/ Nr. 53 Erscheint täglich mit ÄuSuahme de? Sonntag«. Beilagen: „®fe&cner ZamittenbliMer" und „KrtisMatt für den Kreis Sietzen". PostscheÄonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Siehen. 167. Jahrgang Samstag, 3. März 1917 General-Anzeiger für Oberhefjen ZwillingSrunbdruck und Berlagr B r ü hl'sche UnwerfitätS-Bttch-u.Steindrmker«. R. Lange, Gießen. Zchrtstleitung, SefchSftssteSe mb Drotfewü Schulstraße7. Geschäftsstelleu. Berlag: Schriftleitung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerG^eßew Mb. Deutscher Reichstag. 8 6. Sitzung, Freitag, 2. Marz. Am Tisch des Bundesrats: H e l ff e r i ch, v. S ie i n, v. R o e de c n. Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 1b Minuten. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Kleins Mfragsn. Eine Anfrage der Abgeordneten Prinz zu Schönaich-Earolath, De. Böhure, Held, Icklcr behauptet, daß erhebliche Kleie- vorräte in den einzelnen Provinzen lagern, ohne daß es den Landwirten gelingt, Kleie für ihre Wirtschaften zu erhalten, und oerlangt Auskunft, ob der Reichskanzler zur Unterstützung der Landwirtschaft und damit für die Volksernährung durch Erreichung von vermehrter Milcherzeugung ein- rreten will. Minsterialdirektor Kautz: Es bandelt sich nur um kleinere Vorräte, die von der Heeresverwaltung für die Zivilvcrwaltung zur Verfügung gestellt werden konnten. Auf Veranlassung der Reichsfuttermittelstclle ist ein Teil dieser Kleie nach Maßgabe -es Rindviehbestandes verteilt worden. Ein weitere Teil soll zur Ausschüttung kommen. Die Befsening des Loses der deutschen Kriegsgefangenen. Abg. Graf v. Westarp (kons.) fragt, ob und welche Schritte unternommen worden sind, um das Los der deutschen Gefangenen, die allem Völkerecht zuwider mit der größten Grausamkeit behandelt werben, zu verbessern und eine dem Völkerrecht entsprechende Behandlung herbeizuführen. Ministerialdirektor Dr Kriege: Deutsche Kriegs- und Zivilgefangene im feindlichen Ausland sind vielfach völkerrechtswidrig, zum Teil sogar brutal und grausam behandelt worden. Dies giff insbesondere auch für die aus Marokko in das Innere Afrikas und die aus Ostpreußen nach Rußland verschleppten deutschen Reichsangehörigen. Die deutsche Regierung hcU vom Beginn des Krieges an alles getan, was in ihren .Kräften stand, um die Behandlung der Gefangenen in den feindlichen Ländern zu verbessern. Alle Klagen sind geprüft worden, insbesondere auch von den Vertretern unserer Schutzmächte. Soweit sie berechtigt waven, wurde mit allem Nachdruck Abhilfe verlangt und gegebenen Falls zu Bergeltungs- mah«ahme» geschritten. Bei der Handhabung dieser Waffe verfockgt die deutsche Regierung nicht etwa den ZwÄ, au W e h r- 1 L° f e na ^ e Hu nehmen, sondern sie will dadurch lediglich kür' unsere in Gefangenschaft geratenen Landsleute eine dem _ . _ eine ooPPerretfrf- entsprechende Behandlung durchsetzen. Die Vergeltungsmaßnahme kommt zur Anwendung, wenn da§ Unrecht auf feindlicher Seite klar erwiesen und wenn es von der feindlichen Zentrale selbst, sei es durch Tun oder durch Unterlassen, verschuldet ist. Ferner vergolten wir nurGleiches mit Gleiche« taA lassen rat seLftverstLndlich nicht dazu hinreißen, »ffenbare BarLareie« »»serer Gegner n«hyuahmev. (Brcrdok) Die Regierung hat in eftrer Reihe von Fällen den erwünschten Erfolg erzielt. Durch entsprechende Behandlung englischer Kriegsgefangenen hat sie eine völlige Gleichstellung der völkerrechtswidrig behandelten UuterfeeboEefatzung, die in englische Gefangenschaft geraten war, erreicht. (Beifall.) Ebenso ist die Aufhebung erner allen Rechtsgrvndsätzen inS Gesicht schlagenden Verurteilung einiger in französische Kriegsgefangenschaft geratenen Offiziere und Mannschaften durchgesetzt worden. Ferner hat die französische Regierung die von ihr i n Afrika unter unwürdigen und gesundheitlich nachteiligen Verhältnissen gefangen gehal- 1 e * En De^fthmr nach Frankreich überführen müssen. Indem wir französische Kriegsgefangene in Moorlägern oder wenig günstige Gegenden des besetzten russischen Gebietes gebracht haben, haben nur dreVerbringung unserer unglücklichen Landsleute aus Marokko k?ach Frankreich herbeigeführt. Durch Vergeltungsmaßnahmen gegen russische Offiziere haben wir erreicht, daß unter furchtbaren Urmatrschen und byg-.müschen Verhältnissen einer unmenschlichen Behandlung auSgesetzte Landsleute aus dem Murmanaebiet zurückgezogen wurden. Ueber die verschleppten Ostpreußen ist mit Rußland erne Vereinbarung getroffen worden, wonach die im Der- lauf der nnlrtärifchen Operationen fortge führten Personen auszutauschen warm. Rußland hat sein Wort noch nicht ein. gelost, weshalb selbstverständlich auch die von uns festgehaltenen Russen U^lter znruckgehalten werden. Im übrigen geschieht von »rnferen Echutzmachten und den übrigen Neutralen alles, waS geschehen kann Entsprechend den Novemberbeschlüssen des Reichs- W E Regierung andauernd bestrebt, durch Vervoll- sa*« * 0Un - 9 ^ 5 .r getroffenen Vereinbarungen daS Los unferer Gefangenen zu verbessern. Ein Weißbuch über diese unsere Tätigkeit wird dem Reichstag heute oder morgen zugehen. (Beifall.) So wird die deutsche Regierung auch weiter die rhr. obliegende heilige Pflicht nach jeder Richtung hin erfüllen m dem Bewußtsein, daß e§ sich darum handelt, wertvolle Elemnte unierm Volke erhalten und unseren wackere in Ferndeshand geratenen Streitern wiegende Dankesschuld abzustatten. (Beifall.) JücheMg der Kalderakmg. (Fünfter Tay.) pbcrft h-n Wric«l,-rg: Der Wg. Wreseimmn Wl m seinen gestrigen Ausführungen dem General von Löwen seid RLangel an Takt vorgeworfen. Ich muß diesen Vorwurf zurück- rl* 6 ?' v- nn n weiter cnrsgesprachen hat, ob eine solche Persön- nchkett an die Stelle gehöre, an der er steht, so nwchte ich ihn von diesem Zweifel befreien, indem ich ihn bitte, die Beurt-eilung dieser Frage der zuständigen Stelle zu überlassen. (Große Heiterkeit.) D Abg. Hausmann (Fortschr. Vp.): Der unheilvolle Wahnsinn des Krieges uinunt noch kein Ende. Die Grausamkeiten steigern sich noch. Wir stimmen unserer Regierung darin zu, daß sie in diesem W e t t l a u f n i ch t an der E?tz(tze stehen soll. Wenn unsere Offiziere und Unteroffiziere t.ie Neigung haben. Mitleid zu bezeugen, so fall man diese Regungen nicht als Gefühlsduselei bezeichnen. Die bisherige Beratung hat eine Fülle von Besprechungsstoff geliefert. Wenn wir S n Fragen -keine Stellung nckhmen, so behalten wir int* iw> freie Hand und freies Urteil völlig vor. Alle Parteien haben den 12. Dezember 1916 einen glücklichen Tag für n, schwer- das Deutsche Reich genannt. An diesem Eindruck kan'u Ledebour allein nichts ändern. Er will ja auch nur die offizielle Sozialdemokratie ins Unrecht setzen. Die deutsche Arbeiterpartei hat sich ein großes Verdienst erworbön, daß sie die Gefühlsgemeinschaft mit der Nation in diesen schweren Tagen der deutschen Geschichte auftecht erhalten hat. (Beifall.) Scheidemann mag sich mit Goethe trösten: „Es will der Spitz in Nachbars Stall Mit Bellen uns begleiten, Und seines Bellens lauter Schall Beweist nur, daß wir reiten." (Sehr gut!) Die Rede Ledebour? wird ja von unseren früheren Kollegen Wetterte und Werll ins Französische übersetzt werden. Sie beweist, daß man einer Regierung, die ein Friedensangebot gewacht hat, gegenüber dieselben Töne anschlagen kann, wie gegenüber einer Regierung, die sich dessen geweigert hätte. Eigentlich kann Ledebour eine solche Rede nur halten, weil andere so vernünftig sind, in der Stunde der Gefahr dem Vaterland die Mittel nicht zu verweigern. Er muß sich selbst die Schuld zuschieben, daß er nicht mehr ernst genommen wird. (Lebhafte Zustimmung.) Unser Friedensangebot war eine kluge und vernünftige Tat. Die öffentliche Mitteilung der Friedensbedingungen wäre unklug, weil Friedens- bedirrgungen Höchstforderung-m sein müssen und deshalb eine abschreckende Wirkung ausüben. Daß das richtig ist, beweisen schon die unsinnigen Friedensbedingunyen der Entente. Den Ausführungen des ungarischen Ministerpräsidenten schließen wir uns an. Wir sind nach wie vor zum Frieden bereit. Selbstverständlich muß der erste Schritt nun von unseren Feinden ausgehen. (Sehr richtig!) Die Erörterung von Kriegszielen wäre gegenwärtig unfruchtbar. Was wäre geworden, wenn die Regierung sich nach dem Verlangen der Alldeutschen schon im Frühjahr 1915 auf bestimmte Kriegsziele festgelegt hätte? Die Alldeutschen bringen uns in einen ganz falschen Verdacht. Sie verdanken ihr Entstehen einem großen Irrtum. Sie sind damals Sturm gelaufen gegen Caprivi, weil er für Helgoland Sansibar hingab. Die gleiche Dilettantenhaftigkeit in der Beurteilung historischer Vorkommnisse zeigen die Alldeutschen noch beute. Sie wollen mit dem Kopf durch die Wand, geben unseren Feinden erwünschte Vorwände und rufen im Auslande Haß gegen uns hervor. Zwischen Nordamerika und Deutschland gibt es überhaupt keine Kriegsziele. Hoffentlich bleiben die übrigen Neutralen dauernd neutral. Leides bringt matr die komplizierte Frage des II-Boot-KriegeS immer noch vor das Forum von Volksversammlungen. Dem Abg. Stresemann möchte ich ent- gegenhalten, daß doch auch die siaatsmännische Ruhe und Zurückhaltung des Staatssekretärs von Jagow ihre Vorzüge hatte. Die Kampfesweise der Alldeutschen, wie sie besonders von dem Abg. Bacmeister betrieben wird, ist unehrlich. Diese Herren