llr. 49 Zweites Blatt Erscheint tihNch mit Ausnahme de« Sonntag«. M. Jahrgang Beilagen: ..«iehener 5amiNenh«ttter" und „Xrekblatt für den Breis Gießen". Pofilcheckkoalo: Frankfurt am Main Nr. UM*- Vankverkehr. Gewerbedank Gießen. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Dienstag. 27. Februar (9(Z ZwillmgSrundüruck und Verlag: Brühl'scheUnürersuäts.Buch-u.Strindruckerei. R. Lange, Gießen. §chrift!eitung. Geschäftsstelle und vnttkrrei: Schulsttave?. Geschas.spelle u. Verlag: Schrift lettung: e=& 112. Anschrist für Drahtnachrichten: AnzeigerGießew Uriegsbriefe aus dem Westen. ^Von unserem Kriegsberichterstatter. Mnverechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.! Bei den Seesliegern. Grobes Hauptquartier West, den 1V. Februar, wrf brandun g sum s pültem Steg an unserer standrischen Küste dem Horm der Leeslleger zustrebte. sah ich ein Beispiel von Mamer T:eroergefellsämftnM, von dem ich gewünscht hätte, mein FrQmd vermann Lons hatte es erlebt und besungen: Vom Kue, die ihnen der Flieger mit freigebiger Hand vorstteute. ^bn Karboffelschalen, nehmen lvir aber lieber mit ChiLsttan Morgensbern an, daß der Flieger mit Roggenbrot und rott-ichen Zrüeven um sich warf, damit die Poesie nicht leide. T-arn^es rst doch so schön, daß der deutsche Seestieger, der mensch- Lch« 'Sveger über die 9Reeresstürme, den Sturmvogel, den „Blau- sutz des Blamen Albrecht Rodenbach, zum Freund und Haus- garosssr gemacht und der Taube des heinratlichen Bauernhofes den ^eefkug gelehrt tztt lind das; die beiden, die seit Iahrmillwnen fcce Meister der Lüste über Wasser unb &mb gewesen sind, jetzt als Freunde und Gäste zu dem Menschenkind eingeladen sind, das sich feit ein paar fahren n: -de:: Kopf gesetzt hat, Möwe, Sturmvogel und sewadler zu überflügeln. 3km der Arbeit des Seestiegers kann ich mir aus eigenem Erleben kemen Begriff machen, denn so oft ich die Gelegenheit zu emem Aufstieg -gehabt hatte, machte das schlimme Wetter einen LErüh durch die Hoffnung. Auch diesmal war das Wetter ganz überraschend umgeschlagen. Bei der Ankunft in Brügge hatte ich gerade den richtigen Augenblick erreicht, um bei 20 Grad Kälte und gläserner Himmelsklarheit einen englischen Fliegerangriff großen Stils mit allem zugehörigen Feuerwerk zu erleben. Das war frühmorgens um 4 Uhr. Als ich am nächsten Bormittag an der Küste ankam, rieselte mir der weiche Nebelregen in den Kragen. „Dem etnoi fm Uhl, dem anderen sin Nachtigall!" Englische Flieger können bei dem Wetter nicht kommen, um den Kmdermassenmvrd m Brügge svrtzusetzen, aber auch unsere Seestieger haben keine Sicht. Außerdem bedeutet der plötzliche Wetterumschlag einen schnellen Eisbruch auf den vielen in die See mündenden Kanälen iiud Wssserläufen Flanderns, eine Vermehrung des Treibeises, die den Seestiegern unbequem ist. Wenn jede Brandungswelle mit Gissplttben: geladen ist, gehen, die Möven und wahrscheinlich auch die Fische der Uferz-one dem Eisblockgewürfel weit aus dem Wege und ruhen sich in der offenen See aus, wohin rvvch immer ein Liebes- qabemoärmestrahl des großen Golfstromes dringt. Die Leinwandvögel des Mensckxn intb seine wundervöUen Stahl ftsck-e sind noch nicht so wert. Sie sind.an Krane, Tanks, Leitungshähne usw. gebunden. die einmal da fest am Land stehen, wo sie hingestellt und. Darin also sind Möwe inri> Stint uns über. Bon der Uferzone kam das Schallen des Eisbruches, takttnästig wiegend und ernränig. Ter Nebel wurde dicker. Wir saßen im behaglichen Unterstand beisammen, und die Flieger