M.Y8 Der erscheint täglich, nutzer Sonntags. - Beilagen: Eichener ZamMendlatlrr: Kreisbloti für den Kreis Sichen. vezngrpreir: tnonatl. 9o Pf.. viertel- jährl. Mk. S.6b. durch Abhole- u. Zweigstellen inonack. 80 Pf.; durch die Post Mk. 2.45 viertel- lährl. ausschl. Destellg. Herttsprech - Anschlüsse: chrd:eSchristleitungN2 Verlag,Geschairsstellebl Änschristsür Drahti'.ach- richten: Anzeiger Sittzcn. Erstes Blatt J 6 Z. Zahrgaug §rettag. 2 :. AM \ 9 \T postscheckfontv: granffnrt a.M. U686 Zwitting^runddruck u. Verlag: vrühlffche Unw.-Vuch- u. ZLeLndruSerei R. Lange. Zchristleltung, Geschästzstette ?!.vrnSerei: Zchulftr. 7 . bankverkehr: Sewerbebank Gießen üuafirne oon Lnze^ea die Tagesnummer d:S -umNackminag vorher^ Zeilenoreis. s. Anzeigen^ örtlich 20 Pi.. Vermietungen u. Stellengesuche 15Pf., auSwä rtik 25 Pf., b Platzoorfchrish 39 Pf., Reklamen 75 Pi^ bei Platzvorschrift SO P( Hauptschriitleiter: Aug., Goetz. Verantwortlich für Politik u.Feuilleton: Ä"a. Woetz. Stadt und Lc^^.,Ver>nisch!e-u.Ge^ richtsiaal: Fr. R. Zen,^ Anzetgenterl: H. Beck, sämtlich in Gießen. (WTB.) (Amtlich.) Der Chef des Kneasaittfs über die $ rohes Hauptquartier, 26. April. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht. Gestern raffte sich der Feind bei Arras nur noch zu Teilangriffen auf. SiÄlich der Scarpe stürmten seine Angriffswellen dreimal igen unftre Linien, dreimal fluteten sie zurück. Der Artillerielampf hielt in einigen Abschnitten in beträchtlicher Starke an. Bei Ga prelle liegt unsere Stellung am östlichen Dorfrande. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Die Cft'samtlage ist unverändert. Der Feuerkampf beschränkt sich auf begrenzte Frontstellen. Bei H u r t c b i s e F e. und öftüch wurden durch Gegenstöße, bei denen wir drei Offiziere und mehr als 166 Franzosen zu Gefangenen machten, unsere Stellungen auf dem Chemin des Darnes-Rncken verbessert. Am Abend griff der Feind nach heftiger Feuersteigerung beiderseits von Braye in drei Kilometer Breite an. er wurde blutig abgewiesen. In der Champagne kam cs nur zu Handgranate n- kämpseu. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Keine besonderen Ereignisse. Gestern verlor der Feind sechs Flugzeuge, von denen Leutnant Sch ä f c r zwei, seinen 22. und 23. Gegner, abschoß. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. SrÄlich von Riga, bei Zakobstadt, bei Smorgon. westlich von Luck, östlich von Zloezow. an der Zlota-Liva und längs Putna und Sereth har die russische Feuertatigkert und dementsprechend unser Dergeltnngsseuer zugenommen. Mazedonische Front. Aussagen von Gefangenen aus dem Kampfe am Doiran- Sec am 24. April ergaben, daß dort die Engländer mit starken Kräften auf schnraler Front einen in seinen Zielen roeit- ges^ckten Angriff geftchrt haben. Die wackere bulgarische In- ftrnterir hat einen schönen Erfolg davongetragcn. alle ihre Stellungen behauptet und dem Feind im Verein mit deutschen und bulgarischen Maschinengewehren und Batterien «Ävere Verluste zugefügt. Der Erste Generalauartiermcister Ludendorff. * Der Abendbericht. Berlin, 26. April, abends. (WTB. Amtlich.) Von den Kampffronten ist nichts Besonderes zu berichten. * * * Wer hätte gedacht, daß wenige Tage nach dem großen Sieg unserer Kriegsanleihe sich noch die Notwendigkeit ergeben würde, auf dem besonderen Arbeitsgebiete der Erzeugung des Heeresbedarfes Mahnungen zur tatkräftigen Förderung des nahen Friedens auszusprechen! Und doch ist cs so weit gekommen, dank einiger Querköpfe, einiger Liebknechte, denen fanatische, politische Wahnideen das Gehirn überschwemmt und das Herz erstickt haben! Der Chef des Kriegsamtes, General Grüner, hat im Hauptausschuß des Reichstags dieser Rotte von Menschen — heute kann man diesen Ausdruck wohl mit Recht anwenden — kräftige, hoffentlich wirksame Worte gewidmet. Wir müssen uns hüten vor einer Suggestion, die von diesen Menschen ausgehen und unberechenbaren Schaden an richten könnte. Denn ein großer Teil unseres Volkes uird unserer Arbeiter sind keine geriebenen Politiker, die die Motive der Verführer scharf zu erfassen verstehen. Gröner hat davon einige bezeichnende Beispiele gegeben. Die politischen Schlafpulver gegen das notwendige Wachen und Sorgen für unsere Kämpfer müssen jetzt bis zur letzten Unze verboten werden! Strenge der Aem- rer und Aufklärung in den Reihen der Arbeiter werden dafür sorgen, daß dieses Verbot gehalten wird. Selbst der „Vorwärts" schreibt: „Ein Streik im gegenwärtigen Augenblick wäre nichts anderes, als wenn die Mannschaft eines Schiffes, weil sie sich mit dem Kapitän und den Offizieren nicht über Entlohnung und Behandlung verständigen kann, während eines Sturmes die Arbeit einstellte. Das Schiss geht zugrunde und erreicht wird nichts als der allgemeine Untergang. Für uns und unsere «eigene Zukunft helfen wir, daß Deutschland im Sturme dieses Weltkrieges nicht zugrunde geht." Zu diesem treffenden Vergleich wäre noch hinzuzufetzen, daß während eines Sturmes füglich auch nicht zu erörtern wäre, ob das Schiff nach Rettung aus der Gefahr diese oder jene schöne Zukunftsfahrt antreten solle. Auch die General- kmnmrssi-on der Gewerkschaften Deutschlands hat die Gefahr miterkannt mrd an General Gröner ein längeres Schreiben gerichtet, das auch Hindenburg vorgelegt werden sott nach in dem es heißt: „Die Erhaltung und die Sicherheit des Reiches stehen an erster Stelle. Nach allen Kundgebungen der Gegner Deutschlands unterliegt es für politisch reife Menschen keinem Zweifel, daß nicht eine Verminderung, sondern nur die Erhöhung der Widerstaichs kraft Deutschlands uns den baldiger! Frieden bringe:: kann. Wo diese volitische Erkenntnis nicht vorhanden ist, sollte zum mindesten das Mitgefühl mit un'ecenan den Fronten ihr Lehen Kn elenden Söhnen nud Brüden: me Arbeituehnierscha.fi von Handlungen fernhalten, die .geeignet sind, die Kraft der Kämpfenden zu lähmen. Seit Jahresfrist haben England und Frankreich, unterstützt von den Bereinigten Staaten von Amerika, ungeheure Massen von Geschützen und Munition an der französisch-belgischen Front aufgehänft. Das Ungeheuerlichste, was ein Menschenhirn sich auszumalen vermag, ist über Misere dort kämpfenden Volksgenossen herein gebrochen. Nur ein herzloser und gewissenloser Mensch kann dazu raten, diesen die erforderlichen Bertcidigungsmittel zu versagen. Diese Auffassung beherrscht nach unserer innersten Ueberzeugung auch die Bevölke- rungskreise, die durch unsere Organisationen vertreten werden. Unsererseits wird alles geschehen, sie nicht nur zu erhalten, sondern in stärken und zu erweitern. Von unverantwortlichen Leuten ist, glücklicherweise mit ganz vereinzeltem Erfolg, versucht worden, Arbeitseinstellungen der Waffen- und Munitwns - «hMr poetischen Zlvcchen toiGuftfas «N miachyr« Der Wunsch nach^ einer baldigen Beendigung des blutigen Völkerringens ist ebenso wie in den anderen kriegführenden Ländern auch int deutschen Volke groß. Er ist menschlich erklärlich und verständlich. Das Bestreben, «ein Mittel zu finden, die Beendigung des Krieges herbeizuführen, beherrscht auch die arbeitende Bevölkerung. Bedauerlich ist, daß einige, wenn auch unbedeutende Kreise dieses Mittel in einer Verweigerung der Herstellung der zur Landesverteidigung erforderlichen Waffen erblicken." Diesen Sätzen folgen tarnt einige berechtigte Hinweise auf die oft noch mangelnden Ausgleiche in unserer Volks- ernährung. General Gröner hat unseres Erachtens weise daran getan, daß er von der Empfehlung drakonischer Maßregeln gegen die Bolksversnhoer ain Anfang