Nr. 214 Ter ülc-jeatx Lvzel-« erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: SietzenerZaMMenblütter: UrLirölstt für -es Urei5 Stehen. NezuHSprstr: inomvkl. 1 Mk., viertel- jährlich 3 Mk.: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 90 Pf.; durch diePost All. 3.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Fernsprech - Anschlüsse: für d»e Schritte il aug 113 Verlag, Geschästsstelleöl AnschristfürTrahtuach- rrchten: Anzeiger Gießen. Erstes Matt 167. Jahrgang Mittwoch, 12. LepLeMer 1917 postschrckkonto: Zrankfurl a.M. 11686 Vankveriehr: Grwerbebank Gießen ZwMngsrun-druck u. Verlag: vrühl'sche Unis.-Such- u. Steinüruckerei R. Lange. Schriftlritung. Seschäftrjteile u. Druckerei i Schulftr. 7. ii'OH k die Tagesrrninmerin, zumNachmitt«b vorher. ZeUenprerse: für örtliche Anzeigen 20 Pf., für auswärtige Anzeigen 25 Vs., b. Platzvorschrift 30 Pf., für Reklamen 75 Pi., bei Platzvorschrist 90 Pf. Hauptschriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Aug. Goetz; Stadt und Land, Vermischtes u.Ge- richtssaal: Fr. R.Zen:; Anzeigenteil: v>. Beck: sämtlich in Gießen. Vormarsch Uormlows aus petershurg? -WTB.) GrotzeS Hauptouarlter, 11. Sept. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Der Artilleriekampf in Flundern erreichte au' der Küste mw im Bogen nur Ypern zeitweilig grobe Stärke. Bovstöbe der Engländer südöstlich von Langemarck und nördlich mm Frezentzerg wurden zurückgewiesen. Bei Bitterst, nordwestlich von St. Quentin, entfjxmnen sich heute morgen neue Gefechte, die für uns günstig ausginge«. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Unternehmungen französischer Erkundungstruppen, meist durch heftiges Feuer vorbereitet, wurden nordwestlich von Äeims und in mehreren Mschnitten der Champagne zmn Scheitern gebracht. Auf dem östlichen Maasufer griffen gestern morgen starke französische Kräfte vom Fosses- bis zum Chaume- Walde (37 2 Kiwmcter) an. Südlich des Bavrilte-Waldes in msere Kampfzone eingedrungener Feind wurde durch Gegenstoß geworfen. An der übrigen Front brachen die französischen Sturmwetten in unserem Abwehrfeuer verlustreich zusammen. Fm Saufe des Tages noch mehrfach folgende Angriffs^ ersuche des Gegners schlugen fehl. Im Nachdrängen schlugen wir an einigen Punkten unsere Linien vor. * Leutnant Boy schob gestern drei feindliche Flieger ab; er erhöhte dadurch die Zahl seiner Lustsiege auf 45. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. Heeresgruppe PrinzLeopoldvon Bayern. Zwischen den russischen und unseren Stellungen vom Meere bis zur Düna zahlreiche Zusammenstöbe von Vor- trnppen. Der Feind büßte Gefangene ein. Vorstöße russischer Streifabt-eilungen im Waldgebiete nördlich von Husiatyn und am unteren Pruth wurden ab- gewiesen. Front des Generalobersten Erzherzog Josef. Fm Südostzipffl der Bukowina sind die Russen zum Angriff übergegangen; sie errangen nur örtliche Vorteile bei Soltau. Zwischen TrotuS- und Oitoz-Dal hat der Feind feine vergeblichen Angriffe bisher nicht wiederlwlt. Mazedonische Front. , j In: Berggel and? südwestlich des OchridH^ees verwehrten deutsche und österreichisch-ungarische KrMe den Franzosen gestern weiteres Vordringen. \ Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff. # Der Abendbericht. Berlin, 1J. Sept., abends. (WTB. Amtlich.) Bisher keine Meldung ülrer gröbere Kampfhandlungen. — .. . . ■ .artfa aaksp UMBY i ’f «w »■ ■ Gs gäbt, obgleich der Hauptausschluß des Reichstags sich vertagt hat, doch noch> genug Köpfe irr Deutschland, die am liebsten jeden der neuer! weltgeschichtlichen Tage, in denen wir leben, mit ihrer alten Fo-riwel begrüßen und einen Fortschritt der Ereignisse nur irr demokratischen Reformen erblicken möchten. Wer da nicht mittnacht, wer in dem deutschen Einzug in Riga nicht euren Anlaß erblickt, die Kon- trollausschüsse des Reichstags zu vermehren, Herrn Erzberger, denr Rufer des Zentrums, auf seinem Ehrenplatz einest Führers der Reichstagsmehrheit zu huldigen, wer von dem drohenden Bürgerkrieg in Rußland nicht die Folge- rimg ableitet, daß in Deutschla:id noch nicht die volle Macht der Parlamentsbeschlüsse wirksam sei — der gilt solchen Leuten als Philister und Spießer. Der Aevger des anderer Bolksterles über die fortgesetzten Anmaßungen Wilsons und dessen Versuche, die innerpolitische Kluft in Deutschland zu erweitern, läßt sie ganz kalt und gelassen. Dpr „Vorwärts" bat der neuesten Note Wilsons sogar wieder ziustiinmend entgegen gearbeitet und gefordert, daß die „Bolksgewalt^ verstärk: und zum Zwecke des Friedensschlusses der bisherigen deutschen. Regieruugsgewalt vorgesetzt werden müsse. Diesem Erfolg des Präsidenten Wilson stehen nun die Bemühungen derjenigen gegenüber, die während des Krieges das innerpolitische Schachspiel ruhen lassen rnöchten und dazu auf- rnfen, alle Kräfte dranzusetzen, um den Krieg siegreich zu bestehen. Zioeifellos können sich in diesen: Gedanken die Angehörige:: aller Parteien finden, die vor dem Kriege bestanden haben, und selbst die Parteigenossen Scheidemanns wurden sich nichts vergeben, ioenn sie ans diesem Wege mitmarschierten. Denn die Schmähung von der „Knechtung des deutschen Volkes", von der Unzulänglichkeit der inneren Zustande Deutlchlands stammt aus dein feindlichen Auslande, und Scheidemann selbst hat diese übertriebenen Anwürfe gegen unser Reich in Stockholm zurückgewiesen und widerlegt. Der Einigungsgedanke, der die neubegründete deutsche Baterlandspartei führt, ist also richtig und zeitgemäß. Was ans oreser Partei wird und werden kann, bleibt abzuwarten. Wenn das Berliner Tageblatt von einem neuen „Wahl- verem" der Konservativen und Alldeutschen spricht, so ist 0 ^^ mmdestens verfrüht, denn einstweilen wird noch iiicht gewählt, und nicht alle Mitglieder der jetzigen Reichstagsmehrheit sind so unentwegt und starr in ihren Prinzipien wie dieses Blatt. Wilsons Antwort an den Papst hat z. B. dre nicht zu unterschätzende Wirkung gehabt, daß jetzt !ewjt oas führende,württembergische Zentrumsblatt eine A b- von Exzberger empfiehlt. Mit seltsamer Leidenschaft- Uchteu nimmt die „Frans. ZeiturH" gegen den Aufruf der neuen Parte: Stellung: ,/Auf die P h i l i st c r spekuliert er, die ihren politischen Bedarf ohne Nachdenken mit ein paar simplen Phrasen zu decken gewohnt sind Und die, wenn der Ernst mtgäynvxn Geschehens sie zu ümerer Entscheidung treiben will, dies nur als eine ärgerliche Störung ihres Spießer- D a s e i n s empfinden. Die Philister sollen mobil gemacht werden, die immer und zu allen Zeiten nrit einigen geschickten Schlagworten in den Glaube:: zu bringen waren, daß „Dcutsch- lands Rettung, Ehre und Zukunft" gewährleistet sei, ioenn sie aus das gegebene Zeichen Hurra schreien." Ruhig und würdig nimmt sich dagegen die Haltung der liberalen Reformen ganz und gar nicht abgeneigten „Köln. Zeitung" aus. Sie schreibt u. a.: „Die neue, in Königsberg begründete deutsche Vaterlau ds- partei will eine Enckgungspcrrtei sein. Man nnrd abwarten und M einen! Mann-e wie Tirpitz das Vertrauen haben müssen, daß sie nickst ein iveiteres Element der Belebung des imrerpolitischen Strevte-s werbe. Wir l-aben bis Mn Tag von Riga, der wie ein Symbol dessen, worauf es ankommt, am Ende einer laugen. unerquicklichen, schädlichen Periode des schirächenden Streites steht, Fehler geschehen sehen, die mir ein wirklich nachhaltiges Besinnen auf die Forderung des Tages gut!Nachen kann. Ideologen, die