Ur. 4 Z Otffi« VIsü ^rschrint lü-llch mit Ausnahme des Sonntags. 1,67. Jahrgang Beilagen' ,.Si-ü«mr zamNiendlLtt-r" und „KmsMett fit den Kteis Kietzen". p«„ch.a«n>»: jyranfftm «m Main Ne. H686 Sankver,rl,r: «ewcrbebank Kietzen. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Samstag, 2\, Zanuar \9\T Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUnroersitäts-Buch-u.Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrcche?. Geschäfwilelleu. Verlag: Schriftleitung: 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen. Mb. veutscher Reichstag. 82. Sitzung vom Freitag. 83. Februar. 1 Uhr nachmittags G«f^Röd-rn^ d-"ü>«rats: Dr. Krlffrrich. Tr. Lisko. K ämpi eröffnet die Sitzung um 1 Uhr, Präsident Tr. 5 Minuten. ft.SJ'E Tagcsarchnimg stehen znnüchst Anfragen. Der Mg Sw^avich hat seine glnsrage juegen «alvarsan znrnckgeMgcn. mm.) fragt: Wegen fahrlässige, urä, cntfrfnitbbarm Irrtunis begmigmer HandlN.rgen gegen di Irrrtschiastlicn cu Kncgsge,e.tzc rst eine FMe »an Bestrafungen er folgt. iber Herr Reichskanzler bereit, daächber Auskunft si ö*rat, ob und m welchem Umfang die Regiernng die Einsührun, des Instituts der bedingten Verurteilung zunächst wenigstens für di K riegsmoßregeln befürworten will? Direktor im Reichsjusttzamt Dr. Delbrück: Tie Frage der (£m fuyrung des ^^.nsttttttes der bedingten Verurteilung wird im Zu lammen bang mit der allgemeinen Reform des Strafrechtes ge imuft werden, ^rcse Maßnahmen in gegemvärttger Zeit, fei' es auel nnr als Knegsmatzregel, einzufülwcn, ist nicht in Aussicht qe- nontnien. ..Ibg. ^tadthagen (Soz. Arb.) fragt nach Maßnahmen zur (oulwiuugen von Wahlverfemmlnngen in geschlossenen Räumen. iLine-^derai'tige Versa mnttimg in Potsdam sei verboten worden. ^_ Direktor int Reichsamt des Innern Dr. Lewaldt antivortet kurz. „Zur zlretten BeratiUig steht hierauf der Gesetzentwurf, be- ^enercd die Einberufung von Hilfsrichtern zuM R c r ch s m r l i t ä r g e r i ch t. !D^c Vorlage lvird in zivciter Lesung imter Abkelmmig der ,Avande:uugc>au träge angenommen, ebenso nach einer kurzen Bc- merttrng des Abg. StadtHagen auch in dritter Lesung. Es folgt die erste B-emtuntz des Michshaushaltsetats der neiren. Steuervorlagen und der neuen Kviegskredite. Staatssekretär (ö r a s Rödern: Seit der regelmäßigen, nn begrenzten, Anwendimg der U-Boote haben sich die englischen Minister in besonders unfreundlicher Form! in den letzten Wochen immer wieder mit uns beschäftigt. Allen vv-van mein Spezialkollege Bonar Law. Er war cs, der uns vor kurzem seine Beschimpfung über den Kanal bin über rief, in der er die Natur des Menschen der Natur d«s Deutschen gegen- üverstellte, eine Beschinrvfung, von der ich mit Recht amtclrntcn muß. daß )i€ die Teutscl>m als solche besonders stark empfinden. Ich will nicht dem englischen Schatz kau.fter in die Sitten dep hourerstchen HÄden folgen, die sich während des Kampfes Schimpf- v«rte entgegerrriefen. Sonst müßte ich mit hartem Ausdruck für die von dem englischen Ministerium mitgezeichnete, wenn nicht inspirierte Beantwortung der amerikanischen Friedensnote einen Vorwurf bewußter Unwahrheit aussprechen (Zustimimmg), ein VorwuN, der auch für englische Ohren besonders empfindlrch sein soll. Es ist angesichts der vorerwähnten Ausführungen unserer Gegner vielleicht nicht wrnütz, immer wieder an diesen Sachverhalt zu erinnern angesichts der Aeußerungen, die uns zum