Nr. 69 Der Ltrhener Nnzeiyer erscheint täglich, ander Sonntags. — Beilagen: Sieftener Lamilienblätter; Kvcisblctt für den Kreis Liehen, vezugrpreis: mbnatt. 9u M.. viertel- jährl. Mk. 2.65: burcJ) Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch diePost Mk.2.45 viertel- jährl. auSschl. Bestellg. Fernsprech - Anschlüsse: für dieSchristleitunq112 Verlag,Geschättsstelleöl Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Erstes Blatt *67. Jahrgang Donnerstag, 22. März *9*7 Postscheckkonto: Zranlfurt a.M. **686 Bankverkehr: Gewerbebank Gießen ZwillingsrunStzruck u.Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u.steindruckerei «.Lange. Schriftlcitnng. Seschästtsteile u.Druckerei: Schulstr. 7. Nnnayme von Anzeigen die Tagesnummer bis zumNachmittag vorher Zeilenvreir, f. Anzeigen: örtlich 20 Vf., Vermietungen u. Stellengesuche 15Pf., auswärts 25 Pf., b Platzvorschrift 30 Pk., Reklamen 75 Pi., bei Platzvorschrikt 90 Pf. Hauptschrutleiler: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik u. Feuillewn: Aug. Goetz. Stadt tu d Land, Vermischt es iu&e- richtssaal: Fr. R. Zenz^ Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. (WTB.) Großes Hauptquartier. 21. März. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Regen und Schneetreiben geringe Gefechtstütigkcit. Zwischen Arras m,d Bertincourt, nordöstlich von Ham und im Norden von Soissons zwangen unsere Sicherungen einzelne gemischte Llbteilungen des Gegners zu verlustreichem Zurückgehen. Auf dem rechten Maasufer sind heute früh zwei Vorstöße der Franzosen am Fosses-Wald gescheitert. O e st l i ch e r Kriegsschauplatz. Vorfeldgefechte ohne Bedeutung. Mazedonische Front. Teilangriffe der Franzosen lrci Bizopote, Trnova und Rastatzi (westlich und nördlich von Monastir) wurden durch unser Feuer niedergehalten und abgewiesen? Kürzlich in Feindeshand verblieben? Höhen nordöstlich von Trnova und bei Snegovo wurden von uns im Sturm zurückgewonnen. Der Gegner räumte darauf das Zwischengelände. Seine nächtlichen Versuche, die Höhen wieder zu nehmen, schlugen fehl. Im Cernabogen brachte unser Artilleriefeuer einen Fesselballon brennend zum Absturz. Der Erste Generatguartiermeister Ludendorff. Der Abendbcricht. Berlin, 21. März, abends. (WTB. Amtlich.) Auster Gefechten im Somme- und Oise-Gebie keine besonderen Ereignisse. Im Osten gelang ein eigener Vorstoh an der B e r e s i n a in vollen* Umfange. Nördlich von Monastir ist wieder gekämpft worden * * * Englische und französische Blätter müssen der Wel Neuigkeiten verkünden, die auf die Aussichten des deutsch feindlichen Völkerbundes ein schlechtes Licht werfen. Noc kennen wir nur Bruchstücke der Geschehnisse. Was im Tau rischen Palast vor sich gegangen ist, war mehr als eine ge wöhnliche Volksversammlung, denn die Berichte sprechen vo' Delegierten, und wenn der Ausdruck „Gemischter Ausschuß' dabei genannt wird, so verblaßt die Ministerherrlichkeit eine Miljnkow ebenso schnell wie die Kommandowürde des selbst herrlichsten Großfürsten. Wo gegenwärtig die Träger de russischen Staatsgewalt stecken, ist eine schwierige und dunkl Frage. Wir sehen nur ein Ingrimmiges Ringen der Aus schüsse um die Mack)t. Alles was die „provisorische Regie rung" bisher kundgetan hat, wird wieder über den Haufei geworfen durch eine Erklärung der Sozialrevolutionäre un ter dem gestern genannten Tscheidse, der sich vielleicht zi einem kleinen Danton entwickeln wird. In dieser Erklärum ,steht, es sei die Aufgabe, alle volksfeindlichen, unrevublikani scheu Absichten zu ersticken. Auf das Maß der Ausfühxun. dieses Gedankens kommt es an, ob ein Schreckensregimen nach dem berühmtesten Muster im Anzuge ist. Bezeichnen' ist, daß das Zarenpaar nach dem Beschluß der gegenwärtige: Gewalthaber gefangen gehalten wird und daß der Genera Alexejew, derselbe, den der Zar noch jüngst im Hanptguar tier so herzlich begrüßt haben soll, als oberster Gefangene*! Wächter bestellt worden ist. Welch düstere Glut in dein Ofei Rußlands! Kein Wunder, daß auch das französische Parla ment, dem gestern das neue Kabinett Riböt seine wenn Neues enthaltenden Antrittserklärungen abgegeben bat, vor lauftg ebenfalls noch davon absieht, Glückwunschtelegramm ncuh 'dem Osten abzusenden. Nur die Hoffnung wird aus gchprochen, daß sich die freiheitliche Umwälzung in Rußlcnll vhne Anwendung von Gewalt vollziehen möchte Aus der eignen nationalen Geschichte mischt sich in dies Evklärmng des französischen Parlaments der ängstliche, stilb Schauder: „Weh denen, die dem ewig Blinden des Lichte: '^nnelsfaökel leihn". Das Kabinett Ribot hat doppelt! Ursache, srch diesen Spruch! vorzusagen. Denn das allae mern Menschliche wird durch das politische Interesse nocl nr den Schatten gestellt. Gibt es eine Gewaltherrschaf ivach dem Verspiel der großen französischen Revolution £ om Kriegführung im Osten zuungunsten der Entent' vollrg gelahmt. Diese Gefahr hat schon eine deutliche Gestal angenormnen: in der erwähnten Erklärung der Sozial revolutionäre ftefyt auch die Friedensforderung und dei folgende Sch*: „Des Volkes Aufgabe ist eS, alle Volks ferndlrchen mrrepubl*kan*sfben Absichten zu ersticken. Es is _J cf k v ^rtweiligen Revolutionsrcgicrung sofort mrt den Proletariern aller kriegführen ^ n J 'V 11 ' ° c 1 ^ 1 ^ u 11 ll z u treten, um der Kampf m Voller gegen die Völkerschlächterei sofort zr beLNdlgelr. Als Begleit,Luck zu dieser Kundgebung erschei neu noch