sprachen von ihren Kameraden, die nun draußen an Englands Küsten und über den französischen Nvrdseehäfcn hinstrichen und von Tunst und Böen viel zu leide:: haben. Das Wetter wechselt plötzlich, und nur selten ist die Dicht frei. Aber auch wenn die Nebelschleier in die Wellen fallen, wenn von der englischen bis zur französischen Küste die Sicht frei lvird, fo daß das Fallenauge des Fliegers den kleinsten Kabn erspähen würde, muß der Flieger nach langieur Kreuzen und Streifen unbefriedigt umkehren. Die See ist leer und aus gestorben. Der „Potsdamer Platz-Verkehr", der vor unserer U--DooSriegsansage zwischen England imb Frankreich Tag und Nacht im Gange war, ist mit einem Schlage „gestoppt". Engländer und Franzosen versteckten ihre Schiffe um die Wette in den ttefsten Winkeln der Häfen. Die Kohlen, die England seinem französischen Verbündeten schuÜng ist, bleiben aus den Verladeplätzen, während derweil Franzmann mit den Zähnen klappert und die englischen Buntes genossen zu allen Teufeln verwünscht. Das ist die Tatsache. Wir kennen ihre Bestätigung aus anderen Quellen. Hier sind wir bei den Männern, deren Falkenouge nichts entgeht, was sich im Aermelmeer zu regen wagt. Wie Habicht und Sperber die Welt beherrschen und vergewaltigen, die unter ihnen liegt, und sie sich r 0 **? machen vom fetten Fasanengeheck bis zum unflügaen Feldsperlrng, so ist ihnen alles in die sichere Hand gegeben, wesche dre fast unfehlbare Bernichtungsbombe löst: vom dicken Kohlnr- dampser bis zu dem kecken Motorboot, das dem lichterlos gewordenen feindlichen Wachtschiff ein paar Fässer Leuchtöl hinüber- schmu^geln möchte. Die Entente hat gut Nachrichten zu verfälschen und zu verschleiern. Hier sind die Meldungen der Kampfflieger, die berichten, wo die englischen U-Boote dicht vor der holländischen Seezone schüchtern und achtungsvoll genug vorgekommen sind. Ta sind die gleichzeitigen Aufnahmen der Beobachtungsflieger, die uns diese U-Boote zeigen. Hier ist die Meldung der einen, und da .sind die Bilder der anderen, die uns den Anhalt geben, daß im Augenblicke der deutschen U-Bvot- rrregsansage diese feindlichen Vorposten, die wir im übrigen nie gefürchtet haben, uns in Eile und bangbüxig das Feld, vielmehr die wette Soe, geräumt haben. Die Engländer haben die Veröffentlichung von Schiffsbewegungen und Schiffs Verlusten verboten. 'Das ist das erstemal, daß die Engländer, seit sie sich als Beherrscher des Weltmeeres fühlen, eine solche Zensurmaßrcgel ergriffen haben, und es scheint, daß der Philister in Old England, der ja in seiner tausendjährigen Ge- scknchite in diesen Tagen zum ersten Male erfährt, was Krieg heißt, den Ernst dieser Notwendigkeit noch nicht begreift. Ich war an unseren flandrischen Stützpunkten, als diese Nachricht eintraf. Ich habe in meinem Leben noch kein so helles, lustiges Lachen gehört, wie in den Augenblicken, wo diese Nachricht bekannt wurde. „Armes England!" Das ist ein neues Wort in der Weltgeschichte. „Armes England!" Das haben in diesen Fcbruartagen znm ersten Male deutsche U-Boollommandanten und deutsche Seeflieger ausgesprochen. Wie weit ist der britische Stolz heruntergekommen! Was wollt ihr uns verheimlichen? Wir sind die letzte::, die euren Ber- ösfentlichungen glauben. Liter wir wissen zu feder Stunde und haben die Urkunde dafür im Lichtbilde, was in euren Häsen liegt, Trans- portda nipser, Zerstörer, Aufklärung sein heiten, U-Bvote. Wir kontrollieren jeden Stützpunkt im Operationsgebiet. Cherbourg gestern niittag um 11. Bitte, hier ist