Nr. 81 Der Stehener Anzeiger erscheint tätlich, außer Sonntags. - Beilagen: rießenerFamjlicnblätteri Nreisblali für -en Ureis Gießen. vezngrpreis: monatl. 90 Bf., viertel- jährl. Mk. 2.65: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch die Post Mt. 2.45 Vierteljahr!. ausschl. Bestellst, yernsprech - Anschlüsse: für dre SchristleikunstHZ Verlag,Geschäitsstelleül Anschriit für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen. Erst« vlalt voimerrtag, 5 . April Postscheckfont»: Frankfurt a.M. U686 General-Anzeiger für Oberhessen limine von Anzeigen Tagesnummer bis Vankverkehr: Gewerbebank Giehen Zwillmgsrunddruck u. Verlag: Srührsche Unio..vi,ch- u. Steindruckerei R. Lange. Schriftlettung, Geschäftzstelie a. Druckerei: Schulftr. 7. Rnuai die nun Nachmittag vorher. ZelleuoreiL, s. Anzeigen: örtlich 20 Pi., Vermietungen u. Stellengesuche 1 b Pf., auswärts 25'Bf., b Plahvoi-schrist' 30 Pf., Reklamen 75 Pi.,, bei Plagvorschrist 90 Pf. Hauptschristleiler: Auq.. Goet;. Verantwortlich für Politik u.FerliUewn: A"a. Goetz. Stadl . , b- Lcr.^, VernnschteS u richtssaal: Fr. R. Zen,.. v. Beck, Anzetgentell: s ä irr t l l ch MTB.) Großes Hauptquartier, 4. April. Mmtllch.) Westlicher Kriegsschauplatz. Von Lens bis Arras war auch gestern der Feuer- kmnpi lebhaft. Westlich von S t. Q u e n t i n und zmifthen Somme und Dise setzten die Franzosen ihre heftigen Erkuudungsangriffe fort. Mit blutigen Opfern erkauften sie Boden, der von uns schrrttweise preisgegeben wurde. __ Bei Laffa u r, von der auf Soissons nach Nordosten führenden Straße, scheiterten nach starkem Feuer einsetzende französische Vorstöße. Die von uns bei Reims erkannten Batterien, Befestigungsarbeiten urid Verkehr wurden von uns unter Feuer genommen. * Neun feindliche Flugzeuge und zwei Fesselballons sind von unseren Fliegern abgeschossen worden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des G'enernlfeldntarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Zwischen Meer und Pripjet blieb die Artillerietätigkeit in mehreren Abschnitten rege. Am mittleren Stochod wurde der von den Russen timf dem Westufer gehaltene BrückenkopfvonToboly *«n Miseren Truppen, denen beträchtliche Beute in Hand stieb, genommen. Beiderseits der Bahn Zloczow^-Tarnopol steigerte sich zeitweilig der Geschützkamvf. An der Front des Generalobersten , . ^ % Erzherzog Josef srÄ bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls vou Mackensen ist die Lage unverändert. Mazedonische Front. Geringe Gefechtstäligkeit. . Unsere Fliegergeschwader bewarfen den Bahnhof Vctte- rop (südöstlrch tton Vodena) ausgiebig mit Bomben. Dadurch entstandene Brände wurden durch Lichtbild festgclegt. Der Erste Generalauartiermeistcr L u d e n d o r f f. Der Abendbericht. B e r l i n. 4. April. (WTB. Amtlich.) Im W c ft e n bei Regenwetter nur in wenigen Abschnitten lebhafte Artillerietätigkeit. Im O ste n und in M a z e d o n ie n nichts Wesentliches. von Coöoly am 5tochod In beinahe drei Kriegsjahren haben die Deutschen PW) eine G-emütslage aneignen können, die kaum noch durch Spannungen auf große Schlachtenentscheidnngen an der: Fronten erschüttert werden kann. Die Kämpfer draußen sind zu Stahl geworden, und wir Harrenden in der Heimat sind mit ruhigem Vertrauen gefestigt. Es gab bei uns' keine Acmgstlichkeiten, der Feind könne unsere Reihen durchbrechen und deutsches Land besetzen. Wir hegten immer nur gegenteilige Erwartungen. Und wenn ein Miesmacher sich einmal in trüben Stimmungen pessimistisch äußerte, so bezog sich das immer nur auf die karg und schwieriger gewordene Lebenslage im Innern. Was aber im deutschen Volke oft mit brennender Ungeduld erwöge:: und besprochen wurde, das waren neu entstehende politische Kriegsprobleme. Die Zahl unserer Feinde vermehrte sich, und vor jedem Abfall eines uns ungünstig oder feindlich gesonneneil Volles hatten wir unsere eigentlichen Kriegserregungen; da bäumte sich unser Stolz, unser Rechts- gefühl auf, und da emp ja irden wir die schmerzlichen Enttäuschungen, wie wenig geliebt und wie sehr gefürchtet und schlecht ungeschrieben wir