abgesehen hat. Es war und ist gut, daß der vollen Wahrheit in diesen Dingen der,Wcg geöffnet worden ist, und auch in den unreifsten Köpfen kann jetzt kein Gedanke an ein Märtyrertum der Agitatoren aufkeimeu. Wenn es nur in der allgemeinen Politik unserer Reichsregierung ähnlich bestellt wäre! Auch dort wird mit Milde, Entgegenkommen und Beschwichtigung gegenüber falschen Propheten gearbeitet; aber es fehlt an der nötigen Aufklärung über die Tatsachen, die doch zugrunde liegen müssen. Nickst nur in der werktätigen Regung der Arbeitshände gibt es ein zwingendes und dringendes Gebot der Stunde, sondern auch im Denken und Trachten unseres Volkes. In heißer Arbeit, in der Aufopferung von Blut und Kräften sollten wir nur an das Nächstliegende rühren. Das Nächstliegende ist aber kein Jllusionsfriede, sondern ein solcher Friede, wie er uns von Anfang an vorgeschwebt, wie ihn der Reichskanzler selbst früher mit deutlicheren Worten als in seinen letzten Verkündigungen Umrissen hat. Ter Reichskanzler hat im vollen Einvernehmen mit dem Kriegsamt ein ausgezeichnetes Verständnis für die Notwendigkeit der Ausnutzung aller Arbeitskräfte im Dienste der Landesverteidigung. Hat er das gleiche Verständnis auch für die Nottvendegkeit, die darin liegt, daß wir auch die richtigen Denkmittel für die Erhaltung der Einheit im Volke finden? Wir müssen doch kämpfen auch mit jedem Gedanken vor verblendeten, ungezähmten Feinden, einen starken und tapferen Gedankenkämpf. Sonst gewinnen doch die Schlaspnlverv.rmittter und l hm en die Kriegsarbeit. * * * Der österrerchisch-nrrgarffche Tagesbericht. W i e n, 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Oeftlicher Kriegsschauplatz. Die russische Artillerie forderte an mehreren Stellen das Vergeltungsfeuer urfiierer Geschütze heraus. Keine besonderen Kampfereigni'se. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f c r, Feldmarschalleutnant. Die Schlaht bei Arras. Berlin, 26. April. Die Schlacht bei Arras flaute ain dritten Kampftage sichtlich ab. Die Engländer vermochten ihre gelichteten und zusammen- geschossenen Divisionen nur noch an wenigen Stellen des Frontabschnittes beiderseits der Scarpe zu stärkeren Angriffen vorzutreiben. Der mächtig angesetzte und wuchtig begonnene Durchbruchsversuch der Engländer ist buchstäblich verblutet. Nach den Aussagen jener Teile unserer Kampftruppen, die bereits im Osten fochten, lassen sich die Verluste der Engländer nur mit jenen der M a s s e n v e r l u st e d e r R u s s e n v e r g l e i ch e n , die diese bei ihren ohne Unterstützung der Artillerie ausgeführten Angriffen erlitten. Aus allen Gesangenenaussagen geht ebenfalls klar hervor, wie ungeheuer die englischen Bataillone zusammenkartätscht wurden. Zwischen Lens und Gavrelle ließ das feindliche Artil- leriefeuer im Laufe des gestrigen Vormittags stellenweise nach, während um den Ort Gavrelle wie an den vorherigen Tagen abermals erbittert gekämpft wurde. Ein vereinzelter feindlicher Vorstoß nördlich vom Bahnhof Roeux brach in unserem Feuer unter schweren Verlusten zusammen. Südlich der Scarpe griffen die Engländer dreimal erbittert an. Unter schweren Verlusten wurden sämtliche drei Angriffe, zum größten Teil schon durch Feuerwirbel, zurückgeschla- gen. Auch tveiter südlich wurden sämtliche Vorstöße abgewiesen. Gegen Abend war der Ostrand von Gavrelle nach Kämpfen von größter Wildheit wieder in unserer Hand. Die starke Artillerietätigkeit flaute bedeutend ab. Der erschöpfte Gegner unternahm am Abend keinen neuen Sturmangriff mehr. Als einziger minimaler Erfolg der wiederholten verlustreichen Angriffe blieb an der Straße Monch-Y—Petves ein schmales Grabenstück in der Hand des Gegners, das er mit enormen Blutopsern bezahlte. Durch einen Gegenangriff wurde das Engländernest indessen wiederum gesäubert. Im übrigen fanden auf der Kampffront außer vergeblichen feindlichen Patrouillenvorstößen keine neuen Jnfanterieangriffe statt. Das starke Artilleriefeuer hielt nur nördlich Lens und gegen unsere Stellungen westlich Arleux und Queant an. Unsere Artillerie brachte bei Huttuch ein feindliches Munitionsdepot zur Explosion und beschoß erfolgreich feindliche Wohngräben. Eigene Patrouillen drangen westlich Huttuch in die feindlichen Gräben ein und kehrten mit einigen Gefangenen zurück. Der zweite D u r ch b r u ch s v e r s uch der Engländer bei Arras darf heitte als völlig gescheitert angesehen werden. Während aus englischen Gesangenenaussagen, besonders denen von schottischen Regimentern, die bei Roeux in unsere Hand sielen, klar die Absicht der Engländer, in der zweiten Arras schlackst ans jeden Fall durchKusboßen, herpprgeht, pexjucht das englische! .Kriegsiamt diese Absicht !age im Innern. abznleugnen, indem es vorgibt, der mit gewaltigen Mafien von Menschen und Munition angesetzte Angriff habe nur die Eroberung einiger Dörfer zürn Ziele gehabt. Wie bei Reims im Süden, ist der Durchbruch der Entente auch bei Arras gescheitert. Nach der ungeheuren Schwächung ihrer Kampfkräfte in diesen blutigen Schuacksttagen steht die Entente ihrem strategischen Ziel ferner denn je. . Bon der übrigen Westfront. Berlin, 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Die Artillerie- täfigkeit war am 26. April im Ppern- uiü> Wytschaete-Bvgen lebhaft. Feindliche Patrouillen wurden verjagt. Eigene Patrouillen drangen in die seindlichrn Gräben ein und lehrten mit Beute zurück. Südlich der Chaussee Bapamne-Cambrai hielt das, /tarke Artilleriefeuer auch nachts über an. Ein feindlicher Angriff gegen unsere Sicherungslinien bei Vendbuille wurde verlustreich abgeschlagen, wobei einige (befangene in unserer Hand blieben. ^Vor- sühlende feindliche Patrouillen wurden abgewiesen. Die Stadt St. Quentin erhielt, das übliche rückstchtslose, Feuer. An der A i s n e hielt gleichfalls das feindliche Artillerieseuer in wechjelirder Stücke an. Tie südlich Corbeny aufgefüllten ftan- zösischen Gräben wurden mit Erfolg unter^ Vernichtungsfeuer genommen. Bei dem bereits gemeldeten französischen Angriff beiderseits von Vraya, erlitt der Gegner äußerst schwere Verluste. Auch hier blieben Gefangene in unserer Hand. Nördlich von Reims und nördlich Prosncs starkes Artillmie- feuev. Unsere Stoßtrupps drangen nordwestlich Po>npelle in feindliche Gräben und lehrten mit einigen Gefangenen inid Beute zurück. An der übrigen Westfront mehrere eigene erfolgreiche Lluf- ttärungsunternehmungen. General Gröner ü'-.e? die §treiibewegn/gen. Berlin, 26. April. (WTB.) In der henfigen Sitz,mg deS HauptaussBusses des Reichstages erklärte im Anschluß an die Ausführungen eines sozialdemokratischen 2lrgeordneten, der ebenso wie andere Mitglieder die Ausstände der Rüstuugs- ttrbeitdr vernrtrilte, der Chef des Kriegscnntcs, Exzellenz! Gröner: Es hat nach gefreut, daß der Vorredner die Rüstmrgsstreiks? verurteilt hat. dlber et hätte weiter gehen können. Nach dem langen Wrucken-Winter, dm: wir hinter uns haben, nach der langen Kälte verstehe ich durchaus die Depression, in der sich die Arbeiter be- fanden oder in die sie kamen, als Plötzlich die Herabsetzung dev Brotration eintrat. In diese Depression hinein kam plötzlich —< ich will nicht sagen, wol)er — der Ruf: „Wir müssen der Regierung zeigen, daß sie versäumte, rechtz-eifig Vtaßrrahmen zu treffen. Wir müssen demonstrieren. Wir wollen am 16. April strecken." Dieser Gedanke ging ime ein Lauffeuer durch die Fabrikein Ich bekach Briefe von Ärbeitern, die die Sache beschrieben. Niemand ^wusste recht, woher die Sack>e kanr. Es war der Boden bereitet für eine