M. IW Zweiter Lrscdcntt IS-kich mit Ausnahme de§ Sonntage. 8 ei lagen: „Gietzener Zmnllirnblattett' und „Xreirblatt für den Kreis Gietzen". Postscheckkonto: Krankfnrt am Main Ur. N586. Vanivertedr: -ewerbedani Sietzen. vlatt Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheßen MMw»ch. *5. Suguf ! W Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'jche llnivLrsiräts-Bnch-u.Ste'.ndruckeret. R. L an g e, Gießen. §chnft!eitung, GeschäftssteNe und Druckerei: bchulslratze?. Eeschäfcsslelle u.Verlag: ^=^©51, Schristleilung: 112. Anschrift für Tro htuachrlchren:AnzeigerLieüelu liriegrdriese aus dem Westen. Bon unserem Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.! Der Erfolg emes englischen Fliegcrüverfalls. Kortryk, bat 10. August 1917. Leute nachmittag um Z U$ erschien plötzlich ein englischer Flieger über der unbefestigten, von ihren sämtlichen EinwvlMwn bewohnten ftömifd^en. Stadt Kortrvk, in welcher wegen des heutigen Markttages ein gesteigerter Straßenverkehr herrschte. Aus tief hängenden Wolken heraus, welche ihnr die imbcmcrkte Annäherung gestatteten, aber ihn an jeder Zielsicht verhinderter, warf er blindlings eine 21nzahl vor: Bornben in die dicht besiedelte Altstadt. Ter Cwfolg ivar, daß kein milttäris ck)er Schaden anqe- richter und auch kein deutscher Leeresangehöriger getötet wurde, irrte es in einer Stadt, wo auf hundert Einwohner vielleicht ein deutscher Soldat komnrt, nicht verwunderlich ist. Dagegen wurden beiderseits der Lys eine Anzahl von Bürgerhäusern teils beschädigt, teils völlig zertrümmert. In einen: derselben, bei Franz Kloeck am Fischmarkt, wo die Bonibe den Dachstuhl und das Obergeschoß zerstört hat, wurde die 21jahpige Tochter des Hauses in den 2lrmen ihrer Mutter schwer verwundet. Einer der angesehensten Bürger der Stadt, der 44jährige Notar Albert Fehs, wurde in Fetzen gerissen, als er sich aus seinem Hause in den nal>e gelegenen Unterstand fluchen wollte. Schwer gelitten hat das Jesuiten- lloster in der Heillgengeistgasse 29, wo eine Bombe in öcit Garten gefallen ist, deren Splitter den 58jährigen Pater Matthias Bergwärts, einen Holländer, in seinem Zimmer so verstümmelt haben, daß alsbald der Tod eintrat. Zwei weitere Bomben fielen in die Seikenkapelle der Kirck-e St. Michael und zerstörten die Glasseuster mit der Geschichte des heiligen Antonius von Padua. Eine Bombe, die auf dem Dach der städtischen Akademie platzte, richtete keinen! großen Schaden an, dagegen gelang es dem Engländer, mit eurem \ letzten Abwurf aus einen Weideplatz das einem flämischen Bauern aehörende Vieh Au töten oder zu verwunden. IU Kortryl, wo ebenso wie in Roesselare. Jngelmunster, Brügge und anderen flämischen Städten die Engl änderbEisterung aus dem Beginne des Krieges einer sehr gegentelligen Sttmmung gewichen ist, herrscht infolge der letzten Fliegerüberfälle, denen immer nur belgische Einwohner zum Opfer gefallen sind, eine maßlose Erbitterung gegen die Engländer, der die Einwohnerschaft unverhohlen und öffentlich Ausdruck gibt. Ein englischer Flieger, der hier notlanden müßte, würde von den Vlamen gelyncht tverden. W. S ch e u e r m a n n, Kriegsberichterstatter. Ans Stadt nnd Land. Gießen. 