8 k- 4* Zweiter Blatt Erscheint 1«§Nch mit «uLnahme des Sonntags. J67. Jahrgang veilagen: „Gießen« ZamilirntzlStter" und „ltreirdlalt für den Ureis Gießen". Postscheckkonto: Srankfurt am Main Nr. \{m. Vantvettehr: Gewerbebank Sietzen. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejjen 5amrtag. 24 . Zebruar M7 ZwilltngSrunddruck und Verlag: B r ü hl'jche Universitäts-Buch-u.Steindruckerei. R. Lange, Gießen. §christleit«ng. Geschästrstelle und vruck«ei: Schulsttaße?. Geschäftsstelle u. Vertag: ej&&l, ^Schriftleitung: e=^ 112. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzetzerGießell. Die neuen Reichzsteuern. Ter Reichstag $at bei seinem Wiederzusommentritt am Donnerstag emen steuerplan der Regierung vvrgefunden der rund 1*4 Milliarden flüssig machen soll. Dieser Betrag ist nicht etwa für unmittelbare Kriegsausgaben bestimmt. Er soll vielmehr das« dienen, die Verzinsung der neu lstnzngvkonimenen 2 4 Milliar-- ben Krregssckmlden zu decken. Tie Regierung steht aus dem Standpunkt, da,y für diesen Bedarf Mittel aus Reichssteuern mü) nicht aus einer Anleihe flüssig gemacht wachen müssen. Der Weg der Anleihe wäre vielleicht gangbar, tv-enn ein nahes Kriegsende in Sicht stünde und damit die Möglichkeit gegeben wäre, in absehbarer Zeit den ganzen R'ichssteu er bedarf ein* einheitlich nach neuen Grundsätzen zu regeln. Wie die Tinge liegen, kann von einem solchen großen Gesamtplan noch nicht die Rede sein. Deshalb bleibt zunächst nichts übrig, als sich mit Kriegs- notftemwn zu behelftp. An erster Stelle steht in dem neuen Steuerprogramm der Regierung eine Kohlenwertabgabe. Ter Kohlenbergbau hat mit einer solchen Abgabe gerechnet und sich bereits darauf eingerichtet. Ueber die Art der Abgabe bestand von vornherein kein großer Zweifel. Eine reine Förderabgabe war bei den beträchtlichen Wettunterschieden der einzelnen Kohlen nicht durchführbar. Man hat sich deshalb dazu entschlossen, den reinen Wert der Kohle zu besteuern, und zwar 20 pCt. des Wertes an der Förderungsstelle zu erheben. Aus diese Weise erzielt man eine technisch leicfobe Durchführbarkeit der Steirererhebung, die die Ethebungsstellen sich auf eine verhältnisnräßig geringe Anzahl von Betrieben verteilen. Ter Ertrag dieser Steuer wird in der Regierungsvorlage auf 50(1 Millionen Mark berechnet. Hervorzuheben ist noch, daß der 20 Prozent ige Stenerzuschlag auf die geförderte Kohle nicht einen ebenso hohen Prvzentzuschlag auf den Einzel Verkaufspreis der Kohle bedeutet. In diesem EinzelVerkaufs Preis steckt neben dem Kvhleiuvert auch ein ziemlich erheblicher ^Kostenbetrag für die Fracht, so daß sich z. B. für München der 20prozeittige Wertzuschlag im Verkaufspreis in einer etwa lOpwzentigen Erhöhung bemerkbar macht. Weitere 250—270 Millionen Mark will die Regierung durch Verkehrs steuern gewinnen. Es ist geplant, von den Güter- srachten neben dem im.Vorjahre angenommenen Frachtuickenden- stempel eine Abgabe von 7 PCT des Frachtbetrages und im Personenverkehr auf dem Weige einer ReformderFahrkarten- steuep eine Abgabe von 10—16 pCt. des Fahrkartenpvttses, je nach der Höhe der Fahrklasse, zu erheben. Auch die Straßenbahnen werden in diesen S teuerplan einbezogen. Neben diesen indirekten Steuern fehlt in dem Regi erungs Plan auch nicht eine neue Anziehung derdirekten Steuern. Ter Betrag der als Krieg s st euer beschlossenen Abgabe vom Vermögen lKriegsgewinnsteuer) soll einen 20vrozentigen Zuschlag erhalten Man hat hier zunächst gezwttselt, ob man den Zuschlag einheitlich oder