Nr. 252 Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des sonntags. Beilagen: ..Kietzener Kamilienblätte^' und „Areisblatt für den Ureis Kietzen". AMcheckkonto: Frankfnrt am Main Nr. \\m. Vankverkehr: Gewerbebaul Kietzen. chl. Jahrgang ietzener Anzeiger Keneral-Anzeiger str Gberheßen Freitag, ! SNaber M Zwillingsrunddruck und Verlag s Brüh l'jche Universuäts-Buch-li.St.'indruckerei. R. Lange, Gießen. 5chriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelle m'Verlag: Schristlettung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen. ßarihou Scoit Louis Barthon ist cm Stelle Ribots Außenminister Frankreichs geworden. Es erscheint unbegreiflich, was das Kabinett Parnlevö damit innerpolitisch gewonnen haben will. Denn Barthou wird sich mit den Sozialisten und Radikalen noch weniger vertragen als Ribot. Oder kommt es den Herren, die fetzt auf der Pariser Verbands- konferenz die starken Männer spielen wollen, gar nicht mehr lso sehr ans die innere Einheit an, wenn man nur nach außen hin „kräftig" wirken kann? llrtb das kann man mit Barthou. Gr hat es immer mit der herrschenden Ströimlung gehalten. Sern Aufftieg datiert von der Zeit her, als er erkannte, daß durch dre Panarnaaffäre' das Ansehen der Linksrepublikaner gelitten hatte und daß man nur mit einer Kurve nach rechts aufwärts fliegen konnte. Er stellte deshalb seine ganze Politik daraufhin ein, in das durch die Dreyfusaffäre berühmt-berüchtigte Ministerium Meline Al kommen, was ihm auch gelang. Clenrenceau hat damals die ganze Schale seines Zornes über Barthou ausgegossen Md. ihn den „kleinen Pvofitierer" genannt. Ihn und —< ,Poincars! Schon frühzeitig schloß sich Barthou, der ümner eine gute Witterung hatte, an den noch unbekannten Raymond Po in care an und ließ sich von diesem ins Schlepptau nehmen, so daß er 1906 neben Clemenceau das Ministerium Sarrien schmücken konnte. Im großen dreijährigen Ministerium Clemenceau wurde er Minister der öfsent- lichen Arbeiten und schrieb und redete, als habe er nie eine andere Meinung gehabt, wie sein einstiger grimmiger Gegner Clemenceau. Einen Marrn, der so gründlich seine politischen Anschauungen und Ziele ändert und dabei an die Spitze des Staates gelangt, hat man nicht mit Unrecht im Verdacht, daß er mit allen Hunden gehetzt, in allen Wassern gewaschen, ein Staatsmann nach dem Sinne Macchiaveils und Dalleyrands sein müsse. Bor mehreren Jahren schon beurteille Und verurteilte ihn ein Pariser Publizist mit folgenden Worten: „Es ist der Typ des gegenwärtigen Politikers; keiner kann mit ihm an Geschicklichkeit und Anp assni:gs fähig keil, an Skeptizismus, Geschmeidigkeit uitb gleichzeitig Nichtigkeit wetteifern; ja Barthou ist sogar mehr als der Typ des Politikers, er ist bas' vhmbol der Zeit der Plattheit, einer Zeit, in der die Politiker ohne Charakter, Kraft und Temperament, die Kriecher, Schleicher und Chamäleons obenauf sind." Kaum war Po in care im Januar 1913 Präsident der Republik geworden, berief er nach dem Rücktritt Briands seinen.Freund Barthou, der bis dahin Justizminister gewesen, zum Ministerpräsidenten. Und Barthou bewährte sich als das, was man von ihm erwartete, als