1b. August 1917. Kriegsarbeit in Gießen. XXX. Lazarettberatung. In einer Sitzung des Ausschusses für Verlamidettn-Untsrricht am 16. Mai 1916 wies Herr Geheimrat Haupt auf die Vorteile einer rxusänlichen Lazarettberatung hin, wie sie bereits in verschiedenen Städten, z. B. in Frankfurt, besteht, und erklärte es für wünschens- ttrert, auch in Gießer: eine ähnliche Einrichtung zu treffen. Da fick) der Reserve-Lazarett-Dttektor, Herr Generaloberarzt Siegelt, einverstanden erklärte, so übernahmen Herr Geheimrat Haupt und der lütter zeichnete die Ausgabe, die Lazarettbervttmg in Gießen einzu- f ü hven und zu leiten. Zu diesem Zweck wurde eine AnzaV Herren aufgefordert, sich als Lazarettberater zur Verfügung zn stellen. Für.kleinere Lazarette wurde je em Berater, für größere mehrere bestimmt. Auf eine vom Reserve-Lazarett-Direktor ausgestellte Karte hin ist es ihnen erlaubt, die Verwundeten in ihren Zintmern auch außerhalb der Besuckrsstunden auftusuchen. 'Die Aufgabe der Lazavettbeoater besteht darin, wöchentlich ein- oder zweimal die ihnerr zugewieseneir Verwundeten zu besuchen, um ihnen in persönlicher Angelegenheiten, wo sie solcher: bedürfen, Rat zu erteilen oder sie dorthin zu verweisen, wo sie Auskunft erhalten. Obgleich näMlich schon längere Zeit verschiedene Auskitnfts- stellen bestanden, >ourden diese doch nicht in so ausgiebiger Weise benutzt, wie dies zum Besten unserer Verwundeten und Kriegsbeschädigten nötig wäre. Dies hat fernen Grund darin, daß Ankündigungen in der Lazarett-Zeitung sowie Anschläge ut den Lazarettmj häufig unbeachtet bleiben. Jü viel höherem Mjkrße ist der Soldat persönlicher Beratung zugänglich. So weisen unsere Lazarett- vertvauensleute ihre Schutzbefohlenen Ihn auf die Berufsberatung, die Stellenvermittlung und den Arbettsnachweis, den Herr Jüstiz- vat Grünewald gestt-offerr M, in Versichermrgssragen an Herrn Buvevubeamren Kirchner. Wetter ist es Aufgabe der Lazarettberater, die Verwrmdeten aus Blorträge und Unterricht aufmerksam zu machen und sie in dieser Ajngelegenhett an den Unterzeichneten zu verweisen. Sodann haben sie den Lazovettbibliotheven ihre Sorge zuzuwenden und den (Benutzern bei der Auswahl des Lesestoffs behilflich zu sein. Endlich richten sie ihr Augenmerk darauf, daß die Lazarett-Zeitung ordnungsgemäß verteilt wird, und veranlassen, indeni sie mit den Ver- sviuräxtten über den Inhalt der Zeitung sprechen, daß diese auch gelesen wird. Lossen sich doch die Ausgaben, die dem Roten Kreuz durch die LaMrett-Zeituug erivachsen, nur verantworten, wenn die Zeitung auch wirklich ihren Zweck erfüllt. Wie wir gehofft hatten, wurde das Verhältnis zwischen den Beratern und ihren Verwundeten bald ein vertrautes, und mancher der Verwundeten bolle sich bei jenen Auskunft und Rat in privaten Angelegenheiten. Dazu trug wesentlich bei, daß die Lazarettberater es nicht bei der Erfüllung der ihüen gefüllten Aufgaben bewenden ließen, sondern ihre 'Zett in weitgehender Weise ihren Pflegebefohlenen opferten. Mancher hübsche Spaziergang, sogar bis auf den Schiffenberg und Gleiberg, wurde aus Anregung und unter Leitung der Lazarettberater unternommen. Wiederholt wurden die Museen und Sammlungen der Stadt