greifen die Rogieruirg wegen des U-Boot-Krieges fortwährend an, obwohl sie wissen, daß die Regierung aus militärischen Gründen ihnen nicht offen antworten kann. Das S t e u e r p r o g r am m. Mit den direkten Steuern kommen wir diesmal allein nicht aus, wir müssen leDer awcb die SMfca und den Verkehr heranziehen. Notwendig ist die Vereinheitlichung der Eisenbahnen, durch die wir, wie Kirc^off berechnet hoch eine Milliarde ersparen würden. Wir haben eine Gesetzgebung, die keine organische Verbindung mit der Regierung hat. Es werden bei unS keine Politiker m der Schule der Verantwortung geschult. Die Parteien haben keine Führer, die Negierung hat sie nicht. Viele Menschen, die das parlamentarische Leben bereichern könnten, werden jetzt ferngehalten. Heute mutz die Gesetzgebung mißtrauisch arbeiten, da sie keine Mitwirkung bei der Verwaltung hat. Der Reichskanzler darf kein Vertrauensvotum verlangen, das gäbe in Preußen den größten Krach. Trotzdem wird erklärt, man habe Mißtrauten gegen ihn. Die Verantwortung fällt auf den, der nach der Verfassung im wohlverstandenen Interesse der Krone nicht verantwortlich ist. Die Gefahren des unparlamentarischen Systems müssen empfunden werden. Die Konservativen sollten von ihrem Irrtum zurückkommen. Sonst kann nichts Zukunftsfrerödiges in unserem Volk hochkommen. Und wie wird bei uns gearbeitet und wer arbeitet! Es hat sich am Sonntag ein Ausschuß von Männern gebildet, um das Vaterland zu retten. Das ZiÄ war: Sturz des Reichskanzlers. Die Mittel: Entfachung einer großen Bewegung, Volksversammlungen, Sammlungen von Geld, Eingaben an den Reichstag. Die Einladung ist versandt worden an die »besten und königstreuen Märrner", nrid es hat der^ Einladende die Freundlich^it gehabt, alle Be- schläs.se, die gefaßt werden sollem bereits im Entwurf mit» zuteilerr. Es ist also mitgeteilt worden: erstens eine Eingabe an den Reichstag mit einer Anklage gegen den Reichskanzler, in der alle falschen und entstellten Angaben aus den sattsam bekannten Broschüren wieder auftauchen. Als neuer Punkt wird hinzugefügt, daß nunmehr bekannt sei. der Kaiser urch nicht der Kanzler sei der Urheber des Friedensangebotes, während doch der Kanzler den Anschein erweckt habe, als sei es von chm ausgegangen. Die Unterzeichneten verlangen, der eldmarschall von Hin den bürg solle Reichs- anzler werden. (Heiterkeit.) Eine Vermehrung der Arbeit würde dadurch nicht stattfinden. Die Diplomatie müsse übergehen in die Kriegsftchrung, ivas übrig bleibt an politischen und diplomatischen F o r m a^l i e n (große Heiterkeit),^ das könnten die Staatssekretäre und Unterstaatssekretäre ausftvhren. (Heiterkeit.) Herrenhaus ^cnd Abgeordnetenhaus müssen sofort zu Sondersitzungen zu s am mentreten, :vm zn den gerranMen Fragen Stellung zu nelnnen. Stolpere man doch jetzt nicht über Zwirnfäden. (Lebhaftes Hort! kwrt! linckS und im Zentrum.) ES ist dann auch eine Eingabe an Sei^ne Majestät öffenWch^aufgelegt worden, in der es heißt: In dieser entscheidender,^ stunde locrgen die Unterzeichneten untertänigst. Euer Majestät zu bitten, Herrn von Bethmaun Holl weg zu entlassen. (Hört! hört! links und im Zentrum.) Sie find sich der Ungewöhnlichkeit Ihres Schrittes bewußt. (Stürmische Heiterkeit links und im Zentrum.) Aber die Zeit ist so furchtbar ernst, daß auch die Ungewöhulichkeit beree zu Kaiser und Reich geschieht. (Stürmisches Hört! hört! links und rm Zentrum.) Durch den inrchtbaren Krieg sind Kaiser und Volk eins geworden, so daß irgendwelches Mißverständnis von Bitten, die Deutsche an ihren Kcsiser richten, ausgeschlossen ist.' (Lacken links und i>m Zentrum.) Die Entlassung von Ministern ist ein Vorrecht urrd Wir wollen an diesem Vorrecht seUistver- Die ehrerbietige Bitte aber, dieses Bor- ständlich nicht rühren. recht auszuüben zu,m Heil des in seinem Bestände bedrohten Vaterlandes, findet sich gerecht verankert in der Not der Zeit und in der Liebe und Ergeben heil der Unterzeichneten zu Kaiser und Reich. (Stürmisches Hort! hört! links und imt Z entrum . Bewegung im Hause.) So schlängelt man sich heran-, so schmeichelt man, wenn man sich die größten Eingriffe in di« angeblich geheiligten und hochgehaltenen Thronrechte herausnimmt. (Sehr wahr! links und im Zentrum.) Und es heißt dann weiter: Mit einer geradezu verhängnisvollen Verbleiwung hat Bethmann Hollweg sich den Haß der besten königstreuen Kreis« zugezogen und sich diese Kreise entftomdet. (Lebhaftes Hört! hört! links und im Zentrum.) In dieser Weise arbeitet man mit direkt unwahren Tatsachen. Aber das ist noch nicht einmal daS Schlirnmste. (Hört, hört! links.) Man sucht das Hauptquartier, die Personen, die unser höchstes Vertrauen besitzen und mit dem Respekt und der Bewunderung aller Deutschen umgeben sind und umgeben bleiben sollen, in diese parteitaktischen Umtriebe hereirrzuziehen. (Stürmisches Hört, hört! links und im Zentrum.) Da wird erklärt: Der Feldmarschall ist wegen seiner absoluten Unentbehrlichkeit (Stürmisches Gelächter links) schlechterdings unabsetzbar. (Lachen links und im Zentriun.) Kaiserliche Gnade oder Ungnade können ihn nicht berühren. Er allein in Verbindung mit Luden- dorff ist Wächter über Deutschlands und Preußens Ehre und Bestand und damit auch der Hüter der Hohenzollern- d h n a st i e als Trägerin der Kaiserkrone u^> der Königskrone von Preußen. Denn beide Throne finken in den Staub, wenn es uns nicht gelingt, in diesem Kriege zu siegen. Was der Feld- marschall will, geschieht, und wenn es zu einem Gegensatz käme: entweder Hindenhurg oder Bethmann, dann wäre die B e - seitigung Bethmanns gesichert. Die Zukunft unsere? Volkes und seiner Fürstcndhncrstie fordert die Herbeiführung diese? Gegensatzes. (Stürmisches Hört, hört! links und im Zentrum. Zurufe: Schutzhaft!) Mit diesem Schreiben, das dem Feldmarschall vorgelegt werden soll, haben sich durch Unterschrift einverstanden erklärt: Geheimrat Kivdorff - Mülheim (Ruhr), Geheimrat Körting - Hannover, Admiral v. Knorr-Berlrn (Hört, hört!), Rechtsanwalt Petzoid- Plauen, Fürst Otto zu Salm-Horstmar (Hört, hört!), Professor Dr. Schmelzer-Hannover und Rechtsanwalt Frehgang-Chemnitz, also zlvei sächsische Rechtsanwälte. (Stürmische Zurufe: Schutz- Haft!) Die Herren sind tatsächlich am Sonntag im Hotel Adlon zusammengekommen und haben den Mut gehabt, über diese Eingaben zu beraten. Es^ ist ihnen gottlob dadurch das Gewissen geschärft gewesen, daß ihr Treiben bekannt war. (Zuruf links: Sie haben ja gar keins! — Unruhe rechts.) Sie haben tatsächlich von morgens bis abends darüber beraten, ob sie diese Eingaben wirklich machen sollen. Zu der Beratung hatte sich noch ein anderer Schwerstarbeiter (Heiterkeit) eingefunden: Geheimrat Duisberg, urrd er hat dort ganz besonders das Wort geführt. Von den Beratungen will ich Ihnen nur einige .Kostproben mitteilen. So wurde al§ einer der geistreichsten Ausdrücke fortgesetzt die Bezeichnung „Die Ohrwürmer der Wilhelmstraße" gebraucht. (Große Heiterkeit links und im Zentrum.) Ein Redner verlang-te nicht die Ersetzung des vreußischen LandtagSwahlrechtes durch das Reichstags.uahlrecht, sondern sagte, zeitgemäß sei die Ersetzung deS ReirhstagSwahlrechts durch das vreußische Dreiklassenwahlrecht. (DbürmischeS Gelächter links und nn Z«ntr:nn.) Geheimrat Duisbrwg, der einmal im Hauptquartier gewesen und dessen Auftreten deshalb ganz besonders unquaLift- zierbar war, hat ja schon im vorigen Sommer Vorträge gehaUerr, und^hat z. B. in einer Versammlung in Düsseldorf die Abberufung VrkhmanTis verlangt mit der schönen Wendung: „Was uns heut« nottut, sirrd klare Augen, Falkenaugen." (Große Heiterkeit links und toi Zentrum.) Damals hatte man .Herrn v. Falkenhassn als Nachfolger Bethmanns augeseben. Seitdem in der Besetzung der Obersten Heeresleitung eine Aenderung eingetreten ist, hat sich Geheimrat Duisberg sofort mitgeändert und so tritt er jetzt anstatt für Falkenhayn für den Feldmarschall Hindenburg als Nachfolger Bethmanns ein. (Hort! hört! links und im Zentrum.) Die ganze Aktion, die ^ganze Bombe hat sich glücklicherweise als ein Blindgänger ertuiesen. (Sehr richtig! links und im Zentrum.) Die Herren hören nicht auf zu sagen, daß sie Millionen hinter sich hätten. (Zurufe sink?: Millionen Mark! — Große Heiterkeit.) In ihrem Einladungsschreiben haben sie sich darauf berufen, Graf Westarp habe sein Erscheinen Ezugesagt. Wir haben daraufhin Keuntnis erhalten von einem interessanten Briefe des Grafen Westarp, aus dem hervorgeht, daß er tatsächlich nnt dem Entrepreneur der Sache eine Besprechung gehabt und sich von ihr zurückgezogen hat, nachden: er Kenntuis von dem Inhalt des Beratungsmaterials erhalten hatte. Es wäre aber auch ein Maß von unpolitischem Verhalten, das wir dem Grafen Westarp am luenigsten Zutrauen, gewesen, wenn er in diese Falle gegangen wäre, nachdem er gesehen hatte, wohin der Hase lief. Graf Westarp hat den Fuß rechtzeitig zurückgezogen, aber nicht obne eine kleine Schürftmg davongetragen nnd nicht ohne den nach meii«w Ansicht kompromittierenden Schlußsatz, daß foicfve parlamentarischen Veranstaltungen zu r Zeit nicht angängig sind. Graf Westarp hätte diesem Treiben gmiz ander? abwinken müssen als dadurch, daß er schrieb zur Zeit seien solche Veranstaltungen nicht angängig. (Lebhafte Zustimmung links.) Das klingt ja geradezr wie eine Aufforderung, es in einer