w W> Sweües Blatt Erscheint »glich mit A«Sn«hm« des Sonntags. Beilagen: „Tirtzener 5mv!ttrnblStter- und „Xreisblatt für -en «reis Bietzen". p-stscheckkortto: am Main Nr. \\m. Vanfverfehr: Severdedank Giessen. \bJ. Jahrgang il. nzelger General-Anzeiger für Oberheffen vonnerrtag. 28. Juni \9\Z 3«nQing5nmbbrucf und Verlag: Brü hlhche Universitätt-Bnch-ii.Gteindrnckerei. R. Lange, Gießen. Zchriftleilung. Geschäftrstelle und vrmkerel- Kchulstraße?. Geschäflsstelle u. Verlag: v >M bl, Schriftleitung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen. A«s Ststzdt rind Land. Gießen. 28. Juni 1S17. Schilfrohr-Werbung. Kriegsausschuß für Ersatzsutter, G. m. b. Berlin W. 62. ftwt wlgendes bekamst: „Zur Linderung der 'nutzer den Kriegs ver- m\tm\ |en em^etrrtciten Knappheit an Fisttermittcln ntu| auf v«MMehung jedes Ersatzes großer Wert gelegt werden. Schihf- (phragwiles communis) in grüi:e:n Zustande vor der Rerse geerntet und an der Luft getrocknet. hat bedeutenden FrMerwcrt. Es kann nrrt guten Erfolgen als Häcksel au Pferde und Wiederkäuer, ttr Mehlsorm an Schweine und Kleinvieh derfAAeü werden. Wir empfehlen allen in Frage kommenden tat Lande und im besetzten Gebiet dringend, sofort alle ve-rfÄigbargn Kräfte einFu setzen, um möglichst große Mmq» ^hrlfrohr zu ernten rmd für späteren Bedarf sicherza- stellen. Nach der Blute, mit Beginn der Verbolzung, schwindet der Autterwert; trockenes Schilf, sogenanntes Ried, ist ftlr diesen 'Zweck wertlos. Das grüne Rohr lvrrd, nachdem es geschnitten und iMe Getreide gebündelt und in Stiegen oder Hocken gestellt, lirft- tzroobm geinvüst ist, nutzer Dach oder in Diemen, Schnittflächen nach außen. aüfbewabrt. Eich: kurz vor der Versütterung darf ge- häckselt toerden: rrichit künstlich getrockneter Häcksel wird leicht )varm znch verdirbt. Während Scllilshäcksel überall hergestellt werden kann, sind für die Anfertigung von Schilfnrehl außer Häckselmaschin en noch Trocknungsanlagen und schwere Mühlen erforderlich. Wir sind bereit, aus dem ganzen Deutschen Reiche und dem besetzten Gebiet alle nicht ft'rr (Ägenftittermrg notwendigen Schstfrohrmewgen gegen angemessene Entschädigung aufziunehnren. ziu Futter zu verarbeiten und der Llllgemeinhest zu- zirführen." * 3 .XL Bei b'trr Jtkhre-ss^oi«r tittx La n des'um i- v ersitat am mendein Sanis tag sind, wie uns ruttzgeteilt wird, crutzer den geladenen Gästen auch andere freunde der llntverfität wrllkonrmen, einer besonderen Eiw- lodun-gsLarte bedarf es nicht. Die Feäer in der neuen Aula beginnt 11^4 Uhr pünktlich. ** O berhes sischer Kunst Verein. In dankbarer An- erkemwng der außerordentlichen Verdienste um das Kunstlebeu der Stadt Gießen durch die,,Dr.-Hans-Bmk-iNe!)üchttns-Stifttmg" und die ,,Gustav-Bvck-Stiftung'h eine Sarmnlung von 60 höchst wert- rEen Gemälden, hat der Oberhess. Kunstverein Herrn Gustav B o ck- Berlln zu seinem Ehremuitglted ernannt. — Die 200 Aquarelle zMendc Sammllmg von H. von Ritschel, deren Uebern-ahme der Oberheffische Kunstverein in seiner gestrigen Sitzung beschlossen hat, ist bis z-um "Sonntag einschließlich jedermann zugängig. Durch außerordentliches GstgegenkvMmcn der Familie vor: Ritschel wurde es dem Verein möglich, die Sammlung zu Übernehmern ** Ein Otto Reutter-Abend nrst Konzert findet lveute ck8«d im Hotel Fürstenhof, -Gießen, statt, bei welchem H. Müller- Al'Äls, d« bei der jüngsten Konkurrenz unter 50 Bewerbern den 1. und dar Ehrenpreis erhüllt, nur Reutter-Couplets singen ivird. ** Gebt kerne Soldatenbrrese heraus! Aus zu>- verlässtger Qttelle ist bekannt geworden, das; einige Holländer imi Äkftrage der feindlichen Spionage sich in deutschen Dörfern hmnnk- rveiben, in der Älbsicht, Soü»atenbrrefe AU saMjmrln. Es wird gebeten, die Polizeibehörden auf solche Briessamtmler aufmerksam zu machen und deren Festnahme Au veranlassen. **DieGerstederGrute1917istrestlosbeschlag- nah m t Mit Rücksicht Uns die bereits beginnende Gerstenernte gibt daS Kviegsernöhrungsamt bekamst: Durck- die neue Reichsgetreide« ottaruug vom 21. Juni 1917 ist die Gerste allgemein beschlagnahmt. Es können also von den Landwirten nicht, wie im abgelaufeneU Jahr, bestimmte Mengen zurückbchalten oder ftechändig veräußert werden, auch nicht zu Saatzwecken. Der Handel mit Saatgerste Wird durch die in der Reic^getreideordnung voGehaltenen, demnächst erscheinenden Verordnung über den Verkehr mit Saatgut geregelt werden. Bezüglich der Sommergerste, insbesondere wegen der den Landwirten tyu eigenem Verbrauch zu überlassenden Mengen, werden ebenfalls noch besondere Bestimmungen ergehen ** Kleine Gerste o dle r Kartoffeln aus der neuen Ernte Au FüttcjrungszWecken. Vielfach wird die Beobachtung gemacht, daß die Landwirte zurzeit Schweine im Gewichte von mehr als 150 Pfund im Stalle stehen haben, die in der Hoffnung weiter gefüttert werden, daß nach der Ernte wiederum Gerste und Kartoffeln zur Verfügung stehen werden, um die Tiere ans die bei den .Hausschlachtnugen in Friedenszeiten gewohnten hohen Gewichte von weit über 2 Zentnern zu mästen. Demgegenüber sei darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Notwendigkeit, unsere Gerste restlos für die Brotversorgung heranznzichen und auch die Kartoffeln ausschließlich für die menschliche Ernährung zu verwenden, von einer Erfüllung dieser Hofinung keine Rede sein kann. Es ist jedenfalls ivirtschaftlicher, diese schlachtreifen Schweine jetzt abzugeben. Landkreis Gießen. ** Garbe