llt. 76 Der fcteßene? erscheint täglich, nutzer Sonntags. — Beilagen: Gtetzcner^amttienblätter; Krcisbiott für den Kreis Giehen. vczngspreir: monatl. 90 Pf., viettel- iährl. Älk. 2.65: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch die Post Mk. 2.45 viertel- lährl. ausschl. Beftellg. Fernsprech - Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag,Geschästsstelleöl Anschrüt für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Erstes Blatt 167. Jahrgang Aeitag, 30. März M7 Postscheckkonto: Frankfurt a.M. 11686 General-Anzeiger für Oberhessen Bankverkehr: Gewerbebank Gießen 3wil!ingrr»nd-nick u. Verlag: vriihl'sche Ui^v.-Vuch- u. Steindruäerei R. Lange. Schriftleitung. Geschäftsstelle u. öruöcrct: Zchulstr. 1 . Annahme von Anzeigen f. die Tagcsnnmmer bis zum Nachmittag vorher' Aeitenpreir, i. Anzeigen: örtlich 20 Pf.. Aer-< mietungen u. Stellenge-' iuche 15Pf., auswärts 25 Pi., b. Plahvockchrisü 30 Pi., Reklamen 75 Pi.» bei Platzvorschrift 90 Pf., oauptschriitteiter: Aug., Eoeh. Veraulwortlichi für Politik «.Feuilleton: A"g. Goctz, Stadt ui ^ Lar-«», Äermischtesu.Gk-^ richtssaal: Fr. R. Zenz.< An-eigenteil: ö. Beck, sämtlich in Gießen.. Eine Rede des Reichskanzlers. WTB.) Gr«tz«S Sauvtquartier. 29. März. iAmtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Lebhafter Geschützkampf zwischen Lens und Arras, ver ai'.ch nachts anhielt. In einem gestern vor Tagesanbruch sich entspinnenden Gefecht bei Crviselles und Ecouft-St.-Mein (nordöstli-cki von Bupaunre) verloren die Engländer außer zahlreichen Toten durch Vorstoß unserer Sicherungen einen Offizier und vierundfünfzig Mann als Gefangene. Zu der Champagne schlugen mehrere im Laufe des Tages uilternommene Angriffe der Franzosen zur Wieder- gew-innung der ihnen entrissenen Gräben verlustreich fehl. Auf dem linhen Maasufer vereitelte gestern unser Avmchrfeuer sich gegen die Höhe 304 vorbereitende französische Vorstöße. Heute nwrgen scheiterte ein auf breiter Front vorbrechender Angriff im Feuer, an einer Sielte durch Gegenstoß. * Oestlich von Verdun schossin unsere Flieger zwei Fesselballons ab. In Luftkämpsin und durch Abwehrfeuer sind vier -Flugzeuge der Gegner zum Absturz gebracht worden. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. Fm wesentlichen Ruhe. Mazedonische Front. Die Lage ist unverändert. Der Erste Generalauartiermeister Ludendorff. * Der Abendbericht. Berlin. 29. März, abends. (WTB. Amtlich.) Im Westen bei Regen, im Osten bei Tauwetter keine besonderen Ereignisse. In Mazedonien nichts Neues. * i * Der MnMay hat bte Steuerschlägen erledigt, auf die wir demnächst ausführlicher zurückkommen müssen, und alle irchtb-cwen Merkmale der mlg-enbllcllichen Lage mußten es dem Reichskanzler nahelegen, wieder einnral zum Volle zu sprechen. Die Bolkswünsche, die von den 'Abgeordneten in der gestrigen Sitzung vermittell wurden, wären zu jeder andern Zeit als etwas wahrhaft Großes und Richtunggebendes erschienen. Jetzt werden sie jedoch übervröhnt von dem gewaltigen Donner der Schlachten nicht nnr, sondern auch von dem Getöse der sich rmr formenden Völker. llno ein stiller Wunsch, der irns alle leitet, den allzrr oft auszu- sprechen und in die Debatte zu werfen jedoch kein politisches Interesse erheischt, steht doch über allem, was die Volksvertreter auf dem Herzen haben können : der Wunsch, ein baldiger, guter unb siegreicher Friede möge wie die allbelebende Sonne wieder unser Land erquickeu und uns den Segen gedeihender Kultur wieder spenden. Dieser Gedanke, der zugleich der lebendigste Gefühlsgehall aller Herzen ist, zog sich denn auch wie ein Leitmotiv durch die Rede des Kanzlers. Es war viel von der inneren Politik gesprochen worden, und während die kurzen Seitenblicke der Parlamentarier auf die großen Erscheinungen der Weltverwicklungen von einem gewissen ruhigen und löblichen Gleichmut gesättigt waren — was können sie auch an dem ftir uns befriedigellden Lauf der Weltgeschichte viel ändern! —. griffen ihre Hände viel geschäftiger, zielbestimmter und leidenschastlicher in die Maschen der inneren Politik. Das nötigte dem Reichskanzler die allerr wohlbekannten Erklärungen ab. Was soll er den Förderern der Refornt des tweußischen Wahlrechts neuerdings entgegnen? Wie soll er leine eigenen Zusagen einer volksfreundlicksen dtengesral- tung unserer Verhältnisse ai^s neue „paraphrasieren^ ? Er appellierte ganz nrit Reckst arr das Verständnis für die Ge- sanrtlage. Während er den Anseinandersetzungen zuhörte, flogen seine Gedanken, wie er sagte, hinaus in die Schützengraben, zu den Sorgen unb Hoffnungen unserer Kämpfer, ^o mild und versöhrllich diese Darlegung vorgebracht ttmrde sie war im sGrunde nichts als ein Airfruf znr Sache. Wemr gros^ Dinae vor uns stehen, sollen wir uns nicht zu redselig m die vielsältigett und kleinererr Dinge vertieren, die ihre ^bit haben muffen. Mit dieser ^Auskunft wollen wir nnjs begnügen. Herr v. Bethmmnr Höllweg wendete sich in den Hanptteilen seiner Mde den neuen Zeiterscheinungen lenserts nn>ereu Grenzen zu. Er sprach vmc ^Rußland, Ame- . ,!p^ch mit Hochgefühl von den Erfolgen des ll-Boolktteges. Et Amerika und China sind keine rech ten Auseui andersetziulgen nvehr möglich; tea bleibt rrns mit gutem (Gewissen auf ucher Recht und unsere Starke zu vertrauen. Die Verblendung, in der jetzt diese Länder gegen uns handeln, ivird nicht ewig dauern und wird auch nicht zu großen Katastrophen führen. Anders steht eß mit Rußland. Da gllt es für mrs, zu prüfen, zu rechnen und zu errvagcu, und sodann auch zu handeln Äs war richtig und klug, daß der Reichskanzler so sichtbar vom Exzaren und seinem Anhang abrückte. Die Vergangenheit rechtfertigt dies so gut wie die Zukunft. Wir haben die Hoffnung, daß wir mit einer neuen und innerlich erneuten russischen Regierung besser zum Ziele eines Friedens kommen als mit dem abgesetzten Regime. Der Reichskanzler deutete an, daß wir den: russischen Volke oie neue Aera der Freiheit und des Fortschritts gönnen, daß Deutschland überhaupt niemals ein Förderer reaktionärer Kräfte im Zarenreich gewesen sei, im Gegenteil! Wenn das russische Volk jetzt einen ehrenvollen Frieden will, so werden wir seine Hand nicht zurückweisen. Herr v. Bethmann Hollweg ging sogar so weit, zu verraten, daß Hindenburg im Osten gegenwärtig keine große Llllion vorhabe! Er hat diese Erklärung 'sicherlich nicht abgegeben, ohne sich vorher mit der obersten Heeresleitung über die militärischen Interessen, die dabei in Frage stehen, ins Einvernehmen zu setzen. Wir glauben nicht, daß die rein politische Tendenz einer solchen Erklärung von solcher Tragweite ist, daß sie irgendwelche strategischen Ziele und Interessen durchkreuzen oder gefährden dürfte. Wir möchten diesen Teil der kriegspolitischen Erwägungen am liebsten dem besten Kenner der Erfordernisse im Osten, Hindenburg selbst, überlassen. Sein Denken und Handeln ist uns in diesen Dingen vertrauenswürdiger als irgend ein politischer oder diplomatischer Zeigefinger .. . Der österreichrsch-nttgarische Tagesbericht. Wien, 29. März. e Offiziere besuchten in derselben Absicht verschiedene Regimenter. Der Präsident der Duma forderte die Grundbesitzer und Bauern in einem Ausruf auf, altes verfügbare Land zu bestellen, damit der Bedarf der Armeen und des Landes gedeckt werden kann. Die Mitglieder der früHeren regierenden Familie haben an die provisorische Regierung Briefe geschrieben, in denen sie sich mit der Akte, in der Großfürst Michael Mexandrowitsch den Thronrechten entsagte und den Wunsch aussprach, dem Vaterlande dienen zu dürfen, einverstanden erklären uno gleichzeitig mitteilten, daß sie sich oen Auffassungen der provisorischen Regierung fügen würden. Eine neue französische Anleihe in Amerika. New Dort, 28. März. (WTB.) Meldung des Reuter- schen Bureaus. Morgan teilte mit, daß eine neue französische Anleihe von 100 Millionen Dollars abgeschlossen worden sei. Sie wird die Form von zweijährigen Noten zum Zinssatz von 5V 2 Prozent habsn. Die Schweiz und die Friedensbestrebungen. Bern, 29. März. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der schweizerischen Depescheimgcntur. N a t i o n a t r Iwbe tpe Probleme oet Un,rchtpar fett des Perifkovs fmvie des soso^rtigert Untertan che ns gelöst, :oodtwch die Berteivi glMgsm-aßnalMen der Ententemächte hinfällig geworden feiert. E-: sei uont'ertdtg, daß neue Abwehrntaßnahmen gcsttnden würden. ^ ^dmrert, daß die ,,M ü ve" mtversebrt nach Deutschland zmnckkehren und rargesteast eine so große Zahl der Mr den Verband ttotwetrdigen Schiffe versenken konnte' Amsterdam 29. Mrz. (WTB-> Reuter meldet aus London, daß ern britisches U-Boot zwei Rettungsbooten ollandrschen Dampfers bogegnere, der vor 24 Stunden torpediert worden war. Das U-Saot nahm die ^ooti mS Schlepptau und übelqab sch einem »orweqisktnm SäAst, das in Sicht 5am. Amsterdam, 29. Ktj. (WTB.l «tu» ymuideir wird gemeldet: Es geht das Gerücht, das; miede r D a m p s. trawler torpediert worden seien, nm.rlich „Richard ,m 19., und „Pieter Eornelis stjm 146-. Bes,attnn„a regt kerne vor. ** * ^ (WTBZ Das Korvespoudenz-Burea \i erfahrt von gutuntemch toter Seite zu bem Reuterbertck» öom 19. März über das Sinken der engLjchen ZerfiLrer irr 8 btt Wkcht zmn -6. Mürz, daß es sich um: die Zerjtzörerr ^Paragon" und „Hlewellyn" handle, von welchen der ersteve gestmken, der zweite schwer beschädigt worden sei. Kristiania, 29. März. (WTB.) Die Gesandtschaft in London drahtet, daß der norwegische Dampfer „Mar- schall" aus Narvik laut einer MÜteillrng der Admiralität xn der YLordsee versenkt worden ist. — Der Bizekonsul in Aberdeen meldet, der- Dampfer „Sandvi^ und der Ber- Seuer Dampfer „Nova" sind versenkt worden. Mitteilungen im Hauptausschuß des Reichstags. Berl i n , 29. Dtärz. WTB.) Im Hauptausschuß des Reichstags machte heute der Staatssekretär des Reichsmarme-- amts, v. Capelle, vertrauliche Ausführungen über den Tauchbootkrieg, aus denen. mit erfreulicher Deutlichkeit erhellt, daß. alle Eüvartimgen sich bisl)er in vollstem Umfange erfüllten Das im kürzesten Monat trotz der ungünstigen Witterung, trotz des Eisgangs in unseren Flußmündungen, dem langanhaltenden Nebel und der langen Nächte erzielte Ergeknris von 781 5(0 0 Tonnen im Februar eröffne die besten Aussichten für die Zukunft, um so mehr, da nicht nur die Zahl der Tauchboote in der Front in stetigem Wachsen begriffen sei, sondern auch die Boote selbst immer leistungsfähiger würden. Alle in den feindlichen und mich m einem Teil der neutralen Blätter enthaltenen Angaben über die Vernichtung zahlreicher U-Boote seien erfunden. Tie V e r l u st e hielten sich im Gegenteil an der rackeren Grenze dessen, :vas die Marine von Anfang cur in ihre Berechnung eingestellt habe. De- Frontzuwachs an U-Booten überträfe in den Mo naten Februar und März die Verluste bei weitem Äir die Gesamtzahl der U-Boote käme die Zahl der verloren ge gangenen U-Bovtx überhaupt nicht in Betracht. Unsere Gegner machten alleiLings die größter: Anstrengungen, der U-Bootgesahr Äarr zu werden. Wenn dies mit Reden im Parlament und Geschrei m den ZeiUmgen überwunden werden könnte, dann wären sie allerdimsS schon verschwunden. Er könne sich damit begnügen, den Redereien unserer Feinde die Tatsache gegeimberzustellen Große Erfolge, sehr geringe Verluste. Auch der Marz habe sich nach d«: bisherigen Meldungen sehr gut angelassen wotzdem bereits jetzt überall :m Sperrgebiet ein fühlbarer Rückgang der Schiffahrt eingetreten sei und die U-Boote Wfc viel koeniger Schifte anträfen. Letzteres sei in der Hauptsache dem Verhalten der ilkeutralen zuzuschreiben. Die Marine habe cs begrüßt, daß die neutrale Schiffahrt das Sperrgebiet meide. Nsrtrale Schiffe zu versenken, sei ffir unsere Streitkräfte schmerzlich und eine harte, aber unbedingte Notwendigkeit. Im Anschluß an die vertraulichen Mitteilungen des Staats- lekretärs des Reichsnrarineamls erklärte der Staatssekretär des sShhäu, Dr. Hel fferich, die technischen Erwartmigen, die auf Lmfene U-Boote gesetzt wurden, hätten sich voN erfüllt, Damit sei dre Gewähr gegeben, daß auch die wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt^ würde::. Ter Schiffsverlust imferer Feinde sei heute schon io gwß, daß sie, namentlich England alle An streu gingen machten WU die neutrale Schiffahrt zur Hilfeleistung zu bewegen. * * * Berlin, 29.März. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundes rat s gelangten zur Annähme: Der Entwurf einer BeLnmtmachnng betreffend den Anbau von Frühgemüse auf TabaHeldern ^mrd der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Unfallversicherung voo: Angehörigen feindlicher Staaten. Berlin, 29. März. (WTB.) Generaloberst z. D. Max Drrttwitz und Gas fron ist heute in Berlin gestorben. Essen, 29. März. (WTB.) Der Landtagsabgeordnete für Aachen-Land, Gewerkschaftssekretär Hermann Jm- busch-Essen-Borbeek (Ztr.) ist, wie jetzt festgestellt wurde, am 7. Dezember 1914 bei einem Sturmangriff auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallen. Bisher glaubte man Imbusch sei in Gefangenschaft. M. Deutscher Reichstag. 96. Sitzung. PrSsDent Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 11,08 Uhr Auf der Tagesordnung steht als erster Gegenstand die Beratung des !Not-Etats. Abg. Bernstein (Soz. Arbeitsg.) erklärt namens seiner rtron, öaß sie, wie den Haushaltsetat auch den Not-Etat ab- da seine Freunde dadurch die Ablehnung der Kriegspoliti? 