späteren Zeit zu machen, wo man dann vielleicht auf die wertvolle Mitarbeit des Führers der konservativen Partei rechne:: kann. Nicht so vorsichtig wie Gra^ Westarp war der Abgeordnete von Graef«. «M^eaeordnetei Werner-Gießen: Er denunziert weiter!) Als der Reichskanzler am 12. Dezember de:n Reichstage M:t- teilung von dem Friedensangebot nmchte, da saß bekanntlich die ganze Rechte da, obne auch nur ein Wort des Beifalls oder der Zustimmung zu äußern. Der Abg. v. Graefe aber bat sich nicht beherrschen können und hat wiederholt gerufen: Skandal! Skandal! (Stürmisches Hört, hört! links) Jetzt freilich hat Graf Westarp ausgesprochen, daß dieses Friedensangebot de? deutschen Karsers die volle Sympathie seiner Partei genieße. (Zurufe links- Jetzt!) W:e sehr find Sie, Graf Westarp, uns zu Dan'' verpflichtet, daß wir Sie damals nicht haben reden lassen. (Seh, gilt! links.) Und wenn Sie das nicht zuyeben wollen, so werden Sie docki zugeben müssen, daß es klug von uns war. die Rede bd Herrn Ledebour nicht im Dezember halten zn lassen. (Sehr richtig? links.) Wenn das Friedensangebot mit den Reden de? Grafen Westarp und des Herrn Ledebour hinausgegangen wäre, es wäre der schlimmste politische Fehler gewesen, den Dc^schland hätte machen können. (Stürmische Zustimmung links und rm Zentr.) Wir haben uns verdient gemacht, daß wir verhindert haben, das -Friedensangebot durch solche Reden entstellen zu lassen Ich freue mich, daß die N a t i o n a l l i b e r a I e n fich gegen die Adlon-Konferenz glatt ablehnend verhalten haben und ich hoffe, daß sic es dabei nicht bewenden lassen, sondern sich noch ganz anderes gegen diese Umtriebe werredn. Sie werden wcchl auch einen Herrn, der unter der nationalliberalen Flagge eine äbn lrche Agitation betreibt, von sich abschütteln. (Zuxnfe: Dr. Stresc- mann.) Ich meine Herr» Dacmeister. (Heilerreit links.) Hwt efcmtct notwendig, Soft orib Licht in dtefen alldeutschen Mauerschwamm zu bringen. (Beifall links.) Wenn einst die Geschichte dieser Trage geschrieben wird, dann wird sie diese Umtriebe als symptomatischen Beweis dafür an sehen, das; wir vor dem Kriege noch nicht zu den Entwicklungsstadien des öffentlrchen Lebens gekommen waren, die dieser Weltkrieg als Notwendigkeit und als ein Moment der Stärke für Deutschland erbrachte. Wir haben die .Kraft, alles zu überstehen. Wir haben vor dem Kriege keine Scharfmacher gebraucht und brauchen sie während des Krieges erst recht nicht, denn das deutsche Volk hat so selbstverständlich seine Pflicht getan, so heldenmäßig, so schön, datz alle Befürchtungen widerlegt worden sind. (Beifall links.) Die Haltung der Sozialdemokratie in diesem Kriege war geradezu glänzend. Wir stehen alle zusammen,'Stadt und Land/Bauern und Arbeiter. Alle Kreise geben ihr Bestes, auch der Adel, ivas wir gern anerkennen. (Beifall.) Politische Gegensätze bindern uns nicht, offen zu sagen, daß der Adel mit seinen Fuhrereigen schäften Ausgezeichnetes geleistet hat. (Beifall.) Nur soll er nicht so tun, als ob bürgerliche Führer nicht auch ihre Schuldigkeit getan. Das deutsche Volk hat gelernt und wird weiter lernen. Die Weltgeschichte wird dereinst das Volk als Sieger im Weltkriege bezeichnen, das am meisten aus dieser schweren Zeit gelernt hat, die wir in einer Konzentration der Stimmungen durchmachen und die es nicht nötig machen sollte, solche Auseinandersetzungen herbeizuführen. (Sehr gut!) Nur zur Vermeidung weiterer Gefahren war es einmal notwendig, Diefe Dinge öffentlich zur Sprache zu bringen. (Beifall links.) Abg. Schiele ($onf.): Gegenülier der Mißhandlung unserer in Feindeshand geratenen Streiter muß die schärfste Vergeltung angewendet werden, für Vergnügungen in rrn seren Gefangenenlagern ist jetzt keine Zeit. So lange es noch keine Soldatencvusschusse gibt, darf es auch keine Kriegsgefan- genen-Ausschüsse geben. Für die Frage der Einführung des parlamentarischen Systems ist jetzt nicht die Zeit. Der Kaiser darf nicht zur Schattenfigur werden. Dem Abg. Bassermann, der an der Teilnahme an den Verhandlungen des Hauses verhindert ist, sprechen wir die besten Wünsche zu seiner baldigen Wiederherstellung aus. Dänisch e Zeitungs- vreldu-ngen stehen in einem gewissen Gegensatz zu den Erklärungen des Staatssekretärs des Auswärtigen über die deutsch- dänischen Verhandlungen. Aufklärung wäre notwendig. Der Abg. Keil täuscht sich, was unsere Soldaten mit ihrem Blute erkämpft haben, werden sie nicht herausgeben. Nicht nur die armeri Söhne Deutschlands sind treu, alle ziehen am selben Strang. Wir wollen nur eine Verständigung, die eine Folge unseres Sieges ist. Den Landräten, die zu scharfen Maßregeln in der Ernährungsfrage griffen, fehlte es an Fühlung mit der Bevölkerung. Es wird zu viel organisiert, wir organisieren uns fast zu Tode. Selbst die Seemuschel nrutz herhalten. Auch sie wird wohl so wegorganisiert werden. Es 'st ungerecht, daß in den Ar- beiterausschüffen des Hilfsdienstes nur Gewerkschaftler vertreten sind, die doch an Zahl nur -in Viertel der gesamten Arbeiterschaft ausmachen. D.e kleineren Betriebe dürfen nicht schematisch ausgemerzt werden. Das beste Vertrauen wird bei unseren Kriegs- anleihezeichnern erweckt werden, wenn unsere Staatsmänner Festigest bei der Forderung einer Kriegsentschädigung zeigen. Ohne Kriegsentschädigung müßten wir nach dem Krieg von der Vermögenssubstanz im Reiche leben. Das Bleigewicht der Milliarden müssen die Urheber des Krieges tragen. .Kurland und Litauen wollen wir nicht herausgeben. In diesem Eldorado wollen wir uns neue Kraftquellen erschließen. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet wird es für uns heißen: Mensch sein, heißt Kämpfer sein. (Beifall rechts.) „ Staatssekretär ^ Zimmermann; Der Abg. Schiele ist noch einmal auf die dänischen Verhandlungen zurückgekommen und hat sich dabei auf einen Artikel der Nationaltidende bezogen, der in der Vossischen Zeitung wiedergegeben ist, wonach die Verhandlungen mit Dänemark über die Ausfuhr von Lebensmitteln nach England angeblich zum Abschluß gelangt sind und nunmehr die ^hiffe von Dänemark nach Norwegen und von Norwegen nach Aberdeen abgefertigt werden. Woher die Nationaltidende ihre NachricA herbezogen hat, ist mir unbekannt; aus amtlichen Quellen dürste sie nicht geschöpft haben. Amtliche Nachrichten zur Sacke, die etwa diefe Mitteilungen bestätigten, liegen mir nicht vor. Wenn ich ans den Inhalt dieser unbestätigten Nachricht ein- gehen darf, so muß ich sagen, daß eine Dampferverbindung zwischen Dänemark und Norwegen mir an sich unbedenklich erscheinen wurde. Wir haben eine Handelssperre gegen unsere Feinoe ausgesprochen, wir haben aber nicht erklärt, daß wir den Verkehr zwischen den neutralen Staaten unterbinden würden. Wenn nun derartige Schiffe mit Lebensmitteln von Dänemark nach Norwegen abgehen und dann etwa dort diese Lebensmittel auf englische Dampfer überyeladen werden sollten, und wenn dann von Norwegen versucht werden sollte, diese Waren oder Lebensmittel nach England ernzu führen, dann würden diese Schiffe in unsere Handelssperre hineinkommen, und ich hoffe zuversichtlich daß es unseren Unterseebooten gelingen wird, diese Schiffe in den Grund zu bohren und sie dem Verderben zuzuführen. Die Verbindung von Dänemark nach Aberdeen, die hier auck erwähnt worden ist, wird selbstverständlich von den betreffenden Unterseefahrzeugen ganz genau beobachtet, und ich kann das Gleiche für die Schiffsverbindung von Norwegen nach England» sagen. Ich hoffe, daß auch diese Schiffe von den Unterseebooten in den Grund gebohrt werden. Ueber die dänischen Verhandlungen habe ich mich vorgestern ausgelassen. Ich habe alles gesagt, was ich sagen konnte. Diejenigen Herren, denen meine Mitteilungen nicht genügend find, bitte ich, auf meine Ausführungen in der Kommission verweisen zu dürfen, die ich auch heute noch vollkommen auftecht erhalte. Ich glaube übrigens sicher zu sein, daß ich rn ganz kurzer Zeit schon auch der O essen tlichkeit Erklärungen abgeben kann, die alle Herren, auch diejenigen, die heute noch Zweifel hegen, die Ueberzeugung verschaffen werden, daß es uns mit der Handelssperre gegen England bitter ernst ist und daß wir keineswegs die Neigung haben, diese Handelssperre durch Zugeständnisse zu beseitigen. (Lebhafter Beifall.) v. Gamp-Massauen (dtsch. Fr.): Dänenmrk hat augenscheinlich das Bestreben, mit England nicht vollständig zu brechen, m 5.