Vr. |9X Zweiter Blatt 167. Jahrgang Lochern! tSgttch mit Ausnahme des Sonntag«. Verlagen: „Wetzener Zomilienblaltett' und ..Breisdkttl f«r den Ureis Gießen". -ostjchecktoitto: Zrmüftlrl am Main Nr. U686. Vankvertebr. Ge»erbebank Gießen. lettener Anzeiger General-Anzeiger für Sberheffen Donnerrtag, t6. August ZwillingSrundoruck und Verlag: Brühl'scheUniversitäts-Buch-u.Stcmdruckecec. R. Lange, Gießen. Lchriflleilung. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäflssielle u.Verlag: ^^Kbl, Schristleuung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGteßen. Die wirkmgen des U-Soot-Urieges in amtlicher Darstellung. (3. Fortsetzung.) Schließlich hat inan das Problem noch von folgendem Gesichtspunkte ans betrachten wollen. .Der damalige Marine minister Admiral Lacaze Hai der französischen Kammer zum Beweise, daß man die Entente mit dem U Boot-Krieg rricht niederzwingeu könne, die den alliierten und neutralen Ländern zur. Verfügung stehende. Tonnage ans 40V? Millionen angegeben. Diese Zahl ist inohl dadurch gesunden, daß von der Welttonnage der Schiffsranm des BrerÄundes, soweit er mcht in die Hände der Entente gefallen ist, und die ru der Ostsee und dem Schwarzen Mseer ein geschlossenen! Ewtenteschffje abgesetzt sind. Sie mag als angenähert richtig angenommen werden Falsch iß aber die daraus abgeleitete Schlußfolgerung des Admirals, daß dieser gesamte Frachtraum erst vernichtet werden müsse, um die Entente niederzuzwingen, so falsch, daß sie nicht nur in den mit dem Seeverkehr vertrauten neutralen Äaaten, fmtbent auch in England entweder nicht beachtet worden ist oder sogar ausdrückliche Ablehnung erfahren hat. Daß sich der U-Boot-Wrieg nur gegen die europäischen Mft^ieder der Entente und vornehmlich Zegen den England versorgenden Fracht rannt richtet, iß im vorstehenden dargelegt: daß aber dieser nicht Äeichbedeutend ist mit denn Weltsrachtraum. liegttLlar ans der Hand. Denn England zuliebe werden und können z. B. Amerika und Japan aus ihre See Verbindungen nicht verzichten. Der Handelsverkehr dieser und der anderen Anliegerstaaten auf dem Stillen, aber auch aus dem Jrrdischeu Ozean ist so bedeutend und steigert sich vollends unter den Verhältnissen der Kriegszeit und dem Aus- dehuungsdrang ihrer Wirtschaft so sehr, daß er bort_ der eigenen Dmnage nicht bewältigt werden kann und fremde Schisse, z. B. norwegische, in bettächtlickiem Maße heranziehen muß, um so mehr, als die in Friedenszeiteu stark beteiligte englische Tonnage Nun aussallt. Auch die übrigen Flotten werden, soweit sie nicht aus England fahren, unter den heattigen Verhältnissen von der Heimat dringend gebraucht, sind im übrigen zum gittcn Teil für die Ozearffahrt ntcht brauchbar. Es kann deshalb schlechterdings nicht damit gerechnet werden, daß irgendwie nennenswerter Fvacht- raum fremder Flaggen noch in den englischen Seeverkehr ein- treten sollte: was dazu verfügbar war, iß schon vor dem Februar 1917 von England mit allen Mitteln herangezogen wordeu England hat alle Mühe, das festzuhalten, was bisher feinem Seeverkehr diente. Von der Rücksichtslosigkeit, mit der eS dabei verfährt, wÄen die Neutralen zu erzählen. Uckberblickt man die ganze Frachtraumfrage cchne Borein- geuommenheit, so versteht man Llovd Georges beschwörenden Ruf: „Schisse! Schisse! Scksiffe!", um die Todesgefahr zu. barmen, die sich über England durch den U-Boot-Krieg zusammenzieht. Man begreift dann auch, daß der Parlamentssekretär des ÄttmitionK- Ministeriums, Kellaway, sich nicht scheute, vor den Birminghamer Munitionsarbeitern auszusprechen, England werde unvermeidlich zu einem schmählichen Frieden getrieben werdest, wenn nicht eist