Massensuggestion. Nun habe ich die Sache wenig tragisch ausgenommen aus dem einfachen Grunde, n-eil ich sie mir aus psychologischen Gründen erklärte. Am 16. April sollte gestteikt werden. Ich habe für meinen Teil bei beu leitenden Persönliclrkeiten immer davor gewarnt, mm sofort mit strengen Maßnahmen vorzugehen, weil ich der Auffassung rvar, man tue ganz gut, das Ventil JJftntal zu öffnen und die Stimmung äbblasen zu lassen. Der 16. April trat ein. Die Leute waren durchlaus vernMfNg. Sie gingen heraus aus den Fabrikeir. Sie wußten selbst nicht, warum. Ich habe hier einen Brief liegen, d^en ich erst heute vor- mitvllg bekam, worin ein Arbeiter mir schreibt: Jä, wir haben gefragt, warum sollen >vir eigentlich streiken? Warum sollen wir heraus aus ben Fabriken? Am 16. dbpril, u.m 9 Uhr oder 10 Uhr früh, riefen einzelne Leute in den Fabrikeil: aber heraus aus der Fabrik, Leute! Einige mutige Leute frirgen da: Aus welckiem Grunde, zu welchem Ziel? Sie erlfieltan keine Antwort. Ab und zu wurde geantwortet: „Du hast doch Hunger. Du sollst zeigen, daß du Hunger hast!" Das war die Tendenz am 16. Auch am 17. April zeigte sich uitter den blrbeitern viel Verständigkeit. Tausende gingen hinaus in den Grunewald, gut gekleidet uiw »rächten sich einen guten Tag. Ich hätte gar nichts dagegen einzuWender: von meinem Standpunkte aus. Unterdessen batten die Gewerkschaften, denen vorher der Massensuggestion gegenüber ein Einfluß nicht aus reicheich nröglich war, die Lattung der Sache in die Hand ge- nommen, mid es wurde beschlossen, am 17. April, am arrderen Tage, die Arbeit wieder arffzimehmen. Das ges^chah auch in zcchl- reichen Betticben. Bis dahin hätte ich eine Minderung der Produkfion durchaus ruhig hingenommen, um «eben einmal den Arbeitern Gc'legenheit zu geben, sich nun von dieser Depression zu erhol-en. F^etzt trat aber eine ganz scharfe W-end:m-g m dieser Sache ein. Vom Mittwoch! ab traten politische Dinge in den Vordergrund, und damit hörte die Gemütlichkeit in der Sack-e auf. Das muß ich ganz scharf erklären. Und Lvocher rührten diese polifischen Dinge? Ihnen allen ist daS Leipziger Programm und das ganz u n v e r * schämte Telegramm an den Reichskanzler bekannt. Der Inhalt ist leine ganze Reihe polittsckier Forderungen, Wahl- rechtssoroerungen, vor allem aber zum Schluß die Forderung nach Einsetzung eines Arbeiterrates nach russischem Muster, ltnb zu dem Zwecke sollte der Reichskanzler eine Deputation emp- fangen. Das hvar toll, mehr als toll. Und diese polifischen Momente sind hierher übertragen worden. Sie sind in die deutschen Wafsen- und Munittonsfabrikei: ll-iaieingetragen wockxw, und die Uncrsahren- l/ctt, Gutmütigkeit u:ü> Ehrlichkeit der Arbeiter ist mißbrauche worden. Wir haben auch Beweise, daß aus dem Ausland« Agitations material ^hereingeschmuggell wurde. Solche Schmuggelwaren sind in Unsere Hände gefaleln. lieber die Logik eines solchen Agitationsmaterials brauche ich kein Wort zu verlieren. halte ich es doch für nöfig, gerade an: heutigen Tage nvctz einige Worte zu sagen und meine persönliche Auffassung für die Zuft'.nft ihnen darznlegeir Es wird morgen von mir effr Ausruf an die Rüstnngsarbeiter in ganz Tentschlm:d verbreitet wcrdcm. Ich verlange, daß die Streiks anfhören. Es gibt feilte Streiks mehr mib wir werden rücksichtslos gegen die Draht- ziehe:' Vorgehen rnü lwerdei: diese politischen Landesverräter treffen mit der ganzen Schveve des Gesetzes. (Bravo!) Wir iverden von den Arbeitern verlanget:, daß sie bei der Arbeit bleiben und daß sie unentwegt dis zum glücklichen Ende des Krieges auf jeden Streik verzichten, — und zwar aus irncerer Ueber-zeugung verzichten — und dazu müssen sie aufgeklärt Lverden. Wem: wir das von ihnen verlangen, müsset: ^vir aber auch vertümffig sein und etivas mideres ttm. Wir müssen dei: Arbeitern unter allen Umständen Sprachrohre geben, durch die sie ihre Wünsche rechtzeitig und richtig an die richtigen imd zuständigen Stellen briwzell können. Welches sind diese Sprackwohre? Ich habe schon vor längerer Zeit an die Regierungen die Anregung gegeba:, in die Lebensorganisation der Provinzetl nttb Kommunen A rbeiter^ Vertreter hinenLLMrehmen. danfit sie Kell»Ür mitarbcibe» imb tafftmrftat, bannt jte feljat, Wie bie Dinge imb Welche Maßnah men möglich und, und damit sie auf diese Weise nüever juriich \wrBfu romt en auf ihre Kameraden. Ich hoffe, daß diesem Rat. vn wertesten Maße Folge gegeben wird. Ich habe mich erneut iroch ML.S den ^preußischen StoatHonunissar in dieser Richtung ge- AZrndt. 'Das rit nicht, wie in einigen Artungen bcsprrckuen watde, C ^ nC a«?? 11:l! " < * ?e .^^önaHmo, ttirijit eine Sozückdenwkratisierung bei (rrnahrnngspelitik. Dar- ist Inickts anderes. al 4 eine immens vrak- ttffle Maineget, wir wir sie jetzt in die'er Situation für die Durch Nrhrung des Krieges bi-anchen. Also ich verirrt eile die Presse, d^e nun aus dieser Maßregel heraus darum nach einer anderen Ruhtimg eine politische Drahtzieherei betreibt. Das ist das eure Sprachrohr, und rant das zweite. Wir haben das H i l f s d i e n st - ge setz. Dieses gibt den Arbeitern bestimmte Rechte, die der Reichstag gewollt hat. Und durch dieses Sprachrohr müssen alle Beschwerden, alle Lohn fragen ihren Aus trag finden und ich werde koenso, wie ich einerseits gieren die Streiibetzer vor gehe. ebenso scharf gegen diefenigen Vorgehen- die die Rechte, die die Arbeiter bttommen^haben durch das Hisisdienstgesetz, verkürzen trollten. (Bravo.) 2eint ban'iber tarnt kein Zweifel sein, das Kricgsamt nnd rckr stehen ans absolut neutralem Boden. Was den: einen recht ist, muß «ruchi dein mrderen billig sein. >^ch werde affo auch gegen diejenigen Hetzer Vorgehen, die gegeit das Luffssdienstgesetz ju hetzen suchen. Ich richte von dieser Stelle aus einen sehr 'warnten, aber and- letzten Appel l auch an die Arbeitgeber, daß sie sich absinden mit dem, was den Arbeitern an Rechtest zngebrffigt worden ist, daß sic restlos mit- iDtrfen zur loyalen Ausführung des .HilfsdienstGesetzes. Ich meine, ttoerm wir uns alle auf diesen Boden stellen und in einer Weise vergehen, habe ick? gar leinen Zweifel, daß unsere Arbeiterschaft in der treuesten Weise las zum Ende des Krieges hinter dem Heere stehen Wirb und den: Heere Waffen und Munüion liefern wird, die wir drängend, dringend notig haben. Deshalb muß das Motto nnn: Arbeit und wiederum Arbeit bis zunr glücklichen Ende des tt-rtcgeS! (Bvavo.) Der butgarrsche Bericht. Sofia, 25. April. (WTB.) Bulgarischer Heeresbericht. Mazedonische Front: Zwischen War dar und Doj- ran-See äutzerst heftiges ÄrtiÜericfEr. das den ganzen Tag anhielt. Die Engländer griffen mit beträckstlichen Krästnl an. worauf sich in drejein 2ffschnitt der .stampf mit größter Erbitterung entwickelte. Ueherall .wurde der Feind znrückqesckckagen, hauptsächlich im Handgranatenkampf und in Mutigen Ringen Mann an Mann. Rnr rings um B o l d z e l t dauert der Kampf fort. Bei Seidelt wrirde ein französisches Flugzeug farmt tcrgeiplt. An der übrigen Front ziemlich schwaches Artilleriefeuer. Ru m anifche Front: Bei Ntahnurdia stemlick spärliches ArtiNerieieurr. Oertlich von Xulcea schwaches Gewehrfeuer. Bet Iiaceea einzelne Kmrvnenschüssc. Die englischen Niederlagen in Mazedonien. ^ Berlin. 