nt eich, 27. Juni. Der Reservist Wilh. Schmitt bei einer Pionierkompagme, seit Anfaug des Krieges im Westen käm pfend, war syit dem 16. Esprit ds. J§. vermißt: heute ist atz ftine Angehörigen die Nachricht gelangt, dass er sich in französischer Gefangenschaft befindet. ** Wiestzck, 28. Juni. Garde-Füsilier Ednrund Rath, in einem Garde-Füsilier-Regiment, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Kreis Düdinaen. -tz Büdingen, 27. Juni. Das Eiserne Kreuz erhielten Hans Schmitz, Musketier in eurem Jnsantzerie-Regiment, und der M ilitär-Kmukearwärber Robert Kaiser. # Gettenau, 27. Juni. Die Hessische Kriegs-Berdiensd- medaklle erhielt der Reservist Adolf Weitzel. .1' Mus dem Niddertal, 27. Juni. Der auch in unserem Tal Um vorigen Tonnerstzag Abend niedergehende und dann in uu- gleichen ZwisÄenrÄWuen bis Samstag anhaltzende Regen Regen hat wahre Wunder gewirkt. Die ganze Natur >steht wie erfrischt da, der Heuernte tat der Regen nicht mehr viel Abbruch, da sie bei dem günstigen Wetter, das geherrscht hatte, fast beendet ist. Für den Ansatz der Kartoffel fern er aber gerade noch reckst, Luch dem infolge der Trockenheit sehr stark ausgettetenem Abfalbm des Obstes tat er Einhalt, im. OKlbwevden der Sommerfrucht und der Gartenfrüchte trat ein SMstand ein, so dass int allgemeinen die AussiMen det Getreide, der GdinÄse- und der Obstevule wesentlicki> gehobenl worden sind. Auck) das Gedeihen und die Mbcitzeir an deir Hackfrüchten wurde sehr gefördert. Soeben findet die Ernte des Winterrapses und der Kirschen statt, die beide in gleicher Weise gut aussallen. Ende dar Woche können bereits^ die ersten Bohnen im> Garten geerntet werden, auch nvit deni Pflücken der Johannrsbeereu wird begonnen, Himbeeren und Stachelbeeren folgen in Kürze, IM Gemüsegarten gilt es dss: Raupenplage energisch Au bekämpfen. Kreis Schotten. e. S cho t t e n, 27. Juni. Die Hessische Tapserkeitsmedaille erbrelt der Unteroffizier und Ossifiersaspwant Heinrich We nzül vmr hier. Dem Gefreiten Karl Stern wurde das Hessische Kriegsehreuzeichen verliehen. — Bei der großen Wichtigkeit, die eine baldige Ablieferung der Glocken füt die Heeresverwaltung besitzt, hat sich das Kreisamt entschlossen, für alle Glocken, die bis zum 30. Jürfi dis. Js. an die Sammelstelle oder an die in Frage kommenden Eisenbahnstationen ab'geliefert Nwrden sind, Mrßer dem Uebernahmepreis eine Prämie von 1 Mark für däs Mo zu zahlen. up. Elpenrod, i26. Juni. Gestern fand hier in der Zöllschen Gastwicktschaft die letzte diesjährige Brennholzversteigerung aus den benack),bartzen Domanialwaldungen statt. Da in den vonuusgsgcmgencin Jahren gerade bei den letzten Hplz- verstxigerungeir die Preise stets am niedrigsten waren, so mochte mancher Steigerer hoffen, der bisher wegerr der urrgawöhnkch hohen Preise seinen Bedarf noch nicht gedeckt, Mlctzt wieder niedrige Preise zu finden. Wer so gerechnet, der hatte sich gründlicks> verrechnet. Diese letzte Holzversteigerung brachte die höckstten Preise. Es wurde bezahlt für st Rm. Buchenscheit 85 bis 90 m., desgleichen Prügel 76 bis 80 Mt., Eichen 45 bis 48 Mk., Fichten 45 bis 52 Mk., Buchen-Reifer Lostüien das >Meter 1,50 bis> 2 Mk. Solche Preise sind hier noch nicht vor- gekommen. up. Gross-Eichen, 28. Juni. Die kleinen Vogelkirschen hängen in diesem. Jahve recht voll. Kaum aber beginnen sie im Felde Und an den Strassen Ur reffen, so stellen sich auch ihre Hauptvernichter, die Stare, ein. In grossen Scharen durchschwärmen sie das Feld. Wo sie einen .Kirschbanrn befallen, da ist der Baum geleert. Von unseven .Kindern werden die Vogel- kirschen geradeso geschätzt, wie von den Städtern die Edelkirschen. # Herchenhain, 27. Juni. Zum Leutnant d. R. befördert wurde unser früherer Lehrer Adolf Armbrust. Er erhielt auch das Eiserne Kranz. Starketlburg und Nhcinhessen. o. Mainz, 27. Juni. In der gestrigeit Stadtmerord-' netzensitzung wurden die städtisck?en Haushaltsvoranschläge fast debattelos beraten. Beim Gaswerk nmchte der Berichterstatter darauf aufmerksam, daß mit dem 1. August die Kohilensteuer in Kraft trete, 'bic fmit der,Verte Msstener hem Werk eine StzeuerbelaAavgi von 260 000 Mk. bringe. Bei der Steuer wurde das Zeitzungsmahn- verfahren und die zieltveise Mitzveibung beschbissen. Das Budget wurde einstinunig angenommen. Bis jetzt Hot die Stadt an Kriegs- nntzerstützungen usso. über 6 Millionen, die zu ihren Lasten halün, gezahlt. Für Nahrungsmittel wurden 4 Millionen ausgegeben, den Einnahmen steht 6m Defizit von 185 144 Mk. gegenüber, mit den Warenvorräten im Werte von 188 800 Mk. ist drefes Defizit reichlich gedeckt. — Für den Ehvensriedhof wurd-mr 9038 Mk. bewilligt. Fe. Vom Odenwald, 26. Juni. Eine sehr reiche Nuß- ernte stjeht im Odeinvald Heuer in sicherer Wkssickst. Die Bäumie zeigen i'iberall einen guten, ja vielfache einen überreichen Behang. Dabei sind die jungerl Früchte schon sehr weit vorgeschritten. Hessen-Nassau. Fc. Frankenberg, 27.Juni. Der Landrat brmat die opferwillige tmd vaterländische Betätigung der Gemeinde Herbs- lmusen zur offentlick^en Kenntnis, die bei einem Bestände von 30 Kühen vom 1. Dezember 1916 bis 15. Juni 1917 748 Pfund Butter, im Aionat durchschnittlich 113 Pfund, und bei einen: Bestände von 115 Hühnern in der Zeit vom 1. März bis 15. Juni d. Js. 3887 Eier, im Monat durchschnittlich 1115 Stück, für die Volksernährung zur Llblieserung brachte. Nnivcrsit8t>. Nachrichten. [] Ma rbiu rg, 