die Aufnahme. Zwei Stunden später dg fehlt ein Zerstörer. Mit welchem Kurs ist er cnßgelaufen? Hier ist schon die Ausnahme. Was ihr plant und sinnt, ,alles geschieht unter den Falkenaugen deutscher Seeflieger. Und ein Privotkabinett, wie den quadratisch cingezirketten U-Bvotshafen im großen Hafen von Dünkirchen, da kennen wir uns besonders gut aus. Dessen Kriegsgeschichte können wir auf jede Stunde der weltgeschichtlichen Entscheidungsjahre auf Grund unserer Aufnahmen und Berichte schreiben. Und da perbietet ihr Veröffentlichungen ? Armes England! Ein Rausck-en von See. Ein U-Boot legt an. Zwei französische Marineflieger sind in den Hoosdeu von dem U--Bootskommandanten mit dem Karabiner leck geschossen worden und werden gefangen ein gebracht. Vor wenigen Stunden sind sie in Dünkirchen aufgestiegen: zwei klägliche Gesellen, obwohl beide im Untern ffiziers- vang und aus Frankreichs bcftcm Menschenmaterial, ans der Bretagne und aus St. Omcr, beides Fachleute. Man begegnet ihnen mtt der Achtung, die deutsche Gefangene in Frankreich finden, und der sie verhörende ^Ofizier weist Bescheid, denn er war selbst einmal Gefangener da drüben und weist, wie man ihm begegnet iH. Sie jammern, das; alles Unglück Frankreichs von den Engländern komme, aber sie sind feige genug, ableugnen zu wollen, dast ihr Flugzeug, das doch in :rnserer Hand ist, eine Bombenabwurfvorrichtung gegen U-Boote hat. Dennoch scheint ihr Hast gegen die Engländer ziemlich ehrlich Ein Signal kündet die Rückkehr eures Aufklärungsfliegers. Kaum erspähten nur ihn am fernen Himnret, da setzt er schon airf die Brucheisschollen krachend auf, dast die schwarzen Entenvölker auscinairderstieben. Meldung: „Unsichtiges Wetter. Wir mustten schr ttes fliegen. Feindlich Flieger rissen vor uns aus, ehe mir zum Kampfe kommen konnte::. Fm ganzen Kanal kein^Schifs zu sichten." Armes meerbeherrfchendes England! Kein Schiff zu sichten. Unsere Flieger mustten aUc Bomben zurücttwingen, und das tat ihnen w:rklich leid. _ W. Scheuermann, Kriegsbericherftatter. Der ReichstagsauSschust für Bevölkerungspolitik. Berlin. 25. Febr. Der Reichstagsausschuß zur Beratung von Fragen der Bevölkerungspolitik trat gestern erneut zusammen. Ein Vertreter her Regierung machte Mitteilung von bevölkerungspolitischen Gesetzesvorlagen, die gegenwärtig von der Rerchsregierung vorbereitet werden und sich ihrem Abschluß nähern. Er stellte in Aussicht 1. einen Gesetzentwurf auf Zurückhaltung solcher Militärpersonen, die an ansteckenden Krankheiten leiden^ 2. einen Entwurf auf Verbot des Verkaufs empfängnisverhütender Mittel und 3. einen allgemeinen Entwurf für die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, die sich u. a. auf eine Aenderuug des Kuppeleiparagrapheu, eine Ueber- wachung der Gewerbeun^ucht, auf Bekämpfung der Kurpfuscherei und auf den Säuglingsschutz bezieht. Nach diesen Mitteilungen verzichtet der Ausschuß .zunächst auf Weiter- beratung der von rhm beharrüelten Fragen und Null ab- warteu, bis die Regierung mit ihren Vorschlägen hervor- getreten ist. Aus Stadt und Land. Gießen, 27. Februar 1917. "Auszeichnung. Unteroifizier Wilhelm A l b a ch , Res.- Jni-Regt. 11/30 (früher 4. Jnf.