Nr. rn Der Sketzrnrr Anzeiger erscheint Läßlich, cutßer Sonntags. — Beilagen: Sietzener^amNienblütter; Nreirhtst^ für -rn Ureis Gietzen. vtZigLpretr: monatl. 9o Ni., viertel" iährl. Mk. 2.65'. durch Abhold- u. Zwngsiellen nwnatl. 80 Pf.: durch diePost Mk. 2.45 viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Fetrisprech - Anschlüsse: !urdieSchristleittlngl12 Verlaq.Geschästsstelleöl Anschrill für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Erster Matt Jahrgang psstscheckkonts: Zranksurt a.Vß.nm er (tu lywiicfioi Ziviüingrrun-Lnlck u. Verlag, vrilhl'sche Univ.-Vuch- u. StefnkrKtferet R. Lange. §chriftleit,rng, Geschäftsstelle rl.Drucrerei: Schulstr. 7. Mittwoch. 2. MiIW Zunahme von Auzri>:en *. die Tageönmnmer vis j»,uiu Nachmittag vorher oeilesprele, f. ^lnzeigen: örtlich 20 Pf.. Ber- luietungeu u. Stellengesuche loPf., auswärts^ 25 Pf., b. Platzvorfchrif!' 30 Pf., Reklaineu 75 bei Platzoorschrift •# Pf. Hauptschristleiter: Aug., (A o e h. BerantworLtich i für Politik u. Feuilleton: Ana. Eoeh. Stadt uriiv , ®crmiHx)t »8 u«Gte>• richtSsaal: Fr. M. Aenz. AuzeiLenteil: H. Deck, särntlich in Bietzen. Vankoerrehr: Sewerbeban? Gießen «raiEPBsr.c 2-.TH .vr Franzosen (WTB.) Großes Hauptquartier, 1. Mai. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Ar ras blieb die Kmnpftätigkeit der Artillerie auf beiden Scarpe-Ustrn wechselnd stark. VonMrts unserer Kampflinicn bei S t. Q u c n t i n finden täglich kleine Gefechte unserer Sicherungen mit den Vortruppen der Gegner statt. St. Quentin selbst liegt oft unter Feuer. Gestern erhielt die Kathedrale fünf Trester. Heeresgruppe Deutsch er Kronprinz. An der Aisne, am Aisne-Marne-Kanal mrd in der Champagne Mischen Sillerp und der Suippes-Niederung dauert die Artillerieschlacht mit wenigen Unterbrechungen an. Zwischen Soissons und Reims war sie, vor allem gegen abeutz, heftig. Nachts bei Berry-au-Bac, am Brimont und östlich von Courcp vorstoßende Erkundungen der Franzosen nmrHen zurückgeschlagen. In der Champagne steigerte sich vormittags das Feuer zu stundmlanger starker Wirkung. Bald nach Mittag setzte zrmschm Prosnes und Ander i ve der französische Angriff ein. Frische Divisionen waren hrrangeft'chrt, um uns die Höhenstellungen südlich von Nauroy mrd Moronvilliers zu entreißen. D e r A n - sturm ist an dem zähen Widerstand unserer Truppen gescheitert. Nach hartem, hin- und her- w-ogendem Ringen sind die dort kämpfenden badischen, sächsischen und brandenburgischen Regimenter im vollen Besitz ihrer Stellungen. Der Feind hat schwere Verluste erlitten. * Ein Weiter Angriff, abends südlich von Nauron vor- brcchend, vermochte an dem Mißerfolg nichts zu ändern. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Nichts Neues. Gestern rrmrdm 2 2 feindliche Flugzeuge im Lustkampf, drei durch Treffer der Abwehrkanonen ab- gefchossen. Drei unserer Kanryfeinsih. r griffen eine Gruppe von f ü n f f r a n z ö s i s ch e n F e s s e l b a l l o n § nordwestlich von Reims an und brachten sie sämtlich brennend zum Absturz. Oestlicher Kriegsschauplatz. In mehreren Frontabschnitten forderte das russische Ar- tillerieftuer unsere Gegenwirkung lwraus. Mazedonische Front. Im Cernabogen und westlich des Wardar hat in den letzten Tagen lebhafteres Feuer angchaltcn. Der Erste Generalquartjermeister Ludendorff. Der Abendbericht. Berlin, 1. Mai, abends. (MTB. Amtlich.) Bei Arras, an der Aisne und in der Champagne für uns günstiger Artilleriekampf. Bei Lens, Monchp und Fontains (Artois), sowie bei Cerny (Aisne) scheiterten englische und französische Teilangrifft. Vom Osten nichts Neues. * 4- * Der Mai ist gekommen, wirklich mit seinem alten Flor ton Sonnenschein und Stimmungsduft, und es sieht doch noch nicht trostvoll ans in der Welt. Wie wir dein Frieden naher rücken sollen? Ein russisches Blatt, „Rjetsch", berichtet, es seien gegenwärtig zwischen Petersburg, Rom, Lorldon und' Paris Verhandlungen eingeleitet worden, die auf eine gemeinsame Bekanntgabe der Kriegsziele der Entente abzielen. Es sei mit einer starken. Mäßigung dieser Kriegs ziele zu. rechnen. Auch England soll danach Neigung haben, sich der maßvolleren Stimmung Rußlands anzrr- passen. „Rjetsch" meint, die gemeinsame Erklärung sei Ende Mai zu erwarten. , In diese Zeit fällt nach hie internationale sozialistische Konferenz in Stockholm, die am 15. Mai beginnen soll. Der „Vorwärts" hat zum Maibeginn darüber einen ziemlich überschwänglichen Artikel veröffentlicht, der uns so recht alles Gegensätzliche zum Bewußtsein führt, das heute auf den Gemütern lastet. Er hat die bestimmte Hoffnung, der internationalen sozialistischen Organisation werde es gelingen, den Frieden zu bringen. Vor uns jedoch erhebt sich dazu das alte Fragezeichen, denn wir ahnen, was bei bcjx in Stockholm hcr- beigeströmten internationalen Scharen etwa an Deutsch- rreuudlichkeit oder auch nur an Gerechtigkeit im Hinblick auf das Verhalten Deutschlands herauskommen wird. Unter Umständen könnten die deutschen Sozialdemokraten in Stockholm der deutschen Sack)e und einem gerechten Frieden nützen. Wenn sie nämlich nicht die alte Utopie, allem anderen voran, zum Siege führen wollen, sondern dem feind- |^ en Auslande zeigen, daß sein Hohn auf den Friedensvorschlag unserer Negierung auch die deutsche Arbeiterklasse schwer getroffen hat. Die Aussicht auf einen nennenswerten Erfolg mewr Stockholmer Konferenz schwindet, da der „Vorwärts' selbst darauf hinweist, daß die sozi-aldenrokratische Partei Frankreichs die Beteiligung an der geplanten Zusammen.unft abgelehnt habe. Der „Vorloärts" schreibt unter anderem: „Denn auch das wird immer klarer, daß nur auf den von uns gewt e I !'n e u Bahn en der Friede erreicht werden kann, gcfrer Ji.oirät "es Krieges erbringt eine neue Lehre dafür, daß üvcr die Berg' - ttigung und Zertrümmertmg irgend ioelcher Völker VlMvea.kc-m - - ece • zu haben ist. Dieser Krieg zeigt, daß das wtllkürltche Bendeln von Völkern imd Ländern, wie cs die Mabutettckrtese früherer Zeiten abschloß, mr zwarrzigürn Jahrhundert ein- für allental unmöglich geworden ist. Wohl erheben noch hüben und drüben die Annexionisten ihre heisere Stimme und fordern mit Landkarten und Statistiken in der Hand nach Herzensbegehren, aber die große Masse der Völker wendet sich immer mehr von der Unmöglichkeit ihres Tuns ab. Und wenn die Anuexio- nijkn auf beiden Seiten gegen die Stockholmer Konferenz hetzen und jedes 'ihr mißgünstige Symptom mit Triumph begrüßen, so äußert sich darin nichts als die verhaltene Angst, daß die Regierungen den ihnen dort bereiteten Weg auch ioirklich gehen werden. Auch diese Angst fassen wir als Triumph unseres Maigedankens." Eine Ettrppe ans dein Wege znm Frieden. Uns erscheinen andere Etappen als doch noch weit verheißungsvoller. Gerade heute fallen uns wieder neue Spiegelbilder aus England zu, wo die Angst vor den wachsenden Erfolgen unserer U-Boote wächst. Rechnet der „Vorwärts" garnicht damit, daß England auf diesem Wege auf die Knie gezwungen werden könnte, und daß, tvenn es d a h i n käme, wir das eigentliche „Ziel, aufs innigste zu wünschen" erreicht hätten? Ueberlegt er nicht, daß große Vorsicht ivalteir muß, diesen Entwicklungsgang nicht durch unfruchtbare oder ihm zuwiderlaufende Bestrebungen zu hemmen? Wenn heute Herr Scheidemann die Wahl hätte, zwischen der N o t l a g e E n g - l'ands, Frieden zu schließen und deutsche Bedingungen anzuerkennen, und einer großen, problematischst, internationalen Konferenz, was würde er wohl wählen? Bei ihm scheint augenblicklich wieder das Dogma vorzul-errschen, nicht die Wirklichkeit und Praxis. Vielleicht wäre die Stockholmer Konferenz besser verschoben worden bis hinter jene neue Bekanntgabe der Kriegsziele unserer Gegner. Wir fürchten nämlich, daß in den nächsten Wochen die „Macht" uto- pistischer Friedensideen uns Deutschen und unserer Zukunft größerett Abbruch tun wird, als die wirkliche Macht der Tatsachen und der KriegSentwicktung, die auf der deutsch e n Seite zu stehen scheitlt. * Die öfterreichisch-rrrrgarischer; Tagesberichte. Wien, 1. Mai. (WTB. Nichtamtlich^) Amtlich wird v-erlautbart: . % Auf allen drei Kriegsschauplätzen keine Ereignisse von Bedeutung. Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstaps v. H ö fe r, Feldmarschalleutnant. EreignissezurSee. Am 29. April atzet'ds belegte eines unserer FlugMtg- geschwader das Barackenlager und andere militärische Objekte von Villa Vicontina mit gutem Erfolg mit Bomben und beobachtete mchrere Brände. Alle Flieger sind zurück- gekehrt. Ein darauf folgender Angriff zweier seindlichcr Flugzeuge auf Orte bei Triest hatte keinen Erfolg. Flottenko mmando. * * . * Die gescheiterten Angriffe der 5ranzo?en. Berlin, 1. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der unter schweren Verlusten für bie Frguzosen gescheiterte neue große Angriff in der C h a m p a g u e am 30. April würbe durch schwerstes Artillcrieseuer vorbereitet und mit mehreren Teilvorstößen gegen den Hoch- und Keilberg eingeleitet, die indessen alle blutig abgc- wiesen wurden. Die mit Simmtruppen aufgest'lllten franzüfisä?en Gräben wurden an vielen Stellen dieses Frontabschnittes unter stärkstes Vernichtungsfeuer genommen, so daß die Franzosen schon vor dem Hauptangrisf schwere Verluste hatten. Nach einer erneuten Feuerwelle von größter Hefttgkeit erfolgte nackmrittags um 2 Uhr der geschlossene französische Hauptangrisf gegen die Höhenstellungen nördlich vo:r Prosnos bis westlich von Vaudesinconrt. In einer Breite von 11 Kilometern gingen frische ftanzösisä)e Kräfte mit starker Wucht gegen unsere Stellungen vor. Durch unsere Feuer- wirbel wurden die Sturmkolmmen an vielen Stellen schon ivÄmend des Vorgehens zusanmrcngetrrnnmclt, vernichtet und zur Umkehr gezwungen. An anderen Stellen, wo die Franzosen in unsere Stellungen einzudringen vermochten wurden sie im Nahkampse mit Hmrdgranaten nni> durch Gegenstöße sofort wieder geworfen. Im ersten Anprall der kräfüg vorstoßenden ftanzösischen Masten war der 4 Kilometer nördlich von Prosnes gelegene Hochberg verloren gegangen. Unsere Kolonnen gingen zum sofortigen Gegenangriff über und nahmen dem sich verzweisclt ivehrenden Gegner den Hock)- berg wieder ab. Sie trugen trat Gegenangrist über die eigenen Stellungen hinaus und brachten dem Gegiter blutige Verluste bei. Lluch am Poehlberg erlitten die Franz-osen eine schwere Niederlage. Nach wiederholten wettenden Fetterwellen versuchte der Franzose am späten Abend und ttt der Nacht durch Einsatz rasch herango- führter frischer Kräfte das Schicksal des Schlachttages zu seinem Gunsten zu ^oeuden. Trotz großer Mutiger Opfer und ungeheurem MunitionSeinsatz sck)eitertoieder vorstosteetden Aufklärtmgsvatroutllen mehrere Geßingezte. Ainck) gogeri Abertd blieb die feindliche ArlillerietLtig- keit geringer als jn orjt, AorchpMtt PM in der Nacht wieder büchchter m loeibaia Die iicmc deutsche Taktik. S5 er n, 1.^ Mai. (WTB.) Im „L'.heurck^ schreibt Terreral Verreux, die Deutschen hätten eine neue Taktik. Sie netzen in den vordersten Linien nur eine leichte Besatzung, nur den Angreifer in die Tiefe zu locken und aus dem Urtter- bereich der feindlichen Artillerie zu entfernen. Der elasttsche Widerstand der Deuts chen habe es nicht gestattet, dre Fortschritte der Franzosen so schnell und weit zu entwickeln, wie die Oessentlichkeit zu ermatten gehofft habe. Luftkämpfe im Westen. Berlin, 1. Mrai. (WTB. Nichtamtlich.) Bei zrmehmendcm Mono und klarer Witterung herrschte in letzter Zeit an der ganzen Westfront auch nachts rege Fliegertätigkeit. Biesonders Mhlvetch waren die feiitdlichen Bombenangriffe in der Nacht vom 29-., zum 30. April. Unsere Gegennraßregeln zivangert jedoch dir nacytttchen Angreifer zu tneist vorzeittger Umkehr. Der tatsäch- ltche Schaden blieb überall weit 'hinter der vom Feind beabsichtigten Wtrkung zurück. Deutsche Flieger griffen in der Nacht vom 29. zmrr 30. und wiederholt am 30. im Lause des Tages den Bahnhof und die Hafenanlagen von Dünkirchen au* desgleichen ote rplugplätze an der flandrischen Front, sowie französische Truppen- mrd Geschoßlager bei Cornicv, Clermont und Combles. En Ge- schivadec belegte mit 6700 Kilo Abwurfmunitton die Bahnanlagen und die Geschoßlager bei Mournamt und St. Hilaire Hattt Temple. Ein anderes beivarf den Bahnhof Epernay urrt 164 schweren Bombett, Bouvescourt und Vzenteldv mit zusammen 132 Sprengbomben. Zahlreiche Brände und Explosioneit bezeugten trat Erfolg des- Unternehmens.^Bei Arras stellte die Luftanfklärung erneut bereitgesttcklte englisck-e .Kavalleriemassen fest. An der AiSne und in der Cl-ampagne überivachtelt die Flieger den gattzen Dag über den Verkehr des Feindes lveit hirtter seiner Front. Ebenso tonrden alle Maßnahmen, unfc» Bewegwtgen der feindlichen Jinfanberft dauernd ans der Luft beobackftet und gemeldet. Drei unserer Kamps, flteger griffen eine Gruppe von fünf französischen Ballons an, die bei Gwnncourt standen. Der Angriff hatte voven Erfolg. Säuttlick)e fünf Ballons stürztett in Flammen gehüllt zur Erde. Außerdem verlor der Feind im Lnftkampf 21 irnd durch Flakseiter drei Flugzeuge. Eitt weiteres Flltgzeug wurde tn der Nacht, bevor es Bomben abwerfen konnte, zur Landung gezwungen. Panzerwagen mit denr roten Kreuz. B e r [ i lt, 1. Mai. (WTB. Nichtamtl.) Das Versagen txx Tanks in der Arrassthlacht hat die Franzosen an der Msne zu einem neuen Völkerreckftsbruch veranlaßt. Sie haben Tanks mit dem Rotcn-Kveuz-Abzeichett versehen und als angebliche Sanitätsautos vorgeschickt. Bei Juvineourt, wv den Franzosett das Vor- drütgen über den erstnt Graben geglückt ivar, sah die Bedienungsmannschaft einer Batterie sechs solche Ungett'tme mit den Rote- Kreuz-Abzeichen heranrollert. Nach der ersten Verblüffung erkannte die Mannsckxtst den Betritg. Aus 1000 Meter Entfernung eröff- nete sie sofoft das Feuer gegen die Tanks. Bererts der dritte Schuß war ein lVolltreffer in dem. Führertank. Schwerfällig versuchten die übrigen untzukehren und auszuweichen, roas aber reinem gelang. ,Alle sechs Panzerkcmtpßvagcn mit dem aufgemalten Roten Kreitz liegen zerschossen vor Juvincourt. Die Behandlung der deutschen und französischen KriegSgesangeucn. Berlin, s. Mai. (WTB. Amtlich.) In Frankreich wurden, wie bekannt, deutsche Kriegsgefangene seit dem Sommer 1916 im Operationsgebiet und zunt Teil sogar in der F e u e r z o n e bei unwürdiger Unterbringung und Behanb- lung zu völkerrechtswidrigen Arbeiten gezwungen. Deutsche Proteste blieben erfolglos. Daher schritt die deutsche Heeresverwaltung Mitte Januar 1917 zur Vergeltung. Mehrere tlmsend ftmr- zösische Kriegsgefangene tvurden in die Feuerzone übergefithrt und den gleichen Bedingungen unterworfen nne bie kriegsgefangenen Deutscheit hinter der inaitzösischen Front. Frankreich war diese Gegettinaßregel angedroht wtd dabei mitgetetlt, daß sie tu Kraft bleiben würde, bis alle deutschen Kriegsgefangelten mindestens 30 Kilometer