Br. 274 Ift Weiter Kneifer erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: OirhenerHamilienblütler: Kreisl U.tt für den Krct Gtetze«. vezug et$: münotl. 1 t, vierteljährlich L 'lt.\ durch Abhole- u. Ziveigstellen monatl 9- Pf.: durch die Post Mk. 3.— viertel- fährt, ausschl. Bestellg. Kenrsprech - Anschlüsse: für dieEchriitleitnugI12 Verlag, Geschaitsstellebl Anschrilt fürDrahlnach- nchtew Anzeiger Stehen. Erster vlatt 167. Zahrgang Mittwoch, 2t. November \%i Postscheckkonto: Stöntfurl a.M. U686 Vankverkehr: Gewerbebank Siegen ZwllUngrrttnüdruck u. Verlag: vrühl'jche Univ.-Zuch- u. Zteiudruckerei tt.Lange. Zchrrstleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Lchulftr. 7. Annahme van Anzeige, f. die Taqesnummer bis zumNachmiltag vorher. Zellenpreise: für örtliche Anzeigen 20Pf..für auswärtige 25 Pf., b. Plalzvorschrift 30 Pf., für Reklamen 75 Pf. bzry. 90 Pf., nebst 2O°/gTeuerlt>lgs-uschLag. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. Goetz; Stadt und Land, Vermischtes u.Ge- richtssaal: W. Meyer; Anzeigenteil: £>. Beck; sämtlich in Gießen, (WTB.) Großes Hauptquartier, 20. Nov. (Amtlich.) Westlrcher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rup«recht. Der Artillcrickaurpf in F l a n d t r n nahm gestrrn nachmittag vorn Houthoulster-Walde bis Zcurdvoorde bedeutend zu,und hielt auch nachtsüber mit unverminderter Heftigkeit an. Starkes Zerstönmgsftuer lag auf dem Kampfgebiete bei Poeleapell? und Plassckrendaelc. Im Artois. Lleidcrseits der Searpe, bei Bullcrourt und Queant lebte die Geftchtstätigkeit auf. Feinölickpe Ausklä- nmgsabteilungcn wurden im Nahkamps zurückgeworfen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Wrdlich von So isso ns und auf dem östlichen Maasufer war das Feuer gegen die Vortage erheblich.gesteigert. Ihn» folgte gegen den Chrmmewald der Angriff eitles französischen Bataillons. Sr wurde mit schweren Verluste:» unter Einbuße von Gefangenen abgewiesen. Unser Veenichtungs- ferrer zerschlug den noch mehrfach am Abend zur Wieder!- holrmg der Angriffe sich rüstenden Feind in seiner Bereitstellung. Unternehmungen eigener Mißlungen nördlich und östlich von Verdun hatten Erfolg. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. Keine größeren Kampfhandlungen. Mazedonische Front. Aus dem westlichen Wardnrufer drangen bulgarische Stoßtrupps in die französischen Gräben ein und machten Gefangene. Italienische Front. Starke Gegenangriffe der Italiener gegen die von uns evlcherten Stellungen am Nordhange des Mt. Tomba führten gestern zu erbitterten Kämpfen. Das Feuer unserer Artillerie und Maschinengewehre lichtete die Reihen des in dichten Häuft»» anstürmenden Feindes. Die Infanterie warf ihn in seine Ausgangsstellungen zurück. Starkes Feuer hielt in diesem Kampfabschnitt an. An der unteren Piave nichts Neues. Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff. m Der Abendbericht. Berlin, 20. Nov., abends. (WTB. Amtlich.) Lebhafte Feucrtätigkeit bei Poelcapelte und Passchen- doele. Im Gebiete zwischen den von Baparnne ur»d Peronne auf C a m b r a i führenden Straßen hat der Engländer mit starken Kräften angegriffen und Gelände gewonnen. Unsere Gegenmaßnahmen sind in vollen» Fluh. Im Osten keine größeren Kampfhandlungen. Aus Italien nichts Neues. Die Tteuert Reden der Herren Asquith und Lloyd George im englischen Unterhaus sind in nrehr als einer Hinsicht interessant. Es handelt sich dabei zwar um eine klar von den Ereignissen sich abhebende Streitfrage, nämlich, die Frage, w-ie man die auseinanderstrebenden Elemente der Entente am besten unter einem Hut und einer Befehlsgewalt Zusammenhalten könne, aber inwieweit diese Zw-eck- mäßigkmtserörterungen auf pesscknisttschen oder optimistischen Grundstirmnungen beruhe»», ab oie rednerischen Vertreter dieser Gegensätze innerliche Ueberzengtheit und Freudigkeit in» Herzen tragen c^>er in halber Verzweiflung auf die Wahl des kleineren Uebels bedacht siicki, das fesselt imsere Änfmerffamkeit ganz besonders. Das Theater, auf den» Asguith Und Lloyd George gegenwärtig anftreten, besteht wirklich nur ans schwankenden Brettern. Lloyd George hatte in Paris die bisherigen Methoden der Kriegführung auf das schärfste kritisiere. Er hatte in Aussicht gestellt, daß der neue Kriogsrat in Versailles alle früheren Fehler der Herfahrenheit künftig werde vermeiden könne»». Asguith stellte ihn Nun in» Unterhanse vor ein paar unangenehme konkrete Fragen. Ob der Versailler Rat den»» die flandrische Offensive verhindert oder anders gestaltet haben würde, ob Lloyd George glaube, daß ein vielköpfiger Rat schneller und gründlicher arbeite»» werde als die selbstver- antwortlichen Generalstäbe. Da gab der englische Diktator manches auf von dein, was er »n Paris gesagt hatte. Er minderte die Bedeutung der n-eugeschaffenen Einrichtung erheblich herab. Vielleicht arbeitete er hier der voraussichtlich ei »»setzenden Gegend estrebung des »venen französi- Men Miinisterpwüfidenten 'vor. Gs galt, auch diesen zu überzeugen, daß der »reue Rak ja nur eine Zwischeninstarrz sei, daß die letzte E»»tscheidnng nicht bei ihm liege. Me auffällig sind manche seiner Sätze! „Ich beschloß, eine una »»genehme Rede zu halten." „Wir gehen ernstlichen Besorgnissen entgegen." „Wenn »vir einig bleibe»», gelingt der Sieg." „Ans England darf nicht die ganze