26. April. In Mazedonien wurde ein neuer Borlton gegen die Doiransteffmtg seicht abgewiesen. Nachträglich wird über den letzten englischen Angriff am 24. Avril zwischen Bai'dar- und Doiransee. der mir einem gänzlichen Mißerfolg der Engländer endete, gemeldet, daß der'Angriff auf dem ichmalen Raum vom Westraiide des Doiransoes bis Tvldzeli mit ^.wei englffchen Divisionen «usgeführr wurde, die tief durchstoß-n fohlten. Wochenlang wurde der Angriff hinter eer Front vorgeübt. Der Hauptstoß richtete sich gegen ben Inircu Flügel am Doirans-e. wo^ dickte Infanterie;üiien oorstürmten, die zum Teil im G"g.m- stoß, von der ,ni großer Topü'rieit' kämpwnd m bulgarisch^?- Inrmrterie mrlernüw, durch 'vorzüglich wirkende Artillerie zurück- grnwrse'.i wurden..^ Besonders ausgezeick-nct Hai sich bei der 2ck>- wchr oieserAngiifsc eine düuische Geb-rrgsma sch in eipi elvehrabteilnn g. Reiter westlich Dolzeli mar der Kampf äußerst erbittert. Der Verlust der Engländer war schwer, lieber 300 Tote wurden in den gesäuberten Gräben nnd Hindernissen gefunden. Enre große Anzahl liegt im Vorfelde verstreut. Auch südöstlich Bogorodira icheitette der feindliche Eingriff völlig. Der türkische Bericht. Konstantinopel, 25. April. (WTB. Amtliche L> i n a i f ron t: Ant^ 19. April vollbrachten die Fliegeroberleutnants Felmy und Falke eine kühne Tat. Nachdem sie die kindlichen Linien überffogen hatten, landeten sie weit hinter der feindlichen Front in der W ü >t e und zerstörten die von den Eng- llmdorn zur Versorgung der Truppen gebaute Wasserleitung gründlich. Ion den übrigen Fronten sind keine besonderen Ereignisse m melden. Die englischer» Verluste bei Gaza. Berlin, 26. April. WTB. Nichtamtlich.) lieber den zweiten ^teg der -rürkon bei Ga - i wird nachträglich noch gemeldet: Die Verluste der Engländer sind viel höher, als sie zuerst erngeichätzt intrbnt und übertreffen bei weitem die Verluste der «witrn^-chlacht bei Gaza. Sa lagen GefangtMe ans. daß von einem Bataillon nur 19 Mann übrig geblieben sind. Eine Division sei naw dem Angriff nur noch 4000 Vtann stark gewesen. An einer kleineren Stelle wurden allein 800 tote Engländer gezählt. Aehn- liche Meldungen kommon von vielen anderen Steffen. Bei sehr vorsichtiger Schätzung übersteigen die Verluste der Engländer an -roten affein 30OO, mehrere hundert Mann NTurfan gefangen genommen. ^..Amsterdam, 26. ?lprit. (WTB. Nichtamtlich.) Nach eng- MÄen Zeitungen betragen die englischen Verluste im Marz bei der Armee 1765 Ofsiziere (344 gefallen^ und 28 709 Mann 4909 geiaffen. bei der Flotte 123 Offiziere ^40 gefaffen) irnd 1423 Mann (328 gefallen). Die Revolution in Ruhland. ? zwischen 2I5 und 2,25 Uhr Dünkirchen. Die Batterien, an der Küste antworteten. Französische und englische Patrouillen- fahrz.ii^e vanmckelien den Feind, der sich in großer Schnelligkeit itach Onende Mrückzog, in einen Kampf. In dem kurzen Kampfe wu.de einer unserer Zerstörer versenkt. Die Verluste des Feindes sind nnl'ekanni. Die englischen und französischen Lazarettschiffe. Berlin, 26. April. (WTB/) Bei dap fortgesetzten Beratung des Heer.setats im H a n v t a n s s ch n ß des Reichstags verlangte ein Zentrumsredner Gegenmaßnahmen für den Fall, daß die Franzosen und Engländer unsere Gefangenen auf Lazarettschiffe bringen und mit diesen die Sperrgebiete der See befahren lvürden. Hierauf antivortete General Friedrich, die deutsche Regierung habe durch ihre Schutzmacht, die 3ri;'.i>ei;„ der englischen 9iegieru.ng mit teilen lassen, daß die deutsche Regierung, wenn Gefangene auf .Hospitalschisfe gebracht und der Gefahr des Torpediereus ausgesetzt würden, die schärfsten Vergeltungsmaßnahmen anordnen werde. Der französischen Regierung lverde mrmnehr eine Nvte desselben Inhalts zugehen. Ein falscher englischer Bericht. L o n d o u, 26. April. (WTB.) Die Admiralität teilt mit: Drei englische Wasserflugzeuge griffen am )rach- mirtag den 23. April fünf deutsche Torpedoboots- z er st ö rer fünf Meilen von der belgischen Küste entfernt an. Ein Zerstörer wurde getrvffen. Man glaubt, daß er gesunken ist. Abends wurden vier Zerstörer bei der Rückkehr ltadh Zeebrügge gesehen. Zn der vorstehenden Meldung der enalischeti Admiralität ist zu bcmerten, daß am 23. April nachmittags fünf Uhr einige unserer Torpedoboote, die vor der flandrischen Küste übten, von fünf feindlichen Kampfflugzeugen ohne jeden Erfolg angegriffen wurden. Irgendwelcher Schaden oder nennenslvcrter Mensck>enverlust ist nicht entstanden. Die feindlichen Flugzeuge wurden durch unsere sofort zur Abwehr ausgestiegenen Kampfeinsitzer vertrieben. * London, 26. April. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Amerikauische Blätter berichten, der Kapitän des amerikanischen Dampfers „Mongoli", eines Sck)iffes von 13 639 Tonnen, habe gemeldet, daß sein Schiff von einem deutschen U-Boot durch Gcschützfeuer zum Sinken gebracht rvorden sei. Kopenhagen, 26. April. (WTB.) Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten teilt mit, daß nach einer Meldung der Vereinigten Dampffchiffahrtsgefellschaft der Dampfer „Dd uu" auf der Reise, von Frederikshavn nach Kristiania mit Reisenden und Ladung von einem deirtschen Kriegsschiff aufgebracht und nach einem deutschen Hasen überführt worden ist. Aus dem Wche. Hindenüurg an den Reichstagspräsidenten. Berlin, 26. April. (WTB. Amtlich.) Generalseldmar- schaff v. H i n d e n b nr g hat an den Präsidenten des Reichstages Dr. Kämps auf den ihm übermittelten Gruß des .Haushaltsausschnsses des Reichstages folgendes Antwort- telegramin gerichtet: Euerer Exzellenz nutz den mitunterzeichneten Mitgliedern des 5^aushaltsauSfchuffes des Reichstages danke ich für die Uebermittelung der Kundgebung an unsere selo- grauen Helden. Mit freudiger Znjtimmung Sr. Majestät des Kaisers, meines allerhöchsten Kriegsherrn, habe ich die Kundgebung dem Feldheere bekannt gegeben. Das Gelöbnis des ganzen Volkes, mit aller straft itnd unerschütterlich unserem geliebten Baterlande den Frieden zu er- kämpsen, eint Heimat und Heer. Der N-Vootkrreg und der HaupLausschntz des Reichstags. Berlin, 26. April. (WTB.) In der heutigen Sitziurg des Hau Pta ns, chusscs des Reichstages mackte bei der Beratung des Marineetats dr Staatssekretär des Reichsmarineamts vettraüliche Mitteilungen über die Scekriegsführung. Wie bisher, stätrde der U-Boots krieg umer dem Zeichen: Große Erfolge, geringe Verluste. Auch für den Neonat April sei nach den bisherigen Meldungen ein sehr günstiges Ergebnis zu ernrarten. Tie mit machematischer SicKrheit er- fotgenfr' Zusamrnenscheumpffmg des unseren Gegnenr zur Ver sügung stöl-enden Schiffsraums und die hierdiircki bedingte steigende Lebensmittelnot. der stets wachsende Niaugel an Kohlen, Erz und Grubenholz äußerte sich) bereits in schärfster Firn:. $lu einioen Bei- ftiekn erläickerte der Staatssekretär den Einfluß, den der U-Boot- Aieg ans die wirtschaftlich- und nlilitärische Lage unserer Gegner ausgeübt lxit. Trotz der scharfen Zensur in den Ententeländenc (amen doch genügend Nachrichten zu uns. die epfcmtcit ließen. wie der ff-Bootkrieg England und damit auch automatisch seine Hilfsvöffer an seinem Lebensnerv getrvffen habe. Sehr bezeichnend sei folgende Auslassung der „Mornrng-Post" vom 16. April: „Die Zahl des wirtlich versenkten englischen Schiffsraums würde zwar geheim gehalten, doch neige sich die Wagsclmle zu Gunsten Deutschlands, und dieser Gewinn der Unterfedwotc werde tvahrscheinlich in arichlnetischer Progression zmrehmcn." Die Marine habe bisher alle Ertvartungen, die sie aus die^Verhängung der Seesperre gesetzt hatte, vollauf bestätigt gesunden und zweifle nicht, daß England in absdl)barer Zeit gezwungen sein mürbe, die nötigen Schlußfolgerungen M ziehen. Falsche Gerüchte. Berlin, 26. April. (Amtlich.) Von unverantwortlichen Elementen wird in letzter Zeit das Gerücht verbreitet, daß eine weitere H e r a b s e tz u ii g der M e h l r a t i o ir für die nächste Zeit geplant sei. Ties Gerücht ist aus der Lu ft gegriffen. Tie vorhandenen Bestände bieten die völlige Gewähr, daß die zurzeit deu Konmiunalv-erbändeu überwiesene Mehlmenge weitergegeben tverderr kaum Das Publikum würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn es die Verbreiter derartiger beunruhigender Gerüchte zur Anzeige bringen würoe. * Berlin, 26. April. (WTB.) Am 25. April 1917 wurde die Vereinigung großstädtischer Zeitungsverleg e re. V. mit dem Sitz Berlin SW. 68, Zimmersttaße 7, begründet. Derselben hat sich bereits der weitaus größte Teil der maßgebenden Berliner Zeitungen arlgeschlossen. Augsburg, 27. April. (B. T.) Der bayerische Minister des Innern Dr. v. Brettreich wendet sich in einem Flugblatt an die b a y e r i s ch e La n d b e v ö l k e r u n g. Es wirb in allen landwirtschaftlichen Betr^eberr verbreitet und erinnert an die Mihrpflicht in der jetzigeir schweren Zeit. Aus Stadt und Land. Gießen. 