ßr. 272 Zweites Blatt Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags. 9 Netlagen: „Giehener ZmnillenblStter" und „«reisblatl für den Kreis Kietzen". Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbehank Sietzen. kör. Jahrgang euer Anzei, Seneral-Anzeiger für Gberheflen Montag, J9. November W ZwillingSrunddruck und Verlag; Brühl'scheUnwersitäts-Buch-u.St.'indruckeret, R. Lange, Gießen. 5chriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße 7. Geschäftsstelleu. Verlag: 1, Schriftleitung: 113. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGieizen. A«- Stadt nnb Land. Gießen, den 19. November 1917. Luthers Fortleveu im deutschen Volke. Sflc» Msck.luß der Gi.es; ener Luther-Feiern veranstaltete gestern atzend der Gvangelrsche Bund, in de^ Stadlkrrche eine Feier, bei der Waner v. Wartz aus Darmstadt über „Luthers Fortleben im deutschen BÄbe I Prach. Nach e inleitet tden Orgelklängen. und Aegrüspmgs worten des Vorsttzetrden, Professor Tr. Schmoll ergriff Pfarrer O. Waitz das Wort und zeigte in scharf durchdacht rat, kllrren Ausführungen, wie Luther mich, heute noch im deutschen Holke fortlebt und wirkt. Von welch überragender Bedeutung das Werk und die Person Luthers sind, erkennt man erst recht, wenn mm sieht, nne alle Fäden der heutigen Kultur, der Wissenschaft, der Politik von ihm aarsgehen, wie sein Geist in allem lebt und tätig ist. Nacht mit Unrecht sagte ein bedeutender Politiker der Jetztzeit: „Napoleons Geist. 'Nt tot, Friedriärs des Groszen (Steift ist im Verblassen, Luthers Geist ist im Wachsen?" — Das deutsche Kolk weis; aber auch seinen Luther z-u schätzen, zu achten und zu chven. Das beweisen die Denkmäler sowohl in Stein wie in Worten, die inan, ihm fetzte/ das beweist die unendliche Hochscltätzung, die unsere größten Staatsmänner, Gelehrten, Dichter, Denker und Musiker ihm und seinem Werk erzeigten. Seine Bibelübersetzung, sein Katechismus sind nnoergäntftich, and selbst diejenigen, welche fernem Wollen, )einet Lehre entfremdet gegenüberstehen, können sich dem Einfluß der mächtigen Persönlichkeit nicht ganz entziehen. Luther steht als Külturfaktor auch in der heutigen Zeit im Vorder, grund. Sern Geist, sein Glaube, seine Frömmigkeit, sein Pflicht- bamchtsein gingen in das deutsäie Volk über und waren beseelende, h stärkende Momente» als im Jahre 1914 das Vaterland ganze I Männer forderte. In seinem Geiste, der der Wissenschaft die Wege ß tatc, der anregend und fördernd auf Kultur, Gesittung, Kunst | und Literatur wirkte, eÜten die deutsckzen Truppen von Sieg zu ' Sieg. Deutsch sein, heißt gewissenhaft sein wie Luther, furchtlos | irrtb treu. Ihm, dem Stifter des Bundes zwischen Wissenschaft und §' Glaube, ihm, der zeigte, daß Deutschtum und Evangelium fest miteinander verbunden sein müssen, schuldet der Deutsche alles. — Zum Schlüsse bewies der die Unrichtigkeit des nur von * selbstsüchtigen Bbotiv-en geleiteten Pazifismus. Mt dem Gesaust des 3. und 4. Verses des Luther-Liedes „Und wenn die Welt voll Teufel war" schloß die Verbnstaltung. o ** Arn tliche Personalnachrichten. Der Groß, berzog enrpfing zum Vortrag: den Staatsminister Dr. t. Ewa kd, den Fiuanzminisber Dr. Becker, den Minister detFmeerrl Dr. v. hiombergk zu Bach, den Vorstand des Kabmetts Wirkst. Geheimerat Römheld; außerdem den Generahmaßor z. D. v. Erüg er. —* Durch Entschließung ldwßh. Ministeriums des Innern wurde der Aspirant des höheren Lehramts Matthäus Werner zu Gießen zu.m Lehramtsassess'or ernannt. — Entlassen wurde aus dem Schuldienst am 14. November die Lehrerin Georgine Klei