M. 64 SVeMs Blatt \bt. Jahrgang Erscheint tögttch mit Ausnahme des SvtmtagL. Beilagen: „Giehenrr FamUienblötte^' und „ttreisblatt für den Ureis Gießen". Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. vantvertehr: Gewerbebant Gießen. GKtzMN AMiger General-Anzeiger für Gderhejjen IRentag, 5, mag W ZwillingSrundöruck imb Verlag: B r ü hl'sche Universitäts»Buch-u.St?indrucke ttl R. Lange, Gießen. LchrisHeitung. Geschüstrstelle und vruSerri: Schulstraße?. Ceschas estelle u. Verlag: Schriftlcluurg: 112. Anschrift f ä r T r ^ ht, .: ch r l chten: AnzeigerBtr zen. Die sechste Rerchsineysanleihe. Wie wir von zuständiger Seite erfahren, steht die Veröffentlichung der Bekanntniachstmg, mit der das deutsche Volk zur Beteili- tgnng an des Reiches sechster Kriegsanleihe aufgefordert wird, nahe bevor. Tie Annahme der Zeichnungsanmeldunge,: ,vird sich auf einen Zeitraum von imgefähr vier Wochen erstrecken, dessen Anfang auf den 15. März und dessen Llblauf auf den 16. dtpril festgesetzt ist. sonders hervorzulfeben ist, daß die Pflicht-einzahlungstermine sich bis zur Mitte des Monats Juli erstrecken, so das; alle die. die im zweiten Viertel d-eS Jahres und zu Beginn des drittens Gelder vereinnahmen, über diese schon letzt zugunsten der Kriegsanleihe verfügen können. Es ist aber auch dafür gesorgt worden, daß die Ende März oder Anfang April frei werdender Gelder sofort rwd) Eingang verzinslich angelegt werden können, deine obwohl die Zeichnmrgsarnneldungei: dis zum 16. April zulässig sind, ist es statthaft. Voll- oder Teilzahlungen vom 31. März ab zu leisten. • Tie sechste Kriegsanleihe wird in erster Reihe wieder in fünf- prozentigen Reichsschuldverschreibungei: bestehen, die zum Preise von 98 vom Hundert (Sclvlldbuchzeichmrngen mit Sperre dis zum 15. April 1918 zum Preise von 97,80 Mart gezeichnet werden, können. Tic Unkündbarkeit von seiten des Reiches, die die Verfügung der Anleiheinhader über ihren Besitz in keiner Weise beschränkt oder erschwert, ist, wie bei der: früher begebenen fünsprv- zenttgen SckMldverschreibnngen bis zuin Jahre 1924 festgesetzt, so daß die Anleiheerwerber mindestens bis zn diesem Zeit- himkte im Genüsse der hohen Verzinsung bleiben. Sollte das R eich nach diesen: Zeitpunkte eine Ei Mäßigung des Zinsfußes be- absichttgen, so iNuß es bei dieser ebenso loie bei den früheren) Kriegsanleihen die Schuldversckweib u ngen kündigen und den. Inhabern die Rückzahlung zum vollen Nenmverte anbieten. dieben freu fünfprozeirtigen Schn ldvorschoeibungen werden — gleichfalls zum Preise von 98 von: Hundert — viereinhalbprozentige auslosbare Reichsscbatzanwejsimge,: aarsgegeben, die sich von den früher begebenen Schatzawvetsungen des Reiches sehr wesentlich unterscheiden. Das Nähere über die neue Art Schatzanweisungen lverden wir unser,: Leser:: binnen kurzem Mitteilen können. Tiefe Mitteilung wird auch für die Eigentümer früherer Kriegsanleihen Interesse haben, da ihnen miter gewissen Voraussetzungen Unrtauschrechte eingerämnl sind, die ihnen die Möglichkeit bieten, neue Schatzamveifungen an Stelle ihrer Men Anleihen zu erwerben, ohne daß sie genötigt wären., die letzteren zum Verkauf zu.' stellen. Aris Heuert. Aus dem erweiterten Finanzausschuß der Zweiten Kammer. bb. D a r m st a d t, 2. März. Der Erweiterte Finanz- a nss chuß der Zweiten Kammer (Kriegsausschuß) setzte heute vormittag eine gemeinsame Beratung mit der Größt). Regierung fort, die durch die Herren Minister des Jiurern v. Hoinbergk, Fman-rninister Dr. Becker, Staatsrat Hölzinger,. Ministerialrat Schliephake, Obersinanzrat Emn:erling und Ober- regierungsrat H a e chl e r vertreten war. Der Ausschuß beschäftigte sich zuerst in mehrstündiger Beratung mit dem Antrag der Abg. Uebel und Wiegand über die Beschaffung von Saatkar- löffeln und die Einführung von Höchstpreisen für dieselben. Von allen Seiten wurde darauf hingewiesen, daß gerade die Versorgung des Kartoffeln erzeugenden TeLes der Lw:droirtschaft mit Saatkcrrtoffeln unbedingt sichergestellt werden müsse, wenn rncht iür das nächste Erntejahr die größten Schwierigkeiten eintretctt sollten. Die Landwrrtschaftskammer habe manche Maßnahmen ge- trosseu, die diese Versorgung nicht gewährleisteten. lK sei Pflicht der Regierung, hier enMrgreifen, was von dieser zugesagt wurde. Die Anfrage des Abg. Dorsch Vett. Neuerrichtung von P a r k- anlageninBad-Nauheim, wutt>e von der Regierung dahin beantwortet, daß es sich keineswegs um Umwandlung von landwirtschaftlichem Gelände in Parkanlagen handle. Es sollten nur dirrch Angestellte des Bades einige Wegeanlagen mit Baumpflanznngen geschaffen werden, während der überwiegende Tell des Geländes rmch wie vor seiner bisheriger: Benutzung als Miese erhalten bleibe. Dem Antrag des Abg. Miegand, das Mahnverfahren so zn gestalten, daß die Mahnung durch die Zeitungen erfolge und nicht durch Mahnzettel, will die Regierung in Ausnahmefällen entsprechen. Die Vorstellung des M. Bär in Meöurg um Beteiligung an der Me hlverte iss ungs stelle im Kreis Dieburg wird der Regierung mit Rücksicht auf die schwere Verwundung des Antrag- stellers zur wohlwollenden Berücksichtigung empfohlen. Der,Antrag des Abg. Wolf-Stadecken (Förderung der landwirtschaftlichen urrd gewerblichen Produktion betr., der dalftn ging, daß in den einzelnen Ortsckwften .Handwerker, insbesondere Schmiede und Wagner, belassen, also vom Kriegsdienst befreit werden möchten, wurde einstimnrig angenommen Damit sind die Beratungen des Ausschusses vor den: Zusamineittritt der Zweiten Kammer erledigt. Die hessischen Stenern. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Es fehlt in: allgemeinen jede Vorstellung für das, was Jahr aus Jahr ein von den hessischen Steuerzahlern für die Erhallurig des Staatsganzen und im Jitteresse der Allgemeinheit an materiellen Opfern aufgebracht werden muß. Da wird es vielleicht nicht uninteressant sein, einmal auf Grund der vorhandenen amtlichen Nachweise irr kurzen Umrissen sestzustellen, toelche Anforderungen auch in der jetzigen schweren Kriegszeit an den einzelnen Steuerzahler erhoben , werden, mit welchen Kapitalien er, ganz abgesehen von allen anderen ernsten Ansprüchen des Lebens, zur Bestreitung der Bedürfnisse von Reich, Staat und Gemefttten alljährlich herangezogen wird. Nach dem Ausrveis des Staats Voranschlags für 1917 werden für das neue Steuerjahr an direkten Staats steuern, Re- galten usw. rund 30 Mi llio,nen Mark, genau 29 482 300 Mark als Einnahme erwartet. Von dieser Bruttoeinnahme entfallen allein ans die Einkvnrmen- und die Verrnögenssteuer 25 200 000 Mk., der Rest aus die sonstigen Steuereingänge, darunter als Rückvergütung resp. Entschädigung für die vom Reich zu erhebenden Steuern 850 000 Mk. f Neben diesen Staatssteuern bestehen nun bekanntlich auch, wie überall im Reich, noch die Kvmmunalabgaben, und diese firib in Hessen in den „reisten Gemeinden ,wch wesentlich« höher als die Staatssteuern. Die amtliche Feststellung dieser Kömmunalsteuern liegt zurzeit nur für das Jahr 1913 vor, also dem letzten Friedcns- jahr. Es sind darnach in: Jahr 1913 erhoben worden: an Gemeindeeinkommensteuer 17 067 994 Mk., an Grurrdsteuer 10301148 Mark, an Gewerbesteuer 4 055 046 Mk. und an Kapitalsteuer 1 723 138 Mf. Das macht in Summa an Gemeittdesteuern über 3 3 Millionen Mark. Liber sowohl die StaatMeuern, wie die hessischen Gemeindesteuern werden jetzt noch ganz ivesent- lich übertrvffen durch die Anforderungen, die im Steuerjahr 1917 durch das Reich an Hessen gestellt werden. —. An das Reich sind jetzt als direkte Steuern der einzelne!: Bundesstaaten zu entrichten eine Besitzsteuer, eine Kriegscrbgable und- eine Warenumsatzsteuer. Als voraussichtliche Einnahme aus dem Großherzogtum sind aus der Kriegsabgabe rund 30 Millionen Mk. vorgesehen, aus der Besitzsteuer 2 Millionen Mk. und aus den: Warenumsatzstempel 5 Millionen Mk., im ganzen also werden die aus Hessen zu erwartenden Steuereinnahmen für VasReich auf 37 Mill: onen Mark geschützt. Tie Vorbereitung, Ermittelung und Erhebung dieser drei direkten Reichsstcuern ist aber mit recht erheblichen schwierigen Arbeiten verknüpft und deshalb ist die Besttmmung getroffen, daß als Vergütung für die Veranlagung und Erhebung der Kriegsabgabe 7* vom Hundert der zu erwartenden Roheinncrhine, d. s. 150000 Mk., von der Besitzsteuer 10 vom Hundert der Roheinnahme, d. s. 200 000 Mk. und von dem Waremimsatzstempel für das Reich ebenfalls 10 vom Hundert, d. s., 500 000 Mk.,' also zusammen 850 000 Mk., an die hessische Staatskasse abgeführt werden sollen. Die drei vorstehend näher dargelegten direkten Abgaben des hessischen Steuerzahlers an Reich, Staat und Gemeinde belaufen! sich also für das Jahr 1917 auf rund hundert Mlillionen Mark, eine Summe, die gewiß die kühnsten Annahmen von der Steuerkraft unb der finanziellen Leistungsfähigkeit Des Hessenlandes noch bei weitem nbcrtrifft. Ganz besondere Beachtung verdient das außerordentlich starke und rasche Anschwiellen der direktest Reichsabgaben, das natürlich eine ungünstige Wirkung auf die direkten Steuerquellen der einzelnen Bundesstaaten ausübt und deshalb auch vor: deren Regierungen und Parlamenten keineswegs mit Freude bettachtet werden famr Bei Der vorjährigen Beratung des Staatshaushaltsplans hatten sowohl der Herr Finanzministcr, nrie die beiden Stärwekammern ihre warnende Stinune gegen jede iveb- tere Jnanspruchrtahme der direkten Steuern für das Reich erhobt Der Herr Finanzministcr begtrügt sich diesmal in seinen finanzpolitischen Betrachtungei: bei Erörterung der rwuerr Rerchsstenerst mit der Bemerkung: „JstwienM die letzteren ?kbgäben den Erttag unserer diretten Stauern beemMison werden, steht dahin." Er schließt aber seine Denkschrift ausdrücklich mit dem Satze, daß die sETsy Kwnft, nnö Leben. — Die Berliner Uralrfführung erstes Kriegsliefe rauten stück s. Ajus Berlin Iwitt> uns geschrieben: Da die Gattung der feldgrauen Kriegspossen auch in L^rlin nachgerade ihr Zugkraft eingebüßt hat, sah sich die Direktion des Theaters am Nollendorfplatz, die diese Spezies Mit gany besonderem Eifer gepflegt hatte, UunmLhr nach einem tvirssamcn Ersatz um. Bon dem Gedanken ausgehend, daß! vom Kriege zum Kriegslieferanten die Entfernung nicht allzu groß ist, fand sie denn de,: gewünschten Ersat> «auch bald in einem Kriegslieferanten^ «Schwank, der Freitag zur Uraufführung gelangte. Dieses erste Kftcd einer neue:: Muse nennt sich „Die Gulaschkanonverfaßt von .Hermann Haller und Willi Wolfs, mit entsprechenden musikalischen Zutaten von Malter Kollo. Ms «Schöpfer der in Frage stehendeil Gulaschkanone wird die Berlirrer Firma Kiekebusch L Co. Vvrgestellt, die sich bis dato mit der Herstellung von Konfekttonswaren beschäftigte, durch den Krieg aber ihre Einnalflnen so bedenklich vermindert sah, daß sie sich zur Stärkung ihrer Kasse nach einem anderen Geschäftszweig inntim mußte. Der Hauptheld, der die ganze Angelegerrheit ins Rollen bringt, ist der sehr zeitgemäße Kriegslieferungsagent, der" hier zum ersten Male irr voller Große und reicher Ausstattung auf der Bühne erscheint. Da der Uebergang von^ Kleidern zu vorschriftsmäßig gefüllten Gulgsch- büchserr nicht leicht sein mag, hat auch die Krina Krekebusch mit mannigfaltigen «Schwierigkeiten zu kämpfen, und ihr Kriegsgulasch- crsatz gerät so schlecht, daß> die Regrerirng sehr fühlbar ihre Unzufriedenheit äußerte. Diese sonderbare dramatische Wiendung bildet dann die Veranlassung zürn Knüpfen einer nebenher!ausendaNl Liebeshandlung, bis zun: Schluß nach den urewigen Gesetzen der Posse alles in befriedigende Ordurrng gebracht wird. Die Mittel, mit denen die Verfasser an der Arbeit waren, sind gute, alte Ware und auch diesmal für den Msatz engros geeignet. Wo. Phantasie ausblieb, l)alf das gute (s-edächtnis, und man lacht über Situationen und Mtze, ohne sich lveiter darüber Gedanken zu rwachen, ganz einfach rveil mar: auch ftüher schon darüber gelacht hat. Jnr übrigen ist alles mit viel Bühnenverständms rrnd sick>erem Geschick gemacht und reickstiche Gelegenheit z:r Schlagernummem geboten. Am besten ist rmstteitig der .Kriegslieferungsagent, der sehr persönlich charakterisiert ist und den Erfolg ttügt. Die Musik Walter Kollos hat, ohne gerade durch Neuartigkeit zu überwältigen, alles, ivas zur Volcstünflichkeit rwtrvendig erscheint. Unter best Darstellen: ist an erster Stelle Henry Bender zu nennen, der den Agenten auf sehr konttsche Weise karikiert und dabei dock, nicht die Grenzen einer gewissen Glaubhaftigkeit überschreitet. Grete Freund, Senta S ö n e l a n d, Richard Georg, A u g u st i i:, Sen ins und der von der Filntteinwand her bekannte fonnsche Liebhaber Paul Heidemann bilden die Hilfstruppen, die diese Gulaschkanone wahrscheinlich noch oft vorftchren werden. — Das neste Drama von Heinrich Mann. «Aus Mün chen wird uns gcschrieberu In der: Mürtchener Kam m erspielen erlebte H e i n r i ch M a n n s neues Dranra „Madame Legros" seine Uraufführung, die das ausverkanfte Hans mit rauschendem Beifall belohnte. .Heinrich Manns Stück ist ein Vorspiel zur großen französischen Revolution: Die Frau des einfachen Struntpfnürkers Legros, die das Gefühl sittlicher Mitverantwortung mit Begeisterung erfüllt, macht sich zum Werkzenga der Befreiung eines .Unschuldigen, der 43 Jahre lang in der Vastllle gefangen sitzt. Ihr Martyrium, das sie zur Preisgabe der eigenen Person Arvingt, das ihr auch Schuld und Schlechttgkett aufbürdet, dein großen Ziel Mliebe, das ihr Schicksal gervorden ist — dieser ,Weg der Leiden jund der Duldung führt schließlich zur Erfüllung: Duuch die Gnade der Königin Marie Antoinette würd der Unschuldige frei, und Madame Legros erhält von der Akademie den Dugeildpoeis. Die Königin aber, die der Dichter mit der Willkür drarnattscher Schöpfung zu der perversen eitlen Erscheinung eirrcr überlebten faulige,: Zeit stempelt, die Marie Wrtoi- ilette- Heinrich Alanns ütt dies nicht ans Rührung und Großmut, sorwern aus Erkemttlichkeit für die erotische «Sensation, die sie aus Legrvs Werbung für den Unglücklichen gewann. Auf diese Weise erkennen wir die inrtere .Berkontmenheit einer Zeit, in die die Revolution als grelle Fackel huternleuchtete. Madame Legros, die ihr Werk vollbracht, kehrt zn ihrem Gatten zun'ick. Der aber fühlt sich der zur Heiligen Getvordenen artfreintdet. Das Volk verlangt nun nach seiner 5>eldin, die de,: ersten «Schritt tat, die Unschuldigen zu erlösen und die tmm Führerin auf dem großen Wege der Befreiung sein soll. Sie aber, die nur das Glück wollte, erschauert vor dem Grauen, das sie entfesselte, uürd bebt ft: Erschütterimg, als die rasende Menge als erstes Opfer einen Uirschuldigen hinmordet. U,ü> sie birgt sich im kleine,: Frieden chver Che, indem sie versucht, zu ihren: Manne zurückzrftinden. Dieses an innerer Wucht reiche Stück, das Leidenschaft bis zur «Selbstverleugmmg schildert, ist bedeutsan: als Menschenbild, wertvoll aber auch als der dramatische Ausdruck einer Lrlturhistorisch unendlich bedeutsamen Zeit. Es ,mirde in den Kammersp:elen glänzeiw dargestellt. Vor allem von Frl. L'cijko, die bei den Bekundungen ihrer Leidenschaft ins Grandios-Heroische wuchs. — Die So nnen l ich! be Handlung Verwundeter in der Türkei. Auch in der Behcuchlung der Kriegs verletzten hat sich in vielen, oft sehr komplizierten Fällen die Natur selbst als bestes und wirksamstes Heilmittel erwiesen. Besonders mit der Behandlung von Wunden durch Sonnenllchtbestrahlimg Lormten die besten Ergebnisse erzielt rverden. I,: ausgedehntem Maße wurde diese BehandlrmgSweise in der Türkei durch deutsche Aerzte eftr- gesührt. Wegen der intensive,: Wärme des 2vnnenl:chtes im Orient crsckMn die ansgedehitteste Berücksichtigm:g dieser Behandlnngswcisc als geboten, und viele türkische Soldaten verdanken ihr die schrrelle Heilrmg ihrer Kriegsverletzungen. Emen ausführlichen Bericht über Hoffnung auf die Erhaltung des Gleichgelvichts in den hessischen Finanzen nur dann auftecht erhalten werden kann, wenn einerseits- im eigenen Haushalt auch weiterhin an den bishei'igen bewährt^ Grundsätzen sparsamster Wirtschaft sestgehalten, und wenn uns andererseits ern st ereEin griffe in unsere Finanzwirtschaft v o n a u ß e n erspatt bleiben. Tie nun am meisten interessier ende Frage, auf wieviel Schvl- tern sich in Hesse,: diese Huittvert Millionen Mark direkter Tlbgaben verteile,: werden, läßt sich zurzeit ,uttürlich auch nicht annähernd mit irgendwelcher Sicherheit beanftvorten. Das Großherzogtunk besaß mach der letzte,: VolkszählungX vom Jahre 1910 insgesamt I 282 000 Einwohner. Von diesen waren nach der amtlichen «Sto- stistik im Jahre 1916 in: ganzen 402 340 Persone,: zur staatllchen Einkommen- und Vermögenssteuer heraugezogen und zwar 360 170 in der zweite,: Klasse mit einem Emkow'mcn bis zu 2600 Mark, und 42 170 Persone,: in der ersten Klasse mit mehr Einkommen, darunter 5152 mit Einlomme,: bis zn 3200 Räark, 1283 mit Einkommen mit 6000 Mark, 590 mit Einkommen bis 10 000 Mark, 116 bis 20 000 Mark, 47 bis 30 090 Mark, 19 bis 40 000 Mark, II bis 50 000 Mark 5 bis 70 000 Mark, 16 von 90 000 bis 95 000 Mark, 16 bis 100 000 Mark und 157 physische und 49 juri- sttsche Personen mit einem Einkmnln,er: von rndhr aßs 100000 Mark. Diese arntlichen stattstischen Angaben über die Steucrkrast Hessens haben natürlich durck; den Krieg eine sehr rv^'erttliche Veränderung erfahren; einesteils sind viele Steurrzalfler durch ihr, Heereseinberufung, Geschäftsaufgabe, Tod u. a. völlig agsgesäSlen, andenttells sind zweifellos auch viele Neuviltzunge,: von Vermögen, Fabrikcn: usw. erfolgt, deren Kapitalerwerb ja in erster Linie durch die Kriegsabgabe an d.rs Reich getroffen ,verden soll. Es mag zum Schlüsse an dtp jüngsten AuSführmraen des fortschrittlichen Abgeordneten Heilbrnnn im pr«,ßisch«r Mgeordneten- bsnS erinnert fein. Er sagte: Tie Gesa,rttlcisttrng der preußischen Einwoh,:er durch dierkte Steuern ergab eine jährliche Belastung von 40 Mark auf den Kops und es frage frage sich, ob damit nicht bereits die Grenze der direkten Belastung erreicht sei. In Hessen ergibt bei der oben erwähnten