'der Regierung zum Ausdruck bringen wollten. Ohne weitere Aussprache wird die erste Lesung beendet. Auch in der sofort folgenden zweiten Lesung wird der Not- Mal angenommen:. , Auf Antrag des Abg. Dr. Spahn erfolgt auch sofort die butte Beratung. Ohne Aussprache wird sodann der Not-Etat endgültig gegen tote Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktimren angenommen. Es folgt dr«: dritte Beratung der Steuervorlagen. .Zuschläge zur Kriegssteuer. Abg. Keil (Soz.): Dieser Steuer stimmen nur zu, ebenso der Bottage zur Suhermrg der Kriegssteuer, nicht aber der Berkehrs- Oeaer und der Kohlensteuer. Präsident Tr. Kämpf teilt mit, daß zur Verkehrssteuer ein Kompronnßantrag vorliege, der die Steuer für den Güterverkehr aus Straßenbahnen fallen lassen will, sobald die Straßenbahnen an die Stelle des Speditionsunternehmens treten. Abg. Hepke (So-. Arbeitsg.): Dieser Resolution können wir gfltuimien. Die Verkehrs- und Kohlensteuer lehnen wir ab Sie Mw em Beibrechen am Volke. (Der Redner wird zur Ortmuna gerufen.) Ter Zuschlag zur Kriegssteuec und die Sicherung der Kriegs- fteuer werden endgültig einstimmig angenommen. Es folgt dre Besteuerung des Personen- und Güterverkehrs. Hierzu liegt ein Antrag vor, den Antrag Mumm(D.Fraktion) wo Frellaffung der Fahrkarten bis zu 35 Pfg. wieder zu streichen Abg. Mülle r-Reichenbach (Soz.): Ueber diesen Antrag muß namentlicki abgechmmt werden. Der Antrag Mumm ist eine so . Wichtige Verbesserung, daß er nicht wieeör beseitigt werden sarf. ^Abg. Henke (Soz. Arbeitsg. : Wir wünschen, daß diese ®vem auf 60 Pfemrig erhöht wird und stimmen zunächst für den Antrag Mumm In der namentlichen Abstimmung stimmen 142 Abgeordnete M die Aufrechtrehaltung des gestrigen Beschbiffses, 169 dagegen .L^özehn Mitglieder geben ihre Stimme nicht ab. Der Antrag ist sowett wieder gestrichen. Tie Verkehrssteirrr nstvd augenonrmeir. Die Resolution, betreffend den Straßenbahn-Güterverkehr wrrd mrgenonrmen. Es folgt die Kohlensteuer. Hierzu lieg^ein sozialdemokratischer Antrag vor aus Rückvergütung der Steuer für .Kohlen, die an Gemeinden geliefert worden sind. De Abuimmuug über diesen Auttag ist ebenfalls eir« namcnttliche. Daftir stimmen 136, dagog^r 181 Abgeordnete Fünf Abgeordnete enthalten sich der Stimme. Der Antrag ist somit abgelehnt Tie Kohlensteuer lwird angenommen. ^ In der Gosanttabstimmung wird das ganze Gesetz gegen die ^trmmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen.' Es folgt der Etat des Reichskanzlers, der Reichsk«n»lei und des Auswärtigen Amtes. Ter Bericht des Hauptausjchiusses wird von bai Slbgg. Gröber (Zentt. und Prinz schönaich-Carolat h (nät - üb.) erstattet. ^Abg. Tr. Spahn (Ztt.): Zu begrüßen ist es, daß aus der gestr^en Rede des preußischen Eisenbahnmmisters v. Breitenbach m entnehmen ist, daß die Ausnahmegesetze gegen die Polen beseitigt werden dürften. Bei unseren Feinden scheir wrr, daß die meisten Länder ihre Selbständigkeit verlieren., Wo Me Herrscher nicht außer Landes gehen, werden sie entthront. m Italien, scheint sich die Revolution anzubahnen Tie -sperre mutz auftLchterhallen Htäxnt auch wenn Amerika sich zum _ Kriege entschließen sollte. Tann werden unsere Truppen zu Wasser und zu Lande auch mit ihm iwch fertig werden. (Lebhaftes Bravo!) ' r Abg. Noskc (Soz.): Tie Feinde wollen ohne Sieg und Eroberungen nichts vom Frieden wissen. Deshalb hat Deutschland den Verteidigungskrieg notgedrungen auszuhalten. Deshalb wün schen wir, daß die neue Kriegsanleihe möglichst erfolgreich aus fallen möge. (Lebh. Beifall.) Das russische Volk haben wir für den Krieg rrie verantwvttlich gemacht. Es findet bei uns volle Sympathie und wir verlangen, daß alles unternommen wird, mit Rußland zu einem baldigen ehrenvollen und dauernden Frieden zu kommen. (Bravo!) Wenn die Sicherung des Landes erreicht ist, muß eine gründliche Neuorientierung erfolgen. Das Unrecht, das den Polen angetan wurde, zu beseitigen, soll in Erwägung gezogen werden. Weshalb soll altes Unrecht auch nur einen Tag länger bestehen bleiben? Bei der Neuorientierung in Elsaß-Lothringen dürfen dynastische Rücksichten nicht imtspiclen. Wir wolle:: nicht noch mehr Bundesstaaten, sondern ein festes Reich haben. Ich wari:e die Regierung, die Stimmung im Volke zu unterschätzen. Was an Neuorientierung gemacht werden kann, muß sofott geschehen. Der Krieg ist Rnso- wenig ein Hrrcherungsgrmfo für die Reformen wie für i; :euen Steuern. (Sehr gut!) Die riesigen Wahlkreise müssen au>geteilt werden, das schreibt die Verfassung sogar vor. Vkit der mecklenburgischen Verfassung hätte mit einem Federstrich gleich zu Kriegs- begim: aufgeräumt werden können. Das wäre ein großer moralischer Erfolg gewesen. Wjei:n etwa mit dem Herrenhaus nichts zu erreichen ist, damr muß es gegen dasselbe geschehen. Eine Tat durch den Kanzler würde den besten Eindruck machen. Um die konservativen Herren bei guter Laune zu erhalten, sieht der Kanzj- ler zu, wie der Unmut der Volksmassen immer mehr wächst. (Beifall bei den Soz.) WWllww- Auf allen Fronten haben wir dem Gegner ungeheure Gebiete ent, iffen! Unsere U - Boote haben dem feindlichen Handel den Todesstoß versetzt! Die Urheber des Kriegs, Grey und Asquith, Oelcaff^ und Briand sind von ihren eigenen Völkern aus Amt und Würden gejagt! In Kußland: Revolution! Oer Zar: abgeseht! Eins steht fest: Die solide Grundlage des deutschen GtaatSgebildes und die unversieglich- wirtschastliche Kraft des deutschen Volkes. Darauf beruht auch die unantastbare Sicherheit der deutschen Kriegsanleihen! Hilf den Krieg gewinnen! Gib Dein Geld dem sichersten Schuldner -er Welt, dem Vaterland«! IIWvmu—^— Abg. Müjller - Meffringen (fortschr. Bpt.): Der Zorn des Herrenhauses auf den Reichstag, berulft lurmentlkch auf dem Lobe Herrenhauses auf den Reichstag, beruht namenllich auf dem Lobe, das der Reichskanzler ihm gespendet hat. Bedauerlich waren ue geheimen Mderstänoe gegen die Neuorientierung, die ich in dem Kampfe um die U-Bootktiegsührung äußerten. (Großer Lärm rechts. Rufe: Unerhört! Unterstellung! stteuer Länn. Rufe: Verdächtigung, Beleidigung! Glocke des Präsidenetn. Präsident Tr. .Kämpf: Ich habe aus den Ausftihrungei: des Redners keme Beleidigung heraus gehört.) Ter bayerische König l^t sich dahin geäußert, daS Volk sei reif für das allgemeine u:td direkte Wahlrecht. Ist!ber Preuße dem: nicht ebenso reif wie der Bayer uird der Württemberger und der Elsaß-Lothringer? (Sehr gut!) Wehe dem Staatsmarrn, der '{jeute die Zeit verschläft in Bezug auf das Wahlrecht. Wir beantragen den:ge7uäß, das Wahlrecht ii: allen Bundesstaaten auf das Prinzip des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes zu stellen. Abg. Strefemann (natlib.): Wir sehen den großen Eut- cheidunyen mit absoluter 9hif>e und Zuversicht entgegen, die in dem Name:: 5)indenb::rg für Deutschland liegen. Ein entthronter Zar und vier im Exll lebende Könige sind die Folgen des modernen Bündnisses mit England. Wer sich mit dem Engländer verbündet, stirbt daran. Das mag man sich auch in Rom überlegen. Es ist unverständlich, wie man in Rußland auf den Gedanken kommen kann, Deutschland denke daran, dem Zarismus oder dem Zaren zu Hilfe zu kommen. Wir gömreir dein russischen Volke jede Freiheit, die es sich selber schassen zu müssen glaubt. Man braucht mit den inneren Reformen nicht zu warten bis nach de::: Kriege. Wir müssen damit jetzt beginnen. Mit der Wendung: Hände !veg von: alten Preuße::! ist nichts getan. Abg. Graf v. Westarp (fteikons.): Im Vordergründe unserer Erörterung über die Neiwrientierung steht die Reform des Preußi- chen LandatgeS und des preußischen Wahlrechtes. Wir sind durchaus damit einversbandeu, daß die Reformen erst nach dem Kriege Vorgenvmmcn werden sollen. (Zurufe links. Heiterkeit.) In dieser Zeit sollten sich alle Parlamente der gegenseitigen Kritik enthalte::. Wegen tci einzelnen Reden in: Herrenhause sollte man nicht gegen die ganze Institution Sturm lause::. Entsch:Ä)e:: Einspruch erheben müsesn wir dagegen, daß man unsere Forderung nach dem ll-Bovtkrieg mit rm:erpolitischen Forderungen und mit der Kanzler^ gegnerschaft in Verbindung bringt. Reichskanzler Dr. v. Vechmann-hollweg: Meine Herren! Ich werde aus den: großen Kreise der von den Herren Vorrednern behandelte:: Gegenstände nur einzelnes heraus^ greifen. Vorweg liegt mir darcu:, im Namen der verbündeten Regierungen dem Reichstage zu danke:: für die glatte und schnelle Erledigung der Steirervorlagen. Der Reichstag hat sich mit deur heute gefaßten Beschluß ein neues Verdienst um mrser Land erworben. Er hat em wesentliches Kriegsmittel für uns hierdurch go schaffen, das uns mit weiterer Zuversicht erfüllt.