Sr. 228 Zweiter Blatt Erscheint LL-Uch mit Ausnahme deS Sonntags. Jahrgang {Beilagen: ..«etzener $t*fffeft§Iltter“ und „Urtfcbtatt für den Kreis Sietzerst^ PsVcheLka«to: Zumkfmt am Main Sr. Uts*. Bantvertehr: Semerdebcm? Sietzen. GieWLer ^ lmetz er General-Anzeiger für Gberheffen 5rettag. 28. September M ZwillingSrunddrnck und Verlag. B r ü h l'fche Universitäts-Buch-u.Stsindruckerel. R. Lange. Gießen. Zchnftleitung, Sesäräftsstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstellen. Verlag: e^©61, Schriftleitung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen. was viele nicht wissen. Mrncüe Mensche,! fiebern cS r in Vergleichen zu te bsm, um sich faDüref ycsat *u machen, unb der Zuhörer ist farmt feedrt geneigt, diese für gttstvttch Mi halten, besonders, « habet Personen senö VerMtirttse in Gegensatz zueinander gebrmht »verden. So «Erd jetzt ein SprücVnn heanmgesprochen: „Der .Krieg sei nur für die Reichen, die nur noch reicher würden, — der Mittelstand winde sich dvroch div KriegÄröbe nur gerade so durch — aber der Arbeiter qche gans zu Gründe." NUn ist aber der Begriff „reich" und - „Mittelhand" an sich schon rocht brfjnbax, trnd so bietet jener Satz m i>er Tat fernen 1 Yhchatt für die Beurtttkung der Wirkungen des Krieges. Aber es M andere KemWeichen. wie der Krieg wirkt. Werdmgs werden viele Unternehmer durch! .Kriegslieserungen r«h: oder aach der kleinere Kcrufmtrrstn und der Hcmdwlerker, die dsn Mittelstände angchGren, alle diese verdienen jetzt bekanntlich, viel sAeld, da sie j« dtt Pveisstevgerrrng einfach ans die Ware dllllEHsaaar: ja ör der Mgel sogar noch mehr; also kann dieser Teil des Mittelstandes keine finanzielle Not leiden. — Was nun aber den Arbeiter anSekrnyt, Io ztttgen urttht nur die hohen Ajrbeitsl öhne, die in allen Fabriken und Werkstätten gezahlt werden, sondern auch, die ^xrrkassew-Ernlagen, die yum größten Aeüe gerade von Arbeitern gemacht werden, wie es dein Arbeiter-- stunde jetzt geht. Im ersten Halbjahre 1917, also mitten tm Kttege, sind beimche Ovei Milliarden Mark (1860 Mill. Mk.7 bei den. duschen Sparkassen ein gezahlt worden, also mehr als zu Beginn dkS Krieges. .Hievaus Seht ober hervor, daß der Arbeiter durch den .Kr«» nicht Mi IGrunde geht- Daß aber ganz abgesehen hiervon, der Krieg gerade auch im Jnt-eveffe der Mbetter fortgeführt werden! muß bis zum ffogoevchem Ende, das hat der Mann an der Spitze der deutschen Gewerkschaften, der 'JG geordnete Legren im Reichstage bei der denkwürdigen Erftrnernngsfeier am 4. August d. I. deutlich und begeistert ausgesprochen. Und das gleiche tat nach Hm auch die Bvemer Arbeiterschaft Mit ihver l^ekannten Kundgebung. — Mir alle sehnen uns gewiß nach Frieden, aber unsere Feinde wollen uns rhn nicht geben: Sie >zwrwgen uns so zur Fortführung des .Krieges' Und da Urft uns der größte englische Dichter Shakespeare das bekannte Wort Mi: „Tue Geld in deinen Beutel!" - Dieses Geld müssen wir dem Reiche geben, nicht schenken? Wir brauchen es nur "zu leihen und Mvar gegen r echt gute, schere Zinsen. — Bett achten wir AUes in All em, so rufen uns klare Bernnnft. eigener '.Vorteil und selbstktvse Vaterlandsliebe tte dringende Mahnung Au: „Zttchjwe auch Du jetzt für die VH. Kriegsanleihe zur siegreichen Beendigung des Krieges!" Anstaßen im Reichstag. Ae Anfrage des Rttchistagsabgeardneten Tr. Werner (fyeijotf Über die OÄfrnckftv erordmmgen ist wie folgt von der Rechnung beantwortet worden: Der Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und ,fette ist angewiesen worden, mir den für kriegswichtig anerkannten