besucht, ivobei sich die Lazavettberctter der Untersttitzung durch die Herren Major Dr. Kvamer und Emrd. Kunkel erfteuten. Auch dm Botanischen Warten hat man öfters aufgesucht, und unter Leitung des Garteir- inspektors Herrn Rehnelt mancherlei Erfreuliches und Belehrendes gefunden. Um die Lazavettberater mit der Ethnographischen Sammlung bekannt zu machen, veranstaltete Herr Geheimrat Sievers eine Führung, so daß es jenen ram leicht möglich war, die loichtigsten Stücke hewuszusiüden und den Verwundeten zu zeigen. Der Winter bot Gelegenheit zur Betätigung innerhalb der Lazarette. Mehrere Berater haben in ihren Abteilungen Vorträge gehalten, für die die Verwundeten öfters den Gegenstand selbst rn Vorschlag gebracht hatten. Ueberall war Ivo hl der Besuch des Beraters Veranlassung, daß man die Kriegskarte vornahm und sich Rechenschaft über die neuesten Kriegsereignisse gäo. Häufig wurde etwas vorgelesen und zwar meist dem Wunsche unserer Feldgrauer: enffprecheud humoristische Sachen. Bei der Feier von Kaisers und Großherzogs Geburtstag hat man gern die Mithilfe des Beraters in Anspruch genommen. Um ein gleichgerichtetes Arbeiten der Lazarettberater herbei- zusühren, zum Austausch geurachter Erfahrungen und zur gegenseitigen Anregung halten die Berater von Zett zu Zeit gemeinsame Sitzungen im Soldatenheim ab. Das Amt des Schrist- kühvers bei diesen Zusammenkünften hat der Unterzeichnete über- nomnren. Nach Erledigung der Geschäfte folgt meist noch ein Bericht über einen znr Qazarettbcratung m näherer oder weiterer Beziehung stehenden Gegenstand. So machte der Herr Landgerichts- Val. Wiener Mitteilln:gen über die vom Roten Kreuz in deir Lazaretten eingeführte Schnitz-, Flocht- und Papparbeit. Herr Professor Kraußmüller schilderte den theoretischen und praktischen Unterricht der Kriegsbeschädigten in der Gewerbeschule und forderte die Berater zur Besichtigung dieser Einrichtungen auf/ Herr Lazarettpfarrer Steubing machte lehrreiche Mitteilungerr über seine Erfahrungen im Verkehr mtt den Verwundeten int Felde und im Lazarett. Herr Geheimrat Behaghel gab einen Ueberblick über die Geschichte der Gießener Lazarettbibliotheken, wozu in der Aussprache Fräulein Behc^hel, als Ordnerin dieser Büchereien, noch nähere Auskunft gab. Herr Geheimrat Mitter- maier erzählte von seinerr Beobachtungen in der Etappe. Eine Vorführung künstlicher Glieder für Amputierte verdankten die Ltazarettbevater Herrn Sanitätsrat Zinßer. Endlich berichtete Herr Dr. Schnleider in eingehender Weise über den Kongreß für Kriegs- gefangenenfürsorge in Berlin. Mts Lazavettberater sind zurzeit folgende Herren tätig: Real- lehver Dr. Berger, Prof. Berliner Univ.-Säkretär Erle, Pros. Kdob, Rechtsanwalt Leun, Prof. Michel, Geh.-Rat Mittermaier, Rentner O. Ratschlag, Geh. Postrat Schäfer, Lehrer K. Schmidt, Lazarettpfarrer Steubing, Prof. Trapp, MEd.