mit genialer UnbeLüMmrrthert die Tatsachen der Zeit iund die Zersetzrengsbestrebungen des Vierverbairdes unbeachtet ließen, politische Spekulanten, die die Zeit reif glaubten, einen neuen Griff nach der Macht $u tun, und vor allen! Parteien, die in der irmerpolitischen Debatte ständig die Karten der auswärtigen Politik auf den Tisch warfen und dies törichte Spiel gerade-zu als Nottvendigkeit des Augenblicks be- zeichneten, haben großen Schaden angerichtet, aber glückliche Uumstände brachten den Umschwung: einmal, daß Wilson sich im Ton ^tber alles Maß hinaus vergriff, zum andern, daß die Ltnpreiser der Denwknatie nach westlichen^ Muster sich in ihrem Eifer mit den gerade durch den Krieg erwiesenenj Tatsachen in krassen Widerspruch setzten, der Tatsache, daß gerade in den Demokratien die Gcheimpolitik der Kabinette in einer Weise betrieben worden ist, wie sie bei uns ganz unnwglich wäre, ferner, daß die DemiokrEen vor den Krregsäufgaben so versagten, daß sie zu Diktaturen ;rnd Beamtenregrerimgen uingc- bildet werden !nußten, während unsere Beamtenregierung einen reichlich denwkratischen Einschlag ohne Schädigiumg der Aufgabe!! vornehmen konnte." Innere Streitigkeiten in Deutschland können den Weg zum Frieden nur verlängern. In den Tagen, wo alle Kräfte des Volkes aufgerüttelt und herangeholt werden zum Kampf und zum Dienste für unser Volk, von „Spießer-Dasein" zu sprechm, ist gewiß verkehrt und abgeschmackt. Im Gegenteil, jetzt darf kein Spießer bei der parteipolitischen Bratpfanne sitzen bleiben, und von Gevatter Schneidern und Handschuhmachern, die nicht nur in Brieg, sondern auch in Berlin in Garnison liegen, gilt noch das rege Wort: „Wissen viel was Brauch ist im Krieg!" Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 11. Sept. (WTB. Nkchünntlich.) Amtlich wird verlautbart: Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei So lka in der Bukowina drückte ein russischer Angriff mrsere Linie etwas zurück. Aue Pruch und in Ostgalizien beiderseits lebhafte Erkundungstätigkeit. I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz. Die KampfMuse am Jsonzo dauert an. Mögen die Italiener immerhin noch weitere Angriffe beabsichtigen, so kann das bisherige Ergebnis der am 17. August entbrannten 11. Jsonzo-Schlacht doch dahin festgestellt werden, daß auch diese neue Kampspwbe des Feindes keinerlei Aenderung in der Kriegslage im Südosten herbeizufl'chren vermochte und daß die Schlacht bis zur Stande zweifellos einen neuen Mißerfolg der Italiener bedeutet. Auf der Karst-Hochfläche bildet die Einnahme des Dorffs Selo, das zu Beginn der Kämpfe in unserer vordersten Linie lag, den einzigen Vorteil, der dein Gegner zufiel. Was wir am Südflügel der Karst-Stellung an einzelnen Gräben vorübergehend verloren hatten, ist durch Gegenstoß zurück- gewonnen worden. Hatten unsere Führer und ihr Generalftab in rastloser gründlicher Anwendung der Kriegserfatzrnng firr die siegreiche Mwchr die Vorbedingmegm geschaffen, so errangen unsere braven Truppen — ilpten wie immer voran die Infanterie als ruhmreiche Trägerin schwersten Kampfes — dem beispielgebenden Heldenmut neuerlichen Raum. Gleich erfolgbringend verliefen für unsere Tapferen die Kinnpse im Wippach-Tale und bei Görz, wo nicht ein einziger schmaler Graben in Feindeshand verblieb. Auf der Hochfläche von Bainsizza—Heiligengeist mar dem Jtalirnrer ein Anfangserfolg vergönnt, der unsere Führung veranlaßte, 15 Kilonreter der Frontlinie auf zwei bis sieben Kilometer zurückzunehnren. Bmr da an scheiterten alle Versuche des Feindes, durch mächtige Angriffe auf den Monte San Gabriele und gegen den Abschnitt rwrdöstlichl davon, dm unter großen Opfern errungenen Raunrgewinn zu einem operativen Evsolg auszubauen. Die Kriegslage am Jsonzo ist durch die Ereignisse bei Brh und Bainsizza in keiner Weist beeinflußt worden. Das Ringen um den Monte San Gabriele im besonderen wird stets dann anzusühren fein, wenn es Beispiele zähm und rrttMvollen Verteidigungskampfes hervorzuheben gilt. Das italienische Kraftarffgebot in der 11. Jsonzoschlacht — 48 Divisionen auf kaunr ebensoviel Kilo- meter angesttzt — suchte an Masstnemsatz in alten Angriffs- schlachten des Welttrieges stinesgleichen. Die italienischen Verluste entft--rechm diestr Gefechtsführung. Sic betragen — die £0000 Gefangenen mrtgezählt — nach strengster Berechnung 230000 Mann, also fast ein Viertel einer Million. Die Heeresgruppe des Generalobersten von Boerevic darf auf dm jüngsten Erfolg die feste Zuversicht setzm. daß an ihrem siegreichen Widerstand auch fernerhin alle Anstürnre des um Landerraub kriegührendm Feindes zerschellen werden. Albanien. Der Feurd ging gestern nachmittag gegen unsere Ge- birgssteltmrg östlich von Pogradec zum Arigriff vor und wurde überall abgeschlagen, an zwei Stellen öurch> schneidigen Gegenstoß österreichischer Bataillone. Im Raume südlich voll Berat wiesen unsere Sichemngstruppen feindliche Streifabteilungen in lebhaften Kämpfen zunrck. Ein italienisches Schiffsgeschwader beschoß aus der (w- gewd nördlich der Bojusa-Mündung das alte, an c;e- schichtlich^ Erinnerungen reiche Kloster Cojani. Dieses wurde gleichzeitig von Fliegern bombardiert, welche mehrere Einwohner töteten. Der Chef des Generalstabes. Koffnilow im -Lnmarsch aus Petersburg. Haag, 11. Sept. Reuter meldet aus Petersburg: Die Eisenbahn zwischen Luga und Petersburg ist unterbrochen. Die ersten Mteilungen der Truppen Kornilows sollen bereits in Luga angekommen sein, das ungefähr 100 Werst von Petersburg entfernt liegt. Die Division, die von Kornilow selbst geführt wird und den Namen „Wilde Division" trägt, verließ Pskow und marschierte ans Petersburg zu. Sie kam aus der Station Vyzitza, 54 Werst von Petersburg an der Eisenbahnlirne Petersburg—Rybinst an. auf der der gesamte Eisenbahnverkehr stilliegt. Petersburg, 11. Sept. (Reutär.) Kercnski hat heute eine K-osakenabardnung empfangen. Diese erklärte, sie betrachte es als patriotische Pflicht, einen Bürgerkrieg zu vermeiden und au der Beilegung des Konfliktes zwischen Kornilow und der vorläufigen Regierung rnitzu- wirken. Zu diesen: Zweck begibt sich die Ubordmmg heute nach denr Großen Hauptquartier. Berlin, 12. Sept. Ta die Nachrichten über den Anmarsch Kornilows auf Petersburg aus der Hauptstadt selbst stammen, wird man, so meint der „Lokalanzeiger", zunächst geneigt sein, sic im Sinne K>erenskis gefärbt zu glauben. Auch das; er eine Ab- ordmmg von Kosaken mit der Vermittlung zwischen sich und Kornilow bettaue, scheine nicht dafür zu sprechen, daß^ er seine Stellung für sehr stark halte. — Die „Börsenzeitung" sagt: Die Nachrichten aus Rußland lassen keinen Zweifel, daß Rußland vor einem Bürgerkrieg steht, der von unabsehbaren Folgen fttt das Reich sein wird, mag Kerenski oder Kornilow die Oberhand behalten. — Im „Börsenkurier" heißt es : Der Sieg KerenskiS urirb eine Diktatur der Arbeiter- und Soldaten rate bedeuten, der Sieg Kornilows eine sckwnungslose Unterdrückung aller radikalen, demokratischen und sozialistischen Organisationen. In der Pariser Presse wird der Staatsstreich Kornilows als Beginn einer militärischen Gegenrevolution der Kosaken behandelt, .welche KerenSki haßten. Ter „Vorwärts" schreibt: Es loird die Frage sein, ob die Offiziere die Soldaten in einen Handel in ihrem Sinne werden mitreißen können. Tie Disziplin in der Arrnec ist erheblich gelockert Und eine Inanspruchnahme