27. April 1917. Arbeitszeit und Behandlung der Kriegsgefangenen. Bon sachverständiger Seite wird uns mitgeteilt: Bon der Jnspck.iou ist die Arbeitszeit für ^iegsgesangen^ i;t der Landwirtschaft auf 12 Stunden ohne die Pausen festgesetzt. Arbeiten während der Heu-, Körner- und Karwsfelernde oder sonst bei besonderen Gelegenheit^ die Landwitte länger, so sind auch die Kriegsgefangenen verpflichtet, länger zu arbeiten! Für jede Stunde, welche über 12 Stunden gearbeittt wird, hat der Arbeitgeber aber eine Prämie von 20 Pfennig für die Arbeitsstunde an ieben Kriegsgefangenen zu zahlen. Wenn also der Laridwirt beispielsweise morgetrs 0 Uhr mit der Arbeit beginnt, so hätte der .Kriegsgefangene bei zweistündigen Eßpausen bis abends 8 Uhr zu arbeiten. Wenn es die Verhältnisse erfordern, daß nach 8 Uhr werter gearbeitet wird, so ist der Kttegsgefangeue gleichfalls rerpflichtet, weiter zii arbeiten. Nur ist dann für jede weitere Stunde die oben erwähnte Prämie, zu zahlen. Die Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen soll 6 Stunden' liieht überschreiten. Für diese 6 Stunden sind 30 Pfennig, wie au Werktagen an den Kriegsgefangenen zu zahlen. Wird an Sonn- mtb Feiertagen länger als 6 Stunden gearbeitet, so ist für jede n'eitcre Arbeitsstunde au dir Kriegsgefangenen eine Zulage von 20 Pfennig zu zahlen. Das Viehfüttcrn wirb nicht als Sonntags- ci"l eii int Sinne der vorgenannten Berfügimg angesehen. Bei dem Mangel mt Dienstpersonal ist streng daraui zu achten, daß die .Kriegsgefangenen diesen A-nordmmgeii der Inspektion iiachlömmen. Keinesfalls dürfen die Kriegsgefangenen besser gehalten irrtb vor allem besser verpflegt werden als deutsche Arbeiter. Da insbcsolidere auf landwittschaftlichen Arbeitskommandos die Eruährungssätze des von der Inspektion herausgegebenen Merkblattes für Ernährung der Kriegsgefangenen auf Arbeitskomman- dos nicht eingehalten Mid sogar Eier, Vollmilch sowie Butter als Brotausstricb an Kriegsgefangene verabfolgt werden, wird die Inspektion iür die Folge dieienigen landwittschaftlichen Arbeitgeber, welche nicht die Einsicht haben, daß sie sich d>rcch die Berab- solgung der oben genannten Nahrungsmittel an Kriegsgefangene schwer an ihren Vvlksgeiwssen versüirdigen, denen sie durch ihre .Handlwigsweise die Nahmugsmiitel vorenthalten, durch Entziehung der Vcrpslegungsrückvcrgütung für die Dauer eines Monats bestrafen. lffiserc wichtigste dlufgabe besteht jetzt darin, die Feldbestellung durchzuführen, stzamit unsere Bevölkerung mit Nahenngs- mittcln versorgt werden kann. * Lebensmittel. B r o t g e t r c i d e n n d M e h l. Es wird wiederholt darauf hin gewiesen, daß die Brotmarkcar nur während des ausgedrnckten Zeitabschnittes Gültigkeit haben. Es ist deshalb unzulässig, daß Backwaren oder Mehl auf diese Karten bereits vor dem Gulsigkeits- termiu abgegeben oder entnommen werden. ** Zuckerverbrauchs-Regelung. Um den Bedürfnissen der bäuslichen Obstversorgimg enteegenzukonnnen, ist die 2lus- gabe des Zuckers durch eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in iluscrem heutigen Blatte so geregelt, daß die Mengen für Mai mid Juni schon im VLai verteilt werden und daß außerdem eine Sonderzulage für Obstvetteilung,, im ganzen 3000 Gramm Zucker, zur Ausgabe gelangen. Näheres darüber siehe Anzeigenteil. Da mir einer späteren Obstznckerverteilung nickt mehr zu rechnen ist, müssen diese Mengen bis zur Einmachzeit aufgehoben werden. ** Eier. In der Woche vom 30. April bis> 5. Mai ds. Js. werden in beit bekanmeir Verkaufsstellen Eier abgegeben. Giltig ist die Eiermarke 1, auf die ein Ei entfällt. ** Gemüse-Konserven können gegen Bezugsabsckintt8 der Lebensmittelkarte in Kleinhandelsgeschäften verabfolgt werden. Itt>er Abschnitt berechtigt zur Entnahme voll Konserven im Gewichte voti ' i Kilogramm. Siehe Anzeige. ** Der Bezugsabischuitt 5 der Lebensmittelkarte nürd als verfallen erklärt. ** Hessische Goldw o che. Dem Aufruf des Ober- bücoermeisters der Stadt Gießen zu. opferwilliger Betätigung bei der hessischen Gvldwock>e schließt sich in turserem heutigen Blatte ein Ausruf des Proviuzialdir. Gehennerat Dr. U s i n tz e r für deu Kreis Gießen an. „Das Gold hercnts" ist jetzt die Losung. Und siirwahr, auch auf dem Lande lvird nach manches Ewld zu finden fern, das beit goldenen Panzer unserer Rüstung verstärken helfen muß. Wer in den Truhen und Kästeil nachsieht, wird sicher erneu veralteten Goldschmuck oder alte Goldmünzen hervor- lramen, abgesehen von vielen Goldfüchsen, die noch immer wie ein Schatz gehütet werden und damit für die Lfflgemcin- heit entwertet sind. Diese verborgenen Füchse dürfen nicht länger in Strumpf und Truhe liegen bleiben. Wer das tut. ist wie der Knecht in der Bibel, der das Talent, das ihm! anvertraut war, vergrub, statt damit zu wuchenr. Und der Staat kann damit wuchern ziun Besten der Allgemeinheit. Wir brauchen Gold für die Bezahlung wichtiger Einfuhrwaren und für die Unterlage von Banknoten, für deren Ausgabe die Verstärkung der Reichsbaukveserveu unerläßlich ist. Es wird vielen nicht leicht fallen, sich von alten und neuen Schmuckgegenständen zu trennen. Möge aber jeder bedenken, daß es eine vaterländische Tat ist, die ihm selbst nnd seinen Brüdern im Schützeirgrabeu wieder zugute kommt. Das Opfer ist auch nicht einmal so groß, da die Goldankaufsstelle den vollen Goldwert vergütet. Liefert daher ohne länger ^u zögern euer Goldgesckvncide ab. ^Gelegenheit dazu bietet brs zum 1. Mai die hessische Goldwoche. Sorgt, daß der Kreis Gießen sein Teil ziun Gelingen des va^r- ländischen Werkes beiträgt. ** AmtlichePcrsonalnachricht. Am 21. April d. IS. wurde der Regierungsbausührer des Hockbausackrs, Ludwig G ö tz , aus Darmstadt zum Regierungsbaumeister ernannt. ** A u szeichnun g. Musketier Otto Luch, der vor einigen Tagen da^ eiserne Kreuz 2. Kl. erhielt, Wierde jetzt zum Gefreiten befördert. ** Ein Gießener auf der „Möwe". Wie bekannt, ist ja unsere tapfere Mäven-Mannschaft in Berlin angetmn- men und mit der gebührenden Dankbarkeit empfangen worden. Auch unsere Stadt Gießen darf stolz sein, denn auch sie hat einen Mitkämpfer unter den herrlichen blauen IungenS. Ober-Signal-Gast Heinrich Weißen st ein, der zurzeit in Urlaub in seiner Vaterstadt weilt, ist wohl Zeuge manches Untergangs feindlicher Schiffe gewesen. L. U. Die erste Immatrikulation findet am Samstag, den 28. April, mittags 12 Uhr, in der kleinen Aula des Vorlefunasgebmldes, Ludwigstr. 