u- mann zu Laubenheim auf ihr Nachsuchen. — Der Groß- herzog hat am 17. November den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Hungen Wilhelm Volk zum Oberamtsrichter bei diesem Gericht ernannt und den Amtsrichtern Paul Schmidt in Gießen, zurzeit im Heeresdienst, Karl Heck- ler in Osthofen, zurzeit im Heeresdienst, und Philipp Glenz in Grünberg, zurzeit im Heeresdienst, den Charakter als Amtsgerichtsrat, dem Landgerichtssek^etar August Kn a f in Darmstadt den Charakter als Justi^rat und dem rtaatsanwalt Mols Gros in Gießen, zurzeit im Heeres- ienst, den Rang eines Landg erichtsrats erteilt. * Auszeichnungen. Schütze Karl Hahn wurde die I beslrsche Tapserkeitsmedaiffe oerlieteu. Sein Bruder foemanaii Lpahn wurde zum Unteroffizier befördert und gleichzeitig mit dem | Uernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. — Dem Musketier *atfflmg Sier wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. — ©ent Kaufmann Albert Isenberg von hier wurde das Eiserne rveuz zweiter Klasse verliehen. - - Musketier Heinrich Wagener km hier ivurde zum Gefteiteti befördert. ^ ** Grober Unfug an Briefkästen! In einigen ' Stadtteilen haben die Beschädigungen am den Straßen- ! briefkästen durch Schulkinder und halbwüchsige Burschen im letzten Jahre erheblich zugenommen. Abgesehen von H Beschmutzungen der Briefkästen und Eiuwerfen vo-n Steinen und dergleichen, werden vorzugsweise die Scheiben mutwillig zertrümmert, die Leernngstaseln beschrieben und die Drehscheiben verstellt. Sollte den: Unfu-ge rcicht zu steuern sein, wobei auf die Mithilfe des Publikums gerechnet wird, k p würde sich das Postamt im Hinblick auf die Knappheit der f Mhstoffe veranlaßt sehen, küitftighin die Leernngstaseln an ! den Straßenbriefkästen ganz zu entfernen. I ** Ein Da uerm ieter war der am vergangenen Freitag auf den, neuen Friedhofe zur Ruhe bestattete ^chuhmachermeister Hermann Sche lper. Er bezog bei seiner Verheiratung im Jahre 1873 die von seinent Vater l leit 1668 nrnegehabte Wohnung im Hause Lindengasse 10 Md blieb in derselben bis zu seinem Ableben, also volle H Jahre. Schelper war Veteran von 1866 und 1870/71. ^**ZifytbilbeT)3avtxaq. Der Vertreter der Kunstgeschichte an der Landesuniversität, Herr Professor Dr. Rauch, der als Delegierter des Kaiserlichen Kommissars und Mtlrtartnspekteurs der freiwilligen Krankenpflege seit langer Zeit im besetzten Gebiet tätig ist, wird nächste,: Donnerstag um &/ 2 Uhr im Physikalischen Institut eifteu Bortrag ,Mon flandrischer, franzö-sischer und deutscher Kunst" halben, bei dem zahlreiche neue Aufnahmen aus dem Felde vorgeführt werden. Wir machen auf diesen Vortrag, dessen Ertrag für das Kunstwissenschaftliche Institut der Universität bestinrmt ist, besonders aufmerksam. Näheres rm Anzeigenteil. Am seiner selbst und Ses Vaterlandes misten erfülle jeder seine Ehrenpflicht! Die ©olDitittütffffele in den Räumen der BeMssparWe Gießen ist morgen von 2 bis 4 Uhr geöffnet. Landkreis Gießen. ** Birklar, 18.N»v. Der,Musketier Heinrich Schöck von hier erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. ** Climbach, 18. Nov. Musketier Friedrich Karl Back- y ans wurde mit dem Eisernen Kreitz 2. Klasse ausgezeichtiet. Kreis Büdingen. ^e- Büdingen, 18. Nov. Der Schütze Philipp Müller nchtelt die Hesftsche Tapserkeitsmedaille. — Ter Fürstl. HofjZger Chrtsttan schmück feierte dieser Tage sein 25jähriges Tienst- lübtläum. e. Burg Pr acht. 18. Nov.. Mit dem Eisernen Kreuz 2 Kl wurden Karl und Heiirrich^ M i ch e l ausgezeichnet, Wilhelm Mrchel erhielt die Hessische Dapferkeitsmedaüle. e. Eckartsborn, 18. Nov. Wachtmeister Karl Wörner wurde znm O f siz ierst teil Vertreter befördert. e. Hain chen, 18. Nov. Dem Gefreiten Fr. Hühn wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Kreis Schotten. e. Schotten. 