-Rat Wagner. — Die Herren Fechtmeister Fehn, Steuevaufseher .W. Fischer.. Roallehrer Grinrm, Quästor Kaüß, Lehrer Val. Müller, Prof. Schian sind Mrztere oder längere Zett tätig gewesen, haben dann aber ihr Amt wegen Ueberlastung mtt Arbeit — Herr Fehn wegen seiner Eirr- bernfung — niederlegen müssen. Dr. Henneberg, Letter des Verwund-eten-Unterrichts. ** Auszeichnung. Landsturmmann Joh. Peter Stecker erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Jnscksrift für Tapferkett. ** Sammelt Platinbrenn stifte. An alle Besitzer van plattnhaltigen Brennstiften (für Brandmalerei) ergeht die dringende Aufforderung, diese jetzt unbenutzten Stifte im Reichsinteresse abzuliefern. Die Ablieferung kam:, sofern incht durch Schulen Sammlungen veranstaltet werden, durch Einsendung an die Kriegsmetall- Aktiengesellschaft in Berlin N. 9, Potsdamerstr. 10/11, erfolgen. Nach Feststellung des Platininhaltes vergütet die Kriegsmetall- Aktiengesellsckiaft für jedes Gramm Reinplattn 8Mk. Alle frülieren Veröffentlichungen über das Sammeln der Plattnbremistifte werden durch den vorstehenden Aufruf ersetzt und haben keine Gülttgkeit mehr. Landkreis Gießen. * Grünberg, 14. Aug. Ein Mainzer Beamter, der «ms Nieder-Ohmen (Oberhessen) stammt, hatte seine beiden Kinder zu der Frau seines Bruders nach (ssrünberg gesandt. Bei der Abreise der Kinder machte die Dante ein Paket Butter und Eier zurecht, das die Kinder den Eltern rrach 9Rainz mttbringen sollten. An der Bahnstation wurde den Kindern das Paket auf Anordnung des Bürgermeisters von einem Gendarmeriewachtmerster abgenommM. Der Vater erhielt noch dazu einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch erhob. Die Sache kam jetzt am Schöffengericht in Grünberg zur Verhandlung. Der Beamte wurde fteigesprvck)en. Es wurde dabei festgestcllt, daß die Dante. welche das Paket zurechtgemacht hatte, dem Bürgermeister die Sache selbst angezeigt und ihm mitteilte, mit nnlchem Zuge die Kinder heimwärts fuhren! Die Tante wollte damtt offenbar verhindern, daß ihr Schwager bei seinen: Bruder noch etwas holen sollte. Kreis Friedberg. --Vilbel, 14. Ang. Die Beisetzung des verstorbenen Bürger- nreisters Berg gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Trauerkmü>- gebirng für den so rasch Dahingeschiedenen. Fast die ganze Stadt, sämtliche Vereine und Emgezälitte Trauergäste gaben dem Sarge das letzte Gelett. Am Grabe sprachen Pfarrer Stau dach mh Kveisvat Frhr. Schenck. Eine Fülle Kränze wurde auf de!^^ Grabe niedergetegt, das innritten des städtischen Krieger-Ehrenfriedhofes semen Platz fand. Lingesanvt. (Für Forpt und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Hausbrieflästm. Tropen: schon verschiedene Male von der Pvstbehördc daraus hingewiesen wurde und obwohl es sich! schon von selbst verstehen dürfte, die .Hausbriefkasten vvar den Hausbewohnern im Hausflur anbringen zu lassen, hat diese Einsicht bei einem großen Teil der Bevölkerung noch, nicht Platz gegriffen. Die Postbehörde, welchie ausfchl. nur mit ungeschulten Aushilfskräften arbeitet, gibt sich die größte MWe, die ihr zugeteitte Arbeitslast, welche infolge der Feldpost einen ungeheuren Umfang angenommen hat, in zu ftiedenstellender Weise zu erledigen und es dürfte daher von der Bevölkerung größtes Entgegenkommen erwartet weiden. Die Postverwalttmg müßte m dieser Hinsicht gmtz energisch Vorgehen und von jedem Hausbewohner verlangen, einen Drrefkasten int Hausflur anbringen zu lassen, andernfalls für eine glatte und ordnungsmäßige Abwicklung des