die Berichte ckns dem russischen .Hauptquartier, wo die Truppen unter roten Fahnen und dem Gesang der Marseillaise — vor welchem Oberbefehlshaber, wird nicht deutlich gesagt — Parademärsche ausführten . . . Auf dem Kampfplatz im Westen diktiert .Hiüdenburg die Gesetze. Neben der gestern erwähnten „Nation"^schreibt auch ein weiteres Londoner Organ, die „Truth", der deutsche Rückzug an der Ancre erscheine als die größte Meisterleistung, tue der deutsche Generalstab in diesem Kriege vollbracht habe. Es kann uns wenig kümmern, wenn die Franzosen in ihren amtlichen Berichten über die deutsche „Zerstörungswut" und „Barbarei" sich ereifern, wenn sie von der Fortführung von Frauen und Mädchen sprechen. Denn nach den Feststellungen unseres Ludendorsf wissen wir ganz genau, worurn es sich handelt. Wenn Frauen und Mädchen genötigt worden sind, einen Ort oder eine Stadt zeitweilig zu verlassen, so ist es nur zu ihren* Heil und Schutz geschehen. Zerstörungen mußten im militärischen Interesse vollführt werden, soweit Anlagen vorhanden waren, die den nach rückend en Franzosen und Engländern Stütze u**d Hilfe gewähren konnte**. Auch der Berner „Bund" macht fast die gleiche Fest- ,tellu*!g, lDic sie uns aus der „Truth" entgegentritt. Er betrachtet diese Tat Hindenburgs (den strategischen Rückzug) als das Schwerste und Größte, was bisher an Entschlüssen von einem Feldherrn in diesem Kriege gefordert worden ist. „Dagegen verschwindet der Entschluß Moltkes, von der Marne auf die Aisne zurückzu gel>eu, Hindenburgs Entschluß, von Warschau auf die Warta zu weichen, Iossres Entschluß, sich an der Marne zu stellen, und Nikolai Nikolajewitschs Entschluß, Brest-Litowsk in Brand zu setzen und nach Osten abzuziehen. Mlc diese früheren Entschlüsse loaren teils w rter sofort wirkendem taktischem Zwang, teils in leichterer Hürnährue eines schwungvollen oder drangvollen Moments gefaßt worden; der am 17. März 1917 zur vollen Sichtbarkeit gediehe**e Entschluß Hindenburgs hingegen, den entscheidenden Zug im Endspiel zu tun, irrdem er die Armeen um die halbe Raumttefe zurückuimntt, ist die, Probe auf das Exempel, wer die besseren Nerven Hat in diesem unberechenbaren, aber dennoch von geistigen Gesetzen bewegten Kriege. Im st r a t e g * s ch e n Sinn ist Hindenburgs Entschluß, zu- rückzugchen, eine erlösende Tat. denn die deutsche Re konzentration stellt das Spiel auf dem alten Hauptbrett neu und damit -die Eirtschieidung frei. Frei zur Erkämpfung^ es ist ein Eröffnung o man öve r, was von der freudig oder angstvoll erregten Welt der kämpfenden und duldenden Völker ja nicht übersehen werden darf!" Die Revolution in Rußland. Das Zarenpaar gefangen gehalten. London, 21. März. Reuter meldet aus Petersburg: Tie Regierung hat ungeordnet, daß der Zar und seine Gemahlin als Gefangene betrachtet und nach Zarskoje- Sselo gebracht werden sollen. General Alexejew wird 7>en Abgeordneten Bousikow, Verschinine, Grrbomtme und Kalinine, die nach Mohilow geschickt ivurden, ein Detachement zur Bewachung des Zaren zur Verfügung stellen. Die Friedeusfordernng der revolutionären Arbeiter. Petersburg, 21. März. Ein weiterer Ukasderprovi- s o r *I ch e n Regierung lautet: I*rdem wir den gebieterischen Forderungen des nationalen Gewissens Folge leisten, ordnen wir im Namen der historischen Gerechllgkeit und zum Andenken an den endgültigen Triumph des neuen Regimes, bas sich auf Recht und Freiheit gründet, eine allgemeine politische Amnestie an. Zn dein Aufruf per russische** sozialistischen Revolutionäre, der sich in schärferen Worten gegen die vorläufige Regierung wendet, heißt es laut „Lokalanz.": Arbeiter, Ihr seid die Träger der russischen Umwälzung! Ihr wollt Brot, Freiheit und Frieden. Traut nicht de** Versprechungen des Bürgertums. In Euren Händen sind die wichtigsten Armeebetrübe. Haltet Euch bereit, den Befehlen, die das Aröeiter- komitee an Euch richte** wird, zu folgen. Wir fordern die sofortige Einleitung von Friedensverhandlungen^ Laut „Boss. Ztg." enthält der Ausruf der russischen sozialdemokratischen Fraktion die Friedens so rd erun g in folgender Form: Das russische Volk habe kein Interesse an dem gegenwärtigen blutigen Weltkriege. Es lechze nach Frieden und fordere sofortige Einleitung von Friedensverhandlungen. Auch in einigen asiatischen Gouvernements Rußlands soll die Revolution ans gebrockt** sein. In verschiedenen Blättern heißt es: Russische Armeekreffe intfci der hohe Klerus halte** die Ausrufung des Großfürsten Nikola* Nikolajewitsch zum Zaren für wunschens- wert. Zahlreiche Volksvertreter würden ihn unter allen Großfürsten bevorzugen, aber der sehr baachte**swerte äußerste linke Flügel ser grundsätzlich ant-dynastisch und besonders gegen die Person Nikolais eingenommen. Die Entente zeige sich bemüht, durch ihre Diplomatie auf die widerstrebende Arbeiterpartei einzuwirken, mit welchem Erfolg, hänge vom Vers-alten des Großfürstei* ab, dessen Beitritt zur Revolution bisher nicht entschieden genug gewesen sei. Wie in verschiede**en Blättern von angeblich gntunterrichteter Seite versichert wird, wurde der Zusatz in der Erklärung Milju- kows, der sich auf die Fortführung des Krieges bezieht, erst durch n a ch t r ä g l i ch e n s ch ä r f st e n Druck der Entente vev- anlaßt. * Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. . Wien, 21.März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Mürz 1917. Auf keinem der drei Kriegsschauplätze Ereignisse von Belang. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant. Die Lage im Westen. Amsterdam, 21. März. (WTB.) Das Rentersche Pu- roau meldet ans dem englischen 5)anptqnartier unter dem 20. März: Das Tenrpo des deutschen Rückzuges scheint sich in de** letzte** vie-rundzwanzig Svnrden beträchtlich verlangsamt ziu haben, eine Tatsache, fiir die das sehr stürnrische Wetter wohl anptsächlich verantwortlich sein dürfte. Ein heftiger A e q ** i n v c t ia l st n r m dnrchtobte das nördliche Frankreich, u**d wenn er sich auch mehr nach Norden gedreht hat und häufig ein flüchtiger So**nenstrahl durchbricht, so ist er doch noch immer sehr heftig. Viele Regenböen sind über das Schlachtfeld rriedergeganaen, haben aber nicht hingereicht, den Boden zu erweichen, der in de*n schneidenden Winde rasch trocknet. Ungeachtet des stür*ni- schen Wetters jedoch machen unsere Trappen bedeutend Fortschritte. Ter bulgarische Bericht. Sofia, 20. März. (WTB.) Amtlicher Heeresbericht vom 20. März. ^ Mazedonische F ront: Zwischen Ochrida- und Prespa- See wurde** nwhrere **eue feindliche Angriffe zurückgeschlagen. Fünf französische Maschinengewehre fielen in unsere Hund. Im Westen vo** Bitolia versuchte der Feind und* heftiger Artillerievorbereitung zweimal unsere Stellungei* bei Tschervana Stena airzugreifen, wurde aber buird? Ir.ner abgerviesen, wobei er zienw lich große Verluste erlitt. Ebenso scheiterte ein Angriff Fragen« Höhe 1248 und bereu östliche Abhänge an dem eiserner* Wider- stcnid «der bulgarischen und deutsche** Truppen. Bei dieser (^Gelegenheit erbeuteten die Deutschen ein feindliches Maschinen- gewehr. An zahlreicher* Stelle** wurde der Feind geznumgen, sich fluchtartig zurückzu ziehe**. In* Nordosten vo*i Bitolia und im Ki*ie der Tscherua lebhaftes Artilleriefeuer während des ganze** Tages und eines Teiles der dürcht. Im Norden vom Toiran-Soe versuchter* drei englische Kompagnien geger* unsere vorgeschobene Stellung bei Bresta Kaudjali vorzugehen, ivurden aber durch Feuer abgewieseu. Lebhafte Fliegerrätigleit in* Wardar- und Struma-Tal. Arif den* übrigen Teil der Frorrt FeuerrvechsÄ zwischen vorgeschob-erren Posten und Patrouill.mtätigleit. R u in d n * s ch e Front: Es ist nichts von Boderrtung zu melden. B e r n , 21. März. (WTB.) Der „Temps" meldet aus Petersburg: Ein gemischter aus Arbeitern und Soldaten bestehender Ausschuß tagt im Taurischen Palast. Tie Anhängerzahl der beiden Ausschüsse wächst. Am 20. März wäre** bereits 1600 Mitglieder eingeschrieben, wovon jedes einzelne tausend Arbeiter oder eine Kompagnie vertritt. Die Ausschüssse verlangen dringend die Einber**f*mg einer konstituierenden Versammlung, üs der Hofftmng, diese werde die Republik proklamieren. Sie verlangen ferner die Entfernung aller Romanows. A m st e r d a m , 21. März. (WTB.) Das „Allgemeen Handelsblad" meldet aus Loi*don, der Korrespondent des „Daily Ehroniele" in Petersburg berichtet vom Samstag, die einzige Wolke am Himmel sei die wirre Forderung der Fanatiker. Der Ausschuß der Abgeordneten sei durch Arbeiter und Soldaten zu einer *inlenkbaren Körperschaft von mehr als tausend Mitgliedern a n g e w a ch s e n und werde von den Sozialisten, die zum Test gemäßigt, zum Teil aber sehr extrem seien, und die ihre Theorien sofort in die Praxis umsctzen möckcken, bedrängt. Die Folge davon sei, daß der Ausschuß zu übereilten u**d einander widersprechenden Beschlüssen gezwungen sei. Der Einfluß der ordnungsliebe**den Elemente sei ab'er im Zunehmen begriffen. Der Heilige Synod hat das Gebet für die kaiserliche Familie Ms der Liturgie entfernt. R o t t e r d a m , 21. März. (MTB. Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Petersburg: Der M.i n i st e r r a t tritt täglich zusammen. .Das Ministerium des Innern unter dem Vorsitz des Fürsten Lwow u**d alle anderen Minister träte** ihr Amt an. Der VollziehungSausschuß ernannte in jedem Gouvernement Kommissare. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der provisorisckie** Regierung und der Duma ist gesichert. Die Kommissare der, Duma sind nach allen Städten des Reiches abgereijt. Dadurch ist ,das ganze Lano unter die Autorität drw Duma ***rd der provisorischen Regierung gestellt. Der Minister für Frnuland ist nach Helsingfors abgereist. Die Lebensmittelfrage wurde den Semstwos und de** Sachverständigen in den einzelnen Gemeinden anvertraut. Es kommen jetzt genügend große Mengen Lebensmittel in Petersburg an und werde** gegen geringe Preise an die Kleinhändler abgegeben. Ein Ausruf an die Armee. Petersburg, 21. März. (WTB.) Das Rentersche D**r«rtt meldet: Tie Regierung erließ einen Aufruf an die A r m e c, sie möge sich ihre Solidarität **nd Disziplin ungs- schmälert erhalten, um den Krieq zu gewinnen, da die Neugestaltung im Innern von der Srcherheit der militärischen Verteidigung abhänge. Petersburg, 21. März. (WTV.) Meldung des Reuter- lchen Bureaus: Aus dem Hauptquartier wird telegraphiert, dag die Truppen auf einem öfsentlichei* Platz versammeÜ wurden, wo sie unter Borautragung von rote** Falmen *md dem Singen der Marseillaise defilierten. Auf Wunsch des Großfürsten Nrkolai Nikolajewitsch verlas Alexejew de** Text der Abdankungsurkiurde und ermahnte die Tr*lppen, der neuen Regierung loyal 5 *i diene**. Petersburg 20. März., (WTB.) Meldung der Petersburger Telegraphe**-Agentur. Eure amtliche Mitteilung scher die anrufcn. Die