28, statt. ** Warn un g. In den letzten Tagen hat ein angeblicher Vertreter einer Mannheimer Firma, von Haus zu Haus gehend, versucht, gutgläubige Menschen dazu zu beschwatzen, sich Photographien in Miniawrernail übertragen zu lassen. Die ganze Art nnd Weise des Geschäftes deutet auf einen offenkundigen Schwindel. Mir die Her- stellung der schlecht bernalten Miniaturphotographic, zu der gleichzeitig auch eine SilberdoublLeinfassung bestellt werden muß, werden 6 Mk. und 50 Pfg. Portokosteu verlangt. 3 Mk. sind sofort anzuzahlen. In früheren Fällen ist der Schwindler meist mit der Anzahlung von 3 Mk. verschwunden, ohne daß die Betrogenen die Verkleinerung, noch die vertrauensvoll mit gegebenen Photographien jemals wiedergesehen haben. Es besteht begründeter Verdacht, daß es sich in diesem Falle um ein ähnlickses Vorgehen handelt. Sollte wirklich die Bestellung eintressen, so wird ihr reeller Herstellungswert den Preis von 50 Pfg. kaum überschreiten Um der Person des „Vertreters", der sich in feldgrauer Uniform befindet, habhaft zu werden, werden alle, die ihm einen Auftrag erteilt haben, gebeten, der Kriminalpolizei sachdienliche Mitteilungen zu machen. ** Treilebenslängliche P frunden sind aus der Plockischen Stiftung an geborene Gießener zu vergeben. Siehe Bekanntmachung. ** Die Auszahlung der Familien unter st ützun- aen an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen fpr 1. bis 15. Mai bezw. für April findet vom 30. April bis 5. Mai im Stadtyause statt. Siehe Bekanntmachung. ** DerVereiuigtc Kanin chenzucht-un dPflegc- vcrein Gießen läßt am Sonntag im „Hotel Sckütz" einen Vortrag des Ausschusses über Kanincbenaufzucht und Feilverlver- tung halten. Näheres siehe Anzeigenteil. ** Die 4. Straßburger Mün st er-Geld-Lotterie, deren Zielrung bereits am 9., 10. und 11. Mai stattnnder, bietet wieder Bar-Geld-Gewimre von 75 000, 30000, 20 000, 10 000 Mark usw., die für nur Mk. 3,— gewonnen werden können. Die Lose dieser Lotterie werdet! sehr schnell geräumt sein: die Lose ä Mk. 3,— (Porto und Liste 35 Pfg. extra) sind in Lotterie-- geickäften rmd Losverkaufsstellen zu haben. Siehe Anzeige. ** Das heutige Kreisblatt Nr. 72 enthält Bekanntmachungen über^ Verkehr mit Eiern. — Verkehr mit Brotgetreide und Mehl. — Srren- und Futtermittel des Waldes. — Kindersolbad in Salzhausen. — Versütternng von Hafer an Ochsen und Kühe. — Ausbruch der Räude unter Pferden. — Ausbruch der Räude unter Fohlen. — Feldbereinigung Ober-Bessingen. Landkreis Gießen. ** Allendorf a. d. Lahn, 26. April. Me Hindetckurgspende brachte an freiwilligen Gaben 472 Pfund Speck, 1 Pfund Wurst, ! Pfund Zucker. 1 Pfund Grieß, 16p? Pfund Erbsen. 3 1 / 2 Pfund Linsen. 5 Pfund geschälte Gerste, 4V» Pfund Mehl, 43 Pfund Dörrobst, 183 Eier, 3 Eimer Marmelade einschließlich 4 Glas esjelec und 24 Mk. 25 Pfg. bar. -m- M ü n st e r, 26. April. Dem Musketier Wilhelm Ruppe l , der seit 1915 ununterbrochen im Felde steht, wurde wegen hervorragender Tapferkeit das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen. — Aus dem westfäliscken Industriegebiet wurden hier 11 und in dem benachbarten Ober-Bessingen 24 Kinder untergebracht. — Zur 6. Kriegsanleihe wurde bisrri: Vermittlung der Vertrauensmänner die schöne Summe von 20 600 Mk. gezeichnet, die Schüler brachten für Kriegssparkarten 860 Mk. aus. — Die F r ü h j a h r s b e st e l - l u n g mit Gerste und Hafer ging hier gut und rasch vonstatten. Da Sie betreffenden Felder drainiert find, waren sie frühzeitig trocken. Auch die Wintersaaten haben in den drat vierten Feldern am besten überwintert. Das Kart osselstecken hat bereits fernen Anfang genommen. Kreis Schotten. O Gedern, 25. 2lpril. Gefreiter Heinrich Schweitzer, Sohn des hiesigen Oberbriesträgers Schweitzer, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Er ist auch bereits Inhaber der Hessischen Tapferkeit s medaille. Starkenburg und Nheinhessen. — Langen, 25. April. In der .Kirschenallee in der Offen- thaler Landstraße entrindeten Buben eine Anzahl der schönsten Kirschenbäume, so daß diese absterben müssen. --- V o n d e r B c r g st r a ß e, 26. April. Die wenigen warmen Tage dieser Woche haben in den geschützten Lagen die Obstbaum-- blute bereits zu voller Entfaltung gebracht. Da die Blüte vier Wochen später als sonst eingesetzt hat und scliarfe Nachtfröste nicht mehr zu befürchten sind, erwartet man bei dem überreichen Blütenbehang für dieses Jahr eine gute Ernte. Kreis Wetzlar. ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 24. April. Das Königl- Konsistorium ersucht die Geistlichen, daran mitzuwirken, daß Kinder aus Städten und Industriegebieten zur Erholung auf dem Lande in bäuerlichen Familien nntergebracht werden. Obwohl große Lasten in dieser schweren Zeit auf ihren Schultern lägen, möchten sie doch nicht erlahmen in der persönlichen Werbe- und Hilfstätigkeit. Sie werde sich zu vollzieheir haben im Benehmen mit den Land- leuten. Hessen-Nassau. — Frankfurt a. M., 27. April. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer gesl-rigen Sitzung ausgiebig mit der Bescktaffung von Milch. Sie stimmte nach längerer Aussprache einer Magistrats Vorlage zur Errichtung von großen Sänglingsmilchivirtschaften auf vier großen Hofgütern zu. Der gesamte Betrieb auf diesen Gütern erfolgt auf Eigeu- rechnung. Vorerst werden auf diesen Gütern 600 Kühe eürgestellt. Zugleich sollen Schritte getan werden, um an der llnioersität eine wissenschaftliche Milchwirtschaft betreiben zu können. — Der Magistrat hat die Errichtung einer städtischen amtlichen Nachrichtenstelle beschlossen und mit deren Leitung einen journalistisch gebildeten Herrn betraut. Bei der Frage der Kartosselverso rgung trat Stadtrat Dr. Rößler für eine Beschlagnahme sämtlicher Kartoffeln ans dem Felde ein. mr. F r a n k s u r t a. M., 26. April. Der Magistrat schließt mit hiesigen und auswärtigen Gärtnern Lieferungsver-- träge, um den Bedarf der Frankfurter Bevölkerung sicher zu stellen. Etwaige Ueberrestc auf den Märkten werden in den Brauereien zu Trockengemüse für den Winter gedörrt, die Ueberreste an Obst sollen in einer Konservenfabrik zu Halbfabrikaten und Marmelade verarbeitet werden. Um der Bevölkerung die Benutzung des nahrhaften Rhabarbers und der Zitronen zu ermöglichen, wird die Stadt im Monat Mai statt 600 Gramm Zucker 800 Gramm auf den Kopf der Bevölkerung verteilen. Dem Mangel an Jischkonserven und frischen Fischen will man gleichfalls durch Abschluß von langfristigen Liefernngsverträgen abhclfen. — Allem Anschein nach dürste dieses Jahr mit einer Obsternte vollen Ertrages auch in hiesiger Gegend gerechnet werden. Die Obstbäume haben sämtlich Knospen in größter Anzahl angesetzt und die Schädlinge sind durch den strengen Winter größtenteils vernichtet worden. Aprikosen und Mandelbäume stehen trotz der kühlen Witterung in voller Blüte. — Franks urt a. M., 26. April. Die -Verwaltung des Pal- mengartens beschloß dem Schöpfer der Palmengartenanlagen, Heinrich Siesmeyer. dessen 100. Geburtstag sich heute fährt, ein Denkmal zu setzen. Die Verwirklichung des Planes soll erst nach dem Zläiege geschehen. 0 Ans dem Kreise F r a n k e n b c r g, 26. April. Die alten Kupferbergwerke in Jtterthal. die lange Jahre ruhten, sind seit zwei Jahren teilweise in Betrieb gesetzt worden. Das Bergwerk zu Thalitter hat schon eine gute Ausbeute geliefert und jetzt ist man daran, auch die Bergwerke, zu Goddelsheim und Niederense eben- falls voll in Betrieb zu nehmen, sowie ein neues Grnbenfeld des Reviers AppelaUd aufzuschließen. Höhere Beamte aus Berlin und Herren aus dem Kriegsministerrum besichtigten kürzlich die Anlagen. — Bei Haine zeigte sich bei einer Treibjagd ein Rudel Hirsche. Drei der stattlichen Tiere wurden dabei erlegt. «irehttche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge l5üd-Anlage). Samstag, 28. April. 