Teil der Scksiffsverlufte durch vermehrten Neubau ersetzt werde. Daß dieser Ersatz in ausreichendem Maße nicht möglich ist, ersehen wir aus den vorstehenden Darlegungen. HI. England kann auf den Frachtraum nicht verzichten, weil es als Inselreich auf den Seeverkehr als einzige Verbindung mit andern Ländern angewiesen ist und wie kern Land sonst im Laufe der letzten Jahrzehnte in immer steigendem Maße seine gesamte Volkswirtschaft aus die Einsichr von Lebensmitteln, Rohstoffen -mW Halbfabrikaten eingestellt hat. Bon amtlicher englischer Stelle ist berechnet Wörden, daß von dem Gesinnt verbrauch des Insel- reiches in den letzten Friedensjahren von Weizen nur 19 Prozent, von Butter 25.1. von Käse 19,5, von Früchten 36,3 und von Fleisch 57.9 Prozent in dem Bereinigten .Königreiche erzeugt wurden, tvobei noch zu berücksichtigen ist. daß die englische Viehzucht mft ihrem Futtermittelbedars ebenfalls beträchtlich aus die Einfuhr angewiesen ist. Der Zucker muß vollständig aus dem AuSlande beschafft werden. Die englische Eisenindustrie bezieht, wenn man den Gehall der Erze berücksichtigt, 50 Prozent der Erze auS dem .Ausland. Die Bedeutung der Einfuhr für den größten englischen Jichustriezweig, die Baumwollindustric. erhellt auS der Tatsache, daß der Verbrauch an Rohbaumwolle in den Jahren 1912 bis 1913 nt Großbritannien größer w-ar^ als derjenige von Deutschland. Frankreich, Oesterreich und der Schweiz zusammengenomnien. Bezüglich seiner gewaltigen überseeischen Versorgirng lebt England heute von der Hand in den Mund. Bei Beginn der Seesperre waren seine Vorräte an Nahrungsmitteln und Rohstoffen! knapp und eine Aufstapelung von Vorräten für eine längere Zeitdauer hatte nicht statt gefunden. Ganz besonders gilt dies von Brotgetreide und Futtermitteln. Zwar hat die englische Regierung es für nötig befunden, nach dem Beginn der Seesperre alle Zahlen angaben über die eingesührten Mbngen von Nahrungsmitteln und neuerdings auch von einzelnen Rohstoffen zu unterdrücken, aber eS ist ihr durch dieses Verfahren nicht gelungen, den tatsächlichen Mangel an Vorräten zu verheimlichen. In englischen Fachkreisen ist man sich dieses Mangels Wohl bewußt. ^>o konnte die „Morning Post" in diesem Frühjahr den Brief eines Getreide- hÄftsters veröffentlichen, in welchem dieser sich darüber beklagt, daß die früheren Minister Asaüfth und Rnnciman, obsckwn nach- drücklichst darauf hingewiesen, keine Maßnahmen getroffen hätten, um eine Lagerung des Getreides in großen Mengen in England vorzuseheii. 'Vertreter der engliscbeii Regierung habeti eS zwar in letzter Zeit auS wohl zu versteheirden Gründen so hingestellt, olS ob das englische Volk durch eine stärkere Zufuhr von Gettttdö in seiner Brvtversorgung sichergestellt worden sei. Die Beschaffenheit aber des englischen KciegSbroteS, über die weiter unten noch gesprochen werden ioll, und die Weigerung der Regierung trotz heftigsten Einspruchs des Publikums, diese zu verbessern, sind vollgültige Beweise für die außerordetttliche Knappheit der Ge- rreidevorräte. Ueber die Versorgung Englands mit Butter I>at vor kurzem ein Fachblatt des ButtcrhandelS berichtet, daß infolge !ber Verluste von Buttertransporten, der häufig ohne entsprechende Kühlung vorgenommenen Verschiffungen und des FestliegenS der Vorräte in Argentinien und Australien die Butterversorgung Englands in große Schwierigkeiten geraten sei. Nach einem Bericht vom 20. Juli gehen die Vorräte an kolonialer Butter in England zu Ende. . .. Sehnlich liegen die Tinge hinsichtlich der RvhswUvorräte für die wichtigsten Industrien. _ _ Arrs Stadt und Land. Gießen. 