^ ^ Die weltgeschichtlichen .Vorgänge in .Rußland stehen an der Spitze der Ereignisse/Soweit wir hieran erkennen können, ist Kaiser Nikolaus daS Opfer eigener tragischer Schuld geworden. Seit alters- langer Zeit^ waren Preußen :uid Rußland durch eine traditionell geiovrdene Freundschaft verbunden, aber im russisck>en Herrscherhaus war ihr letzter Träger der alte:: guten Beziehungen eigentlich schon mit Alexander II. ins Grab gesunken, llneinaedenk der Bande, die die be:mchbarten Reiche durch ein Jahrhicndert verknüpft hatten, uneingedenk der Tatsache, daß keine vitalen Interessengegensätze die beiden Länder trenne::, glitt der Zar mehr und mehr in das Fahrwasser der Entente und geriet schließlich so stark in Abhängigkeit von der unter dem autokratisästn Regime herrschenden Kriegs- Partei, daß er vor dem Schicksal6tampf des Jahres 1914 den Apell Seiner Majestät des Kaisers an die langjährige Freundschaft ui:gehört verhallen ließ. Eine von jeher von unseren Gegnern beliebte Legende ist es, daß es die deutsche Regierung geivesen sei, die das reaktionäre auwkratische Regime in Rußland gegen jede freiheitliche Bervegung unterstützt habe. Selion vor einem Jahre habe ich erklärt, daß dies eine mit den Tatsachen direkt im Widerspruch stehende Behauptung ist. Als Rußland im Jahre 1906 durch J^apan und die drauffolgende Revolution in ernste Not gestürzt war, war es S. M. der Kaiser, der dem Zaren Nikolaus auf Grund- der persönlichen FremrdschaftsVerhältnisse dringend geraten hat, sick» den berechtigten Wünschen seines Volkes nicht länger zu rvidersetzen, also das ge:mue Gegenteil von dem, was auch jetzt wieder zu sehr durchsichtigen Zwecken behauptet wird. Zar Nikolaus ist andere Wege gegangen, die weder den Interessen seines eigenen, noch unseres Landes entsprechen. In einem mit seinem inneren Aufbau beschäftigten Rußland wäre kein Raum gewesen für Expausionsbe - strebungen, die schließlich zu diesem Kriege geführt und das alte Regiment so stark belastet haben, daß es sogar schwer fällt, das natürlich-e menschliche Mitgefühl mit dem gestürzten Herrscher Hause zu seinem Rechte kommen zu lassen. Wie 'ich die.Dinge jetzt weiter enttvickeln werde::, kann wohl niemand Vorhersagen Uns ist die Stellung zu den russische,: BorgÄrgen klar vor gezeichnet. Wir werden auch weiterhir: den Grundsatz befolgen, uns in die inneren Verhältnisse fremder Länder nicht c i nzumi schen. (Beifall.) Von nrißwollender Seite toerdcn jetzt mit allen erdenklichen Mitteln in der Welt Nachrichten verfreitet, Deutschland wolle die kaum errungene Freiheit des russischen Volkes vernichten. Seine Majestät der Kaiser wolle die Herrschaft des Zaren über: die geknechtete:: Untertanen wiederherstellen. Diese Llusstreuungen sind eitel Lüge und Verläumdung, was ich hiermit mit allem! Nachdruck feststelle. Wie sich das russische Volk sein Haus einrichtet, ist ausschließlick: seine Angelegenheit, in die wir uns nicht einmengen. (Beifall.) Das einzige, was wir :vünschen, ist, daß ich in Rußland Zustande e::ttvickeln mochtest, die es zu einem fester: und gesicherten Bollwerk des Friedens machen. (SebOafter Beifall.) Trägt die Neuordnung der Dinge daM bei, die Wieder- a:rnäher:lng der beiden auf gute Nachbarschaft angewiesenen Völker zu erleichtern, so begrüßen wir das mit Fsrerude. (Beifall.) Wir haben unter den Sünden des allen Rr:ßlands, das SerbiLnrs Mord anschlag gegen Oesterreich-Ungar:: gedeckt, im Juli 1914 gegen uns mobil gemacht und das im Dezember 1916 als erster unserer Feinde unser Friedensangebot höhnisch abgelehnt hat selbst genug gelitten. Das russische Volk, dos diesen Krieg gewiß nicht gewollt t*it form ohne Sorge vor irgeiidioelcher (Ännvis-ckmug von unserer Seite sein. Wir begehren nichts anderes, als glücklich bald wieder im Frieden mit ihm zu leben (Lebhafter Beifall), in einem Friede:: der auf einer für alle Telle ehvenvollen Gkrundlage aufge- baut ist. Meine Herren! In den nächsten Tagen versammeln sich die Vertreter des amerikanisches Volkes, die vom Präsidenten Wllson zu einer außerordentlichen Sitzung des Kongresses zusammenberufen sind, um über die Frage, ob Krieg oder Frieden zwischen den Amerikanern und dem deutschen Volke, zu entscheiden. Deutschland hat :riemals die geringste Ab' sicht gel-abt, Amerika anzugreifen, und hat diese Absicht auch heute nicht. Es hat niemals den Krieg mit An:erika gewünscht, eben- öwenig, wie es dieses heute tut. Wie ist denn der .Hergang gewesen ? Wir haben den Bereinigten Staaten mehr als ein nml gesagt, daß wir auf die unbeschränkte Anwendimg der U-Bootwasst in der Erwartung verzichtet Hab«:, daß (Sngtab bayu gebracht werden würde, bei seiner Blockadepolillk die Gesetze der Menschlichkeit und die ft:ternationvlen Abmachungen zu beobachten. Diese Blockadepolitik, daran möchte ich ausdrücklich in diesem Augenblick erinnern, ist von den: Präsidenten Mtson selbst und von Staatssekretär Lausing als ungesetzlich und nicht zu verteidigen (Sehr richtig), illegal — and indesensible — bezeichnet worden. (Hört hört!) Unsere Erwartungen, die tvir acht Monate auirecht- erhalten habe::, wurden völlig enttäuscht. England hat seine ungesetzliche und nickst zu verteidigende Blockadepotitik nicht nur nicht anfgegebe::. sonder:: a:ü>auernd verschärft. Es hat in Gemeinschaft mll seinen Verbittkdeten unser Friedensangebot hochmütig ab- gemieien und Kriegsziele verbündet, die auf unsere und unsere: Verbündeten Vernichttmg hinauslaufen- Da haben wir VudemunbeschränktenU-Bootkrieg gegriffen, da mußten wir zu ihm greifen. Sieht hierin das amerika- nische Volk einen Grund, dem deutschen Volke, mit dem es über hundert Jahre im Frieden gelebt hat, den Krieg zu erklären, will es damit das Blutvergießen vermehren? Wßr sirü) es nicht, die die Verantwortung dafür tragen. Das deutsche Volk, das weder Haß noch Feindsck)aft gegenüber Amerika empfindet, wird auch dies zu ertragen und zu überwinden wisssen. (Brapo!) Meine Herren! Die chinesische Regierung hat ihre Beziehungen M uns abgebrochen. Der chinesische Gesamtste hat seine Paffe verlangt. Unsere Beziehungen zu China stnd stets der fteundschafd- lichsten Natur gewesen, und wenn die Beziehungen jetzt ein Ende gefunden