weiteren Äusharven nötigen, die unseren Willen züm Sieg aber auch erhärten müssen und die uns verpflichten müssen, unsere Rüstungen in militärischer, wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung lückenlos zu erhalten. Mit dem Etat gehen Ihnen Steuervorlagen zu, die 1.250 000 000 Mark neuer Stenern für das nächste Jahr Vorschlägen, bis wir später eine weitere Kriegsgewinnsteuer vorlegen, und neben denen noch die Bitte einhergeht, einen weiteren Kriegskredit in der nvch nicht dagewesenen Höhe von 15 Milliarden Mark zu bewilligen. Ter Staatssekretär geht aus die Bilanzierung des Etats näher ein und auf seine Unterschiede gegen den vorjährigen und hebt besonders die Einstellung neuer Beamtenstellen bei den Betriebsverwaltungen der Eisenbahn und der Post hervor. Er verweist aus die beim Reichsamt des Innern sich ergebenden erhöhten Leistungen auf Grund der Versicherungsgesetze, die vor allen Dingen sich aus der Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre sich erhoben haben. Das veränderte neue Gesamtbild erllärt sich hmrptsächlich aus der Verzinsung der inzwischen bewilligten Kredite; die Verzinsung sei voll ausgenommen worden. Mit dem Betrage von 8,4 Milliarden Mark würde der ganze Gesamtaußvand der bisher beioilligtcn Kriegskredite von 64 Mil- Xkxben Mark sogar der früheren Friedenskreditc gedeckt. Nach weiteren detaillierten Ausführungen über die Etatgestaltung bei dem Kapitel der allgemeinen Finanz Verwaltung würden, noch verschiedene Möglichkeiten der Vereiinachnng des Etats für später angedeutet. Für die Deckung des Vöehrbedarfs wären drei Wege denkbar gewesen: Aufnahme einer Defizitanleihe, Einstellung der laufenden Kriegsgmvinnsteuer oder Einbringung neuer Steuern. Nachdem der Sümtssekretär die beiden ersten Wege als nicht vereinbar mit Der bisherigen soliden Kriegsfinanzierung bezeichnet hatte, ging cr Frage über, welche Steuern im gegenwärtigen Mo- mente überhaupt mir in Betracht kommen können, und wies auf me Notwendigkeit bin, alle Steuern zurzeit von dem Gesichtspunkte guter organisatorischer Einfachheit und von dent der Steuerst) stematik zu prüfen. Ter Staatssekretär ging sodann zum Sicherungsgesetz und zu dem Zuschlag zu der bisherigen Kriegsgewinn- iteuer über, stellte für später eine Neuausbildung der Kriegsgewinn^ Iteuer in Aussicht und hob hervor, daß die Formulierung sicher erp nach den Erfahrungen der jetzt beginnenden Veranlagungen erfolgen sollte. Das Sicherungsgesetz sei dagegen mit der Rücksicht auf den Abbau des letzten Sperr- jahres notwendig. Dieses Sicherungsgesetz sehe eine Erhöhung der vorgeschriebenen Rücklage von 50 auf 60 Prozent vor. Es brmge über in dem Etatsjahr noch kein neues Geld. Deshalb iMde sich der Zuschlag zu der bisherigen Steuer als notwendig erwiesen. Ner Staatssekretär wies darauf die Wirkungen dieses Zuschlages auf die einzelnen Sätze nach und ging sodann zur Ko.stenpeuer über. Nach Besprechung der sonstigen Energiequellen, sowie der Entwicklungsmöglichkeiteu der Kohle, die zum Teil technisch noch nicht abgeschlossen feien, kam der Staatssekretär zu oeni Ergebnis, daß imter Energiequellen für den steuerlichen Zugirff M,nur die Kohle in Betvackit komme, die auch zahlenmäßig im Verhältnis zu anderen Energiequellen das größte Objekt darstelle. Wert der gesamten in Deutschland gesövderten und bisher emgeführten .Kohlen tverde aus der, Zeit vor He^n