16. August 1917. ** AbgangSprüfungen in den höheren Lehranstalten Hessens im Jahre 1917. Die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst erlangten Irach der amtlichen Statistik gebenden Stellen und Faktoren AjUsbau der gesamten Fürsorge zu einer praktisch arbeitenden." Aus den Darlegungen der^ Leiter dieser Bewegung und aus der Aussprache ging hervor, daß die Ziele der einzelnen Bereinigungen wie des Verbandes die Betätigung von Selbsthilfe in der Fürsorge und- die Mftarbeft bei den amtlich!?n Füir- sorgesiollen sein soll. Ferner wird eine neue Regelung der Kriegs- beschädigtett-Fürsorge verlangt. Notwendig sei das Selbstbesllm- munaS reckt, bei der Berufsberatung sollen neben bett Verttetern von Berwaltungskörpern -und den BerusStheoretikern mehr die Praktiker der einzelneit Berufe zur Gellung kommen. Liicken, Härten und Mängel in den .gesetzlichen BestftmMtngen müßten beseitigt werden. Der Verband wollte das Bertraicen zu den amtlichen Fürsorgestellert nicht untergraben. Die guten Grundsätze dieser Stellen seien an zue r kennen, aber auch die Kriegsbesch-ädigten selbst rmkßtert in der Verwaltung solcher Fürsorgestellen Sitz nnb Stimme haben." — Das Organ des Verbandes „Der Kriegsbe- sch-ädigte" bringt in seiner letzten Nrummer einige erfteuliche Mitteilungen, die für jeden .Kriegsbeschädigten von großem Interesse sein diirsten. So wurden bei der Staatseffenbahn einarmige Kriegsbeschädigte für den Stellwerk und Blockdienst eingestellt. Der deutsche KriegshilfSbund, Berlftt, der vor kurzer Zeit dem Provinz in laus schuß der Nationalstiftung ffkr vre Hrnterbliebeneu der int Kriege Gefallenen für die Provfttz Brandenburg den Betrag von 100 000 Ncark übernnesen hat, hat neuerdings der Provinz Schlesien süa die Bwecke der Kriegsbeschädigten-Fürsorge den Bettag von 30 000 dNark uitd den gleichen Betrag zu demselben Zrvecke der Stadt Breslau zur Verfügung gestellt. — Die Gießener Ortsgruppe des Verbandes tritt mrn auch öffentlich aus, um alleit Kriegsbesch äMgtcit die Verbandsbesttebung-eu llarzumacben. Der Verbandsvorsitzende, .Herr Mors-Essen. wird aus diesem Grunde am kommenden ^omtlag eine öffentliche Bestamlung im „Horel Großherzog" abhalten. Zu dieser Versammlmtg sind alle Kriegsbeschädigten GießenS und Umgegend eirtgeladen. — Nach Schluß der Versantnlluug sanden mehrere Gesellschaftsspiele statt, die die Mitglieder bis 11 Uhr abends zusammenhielten. Hi-erbej wurde der Wrmst geäußert, gem-einschaftliche Ausffügc und sonstige gesellsck astltche Unterhaltungen an Somttagen zu veraustalten. Das. die Gründung des Verbandes der langgchegte Wunsch der Kricgsbesch'ädigten ist, tritt von Tag zu Tag deutlicher b'rvor. ** Die Fahrkarten rechtzeitig lösen! Bei der gegenwärttgen Reisezeit ist es im Interesse des Verkehrs Pflicht einos jeden Reifenden sich rechtzeittg tu dett Besitz einer Fahrkatte zu setzen. Man soll nicht bis zur letzten Minute warten bis vor Abgang des ZngeS. Gegenwärttg sind ohnedies die Zugverspättmgen keine Seltenheit. ** Bei m Genuß u e u e. r K a r t o f s e l u ist Vorsicht zu üben. Die meist nicht voll auSgcreiften Knollen ertthalten einen unter Umständen sür den Menschen schädlichen ^rtoff, dessen Wirkung man durch .Hinzusügen einiger Kümmelkörner zum L»ud- waffer am nachdrücklichsten ausgleicht. Beim und umnittelbar nach dem Genuß irischer Kartoffeln empffchlt es sich, alle Gettänke, rnsbcsondere Wasser, zu meiden, da sonst ernste Erkrcnckungen ein- tteteu können. ** Hessische Bibliotheken. Der Gv!amtbestand der Universi t ätsbibl'iothek-m Gießen betrug um 31. März 1917 an Büchern 290 754 mrd an Sbulschriffen 174 435. Die Großherzoglicke Hosbibltothek »n Darmstadt hatte tnt 31. März 191, emen Geiamtbestand von 603 295 Bauden und die dNainzer Stadtbibliothek besitzt ausschließlich eines Zuwachses von 5000 Bättden im Jahre 1916 an Büchern 250000 und etwa 1200 Handschriften. ** Schiffs jungen-Einste llung in der Kaiserlichen Marine. Wie nicht allgement bekannt sein dürfte, findet im Oktober d. Is. wieder die Einstellung einer größeren Anzahl Schiffsjungen statt. 