1917. Vorabd. 8,30. Morg. 8.30 Uhr. Abds. 8,55 und 9,30 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, 28. April 1917. Freitag, abd. 8. Samstag, vormittag 8,30, nackm. 5. Sabbatausgang 9,30. Wochengottesdienst: morgens 7, abds. 8 Uhr. rrnivsrsNäts«Nacd»'ichten« ]f Marburg, 26. April. Die Vorlesungen in der Universität beginnen wegen des Kohlenmangels erst am 30. April. Briefkasten -er Bedaktion. Neichardshain. Anonyme Einsendungen können nicht berück- sichttgt werden. Letzte Nachrichten Klärung der inneren Politik Oesterreich-Ungarns. Wien. 26. April. (WTB. Nichtamtlich.) Wie das „Neue Wiener Abendblatt" erfährt, werden morgen die kaiserlichen Ham> schreib.« veröffentlicht, die die Rücktrittsanerbieten der Mmnttn von Bärenreick-e, Urban und Bobraynski nicht annehmen. >pamtt erfährt die inncrpolitische Lage eine vollständige Klärung, die ourch die vorgestrigen Beschlüsse der deutschen Parteien und dre gestrig! Stellungnahme des Polcnklnbs vorbereitet ist. . Eine österreichische Antwort an dir Sozialdemokratie. Wien, 26. April. lWTB. Mchtamtl.) Unter dem Titel „Antwort au die Sozialdemokratie" veröffentlicht das ,Fremdwblan einen Leitarttkel, dessen 6>edankengangetwa folgender ist: ~>u' aus den Blättern zu ersetzen ist, sind die österreickfichen, ungaraschen und deutsche Sozialdeniotraten von deni Wunsche «Mertel, zur Beendigung des furchtbaren Weltkrieges das I'tzrrge de'.zu tragen, aus eigenem Antriebe zusammengetreten, um die < 5 rag. zu cröttern, ob durch internationale s o z i a l i st i s ch e B e r a tun gen die Sache des Friedens gefördert und der Weg, zun. Friedensschluß geebnet werden kann. Im Anschluß an dme rn Berlin abgehaltenen Besprechungen l>at die deutiche^ozraldenro kratie in der „Internationalen Korrespondenz" die (>-rage an die Regierung gerichtet, ob diese bereit sei, offiziell zu erklären, daß sie auf Annexionen verzichte, und in der Resolution, däe auch mit Zustimmung der Vertreter ans Oesterrnch und Ungarn gefaßt wurde, ist als wichtigste Pflicht der Partei verzeichnet worden, die Regierungen zu einen! fiaren Vcr'.iä)it auf jede Eroberungspolitik zu veranlassen. Eine ErNärung über dieum Pinitt wäre nun eigentlich überflüssig, da die verschiedenen ?leuste- rungen der rsterreichischt-ungarischen Regierung die genniuscute Antwort schon enthielten. Wenn die Oefsenüichkeit aber am neue Erklärung hören mochte, so kann ihr geiagt werden, daß unsere Monarchie absolut keine aggressiven Pläne gegen Rußland hat und auch nicht beabsichtigt, ihr Gebiet mrf dessen Kosten zu er weitern. ^ . Von sozialdemokratischer wie von jeder anderen Leerte wrro man gewiß anerkennen, daß die osterreichisch-uugarische Regierung damit in vollkommen offener und fieimüttger Weise und ohne luu- schweise sprach. Das Auslaird darf in dieser Stellungnahme der österreschisch-ungarischen Regierung kein Zeichen von ^chwää)ege- fühl erblicken, wie hiermit ausdrücklich konstatiert werden mag, da' die feindliche Presse, um die Wirkung unserer Friedenskundgebuugew zu durchkreuzen und ihren Sinn zu cittskellen, das dem PuÄikum der Ententcländer als Beweise der Abnahme unserer Widerstandskraft vorzuführen liebt. Die gegen uns kämpfenden Truppen würde'.' sich, wenn sie solchen Darstellungen Glauben schenkten, in einem verhängnisvollen Irrtum befinden. Der Großniesier über den Frieden. Berlin, 27. April. Zu Verttetern hiesiger Blätter äußer:-? Talaat Pascha über die Friedensfiagc sich rvie folgt: Meine Stellungnahme zu dieser Frage ist Ihnen ja bereits aus meiner Unterredung mit deni Vertreter des ..Tanin" bekannt. Ich war wohl nicht der Einzige/ der sich geäußert hak. Der Reichskanzler Herr von Bethmann-.Hollweg hat gesprochen, Gras Ezernin Hai gesprochen, auch Radoslawow hat gesprochen, tlnsere Aeußecungeu gehen alle in derselben Richttltrg. ^ Wir haben erklärt, daß wir zum Frieden bereit sind, aber ebenso sind wir zum Kriege bereit. Es wird also kommen, wie es der Feind haben will. „Und lvie stellt sich die Türkei zur Frage der Annexionen und Entschädigungen, die doch von Oesterreich-Ungarn gerade ictzr so Uar beleuchtet wurden?" „Ich will auf Detacks nicht ein gehen, um das Gewitp- unserer prinzipiellen Erklärungsü nickt obzusckwäcken. Ich wiederhole, wir sind zum Friedm bereit. Ist auch der Feirtd dazu bereit, so wird sich die Verständigung fntden." Im weiteren Verlaufe der Unterhaltung äußerte sich der Groß wesier über die militärische Lage der Türkei und Deutschlands in durchaus optimistischer Weise. Er erklärte n. a.: Ich habe ein Telegramm von Eirwer Pascha erhalten, wonach die Engländer in der Schlacht bei Gaza 10 000 Mann verloren haben. An den anderen Fronten wird ebenfalls heftig gekämpft, aber wir sind- stark genug, um uns die Feinde vom Leibe halten zu können. ,,Dann bettachten Euer Exzellenz die allgemeine Lage als durchaus optimistisch?" „Es ist fein Grund für Befürchtungen vorhanden." Zwangsrationierung in England. Rotterdam, 27. Aprit. Der' N. Rott-Evur. meldet aus London: Lord Devonport wies im Oberhause daraus hin, daß mit den Lebensmitteln tnehr gespart ircrden müftE. Es sei notig, die Brottationiecung einzusühren. Diese Warrrung und die gestepu verösfentlichte Zahl der torpedierten Schifft, die eine starke Si i genmg austveist, ntachten Eindruck. Times verlangen die sosorkige Einführung von Zwangsrationen. Hurd stellt im Daily Telegravu die Lage als nnrklich gefährlich dar. Ertgland habe für dinugend.t Bedürfnisse an Lebensmitteln und Rohstoffen ungefähr 1500 groß' See-Schiffe zur Verfügung. Davon seien seit 19. Februar 130' samt Ladung zerstört wordew Wenn der Schiffbau in England nutz Amerika nicht ein Maximum erreiche, drohe eine schwere Kata-- strophe. Der liberale Kriegsausfchnß erklärte sich für sofortige Rationierung. „Oie inner© Front“. sieben den militärischen Großtaten des Heeres hat in diesen! Kriege die Militärverwaltung im Innern Außerordentliches geleistet. Während aber an Werken über die Schlachtfront kein Mangel besteht, fehlt es an Schriften Über die Bedeutung und das Wirken der ^Inneren Front", uorzuglick der Generalkommandos. Es ist daher zu begrüßen, daß A. Jandorfs Verlag in Berlin eine mit 12 Originalzeichnungen und niehreren Autotypien künstlerisch ausgestartete Monographie über die ^slnnere Front^ berausgebrackt hat. in der unter dem Titel „DaS Ober- kommando in den Marken" alles Bedeutende, lvas Generaloberst v. Kessel und sein Stab in der Gestaltung eines Generalkommandos geleistet hat. gemeinverständlich geschildert wird. Dem Werk kommt um so größere Bedeutung zu, als. wie der Verleger Sl. Jandorf in seinem oleleirwort sagt, das größte der militärischen Handbücher bisher unter dem Schlagworte „Oberkommando" nur drei Beilen enthielt. 3378 Vermietungen Elegante 175 r- 3 imm.-Wohnmrg 1. Stock, mit allem .Kubehör. Gas und elck>r. Licht, ab 1. Avril od. später zu vermtet. S. Ganß, Bleichstraße 26. [ Verschiedene Schöne 3-Zimmer-Wvhnung, möbl. od. unmöbliert z. verm. 02559 Bleickrstraße 27. 1 . St., ni. allem Zubeh. v. 1 7. zu verniieten. .Zu erfragen in der Geschäflsstelle des Gießener Anzeigers. 