am IG. SSätj abends auf dm Schiffen der Ostseeflotte stattgesnnden Haben, besagt: or . ^ n , e-en neue Steuern nötig. Auch eine Einschränkung der Einfuhr Jet erforderlich. Betreffs der Lebcnsmittcloer- bt f allgemein- Lage nicht beunruhigend, wenn mai ich beizeiten d,e iwtigen Beschränkungen auferlegc. Zum chUsche C ju fen Regierung, nur noch eine Partei, die fran , . a . r * s, 22 März. Im Senat brachte der Präsident bei Beginn der Sitzung die Wünsche der Versammlung für n? 3 f? tä f tS I . e Regierung zum Ausdruck, die Frankreich und Rußland hergestellt habe, wodurch es ein neues Elchen Frankreich und Rußland hergestellt habe. Du- bie Freiheit, die sich im Osten eröffne ^zn der Kammer gab Deschanel eine entsprechende Erklärung ab. Viviani schloß sich den Worten Dubosts an und verlas die ministerielle Erklärung. 1 an uno * Die Londoner Reichskriegskonferenz. März, (WTB. Nichtamtlich.) Reuter er- der^Re^sr^E ^E^"^^^^^ erste Beratung der Reichskriegskonferenz stattfand. Den Vorii» der Staats,ekretär für die Kolonien. Nach zweistün- Sitzung wurde die Konferenz bis Samstag vertagt chchtsTu tertfgSfe. 6DrteUft9 ub-r die Verhandlungen * * * 2tus 2Lmerika. .... Washington, 21. März. (WTB.) Das Marine- 2oStT^ Marinewerften den Bau von Weg bei, pritoten AZMMLLNW denkwürdige Odyssee über den Indischen Ozean nach Arabien unternahm. Die „Tsingtau" und ihr Kommandant sind nun berde zur Ruhe gebettet. Beide haben ihre Pflicht bis zum äußersten erfüllt. Die Namen beider werden in der Erinnerung des deutschen Volkes unvergessen fortleben. Die Verluste der feindlichen Kriegsflotten. Berlin, 21. März. (WTB. Nichtamtlich.) Mit der Vernichtung des gestern gemeldeten Schiffes der Danto-n- Klasw erhöhten sich die Verluste unserer Feinde an Krie-gs- schrffen (ausschließlich der Hilfskreuzer und 5)ilfsschiffe!) auf ruud 850000 Tonnen Wasserverdrängung. Das ist >o viel Krie-gsschiffstonnengehalt, wie Rußland und Japan zusammen zu Beginn dieses Krieges besaßen, oder nur sechstausend Tonnen weniger der Tonnengehalt oer Flotte der Vereinigten Staaten, der drittgrößten ver Welt, zu Anfang des Krieges. London, 21. März. (WTB. Nichtamtlich.) Reuter. ^5^l^nzvsrsche Segelschiff „Jules Gomes" ist am 12. Marz versenkt worden. K r i st i a n i a, 20. März. (WTB.) Nach einer Mitteilung der englischen Admiralität ist der Stavanger Dampfer „E x- v e d r t" (680 Tonnen) in oer Nordsee versenkt worden. Lissabon, 21. März. (WTB.) Nach einer amtlichen Meldung griffen zwei Tauchboote gestern die vier Fischerschisfe „Rita Segunda", „Flor de April" „Senora del, Rosario" und „Restaurado t" an und versenkten sie. §eekrleg. Das deutsche Kanonenboot „Tsingtau" in die Luft gesprengt. WnrMjä (WTB.) Reuter verbreitet die ^cachricht, daß das deutsche Flußkanonenboot „Tsingtau" vor Eanton auf dem Whampoa, dem Fluß, wo es seit seiner lbrustung AilSbruch des Krieges lag, von der an Bord verbliebenen Wachtbesatznng in die Luft gesprenat und oergenkt wurde. 1 ... Nachricht klingt nicht unwahrscheinlich. Wenn auch .Abbruch der Beziehungen zn Deutschland seitens 1 ^ en /^ c ^^ rUTt 9 noch immer keine zuverlässigen Nachrichten vorliegen, ist doch mit dieser Möglichkeit seit Innerer Zert stündlich zu rechnen. Ebenso wie Kber atiti 'n ? Xt lL mi } r en - ^binigten Staaten die Vernichtung unseres rn Honolulu rnternierten Kanonerrbootes „Geier" ein Ge- h Z'^'l*** und politischer Voraussicht war t^äre ^ 5^bchZertigt, wenn^sich jetzt der stellvertretende Komman- „Tsrngtau zu der Vernichtung des Fahrzeuges entschloß, andernfalls würde es, falls China unter dem Zxrck der Entente auf die Seite unserer Feinde tritt, diesen ^ atte[ zur Bekämpfung der deutschen Jnter- 31*™ ru China ausaeüefert worden sein. Der Name des Tu f{° le Erinnerung an seinen letzten helden- Etrgen Kommandanten, Kapitanleutnant v. Möller am'uih ^.b^.skung seines Schiffes nach Batavia mÜ ri l nr deutschen Reservisten auf einem alten Segelschoner, von ihm „Weddigen" genannt, jene rto g Nb. deutscher Reichstag. OAm,.Vmrdesratstische: Tr. Hel ff er ich. ^)r. Kämpf eröffnet die Sitzung um 1,15 Uhr. -rte zweite Lesung des Etats des Innern wird fortgesetzt. ^ Lrzent Riu m m (D. Fr.): Die Förderung des Wohnungswesens geht rm Reiche und in Preußen voran. Eine besondere Forderung verlangen rte Kriegerheime und die Wohnungsfürsorge für kmderteiche Familien. Namentlich nach dem Kriege müssen für das Kleinwvchnnngswesen erhebliche Gelder zur Veriümrng ve^chwind^"' ^ drietskasernensystem muß in Deutschland ^lrbeitsgeni.): Auch in Kriege darf die ^vsialpolitik nicht sttlljtchen. Besonders die Frauen und die Zugendliä-eii sind unter den gegenwärtigen Umständm auf das vermehrt werdm ^ ^ ^ ^ ^^erbeaufsichtsbeamten muß Staatssekretär Tr. Helfserich: Für die Anerkennung der ?o^wenblgkett mnes zweiten Unterstaatssekretärs danke ich dem Hau,e. xic Grunde, bic gegen eine Teilung des Reichsamts des Innern sprechen, schnnen doch die schwerwiegenderen zu sein. So- ^rrtschaftspolitik und Sozial- und Innenpolitik sind niiyt aus nnand er zu ha l ten, sie stehen faft immer in Wechselwirkung « e J£, C ^ 9wß, alles kamr bewältigt werden, wenn das notwrtidige Personal vorhairden ist. Wir arbeiten jetzt in unserer nur für den Krieg. Unser ganzes Wirtschaftsleben ist aui ihn emgcltellt, das bringt mit sich, daß die Frauen sich rn großer Zahl in den Dienst der Llrbeit stellen Kanonen und Granaten ist die Losung' Wrr werden aber trotz der Erfolge unserer Truppen imtarliecmt S\' Ult li e rW C bl l '^lUche Lira ft fehlen, alles zu tun' was die ^chalsftunde des deutschen Volkes gebieterisch von uns ' 3 ? tr , tT1u J f ) -? 