lünter der Front zurückgenontmen wären, wo sie nicht mehr durch das deutsche Feuer gefährdet sind. Die Gegen Maßregel hat il>ren Zweck erreicht. Die sranzösisck-e Regierung hat die deutsche Forderung angenommen mtd erklärt, daß die Nückfübrung aller detttschen Kriegsgefangenett auf dreißig Kilometer hinter der Front am 1. Mai beendet sein werde. Darattsbin veranlaßt- die Heeresverwalttutg, daß gleichzeitig die ftanzösischen Kriegsgefangenen auf mindestens 30 Kilometer hinter der Front abttcmspor- tiert werden. * Der türkische Bericht. Kon stantinvpel, 1. Mai. (WTB.) Dlimtlicher Perickrt vom 30. April. Kaukasusfront: Durch die lebliafte Tätigkeit unserer Patrouillen wurde festgestellt, daß der Feind an mehreren Stellest seine vorgeschobetten Postett und Patrouillen zurückgezogen hat. Da, !vo es tzwischett unseren Patrouillen tmd dcmett des Feindes' noch zu Kämpfen kam, verliefett diese dttrchrveg zu unseren Gunsten. Es gelang uns, mehrere Dörfer zu besetzen, die bisher im Besitz des FeiR>es waren. Von den übrigen Fvonten werden keine besonderen Ereignisse gemeldet. Die Nevolntion in Autzlanö. Kundgebungen in Petersburg. Petersburg, 30. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung derPc'ersburgerTelegrapheu-Agentur. Die KundgebungVer- (tümmcltcr ustd Verivundeter war eine der eindrucks- vollsttu. tvelche die Hauptstadt seit der Revolution gesehen hat. lieber 200 Fahnen wirrden im Zuge mitgeführt mit Inschriften wie „Lieber sterben als Sklaven Wilheltns sein", „Unverwttndete ttehmen unsere Plätze in den Gräben eitt", „Nieder mit Lettin und seinen Anliängern", „Lettin und seine Gefolgsckxtft sind nach Deutschland zurückgekehrt". Gegen Mittag langte der mehr als 50 000 Mamt zählende Zug vor dem Taurischen Palais an, wo die Kundgebung den Charakter einer außerordeittlich heftigen Einsprache gegen Lenin und die Friedensfreunde annahm. Die Verwundeten riesen: Wir können tricht zulassen, daß Leute wie Lenin das GesckHck Rußlands bestimmen. Der stellverttetende Vorsitzende des Arbeiter- mtd Soldatenrates, Skobieleff, suchte die Versammelten zu beruhigen und sagte: Int freien Rußland kann jeder reden, ivas er wlll, aber öS sei besser, daß tncht jeder tun; darß was cr will. Dacouj wurdep um Aa^aoonlzutacu oc w- skalier, bi? cute oor der Duma und die aridere vor dem Taurischen Palais. In d.iden wurden gleichlautende Beschlüsse angenom- mm, in denen der Krieg ViS aufs Messer erklärt und der Regierung daS Vertrauen ausgesprochen wurde. Gleichzeitig wurde die Bersünckung aller Gesunden an die Front und ihre Ersctzuna durch Verwundete und Verstümmelte gesordect. Lenin und seine Anhänger 'wurden als Verräter gebrandmarkl. Die Menge zog darauf vor die Botschaft oer Unionstaaten. Der Botschafter trat aus der, DöNer und hielt mehrere Ansprachen, in welchen er hcrvor- hob, daß stn, Volk, das seit 140 Jahren die Freiheit genieße, sich ausserordentlich flcfreitt habe, alS eS von der Befreiung der russischen Völker Kunde erhielt. Er drückt^ dabei die bestimmte Zuversicht aus, daß Rußland niemals einen mit finncr^ationalen 'Ohre unvercinbarrn Frieden schließen werde. Ein Solider- friede würde die Wiederherstellung der unbeschränkten Monarchie und den Verlust aller kostbar-en Errungenscliasten zur Folge baden. Als der Botsclxifter in der Menge den Dumavorsitzenden No ianko erblickte, ließ «r ihn mef de-' Söller kommen, vor« wo aus Rodziankv eine von der Menge begeistert ausgenvmlncne Rede hielt. Die CH'Jictntitiifl Peta'ns znm GeneralstabSchef. Genf, 30. 2kpril. (WTV. Nichtamtlich.) „Agence Havas" bestätigt die Meldung von der Ernennung des Generals Petn'in zum Generalstabschef beim Kri-egsministerium. Joffre über die Entsc rdnng einer anicrtkanischen Armee. Amsterdam. 1. Mai. (WTB.) Die „Tinws" meldet aus Washington: In einem G,.'sprach mrs dem Kriegsamt erklärte General Io sfre, paxn die Entstirdunci einer kleinen amerikanischen Streitmacht sei niclüs einzntvenden. Sie würde eirie gute moralische Wirkimg had.'N. Wer er warne vor der Entsendung einer großen .Armee, ebc sie im lieber fluß über Munition und Reserven verfüge. Bern, 1. Mai. „Times" bericl>ten aus WaslMglon. daß die Amerikaner noch nicht m der n^ahreir Erkenntnis gelangt sind, daß sie sich im Kriege befinden. Die frnmrzielle und moralische Untcrstützimg genüge nicht. Zur Aafrütteluna Aincrikas sei eine offene Schilderung der großen Gefahr nötig, vor allem die Mahchrit über die Verlwerungen des Tauchbootkrieges. vorangestellt werden. Graf Lytten erwiderte, der Bau von Eutheitsha.ndelsschi.ffen mache befriedigende Fortschritte. Einige würden im Juli fertiggesbellt werden. Rotterdam, 1. Mai. (WTB. Nichbamtl.) Rach den« ..Nieunie Rvtterd^msckie Courant" stellte im U n t er hau s e D i l - l o n die Anchage, vb der e 7« g l i s che Kanal nicht jetzt gefährlicher sei als in irgend einer früheren Zeit >eS Krieges. Garso n antwortete, da die deutschen U-Boole an F^chl zugen-nimen tzabon, müßte man cm mH men. daß die Gefahren jj\ die Schiffahrt gestiegen waren ES stehe jedoch fest, daß die Schiffs Verluste im Kviml in diesem Monat geringer gewesen sjnd als in einem der vorhergehenden drei Monate. Das sei zum Teil die Wirkung davon, daß sich eine größere Amz-ähl nt 91 isckxrPe.trvnillen- blvole Jjn Kanal befand. Dillon fragte Wecker, wes'lialb die engli- Torpedvjäger in dem Gefecht bei Dover in der Min- 'x'vheit waren und warn in keine Verstärlüngen zu Hilfe tarnen. Earsori erwiderte, daß Verstärkungen zur Hand waren, da aber vas E-eiecht nur fünf Minuten dauerte, konnten sie nur noch die Ertrinkenden retten. In Deankwvrlimg einer Frage sagte Lord Robei -1 Eerilc im Unterbulse, er lstelte es für nutzlos, zu versuchen, den Deutschen den Beweis zu liefern., daß die mglisch.il Lazarett- schisse keine Munition - drück!ichstcn Weise auf das Kriegsproblem. Be rn , 1. Mai E l am cncemi schreibt zum Unterseebootskrieg, er begreife Lloyd Georges Alarurrui: alle Ente?r 1 clänix'r müßten einen einhecklicl>en Rationicrunpstilan durchführen. In Frankreich bestehe weder ein Wirtsä-aftsplan noch eure Politik gegen die U-Boote. Die antideutsche Stimmung in Brasi icn. Amsterdam, 30. April. (WTB. Nichtamtlich) 3!ach einem hiesiger: Blatte meldet die „Times" aus Rio de Janeiro, daß der deutsche Generalkonsul und die deutschen Konsuln in Brasilien am Freitag abgermst sind. Sie begeben sich nach Uruguay und werden von dort vielleicht md) Chile §ehen. Die nied>crländisck)e Gesandtsckwft in Rio vertritt die deutschen Interessen. Alle nichtdeutschcn Betriebe in Brasilien haben fast ohne Ausnahme die deutschen Angestellter! entlassen. Ein großer Teil der brasilianiscyvn Presse fordert den Rücktritt deö Ministers des Auswärtigen «nd die Entlassung der deutschen Bemnten in den Regie- rungsbureaus u«rd verlangt die Benutzung der deutschen Schiffe, die in den brasilianischen Häsen liegen. Die antideutsche Stirnmung har viele Firrnen mit deutschen Nanien genötigt, den Färmentitel *u andern. In Curytaba kain es zu einem leichten Ausbruch antiderrtscher Gesinnun.gen, die jetzt in latenten Zustand übergegangen sind. * * * Der Besuch Tolaat Paschas. Berlin, 1. Mai. (WTB. Nichtamtlich) Wie nachträglich über die Reise des türkischest Großlvesirs T a l a a t Pascha bekannt wird, ist dieser im Großen Hauptquartier dei dem Kaiser und auch Gast des Generalfeldmarscl-alls v. Hindenbtrrg gelveseu. Vpn dort setzte er seine Reise an die Westfront fort, wo er zunächst den Kroirprinzen in dessen. Hauptqnartier arifsttchte. Dalaat Pascha machte von hier iauS auch eine Fahrt an die Kmirpffcont in der Ehanipague und' trat dann die Rückreise nach München zrun Besuche des Königs von Baycrit an. Lngland und die A- 6 oote. Bern, 30. April. (WTB. Nichtamtlich.) Im Ober Hause sprach Lord Devon Port am 25. 