-Rgt. 11/87», zurzeit in einer Ge- neslmgsabteilung, wurde von seinem Truppenteil mit der Hessischen Tapierkettsmedaille ausgezeichnet. Das Eherne Kreuz 2. Klasse erhielt er schon früher. Miltärische Beförderung. Zum Leutnant d. Res. befördert wurde der Lehrer L o tz aus Gießen. ** H essen-Nas säuisches Wörterbuch, lieber das Arbettsjahr 1916 schreibt Professor Wrede -- Marburg in den Sitzungsberichten der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften vom 25. Januar 1917: Wiederholt wurde in diesen Berichten mit Genugttlung erwähnt, dast die grostherzoglich Provinz Oberhessen in den Wörterbuchbezirk eingeschlossen werden konnte, und dabei der förderlichen Mithilfe mehrerer Herren in Gießen dankbar gedacht. Heute ist eine weitere Tatsache in gleicher Richtung zu buchen: der Gesamtsenat der Universität Gießen, -«t aus ihm zur Verfügung stehende:: Mitteln dem Wörterbuch eirte nahnchafte Summe Angewandt. Das Rheinisch Wörterbuch hat nnnmehc alle Fragebogen, die es in den ersten Jahren seines Bestehens aus dem westlichen Nassau ett^ezogen hatte, in entgegenkommender Weise an das Hessen-Nassanisch Wörterbuch abgefühtt. Der Apparat umfaßt jetzt über 102 000 revidierte oder kombinierte Zettel. Vom populären Wörterbuch (Stichwörtervsrzeichnis) soll eine Probe (Buchstabe M> in Kürze gedruckt und an alle Sammler verschickt werden. Dialektatlas des Wörterbuchgebietes :md Wortgeograpdie konnten nur wenig gefördert werden. Hingegen hat die Verzettelung des urkundlichen Materials wesentlich Fortschritte erzielt. Herr Tr. Corell, in den früheren Jahresberuchten als Asiistent und rühriger Helfer wiederholt genannt, ist im Oberelsa st für das Vaterland gefallen. Alles in allem darf mtt Befriedigung ieö- gestellt werben, daß die Arbeit am Hessen-Rassauischen Wörterbuch im Betriebsjahr zwar zeitweise begreiflich Einschränkung erfahren mußte, daß sie aber niemals ganz geruht hat icnd daß die Fott- schritte des großen Werkes bettüchtticher sind, als vor Jahresfrist em m le t werden durfte. Landkreis Gießen. S. Hausen, 26. Febr. Wiederum ist einer unserer Krieger wegen Tapferckett vor dem Feinde ausgezeichnet worden. Ter Gefreite Hemr. Müller, Feldartill-Regt. Nr. 25, 2. leickste Nttmi- tivns-Kolonne, erhielt die Hessisch Täpfechttsgedenkmünze. H. Müller ist der Sohn von dem verstorbenen Gememderechner Heinr Müller II. Er ist fett Anhang des Krieges im Felde. Ein Bruder von ihm, Ludwig Müller, starb rm Sommer 1915 in Galizien den Ehrcntod fürs Vaterland. — Die Spende für die Großherzig Ernst Ludwig-Jubiläumstiftun g erreichte hier den Betrog von 160 Mk., eine für unsere, hauptsächlich aus Arbeitern bestehende Gemeinde recht beachtenswerte Summe. Hessen-Nassau. X Hanau, 25. Febr. In einer Versammlung der Geistlichen des Kreises Hanau ist über den großzügig gedachten Plan. Kinder der großen Industriestädte in den Landorten unterz-ubringen, beraten worden. ^Wie mttgeteät wird, besteU die Absicht, im Landkreise Hanau Kinder aus der Industriestadt Bochum imterzu- bringen. Die GeiUichen waren einig darin, das Werk christlicher Nächstenliebe tatkräftig fördern zu helfen. Lin Jubiläum der Zteinlohle. Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, daß gerade in diesem Jahre, wo die Kohlen knappbeit sich so u:mngenehm fühlbar macht, das 6(X)jährige Jubiläum der Steinkohle in Essen gefeiert werden könnte. Aus dem Jahre 1317 datiert, nämlich die erste urkindliche Erwähnung von Steinkohlen in Essen, das damals noch ein bestheidenes Landstädtchen, allerdings mit einer angesehenen frei- weküichen Abtei, war. In der aus dem erwähnten Jahre herrührende:: Sttstungsurkunde des Hospitals zum hl. Geist, des nock) heute bestehenden städtischen Spitals für alle Leute, heißt es nämlich: „Den Raum vor dem Zimmer der Haushälterinnen mögen olle Brüder zum Niederlagen des Holzes und der Kohlen (car- bonum) benutzen". Mit diesem Wort sind jede:lfalls Steinkohlen gemeint, da Holzkohlen für Schmiedebetriebe gebraucht wurden. In Belgier: hatte man die Steinkohle schon viel früher entdeckt, denn in Lüttich wird sie z. B. schon im Jahre 1198 erwähnt, und zwar als „schwarze Erde, die zun: Feuerwachen vorzüglich geeig- rcet ist". Daß sich der Gebrauch, der Steinkohle so langsam ausdehnte. «wllärt sich aus der Tatsache, daß man rwch überall, genügend Holz zum Brennen hatte und Steinkohlen nur auswahms- weise benutzte. Tie Kohler:flöze treten übrigens im Ruhrtal zutage, so daß deren Entdeckung schon durch Zufall leicht möglich war. Die ersten Kolstenplätze bei Essen wurden aus der: Aeckern des Oberhoss Ehrenzelle aip,elegt. d. h. auf dem Geb:et, auf dem sich jetzt die Kruppsche Gußstahlfabrik auSdehnt, um die sich d:e Großstadt Esseu eittmickelt hat. Aus der folgenden Zeit erfahren wir nur nnmig über eine Ausbeutung der Kohlenlager, so :m Jahre 1575, wo die Fürst-Aebtissin von Esseu eü:e „Socttät! der Köhler" genehmigte. 1593 schreibt die Fürstäbttsirn, daß s:ei „aus Mangel des Holzes Steinkohlen einkaufei: mußte, welches :hr seit ihrer Regierung nicht wenig gekostet". Infolge de: Zmmhmie der Bevölkerung und des Dufwmmens des Schmiedegewerbes war Holzmangel cingetteten. mtd dadurch wurde der Kohleu^vergbmlj gesördert. Er kam am Ende des 16. Jahrhunderts sogar in volle Blüte, obschou damals, wo jeder auf seinem Grund ww Boden die Kothen aus der Gcde gntb, von einer eigentlichen Bergbaukunst noch keine Rede war. Erst als größere dNengen^verbraucht imnten, bildeten sich Gewerkschaften im Bergbau. Tie Stürme des Dreißigjährige:: Krieges vernichteten aber die vielversprechmden! Anfänge des Bergbaues, und »venu dann auch wieder neue riechen gegründet wurden, so :var doch erst sett der Mitte des 18. Iahr- liunderts wieder ein Aufschwung zu verzeichnen. Tiefer in d:e Erde dringen konnte man erst, als Dampfmaschinen für die Förderung erfunden irrem:, aber erst feit den dreißiger Jahren deS 19 Jahrhunderls sing man allge:nein auf ber Zeckzen en, wobei es sich natürlich nicht etwa um ein Biuß, sondern nur um eine Möglichkeit handelt. Zwütens ergibt sich die Frage, ob es der Hochschule zur Pflicht gemacht werten kann, ter Presse Herrnattecht zu gervahven. Der Krieg hat gelehrt, lm'evicl Schaden eine schlechte und wieviel Nutzen ettre g:tte Presse stiften kann. Darum wäre eine Eftuvirkung des Hochschulwesens au: die Presse mit den sich daraus ergebenden Wectssel:virkung.m von all- ,gemeinstem Interesse, ,md alle beteiligten Parteie:: würden hieraus mtr Nutzen ziehen. * Zprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. Was nicht alles „erfolgt"! Bon unserem Reichskanzler Dr. v. Bethmann 'Hollweg erzählt man sich, dast er das Wort erfolgen stets mtt besonderer Fnnd- schaft verfolAt habe. Schon in seiner: spüheren leitenden Stellungen l>abe er dieses Wlerweltslvort imb „MäLchcm für alles' in da: ihm vor gelegten Schriftsätzen Mnachsicktlia» getilgt, sa, seinen Beamten das „erfolgen" untersagt. Mit vollem Recht. Tenn irres „erfolgt" nicht alles! Die MrswaU erfolgt (statt wird getroffen), die Erllärung erfolgt (wird abgegeben), die Totes erklär:, ng erfolgt (wird aus g esproche w, die Zustttnmung erfolgt (wird erteilt) usw. ?llles dies nur. weil nicht das einsack^ 3eit»vort genügt: nnrd ausgewählt, erllärt, mgestinrntt uff. Und der papierne Stil :md das Amts- und Iuristenteutsch stempeln dann svlä»e Jett- ivörter gen: noch in Hauptwörter um, fügen ihnen das „erfolgt" hinzu, und ter Schwulst ter Redeweise ist fertig: Die Einttagung des Vereins erfolgt (ter »Verein imrd eingetragendie Unter- zeickmmg des Vertrags erfolgt (der Vertrag wird unterzeichnet, die Bestrafung ter Sckuller mußte erfolgen, weil. . die Schüler n tu fiten bestraft lverten-, und weiter ziv,n kürzlich aufgelesene besonders bübfä>c Blüten, die mtt Hilfe von „seitens" zu ungeu-öbn- f: d>cr 'sprachlicher Fülle entwickelt sind: Setten s der Polizei ec folgten sofort die nötigen Sck/rittt (Me Polizei rat sofort. . ^ und Bevor 'seitens des Richters das Urteil erfolgte c.Bevor ter Richter das Urteil sprach cwcr fällte). — An den Prange: d^dall- mit diesem sprachverderbenten ..erfolgen" :md'als verderblich und gemeingefährlich sollte „seitens e ihm Säte gestellt werten! O. Sarmztt: (Berlin' (Höhere Privatschulo Sexta — Oberprima) Aufnahme neuer Schüler jederzeit. Gute Erfolge. Einjährigen-, Primareife-, Abitnrienten- jnrijfjissg. Durch den Besuch der Unterstufe trenücren Kinder xmt 14 Jahren dergesetz ichen Schulpflicht (Minist Verfügung vom 13. V. 14). Näheres durch Direktor Brackemann, Ludwig3tr.70,Fernr 633 abgepasst und am Sttiok in allen Breiten a. Lager zu massigen Preisen empfiehlt 1456 a Holzversteigerung der Gräflichen Lbersörsterei Laudach I. Montag, den 5. Mär.;, nach Zusammenkunft 12 Uhr am Eingang zum Lenzeöberg von VlUmgen aus 1 . Lenzesderg: Blichen Rm.: 451 Scheu I. und II. Kl., l^Knüpve!, 54Swcke, 269Astreiser,- ErchenRm: oKnüppel. 2. kirschrot I: nnvorgezeigt. Buchen Rm: 3v/ ©lamm» reifer (abständig),- Lesholz abteilungcweise. II. Dienstag, den 6 . März, nach Zusammenkunft 12»/, Uhr aus der Schreinersmühle, bei Freieren, aus 1. Krcuzscencrberg 2 und 3»: Buchen Rm: 277 schert 1. und II. .vH., 530 Knüvvel I. und II. Kl.. 8 Stöcke I. Kl., 75 Reiserknüvvel: Eichen Rm.: 31 Knüppel (grün und abständig», 2 Knüppel <2 Mir. tan.i, Gartenvsosten): Erlen Rm.: 5 Scheil, 14 Knüppel: Kirschbaum Rm.: 8 5knüvvel (1,50 Mir. lang), 6 Knüppel. 2. Zirgenderg Id. La: Buchen ;M: 16 Schert II. Kl., 7 Knüppel II. Kl. (abnandrg), 26 Stöcke I. Kl.: DaS Holz unrer Nr. 2 kommt unvorgezeigt am Schluß der Berstelgernng zum Ausgebol. Kohlreiser und Leseholz slächenweise. Rot unterstrichene Nr. werden »nicht versteigert. Beide Berile,gerungen stnd mit dem -rittwocb, den 28. d. Mts.. 8 Uhr 16 Min. von Fr edberg, 10 Uhr 55 Mm. in Hungen abaehenden Zuge zu erreichen._ I 08 OO Mittwoch nachm. 3 Nbr, sollen im städt. Psandlokal, Selters weg 11 daher, die wegen rückständiger Steuern und Kanalgebühren gepfändeten Gegenwände: Möbel aller Art, versteigert werden, [ 1US Kessel, Pfand meifter. Eadi&är» mit Setfea^rsatz „Heres“ eriaabt! ü^l Baßl a. jedes Rad. Glänzend beurteilt: DieBe- reifungen sind sehr beiriedig. ausgefall. S. S:. i. H. - M. d. 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Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll daselbst vorgebracht werden. Es werden Umlagen erhoben, zu denen auch die Ausmärker beizutragen haben. Göbelnrod, den 25. Februar 1917. Großh. Bürgermeisterei Göbelnrod. Weber. 1608 Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Betr.: Erhebung der Kartoffelvorräte am 1. März 1917. Auf Grund der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 2. Februar 1917 findet Donnerstag, dett 1. März 1917 eine Erhebung der Vorräte an Kartoffeln statt. Erhoben werden: a> der mit Beginn des 1. März 1917 vorhandene Vorrat an Kartoffeln (Speise- und SaatkattofseLu, sowie solche für gewerbliche und sonstige Zwecke), b) die davon zum Verbrauch als Saatgut usw. bestimmten Mengen, o) die Anbans lackte an Kartoffeln un Jahre 1916 und d) die Ernten reu ge. _ Tie Gliederung im einzelnen ist aus dem Anzeige- formular zu ersehen. Anzeigepflichtig sind alle Personen (nicht bloß die Landwirte), welche Vorräte an Kartoffeln mit dem Beginne des 1. März 1917 in Gewahrsam (z. B. Kellern, Mieten, Lagerräunren usw) haben. Vorräte, die zum Verbrauch im eigenen Haushalt bestimmt sind, smd nur anzuzeigen, wenn sie 20 Pfund übersteigein In diesem Falle ist jedoch der ganze Vorrat anzugeben also nicht nur die 20 Pfund übersteigende Menge. Die Angabe hat in der Gemeinde zu erfolgen, m der sich die Vorräte am 1. März 1917 tatsächlich befmden. Vorräte, die in fremden Speichern, Kellern, Schiffsräumen und dergl. lagern, sind vom Verfügungsberechtigten anzugeben, anck dann, wenn er die Vorräte nicht unter eigenem Verschluß hat. Vorräte, die sich mit Beginn des 1. März 1917 unterwegs befinden, sind von dem Empfänger unVerzug lich nach dem Empfang anzuzeigen. Vorräte, im Gewahrsam sonstiger ösfcnttick rechtliche Körperschaften Verbände sind gleichfalls anzuzeigeu. Tie vorhandenen Vorräte sind nach Zentner und Pfnnd anzugeben: ebenso die Anzahl der zu versorgenden Personen. . ^ .. . . Tie Anzeigepflicht erstreckt M nickt ans Vorräte, die im Eigentum des Reiches, eines Bundesstaates, insbesondere der Heeresverw-abtung oder der Marmeverwaltung stehen. ^ Der Kartoffelbestand ist durch Berechnung und durch Abschätzung nack bestem Wissen, nötigenfalls unter Zu ziehung eines Sachverständigen, festzustellen. Mn Nachwiegen der Kartoffel menge ist zu unterlassen, da die Kartoffeln durch das Umherwerfen und Aufrütteln ^Tie^Lftnahme selbst erfolgt durch bestellte Zähler mittelst Anz-eigevordrucke, die von den Zählern bereits vor dem 1. Marz ausgeteilt und vom 1. März, nachmittags beginnend, wieder emgesanrmelt werden. Sollte versehentlich! jemand keinen Vordruck erhalten haben, so ist dies sofort dem Lebensmittelamte Ost- Anlage 13, Zimmer 10, zu melden. Tie Anzeige Vordrucke sind vom Haushalkmgsvvr stand oder dessen Stellvertreter durch eigene Unterschrift der gemachten Angaben zu besäftinigen und zur Abholung bereit zu legen. . . ^ ^^. Anzeigen ohne .Unterschrift und nicht vollständig auSgefüllte gelten als nicht abgegeben. Ter Kommunalverband läßt eine Nachprüfung statt finden. . Tie bestellten Zähler oder Beauftragten des Kom munalVerbandes oder sonst beauftragte Personen sind befugt, zur Ermittelung richtiger Angaben Vorrats- und Betriebsräume oder sonstige Ausbewalftungsräume, wo Kartoffeln zu vermuten sind, zu durchsuchen und die Bücher und Geschäftspapiere der zur Anzeige Verpflichteten einzusehen. Wer vorsätzlich die vor geschriebene Anzeige in der gesetzten Frist nicht erstattet oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder die Durchsuchmg oder die Einsicht der Geschäftspapiere oder -Bücher verweigert, wird mit Gefängnis bis zu 1 Jahr und mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Strafe können Vorräte, die verschwiegen ivorden sind, eingezogen werden, ohne Unter schied, ob sie bent Anzeigepflichtigen gehören oder nicht ZHer fahrlässig die Angabem zu denen er verpflichtet ist, nicht in der gefetzten Frist erstattet oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark besttaft. Gießen, den 26. Februar 1917. 