des Heeres zur Entscheidung innerer Konflikte stellt ihre höchste Belastungsprobe dar. * Die Gefahr des Bürgerkrieges in Rnßlarrd. Petersburg, 10. Sep t. (WTB. Ni chta:n tlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagernüur. Die besprechen kurz den Stteit der v,o>rläufigen Regierung mit dev! Oberstto-nun Ludierendeu Kornilow. „In- westija", das Blatt des Arbeiter- und So>ldttenrates, ist der Ansicht, daß die Einigung aller Kräfte der revolutionären Demokratte jetzt mehr als irvtweudig ist. „Djen" schreibt, auf die russische Freiheit sei ein schwerer Anschlag verüut worden. Das Blatt fordert zur Ruhe auf uird^ur Ilitter- ftütznng der Regierung, und ermahnt, jeden Bürger, in magert hex tödlichen (Vesahr für SCuftTanb auf feinem Posben 341 sein. „Rjetsch" brücEr die Hoffnung ans, daß Eide Seiten vernittrftig seien und es nicht bis zum Bünger- >ri«g treiben sollen. „Nowvje Wvemjcr" schreibt, das Ämd stehe Vor etrrer verhängnisvollen Lösung. Alte inneren Strei- ttgkeiten und politischen Meirrungoverschiedenheuen sollten '.nrr dem Pooblean der Rettung des Vaterlandes vergessen nvrden. Rücktritt des russischen Kabinett-. Haag, 11. Sept. Nenter meldet aus Petersburg: Infolge des Ultimatums des Generaliffrnrus Kormibow tft das gef amte Kabinett zurück getreten. Die Minister roollen Kerenski volle Handlun-gsfreiheit lassen. Alle Mi- rrister verbleiben vorläufig im Amte. Reue VerSssentlichungen über die russische Mobilmachung. Die „Boss. Ztg." veröffentlicht ein DelephEgespräth, das am 31. Juli 1614 der Chef des Großen Gen-eralstcibs v. Moltke mit dem damaligen Chef des Generalstabs des 20. Armeetiorps in Allenstein, also an der russischen Grenz«, dem jetzigen General v. Hell, z. Zt. (Stabschef bei Matten- >en, aefiihrt hat. Die Berösfentlichurm rührt von Gerreral .Hell selbst her. , Generalstabschef v. Moltke rief am 31. Juli 1914 um 7 -Uhr trüh, den GenevalstaLschef Hell in Mlenstein an und es entspann udi folgendes Gespräch: Gerreral Moltke: Haben Sie a, ich habe den Eindruck schon seit mehreren Tagen." General Moltke: „Wvnurs schließen Sie das?" General Hell: „Die Grenze ist vermcttsch abgesperrt Kein Mensch kommt mehr hnrüber und z-u- ftrck. Außerdem brennen seit gestern die Grenzwachthänser. Auch sollen rote NdobilmachungsbeftUe in Mlawa angeklebt sein." Ge- -reral Moltke: „Warnm haben Sie sich solchen Befehl noch nicht verschafft?" Geneval Hell: „Es geschieht alles, um ihn zu bekommen. Aber die Absperrung der Grenze hat cs bisher noch rächt gelingen lasten," General Rttütke: „Solch erneu roten Zettel nmsserr Sie nnr verschaffen. Ich auch Gewißheit haben, ob tatsäch- ncy gegen uns mobil gernacht wird. Früher kann ich keinen Mobilmachungsbefehl erwirken." General Hell: „Exzellenz kann oer- nchert fern, daß der Russe mobil macht." General Moltke: „Wollen Sie die Verantwortung für diese Behauptung übernehmen?" Genera! Hell: „Das kann ich ans innerster Ueberzeugung." In den Auszeichmmgcn des Generals Hell heißt es dann: Das Gespräch um 7 Uhr vormittags statt. Um 9 Uhr vornnttags meldete sich wir Rittmeister Koestring, Mr.-Regt. 5.- Er war soeben von Mwskatt her in Menstein angekommen. Er bestätigte nieine 2ln- nahme, tagte, daß seit Tagen schon Mobümachnngstransporte an die Grenze rollten, und daß er mn mit knapper Not wohl mit dem letzten über die Ererbe gelassenen Zug dnrck>gekommcm sei. Diese Aussage ineldete ich nach Berlin und erfuhr, daß General Moltke n.mi Vortrag bei seiner Maiestät sei. Ich bat darum, daß die Aussage des Rittmeisters Koestring in das Schloß mitgeteilt würde. Erst am späten Nachmittag traf dann zwar nicht der Mobilmachungsbefehl, sondern der Befehl für drohende .Kriegsgefahr ein." Dieser Vorgang beweist jedenfalls, soweit es now eines besonderen Beweises bedarf, mit rvelcher peinlichen Gewissen Hastigkeit man in Berlin mit der Mobilmachung solange gezögert bat, bis absolut feststand, daß Rußland bereits seine gesamte Armee mobilisiert l)abe, so daß uns also ans zwingenden militärischen Gründer, wenn wir nicht überrascht sein wollten, gar nichts anderes als die Mobilmachung übrig blieb. Die Neubildung des französischen Kabinetts. Genf, 12. Sept. Clewenceau macht die Unterstützung des Mrmslerium-s von neuen >ÄdÄÄvden der Kriegsleistung abhängig. CftuaeuceaLs Hauptidoe ist eme Verständigung mit Japan. Bartbou, dem das ?llrswärtige zugedacht ist scheint bis zu einem gewissen Grade hierfür gewonnen zu sein. Die Konferenz in Paris vertagt. _ Sern, 12. Sept. Der „Lomttere della Sera" meidet, saß die Pariser Ententekonferenz bis zum Oktober vertagt worden sei. * * * Ein englischer Arbeiterminister gegen den BerftändignngSsrieden. London; 12. Sept. (Reuter.) Der Arbeitervertreter im ttrugskabmett. Minister Barnes, hielt in Newcastle eine Rede, «der er die Fortsetzung des Krieges verlangte, bis der preußische Militarismus vernichtet sei. Der Früde ma&e nach der relativen Stärke der Parteien am Ende des Krieges ^schlossen werden. Englisch-Holländische Verhandlung^. Am sterd am, 11. Sept. „DeleFraaff erfährt, daß England bereit sei, Holland monatlich 180 000 Tonnen Kohlen zu liefern, wenn Holland 180000 Tonnen Schiffsraum für das betzische .Hilfskomitee zua Verfügung stelle. Es sei noch kein Abkommen zustande gekommen. Amerika und Schweden. Washington, 10. Sept. Meuter.) Das Staatsdepartement gibt bekannt, daß man für die Ausfuhr von Waren ua/1> Schweden künftig greifbare Beweise verlangen werde, daß die Ware« in Schweden selbst benötigt werden mrd lrirftt schließlich Deutschland zugute kommen. Ein Abkommen der Entente mit China. London, 11. Sept. (Reuter.) „Morning Post" erfährt, aus Schanghai vom 9. September, daß die' Gesandten der Entente ein Abkommen unterzeichnet haben, in dem China fotzende Zugeständnisse gemacht loerden: einen Einfuhrzoll von 5 Proz. zu erheben: 2. China wird ent Aufschub von fünf Jahren für die Bezahlung der Sck-a- densvergütung für den Boxeraufstand gewährt; 3. chinesi- ' chm Truppen mirb gestattet, sich im Notfall auch in Orten, ’.cc es ihnen nach dem Boxerabtommen bisher nicht erlaubt rvar,^ crnfzu halten und durch die Konzefsiorr von Tientsin zu marschierei7. — Rußland hat nur ein Drittel der von ihm zu fordernden Schadensersatzsunrme für den Boxerauf stand gestundet. Die Schlacht am IsonzL. Wien, 12. Sept. Die Militärkritiker der Blätter betrachten ubernustrmnrend die am Isimzo eingetretE Kampfpause nicht els Ende der elften Jsonzchttl.ack'-i:. Vielmehr bezwecke sie die Auf- ruclur.g der durrck, ungewvhu1ict)c Verluste in den Reihen des uat:-."lsch«l Heeres eufftaudeuLN Lücken. Die österreichisch-ungarischen Truppen fcfen nnt größter Zuversicht der Fort- lewcng der italrenffchen .?l!ngrfffe entgegen. * Die deutsche Antwort an den Papst. Berlin, 12. Sept. Laut „B. T." wird die deutsche Ant- wort aus d! e päpstliche Note in den allernächsten Tagen abqefcmbt vxtben lieber die Verhandlungen, die der freie ^Ausschuß be»n 'lierchskanzler über die Anvvort geführt hat, sollen sowohl die allgemeinen Gesichtspunkte wie die Fasstmg der Note dort den ^ ''genstand ungewöhnlich lebhafter Erövterungcn, gebildet l>abcn ^ "'-twormove wird auck> auf die deutschen .Kricgsziele etwas naher «Mgeheu. , Seekrieg. Neue U-Boot Erfolge. Berlin, 11. Sept. (Amtlich) ?