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Melior Erika Kayser Rosemarie Kayser. Giessen, Darmstadt, den 26. April 11)17. Bereinigter Kürnnchenzuchj- und Pflegeverein Gießen. .. ..Am Souutag, dru 29. Avril 1917. nachmittags -» Hör mtöet tnt .sank 1 des »>otel Lchiiir, Bahnboiftratzc, ein Borirag des Ausschusses über Kamiichclimiffncht und Frltvrrwcftunq stott, woraus nochmals aufmerksam gemacht wirb. Be-- kalmte und Interessenten sind cUcnsalls eiugeladen. Weiter bringen wir nir Kenntnis der Mitglieder, das; der Vorstand eine beschrankte Menge -öen beschaff! bar. BcueNnnacn nimntt der Bar übende -dorst, ScllcrSmeg :tt, bet welchciu alles weitere ,;u lidicu in. sofort entgegen. ^ ie Ausgabe evfofnt am Montag, den :w. Avril 1917, nachmittags. GWTtDj Tcr Borstand. Grosse. Sendung orsetten eiugetroifen. zma Nachruf. In ihrem Heim&tsort Ober-Bessingen, wo sie die letzten 4 Jahre lebte, entschlief im Alter von 83 Jahren Fräulein Magdalene Mietete 60 Jahre hatte sie unserem Haus treu gedient und werde ich mit meinen Angehörigen ihr ein dankbares Andenken bewahren. Fritz Nowack Ausstattungs-Geschäft und Wäsche-Fabrik. Bilanz aai l. Sfjtinkr 1916 i>6 Ksnsuin-VrttW Altcn-Vilsclk, r. 8. nt. u. H. / ■ 02568 Marie Prinzessin zu Solms-Lich. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme an unserem lieben Entschlafenen, sowie die Kranzspenden sagen wir herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Babel Familie Heinrich Babel Kätcheu Babel. Gießen, den 26. April 1917. Schttne Ferkel zu verkaufen. 0257N Neustadt 7», II. ;5loci starke Länferschweinc 51! verkaufen. 02577 _Iio_ Daher Stand Ende 1916.— 199 Direktor: Stellvertreter: Kasfensührer: L. Vogel. Ludwig Becker IV. H. Freund II. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schmerzlichen Verluste, den wir durch den Tod unseres lieben Gatten und Vaters erlitten haben, sagen wir herzlichen Dank. 02538 Familie Friedrich Bolz. Gießen (Krosdorferstr. 37), 26. April 1917. MUMM liefert in ]etter gewünschten Ausstattung stilrein u.preiswert M» Briifai’stht U*iv. • ßruakerei Füidzinteige Kultivatoren bat noch abzugeben 3359 Maschinenhnndsung Milk»- ÜHSfii, Gro ßen - B useck. Ein Fahrrad m. Bereisung. 1 einspänniges viersttzigeS Brcack mit Geschirr, sowie ein «euer Qckono,nie Wagen steht zu verkaufen bei Wilhelm Dieb! 1., Ruppertsburg. Bo st Laubach iQberh.i 13.37 5 Gut erb LillÄersnort v^vIlld. u. 1 ^rlllFWssedios zu uer- lauser t Br o^hstr. 7 p. [025.80 _ Vo rHch i ejlenc s. Jen nehme den Klavierunterricht wieder auf. 02575 Amalie Holzapfel. Frankfurter Straffe 12, lk. Bekanntmachung. Der vom Gemcinderat dnrchberatene Voranschlag der Gemeinde Odenhausen für 19), 7 Rj. liegt vom Montag, den 30. April dS. Js. ag eine Woche lang ans bem Amtszimmer der Unterzeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Äusinärkcr beizutragcn haben. Großh. Bürgermeisterei Odenhausen. Lang. 3365 Odenhansen, den 25. April 1917. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gieffen. Betrifft: verkehr mit Eiern. In der Woche vom 3\ April bis 5. Mai b. Js. werden in den bekannten Verkaufsstellen Eier abgegeben. Gültig ist die Eiermarke 1. auf die ein Ei entfallt. Gieffen, den 26. April 1917. 33678 Ter Oberbürgermeister - Keller. Betrifft: verkehr mit vrolgetrride und Mehl. Es wird wiederholt darauf hingew-iesen, das; die Bronnarkeu nur während des aus denselben ausgedruck- ten Zeitabschnittes (Äiltigkcit haben. Es ist deshalb unzulässig, daff Backwaren oder Mehl aus diese Karten bereits vor d e nt G ü l t i g k e i t s t e r,m i n abgegeben o d e r/e n t n o m m e n werden. Zuwiderhandlungen iverden nach den bestehenden Verordnungen bestraft. 33686 Gießen, den 26. April 1917. Ter O berbürgermttftrr: Keller. Bcrkanf von Gemüse-Konserven. 1. Zn den Kleinhandelsgeschästpn. die im Besitze von (Amiüsekonserven sind, können Gemüsekonserven gcgrv Barzahlung und Abgabe de; vezugsabschnitts 8 der tebenkmittelkarle entnommen werden. Jod er Abschnitt berechtigt zur Entnahme von Konserven im Gewichte von 1 / i kg. 2. Der Belitz ron Gemüse lomerven ist von den Kl ein- Handelsgeschäften durch Aushang eines von der Straße ans lesbaren Schildes anzuzeigen. 3. Es dürfen nicht höhere Preise genommen werden, als im. Kreisln 7tt Nr. 70 von: 24. April 1917 angegeben sind. L Tie abgelieferten 9C b sch ni11e N r. 8 sind von den Kleitrhande!sgeschäften zu sammeln, ans Bogen auszu- kleben n;rd inner Angabe des Namens des (Geschäfts uni) der Anzahl der abgelieserten Ltbsclmittc dem ^tadt. Lebensmittelamt bisspäte st ens 7. Mai 1917 zur Prüfung einzureichen. 5, Der B e z u g s a b f ch n i t t 5 der Lebensmittelkarte wird als verfallen erklärt. 6. Vorräte ^an Gemüsekonserven, die bis zum 7. M n i 19 17 nicht ab gesetzt sind, sind dem Stadt. Lebensm ittelamt von den Klein Handelsgeschäften schriftlich anzuzeigen. 33706 Gietzen, den 26. April 1917. Tcr Oberbürgermeister: Keller. Zuckerverbrauchs Regelung. Ärnt Verfügung Großh. Diinisteriums des 3tatcnt vom 7. April d. Js. und auf Gruno des 16 der Ans-- führnngsbefnmmnngen der Reichenckerftelle vonr 27. Septe'.nver 1916 wird hiertnit folgendes bekannt gegeben: 1. Die für die Monate Mai und Juni 1917 zustehenden Zuckermengen gelangen im Monat Mai 1917 zur ÄuSgabe. ES können daher auf die Zucker-» marken Nr. 12 bis 15 je 250 Gramm Zucker bezogen werden. Mit Ablauf des 31. Mai 1917 ver^ Itereit diese Marken ihre (Äültigteit. 2. Im Monat Mai 1917 gelangt eine Sonder-- zulage von Zucker fürdiehäuslichc Obstverwer- t u n g zur Ausgabe. Es können auf die Zuckermarken Nr. 16 bis 2 3 je 2 5 0 Gramm Zucker bezogen werden. Mit ?lblauf des 31. Mai verlieren diese Marken ihre Gültigkeit. Auf die Zuck-rmarke Nr. 23 darf an die Verbraucher nur Kandiszucker abgegeben werden. 3. Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, da ff mit einer spätere n Obst- zuckerzuteilung nicht mehr zu rechnen ist: jeder hebe daher diese Mengen für die E i n m a ch z c i t auf. 33696 Gießen, den 25. 2lpril 1917. Ter Oberbürgermeister: Keller. Es sind drei lcbepSlangliche Pfründen aus der Plockischen Stiftung an aeborcne (dieüencr zu vergeben. Die Bedachten und gehalten, in die Provinztal-Siechen- anstalt hier einzutreten. Meldungen nimmt daS städtische Arinenamt, Astermeg st, bis zum 20. Mai dS. Js. cntgegcu. <31748 Die 2luszablung der F^amilienuntcrstüt«ungeu an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen für 1. bis 15. Mai bezw. für Zlpril findet statt: a) Reichsunterstützung: An diejenigen, deren Namen beginnet! mit A—H Montag, den 30. Avril 1917 J — R Dienstag, den 1. Mai 1917 8 — Z Mittwoch, den 2. Mai 1917 b) Weitere Unterstützung (MietSzuschuffr- An diejenigen, deren llcamen beginnen um A —II Donnerstag, den 3. Mat 1917 .1 — R Freitag, den 4. Mat 1917 8 — Z Samstag, den 5. Mai 1917 c) An Vermieter, die Mictbeträge abbolen: Montag, den 7. Mai 1917. Die Außzahlnngen nnden von 8- 1 Uhr im Stadthaus, Zittnner Nr. 7 statt. Die Unterstützungen dürfen nur au den borge nannten Tagen abgcbolt werden. Gieffen, den 26. Avril 1917. 3366V Der Oberbürgermeister. Keller. Silzversteigtkiliig iier Stadt kitßen. Montag, den 3 0. April 1917, vo r i)t ittags 9'A. Uhr beginnend, werden in den Waldungen der i 45 3 1,3 121,1 9 Stadt Gieffen versteigert. 2,86 Fm. Fichten-Terbstangen Rm. Eichenscheit „ 5?utnbuch^nscheit Buchen-Knüppel ,. Eichen-ftuüvpel ,, Fichten-Knüppel 2880 Wellen Eichen-Reisig 50 „ Fichten-Reiftg 300 „ Dainbuchen-Reisig 35,2 Rm. Eichen-Stockhvlz. Tie Zusammenkunft ist auf dem alten Stembicher Weg an der 6. Sckmeisc. ^bolzHändler sind vom Mitbieten ausgeschlossen, ^veder Steigerer darf mrr seinen Eigen-Bedarf steigern. Gießen, den 23. April 1917. 32878 Ter Oberbürgermeister: -I. V.: Grünewald.