Last des Krieges ruhen." Das heißt also, taoä der Diktator auch selbst näher ansführte, England genügt es einstweilen, wenn seine Verbündeten ein bißchen in Angst geraten: dann, we»»n sie ihre Abhängigkeit von E»»gland innig fühlen, werden sie der führenden Macht in London sich noch besser fügen als bisher. Lloyd George sprach von dem „armen Frankreich", das von beinahe bOjahrigem Druck erlöst sein wolle, aber er ging dann, ohr»e dieses Thema werter auszuspinnen, zieinlick) unvermittelt auf einen anderen Gegenstand über. Vielleicht sollte Lloyd George beginnen, ganz leise die Unterfrage an die Alliierten zu richte»»: Seid Ihr überhaupt noch fähig und gewillt, bis zurErreichung Eurer früher gesetzten Ziele wei- terzu fechten? Lloyd George beschloß, seine neueste, unangenehme Rede in dem Augenblick zu halten, da der Tiger Clömenceau auf die Bühne schreitet. So messen sich die Kräfte, und daß Lloyd George nach seinen eigenen Worten die Aufmunterungen auch auf Ainerika gemü»»zt hatte, ist vielleicht ein Wink für Wilson, mehr als bisher für die Kriegsführung zu tun, oder aber — im Sinne der Beendigung^ des Streitens zum Sammeln zu blasen. In dieser Lage sehen wir unseren Harcptgegner gern. Und es scheint, als härten unsere Staatsmänner vorläufig es nicht rLÖttg, nach irgendwelchen Verhandlungen mit England zu suchen. Richtiger erscheint es uns, was der Abg. Dr. Heckscher in der „Voss. Ztg." gestern schrieb : „Was aber das deutsche Volk u»»d seine berufene Vertretung verlangen können, ist die Gewähr, daß das Regime Kühlmann den Bruch mit der Bethmannscheu England-Politik bedeutet. Weder. die AnLahmmg einer parlamentarischen Regierung, noch auch irgendeine Friedensresolutivr» des Reichstages, »»och nochi auch feierliche Erklärungen über Elsaß-Lothringen fördern die Fricdensbereitschaft Großbritcurniens. Ganz im Gegenteil; sic verstärken den inneren Zusammenhalt der fci»»dlichen Koalition, sie stählen die Widerstandskraft Englands, urrd sie entmutigen nicht öuletzt jene Völker der Entente, die sich den goldenen Klammern und der brutalen Meeresgewalt Englands zu entwinden ttachten. Folgt hellte die Feder des deutschen Diplomaten in kongenialer Weise dem Schwerte Hindenburgs u»»d Ludendorffs, so ist die Svrnde nahe, da die ftiggestive Kraft der englischm Staatskimst zusammen bricht. Dann »vird auch die Stunde kommen, da Ergland erkennt, daß^ eine Verständigung mit Deutschland für eine lebensvolle Zukunft des englischen Volkes von schicksalsschrverster Bedeutung ist. Warten wir diese Sti»»rde mit der Götz-von-Berlichlingen- Gebärde gegen England urvd mit einer gleichwertigen aktiver» Politik nach, Petersburg und Rom-Mn in Ruhe ab, so ivird ein siegreicher, zufflnftsstarker Friede das Werk der unvergleichlichen Leistungeu unseres Volkes urid das geniale Wjerk unserer Heerführer sehr bald krönen." Der österreichjsch-uugarische Tagesbericht. Wien, 20. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: In dern Gebirge zwischen Brenta und Piave wird an den Nordtzängen des Monte Diruba erbittert gekämpft. Alle Versuche der Italiener, verlorengegangene Stellungen durch opferreiche Gegenstöße zurückzngewinnen. blieben erfolglos. Der Feind erlitt schwere Verluste. Sonst ist nbchts Besonderes zu melden. Der Chef des Generalstabes. * * * Italienischer Bericht vom 19. Nov. In der vergangenen Nacht lebhafte Artillerie- käinpfe zwischen dem Gardasee und der Ast ach. Auf der Hochfläche von Schlegen legte der Gegner heftiges zusammenge- faßtcs Feuer auf unsere Stellungen am Att»nte Tvudarer und Monte Bedeneche, oh»»e indessen einen Jnsanterieangriff zu unternehmen. Unsere Abteilungen ergriffen teilweise die Offensive und eroberten vorgeschobene Stücke von Schützengräbe»» zurück und nahmen °6 Offiziere und 202 Mann gefangen. Südlich von Quero griffen bedeutende feürdliche Kräfte unsere Linien am Monte Tomba an. In der Ebene verhinderte die Tap'erkeit unserer Truppen den Feind, seine Bersuä-e, den Uebergang über die Piave zu erz»vingen, zu erneuern. Feindliche Truppe»» wurden mehrmals tagsüber von unfern Fliegern in der Senke von Prinrolano u»»d »»ackcks trotz heftigen Windes nordwestlich vom Susegana und im Tezza di Live»»za mit Bomben beworfen. Eil» Tagesbefehl des Generals Diaz. Basel, 20. Nov. Age»rzioldaten u»»0 eine große Geschichte uitter erfahrungsreichen Führern, die von jenem Geiste der höchsten Ergebenheit beseelt sind, die den schönen Ruhm ihrer Väter ausmachte. * * * Eine neue Nede Wilsons über Deutschland. Amsterdam, 20. Nov. (WTB.) Mf der Konferenz der amerikanischen Federation of Labour hielt Mil son den Blätter»» zufolge eine Rede, in der er U. a. sagte: Die ganze Welt hat vor dem Kriege die Leistungen T>entschla7»ds auf geistig^ und materiellem Gebiet bewundert. Tie de»»tsckMi» Männer der Wissenschaft machten Deutschlands I n du st r i e vielleicht zur leistungsfähigsten der ganzen Wttt. Tie Handesmatt'e „Made in Germany" »oar die Bürgschaft für solide Arbeck und gütes .Material. Mle Märkte der Wielt stunde»» Teutschjland offen, alle Kaufleute fürchtete»» seine zielbeivußte, fast u»»widerstehliche Konkurrenz. Amerika vermochte mit Teutschlaud nicht gleichen Schritt zu halten Trotzdem waren die führenden Männer Teutschilands »»»cht zufrieden. Es gibt in Deutschland keine wichtige Industrie, auf die nicht die