1 S-y} , em von Sentimentalität gegen den Feuud und gegen uns ,elbfb Alles, was zur Milderung der Zeit geschehen kanN'wlrd geschehen Wir werden beim Wiederaufbau Unseres Wirt- chaftvlebm. alles tun, um für eine besondere Struktur unseres Wirt,chaftslebens zu sorgen, ikamentlich auch hinsichtlich der Ver- ttilung der Rohjto.se. o.er Arbeiterschutz, auf den ioir stolz siiid ^geschrankt werden, wo es die Notwmdigkeit verlangt' miarnrhnr? 1 ^?^ 11 Reichskanzler überhaupt noch nickst tia? ^ ^ bu'ch das Ermächtigungsgesetz dazu berech- Valkes' zu'^cbern^Ä^ NL iS?' ^'"irdheit des arbeitenden e fögerrtert Festung, dennoch haben wir die niedrigsten Getrerdepreiw. Dre Transportschwierigkeiten haben Anlaß zu Vor- wurfen gegen die Eißmbahnverwaltung gegeben. Diese sind aber unberechtigt. Es lag an dem mangelnden Material, an den Trup- Penver,chiebnngen usw. Auch währmd des Krieges sind Lokomotiven uno Wagen in großer Zahl bestellt worden. Alle Eisenbnhn- beamten bis gu dem kleinsten Cisenbahnarbeiter haben ihre Pflicht voll getan (Bravoft Beider Kohlennot spielte der Frost eine große unbenutzbar waren. Zu Begrtn des Kneges hielt das Volk weil zu viel von der Zauberkraft der LZanr!sat'wn, fetzt urtterschätzt man sie. Ter Vorwurf, der deri r-'l/chafteu genmcht wird, daß sie mit großer JScrfrfrten* hf« Kaufmännisch berechnet sind Gelegeutlich müssen wohl mal höhere ^ im allgemeinen sind aber die gebotenen Grenzen Nicht überschritten worden. Herr von Brockhausen meinte di? ^/^^chsZ'^tigen Wirt,chaftlichen Mobilmachung hätten wir ^'sO^enwartigen Schwierigkeiten nicht bekommen. Solche Ent- ^Engrtme wrr sie fetzt haben hätte niemarid von uns vor einigen @, n - tonn ^ ^ur dre Zukunft werden wir unsere Eine wirtschaftliche Mobilmachung das ist me Sozialpolitik und unsere W'irt- lwbe rmd^^' unfere Sozialpolitik haben wir die Vaterlands- d i e v a te rlä rrdi sch e Treue unserer A rbei t e r s chäs t ^f<^4y^währt hat und die sich -nicht rauben läßt aurt ^d^ÄÄ^^ßerungen. daß sie Schritt für Schritt den'h^rr- ÄS, r nb ®E£pmgJiite abgernngen Werdens' lege entschieden Verwahrung ein. Tie So- 2 ur ben/. Willen Kaiser Wilhelms I., dem wir 2 ! . anL bntfhd)tet sind. (Bravo.) An dieser Sozial dieses Hauses mitgearbeitet. (Zustim - Wir werden auch in Zukunft bei dieser Sozralpolttik Merken. Unsere Wirtschaftspolitik hat sich so bewahrt Lmft wir nächst England das erste Land ans dem Weltmarkt waren Hinsichtlich des Wiederaufbaus unserer Handelsflotte oer "Nt den Reedereien. Es wird alles geschI-V drestii her zu stellen. Für uns und umere Verb-iude- L" wird nach dem Kriege das,Wort gelten: Einigkeit macht stark. ^ Dwri^r. Wirtschaftskonferenz rrteder die Ausland anknüpfen zum Segen unseres Vaterlandes und Europas. Fiir unsere Truppen heißt die Parole- *«Är : ^uEalten! In diesem Zeichen ÄS ÄfÄ nis Entgegenkommen dem Handwerk mit Verstand- , . ^ olkenbn h r (Soz.): Staatssekretär Helsferich bestrei- t, , daß ^ozialpolittk der Negierung ab gerungen iworden ist Sr?” da eine Rede des Fürsten Bismarck nachzulesen juj^ r 2 'tUOtrt, ohne Sozialdemokratie es keine soziale Gesetzgebung gegeben hatte. Tie Löhne wid Renten müssen sich ' Teuerungsverhalttrissen anpassen. Tas ganze Arbeiterreckt Micht^wl^ertikll^^' iUmai bl ° Arbeiter ihre vaterländisch^ ger wirtschafte^ ^ ^ Kriegsgesellschaften müssen billi- »sä« asttÄfls* -«-» Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der heutigen 6^esordnnng und Novelle zum Reichsstempelgesetz. — Scki'lch (WTB.) Dem Reichstag ist ein ber Abgeordneten Lresching, Gröber, Hirsch, von Payer ^gegangen, in derr Etat des Reichs am tsd^ Innern euren Beitrag von 100 000 Mark einzusetzen zu den Kosten 6on E"twürs«, für L WK S G r o ß schiff ahrtsweges vom Rhein zur Tnttmi Reaenswn-a ^^Ä^Aich der Schiffbarmachung der Donau von V^ 111 'Ew der Schiffbarmachung des Obere Hein ^ und ferner Verbindung über derr Bodens'oe mit der Dorum. $ ie Ernährungsfragen im Reichstag. l St ^ er Ernährmrgsausschuß des S Ö rt e y r f ^ UtC Mittwoch wieder zusammen und be- chloß bie Einsetzung eines Unterausschusses, der mit Ver- retern des Kriegsernährungsamtes die Differenzeil beheben oll die zwischen den BimdesEsbeschlüsseu über die neuen prerse und den Beschlüssen des Ausschusses bestehen, ins- ogsoridere rn der Preisfeststellirng der Schweine. Nach einer weiteren Geschaftsordnungsdebatte verhandelte der Ausschuß über Gerste, Malz und Bier. hessischer Landtag. Zweite Kammer. Das Hm,s setzt die TarMftaÄt. 