öeue ll-Bvots-Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: Sieben Dampfer und zwei Segler mit 20 000 Bruttoregister- tonnen, darunter zwei große bewafftrete Dampfer uud ein englischer Transporter. Die beiden Segler hatten Grubenholz und Soda geladen. ^ Der Chef des Admrralstabes der Mvrim. Die russisch-baltische Flotte. Petersburg, 11. Sept. (Muter.) Der in der baltischen Flottenbasis kommandierende General hat eineü Tagesbefehl erbrsstn, in dein er die Motte auffordert, den Fi-md im Auge M bchälten, jede Zwietracht M vermeide ic nnd^ such den Befehlen der Rogierung M fügen. Aus den deulfch-rvsstschen Archiven. Die Enthüllungeit des Suck-omlinowprozesses hatten die Enteirte veranlaßt, ihrerseits in den staatlichen Archiven nach Belastnngsmateriell zu suchen, das die Schuld am Weltkriege wieder auf Deutschland zurückzuschieben vermöchte. Der New Bork Herald hatte es übernommen, das belastende Material eines deutsch-russischen Bündnisversuches aus dem Jahre 1904 zu veröffentlichen. Selbstverftandlick) kam es dem amerikanischen Blatte nicht darauf an, hier und da eine kleinere oder größare Verdrehung des Wortlautes vorzurrehrnen. Um diese richtig zu stellen, hat nun die deutsche Regierung in dev „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" selbst die Dokumente des damaligen Bündnisversuches veröffentlicht. Das Blatt schreibt: Jetzt sind die SurhomlinowS und Jamrschkewitschs vor den Schranken des Gerichts aufgetreten und I.aben feierlich bestätigt, daß Zar Nikolwrs irr jener Nacht den Befehl zur Gesamtmvbil- mochung in der Tat unzweideutig und unbedingt widerrufen hat, daß aber sein .Kriegsminister und sein Generalstabschef diesen Widerruf einfach unbeachtet gelassen haberr; eine Ungeheuerlichkeit, vor deren Folgen die dem Minister Safonwv im Laufe des 30. Juli gelungene Umstimmung des Zaren die Schuldigen bewahrt hat. Hält man rrun mit den Emhüllungen des Petersburger Prozesses ^ die sofort bei Beginn des Krieges bekanrck gegebenen Tele-grumme Seiner Majestät unseres Kaisers an die Herrscher von giußland und Engalnd zusammen, so gewinnt man auf die Frage nach der Sckprld mu Kriege in der Tat eine Antwort von so zwckrgender Klarheit und von so schlagender Beweiskraft, daß fortan kein Jrr- tuin und Lein Zweifel mel-r möglich ist. Das letzte Telegramm des Zaren vom 30. Juli, 1,20 Uhr nachm., enthält noch die bezeichnenden Sätze: ..Ich danke Dir von Herzen für Deine rasche Antwort; ich entsende heute abend Tatisest mit Instruktion. Die jetzt in Kraft tretenden militärischen Maßnahinen sind schon vor fünf Tagen beschlossen irMrden, und zwar aus Gründen der Vereidigung gegen die Vorbereitungen Oesterreichs. Ich hoff« von ganzeui Herzen, daß diese Rtaßnahmeir in keiner Wmse Deine Stellung als Vermittler beeinflussen werden, die ick> sehr hoch anschlage. Wir brauchen Deinen starken Druck aus Oesterreich, damit es zu einer Ber^nittelung mü uns kommt." Es mag dahingestellt bleiÄn, ob zu der Stunde, da dieses Telegramm crbging, die „Umstimmung" des Zaren schon vollendet, ob also das ganze Telegramm sck)on Lüge und Heuchelei war. Aber das eine steift ffft, daß General TatifchtsckMff tatsächlich nicht entsandt worden ist, daß der Zar nntten in sein.em Telegrammivecksel mit dem deutscL)en Kaiser Zeit gestuünnr hatte, den Gesamtmobil- machungsbefehl zu icnterzeichnen, der nach der bekannterr Instruktion von 1912 den Krieg gegen Deutsä)land bedeutete. Es gewährt einen tiefen und ergreifenden Blick in die Seele des Kaisers, wenn er, nachdem die sckstcksalcffchwere Entscheidung gefallen war. am 2. Llugust, dem ersten deutschen Mrünlmachurrgstage, den Befehl Äur Abhaltung eines mißerordentlichen allgemeinen Bettages mit folgenden Sätzen einleiter: „Ich bin gl^wiulgen, zur Abwehr eines durch mchts gerechtfertigten Angriffes das Sck)wert zu ziehen' und mit aller Deutschland zu Gebote stehenden Macht den Kampf um den Bestand des Reichs und unsere riationate Ehre zu stihren. Ich habe mich während meiner Regierung ernstlich bemicht, das deutsche Volk vor Krieg zu bewahren und ihm den Frieden zu erhalten. Auch jetzt ist es mir Gewissenssack)« gewesen, wenn möglich, den Ausbruch des Krieges zu Verhalten; aber meine Bemühungen sind vergebens ge-- wesen. Reinen Gewissens über den Urfamug des Krieges bin ich der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gewiß." Im Jahre 1904 enffackste der Geschästsneid der englischen Schiffvhrtsges.ellfck?asten gegen die deutschen Reedereien, ioelche vor den übrigen Mitbewerbern den Auftvag zur .Kohlenlieferung cni die russische Flotte, besonders für das baltisckre Gesckuwader, itacf> uaitrakn Häsen Den russischen Privatfirmen erhallen hatten, einen Sturm der Entrüstung über dieses angeblich unneutrale Verhalten Deutschlands, obgleich englische Firmen zu gleicher Zeit den Japanern große Kohlenmengen zuführten und sie nicht etwa nur nack> neutralen Häsen, sondern nach Japan, ja sogar unnckttelbar au die jaixinische Flotte lieferten. Lord Lansdowvre erklärte dvn deutschen Botschafter rund heraus, wenn Japan sich wegen einer angeblichen Neutralitätsverletzung Deutschlands zum Kriege gegen uns veranlaßt sehen sollte, so werde England auf japanisches Ersuchen hin den Bündnisfal! als gegeben ansehen. Unter diesen Umständen war es natürlich und selbstverständlich, daß Deutschland bei der Wahrung seines Rechtes bei dem sehr enrpfindlich mitberührten Rußland Anlehnung suchte. Dies geschah am 27 ; Oktober 1904 durch eine, den Vorschlägen des Amtes entsprechende Depesche 5vaiser Wilhelms an den russischen Zaren. Llim 26. Oktober 1904 ließ Kaiser Nikolaus dem Kaiser Wilhelm seine Antwort zugehen. Wie bereits ertvähnt, )var der Tepesck)emvechset unmittelbar durch die herausfordernde und in keiner ^ Hinsicht gerechtfertigte Kriegsdnohn.ng Englands und Japans an Deutschland verarrlaß/:. Tie Depesche des Kaisers zergr, daß ihr Absurder weder offen rwch auch nur andeutungsweise nrehr erstrebte als die Sicherung Deutschlands vor einem vom Zaun gebrochenen Angriff. Tie Antwort des Zaren bestätigt, daß auch der Empfänger nichts anderes aus der Tepesck-e heranSgelesen hat. Erst dem schlechten Gewissen unserer Feinde ist es vorbehallen geblieben, sie 13 Jahre später während des Weltkrieges, den sic verhüten sollte, in einer auf dessen Verlängerung hinzielenden Wei)e umzudichlven. An !d«n in der Antwort des Zaren vom 29. Oktober 1904 enthaltenen Vorschlag eines deutsch-ruffffchen Vertechigmrgsabkvmmens knüpfte sich ein längerer Schristwechsckl. Teils sührwn ihn die .Herrscher selbst, teils Mlrde er durch Regierimgsioi-gane vermittelt. Er zog sich bis Dezember hin. Den Abschluß bild-'te ein ^Notenaustausch zwischen Hoem deutsche?! Botschafter.in Petersburg, Grafen v-on Alvensleben. und dem russischen Minister des Auswärtigen, Grasen L-arnbsdorff. Die deutsche Note lautete: Petersburg, 28. November (11. Dezember! 