Regierung ihre Hand gelegt hat, um sie zu kecken »md tvcnnt nötig, auch zu konttollieren. Teutsehbmds Fabrikanten mi»b Exporteure konkurrierten u»tter de»n Schatz und mit Unterstützamg der deutschen Regierung. Es war also ei»»e Konkurrenz, die »vck innerhalb unserer eigenen Grenzen aus gesetzlichem Wege zu pe»> hindern trachteten. We»»n die Deutschen ihre Ware »»ckht billiger vettauftu kon»cken als wir die wrsrige, koratte»» sie Beihilfen ovni ihrer Regierung erhalten, »vas ihnen ermöglichte, unter allen llm^ ständen billiger zu verkaitfe»». Tie Konkurrenzb^ck»g»»ngen wurden mithin' ft» weitgehÄWem Maße von der deutschen Regierung unter Aufsicht gehalten. Die Herrschaft der Maximaliften in Rußland. Kopenhagen, 19. flöov. (WMB.) Asus ei»»er Reihe vor» liegender Telegramme auß Haparanda geht hervor, daß deü Rat der M a x i m a l i st e n , das Recht der verschiedenen Nativ- Nalitäten, sich von Rußland ziu trennen und ihre Ilnabhärrgigkeck zu proklamieren erllärt hat. Die Ukraine hat sich bereits als! unabhängig erklärt. Wiecker lautet ei»»e Mletdung, daß, eimi Anzahl von MSaxinralistenführer, die sich, bisher in Stockholm aufgehalten haben, nach, Petersburg abgereist sind. K ö p e n ha g e n, 20. Nov. (WTB.) stöach einer Meldung des „Sozialdemokraten" aus Haparanda veröffentlicht die ausl änt»-, dis che Vertretung der Bolschewik» folgende dldeldung über die Lage in Rußland: J!n Petersburg herrscht Ordntztug. Alle Nachrichten über Progrome sind revolutionsfeinjdliche Lüge»». Am letzte»» Freitag verlautete in Petersburg, daß Tschernöw in die Arbeiterregierung eingetteten sei. Tie Mehrzahl der Frontttuppeli! steht -auf Seiten der Llrbeiterregier-ing. Das gleiche ist in Charkow der Fall. In den Kos-ake»»gebieten herrscht U»»eckckgkeck, jedoch nesinen die armen Bauern eine Haltcurg gegen die Kosaken ein. Tie aitsländische Berttetnng der Bolschewik» ist gestern nachmittag 4 Ulr mit Smtderzug nach Petersburg abgereist. „SozialdenWttaten" beinerkt hierzu: Im^ Gegensatz hierMt stehen die Telelwantme, die von dem englischen Wrrespoitdenten in Petersburg abgesandt »vordm siüd »md die die Lage in den sckiwärzeststt Farben malen. Na»»»«»tlich halten sie sich gern» bei de:»» Kvsaken-- geireral Ka ledin m»f, -der in den meisten englischen Telegramnven als der 'kommende istäa»»n bezeichnet wird. Man möchte denken, daß die eitglische»» Gerüchte über de»» Vormarsch Kaledins gegast Petersburg vo»» dem bvelrneuden Wunsch diktiert werden, die Frie- densrevolrttiou d»»rch die. Kosaken niedergeschlage»» zu sehen. Wie cs sich auch v»it den »»»»bestätigten Gerüchte»» verhält, nicht »minter- essant ist es, zu sehn», w>ie das liberale Engla»»d und das republi- kmrische Frankreich ikwe Hoffmlng und ihre»» Trost ans die Kosaken setzen. Ab-er vorläuftg liegt kein GV»»nd vor, daß die verhaßtem Koscckenl)orden die freien Arbeiter Rußlands besiegen nZerde»». K o p e»»h a g e»», 20. Nov. (WM.) Wie „Berlingske Tidende" aus Haparanda genteldet »vird, teile»» Reisende, die gestern aus Petersburg dort eingetroffen sind, mit in der Hauptstadt sei das! Gerücht verbreitet, daß Kerenski sich in Psko»v aus Verzweiflung über die Lage ersschHsien habe »»nd die allgenreine dLufftvffung die..sei, daß in 10 Tage»» Petersburg ausgelMtgett sei und die Abreise der Eutertte-Botschafter bevorstehe. Seekrieg. Neue U-Voot-Erfolge. Berlin, 20. Nov. (WTB. dlmtlich.) 1. Eines unserer U-Boote, Ko»nnla»»dL»tt Oberleutnant zur See Wend- landt, griff am 11. November m der syrischen Küste operiwende feindliche Geestreitkräfte, die sich auf geringer Wasserttefe und hinter Netzen sicher glaubten, mtt hervorraglendem Sch»»eid an nrtd vernichtete einen grvßei» englischen Monitor so»vie eiirei» Zerstörer durch Dorpedodoppelschuß. Der Feind hatte bein» Iftrtergang der Schiffe erheblickM Mannschaftsvorttrste. 2. Auf den» nördlichen Kriegsschauplatz »vur- den durch unsere U-Boote fünf Da»npfer versenkt, darunter zwei vollbeladene englische Dmnpftr, die bewaffnet wäre»». Der Chef des Adnriralstabes der Ndarine. Aus dem Reichstage. >Mbg. Dr. Werner ^Gießen hat folgende Anfrage cin- gebracht: Ist der Herr Reichskanzler bereit, dahin zu wirken, daß die angeordnete Urlaubssperre auch Zürn Besten des gewerbetreibend den Mittelstandes unverzüglich corygehoben oder eiugeschrärckt wird? Wegen der Dringlichkeit oer Sache erbitte ich eine beschleunigte schriftliche Antwort. Demselben Abgeordneten ist auf sein Schreiben vom 2 August 1917 folgende Antwort zugegangen: Militärisch ist alles geschehen, was möglich ist, um die Kriegsgefangenen an der Flucht zu hindern und vor allem ein Ueberschreiten der Landesgrenze zu vereiteln. Jmmerlsin ist ein Cntwei von Zivilkleidung oder Lebens mittel Vorräten zu setzen. Anderseits lehrt die Erfahrung, daß ein Ueberschreiten der Landesgrenze geflohener Kriegsgescmgetier nur unter denkbar schwierigen Verhältnissen, urtter großen Entbehrungen und bei Lebensgefahr gelinget konnte. Bei den Fluchtversuchen sind mehrfach Kriegsgefangene erschossen worden. Die Auffassung, daß Kriegsgefangene in Deutschland, insbesondere die Offiziere, verhätschelt würden, trifft nicht zu. Will Deutschland sich aber der wertvollen Arbeitskräfte der Kriegsgefangenen in nutzbringender Weise bedienen, so kann mir aus Grund erttäglick)er Lebens-edingungen eine gute Arbeitsleistung, erzielt