21. März. Beratung des Staats voranschlaas 80^5 abgebrochenen allgemeinen Erörterung über den Etat des Mmrsterrrrms des Innern fort uaei oen Abg. Uebel (Zenrt.): Das „Sstydm Batocki" sei eine bitters Enttäuschung gewesen. Ter Redner geht daraus irärtr ein kfrfc bie hessische Regiernrrg' eine zu große Willfährigkeit) WAtawsSBiS Lvccmierrr ade Bevanlassung, sich, reckft still zu Verhalten: aller-' Vings hatten sie sich ja noct# rechtzeitig in dos bürgerliche Lager, jMettet und seien von her Regierung, welck«e ihnejn eines ihrer! besten Mastkälber geschlachtet habe, mit Rührung ausgenommen! worden. Tie Lairdwittsftaftskaminer habe nur von einigen Saat- gutzüchtern rücklialtlose Anerkenicnng gesunden, die meisten Land- nnrte seien anderer Meinung. Der Preis für die Saatkartoffeln sei viel^-u hoch und grenze schon an Micher Wenn der Minister erklärte, der Bedarf an Saatkartofseln stelle sich auf 170 000 Zentner, vordem erst 65 000 gedeckt seien, so sei das unzutreffend; Der Bedarf stelle sich aus mindestens 200 000 Zentrier. Tie Zahlung von 70 Pfg. Provision für den Zentner Saatkartofseln sei viel zu hoch, da doch der ErNpifänger das ganze Risiko traget Nmsse. Er habe sich zu dieser Kritik im Interesse des Vaterlandes genötigt gesel-en. Abg. Korell-Ingelheim (fts. Dpt.) bespricht ebenfalls die Maßnahmen zur.Lebensmittelver>orgung und beklagt, das; den Anregungen des Kriegsaussch-nsses viel zu spät Folge.gegeben worden sei. Die angeordnete zwangsweise Ablieferung von Speck sei keine Einengung des Nahrimgsmittclbedarfs der Landwirte. Wenn jetzt schon gewisse Kreise von einer großen Abrechnung mit anderen Ständen drohten, so sei das zu bedauern und sei unwürdig der Zeit, in der wir leben. Freudige Anerkennung gebühre allen denjenigen, die jetzt noch ein Stückchen Idealismus bewahrt haben. Tie sich breit machende Splitterrichterei sei zu verurteilen. In die Landwirtschaft habe sich die Profitsucht erst dadurch Eingang verschafft, daß sic die wahnsinnigen Kriegsgewinne der Industrie immer mit angesehen habe. Der Bauer aus dein!. Lande habe das Herz immer noch aus dem rechten Fleck. Zu beklagen sei die mr- günstige Stimmung zwischen Stadt und Land, woran zum Teil die frühere Geringschätzung des Landes Schuld trage. Andererseits werde aber auch den Städterir vielfach unrecht getan, wie die jüngsten Ausführungen des Mg. Mergel! bewiesen. Man müsse die arbeitenden Märmer und Frauen in den Werkstätten sehen, es sollte das Elend der Städter dem Landwirt im Kinobild vorgefühtt werden. Bor diesem stillen Heldentum der Städter habe er alle Hochachtung. Ter Redner tritt dafür ein, daß die vom Lande in den Städten tätigen Dienstboten mehr zu. den Land- wirtschastsarbeiten herangezogen werden und eine größere Beurlaubung von garnisorrdienstpslichtigen Lercten erfolge. Eine staatliche^ Kontrolle des Sämereihandels und der Baumschulen werde nicht zu umgehen sein. Weiter bedauert der Redner, daß die Bildung der hessischen Obst- und Gemüseftelle so langsam vor sich gehe. Wenn das Gerücht wahr sei, daß die Gemüsemärkte geschlossen werden sollten, so würde er das für euren großen Fehler halten. Tie Landaufkänfe seien eine recht bedenkliche Sache. Es seien im Gwßherzogtum etwa 44 Prozent der landwirtschaftlich ge- urützten Fläck^e in den &ÖTtbat von wenigen Standesherren. Tie Regierung sollte die Besitzverhältnisse im Sinne des fortschrittlichen Antrags festzustellen bestrebt sein. Nach einer Frühstücks parsse richtet Präsident Köhler das dringende Ersuchen an die Redner, sich, kurz zu fassen, da die Verhandlungen, ev. mit Hilfe von Nachmittagssitznugen, unter allen Unrständen noch diese Woche zu Ende geführt werden müßten. 'Abg. Hartmann (Soz.) macht längere Ausführungen zur Volksernährrntg. Tie auf dein Lande lebenderr Nichtselbstversor>.7er seien ungünstiger gestellt, als die in den Städtgn. Tie Stellung, der kleinen !8anern sei in Hessen überhaupt nicht glänzlend. Der Bauer erl-alte für den Doppelzentner Raps nur 60 Mk. vergütet, während für das daraus gefertigte Oel 327 Mk. bezahlt würden. Es urüßtc bestimmt werden, daß der Liter Oel nicht über 2 Mk. kosten dürfe. Sehr schädlich seien in den Städten die vielen Konditoreien. die ihr Rohmaterial einkaufen könnten, .auch über di^ massenhafte Verwendung israelitischer Händler bei der Verteilung der Lebensnüttel werde auf dem Lande geklagt. Wg. Henrich (fr. Vpt.) meint, die Landwittmschaftskammer dürfe dock nicht zu selbständig handeln und z. B. ohne Hinznziehung der üommnnalverbände bestimmen, daß die Heranziehung der ^peisekattoffeln für Saatzlwecke erfolgen solle. Die Einführung einer Reisekattoffelkatte würde er für sehr zweckmäßig halten. Zur Mllch- frage bemerkt der Redner, die Llbliesernng von 2 Liter Milch pro Kuh sei nicht ausreichend, um den notwendigen Bedarf der Städte zu befriedigen. Vielleicht empfehle es sich, für die Milck, die über 2 Liter hinaus geliefert )vird, einen Preisausschlag zu bewilligen. Beim Abschluß von Lieferungsverträgen kämen viele Mißstände vor. Infolge des großen Mangels an Saatgut werde die Lieferung von Frühkartoffeln sehr schwierig sein. Die an und für sich not- wendigen Reichsgesellschaften müßten besser organisiert werden. Der Redner stellt znnr Schluß seiner Ausführungen bm Antrag, a) die Regierung zu ersuchen, beim Bundesrat die Einführung einer Reicksreisekattosselkatte zu befürworten und b) die vorhanoenest Kraftfutterftosfe den Städten und Gemeinden zu überlassen, die sich auf Grund von Verträgen selber mit Milch versorgen wollen. Abg. Eißnert (Soz.) ist der Meinung, daß der Mangel an Geinüsen im vorigen Winter weniger durch die Frostschäden verursacht worden sei, als durch Hamsterer und Wücher. Die Fleischversorgung sei auch jetzt noch sehr mangelhaft, besonders in den Städten. Auf dem Lande würden noch große Mengen Butter auf. Schleichwegen weggeschafft: besonders groß sei auch der Mangel an Fett, das z. B. in Osfenbach fast gänzlich fehle, auch Eier bekomme man dort überhaupt kaum noch zu sehen. Die behördlich bestellten Ereraufkäufer würden die Eier vielfach unter der Hand zu Wucher- Preisen weiter verkaufen. Die Verteilung der Schlüsselware lasse ebenfalls sehr zu »Pünschen übrig. Eß sollte die allgemeine Einführung von jKündenlisten in Stadt und Land erfolgen. Die Verteilrmg der Ware solle nicht durch den Großhandel, sondern birrcf) die Vereinigung der Kleinhändler an das Publikum erfolgen. Tie Sitzung wurde darnach um 1 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Donnerstag ftsth 9 Uhr. 9. Sitzung der neunten ordentlichen evangelischen Landessynode. 