18 .Nov. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde dem Landsturmmamr Heinrich'! Repp II. verliehen. e. Al tenha in, 18. Nov^Gesreiter Wilhelm Schwab erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille, früher das Eiserne Kreuz. Q Gedern, 17 .Nov. Die letzte Sammlung für die Hindetr- burgfvende hatte wieder ein schöivs Ergebnis. Es konnten abge-> liefert rverden: 72 Grer/230 Pfund Sanerkraitt, Hl Pfund Graupen, 31 Pfund MM, V Law Brot, 1,Büchife Bohnen, V/ 2 Pfund Latwerge, V/ 2 Mmtd Hülsenfrüchibe, 3 / 4 Pfund Butter, l 3 / 4 Pfund! iHafergrütze. An Geldgaben wmHen außerdem noch. 29,50 Mark gespendet. e. Köbz-enhain, 18 .Növ. Der Schütze Otto Kraft, Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille, erlag int Alter von 22 Jähven einer schweren Krankheit. e. Rainrod, 18. Nov. Lehrer Wam Schmier wurde zum Oberleutnant der Reserve befördert. e. Wohn fei d , 18. Nov. Den Heldentod fürs Vaterland starb, 28 Jahre alt, der Ersatzreservist Johannes Schnabel. Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille. \ Kreis Frledderg. Q. Bad-Nauheim, 19. Nov. Um sich einen Apfel aus der verschilosseiten elterlichen Wohnung zu holen, stieg der 13jährige Fritz S t eu ler auf das Dach des Hauses, um in'die Obstkammer zu gelangen. Ter unvorsichtige Knabe stufte ab, erlitt einen Schädelbruch und zog sich auch sonst schwere Verletzungen zu. Starkenburg und Nheinhessen. I. Darmstadt, 17. Nov. Das Note Kreuz veranstattet an Großherzogs Geburtstag eine H a n s s a m m lu n g. Von lauten Veranstalttmgen, Promenadekonzerten, Straßen verkauf wird mit Rücksicht auf den Totensonntag abgesehen. I. Darmstadt, 18. Nov. Freiherr Hehl zu Herrns-. heim erlitt, wie gemeldet, am Donnerstag, als er eben den Vorsitz in der Hauptversammlung des Ernft-Ludwig-Vereins übernehmen wollte, einen Ohumachtscin^äll und mußte ins hiesige Kranken- -ortesirwger ^-erioenviung. vugrr i 2 ngensnun ttaym er etne haus geschafft werdett; das Beftnden des Patienten gibt zwar zu Mähe Es dem Felde hier eingegangenev Pckketchen, die er an die feinen < '}\efnrnrii)iert rrtpür vlrriafc hnrfi tne'-hen iinA\ ni ff**, l., r»_r. , . r, keinen Besorgnissen mehr Anlaß, doch werden iroch eitrige Tage vergehen, bis er nach Worms zurückkehren kann. I. Darmstadt, 17. Nov. Me Bank für Handel und Industrie errichtet in Michelftadl eine Depositen fasse fttt den Odenwald. N. Erben hausen, 18. Nov. Dem hiesigen Bürgermeister Herrn Karl F e l d m a n n ivurde das Kriegsehrenzeichen verliehen ch Aus Rh ein Hessen, 19. Nov. Das Weingeschäft ist belebt. In Nackenheim sind die 1917er Weine von 5500—6000 Matt auf 6000—7000 Mark gestiegen. Sehr viel witrde sch-M ver- banft. In Edsheim gingeit etwa.100 Stück 1917er zu je 4600 > 4800 Mark, in Dexheim etwa 50 Sttick zu je.5000 Mark, in Dalheim eine ziemliche dldenge zu ,je >4800 Mark, in andere!t Besitz über. In Spiesheim kostete das Stück !l917er 46M Mark, in Guntersbluni 5000 Aiatk und in Dolgesheim wurden 26 Stück zu je 4400 Mark abg'esetzt. In Ävdeuheim wu.rden 50 Stück 191 ler Portugieser Rotwein zu je 6500 Mark verkEft . Hessen-Nassau. Fran kfu.r t a. M., 17. Nov. Me Nachforschungen der Polizei nach dem Mörder der Paula Weigel haben heute zur Ermittlung des mutmaßlichen Täters geführt. Es handelt sich um detr 23jührigen Schsreinex und früheren ü