26. Juni. Nach dem jetzt veröffenllichlen Verzeichnis des Personals Mid der Studierenden der Phllipps-lltty- versttät vom Sommecklialbjahr 1917 beträgt die Gesamtzahl der imntalrikulierten Studierenden ernschließlich der im Müitärdiarst befindlichen 2295 'darunter 362 Fr-curen). Die theologische Fakultät zählt 224 (2), die rechts- und staatswrffeuschaftliche 352 (3), die medizinische 551 i52), die philosophische 1168 (305). Bon den StndievendM sirnt» 1820 (291) in Pveussan beheüUatzet, darunter 639 (58) in .HesssM^Nassgu. Im letzten Wintzerhal^ahr betrug die Gesamtzahl der Studierenden 2100 (300) und im Sommerhalbjahr 1916 2127 (335). Nrrnst «nö Wissenschaft. '— Gleht die Erde einer wärmeren Periode ent- gchjg e u? Wenn Dag für Dag die Juuisonne so unbarmherzig auf die Erde niederb rennt, daß man schon mitten in den H undstageu M fein glaubt, kömrte man beinahe auf die Bernuttung kommen, das fca habe sich geändert, nrrd es träte jetzt eine wärmere Periode du. Ist dies Werhaupt möglich oder wahrscheinlich? Im „Morgen- blade?' suckt Sj. Euebo diese Frage zu beantworten^^vobei er sich aus die Untersuchung eines Forschers von Weltruf, Svante Arrho- lNLus, stützt, der eine wärmere Periode, der die Erde entgegen gehe, für durchaus Möglich hält. Freilich muß map dabei nrtt längeren Zeitsplumen rechnen. Von vornherein ist klar, daß in der Zukunft fioarme Zeiten und Eiszeiten so gut auftreten können, wie dies iu jder Vergangenheit der Fall gewesen ist. Arrhenius schreibt nun der Zusammensetzung der Lust beim Zustandekommen von Eiszeiten wie .Wärmeverioden eine überragende Rolle zu: die Kohlensäure dev Luft ist ies seiner Meinung rurch, die für die Einlvirkung der Sonnenstrahlen ans die Erwärmung der Erde besonders wichtig ist. Freilich ist der Kohlensäuregehalt der irdischen LufthMe ganz gering, — vielleicht 0,03 Volumprozente: allein nach den Berechnungen von Arrhenius würde das Verschwinden dieser Köhlensäuremenge die Temperatur an der Erdoberfläche um 21 Celsiusgrade sinken lassen, trud eine ähnliche Bedeutung schreibt er dem Wasserdampfgehalte der Luft zu. Umgekehrt würde eine Vermehrung des Kohlensäurege- hsttes zu einer Erwärmung sichren. .Höchst wahrscheinlich ist, daß der Kohlensäuregehalt der Luft im Laufe der Erdzeiten geschwankt hat, ja ies scheint, als wolle Arrhemus den Wechsel vmr Eiszeiten und Mlärmeperioden ürupffächllch aus ihm erklären. Mehrere Umstände sind für seine Größe entscheidend. Eine ständige Quelle der .Kohlensäure sind die Vulkane, die geradezu gewaltige Kohlensärcre- mengen ausstossen, und namentlich in der V-ergrurgenhcit, als die vulkanische Tätigkeit lebhafter lvar, ansgestoßen habe::. Ausserdem wird Kohlcnsirure verbraucht, nämlich durch die PffaNz-en. die sie der Luft entziehen, um ihre Organe daraus anfzubanen: im Wässer löst sich ferner Kohlensäirre mff, :rnd bei den chemischen Umsetzungen- mr der Erdoberfläche wird ebenfalls welche verbraucht. Dafür freilich findet pich in den .Kohlelagern der Erde Mhlenschire in Mengen ausgespeichert, die bei der VerblrennuTrg wieder frei ibird. Ob der gegenwärtige starke KoUenverbrmrch durch die Menschheit gross gv- una ist, um eine merkliche Steigerung des Kohlenschrregehaltes der Lust herberzuMren, lässt sich zahlenmäßig borin seststellen. Das jedoch scheint sicher zu sein, daß die Zufuhr von Kohlenssäirre größer? ist als deren Verbrauch: im Laufe der Zeit kann also die ständige MblensSureznnahnre dahin führen, daß der .Kohlensäuregehalt der Lust erheblich größer wnH, als er jetzt ist, und eine so erhebliche Veränderung. der Erderwärmung nach sich zieht, daß man tab' sächlich von einer Wärmeperiode der Erde spreck-en darf. Arrhenins ist davon überzeugt, daß dies eintreten wird'. — Die Alpengletscher rückeu vor. Die Bilder der großen Gletscher, wie sie dem Alrmrwandever vertraut sind, werden sich in. Kürze gründlich verändern, ja bei einiger:, so beim Oberen Grindekwaldgletscher, ist dies bereits geschahen, und für die übrigen haben die wissenschaftlichen Beabackstungen gezeigt, dass ein allgemeiner Vorstoß begonnen >hat, der sicherlich weiter- «hen wird. In den ersten beidm Kriegs fahren hat die Schweiz ihre sonst iu grossem Maßstabe durchgeführten Gleffcherbeobach- tungen sckhr einschränken müssen, da die dannt betrauten Forft- beamten grösstenteils eingezogen tvareu: im Jahve 1916 lagen zwar die Messmarken einiger Gletscher oa£ ganze Jahr hindirrch unter Schnee begraben, allein an 53 anderen konnten die Messungen durchgesührt werden. Die bei Julius Springer in Berlin erscheinenden ^^Naturwissenschaften" gebe:: an der Hmid eines Vortrages, den firngft Pros. P. L. Mereanton in der Waadtlä:ck>ischen Natnr- wissenschaftlichen Gesellschaft zu Lausanne gehalten hat, einen Ueberblick über das Borrücken der schweizerischen Gletscher, zu denen Angaben Über die Bewegimg der Ostalpengletscher hinzn- gesügt werden. Von den schveizeri scheu Gletschwn waren nach den Messungen im Jahre 1916: 63,5 v. H. sin Vorviicke:: begriffen^ 28,4 v. H. im Zurückweicheu, die übrigen 8 v. H. standen still. Was diese Zählen bedeuten, zeigt sich erst beim Bergleickpe mit den entsprechenden Beobachtungen der vergangenen Jahre. Zwei Jahrzehnte hindurch hatten sich die Alpengletscher zurückgezogen; erst in den letzten Jahren began:wn sie :vi^)er vorzurücken. Am besten beweist dies eme zahlenmäßige Ilebersicht. Im Vorrücken befanden sich — alles aus Hundert bezogen — im