Nr. M Zweiter Blatt Erscheint töglich mit Ausnahme des Sonntags. * 67 . Jahrgang ©eilagen: „Gießener ZamMenblStter" und ..Ureisblatt für den Ureis Gießen". Postscheckkonto: Frankfvrt am Main Nr. **686. vantoertehr: Sewerbebant Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger Kr Gberhefien Montag, * 3 . August *9*7 Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUniversitäts-Buch-u.Steindruckerec. N. Lange, Gießen. Zchriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: Cchulslraßc?. Geschäftsstelle u. Verlag: Schriftleitung: 112. Anschrift fn r Dre htuachrrchren: Anzeig»«-Giebcn. Die Wirkungen des U-Soot-Urieges in amtlicher Darstellung. 1. Fortsetzung. Weiter »vrrd von feindlicher Seite gegen die Zuverlässigkeit der Ad miralstabsmeld ungen ins Feld geführt, daß Schiffe, die als versenkt gemeldet würden, in Wahrheit nicht gesunken seien sondern den .Hafen erreicht hätten. Dem Leser der laufenden 9ld- miralstabsveröffentlichungen wird erinnerlich sein, daß sich in ihnen bei Erwähnung einer Torpedierung manchmal die Bemerkung findet: „Sinken nicht beobachtet." Solche Erfolge werden, wie ausdrücklich bemerkt sei, der VersenkungsMer grundsätzlich nicht zugeschlageu. Daß in solchen Fällen den ll-Boots-Kommandanten ab und zu Irrtum er unterlaufen können, wird klar, wenn man! sich vergegenwärtigt, daß manche Torpedierungen in dunkler Nacht oder bei scharfer Gegenwehr durch feindliche bewaffnete Geleitfahrzeuge stattfiicken, deren Angriffe das U-Boot zwingen, längere Zeit unter Wässer zu bleiben und, ohne nochmals crufzutauchen, den SckMiplatz des Kampfes #u verlassen. Der betreffende U-Boots- Kommandant kann dann aus der Detonation seines Torpedos und der Lage des an geschossenen Schiffes zu der Ueberzeugung gelangen, das getroffene Schiff werde bestimmt sinken, trotzdem mag es in' einem oder dem andern Falle gelingen, es in einer- nahen Hafen zu schleppen. Da die Wiederherstellung eines solchen Schiffes bei den großen Beschädigungen, die unsere Torpedos hervorbringen, und bei dem allbekannten Mangel an gelernten Arbeitern, Schiffsbaumaterial und in den französischen und italieni- nischen Werften auch an Kohlen viele Monate dauert und den Neubau von Schiffen hemmt und verzögert, so ist ein solcher Erfolg! eines U-Bovts-Angriffes nicht viel geringer einzuschätzen, als eine Versenkung. Uebrigens verdirbt bei solchen Beschädigungen! auch die Ladung meist ganz oder zu ihrem größten Teil. Wie oft kommen überhaupt solche Jrrtümer des U-Boots-Konv Mandanten vor? Der vorerwälmtc französische Verfasser zählt in seinem Artikel vom 10. Juli sieben solcher Fälle innerhalb von drei Monaten auf, während derer nahe oit 1000 feindliche Schiffe versenkt ivorden sind. Also auch dieser Versuch, die Admi Iralitätsmeldungen in Zweifel zu ziehen, scheitert an erweislichen Tatsachen. Nicht anders steht cs mit den immer wiederkehrenden feindlichen Behauptungen, wir erlitten dank den getroffenen Gegenmaßregeln schwere Verluste an U-Booten. DemgegeMber kann nur erneut auf die amtliche Feststellung hingewiesen werden- daß der Durchschnittsverlust an U-Booten im Monat die Zahl 3 nur um einen geringen Bruchteil überschreitet, während der Zuwachs in der gleichen Zeit ein Mehrfaches davon ausmacht. Die erfinderischsten Köpfe, der größte Auffvand an Geld l.täbeu unfern Gegnern noch immer nicht das Allheilmittel gegen die „U-Boot-Pest" in die Hand gegeben. Auch den weiteren Be mühungen, es zu finden, sehen unsere U-Boots-Leute kalten Blutes und mit dem Vertrauen entgegen, daß Mut. Sachkenntnis und Geistesgegenwart, wie bisher, auch künftig das neue Mittel durch ein wirksameres Gegenmittel matt setzen werden. II. Der U-Bootskrieg ist angesetzt gegen den Engländ und seine