\- E? ™•® n ßk rri & den zukünftigen Abnehmer seiner Produkte erblickt. Durch Verhandlungen während des .Krieges können wir es aber dahin bringen, daß Dänemark die Gewißheit echätt, daß auch Dänemark nach dem .Kriege nicht mehr auf England zu rechnen braucht. Amerika hat sich gefallen lasten die Ab- schl'.eßung von der Nordsee, will sich aber die Abschließnng von England nicht gefallen lasten, obwohl unsere Handelssperre viel rmmaner und rücksichtsvoller gegen die Neutralen ist als die Englands. Amerika hätte also alle Ursache, sich uns fround- ächer gegenüberzustellen. Es ist uns gelungen und wird uns weiter gelingen, die .Kriegskosten im eigenen Lande aufzu- bringen. Aber die Lasten werden nach dem Kriege sich doch sehr geltend machen, zumal dann neue Ausgaben für Invalide und öeanitenvermehriing hinzukommen werden. Die Invaliden soll man in erster Linie bei Besetzung von Beamterrstellen berücksichtigen, ohne an sie besondere Anforderungen zu stellen. In den Ausschuß zur Vereinfachung der Verwaltung sollten auch ReichstagSmitglieder berufen werden, um den Ressort- fanatismvS dämpfen zu helfen. Wenn das Reich die Bahnen bekommt, dann entsteht das Loch in Preußen —, wäre das eine Finanzreform? Im großen und ganzen sind wir mit den neuen Steuern auf dem richtigen Wege. Dem Kriegs minister gebührt besonderer Dank für feine Erklärungen über unsere armen Kriegsgefangenen Das klang ganz anders als das, was das Auswärtige Amt sagen ließ; wir dürfen uns nicht: an Wehrlosen rächen. Dann erreicht man nichts. Auf einen Schelmen anderthalb! Unsere Gefangenen müsten menschlich behandelt werden. Sentimentalität und Humanität fhtb^ nicht mehr angebracht, sie kommen hier einem Mangel an Einsicht gleich. Der Abg. Haußmann hat dem Grafen Hoensbroech den Gefallen getan, seine Anregungen dem Reichstag Mitzuteilen imi ihm einige heitere Minuten zu verschaffen. Was hatte das für einen Zweck? Warum macht er soviel Aufhebens von diesem „Blindgänger, der schon krepiert war"? Hoensbroech, der manche Wandlungen durchgemacht hat, war ia auch einmal Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei) — sollte das ein Liebesdienst sein? (Zuruf links: Es war dock ganz interessant!) Ja, für solche Leute, die an schlechten Witzen Freude haben. (Heiterkeit.) In der U-Boot-Frage hatten wir doch nicht so recht unrecht. Wir hatten schon vor drei Monaten genug Unterseeboote iind Mannschaften. Wäre damals -der Unterseekrieg verschärft worden, so hatten wir schon drei Monate verdoppelte Ergebnisse gehabt. Der Präsident des Reichstags hat die schöne Initiative gehabt, eine U-Boot-Spende ins Leben zu rufen. Möge es den U-Booten gelingen, uns bald den Frieden zu verschaffen. Abg. Fürst Radziwill (Pole) wird mit Beifall begrüßt und dankt dem Präsidenten für die ihm bei seiner Rückkehr ausgesprochenen Glückwünsche und allen Bekannten und Freunden für das ihm entgegengebrachte Entgegenkommen. Der Kanzler hat eine bedeutsame Rede gehalten und dabei in seiner markanten Weise den Satz „Toujours en vedette" zitiert. Auch die Polen mußten danach handeln. Der Kampf war uns durch die Geschichte der Jahrhunderte aufgedrungen. Niemals hat uns jedoch Haß gegen die deutsche Nation oder das Verkennen von Deutschlands Weltstellung und seiner jahrtausendelangen Kulturarbeitet geleitet, sondern nur die Liebe zur eigenen Nationalität und das Pflichtbewußtsein vor der Geschichte/unsere tausendjährige Kultur und Ueberlieferung aufrechtzuerhalten. Polen ist jetzt mit Ruinen und Leichen bedeckt. Da ist es schwer von der Neugestaltung zu reden. Die Geschichte wird diese Fragen von selbst lösen. Bei allen Maßnahmen muß man aber Fühlung mit dem polnischen Volke behalten. Wir hoffen, daß die Arbeiten dieses Hauses den Frieden fördern werden. Abg. Henke (Sog.-Arb.) Die französischen Grausamkeiten sind eine Schande. Die Schuld der Urheber des Krieges wird dadurch unermeßlich vermehrt. Den Gegen maßregeln stimmen wir nicht zu. Wir protestieren auf das entschiedenste dagegen! Proletarier haben in erster Linie darunter zu leiden. Alles fällt auf das Konto der herrschenden Klassen. Das Verbot der Gefangenen-Arbeiterausschüsse ist das Gegenteil von sozialpolitischem Verständnis. Wir protestieren gegen die Wegführu^g von belgischen Arbeitern. Mit seinen plumpen, geistlosen Angriffen ist der Abg. Keil den fein pointierten Ausführungen Ledebours nicht gerecht geworden^ (Heiterkeit.) Wir bekennen uns gerade jetzt zur republikanischen Staats- forrn. Bon der materialistischen Geschichtsauffassung, von Marx und Engels verstehen der Abg. Keil und alle Sozialpatrioten nichts. (Lachen.) Die Verantwortung für den Bruch mit Amerika werden der „Vorwärts" und die Parteimehrheit nicht los, denn sie haben zum verschärften U-Boot-Krieg mit aufgemuntert. Man muß schon „verkeilt" sein, um das zu übersehen. (Heiterkeit.) Wir widersprechen der Forderung auf E n t - laffung des preußischen La nd w i r t sch a f t tz- mini st e r s , denn es würde dadurch keine Aenderung in der Ernährung erreicht werden. (Sehr richtig! rechts; Heiterkeit links.) Was wäre die Folge der Entlassung des Herrn v. Schorlemer? Ein anderer würde an seine Stelle treten. (Allseitige Zustimmung. — Heiterkeit.) Macht er eine Politik gegen die Agrarier, so werden ihn diese stürzen. Die preußische Regierung bringt immer noch keine Wahlreform. Ganz anders wissen sich die Regierungen der Massen gu erinnern, wenn es sich um die Verteidigung des sogenannten Vaterlandes handelt! (Stürmische Pfuirufe, allgemeine Erregung. — Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung. — Zuruf des Abg. Graf Westarp.) Was haben Sie gesagt? (Abgeordneter Gras Westarp (kons.): Lesen Sie nur weiter ab!) Wollen Sie mein Manuskript haben? (Lsbg. Graf Westarp: Ich habe von einem vaterlandslosen Gesellen nichts entgegenzunehmen! — Beifall rechts.) Und ich nichts von einem Grafen!. (Lachen.) Wenn Ihre Vaterlandsliebe so groß ist, dann geben Sic von Ihrem Besitze her, damit der Arme verschont wird. Schatzsekretär Graf Rödern: Ich darf zu meiner Freude feststellen, daß von allen Parteien dem Grundgedanken zugestimmt worden ist, daß man nicht mit einem Etatsdefizit, ob verschleiert oder nicht, ins nächste EtatSjcchr hineingehen darf. Alle Parteien wollen sachlich Mitarbeiten. Der Schatzsekretär wmrdet sich gegen den Abg. KeÄ, der für die VerkchrSsteuern Besitzsteuern forderte. Wir haben nicht wie in einem Einheitsstaate nur £pei Träger der 'S teuer gemalt: Kommunen und Staat, sondern wir haben vier Träger: .Kommunen, .Kommunal- verbände, Bundesstaaten, Reich. Da müssen wir Rücksicht nehmen. Die Leistungen der Kommunen und Kommunalvevbände dürfen wir nicht unterschätzen. Ihre Aufgaben kann das Reich nicht übernehmen. Das wäre eine unglückliche Politik. Denken sie an die Schullasten. Wenn Sie aber diese Lasten haben, müssen Sie auch ein gewisses Steuergebiet haben. Bei dem 200 Prozent-Durchschnitt werden die Kommunen nach dem Kriege nicht bleiben. Ich rechne mit 250 Prozent. (Hört, hört!) Die Kommunen, die Bundesstaaten haben während des Krieges neue Aufgaben übernommen, für die sie nach dem Kriege werden geradestehen müssen. Die allzu- scharfe Anspannung der Ein kommen st euer würde weder volkswirtschaftlich noch technisch dauernd durchfi'chrbar sein. Wahrscheinlich wird nach dem Kriege eine Verschiebung innerhalb der Einkommensteuer selbst ftattfinden; d. h. eine schärfere Heranziehung der höheren Sätze. Auf dem Gebiete der Realsteuern und Umsatzsteuern gab es in den Letzten Jahren eine Unmenge von Erfindungen, die sich aber immer an den Besitz cmlehnten. Der Schatzsekretär wendet sich gegen den Vorschlag der nochmaligen Erhebung des Wehrbeitrags. Es ist vollkommen ausgeschlossen, jetzt im Kriege einen Ausbau der Erbschafts st e^u er durchzu führen. ES müßte ein ganz neuer Apparat geschaffen werden. Den Vorschlag einer Erhöhung der Matrikularbei träge hätte ich wirklich nicht erwartet. Die Bundesstaaten haben viele Eigen- wünsche zurückgestellt, um dem Reiche in schwerer Zeit zu helfen. Dafür sind wir chnen dankbar. (Beifall.) Ich lege das größte Gewicht auf ein verständnisvolles Zusammenarbeiten des Reichsschatzamtes mit den Bundesstaaten, wie es in den letzten Wochen geschehen ist. Wir werden uns im Aus- schusie Mänderungswünschen nicht entziehen. Die Verhandlungen dort werden hoffentlich getragen fein von dem Geist der Sorge um das gemeinsame Wohl. (Beifall.) Ministerialdirektor Lewald erwidert auf eine Anfrage, daß nach einer Verfügung des Reichskanzlers Kriegsrenten von den Löhnen nicht abgezogen werden dürfen. 2lbg. Dr. Spahn (Ztr.): Das ganze Volk dankt dem .Kriegsminister für seine gestrigen Ausführungen. Möge er fortfahren, das Los der Ge fang euren zu verbessern. (Beifall.) Der Vlamenfrage bringen wir das größte Interesse entgegen. Die Einführung dev E r v s ch a f t s st e u e r während des .Krieges würden auch wir für einen Fehler halten. Der Staatssekretär hat auf die zahlreichen Fragen bisher nicht geantwortet. Darf ich daraus folgern: qui tacet, consentire videtur? Staatssekretär Dr. Helfferick: Dr. Spabn hat vor zwei Tagen über die Z u r ü ck s e tz u n g der K a t h o I i f e n Beschwerde 'ge- führtz Tatsächlich sind die Katholiken in der Beamtenschaft nicht in dem Maße vertreten, wie es der Zahl nach vielleicht wünschenswert wäre, aber das hat geschichtliche Ursachen. Es hat niemals eine bewußte oder absichtliche Zurücksetzung von Katholiken statt- gcsunden. (Widerspruch im Ztr.) Jedenfalls soll es in Zukunft nicht mehr geschehen. WA sollten aus dem Kriege lernen, daß wir V$ eC f H )^' niC Rutsche sind, dann erst Parteien und Konfessionen. Abg. Graf Westarp (Kons.): Der Abg. Haußmann hat fick eingehend mit Entwürfen und schriftstellerischen Leistungen seines Parteifreundes Graf Hoensbroech beschäftigt. (Widerspruch bei den Fortsckrittlern.) Er war doch fortschrittlicher .Kandidat bei den letzten Wahlen. (Zu- rufe bei den Fortschrittlern: Er hat sich selbst ausgestellt! Heiterkeit.) Man fühlte es dem Abg. Haußmann wirklich an, welchen Schmerz es ihm bereitete, /»aß er uns die Sache nicht an die Rockschöße hängen konnte, (at dann besonders hervorge-hoben, daß ich ei ne Besprechung mit dem Grafen Hoensbroech gehabt habe. Ich bin lieber tot als unhöflich, und wenn ein