Zustellungsgeschäfts eine Gewähr nicht übernommen werden kann F. H. * lieber Geschmack läßt sich zwar mcht strecken: aber sicher ist, daß sich in Gießen nicht wenige Kunstverständige und .Kunstfühlende fanden und finden, die iit dem „Metallaufsatz" auf unserem schönen Thecher einen ästhetischen Jrrtunr erblicken, ihn als eine Art von Kitsch, wenigstens als Dntzendware. einschätzend. Ohne ihn käme ganz „schmucklos" die einfache Horizontallinie des oberen Fassadenrandes zwischen den beiden künstlerischen Eckerhöhungen Nur lvirksam zur Geltung. Wohlan denn! Folgen wir dem lobens- tverten Beispiel der trefflichen rheinhessischen Gemeinde Siefers- heim, die. wie letzthin auch im „Gießener Anzeiger" .erwähnt tckrrde, dem vaterländischen Metallbedürfnis ^hr kiffchiges Krieger- .denkmal geständnisvoll geopfert hat. Ergreifen wir die günstige Gelegenheit, dem Geschmacke unserer Vaterstadt und der Not unseres Vaterlandes zugleich m nützen, und liefern wir den ge- Ichilderten ebenso überMffiaen. wie kimillosen Metallaeaenstand einfach zur Einschmelzung ab! Der Begründer der ersten deutschen Meisterfingerschule. (Zur 600. Wiederkehr des Todesjahres von Heinrich Fvauenlob.) Im Jahre 1296 ist in Mainz die erste Meistersingerschule ins Leben getreten, ihr Schöpfer war der Meistersinger Heinrich von der Meise, genannt Heinrich Frauenlob. Den ersten Namen — nicht Heinrich von Meißen, wie meist irrtümlich angegeben wird — führte er, weil das Wappen seiner Ahnen in dem roten Felde einen goldenen Würfel und darüber in dem blauen eine Meise trug: den zweiten, Frauenlob. erwarb er sich vielleicht durch die Lobpreisungen, hie er den Frauen widmete, „auf deren WüLde er nutz bestani/L vor allem wohl auch durch seinen berühmten Lob'gesmrg auf die heilige Jungfrau Maria. Ileberdies hatte er in seinem Streitlied gegen den Schmied und Meistersinger Regenbogen dem Worte „Frau" vor dem Worte „Weib" den Vorzug gegeben, was mit dazu beigettagen haben mag, chnr die ehrende Bezeichimngr „Fraüen- lob" zu verleihen. Lange übte Frauenlob an süd- und norddeutschen Fürstenhöfelr seine Sangeskunst aus und ließ sich dann in Mainz dauernd rneder> Mit scharfem Blick hatte er erkannt, wie zweckdienlich es im .Jntevesse wahrer Mlksveredlurrg sein würde, das Zunftwesen zu stärPen, und es als seinen hohen Beruf erfaßt, die getrennt voneinander blestehenden Innungen und Gilden zu einer harmonischen Bereiniguirg zusanlmeitzübringen, um sie so mt dem Versinken tn die alte „Sauf-, Schmaus- und Spielsucht" zu hindern. So entwarf er demr den Plan zur Gründung einer Sing- schule, in der alle Zunftgeiwssen und Freunde der Dichtkuust, die gleicher Geschmack oder Geschäftsbetrieb an einem Ort zusannnen- f'ührte, künsllerische 2lnregung, belehrenden Umgang und sittliche Erbauung ftnden konnten. Und was^ er wollte, gelang überraschend schnell und gut, das Unternehmeu Frcnrenlobs fand namentlich auch durch den^ Kurfürsten Gerhard II. kräftige Förderung. Auf diese Weise entstand die erste deutsche Meistersingerschule, die bald eines weitverbreiteten Rufes sich erfreute und zahlreiche Nachahmungen fand. Auch die Grundlinien der „Gesetzestafeln" für diese Schule waren im lvesentlichen