in: Sommer in Horten untergebracht, von liebevollen Helferinnen unterwiesem Jetzt im Winter haben die Städte für geheizte Raume gesorgt, und man bemüht sich allenthalbe::, den Kindern das Vaterhaus zu ersetzen. Zur Förderimg der Kriegstvttllchaft ist die Hevanziehung aller verfügbare:: Kräfte notloendig urrd Venen, die im Hilfsdienst stehen, ist der notwendige Schutz zr: gewähren. Man verlangt jetzt eins Kvaftausgabe znr Fördeinmg der Kriegswirtschaft, will aber durch die Fürsorge eine Kraftersparnis für spater erreichen. Professor Strecker Whrte dann aus: Tie FrauLnarbett im Kriege Lun: nicht ttoftr genug angchchlagen werde::. Die Frai:en bilde:: die Reservearmee. Darum darf in der Organisatipn, die schon Großes geleistet bat, nicht nachgelassen werden. Alles komntt darauf an daß die mtt Recht geprstserwn sittlichen Eigenschaften der deutsche:: Frau in die Erschetnung treten; das Fremdländische, das sich hier rmd da einzuschleichen droht, lähmt die Kraft. Deutsch nftrß die Fuau sWlen und denken. Erhabene Vorbttder, :vie die Königin Luise, müssen sie führen, an dem deutschen Geiste, wie er aus den Briefs: der Karoline von Humboldt atmLt, muß sie sich aufrichten. Wer selbstverständlich schon in Haus und Geschäft gewissermaßen auch dom Httssdvenst dient, kann nicht zur Hilft in der Industrie her an gezogen werden. Werrn das Vaterland in Olefahr ist. müssen alle Kräfte hevangezoge:: bzw. zur Verfügung gestellt werden. Fichte saut: „Sage mir, was du arbeitest, so will ich dtt sage::, was im für das Vaterland wert bist." Wo es um das Dasein des Vrterlandes gttl, müssen alle anderen Einwendim- gen Aurücktreten. Bon verschiedenen Frauen wurden :tun rwch praktische Fragen gestellt, die von der Rednerin, Fraulein Keller, in zufriedensteller:-. der Weise beantwortet rvurden. Ferner verdiertt noch hervorge- hob«: zu «Derben, daß von einer Dame darauf hingewiesen wurde, die in den Magazinen noch, vorhandenen erbeuteten Kleiderstofse' für die im HilfÄneust arbeitenden Frauen M verwenden. Professor Glisevius, derzeitiger Rektor der Landes Universität, bitte mit, daß sich erfreulicherweise die in Gießen studierenden Damen, soweit es möglick) ist, für den Hilfsdienst znr Verfügung stellten, :md Frau Oberstleutnant Naumann betonie. Man werde sich bentüheu, die von der Rebm'vn: MlSgeführtt:: Gedanken in Gießen in die Tat umzusttz«:. Mit bestem Danke für alle gegebenen Anrogaorgen schloß der Vorsitzende die Versammlung. Das Andreaskreuz. ch das schvögliegerch-e Kreuz, das Andreaskreuz, aufwies. Diese Taksoche sowie der ftrner ebenso wichtige Umstand, daß das Gold«:e Mies eine bedeutende Rolle in der gric-ckäsck)«: Argonaut«rsage MEt» lassen doutlich genug crkenaren, daß Philipp der Gütige zur Gründung des tt: Rede steharden Ordens durch ein byzairttnijclM ^orbildangevegt worden ist. Spater hat dos Goldene Blies «kn besonder«: Charakter als TapferVehsordon aufgegeben, und es stellt, wie bekannt, heute den hüchsstk»: Orden Oesterreich und Spaniens dar. Die besondere Eigenschaft als Tapserkeitsorden hat sich der A:rdroasorden bis zur jetzigen Zett in Rußland bewahtt; er wurde im Laufe des gegvnwctttigen Weltkrieges in großem Mengen on solche, die sich ihn öhrlsch verdient ^haben, mehr aberj noch an solche, die ihn nicht verdient l-abon, ^verliehen. Auch i:^ der Aera Keren ski wurden rwch Berleihrmgen des Andrea so rdmÄ vorgenommen, den das russische Reich neben so vielem! anderen einst