Parteifreund des Herrn Haußmann zu mir kommt, so lasse ich mich auf eine Besprechung ein. (Heiterkeit.) Den Schlußsatz meines Briefes hat Herr Haußmann falsch zitiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Er bezog sich auf einen Vorschlag des Grafen Hoensbroech, der Reichstag möge einberufen werden und entweder dem Kanzler ein scharfes Mißtrauensvotum erteilen oder seine Entlassung fordern. (Hört! hört! links.) Ist denn Herr Haußmann der Meinung, daß eine Aktion des Reichstages gegen den Reichskanzler für alle Zeiten vermieden werden muß? Ich wiederhole aber, daß ich mich auf alle diese Besprechurigen nur aus Höflichkeit gegen einen Parteifreund des Herrn Haußmann eingelassen habe. (Lachen links.) Herr Haußmann meinte dann weiter, wir müßten dafür danken, daß am 12. Dezember hier keine Debatte stattgefunden hat. Das verstehe ich nicht. Wir haben am 12. Dezember eine Fraktionserklävung veröffentlicht, aus der klar hervorging, was wir beabsichtigten, und selbst die Auslegungskunst des Herrn Haußmann wird es nicht perligbringen, herans- zufinden, wie unser Verhalten danrals das Friedensangebot hätte schädigen können. Wir sind vielmehr beute noch der Meinung, daß eine Debatte des Reichstages am 12. Dezember das Friedensangebot nicht geschädigt, sondern vermutlich gefördert haben würde. (Beifall rechts.) Abg. Legten (Soz.) lehnt die Zusammenarbeit der Gewerkschaften mit den gelben Gewerkvereinen ab. Diese seien von den Unternehmern gekauft. Abg. Haußmann (Fortschr. Vp.): Herr Gamp hat die Herren von der Adlonkonferenz abgeschüttelt, ebenso Graf Westarp. Es ist erfreulich, daß sich niemand in diesem Hause zu diesem Treiben bekennt. Darum haben ja die Herren im Adlon auch behauptet, der Reichstag sei vertrottelt. (Heiterkeit.) Graf Hoensbroech ist allerdings in einen fortschrittlichen Verein eingetreten und verlangte, als Kandidat ausgestellt zu werden. Man ftagte bei der Zentrale an, dort wurde aber entschieden abgeraten. Wir haben mit ihm keine Gemeinschaft. Herr von Graefe ist vom Grafen Westarp in Güstrow als eine der wertvollsten Stützen der konservativen Fraktion im Reichstag bezeichnet worden. (Zuruf: Aus Höflichkeit! — Heiterkeit.) Herr von Graefe stellt die persönlichen Verbindungen zwischen diesen Kreisen und den Konservativen her. Abg. Dr. Arendt (Deutsche Fraktion): Herr Legien hat die wirtschaftsfriedlicke Bewegung in den Schmutz gezogen. (Vizepräsident Dove rügt den Ausdrucks Ich muß dagegen Widerspruch erheben, daß man einen io erheblichen Teil der deutschen Arbeiterschaft im Deutschen Reichstage beschimpft. In meinem Mansfclder Wahlkreise ist diese reichstreue Bewegung zuerst cirt= standen, und zwar gegen die Unternehmer. Es ist Terrorismus, wenn die Sozialdemotraten verlangen, daß sich jeder nur io organisieren soll, wie sie -es wünschen. (Zuruf des Abg. Keil: Ihr Fraktionsgenosse Behrends ist ja auch gegen die Gelben!) Leider, und meine Worte richten sich daher auch an ihn. (Heiterkeit.) Abg. Dr. Stresemann (Natl.): Kein n-attonalliberales Mitglied einer parlamentarischen Körperschaft hat an der Adlonkon- ferenz teilgenommen. Sine große Anzahl ist allerdings eingeladen worden. Man dark aber nicht zu der Behauptung kommen, das die Eingeladenen sich mit den Bestrebungen identifizieren. Wir haben keinen Zweifel darüber ^.lassen, daß wir diese Treibereien zurückweisen. In der Konferenz sollte ja auch die Tätigkeit unseres Führers Bassermann und des Grafen Westarp scharf kritisiert werden, weil sie versagt hätten. Ich stelle dann fest, daß ich vor drei bis vier Wochen mit dem Grafen Westarp über die Einladung sprach. Schon damals erklärte er. daß er die ganze Veranstaltung und ihre Tendenz auf das schärfste verurteile. (Lebhaftes hört, hört! rechts.) Graf Hoensbroech hat als fortschritb licher Kandidat gegen meinen Kollegen Stove kandidiert. (Hört hört! rechts.) Der Redner wendet sich dagegen, als ob er als Syndikus eines industriellen Verbandes nun die Interessen dieser bestimmten Gruppe vertrete. Er sei durchaus unabhängig und ftei in seiner parlamentarischen Tätigkeit. Von einem Terrorismus der Arbeitgeber, der die Arbeiter in bestimmte Organisationen hineinzwingt, farm heute dock nicht mehr die Rede sein. Heute ist vielfach die Arbeiterorganisation viel mächtiger als der einzelne Arbeitgeber. Abg. Graf Westarp (kons.): Mich hat in diesem .Krieg nichts so empört, als der Vorwurf der Käuflichkeit, der einer so großen Arbeitergruppe gemacht wird. Gewiß stellen Arbeit- geber diesen Arbeiterorganisationen Gelder zur Verfügung, aber nur zu Wohlfaihrtszwecken und ohne daß dadurch eine Abhängigkeit hergestellt wird. (Lachen links.) Bei vielen geheirnen Mahlen haben die Mrtfchaftöfriedlichen gesiegt. Wo ist denn da der Zlvang? Das Schlimmste ist, daß die Gewerkschaften ihre Mitarbeit am Hilfsdienstgesetz einstellen wollen, wenn die Wirtschafts- friedlichen als gleichberechtigt zugelassen werden. Dagegen protestieren wir. Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath (natl.): Dank dem Papst für seine Versuche, das Los der Gefangenen zu bessern. Dank auch dem König von Schweden, der mehr getan hat, als mancher weiß. (Beifall.) Dem verstorbenen schwedischen Gesandten Grafen Ta-sibe sind wir zu besonderem Dank verpflichtet. (Beifall.) Die d l ä mische Frage werden wir tbeim Reichsamt des Innern ausftlhrlich behandeln. Für selbstverständlich halten wir die Wahrung voller Parität bei der Besetzung der Beamtenstellen. Abg. Behrens (Deutsche Fraktion): So einfach liegen die Dinge nicht, wie die Verteidiger der Gelben tun. Wenn der Eisenbahnerverband des Abg. Ickler beim Hilfsdienstgesetz keinen Anschluß gefunden hat, so deshalb, weil er keinem Zentralverband angehört. Das Kriegsamt kann doch nicht jeder einzelnen Organisation seine Vorschläge unterbreiten, sondern das Kriegsamt muß schnell^ arbeiten. Es stehen nur wenige Arbeiterfitze in den Ausschüssen nach dem Hilfsdienstgesetz zur Verfügung. Dre Mitgliederzahl der Wirtschaftsfriedlichen ist höchst fragwürdig. Auch wenn gewählt wäre, hätten sie nicht einen Sitz erhalten. Es sind ihrer eben zu wenig. Wenn die Gewerkschaften aller Richtungen die Gelben nicht als Arbeiter- Vertretungen anerkennen, so ist das koin Terrorismus. Wer der Wahrheit die Ehre geben will, muß zugeftehen, daß viele gelben Organisation an - nicht alte — vor •ben Unternehmern gegründet und aufrechterhaften worden sind. (Sehr richtig! links und im Zentrum.) Die Mitglieder der Gelben sind keine käuflichen Subjekte. Tausende ehrenhafter Arbeiter aber müssen sich des lieben Brotes wegen unter dieses kaudinifche Joch beugen. (Lebhafte Zustimmung ftnks und im Zentrum.) In meiner eigenen Familie befinden sich solche Leute. (Hört, hört!) Meie Mitglieder der Gelben gehören auch den Gewerkschaften an. (Hört, hört') Ueber- lassen Sie die Beurteilung der Standesehre l der Arbeiterschaft niir den Arbeitern selbst. (Sefc richtig!) Sie lasten sich ja auch mch!s drernreden. wenn cs nck um Angelegenheiten Jl)rer Standesehre handelt. Man kann dre deutsche Arbeiterschaft nicht zwingen, einer vom Unternehmertum abhäiigigen Richtung wegen ihre «taiidesehre zu andern. Tun Sie das doch, so niüssen wir die w»s A (Beifall «dx. tc«icn Die Mrlschaftkfriedlich« ttn LvmSftÜ»« Kreise btdtta früher einen Posaune uchor, irm unsere Versa mir.» kmgen j)u stören. Hoff dar uichi. so fielen sie mit Knüppeln über unsers Leute der. DaS toat>*n di« wirtschaftSfried- wichen Arbeiter des Dr. Arendt. (Heiterkeit.) , Wbtf. Sebiekc (Kons.): Die acht Millionen Nichtorganisierter Arbeiter fmd in den HilfsdienstmlSschüffcn reicht vertreten. Die Gewerkschaften sind monopolisiert. Ahg. IÄer (ul.,: Die von mir vertretene geschloffene stärkste Hffrndarnarbrfterorgamsaiion ist nicht herangezogen worden. Zn der Zrosammenkunft der Grwerksck^asten hat man uns nicht eingeladen. Auch die katholischen Facharbcrlcr sind auHgc schloffen. Vi^prüsident Dswe bittet, d.e Ausciuandersehung zwischen den einzelnen Organisattanen auf die grundsätzlichen GefichtSpunItr zu beschrünbm. ES sprechen hierzu noch die Abgeordneten Bauer (So-.). v e h r e n S (Dtsch Fr.) und Schiffer- Borken (Ztr.. Damit schließt die Anssprache. ES folgen persönliche Bemerkungen. Abg. v. Gracfe (kauf.): Der Abgeordnete Haußmarm hat mit ipcfftovalem Nachdrrn! versucht, mich auf den rechten Weg zurück- zufuhren. Ich anerkenne den guten Willen, aber ich must eö leider «wlehmon, Herrn Hausima nn als meinen HauSledrer cm- zuerkennen. (Ruse links: Au, au!) Ich bedarf besten nicht und er würde auch n>enig Erfolg damit baden. Herr Hausimann ist dann auf einen Zwischenruf von mir eingegangen, der in der Sitzung vom 12. Dezember gefallen ist. Er Ixft daraus auf meine mangelnde Selbstbeherrschung geschlossen. Ich kann ihm nicht den GefcrV.en tun, das zuzugeben. Ich l>alte diesen Zuruf auch heute noch in aller Ruhe und mit aller Bestimmtheit a u s r een mutz. -Oberst d. WrieLberg Hai nur gesagt, er weise düste Angriffe zuLÄa. Sonst war er hier Sitte, daß iwtn auch sachlich eine Kritik -u entkräften suchte. (Sebr richtig? linikL.) Ich stelle fest. d«ch Oberst d. WrreSberg den Tatbestand »icht einmal in Zweifel gezaigen »rnd mcht ein nur! vechucht hat. meine Kritik z« widerlegen. (Z«sti«-nzrng kirrü».) Wg. HasHmLN» fK*pJz Herr v. Grcrefo Jfrt sich mit seinem Auftr^en selüA charakterfstert. (Sehr