Jahre 1913: 33: 1914: 36,5; 1915: 39,5; 1916: 63,5. Der Anteil der still- stehenden Gletscher war in dem gleichen Zeittaun: 8: 10: 10,5; 8. und im Zinückweickien befairden sich 59: 53,5; 50; 28,5. Während also 1913 noch 59 v. H. im Zurückgehen und nur 33 v. H. im Vorrücken begrcffen waren, hat sich das Verhältnis in der Zeit von 1915 bis 1916 nahezu umgekehrt: jetzt sind beinahe z^vei Drittel im, Vorrücken, während ein inmdes Drittel stillsteht oder zurückweicht. Zu den vorläufig noch zurückbleibenden Gletschern gehören unter anderen die gewaltigen Eissttöme des Gornergletschers, des Unterahr- imd des Aletschgletschers, die sich von jeher die doppelte Zeit zu ihren Entschließungen genommen haben, wie ihr Verhalten bei dem allgemeinen Vorrücken um 1856 rmd in den Jahren 1889 bis 1893 zeigt. Es wird lehrreich sein, sestzustellen, ob uick» nach welcher Frist die allgen^ine Neigrmg zur Borwärtsbeivegung di« Nachzügler ergreifen wird. Bemerkenswert ist, daß die von deutschen und österreichischen Forschern ausgeführten Untersuchungen der -Ostalpengletscher dort die gleiche Neigung wie bei den schweizerischen festgestellt haben. Auch die Ostalpengletscher sind — allerdings mit der von jeher bei ihnen beobachttten Berspättmg — in den letzten Jahren allgemein zum Borrücken übergegangen, und von 1915 bis 1916 ist der Grad dieses Vorrückens stärker ge- word«:. Eure Zusammenstellung von Pros. Brückner, die sich auf die gleichen Jahre 1913 bis 1916 und eberrfalls auf je 100 Gletscher bezieht, zeigt dies. Es lmrren im Vorrücken imter den Ostalpengletscher :i im Jahre 1913: 22; 1914: 13; 1915: 28; 1916: 42; der Anteil der stlllstehe::den Glctsck-er betrug: 10, 21, 21, 8, :md der Anteil der zurückweicheuden: 68, 66, 51, 50. — Ein «großer Staatsauftra g für Sascha Schneider. Aus Dresden wird uns ^schriebe::: Professor Sascha Schlveider. der jetzt in Hellerau leberrve bekairnte Bildhauer und Maler, hat eben von der sächsischen Staatsregiernng auf Vorschlag des Akademischen Rates der Kunstakadeinic Dresden den Auftrag erhalten, den Neubau der Dresdner Kgl. Gemäldegalerie mit Fresken auszus chntücken. Der Bau nach den Plänen der Dresdner Architekten Kramer und Pusch wird bekamttlich in unmittelbarer Nähe des Kgl. Zwingers errichtet werden, man hat die Vorarbeiten, die eber: begonnen waren, im vorigen Jahre abgebrochen. Dieser neue Bau soll die moderne Abteillmg der Kgl. Gemäldegalerie anfnehn:e:l. Bei dem Auftrag für Sascha Schneider lMrdett es sich im 1 :ves«ttkichen um die Ausmalung des großräumigen Treppenlw.uscs. Lllle Freunde der selbständigen und großgeschauten Kunst Schneiders werden diese Ghrwlg des ganz für sich stehenden Künstlers, dem hier Gc- legeüheit gegebe:: wird, ein weithin wirkendes Werk -u schaffen, irwerucy m:r ^reuoe vegrutzen. Lalcya Vchiunoer ueM letzt :m 47. Jahre auf der Höhe seines Schaffens. — Neue Heilerfolge bei Kriegsstummheit. In der Reihe merkwürdiger Kriegskrankhetten spielen Aisterffche Stimmlosigkeit und hysterische Stumwheit der Soldaten eine nicht unwesentliche Rolle. Sie gehören zu jenen .Kriegsschäden, dtt im Felde nickst durch körperliche Verletzung, sondern durch ungewöhn- lrche und plötzliche Einwirkung aus die Nerven veranlasst werden. Die Erscheinungen der genannten SttMmlvsigkeit und Stimttnheit :oerven am häufigsten durch Granatexplosionei: mkd Verschüttungen hervorgerusen. Die eigentliche Schickd ist der Schreckwirkung zu- zuschrerben, welche die Stünmlosigkit teilweise unmittelbar nach der Explosion, teilweise erst nach einem gewissen Zeitraum her- vorrnft. Da es sich hierbei im Gncnde um Hhsterisck?e Krankherts- erschenncngen, also um eure reine Nervenangelogenheit handelt, beschritt man zum Zwecke der Heittcug gleich vor: ?lnbeginn den Weg der Suggestion, die mehr oder minder mrch durch physische Beeinftusfirng unterstützt lverdei: kawr Lleußerst interessMtte neue Heilerfolge ^dieser Sttnunlosi^keit imd Stmmnhett bespricht Sa- uitätsrat Dr. Mveß in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift Du fraglichen Ansftchrungen betreffen 12 Fälle hysterischer Stummheit und 44 Fälle hysterischer Stimmlosigkeit. Von de:: ersteren wurden 10 in einem Zeitvwm: von 5—30 M mitten,- 2 m viertägiger Behandlung geheilt. Bei den 44 Sttn:mlosen konnte in 42 fällen die Heilung in Zeiträumen von wea:igen ?Ri- nuten bis zu zwei Tagen erzielt werden, nur bm zwei Fällen gelang dies nicht, will) zivar war dies bet deu: einen durcb eine schwere körperliche Erkrankung, bei dem andern durch beousstn: passive:: . Widerstand gegen die Suggestion begründet. Einer der aM häufiglten und erfolgreichsten angervandten Heilwege ist der folgende: man schildert dem Patilerrten möglichst gerrau den Sttmm- oorgang und erklärt ihm wahrheitsigemäß mit .Hinweis aus die ltttterjuchung, daß Kehlkopf u::d Stimmbärcher keinerlei krankhafte Varmcherungen aufweis-e::, daß also seine Stmumheit itim Sttntty- loftgkett einzig aus ei:ver Störmrg der Nervenleitwrg beruÄ- Da er aber mfolge dieser Störung nickst die StimmbäaÄxn zur Bildung der Stinmve durch die aussttömende Lust in Botoegung letzen könne, werde man seine Stimmbänder dirrch eine bestimmte Art von Lnfternzielstrng in Schüvingungei: versetzen so zun: Tonen bringen. Wenn der hervorgebrachte Ton dirrch das Gehör 5™ Fehcrn z:rm Benmßtsein gelangt, ser auck) die Mr nnllkürlichen A:rslo,ung von Laut- und Wovtbildmrg dienende Nervenleitung augenblicklich