Frauenlobs W^rk. Zuerst traten die Steinmetzen der neuen Schule bei, ihnen folgten die Gold-, Zeug-, Gwb- und Hammerschmiede, diesen die Weber, Schneider und Schuster, dann gesellten sich nach und nach alle übrigen Handwerker, aber auch Künstler rmd Geistliche dazu, so daß nur durch strenge Wahlordnung und angeniessene Borschriften die Würde uird fruchtbringende Wttksamkeit der Stiftung bewahrt tverden konnten. Es sind hundert urtd einige Jn- vungsmttglieder aus der Gründungszeit bekannt, deren Namen noch bis ins 15. Jahrhundert nachklingeir. Außer Frauenlob war imter den 12 ersten Meistern, bei deren Wahl wohl die Zahl der Apostel maßgebend war, der schon eÄvähnte Barthel Regenbogen aus Ulm der hervorragendste. Selbstverständlich konnte es Frauenlob nicht in den Sinn kommen, einer meist aus Handwerker^ be- stehurden Sangesvereinignug die Pflege der Minnedichtung, „den Hesperidengarten der Lyrik", -zu überweisen,' er begriff lehr wohl, daß er seine Singerschule den Neigungen und dem Bildungs- >grade der Milgliäier anpasseu mußte, deren praktischer Sinn, wie begreiflich, sich mehr von der romarttischen Zauberwelt ab- 5md dem Lehrgedicht, der Fabel, Parabel und der Bibelgeschichte zuwandte. In dieser Richtung hat diese erste Meistersingerschule ttuf lange himrus an der großen Kulturarbeit ideeller Fortbildrmg rühmlichst nrttgewirkt und ist als die Stammutter aller späteren bürgerlichen Gesangvereine anzusebeir. Heinrich Frauenlob selbst zeigt sich in seiner in die Diese gehenden religiösen Dichtung als ent würdiger Nachfolger Wolfram von Eschenbachs, während er sich in seinen Lobgesängen Konrvd von HLürzbnrg zum Vorbild genommen zu haben scheint. . Im So u/mer 1317 — nicht 1318, wie irrtümlich die Inschrift auf seinem alten 'Grabstein sagte — ist Heinrich Frauenlob in Mainz gestorben, im Dom der altehrwürdigen Stadt l>at er seine letzte Ruhestatt gefunden. Unbeschreiblich Ivar die Trauer, die bei der Kunde von seinem Tode die ganze Satdt erftillte. In der Meistersingerschule ward sein Leichnam aufgebahrt, reich verziert mit Blumenschmuck, hundert Kerzen brannten um den Katafalk. Aus einem schwarzen Tische vor dem Sarge stand ein Kruzifix, dabei lagen 6)ebetbuch und die Geige, die der Entschlafene so sehr geliebt. BisckDf, Bürger-- meister, erlesene Ritter, fast die ganze Biirgerschaft von Mainz, mit ihr die gesamte Meistersingerzunft erwiesen Frauenlob die letzte Ehre. Das gleiche taten viele Hunderte von Frauen und Mädchen. Acht der würdigsten Matronen, wie damals die Hausfrauen Hießen^ trugen, ieiner schöueu Säge uachüMeu Liebling durch die Stadt im Trauerzug zum Dom und besttenten sein Grab mit Rosen, Efeu, Rebenlaub und Myrthen. Auf dem ersten 'Grabdenkmal Frauenlobs war unter seinem gekrönten Brustbild der nM drei Kwnen gezierte Sarg zu sehen, wie er von acht Frauen mit fliegenden Haaren und langen Trauerröcken gettätzen wird. Dieses Denkmal ward 1774 durch die Umichtsamkcit von Arbeitern zertrümmert, seit den: Jahre 1842 schmiickt ein neuer Stein, von Schwanthaler modelliert, Heinrich Frauenlobs Grab. * * Neues über Shakespeare. Während der letzten Monate löurde die Shakespeave-ForfchUng in England jelbst, >vie Otto