Kriege auf etwa 2,5 Milliarden Mari zu schätzen sein. Förderung und Einfuhr Und verhältnismäßig leicht überwachbar. Bei der Förderung handelt es sich nur um wenige lfftternehmm, die schon jetzt in Bezug auf die Tonnenzahl der Förderung einer staatlichen Ueberwachung unterliegen. Sollte man sich im gegenwärtigen Moment für eine Heranziehung der Kohlen entscheiden, so um auch die Frage nach der Form zu beantworten. Eine Ueberführung der Bergbaubetriebe auf das Reich hat man dabei von vornherein als unmöglich ablehnen müssen. Auchl die Befürworter eines Reichsbergbaumonopols mürben jetzt schon angesichts der dann benötigten Kapitalbeschaffung einen solchen Vorschlag nicht machen^ In Frage hätte auch ein Großha.ndelsmonopol kommen können. .Hier toar zu berücksichtigen, daß der Kohlengroßhandel verbunden ist mit Reedereien, Sckßffs- banwerften und den verschiedensten anderen Nebenbetrieben, deren llebernahme zurzeit ftir das Reich nickü in Betracht kommen konnte. Von den Frackcken sollen sieben Prozent als Steuer erhoben werden. Ter Frachturknndenstempel soll neben diesen sieben Prozent bestehen bleiben, weil er ans weitere Entfernung ausgleichend wirkt. Die Einlieziehung der Binnenschisiahrr ivar notwendig aus Wett- bewerbsrücksichten. Tie Belastrmg der Gütersrachtcn der Schiffahrt wird absolut pro Tonne natürlich erheblick) geringer als bei den Eisenbahnen sein. Tie Binnenschiffahrt wird deshalb diesen sieben- ünozentigen Zuschlag auch nicket schwerer empfinden als der Eisenbahnverkehr. Tie vorige viel angsgriffenc Personen - Na hrkartensteuer soll nach dem Vorschlag des Entwurfs aufgehoben und ersetzt werden durch eine prozentuale Besteuerung sämtlick>er Fahrkartenprerfe in Höhe von 10 bis 16 Prozent. Eine gewisse Staffelung ist hiernach bei den Massen beibchalten. Freigelassen werden sollen die Arbeiter-, Schüler- und Militärfahrkarten, Wenn bei den Vollbahnen alle Massen imd alle Entfernungen für die Besteuerung in Betracht kommen werden, dann kann eine Havanziehunig des Straßenbahn- verLchrs nicht umgangen werden. Der Kreditvorlage über 15 Milliarden Mark habe ich nach meinen bisherigen Ausführungen nur noch wenige Worte mitzugeben. Der von Ihnen im Oktober vorigen Jahres bewilligte Kredit nähert sich seiner Erschöpfung. Wie in allen krieg- führenden Ländern haben auch unsere Kinegskosten in den letzten Monaten eine getvisse Anspannung erfahren, eine Anspannung, die aber sicher nicht höher war als bei unseren Gegnern. Im Durchschnitt der Monate Oktober bis Januar haben bei uns die nack)- gewiesenen außerordenllicheu Ausgaben im ganzen 2,776 Milliarden Mark betragen. In dieser Durchschnittssumme sind aber zweimal 259 Millionen zu Rückzahlungen an die Kommunen für geleistete Fcnnilienunterstützungen eicklmltcn. Die eigentlichen Ktiegs- ausgaben stellen sich also ans 2,646 Milliarden Mark im Monatsdurchschnitt. Ich habe Grund zu der Annahme, daß das von mir im Oktober angegebene Verl>ältnis der Belastung zwischen den beiden großen kriegführenden Gruppen sich nicht geändert hat, daß es auch jetzt wie 2 M 1 steht, daß die Kriegsausgaben der Erde im Augenblick schon 800 Milliarden überschritten haben und daß davon auf uns und unsere Verbündetem ckn Mckl-r vvln 100, auf die Entente aber 200 Milliarden cnffallen. Die Anspannung der Kriegskosten wird in den nächsten Monaten nicht Nachlassen. Darum lwbe ich namens der