wickderhergestellt. Nach diesen: Vortrag geht mm: ^Kert den: Patienten aus, wäkrerid nurn durch festliches Drucken des KelMopfes angeblich die Stimmbänder ein ander na^rt :rnd derart die Tonbildung erleichtert, die ihn: vor > geübten Luftrnnziehungen aus möglichst tönend Weise irachzu- alstnen. Du Hauptsache dabei ist der nickst geMig zi: schätzende 1 uggestive ErnflllH des durch die LustenizieHungen yervorgebrachten Tones. Das Bcwußtsem, daß er wieder Töiie lxervorzubringetr vermag, überwindet d:e psyckstsche HemMtmrg. Eine zweite Heil' Methode besteht, ::: der mcht ganz schnverzlosen Ai:nwnd:mg des stmkere:: faradfichen Stromes aus den .KrlLkops, eure dritte in Aus- lchung ernes Angstschreies, indem rnan ganz plötzlich eine Metall- ttigcl von 1 Zentimeter Dirrchmesser an linm 1 gekrümmten Stiel m den Kehlkopf eiiiftlhrt, wovaiis die Erst:ckimgsangst den Patienten ernen L-chre: ausst o ßen lässt. Die ftdr den Pa tt eisten angeiietmi ß e und auch sonst empfehlenswerteste Methode ist aber die erstgenannte dce |o gut Ime vollkommen aus Suggestton berrchtt. vermochte«. # akH tffc das L«b«n auf der Erde? Diese Frage, seü rvieviel Jahren überhaupt Leben auf der Erde besteht, wird kemeÄvegs beantwortet, wenn man sich dabei nur auf die Kennt - von d en aus gestorbenen Tieren und Pflanzen beschränkt. Da sich iBdfcrfpfb .brr tier- und pflanzenführenden Erdschichten in einer Mächtigkeit von 30 000 Meter Urgneis, Urschiefer, kristallinische Schiefer chesiiteen, die keinerlei Zeugnis von einstigen Lckewesen geben, wurde meist angenommen, daß das Leben aus der Erde erst feit Jener Zeit existiert, in der sich die untersten fossilieu führenden Ablagerungen (das Paläozoikum) nieder schlugen. Daß diiese Auffassung vielleicht ein großer Irrtum ist und daß in 'keiner Form erhaltene Lebewesen Kreits z-u einer viel früheren Zeit vorhanden gewesen sein mögen, erörtert an der .Hund der Ausführungen verschtedeiver Gelehrter V. Franz in einer Betrachtung, die von der „Umschau" wiedergegxben wird. Wenn das Alter verschiedener archäischer MinerMagerstätten von den Forscher:: Königsberger :md Strutt mit 200—600 Millionen Jahxen richtig angegeben ist, hat man einigermaßen einen Leitfaden für die Rückversolgung des Lebens auf der Erde. Höchstwakfrscheinlich bestanden bereits vor dem Urgneis Bedingungen, unter denen Leben möglich war, da Man heute im sog. Urgneis stark veränderte .^ÄnmeUte erblickt. >Es gilt also, in eine noch ältere Zeit hinab-- zuste^en. nach) dem Alter der Meere zu fragen, das ja zweifellos höher sein muß als das archäischer (Gesteine. Aus der Tatsache,, daß die Flüsse dem Meer jährlich ein NeuntzigmWiontel seines Salzgehaltes zufühven, schätzte Joly das Alter der Meere aus nicht mehr als 05 Millionen Jahve. Aber auf demselben Wege gelangte MeÄard Rvade zu der Bestimmung von 166 Millionen Jahre. Derselbe Forscher schlug dann einen anderen Weg der Untersuchung ein und fand auf Grund des KalkgehaLtes der Flüsse und desjenigen der Erdrinde, deren gesamter Kalkstein sich ja im Meere gebcwet haben muß, für das MinimalaLter der Meere die Zahl von 6O0 MÄlwwen Jahre. Auf ähnlichem Woge {a!nr der Forscher Sederholm einer Milliarde Jahren, und da diese Angaben neben den Al terAbesiimkwungen der Mcchnevalien verhältnismäßig niedrig er scheineu. kann nach der Meinung voir Franz das Alter der Meere nach Milliarden von Jahren gerechnet werden. Wenn nun das Alter der Erdkruste sich nach den bedeutendsten Forschern auf :m- gesähr 65 Milliarden .Jahve beläuft, erhält man einen nach Zehnern vrnr Jiahrmilliaiden zählenden Zeitrcrutm, in welchem Organisches aus Organiscl)em eittfbojtfr, b. h. die Uranfänge des Lebens sich herausgebildet habe,: müssen. So loMn'.t Franz endlich ' zu dem SchLuß, daß die Vorgeschichte des Lebens auf der Erde ungefähr hundertmal so lang gewesen ist wie die Geschichte des! Lebens, von dem uns die Fossilien Kunde gebe?:. * * Der Magnet als Schi ffsla de mittel. Das Laden und Löschen spielt im Sckstffsverkehr eine immer wieder der Ber Besserung bedürftige Rolle, als schnelleres Lade:: und Löschen auch eine bessere Ausnutzung der Schiffs emheiten, der Hafenbauten usw. ermöglichen. Außerdem sucht mau das Laden und Löschen immer mehr mit Hilfe der Technik zu bewerkstellige::, um sich dabei von menschlichen Arbeitskräften möglichst unabhängig zu machen. Eine bedeutungsvolle Neuerung auf diesem Gebiete wurde kürzlich, lvie dem „Prometheus" entnommen werden kann, in den Vereinigten! Staate:: erprobt. Es wurde nämlich frimi ersten Mal von der Ehar- coal Jron Company der Magnet znm Befördern von Eisenladungen in den Schiffsraum oder aus demselben verwendet. Aus einem ständig zur Beförderung von Stadl-- und Schieneneisen benützten Frachkdampfer baute die genannte Gesellschaft drei Elektromagneten ein . W ahrend bisher das Ersen mit der Hand an den gewöhntick>en Dautpfwinden befestigt werden mußte, toird es jetzt durch die Magneten an den SchcsfÄadewinden festgehalten, wodurch der ganze Vorgang des Ladens außerordentlich beschleunigt wird. Auch eine wesentliche Beibilligung des Ladpgeschafts soll durch das neue Verfahren möglich sein. Die Kosten der UMrnahme der Ladung von 2000 Tonnen mit deir Aiagneten betragen 420 Mk., wahrend sie sich bei der bisher üblichen Ladeart auf mehr als 2000 Mk. beliefen. Die drei Magneten tomtai zusammen bei jedem einzelnen Hub 4ch2 Tonne Eisenladung Überneh men. * Hindenbnrgsche Maßnahmen