richtig l links. Lachen.) Die Debatte war übrige-« nicht geschlossen. sondern er hatte sehr wohl zur Sache das Wort nehmen anü-ffen. (Sehr richtig! links.) Dr. Sire fern ann sin -gefast, dasi ich keinem natronvll ideralen 1« geordneten tntru Borwurf «wS dem Gesuch der Versammlung gemacht habe. Ich habe i» Gegenieil anerkannt, daß kein naücuvalMeraler Abgeordneter der Einladung Folge geleistet hat. rächt'uz! links.) Wenn man ein« solche Einlädlrng be- ?omrrrt mit einem solchen Inhalt, bann war die erteilte Antwort doch recht schwächlich. Dem Abgeordneten Dr. Stresemann will ich noch nriltcilen, daß Graf HoenSln'oech im Jahre 1903 in Chem- uch für die Nattonälliberalen kandidiert hat. fGrosie Heiterkeit,) Die Krie^steuern und der HarrsbftlLpLan werden darauf dem HaubtauLschusi überwiesen, NLhste Sitzung: Dien St atz, 80. Marz. Der Präsident erHM die Ermächtigeng, gegebenenfalls auch fiÄher eure Sitzung anKnbereruMen. Schüch gsge» 7 Mhr. Leistungen der Heimat für das Zeldheer. Boi der Eroberung über die Ermährurlgsschlwieriaveitzen im Lande rmd der geübcen Kritik wird vielfach übersetzen, dasi wir nicht nur unsere ZiwlbevÄkermrg und etwa li/s Mftliouen Gefcmgenc zn ernähren, sondern daneben für ausreichende Beköstigung unseres Mllioneuheeres M sorgen haben. Iin .Kriege gilt der Grundsatz: Erst das Heer, dann die Zivilbevölkerung. Welche Mengen MchrungsmiVel aber unser Hser bedarf, und welche Erfordernisse die Zufuhr dieser Berpfl'egungs'nrittcl an unser Vsrkelirswesen stellt, davon haben die breiteslan Kreise keine rechte Vorstellung. Einige Zahlen aebeu uns darüber ein Bild. Diese Zahlen baveisen uns aber auch gbeichtzeitig, dasi der Bedarf für das Heer mit der Dauer de? Krieges fortgesetzt getvachsen ist: und noch wachst. Iw ersten Kriegsjahve, also vom 1. August 1914 bis Ende Juli 1915 wurden ins Feld gesandt: 388 539 Tonnen Mickuehl. ün zweiten Kriegsjahr, von Anfang August 1915 bis Ende Juli 1918 dagegen 795006 Tonnen. Das Speisemohl ist dabei nicht einbegriffen. DaFu Lommsen noch in den beiden ersten Kriegs« jahren 40875 Tom kan Zwieback, die aus der Heimat nachgeführt wurden. Fleisch und Fleischikouserven ausschliesiLich lebendem Bieb und FisclOonserven wurden nochgeführt tm ersten Krisgsjahr 94 965 Donnen (im ^Brüten DriegsjaHvck 159 170Domreni, Salzheringe 107 Tonnen (18 686 Donnen). Dazu kommen noch große Mengen frische Salp,- und Rcttvck-erfische. Reis 17168 Tonnen (28 881 Tonnen. Graupen 8 116 (16 598 Tonnen), Grütze 3 892 Tonnen (11177 Dmmen), Griesi 3 872 Donnen (10 620 Donnen), Erbsen und Bohnen 33 028 Tonnen (49107 Tonnen), Nudeln 8153 Tonnen (21 839 Donnen), Backobst 8 139 Donnen (16 627 Tonnen), Sauerkohl 15 555 Donnen (20146 Tonnen), Gemüse (frisches, Kmlserven, Schnittbohnen) 31 803 Donnen (45 865 Tonnen), .Kartoffeln, aussthl'ieM'ich 5t'artoffelflocken und Türrkarloff'eln 39 657 Tonnen (246 120 Donnen), Käse 22 239 Tonnen (35 664 Donnen), Butter und Schmalz 26 658 Tonnen (31906 Donnen), Marmelade 5 731 Tomren (66 410 Tonnen), Kaffee, Tee und Kakao 28 742 Tonnen (54 431 Donnen), Zucke? 19 586 Tonnen (51117 Tonnen), (Salz, Pfeffer, KÜuvmtel, Senf usw.) 28 022 Tonnen '60 687 Donnen). Daneben wurden noch grvsie Näengen Linsen, 5>aser--^und Gersteflocken, Grünkern, Sago, Hirse Wurstkonserven usiv. für das FelÄjeer bei Egt. IM ersten Jahre gingen allein an Zigarren 1 461 578 000 (im zweiten Kriegsjahve 2 767 850 000) und an Zigaretten 1418 386 000 (2 740 778 000- also insgesamt in den beiden ersten Jahren beinahe 8i/o Milliarden Zigarren und ^)igar«ich«n an die Front. Dazu kommen in den beiden ersten Jahren rund 9000 Donnen Rauch-, Kau- und Schnupftabak. Daneben bekam unser Feldheer mi Ertränken (Wein, Frucht safte, Mineral umsser, Ruin .Korgrak) 668 472 H>rcktoliier im gleichen Zeitraum! aus der Heimat. Das Bier ist in dieser ZnU nicht einqersck),n!et. Anstn-dl-m wurden 930984 Rinder, 573 321 Hammel und 1 035 159 Schweine dem Fekdheer aus der Heimat «nr Verfügung gestellt. Au Rand- und -^chweim-flkisch bsnötigt H«er und Marine im erster Vierteljahr 1917 y 6 der Gesarutnveugie, die insgesamt der versorguu-Bberechttg^en Bevölkerung zrur BerMpmg g-esEt UE-rdei, konnten. Wetter bezieht Pas Hiser etwa 30 Prozant des Brat- geikvoLdeß, dtzS «Ag^amr dar txxfa^mtfSbattdtisfiOL Dr E ke rmtg veradsvlgt werden kann. Rechnen wtt hirpM mich in den beöden ersten Jahvar einen Nachschub von über 3 Millionen Tonneil Hafer und beinal)c 2 Millionen Tonnen Ersatzsuttermittel und Stroh, dann kürmeu wir cttoa ermessen, was für Transportmittel dafür erforderlich sind. Es wird rms noclil klarer zum Bewusstsein kommen, wenn tott fcststcllen, dasi znm Transport der gesamten Mengen (ochre dos lel«che Vieh icnd die 8V2 Milliarden Zigarren und Zsim'vetdeni allein 800 000 Eisen da lmwaggous notwendig waren. Neben den Berpflegungsmitteln bedarf aber das .Heer nach mrgehk-irerer- Mengen Gesästitze, Geschosse. Ersen, Holz. Stachel- draht, AusrüstimgSgegenstünde mv> dergleichen. Das ÄuSwechseln von Truppen., das ^transportieren der Kranken und Verwundeten, der Nachscliftch neuer Tru).rpeu nimmt unsere Derkelusmittel eben falls in einem fortgesetzt steigenden Masse in Ansprrrch, so dasi es zlil verstehen ist, loenn Stixkungen im.Inlande und damtt Schwierige leiten m der Lebensnntbel Versorgung ein treten. Im ersten Kriegs lahre Ixitten wir ein EKbiet von nur 540000 Quadratkilo Mieter zu befahren, dagegen jetzt mtt dem besetzten Gebiet etwa 1 Million Q uadratckilometer. Obige Zain an bewei^feu aber nicht mrr, welche Anforderungen an die Transportmittel gestalt werden, sondern anch welche Riesenmengen von Mahr ungs Mitteln dem Heere aus dem Lande zUgefül/rt werden. Dabei sind die grosien Mengen Marketeriderwaren und was in Form mt Liebesgaben Paketen dem Heere zugeht, nickst einmal eingerechmü. (Ä»enso das nicht, was die Trichpen aus dem eigenen besetzte?!: Gebiet beziehen. Im dritten Kriicgsja.hr ssitd die Ziffern noch gelvachsen. Und dasi das Heer Mich für die ZuÄmft Vorsorgen und Vorräte als Reserven aufsp^ichern raufe, tauchtet sicherlich jedermann ein. Diese Gesamizusammenhänge nrüssen beachtet und bei der Bettachtimg der Verhältnisse in der Heimat mtt in Rechnung q-v- stellt locrden. Tann wird man nicht nur vieles besser begreifen und verstehen, sondern es wird auch den brettesten Schicksten klar, )vas die .Heimat für das Fe ll>heer leistet. _ Arrs Stadt «nd Land. \ Dießen. S.^Mrz ^917. Lebensmittelmarken. \ Für die Zeit vom 5. bis 11. Biärz 1917 haben nachfolgende Lebensmittelmatten Gültigkeit: Brotmarkerr der 10. Woche, gültig vom 5.—11. März 1917 Buttermarken „ 10. „ a „ 5.-II. , » Fleischwarken , 10. „ „ „ 5.—11. , * Kartoffelnrarken 9 10. „ „ „ 5.—11. „ r Zuckermarkeir Nr. 8 und 9, gültig bis 31. März 1917. Seifenmarken für den Monat März. Ein Uurtansch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebcufo wird für verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt. Geschäftsstnnden des Stadt. Lcbensmittelamtes von 9—12 Uhr vorm., 2—4 Uhr nachm. Sonntags 10—12 Uhr vorm. Markenausgabe für Urlauber. ** A m t l i ch e P e r s o n a l n a ch r i ch t e n. Der G roßh erzo g hat am 28. Febr. d. Js. die Fiunnzaspiranten Leonb. R e i b l i n g aus Nieder-Wöllstadt, Gg. S e \ p aus Neinheim und Joachim Kronenberger aus Ebersheim zu Hauptsteueramtsassistenten, sowie den Finanzaspiranteir Franz Peter Keim aus HechtSheim zum Steuereinnehmer des Steueramts Pfungstadt ernannt. — Der Groß Herzog hat durch Ensichließang vom 21. Februar dem Kanzlisten bei derOberrechnungSkainmer Friedrich H eß aus Anlaß seines 50jährigen DienstjubilärrmS die Krone zmn Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. " Auszeichnungen. Jager Emil L ö f f e r t der 4. Kompagnie des Großh. Mecllenb. Res -Iäger-Batls. Nr. 14, Sohn des Matrosen Gotthilf Hob aus Giesien, erhielt die Hessische Tapier- keitSlnedaille. — Der Landsturmmaun Karl K u tz e r aus Gießen, im akt. Ins.