Schürer des kommenden Weltbrandes. In seine Regierungszeit fielen der Fall Luneville, die Mißhandlung deutscher Touristen in Nancy und verschiedene aridere vorbereitende Handlungen, die zu der deutsch-französischen Spannung führten. Barthou war es, der öffentlich von dem Tage sprach, an dem des Landes Stolz und Würde es Erfordern könnten, daß Frankreich eine Herausforderung ergehen läßt und nicht lediglich an einest Verteidigungskrieg denkt. Barthou hat es wiederholt nicht an deutlichen Hinweisen aus die „bereits heute zwingenden Umstände" fehlen lassen, welche die Regierung veranlaßten, „keine Zeit mehr zu verlieren"; diese zwingenden Umstände lägen vor allem in der „nahe bevorstehenden Ueberlegenheit eines benachbarten Landes". Und Barthous Kriegsminister Etienne mußte vor den Turnern in Vichy den Angriffskrieg proklamieren mit den Worten: !,»Jhr werdet die Sieger von morgen sein — wenn ihr es stwllt!" Dieser Barthou also ist wieder da. Er ist während des bisherigen Krieges nicht müßig gewesen. Als Kommis der Entente bereiste er Neutralien. In Genf wurde —I— lli I || ■ I im | ■ MM—MD—B——— ———B80——■UBMB—1 er offiziell empfangen, geehrt mit Ansprachen, Orgelspiel, /Stationen, Verehrung der Trikolore, Gesang der Mar- fenlaise und gestattete sich vor 3000 begeisterten Zuhörern auf Schweizer Boden die Versicherung, Frankreich werde Friedensverhandlungen erst einleiten nach der Besiegung Deutichlands und wenn die Rückgabe Elsaß-Lothringens ge- su^rt sei. Also wie Ribot, nur jünger, kecker, draufgünge- rifcher. Uud im Rücken Poincars und sein streberisches Programm eines äußersten Spieles. Auf der Pariser Ber- bandskmiferenz soll der letzte Einsatz yingeworfen werden. Gelingt das Spiel, so wird der Kriegswagen ein Stück Wegs weitergejchoben. Gelingt es nicht, nun dann stürzt eben alles zusammen, Barthou, das Kabinett Painlevö und wahrscheinlich auch Seine Herrlichkeit Ray mond I. Luther und die evangelische Uirche. Ter dritte Luther-Dortrag, der aestern abend in der Stidt- rtrche stattf-and^ brachte als Thenra „Luther und die evan- aelrtz-che Krrche", ein Stoff, dem der Redner, Professor ch tan, nicht nur in jeder Beziehung gerecht wuche, son- dern der auch die zahlreich erschienenen frörer ungemein fesselte. An ises Kind weiß heute, wer Luther ist, weiß, daß in ihm der Schöpfer und Gründer der lutherisch-evangcllscl>e:t Kirche zu suchen ist, und fühlt instinktiv den gewaltigen Einfluß, der von oer überragenden Persönlichkeit dieses großen Deutschen ausgeht. Toch hiermit begnügt sich der Wissenschaftler oder überhaupt der denkende Mensch nicht. Für ihn sind die Fragen: „Ist Luther wirklich der alleinige Schöpfer der evangelischen Kirche, da neben rhnc noch ein Zwingli und Calvin sich behaupten?" und „wie kam Luther Izur Gründung der evangelisch,en Kirche?" von höchster Wichtigkeit. Auf beide Fragen gM allein schon die Gesckstchte eine zutreffende Antwort. Luther »sollte gar keine neue Kirche gründen, fair ihn galt nur das Bestreben, der Menschheit das wahre Evangelium zu verkünden und zu bringe::, jenes Evangelium, das sich chm in aller Größe und Herrlichkeit erschlossen hatte. Er beabsichtigte