im Altertum. D« ans militärischen Gründen nötig getoordene Verwüstung des Geländes, die Hindenburg hei seinem berühmten Rückzüge an der Somme mrgsordnet und die unseren Feinden eine neue Gelegenheit M mvrvlffcher Heuchelei gegeben hat, ist keineswegs in der Kriegsgeschichte etwas Neues. Vielmehr waren Maßnahmen dieser Art. wie Wilhelm Friedrich Dennler in dem demnächst erscheinenden neuen Hefte der „Süddeutschen Monatshefte" in München mit- ixiU, schon im Altertume üblich. So heißt es im 3. Buch-, 29. Kapitel, des Gallischen Krieges von Cäsar: „Cäsar vercheerte das ^anze Larte, äscherte Dörfer nnd Wdhnmrgen ein und ging mit leineu: Heere zurück." Sehr bezeichnend ist ferner eine Stelle, die sich in Casars Schilderung der Germanen findet (Buch 6, Kau. 23): ,'Der größte Rühm einer Völkerschaft ist, weit und breit um sich herum Einöden und Wüsteneien zu haben. Sie sehen es als einen ganz besonderen Beweis von Tapferkeit an, wenn sie ihre Nachbarn verjagen oute zur Auswanderung zwingen nnd niemand sich mchr an ihren Grenzen festzusetzen wagt. Zugleich betrachten sie dies als ein Mittel zur Erhöhimg ihrer Sicherheit, weil sie so keine Furcht vor vlöklick>en Ueberfällen mehr zu haben brauchen." * Zur Geschichte des Drahtverhaus. Wenn auch die heute im Felde gebvrrcchten Drahtverhaue in ihrer jetzigen Form ein Erzeugnis moderner Technik sind, so reicht doch ihre Ent- wickLung bis in eine weite Vergangenheit zurück. In einem Schrist- stück, das, nach, eurer Mitteilung des „Eorriere della Sera", der italienische Otel ehrte Rinaldo Bereite im Archiv der Morbio- Sammlnng in ^Mailwte entdeckt hat, wird berichtet, daß bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts einzelne italienische Festungstoerke mit einem ganzen Netz von Torneu und stacheligen Zrveigen umgeben wurden. Wenn die Zweige vertrockneten und die Dorne): ab- fielew wurden sie. regelmäßig durch neue ersetzt. Bald wurde das System verbessert, indem man Pslockreihen dicht mit Dornen- zweigan verband. Mit dem Ersetzen der Dvrirenzweige ivac die Landbevölkerung beauftragt, die in bestinimter Reihenfolge eine Anzahl Leute zur Instandhaltung dieser l>alb natürlichen Dralst- verhaue zu stellen hatte. So könnte gewissermaßen muh behauptet werden, daß es vor sieben Jabrhlmderten bereits eine.Art von Zi vildienstpflich l gab. Allerdings nahm man es damit nicht allzu genau, dem: wer sich der Pflicht entzog, hatte rrur mit einer Ätzrmme zu büße::, die :n unserer heutigen Währung ungefähr 60 Pf. entspricht. * Berühmte dieutschc Linden. Die deutsche Linden- poes« i,t so alt wie das deutsche Volkstum: nach) dem Glauben unserer Altvordern wurde ja her erste Audeilbau-u: dem lteutsckMN Volke vo'.r Baldur geschenkt, als das Sinnbild des Seins. Der herrlichste deutsche Lind-enl-aum ist wohl die geioaltige Schloß- llnde in: Burghöfe des mächiti-ger: Schosses Augustusburg in: Königreich Sachsen, -das eine 515 Meter lzohe Bergtuppe bei dem gleichnamigen Städtchn ^rönt. Diese durch Abertausende von An- lrchtskarten nach aus>erl>alo Sachsens bekannt gewordene „ Schloß- linde von Augusttlsburg", die den-, l-alben Jahrtausend ihres VKeberls (1921 < entg^rm sieht, hat einer: Wipsclumsang :>on 100 Meter. Ter Umsa::g des Stammes beträgt 7 Nieter bei einer Hohe von nur 2Vs Meter. Die Aeste dieses Baumrgtriarchei: smd mub^unten gerichtet nnd.werden gestützt durch ein von mehr als oO ^temsäulen getragenes Gelxil^e. Diesen seltsamen Wuchs erklärt die Lage. Sie berichtet von einem Angeklagten, der seine Unschlld d-urch ein Gottesurteil bennes. Er pflanzte ein Linden- stämmcheu mit der Kvone ein und entartete, daß die Wurzeln sich mit Blüte,: schmückten. Das Wunder geschah, imd das goldene 1^)0 mächtige Linden zählt. In Schlesien gibt es uralte Linden bis zu 8 1 /2 M^er Umfang, die größte von ihnen ist die von Rvfierdvrs bei Steinau ander Oder. * Ein t e u e r e s V c r g n n g e n ist es, )Dei:n einer heute eine gute Flasche Wein trinken will. Der .vfrieg hat auch die Preise des edle:: Rebensaftes in die Höhe getrieben, der Krieg und das schlechte letzte Weins ähr lind mancher, der sich früher seinen Schoppen gönnte, geht irun um die Weinstube herun: imt> denkt an jene Zeiten, U» er die Blume seines Lieblingsgetränks erm'og. Wer weiß, ob es nicht noch so tveit kommt, daß wir vom Weinte :rur noch als von einem lieblichen Labetcunk ergangener Tage Ipvechen :rnd lesen. Mit zu den besten deutsckien Weinen gehören die 2üeine der Rhein Pfalz, mit denen sick: AnranduS Korn in einer der neuesten Nummern (Nr. 37) der illustrierten Zeillchrirt „Ueber Land und Meer" (Deutsche Verlags^bnstalt, Stuttgart) beschäftigt. Da lesen wir, daß die heften We»llagen der Pfalz die von Deidesheim, Forst, Ruppcwtsberg, Wacleniheim. .Königsbach, Ungstein und Dürkheim siich. Der Weinbergoesitz in der Pfalz ist sehr zersplittert. Große Weinoergbesitzer mit einer Fläche vo:: 100 Morgen (25 Hektar- ^Weinberge gibt es nur weinge. .Die Wernbergpoeise erreichen an der Mittelhardt eine außerordentliche Höhe: sie kommen meistens nur in kleinen Fläche:: zum Verkauf. 