draußen waren. Die englische Verhetzung hatte ihren Hanptanteil daran. Auch heute, !vo die einsetzende:: großen Frühjahrsenä- fcheidungeu in erste r Linie unsere 5oerzen erzittern machen sollten, ist unsere Spannung vorwiegend wieder auf die äußere politische Lage gerichtet. In Akußland und Amerika sind die. neuesten großen Fragezeichen vor uns auf- gestanden. Ein neuer Feind über dem Ozean! Aber da Vas Unabänderliche geschehen ist, fügen lvir uns in die bewährte Oiuhe und Geduld. Nur ein häßlicher neuer Gedanke sitzt uns dabei quälend aus der Seele: unser Friedensangebot vom Dezember und die deutsche Antwort an die Dermittlungstheorie Wilsons hatte so lerfreulich entschieden unterstricheil die Absicht, mit unseren Gegner:: selbst zu unterhandeln, die internationale, auch vou „Neutralen" beschickte Konferenz beim Abschluß des Friedens abznlehnen. Nun ist aber Amerika zu unseren offenen Feinden übergegan- geu uuo ijüo't ■- oa.. u zu r: -t—u. c*. vc. yieiu ft i.igem Friedensschluß aller am Kriege Beteiligten ebenfalls mit zu Tische sitzen wird. Das ist uns ein lästiger, ein quälender Gedanke, und darum mischt sich in unser Urteil über die ktzlen Aeußerungen Czernins, des Leiters der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns, ein ausquellender Drang der Mlehnung. Wir knüpfen alt die neue Stimmung in Rußland, an dre den neuen russischen Gewalthabern vorgeschrie- bene neue Methode gewisse Erwartungen. Rußland soll unteren Konferenzvorlchlag vom Ende des vorigen Jahres noch einmal prüfen. Sieht es ein, daß der Zar Nikolaus schlecht beraten gewesen ist, so weichet säh Miljukow vielleicht noch einmal an die übrigen Staaten der Entente, um eine bessere Würdigung des deutschen Angebotes zu erzielen. Dann wäre am Eiche die Möglichkeit gegeben, daß England und Frankreich aufs neue widerstreben und der Sonder- lriedensgedanke im Zarenreiche festere Wurzeln schlagen mußte Nur von dieser Seite aus besehen, läßt sich Czernins ^?a^llung an Rußland billigen. Gerade im jetzigen Augen- olia, wo Amerika als neuer Kriegsteilnehmer auftaucht, ist es keinesfalls angenehm und klug, wenn bei uns von neuer Neigung zu allgemeinen Friedenskonferenzen gesprochen wurde. Denn es liegt auf der Hand, daß noch wüster als je zuvor unsere Friedensneigung uns als wachsende Ähwäche ausgelegt würde. Der „Vorwärts" schreibt in seiner Mittwoch- Nummer folgeiide Sätze: „Wilsons Rede wird noch Anlaß zu mancherlei Erläuterungen geben. Besviiders bemerkens- wert dünkt uns aber seine Auffassung, daß die russische Revolution zur Wiederherstellung des Weltfriedens beitragen könne. Daiiach scheint der Präsident der Meinung zu sein, der deutsch-amerikünische Krieg könne zum Abbruch gelangen, noch che er sich vollstälidig entwickelt hat. Für diese Möglichkeit spricht auch der n eue Kon fere n z v o r- schlag Oesterreich-Ungarns, die Anwesenheit des österreichischen Kaisers im deutschen .Hauptquartier und die Reise des amerika n sichen Botsa-nfters in Wien nady Wck< sh:ngton." Gegen diese Auffassung der Lage muß denn doch' Anspruch erhoben werden. Es ist Oesterreich-Ungarn nicht eingefallen, einen neuen Konfer-enzvorschlag zu machen. Darum freut es uns, in der „Köln. Ztg." heute folgende aus Berlin datierte halbamtliche Feststellung zu lesen: „Es ist aus der Lage heraus verständlich, daß au alle' diese Aeußerungen, wie auch an die NachriclZt von der Fahrt des verbündeten. Kasierpaars und der leitenden Staats:nänner ins Große Hauptquartier zahlreiche. Kommentare geknüpft wurden. Es nt bedauerlich, daß einige wävw. den r^lKigen Weg verfehlen und dazu beitragen, den Eindruck zu erwecken, als ständen wir rm Begriff, mit einem neuen Friedensangebot an unsere Feinde hevanzutreten. Diese Bedeutung dessen, was sich m den letzten Tagen abgespielt hat, ist unrichtig Daß nur grundsätzlich bereit sind, in Verhandlungen lur einen ehrenvollen Frieden einzutreten, ist von der deutschen Regierung ^ederhplt offiziell erklärt worden. Ueber die Vorbedingungen dazu kann niemand im unklaren sein Daran kann auch die Gestaltung der Dinge in Amerika nichts ändern. Diese