bei weitem nicht, neben die katholische Kirche eine andere zu stellen, sondern nur die vom Evangelium aügewichene zurückzuführen. Tie Christenheit sollte evangelisch werden., dem Cvan- geliuni sollten sich Tür und Herze:: öffnen. Luther ist der Gründer unserer heutigen evangelischen Kirche, das ist keine Frage. Daß diese Gründung ursprünglich nicht beabsichtigt war, beweist die Heftigkeit des Refvrmationskampfes und die stetigen Versuche Luthers und seiner Anhänger, einen Weg des Ausgleiches zu finden. Es sei nur an Melanchthcm erinnert, der 1537 in seiner Nachschrift zu den Schmal üil bischen »Artikeln vermerkte, daß man dcnj Papst wohl ertragen könne, wenn er das Evangelium zulaffe. Der evangelische Wille zu einem konfessionellen Frieden war vorhanden und war nachgewiesenermaßen stark. Wenn der Ausgleich nicht zustande kam, so lvar der Grund eben wieder allein das „Evangelium". Wie Luther nicht von diesem irbweichen konnte, so behauptete die katholiscl^e Kirche ihren Standpunkt in der ablehnenden Haltung. So mußte die iwue Kircl)« entstehen. — Auch über die Frage, wie Luther zum Gründer der neue:: Mrche wurde, welche Wiege er einschlug, gibt der logische Verlauf der Geschickte Aufschluß. Schritt für Schritt gestaltete der Wittenberger Reformator die Gottesdicnstobdnung um und entfernte mit der Zeit, Rücksicht nehmend auf alle inneren und äußeren Umstände, nicht angebrachte katholische Gebräuche und Formen, bis bereits 1526 der deutsche evangelische Gottesdienst eure bestimmte Gestalt augeieomNien hatte. Schon wegen all dieser Schöpfungen — man denke nur an den kleinen Katechismus mit den mmwervollen persönlichen lutherischen Be- kemttnissen in den ErkläruniMi der Hauptstücke — verdient Lutl^er den Namen des Gründers der evangelischen Kirche. — Von höchster Bedeutung war damals wie heute die Stellung der Land-Gemeinden in der kirchlichen Frage. Diese galt es erst anzuweisen und in das neue Evangelium emzufÄhren, was durch, eine Visitation des sächsischen Kurfürsten, wobei aufklärend gewirkt und schädliche Reste beseitigt wurden, erzielt iverden sollte. Telm sächsischer: Kurfürsten schlossen sich lmld andere wierigkeiten der Zeit ausschlaggebend waren. Gewiß ist es schnrerzlich, daß nach Luther der weitere Ausbau des LandesherrlickM: Ktrcherirechr.ientes 4>rc vorhandenen Ansätze zur Nottvendigkeit des evangelischen Gemeindelebens nicht aufkommen ließ; es darf jedoch nicht vergessen werden, daß im Grunde genommen Luther sell'st den Weg wies, der bedingt wurde durch! die Um- stäirde. Zum Schlüsse widerlegte der Redner die jüngst ausgestellte Behauptung, daß der Protestantismus einen kirchenauslöseichen Charakter trage. Der gemeinsame Gesang des dritten Verses des Lutherliedes: „Das Wort sie sollelr lassen stau" bildete den MschLuß der stim- ncungsvollen Vercmstaltrrng. -w. m.