1904. Die letzten Btaßnahmen der englischen Regierung, durch loelche Dampfer, welche in englischen Häsen Kohlen cinnalMeu, verhindert wurden, mit der ^Ladung in! See zu «gehen, zeigen klar und deutlich, daß England das Verfahi'en, welck^es die Handelsschiffe der neutralen Mächte bei der Kohlen versorg! mg der bÄtffchen Flotte beobachten, als eine Verletzumgi lder Neutivallitöl^ anffjM und behandelt. Am' 15. August erklärte Lord Lansdoivne dem- Botschafter des Kaisers in London, falls Japan anläßlich der Nentralitätsverletzungen seitens Deutschlands die Waffen ergreifen sollte, wurde England aus die Bitte der japanischen Regierung l-in den Bündnisfäll als gegeben ansehen Andererseits läßt die japanische Regierung durch die halbamtliche Presse erklären, daß sie gegen Handlungen, die ihrm Ansicht nach Neutralitätsverletzungen seitens einer freunden Macht darsdeLllen, «an die Gewalt apvellieren .werde, und daß sie die Neu- tnafijtöt dieser Macht nicht m^hr veLpeküeoen: Mücke. Hieraus geht hervor, bchj Deutschland ein .Konflikt mit den beiden in Frage stehenden Mächüm Engbind und Japan drolst. Die kaiserliche Regierung sieht sich daher genötigt, der kaiserlich, russischen Regierung die Frage vvezulegen, ob sie sich verpflickitet^ Deutschland mit allen Mittelst, über die sie verfügt, und in allen) Schwierigkeiten beizustehen, die infolge der KvhleTckieserungen an die riissisck)« Flotte tvährend des gegenwärtigen Krieges entstehen! könnten. Sollte es der kaiserlich-mssisch"n Regierung nickst möglich sein, der kaiserlichen Regierung eine Zusicherung in diesem Sinne zii geben, so würde die deutsche Regierung sich genötigt jehen^ lstnsickstlich der ÜsthlenVersorgung ohne Verzug die Wöaßuahcnen zu treffen, die die Sicherheit des Reiches erfordern. Tie kaiserliche Regierung wird diese Maßnahmen olpre Verzug ergreifen u.'üssen, falls zu der Zjät der Ankunft der Flotte des Mrniirals Noschdjesd- wenski in Madagaskar die in Frage stehende Zusicherung gickst an die denffche Regierung gelangt sein sollte. lautete: ,Die russische Antwortnote Petersburb, 29. November (12. Dezember) 1904. Ich habe nicht verfehlt, Kaiser Mlolaus den Inhalt der sehr veftraulichen Auszeichnungen zu unterbreiten, die Eure ErzellenA mir gestern übermittelt habm, namentlich auch Ihre Mitteilung, ■ welche dahin geht, daß die deutsche Negierung sich genötigt sieht, . der russisckien Regierung die Frage vorzulegen, ob sie sich ver- pslichtrt, Deutschland mit allen Vdittelu, über die sie verfügt, in. ; allen Schwierigkeiten beiMstehen, die infolge der Kohlenlieferuugeir : an die ru)sische Motte während des gegenwärtigen Krieges ent- stehen könnten. Mein erhabener Herrsck>er geruhte, mu' zu be-- fehlen, Euer Exz'elleüz diese Frage in bejahendem Scun-e zu beantworten, sowie Euer Exzellenz zu bitten, Ihrer Regierung dis ' förmliche Zusicherung übermitteln zu wollen, daß die russische Re-- gierimg entschlossen ist, bezüglich der Frage der Kdhlenlieserungen. völlig an die Seite der deuffmen Negierung zu treten, in der festen : Ueberzeugung, daß diese ihrerseits, nste Euer Exzellenz mir gestern bestättgten, die freundschaftliche Haltung, die see bis jetzt gezeigt hat, bcibc:halten und die Kvhlenffeserungerc au die russische Flotte erleichtern wird. T^e gegenseittge Gewähr der beiden de nach-» barten und befreundeten Kafferreichc uärd, hoffe ich, zu ihrem ^ völligen Einvernehmen beittagen, welches bei ihrer gcgewvärttgeltz . Lage für ihre wechselseitigen Jitteressen so wesentlich rmd wün-- , schenswert ist. Indem ich Ihnen auf lülerhöchsten Befehl die vor- ! stehende Ertlärung übermittele, benutze ich diesen Einlaß. Ihnen, ] 5)crr Botschafter, die Versicherung meiner vorzüglichen öodjcc^ ’ lung zu erneuern. (Gez.) Lambsdorff 1 . Flir die Dauer des russischpsapaittschen Krieges >var mit Hü ft ^ dieser Abmachungen ein wirksamer Schutz der bedrohten deutschen! Interessen erreicht. Das Verhalten .des an dem Siege Japans über^. iItußland interessierten Großbritanniens tndeffen, ganz abgesehen- von der Tragweite des geschjuderten Einzel fallen, war auch all-^ gemein politisch von der größten Bedeuttmg. Es öffnete einen Ausblick darauf, wie England sich auch in späteren kritischen Lagen die Begriffe Neutralität und Freiheit der Meere ganz unbekümmert ^ um die Gerechtigkeit vzu seinem Vorteil austegeu lvürdc EI zeigte zugleick^, daß, ^England, was ja der Weltkrieg inzwischen ^ beiiätigt hat, nicht rinen Augenblick zögern würde, mit Hilft dieser englischen Auslegung und unter rücksichtslosen! Mißbrauch seiner übermächttgen Flotte anderer Druckmittel das srentde ^ Rechjt zu vergewaltigen. Demgegenüber waren drückst und Wachsamkeit geboten. Deutschland hvar daher in der Folgezeit bemüht, den angespouneuen Faden d. r Verständigung mit sstußland, die dem Sckpttz der lelxmSwichtigen Reichsinteressen dienen sollte, i nicht wieder ab reißen zu lassen. Eine wichtige Etapvc aus dem $ damit betretenen Wege war die Zusammttukunht Kaiser Wühelms« strit Kaiser Nikolaus ,in Bjoerkoe, die am 24. Juli 1905 zustande ^ kam. Ajas die (volittsche Bedeuttmg der Ztffamnunrkunft werden wir in einem weiteren ,Auffatze eingehen. Au§ dem Kelche. Befprcchmrgen beim Kaiser. Berlin, 11. Sept. Zur Besprechung bei Sr. Majestät dem Kaiser hat auch der Stellvertreter des Reick)skanK- lers, Staatssekretär Dr. Helfferich seinen Urlaub Nnftr- bvochen, den er am Beginn der vorigen Woche angetreten hatte. ^ Die Hultrmg der Sozialdemokratie. B e r l i n, «12. Sept. In dem Bericht des s 0 z i a l d c nr o- kratischen Partei vor st a n d e s an den Parteitag in Würz bürg heißt es u a.: Die internattvnale Ber- standignng hat während des Krieges keinen treueren Freund \ gefiiübert als die deutsche Sozialdeinokr-atie. Die Fraktion soll bei der nächster Reichs tag stagmrg von der Reichsleitung !nit allen! Nachdrnck verlangen, daß sie zur Kttiegszietttag'e klar Stellung nehme und sich bestinimt zur Denrokratisierung i im Jnriern, namentlich zur Einführung des gleichen Wahl- I rechts in Preußen, erkläre. Der NahrrmgsmittelDlsschutz des deutschen Städtetages hat einsttmmig beschlossen, mit allem 'Nachdruck gegen eine Erhöhung des Brot- und Kartoffelpreises Stellung zu neh- num. Er beantragt, imter Umständen die Senkung der Lebensmittelpreise durch Reichsmittel zu erreichen. * Magdeburg, 11. Sept. Wie die „Magdeb. Ztss." meldet, hat der nattonallibernte Verein Magdeburgs durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes den bisherigen Ab- geordmten, jetztzen ?Ninistcrialdirek'or Schiffer für die. Landtagsersatzwahl wieder als Kandidaten ausgestellt. Ares StnSt rrnd Csnv. Gießen. 12. September 1917. ** Oberlehrer i. R. K. Fuhr t. Am 5. d Mts. starb m Niederzwehren bei Kassel Oberlehrer i. R. Konrad Fuhr, der reichlich ein Mcnschönalter segensreich an der hiesigen'Stadt- Mädchenschule gewirkt und eine Reil>c von Jahren ihre Geschicke geleitet l>al. Es war früher Gepflogenheit in Öfteßen, daß die Volksschule von der Direktton der Höheren und Erwcitetten Mädchenschule nn Nebenamt mitvettoaltet und geleitet wurde. Im Jahre 1887 löste mau nun die Volksschule von ihrem Abhängig-, keitsverhältnis, und Oberlehrer Fuhr >ourde der erste selbständige Leiter der Stadt-Mädchenschule. Als solcher X>at er ihr die Wege gewiesen, die sie in Zukunft gehen sollte, und ist sein Name mit dem Aufblühen' und der fteien Enttvickelung der Sckmle seit jener Zeit aufs engste verbunden. In richttger, einsichtsvoller Würdigung der Verhältnisse und Beidürfniffc unserer Zeit faßte Oberlehrer Fuhr seine ^Aufgaben als Schulleiter nicht vom engherzigen Standpunkte des reinen Schulmannes, sondern von dem des vaterländischen und wirtschaftlichen Volkserzichers auf. Wäs ihm daher geeignet schien zur praktischen Ertnchttgung und herzveredelnden' Erziehung des Heranwachsenden Geschlechtes, suchte er den Zwecken der Schule dienstbar zu machen. So führte er als einer der ersten Schulleiter in Hessen den Haushaltnngsuntcrricht in den oberen! Klassen der Stadt-Dlädchenschule ein, schuf den Mädchenhort