verbündeten Regierungen von ihnen heute 15 Milliar^ den demgegenüber 12 Milliarden bei der letzten Vorlage zu bitten. WirwerdenimnächstenMonatwiedermiteiner An leihe an den Wa r k t treten. Ich hoffe auch bei ihr wieder auf die ffeudige Mithilfe und Bereitwilligkeit des ganzen Volkes. Die Darlehnskassen werden noch mehrere Jahre nach dem Kriege erhalten werden und in der Lage bleiben, die Darlehen auf Kriegsanleihezeichnunffen zu normalen Bedingungen weiter zu gewähren. .Hand in Hand mit der Reichs bank werden wir Mittel mu> Wege finden, um in der schweren Uebergangszeit der.Jmdustrie und Landwirffchaft die Flüssigmachung der in Anleihen sestangelegten? Beträge zu erleichtern. : Für die Finanz Verhältnisse des Reiches nach dem Kriege wird, der Zustand unseres gesamten Wirtschastslebens, wie wir ihn in den Frieden hinübernehm-en können, von ausschlaggebender Bedeutung sein. Das Bild, das ich Ihnen in der Etatsgestaltung wahrheitsgemäß gegeben habe, ist gewiß ernst. Aber unser Wirtschaftsleben^ lvic es sich mir in der Arbeit der letzten Monate dargestellt hat, bietet keinen Grund, der Zukunft in wirtschaftlicher Beziehung weniger vertrauensvoll entgegenzusehen, als wir, cs bisher getan haben. Wenn das deutsche Volk die feste Zuversicht aus einen glücklichen Ausgang des nach dem Willen unserer Feinde unabweislich gewordenen Endkampfes hat, so darf es auch die Erwartung hegen, daß hierbei auf finanziellem Gebiete die Folgerungen gezogen werden. (Beifalls ^ Die Kapital traft unseres Volkes ist nicht geschwächt. Unsere Stärke ruht nicht, nne unsere Feinde annehmen, au* Papier, ländern am unverbrauchtenr Volkseinkommen, auf der Tatsache, daß wir uns nicht in die S chu ld kn echts cha f t des Auslandes begeben 'haben, wie dies unsere europäischen Gegner in so hohem Maße tun mußten. Abgü Ledebour Soz. iArb.-Gem.) beantragt, in dies« Lesung über die Kceditvorlage namentlich abzustimtnen. Apf Antrag des Abg. Spalpi iZe^ttr.) wird die allgemeine! Aussprache unterbrochen und nunmehr Mir über die Kriegs-, kredite ünterhandelt. Abg. E b e r t (Soz.): Unsere Feinde werden ihre Eroberungsziele nicht dirrchsetzen >nnd (Deutschland nicht niederschmetternd Angesichts dieser Sachlage erneuert die deutsche Sozialdemokratie erneut ihre feste EMchlosseuheit. auszuhalten bis zur Erreickzung eines die Äebensinteressen des deutschen Volkes sichernden Friedens. (Lebhafter Beifall.) Abg. L e d e b o u r lSoz. >Arb.-Gem.): Wir können diesep Kreditvorlage nicht zusttmmen. Unser Friedensangebot war inhaltslos tuid leer. Mich zur inneren Politik der Reichsregierung stehen wir im Gegensatz, nmnentlich in Bezug auf die Lebensmittelversorgung Deutschlands; indem wir die 15 Milliarden-Anleihe ablehnen, richten mir an die gequälten Völker die Mahnung, ge-, meinsam zu wirten aus Zeinen auf gegenfeittge Verständigungs gerichteten Frieden. Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Unser Friedensangebot haben! die Gegner schnöde zurückgewießen. Seine Einzelheiten sind dauert hinfällig geworden. Es müssen andere Bedingungen gestellt mav den. (Bravo!) Wir muffen durchhatten bis zur Erfüllung unsever Bedingurigen. Mg. Gras W estarp (kons.): Mir halten die ZuMsnwrg ft'ir ganz selbstverständlich. Abg. Pr inz Schönaich-Carvlath; Wir rverden mkch der sechsten Kriegsanleihe Anstimmen im Bewußffein der Nvb- :oendigkeit. Das deutsche Volk wird in seinem