Grautoss im Literarischen Echo an Hand mehrerer Beispiele mitteilt, nicht mtiveseittlich bereichert. So suchte der Shakespeare- Forscher Robertson in einer besonderen Schrfft zu beweisen, daß die „Klage des Liebenden" (A Lover's Eomplaint) sowie der erste Akt des „Timon von Athen" nicht von Shakespeare stammen, sondern dem Dramatiker George Chapman zugeschirieben werden müßten, der von 1559—1634 lebte und besonders ditrch seine Ueber- tvagUng des Homer ins Vnglffche bekannt ist. Der bttanntil Shakespeare-Forscher Sttmey Lee spricht sich poar in dieser Beziehung über George Chapmau nicht näher aus, ist aber gleichfalls Ider Meinung, daß die genannten beiden Werke nicht von Shakespeare geschrieben wurden. Eine sehr interessante Feststellung rmter- nahin der ftühere Direktor des britischen Museums, Sir Edward MäuNde Thontpson, bekannt durch ein Buck) über Shakespeares Handschrift. Er erklärt nämlich, festgestellt zu haben, daß ein Bruchistück des bisher dem Dichter Attthouy Munday zugeschriebenen Dramas „Sir Thomas More" in der Handschrift Shakespeares ausgezeichnet wurde. Thompson fand nämlich in der Harleianischens Handschriftensammlung des Britischen Museums in dem Manuskript Mtndays drei Seiten in einer besonderen .Handschrift, die er mit bai sechs bekannten Unterschriften Shakespeares verglich, woraus er Au denr Ergebnis kam, daß die Sckrift zweifellos dieselbe sei. Ju den drei Setten, di djon Thompson Shakespeare zuge- schriechen wurden, ist geschildert, wie Mvre an die rebellisch^ Londoner §>andwerksgesellen eine Rdie häll. Uebrigens hatte bereit^ der Biograph Barons, Spedding, die Berurutung geäußert, daß dieser Teil des Stückes vvn Shakespeare sei. 21hgesehen von der Schrift, sollen auch Schittung und pSrackre der drei Seiten auf Shakespeare Hinweisen, der vielleicht diese Stelle einfügüe, um sichl als Schauspfieler einen besonderen Auftritt zu verschaffen. ^ Löslich eKohle! Die llebierffrhrung der Kohl e in waff er* lösliche Stoffe ist mich einer Mitteilung der „Naturwissensckwften" von F. Fischer erreicht üwrden. Mährend die bei der Vakuumdestillatton, bei der Destillation bei niedriger Temperatnr und beim Ausziehen mit überhitztem Benzol oder kalter schwesliger Säure ge wonnenen Stoffe sich nur auf jenen kleineren Llrttell 'der .Arhle beziehen, der ihr soznsagen als Verkittungsmittel dient, kann man durck) Ernwirkung von Ozvn auf in Wässer suspendierte >lvhle all mählich Ins 3 |u 92 Prozent dar Kohle in ^vasstrlösliche Bn- bindunaen überführen. So lassen sich junge Steinkohle. Torf und Braunkohle umwandeln, während-Zellulose, die Muttersubstmtz der Hauptmasse der uvhle, e ige u t üml ichcrivei s o keine glatte lieber such- äestattett^KUks gibt nach diesem Verfahren überlünrpt nichts Lösliches, ünthraut nur ungemein wenig. Id alter die Steinkohle ist, desto geringer tmrd die Ausbeute an diesen löslichen Vettnu ^ düngen. Der von Lttrdner für die Fettgewiunung gezulchtete Pilz vernrag in dreien Lösungeir der Kvhleusubstanz avar zu lebeir. wenn urmr dre dunlle, nach Karanrel rrechende saure „^kvhlen- lösung ' tmt Ammomak ueuttalisiert, aber er setzt ketn Fett an: „So gut bekommt chm die lösliche Kohle doch nicht."