tt> Oelwühlen die an ihn abgelieferten Oelfruchte zur Verarbeitung Mtzuweisen. Ms natürliche Folge dieser Maßnahmen ergibt nck. daß die Mehrzahl der Oel mühlen Ären Betrieb nicht mehr ausreckt erhalten kann. Dadurch ist den Erzeugern die Verarbeitung von Oelfrüchten derart erschwert worden, daß der Präsident des KrjegsernähQlngSamts sich geznningen sah, von der Ermächtigung Gebrauch Mi machen und die Berockmung Wer die Lieferung von Oel ans Anlaß der Zußmrmenlegung von Oel mühlen und über die gewerbsmäßige Herstellung von Oel vom 7. August 1917 (Rttchs- Gesetzbl. S. 6971 zu erlaßen. Es ttifst somit nicht zu, daß eine in der Verordnung vom 23. Juli 1917 enthaltene Zusage zurückge- iwmmen worden wäre. Durch die Verordnung vom 7. 9lugnst 1917 ist für den Erzeuger an Stelle des Rechts auf Belassung von 30 Kilogramm Oel- irüchten ein Anspruch auf Rücklieferung von Oel nach Maßgabe der von ihm abgelieferten Oelfrüchte getreten. Wer -weniger als M Klg. aWüfert, erhält eine den 30 Klg. Oelfrüchten entsprechende Oelmcngk Btt Ablieferung von mehr als 100 Mg. 'Oelfrüchten wird eme bis Mir HöMgrenze von 50 Mg. stttgende Oelinenge zurück- geliefert. Dadurch wird dem Landwitt ein Anreiz für die Steigerung des Oelfruchtanbaues zur Verbesserung der eigenen Fettver- rovgung geboten. Daneben ist auch eine Preiserhöhung für Oel- ftüchte der Ernte 1918 vorgenommen worden. Die Beschaffenheit des den Landwttten durch Vermittlung der Komnnnrolverbände zu liefernden Oels ist, da die Verarbeitung der Oelsttichte nur in erstklassigen Betrieben unter schatt'er Kontrolle des Kriegsansschnsses stattfindet, gut, so daß auch in dieser Beziehung keine Schlechterstellung des Oelsruchtanbans gegen früher zu befürchten ist. Da außerdem im kommenden Errttejcchr der Einspruch auf Rücklieferung von Oekkuchen von 36 ans 40 Prozent der an Oelsrückitcn gelttserttn GewicÄsrnenge erhöht worden ist, haben sich die Anbau- hchingungen für -Oelfrüchte durch die jüngst erlassenen Besttm- mimgen erhMjch günstiger gestaltet. Mit einem Rückgang des An- bmS wird daher nicht zu. rechnen sein. Die Anfrage des Abg. Werner über Kohlenversorgung erhell folgende Beantwortung: Die Schwiettgkeiten in derKvkstenversorgUng der Städte und des Landes liegen in den .Kriegsverhällnissen begründet. Die Ürsack-en im enteilten und die Organisation der .Kohlenbewrtt- schoftuug find von mtt und dem Reichskommissar h'rr die Kvhlen- vettttllrng in der Sitzung des Ausschusses für den Reichshaushall vom 24. August 1917 eingehend dargelegt nwrden. Ich nehme auf diese Ausführungen Bezug. Verbrauchsbeschränkungen sind danach nicht zu umgehen. Llnderseits wird für gerechte Verteilung der vor- lxmdenen Mengen nach Möglichkeit gesorgt. Tie Untervettttlung der Kolben wird von den Gemeinden und Kommunalvettränden bttvrgt. Diese können von den btt Händlern lagernden und eingehenden Hausbrandkohlen ttn Drittel in An- sp ruch n ehmen, um sie entweder unversorgten Verbrauchern zu überweisen oder als Rücklage für den Winter auf Lager zu nehmen. Vom 1. November 1917 ab erstreckt sich dieses Recht der Kom- munen und Kommurmlverbände auf alle btt Händlern lagernden und eingehenden Hausbrandkohlen sowie aus die btt den Verbrauchern lagernden Hausbrandkohlen, soweit letztere die Mengen übersteigen, die nach der von den Kommunen vvrgenommenen Vertttlung auf den ttnzelnen Verbrauber entfallen. Zu den Ver- brmlchern rechnen auch die Kirck>en und Synagogen. Für Preußen sind vom Ministerium des Innern besondere Richtlinien für die Versorgung mit Brennstoffen erlassen. Au» Stavt und