rattkenhausdiener .Karl Martin Suter Es Oberhofen, Kreis Hagenaü. Suter hat sich durch das .am Tatort zurückgelasseite Buch „Werthers Leidett", in dem eine Mannheinter Wohnungsadcesse stand, verraten. Nachforschungen ergaben, daß dort der Suter gewohnt hatte und seil Freitag.aus Mannheim verschwunden ist. Me Sektionsbefnnde, daß mrr ein rm Zerlegen von Tier- oder Menschenleibern beivanderter Mcann !den Mord und die Verstümmelung der Leiche vollsührt haben körmte, werden durch Suters Beruf als Kr an len laus dien er bestatt gt. Suter ist nach der Mordtat nach Mannheim zurückgewhren. Als ^ Freitag früh die ZeitungsMeldungen von der ?lusfindung des Buches llnd der auf ihn hinweisenden Adresse gelesen hat, verschwand er und ging flüchtig. Er kvEte bisher nicht ergttffeit werdett. Doch sind seine Personalien genau bekannt, da er vorüber geltend bei der hiesigen Straßenbahn beschäftigt ivar. Ob Suter die Weigel schE i länger gekannt hat, fmtnte twch nicht ermittelt werden. Das li?,>e I sich erst feststellen, wenn der eigentliche Besitzer des verräterischen Buches einwandfrei ermittelt ist. Denn es ist möglich, daß dig Weigel selbst die betteffenven Namen in das Bitch ginge trage-,: hat, wodurch ihre schon längeren Beziehimgen zu dem Mörder betviesen lvürden. ** Frankfurt a. M.. 19. Nov. Eine hochwillkommene Schenkung verdankt der Zoologische Garten dem ;ur Zeit im Felde .stehenden E Frankfurter Tierbildhauer Carl .Wagner. Dieser erhielt im Frühjahr an der Ostfront aus dem.Horst einen jungen sch Warzen Storch, zog diesen auf, hielt ihn gezähmt und überbrachle ihn gelegetttlich eities Herbst Urlaubs dem Gartm, dem diese wichtige Art seit zwei Jahren kehlte. Ter schwarze Storch gehört zu den dem Aussterben nahen 'Tierarten, den sog. „Natuc- denrmälern", deren BeranschaulichEg in den Zoologischen Gärten besonders wichttg ist, da der für diese notwendige Schutz nur dann wirksam betrieben werden kann, wenn tveite Kreise mit diesen Es- sterbenden Arten bekannt und vertrant werden. Eine weitere immer seltener werdende Tierart, die im größten Teil Deutschlands be> rerts völlig fehlt, ist der stattliche, kluge üolkrabe. Ein schönes Exentptar dieser ^Art wurde tteuerdings beschiafst. Für die so beliebte Reft- Ed Fahrbahn wurden ztvei mazedonische Esel neu eingestellt. Als benrerienswertes Brutresnltat ist dix Nachziccht der reizenden rußköpftgen Zwergpapageiett (Rnßkövichen) zu ver-.ttch- neu. Nachzuchten erfreuen die Besucher auch wieder bei den Roten Riesen-Känguruhs. Prächtig gedeiht das im Garten gezogen e iEge Böckchen der seltenen Pallah-Antt-lope. In der vor ttrrzem für dieses Jahr geschlossenen PilzaussielluNg .wurden seit Juni wett über^ 100 verschiedene Arten, größtenteils in biologisch wahrer Allsitelltmgsweise, dem Publikum vor Augen geführt. -- I d st e i n, 17. Nov. Tie Frau des im Felde stehenden LEd- wtrts^Enders Es Strinz-Trinitatts loollte ihr schwer erkrank-- tcs Tochterchen in das hiesige Krankenhaus bringen Unterwegs- aber starb das Kind bereits, so daß die Mutter unftehrte und wieder nach .Haust fuhr. Als fte sich ihrem Heimatdorfe näherte, stand ihr ganzes Besitztum mit Ausnahme des Wohnlmuses in Flammen. Trotz rascher Hilfe, die aus allett Nachbardörfern herbeigeeitt war, brannte der Hoß nieder. Gevichtsscrai. I. Darmstadt, 17. Nov. Ein 17jährigcr Hilfsarbeiter aus Offeitbach war wegen schwerett Diebstahls verurteilt, aber bedingt begnadigt worden. Das machte auf ihn einen so ttefen Eindruck, daß er alsbald mit einem Genossen in seiner Heintat Urbarach einen zweiten Einbruch verübte, nnd