100 000 bis 150 000 Mark und dariiber sina schcm für die besten Ärgen an der Mittelhrrdt für das Hektar bezcchlt ivorden. Das Weiichaugebiet der Rheinpfalz unifaßt 16 493 Hektar und zer- fällt in drei Teile, Von der Güte der Weüre der Rhenrpfialz zeugt die T atsache, daß für, die ganz feiner: Rheinp-ialzweine nach längerem Ausbau in Flaschen und in klerr:eren Äiengen rm freiend:- gen Verlause beim Produzenten bis über 20 000 Mark sür 1000 Liter bezahlt rvurden. Bei den Natrmveinoersteigerunger: an der Mtttelhardt (Deidesheim) wurden 1916/17 55 000 und 59 500 Mk. ^zahlt. Diese feiner: Rheinpsalzweine gehören also ganz an das Ende unserer deutsche:: Weinkarte::. Das Ou-antitälsweinbaugebiet der Rhemptalz ist das Gebiet nördlich bis Hamback^Neustadt a. H.. wahrend das Oualitätsweinbaugebiet die Mittell>ardt ist. Ungefähr 16 000 bis 18 000 Liter vom .Hektar im Massermrtragsgebiet gelten als voller Herbst. Das Edeldreiblatt der Pfälzer Weine sind die Gerpürttraminer imb Riesling von Ruppertsberg—Deidesheim— Forst. Wenn die große Süße bei längerem Flaschenlager sich etwas gemildert hat und das Geschmacksaroma, das bezaubernde Bukett, mehr hervortritt, dann ist der Pfälzer Edebvein der wahre Nektar, ^n den letzten ,sechzig Jahren hatte die Einstige klimatische Lage ^s rheurpfalzischen Weinbaugcdietes eine große Ar^tvahl guter Jahrgänge zu verzeichnen. Tie Rotweintrarcke in der Rhein- psalz ^vat durch den blauen Portugieser eine sehr große Ausdehn:mg genommen: er umfaßt ungefähr 1650 Hektar, das sind nahezu 10 Prozent des gesamten rbempfälzische:: Weinbau ge bietes. Ter Jahresertrag wird aus 130,000 Hektoliter geschätzt. Die Rl)eiN- psalz, ist somit das wichtigste Rotwnugebiel Deutschlands. B'on allerlei Künstlereheu. Ueber das unerschöpfliche Thema der Minstlerehen vrösfentlicht Dr. Max Burkhardt in bn: bq: der Deutlichen Verlagsauställ in Stuttgart erscheinenden Wochenschrift „Ueber Land und Meer" eine Plauderei, die allerlei anziehende Mittellungeu über Herzens- und Liebesbündnisse zwi- schen Künstlern, ihre Entstehung und ihre — Lösung enthält. Was die Entstehung von Künstlerehen betrifft, so hat die zwischen dem berühmten K'lavierpädagogen Theodor Leschetitzli und der großen Pmnistin Annette Essipofs eine besonders reizende Borge- schiaste. Leschetitzki besuchte einst am Tage nach einem Konzert die nachmals berühmte Piwristtin, di gecadc am Flügel saß und sich vergeblich bemühte, eine schrvere Stelle ein zuüben. Da setzte sich Lsclichetttzk: ans Klavier und spielte die Stelle so glänzend, daß An- l ^ ni - um ^ len siel. WA sie daun selbst noch eirunal ihr Glück versuckste, gllltzg das schn>ere Stück schon viel besser. Der Ü1de):>ter schob das aus die Umarmung, die dann wiederholt wurde, bis endlich nichji nur die schwere Stelle tadellos ging, sondern auch dre beiden verlobt waren. Doch: prüfe, wer sich ewig bindet! Rrgends sind \a Scheidungen so häufig, wie im .Künsllerstandc, und bekannt ist z B., daß Eugen d'Albert jetzt bereits nrit der vierten Frau glücklich ist. Em blutiger Kalauer, der in Musikerkreis«: ausge- brütet worden ist, meint deshalb!, d'Mbert solle keine Blüthners, BechstemZ oder Ibachs mehr spielen, fmtbent nur noch — Schredmayer. Ein Unikum unter den Künstlereben ist die Possarts: dreser Meister hat sich nämlich mehrere Male scheiden lassen — imd zwar von derselben Frau. * Der falsch« Glaube. T-r alte Fritz liM- belmrutlich schlagserttge Antworten, und uiancber hätte einer solchen leine Be- förderung in der militärischen Laufbahn zu danken. Wöhl mit Reckst, denn der Mniig äußerte sich selbst dmite.I bei einer solchen darüber, indem er meinte, daß schnelle Auffassung im militärischen Dienste und besonders im Kriege mancherlei Mängel wettmackie. Indessen einmal hatte sich doch ein Offizier, der eine gute Antwort gegeben, vergeblich auf die erhoffte Beförderung gespitzt. Friedrich fragte einen Pcemierleutnant: „Wie viele Katho- liken, Reformierte und Lutheraner hat Er in seiner Kvu:pagnie ?" De:' Gefragte nannte die Anzahl. „Welchen (Glauben hat Er?" fragte der König weiter. „Majestät, daß ich endlich Klachtän mit ent,prechenden Einkünften werde," antwortete schlagfertig der Osii- zrer. „Mag schon sein," meinte der König lächelnd, „aber verleite er niemand zu diesem Glauben! Er könnte doch ein falscher sein!" , e r e nglische K a m p f u m die Hose. In der britischen Oefsentlichkeit ist ein settsamer :md erbittert geführter Streit aüsgebrockm:. Der Kamps gilt der Frage, ob hinfort der ntännliche ertgnfcbe Bürger wie bisher lange Hof«: odec aber airsschtießlich Kirrelwsen tragen soll. Die Parte: der Kniel-os-eil-Vorkämpscr wird m:t größter, Energie vom, Daily Mirror geführt. Das Blatt verweist darauf, daß bet Krieg die Kniehose endlich gerechterweise zu Ehren gebracht lsat. Wenn die Soldaten aller Wtefsaugattungen nur now Kniehosen tragen, so sei dies als ein bedeittsamer Fingerzeig zu betrachten, d«r man nickst übersehen dürfe. Die lange Hose se: häßlich, unbequem und unhygienisch. Darum müsse sie ohne Ausnahme mrd für alle Zeite:: aus dm: tentrschen Weltreich verbannt werden. In nicht minder energischer Vertretung der Gegen- vartei, loelchk die Interesse:: der langen Hose walwnnmnt. wendet dre Daily Marl ein, daß sie keiner der vom Dail» Mirror vorge- brvchten Bckhauptungen irgendwelche ernsthafte Bereckstigüng zuzusprechen vernwge. Die Tatsache, daß setzt mehr Kniehosen ge- tragen loerde,: als im Frieden, sei nicksts iveniger als stichhältig. Der Krwg se: ein Ai^nahmezustmrd. imd ebenso wie man im Frieden dre 'Zahl der Uniformen in den Straße,: ioerde beträckst- l:ch vermmdett sehn:, mr'isse auch die Knielwse wieder aus den ihr gebührenden be;cheidenen Platz zurückverwiesen werden. Sie umspänne beim Sitze:: das K::ie auf