ZZerbündeten versorgenden Schiffsraum, der in Wahrheit Englands Lebensader ist. — Man hat wohl in England und anderwärts die Frage so yu drehen versucht, als ob durch den U-Boots-Krieg Eng lediglich von der Lebensmittelzufuhr abgeschuitten, also aus gehungert roerden sollte, eine Fragestellung, die in ihrer leichten Faßlichkeit der breiten Oefsentlichkeit besonders naheliegt. In Wirklichkeit greift der U-Boots-Krieg aber viel weiter; gerade in England sind ernste und sachliche Stimmen laut geworden, die die Bedeutung der Vernichchmg des Schiffsraums für Englands gesamte Kriegs- und Wirtschaftsführung in aller Schärfe betonen und hervorheben. Der U-Boots-Krieg ist also das Problem des Schiffsraums. Äon drei verschiedenen Standpunkten aus kann man die Frage bewachten. Zunächst ist der Besitz einer eigenen starken Handelsflotte für Gngland Lebensbedingung. Das Wort des Chefs des Adiniralstabes Slir John Jellicoe; „Ohne unsere Handelsmarine kann die Kriegsflotte und in Wahrheit die Nation nicht existieren", steht über allen Erörterungen dieser Art. 'Als der uneingeschränkte U-Boot-Krieg begann, verfügte Eng- Ghttb, wenn man von seinen eigenen Quellen ausgeht, noch über wurid 19,5 Millionen Brutto-Register-Tonnen Handelsfrachtraum, at nunmehr durch Eintragung in das Vereinsregister Rechtsfähigkeit erlangt. Auch sonst ist sein äußerer Aufbau jetzt abgeschlossen. Der Vorstand besteht aus Finanzminister Dr. B e ck e r als ersten Vorsitzenden sowie Oberbürgermeister Dr. G ö t - tf Imamt, Main-, und Landtagsabgevrtmeteit Dr. Weber, TW fiel JndÄ-Verluste FEdtarrm des von uns .*) RScheimnm besetzten doOeufrchtn tvndlßebieks Reiches 51« 700 590 800 t qkm. qkm Fischen raum des vom Feinde besetzten deutsch, u. österc-ung. Gebietes 940o □ qkm Kriegsgerat 1 ) Russland 9,5 Miff.S Id. i) Hallen 1,6 Mill.Sold. z) Frankreich1,1 " ? Ä 5 )Belgien 0,21 - l\£ng!and 1,6 • * F\ Serbien 0.5 'S $) Serbien 0.5, t) Rumänien 0,5 Bisherig* Verluste der Entente Wenn wir an der Schwelle des vierten Kriegsjahres unsere Blicke rückwärts aus das Ergebnis der nunmehr hinter uns' liegenden, au Erfolgen und Anstrengungen reichen drei Jahre richten, so darf berechtigter Stolz unsere Herzen höher schlagen lassen. Der Flächenraum des von den Mittelmächten besetzten Gebietes beträgt zur Stunde rund 548 700 Quadratkilometer, also mehr als 1er gesamte Flächenraum des Deutschen Reiches mit seinen 540 800 Quadratkilometern. In diesem eroberten Gebiete befinden sich 47 Festungen. Demgegenüber haben die Feinde in Europa bis Ende Juli trur etwa 9400 Quadratkilometer unseres Gebietes im Besitz, der sich jetzt bei dem deutsch-österreichischen Vormarsch in Galizien von Tag zu Tag noch> verringert. Die Menschenverluste der Entente betrugen nach vorsichtiger Schätzung in den ersten drei Krregsjahren: Rußland 9,5, Frankreich 4,4, England 1,6, Italien 1,6, Belgien 0,24, Serbien 0.5 und Rumänien 0^3 Millionen Soldaten, also mehr als Belgien, Holland und die Schweiz zusammen Einwohner haben. An Gefangenen befinden sich in den HändSn der Mittelmächte rund drei Millionen Mann, davon fast 30 000 Offiziere. An Kriegsgerat wurden erbeutet fast 12 000 Geschütze und rund 5000 Maschinengewehre. Weit über 2000 Flugzeuge wurden abgeschossen. Und noch eine andere Seite soll angeschnitten werden: Die Kriegskosten betrugen bei unfern Feinden bisher 258 Milliarden Mark, während von den Mittelmächten 107 Milliarden Märk ausgewendet rvurden. Alle Äese Zahlen reden eine eindringliche Sprache. Und unsere Wafsentaten in West und Ost, das Scheitern der englisch-französischen Offensiven bei Ar ras und an der Aisne und der glorreiche Drrrchibruch in Ostgalizien erhöhen diese Eindringlichkeit' wls das stärkste. Sie zeigen derr