patriotischen Sirm bereft sein, ihr m einem vollen glänzenden Erfolg zu verhelfen -Lebhaftes Bravo.) Al^. v. Payer (Vvlksp.): Es ist selbstverständlich PkkßchE, daß ivir zusttmmen, selbstverständliche Pflicht eines jeden h«r un Hause. (Lebhaftes Bravo!) Es ffl nicht ders Augenblick, sich über Friedensbedingungen und über Friedensziele zu unterhalten Wer jetzt den Frieden will, muß die Mittel zum siegreichen Ende bewilligen Ich bitte, die Vorlage einmüttg anz^unehmen. Abg. Mertin (Dtsch Frakt.): Bei der Not des Vaterlandes müssen wir die Mittel bewilligen, Um einen Frieden zu erringen, der den schweren Opfern und den Strömen von Blut entspricht. Nach nockmialigen. Ansführungen des Abg. Ledebvur (Soz. Arb.-Gem.) lund des lUhq. Gbert (Soz.) wird die Vorlage in zweiter und auch dritter Lesung und der Antrag aus namentliche AbsttmMung ohne genügende Unterstützung in einfacher Llbstim- inUng gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Minderheit angenommen^ (Lebhafter Beifall.) Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr: Etatsberatuug und Steuervorlage. — Schluß V 26 Uhr. rucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert dlo Brühl’sche Universitäts-Druckerei. Schulstr. 7 Gbertejsischer Nunstverein. Gießen, den 25. Februar 1917. Der letzte Bericht über die Kunstausstellung erfordert einen kleinen Nachttag, da inzwischen einige Aenderungen oorgenmnmen worden sind. Neu hinzugekvmmen sind Gemälde von S. P. Müller, Hans Schräder, E. Vollmer und O. Grill, sonne eine Sammlung von Pastellbildnissen von Olga Hassel- mann-Kurtz und einige neue Plaketten und 2 llcine Plastiken von D. G r e i n e r. Eine Ergänzung hat P. B u r ck erfahren. Sein „Sonntag" zeigt einen großen Fvrtschrftt gegenüber der Minterlandschaft; man sieht, daß er sich mit Cözanne auseinandcr- gesetzt hat und mehr in großen Flüchen arbeitet. Schräders ,Kinder am Wasser" zeigen eine virtuose Technik, die recht geeignet ist, das Spiel der Sonne auf den nackten Körpern und den glitzernden Wogen wiederzugeben. Vollmers „Trauer" wird wohl wenig Liebhaber finden; das Bild kann schleckst mtt seiner Um- aebima verglickj-en werden, zeigt aber viele gute Qualftaten. Man s.oße sich nicht an den merkwürdigen Gesichtsausdruck, man beachte vielmehr den optischen Zusammenhang der Figur mtt, der Landschaft, sowohl in Linie wie in Farbe, und man wird ftmden, daß hier ein Künstler am Werk ist, der unter Bernachlässrgung aller Details eine Wirkung erftrebt. wie sie ims vollendet etwa bei. Pulvis de Chavannes entgsgenttitt. Die Kunst OlgaHassel- manns ist vom letzten Jahre her noch in chUer Ernrnerung Auch diesnral sehen wir eine Menge guter Porttäts, vollendet im Ausdruck und in der Technik. O. Grill ist ebenfalls ein hier gern gesehenei: Künstler. Sein „Hohlweg" verdiertt Beachtung, denn mit reiti zeichnerischen Mitteln, die sich bis auf Telaus erstrecken, ist hier eine recht einheitliche Gesamttvirkung gegeben, die fast geheimnisvoll tvirkt. Daß auch Plasttken geringer Größe monumental zu wirken vermögen, wenn sie groß gesehen und geschaffen sind, zeigt Greiners Madonna, die eine wertvolle Ergänzung zu dem gibt, was wir sonst von ihm kennen. 