klare Sachlage darf nicht durch eine falsche Auslegung der Kundgebungen und Vorgänge der letzte Zeit verdunkelt werden Wir sind in der Lage, in Ruhe abwarten zu können, wie sich die Dinge im Lager unserer Feinde entwickeln. Bei der Möglickcheit, daß die Gerüchte und Deutungsversuche iwch weiterhin den falschen Weg gelten, erscheint es nötig, noch einmal ausdrücklich festzustellen, was auf Grund der maßgebenden Erklä rungen des Reichskanzlers sich von selbst versteheii sollte." Der öfterreichifch-nngarische Tagesbericht. Wien, 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 4. April 1917. O e ft l i ch e r Kriegsschauplatz.^ Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Nichts mitzuteilen. Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Jofef. Ein österreichifch-nngarischer Flieger schoß im Raume von Okna ein russisches Niruport-Flugzeug im Lustkampf ab. Heeresfront des Ge n e r a l fc ld m a rsch a l ls Prinzen Leopold von Bayern. Am mittleren Stochod nahmen wir, erf-ebliche Beute ettrbringend. den russischen Brückenkopf Tobol in Besitz. Sonst vielfach Aufletzen des Geschützkampfcs. Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * * * Der türkische Sieg bei Ghaza. Berlin, 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Der englische Angriff auf Gaza war in größtein Stil vorbereitet. Nachdem die Engländer die vom Suezkamrl in östlicher Richtung dem Meere leirtlang gebaute Eisenbahn bis Chan Junis, 20 Kilometer südwestlich von Gaza fertiggestellt hatten, versuchten sie am 26. März sich in den Besitz dieses Platzes zu setzen. Nach zweitägigem Gefecht wurden sie unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. An dem Gefecht waren auf englischer Seite etwa 4 Divisionen, meist berittene Truppen beteiligt. Die türkischeir Truppen hatten sich glänzend geschlagen. Auf dem Schlachtfelde wurden 3000 tote Engländer gezählt. iDer Feind zog sich in südwestlicher Richtung zu.rück. Kvnstantinopel, 4. April. (WTB.) Anläßlich deZ glanzenden Sieges, den die türkischen Truppen, unterstützt durch die tapferen österreichisä>-ungarischen Batterien, über den sehr starken Feind bei Ghaza davongetragen'haben, fand ein Depeschenwechsel zwischen dem Sultan und Kaiser Karl statt. Beide Herrscher drückten die Ueber- zeugung aus, daß die Verbündeten Heere in einer nahen Zukunft Erfolge erringen würden, die den endgültigen Triumph ihrer gerechten Sache sichern würden. Die Haltung Amerikas. Washington, 4. April. (WTB.) Die Regierung hat beiden Häusern eine Ensichließung zugchen lassen, in der erklärt wird, daß der Är ie gs z u st aiu d mit Deutschland besteht. Die ^Beratungen der Entschließung wurden auf den nächsten Tag verschoben. erdam, 4. April. (WTB.) Nach einer Reiltermeldimg wurde Wilsons Rede im Kongreß mit begeistertem BeifaL ausgenommen. Ter Kongreß soll heute (4. April) die Resolution über den Kriegszustand tu Behandlung nehmen. Man nimmt cm, dav der Kongreß sie in eiriem oder zwei Tagen annehmen wird. ^as Re-ckeriche Bureau meldet weiter, daß R o o s e oel t, der gestern in Washington nxir, den Wunsch äußerte, eine Division aniecckansicher Truppen zusammenzubringen und sich cm ihre Spitze an die Front in Frankreich zu geben. Washington, 3. April. (WTB.) Meldung des New- terschen Bureaus. Das Marinedepartement gibt bekanrrt, daß Maßnahmen getroffwr inerden zwecks Zusammenwirkens zwischen der amerikanischen Flotte und den Flotten der Ententemächte. Die Fübrer der demokratischen Partei haben beschlossen, dauernd Sitzungen im Senat abzuhalten, bis die Kriegsresolution mrgenonrmen ist. Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegen-' heiten hat der Resolution der Idegierung zugestimmt, die erklärt, daß der Kriegszustand mit Deutschland tatsächlich bestehe. - ^ A msterdam, 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einem hrestgen Blatte meldet die „Times^' aus Wksistngwn: Jedermann» spricht hier über denKrieg. Die Rekrutierung ist in vollem Gange. Ueberall sieht man militärisches Leben. Man darf zunächst von den Vereinigten Staaten keine zu großen Dienste erwarten, denn ste smd nicht besser gerüstet als England zu Kriegsbegrnn. Dre militärischen Maßnahmen, die bisher ergriffen worden sind, dienen ausschließlich der Verteidigung. Der AufrufvonFrei-' wa l lügen durch den Präsidenten nürd aber ben Anlaß zu einer Ltgttation geben, um eine Expeditionsarmee zu entsenden. Viele wiirden es gerne sehen, daß einige Divisionen der regulären Armee sofort über See geschickt wiirden. Aber mit Mckstcht auf Mexiko und eventtrelle Unruhen im Innern wäre es unverständig, die kleine stehende Armee y\x verzetteln. Vielleicht wird es später möglich sein, ettoas in dieser Richtung zu unternehmen. Im Augerdlick ist es wahrscheinlich, daß stch Washington dainit zustieden geben wird, seine guten Absichten dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß es das amerikanische F l i e g e r g e stch w a d e r im Westen in eins amerckairilche Truppe umwandalt und durch Freiwillige verstärkt. Die Revolution in RuhIanS. Der Kriegsminister fordert Heeresverstärkung. Petersburg, 4. April. (WTB. Nichtamtl.) Kriegs- minifter Cu tsch kow erließ einen Tagesbefehl, in Welchem hervorgehoben wird, daßdieaktiveArmeeneu^rBe- stände an Offizieren und bedeutender Ber- stärkungenbedarf. Deshalb erklärt der Kriegsminister, daß kein Offizier oder Soldat, der nicht im Rücken der Bevölkerung eine nützliche Beschäftigung hat, dort bleiben darf, sondern sofort zur Front zu gehen hat. Der Minister weist gleichzeitig alle Armeebefehlshaber und alle Vorstände der militärischen Verwaltungsbezirke an, die Listen der dort beschäftigten Offiziere und Soldaten zu prüfen und nur die zu behalten, die wirklich unentbehrlich sind. Die übrigen sollen in die Reserveregimenter versetzt werden, um schnell aus- gebildet und unverzüglich zur aktiven Armee geschickt zu werden. Neue Kundgebungen in Petersburg. Petersburg, 4. April. (WTB. Nichtmntlich.) Nach einer Meldung der Petersburger Delegraphen-Agentur fanden am 2. April neue Kundgebungen verschiedener Teile der Pktersburger Garnismt vor' dem Tanrö- scheu Palais statt. Die Truppe:: führte:: rote Fahnen mit Aufschriften, wie-beispielsweise: Wir wollen uns an die Front begeben! Unter anderem hielt der Dnmapräsident Rodslanko eine Rede, in der er sagte, ein freies Rußland^ würde ohne den Sieg über die Deutschen nicht bestehe:: können. Weiter nwldet die Acrentur, die Offiziere, die die Ar- titlerieschule Michailowsk: besuchen, hätten der provisorischen Regierung das Verttauen ans ged rückt, daß sie Rußland zun: entsckMdenden Siege über den äußeren Feind ühren. Anfglerufen, für eine ausgedehnte ^Erstellung von Munition für die Armee und Flotte zu arbeitei:, seien alle Artilleristen fest entschlossen, alle Kennttüffe und V T T,f\ t « A-Vt t Sv IW« V-» AI » «Az»* . r. / . 'w > - I rfV Pttervburg. mm n» at u u i c i» u n o Soldaten au sickust m lebbmen AnseinanderseMngen, als Bagdad erklätte, der Ausschuß sei so zahl:e:ch Er bestehe zurzeit aus 3000 Mitgliedern. Bagdanow verlangte eine Einschränkrcng der Mitgliederzahl. Tie Arbeitervertteter loiderseNten sich heftie der Forderung und erklärten, daß sie keine Aenderuna in txn Zusanunensetzimg des Ausschusses z-ulassen würdeir Wie Radio ferner nrcldet, wurden alle Mitglieder der Dyrmstie ausgesori>'rl hfcS §xrupkAÄr»er $u betfttfftii und sich nach P-ederShurg zu he- geben. Petersburg. 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Delegrnpbenagentur. Aus der Provinz ein- treffend; Nachrichten bozeirgen, daß die Bevölkerung einstimmig wünsche, den Krieg bis zum Siege fort- zusetzen. Die Vertreter der Kosaken erklärten in einer großen Versammlung in Tiflis, alte Kosaken wünschten: den Anschluß an das Volk zu beweisen und so alten Ge Nichten entgegen zu treten als könne das alte Regime aus ihre Unterstützmrg zählen. Alle Kosaken Ottenburgs sollen der neuen Regierung den Eid geleistet haben. In Charkow fand, wie die Agentur meldet, ein Revolu- Lionsfest statt, an dem 30 000 Vertreter verschiedener Organisationen teilgenomnren hal>en. Ein Kultus für die bei der Revolution^ gefallenen Opfer breite sich in ganz Rußland aus. U'nauf-, Irlich werde an der Umgestaltung aller örtlichen und Kreisorgane gearbeitet, die später ausschließlich mit Personen, die das öffenlliche Vertrauen genießen, beseht ioerden sollen. s zugleich 20 Millionen Döcrrk alte Kriegsanleihe in neue 4i4prozentige Sckftitzanweisungen unrgetauscht. Willst Du unseren iodesmutigen 0 Boot-Helden zu Hirse kommen? Zeichne Kriegsanleihe! Englands Mangel an Seeleuten. Kopenhagen, 4. April. (WTB.) Englands Mangel an Seeleuten ist deutlich am Mter der Mannschaft der an- Vommenden Schiffe orkainbar. Es sind entweder viel zu junge oder viel zu alle Leute, um den Dienst ordnungsmäßig versehen zu können. Das brauchbare Material ist längst eingezogen. Man versucht mit allen Mitteln neutrale Seeleute anzuwerben, wir drohenden Mangel zu verhiiteir. Klagen der' Schiffsbesatzungeni über schlechte 'Verpflegung sind in letzter Zeit allgemein. Auch neutrale Schiffe können in England nur mit allergrößten Schvierig- ieiten den notwendigsten Proviant erhalten. Der geringe Kartoffelvorrat in England. Berlin. 4. April. Wie die „Times" mitterlt, erklärte der llnterstaatsickretär Fathurs ini Unterhaus, daß in Großbritannien — außer Irland — etwa 150 000 Tonnen Kartvsseln vorhanden find. Das bÄ>nite, daß bis Mai aus den Kopf der Bevölkerung ein Pfund wöchentlich entfällt. T Harne (Arbeiterpartei) wies jedoch darauf hin, daß An Osten Londons Familien von ach: bis neun Köpfen nur drei Pfund in drei Wochen l*efantnu 2 i konnten. Seefrfeg. Die versenkten norwegischen Schiffe. Kristiania, 4. April. (WTB.) Laut „Tidens Tegn" rsind seit dem 1. Februar 105norwegischeSchiffe von Srrfammen 106 000 Tonnen Gehalt verseil kt worden, hiervon alleiil im März 64 Schiffe mit 103 000 Tonnen. Die norivogische Flotte ging seit Neujahr um 149 Schiffe mit '233 000 Tonnen Gehalt zurück. Laut ,',Norges Handels og Sjoefartstideilde" sielen seit Anfang März siebzehn norwegische Dampfer dem Versuch, Kohlen' und Koks ans England nach dtorwegen zu.holen, zum Opfer. Kristiania, 4. April (WTB.) Nach einem Telegramm des norwegischen Generalkonsuls aus Bilbao cm das norwegische Ministerium des Aeußern wurde der Ber- gerrer Dampfer „Jdrmaua" (1386 Tonnen), mit einer Ladung Kohlen von Cardiff nach Lissabon unterwegs, von erreem deutschen Tauchboot versenkt. — Der Toens- JEvger Dampfer.^Havlys^ (532 Tonnen), in Ballast von Äandeftord nach England unterwegs, wurde am Montag labend westlich von Lindesnaes versenkt. — Der Bergen er Dampfer „Mauränget, der am 20. 'Dezember mit einer Ladung Kies von Pomaron nach England cu. Die Menge an Kunsthonig oder Syrup, die auf jeden Abschnitt entfällt, sowie der Beginn der Ausgabe wird noch bekannt gegeben. ** Bestandsaufnahme der Gemüse-Konserven. Um eine gleichmäßige Verteilung der im Handel befindlichen Gemüse-Konserven unter die Bevölkerung zu ermöglichen, habere Groß- und Kleinhändler der Stadt Gießen bis spätestens 12. ds. Mts. ihren Bestand an Gemüse-Kvnserven schriftlich dem Städtischen Lebensmittelamt anzuzeigen. Die angezeigten Vorräte werden den Händlern belassen. Näheres siehe Anzeige. * ** Am tliche Pe tsonalnachrichten. Der Großheczog hat den Generalleutnants Io suite Fei Herrn von Hehl auf dessen Antrag von der Stelle als Vertrauensmann des Landesvec- bandes Jnngdentschland .und als Vertrauensmann für die militärische Vorbereitung der Jugend im Großl-erzogtum Hessen enthoben und zu seinem Nachsiotger in dessen Stellen den O^rreral- major !z,. D. von lJoen winden des Rabbinats Darmstadt mir dnn Amtssitze Darmstadt. — In den Ruhestand versetzt wurde: am 31. März die Lehrerin Anna Marie Nauheim er zu Mainz aiff ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen, treuen Dienste von: 1. April 1917 an. — Ter Grvßherzvg hat anr 14. Februar d. Js. dem Königlich Pveußrschoq Gel-ermen Baurat K l i m be r g, Vorstand des Ersen balMbettiebS* amts in ,Kreuznach, die ^Krvüe $um Ritberkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Plstlipps des Cl-voßmütigen und dem Königlich Preußischen Eisenbahn-Haupttasserendanten Rechnungsrat A r e n ö in Mainz dos Ritterkreuz 2. Klasse dieses Ordens a:is Anlaß ihrep Versetzung in den Ruhestand verliehen. — Ltm 3. Älpril d. Js. wurde der Steuevaufseher Georg Beck in Friedberg vom Tage seines Dienstantritts an zun: Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Dieburg ernannt. — Erledig t ist eine mit eurer katholischen Lehrerin zu besetzende Schul stelle an der Volksschule zu B ü r st a d t, Kreis Bensheim» ** Der Kirchengesangverein beabsichtigt vereint mit 'dem akademischen Gesangverein Karfreitag abend eine größere kirchliche Musikanfsührung zu veranstalten, die gleichzeitig als Gedächtnisfeier für Max Reger gedacht ist, dessen Todestag sich am 11. Mai jährt. Negers plötzlicher Tod! auf der Höhe des Lebens und des Scknaffens kam nicht als Vernichter, sondern als vertrauter Freund, auf dessen Vbahnnng^ der Lebende immer gehorcht, uni> dessen geheimnisvolle Weise fast in alle seine Werke tstneinklang. In seiner Jugend sah er viel Sterben und bittere Todesnot, und drese Eindrücke erschütterten ihn iuxfy als reisn: Mann. Deshalb wundert es uns nicht, daß seine Kunst ahnungsvoll vor denk letzten Geheimnis steht und er oft die Frage nach dem Kommenden tut, und wir begreifen den Zauber, den Bach auf ihn aus übte imb daß die protestantische Moral zum Begleiter . seines Lebens ward. Der Orgel gehören die meisten seiner ersten Schöpfungen an, darunter Choralphantasien nach Bachschem Verbilde, der Orgel hat auch Negers letzte Schöpfung gegoltene Op. 145, und am Tage seines Todes arbeitete er noch an der Korrektur des gemischten Chores „Der Mensch lebet und bestehet, nur eine kurze £eil." Er griff auch hier wieder auf den Choral zurück und knüpfte an die Ueberlieferungen der alten a capella-Ge- sänge an. Einfachere Töne, wie in dem letztgenannten Chore, schlug Reger in seinen Chvralkantaten an, die er zu den Hauptfesten des evangelischen Kirchenjahres komponierte. Sie sind als Op. 79 f in bent Jahve 1904 in München entstanden. So sehr sie Bach- schen Geist atmen, so sehr unterscheiden sie sich in der Form von den Karitaten jenes Meisters. Wälzend bei Bach der bekannte Wechsel zwischen ©Ijor, Recit. und Arie mit dem Schlußchoral des Chores vorl-errsckft sind Negers Kantaten in freier, dem Sinne der einzelnen Strop!>cn angepagter Variations- und Figurativns form geschrieben. Der einst vor: H. Schütz angeregte, später von Hcrzogenberg in seinen Kirchenoratorien weiter verfolgte Gedanke, die Zuhörer durch eingestreute, von der Orgel begleitete Choräle sich an der Aufführung selbst beteiligen zu lassen, ist von Reger irr der Weise vollständig durchgesührt worden, daß er die Gemeinde in dem Variationsgefüge selbst, tells allein, teils während des variierten Gesanges des gem. Chores mit dem in gleich schwebendem Rhythmus zu singenden Cant. firm, eingreifen lässt. So ideal nun dieser Gedanke auch ist, so schwer ist er (wenigstens in unseren Gegenden) durchführbar, da unsere G^neinden nicht die gleichschweb enden, sondern die rhythmisierten Choräle gewöhnt sind, ferner die Füi)lung zlvischen Gemeinde, Chor, Instrumenten und Orgel eine viel zu lockere ist, um gefahrlos imb ohne Proben das ganze Gefüge znsammcnzulialten. Auch bei der heiligen Kar- fteitaasaufUlTrung muß dal-er der Gemeindegesang durch Frauen- und Knabenchor ersetzt werden. Auf diese Weise' wird der Hörer ein allgemeines Bild der gedachten Gesamtwirkimg dieser eigenartigen und tief enrvfund-enen K'irclienkompositionen Negers erhalten, — zu ihrer wirklichen Größe allerdings können sie nur erstehen durch bte Wärme der eigenen, regen Beteiligung der Gemeinde, die allein das rechte Band um das Ganze schlinat. ** Ein Wohltätigkeitskvnzert zugunsten des deutschen U-Bootvereins, der bekanntlich auch in Gießen, eine Saminlung in die Wege geleitet hat von Liebesgaben für die Besatzung der deutschen 11-Boote, findet am 2. Osterfeiertag nachmittags und abends im Cg f 6 Astoria statt. Wie aus dem Inserat in der heutigen Munmer hervorgeht, wird düs Konzert von Mitgliedern der Kapelle des Ersatz-Bataillons ansgesührt. ** An dem Kurs über Elektro-Diagnostik und» Elektro-Tllerapie in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten haben zirka 70 im Militärverband stehende Aerzte, größtenteils von auswärtigen Lazaretten, teilgenommen. Vertreten rvaren, zum Teil durch mehrere Tellnehmer, Aachen, Augsburg, Vtäd Ems, Bad Kissingen, Bad Oen Hausen, Barmen, Bochum, Bocholt, Bonn am Rhein, Cassel, Castrop in Westfalen, Cob- lenz, Creseld, Düsseldorf, Eisenach, Fallenstein im Taunus, Freudenberg, Fürstenfeld-Bruck, (Bayern), Fulda, Gelsen- kirchen, Gießen. Gollma, Haar bei München, Kaiserswerth, Lübbecke i. W., München, München-Gladbach, Münster, Neuhaus i.W., Nassau, Nauheim, Nepelm, Trier, Uerdürgen, Warstein, Wetzlar, Wiesbaden, Würzburg. Als Vortragende haben bei dem Kurs außer dem Veranstalter, Prof. Sommer, die Herren Pros. König, Elbs, Berliner und Henneberg gewirkt. Mehrere Sanitätsämter haben den Kurs durch Kommandierung, Beurlaubung u. a. wesentlich gefördert. Der Verlauf des Kurses zeigt, daß in militärärztlichen Kreisen an der neurologischen Untersuchung und elektrisck>en Behandlung der Kriegsverletzten lebhaftes Interesse vorlwnden ist. . ** Gießener Fröbel-Seminar. Der vor vier- zehtt Tagen schon erfolgten Prüfung der Kinderpslegerinnen folgte Dienstag, den 3., und Mittwoch, den 4. April die Schlußprüfung der Kindergärtnerinnen. Sämtliche 16 Prüflinge, 8 Kindergärtnerinnen und 8 Kinderpflegerinneft, haben das Examen bestanden und treten, soweit sie gleich Stellungen annehmen wollten, sofort in diese ein. Leider nlußte die Leiterin des Seminars ivieder viele, z. T. sehr gute Stellungen, unberücksichtigt lassen: ein Beweis, daß stets Mangel an gut ausgebildeten Kindergärtnerinnen und Kinderpflegerinnen (Kindergärtnerin II. Kl.) ist. Dieser Mangel wird auch noch nach dem Kriege imnter fühlbarer werden, da stets mehr Kindergärten/Kinderheime u. dergl. errichtet werden und die Kindergärtnerinnen auch hier Verwendung finden können. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich noch mehr junge Mädchen diesem Berufe widmen würden. Es Gietzener Stadttheater. Heimat. Schauspiel von Hermann Sudermann. Wir haben uns mit Supermanns Kunst bei der Besprechung von „Stern unter Steinen" kurz ausernandergesetzt, so daß heute wemg nachzutragen bleibt. Auch die „Heimat" gewinnt ihren Konflikt aus der Gegenüberstellung gruirdverschiedener Lebensaiffchan- imgen, die aus engbegrenztem Felde aufeinander losgehetzt werden/. Decke: ist das Spiel zwischen dm beiden Parteien nicht gleichniäßig verteilt. Magdas Standpunkt ist dem des feigen Vertreters der bürgerlichen Scheinmoral gegerrüber von vornherein überlegen und der Konflikt, der sich tragisch aus einen dritten, den autokratisch- patriarchalischen Vater auswirkt, findet keinerlei Lösung, sondern wird durch den theatralischen Zufall eines Schlagansalls künstlich abgebrochen. Bei diesem dritten Drama, das Stckermann schrieb, -zeigen sich seine mrßeren Vorzüge wohl am augenfälligsten, was den Eriolg hatte, daß „Heimat" über alle Bühnen des )n- und Auslandes ging. Viel dazu bei trug natürlich auch die Rolle der Magda. die äußerst dankbar, in ihren Grundzügen kaum zn verfehlen ist und darum besonders bei Engagementsgastspirlen bevorzugt wird. Die Gastrolle der Magda hatte Tina Kißlin q. Wir lemten in ibr eine Schauspielerin kennen, die mit gutem Takt und feinem Empnnden die ganze Gesühlsskala der Windharfe spielen ließ, mit der sie sich einmal selbst vergleicht. Wohl ausgebrldet und wohl- laritend ist ihre Sprach', deren sympathische Klangfarbe allerdings vielfach von der Künstlerin auffällig stark als Gestaltungsmittel benützt ^vurde. Jchre Auffassung der Magda zeigte eine große Reise, die nrcht hmmer in dieser Rolle so überzeugend gestaltet wird. Nach der Magda zu urteilen, mtirc Tina Kißling eine schätzrns- werte \ -oft für unser nächsffährigeS Ensemble, wenn ihre Ver- ^vendungsmöglichkeit das i>olt, was ihre gestrige Leistung versprach. Ein zweiter Gast, Ludwig Urbach aus Stralsund, hatte die Rolle des Regierung-rrats von Keller geraählt. T^se Rolle ist bei der Zweideutigkeit des Clrarakters nicht ganz so dankbar, wie die der (Magda, aber ein guter Schauspieler vermag sie immerhin zu starker Wirkung -zu steigern. Ludwig Urbach interessierte im ersten Aufzug, vermochte aber später wenig neue Züge seiner Gestalt hinzuzufügcn. Seine Leistung verriet gute Bühnengewandtheit, aber keine besonders interessante psychologische AuZgestaltirng. Von den hiesigerV Kräften wurde unter dem Ansporn der O^äste Gutes geleistet. Wilhelm Hellmuth hatte den starren Charakter des alten Oberstleutnant ttefflich erfaßt uub führte den Kamps zwischen Stolz und Liebe, Härte und Güte nreisterlich durch. Auch seine Spielleitung verdiente alles Lob. Oskar Feig'el hatte im Pfarrer die ihm am besten liegende sstolle der ganzen Spielzeit gesunden, da ihr seine Erscheinung und vor allem die Tonfärbung seines Organes zugute kam. Seine Leistung war deinentsprechend besonders .glücklich. Adolf F a l k e n gab einen schmucken Leutnant ab, Vally Scheid- l e r ein gefühlvolles kleinbürgerliches Mädchen, Elli D o r n h ö s elr eine würdevolle alte Dame und Louise Deiosea die ausdringlick)« Tante. zz. Max Wesolowski. Dienstag abend trat Max Wesv- lowski zunr letzten Male als „Biegler" in Sudermanns „Stein unter Steinen" aus mck ver^bsch'cvete sich bannt vor Schluß de:' Spielzeit von Gießen ans Stadttbeater nach Essen. Wir »vollen diese Gelegenheit nickst vorliliergehen lassen, olpie die Leistungen dieses hervorragerrden Künstlers zusammenfassend nochmals gebührend hervor zu heben. Tie Rollen, die er gestaltete, waren die künstlerischen. Höhepunkte der diesjälpügei: Spielzeit. Was ihm besonders nachzurühinen ist, ist die tiefe Beriincerlichinrg, mit der er sich in die Psychologie seiner Clrarakter-Gestalte: versenkt. Ties ernröglichte es ihm, immer Mensckftn dazustellen, an denen auch dcr kleinste äußerliche Zug organisch aus der Gesamtcruffassung herauswuck)S, Menschen voll Blut und Leben, erfüllt von dem Geiste, den ihnen ilxr Dichter lieh. DaS Nacherleoen und Neu- schaffen ermöglichte auch die große Wandlmr-Ifül-igkeit von Aus- Ackc' zu Alufgabe, die Anpasffmg an den. jeweiligen Stil des Dichters :nrd das reiche Detail der Ausarbeittmg, von der llug gewählten Maske bis zur wohldulrchdachteu, scheinbar nebensächlichsten Geste. Max Wesolowski kan: vom Stadtthvcrter Aachen und debü • tierte als Nathan. Schon dieses Debüt ließ glänzende ^stalttmgs- fühigkeit des Künstlers erkennen, wenn er auch das Schwergewicht mehr ans Nathans Weisheit als Nathans Herzensgüte legte. Nach mehrerer! kleineren Aufgaben gelang es ihm, die nnglücktick^e stakt ldes Grenzjägers im „Weibsteusel" fest und scharf umrisseni darzustellen, sowie in QNessels „?ftter" den .Kantor prachtvoll zu charakterisieren. Vorbildlich in Maske und Spiel war sein Bur leigli in ,,Mjaria Stuart". Glänzend sein Arkas in „Iphigenie", eine Musterl-eistung der Malvolio in „Was iljt wollt" und von dämonischer Größe sein Leopold in „Könige". Sein eigentliches Feld zeigte sich aber erst in der Schöpfung Ibsen scher. Sudermann- scher und Hauptmuunscher Gestalten. „College Crampton" bot dev! 5künstler zum erstenmal die Gelegenheit, alle Eigenheiten seiiier individualistischen Darstellung straft in einer Meisterleiftung zusanunenzusassen. Wenn sich auch die Liebe und Hingabe, mit der Wesolowski die Gestatt Cramptons zeichnete, im Stile des Natu ralismus vielleicht etwas zu sehr bei einzelnen Charakterisierungsmitteln ^anshielt, so war doch diese Gestalt eine Tat von höchstem tunsllkrischen Werte. Das gleiche ist von der psychologischen Vertiefung des Konsul Bernik in „Stützen der Gesellschaft" zu sagen, und nicht zuletzt vom Biegler in „Stein unter Steinen", der vielleicht das beste war. was der Künstler uns aus großzügigk'r Tuvcbgestaltung bot. Es ist nur zu bedauern, daß die Kürze der mehrfach imterbrockiemm Spielzeit es nicht gestattete, dein gan* s)ervorragenden Kitnstler :u>ch tveitere Aufgaben zuzuweisen. Wesolows-kis Eigenart wurde auch in der ganzen Art seiner Regieführung kenntlich, die eine weitere, sehr achtbare Seite seines Könnens ist. Wir erinnern nur an den „Siebenten 'Tag", „College Cvampton", „Stützen der Gesellschaft"'. »