Lanv. Gießen, 28. September 1917. Hunde heraus! Bor einigen Wochen wandte sich die Sanrmelst-elle von Kiffegshunden an die Oeffentlichkeit, um geeignete Meldehunde für die Front yu erhalten. Wenn auch eine ganze Reihe von guten Hunden der Kriegs-Himdeschnle 'nber- wiefen werden konnten, so reicht deren Zahl nicht annähernd ans, weil der Bedarf sehr groß ist. Welche Wichttgkeit man an rnahgebender Stelle der Kriegs Hundsache entgegenbringt, geht daraus hervor, daß die Meldehunde dem Nachrichtenwesen angegliedert toinbeit. Unser Kaiser, svwie Hinden- durg und Ludendorff waren vor kurzem bei der Kriegshundeschule, irm sich die Hunde bei ihrer Tätigkeit im Gefecht vorsühren zu lassen, llueiugeschränktes Lob wurde gespendet. Wie sich der Leiter der Darmstädter Sammelstelle neulich persönlich! überzeugen konnte, ist die Unterbringung und Pflege der Hunde geradezu mustergültig, die Fütterung der braven Vierfüßler tadellos. Bei der Knappheit an Futtermitteln müßte eigentlich jeder Hnnde- besitzer froh sein, seinen Liebling so gut uutergebracht zu wissen. An alle Besitzer der vier Polizeihund-Massen (Schäferhunde, Dobermärrner, Rottweiler und Aire- dales) geht daher nochmals die Bitte, chre Hunde im Alter von unter drei Jahren der Sammelstelle anbieten zu wollen. Die Hunde werden nach Beendigung des Ktteges zurückgegeben, falls sie den Feldzug überstehen Es wird bebeten, nur kurz der Dcrrmstädter Scunmelstelle von Kriegshunden (Kommerzienrat .Hickler, Darmstadt) mitzn- tellen, daß man einen Hund abgeben will. Der Hund wird dann, wenn er den Annahrnebedingungen entspricht, ab- geholt. * ** Ans zeichnrkng. Hugo Leopold, Teilhaber der Frrnm Gustav I. Kahn, hier, wurde zum Unterosffzier besöttett und mit dem Ei fernen Kreuz zweiter Klasse ausgezttchntt. ** Keine Erhöhung der Viehhreise. Es treten i m me r wieder Gerüchte auf, tvorrach mtt einer Erhöhung der Schweinepreise über den .Höchstpreis der Verordnung vom 5. Llpril 1917 hinaus oder init einer Erhöhung der Rinderpreise für besonders fette Rinder gerechnet worden könnte. Demgegenüber ist darauf hiuzuweisen, daß nach der Entscheidung des .Kriegseruährirngsamts (siehe Verordnung vom 10. September 1917) Mastsittter in Form von Hafer, fAerste oder Gemenge an Schweine zu verfüttern verboten ist nud daß and) für Schilluhtrinder eine Mast mit Körnerkrastsutter nicht in Frage kommt. Hiernach^ kann mit zulässigen Mitteln nach Mrshören der Weide die Erzielung sogenannter Fettträg er mit besonders hohen Gewichten nicht mehr erreicht rverden. Es ist deshalb ausgeschlossen, daß die Viehpreffe für besorrders fette Tiere nach oben erhöht werden. Die Rrnderpreise sollen weder nach oben noch nach unten geändert werden: die Schweinepreise liegen bis 30. November nach der Verordnung vom 15. September 1917 fest und zwar mtt einem einheitlichen 5)öchstpreis, der die obere Grenze für alle Gewichtsklassen bildet. Ihre Erhöhurig kommt auch nach Ablauf dieser Zeit nicht im Frage. ** Eine hessis che Kriegss p a rka r t e. Das Großherzogtum Hessen gibt eine künstlerisch gestaltete Kriegssparkarte in Werten von 1 Mk., 5 Mk., 10 Mk. und 20 Mk. l)eraus, die als Kriegserknnerungsblatt dem Käüfer dauernd verbleiben soll. Sie eignet sich in besonderem Maße als Weihnachts-, Geburtstags- rrnd Patengescheuk. Die Karte wurde in einer Auflage von 380 000 Stück in dem unter türrstlerrscher Lettung von Herrn Professor Hugo Eberhardt stehenden Werkstätten-Lazprett, Technische Lehr- anstalten, Offenbcrcki a. M, ausgeführt. Der Sittwnrf stammt von dein Militärkrankenwärter Maler Jochheim. ** Licht spiel Han s. Die Direktion des Lichtspielbauses, Balmhosstraße 34, l-at anläßlich des Geburtstages des^ General selb« Marschalls von Hindenburg am 2. Oktober ein großes ItttProgramm! für die Spielwoche vom R. September bis etnschl. 