werden. Einfache Fluchtversuche ^Kriegsgefangener sind nach dem Haager Abkommen nur disziplinarisch zu bestrafen. Deutschland hat mit England und Frankreich — mit Rußland schweben noch Ver- handlrrngen — die Disziplinarbestrassung nochmals ausdrücklich vereinbart, so daß eine Verschärfung der Strafbestimmungen nicht in Frage kommt. hleußerlich sind alle Kriegsgefangenen in Deutschland und in den besetzten Gebieten durch besonders vorgeschriebene, in die Kleidung eingenähte Abzeichen genügend kenntlich gemacht. - Abg. Tr. Heck scher hat folgende Anfrage gestellt: Aus Grund zuverlässiger Berichte stellt fest, dass auf der Insel C o'r- sika deutsche Zivil- wie Militärge fangene in Sumpffiebergegenden beschäftigt werden. Was gedenk' der Herr Reichskanzler zu tun, um die französische Regierung zu veranlassen, diesem Zustand ein Ende zu mack-en? Eine schristliä)e Antwort genügt mir. Aus dem Nel^e Payer preußischer BANdrsrats-Bevollmüchtigter. Berlin, 20. Nov. (WTB. Amtlich.) Vizekanzler von Bayer wurde durch das königlich preußische Staatsministerium auf Grurrd Allerhöchster Ermächtigung zum Bevollmächtigten Preußens zum Bundesrat ernannt. Rücktritt des Staats ekretars Tr. Schwrmder. Berlin, 20. Nov. (WTB. Amtlich.) Der „Reichs- und Staat serir-eiH-er" veröffentlicht folgernde Bekanntmachiurgen ^ Der Karser und König geruhten, den Staatssekretär 'des Resichswirtschaftsamtes Dr. Schwander unter Verleihung des Königlichen Kronenordens zweiter Klasse mit Stern mit dem heutigen Tage von seinen Aemtern zu. ant- birrden nvb an seiner Stelle den Unterstaatssekretär für Elsaß-Lothringen Freiherrn v Stein zum Staatssekretär des Reick)swirtschiastsamts unter Verleihung des Charakters Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz zu erüennen. Der Kaiser und König geruhten, den Vortragenden Rat -im Auswärtigen Amte, Geh. Legationsrat Wilh v. Rado- witz zum Unterstaalssekretär in der Reickiskanzlei unter Verleihung des Titels und Ranges eines außerordentlichen (Gesandten und bevollmächtigten Ministers zu ernennen. Die „Nordd. Allgern. Ztg." schreibt: Der Staatssekretär des ReichswirtsclMftsamts Dr. Schwander hat den Kaiser um Enthebung von seinem Posten gebeten. Für dtch'en Wunsch SffIvanders waren airsfchließlich persona liche Gründe maßgebend. Der Staatssekretär glaubt, wegen seines Gesundheitszustandes die Arbeitslast, die mir der Leittrng des Reichswirtschaftsamtes verbunden ist, nicht tragen zu können, hofft jedoch, den Ausgaben des ihm altvertrauten Amtes in Straß.bürg, das er wieder HU. übernehmen gedenkt, gewachsen zu. sein. Der Kaiser hat das Abschiedsgesuch Schwander s genehmigt und den Uitterstaatssekretär Fveiherrn v. Stein zum Staatssekretär des Reichswirts cha fts am tes ernannt. Wie wir hören, war es Dr. Schwander selbst, der ans Frhrn. v. Stein als den geeignetsten Nachfolger hinwies. Rücktritt des Unterstaatssckretärs Müller? Köln, 20. Nov. Wie die „Köln Ztg." von nnierrich-- reter Seite hört, soll der Unterstaatsselretär des Kriegsernährnngsamtes, August Müller, entschlossen sein, dem Beispiel Dr. Schtvanders zu folgen und ebenfalls aus seinen: Amte zu scheiden. Dre Gründe seines Rücktritts sind nicht bekannt. Aus Stadt und Caud. Gießen, den 21. November 1917. Die Bewirtschaftung der Kartoffeln. Neben dem Brot ist die Kartoffel zurzeit das zunr Durcl)- halten wichtigste Lebensmittel. Die Karwffelernte ist im Großherzogtum zwar durchgängig eine gute gewesen, gleichwohl steht zu befürchten, daß die Kartoffelvorräte im kam--, wenden Frühjahr knapp sein werden, weil, wie sestgestellt werden konnte, gegenwärtig eine große Verschwendung mit den Kartoffeln getrieben wird. Es mackw sich daher ein jeder Haushalt klar, daß er mit den ihm zugemessenen Kartosscl- rationen auskommen muß. Die Anforderungen an die Kommunalverbande wegen Ausfuhr von Kartoffeln in Gegenden, in denen die Ernte nicht ausreicheitd ist. sind groß. Die Marmeladefabriken erhalten große Kartosfelmeugen: zur Herstsiluug von Kar- tofselsabrrkaten werden ebenfalls große Lieferungen verlangt und unter Umständen muß auch mit der Freigabe für Futterzwecke gerechnet werden. Sparsamkeit ist also sehr wohl am Platze und das allbekannte Mittel, die Bestände durch Erdkohlraben zu strecken, sollte txüd>t unberücksichtigt bleiben. ** K o ch t die M i l ch a b! Es wird wiederholt die Fifft- stellnng gmnackst, daß viele Ocute die Milch, die sie zum Genüsse erhaltoir, nichl abkoichm. sondern ungekocht ver- nwnden. Da unter den houkigen U-rrstäwben dieses Befahren nur als schädlich. bezeichne, rm-rden kann. >vird nachD ück- lichst daraus hin,gewiesen, die znin Ew msse beffcünnite Milch gleich nach Empfang abz-ukorhen ** S l ä d l^i s ch e r G e ni ü s e v e r k i u f. Morgen Donnerst a gund Samstag vor- und nachmittag kommen in der städtischen Gnnüseveriettungc stelle, Brandplatz b Oberkohlrabi, das Pfund zu 20 Pf., Erdwhlrabi, das Pfund zu 5 Pf., Weißerüben, das Pfund zu 4 Pf., Wirsing, das Pfund zu 13 Pf., und Weißkraut, das Pfund zu lO Pf., zum Verkauf. ** Amtl iche Personalnach richten. Der Groß- herzog hat am 3. Novernber d. I. dem B^irksliafster der Bezirks lasse Fürth, Rechirungsrat Karl L a u ck h a r d zu Fürth, aus Äiilaß seiner Versetzung in der, Ruhestand die Kvone zum Rit.erckreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großniütigen verlieh n. ** Prinz Ludwig von Hessen, der zweite Sohn unseres GvoßHerzogspaares, vollendete gestern sein neuntes Leoensjahr. *.