haben, sv brauche ich Ihnen nicht zu sagen, daß hier nicht ein freier Entschluß der chnresischen Regierung vorliegt, sondern daß ne unter dem Druck -unserer Gegner gehandelt hat. Auch dürften ftnanzielle Schwierigkeile:: dabei eine Rolle gespielt haben, dere^ China während deS Krieges :richt Herr werden komtte. Für unsere Gegner l-aüdelt es sich darum, unseren Handel auch in Chnur zu zerstören u:ü> sich das mühelos anzueignen, was deutscher Fleiß und dentsck-e Tüchtigkeit sich dort in Jahrzehnten geschaffen lwben. Der Kiüegsansgang wird, wie ich bestimmt hoffe, uns die Möglichkeit bieten, das Zerstörte, und ztvar auf Kosten unserer Feinde, dort neu aufznbauen. (Bravo!) Tann werben auch unsere fremwschaft- lichen Beziehungen zu China Wieder ausleben, und ich möchte nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß China die nötige Widerstandskraft gegen die Habgier und den Eigennutz seiner jetzigen Beschützer ich bis dahin bewahren wird. (Bravo!) Meine Herren! Unseren Heeresberichten über die militärische Lage habe ich wenig hinzuzuftigen. An unserer Ostfront kommen größere Operationen :ncht in Frage. Schon die Jahreszeit und die grundlose:: Wege würden eine größere Offensive verbieten. An der W>estftont verläuft die rückwärtige Bewegung planmäßig und führt zu einer täglich tvachsenden Operationsfreiheit. Das ganze Volk wird daft'tr unseren Truppen und der genialen Führung des Feldmarschalls Hindenburg und des Generals Luden- dorss seinen Tank wisse::. (Lebhaftes Brava!) Alle anderen Fron ten halten mit unverminderter Zähigkeit. Dafür liefert die mazedonische Front, wo bulgarische und deuffche Truppen sich in der Abwehr französischer Truppen in glänzendster Form gezeigt habe::, einen Beweis. (Bravo!) Ueber den U-Bootkrieg hat der Staatssekretär des Rncastnsrütsamts, vodtcL tch unterrichtet tun, heute morgen im Dcrfeeb:m'e täglich mit Todesgefahr durch die See farfjren, da ß unsere Bevölkerung daheim rnanck>e Entbehrung, manche Not. manches Leid zu erdulden hat, daß die Feinde uns von allen Seiten berermen und der Gedanke ist mir immer lebendig ge- itvordeii^ Wofür soll ich arbeiten? Daß der Krieg glücklich zu Ende .geht chr richtig!) Meine Herren! ich habe mich zu den Fragen der inneren Pokrttk über den Geist, in dem ich diesen Fragen in Gegenwart imb Zukunst gegenüberrreten will, oft und ausführlich ausgesprochen. Ich ^ll weder wiederholen, was^ ich gesagt habe,^ noch es para- |f5 ca ! lcrCTl - Meine Herren! Zu Anfang des Krieges sind wir, glaube ich. ia ausnahm-ios der Ansicht gewesen, daß diejenigen Fragen sLer cmreven Politik, die eine- Folge, dieses Kriegserlebens sein tmKßen, für die Friedenszeit cmfznichieben sein werden. Dir n^aren ccc Ansicht, dieser Krieg würde tncht so lange Zeit von den »Böllern ertta;ten toeroen können. 9hm ist er unendlich in die Länge ig«ocuh,en, und so haben sich auch bei beit einzelnen Parteien die Anschlnrungen über die Fragen der inneren Politik, über den Zeitpunkt ihrer Inangriffnahme in einzelnen Punkten unzweifelhaft gewandelt. Tie Herren lxiben selbst hervor gehoben, daß wir in der Foage der Pvlenpvlitik nach einer Mitteilung, die gestern die preußische Staatsvegierung im Preußischen Herrenhause gemacht hat. an dem Grundsatz, alles hrnauszuschieben bis auf die Friedens- -ert. nicht mehr voll sestt-alten können, tmb so wird es möglich sein, daß auch Fragen, die zum Geschäftsbereich des Reichstages gehören, .früher erledigt werden, als cs uns usprünglich vor- geschSvebt hat. Aber, meine Herren aus der Linken, loas Ihnen am nächsten liegt, worum sich für Sie alles dreht, das ist Reform des preußischen Wahlrechts, ^ und Sie verlangen, daß ich diese Reform sofort in Angriff nehmX Meine Herren? Ich fabe int Preußischen Abgeordirereiihaus, vor dem seinerzeit diese Frage zunr Austtag zu bringen sein wird, vor kurzem die Ueberzeugung misgesprockien, daß die inneren Kämpfe, welche um die Reform des Watftreckftes sein wurden, dem Gebot der Stuiide nicht gerecht würden, alle unsere Kraft auf die Abwehr bp5 Feindes zu konzentrieren. Tie .Herren Sozialdenwkraten sind anderer Ansicht, und wir haben heute gehört (Zuruf links). Ich bitte,' mich doo Misfpoechen zu lassem Ich will gerade auf die Herreit, die sich an die Sozialdemokraten ansch>liießeit, zu sprechen koms mett. Ich ßalie ja aus den heutigen Reden der Herren Vertreter der Fortschrittlichen Volkspartei und der Nationalliberalen Partei entnommen. daß auch sie diesen Gedanken jetzt mehr zuneigenj. Doch seit kurzer Zeit lobe ich im Preußischen Abgeordneten hause von Vertretern derselben Parteien die gegenteilige Ansicht cp'- hört (Zustimmung). Also die Ansichten in dieser Beziehung gehen sehr auseiumrder. Es besteht keine communis opinio. Mir scheint, bei der ganzen Frage sollte doch 'der Gedanke nicht vergessen werden, daß es ein eigenes Ding ist, ein staatliches Fundmnent wie das Wahlrecht zn ändern zu einer Zeit, wo Millionen von Männern, für die das Wahlrecht geändert werden soll, in beit Schützengräben sind. (Zuruf links. Zusti.mrmi.ng rechts.) Werru ich 'das einmal prat- tischausinück. n ivill: soll :ch emen Wahlkampi Hervorrufen, während die große Zahl der Wähker da draußen steht? Ter Abgeordnete Noske schien da allerdings ein einfaches Rezept gefunden zn haben. Wenn ich ihn recht verstanden habe, meinte er. wenn die Minister und der Preußische Landtag sich nicht einigen könnten über die Resorni oes Wahlrechts, dann sollte die Regierung oktroyieren, Mir schien, das war sein Ratschlag. (Zurufe links.) Niin. meine Herren, gewiß haben schon Oklroyierungen versclftedener Att mrd zu allen Zeiten stattgefunden. (Zurufe links.) Auch in Preußen, gewiß, meine Herren. Aber ob ein Zeitpunkt, wo ein Volk um seine Existenz ringt, der richtige sein würde, eine solche Oktrohierung dnrchzufuhren, das wage ich zu bezweifeln. (Zustimmung rechts.) Ich gebe Ihnen das gewiß tzu, und ich habe den Gedanken auch neulich int Preußischen Abgeordnetenhause misgesprocl>en. Ich habe da gesagt, es wäre mir ja am liebsten, wenn ich die Reform uwrgen machen könnte., SelM verständlich ist es sehr verführerisch, große politische Aktionen vom Schwünge größter politischer Spannung ttagen zu lassen Beifall links.) Das würde mir ia die Astbeit ungeheuer erleichtern. (Zustimmung links.) 