68 . — Die geistige Arbeit bei Tage und bei Nacht. Ob die Nacht der Geistesarbeit förderlich sei, ist unter Gelehrten, Dichtern uud Schriftstellern eine alte Stteitsrage. Lwvaz empfahl den Dichtern die nächtliche ^Arbeit; Schiller war ein großer Nacht- arbeiter, imd mit ihm haben viele andere die Vorliebe fitt die Arbeit in der Stille dev Nackst geteilt, die sie fttr besonders fruchtbar Lnsalmi. .Tic physiologischen Untersuchikngeil sprachen allerdings entschieden gegen die Vorliebe, da die Arbeit bei künstlichem Lichte immer gewisse Nachteile mit sich brinam muß. Außerdem bleibt die alte Wahrhftt, !daß Morgm ttnde Gold im Viunde hat, auch vor dem Forum der Wissenschaft zu rückte bestehen. Die Ädorgen- stunde hatte, wie Mbert Cim in einem Auffatze des „Revuck' hervorhebt, auch immer ihre Lobredner. Der hftlige Franz von Sales z. B. empfahl den Morgen als die beste Zeit für jede geistige Handlung; Schopenhauer widmete den ersten Stunden des Tages, seiner „Jugend", geradezu eine begeisterte Hymne; alles sei dann ftischer, lachender und leichter, wir fühlten uns stärker und unsere Geisteskräfte seien -beweglicher und wirkungsvoller. In diesen Stunden erblickte der Philosoph die Quiutessenz des ganzen Lebens. Damit stimmte die altei Regel der Schule von Salerno überein, die empftchlt, um 6 Uhr auszustehen, um 10 Uhr zu frühstücken, um 6 ll'hr die 'Hauptmahlzeit ernzunehinen und um 10 Uhr sich zur Ruhe zu legen. Auch Goethe war ein Bormtttagsarbeiter. Er bekannte, daiß ihm die Arbeit in den frühen Morgenstunden, wenn er von den Beschäftigungen und Trivialttäten des Lebens noch nicht zerstreut sei, leichter imd besser von der Hand gehe. Voltaire pflegte: hintereinander bis zur Mittagssttmdc und dann nach der Mahlzeft noch ein paar Stunden zu arbeiten; aber dann zog er elegante Kleidung an und suchte heitere .Gesellschaft aus. Ganz ariders Macchiavell, der in der Einsamkett seines Gütchens den Tag über mit den Bauern zu spielen pflegte; wenn aber das Dunkel he reff lgeb rochen war, dann legte er das Staotsllerd an, um sich dem Umgänge des geliebten Mten würdig zu nmchen. und setzte sich an die Arbett. Mcht minder viel umsttftten als die Frage der Tag- und Nachtarbeft ist die, wie lange man ununterbrochen geistig arbeiten soll. Manche neuere Forscher, wie z. B. Eugen Vöonton. gehen so wett, W behaupten, daß man nicht länger als zwei Stunden hintereinander wrrllich erstllassige geisttge Arbeit verrichten könne. Lucian wollte die, Arbeitszeit des (Geistesarbeiters auf 6 Stunden beschränkt wissen. Jedenfalls hat man die Beobackpung gemacht, daß die geistige Arbeit ihren fruchtbaren Höhepimkt erst in der zrveiten oder selbst in der dritten Arbeitsstunde erreicht, wälzend der geisttge Röechanismus in der ersten Stunde noch nicht mit vollkommener Kraft und Geschmeidigkeit zu funktionieren pflegt. Ueberdies hat sich im Lauft der Jahrhunderte die Erfahrung bestättgt, daß geistige Mbeft unausgesetzt geübt werden muß und daß ihre Unterbrechung sehr nachteilig ist. Victor Hngo sagte: „Nichts ist gefährlicher, als die Unterbrechung der Arbeit: sie ist eine Gewohnhett, die sich verlort. Eine Gewohn- heit, die man leicht verläß.t, aber schwer wieder an nimmt." Mit dieser Ansicht stimmt die des jüngeren Plinius überein, der gleichfalls sagt, die geistige Arbett ser besonders schwierig, wenn einmal nilterbrochen, aufzunehmen. Es gibt lvohl wff dem ganzen großen Gebiete der Arbeit keine Arbeitsart, die so viel besondere Eigen-t tümlichkeiten und Angewohnheiten zeigt, als die geistige. Da ist zum Beispiel die Gewohnheit der Lektüre im Bette. Die