2lprik übe Verpflegungssragen, wobei er ansführte, die bi- herigen Betnühungen, das Volk zu sreiwittiger Einschrär 'kung des Brotverbrauck)eS zu veranlassen, hätten infolg des harten Winters und der Erschöpfung der Kartoffel Vorräte nur teilweise Erfolg gehabt. Ei'.gland vermöge dnrck Kubalten, wenn man mit einer gewissen Sicherheit auf Zv fuhren rechnen könne, aber die Schiffahrt gewähre dies Sicherheit keineswegs, vielmehr schwinde infolge der Vcr senrungen von Schiffen durch die Tauchboote und der Beau spruchung bedeiltenden Schiffsraunres für militärische Zweck diese Bürgschaft dahin. Trotzdem körrne man der Lage Her werden, aber nur auf ^nem Wege, ilänilich der Ein schränkuna des Brotverbrauchs. Tevonport fuh fort: Wrr müssen weniger essen. Wir überwinden, weim loi .«ausrerchende Entsagung bezüglich des Brotverbrauche^ Üben, die vor uns liegende gefahrvolle Zeit. Andernfalls halten wir bis zur ;rächsten Ernte nur mit schweren Er«t dehrurmen durch Dieser Punkt ist so dringlich, eine solch Lebensfrage, daß ich nicht anstehe, ihn immer tvieder z; 'betonen, damit ihn jedermann verstehe. Wenn ihr nid letnschränkt, sind wir sicher, aber wenn ihr ol)ne Eirischrän ^trig werterlebt, wird es eine bittere Zeit vor der nächster Ernte geben. Ich hoffe, mit diesen Feststellungen keine Urr Aughert zu beaehen, aber dies ist die volle Wahrheit über di LLage. Ich wrll damit keine Panik erregen. Dafür besteh ^fern sich das Land der Lage geroachsen er Werst. Es ist die ab,slirte Pflicht des ganzen Volkes, fein, ©neratf auf drc Erhaltung von Brot und Lebensmittel, vereinigen. Ms Sicherheitshöchstmaß de- M-otverbranches bezeichnet« Devvnport -vier S un! Wochenratro n. Er teilte gleichzeitig mit, daß bfi r r10 ’’ 5,0(1 ^ au f V* Pfund für die Woclze herab gesetzt werden muffe. Auf eine Aiifragc. ob ZwangSregelunc peplant fn, sagte Deoonport. er verabscheue den Gedanken das Volk durch Zwang zur Etnschranlung auzuhalten. Ein, Z vang^rcgelung sei unenglisch und erfordere bedeutend, ?uK^en. Drotzdem halte er die Zeit für gekommen, all. vorberertenden Maßiiahinen zu zwangsweiser Zuteilung vor Ö "öderer Lebensmittel, ji treffen und insbesondere dre örtliche Behörden mit der ihnen dann zufallenden ObliSgenheiten vertrant zu inachen damit drc Einführung kurzerhand möglich sei, sobald dic ÄÄ?* fliege Die Entscheidung hänge davon ab ob das Volk rn den nächsten sechs bis acht Wochen den Brot- verbrauch frerwitlig vermindere oder nicht. * \ (WTB. Nichtamtlich.) Lord Be res. ^ird richtete im Oberhause an die Admiralität mehrere über die T a u chb oo t ge f a h r. Er er- Nartc die letzte Wockienlisbe der iÄhrfsSversenkungcn sei ^schreckend, urch doch betreffe die Statistik nur britische -"bw-ohl "^W^rklichkert jebt neutrale Schiffe unser ^nd ernähren" Selbst wen,, eS gekänge. den Oxeau morgei, von den Tamhbooten zu säubern, wurde der Sckiifssraum- mmwel nrcht bcserttat werden. Er sähe nicht, wie Amerika England in den „achsten Mvnalen zu l-elfen vernlöchte Lb«cher muffe der Schiffbau allen anderen Maßnahinen * Die Verluste der norwegrichen HundelöfloLte. Kopenhagen, 1. Mai. (WTB.) Die „National Ti- dende" meldet aus Kristiania: Die norwegische Handelsflotte hatte in der letzten Woche einen größeren Verlust zu verzeichnen als in den früheren. 23 Schiffe mit, •%000 BrnttoRegisiert 0 nnen wurden versenkt oder durchschnittlich täglich drei Schisse mit zusammen 5000 Drutto- Registertonnen. Versenkt. London, 30. April. (WTBtz DaS Reutersche Bureau meldet, daß der amerikanische Oelda in pf er Jücuum" von von einem deikstchen Tauchbsvt versenkt worden iß. Der erste- Osfi-Liec und sie'zehn Mmm, darunter auch amerikaniscl>? Marine- artillensten, wnnW'n gelandet. Ein Boot, mit dem KapirÄi und dep übrigen Marmschast, sowie einem Marineoffizier und neun Marine- artillensten, wird verimßt. Bern, 1. Mai „Depr-che de Lyon" meldet auS Paris: Der amerikanische Bie-rmaster „Percy Birdsalc^' w-urde am 22. April mrs einem Frachtzug von 11 Segost'chisfen horaus nahe der Girondcmündung trotz zweier Wachtboote von einem deutschen Unterseeboot versenkt. Ein anderer Segler wurde durch Kan 0 trenschuß schw-er b-eschädigt. Die Wncht- b-oote 5cfeuerten das Unterseeboot, das die Schüsse er- widerte, daun ab-er entkam. Amsterdam, 1. Mai. (WTlö. Mchtamtlich.) Ein hiesiges Blatt meldet aus Vmuideu: Die norwegische Park „T e l e f 0 0 n" ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. D r 0 n t h e i m, 1. Mai. „DagsPosten" erfährt aus Berlehaag: Der nissische Danipser „O l ga Avri da" (2400 Tonnen), von New Eastle nach Kola mit Kohlen untcrrvcgs. >vurde 80 Seenreileii vor beut Nvrdkap versenkt. Das U-Bo-ot war ein solches der allerneuesteu Art. Der Kapitän erklärte, es befänden sich 16 U-Boote zwischen dem Nordt'ap und der Murinanküste. Au; bviTj Reiche. Sitzung des HauptnuSfchusscs des Reichstags. - d/ r l in, 1. ®oi Der dauptauss rf>.u fj des Rcichstaac Kfetc heute die Verhandlung über die auswärtige Lage fort Angenommen umrden En Schließungen ans möglichste Belchleuni guug ocr Stellung von Gesmrgenen und Gespannen für die Land wirtpchast, aus möglichst schümnige Reform des militärischen Be lchwl.:rderechts, auf Beseitigung der SErase des Anbindens in Heer und in der Marine, aus Ginschränkuug der Briefzensur b? Den Truppenteilen auf das unbedingt nötige Maß, mif Gey-ährniNl v-m .Heimaturlaub an aeneferw Mannscl>asten vor der Rückkehr zu Front oder zum Ersatzlrnppenteit, auf Beseitiauug der Worte „au dem Kriegsschauplatz vertvendete" im Absatz 1 des § 44 des Mann ichastewerjorgungsgesetzes, '.veiwr auf Nichteiul'erusung von An gehörigen der Landtviryä>aft bis mindestens zum 15. Mai, au Beurlaubung der Leiter landtoirtschafll!ck-er Betriebe in der nach sten Zeck und auf Entlassung der nur arbeitsvernvridungssähigei und dauernd garuisondieiistfälrigeii Bauern oder landnnrtschäst luven Beamten irnb Facharbeiter^:. Annahme fanden weiter Ent daß nicht mir Soldaten mit der Befähigung znu Emrährig-Frerwilligen-Dienst zu Offizieren beförderi lverden sol len mif angemessene Erhöhung der Manuscl-astslühnnng, auf Ge Wahrung ernes zivnten Pntzgeldes ml die mindestens zwei Jahr dienenden Mmrnschäften und Unteroffiziere, auf Besserstellung de Altpen>ionäre, aus Anpasstmg der 5iautinenpreise an die Einkaufs pveiie und an die Höclchpreise im Reichsgebiet, auf gleichmäßig Auszahlung der Kantineuüberschüfse. Abgelehnt wurden unter andrem Cutschließungen der Sozial denwkvatr,cl>eii Arbeitsgemeinschaft auf Aeudwung t>er Disziplinär ftrasordrumg entsprechend den Airsckwrimgen der Zeit mW deii in neren ir.ib äu|>ren Wandlungen des MmmschastSbichmides, an Erhöhimg der Maunsclmflslölnnmg um mindestens ein Drittel an 1 Einsetzung cineS U e b e r w a ch u n g s a u s s ch u s s e s für bi Kriegfülwung und die Veri'xiltung der besetzten (Gebiete, sowie cim sozialdemokratischc Eiitichließung auf AmIiebung der mit den HrlsSdienstgesetz in Widersprach stehenden Verordnimgen der Gene ralkommanoos über Arbeitshilie in der Land- und Forstwirtsck-ait Der Ausschuß vertagt sich auf Dmuierstag. . rli„, 1. Mai (WTB.