21. März 1917. Der Vorsitzende Kirchenrat Din gelbey eröffnet die Sitzung 9 Uhr 20 Min. mit einem von Synod. Georgr gesprochenen Gebete. Als erster Punkt der Tagesvüdnung kommt zur Verhandlung eine Vorlage des Großh. Oberkvnsistoriums über die während des Krieges im Heeresdienst stehenden Pfarranits- kandk>aten, wonach beantragt wird: 1. Die während des gegenwärtigen Krieges im Heeresdienst Ziehenden, noch nicht fest ange- iielllen Geistlichen erhalten vom 3. Dienstjahr ab Än sprach an, ^chegehali sowie *ben ihrem BesokdrrngZdienstalhn- Gelxllt obres definitiv angestellten PsarrZ'SÄ Dsarrgehalt ruht irü>cs bei daiiauigan, »s Osftzicre, etatsmämgr Feldprckiger, höherr ein an deren Bezüge heranreichnckes militärisches rf; n * mnni)n1 u p ßL.?■ Nach; 5 .nteWu6 H«ben Rechte für inejeiuoeit aulrechterhallen, dre innerhalb anaemeisemn- Früt nach Rückkehr ins Zivilverhältnis sich zfchf Kirckendienst Mcker zur Verfüg ftcrten. Judes erlöscht Ke bei & Wc miicrf>alb eines halben Jahres na» ©icbewhitritt inhenKircheiie bicinft fi» um ine Erlangung befnutu*r Anstellwig Wfa ^Gegenwärtige Bestimm,mg tritt mit b™ D - 916661 Enterte die Vorlage mit Der Ausschuß hat Zusümmung zu den Vorlagen beantraat Synod Fuchs wünscht Erleichterungen des Examens für die rm ^olde stehenden Pfarramtskandidaten, die auch wäbrend dem Kriege Gelegenheit finden müßten, ihr Examen z7machen Synod 'Bachseld sttmwt dem Vorredner zu. Synod E ck Gießen weist nach ^ bisher schon alles geschehen sei, um das' Ermn« nach Moglrchkeü zu erlerckstern, ichlreftt srch rm übrigen aber den Ausführungen des Oberkonsistoriurns an. Oberkosislorialrat F l ö r i n g verteidigt den Standpunkt des Oberkonsistorium«. Nach wenigen kurzen Bemerkungen des Synod. Wagner zu Gießen über die Kandidatur im Felde und einem Schlußworte des Wirkt. Geh Rat D. Nebel wird die Vorlage angenommen. Es folgt die Beratung des Berichts über die Verhältnisse der evangelischen Landeskirche jip der Stznodalperiode 1910 bis 1914. (Berichterstatter Synod. Jondt.) Aus dem Bericht sei erwähnt, daß die Zahl der Altlutheraner im Jahre 1908 992, im rm Jahve 1914 dagegen 1047 betrug. Freiprotestanten gab es 2660 gegen 3136 im Jahre 1908, Sekten und sonstige Ge- nrenrschaften 6850 geg-eü <2377 in 1908. Austritte fanden von 1909 bis 1914 statt: Zu den Katholiken 119, zu sonstigen Gemeinschaften 993, ohne Uebertrrtt 422, zu den Juden 2. Ueberttitte zur evangelischen Kirche: von den Katholiken 1079, von sonstigen Gemeinschaften 135, von den Juden 39. An die Berichterstattung knüpfte sich eine längere Anssprache über einzelne P mrkte d es Berichts von g eringer Bedeutnng. Arrs Stadt und Land. Gießen. 22. März 1917. ** Studttheatev. Am kommenden Samstag können die Vorstellungen wieder ausgenommen werden und zwar wird te Mitglied unseres hiesigen Stadttheaters, nrid Herr Karl K ö t s ch a u sanken in abwechssungs- reicher Folge Lieder von Hildach, Gounod, Schumann. Mendelssohn, Brahms usw. 5perr Karl Burk spielte Svcndsens Romanze und Kübeliks ,,Serenade" ftrr Geige. Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Pauk Pieper übernommen. Mit diesen Tarbiettlngen wurden den anwesenden verwundeten Vaterlands verteidigerri ein langentbehrter Genuß geboten, wofür sie durck> reich gespendeten Beifall die Dankbarkeit zeigten. ,** T ie erste Marmelade-Verteilung sindet von Freitag, den 23. März 1917 ab in den Geschäften statt, bei denen die Einttagung in die Beftell-Liste erfolgt ist. Es entfallen auf die Person 250 Gramm Marmelade. Näheres siehe Bekanntmachung. Landkreis Gießen. n. Göbelnrod, 22. März. Vorgestern abend 8 Uhr fand in der Schepp'sck)en ^Wirtschaft idahrer ein Lichtblldervortrag über „Deutsckl Leitung trugen sehr schöne Vaterlandlieder und volkstümliche Gedichte unserer Kriegsdichter vor. Kreis Friedverg. = Friedberg, 22. März. In der neuerbauten, Feuerbestattungsanlage fand dieser Tage die erste Einäscherung statt. Hessen-Nassau. = Frankfurt a. M., 22. März. Seit der Ankündigung der verschärften Ueberwachnng des Lebensmittelver- k e h r s auf der Eisenbahn lverden die Züge einer genauen Prüfung unterzögen. Besonders in den von Obertzessen, der Rhön und au* Bayern hier eintreffenden Zügen ^werden die Reisenden scharf aus Herz und Nieren geprüft Am Montag und Dienstag ftelen den Konttollbeamten bereits erhebliche Mengen von Butter, Kar- tofsellr, Eiern und Fleisch in die Hände. Die Waren wurden beschlagnahmt und denr jeloeils zuständigen Kommunal verbände zu geführt. Aiechirche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, d. 24. März 1917. Vorabend: 6.30 Uhr. Morgen- 9.00 Uhr. Abends: 6.55 u. 7.30 Uhr. Letzte riachrrchten. Ein deutscher Hilfskreuzer im fernen Osten. Frankfurt a. M., 21. März. Tie „Franks. Ztg." berichtet aus Stockholm: Wie gemeldtt wird, ordnete der japanische dldmirall stab wegen des Erscheinens eines deutschen Hilfskreuzers im fernen Osten an,, daß alle Fahrzeuge in japanischen Gewässern durch Kriegsschiffe begleite! werden sollen. Eine Basis für deutsche Tauchboote im fernen Osten soll, wie es weiter heißt, festgestellt worden sein. Frankreich verheimlicht. m ^ r ?, 21. März. Der gesamten ftanzösischen Presse ist die Veröfsenttichung der amtlichen deutschen Meldung über das (Ägeo nis des deutschen U-Boot kr reges im Februar von der Zensur nicht gestattet worden. ^ Finnland. Petersburg, 22. März. (Pet. 2^l.