5. Oktober zu- sanimengestellt. An den genannten Tagen wird von icbcr verkauften Katte der Bettag von l5 Psg. dem Roten Kreuz in Gießen zugmisten der Verwundetensürsorge überwiesen. Der Vorstand des Roten Kreuzes hat mit diesem 'Ilnerbreten der- Direktion imt so lieber sein Einverständnis erklätt, als die aus diese Wttse ttngel'eirde Geldsumme ausschließlich der W e i h n a ch t s s p e n d e zugute du innen soll, die ttnes regen Zustwinis mr Geldmitteln dringend bebarf. Schon aus diesen: Grunde ist das Vorkabcni außerordlnrtlich zu begrüßen und ihm pin großer Erfolg zu nninscken, zumal das vorzügliche Progranrin init Rosa und Hennv Pötten etivas ganz Bor- züglickies verspricht.__ wenn das Vaterland ruft, ist jeder goldene Gegenstand entbehrlich! Die iofküfaufftefle in den Raumen der Bezirksspartasje Gießen ist morgen von |0 bis 127* Uhr geöffnet! Hessen-Nassau. ** Frankfurt a. M., 28. Sapt. Eine Ausstelllorg t«n Skizzm und Gemälden aus Mazedonien, die um lper aus ttne^ttse in die -großen dentsck-en Städte emtreteu imrd, ist tm Kunstverein eröffnet worden. Es taitbelt sich um eine beinahe himdett Arbeitinc umfassende Samnllung ttndrncksvoller Darstellungen von Monaßtir, Pttlep-Hudowa, Struntttza, Krirsoivo, Prespa, Drenowv, vom Ochttdcrsee usw., jdie den Erttag einer Fahrt bilden, die der begabte Attstcr-Kaurps-Schäler, Albert Garterinann, ttn Künstler von starker Eigenatt und sicherem Geschmack, imter- nommen hat. ga. F r a n k f u r t a. M., 28. Sttü. Der Schwindler, der seit Anfcmg dreses Jahres Hierselbst und in vielen umliegenden Städten mtter verschiedenen falschen Namen Kohlenliefel-ungcn inttstens airgeblich für die Firma Glückauf, Kassel — abschloß und die Besteller durch Borastlsbezahlung ron größere Geldbettäge schädigte, ist jetzt in der Persoir des fahnenflüchtigen Kvastwagenführers JustvS K a i s e r , 30 Jahre alt, aus Hebel, von der hiesigen Krrnttnalpoliztt sestgerwmmen worden. = König st ein, 28. Sept. Trotz der guten Edelkastanien-' ernte wurden btt den Versteigerungen Prttse geboten, die ins Un- gemttsene gehen. So nahm der Nachbarott Schneid Hain ans sttner diesiächtgen. Kastanienernbe IIOOMark ein, während sanft höchstens 80 Mark erziell wurden. ][ Marburg, 28. Sept. Die Kartoffelernte ist im hiesig«! und den umliegenden Kvttslen ist im vollen.Gange. Sie liefert, wie alle Meldungen gleichlaistend belogen, an Güte und Masse Erträge, welche tue kühnsten Hoffnungen übertteffen.. Ms den Feldern lodern Überall die Kartoffelseuer, und Wlage^r um Wagen fähtt die Frucht in >die Dörfer oder auch, damit es Platz für die nachfolgenden Fuhren gibt, unmittelbar an die Verbraucher. Diele Stadtkinder fegebnt sich täglich in die umliegendeir Dörfer und verdienen sich als Kartoffelleser nicht nur ißr Es'ttr, sondern sie bttngen auch abends sieudestrahlend nmnches Säckchen Lestkartoffeln mit rrach .Hcürse. Und wenn die Militärzüge durch das sonnige Lahntal kvrnnren. recken sich die ftttßigen Hesfenmädchen rrnd FrOrren, die ans den Fttdern btt der Arbeit sind, in die Hohe und zttgen ans die längen Rtthm mit Kartoffeln gefüllter Säcke, gleichsam damit airdeutend- daß es init denr Wrsbrrngern durch rmsere Feinde ttn für allemal nichts stt. ^ = Aus dem Taunus, 28. Sept. Seit ernrgeu Tagen hat im Hochtaunus die Hirschbrunst begonneir. Wtttbin hallt abends durch die stillerr Wälder der Orgelton der Hirsche. Am Mittwoch abend brachte G. W ei gand- .Homburg v. d. H. den ersten .Hirsch, erneu kapitalen 3«hnender-Kromnhirsch, 'zur Sttecke. Briefkasten dev Revaktkon. ENuorltzme -lnsragen bteibeu nnberückßchti-t^ R. 8. lva. EnrpseUen Sie Jhrenr Verwandtcrr, sich unter Darlegung der Verlältrrisse nochmals schriftlich an die Kompagnie m nienden, zumal derartige Auszeichnungen meist mrr aus Vorschlag des Truppenteils erfolgen.. v. £. Nach § 573 der Reichs Versicherungsordnung steht dein Verletzter! vmn Beginn der fünften Woche bis zum Schluß der drtt- zeffnten Wackre ttn erhölftes K ranken ^ld (*/* des Grundlohns zu. Die ÜluszcklLung des erhöhten Krankengelds (Unr'allzuschnß hat durckr die zuständige Krankenkasse zu erfolgen. Gttomar Enking. Zu seinem 50. Gebuttstage, 28. September Wilhelm Raabe hat, einmal ausgesprochen, das deutsche Volt dürfe nicht vergeben, daß es dein Philistertum auch viel verdanke, -nd selbst in tt»em SckMer habe ein Ätücf Philister gelegen. Jckenisalls bildet die Schiliderung deutschen Philistertums tat Hauptmotiv seiner Dichtung, und darin hat er in Ottomar Enking einen Nachfolger gefunden. Freilich fft Otdomri Emkrngs^ ^ttt von denr Meister Raubes gar verschieden: gradliniger, cnisacher, n>enn nran will: moderner und weniger iwniantisch. Doch das Thema ist das 'glttche. Enking schildett das PMstrttum, verkrustet in Alltäglichkeit, vermusst in der dumpfen Lust nredrrger pfoiben, enger Gassen und klttner Verhältnisse, verkümmert^rn gcistiegr Enge und dabei doetz zugleich erfüllt von einer gewili>m stespvttzten und selbstgefälligen Wiirde. Er schildert seine billigen Freuden, seine airsprnckOlosen Unterhaltungen, aber er stellt auch dar. Wie der PMister als Vater, als Liebhaber imd als Gatte, wie das PWistertum in Familie und Stadt Schicksale sinckt, Leben mordet und nttt erbarmungsloser Tyrmmtt alles versvlgt, was „anders" zu sttn sich erdrcister. Enking ist dabei nicht etwa ein Ankläger, ttn Sittenprediger, ein Moralist, fein Fanatiker des »ecraeez Vinfäme", wie etwa Sternl>ttm. s>ttin, er iit mel eher ew Nattlrj>orsck*rr zu nennen, oder wenn man so lieber will,, ern Historiker, der mtt Ranke erzlchlen will, „wie es eigentlich geweM Er ist ganz objeküv: mehr irsch: im Grimdr- seines Herzens hat er für ferne Philister w«s übrig: sein Kantor Liebe z. B. ist in ferner %t ein prächtige Kerl; auf dem grauen Grunde des P^tecaU- «mdeckt ErEmgs Dichterange viele stine spielende Farben, und sein H«m«r vergnügt ftch an den ^chruKsn und Gvotesten dieser wunderlichen Welt — aber 'hinter allem steht doch uw stille Tragik, unerttrhinbar, die int Lebcnsgeietze einer Menschenklasse murzett. Den natürlichen Scharlplatz seftrer Dichtungen bckdtt die Mttnstadt, gertaner: die norddeittsche Klein,labt, deren Oett- lichketten, Menschen, Interessen, Stimmungen, Lebensformen er mit Meisterschaft gezttchnet hat: der Seewtnd fähtt über ,ic hin, etwas Tärnsches spittt hier tmd da hinein (Enkings Miitter entstammte Dänemark) und bringt in dem Still,tand wohl ein= mal ein wenig ge,chichttick>e Bewegung, imb in ihrem taglick?en Einerlei spieltti sich, ganz in der Lstille, Romane, Dramen, -pra- gödien ab, auch llttn. Mich Philisterattig, aber dock> eben Schicksale lebendiger Menschen und Erlebnisse rutgenber Seelen. Ottomar Enking stammt ans .Kitt. Er ist der Sohn mnes dvttrgen Schulreklors, eines l/ervorragenden Mannes, erhittt ,eine Schulbildung in .Kitt und in Fl«rsburg flft^ette Mt Vhcko- logie, dann Iurisl-ertt, dmreben noch allerlei Philologie und Ge- sckiickste httigte aber am Ende das ganze Stndttrm an den Nagel Hilf) folgte dem in ihm lebendigen künstlerischen Trrttx, mdem er zur Bühne girig. 'Aber nur, um sich zu überzeugen, datz er zum Schauspieler nicht geboren sei. Nim wandte er sich der ltte- rattschen Tätigkett #u und wirkte als Redakteur nacheinander m Kiel, in Köln und in Wismar. Und hier, in der allen, tlttn- gttvordenen Hansestadt an der Ostsee, wo Alles rmd Neues fick), begegnen, hier Im er seinen Berus und fein Stoffgebiet Kunden. Wttte der 90er Jahre begann ferne dichterische Tätigtest, der lliohmm Rol^s" 'von 1898 bedacket cmat großen Forffchritt, die „Familie P. C. Behm" de« «eA^chaft^ seit 1904 Mi er in Dresden, rwemt er sich nicht zum OMestvande und seinen Men»chsn zurückwendet! und mtt jedem neuen Romane Haler sich ne»e Fsemrde ermorde«, döe jetzt ichon aw ,Eiche Gemeinde mm. Sm S«l M sich rmfc imd mehr vmHestrst, sem Horizoitt. erwtttert: zur Liebe haben sich die .'Probleme der Ehe, des religiösen, des sozialen Lebens gesellt: die Farben sttner Palette sind seftrer und reich'r gewordeir, und neben ,einen Philistern treten als notwendige Ergänzung in seinen Dichtungen die Originale, die füllen Sircher. jene getreuen nnd echten Idealisten, die sich zerbreck-en, aber nicht biegen lassen, mehr rmd mehr in den Vorder'- grrmd. * Mickaclstag und Michaclskirchen. Im zweiten Jahrzehnt des 9. Jahrhimderts wurde ans dem Konzil in Mainz der 29. September als Gedenktag für den Erzengel Michael ttnge- ff'lhrt. Dieser Tag sollte erftmern an die Einweihung der Kirche, die am Ausgang des ä. Jahrhunderts zn Ehren des Erzengels in Rom errichtet worden war. Dieser Gedenktag fiel in tzie'so- genanrrte Gemttnnwche, die im Norden schon in der heidnischen Vor- zttt als heilig galt. Tie Gemttnwvck:>' war bei den alten Sachfeii die Jett des Opsersestes, und btt verschiedenen Bolksstämmeri ivurde in dieser Wockx das große Herbstthing abgehalteii, dfte allge- mttne Volksversammlung der Frtten, wo neue Gesetze beraten imd alle abgeändert ^wurden, und auf heuen -Strtttigkeiten beigetegt ober Urteile gefällt worden sind. Der Erzengel Michael galt den Christen als oberster Diener Gottes, als Vollstrecker des göttlichen Willens. Denen, die auszogen, um die .Heiden zu bekehren, war Michael der erste Glaubens stt etter. Fast überall, wo neue Christengemeinden entstanden, wurden deshalb auch Michaelskirck>en erbaut. Namentlich der heilige Bvnifatius ließ viele .Kirchen ans den Namen des Erzengels erttchten. An ihnen wurden mttst auch bildlich' Darstellungen angebracht, die den Erzengel Michael als Glanbens- strttter und als Kämpfer gegen den Teilfel nnd gegen das Heidentum verherrlichten. In Schweden uno Nottvegen gttt es noch eine ganze Anzahl Michae^kirchen mtt solchen bildlichen Darstellungen.. Be* Hastiels-LefepiHStltot Gießen Bahohofstraße 60. Am 1.—5. Oktober beginnen _ wieder neue Winter-Halb- und Vierteljahrs-Kurse in Schon sch reiben, Stenographie, Maschinenschreiben, einfacher u. doppelter Buchführung, kaufm. Rechnen, sowie allen übrigen Handelsfächern. Eltern, die ihren Kindern eine wirklich gediegene Ausbildung zuteil werden lassen wollen, mögen die rechtzeitige Anmeldung nicht versäumen. 05519 Spezialkurse für Kriegsinraliden.Tages- und Abendkurse für Herren und Damen jeden Alters. _ Pros pekte gratis. _ EirscMaib Sauer- und SüSkirschbiätter fa«?i zu höchsten Preisen Jata-Werk für pflanzliche Füllstoffe, G. m. b. H., Dresden. 