> Das Ob crkomm ando in den Markeii erläßt folgende Bekann.tnirach.ung: 3 00 0 Mark Belohnung . Unsere Feinde sind am Werk, im deutschen Volke ,U n z u . srre den heit und Zwietracht zu erregen. Deutschland soll um die Früchte seiiier mit großen Opfern tm Blut und Gut errungeiien Erfolge gebracht werden. SelbstDerstärrdsicbe Pflicht eines jeden D-eutschcn ist es, zur Entlarvung solcher Agenten im seindlichen Dienste beizutragen. Sic- treiben un Gewände bürgerlicher Biedermänner und politischer Agitatoren, ja auch in feldgrauer Maske ihr hochverräterisches 5pandwerk. Wer einen solchen Verbrecher zur Straswerfol- gmlg bringt, erhält die obige 'Belohnung. * v. ^eu-Strelitz, 1. Mai. (WTB. Niclckancklich.) Bei d gestrigen Ersatzwahl zum Reichstage im Wahlkreise Mccklenbu- Stvclitz wurde der Rektor Slibmann (Natl.) mit 9400 Stimuu gcwät)lt. Ungültig waren 452 Stimmen. Aris £>***$£ rrnd Lc^rL». (i ie e:i, 2. Mai 1VI7. HiLfsarbeit der Schuljugend. , Seit einiger Zeit 'haben sich LandesaaSschüsse gebildet, dis die Unterbringung von Stadtkindern aus dem Lande vermitteln^ wobei Kriegerkinder und kränkliche .Kinder besonders bevorzugt werden. Ortsausschüsse sorgen weiter für diese Kinder, die in den Gemeinden, in beTtei; sie Ausnahme fanden, eingeschult werderl und bei Landlnit und Landtost sowie bei der Mitarbeit in Feld und Garten sich überraschend schnell dwholen. Fast alte l^emeinden OberhessenS haben sich dun dieses Liebeswcrk verdient gemacht und Sdabtkiicder zu sich genommen. Erleicht'wt ivurde cs ihnen dadurch, daß die Ferientinder in Mr Lebensmirtelziuovisung nach den für Selbstversorger geltenden Grundsätzen zu behandeln sind. Unabhängig von dieser Bewegung, die ein reines Liebeswcrk tex Landbevölkerung darst-cttt, hat man in der Stadt eine andere Organisation eingelcitct, die dmn Lardwirt Hilfskräfte beim Bestellen und Abernten der Felder venncktcln will. Wi^chernm ist unsere Schuljugend, die sich hier in einm: Art vateclandischien HilssdicnsteS betätigen soll. Eine Umfrage in den Säiulen, ivcr "nn den Schülern zu ernster Arbeit.'!cistung aufs Land lstnaus- gehen will, l)at im Februar dieses Jahres ergeben, daß mehr wie avei Drittel der Schüler und Schülerinnen int 12. bis 17^Lebens- jahrc bereit sind, ihre Kräfte in den Dienst der miten Sache zu stellen. Es sind in den meisten Schulen schon Arbeitskolonnon von verschiedener Stärke gebiloet worden, die der Aufsicht eines Lehrers unterstehen and ans Abruf warten. Ein WirtsckMts- aa5schuß beim Grofch. Kreisamt lmt es übernonimen, mit deu cin- eelnen Landgemeiuderl wegen Zuweisung bestimmter Arbcils- kolvunen zu verhandeln. Tue es nun ,'chei.ck, sind vorläufig wenig Gemeinden geneigt, die Hilfe der städtisckien Jugend in Anspruch zu nehmen. Arbcits- willige sind also d^r, es fehlt il/acu einstweilen nur noch das Feld der Betätigung. V^ittlerweile ist der FrübUng mi: überraschender Schnelligkeit gekommen: es sproßt und grünt allerorten, und die Gartenarbeit, die durch die Unbill der Witterung zurückgelwlten wurde, findet nicht Hände genug, die sie leisten können. Warum sollte da die Arbeitswilligleit unserer Schuljugend nicht f ü r Gießen nutzbar gemacht rverden! Gießen ist eine Gartenstadt und die Zahl der Kleingärten hat sich im Kriege erheblich vermehrt. Da gibt es jetzt zu graben, zu pflanzen und schon zu gießen. Fraucry die im Haushalt oder in Berustm beschäftigt sind, töunen der dringlichen Tlrbeit nicht allein Herr werden. Aber unswe Schnljugcmd kann sich hier bei gesundem Llüseirthalt ln Licht, Luft und Sonne große Verdienste um die Volksernächung erwerben. Die Beschäftigung der Schüler in den Gärten der Stadt bat noch den erheblichen Dortcil, daß der regelmäßige Schulunterricht dadurch nicht unterbrochen zu lverden braucht, demr die SäLiler können ihre TätigVeit auf bie Nachmittags- und AbenHtmrden: erlegen und die Schule wird ihre Ansmüche an häuslich Schul- arbeitcn gerne^ danach bemessen. Die Jugend, die diese gesunde Beschästigung findet, nnrd auch von mancherlei unnützem Treiben fern gehalten, das sich oft in ärgerniserregender Weise bemerkbar '.nachts Sie kann, während sie draußen arbeitet, auch eine Art von Felchwlizei ausüben und somit dem Ueberhandnehmen von Gartendiebstählen steuern. Ja. lver drMlßen mit Fleiß gepflanzt .. !lD i lf) die Frucht des Bodens schätzen lernen nnd nicht, wie G häufiger geschieht, Zäune zcrbrechn und Beete zerstampferr, um Futter für seine Kaninchen zu stehleu. Man kann sich deinriach, abgesäl-cu von der Hilfe, gute Ruck- irnrknngen auf die Jugend versprechen, aber auch die Hilfe wird nicht gerilig sein. Mancher, der den Spaten zum ersten Male xit die Hand nimmt, wird sich nicht gerade geschickt erweisen. Jugend ist gelehrig, und { m guter Wille ist. da findet sich auch ein Weg, fich nüf»lich zu maä-en, und von diesem Ärange ist unsere Schuljugend beseelt. Wer alxw der Hilssarbeit der Schuljugend bedarf, werrdc siä) an den Leiter eurer der hiesigen schulen, der gerne alles Weitere veranlassen wird. Im allgemeinen soll die freiwillige Hilssarbeit der Schuljugend keinerlei Entgelt finden. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß ein Gartenbesitzer sich seiner kleinen Hilfskraft nach emsiger Arbeit nicht durch einen kleinen Imbiß oder durch einige 01artenfruchte, die er ihr mitgibt nicht erkenntlich zeigen Dürfte. Einen rruerlfeblichen Geldbetrag, es handelt sich um wenige Pfennige, muß allerdings der Arbeitgeber zu eirrer 11 nfall versiehe ^ nntg Ivähreud der Gartenarbeit an die Schule ab führen. Das wird er gerne tun, um den Eljdern der beschäftigten Mnder eine- gewisse Borulngung zu geben. Den Arbeitsimlligen ist somit ein neues Feld der Betätigung g'iviesen, und die^ Eiartenbesitzer werden khre Hilfe dankbar anerkennen. Wohlauf denn zu fröhlick>cr Arbeit! * Die Hessische Goldwoche findet mit heute, 2. Rtai, ihren Mschluß. Wer sein Gold und Geschmeide no-ck) nicht fürs Vaterland geopfert hat, der tue es heute noch, damit die Stadt Gießen auch hier nicht ^urückstehe und das hessische Beispiel zur Nachahnrung führe rm ganzen Reiche. Wir brauchen Gold für Aus ta n d s za hlu n- gen, namentlich für die Bezahlung wichtiger Einfuhrwaren — jetzt und später! Die Zahlirng in Gold ist die billigste Zählweise gegenüber dein Ausland. Wir brauch erl Gold für die Unterlage von Banknoten, jetzt und auch später, wenn Industrie, Handel und Verkehr weitere Zahlmittet nötig haben; deren. Ausgabe ist abhängig von der Verstärkung der goldenen Unterlage. Wirbrauchen GoldumderWirkung aufdas Ausland willen. Der Zbüeg ist auch ein Messen der wirtschaftlichen Kräfte. Die Widerstandsfähigkeit unseres Geldwesens steigt .mit dem Goldbestand! Die Goldanläufsstellen vergüten den vollen Goldwert. Auch hochivertige Juweleu werden angekaust irnd. zwar werteutsprechend. Durch deren Berivertung im Aus- land entstehen deutsche Guthaben gerade so, als 'ivg l>at znm 1. Mai dm Oberlehrern: Jobannes Adler am Gymnasium zu Bens'heim, Jol-annes Hütbwohl am Realghnmasiunr zu Darmsladt und Dr. Karl Kübel am Neuen Gymnasium' zu 'Mainz den Charakter als Professor erteilt. ' Silber n e Hochzeit feiern morgen (Donnerstag. 