Feinden die lächerliche Unmöglichkeit ihrer Kriegsziele, und sie stählen von neuem den deutschen Willen zu".n Turchhalter: bis zum ehrenvollen Frieden, der Bestand und EptWickelung Deutschlands und seiner Verbündete gewährleistet. Koiwardsdors. Dem Verwaltuchgsrat gehören migesehene und sachkundige Mämrer aus allen Teilen des Larides, allen Parteien und allen Berufsständen an, die sich.gerne in den Dienst der schöner: Bestrebungen gestellt haben. Di« Grundlagen für die weitere Wrrk- samkeit des Vereins sind damit vollendet. Die Zahl der Beitritte nimmt stetig zu. Auch ein nicht unbeträchtlicher Vermögensstock ist dank der foeundlichen Gesinnung hochherziger Stifter bereits vorhanden. Der Verein wird in den nächsten. Tagen die inzwischen fertig gestellte Satzung versenden 'und dabei zugleich seine Mitglieder und Freunde über fern Schaffen und seine Ziele näher unterrichten. Um seiner selbst und des Vaterlandes willen erfülle jeder feine Ehrenpflicht! Die Gol-ünkausjielle m den Räumen der VezirkssparWe Gießen ist morgen von 3 bis 5 Ahr geöffnet! g. Herborn, Die Leitung der hiesigen Kgl. Präparanden- mtstalt ist vont' 1. Oktober ds. J>s. ab dem bisherigen Vorsteher der Praparandenschule _ in Eschvege a. d. Werra, Seminoroberlehrer Krüger — zurzeit im Felde — übertragen worden. Landkreis Gießen. LJ Lang-Gö ns, 13. Aug. Das Allgem«irre Ehrenzeichen für Kriegsverdienste wurde dem Förster Karl Bergk verliehen. Das Eiserne Kveutz und die Hessische TapserkeitsMedarlle erhielt er schon früher. Bergk steht bei einem Artillerie-Regiment. — Gefreiter Karl Brückel, Delephmnst beiin! Stabe ein.es Feldcrrtillerie-Regi- ments, erhielt das' Esserne Kreuz. Das .Kriegsehrenzeichen erhielt er schon früher. Brückel steht von Beginn! des Krieges itn! Feld. ** Wieseck, 13. Llug. Vizefeldwebel Heinrich Eckhardt, eineitr geborenen Wiesecber, der vor dent Kriege in Rumänien als Zuckersieder tätig war und sich unmittelbar nach der Kriegserllärlmg für deir Heeresdienst in Bayern stellte, tmrrde, nachdeumer für be- wiesene Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse und dein Bayerischen Verdienstkreuz mit Kroue und Sch'wertern ausgezeichnet war, neuerdings auch die Hessische Tapferkeitsm'edaille verliehen. Vizeseldwebel Eckhardt, der anfangs Mit den Bayenr gegen Frankreich mr Felde stand, hat zuletzt gegen Rußland lnfb Rumänien gekämpft. Kreis Büdingen. 4- Usenborn, 12. und Gemüsegärten, auch, an den noch aus dem Felde stehenden Korrrhaufen und den Obstbäumen wurde mannigfacher Schaden awgerichbet. Die Straße Itfnt hier nach Gelnhaar nmrde sehr übel hergerichtet. Glücklicher- Utift sind die meisten der betroffenen Landwirte toenigstens gegen Iden Geldschaden durch Versicherung gckeckt. J Hessen-Nassau. [1 Elnhausen (Kreis Marburg), 11. Aug. Die Eheleute Wagnermeister und Landwirt Paulus Rauch und Frau begingen heute ihre goldene Hochzeit. Dem Jubelpaare wurde vom Ortsgeistlichen die Ehejubiläumsmedaille überreicht = Frankfurt a. M., 11. Aug. Auf der elektrischen Balm nach Bad Homburg v. d. H. stieß hewe nachmittag zwischen Bo- names und Nieder-Eschbach ein Arbeiterwagen mit einem elektrischen Personenzuge zusammen. Der Zusammenstoß nmr derartig wuchtig, daß die Wagen sich' förmlich ineinander bohrten Vvrr den Insassen beider Wlagewzü'ge wurden 11 Personen ,rnd mehrere Beamte verletzt, vier unter ihnen so erheblich daß ffc sofort dem Homburger .Krankenhause zugeführt ,oercxm nrußten. Die Auftäumungsarbeiten auf dem Balmkörper nahineu mehrere Stunden m Anspruch. Der Fährbetrieb wurde währenddessen erngleifig aufrecht erhalten Gietzener Straflammer. Gießen, 7. August. ^ 1899 geborene Arbeiter Georg R. in Heldettbergen, seit 2. Mvjk l. Js. bei dem dortigen Postamte als