-9kg. Die provssorisck-e Regierung veröffentlicht ein Rtmrifest das die finnische Konstitu tton völlig bestätigt imd ihre volle Anwendimg anordnet. Das INanifeit gewahrt außerdem eine 1 veitgehende polrtischc Amnestie und schreibt für die nächste Zeit die Einberufung des Landtags vor Session des amerikanischen Kongresses. . D)^^^ssI.to n, 21. März. (Räuter.) Wilson hat eine außerordentliche Zession des Kongresses ft'ir den 2. April einberufen. Das Urteil im Getreideschiebungsprozeß. Graudenz, 22. März. (L.-A.) In dem Getteideschiebungs- prozetz der gestern vor der hiesigen Strafkammer verhandelt wmrde abends um 10 Uhr das folgende Utteil verkündet 7 do^nbahngehrfte Polenz eristelt 2 Jahre Zuchthaus und 3000 Mark Geldstrafe, ferner wurde aus Verlust der bürgerlichen EhrenreAe auf dre Saug: von fünf Jahren erkawrt. Der kommis sarciche Eilenbähngehrlse Tvatz wurde zu 2 Jahren Gefängnis und znm V^lust der Fähigkeit zur Belleidung öffentlicher Aemter E. bre Daun: von 5 Jahren verurteilt. Der Gastwitts so hn Jäschst erhielt 1 ^ahr und 5 Monate Gefängnis und 3500 Mark Geld- strafe: der Windmühlenbesitzer Leonhard Malicki 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 3000 Mark Geldsttafe und 5 Jahre Ehr. v^st: der Organist Valerian Malicki 6 Monate Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe sowie 2 Jahre Ehrverlust: der Müller Rybarozyk 3 Monate Gefängnis und 3700 Mark Geldstrafe Frau Jchchke wurde freigesprochen. Ter Eisenbahngehilfe Vötzke wurde zu 150 Mark Geldsttafe verurteilt. Amtltcher Teil. Vaterländischer Hilfsdienst. Aufforderung des Kriegsamts zur freiwilligen Meldung gemätz § 7 Abs. 2 des r«esetzes über den vaterl. Hilfsdienst. Hierzu gibt die Kriegsamtsstelle Frankfurt a. M. bekannt: Zlvecks Verwendung in der Heimat, Etappe oder in den Gene ralgouvernements Belgien und Polen wird eine größere Anzahl hilftdienftpflichtiger Aerzte gesucht. Durch diese Aerzte sollen Aerzte für die Front ftergemackr werden, wo dauernd ein großer Bedarf ist. Meldungen sind unverzüglich schriftlich an die Kriegsamtsstelle Frankfutt a. M. unter genauer Angabe von Namen, Wohnort und Wvhnung zu richten. Den sich Meldenden wird von hier ein Fragebogen zugesandt, dessen baldige Ausfüllung und Rücksendung erforderlich ist. 2326 B Kriegsamtttelle in Frankfurt a. M Saaneu-Zlcge, Erstiino. vochlrachlig,, weit}, ohne ■voctter, zu verkaufen. [2.31 Fr. Jttckel I., Gründern. ^ Eine kräftige, trächtige s!irF u ,.„._ steht,vi verkaufen. Äaüdsim “ ü. Blaber, Hausnumm. 149. 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Schriftführer ' 2317O lalfSP Karl Seybicke Landstu.mmann. .Er gehörte unserem Verein seit Jahr, U 5 ?.?at uch besonders als Vorstandsmitglied ren an grobe Verdienste erworben. Sein offenes und ehrliches Wesen, die Aus- rrchngkett und Lauterkeit seiner Gesinnung haben rhu uns wert und teuer gemacht. Sein Andenken wird bei uns uuvergefflich sortleben. Bäuerischer Gesangverein Giessen. Olaabrechitsiraßc 9 zwei 4 Zimmer Wohnung. 1. Stock und Alansarde zu vermieten. Näheres bei H. Herrmann, Ederstr.3. 12040 als Auöträgerin halbtags gesucht. 12309 2l. Frees'sche Uuiv.-Buchb. Am Seltersweg Für 1. Avril saubere , 1 "'^ 3 Zimmer | SällfffOH l^iöSjtll ^717« Stunden vor- und Sc, öae S : zi» BePTOMBa zu , ISS ! verm. Nah.Wolntr.13 101605 - J ge| ’ -^cattlitrage . Tüchtige 12240 j Verschiedene ! n s- i " Kl. Wvbnnug zu verm. per I.od.l5.Avr.Neueuweg28. 1 ** M gj 6 ^ g ß852SUÖI Sragmifiart Indmeij Pension Brand! HensnBä^e- iBellevue)Zim. m.u.ohneBer pfleg, f. jede Zeitdauer. Wlit- rag- u. 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Man beachte: 1 »Juwel'" ist onübertreffUcheO '' Griginalfodrlkal! 9 „flatocl" ist ans Metall (kein Um Gisen), daher solid t »fjattrt“ hat die handlichste und kürzeste Form und können deshalb Schuhe wirklich damit repariert werden! »Juwel" hat im Heft gelagerte Melallspule. deshalb kein Ver- wickeln u. Abreiben deS FadenSl „Juwel" hat i. Heft einen Nadel * behäIter!„Juwel" kann deshalb niemals mit billigen hölzernen oder metallenen Nachahmungen verglichen werden, die alle kaum einen obiger Borzüge besitzen! Gencral-vertrieb tadesaessclmss für Frauenarbeit im Krieg. März an, Von heute Donnerstag, den 22. befindet sich das Bureau IJ@bif|sf 9 *ass© ü, im Gartenhaus rechts, des Herrn Justizrat Grünewald. Geschästsstunden: Montag, Donnerstag und Freitag vormittags von 10—12 Uhr. Für den Ortsausschuß Gießen: Frau M. Naumann. Frau B. Gebhardt. 2287D ! 8. Höpfl, München 70 LanbweristraHe 39. _(1469ss) Kindermädchen gesucht. 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Verschiedenes. 2327v Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erforderlich. Dienttanzug und Helm. Der Vorstand. Anträge für die Hauptversarnmlung nebst Begründung tlilrtl 1 v vl\ Artv _1.. V _ Ti r. n rv sind nach Satz 20 der Satzungen mindestens 8 Tage vor her bet dem I. Hauptmann schriftlich einzuretchen. Ttkilllchlell-Bestlis-GesellslhllstGießev. Union ißpdttnFnhi(>ii: