Nr. z o Zweiter vlatt Erscheint täglich mit Ausnahme des SanntagS. v eilagen: „Gietzener ZamiNendlittter" und „Ureisblatt für den Kreis wichen". p-stschccklonls: Frankfurt am Main Nr. U68b. Vankverkehr: chewerbebsnk Liehen. 167. Jahrgang MM i General-Anzeiger für Gberhesjen gteltag, 25. März (9(I ZwMingSruno.»ruct unö Vertag: Brühl'scye UnioerNlälS-Buch-ll.Strlndrnckerei R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulst uijje 7. cjdj&y.Ji teile ll. Vertag: Schriftleilung: 112. Anschrift für Lr^htuacbrichten:AnzeigerGietzen. Abstimmungen. Mb. Deutscher Reichstag. 8 9. Sitzung, Donnerstag, de n 22. März 1917. Am Tische des VundeSvatS: Graf R o e d e r n. Präsident Dr. Laempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Mi. nujen. Das Gesetz zur Aenderung des Reichsstempel- g« setz es wird zunächst abgesetzt, da ein Antrag und eine Entschließung dazu neu etngegangen sind. Das Relchsaml tss Znnm,. Die allgemeine Aussprache ist geschlossen, eS folgt die Einzelberatung. Neu eingegnngen ist ein An- trag Baffer mann (natl.), der den Reichskanzler erpicht, die Ueber nähme der Wasserstraßen aufdas Reich und die Schaffung einer Reichsämts für Wasser ft ratzen in di« Wege zu leiten. Die T tchsschttllommission. Bei d«r Reichsschulkommission weist Abg. ^Scsptlz- ^rfurt (Sc^.s auf die Mängel des Einjährig-FrerN'illigen-Syfiems hin, die aruh Generalleutnant Lihmann hervorgehoben habe. Das jetzige System entspreche weder dem Schulbcdürfnis noch dem Heeresbeducsniö. Man sollte die Volksschule mehr aukgestalten und ge^benenfallS eine fremde Sprache hinzunnchmen. Die Resolution über die Reichsschulkonferenz fordert kein ReichSschnlgesetz und keine Reichsschulbehörde, obwohl wir daö grundsätzlich anstceben. Aber alles zu seiner Zeit. Jetzt bestehen für die Dehaublurrg der hcimkekpeden Kriegsprimaner kleinliche, sinnlose, verärgernde ünlerschiede zwischen Nord und Süd, kleinen und großen Bundesstaaten. Die Losung der Frage, war das deutsche Schulwesen ans den Kriegserfahrungen lernen soll, darf nicht dem Zufall überlasten bleiben, toeil von der Verbessern,rg der Schnüre senS die wichtigsten Kulturfragen mit- berührt werden. Man braucht noch keinen Zwang, es g e n ü g t ein moralischer Zwang, der von einer Sachverständigen- konserenz auSgeht. Die «.mzclnen Fragen dürfen nicht auf 26 verschiedene Weisen behandelt werden, es mästen einheitliche Richtlinien festgeftellt werden. Auch baß Reich darf sich nicht der Initiative auf dem Gebiet der Erziehung begeben. Abg. Kuckhsff (Zentr): Das Einjährig-Freiwilligen-Shstem ist ein scharfer Eingriff in das mittlere und böhere Schulwesen. Die heutige Art der Prüfung ist nicht zweckmäßig. Auf unsere jungen LeutnantL sind wir stolz, aber es ist eine schematische Grenze, die oft verbitternd wirkt. Aeltere gebildete, durchaus befähigte Männer konnten aus Mangel der Berechtigung nicht Offiziere werden, oder sie mußten noch nachträglich die Prüfung oblegen. Selbst der hervorragenden Schriftstellern oder Leitern größerer Unternehmungen ist das vorgekommen. Die in den mittleren Klasten der höheren Schulen erlangte Bildung ist für das Wirtschaftsleben nicht geeignet. Heute handelt es sich um eine einseitige Berussberechtigung. Sie muß von den Schulen weggenommen und an die Schwelle des Eintritts in den Heeresdienst verlegt werden. Anders wird dem Tüchtigen keme freie Bahn. Die Berechtigung muß ausgedehnt werden auf künstlerische, technische und berufliche Bildung. Unsere Jugend muß geistig und sittlich geschützt werden. Ein Jngendschuhgesetz ist notwendig. Die Resolution halten wir für überflüssig. Die im Abgeordnetenhause angenommene ist bester. Sie weist vor allem auf den Aufstieg der Begabten hin. Die Schulfragen dürfen nicht zur Reichssache loerden. Au« pädagogischen Gründen mästen sie fern von der Politik bleiben. Der GeLanke der Rcichsschulkonferenz ist nicht durchführbar. Abg. Kerschensteiner (F. Vot.s: Daß Einjährig-Freiwilligen- shstem schadet dem höheren Schulwesen. Die Neichsschulkonfereng müßte auf ein einheitliches NeichZfchulministerium h'inz'elen. Ich bin aber gegen jede Zentralisation auf dem Schulgebiete. Sie hemmt die Entwicklung. Die Schule braucht Freiheit. Die Reformvorschläge wachsen jetzt, wie die Schwammerlinge aus dem Boden. Ich verspreche mir von-einer Reichsschulkonferenz nichts. Die Bundesstaaten werden sagen: Was gehen mich die Beschlüste der Reichsschnlkonferenz an? 26mal wird man kühl mit der Hand abwinken. Ministerialdirektor Lcwald: Nach diesen Darlegungen brauch« ich gegen den Gedanken der Reichsschulkonfe- r e n z nicht mehr zu polemisieren. Das Schulwesen ist Landessache aus den verschiedensten Gründen. Daran können wir nicht rütteln. Die Verhandlungen über den Einjährig-Frei- willigendiensl werden nach dem Kriege fortgesetzt werden. In der Frage der K r i e g S p r i m a n e r ist eine Einigung erzielt worden. ES liegt auch im Jntereste der jungen Leute, daß sie später no'i eine Prüfung oblegen mästen. Begrenzte Schulfragen können natürlich von den Einzelstaaten auch gemeinsam behandelt tverden. Abo. Ortmann (natl.): Die schultechnischen • Bedenken, namentlich daS der Ueberlastung durch das Einjährig-Freiwilligen- Tristem, halte ich nicht für stichhaltig. Daß viel an unseren Schulen herumgebessert wird, ist ein Zeichen für frisches Leben. Die Kriegserfahrungen dürsten eigentlich keinen besonderen Anlaß zu Neuerungen bieten. Du:ch die Reichsschulkonferenz tritt heinestvegs eine Politisierung der Schule ein. Ein Allheilmittel ist sie allerdings nicht. Von ihren Ergebnissen darf nicht zuviel erwartet werden. Fruchtbringende Arbeit ist nur zu erwarten, wenn sie sich' innerhalb ihrer Grenzen hält, die wir nicht erweitern wollen. Jedenfalls darf sie sich nicht zu einem dauernden „Schulparlament" auswachsen. Ueber die nationale Schuleinheit muß gesprochen werden; eine Einigung darüber bahnt sich an Die schu!gesetzliche Ausführung der vom Reich ausgestellten Grund'ätze muh natürlich den Einzelstarten überlassen sein. Die Nuchsschutkommission kann sich zu einer Zentralstelle für Erziehung und Unterricht auSgestalten. Den Kriegsprimanern, die Beamten werden, könnte man den .Heeresdienst auf daZ Desoldnngsdienstalter anrechnen. Abg. v. GGese (kons.): Auch nur ein moralischer Zwang auf die Einzelstaaten würde deren Entrechtung einlciten. Auch ohne Zentralisierung können allzu große Unebenheiten ausgeglichen werden. Abg. Kuncrt (Soz. A.-G,): In bezug auf eine preußische Initiative hegen wir das tiefste Mißtrauen. Deshalb treten wir für die Reichsschulkonferenz ein und für ein Reichöschulgesetz. Unser Ideal ist die Einheitsschule. . Abg. Dr. Junck (natl.): Es ist ein unerfreulicher Zustand, daß Kriegspriinaner des einen Bundesstaates nicht mehr die Schulbank drücken müssen, während sie in anderen dazu gezwungen sind. Eine größere Einheitlichkeit ist notwendig. Die Ergänzung des Wissens muß natürlich stattfmden. Ministerialdirektor Dr. Lcwald: Den Sckülern ist an- heinigestellt, in welcher Form sie die Notreifeprüfung ablegen wollen. Abg. Sivkovich (F. Vpt.): Wir müssen versuchen, die höhere Schule von der Umklammerung des Geldes frei zu mmhen. Heutzutage kann nur der Wsbshabende die höhere Schule besuchen. Desen Luxus können wir uns heute nicht mehr gestatten. Von einer Re>cksschnlkonferenz versprechen wir unS allerlei Anregungen. DeShakb sind wir für die Entschließung Damit schließt diese Aussprache. ES wird abgestimmt. Die Entschließung aus Einberufung einer Reichs- sch ulkonferenz wird mit schwacher Mehrheit mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und des Abgeordneten Kerschensteiner (Fortschr. Vp.) abgelehnt. Die andern Entschlieft u n g e n des HaushaltsauSschusteS werden angenommen. Die Anträge der Sozialdemokraten und der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft werden abgelehnt. Darauf wird die Beratung des Reichsämts des Innern unterbrochen. Die Aenderung deS NeichsstempelgefetzeS. Ein Gesetzentwurf empfiehlt, den bisherigen Steuerzu- schlag zum G r u n d st ü ck s st e m p e l bis auf weiteres auf- recht zu erhalten. Ein Antrag Dr. Arendt (Dtsch. Fr.), v. Payer (Fortschr. Vp.), Scheidemann (Soz.) will die Aufrechterhaltung nur bi- zum 1. April 1920 sestsetzen. Eine Entschließung Dr. Spahn (Ztt) will den BundeSrat ermächtigen, die G r u n d st ü ck s u m s a h st e u e r dann zu erlassen, wenn im ZwangSverkauf oder in dem zur Vermeidung der Zwangöverstcigerung vorgenommenen freiwilligen Kauf der dinglich Berechtigte das Grundstück zur Rettung seiner Forderungen erwirbt. Abg. Dr. Spahn (Ztr.): ES liegt uns daran, gewisse Härten zu beseitigen. Abg. Keil (Sog.) empfiehlt den Antrag Dr. Arendt. Mg Dr. Arendt (Dtsch. Fr): Wir müssen auf den $auC- besitzerstand, der sich in besonders schwieriger Lage befindet, Rücksicht nehmen. Abg. Zimmermann (natl.): Auch wir wollen keine unnötigen Härten. Statt 1. April muß es aber in dem Anträge heißen: 31. März. Aba. Waldstein (Fortschr. Vp.): Wir nehmen das Gesetz mit den beiden Anträgen an. Abg. Gras Westarp (Kons.): So berechtigt die Wünsche der Hausbesitzer sind, so muß doch ans die Finanzlage des Reiches Rücksicht genommen werden. Daraus wird die Vorlage in allen drei Lesungen mit dem Anträge Dr Arendt und der Anregung Zimmermann, sowie ^der Entschließung Dr. Spahn gegen die Sozialdemokraten angenommen. Die Aussprache wendet sich darauf wieder dem N e i ch S a m t desJnnern zu. Gesundheitsamt. Abg. Kunert (Soz. Arb. G.) bespricht bevölkerungSpolibische Fragen und beklagt beso,lders die Zunahme der Fraueuavbeit. Wir brauchen eine großzügige Sozialpolitik. Wir haben eine Unlerernährung, die an Hungersnot grenzt. Ungeheuerlich ist der Geburtenrückgang. Der Redner bespricht danm tue neuesten t^eigniste in Rußland. Präsident des Reichsgesundheitsamtes Bumm: ES ist ent-, schieden unrichtig, daß bei uns eine wahre Hungersnot herrscht. Die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen an Scharlach. Diphtherie, Masern, TyphuS, Nkagen» und Darmkrankheiten ist ucückgegangen. Die Ernäpcungsverhältnisse haben sich durch en Krieg allerdings verschlechtert Der sehr bedauerliche Ge- burtenrückgang ist indessen nicht auf die Ernährungsverhältnisse zurückzuführen. Der Geburtenrückgang ist schon seit vielen Jahren ecngetreten. Im Kriege mußte er zunehmen, well so ^ viele zeugungsfähige Männer sich im Felde befinden und weil bei diesen ernsten Zeiten die Familien nicht den Wunsch hegen, noch mehr Zuwachs zu bekommen.. Die Säuglingssterblichkeit ist zwar weiter herabgegangen, muß jedoch noch mehr heruntergedrückt werden. Präsident Dr. Kaempf: Der Abg. Kunert hat gesagt, an dem Tode von Millionen von Streitern und an dem Unglück in der Heimat treffe die Schuld den Kaiser und Kanzler. Ich rufe ihn dafür nachträglich zur Ordnung. (Beifall.) Abg. Kuncrt (Soz. Arb. G.) (zur Geschäftsordnung): Nach reiflicher Ueberlegung habe ich es für meine Pskicm erkannt, das cvuSzasprechen, was ich gesagt habe. Staatssekretär Helfferich: Das schwarze Bild, das der Ab. geordnete Kuncrt von unseren gesundheitlichen Zuständen gezeichnet hat. hat der Präsident des ReichLgesundheitsamts ruhig und sachlich richtiggestellt. Ans seinen Ausführungen ersieht man, daß ich gestern mit gutem Recht behaupten konnte, daß der Gesundheitszustand des deutschen Volkes angesichts der schweren Verhältnisse, in denen es sich durch den Mangel an Nahrungsmitteln and durch den Krieg befindet. rel«iv gut ist. Deshalb habe ich gestern auch darauf hingewic- sen, daß gerade darum unser Volk diesen schweren Krieg mit allen seinen Entbehrungen mit solcher Leistungsfähigkeit durchzu- halten vermag. Der Abgeordnete Kunert ist am Schluß seiner Ausführungen auf das politische Gebiet übergctreten. Der Präsident hat seine Aeußcrungen bereits gerügt. Der Abgeordnete hat gesagt. bas Wort: „Nicht Roß, nicht Reisige sichern die steile Höh", gelte nicht nur für Rußland, sondern auch für Deutschland. Ein Deutscher, der russische und deutsche Zustand« in die ser Zeit in einem Atem nennt, beschmutzt sein Vaterland. (Lebh. Beifall.) Abg. Hoch (Soz): Je mehr wir für die Gesundung des Arbeiters tun, desto mehr leistet er auch fürs Vaterland. Abg. Dittmanu (Soz. A.-G.): Mir scheint, die Herren von der Regierung wissen nicht, das; in manchen industriellen Betrieben die Arbeiter vor Hunger umfallen. Die Reglern ng?vcüreter dürfen dem Lande nicht blauen Dunst vormachen. (Vizepräsident D o v e rügt de^ Ausdruck.) Präsident Bumm: Eine Hungersnot gibt es im deutschen Volke nicht. Das ist eine Ueberircibung sondergleichen. (Zu- stimmung.) Dagegen müßte ich Einspruch erheben. (Beifall.) Abg. Kunert (Soz. A.-G.): Ueber den Begriff «Vaterland" werde ich mich mit Ihnen nie einigem (Allgemeine Zustimmung.) Abg. Laube (Fortschr. Vp.): Ich bedauere, daß durch solche Reden radikaler Sozialisten unsere Sache geschädigt wird. Damit verlängert man den Krieg. (Beifall.) Die Aussprache schließt. (Die Sitzung dauert fori.) Krlegsbllöcr aus Deutschlands Vergangenheit. Fremde Kriegsvölker in Ober Hessen während des dreißigjährigen Krieges. Immer iwch .Krieg und kein Ende! So klagt mancher nnd will schier an dem Ausgang unserer gerechten Sache verzweifeln. Tie Opfer, tvelchc der Krieg bis jetzt erfordert hat. scheinen vielen feto» allzu schtver zu sein. Freilich, er hat vielfach fetou stark in unsere persönlichen Verhältnisse eingegriffen, unser wirtschaft- lick>es Leben 1-crt er hier und da unterbunden ^ aber es zu vernichten hat er glücktichertverse bis jetzt noch nicht vermockü. Was jedoch wäre Geld und Besitz, iperai der Feind im Lande stunde! Das; dies nicht geschehe, dafür bürgt uns unsere tapfere Wehr m Wasser und Land. Drei Jahre Krieg dünken mrs scl>on eine lange Zeit. Was null sie indes bedeuten gegen einen Krieg vcm dreißig Jahre», in dem einst T'eutschland der Schauplatz eines furckstbaren Krieges geivesen ist? Wieviel Jammer, Leid und Bernickstung er damals unserer gesegneten Wettercm und ganz Obethessert gebracht toi, mag ein kurzer Rückblick veransckiaulick)en. Ter Tod Gustav Adolfs bei Lützen (1632) war für die Protestanten ein harter Schlag. Tie vordem von den Sckiweden genommenen Orte in der Wetterau fielen bald in die Hände der Kaiserlichen. In der Schlacht bei Nördlmgen war 1634 das Heer der Schweden geschlageil worden. In der Wette rau wollten sich diese mit den norddeLltschen protestantischen Streitkräften vereinigen. Tie nachdräugenden spanischen Völker l-austen in Verbilldnng mit den ^ Kaiserlichen dann so furchtbar in der Wettercm, daß man wenige Tage nach ihrem Durchzug manche Gegenden kaum wieder- ert'cnnen konnte. Nicht viel besser machten es die Schulden, die nach dvni Durchzug der Miserlichen wieder in der Wetterau erschienen. Herzog Bernhard von Weimar kam nach Friedberg und rückte dann an die Lahn. Eine Abteilung Schlneden stürmte die Stadt Grünberg und erpreßte 1000 Taler Kontribution. Der kaiserliche Feldherr Philipp von Mansfeld suckste die Länder zwischen Lahn, Rtoin mrd Main den Schweden wieder zu entreißen. 1635 kvar das Land wieder in den Händen der Kaiserlichen, nachdem sechs d.>?onatc lang die Arnree in der Welterau gelegen. htltte. Die Bewohner der ungeschützten offenen Dörfer waren meist mit ihrer Habe in die nächsten Städte geflohen. Denn alle Städte und Städtck)en Oberhessens waren damals noch mit hohen Mauern umgeben und festen Toren versehen. Tie Zeit von September 1634 bis Juni 1635 war eine wahre Schreckenszeit für die Wetterau. Vier große Armeen suchtcnc die Landsck-ast schnell hintereinander heim, und was die eine verschont tottc, vernichtete die nachfolgende. Tie Städte Frankfurt, Gießen, Grünberg, Lau- bach, Lich, Nidda, Büdingen, Fritzlar nnd Butzbach ragten wie Inseln ans der verlagerten Wetterau l-eraus, vbtvohl sie selbst schwer bedroht waren. Tie Felder, die bis dahin unter allen Drangsalen bebaut worden waren, konnte»: jetzt nicht mehr bestellt werden. In Grünberg kostete damals ein Achtel (200 Pfund) Kleie 105 Gulden, eine halbe Maß Mehl 60 Gulden, mit Laub, Gras und Leder stillte man den Hunger. Dazu kam noch im Jahre 1635 und 1636 eine furckstbare Pest. Aus Altenstadt bei Büdingen wird im Jahre 1638 berichtet, daß die Aecker schon seit vier Jahren wüst lagen. Auch der westfälische Friede brachte nicht sofort Ruhe und Orbnrrng. ES lagen noch zfvei Jahre lang schwedische Garnisonen in Deutschland, welche von den einzelnen Gemeinde: verpflegt werden mußten, bis die Kriegskontribution bezahlt war. Ein Friedbergcr Diakonus ruft im Jahre 1647 aus: „O Wettercm o Wetterau, wo ist deine alte Fruchtbarkeit! Zerstört und verheere, und verderbet ist alles, was dich hie bevor gezieret. Man sieht allenthalben nichts als Mord und Blutvergießen!" Noch lange Heit stieß man ans die Spuren des unseligen Krieges. Fast zwei Jahrhunderte vergingen in manchen Gegenden, bis man bei: Külturzustand wieder erreichte, den sie vor dem Kriege getobt hatten. — Rückblicke sind immer lehrreich. Auch der vorliegende wird uns "oie Leistungen unserer Vaterlands Verteidiger schätzen lernen, denen es bis jesit gelungen ist, den Feind von unseren Gvenzen fenizuhalten. Diese eiserne Wehr zu erhalten und zu stärken ist unsere heilige Pflicht. Wir erfüllen sie, wenn wir dem Vaterlande gern die Mittel gewähren, die es braucht, denn es geht um unser eigenes Sein oder Nichtsein! Aus Stadt nnd Land. Gießen. 23. März 1917. ** Auszeichnung. Dem Wehrnurrm Heinrich Schuchardt aus Gießen wurde in den .Kämpfen an der Somme die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. ** Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei noch- mals darauf hingewies^n, daß die morgen Samstag stattfindende Aufführung von Hermann Sudermanns Schauspiel „Stein unter Steinen" als 10. Freitags-Abonne- mentsvorstellung zählt. — Die nächste, elfte, Dienstag- AbonnementSvorstellung findet am Dienstag, den 27. März statt und bringt Ludwig Anzengrubers Bauernkomödie „D i e Kreuzelschreibew'. — Der schon früher an gekündigte Ehrenabend für Herrn Regisseur Otto Cour ad i, der bisher verschoben werden mußte, ist nun auf Mittwoch, den 28. März festgesetzt worden. Der Jubilar, der bekanntlich die Gedenkfeier seiner fünfzigjährigen Bühnentätigkeit begeht, hat den bekanrtten Schwank'„Der Raub der Sabinerinnen" gewählt, in dem er die köstliche Figur des Schmierendirektors „Striese" verkörpern wird. — Am kommenden Sonntag, wie schon bekanntgegeben, nachmittags „Robert und Bertram", abends „Stützen der Ge- s e l l s ch a s t". ** Religiöss Besprechungsabende. Dienstag, den 27. März, abends 8 Uhr, findet in dem Gemeindehaus Kirchstraße 9 der zweite der von dem evangelischen Gesamt- kirchenvorstand und dem Oberhess. Verein für innere Mission eingerichteten^ religiösen Besprechungsal^ende für Mämrer statt. Prof. Schian wird über das Thema: „Die Schuld am Kriege und Gott" reden. DZS lickt * Der neue OrbtirariaiS bet Physiologie in Wlie ßen. De. met. et fcieni nnt Karl Bü r ke r m Tübingen, dar einen Ruf als Orbirtiirriicä irrtb Direktor des plIisiobxftschen Instituts muh Gteßcn als Nachfolger W. Trendelenüurgs ango- ttonrmen Hai, steht zurzeit als Stabs- und Regimentsarzt im Felde. 1872 zu ZweLrücken geboren, begann er seine akademische Laufbahn rm Februar 1901 als Privatdozent in Tübingen, wo er seit 1898 eilte Assistentenstelle bei Prof, von Grützner am> physiologisckien Institut bekleidete. 1904 wurde er a. o. Professor. Er veröffentlichte zahlreiche experimentelle Arbeiten über die Leber, die körperlichen Elemente des Blutes, besonders Erythro- und Thrombozyten, den Blutfarbstoff und seine Derivate, die Blutgerinnung, die physiologischen Wirkungen des Höhenklimas aus'das Blut, die saucrstoffüberttagendste Oberfläche des Blutes und respiratorische Oberfläche der Lunge. Tie Blutgerinnung und Muskel- gerirmung, die Thermodynatnik des Muskels, den Elektronus der Nerven, dre Theorie der Narkose. Bon seinen Werken nennen wir: „Der Muskel und das Gesetz der Erhaltung der Kraft" (1902); -Methoden zur Thermodynamik des Muskels" (1908); „Gewinnung, gualitative und quantitative Bestimmung des Haemoglo- bins (1910): „Zählung und Differenzierung der körperlichen Elemente des Blutes" (1912). Ter Gelelirte ist Inhaber dcs Eisenten Kreuzes 1. Klasse und des Ritterkreuzes des Wurttt. Diilitär- verdienstordens. ** Das Läuten am Sonntag. Vom nächsten Sonntag an wird auf Beschluß des evangelischen Geftrmtkirchen- vorftandes zu allen Gottesdiensten in der Stadt- und Jv- hanneskirche nur 10 Minuten lang geläutet. ** Deutsche U-Boot-Spende. In der in der Geschäftsstelle des „Gießener An^eigett" aufliegenden Liste zur Spendung von Liebesgaben für unsere U-Bootmann- schast zeichnete als erste die Firma Rinn L Cloos in Heuchelheim den Betrag von 1000 Mk. ** T e r Film im Dienste der sexuellen Aufklärung. Morgen wird, wie man uns schreibt, ein Film erscheinen, der b^oudeve Aufmerksamkeit verdient. „Es loerde Licht" betitelt sich Werk, das von der Richard Oswald Film gesell ch st hevaus- gevracht wurde. Daß die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten unter ihvem Vorsitzenden Pros. Blafchko der Herstellung des Films alle Unterstützung angedeil>en ließ, zeigt, wie crnstLaft die Arbeit zu bewerten ist. Mit dem Lebensscluchal Horner Brüder verbindet der Film ein Stück wertvoller medizinischer ^ Aufklärungsarbeit. Für die Heranwachsenden wie für die Er- 1 wachsenen, für die Ahnenden wie für die Wissenden ist er eine g deutlich^ und gerade in ihrer Unaufdringlichkeit ergreifende Mah- I nung. Das mit großem Takt bearbeitete Manuskript führt über I alle Klippen hrmveg. die das heikle Thema hier und da aufrickstet, > und zudem besitzt die Handlung echte Spannnngskraft. Ter Film 5 vecdrent das Interesse aller Kreise, denen die Gesundheit unserer 8 Jugercd am Herzen liegt. Ter Film gelangt bereits ab nächsten Samstag bis auf weiteres im Lichtspiel-Dhoater, Bahrthofsttaßc, bet großem Orchester zur Aufführung. Lanökrcis Grctzen. . Großen-Linden, 23. Diärz. Fahrer Albert Volk, em Sohn des Landwirts Jvhs. Volk, wurde mit der Hessischen ! 4 Tapseckeitsmcdallle ausgezeichnet. Er rückte im Frühjahr vorigen ß wahres zu einem Arttllerie-Regtinent ein und kämpft seit Herbst I im Westen. £ Tapserckeitsmedaille vwLtehen, nacktem pc vorher das Eifert« Kreuz erhalten. up. Aus Oberhessen, 23 MÄcU Gegenwärtig durchläuft unsere Volksschulen ein «usgezeiU^nttes Anschanungsniaterial. Jit 35 Bildern wird den Schülern der Stand unserer Wirtschftskräfte gezeigt. Dadurch erhalten die Schüler der Oberklasse ein lebendiges Bild der riesigen Kräfte, die unserer deutschen Volkswirtschaft innewohnen. Die Bilder offenbaren in den Vergleichs weisen mit unseren Feinden, England und Frankreich, daß Deutsclstanos Wirtschafts kr äite bei weitem ihnen überlegen sind und heute trotz des ziveiundein halbjährigen Krieges unerfchitterl dastel>cn. Die Bilder eignen sich aber nicht nrinoer vortrefflich zu eirrein Vortrag für Erwachsene. Sie lehren, daß. nur durc(>aus keinen Grund zu irgend welcher Verzagtheit und Kleinmütigkeit zu hegen brauäien, sie fortern auf, nnt aller Kraft die 6. Kr»egsanleil-e zu zeichnen und aus Gott und deutschen Willen und deutsche Arbeit zu vertrauen, die den Sieg verbürgen. erwarten unsere NngeMrlgcn am resselmZs'igen cingang des ueirnat' blaues. Um eine Unterbrechung in der Zustellung )u vermelden, wolle man den fe!dpon*Bezug des 6ic8ener 7lnz. für das r. D ertcliabr schon jetzt erneuern 7iMc Ponamter neßntca die Bestellung entgegen. Dir viertel^lirs-veiug betragt Mir. Z.S5 clnschlicSltch der Utw schlag-dcbllgr. Äntzcrdc n vermittelt dlc Bestellungen wie bisher and) die öeschästsstellc des ßießener Ameigees l © r ü n t n 0 c n, 23. März. Die in den hiesigen Schulklassen veranstaltete Sammlung zugunsten „heimatloser Krieger" ergab in der Oberklasse 16 Mark, in der Unterklasse 15 Mark. Nächsten Sonntag, den, 25 Diärz, nachmittags 4Vr Uhr, findet im Bender- schen Saale nn Lichtbildervortrag über das Thema „Deutschlands Wirtschaftskräfte" statt. Kreis Büdingen. 4 Selters, 22. März. Auf dem heimatlichen Gottesacker wurde am vorigen Mittwoch der Landsturmmann Wilhelm- Stein Mter großer Beteiligung von nah und fern beigesetzt. Stein »v« wl Oktober 1915 in Markirch tödlich verunglückt, zunäckcht «:f dem dortigen Kriegerfriedhof beerdigt worden und wurde jetzt nach der Heimat überführt. ' Kreis Alsfeld. up- Ruppertenrod, 23. März. -Der Wehrmann Adam Schon von der Nicklausmühle, die m unserer Gemeinde gehört, tm Jns.-Regt. 30, 9. Komp., ist mit dem Eisernen Kreuz 2 Kl und u cit der Hessischen Dapfetckeitsm-edaille ausgezeickptet worden. Dem Mustetter Heinrich Schott von hier wurde die Hessische Kreis Schotten. ** Lau bach, ,23. März. In Lau bach und Umgegend war m letzter Woche eine reich. 'Lortragstätlgieä eittsaltet worden. Von der gut verlaufenen Versanmtlnng in Laubaä) am 11. März ist bereits bertchiet worden. Der dortige Redner Pfarrer Fritsch- Ruppertsburg. sprach dann am Dienstag abend in Einartshauscn am Mitttvoch in Gontersttockxm, am Donnerstag in Wetterfeld und am L-vnntag, den 18. in Sellnrod. In den Versammlungen in Ruppertsburg am 16. hatte Pfarrer Nebel in ivarmen anfchau- lidien Ausführimgen die Anwesenden beletirt und begeistert und am Lonntag. 18., nackMittags, füllte Oberamtsrichter Z i mmermann-Ln,bach, die Versammlung von interessierten Männern ^n Freienseen ein in die Aufgaben und Pflichten der Gegemoart Ueberall -war der .Besuch schön, bisweilen sehr stark, wie in Ruppertsburg uiib Sellnrod. Dentsüie Macht und Pflicht ward den Anwesenden in Wort und Bild vor Augen gestellt mrd in das Herz gchmnmert. Lichtbilder taten in Laubach im Gerichtssaal des Amtsgerichts und in Ruppertsburg, wo der schotte Gemeindesael einen prächtigen Versammlungsort bot, gute Dienste, an den ailderen Orttm wirkten die anschaulichen Bildcrtaf-eln gut, welche einen Einblick in die überrascliend gute Wirtschaftskraft lntb Finanzkraft des Deutschen Volkes boten. Die warmen Aufforderungen zur regen Beteiligung cm der sechsten Kriegsanleihe scheinen guten Boden gesunden zu haben. Die Stimmung dafür ist aus dem Lande günstiger geworden. Vorurteile dagegen wurden wirkungsvoll zurückgewiesen. 9ttir muß noch eme rege Kleinarbeit von Person zu Person ein,'egen, damit ein sclMes Resultat erreicht wird. ___ wer lüie ra'.leihe zeichnct, fördert den Zrieüen. LLirchliche Nachrichten Sonnrag,r>en2 5. März. Judika. G o 1 t e s d i c n ft 3n 6er ZLadtkirche. Vorm. 9V* Uhr: Pfarrer Mahr. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus gemeinde. Pfarrer Mahr. Llbds. 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. — Mittwoch den 28. März, abds. 8 Uhr: Pasi'ionsandacht (Kriegsbetstunde). Pfarrer Schwabe. — 3n 6er Iohannrrkirche. Scunstag, böt 21. Mär;, nndjm. 2 UItt: Beichte für die Konftrinanden aus der Jolxmnesgemeinde und deren Angehörige. — Sonntag, dar 25 März, vorm. 2% Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Johannesgenteiude. Feier des heil. Abetrdmahls. Pfarrer AuS- f e l d. Nachm. 2 Uhr: Kinderlirck-e für die Lukasgemeinde. Pfarrer B e cht o l s hei m er. Llbends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheim e r. Zu allen Gottesdiensten wird nunmehr nur 10 Minuten lang geläutet. — Wartburg eoanget I ünglings- uitb Männcr-Verein, Kirchstr. 9. Sonntag, den 25. Marz, abds 8 Uhr: Vortrag. Gäste stets willkommen. — Bibelkränzchen fürSchülerhöhererLehran st alten. Jeden Mittwoch von 6—7 Uhr ft'ir die süttgere Abteilung. Jed