Aerzte sind im allgemeinen schon aus dem Grunde dagegen, weil Lesen bei wagerechter Haltung des Körpers an die Leistung der Augen ganz besondere Anfordettmg-en stellt. Soweit die Lektüre im Bette als Schlafmittel benutzt wird, kwrn sie natürlich überhaupt mir für Leidende in Betracht komm>en. Immerhin ist der Oxforder Mediziner Osler der Lektüre im Bvckte nicht abgeneigt, »venn sie wenigstens eine halbe oder höchstens eine ganze Stunde dauett und sich nur auf Bücher angenehmen Inhalts erstreckt. Er nennt als Beispiel PlNtarch, Dickens, Walter Scott und Auatole Zrance, Ein anderer englischer Arzt empfiehlt jedocki für die Lektüre im Bette vor allem die Dichtung, ganz besonders aber die Sonate, deren Lesung er als ein vorzügliches Sck>lafmittel erkannt haben! wttl. Sehr verbreitet ist bekamrtlich die GenwhUheit der Lektüre ber Tilche, von der gleichfalls die große Mehrheit der modernen Aerzte durchaus nichts wffsen will. Karl der Große pftegte sich während der, Röahlzeit aus Mgusttns Gottesstaat vorlesen zu lassen, und Voltaire hatte die Gewohrrheit, während er speiste, auf die Vorlesung von Testen aus Massstlons Krrchengeschichte und seinen Predigten zu hören. Rousseau war etti leideiffchaftlichep Leser bei Tische, hatte, lurmt er allein speiste, immer ein Buch neben sich liegen und schrieb einmal : „Abwechselnd verschlinge ich eine Sette mtb einen Mund voll Essen, und es ist, als ob mein Buch mit mtt zusammen äße." De moderne Wissenschaft verlangt aber bekanntlich, daß der Mensch sich, wenn er speist, allein diesem tzftschäft widme und wenn möglich seine Rdahlzett in guter, heiterer ^Gesellschaft ettrnehme. Sie empftelt zur Lektüre hauptsächlich die frühen Aiorgenstuuden uud dann nnedcr die Stunden des Llhends vor dem SchlaftngelMi, eine Ansicht, die übrigens bereits Erasmus von Üdotterdam vertrat. Uebrigens \\t nicht zu erwarten, daß die Dichter oder die tzftlehrten sich je ganz nach den Ratschlägen der ärztlick>en Wissenschaft ttchten werden. Die arißi - Arbeit ist eben ein Ding ft'tt sich und jeder Geistesarbetter Inu rw- besonderen Eigentümlichkeiten, von denen er mehr ov » . abhängig bleibt wrd die er sellrft dann nicht aufgibt, u daß sie ihm schädlich seilt können. gur Vermeidung von Verwechselungen Hbbc rtrtlvny von 'Omnlrhimj*» ftMjrtocn o^«r dqt. wird dringend „m Angav, der ^tnL«lqi»»uA"n«r gebet Verlag des Glch.Aiizeigers DieiiUci von vn >,, Wcrtiu' nnwalt und l^otnv BttmaeG intifflcbnbte 17( Wohnung Delterstveg 5«, I. ist ab 1. Avril liTl7 ober fortter nnbertsettiß am vermieden Babubofstr. 54 11. Stock K-Zimmer-Wolinunq nt. reich!. Zubehör, mehreren fleRer* ufw^ i'oflnto, au nnmieten. Näh. Wr. Stcin- wea 20 I. |lf> | 7 Zimmer (Jietnunüßc (44t 7 -Ziinmer°Wohnu»g mit ober ohne Vtanmnutneit f. 1. Ätill au o. Nerd-Anl.18, II | 6 Zimmer Ost-Anlage 81 ». sch. 6-Zlsn. Wohn. m. Wonf*. au v. Nah Bergatr 17 II a. H. Wallach, Bt maul ftr afre 14 II. 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Anmeldungen erfolgen bis zum 15. März bei dem Pfarrer, zu dessen Gemeinde die sich Bewerbenden gehören. Gießen, den 24. Februar 1917. Der evangel. Gesamtkirchenvorstand: Schwabe, Pfarrer, Vorsitzender. ( 1623 D Jagd- Verpachtung. Die am Montag, den 19. ds. Mts. stattgehabte Verpachtung der hiesigen Jagd hat die Genehmigung des Gemeinderats nicht erhalten und soll eine Neuverpachtung derselben stattfinden. Die der Stadt Butzbach zustehende Jagd auf 380 Hektar Wald und 577 Hektar Feld soll Montag, den 5. März, nachmittags 4 Uhr, in einem Los auf 9 Jahre auf hiesigem Rathaus nochmals verpachtet werden. 