70 **s 3 Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Nährmittel - Berbrauchsregelung Zur Durchsuhruma eines emheitiidjen Bestell ver- dahrens wird Kr die Ausgabe der Nährmittel folgendes bestimmt: $ L vcrstnMrgtzberechttgte Person wird eme Nährmittel kürtt M^gegckbeu, und zwar für a) BrvtgetreLeselbstvettorger in gelber Farbe (A), b) bvotgktreideversorgungsbereckstigte Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahre in roter Farbe (6), c) bte Übrigen Bwtgettttdeversor gun gsb erechtigten in blmver Farbe (Q. Al^ dem hreMr bestimmten' Raum der Nährnrittttkarte lind der Name und die Wohnung des Bersorgungs- Gerechtsten emMttagLw NährmitttLarten ohne diese Angaben find ungEttg; Nährmittel dürfen darauf nicht ver- ckbwlch werden. 8 3 . Ter Z^rKrgnngsberechtigte hat die Nährmittelkatt en der NährmittttverLrussstelle, von der er Nährmittel be- zvchen will, vorMllegen. Die Vetta-ussstelle ttägt ihre Firma an der hierfür vorgeschttebenen Stelle ein uind Ab-t dem BerstmMngsberechttgten die Nährmittelkarte als Allswers Über die erfolgte Bestellung zurück, während sie den Kontrollabschnitt abtrennt und zurückbehält 8 4 . . Die Verkaufs stellen haben die Kontrollabschnitte zu samm-eln. aufMogen auszukl-ebeu und dem Statischen Lebensmittelamt unter Beifügung einer schritt!icl^en Mit- beitzng über die Anzahl der abgelieferten Abschnitte zur üMttwrüfung ernzurmckxn: auf Grund der eingereichken Abschnitte erfolgt bk Zuteilung vmr Nährmitteln an die Verkaufsstellen. 8 5 . Die Abgabe von Nährmitteln an die Versorgrmasbe- vechttgten erfolgt durch die Verkaufsstellen unter Vorlage des Besttü-ausweises und gegen Abgabe der jeweils güD ugen W ' Ä —' " - . Die NLHrmtttelmarken sind von der Verkaufsstelle zu sammeln und nach Ablauf der bestimmten Frist in einem verschlossenen Umschlag unter Beifügung einer schriftlichen Mitteilung über die Anzahl der von den Ber- wrgungsberechttgben abgelieferten Marken, sowie über die nicht abgeholten Nährmittelmengen dem Städtischen Lebensnntt-Äamt zur Prüfung einzureichen 8 6 . Die Irrsten, innerhalb deren die NahrmittelkarteN den Verkaufssttllen zur Einzeichnung ihrer Firmen vorzulegen. sowie dn Nährmittelmarkeu abzugeben sind, werden lewerls beionders bekannt gegeben Dre Menge an Nährmitteln, die auf jede Nährmittel matte entfallt, wird monatlich bekannt gemacht 8 7. , SP Monaten für die der BestellEveis nach dem Aufdruck Mttg ist, ist ein Wechsel der Verkaufsstelle mwch .den Bersorgungsberechtigten nicht zulässig Personen, die nach, Ablauf der festgesetzten Bestellfrist verwrgungsberechtlgt werden, werden gegen Vortage der -hahrmittelkarten durch das Städtische Lebensmittelamt Er bestimmten Verkaufsstelle für den laufenden Zeit- abschnrtt zugewsesen. 8 8 . Für den Geschäftsverkehr zwischen dem Städtischen Lebensmtttttamt und den Verkaufsstellen werden durch. oaä L-ttDttsche Lebensmittekarnt nähere Bestimmungen getroffen. Verkaufsstellen, die den geltenden Bestimmungen zu- wwer^rndeln, können von der Nährmittel Verteilung ausgeschlossen werden. ^ 8 9. Vorstehende Vorschriften treten am 1. Oktober 1917 rn Wirksamkeit: die seitherigen Nährmittelkarten iverden nnt dem genannten Tage ungültig. Gicßen, den 25. September 1917. 71988 Der -Oberbürgermeister (Lebensmittelamt). Zucker Berbrauchsregelung. Um eine bessere Verteilung des Zuckers an die Ein- woHuer der Stadt Gießen durchführen zu können, wird das Beftrll-Verfahren auch für die Ausgabe des Zuckers erngefuhtt. Es wird daher folgendes bestimmt: 8 1 . . Zede versorgungsberechtigte Person erhält eine Zucker- varte. 