3. Mai) Oberpostschaffner H über und Frau. ' ' Jung wehr. Mitttvoch, 2. Mai, Antreten: 8*/* Uhr. Komp. 620 1. Abt. (1, 2. und 3. Komp ) Gymnasium, 2. Abt. 4 , 5., 6. und 7. Koinp.) Oberrealschule. Nenanmeldlrnaen lverden in der Oberrealschu e entg 'gengen>mmen. ** Das G r 0 ß h. M i n i st e r i u m des Innern hat Vvr kurzem den sämtlichen hessisck>en Laudesverteilungs- stellen Personen, Die dein Arbeiterstande an ge hören, zngeteilt. Gleichzeitig ist anaoordnet worden, daß die Groß, herzoglichen Kreisämter und Oberbürgernieister der Städte solche Personen zu Mitgliederir des von ihnen eingesetzten Ernährungsbeirats oder ähnlicher Einrichtungen ernennen Da die Konsumenten bisher schon in allen diesen Stellen di^rch dem Arbeitersband mrhestehende Persönlichkeiten ver- txcttn aaten, ist den Arbeitern ein weitgehender Einfluß Luf die Verteilung sämtlicher Lebensmittel gesichert. Diebsgut. Bei einer hier festgenommenen Person wurden ein Paar , schwarze Chevreaux -Dame n h a l b - schuhe mit Lackkappen, Größe 36, und Kanzler-Einlagen, ein Paar schwarze Cherreaux-Damen-Sch nü r ftic f c l. Marke „Thuringia" Größe 36, und ein Paar rot und blau gestickte Herren-.v aus schuhevorgefun.den, die offenbar von einem Diebstahl herrühren: es ist aber noch nicht gelungen. den Eigentümer ausfindig zu machen. Sachoienliä-e Mitteilungen nimmt die hiesige Kenninalpolizei entgegen. ** Die Tages länge. Im Mai nimmt das Tageslicht immer noch! zu und machst sich bis zum Schlüsse des Monats zu einer Dauer von 16 Stunden..ans. Die Sonne beginnt iljre Tätigkeit Qin 1. Mai morgens um 4 1 / 2 Uhr und geht abends um 7 1 / 2 Uhr Kur Ruhe. Die Zeiten ändern sich bis zum 31. des Monats aus 3,47 und 6,9 .Uhr. Der Mai bringt das Himmol sahrts- unt< Pfingstfest und den Juden das Wochenfest am 27. m:d 28. Mal ** Späte Obstblüte und Nachtfröste. Die Nachtfröste, die die drei Eisheiligen oft *im Gefvlcze haben, n>erden in diesem Jalire mit seiner späten Obstblüte teure übergroßen Befürchtungen erwecken. Je später eül Obslbaum int 1 Mai blüht, um so weniger liat seine Blütenknospo mlter einem etwaigen Frost zu leiden, und um so sicherer ist dato die Hoffnung auf eine reiche Ernte gegeben. Nach langiälwigen Erfahrungen reist eine spättlütode Johannisbeere viel früher als eine allzufrühblüheude, was auch bei einigen Kirscktoorteu der Fall ist. Ost kommt es vor, das; früh- und spätblühende Sorten zusammen reis werden. Irr toarnxn geschlitzten Lagen, die nach Südost oder cm Südabhängen belegen sind, kann man rulstg frühblüheni:e Obstsorten anpflanzen. Für raube Lagen müssen spätblühende Sorten gelvählt werden.Auf freier Höl)e erfriert die Obstblüte lange nicht so leicht als im geschützten Talkessel, denn die bewegte Luft. w )Ti )chaftlichen Arbeiten lrlftn. — Unsere Pfarrstelle, bit Veit ccm Wegzug des Pfarrers Weiß über ein hrübes Jahr un- beietzt war, ijt dem Pfarrassistenten Strack in Gustavsburg bet übertragen worden. Bisher war Pfarrer Scriba von EraxlMorf Spejialvikar unserer Pfarrei. Tie Nachbargemeinde Ürchiick verw^^ Pfarrer Naumann in SchnnckartShausen Kreis Alsfeld. k. Nied g r -O hmen, 1. Mai. Dem Wehrinann Karl H o f - »lentt der seit Kriegsbeginn ununterbrochen als Fahrer ^i «nem Pionin-Dall. im Felde steht, wrirde wegen wackeren Verhaltens das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliel»en. — 16 Kinder aus dem ^udusttiegebiet werden während des Sommers bei den verschiedensten Familien hin Luhmhme finden. Während der Osterferien waren 15 Kinder aus Gießen hier mttergcbracht. — Sind. matb. Moritz Stern von hier, Gefteiter bei einem Ar- titlerie^Vdeßtrupp, wurde mit dem Eisernen .Meuz 2. Kl. ausge- Dftckmet — Beim Gruppen eines Ackers verunglückte der Förster Birken stock vom naben Ober-Grubenbach vor kurzem dadurch, daß der Grupper an der Wurzel eines Bmnnes hängen blieb. Eine Sckxrr des Gruppers zersplitterte in 5 Stt'icke, und ein scharfer Splitter schlitzte dem Bedauernswerten das rechte Auge auf, so daß es sofort auslief. Im der Klinik zu Gießen itturdü durch Operation der schwer verletzte Augapfel entfernt. Kreis Frlevbcrg. --m. Ausder Wetlerau, 2. Mai. Dank der nunmehr ein- getrctenen guten Witterung kam: der Landmanu jetzt die Bestellung seiner Felder zu Ende führen, mit der er schon vor Wochen begonnen hatte. Immer wieder trat durch die rauhe Witterung eine Unterbrechung in der Feldarbeit ein. Hoffentlich hält nun das Einsetzen des warmen Wetters stand, um ein Aufgchen des Samens zu ermöglichen, der zum Teil schon drei Wachen in der Erde liegt, ohne zu keimen. Hierzu sväre letzt ein guter Regen sehr erwünscht. Die Obstbäume, die in vielen Jahren um diese Zeit sckwn in voller Blüte standen, entfalten jetzt erst ihre Kiwspen und bis sie in Blüte kommen, sind gefährliche Nachtftöste nicht me^hr zu beftirchten, so daß auf eine gute Obsternte zu hoffen ist. Auch sonst macht sich in der Nattir ein mächttges Treiben bemerkbar. Die Wiesen rveroen grün, in den GäNen haben sich die Stachel- und Jol-annisbeer- sträucher in frisches Grün geklTdet und im Walde hebt das würzig duftende Maikraut, der „Waldmeister", schon kühn sein Haupt empor. Kreis Wetzlar. ra. Wetzlar, $0. Aprils Zur Sicherung der Ernte vor Diebstählen richtet die (Stadt einen besonderen Wachdienst ein, der von hiesigen Bürgern freiwillig ausgeübt w-ird. ** Lützellinden (Sh:. Wetzlar), 1. Adai. Der Eftenadier Heinrich Engel, toelcher an den schweren Somme-Kämpsen teilgenommen bat und dem fttr seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen wurde, ist jetzt zum Gefreiten befördert worden. — Eiavdefüsilier Karl Lenz starb am 2. Llpril in Frankreich den Heldentod fürs Vaterland. ra. Aus dem K r e i s e W e tz l a r, 30. April. Da die Krähen den jungen Saaten sehr schaden, wird ihnen jetzt kräfttg zu Leibe gegangen. Für jede ,erlegte Krähe w-erden 25 Pfennig Prämie gezahlt. ?huch die Schulj ugend wird an gehalten, die Krähennester mit Jungen >zu vernichten. Noch besser war es gewesen, diese Prämien bereits im Winter auszusetzen, da während der strengen Kälte die Jäger imit den Krähen leichtes Spiel gehabt hätten! Hessen-Nassau. mr. F r a n k f u r t a. M., 2. Mai. Die Leiter und Leiterinnen der Frankfurter Schulen haben sich entschlossen, eine Sammln n g der Schulkinder zu veranstalten, deren Ertrag nach Friedensschluß den in Notlage befindlichen heimkehrenden Kriegern zugute kommen soll. Die Sammlung wird in der Weise durchgeührt, daß jedem Schulkind eine Sparbüchse mit nach .Hause gegeben wird. An einem bestimmten Stichtage toerden die Büchsen in die Schule mitaebracht, klassenweise entleert und die ersparten Beträge der Zentralsammelstelle abgeliefert. So wird die Sammlung fortgesetzt, bis der Friede kommt. Man glaubt durch die werktätige Hilfe der Frankfurter Schuljugend einen an ä hnlichen Betrag für unsere heimkehrenden Krieger ersparen zu können. mr. Frankfurt a. M., 1. Mgi. Auf dem Sacbsenhäuser Berg wurden heute die ersten S p a r g e l^gestochen. Wenn Die warme Witterung anhält, rechnet man am Ende dieser Woche mit oem Beginne der Haupternte. Gießener Straskamnrer. Gießen, den 27. April 1917. Der beretts vielfach wegen V.tnrgs vorbestrafte Maschinen- schlosier August K. von Darmstadt hatte sich heute wiederum wegen Betrugs zu verantworten. Er war am 4. November der WWWWMWW^WW MWWWWWWWats erwlgen könne. Am 24. Dezember 1916 bat er seinen Dienstherrn. ihm den Lohn bis . Ende Dezember einstweilen tvraus Zu bezahlen, da er zu Weihnachten besonders große Ausgaben habe. Nachdem er von Bechtel, der annahm, daß der Angeklagte nacb den Feiertagen seinen Dienst wieder auftiehmen würde, den erbetenen Vorschuß von 20 Mark erhalten hatte, ging er weg und kam auch nicht wieder. Bereits am gleichen Voimiittag chatte er sich von einem Arbeiter