zwei Hasen tmd einen Sack stahl. Er erhielt von der Strafkammer 3 Mottatc Gefängnis, doch wurde ihm aldbald wiederum bedingte Begnadigung in Aussicht gestellt. X Hanau, 17. Nov. Vor der Strafkammet^ mußte sich gestern in dem achtzehn Jahre alten Jakob Heinrich^Ps. von hier wieder einer jener leichtserttgen Burschen verantinorten, die, durch die Zeitverhältnisse ttotz ihrer Jugend in eine Vertrauensstellung bertifen, das in sie gesetzte VertrEen in der schnödesten Weise mißbrauchen. Pf. war zu Beginn dieses Jahres auf den: hiesigett Postamt Üls Allshelfer angenommett toorven, er wurde zuerst'mit dem Entleeren, der Stadtbriestasten beschäftigt ntrd fand dann als Briefträger VerwendEg. In dieser Eigenschaft ttahm er Adressaten zu besMen hatte, mit nackx Hause und beraubte sie lhres Inhalts. In tvelchent Maße er diese Plünderuttg betriebet habüe muß, geht aus dem Befund einer bei ihm vorgenommenen Haussuchung hervor, die Zigaretten, Zigarren, Tabak,' MalzLlffve, Katao, Seife, Stearinkerzen, Pulswärmer, .Taschentücher uflv. zu Tage förderte. Ter Staatsanwalt hob in seinem Plaid?yer hervor, daß die Sichjerheit auf der Post 'unter affen U in ständen gewahrt werden müßte, und beantragte gegen den bisher tmbeschaltetzen> Angeil-agtett eine Gefängnisstrafe v>on 8 Mottaten. Auch der richtshof hielt eine strenge AhndEg des Vergehens geboten, da die Post in der gegenwärtigen schweren Zeit-derartig bestohlen wird, daß man kaum noch wagt, nicht ein ge schrieb erte Settdut:-- gen aufzugeben. - Das Urteil lautete wegen Amtsunterschilagung nnd Betrugs aus- 7 Rdonate Gefängnis. zweites ttonzert des Gießener Uonzertvereins. Gießen, Vn 19. November 1917. «L Einett erlesenen Genuß bot der musikalischen Welt Gießeirs »Wern der Klavierabend von FrE Frieda Kwast-Hodapp. EAinstlerin vereinigt Efs beste die Vorzüge eiuv'S tiefd'urchi- »oachtett, innerltcheit Vortrags, sprühenden Temperamimts, feinen i Anschlags und glünzonHer technischer Schulung. Gleich nnt il'ver i Mkn Gabe, Rogers Variattoiten und Fuge über ein Thema voit « Ammm op. 134, bot sie Bollertdetes. Reger beschrettet hier neue I oder vielmehr er lenkt in alte zurück. Seine Bariationett- ß lechmk früherer Werke, ettva der Back>- oder Hillervartattonen. wo dem Thema itt freiester Weise geschaltet wird, indem betspiels- durch eine Art Vivisektion Themateile vom Ganzen losgerissen ? W selbständigen Gebilden guafi fantasia verarbeitet und ans- ^fponnen werden, ist hier völlig Esgegeben. Das tarnt am Thema A?en, es tann aber auch in Negers Schaffen selbst begründet sein, ^ m seiner letzten Periode eben ein Ederes geworden ist, — und 5*^ t|t das Wahrscheinlichere, denn die zeitlich .Nächstliegenden I "^erttjariaturnen für Orchester zeigen ^dieselbe Tenidenz: überall i leoer einzelnen Bariattpn das ganze Thema zugrunde und sioe Variation behält den ihr von 2ljn.'vegmn eigenen, besonderen ( M^^kter getreulich bei. Damit ist eine Forderung erfüllt, die seil f ^owone Rossis Zeiten bis auf Jvhcmitxs Bralnns — also seit , uoer drei Jahrhunderten —- in der musikalischen KomPositions° Mas als selbstverständlich gegolten ftp. Deshalb machen Ech die «Nw'N ns Variationen einen so durchaus geschlossenen und abge- d? m ^uoruck. Iw einzelnen zeigt das Werk alle Besonderheiten Ar Ktaviersatzes, der sich besonders aus Schnmawij.' und Liszt entwickelt hat und danteben noch getvisse Züge w wer Orgel her aufwoist. Die Künstlerin zeigte sich den» hier gestellten technischen LWorderungen vollEf gewachsen und verstand es ebenso, den seelischen Gehalt restlos auszuschöpfsni