2lber ich hoffe doch. Sie w»erden mir darin recht geben, in diesem Moment, wo der Krieg auf den. Höl>epunkt gestiegen ist. iwo cs sich darum handelt, alle und die letzte Kraft herauszuholen, daß ich da ganz nüchtern abwägen muß. ob die Vorteile einer sofortigen Inangriffnahme einer solchen Llktion größer -find als die Nachteile, die irnbedingt mit ihr verÄmröen srich. Ich muß diese Abwägung vornehmen, auch wenn ich Jmvonderabilien sehr hoch schätze, ivie sie in der politischen Fortentwicklung unseres Volles liegen. Ich lxrbe mich oft geinig und, wie ich glaube, ans innerer Ernpftichiung darüber ausgesprochen. Und wenn ich gezwungen bin, diese nicht fernen Erwägungen anzustellen, der Einsatz, um den dieser Krieg geht, ist viel zu gewaltig, als daß man sich vion Stintmungen hiirreißenj lasten dürfte: loenn ich so denken muß. so ist es ungerecht und unrichtig. mir vorznwersen, daß ich eine Politik der Stagnation triebe. Ich muß den Zweck, den Krieg zu einem glücklichen Ende zu fühven, sowohl meinem Handeln wie meinem Unterlassen untere stellen. (Sehe richtig:! veckfts.) Das ist keine Stagnation. Es mag «manchen sckmeidigen FeLdl>errn gäben, der von einer Offensive absieht, weil sie der gesamten Kriegsführung schaden wurde, und so, meine Heroen, habe ich mich bis zur Stunde auch durch die häutigen Msfühnungcn nicht überzeugen lassen können. (Hört, hört! links.. Sie öufat: Hört, hört! Ich l-abc nach meiner Ucberzeugung besprachen wird die Gründe, die ich für meine UeberzeuAung habe, einfach und ohne jede Voreingenommenheit dargelegt. Wenn ich mich nicht davon überzeugen kann, und ich kann es! bis zur Stunde tncht, daß es dwr Interessen meines Landes dienen würde, diese Reform unmittelbar in Angriff zu nehmen, dann muß ich davon Abstand nehmen, bis ich zu der Ueberzeuguug gelangt sein werde. (Zuruf: Wehe dent Staatsmann, der die Zeichen der Zeit . . .) Marne Herren! Diefar Zuruf habe ich mir selbst gemacht, und ich nehme ihn sehr ernst, und Sie, die Sie doch für Tolerantz eintveten, werden auch vor der ehrlichen Ueberzeuguug eines anderen Mannes Achtung haben, so gut wie ich vor der ehrlichen Ueber- r^ugung, die bei Ihnen wohirt. alle Hochachtung empfinde. Meine Herren! Es war ja natürlich, da heute, wo die Fra^n der inneren Politik von den verschiedenen Standpunkten aus besprochen wurden, die Meinungen zum Teü hart aus-einandergestoßen sind. Ich kann mich des Zweifels darüber iricht enthalten, ob es in der gegenwärtigen Stunde richtig ist, seinem Temperament, wie es bei einzelnen der Herren Redner geschah, in einer Weise die Zügel schießen zu lassen, welche die Ueberzeugung anderer Parteien schwer verletzen muß.. (Zustimmimg rechts. ' Ich meine, wir sollten dieses Werk des politischen Kampfes aufschieben bis zu der Zeit, wo ivir wieder mit aller Sicherheit in unser zukünftiges Leben blicken fmmat. Meine Herren? Es gibt in i-cbec großen Nation bedeutsame Lebensnwmente, und das deutsche Volk hat noch keinen größeren Lebensmoment durchlebt, wie den jetzigen, wo zugleich die enumocr entgegengesetzten Meinungen widereinander hin- und herfluten, namerrttich dann, wenn, Ivie es jetzt der Fall ist, sehr gewaltige Kräfte nac!) neue' Regiinen drängen. Aber cs kommt doch darauf an, daß über die Ateinnngszwistigkeiten der Grundsatz der Einheit erhalten bleibt. Und diese Einheit bewährt sich täglich und stündlich so fest und unerschütterlich in den Heldentaten unserer Krieger, daß der Wille und die Zuversicht, unser Vaterland zum Siege zu führen. Uns immer wieder zusammcnbringen muß: und uns damit, so Gott will, unüberwindlich macht. (Lebhafter Beifall.) Aus und Land. Dießen Lebensmittel und Bedarfsartikel. 30. März 1917, ** Alei sch v crb rauchsvegelirng. Um eine bessere uno gleichmäßigere Verteilung des der Stadt Gießen überwiesenen Fleisches an die Metzgergeschäfte und die Einwohnerschaft der Stadt Gießen herbeisühren zu können, ist eine Neuregelung geschaffen worden, deren Einzelheiten aus dem Anzeigmlteile unseres heutigen Blattes zu ersehen sind. Der außerorderttlichen Wichtigkeit dieser einschneidenoen Bestimmungen wegen weisen wir auch an dieser Stelle besonders darauf hin. ** Die Bestimmungen über Bezugscheine für Web-, Wirk-, Strick- und Schuhwaren sind geändert und ergänzt worden. Näheres siehe Bekanntmachung. ** Abfallholz, das an l>er Marburger Straße und im Hose des Stadthauses lagert, soll Dienstag, den 3. April, nachmittags 3 Uhr beginnend, meistbietend versteigert werdet!. Siehe Bekanntmachung. * ** Auszeichnung. Der Kreisvat des Kreises Schotten, Dr. Ernst Merck, zurzeit Kreischef in: Generalgouvernement Warschau, erhiell das Eiserne Kreuz. ** Annahme sperre im Eil- und Fracht st ü ck- gutverkehr. Vom 30. März an wird eine Beschränkung des Eil- und Frachtstückgutverkehrs eintreten. Es werden dann nur zur Beförderung angenommen: Lebensmitz- tel, Futtermittel, Düngemittel, leere Säcke, Saatgut, lebendige Pflanzen, landw. Maschinen und Geräte, Umzugsgut, Heeresmaterial usw. Die Sperre hat in erster Linie den Zweck, die so notwendige Beförderung von Kartoffeln und Saatgut zu erleichtern. Auskunft erteilen die Güter- und Eilgutabfertigungen. Siehe auch Anzeigenteil unseres heutigen Blattes. ** Auslandsforderungen sind bis zum 15.April bei der Handelskammer Gießen anzumelden. Näheres siehe im Anzeigenteile. < /** Zur Förderung der Schafzucht: Wolloer- n^ttungsgenosftnschaften. Am ^Sonntag, dem 18. ds. MtS. fand chiXrsiesien im Saale des Hotels Schütz ans Einladung des Ober- lzeiftsttz^l Schtfziichtervcreins eine Versammlung oberhessischer Schafsrennde statt. Die Vcrsamnilnng erbrachte einen Beweis für das große Interesse, das die oberhessischen «La'idtvrrte diesem wieder neu ctnporgeblüheen Zweig unserer Tierzucht entgegenbringen. Lairdlagsabgeordn-.'ier Körner aus Stuttgart hob in überzeugenden Worten die Vorteile hervor, die aus der Schafhaltung in der dcwtschen Landwirtschaft erwachsen. In den letzten Jahrzehnten sei die Zahl der in Deutschland gehaltenen Schafe von 25 Millionen im Jahre 1672 aus 5 073 480 im Jahre 1915 gesunken. Jetzt im Kriege erst sei uns der damit verbundene Nachteil zu Bewußtsein gekommen, trachdcm un-^ die Zufuhr von Wolle und Baumwolle aus dem Auslande abgeschnitten ist. Dank imserer einzig dastehenden Techittk ist es uns ja gelungen, eineti großen Teil der bisher eingesührten Rohprodukte zu ersetzen, aber deshalb müssen wir doch alles daran setzen, unsere Schafzucht wieder zu hebeii. Aber nicht nur als Westler'-enger allein dient das Schaf, a-ich alä Fleisch-, Fett- und Milchlieserec ist es uns von überaus großem Wert tmd nicht zuletzt auch als Erzeuger eines äußerst wertvollen Düngers, der den Stickstoff in fast doppelter Menge wie jeder widere Mist enthält. Dabei ist das Schaf eines unserer genügsamsten Tiere und einer imserer besten Futterveriperter. Die Gefahr, daß die Wolle trach dem Kriege wieder solcheii Preis erreicht, die der Schafhaltung iiachleilig werden können, ist ausgeschlossen. Denn erstens werden auch nach Friedensschluß Jahre vergehen, bis das Ausland wieder solche Mengen Wolle und Baunp wolle aus dQl deutsck^en Markt wirft, daß dadurch der Preis imserer Wolle gefährdet rverden kömtte, mtb zweitens haben die Tnchfabrikeii unser heinrisches Produkt unbedingt nötig, um ein erstklassiges Fabrikat zu erzielen. Um einen angemessenmi Preis zu erzielen Md einen Einfluß aiif die Preisgestaltung ausüben zu können, müsset: die deutschen Schafzüchter einig sein und einmütig auftreten. Das ist aber nur erreichbar, wenn sie sich, zu Vereinen imd Verbänden und Genossenschaften zusammenschließcii. Solche WollverwertungSgenossenschaften sind B. in Württemberg schon entstanden. Den Württembergischen Schashaltern, die der Geiwssenschaft beigetreten nraren, gelang es dadurch im verslosienen Jahve, ihre Wolle durchschnittlich zu