und^ gestaltete den naturkundlichen Unterricht nach der hauswirtschaftlichen Richtung hin' um: und wie manches goldene, l>erzveredelnda Samenkorn hat er in die Seelen junger Meuscheukinder gelegt durch die Einftihrung der Blumenpflege! Daneben war ihnc das Streben nach sorgenfreier und makelloser Stellung des Lehrerstandes stets eine 5)aupt- und .Herzenssache. Die Gründung der Gießener Lehrerwitwenkasse ist ebenfalls sein eigenstem Verdienst. Auch als zunehmendes Alter und ein schweres Leiden ihn gezwungen lwtten, von der so ltebgewordenen Tättgkeit in der Scknile zu scheiden, galt sein Sinnen und Denken dein Wähle der Schule und des Lehrerstandes. So ist Oberlelxrer Fuhr twhiNk- gegangen als ein Manu, der der Sckmle und seinem Stande die Treue gehalten hat bis zum Tode^ Darum wird 1$): Gedächtnis bei all seinen vielen dankbaren Sckstüeriuneu, der fernen Mit arbeitern und Freunden stets in Ehren Äeiben. ** SSftii rstverkauf Der BcAmf der WETigjci Wirrst fftckxt b-i" «rf weites nieder ieden Mittwoich von 8—12 und 3—7 lll>r ftait ** GaspreiserhÄhirng. Saut Beschbrß der SdaHt- verordn>etei! Lersainmlirng von: 7. Septerrrber 1817 io-rrd tu* b front dem DSKgertcht der Besserung. gegessen: der Svchln, der mrr am ersten gelururmen hatte, befindet sich auä vcn: Hessen-Nassau. = Frankfurt a. M, 12. Sapt. Professor WilheLmi Lang aus Darnistavt wurde znin ordentlichen Hmwrarprvfessvr an der JicÄge her !wiederholt erhAhiden Kohle-npwrse und der an: \ philosophischen Faküllät der Universität Fvantfurt a. M. ernannt. 1. August d. I. in Kraft getreterren Kolsten-stestvew der Gas- preis erhöht. Siehe Anzeigenteil. ** T i s ch n>ü s che. Auf die rm heutigen Anzeigenteil adgedrucktc 'Leianrttniachnng über Beschlagnahine nnö^lcelde- pslicht der Bett-, Hans- und Tischwäsche in Hotels, (^ast- rmd SchcrnLvirlschasten und ähnlichen Betriebe^, sowie WWievlttleihAeschiäften' wird hingewichen. * Beschlagnahme und Anmeldung von N-ä s s>er n. Die Belanntmachnng der Reichs^Naßstelle vom 88 . J im i 1917 über die Beschlagnahme und Anmeldung von Ms fern ist im Anzeigenteil der heutigen Nummer verö>ffent- ücht. / ** Schuh ha ndelsgescllschaft. IN Frankfurt a. M. ward.' eine SchutztzaivdelsgLs-cNschast für die Provinz Hessnr-Nasscm, den ' reis Wetzlar, das Grotzherzogtmn Hessen und die Fürsten- türnci Waldeck imd Pyrmont mit AusnalMe des Kreises Ppn.iont, gegrmche - und dm Schn ftiv-crrcnhändl er Bernhardt, K r ä m e v Und Waldschlnidt aus Metzen in den Vorstand der Gesellschaft gewäbll. **Di e Vortrags v cre inigüung (Kaiuchnännischer und C 1 r > sg cwerde verein) peranst alt ei morgen, -Donnerstag -abend 8 Uhr in der grotzcn A.ha ihren 2. Lichtbilder Vortrag. Frb. V. R-eitzenstern aus Dresden wird über ^,Asegypten einst und jetztt' sprechen Näheres siebe Anzeige. ** Technische Hochschule z u D a r m st a d t. Unsere Lcser machen wir auf die im Anzeigenteil unseres Blattes enthaltene Bekanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstadt ausmert'fam. Diese gewährt eine vollständige wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung für den technisckien Beruf. In besond-eren Abteilungen werden Architekten. Bauingenieure, Elektroingenieure, Ulllturingenieure, Maschineningenieure, Papiern:genienrc, Cl>e- miker, Elektrochemiker und Apotl)eker ausgebildet: desgleichen in der allgemeinen Müeilung Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften, sowie Geometer. Auch Frauen werden zum Stu* dium zugclasscn. ** Verkauf von französischen Stahlhelmen. Ten: Kriegsbeittevertrieb zugunsten der Nalionalstiftung sü- tue Hinterbliebenen der im Kriege Gefallene sind vom Kriegs- miris'.erinm zur Förderung seiner Hinterbliebenenfürsorge eine grötzere Anzahl erbeuteter französischer Stahllietme zum Vertrieb übergehen ivorden. Es wird damit (Gelegenheit geboten, ein bleibendes Andenken an den großim Weltkrieg zu erwerben und gleiche zeitig zur Linderung der Not der Hinterbliebenen der im Kriege gefallenen Helden laizuiragen. D-er Preis eines Stahlhelmes betragt 25 Mark. CvOer Käufer-erhält eine Urkunde über Ursprung und Erwerb des Beutestücks. Der Verkauf findet in Berlin W, Schön cdevger User 20, statt. Landkreis Gießen. ** St ein heim, 12. Sept .Kanonier Wilhelm Diehl. bei einem Fußartillcrie-Bataillon, erhielt die Hessische Tapfcrkeits- medaille. Kreis Alsfeld. -- Al s fe l d, 12. Sept. Um 800 Prozent stiegen bei der Versteigerung des.Gevreindeobstes von Ottvmr die Preise gegen 1916 in. die Höt'-e. Während die letztiahrrge Ernte nur 300 Mk. ctn- brachte, koirnte in diesem! Jahre der Gemeinderechner 2500 Mk. aus Lbsteinnabnren verbuchen. KrciS Friedverg. Q Bad - RoinherüN, 12. Sept. Der hiesige Vertrauensmann kür die Eiera.tuah.nc K. schickte an einen Kaunnaarn in Vilbel, der dort dasselbe Ehrenanrr beWeidet, drei Säcke Kuirstdünger. Als die ^stndarMerie die Säcke -untersuchte, entpuppte sich ihr Inhalt als Weizen, Roggen und Hafer. Die Frucht verfiel der Beschlagnahme »und die beiden „Vertrauensmänner" wurden zur Anzeige gebracht. Starkenbnrg und Nheiuhessen. = Darnrstadt, 12. Sept. Die hessische Negierung hat für eine Reihe kleinerer 0>em!ernden, in denen die Dürg-ermeisterstellen unbesetä sind, -die an dem betreffender -Orten wirkenden Letter nr.it >er Wahrnehmurrg der BürgerMeistertz-eschäfte beauftragt. Bisher -dr ersten ^Lehrer nach derr hessischen Verivaltungsgesetzen zu Aemtern in der Gemeindeverwaltung nicht zugelassen werden. Kreis Wetzlar. W.A. Wetzlar, 12 Sept. In vergangener Woche erkrankte eine hiesige Familie infolge des Genusses sowohl von zu alten,, soni. etz-baren Pilzen, als auch von grünen Knollenblätterpilzen. Non den drei Erkrankten sind die Frxru und ihre Nichte gestorben - J[ Marburg, 12. Sept. Heute wurde hier der zweite diesjährige Pferdemarkt, mit -dem in Friedenszeiten stets eine Prämiierung und Verlosung verbunden war, abgehalteu. Zum Verkauf standen nur 16 Pferde urrd Fohlen. WB. W iesbaden, 12. Sept. Wegen Einführung der durch- gehenden Arbeitszeit vmr vormittags 8 bis nachmittags 3 Uhr sind bei dem Personal der städtischen Verwaltung zurzeit Erhebungen im Gange. Sämtliche Beamten "werden in einem Rundschreiben um ihre Ansicht befragt. ie Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer. RMK. Darmstadt. 11. September. Die 15. Hauptversammlung der Landwirtschastskanuner für das Gwötzherzogtum Hessen fand gestern vormittag 10y 4 Uhr im Sitzungssaale der Zweiten Ständckammer in Airwesenheit der Re- gierurlgsvertreter Geh. Oekonomierat Müller, Regierungsrat Hechler und Obersinanzrat Emmerling statt. Der Vorsitzende, Geh. Oekonourlerat Walter, begrüßte die Versammlung. Nacki- einigen geschäftlichen Mitteilungen gibt er Kenntnis von dem Ableben des längs älvrigen Mitgliedes -Ockvrwmie- rat T r a u t m a n n - Rimbach, sowie des Sekretärs -des Provinzial ausschusses für Oberhessen. Schwarz, y 2tbg. Brauer ^unterstützt die Ausfützrungeir des Vorredners und tritt für einen echten deutschcnr Frieden ein. Oekonornierat H e n s e l - Dortelweil verwahrt die Landüvirte gegen die Beschlüsse der Reichstagsmiehrheit in der Friederlsfrage Oekonoinievat Dr. De hl in g er trägt eine EntschLretzung vor, in der er sich ebenfalls gegen die Reichstagsmehrheit in der Frie- denssrage aussprüht. Dann wird in die Tagesordmrng eingetreten.. Generalsekretär Leithiger erläutert, den Geschäftsbericht, der dlnnahme findet. Sekretär Tr. Hamann berührt die Frage des Kartoffelpreises, der hoffentlich in allen Kommunal verbänden gleich, hoch festgesetzt lverde. Wünschenswert sei für jeden Landwirt die Zn- billigung einer größeren Menge Gerste als bisher. 