* Fest-Vorstellung. Am Samstag, 24. November, findet im Stadtthrater eine Fcst-Vorstellung zur Feier des Geburtstages des GroßhcrzogZ statt. Der Reinertrag stießt dem Roten Kreuz (Opfertag) zu. Näheres siehe Anzeige in heutiger Nummer. ** Iungwehr. Die 1. Abt. tritt zum Turnen, die 2. 9lbt. zur Instruktion an. Nächsten Sotmtag sindet keine Uebung statt. ** Gießencr Hausfrauen-Verein. Wir verweisen wiederholt auf die am 22. November im Hotel Jürsten- hof^ (E i n g a n g - W c tz st e i n g a s s e) stattfindende Hautzt- versammlung, mit der eine Ausstellung von Schuhen verbunden ist. (Siehe Anzeige.) Die von dem Verein veranstalteten Lehrkurse sind bis Weihnachtell besetzt, doch siltd neue Lehrgänge in Aussicht genommen. Ferner sind zur Weiterbildung in der Anfertigung von Sckiuhmcrk Kurse für Fortgeschrittenere vorgesehen. Die Teilnehmerinnen an den bisherigen Kursen haben dann Gelegenheit, ihr Können noch zu vervollkommnen. ** Großh. Bezirkskasse. Aus Anlaß des burtsfestes des Gvoßherzogs ist die Großh. Bezikckskässe Gießen am 24. d. M. geschlossen. Die an diesem Tage fälli- ^en Zahlungen werden dol)er schon Fvertag den 23. d. M. stattfinden. Fahrpreisermäßigung. Ans die Bekanrtt- machung der Kgl. Effenbahndtrektton im Anzeigerrteil der herrtigen Nurmner wird hiirgewiesen. ** Zur Metall-Beschlagnahme. Bekanntlich besteht die Absicht, für die beschlagnahmten Tür- und Fenstergriffe, Scksilder, Rosetten usiv Ersatzstücke aus Holz und anderen Stoffen in kunstgereckMr Werse Herstellen zu lassen. Wie wir hören, hat sich dieser Tage die an der Herstellung solcher Ersatzstücke ernstlich interessierte Industrie zu einer „Fabriken-Vereinigung für Metall-Ersatzteile" zusammengeschlossen, um bte von der Behörde zur Vergebung gelangenden Aufträge auf vollständige Garnituren gemein« |cnn übernehmen und ans führen zu können. Diese new' gebildete Bereinigung der verschiedensten Industriezweige hat es sich gleichzeitig zur Aufgabe genracht, praktische wrb gediegene Ersatz-Bffchlägc-Modelle herauszubringen. Unsere Industrie hat ja bereits für viele Dinge einen guten und gediegenen Ersatz geschaffen, lvarum sollte es ihr diesmal nicht gelingen? Bei den in Betracht kommenden großen Mengen — es handelt sich allein um über 100 Millionen Türbeschläge — müssen natürlich mehrere geeignete Materialien zur Verarbeitung gelangen. Man rvird darunter sogar Luxusansführungen finden können, z. B. werden aus .Hartporzellan vielerlei stilgerechte Modelle zmn öffentlichen Verkauf kommen, die selbst die heutiaen Bronze-Garnituren in den Schatten stellen. Hartporzellan ist außerdem sehr dauerhaft und in hygienischer Beziehung der eimuand- freieste Stoff. Wir köicnen also der Metall-Auswechselung undesurg t entgegen sehen. ** Das Mirakel wird im Lichtspielhaus täglich | vorgeführt. Siehe Artzeige. ** I m Cafe Ernst L itb w i g findet heute Mittwoch ! von 4 Uhr an Konzert statt. Siehe Anzeige. Kreis Büdingen. D ü d i n g c n , 21. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielten der Bizefeldwcbel Reinhard H e n z e l und der Sckütze Frco^z H e i n z. — Orles hauseri. Das Eiserne Kreuz erhielt der Sgmtze Na- \ zarenus. — Babenhausen. Zum Unteroffizier befördert tourde der Gefreite Rvb'tt Carl, In.Haber des Eisernen Kreuzes. — U s e nbo r n. Zum Eisernen Krercz erhielt die HessisckM Tapfer» keitsmedaille der Lcnchsturmrnann Karl Löffler. — Bisse s. Das Eherne Kreuz erhielt der Offiziersaspirant Lehrer Heinrich Spengler von hie:- Unteroffizier in einem Infanterie-ReMö ment. — U ii t e r - S ch m i t t e n. Zum Vizewg chttn riß er besördeM Mirdc der Sergeant Jakob Loos, Inhaber des Eisernen Kreuz» und der Heffrsclien Tapse'keitsm^Haiue. — Geiß-Nidda. Da- Eisernr- Kreuz erhielt der Muskcne, Otto Reinhardt. Kreis Schollen # Schotten, 21 Nov. Theodor Metzle erhielt zum Eisernen Kreuz die Hessische Tapferfrirsmebaill i und ltnir'oc zmn Unteroffizier befördert. e. L a r d e ,l b a cd, 20. November. Landwirt Daniel K n ö ß 'und seine Ehefrau Anna Margarete geb .Lein feierten am l7. November d. I. ilrre goldene Hochzeit. Li reis Fricoverg. N Z. Bad-Nauheim, 21. ilLov. Glück im Uirglück hatte ein h'eck^es Tüntsttnädchen, das, um einen entfl-ogenen Kanarim» ! vogel emzufangen, auf ein Glasdach gestiegen war, durchbrach, k ! Sck-eiten zertrümmerte, in den Hof stürzte und — bis auf einig« tteine Hautkratzer unverletzt blieb. Starkenburg und Rhemhessen. R.M.K. Da r m st a d ?, 21. Nov. Das Kupferdach des Hochzeitsturmes auf der Mathildeirhöhe wird soeben abgetragen, um für Kriegszwecke Benonrduirg zu finden. Die Menge ist ziemlich bedeutend. Zu diesem Zweck ist ein besonderes Schutzgerüst angebracht. DefscN'-Nassa». /?&?***,!**** tu M., 21. Nov. Nach Unterschlagung von 50000 Mark zum Nachteil eines hiesigen Geschäftshauses ist der 27jährige Kaufmann Rudolf T a e tz l geflüchtet. mr. Frankfurt a. M., 21. Nov. Ab 1. Dezember findet in unserer Stadt wegen des zunehmeriden Mangels an Personal imd der früh hercinbrochenden Dunkelheit am Nachmittag nur nocki eine Postbestellung statt. Fran k-für t a. M., 21. Nov. In einer Verfügung der Regierung zu Wiesbaden werden die Städte mtfgesordert, in den kommenden Weihnachtsferien, die ja bekanntlich doppelt solange dauern wie in frittieren Jahren, da die Herbstferien mit ihnen vereinigt werden, für Beschäftigung der Schulkinder durch gemeinsame Spaziergänge und Bewegungsspiele im Fräen zu sorgen. mr. Fr a n kfu.rt a. M., 21. Nov. Der Nationale Fraüen- drenst lv-eranstaltet in der Molche vom 2. bis 9. Dezember eine WeiA- Windelwoche, um so die dringend notwendige Säuglingswäscbe für die minderl'emittelle Bevölkerung zu sammeln. mr. Frankfurt a. M., 21. Nov. Der Magistrat heute in frül>ester NLorgensttcnde vcwl-astet. Fc. W i e s b a d e n, 21. N?v. Der berüchtigte Einbrecher Montreal, der kürzlich sckwu einmal in Köln verhaftet u>ar, aber ms- riß. wurde hier in einem Hanse in der GöbensLraße sestgenvmmoi. Montteal ist arißcrdcm fahnenflüchtig. Irr seiner Gesellschaft befand sich ein öderer Fahnenflüchtiger, mit dem er in' den letzten Tagen noch weitere Einbrüche verübt' hat. Giefjener Stabttljeatev* Perleberg. Komödie von Karl Sternheim. < Tatsächlich, Stern heim wird rätselhaft! Wer hätte gedacht, daß oer Verfasser des starken, von Leidensck>aften durchwühlten dramatischen Gedichtes „Ulrich und Brigitte" ein solch spießiges Lustspiel wie „Perleberch' schaffen konnte! Wer hätte cs für möglich gehalten, daß der geistvolle Satiriker und Polemiker Sternheim, der DiMer des „Bürger Schippel", des „Snob" und anderer glanzvoller Komödien zu den alten verbrauchten Mitteln des bürgerlichen Lusffpiels greisen und selbst Töne aus dem Schmiuktops der Marlitt nicht verschmähen werde! Auch der treueste Verehrer und Bmmndcrer Sternheim'scher Kunst wird zugcstehen müssen, daß „Perleberg" ein Fehlgriff ist. Hoffentlich ist cs nur ein Fehlgriff mto kern Rückschritt. Tenn es wäre jammerschade, wenn Steru- heim in die Aera Kadelburg einlenktc und sich mit den billigest Mitteln des Sensations- und Unterhaltungs-Lustspiels begnügen würde. Tie Handlung ist so simpel und flacli wie nur mögliche In dem gottverlassenen Nest Perlebar^ sitzen Adolf Ukrainer und Fritz Friefecke als geschworene, mißtrauische Gegner. Trotzdem bekommt es .ikr'amer^ fettig, seinem Sck-wager Friesecke seinen unrentablest Gaschof wlfznschwatzen, der kaum die Zinßm des venvendelen Zcka- pitals qusbrirrgt. Aber Frresecke gibt das Spiel nicht verloren. Er versuche, aus Perleberg einen Kurort zu machen. Der Versuch scheint von Erfolg begleittt zu sein. Da regt sich bei Kramer der Neid. Er will den S-hiwager ruinieren und ihm einen Bade-Gasthos gegenüber stellen. Aber Tack, der erste Kurgast in Perleberg, ein fchwendiüchtiger Vokksschullehaer, der in seinem Idealismus alles schön rindet, drängt sich zwifcheri die Beiden und predigt Liebe um» BersShnung. Der Idealismus siegt, Tack stirbt zwar als Opfer, aber die.Gegner versöhnen sich. Durch 3 Akte ichleppt sich die armselige Handlung hin und nur die scharfe Zeichnuna der Charaktere nnd der lebendige Dialog gck.m dem Ganzen ein freundliä-es, unterhaltendes Gepräge. Das rst aber auch alles Von einer neuen Künst, von ©terufjmm, dem moderen Kämpfer für moderne Probleme, ist hier keine Spur. Groteskes steht neben Banalem. Ernstes neben Drolligem und nur hie und da, wie im 3. ?lkt. tauchen, blitzartig erscheinerid und vev- lä.roindeiü), Lichttr au!, die den Satiriker Sternheim verraten. Es Mtft der Komödie keineswegs an Höl)epuukten, imd die Hand oes Meisters in der Tetattz«ichnuug ist unverkennbar. Aber die Bahnen, in der sich die Handlung bewegt, sind anSgctteten und wir waren bei „Sternheim" bisher BffsereS gewochtt. Das Lustspiel gehört zu denen, die nrft den Darstellern stehen und fallen. So ist die gestrige freundlicl>e Ausirahme nur der vor- ttefflickeu Aufführung zuzufchrciben, die. sorgfältig üirstudiett, unter der Leitung von Wül-elfn Stengel, wie aus einem Gusse dastand. Mit sichtbarer Liebe und Freude waren die Darsteller an ihre Aufgabe herangegangen und gaben Proben feinster Charakter risierungSkunst. Berblüfferch wirtte Lldolf Falken, der den schwindsüchtigen Tack prachtvoll toiedergab uns verkörperte. Man versaß pri diesem.Volksschullehrer, der durch li' richttge Einhalttmg der Mitte zwischen Lächerlichem und Mitlcidervegendem so überzeugend wie nur möglich wirkte, nahezu das Theater. Äöi 5ckcrl V o l ck , in dem toir eine bewährte, vertraute Kraft unserer Bühne tvieder begrüßen, war der ckwlerische Friesecke in berufenen Händen. Mit sicheren, cbarakteristtscherr Stricker, ohne liebertreib!uug, zeichMt-e Vvlck den Gastiwirt. Ebenso abgerundet und angep^ßk war die Leistung, die Kürt Wenzel als „Kramer" bot. Uneinge- scyranktes Lob verdieiken au.ch Luise Delosäa, die der Vkutter Friesecke tvarmes Leben verlieh, sowie Helene Kall mar, roelche die Nichte „Lerre" ^oirksam rviedergab. Tie übrigen kleineren Rollen waren dcmentsprecheird besetzt. — w. m._ n — Kriftoffer Janson f. Eine der merkwürdigsten (&** stalten des norwegischen Literatur- Mld Geisteslebens ist mit Kristofser Janson, dessen gemeldet wird. dahürgQmngion. 1841 zu Bc-raen geboren, empscug! er einttt für sein gauzeS Lebm ent-' scheidenden Eindruck, als er Björusous Rassische BanmurrMlung „Spnnäve Solbakken" keimen lernte. .Bon die>em Dkgeublick an trat er in den geistigeic Kreis, der sich um Äjörnsons mächtige Persbnllick^teit bildete, schloß sich der uatchfraleu Strömung der uo-rwegischen Dichttmg fax und entschied sich zugleich für jerve Erueurvung der norwegischen Sprache, di« in ttwer weiteren Entwicklung zur Eürführung der bekcnmten Baüevnsprache gesühtt hat. Kristoffer Janson ist ein begeisterter Vertreter oieser „Laichs- maal-Bewegtrug" geworden. Er foimntte sich der Thevbogie, zu- gieich aber der literarvsck>en TättgLeit, und fort von Teudcnzromanen bis zu Erbauungsfttfiriften, von Openttertcn bis zu Märcheu ün dev Bauerirsprache ein wertes Gebiet umspannt. 1878 wurde ihm zugleich mtt Björnsoir, Ibsen und Lic das Ticksterstipendiunr ver° liel-en, eine Tatsaäfe, aus der zu enttrehinen ist, tv-ie l-ochi sein literarisches Ausahen in Norn^gen gestiegen war. Ein Straft mit der Landeskirche, in den er 1881 geriet, veranlagte ihri, n>e.gen zu verlassen: er reiste nach Äineribr. wo er als Geisb lul)«r der ssandiuavisckxm ttiritarier in MiirneaPolis euren bedeutenden Einflu ßauf das Geistesleben aller Skandincrvier m den Vereinigten Staaten ansgeübt Int. Nach einem Jaln-zehnt fehrte er wieder nach Norwegen heim. Großes Aufsehen erregt seine SchcitEg von der Dichtenn Drude Jchrson, mit der er lange Jahre in glückl ickM Ehe gelebt hatte. Er veröffeutlichtc ltzerübeV „Ehe inch SckHidiMg" worauf seine ftühere Gattin unter dein Decknamen Jüdith Keller mit dem Romaive „Mira" nutu^rtete. Krptoffer Janson ist das Urbild der ergreiferchen Gesralt des Pastors Sang in Björnfons „Uebev die Kraft", doch bat Biörnso« gerstvvll uich ttvfsend bemerkt: „Ich habe ihn um eine Oktave heraufgesctzt." Immerhin maMe der lveißbärtige stutilichc Mann eineir bedeutenden Eindruck, besonders auf der Rvonerbühne Em mildn Glanz umleuchtete ihn, und weim er mitten in fernem Bor- tüfige die Arme hob mtb mit seiner schönen tiefen Stimme einen Psalm vorttng. so verfehlte das seinen Eindruck nicht. Seit ittnell Rückkehr aus Amerika verkündete er einen religiösen Unttarisn«» mit spiriftstifcheiu EinsMag. Trotz seiner Vc^gristeriuigssäü.ckeit feUte es Jcruson nicht an Lamve nnd Ironie, und selbst seiner geliebten Meister Björnson verstand «r uranches Mal eine fein' womsche Seite abzngttvbinerr. — Kants B e r u f n n g n a ch M i t a u. In der Mitanischm Mnseumsbibliotl-ek ist unlwcgst ein Bci.'f mifgefundeu ivorbm, der über eine geplante Berufung Kants nach Mitau 'Aufschlüsse gibt: Professor O.Elemen teilt über ihn nird die.« Berufung Kants. Nälteres mit. Die älteste Kmttbiographie, die von Ludwig Emst Borowski — 1801 —- streift die Berufungen Kartts nach Jena, Ettangen !imd Halle nnd trägt in einer eigmhändigeu Ran^ bemerkung .Kants nach, daß, er dan-eben auch euren Ruf nach Mitau erhalten hatte. Es liandelte sich dabei uni die Academia Pettina, das abldemisch.' Gpmnasnim. das vom Herzog PeNr 1775 eröffnet wurde. Schon 1773 wußte ein Bruder KcmtS, Johann Heinrich Kant, der in Mitau ansässig tvar, sein Bruder Immanuel sollte nach Mitau berufen »werden. 1775 geschah dies, als der Philo' soph Professor Harttnamr in Mitau gestorben war. Ter jetzt aus* gefundene Brief stammt von dein Gräzisten Koppe und'ist am 3. Dezember 1775 geschrieben. Koppe weiß damals sckwn von Kant, „daß er nicht rammt imb von seinen' .König nüsit g : v'.'M mird". Harttnarms NaMolger wurde Mießlich der Köui,. H*t Theologe Starck, bert Kaitt selbst möglicherweise t&orö'efd)lagcit iiutte. Letzte Nachrichten. (WTB.) Großrs Hauptquartier, 21. Nov (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. In Flandern lebte bas Feuer von Mittags an bei Dixmuidcn und vom Hortthoutster-WaLd bis Bacelaere auf. Zwischen Poelcapelle und Passchendaele nalnn e§ auch gestern Wieder große Heftigkeit an. Gesteigerter Feuenvirkrrng an mehreren Stellen im Artois folgten feindliche Erkundungsvorstöße. die abgewiesen wurden. Zwischen Ar ras und St. Quentin leiteten starke Artilleriekämpfe englische Angriffe ein. die dem Hauptstoß zwischen den von Bapaume und Perouse nach Cambra^ fülwmd'n Straßen angesetzt waren. Während dieser den Einbruch unserer Stellungen in Richtung auf Enmbrai erstrebte. hatten die nördlich, und südlich vom Hauptkampf.'eld.- bei Meneourt und Veudhuille gefirhrten Augnffc örtlich begrenzte Ziele. Zwischen Fontaine, Lcs Croiselles und Ricn- lourt konnte der Gegirer bis über unsere vordersten Linien hinaus Vordringen. Aiff dem Haupdangriffsfelde gelang es dem Feinde unter dem Schutze zahlreicher Panzer kraftwagcn Gelände zu ge Prima loileffeoseile Ia. Fettgehalt, kein Tonzusatz usw. Probestück bei 10 Stück a 3.30 Mk., Nachnahme 3.50 Mk. ÄZekr. Meyer, Leer, (Ostfriesland), Kirchstraße 53. 07275 Sorgt für Öen Winter! winnen. Unsere Reserven fingen den Stoß in rückwärtigen Stellungen auf. Die in der Kampfzone gelegenen Ortschaften, unter ihnen Graincourt und Marcoing blieben dem Feinde. Teile des in der Stellung eingebauten Materials gingen verloren. Südlich von V e n d h u i l l e brach der Angriff einer englischen Brigade verlustreich zusammen. Bei und südlich von St. O.uenti n war der Artillerie- und Minenwerferkmnpf zeitweilig gesteigert. Ein am Abend nördlich von A l a i n c 0 u r t erfolgender Vorstoß der Franzosen wurde abgewiesen. Das Feuer in den Kampfabschnitten hielt bis Mitternacht an und ließ Dann nach. Heute früh hat es bei Riem eourt erneut in großer Stärke begonnen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Erh'. hte Gefechtstätigkeit nordwestlich von Pinon und östlich, von C r a 0 n n e. ^ Auf dem östliche n M a a s u f e r lebte das Feuer nach Abwchr eines französischen Vorstoßes in den Morgenstunden am C ha u m e w a l d tagsüber nicht mehr auf. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz und Mazedonische Front. Keine größeren Kampfhandlungen. Italienische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff. Gabriele d'Annunzio gefangen? Paris, 20. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Der „Figaro" berichtet nach der italienMen Presse, Gabriele d ' A n n u n z i 0 sei s e i t n e u n T a - gen verschwunden und man befürchte, daß er m ote Hände des Feindes gefalle n sei. Mteörowailüie Seövächtüngen der ÄaümHicheiH November . 3917 0 » ?o « N "z, S Z «u ' B U # — ->— r? “-* s CK 2 CX —* -*«* -iS 0 - ■ c ^ — ö ; ■—* "d Ä 5 « 3 55 £» 1 S «> CÖ J ÜO i « a B Ä "Ü Kt c « uaL S “ «• ^ *5 1 .5 «'S"'» | eier.ä S-ä Wetter 20 .| 2” 7.6 7,3 ^ 91 10 Bed. Himmel 20 9" 8,1 7,2 1 88 — — 10 ft ff 21. 7" 8,7 8,1 ? 96 1 10 Regen Höchste Temperatur am 19. bis 20. Novbr. 1917 — 8,1' C. Niedrigste „ „ „ „ ,, 1917 — -f- 6,9' C. uraw^.-s?K 3 caaa)raB ^ r -jbiüiw um—— Ufr» \ fr. marke Dr. Gentner's Schuhfctt Tranoiin ist jetzt noch zu haben, decken Sie daher noch rechtzeitigIhrenBedarf. Schnhfett Tranolin erhält das Leder weich und macht es wasserdicht und dauerhaft. Hübsche Marine-Postkarten und Plakate. 8438hv Fabrikant: Carl Gentucr, chem. Fabrik, Göppingen. Bekanntmachung. Die Tlmtstage bei unserem Amte sind Dienstags vormittags von K—12 Ubr, nachmittags von 2—4 Ubr und Samstags vormittags von 8—1 Ubr. Gtetzen, den 20. November 1917. 8163 V Groich. Finanzamt. Steinhäuser. Gewinn-Auszug der 10. Preussisch-Süddeutschen (236. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterle 5. Klasse. 10. Zlehj^igstag. 19. November Auf Jede gezogen« Komnior ilnd zwei gleich hohe He» winne gefallen, nnd «war Je einer auf die ho«« gleicher .Vnmmer ln den beiden Abteilungen I nnd II (Ohne Gcwfthr.)" (Nachdruck verboten.) In der Vonnittacf'ziehung wurden Gewinne Uber 240 Mark gezogen. 188 Gewinne zu 600 M 68 105 195 648 11499 12669 17329 21042 25679 25720 28822 33187 35120 39593 40770 41162 44435 44730 45028 49637 61342 55638 55765 55819 58386 58675 59449 71769 72519 74380 74917 75399 75827 76471 76632 78198 78298 78941 85174 86895 94622 100279 102439 104316 103520 11S4P5 122C51 123549 126320 132276 134194 137336 140735 142639 245490 14^513 149671 150501 134497 157206 159482 158866 160093 164404 166641 170237 170329 174863 179957 180810 181010 181427 185367 185409 180670 186836 139685 190527 192540 193958 194019 194060 194451 198626 198711 201054 211421 211785 213219 216279 223682 224257 224408 229642 146 Gewinne zu 1000 M 2838 4899 9364 9930 11378 12063 12690 13911 14934 19172 21803 22982 23760 20530 28756 29400 38107 ^9799 44789 47589 61556 52073 52125 52246 55957 87730 72038 93704 04556 103460 304432 105469 109781 111400 113894 115728 113-372 110836 123860 124524 128710 131943 134536 141014 143214 147935 151789 162740 157055 162445 160756 172586 173340 176445 178735 181469 183808 1950^1 198077 190019 192085 19224- 193853 196804 197317 200102 200254 204768 208828 214521 2,15395 217632 220494 2 Gewinne zu 15000 M 68374 4 Gew'nne zu 10"00 M 15213 111167 2 Gewinne zu 6"09 M 215406 74 Gcw'mic zu 3'00 M 15700 19744 34162 34 60 44399 4604? 47469 43594 41008 49593 53197 g^32 63543 67694 81724 36999 39730 103374 103573 113036 122463 144300 147463 149708 152078 155636 162649 172173 178*13 183465 .187129 193736 194902 193162 202810 204223 20|p85 In der Nachinitlnirf Ziehung wurden Gewinne über 240 Mark gezogen. 8 Gewinne zu 5000 M 55635 77927 109270 104B3 54 Gewinne ’Ml 3000 M 7730 8064 10805 12851 16241 19906 25462 42587 51042 53909 57643 ^234 80473 67857 88897 95813 97136 101922 135856 133248 114031 143575 153203 169847 186371 109677 200300 162 Gewinne zu 1000 M 3986 5799 191 n 21411 34572 27454 20432 35351 37164 37392 40603 42747 60339 54494 61328 61488 63003 69721 77147 77307 ,2136 83590 32646 82929 84580 64850 85234 86239 818-3 92449 97526 99197 101342 1020*8 1149'8 116769 117'18 117449 5 23507 124511 127169 1270 U .129031 131605 134059 133967 139650 142893 144552 147200 162091 1.53644 159184 161797 165355 185419 16"408 16941? 171302 175016 176623 180820 181154 183531 188076 189339 391076 192801 192985 197080 201350 201686 296718 206900 209510 209753 222908 225210 22906? 229198 233404 212 Gewinne zu 600 M 3543 3904 4881 5452 6349 9370 10841 14765 16190 17936 19022 25537 27541 31592 33653 38433 39019 41491 43309 49721 51174 52073 53180 54733 57559 58693 59927 60393 6093 0 66200 69737 69947 71783 73168 73951 76633 767 80119 37124 88546 90951 93140 93664 94827 10600'. 100635 102538 102901 104529 111915 114305 114'~80 117833 113507 125987 134273 '35645 133350 137091 13°P08 J391O8 14O930 142662 146905 147283 14823'' 146085 157--79 155318 165796 106530 170000 170568 102.36] ]-- -] 177.--63 172908 173413 17553g 177913 J7795". iß?217 1*3.1?? 184865 186978 18757g 188625 133054 194-83 20^*5 207453 213405 214^5.3 914610 2149.53 216793 217148 210259 221604 222011 U&239 220426 228419 228701 232442 AkWme LMmstilkassc AM Die ri'rcknäridigen Beiträge zur Kranken- und Invalidenversicherung fm September können noch bis zum 29. 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