- Arrs rin- Lcrnd. Gießen, den 26. Oktober 1917. ** Alus-zeichnu ng. >Dem Chefarzt des Reservelazarettes XI, hier, Obere . Dr. Wink her, wurde die Rots-Kreuz-Medail Iri III. Klasse verliehen. ** Kart'offelsorter: liste 1917. Im Selbstverläge der G-esellschast zur Förderung des Baues und ver nnrtschaftlich zlveckmäßigei: Verwendung der Kartoffeln. Berlin W 9, Erchhornstraße 6, II ist soeben eine neue Kartoffelsartenliste erschienen, die von dem Direktor des Landwirtschaftlichen Universitäts-Institutes Gießen, Herrn Professor Dr. G i s c v i u s , zusammengestellt ist. Die Liste enthält alphabetisch geordtwt dre "Jiuincn, Herkunft, Vermen- dnngszlveck sowie eine eingehende Besä-reibung von mehr . als tausend Kartoffelsorter:. Die Angaben stammei: zum größten Teil von der: Züchtern selbst, zürn Terl sind sie aus früherer: Zusamurenstellunger: überrromrnen. Die Liste ist. wie aus dem Vorn vor t ersichtlich ist, mit fremü>lüber Be- ratrrng des Hern: Professor Dr. v. Eckeubrecher, des be- kmritten Leiters der Deutschen Kartoffelkulttrrstation zu Berlin, und des erfolgreick^en Geschäftsführers der Saat- zuchtftelle der Deutschen Landwixt)chafts-C^esellsck>aft, Herrn Dr. .Hillmam:, Berlin, bearbeitet worden. Der Preis der Arbeit beträgt 2.50 M.; sie ivird gegen Eirrsendung von 2.50 Mk. zuzüglich 10 Pf. Postgebühr von der 6^sct)äftüftelte der genannten Gesellschaft versandt. ** Verkehr mit Zucker. Der Bundesrat hat uitter dem^ 17. Oktober 1917 eine Verordnnmg erlassen:, die die Vorschriften, die für den Zuckerverkehr tm Betriebsjahre. 1916/17 galten, mit kleinen Aenderiurgen auf die neue Zuckerwirtsch-aft ausdehnt, ©hier neuen Festsetzung bedurften die Preise für Rohzucker und Verbrauchszucker, die sich nact) den im Frühjahr d. I. auf 2.50 Mk. für den Zentner festgesetzten Zuckerrübenpreise:: richten müssen. Der Rohzuckerpreis ist frei Magdeburg für 50 Kilogranmi auf 23 Mk., der Verbrauchszuckerpreis ab Magdeburg auf 36 Mk. für den Zentner^ festg es etzt Word en. ** Siebente iKriegs>anleihe. Das Gesamtergebnis der Zeichmurgen bei den Truppen und Mlitärftellcm un Bereich des Stellvertretenden Generallomrnondos des 18. Armectorpi' beträgt nach den bisl)er:gen Ernnittelunger: rr:Nd 191 Millionen Mark. Das Resultat üb'rschreitet das Vierfache des ErlTcbnüses bei der sechsten Kriegsanleihe. ** IV. Erg änzuung s blatt über Kriegsroh st off c. Zu der von: Kriiegsamt im Januar 1917 herausgegebenen Zusammenstellung von Gesetzen, Bekanntmachungen und Verfügungen betreffend Kriegsrohstosfe nebst deren ^Nachttägen, Auslührungs- bestimmungei: und Erläuterungen ist das ^FV. Ergänzungsblatt nach dem Stande von: 1. Septentber 1917 erschienen. Tiefes Er- gänzungsblatt wird auf Anfordenmg kastenlos durch die Stelle:: abgeaebe::, durch welckie die Zusammenstellung Nr. Lst. 1000/1. 17. K. R. A. biogen worden ist. Macht das tote goldene llapita! lebendig und nutzbar für unsere Volkswirtschaft! Nie Goldankausstelle in ten Räumen der Bezükssparkaffe Gietzen ist morgen von P bis \2 l i Ahr geöffnet! Kreis Büdingen. ** Dauern heim, 25. Okt. Musketier Heinrich H i r s cf), Sohn des Spenglermeisters Ph. Hirsch von hier, erhielt die Hessisch»' Tapserkeitsmedoille. Kreis Alsfeld. ** Ilsdorf, 25. Okt. Beamte uitb 2lrbeiter der Gewerkschaft Lufe-Jlsdorf zu Gießen zeickmeten zur 7. Kriegsanleihe die stattliche Summe von 32000 Mark. Ernhrmdertsilchenundachtzig Mann ans der Belegschaft haben sich an der Zeichnung beteiligt. Starkenburg uud