2lbg. Brauer widerspricht den Anschauulrgen. Entschieden zu verurteilen sei ferner das Zusammenlegen der kleinen Oelmühlcn, entgegen den früheren Versprechungen und Zusagen. Regierungsrat Hechler erklärt,^ daß man in der Frage der Oelllrühlen an maßgebender Stelle in Berlin unter genauer Schilderung der Verhältnisse vorgegangen sei und baldigen günstigen Bescheid erhoffe. Fenchel- Griedel gibt der Besürchttmg 2lu.Ä>rnck, daß die Laildwirte, wenn die Bundesratsbestimmungen bestehen bleiben, überhaupt zum Nachteil der Llllge mein heit keine Lelsaat mehr bauen. Redner beschwert sich noch über den großen Preisunterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis bei Schlachttieren. H e uss e l -^Dortelweil fragt an, woher die verschiedenen militärischen Stellen, welche zahlreiche Mastschweine ausziehen, die Getreidemenge, die sie verfüttern, erhalten. Auch beschwent er sich, daß die Dresch- maschinenarbeiter nicht mehr Fleischrnengen erhalten. Die Druschprämien seien überflüssig und die beabsichtigte .Herabsetzung des Kartoffelpreises müsse un ge reckst winken. 2lbg. Oekonomrerat B r e i - denbach toüüscht einl>estliche Festsetzung des Kartoffel Preises m allen Kommunalverbänden und fordert 2tbrechnung über deren teilweise ganz hohen Ueberschüsse. Die Kommunal verbände schienen überhaupt allzu selbständig vorzugehen und nach der Regierung! nickst zu fragen. Redner kritisiert noch die imterschiedlichen Preise bei der Mllchabilieferung und die ungerechteri Maßnahmen bei der Butterablieferung. Notwendig fei eine einheitliche Regelung der Vergütungen an die Wiegineister. Oberfnranzuat Emmer! i n g stellt fest, daß es auch den Militärbehörden verboten sei, Brot-/ getteide zu verfüttern. Ebed l e Wolfsheim fordert Permehrung der Tierärzte in einzelnen Bezirken. Hahn-Hetzloch tritt eben-s falls für einheilliche Preisfestsetzung in den Kommunalverbänden ein iiiid bespricht die Versorgung mit Brotgetteide, die notleide, wenn die neuen undurchführbaren Vorschristen der Reickisgelreide- stelle bestehen bleiben. Pollständig ungerechtfertigt seien die hohen Provisionen, welche die Kvmmissionäre ohne jede Bemühung bei dem Obst Handel verdienen. Auch die geforderte Eiercrblieferung könne man nicht durchführen. Geh. Obermedizinalrat Lorenz gibt Aufklärung über die Preisunterschiede zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, über die Schwerneabschlachlung und erklätt, daß die Treschmaschinenarbeiter erhöhte Speckrationen erhallen. Bei Notschlachtungen soll der Besitzer voll entschädigt iverden. Abg. Bähr bedauert die Abwesenheit des Ministers des Innern und fordert Aufklärung über das Selbstverwaltungsrecht der Kvm- munalverbände, die nach seiner 2lnsicht sich den 2lnordnungen der Regierung zu fügen fja&en. Ost seien auch hier nicht die geeigneten Leute tätig. Vielfach würden die Bestimmungen exst geändert, wenn es zu spät sei. Er bespricht noch die sie hatten an zwei aufeinanderfolgenden Adeirden von den Pilzen Pferde Verteilung, Eierabgabe und Fleisch Versorgung. I o sEBernmthshain besprickt ebenfalls die 2Zerfütterung von Getreide an militäriicke Sebwünc, die Milchversorgung. die Beichlaq- nähme von Zuchttieren und die Eier frage, und bemängelt die hohe Speckabgabe gegenüber Preußen, (steh. Oekonomierat Walter bringt zur Kenntnis, daß Pferde aus freier .Hand nur an Bedürftige ^ abgegeben werden (jr bespricht noch verschiedene Mitzstände bei den Ko mmunal verbänden 2ln der weiteren Debatte beteiligen sich, iwch Geh. Oberst medizinalrat Lorenz, Regierungsrat Hechler, M o g k-Grund- Schirvglheim, Schätze l-Selzen, B ä c-Langenbrombach. Geh. Oeko- tnomierat Müller, F r i 1 f ck^-Dilsl-ofen, welche über die verschiedensten Röatznahmen imd Anordnungen Wünsche und Beschwerden Vorbringen resp. Llufklärimg erteilen. Die (stenevcckdebattck ist damit erledigt und wird Mniühst eine EntschlietzuTrg Dr. D e hck,inge r angerwmmen: Die Vertreter der hessischen Landwirte in der Landwirte schiaftskammer wollen keinen 'Verzicht und Bankerottfrieden, sondern einen deutschen Frieden, 'wie ihn unsere Heeve unüw Hindenbrrrgsl Führung mit Gottes Hilfe erkämpfe:! werden. Sie wollen ein Deutschland mit gesicherten wirtschaftlichen Grundlagen und festen Grenzen nach,^ Osten und Westen, ein machtvolles deutsches Reich mit dem Kaiser an der Spitze und unseren Fürsten als Bundesgenossen, welche, tviie »dir. treu zu Kaiser und Reich stehen. Weiter werde)! angenommen: ein Antrag Dr. Dchlinger, wonach der im Lande erzeugte Sticksp>fi auchj in: Lande verwertet werden soll, sin Antrag Heil betreffend die Phosphorsäuredüngung, zwei Anträge Mogk bett die Vergütungen Ml die Wiegmeister und Festsetzung der Höchstpreise als Mindest^höchstpreise, ein Untrag Frit-schi und Genossen, betr. die Abschaffung der Druschprämie. Minderung -des Getreidepreises und Einsetzung von Schiedsgerichten, sowie ein,2ln.ttag Keutzer betr. Vermahlung von Getreide. Dann tvird die Jahresrechnung genehmigt, ebenso der Hauptvoranschlag für 1917 in -Verbindung mit den Voranschläge für die landwirtschafllichen Haushalttlngsschulen und die Zeitschrift. Weiterhin ' ivird ein Beitrag zur Ernst-Ludwig-Jubiläumsstistung in Höhe von 10 000 Mark gut geheißen und dam: durch den Vor- sitzendon die Versammlung mit der sichreren Hoffnung geschlossen, daß die nächisten Verhandlungen im Frieden stattfinden. d Witterungsbericht. (Oesfentlicher WeLterdienst.1 Fortdauer der bestehenden Witterung. LLtzte Eine monarchische Organisation in Petersburg. Bern, 12. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ter russische Mitarbeiter des „Berner Bund" meldet: In Petersburg ist eine grotz- augelegte, monarchische Organisation „Das heilige Rußland" entdeckt worden, deren S-prackirohr vie unlängst eingegangene Zeitung ,Presa" war, welche hauptsäckstich unter den Truppen an der rumü- nischei: Front verteilt wurde. Diese Zeitung schrieb offen, nur der Zgr könne Rußland Brot und Frieden geben. Die Engländer und die Franzosen seien die Feinde Mttzlmrds. Man müsse sofort Frieden schließen. Tie Hauptführer der Organisatton waren Ba- duajen>, ein Arzt, Protapepewo Glirka Janschtewski, der frühere Redatteur der konservativen Zeittmg „Semschtschtna" und dessen Mitarbeiter Stetniker, die alle verhaftet wurden. Nikolaus Nikolajewitsch geflüchtet? Kopenhagen, 12. Scp!. (WTB. Nichtamtlich.) Die Zeitung .Dolititen" preldet aus Helsingfors, in Petersburg seien hartnäckige Gerüchte verbreitet, daß der Großfürst Mkolcrus Riko- lajewitsch von seinem Gute im Kankafus geflüchtet sei, da er fürchtete, verhaftet zu werden.. Man glaubt, vag er an einer gegen* revolutionären Verschwörung beteiligt sei. d^eue Slreikbewegungen in Lissabon. Be nt, 12. Sept. Temps meldet aus Lissabon: Ter Stveik der Post- und Telegraphetibeamien, den man beendigt glaubte, hat neuerdings Wiede:' begonnen, da die Vermittl'ung der Arbeiterunbm ergcbtrislos war. Die Regierung ttifft energische Maßnahmen, um jeden Versuch der Unruhestiftung zu ersricken. Die Friedensversammlung der katholischen sozialen Aktion an den Papst. Haag , 12. Sept. Die zahlreich besuchte Fri-edensversammlung der Katholische« Sozialen Aktion beschloß, dem Papst für seine Jnitiattve, als Friedensrichter zwisck>en den kämpfenden NattvnÄt aufzutreteu. drahtlich zu danken und die Erwartung auszusprechsn, daß alle Katholiken in der grnzen Well die Bemühungen des Papstes unterstützet: würden. Der Papst rmd die Friedensfrnge. Haag, 12. Sept. Der Korresponvent der „United Pretz" in Rvm will aus dem Battkm: erfalireu haben, man erwarte dort zuversichtlich, -daß die Antwort der Mittelmächte besttrnntte Friedens- beditrgtmgen ettthalten tverde. Der Papst sei der Ansicht, die Verhandlungen werden noch vor Weihtmchten beginnen, und der Fried< werde At:fang 1918 gesichert sein. Elvira Zancler (^eorg Oförlaek z. Z. im /eldc Verlobte Salchendorf >(oIzheim (>Cr. Siegen) September 1917. (j447 J. Happel Holz- u. Koblenbaudlung, Mühlstraße 18. Zivei jilnilk Klnislcutk suchen Abendbeschäftiallng, Heiniarbeit bevorzugt. Auge bote unt.054 BbmEMb'j 3? Nach langem Leiden entschlief sanft Bruder, Schwager und Onkel unser guter Herr Karl Semmler im 70. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Moritz Semmler und Familie Wilhelm Semmler und Frau. Giessen, den 12. September 1917. Vielen Dank den evangelischen Schwestern für ihre liebevolle Pflege. Die Beerdigung findet in aller Stille statt. 6765 Blumenspenden dankend verbeten. Gestern abend verschied sanft und unerwartet unser heiss geliebter Sohn und Bruder im 12. Lebensjahr Die tieftrauernden Hinterbliebenen Familie H. Frdr. riofmann Beuern, den 11. September 1917. 05681 Beerdigung Donnerstag nachmittag 2 l / 2 Uhr. Allen Freunden u. Bekannten sagen wir für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verluste, der uns durch den Tod unseres lieben, unvergeßlichen, für das Vaterland gefallenen Sohnes, des Leutnants und Kompagnieführers Adolf Mathes betroffen hat, hiermit innigsten Dank. 676! Bellersheim io. Sept.i Qi 7. Familie Mathes Nach sechsmonatiger schmerzlicher Ungewissheit bestätigt uns jetzt eine Auslandsmeldung die bisherige Vermutung, dass unser lieber, unvergesslicher ältester Sohn und Bruder Wir erhielten die schmerzliche, traurige Nachricht, dass am 24. August nachts x / 2 12 Uhr unser lieber, treuer, unvergesslicher Sohn, Bruder und Enkel Paul Jung Karl Wilhelm Suchan Leutnant d. Res. im I.-R. 88 (früher 116) Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille seit dem 3. März 1917 vermisst, damals als Führer einer Aufklärungsabteilung den Heldentod in der feindlichen Stellung gefunden hat Jacob Jung und Frau Helene geb. Schwieder Margarete und Magda Jung Walter und Albert Jung, z. Z. im Felde Georg Schachner, Lehramtsassessor. nach vollendetem 20. Lebensjahre durch Kopfschuss den Tod fürs Vaterland erlitt. In tiefer Trauer: Familie Wilhelm Suchan nebst allen Verwandten. Krofdorf, den 11. September 1917. 6J72 Giessen (Gartenstrasse 20), September 1917. 0751D Nach über dreijähriger treuer Pflichterfüllung fiel am 8. September abends mein einziger, innigstgeliebter Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Leutnant Karl Stein Kompagnieführer im Infanterie-Regiment 118 Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille. In tiefem Schmerz: Frau Architekt Stein Ww Gießen, den 11. September 1917. Anna Stein Familie L. Schußler Familie FLJughardt Die Beisetzung auf dem hiesigen Friedhof findet voraussichtlich Oktober statt. Unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht, dass unser lieber Sohn und Bruder Musketier Heinrich Sehrt Inhaber der Hess. Tapferkeitsmedaille im Alter von 20 Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. ln tiefer Trauer: Heinr. Sehrt und Frau Katharine geb. Arnold Anna Sehrt Ludwig Sehrt. Lindenstruth, den 12. September 1917. Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung 05660 Cafe Amend % Heute Mittwoch, 8 Uhr: Familien-Konzert VörtmgZseremtzWg kaufmännischer Verein Ortsgewerbeverein Ketzey *S£T Fürsten hoff Freitag, den 14. .September, abends 8 Uhr: große 1, Saal Konzert* Bunter Abend Donnerstag öen [3. September ( 9 ( 7 , abends 8 Uhr, in der Neuen Aula unter Mitwirkung der beliebten Tüinchencr Laoten- »ungerin Tini Knecht. 05668 lieasitationcn und hum. Vorträge Milly JSarqnard. Lieder für Bariton: Paul Tlarquard. ni n pw tspr ? i £ e: 1 S ? al J; PJat * M. 1*50, II. Platz M. 1.-, l,I fr -iff a v 10 ' Militär vom Feldwebel ahMciitsdie Hälfte. Vorv. b. Portier d. Hotels Fürstenhof. X-jOS- f\! ÜIM. Briefe * 1 Mk., Porto 15 Pf.. Nachn. Sofortiger Gewinn- teurer. ___ entscheid und Gewinn-Aus Zahlung Gewinne bar S-rAirgünstige Gewinn-Aussichten. Jedes 20. Los gewinnt. *>iese Lose empfiehlt Bacbacker Frlerirtcbsbafener Geld- [non aM 9 Porlou.Liste30PI* liuöo fl ül, L Kachnalime (eurer- ^iehijiig.3. Oktober. Zusammen 2029 Gewinne 60 000 Mark Hauptgewinn 6338 SÖOÖÖMark. ßleßen, Neuen Bäu« 31 . Vortrag Nr. 2 Herr Hrh. v. Reitzenstein, Dresden „Aegypten einst und setzt" (mit Lichtbildern) ( 20Psg. Kinder unt. 14Fahren baden keinen Antritt Nktlß»M>»e» - rieHeigemg. Montag, den 17. September, nachmittags 3 Uhr, werden bei Gastwirt Fischer in Burg- Gemünden, Kreis Alsfeld, eine gut erhaltene Lokomobile und ein Dreschwagen versteigert. Wchrweiu, ^Schlaßverwalter. BeksrNntMochriNg. i mm ft fi f 4 TAI .. .. ... r> /> _ Die tm Kreisblatt 9tv. 156 vom 7. September 1917 abgedruckte Bekanntmachung der Reichsbekleidungöstelle über Beschlagnahme und Meldepflicht der Bett'/ Haus» und Tischwäsche in Hotels, Gast- und Schankwirtschaften und ähnlichen Betrieben, wwie Wäscheoerleihgeschästeh wird hiermit aur öffentlichen Kenntnis gebracht. Die vorgeschriebenen Meldekarten sind während Dienst,tundenim Lebensmittelamt. Zimmer Nr. 8. ab- Abölen, und spätestens am 15. Oktober 1917 dorthin ausgefullt zuruckzngeben. 6760 B Gießen, den 11. September 1917. Der Oberbürg ermeister (Lebensmittelamtl Scidjlagnfifime iniis Ännielduiig nun Fafferii. Dw der Reichs-8abstr-ll- vom Jun, 1917 über die Beschlagnabnie »ttd Anmeldung von Kasicrn bringe ich hierdurch ,ur öffentlichen Kenntnis. Die zur Anmeldung vorgeschrlcbenen Vordrucke sind l»'. Lebeusmlttelanit, Zimmer Nr. 8 abzubolen und spätestens am 20. «eptcmbcr 1917 ausgefüllt dorthin zuruckzugeben. Giehen, den 11 . September 1917. Der Oberbürgermeister (Lebensmütelamt). pk* (Höhere Privatschule Sexta — Oberprima) Aufnahme neuer Schüler jederzeit. Einjäkrigeii*. Priwnareife-, Abiturienten* prüfung. Durch den Besuch der Unterstufe genügen Kinder unt. 14 Jahr'en dergesctelichen Schulpflicht. "Minist* Verfügung vom 13. V. 14). Gaspreisekhöhmur Herzog!. Braunschw. ßaugewerkschule Holzminden “SS!" Hochbau Tiefbau - ' — » u . \\aa' riidin lommcrunicrrid)l 2 . April. Reifeprüfunfl. IDIntefunlerrldjl 15. Okiww. ei«ldjber«ajliflt mit Den lOolflL Preufi. Baufloiwrtfajultt. ^ut Beschluff der Stadtverordneten»Bersammlnnn vom 7. September 1917 wird infolge der wiederbntt^ höhten Kohlenpreise und der am ^1. August dS^Is in Kraft getretenen Kohlensteuer der Preis ' % Kochgaö auf 2Q Ps§. „nd füt Motoren» und Jndustricbeizgas auf iSPfn für den ebrn vom 1. September 1917 ab festgesetzt Gtenen, den 11 . September 1917. C 675 RR Stadt. Gas. und Wasserwerk: S t e d r n g. B Gute Erfolge. Tu d. Herbstprüfungen bestanden bish. 11 Einjährige, darunter Äpoi *q Ostern 17 nicht versetzte Obertertianer nach eher Vorbereitung von 14 Woehen, sie gewannen also 1 Va Jahre. Näheres durch 0160 Direktor Brackemann, Wilhelmstraße 16, Fernruf 2075. Collier gesunden. Bruch, strahc 31 Eil. St. 05662