aus Byzanz übernommen Hai * *' Anekdoten aus dem Leben Theodor Momm- s e n s. Heber Theodor Mommsen, dessen Gelmrtstag sich am 3 0. November Mm 10 0. Male jährt, wurden stets^ wie über jeden großen Gelehrten, eine Unmenge Anekdoten m Umlauf gesetzt. Wenn auch manches davon :m Laufe der Zeit ein wenig abgeändert oder arrsaeschmückt worden sein mag. so läßt sich doch gerade aus den Anewoten wegen ihrer Würze und ihres typischen Inhalts manches Charatteristische entnebmen. Nattirlich fehlte es auch nicht an Geschichten über^ die übliche Zerstreutheit, die ia jedem Oftlehrten anhasten soll. So lvurde sogar behauptet, Mommsen lrabe bei mehreren Angelegenheiten feine eigenen, auf der Sttaßc spielenden Kinder rncht gekannt, und dies sei so weit gegangen. daß er sie mehrmals nach ihrem Namen fragte, bis er Bescheid wußte. Mehr Glaub«: kann man den Aussprüchen schenken, die W. Ahrens in seinen Gelehrten--Nnekdoten zu berichten weiß. In der Beurteilung wissenschaftlicher Werke war Mommsen äußerst fenp, und auch gekrönt«: Häuptern gegenüber war dann seine Kritik mchtS weniger als milde. AlS Napoleon III. seine zweibändige „5^tstvire de JtileS Cssarf^ schrieb, ließ er hierfür von vielen Forschern Untersuchung«: anstellen, imd aus seine Einladung war auch Mommsen nach Paris gekommen, um ihn Au berat«:. Als d«:n das Werk erschienen war und Mommsen von einem Bekannten nach dem Buch gefragt wurde. der es seinem Sohn schenk«: wollte, erkimdigre sich der Historiker: „Wie alt ist Ihr Sohn?" „14 Jahre." „Dam: ja! Ein Jahr älter, wäre er dem Buche entwachsen." Einen tteftenden Beleg für den Humor, den Mommsen auch in äußerlich ärgerlichen Sittationen nicht verlor, liefert ein Geschichtä^en aus der Zeit, da er als Redakteur der „Schleswig-Holsteinischen Zeitung^^ in Rendsbicrg tätig war. Das Blatt mÄdet eines Tages von einem bekannt«: dänischen Agitator, daß er sich erhängt habe. Doch bald stellte sich heraus, daß man einer Falschmeldung zum Opfer gefallen war. und der angÄ>lrch Erhängte erschien in höchster Erregung in der Redaktion bei Mommsen, um ihm in nicht gerade gewählten Worten die heftigsten Vorhaltungen zu machen. Mommsen ließ den anderen ruhig toben und meinte sHießlich gleichmütig: „Ich werde morgen die Berichtigung bringen, Ihr kräfttaeS Schimpf«: habe der RÄwktwn zu vollster Evidenz bewiesen, daß Ihnen die Kehle keineswegs -zugeschnürt sei." — Als Lehrer zeichnete sich Mvmmser: durch seine stets wache Kritik sich selbst geg«ttlb«- aus. Nicht selten hielt er Vorlesungen über Themen, die er erst im Lause der Vorlesung durcharbeitete. Bei solchen Gelegenheiten sah er sich berat öfter zu der mtt vollkommenster Ehrlichkeit abgeaebenen Erklärung gezwungen: „Meine Herren, was ich neulich behauptete, kann aus dem und dem ©nntbe nicht bestehen." — Schließlich sei noch ettres Scherzes gedacht, den Helm^rltz über Mommsent machte und der der Abgeordnetenwürde des Gelehtten galt: „MS im Jahre 1877 der 60. Geb:lrt§ta.g Theodor Mommsens von der Berliner Stichentenschaft d:rrch einen Zkommers gefeiert wurde, hiett Helmholtz als Rektor der Universität eine Rede aus den berühmten Historiker rmd gedachte dabei auch der varlainentu- rischen Tätigkeit des Gefeietten, der damals Abgeordneter des KreiseS Kalm: war. „Darf ich," so schloß der Redner :mter stitt'- Mischer Heiterkett, ,charf ich in der Sprechweise seines Wahlkreises von ihm reden, so möchte ich sagen: Mommsen ist weder — kahl noch liil"