seine Invaliden karte und sein Gepäck an die Bahn besorgen lassen. Der Angeklagte behauptet zwar, er sei zu seinem Verhalten b'rechtigt gewesen, da er von feinem Tienstherrn der angeblich minderwertigen Verköstigung wegen und als Ersatz für eine Reise nach Darmstadt noch erhebliche Be- ttäge zu sonder:: lialw; das Gericht war aber anderer Ansicht und verurteilte den Angeklagten, indem es ihm mildernde Umstände zubilligte, zu 3 Monaten Gefängnis. Reinhard M. Wittve in Nidda war ein Stnafliefehl über 40 Mk. zugegangen, weil sie versucht hat, am 16. Dezember 1916 1V^ Pst. Fleisch, 5—6 Psd. geräucherte Wurste 2y* Psd. Fett, 1"Laib Brot, Genn'tse^ und Kartoffeln aus Nidda nach Frankfurt a. M. auszuführen. Sie wurde mit diese:: Sachen auf dem Balmhof Nidda vom Gendarmen angehalten und gab als Entschuldigung an, sie wolle acht bis vierzehn Tage nach Frankfurt verreisen, um bei einem dorttgen Schneider Kleider machen zu lassen, und sie wolle während ihres dorttgen Aufenthalts die Eßwaren selbst brauchen. Der von ihr gegen den Strafbefehl erlivbene Einftnnch liatte Erfolg, sie wurde vom Schöffengericht Nidda frei gesprochen. Gegen dieses Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung, um eine Bestrafung der Angeklagten herbeizufnbren. Ans Gnrnd der heutigen Beweisaufnahme wurde die Angeklagte widerlegt, das Gericht 1>ob das Urteil des Schöffengerichts aus und verurtellte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 15 Mk. Die Eheftau Johannes W. von Reibertenrod hatte am 16 No- ^mber v. Js. ihren Vorrat an Korn, Weizen und Hafer um etwa 117 Zentner zu wenig angegeben :md es war ihr deshalb ein Strasbefehl über 600 Mk. zugegangen. Auf den von ihr hiergegen erhobenen Einspruch lwlrde sie vom Sckwffengericht Alsfeld' freigesprochen. Die von der Staatsmnvaltschast gegen dieses Urteil eingelegte Benchmg tote Erfolg, denn die Strafkammer hob das verurteilte die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 100 Mk. L.:e Angeklagte hat, ohne das Getreide, wie tx>rgeschrieben war abzwoiegen die Drnschliste zur Unterlage genommen, o-l-ne ,:ch darum zu kümnwrn, ob diese r.chtig ;var. In diese Liste mußte das Durch Wiegen ermittelte Gewicht eines jeden Sackes sofort beim Äbhängen von der Dreschmaschine von dem Besitzer oder semcm Beauftragten gewissenha.t eingetragen werden. Wie nun nach den beeidigten Absagen eines Zeugen feststeht, wurde auf Devanlassung eines Knechts der Angeklagten, der sagte, sie sollten nicht wden Sack abwregen und aufschreiben, dementspreck-end ver- säliren und eme ganze Anzahl von Säcken qarnicht gebucht So erklären sich o-hne weiteres die Differenzen zwischen dem Revinoiivbefund und den geringen Gewichtssummen der Drusch- ttste. Daß die Angeklagte ihren Knecht angelmesen hat, obige De^una zu geben ist uiclst enviesen, Jedenfalls hat, wie das Geruist feststelltv, die Angeklagte fahrlässig gelmndelt, wenn sie sich necht, w. § öl n^ 1. Mv i. MTB) Gestern nacktottag l)at sich durch dre Unvoilichtigielt >6mer ^cbolterin in der Sprengkapselfabrik Tvmsdorf eine schwere Explosion ereignet. Dreißig Ar beiterinnen surd tödlich verunglückt. Der Betrieb ci leidet ferne Gtövmrg. Letzte 21 ; diricl'ten. . Der erste Mai. Berlin, 1. Mai. Der erste Mai hat in diesenk Jahre den vollen Charakter ein^s Mhttnalarbeitstages. Der gesmuw tov, der ' Gwß->Berliner Munitionsarbeiter hat, wie selbstverständlick) zu erwarten war, es nicht xugelassen, daß Störungen der Arbeit vortämen. Der Mmeftisanie Mniruf der C-eneralkomnn.!sion deü GewertschastlNi Deutschlands und des Vorstands der sozialdem'S- kratischen Partei Deutsck-lmids, „daß die deutsck>m Arbeiter auch in diesem Jähire, ipfie int den beiden vorl>ergckhenden ans die Arbeitsrnhc am 1. Mai verz-ichten werden, ebenso wie die englische« und französisckxm Arltoer", ist überall befolgt worden und so sind Störungen dar Arbeit,nicht vorgekommen. Auch von Umzügen ist nicht das Geringste begannt geworden. Wie in Berlin, ist auch in flceukölln, Eharlotteuburg, Spandau usw. mit voller Kraft gearbeitet worden. Selbstverständlich hat auch das Stvaßenüild ,Berlins nicht die geringste Berändemng erfahren. Die englischen Fli-ecerbomben auf Holland. Aus dem Haag, I.Mai. Der englische Bombenangriff auf das holländische Städtchen Zieriksoe hat nach -vorläufiger Schätzung mindestens hunderttausend Gulden Schaden verursacht. Etwa hundert Häuser sind beschädigt worden. Rotterdam, 1. Mai. „Menwe Rotterdamsche Courant" meldet: Nach weiteren Berichten von dem Flieger- bornbardement des Städtchens Zieriksee verbrachte ein Teil der Bevölkerimb die deucht auf der Straße, und auch am Abend hatten sich dichte Massen angesanrmelt, die unausgesetzt den Himmel beobachteten, wo' in weiter Entfernung eine Anzahl Flugzeuge au der flandrischen Küste in eilt schweres Gefecht verwickelt waren. Wilsons Erpresftrpolitik. B e r l i n , 2. Mai. Wie der Kreuzzeitung aus dem Haag geschrieben wird, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Wilson, dem Drängen Englands nackigebend, den Neutralen gegenüber eine regelrecl)te Erpresserpolitik zu üben sich anschickt. Wenn Holland nicht Amerikas Verbündeter im Kriege gegen Deutschland werde, so lause cs Gefahr, von Amerika kein Getreide zu erhalten. Ebenso wie 5)olland wolle Wilson Skandinavien und Spanien durch die Aushungerung in den Weltkrieg hineintreiben. Amerikanische Kriegsarbkit. Amsterdam, I.Mai. Dem „Nieuwe Rotterdamfck^ Courant" zufolge meldet Daith Telegimph auS Netv Port vom 1. Mai Man erlvarte, daß idas Tienstpstichtgesetz bereits am Sonnabend in Kraft sein >nerde, so daß mit der Ausbildung und ßlushebungj von einer Mcillion Mann sofort begmruen werden kann. Dep General)tab der sArmee hat die Vorbereitungen fast vollendet. Obwohl das Repräsentantenhaus Roosevelts Plan der einstweiligen Entsendung von vier Divisionen nach Frankreich verwarf, sollen Mittel gefunden :verde::, um in Uebereinstimmung mit dem Mnnsche des Senats RooseveltS 9lbsicht durchzuführen. Rußlands Arbeiter und Deutschland. ^Lugano, 1. Mai Der Pariser Korrespondent des L„Seeolo" teilt nach guter Quelle mit. daß die große Mehrheit des Arbeiter- und Soldcttenrates, der die Lage in Rußland tatsächlich beherrsche, weder zu Lenin noch zu Blechanoff neige. Diese große Mehrheit ivill weder einen Frieden irock) einen Krieg um jeden Preis. Sie will aber Besprechungen mit den deutschen Sozialisten in Stockholm. Vom Kongreß der rnssischlkn Annee. Petersburg, 1. Mai. (WTB. Nichtanttlich.) Ateldung der Petersburger Telegrvpbeu-Ageirtur. General Guttko fand sich vn einer geschlossenen Sitzung des Kongresses der Armeen der Westfront ein und hielt eine lange Rede, in tveleto er die Mgeordwettu zu ihren fruchtbringenden Arlxnten beglückwünschte und sie bat, die Entt'chlicßungen des Kongresses den Soldaten getreulich zu erläutern. Er mack*t^Mcißrrahmen namhaft, icnt die militärische Acacht der russisckM Arim-en aufteckst zu erhalten und gab Einzelheiten über die große Schlacht, die an der englisch-ftanzösischen Front sich enttvickelt Hut, und wo die geschlageiven Deittschen eich- gülttg die .Handlungsfrei ftüt verwren hätten. Girrko er malmte die Soldaten und Offiziere, alles zu tun, :vas in ihren Kräften stände, damit Rußland nicht imter das feindliche Joch gerate. Der Krmcrreß brachte Gurko eine lange begeisterte Hüldimmg dar und beschloß unter anderem, den Soldaten die volle Freiheit in den Kasernen zu verbürgen, serrrec ilmeu das Reckst