1551O Butzbach, den 21. Februar 1917. Großh. Bürgermeisterei Butzbach. Flach. Anmeldungen für das neue Schuljahr werden Montag, den,26. ds. MtS. von 11—1 Nbr entgegen genommen, können aber auch schriftlich geschehen. AlSfetd, den 22. Februar 1917. Grotzh. Direktion der Oberralfchule. Geh. Schulrat vr. Pitz. 15521) s Der lenkbare erodeleslter Orig. System Röchgrct- .Haas* Uerkrflmmungen ist «uf medizinischen Kongressen hodi ausgezeichnet und von hervorragenden Aerrten bis beater Gera dehn her bezeichnet und empföhlen worden. Rekhillustriert• Broschüre jrmtisf Franz Menzel,Frankfurt a. 1 ll> Windmühlstrasse 3. Holzversteigerung in der fürstlichen Oberförsterei Sich. Montag, den 5. März werden im Distrikt Höler lAlbacherhosseite» versteigert: Scheiter, Rm.: 220 Buchen, 7 Eichen lrundl, 9 Fichten; Knüppel, Rm.: 125 Buchen, 20 Eichen, 29 Fichten: Stöcke, Rm.: 98 Buchen. 15 Eichen, 21 Fichten,- Reissatz-Wellen. 8660 Bucken. 210 Eichen, 1230 Fichten: 7 Bucheustämme von 32—39 Ztm. Durchmesser = 4,39 Fstm.: 10 Eichen-Psosten — 0,50 Fstm. Die Zusammenkunft ist 97 s Uhr vormittags auf der sogenannten alten Gieftener Strafte, Steinbach—Lich, berm Eintritt in den Waid. _ 1533B Holzverfteigerrrng Dienstag, den 27. Februar 1917 nach Zusammenkunft vormittags 16 Uhr am Burkhardsfelder Weg am Eingang vom Feld nächst Lich, m den Distrikten. Eisenkaute, Eichwald,' Fichtcnropf und Gänsweide. Scheiter Rm.: Buchen 100, Eichen & Fichten 8; Knüppel Rm.: Buchen 60, 3 Fichten 30: Stöcke Rm.: Buchen 70. Fichten 130: Reisig Wellen: Buchen 100V, Fichten 3500 (gebunden). Das Holz lagert gröfttenteils an chauffierten Wegen. Lich. den 16. Februar 1917. Groftherzoglicke Bürgermeisterei Lich. _ könnet. _ 1368B Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Obbornhofen für 1917 Rj. liegt vom 27. Februar l.J. ab eine Woche lang auf dem Bürgermeistereibureau zur Einsicht der Beteiligten offen. Einwendungen gegen den Voranschlag können dort schriftlich oder zu Protokoll des Unterzeichneten vorgebracht werden. Zu den vorgesehenen Umlagen werden auch die Ausmärker herangezogen. Obbornhofen, den 24. Februar 1917. Großh. Bürgermeisterei. Le sch Horn. 1567 Holzversteigerung. Im Markwalo der Gemeiude Lützellinden werden am Donnerstag, den 1. März ds. Fs. versteigert: Eichen: 16 Rm. Knüppelholz, 7 Rm. Stockholz und 500 Wellen. Buchen: 5,2 Rm. Knüppelholz und 770 Wellen. Kiefern: 1 Stamm 3. Klasse — 0,64 Fstm., 1 Stamm 4. Klasse. 4 Rm. Scheitholz und 70 Wellen. Fichten: 6,5 Rm. Nutzreisig szu Bohnenstangen geeignet» und 820 Wellen. Zusammenkunft mittags 1 Uhr im Distrikt Strauch an der Bahn. Groftrechtenbach. den 23. Februar 1917. __ Der Bürg e rmcittcr. _ 1548B Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Wiefeck für 1917 liegt vom 26. ds. Mts. ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll daselbst vorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Wieseck, den 23. Februar 1917. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Schomber. 15248 VeroÜie'ie LrtsgMrbevttelii Gietzen (E. D.). Unentgeltliche Beratung der Mitglieder und deren Angehörigen in sozialen Angelegenheiten. Sieuerfragen usw. 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