Kopfzahl die direkte-Belastung mit Einschluß der Reichsabgaben auf den Kops der Bevölkerung bereits rund 78 Maark. Tie Frage ist also jcdenfaW auch hier sehr am Platze, ob nicht auch in Hessen die Grenze der direkten Belastung erreicht ist. Jedenfalls lvird es notweildig sein, die Staatsaus- gaben aus das Allernotwendigste zu beschrämen und in der Verwaltung durchgreifende Ersparnisse zu erzielen, als sie bisher von dem schon 1910 von beiden Ständettmmern eingesetzte,: Ausschuß für Vereinfachung der Staatsverwaltung «reicht wotden sind LS» diese Behandlitngsweise in der Türkei währeich der letzten tzwek Jahre verösfemlicht der zirr Mittelmeerdivision komnmndierte Marineslabsarzt der Reserve .Dr. Wbeck ft: der Feldärzllichcn Beilage der Münchener M-edizinischen Wochenschrift. Der Berichter statte r wurde in, Mai 1915 nach Konstantinopel kommandiert und übernachn dort .die deutsche Abteillmg des ft, der früheren Kriegsschule untergebraÄten Reservelazarettes Hardie, w-o die an den Dardanellen veravundeten Türken untergebracht wurden. Da zur Zeit der Gallipoli-Kämpfe die deutsche Abteilung durck)'chnttllich mit 1500 Verwundeten belegt ,var, konnte die Behandlung der Wunden durch Sonnenlicht in ausgiebigster Weise erprobt werden. Wie Dr. Asbeck bemerkt, hatte er sich bereits auf einer Ostasienreise im Jahre 1899 mit der Bel-andlung frischer Wunden durch die aiistrocknende Kraft der Tropensonne beschäfttgt. Mit umso größerer Energie ging er daran, diese Methode auch ft: Konstantinopel zn praktizieren, da die Teinperaturverlrälttnsse hierzu die beste Möglichkeit boten. Im Sominer 1915 konnte die Sttalslenbehandlrmg nicht völlig in der gerMlnschten ausgedehnten Weise verwirklicht werden, da die damals-herrschende große Fliegeittüage die Gefahr barg, daß beim Lagern der Venvnndeten im Freien durch die Jnsickten Jnfekttonskeime von einer Wmtt>e zur anderen übertragen werden können. Aber die ausgewählten Einzel fälle, bei denen man Froilichtbehandllmg awwandte, ergaben die besten Erfolge. Die Eiterungen, selbst hartnäckigster Art, heilten überrasckwnd schnell, meist mit völlig glatter Narbe, und auch die Ueberhäutung ging sehr rasch vor sich. Da im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres die Fliegenplage viel geringer nmr, wurde die offene Wundlwhandlung in großen: Maße praktiziert ?Nan schickte die Patienten an jedem schönen Tag in den parkartig angelegten Hosraun: des Hartlck-Lazarettes, und die Sckf-vertx'Nmrndeten wurden auf Bahre,: hiwmttergetragen. Hierbei machten die dentfchen Aerzte die Beobachtung, daß die türkische,: Verwundeten die Betten nicht verlassen wolllen, so daß sie oft gegen ihren LLillen in den Hofraum getragen ,werden mußten. Als sie aber erst einmal erbrnnt litten, daß ihre Wunden sich unter der Einwirkimg des 'Sonnenlichtes viel schneller schlossen als früher, suchte:: sie selbst freiwillig jede nur mögliche Gelegenheit, die Wunden der Sonnenbestrahlung auszusetzen. Don besonderem Wert erwies sick> die Sonnenlicht- behandlung, als der Skorbut die Benvundeten bedrohte. Hier zeigte es sich erst vollends, wie groß die Wirkung der Sonnensttatztrn ist, da bei zuiwhntender Sonnenwäv,ne mit einen, Schlage die «Skvttmt- erscheinungen der Wunden zurückginge,: und die Gesttsvure heikten. Im Monat Jmri gab es daher auf der ganzen Llbteilung keinen einzigen Fall von «Skorbut mehr. Trotz der Wirksamkeit der im Kriege ,voch stark vermehrten tvisstmschaftlichen Methoden kommt auch heute nock) der Sonnenlichtbehandllmg der Wunden eine Bedeutung zu, die auch von den kirnstvollsten MitteLn nicht ül'ertross^n werden kann.