zu bennlligen, außer Dienst Zivil kleidun g zu tragen, den nrilitärifckxm Gruß und die Einrichtung der Aufpasser und Ordonanzen ebenso wie die Bevvrrechtuug von Soldaten, den sogenmmten freien und angettwrbenen, a^u- schaffen. Andauernde Anarchie in Kronstadt Berlin, I.Mai. Der „Voss. Ztg." wird aus Kopenhagen gemeldet: ,^Berlingske Tidende" berichtet aus Haparanda: Trvk Kereuskys Besuch sckfeinen andauernd völlig anarchische Zustände m Kronstadt zu herrsck-eu. Die Petersburger Untersuchungskcm:- mission bat die verhafteten Marineoffiziere für unschuldig erklärt und sie unter Billigung des Arbeiter- und Soldatenrats cnrf fteieu Fuß gesetzt. Nach Bekanntiverden dieses Urteils versanimelte fick, eine große Volksmenge auf dem Ankermarkt, protestierte gewaltsam dagegen und forderte die Llbsetzrmg des Prokurators Derewesew, der unmittelbar darmif von mehrere:: Personen mit Bajonetten überfallen wurde. Nur dadurch, daß der Arbüterrvt ihn als Arrestanten erklärte und absührte, wurde sein Leben gerettet. Später stieß die Volksmensw auf zwei der losgelasjenen Offiziere, die au: den Markt geschleppt tvurden, um hingerichtet zu tverden. Auch hier gelang es dem Arbeiterrat m:r mit größter Blühe, sie durch Verhaftung zu retten. Der U:ttersuch:ingsrichter kelnte nach Petersburg zurück, um Kerenskh Bericht, zu erstatten. Die .Kommission fueigert sich, die Untersuchungen fortzusetzen. Die Presse ärgert die Vermutung, daß Provokateure die Ustruhen heiworgerufen l^wcn. Stockholm, 30. April. (MTV Nickstamtl.) „Utro Rossij" stellt die innner größer werdende russische Abtvandernng nach dem Ausland fest. Es reisen — sagt das Blatt — toiptsächlich Gute befttzer ab, die ihre Länixreien zu niedrigsten Preisen zu verpachten oder zu verkaufen suckln. Die nach dem Ausland OZebendeu versuchen. ihr Barvermögen nach dem Ausland, namentlich >mch amerikanischen Dcmkeu, zu überweisen. Die Regierung gäbe zwar keine Erlaubnis, russische Valuta nach dem Ausland zu überiveiscn, aber die Fliehende:: umgingen dies, indem sie bedeutende Summen in Bar und Wertpapieren mititelymcti. Das Blatt weist cm, diese ?lbwanderung nach dem 9luslm:d als ein gesährlich>e<- Shmptom hin. Berlin, I.Mm. Dem .^Berliner T^reblatt" wird a Kopenhagen ^meldet: Unter dem Titel „Rumänien und ! russ:sck>e Revvlutton" verüffenttickü ..Derlmgske Tidende" eir Artikel von Dr. Beldiiuau, dem früheren rumänischen (.R-sandi m Berlin. Dr. Beldimm: weist auf die Uugeiviß^it des nimÄ eben Schicksals angeftüsts der russisto Umwälzungen hin. agt: D:e Voraussetzung, ftir das Eingreifen Runlänien- in d Krieg nxir tue von Rutzland und den Westmächten garantte Vergrößerung des Landes durch 1>edeutende Teile Oesterre» Ungarns. 9ttlu l-at aber Rußland in seiner offiziellen Regienim erklarung voni 10. April ausdrücklich allen Ewlwrung^plim entsagt — ei» Pvocrramm, das die aus dem allgemeine,! Wablre tovorgehe,ide endgültige Regierung sickwr icnterfchreiben wird. W lmt unter diejen Umständca: Rumänien zu erlwssen? Was wird d Ergebnis seiner ungeheuren Opfer a:: Gut und Blut fein? Br. » diman macht kein Hehl aus seiner Beutteilung der runmnstch Knegspolittk, wenn er im Anschluß an diese Frage darauf binwe daß mchr als zwei Drittel des Landen von den Zeutralmächt erobert und besttzt leien, uiid daß die tttoeguenzeu für Rumänl keineswegs etwas Angenei)mes decken kikrntcn. Am 12. April starb in einem Feldlazarett an den Folgen einer tags vorher erlittenen schweren Verwundung der Werkmeister meiner hiesigen Zigarrenfabrik Unteroffizier Friedrich Brackmann In dem Verewigten, der mit, Kriegsbeginn ins Feld ausrückte, verliere ich einen geschätzten Mitarbeiter, der bei Arbeitgeber wie Arbeitnehmern wegen seines lauteren Charakters gleich beliebt und geachtet war. Sein Andenken wird bei mir weiterleben. Justus Form hals, Zigarrenfabriken. Gross9n-Linden, den 1. Mai 1917. m Unerwartet traf uns die schmerzliche Nachricht, daß der Werkmeister Herr Friedrich Brackmann nach fast 2 3 / 4 jähriger, treuer Pflichterfüllung infolge schwerer Verwundungam 12. April in einem Feld-Lazarett verstorben ist Wir betrauern in ihm einen gerechten Vorgesetzten, dem wir allezeit ein treues Gedenken bewahren werden. Die Arbeiter der Zigarrenfabrik Justus Formhals zu Gr.-Linden. Großen-Linden, 1. Mai 1917. 02699 Todes-Anzeige. Statt besonderer Anzeige mache ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigstgeliebter Sohn Heinrich l im Alter von 7 Jahren an Gehirnentzündung aus dem Leben geschieden ist. Die trauernde Familie: Georg Wal Sb ott VII. Garbenteich, den 2. Mai 1917. Die Bo rdigung findet Donnerstag, den 3. Mai, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause aus statt. 02696 Gassparherde Gaslampea empfiehlt [ 01p0i tu flrofjer Auswahl billigst DnfLMcltlorrö-GeitÄiift i» Ytiisrassr 3 Lndwigst raße 40. Feinste 3111 Edel-Wllrze für Suppen und Speisen aller Art, aus Pilzen und Früchten hergestellt, in kleinen u. großerrtFlaschen im W j Bef©p im K«««, 5. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem Heimgange unserer teuren Entschlafenen sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. 3484 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: ZamMe hertnch Aarber. Lollar, den 2. Mai 1917 N mmm- Erdartischocken (Topinambur) 1 Psd. 40 Pfg., Verkauf in der Geschäftsstelle. Mausburg 5 bis aus weiteres, nachmittags von 5 Uhr an. Auch das Saatgut (Topinambur, Helianti) ist eingetroffen und wird in der Geschäftsstelle abgegeben_ 3505 c Gestern nacht starb an den Folgen eines am 4. Juli 1916 erhaltenen schweren Kopfschusses unser innigstgeliebter, einziger Sohn, Bruder und Neffe MusketierOtto Ruthsatz im 22. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Familie Georg Ruthsalz Familie Louis Ruthsatz Gießen, Cassel, den 1. Mai 1917. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 3. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Neuen Friedhof aus statt. Cafe Amend Heute Mittwoch, 8 Uhr: Familien-Konzert WtMaMsHr iptßie für Schüler, Militär und Liebhaber nur bekannter, guter Firmen. Sämtliche lichtempfindliche PMM,WMn,M-u.PElii!8, Ms!1° unb Hslzstlilm, Vrrgtsße- rungS-Asi>mte empfiehlt für die Saison Lsnirsl-vrogLris E. Karn, Scho slraSe. ; Photographische Arbeiten werden prompt erledigt. 2642 Allen Freunden die schmerzliche Nachricht, daß unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder und Enkel Unteroffizier Ludwig In Inhaber dps Eisernen Kreiszss 11. Klasse seit Kriegshegmn in der 3. Pionier-Komp. 25 im Alter von 26 Jahren am 23. April 1917 gefallen ist. Familie Ludwig Braun ff. Staufenberg und Mainzlar, 2. Mai 1917. ! jty ' ty ! Q _______ heute eintreffend, feinste Angei-Schellsischc in drei Preislagen, Cablian ohne Kopf, frische Fisch koteletts. Gebrüder Berdux Bannlint« Frledberq-Midda v.ssers^ ^ ?urt a. W.USSid., v.GIOttfti L 1 Liä. v« Goinkaauzfut in J Std. zu erraiehos. XV, SolhasJ in 6'}Eaüjlc?ier» V»rc?a!t«ng H Kochsalz-, Lithium-, 8iahl- und Schr/effelquellen. Ken I. Park u. Wa d, ruh. Lage. Erholung b. Felge- 2U5iind. d. Kriegos(f.Krlegsteün.VergOnst,). Kinder- l hsim (privat), Arzt. 6reiih, Badedirokt'on. Aufforderung. Mit Regelung des Nachlasses des Rentners Heinrich Schwall EM. in Gießen, Löberstraße Nr. 19 beauftragt, fordere ich hiermit alle diejenigen, die etwas an den Nachlaß zu fordern oder an denselben zu leisten haben, auf, Forderungen u. Ansprüche bis längstens den 40. Mar l. Js. bei mir geltend zu niacheu be