8 2 . .. Auf dem hierfür bestimmten Raum der Zuckettatte Nchder Nanie und die Wohnung des Versorgungs- ^vWhtlgten einzutraMn. Zuckermarken ohne diese Än- gaMn sind ungültig: Zucker darf darauf nicht abgegeben werden ^ 8 3 . Der Versvrgungsbewchttgte hat die Zuckettatten der Zuckerverkaufsstelle, von der er Zucker beuchen iv-ill, vorzulegen. Die Verkaufsstelle ttägt ihre Krma an der hierfür vorgeschriebenen Stelle ein und gibt me Zuckerkarte dem Bersorgungsberechtigten als Äus- J* 1 * die erfolgte Bestellung zurück.- während sie den Konttollabtchmtt abttennt mtb zuttickbehätt. 8 4. . Die Verkaufsstellen liabeii die Kontrollabschnitte zu sammeln auf Bogen aufm kleben und dem Stadt ischeii Leoensmittel-amt imter Beifügung einer schriftlichen Mitteilung über dre Anzahl der abgelieietten Abschnitte zur Nachprüfung emzurerchen: aus Grund der eingereichten Abschnttte erfolgt die Zuteilung von Zucker an die Verkaufsstellen. 8 5 . von Zucker an btt Bersorgunqsbe- Tie Zuckermarken sind von den Verkaufsstellen zu sMNEN und noch Ablauf der bestimmten Frist in einem verschlossenen Umschlag unter Beifügung einer schriftlichen .Nrtteilung über die Anzahl der von den Ver- svrgungsberechtigten abgeliefttten Marken, sowie über uve nutzt abgeholten Zuckermengen dem StcL-tischeu Lebensmittelamt zur Prüfung einzureichen 8 6 . ninerhalb deren die Zuckerkarten den Bettaufsftellen zur Einzeichnung ihrer Firmen vor- zm^en. ,vwie die Zuckermarken al^ugeben sind, werden ivoätt besonders bekannt gegeben. on Zucker, die auf jede Zuckermarke ent- ilklU, wird monatlich bekannt geniacht: auf Zuckermatten.-die mit einem senkrechten roten Strich ge kenn- aemiiiiet sind, werden 125 Gramm Zucker abgegeben. 8 7. In den Monaten, für die der Bestellausfveis nach dem Aufdruck gültig ist. ist «ein Wechsel der Bettaufsstelle durch den Vettorgungsberechtigten nicht zulässig. . Personen, die nacks. Ablauf der festgesetzten Bestellfrist versorcmngsbe rechtrgl werden, sverden durch das Stüd- ttsrlse Lebensmittelamt gegen Vorlage der Zuckerkartw einer bestimmten Verkaufsstelle für den laufenden Zeit- avschnttt zugewiesen. ^ 8 8. Für den (Geschäftsverkehr zwisckZen dem Städtischen Lebensmitttlamt und den Bettarifsstelken werden durch das StäLtische Lebensmittelamt nälwre Bestimmungen getroffen. Vertäufsstelleii, die den geltenden -Bestimmungen zu- w^r^rndevr, können von der Zucker vetteiliiirg ausgeschlossen werden. 8 9. Vorstehende Bestimmimgen tteten cm 1. Oktober 1917 ttl . Wittsamkert. Die seitherigen Zuckerkarten werden mit dem genannten Tage ungültig G i e ß e n, den 25. SesUember 1917. Der Oberbürgermeister (Lebensmittelamt). BekarmtMachrmg. ^ der Familiettnntevstütznvaen an i ÄUm Heeresdienst Einberufenen für L—lö. Oktober 1917 bCnU». rar September 1917 findet statt: Nerchsuntcrstnüung. •an dkeremgen, deren Namen beginnen mit: den 29. September 4— K Montag, den 1. Oktober 5— Z Dienstag, den 2. Oktober h) Weitere Unterltüü'mg (Mictszuscbuß-. An dteienlgen» deren ttiamen beginnen mit A—H Mittwoch, den 3. Oktober 4—R Donnerstag, den 4. Oktober . S—Z Freitag, den 5. Oktober, c) An Vermieter, die Mietbeträge abbolem . Samstag, den 6. Oktober. Die Auszahlungen stnden von 8—1 Uhr im Stadthaus. Zrmmer Nr. 7, statt. Die ^rtterstütznugen dürfen nur an den vorge- uaunteu Tagen abgeholt werden. 71976 Gretzen, den 20. September 1917. ^_ Der Oberbür germeister: Keller. tigen Zuchermatten. . 0 „ Petroleiim-Anuseltinna;. ^'"mel.dung von Petroleum für geschäftliche Zwecke, landwrrtichastliche Betriebe und Heimarbeiter erfolgt vom Samstag, den äst. September ab vis walestens 10. Oktober unter Angabe des Zwecks auf dem städtnchen Ledcnomrtteramt, Zimmer Nr.