Rheinhessen. M.T. Mainz, 25. Okt. Ungefähr 10 von den 48 Bäckereien, denken ans Gründen bei Kohleirersparms die Backerlaubnis entzogen ivordcn war, hatten durch .Herrn Geh. Jlrstiwat Dr. Schnitt als Rechtsbeistand gegen -das Backrwrbot Einspruch erhrben. ?iach Prüfung Ider Verhältnisse ist jetzt diese:: Reklamanten unter Aufhebung >des ersten Beschlusses die Erlaubnis zuin Weiterbacker: unter der Bödingrcng erteilt worden, daß sie im Mona: wenigstens 90 Zentner Mehl in ihren: Bettiebe verbacken. Für alle, die Snitfu Einspruch erhoben, bleibt >das Backverbot weiter in Kraft. Die zum Weiterbacker: zugelassenen Bäckermeister sind fast ausnahmslos solcliie, die Hausl^esitzer und zum Militärdienst eingezogen sind. Kreis Wetzlar. ** Krofdorf, 25. Okt. Der Gerreibe Gümbel von hier erhielt das Eiserne Kreuz zu^iter Masse. Hessen-Nassau. — Frankfurt a. M., 25. Okt. Georg Kaysers tpoteskes Lustspiel „Ter Zentaur" farü> ^ bei ferner Uraufführung, im Schauspielhaus sehr beifällige Aufnahme. Der Verfasser zeichnet in ungem-eü: glücklick>em Dirrcheirrander von Komik, Dramatik und Groteske einen durch Übereifrige Gelvisseulxlftigkeit mrd Pedanterie sich -aus der Menschl-eit hervor hebenden Beamter:. Die fürrf ?lkte bringen eine Fülle drastischer Srtuationen, die bei glänzeirder Tech- nik der Regie eine ausgezeichnete Darstellung und Wiedergabe erfuhren. D. Z. Wiesbaden, 25. Okt. Die Vorarbeiten für den Bau des neuen Negierungsgebäudes, das neben das städtische Museum zu stshen kommt iu:ti> ziemlich, der: ganzen Rest des bettesfeuden Baublocks in .Anspruch nähmjM wird, werden eifrig gnördett. Am ' Samstag besichtigte eine Kommjisfion das Baugelände. Msbald nach Beendigung des Kriegs soll an die Missuhrung des Baues herangegangen werden. Moritz August von Thümmel. Zu seinem 100. Todestage, 26. Oktober. Am Hofe des Erbprinz«: Ernst Friedrich von Sachsen Kvburg sührten eines schönen 'Tages des Jahres 1762 zwei der Hof Herren ein Gespräch über die deutsche schöne Literatur. Der cii:e, cm stte- gierungsrat, sprach der französischen Sprache hinsichtlich der poetischen Prosa jgroße Vorzüge ge mcht erreicht hatte, widersprach, indem er sich der deutscl>cn Sprang warm aunahm und sich schließlich anheischig machte, in Kurze selbst emen Baveis dafür zu liefern. Bereits vierzehn Tage später kmmte von Thümmel — so hieß der junge Mmnrerjunker — seinem Frmmüe m: einer Dichtung zeigen, daß die deutsche Sprache es mit der stan- züfischen sehr wohl ausnehmen könne. „Wllhelmü:e oder der vermählte Pedaw", so hieß Äiümmels Ersllürgswerk, gefiel dem Re- Mwugsrate — von Bose — außerordentlich; auch andere Fremwe waten die Dichtung, und als sic noch einigen Verzierungen :m Druck ersäßen en war, erntete das heroisch-komische Gedicht in Pro, a oen Beifall der berufensten .Kem:er. Gellert, Tlchmmels Lehrer, einer der ersten, der der gelungei:en Darstellung des lattr:- >chm Sittengemäldes Lob zollte; MeolaiZ'chätzte es^so^hoch^ daß komischen^Iiomanmr Thümmels Tichtirngc:, aw nächsten stehen. w«,u ci. t uic. mm . ., ■ die „Eleganz, die L e i chtigkeit und, den guten Tm: des Ganzen" mtt ^ine geistrelchc Kpinposllwn^ so m:genLhm als Ahn, erwLÜb