'De Bezirkskommandos nehmen bis auf weiteres A n m e 1 d u u g e u ^entgegeu. 2llleS Wissenswerte über die oerschiiedelten Laiffbahnen, Beförderungen, Besoldungen und Gehälter usw. ist in dem Heft „Vom Schiffsjungen zum Teck- ofsizier", das «nur vom Kommando der ^.chltffSjirngen-Dioffion in Flensburg-Mürwik zum Preise von 25 Pf. zu beziehen ist, enthalten. Die Voreinsendung des BettageS kann durch. Postanweisung oder tn Briefmarken der Reichs post «nffolgen. — Lehrlinge, welche durch Lehrverttag gebundett sind, können nur mft mlsdrücklicher schriftltck>er Genchmigung ihres Lehrherrn die Anmeldung beim Bezttkstommando -anbringen. Junge Leute, die das 17. Lebensjahr übersck-rftten haben «oder «bis ,Oftober einschließlich ovlleuden, müssen entweder selbst oder durch- das zuständige Bezirkskommando die Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos des ffir sie zuständigen Armeekorps e^inholen. Kreis Lauterbach. sc. Lauterbach, 14. Mg. Durch den 14jährigen Schüler Albert Kreutzer dahier, wurden zwei entwichene russische Gefangene eingebracht. Hessen-Nassau. ra. Biedenkopf, 14. August. Da die Selbstwirtschaft des Kreises mft Brotgetreide neuer Ernte erst mft dem 1. September ds. Is. beginnt, und auch die Selbstversorger erst vom 1. September ab eigenes Getreide verbrauchen dürfen, bedarf die Mehl Versorgung für die Zeit vom 16. bis 31. August einer besonderen Regelung. Für die genannte Zeft werden bert Gemeinden vom .Kreffe sÄgenfte Mehlmengen überwiesen: 1. für jedert ottsanwesenden Einwohner für den Dag 220 Gramm oder für 16 Tage 3520 Gramm, 2. ferner für jeden Schwerarbeiter 750 Gramm und, soweft der Schwerarbeiter gleich zeitig Erntearbeiter ist, nochmals 750 Gramm als Zulage für 16 Tage. = Kassel, 15. Aug. Der Kasseler HauSftcruenverein läßt seft einer Woche Strohschuhe für die Bevölkerung anserttgen. Der neuarttge überaus praktische Schuch hat rasch Eingang geftmden, so daß ider Verein alle Hände voll zu tun hat, UM die mailenhaft einlaufertden Bestellungen aussühren zu können. Ztrr Erlernung! der Sttohschuhanserttgung wurden berefts verschiedene, sehr lebhaft besuchte Lehrgänge eingerichtet. öcric^tjjaal. Schadenshastung des Vermieters sür Mängel der Metsache- Der Vermieter haftet dem Mieter gegenüber dafür, daß die Mieffache nicht mft ihren Gebrauch beeinttächttgenden Fehlern be- haftet ist und hat insbesondere dafür einzustetzen, daß die vermieteten Räumlichkeiten und die zu diesen gehörigen Zugänge und Treppen sich in ordnungsm äßige m , verkehrssi cherem Zustande besinden. Diese Haftung wird nicht dadurch ausgeschlossen oder eingeschränkt, daß der Mieter der Erklärung des Vermieters, dte nöttge Ausbesserung der vorhandenen Mängel müsse itoch etwas hinausgeschoben werden, nicht wi de r s p r o ch en hat. Das hat das Reichsgericht in der trügenden bemerkenswerten Entscheidung anerkannt: Der Gastwirt R. in Friedberg (Hessen » hat im.Jahre 1912 eine Gastwirffchaft von der L.-Brauerei, AktienMsellschajt in Frankfutt am Main, gemietet. Im Dezember 1913 fiel R. die stelle und stark abgenutzte Kellertteppe hinab und erlitt dabei schwere Verletzungen. Er nimmt die Brauerei als Vennieterin mft der vorliegenden Klage aus Schadenersatz in Anspruch, well diese für die Mangelhaftigkeit der Treppe -entstehen müsse. Wahrend das Landgericht Gießen der Klage im vollen Um- fattge stattgab, svrackr das Oberlandesgericht D a r M st a d t dem Kläger nur die Hälfte seines Schadens zu, da es ein mitwirkendes Verschulden des Klägers an dem Unfall annahm. Hiergegen legtei' beide Patteien Revision ein: das Reichsgericht erkannte zugunstendes Klägers, indem es die Revision der Beklagten zurückwieS, auf diejenige deS Klägers aber das ober- landesgerichtliche Urteil aufhob und die Beklagte sm,vollen Umfange für haftbar erklärte. In seinen E n t s ch e i - dungS gründen ftihrt der höchste Gerichtshof aus: Das Oberlandesgericht hat festgestellt, daß die fragliche Kellertreppe zu steil angelegt, mft zu kurzen Stufen versehen, stark abgenutzt und iit- folgcdessen sür die sie benutzenden Personen äußerst gesährffch war. Tie Haftbarkeit der Beklagten ist nun dadurchIticht ausgeschcossen wsrden, daß der Kläger im November 1913 auf die Vorstellung deS VertteterS der Beklagten, die nottoeitdige Aenderung des Zustandes der Treppe müsse bis zum Frühjahr 1914 hinausgeschoben werden, dieser Verschiebung n i ch -1 widersprach. Dieses Verhalten des Klägers kamt als eine perttagltche Zustimmtmg des Inhalts, daß er den Zustand- der Treppe einstweilen als vertragsmäßig gelten lassen und insoweit aus Ansprüche ans bem Vertrage verzichten wolle, nicht aufgefaßt werdeit. Der § 539 BGB. iAttsschluß der .Haftung des Vermieters bei Kenntnis des Mieters von dem Mangel der Mietsache) ist hier nicht anzuwenden: denn der Mangel war von der Beklagten anerkannt, seine Beseitigung Iu- gesagt -worden. Es handelte sich nur um den Zeitpunkt der Beseitigung. Ebensoweillg kann von einer Uebernahme der Gefahr durch den Kläger gesprochen werdet,. Die Beklagte haftet daher sowohl aus dem Mietterttage, als auch wegen Verletzung ihrer allgemeinen Verkehrspslichtt nach 8 823 BGB. wegen ntterlaubter Handlung für den .Schäden des Klägers. Mft Unrecht hat das Oberlandesgericht ein NlitLerschu-lden des Klagers angenontmen, well er die ihm als Mieter zustehenck.m Rechte gegen die Beklagte incht mft dem erforderlichen Nachdruck verfolgt habe, vielmehr noch im Noventber 1913 mit her Verschiebung der Ausbesserung bis zuM Frülsiahr 1914 einverstanden gewesen sei. Es mag zugegebet, werden, daß der Kläger in seiitem- Interesse, ncmtentlich auch mit Rücksicht auf die Haftung, der er sich gegenüber seinen Bediensteten aussetzte, mit größerem Nachdruck hätte vorgel-en sollen. Allein das bierin liegende Verschulden tritt völlig zurück gegenüber den, für den Unfall ^rrundlegenden Verschtrlde-lt der Beklagten, die einen schon wt sich ganz unverantwortlicheit Zustand jahrelang besteb.'n ließ, ttotz wiederholter Beschwerden imd Unfälle keine Abhilfe schasste mtd so die eigentliche Sckuld auch an dem Unfall des .Klägertrug. Es wäre nftt dein für das Metterhältiffs maßgebenden Grundsatz von Treu und Glallben nicht zu vereinigen, wenn der Ber Mieter eine Beschränkung seiner Haftung sollte daraus ablerten hm- ven, daß der Mieter, der Abhilfe wiederholt gefordert und'zu- gesagt erhalten hatte, sich nochmals vertrösten ließ mW nickn mit allen gesetzlichen Mitteln gegen den Vermieter vorgtna. Deslalb ist die Beklagte für den Schaden des Klägers im vollnt Umfange daft- bar. i'Entsch. d. Reichsger. Band 89 S. 364V - - Llktenzetchen: III. 30646. — 6.2.17.) * js Marburg, 15. Aug. Die Strafkammer verutteilte gestern einen Landwirt aus dem Süden des ftreifeS Biedenkopf, der eine größere Anzahl Ferkel ohne Untersuchung und Genehnngimg geschlachtet und das Fleisch öffentlich angeboten °tmb verkauft Tirttte wegen lledertretung der diesbezüglicken'Verordnungen zu 250 Mk.' Geldstrafe.