eftrem 16Pw-z. höherwr Preise loszmverden, als dttchtgenossenschastsmitglieder. Nach einer sich an den Vortrag schließenden Diskussion wurde von bem oberheifischen Schaszüchtervcrein einstimmig der Beschluß gefaßt, einer noch zu gründenden Wollverwertungsge!iossensck>aft für das Gvoßherzvg- tum .Hessen beizutreten. Der Versammlung wurde dann noch eröffnet, daß an maßgebender Stelle der Antrag eingebracht sei, daß die Wollpreise um 30 Prozent gesteigert werden sollen, um den Preisunterschied zwischen Rohprodukt uttb Fertigware in ein angemessenes Verhältnis zu rücken. Diese Aussichten mögen dazu beitragen, in weiteren Kreisen der hessischen Lcutdwirtschaft, den Gedanken der Schafzucht wieder aufleben zu. lassen, sowie der Borttag selbst dazu beitrug,' die Zahl der MitgkiÄer des ober- hessischen Schatzüchtervereins bettächtlich zu steigern. Der Verein lwfft, daß der Anschltiß der oberhessischen Schafzuchtervereme dazu beitragen wird, die ausländische Wolle, die zurzeit 95 Prozeitt unseres gesamten Wollbettages austnacht, auf eine sehr viel geringere Menge Ktsanriiienschrumpfen Kr lasten. Anmeldungen zum Oberhessischen Schafzücksterverein nimmt der Landwirtschasts- kammer-Änsschnß für Oberhesscn in Gießen entgegen. ** Eine Geländeverpachtung dar Stadt Gießen findet Mittwoch!,, beit,4. April statt. Näheres ist aus einer Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte zu ersehen. Landkreis Gießen. i. Grünberg. 29. März. Vom 1. ?lpril ab vcrkelnt ein neuer Zug auf der Bahnstrecke Grünberg—Licb. Tank dem Etrt- gegenkommen der Bahnverwalttmg wurde die Abfahtt von Grünberg auf 12 Uhr verlegt, so daß die Schüler der Realschule einen sehr geeigneten Zug ztrr Heinrsahtt haben, wie sie ihn schon zur 5)insahrt besitzen. Kreis Büdingen. r. Ortenberg. 30.>März. Ter Fahrer M. Emrich von Wipvenbach erhielt die Hefsisäte Tapserkeitsmedaill e . — Gefreiter M. Holberstadt von Glauberg erhielt das Eis. Kreuz 2. Kl. — Im benachbarteit Bobenhauseu erhielt der Gefreite R. Carl das Eiserne lKrenz. — Landsturm mann W. Alt von Selters erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. r. Li ßber g, 29. März. Die hiesige Gemeindejagd soll Montag, den 2. April ds. Js., nachmittags 4 Uhr. in der Wirtschaft von R. Nies cnif weitere 6 I a hre verpachtet werden. _ Letzte Hrtcfrricfjteit, Die Hindenvnrg-Linre. Am (terbaiii, 29. März. Der,,Times" Korrefopondettt in Frankreich schreibt über die Lage der Ententettuppen: Alle Dörfer zwischen uns und der sogenannten Hindenburg- Linie sind in Forts umgetvundelL. Eine große Anzahl Maschinengewehre bestreichen das dahinter liegende Gebiet. Atl den Wegkreuzungen befinden sich Minentrichter von durchschttittlich 40 Fuß Tiefe. Die Zugänge ztl den Dörfern sind mit Stacheldraht versperrt. Die Erlebnisse der Möwe. Berlin, 30. März Aus einer Unterredung mit dänischen Seeleuten über ihre Erlebnisse an Bord der Möve wird int 21." berichtet: Der englische Dampfer Otaki leistete heftigen Widerstand. Es kam mit ihm zu einem förmlichen Kamps, wobei sechs MMN von der deutschen Besatzung der Möve trüb zwei von iaitgenat getötet wurden. Dte Möve geriet in Bvcmd der erst nach drer Tagen gelöscht werden konnte. Die z-alstreimen engrncbeit Gefangenen aus der 2Növe waren von den anderen abgesondert worden. 2lls der Kamps begann, sprengten die Engländer die eiserne? Tür ihres Gefängtlisscs, aber deutsche lUöatrofen standen mit Handgranaten bereit und hindertest die. Engländer, aus Teck zu kommen. Tie Möve wurde von sieben Sckchssen getroffen. Als auf der Otaki der Kapitän, der erste Steuermami, der erste Ingenieur sonne zwei Mann der Besatzung getötet worden waren, ergab sich der Dampfer, woraus der Rest der'Besatzung an Bord der Aiöve genommen wurde. Die 2Növe war aus ihren Fahrten sowohl in der Nähe von >Kapstadt als auch am Rio. Als Kohlen tmb Proviant auf die Neige gingen, wurde die Heimatteise mrgettetcn. Ter Kurs ging über Neufundland und die nördlichen Teile des AtlanttsckZeu Ozeans. Im Laderaum befanden sich gegen 600 Gefangene. Am 21. März lies die Möve in den Smid ein. Tie dänisch>ep Seeleute erllärden, daß sie aus der Möve gut behandelt worden seien. Rußland. Petersburg, 29. VLärz-. stcachrichten, die vom Lande ein- gehen, bestättgen, daß die Bauern systemachischZne Miliz organisieren, um damit die alte Polizei zu ersetzen. Sie schaffen neue örtliche Obrigkeiten, berufen Gemeindeversammlungen und geben ihren festen Willen kund, die neue Regierung zu unterstützen. Im Gouvernement Iekatrinoslaiv ordnete man Frauen als Deputierte zu dem Vollzugsausschuß des Gouvernements ab. Petersburg, 29. März. (P.T.A.) Ter Kriogsminister hat die Aufhebung der Kriegsgerichte angeordnet. Der ftühere Kriegsminister General Polckvanow ist ins Hauptquartier agereist, um es aus neuer Grundlage zu reorganisierQt, die gegenseitigen Beziehungen m>u Generalsbab und provisorischer Regierung genau zu bestimmen. Tie bürgerlick;e Leichenfeier für die Opfer der Revolution wird am Freitag, 30. 2Närz auf dem aewaltigen Marsfelde gegenüber dem 2Narmorpatast stattftnden. Dte Feier wird von morgens bis um 5 Uhr abends dauern. Der Er-Zar nach Englaikv! Stockholm, 29. 2Närz. Laut „Rußkija Wjedomosti" besuchte Kerenski den Rat der Arbeiterdeputierten Moskaus, wobei er auf Fragen der Mitglieder antwortete: Nikolai Nikolajewitsch wird keinesfalls Oberbefehlshaber. (Stürmst fall.) Der Zar, von allen verlassen, hat die provisorische Regierung um Schutz gebeten. Llls oberster Justizbeamter halte ich sein und seiner Familie Schicksal in meinen Händen, aber unsere wunderbare Revolution war fast unblutig und ich will nicht Marat sein. Mit einem Sonderzuge lasse ich den Ex- Zaren nach einem bestimmttn Hafen führen mid nach England schicken. Bewilligt mir hierzu die Vollmacht! Amerika. Rotterdam, 30. März. Wie aus Washington gemeldet wird, dauere die Mobtlisierung der MiliA an. Bisher sei sie in 34 von 48 Staaten erfolgt. Tie Miliz sei nicht zu vergleichen mit der regulären Armee, den französischen Territorialtrnppen oder der früheren englischen Miliz. Gens, 30. März. Wie der Berichterstater des Petit Parifien aus Washington meldet, werde der kommenden Kongreßsitzung sofort die Umbildung des Ministeriums folgen. Wilson beabsichtige das Kabinett aus 2Nitgliedern aller Parteien zu ergänzen. Kohlennot in Italien. Lugano, 30. Marz. Ein Dotter des Präfekten von 2Nailind beschränkt den Gasverbrauch mif 12V? Stunden täglich Im Hasan von Genua, dent Haupteingmtgsliasien für Kohlen in Italien, ist die .Kohleneinfuhr im Januar aus 143 300 Tonnen gegen 243 10fl im Vorjahre und im Februar auf 102 800 gegen 226 900 Tonnen im Vorjahre zurückgegangen. Rücktritt des schwedischen Kabinetts. e Stockholm, 29. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Schlvadische Telegrammbureau meldet amtlich: Die Mitglieder des Kabinetts erklärten dem König, daß die aus seinen Wunsch vom 5. März veranstaltete Umfrage zur Feststellung, ob für das gegenwärtige Kabinett Möglichkeiten bestehen würden, während der außerordentlichen Kriegsumstände die Regierung mit der nach innen und außen hin wünschenswer-- ten Kraft weiterzuführen, das Ergebnis gehabt habe, daß die Möglichkeiten tticht beständen. Die Minister halten demnach das Rücktrittsgesuch aufrecht. Der König beauftragte mit der Bildung des Kabinetts den früheren Minister und Universi- tätskanzlcr Swatz. Spanien. Ma drid , 29. März. (WTB. OÄchLamtlich.) Hovcrs. 2lmp- liche Meldung. Ein Dekret hebt die konstittttionellen Garaw- treu in allen Provinzen des Königreich es au f._ _ KanslimnWe FMsle Wes. Staatlich anerkannte Unterrichtsanstalt für junge Leute männlichen und weiblichen Ge schlechtS im Handelsgewerbe und solche, die sich für diesen Beruf ausbilden wollen. Das neue Schuljahr unserer Anstalt beginnt Donnerstag, den 19. April, abends 8 Uhr, zu welcher Zeit sich alle Schüler sind Schülerinnen in dem Schulhause — West-Anlage 43 — einzu. finden haben. Anmeldungen neuer Schüler und Schülerinnen werden Dienstag, den 3. April, abends von 8 bis 10 Uhr im Schulhause — West-Anlage 43 — ent* gegengenommen. Die Anstalt gliedert sich in eine Unter-, Mittel- und Oberstufe, von denen jede drei Parallelklassen umsaßt. Neueintretende Schüler und Schülerinnen werden in der Regel der 3. Klasse überwiesen. Können sie aber durch eine Prüfung den Nachweis erbringen, daß sie befähigt sind, in einer höheren Klaffe mitkommen zu können, so werden sie in eine 2. oder gar 1. Klaffe eingereiht. Die Pflichtsächer der Anstalt sind: Einfache, doppelte und amerikanische Buchführung, Wechsellehre, Handelslehre, Rechnen, Deutsch, Korrespondenz. Schönschreiben, Handelsgeographie und Warenkunde. Die Wahlfächer sind: Französisch, Englisch, Kurzschrift und Maschinenschreiben. Der Unterricht findet an zwei Abenden in der Woche von 7y 3 bi§ 10 Uhr statt. Der Besuch der Anstalt befreit die schul pflichtigen Schüler vom Besuch der allgemeinen Fortbildungsschule; schulpflichtig sind alle aus der Volksschule entlassenen Knaben, sowie die Schüler- höherer Lehranstalten, die nach vollendetem ^.Lebensjahre austreten, ohne ein Jahr der Obertertia an gehört zu haben. Das Schulgeld betrügt für die Pflichtsächer pro Jahr 36 Mark — und für die Wahlfächer Französisch und Englisch je 20 Mark — für Kurz schrift und Maschinenschreiben je 3 Mark. Gießen, den 24. März 1917. Die Schulkommission. 24m l- Statt besonderer Anzeige. Heute morgen entschlief sanft unser lieber, guter Gatte und Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel, der In Rentner Friedrich Wilhelm Hartmann im 77. Lebensjahre, Gießen (Roonstr. 10), und Darmstadt, 29. März 1917 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Hartmann geb. Nol! Johanna Becker geb. Hartmann Finanzminister Dr. Becker Maria Becker. Die Beerdigung findet am Sonntag, 1. April, nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. 2565J} Statt besonderer Anzeige. Meine geliebte, trensorgende Frau, unser© liebe, herzensgute Mutter, Grrossmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau MM Heyer geb ist im Alter von 65 Jahren gestern mittag infolge einer Lungenentzündung sanft entschlafen. Krofdorf, den 29. März 1917, 01*15 Wilhelm Heyer Wilhelm Heyer, z. l\. im Felde, fiskl Fra« und Kind Christine Heyer Wwe. geb. Osbus, ceiiSl allen Verwandten. Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. April 1917, nachmittags 3 Uhr statt. Allen Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß 28. d. M., morgens 9 l / 2 Uhr mein lieber Sohn, unser lieber Bruder Pionier Herman Pfaff Eisenbahn-Regiment 3 im Alter von 20 Jahren nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden entschlafen ist. In tiefer Trauer: Adolf Pfafi Ww. Adolf Pfaff / 25T6 Willy Pfaff nebst allen Angehörigen. Launsbach, den 80. März 1917. Die Beerdigung findet Sonnabend, 31. März 1917, nachm. 3 Uhr statt. Hotel Fürstenhof Als Pächter des neuerbauten Hotel Fürstenhof gebe ich mir die Ehre, dem geehrten Publikum bekannt zu geben, daß ich am von Gießen und Umgegend Mts. Sonnabend, den 31. ds. den Gesamtbetrieb eröffne. Außer erstklassig, der Neuzeit entsprechend, eingerichteten Fremdenzimmern mit Salons und Bädern empfehle ich zur gef!. Benützung mein Cafe mit täglichem Konzert einer erstkl. Kapelle, die Restaurations- und Gesellschaftsräunic, den Saalbau, Kegelbahn, Bilb.rdzifr.mer etc Soweit es die Kriegsverhältnisse gestatten, werde ich bemüht sein, die mich beehrenden Gäste nach jeder Hinsicht zufrieden zu stellen. 256 * Hochachtungsvoll C. Diirschinger. Wissenschaftliche Privatzirkel für schulentl. jg. Mädchen. Weiterbildung in Literatur , Englisch, französisch, Welt- und Kunstgeschichte; Einführung in Bürger- kunde, Gesundheitslehre u. allgem. prakt. Wissen. Konvcrsationsstd. bei einer Deutsch- Eranzösin. 3 lauf ende Zirkel. Beginn eines neuen am 15. April oder auf Wunsch Sprechstunde tagt. 12-2, Wilhelmstr. 39. Frau Ulrike Pfältzer-Müller, ^01802 Staatl. gepr. Lehrerin . Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde BerSrod für 1917 Rj. liegt von Samstag, den 31. vS. MtS. bis Jreitag, beit «. k. Mts. eine Woche lang auf unserem Amtszimmer zur Einsichtnahme offen. Während dieser Zeit können Einwendungen bei uns mündlich oder schriftlich vorgebracht werden. Bemerkt wird, daß die Erhebung einer Umlage beschlossen Trt, zu der auch die Ausmärker herangezogen werden. Bersrod, den 27. März 1917. 2573 Großherzogliche Bürgermeisterei Bersrod. Reuschling. iertaf m Kmichii. Samstag, 31. März v. 5 bis ü 1 /., Nhr nachm. stehen in der städtischen Kaninchenzucht, Nodheimer Straße 43, H., Zuchtkaninchen zum Verkauf. 2350 B Plötzlich und unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht, daß unser lieber guter Sohn und Bruder Mu-ketier Salltz Weinberg im Alter von 20 Jahren am 21. März den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. 01 o 23 Gießen (Rodh. Straße), 29. März 1917. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Waschtisch z. verk. Nähere' Bleichstratze 8, pt. Q',91 l Ein noch gut erhaltenes kmMks Bett billig abzugeben. 2551 MarkLstratze 30. Gut erb. Sinder-Listfewagen, Eisdertiscii u. Stittücbca und Klrtler-Waschtiscb zu verk. Seiteröweg 81-/,°II. [01906 Gröbere Menge 12519 Buxbanrn zu verknusen Wo? sagt die Geschäftsstelle des Gictz. Anz Hermann Weinberg. Suchen sofort Ul für unsere Extraktionsanlage. MteldeuW Setöerei und -Wetzlar. r 2539V if 31.«®.. cm Stellen sofort als Ff irieies* energischen, zuverlässigen und schreibkundigen Mann, auch Kriegsinvaliden. 25-iod Mitteldeutsche Gerberei ittib Riemen- fttbrik A. G., Wetzlar. di. Weichen nn«l Drehscheiben gegen Kasse zu kaufen gesucht. SCaH KeaiEeL in Obephessen. 2329V Dienstmädchen gesucht. 2576B Medizinische, Frauen- und Hautklinik. Dienstmädchen sofort gesucht LtcherStratze 9. 12572 Gärtner 568 gesucht (Lebensstellung) Hensoldt- Werke Wetzlar. Zei'tretek gesM für kleine u. gröbere Bezirke Hessen-Nassaus und Hessens zum Vertrieb einer Garvenlündmüschine (fleiner Handavvarat), die von jungen Leuten n. Kindern bedient werden kann. Großer Verdienst. Wichtig im Krieg. 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