16266 Ter Oberbürgermeister: Lelker. etr.: Vierteljährliche V iehz ähllung. Nach der Verordnung des Bundesrats vom 30. Januar 1917 wird im deutschen Reiche, vom 1. März 191 1 beginnend, bis auf iveitereö vietteljährlicl) eme, kleine Viehzählung vorgenommen, tverden. Sie erstreckt sich auf Pferde, Rindvieh, Schafe und Sdüveine. Tie erste Zählung findet Donnerstag, den 1 . März 1917 statt. r ^ . .... Tie Ausnahme findet durch Zähler statt. Zu zahlen ist das im räumlichen- Verfügungsbereich einer l-altung. Ställe, Scheunen, Schuppen, tzöfenund Garten, 2ft!ßenwerken. Wiesen. Weiden, Feld uiw. m der dem Zählungstage vorausgehsnden Nadft vorhandene Vieh. Tabei ist es gleichgültig, tver Eigentümer des Viehes ist. Auf längere Zeit eingestelltes Vieh wird wie eigenes bechndelt (wegen der von der Heeres Verwaltung ausgeliehenen Pferde jedoch siehe unten). Viehslücke,^ drc vorübergehend lauf Reisen, Fuhren usw.) abwesend lind, sowie solche, die im Lause des Zählungstages erst gekauft werden, sind mitzuzählen. Tagegen ist Vieh, das rm Laufe des Zählungstages erst gekauft wird oder das nur zufällig und vorübergehend anwesend ist, nickst mrtzu- zählen. Metzger und Händler frohen auch das bei ihnen behende oder im Zause des Zäfrlungstages eintreffende und in der dem Zählungstage voransgefrenden Nacht auf dem Transport zum Schlackften oder Verkauf bestimmte Vieh anzugeben, sofern es nicht etwa erst am Zählungs- tage selbst gekauft wird. .. Militürpfetde sind nicht mitzuzamen. Ms Muttar- pferde gelten alle zu «militärischen Zwecken gefraltenei« Pferde, für welche Rationen in Natur oder in Gestalt von Geldvergütung oder gegen BezalKung aus Magazinen der Riilitärvernxrltung abgegeben werden. Auch die von der Heeresverwaltung ausgeliehenen Pferde gelten als M ilitärpferde. Als Milchkühe gelben Kühe, die am Zählungstage Milch geben ober sichtbar tragend sind. Die Schafherden sind zu zählen, wenn sie sich auch nur vorübergehend hier befinden, und zwar bei der Haushaltung desjenigen, in dessen Obhut oder Pflege sie stehen, auck wenn er nickt der Eigentümer ist. Wer vorsätzlich! die Angaben seines Viehbestandes, zu denen er bei dieser Zählung aufgefordert wird, nicht erstattet, oder wer wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Mo- naten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark besttaft. Auch kann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen ivorden ist, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werde.:. 16276 Gießen, den 26. Februar 1917. Ter Oberbürgermeister: Keller. Das an der Liebigftraße lagernde Abfall- Holz von städtischen Bäumen wird Donnerstag, den 1. März 1917, nachmittags 3 Uhr beginnend, an Ott und Stelle meistbietWd versteigett. Die Zusammenttmft ist auf der Liebigsttatze an der Wilson- sttaße. 16256 Gießen, den 26. Februar 1917. Ter Oberbürgermeister: I. V.: G r ü n e w a l d. Ta^ 4. Ziel Schulgeld des Realgymnasiums, der Oberrealschule, der höheren und Erweiterten Mädchenschule und der Gymuasialvorfchule für das Rj. 1916 kann in den nächsten 8 Tagen noch ohne Kosten an die Stadt- kaffe bezahlt werden. 16246 Ausgabe von Sützstoff(Saccharin). In der Zeit vom 1.—31, März 1917 wird gegen den LieferunaSahlchuitt 6 der Süßstoffkarten „6" (blau) und ,G“ (fielt»oon den Süßftoffabgabestellen Sühstoffabgegeben. -Es gelangen drei Briefchen bezw. drei Schachteln auf den Abschnitt zur Ausgabe. Mit dem 3t. März verliert der Abschnitt 6 seine Gültigkeit. Nach diesem Zeitpunkt nicht abgerufene Sütznoffmcngen dürfen von den Abgabestellen frei verkauft werden. Gießen, den 26. Februar 1917. [ 1623 B Der Oberbürgermeister: Keller.