Aushelfer beschäftigt, zu dessen Obliegenheiten die Beförderung der Postsendungen von Heldenbergen nach^und von der Postagentur Kaichen gehörte, ist angerlagt rmd geständig, ans den, Rückwege von Kaichen nach und nach zniamnren 8 F^ldpostpaketchen beiseite geschafft zu haben eignete sich den aus Wurst, Dörrfleisch, Brot, Sckstnken, Kuchen, Zigarren rrnd Tabak bestehenden Inhalt der Paketchen, deren Verschnürung er mit seinem Messer durch schnitt, an ,rud versteckte die Teer eit Schachteln in Straßenkanälen. Weiter wird ihm zur Last gelegt am Llbend des 8. Mai l. Js. in der Emmelschen Wirtschaft zu Heldenbergen, wo er nrit einigen jungen Burschen Karten spielte ^old verlor, aus der an der Wftnd hängenden Sammelbüchse des Roten Kteuzes einige Pfetimge herausgeuommen zu Haben, nachdem er die Büchse ans der Rückseite mit einem' Messer au l ge schnitten hatte. Das Gericht verurteilte den geständigen Angeklagten zu einer Gesamtgefängnisstrase von 6 Wvck-en Der wegen Diebstahls mehrfach vorbestrafte Fuhrmmin Wilh. K. von Bretzenheim bei Maitrz ist angeklagt, am 8. Mai l Js zu Rockenberg mit dem Strafgefangenen Karl B. gemeinschaftlich der Verwaltung des Landeszucht Hauses Marienschloß eine Stange Seife von 3 Pfund und im Werte von 10—12 Mk. cntwen- dct zu haben. Der Angeklagte bestreitet den Diebstahl, gab aber zu, sich der Hehlerei schuldig gemacht zu haben. Er hatte bi^rmit s^uen . Erfolg, denn das Gericht verurteilte ihn wegen Diebstalsts im Rückfall zu 9 Monaten Gefängitis, welche Strafe er alsbald anerkannte. Am Landwirt Heinrich Friedrich K. von Stockheim war ein Strafbefehl »r 75 Mk. zugegangen, weil er am 23. Februar l Js bei der Revlfwu von Brotgetreide 2 Säcke Roggen, zu- sammen 314 Pfund, und 1 Sack Hinterweizen von 150 Pfund versteckt l-atte. Auf seinen hiergegen erhobenen Einspruch wurde Me strafe vom Schöffengericht Ortenberg aus 30 Mk. ermäßigt -tw Strafe erschien der Staatsamvaltschaft zu niedrig. Die von chr gegen dcefes Urteil verfolgte Berufung l>atte Erfolg, denn das Berufungsgerxcht erhöhte die Strafe ans 75 Mk., hilfsweise 15 Tage Gefangins. Keinen Erfolg hatte die von der Staatsanwalt- stl'aft gegen ^ das Urteil des .Schöffengerichts' Grünberg 0 1 l 917 . eingelegte _ Beruffmg, wonach Du* Pachter Wilhelm P. aus dem Warthos bei Grünberg sreige- '^ochen worden lvar. Ihm wurde zur Last gelegt, daß er durch Uuyerachtlaflung der pfleglickfeu Behandlung seiner Kartofielvor- rate ungefähr 42 Zentner Kärtoffeln durch Erfrieren vollständig habe zugrimde gehen lassen. Auf Gruud der umfaugreichen Be- weisaufnahme konnte sich das Gericht von der Sckmkd des Ange- klagteii insbesondere auch von einem fahrlässigen Verschulden anw^ltftlMft^O^ deshalb die Berufung der Staats- omes vo„ der Sck-alterkasse Lollar angehal- tenen gefälschten Einmarkfcheins wurde beschlossen .batten sich vier junge Bursen von Ttldelsheim w^^i gemeinsckwftlich ausgeführter Diebstähle zu vennttroorteu wobei sie ev hauptsachlich aus Stallhasen, Hühner. Enten, Fleiscls-' iud^l^n^^.^hen lfatteu. Die Angeklagten, die ge.ländig dabeu dw gestohlenen Sackten an 3 Frmien in Düdelsheim Mi-ie an eine Wtrttn und an einen Hausburschen in Frankfurt a M aekttrÄ Aese o Personen sind deshaü, der Hehlerei an- verurteilte die Angeklagten A ivegen ein- schweren Diebstahls in , Gesamtgefangmssttafe von 7 Monaten; M. S rr Unb ^ schweren Diebstahls sowie ux-geu Hcl>- , s ai ov r Gefmgtgesängmsstvafe von 1 i.Rouat schwerru^Ä^ß^ N. wegen je 2 euisach'r und ie eines Wmrn ^ »u eurer Gcfamtgefängmsstrafe von je einem Ä' 5-criier erhielten die 3 Frauen von Dübels- . ^ rt ut von Frankfurt a. M. w^cu Hehlerei die ^ £? 1 11 Tag Gefäirgms, u>äJtrknd der Haus- « -n Frankfurt a. M. wegen Hehlerei 3 Dagc Gesang-.