Prächtig gelEgen ilir besonders die zarte Nr. 13, die imposante Nr. 23 nnd die Fuge; der seitenlange Orgelpunkt aus f, der orckiestrale Wirkung anstrebt und fast über das hinEswächst, was man biffigerwei.se noch vom Klavier verlangen kanin, wurde glänzend bewälttgt. Das ganze Werk, das an die Hörer nicht geringe Ansprüche stellt, wurde mit großem Enthusiasmus aufgeuomnten. Noch heikleren Ausgaben in technischer Hinsicht stand die Künstlerin in den selten gespielten Paganini-Bariattonen votl Johannes Brahms, op. 35, gegenüber. Nur solche, die mit der Bewältigung des Technischen völlig abgeschlossen haben, dürfen es wagen, Hand an dieses Werk zu legen, das mit Unrecht abseits steht und mehr musikalischen Gehalt in sich birgt, als ein ganzes Mltzend Lisztscher Rhapsodien. Es ist bewundernswert, zu sehen, wie der noch in Schumannscher Schreibweise (Tokkata op. 7 usw.) arbeitende Komponist immer mehr in das Thema hineinwächst, sich verselbständigt nnd hinter aff den DrahtverliEen von Oktaven , Terzen- und Sextengangen, Trillern und Glissandos einen köstlichen musikalischen Kern verborgen hält, den die Künstlettn vortrefflich heranszuarbeiten verstand. Besonders Et kam die 3.Va- ttalion zu Gehör, wo die aufgelösten Akkordtöne wie Bälle zwischen den Händen hin- Ed hcrjongliert werden: imponierend in ihrer urwüchsigen Kraft wirkte Nr. 7; vollendet kam auch das Presto aus Nr. 14 heraus, daS in seinem bizarren Spiel mit harmonischen Nebennoten bereits Reaerfche Technik vorEsahnt und womit die Mnstlerin ihre wohldnrchdachte Auswahl ab schloß. Auch diese Gabe wurde mit reichem Beifall ausgezeichnet. Sehr großzügig war die Wiedergabe der F-Moll-Sonate von Beethoven, die wegen ihres leidenschaftlichen Schwunges der beiden EckMc den Namen appaaeioData trägt. Temperament voll erklangen die Mlegros, besondere Wirkung hatte der letzte Satz; einige Schwanttmgen und Freiheiten im ersten Satz in agogischer Beziehung wollen wir der Künstlerin gern zugute halten. Zart mrd innig floß das in überirdische Verklärung getauchte andante con moto dahin, das besonders von feinem Anschlag Zeugnis ablegte. Mit ihr Bestes bvt Frau Kwast-Hodapp daun tu ihrer letzten Nummer, den 11 Präludien von Chopin aus Op. '28. Wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Künstlerin diese Stücke ganz besonders gut liegen: zeigte doch die durchweg meisterbafte Wiedergabe, nttt welck überz.'ugend-er Sicherheit sie imstEde war, den übevEs verschlitngenen Wegen des Kvmyontslen bis in die süv- tilsten Feinheiten hinein zu folgen, so daß es schwer ist, aus der Fülle des Vortrefflichen einzelnes heraus zu heben. Wenn wir trotzdem die musikalisch-poettschen Auslegungen des G-dur , E moll- u. F dur-Präludiums, schließlich das technisch sehr sä wierige. in der Melodie merkwürdig an die Appossionata antlütgende D-tnoff- Präludium besonders namhaft machen, so soll damit keineswegs gesagt sein, daß die anderen irgendwie weniger wirksam zu Gehör gebracht worden wären. Alles itt allem tonnte die Künstlerin auch nach dieser Darbietung sich lebhaften Dankes des begeisterten Publikums erfreue« und mußte fiel, nach mehrmaligen Hervorrufen zur Zugabe von Mozarts d^'likat gespieltem Rondo alla lnrea sowie einer Beethoven scheu Bagatelle verstehen. Wir aber wollen ihr danken, daß sie uns neben solchen Werken, die seit Dez * l:n Heimat'recht in affen Konzerftälen besitzen, auch solche nave . bringen wußte, die weniger bekannt sind, und daß sie als Vortärnpferin für Negers noch wenig gewürdigtes Lebenswerk eine Lattze zu brechen den Mut hatte. Tr. ©, R