imbequenw Weise, sie zeige schonungslos alle häßlichen Beirre urrd werde niemals in Großbritannien die von ihren Verfechtern gewünschte Anerkennung ftnden Dies ist der heutige Stand des englischen Kampfes um die Hose, der allem Anschein nach ebenso schwer beizülcgen sein wird rvie der Weltkrieg selbst. VZchkrt?sch. Dor der Freiheit tat sich ihm loieder aus. Weit älter ist die Linde m Dlnrndorf bei Bayvouth, die man Mif .1237 Jahre schätzt und die sckmr 1390 emen Umfm:g von 24 Ellen hatte. Lindensagen und alte Lrnden gibt es in Deittschland in großer Zahl. Wenig bekannt ist es, daß srchi im Bereiche von Groß-BeAin eme vom Fürsten Bismarck eigmhändLg gepflanzte Linde befindet. Sie steh: in Berrckb-Baumschulenweg im Parke der Sväthschen Benlhaltes nickst weiter zu entziehen. . Nun emäbtt Cromptvn selber ausführlich über die letzte Fahrt: und den llnter- 4 VI' 'ein (öesangenenleben in Feindesland .'.'tan :nerrt den schmucklos und knapp geformten Sätzen an daN MN- dcr Mc. Me W-chrhei- M ferttebm. feine I*at So vcwzecckmet Crmnpton getvmttch jede ihn: erwiesene Freund- llchtett, reoen Ausdvtck einer anständigen Gesinnung. Doch diese vereinzelte,: Lrck)tp::nkle lassen die Anklage gegen die brilischt Adn:i- Eat-— dre openiichtlich sür die mederträchtige Behwidlung Cwmvtvns verantwortlich ist — nur :nn so twvchtiger ^ttwrtreten Man liest Dinge in diesem Gericht, die für daö Land der men" eine unauslöschliche schände bedeuten Aus den Schllderun» ge:: Cromptons geht zudem deutlich hervor, daß seine Behlntelurrg nicht einmal eine so nrvchtbare Aus nähme war: Man hat sich nicht gescheut, selbst den Kommandanle:: der „Emden" Fregatten- kapitä,: von Müller, be: seiner plötzlich erfolgten Uebersiedluns von Malta nach Engtm:d zuerst ins Geiängnis zu stecken, bevor man ihn einem Lager überwies. Wer sich bisher noch nicht von seiner E::glä:rder Beiv:a:deru::g frei mache:: konnte,, der möge diesen klaren und obiektiven Bericht des deittschen Offiziers lesen, der über ein Jahr lang die Vorzüge" eiu;lisckMl Wesens in Gefängnissen, Lazaretten inte Lagern grmtelichst Fermengetemt hat. Es gibt kein besseres Heilmittel gegen die englische Krankheit als dieses Buch. — Musikalische Bildung und Erziehung zum m u s i ka l i-s che n Hören. Von Prvseffor Dr. A. Schering. Zweite Auslage. 158 Seiten. (Wissenschast inte Bildung, A>. 85.) Gebunden Mk. 1,25. Verlag von Quelle & Meyer in Leidig. 1917. — Grundzüge ber deuts chcn Altertumskunde. Bon Professor Dr. Hermann Fischer. Ziveitc verbesserte Auflage. 138 Serien. (Wiffenschoff und Bildung, Bd. 40.) Gebunden Mk. 1,25. Verlag von Quelle 6- Meyer rn Leittzig. 1917. — Anleitung zur Beoba chtung der Bogelwelt. Vor Pvv- fessor Dr. E. Z:mmer. 2. Ausl. 136 Seiten nckt zahlreichen Abbildungen uite 8 Tafeln. (Wissenschaft und Bildung, W>. 86.) Gebunden Mk. 1,25. Vettag von Qnelle 6- Vteyer in Lerptzig. 1917. Mtteöro!og!sche beobüchtungen 6er Station Gießej Juni 2517 fit s ^ Il S *£- Q“ CÄ ** £ If CD c 2 § TS M I *ä 7* Bi f 22 €-5 jo S 2 5 2 B C Ü i-S Wetter 27. 3” 21B 8,7 46 8 Sonnenschein 10" — 16,9 9,9 69 — — 6 Bew. Himmel 28. 8** 19,5 11,0 65 6 " " höchste Temperatur am 28. dir 27. Juni 1917 --- ff- 81,5' C. Niedrigste w . 26. . 27. . 1917 --ff- 8,6* C. Niederschlag: U, mm. Müllersche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 28. Juni: 18" Reaumur. Amtlicher Teil. Betr.: Die Vernichtung der Feldsperlinge. All die Gwßh. Bürg-ermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Es wird in beteiligten Kreisen über das massenhafte ^bustreten des Sperlings und über die hierdurch verursachten Schäden Äage geführt. Soweit dies sür Ihren Bezirk zutrifft, empfehlen wir. der Bekämpfung des Sperlings ihre besondere Animerksamksit znzulvenden. Gießen, den 27.Jüni 1917. Grvßherzogliches Kreisamt Gießen. __ I. V.: L a n g e r m a n n. Betr.: AnpflanAm^ vm: Nußbäutnen. An den Oberbürgermeister zu Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Die Anforderungen an Nußbaumholz für Kriegsbedarf find während dieses Krieges außerordentlich) gestiegen. Sie konnten trotz rücksichtsloser Ausnutzung der Bestände in den besetzten Gebieten mir_ zu einem geringen Teile gedeckt lverden. In großem Umfang mußte zu Ersatzhölzeru übergegangen irerben, deren Widerstandsfähigkeit hinter der des NcuÄaumes wesentlich znrücksteht, um die heimischen Bestände zu schonen. Mit einer größeren Zufuhr aus anderen Läiteern Europas oder von Uebersee wird auch nate dem Kriege nicht gerechnet werden! können, tm für de:: Kriegsbedarf unserer Fffnde große Mengen: dieses Holzes verbraucht sein iverden. Nennenswerte Vorräte werden daher asteh in diesen Ländern nicht mehr vorhanden sein. Um mm für die Zukunft auch in dieser Beziehung unab-- hängig vom Ansland zu sein, empfehlen wir. durch Einwirkung auf die Bevölkerung für eine baldige große Anpslairzung rwn Nuß- bäumeu Sorge zu tragen. Gießen, den 26. Juni 1917. ^ Großherrogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Langermann. Bekanntmachung. BctrJ Verbrauchsregelung der in die öffentlich' Bewirtickurckung genommenen Nährmittel, hie: Bestelbrng von Nährmittel::. Gemäß § 5 unserer Bekanntmachung vom 17. März 1917 (Kreisblatt Nr. 48- über die Berbrauchsregclung der in die öffentliche Bewirtschasttmg genommenen Nährmittel wird sür die Landgemeinden des Kreises folgendes bestimmt: Es sollen ausgegeben u-erden für Juni u:rd Juli 1917: 1. für Brotgrtteidesel(fftrersorger