sich I Recht ru^nen Svrmte. ? chZ die Handlung seinen Roman von Sebaüms Nothankcr an- Mchte. und der größte der zeitgen Dichter. Goethe, ichneb — freilich erst viel später: „Thümmels Wühelmim. eine, großen Beifall, vielleicht auch mit deswegen, weil der Verfasser, ein Edelmann :md Hofgenossc, die eigene Masse nicht eben schv- uerü> behandelte." Rasch wir die erste Auflage abgesetzt; cs wurden Ileber- setzungen in mehrere Sprachen veranstaltet, allein Thümnwl ließ sich, hierdurch mcht veranlassen, den eingeschlagenen Tichterweg weiterzugehen. Hin und wieder schrieb er wohl ein Gelegmheits-^ gedieht; im übrigen stieg er in seinem hösischen Amte zu im:::er höhere:: Würden auf u:id geiwß sein Leben. In der Jugend :var as ihm, als dem Sohne Zeines' verarutten 'Melrgan, mckt eben glänzend gegangm: die Berufung mi den .Hof hatte ib:n ein gutes Ariskommen in jungen Jahren gebracht, urw das Glück schien es gut mit ihm M meinen; volle 24 000 Daler warf es ihm e:ncs Lrges als unverhofftes Vermächtnis deS Leipziger Rechtsg lehrte:: Balz in den Sckoß, dem einst der Student Thümmel als pünktlicher Schuldenzahler ausgefallen war. Später, als ihm seine Gattin große Güter im Gothaischen und in Surinam in die Ehe gebracht hatte, war Thümmel gar sehr reich zu nennen u:id hatte, auch als er aus dem Hofdienst ansgeschieden war, viel Arbeit nrit der Verwaltung der Güter. Nur mit zwei weiteren größeren Werkeir ttat Thümmel in seinem langen Leben noch hervor. 1771 erscknen seine Inokulation der Liebd", eine komische Erzählung in Verjei:, d«:en recht freier Vorwurf so geschickt behandelt war, daß Wrcland, desser: Zwei Jahrzehnte ließ Thümmel verstteichen. ehe er wieder an die Niederschrift einer Dichtung ging; 1791 begann er, auf Drängen seiner Freunde, die Erfahrungen seiner Reise nacb Südfrank- reich unter dem Titel „Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich" zu vcrüffenlliche::. Eine solche Reiseschilderung war noch mcht dagewesen; in Briefen und TagebuctMättern' reihte Thümmel hier Perle auf Perle zu einer bunten Kette; Land nud Leute behandelte er, er schrieb' von französischer Kultur und von! französischer Barbarei, Prosa ließ er mit Versen wechseln, roman tischen Schilderungen folgten gelehrte ^Handlungen, nach necki. Kben Liebesszenen famen ausführliche Darstellungen des Mönä>. tums: dazu war das phantastische Wert mit solcher Sprach::: ei st er- schaft geschrieben, daß ganz Europa des höchsten Lobes voll war. Das einzige, was Tadler ausz»setzen fluchen» war die vernibrerisch breite AusuealuNg heikler Begebercheiten. Hier hatte der Dichter seinen Zweck, „das Laster durch Beispiele zu bannen" Gen er in einem Briese angegeben hat,, ofstn- bar nicht erreicht. Diesem Haupt- und Meisterwerk, dem Tt)üm:nel seinen hohem Platz in der deutsä)en Tichmng verdankt, folgte keine größere Arbeit mel>r. In seinen letzten Lebeusiahren l^sorgch Thümm'el die Herausgabe seiner gesammelten Werke, die 'im Laufe der Jahrzehnte, nach seinem Tode, zahlreiche Aiiflagen er- lebten. Er starb am 26. Oktober 1817 in Koburg und wurde, seinem Wmssche gemäß, m freier Natur, bei dem Dorfe Neuses, unweit Kloburg, bestattet.