-Rgt. Nr. 87, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, nachdem ihm schon im Herbst 1916 die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen wurde. **Grvßherz-og-Ernst-Ludwig-Jubiläums- Stiftung. Eine vorlliufige .Feststelluarq ergibt, dasi in der Sbadt Gießen 103 900.48 Mk. eingecprnge'n sind. Dcunotter befindet sich der Beitrcvg der Stadt Gießen. Trtrt 4500 Mk. Das vorläufige Ergebnis der Scmunlrmg ru der JubMuinsstiftftNtz stellt sich im Kreise Gießen demn«ch wie folgt: Spende des Kreises Gießen 4000 Mk., Spende der Stadt Gießen 4500 Mt., ErnZel^eichnungen crus der St-adt Gießen zuftrmmen 99 400.48 Mk., EiTt^elz-eich- uungen Mls den Ümr dg e mein den des Kreises zusammen 94 515.73 Mk. Hiernach) Gesamtergebnis 202 416.21 Mk. ** Ev. Gottes d ien st. Da die Witterung milder geworden, finden vom nächsten Sonntag, 4. März, ab wieder (Gottesdienste in den beiden evangelisthen Kirchen (der Stadt- irnd Johanneskirche) statt; auch beginnen die Pafficms»2lndachten (Kriegsbetstunden) wieder und zwar Mittwoch, den 7. März, abends 8 Uhr in der JohMmes- krrche. ** D kke HarvS'hialtr§ngsschule des Aliceschul- Vereins schloß am 24. Februar den Winter kur sus mit eurer praktischen mib theorettsckwn Prüfung der Schülerinnen ab, der außer den Vorstandsntttgliederl: auch Angehörige der Schüler ümen beiwohnten. Ter Som^nerkursns beginnt am 12. März, ottn 1 gleichen Tag nehmen auch die Kock^-, Weisi^eug^, Handarbeits-, Schneiderund Bügelkurse ihren Anfang. ** Die Surnmlung von Alt-Material rmrsite wegen Mangel an Fnhrtverk und Arbeitskräften leider längere Zeit eingestellt werden. Jetzt ist es uns endlich gelungen, die SckstvrerigVeiten zu beseitigen. Von nächstem Montag ab soll mit dem Einfahren wieder begonnen werden, wobei die drrrch die Schulen mrgemeldeten Vorräte gleichzeitig abgeholt werdeil sollen. Das Rote Krenz ist dankbar für Alt-Material jeder Art. wie Papier, Pappe, Lunchen, Flaschen, Krüge, Blechbüchsen, Körte, .Knochen, Blei, Messing, Zink usw. Es »vird wohl nmncher Hausfrau lieb sein, geirrde jetzt vor Begirm des Frühjahrsputzes, die entbehrlichen Gegenstände aus dem Hause geben zu kännen. Für die nächsten 14 Tage ist in Aussicht genchn" men, in dem Viertel: Marburger Straße, Ost-Anlage, Moltkestvafie, Kaiser-Mee einzusammeln. Alle 2 Wochen sollen die Straßen, in denen die Sammlung erfolgt, drlrch die Zeitung bekMmtgegeben werd-cm. ** Schutz den Haseln u ßblü ten! Hält die mildere Witterung einige Zeit cnr, so sprosterl die ersten Früh- lingsblüten, wie Schneeglöckcksttl, Bellchen, hervor. Die Weiden l>edecken sich init oear silbergrünen „Kätzchen" und an den Hasebrrußstrittlcher>i hängen die „Raupen". Gerade diese beiden letzteren Frühliirgssprosseri werden in jedem Iachre birschelweise abgebrochen. Man bedenke doch, daß durch da§ 91bbrechen der .Haselnußblüten viele tausend (Zentner der kostbEir Haselnüsse verloren gehcnr Jeder,- falls fällt das Abbrechen der HaseLnußblüten docl) anch unter das Verbot des^ „Mreißens blühender oder nnt Frück)- ten behängener Obstbanmzweige", das die Behörde im ver g>angenen Jahre erließ. Schwarz -Weiß-Theater, S e l t er L w e g 81. Im Programn» vom Samstag, 3. März bis einschl. Montag. 5. Marz wird aufgeführt ein tzwstsptel der beliebten Künstlerin Asta Nielsen in dom patriotisch-'nimischen Schauspiel ,8 1" llnter Mitwirkung eines Zeppelin-LuftfckriffeS. 9l»rsierdenr ein pikante« Lustspiel ,E n d l i ch a l l e i ii* in 3 Akten, sowie ein gntes Beiprogramm. Landkreis Wietze«. ** L e t h g e st e r n., 2. März. Die HauSsammlung für die I u b i l ä u m s st i f t u n g in hiesiger Gemeinde bat den ansehnlichen Betrag von über 600 Mk. ergeben. tt. T r e i S a. d. Lda., 3. Marz. Bei der Sammlung für die Großherzog Ernst-Ludwig - IubiläumSfvende gingen dahier 2o4,2b Mk. ein, dieselbe Sunrme wie für die Ostpreußenhilfe. — Den Heldentod fürs Vaterland starb am 10. Februar der von hier gebürtige Erjatz'Rescrvist beim Jnt.-Rgt. 9lr. 57 Leopold Wehste i n, wohnhaft zu Dttinster i. Wests., nachdem er kurz vorher mit dem Hessischen Chrenzeichen für Kriegsverdienste ausgezeichnet ivorden war. Außer ihm sind drei Mann, die hier geboren, aber nach auswärts verheiratet waren: Peter Preis zu Daubringen, Heinrich Oppen zu Barmen, Johs. M n h l zu Staufenberg. — Zum Unteroffizier besürdert wurde der Gefreite Wilh. Kehr vom Res.-Ins.-3tgt. Nr. 88, zuin Gefreiten der Scharfschütze Ludw. Leinweber. — Die Hessische TapferkeitSmedaille erhielt der Wehrmann Ludw. H o f m a n n beiin Pion -Rgt. Nr. 25. Gtarkenburg und Rhlinhesseu. ch. Aus R hein Hessen, 3. März. Der erste Teil des Fe> vruar n«r den Arbeiten in den Weinbergen mcht besonders güifftig, dock, lresi scch dafür der letzte Teil recht günsttg an. Hinsichtlich der Tnngung der Weinberge, wobei vor allem künstttä^er Dünger zur BenvenAMg gelangte, da Stalldünger sehr teuer ist, wurde und wird nock viel geban, und auck> der Resifchnitt tmrrde in der letzten Zert wesentlich gefördert. Das Holz der Neben erweist sich im all- als gilt im Stande, gesund und vom Froste nicht ge^ schädigt, abgesehen von Kleinigkeiten, die nicht in die Wagschale .Geschäftlich ist imnoer Leben. Fortgesetzt komntt es zu Vertan sen. Br^ahlt wurden in der letzten Zeit für das Stück 1916er Wersiweul in der Alzetzer Gegend, dem Sprendlinqer Bezirk, rm Salzvale, überhaupt der inneren Provinz 2400—2600 Mk., in d« Gegend von Oppenheim iuü> Nierswin 2700—3000 Mk., für das Stück 1916er Itovnein in der inneren Provinz 2850-3000 Mk., 1915er Weißwein 3000—3400 Mk. Görsen-Wochenbericht. = Fran kfurt a. M., 2. März. Große Zurückhaltung gab auch in dieser Woche wieder r tL rkehr der Bürst das Gepräge. In der Haupt- !ache fmdet sie ihre Erklärmig darin, dasi wir uns vor der letzter! entscheidenden Phase des Endkanrpses befinden, dxn besttmmt ist,- unseren Sieg zu einem vollständigen ?u mack/en und die Gnmd'- lagen für den den sichen Frieden zu schaffen. F-ern,er veranlaßt aller- dmgs mich der deittsch^amerikanische Konflikt noch immer die Spe kulation, eine abwartende Haltting einMnelymeu. Tie Verband- < langen des Reichstages, insbesondere die mir Genugtuung arifge nommene Rede des Reichskanzlers blieben ohne bestnderrrr Ein^ sluß, wenn auch die allgenreine Sttmmung arrgesicksts der Zuver ^ srcht, dasi unsere Kttegsla^ nichts zu wünscl/en übrig läßt, als vor- wregend fest bezeichnet werden kann. Bezüglich der neuen Steuer--' re form, inÄesondere der Kohlen- rmd Verkehrs heuern, ver^ kennt die Börse nickst, dasi die MgemeirrlMt vorr ihnen recht enrp- findlich getroffen werden tvird, ziimal die Erfahrung lelyrt, daß die Folgen solcher auf den Konsumenten Nbgcwälz-ten Steuern regelmäßig eine Berteu-errrng der Produktion bringen. Trotzdenr^ ivurden auck^ diese Steuern sckstresilrch ohne Widerspruch hmge-- > nommen, weil es eben gilt, über die Schwierigkeiten hiwvegzukom men, die dem Reiche durcki den Weltkrieg erwachsen. Dazu gekört vor allem, daß die Verzinsung der ziriegscmleil)en von vornherein Mif eine^ gesicherte Basis gestellt wird. Anregimgen für das Vörsengesckäst konnten natürlich ühi' den neuen Steuerproiekten nütrt ersließen, weil es niäjt sehten kann, daß die Effektsenbcsitzer BetrackTtrmgen darüber anstellen, welche Wirkungen alle diese Neu belastuugen^au^ die Rentabilität' der Mic^e soll schäften haben ;verden. Alle Dividendensbeigerungen von Jndustriegesellschaften ginger: ebenso spurlos am Markte vorüber, wie die Bauk- a b s ch l ü s s e , obwohl diese duvckKveg erkennen ließen, daß di« Jnstttute fast in dem gleichen Umsange., wie die In-duftriegesell schäften aus der Kriegskonjunktnr Vorteile gezogen haben. Bankaktien lagen fiernlich fest, aber ohne besondere Anregung. Das Geschäft besÄ heften für die Ausgaben der sechsten Kriegsanleihe stehen noä, nicht fest, doch verlautet, daß neben dem bewährten bisherigen Lyvus eine 5°/oige amortisable s?lnleihe, die mit einem Aufgatd zur Rückz-aUung komnwn ivürdc-, fest in Erwägung gezoaen sei. Von fremden Staatsanleihen waven Russen imd Japaner schwächer, türkische 28erte gefiagt ,md sicher. Geld war sehr flüffig. Prir«t- diskont 4 o/o. Mechttche N«»«hrichte«. Evangelische Gemeind«. Sonntag, d e w 4. März, Reminiszere. Gottes- d i e n st. 3n der Ltadtlirche. Vorm. 9'/, Uhr : Profesior 0. Sch i a n Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Abende 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Anmeldungen iverden vorher bei dem Pfarrer jeder Gerneinde erbeten. — In der Johannerkkrche. Vorm. 9X Uhr: Pfarrer ?! u s f e l d. Vorm. 11 Uhr: Zttudcr- kirche für die JohanneSgenreinde. Abends 6 Uhr: Pfarrer V e ch° tolsheimer. 2lbdö. 8 Uhr: Bibelbesprechung. - Mittwoch,, den 7. März, abds. tt Uhr: PafsionSandacht (Kriegsbetltunde). ^ Pfarrer Be ch tolsheimer. — Am komineuden Sonntag wird! in allen Gottesdiensten eine Kollekte für die evangelische Geineinde Gros^-Steinbenn erhoben. Kirchberg: Sonntag, den 4. März. vorm. 10 Uhr. — Mainzlar : Sonntag, den 4.März, nachm. 1 1 / 9 Uhr — Daubringen: Aitttwoch, den 7. März, abds. 8 Uhr: Kriegsbetstnnde. Dekan G u ß m a n n. Uatholische Gemeinde. Gottesdienst. S a n» s t a g , den 3. M ä r z - Nachm. 5 Uhr und abds. 8 UhrGelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag, den 4. M ä r z, 2. Fasten- So nnta o. Beginn der österlichen Zeit. Vorm. 6*/, Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte. 7 Uhr: Hl. Messe. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. 2tachuu 4*/, Uhr: Jungsraueukougregation. Nachm. 6 Uhr: Christenlehre: daraus Passions-Andacht. — Dienstag und Freitag abends 8 Uhr ist Kriegsbitlandacht. Diaspora-Gottesdienst am 4. Mürz: In Lanbach 7V 3 Uhr. In Ltch 9*/ a Uhr. ■~- J — - ' -. --— Beurlaubung von Mannschaften zu landwirtschaftlichen Ardeitey. Die neuerdings vorgeschriebcnen Vordrucke sind fertigqestellt und zu beziehen durch vriihl'sche Universitäts-Druckerei vertag des Giehener Anzeigers. Vordruck A: ««KLLÄ LKLL^»"'- Vordruck v: im Ei»zklvkrla«f 18 Pfg. Vordruck L: M. 1 . 1 «, tm Etlr»otverkauf 5 Psg^ '»um Giessener Paedagogium (Private Höhere Lehranstalten) A Papfitffinnmm* Sexta-Oberprima, kleine Klassen, individ. Be- A. rdlllcUjUyBUm. ll2ndluny Arbeitsstund, unt. streng. Aufsicht. Einjährigen-, Priraareife-, Abiturientenprfifang. B Handelsrealschule: '•■. Rc . alkl ?fUntertertia- unter- ' _ sekundär Kaufmännische Ausbildung. fcinjährigenprüfung. II. Oberklasse: Jahreskursus zur kaufmännischen Durchbildung für solche, die Einjährigenzeugnis besitzen. III. Musterkontor. C Rphiiüprhpim für Zöglinge beider Abtlg Charakterbildung ^ oumfleuteuii iui durch ernste Arbeit und Pflichterfül | ung . Beste Verpflegung. Häuser im Park - Musik - Sport. Drucksachen und jede Auskunft durch Direktor Brackemann, Ludwigstrasse 70, in der Nähe der Universität, Fernruf 633 und 953. Foirst-und Kolonialschule SSiltewbeirg s, RfiaSn [i753 SS Gewissenhafte Ausbildung u. sichere Aussicht für bessere Aus'el lunr* Kurse für jüngere und ältere (Kriegsinvalide erh. Vergünstigung!) Referenzen: hohe Forstbeamte und Eltern von Schülern. BarastMer Pädagogium Privatschule mit den Klassen Sexta bis Oberprima. Vorbereitung zur Einjährigen-. Primaner-. fr'iihn- richs-und Ahitnrientenprüfnng, (auch für Damen). Seit Ostern 1916 bestanden KI Schüler, seit Kriegsbeginn 122 Schüler ihre Prüfungen. 1100 D Höhere MMSM H~ andelssehnle [ i andan cpfa«>. für Sch üler v.ll-20Jabren. 1914/16 60 Einjährige, zur kaufin. Auabild. LUMtt II.ffiütyllir.Himielskiirse von Im SchOlerheJm gute Verpflegung u. Beauftlchtigung. Ausfuhr]. Jahresberichteveraend. Direktor A.Harr. Heuaufoahirs 18. April 1917. Sanatorium Lindenfels i. Od. zw. a«r»studt ^®tdtäbcrg 4Ma.h. in ideal. Waldg.gel MrM(, ciifuii, Imh indEritelungsbedaFiligg Maß. Preise —Prospekt kostenlos. 8. B. Or. gekrallt. Das neue Favorit Moden-Album für Frühjahr 1917 ist cingetroffen. 1645 a QWodehairs Gnlamon. SrnffChollier Rudolph's Iladif. Gieren - üeuenweg 9 • Tel. 671 fllusikaiien* u. Olusikinslrumenlen-Baus Grammophone Offizielle Uerkaufsltetle der Deutfthen 81 —imp lw- Hhtlen*®efe!lfdnft Beillo Steppdecken werden anacscrtigt,sowie alte iuWolle, Watte oder Daunen ansgearbeitet od. ansgebessert bei billiger Berechnung. Alte Wolldecken werdenangetanst Walltorsti*. 24 I. 012,3 Holzverfteigerung Freitag, den 9. März l. F. werden nach Zusammenkunft um 10 Uhr vormittags auf der Kreisstraste Appen boru—Weiteröbain am Waldeingang des Distrikts vörnes aus den Distrikten Hörues 8 d, Id und 3a l Rangen) versteigert: Scheiter: rm 92.25 Buche. 23 Fichte; Knüppel: rm 30 Buche. 44 Stierer, 80 Fichte, 2 Lärche: Reisig; rrn 144 Buchen Knüppelreisig: rm 12 Kiefer, 22 Fichte: Stöcke : rm 44 Bucke. 25 Bieter, 57 Fichte; Derbstangeu: 296 Stck. Fichte — 20,56 fm ; Reisstangen: 220 Stck. Fichte — 4,25 fm. Nähere Auskunft erteilt Freiherrlicher Forstwart teuerer, Odenhansen. Gietzen, den 2. März 1917. Freiherrliche Oberförfteret Rabenau. I. B.: Trautwein, Großh. Forftrneister. 1774 Holzverfteigernng. Dienstag, den 13. März 1917 nach Zusammenkunft vormittags 9V a Uhr auf der Saulochschneise am Niederbeinnger Wald, in den Distrikten: Sauloch und Rehtränksberg. . ^ Sckeitcr Rm. : Buchen 460, Luide 2 (rb.), Fichten 8 , lrd.I, Kniivvcl Rm..: Buchen 210, Fickten 10, Eichen 10, Stöcke Rm.: Buchen 230, Fichten 54, Reisig Wellen: Buchen 4500, Fichten 1300. Das Buchenholz lagert an der Hattenröder Strahe am Rehtränksberg. öich, den 2. März 1917. Groscherzogltche Bürgermeisterei Sich: Dörmer. Jagd - Verpachtung. Am 9. Mürz dS. IS., mittags 1 Uhr, soll die Feld- und Waldjagd der Gemeinde Weipolts- hansen auf weitere 6 Jahre in der Wirtschaft von Joh. Bürker öffentlich meistbietend verpachtet werden. Weipoltshausen, 26. Februar 1917. Der Jagdvorsteher. Willershausen. 1745 Mhjchs-WxjierMl zu Weg. Am Mitwoch, den 21 . März 1917, vormittags von 7 Ubr ab findet auf den städtischen MarktaNlagcu an der Rodbeimer Strafe Pscrdcmarkt statt. Bezüglich der in derRühe des Marktvlatzes vorhandenen Stallungen erteilt Herr Hoflobnkritscher Huhn Auskunft. Mit denk Pferdemarkl ist eine Prämiierung des beiten Pferdeniaterials verbunden, wofür über 2290 M. zur Verfügung stehen, darunter 400 M. aus Mitteln des ^andmirlschafiskaininer-AuSschirsses der Provinz Ober- Hessen, woran 100 M. zur Prämiierung Belgier Fohlen Verwendung finden sollen. Der Präntiiernngsplan ist von Herrn Wcinbändlcr August Schwan in Gtesten erhälttlch. Die Prämiienver- teilung erfolgt nach Beendigung der Prämiierung. Gieften. den 3. März 1917, 1761V Die städtische Pscrdemaekt Deputation: Grünewald. Beigeordneter. Bekanntmachung. .Die um 31. März d. Fs. ablaufendc Jagd der Ge- u'^wde Kinzenbach beabsichtige ich unter Zugrundelegung von Pachtbedingungen, welche vom 5. März d. Fs. bis cinschl. 18. März zu jedermanns Einsicht in meiner Wohnung offen liegen, äffenilich zu vervachten und zrvar am Mittwoch, den 21. März d. Fs., nachmittags 3 Ubr, in der Gastwirtschaft Heinrich Peuich in Kinzenbach am Bahnhof. Während der AuSlegungs- frist kann jeder Jagdgcnoise gegen die Pachlbedingnngen Einspruch beim Kreisausschuff in Wetzlar erheben. Kinzenbach, den 28. Februar 1917. 1766V Der Jagdvorstcher: Schäfer. Holzverfteigernng Donnerstag, den 8 . ds. MtS. sollen versteigert werden im Distrikt Svietz: 2 Eichen-Stämme mit 1,28 Kbm, 17 Kiesernstämme mit 14,18 Kbm. Schnittholz. Im Distrikt Stangenwald: 6 Buchen-Stämme v.37—43Ztm. Durchm. mtt4L5Kbm., 509 Fichten-Derbstangen I., II. und III. Klaffe, 650 Fichten- Bohnenstangen, sowie 210 Rm. Buchen- u. Eichen-Scheu und -Knüppel. 3300 Buchen- und Eichen-Reistg-Wellen und 28 Rm. Buchen-Stöcke. Zusammenkunft vormittags 9»/» Uhr auf der Mar burger Strahe an der Hoheitsgrenze. Friedelhausen, am 2. März 1917. 1756V Freih. o. Rabenau'scheS Revier Friedelhaasen. Schneider. Bil«z vom 31. Irzemiw 1818. Sammlung von Mit-Material- Die Sammlung wird von Montag, den 5. März ab wieder regelmäßig fortgesetzt. Es wird gebeten, die Sachen zur Abholung bereitzulegen. Sn der Zeit vorn 5.-17. März wird in dem Viertel: Marburger Arche - Ost-Anlage - MoMe-Arche Kaiser-Allee eingesammelt. Rotes Kreuz. 1752c. Mglieder-versannnlung des Gberheffischen Schafzuchtervereins am Sonntag, en s8. Mürz, nachm. y 2 4 Uhr im „Hotel Schütz" Tagesordnung: Dortrag des Herrn Theodor Körner, Gsfchäfts- führendes Vorstandsmitglied des Verbandes süddeutscher Schäfereibesitzer über „Schafhaltung und Wollverwertung im Krieg und Frieden". 2. Die Durchführung von Schafkörungen in der Provinz. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Anträge und Wünsche. Alle Schafzüchter und Freunde der Schafzucht werden zu dieser Versammlung frenndlichst eingeladen. Lich, den 27. Februar 1917. 1(24 V Aktiva Warenvorrat Kassenoorrat Jnvenlarkonto Rückstände JC 1132.43 1105.19 331.41 510.61 Passiva Mitgliederguthaben Reservefonds Betriebsrücklage Reingewinn Ji 407 — 900.— 888.57 884.07 3079.64 3079.64 Mitgliederbewegung: Mitgliederstand Ende 1915.38 Es gingen zu 1916 ......... — ~38 Es gingen ab 1916.— Daher Stand Ende 1916.38 Leihgestern, den 27. Februar 1917. Konsumverein II. (e. G. nt. u. H.) Der Vorstand: Der Direktor: Der Rechner: Georg Seipp V. (1711) Georg Reitz. Bitaj pro 31. Sepkr 1918. Aktiva Kassenbestand Waren nach Ein- kaus Mobilar n. 10% Abschreibung Ausstände .4 1523.02 7172.86 309.— 3645.89 Sparkaffenkonto 3732.62 Summad.Aktwal 6383.39 Passiva JC GeschäftSguth. der Mitgl. Eintrittsgeld Reservefonds Warenvorschuß- fvNdS Kreditoren Reingewinn 3375.29 3.50 4425.08 2143.05 3130.85 3305.62 S. der Passiva 16383.39 Zahl d. Müglieder u. Geschäftsanteile Ende 1915 126 Zugang in 1916 ..14 Abgang in 1916. 2 Stand Ende 1916.' . . . 138 GeschäftSguthaben, Höhe Ende 1915 JC 3205.12 Zugang in 1916 ...... M, 170.17 Stand Ende 1916. tJ fi 3375.29 Haftsumme Ende 1915 . . , . . M 3780.— Zugang in 1916. Jh 420.— Abgang in 1916. . JC 60. Stand Ende 1916. ß, 4140 .— Konsum-Verein (e. G. m. b. H.) Steruberg, am 2. März 1917. lm B Hirz V. Haas. B. Häuser XIV. Bberhesfischer Schatzüchteroerem. OberverVatter Vöxenschütz Vorsitzender. immmmmmmmmmmmmmmm Bankhaus Joseph Herz « Neuen Bäue 23 Giessen Neuen Bäue 23 ü Ausführung aller bankmässigen Geschäfte j® Errichtung provisionsfreier Scheck-Konti m Umwechslung von Kupons und Sorten Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren, Dokumenten, Hypotheken etc. etc. Entgegennahme von Bareinlagen, täglich abhebbar oder auf Kündigungsfrist gegen Verzinsung Vermietung von Schrankfächern (Safes) gegen massige Gebühr. Nationaler frouettöknfl Allgeru. Deutscher Frauenverein Ortsgruppe Gietzen. Auskunft und Hilfe für Angehörige von Kriegsteilnehmern bereitwilligst und «neutgeltlich: Montag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Ubr vormittags: 211 Süd-Anlage 4H, Frau Professor Kalbfleisch. Auherdem erteilt Auskunft über Adreffe und Rat für Feldpostbriefe gern u. unentgeltllch in ihrer Sprechstunde: die FraueurechtSschutzstelle Gießen. Bekanntmachung. 1. ES soll demnächst eine einmalige Zuweisung von Graupen an Kinder und Jugendliche vom vollendeten 1 . bis zum vollendeten 12 . Lebensjahr erfolgen. Die Anmeldung der in Betracht kommenden Kinder unb Jugendlichen hat in den Bezirken unter Vorlage der Brotmarkenausweiskarte in den üblichen Gefchäfts- stunden und zwar von Dienstag, den v. März bis ein- mrUestlich SamStag, den IO. März iS 17 zu erfolgen. Der Geburtstag ist anzngeben und aus Verlanacn uachzuweiien. , Verspätete Anmeldungen können nicht berückffcktiat werden. 2 . 51inder und Fugeudliche von Brotgetreide-Selbstversorgern kommen bei der Zuweisung nicht in Betracht. , ^ Zettpvnkt der Ausgabe der Zusatz-Markew die au» wden einzelnen Bezugsberech- Noten entfallt, wird noch bekannt gegeben. Giesten. den 2. März 1917. 17 ^ 7 ^ Der Oberbürgermeister: Keller. Kejfel vorzüglich zum Honigkochen, Schlachten, Wäsche- und Futterkochen, empfiehlt in feinster Ausführung jll]gll8t}hotz Wieseck, Zetefon 1079. Ferner empfehle alle Arten Ofen-, Herd- u. Kessel- mäntel zu billigsten Preisen. Stahlwarev- Schleiferei mit elektrischem Betrieb. B. Rlghl, Kcnstodt 15. 01168