abgestuft erheben soll. Bekanntlich ist in der Kriegs- sftuer nicht nur die reine Kriegsgewinnsteuer enthalten, sondern auch eine Art Vermögen szuwachsstener, die man von allen Vermögen erhebt, die während des Krieges sich nicht, oder doch nicht wesentlich vermindert haben. Der 20prozentige Zuschlag trifft nun einerseits die hohen säße der KriegsgQvinnsteuer ziemlich scharf, so daß in manchen Fällen der Sbeuerbetrag 60 pCt. des Gewinns übersteigt. Andererseits fallen aber auch die 20 pCt. für die kleineren Vermögen, die mit Kriegsgewinnen im Grunde nichts zu tun haben, ziemlich schwer ins Gewicht. Tie Reichs regierung hat sich trotzdem für den einheitlichen Zuschlag entschlossen. Tie eben gestreiften Bedenken zeigen, daß in dem Stenerplan der Reichs regierung Stoff zur Kritik gegeben ist. Man wird deshalb damit rechnen müssen, daß die Parteien sich mit dem Steuer Programm, das ihnen vorgelegt worden ist, kritisch beschäftigen werden. Die Sozialdemokratie kündigt bereits ihren Widerstand gegen die Kohlensteuer an: sie trägt sich aber andererseits mit der Absicht, eine noch schärfere Anziehung der Kriegs- steuer zu fordern. Tie Reichs tags Verhandlungen werden zeigen, in welcher Weise der Reichstag sich mit dem Steuerplan der Regierung ab findet, lieber die Notwendigkeit der neuen Steuern bestehen Mernungsimterschi-ede nicht: denn man kann nicht behaupten. daß dar deutsche Reichsetat mit Kriegsnotsteuern bereits überlastet sei. In England, wo man picht alle unmittelbaren Kriegsausgaben auf dem Wege der Anleihe gedeckt hat. ist die Steuerschraube jedenfalls viel stärker afl/te’-cHjen worden. Tie Notwendigkeit liegt also vor, und über das Wie wird sich der Reichstag sicher mit der Regierung in einer annehmbaren Form einigen. ** Oberhessischer Kun st Verein. Durch die vor acht Tagen teilweise Aenderung der Ausstellung sind nunmehr über 100 Kunstwerke ausgestellt. Llnch diese Ausstellung zeigt wieder allseitiges Interesse, was durch den täglich regen Besuch der Ausstellung bewiesen ist. Ein Teil der ausgestellten Bilder wird diese Woche wiederum aus der Ausstellung entnommen, um cm deren Stelle wieder neue Bilder zur Ausstellung bringen zu können. Verkauft wurden noch „Raphaelbildnis", Oelgemälde von I. Brasch-Karts- ruhe, „Hohe See"', Oelgemälde von I. Selbach-München und eine Plakette „Alter Mann" von D. Greiner-Ingew- heim. ** Gewerbliche Fortbildungsschule. Der Unterricht wird am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag in den Sälen der Gewerbeschule von 71 / 2 — 9 V 2 Uhr abgehalten. Auswärtige Schüler brauchen nicht zu erscheinen. ** Au f Briessendungen an deutsche Kriegs- gefangeneinRußland wird von Amts' wegen vor der Auslieferung der Post nach dem Auslande der Bestim- mungAort mit roter Tinte in russischen Schristzeichen wiederholt werden, um die pünktliche und sichere Ankunft der Sendungen mehr zu gewährleisten. Die Absender müssen für diesen Zweck und auch für die etwaige Uebertragurrg anderer Teile der Briefaufschrift die rechte Hälfte der Auf- schriftseite ftei lassen. Die auf die linke Hälfte zu bringende Aufschrift muß recht deutlich in großen lateinischen Buchstaben geschrieben sein. ** Die neuen FünfpsenniA stücke. Es sollen, wie gemeldet, jetzt auch Fünfpsennigstücke aus Aluminium geprägt werden und zwar im ganzen für 20 Millionen Mark, also 400 000 000 Stück. Ans einem Kilo werden gerade 1000 Stück hergestellt werden, so daß ein Fünfpfennigstück gerade ein Gramm wiegen wird. Damit ist dem Verkehr auch ein bequemes Kleingewicht gegeben. Die Prägung wird sich von der der Nickelstücke unterscheiden, das Münzzeichen ans der Rückseite fällt weg und aus der Vorderseite wie das Wort „Pfennig" wird unter die Zahl in wagrechter Stellung und darunter wieder die Jahreszahl gesetzt. ** Benutzung der Streu -und Futtermittel des Waldes. Das Großh. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwoltung, erläßt an die Großh. Obersörste- reien folgendes Ausschreiben: Um die Stroh und Futter- Vorräte möglichst zu strecken, empfehlen wir Ihnen, auch in diesem Jahre der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, die Streu- und Futtermittel des Waldes in weitestem Umfange nutzbar zu machen. Tie in dieser Hinsicht für die Dauer des Krieges getroffenen Anordnungen, auf die wir erneut Hinweisen, bieten Ihnen die Möglichkeit, den Bedürfnissen und Wünschen der Viehhalter jedes Entgegenkommen zu erweisen. Wegen der für das erste Frühjahr in Betracht kommenden Maßnahmen nehmen wir insbesondere Bezug aus unser Ausschreiben vom 16. Februar v. Js. und fügen an, daß bei dem Mangel an Arbeitskräften und Gespannen der Abgabe von Streu nach Lasten und Karren erweilerter Umfang zu geben sein iterb, damit sich namentlich auch die Besitzer von Kleinvieh mit Streu versorgen können. Auch die Nutzung von dürrem Waldgras wird solchen Viehhaltern zu empfehlen sein. Bei der vermehrten Ziegen Haltung ist wohl auch ttn vermehrter das Eiserne Kreuz zweiter KlasU! — Der Oberarzt Dr. Otto Thurm, früher Infanterie-Regiment 168, jetzt täüg in der deutschen Sanitätsmission in Bulgarien, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. Außerdem wurde ihm das Bulgarische Ehrenkreuz verliehen, nachdem er ftüher Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und des Hessischen Militar-Sani- täts-Kreuzes geworden war. — Der Geometer Heinrich Erbin a n n, Gefteiter in der Minenwerfer-Kompagnie 201, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Hessen-Nassau. ü Marburg, 22. Febr. Zur Erinnerung an seinen gefallenen Sohn überwies der Apothekenbesitzer Jennrich in Blankenese dem hiesigen Hcsim für erblindete Akademiker 1OM Mk. mit der Bestimmung, daß dafür ein „Zimmer der deutschen Landsmannschaft" eingerichtet werden soll. — Zur Auffindung des am 3. April v. Js. in hiesiger Gegend niedergegangenen M e te 0 r st e ijn s hat der Vorsitzende der naturforschenden Gesellschaft und Direktor deA physikalischen Instituts, Geh. Rat Professor Dr. Richarz, eine namhafte Belohnung, die sich bei Mieferung des ganzen Steines ans 300 Mk. erhöht, ausgesetzt. Es wird angenommen, daß der Fall wahrscheinlich im Kreise Ziegenhain, in der Gegend von Linsingen, Leimsfeld, Rörshain und Michelsberg stattfand und daß der Stein vielleicht auch im Forst Frielendorf liegt. Btt Auffindung ist der Stein unverändert liegen zu lassen und sofott Mittellung zu machen. X Schlüchtern, 22. Febr. Zur Hebung derSchafzucht wird beabsichtigt, anfangs März eine Anzahl erstklassiger Zuchtböcke des württembergischen Lairdschafts-(Weide)-Schaf anzukaufen und hierher einzuftihren. Zuschüsse zu den Kaufpreisen von der Landwirtschaftskammer, dem Kreise und den Gemeinden sind zu erwarten. Aur Stadt und Land. Gießen, 23. Februar 1917. **Großherzog-Ernst-Ludwig-Fubiläums- Stiftung. Mit Ermächtigung des Kreistags wird sich der Kreis Gießen cm der Jubiläumssttftung mit einem Betrug von 4000 Mk. betelligen. Bedarf von Grünfutter zu gewärtigen, dem durch Abgabe von Gras und Futterträutem, auch Laubzweigen, aus dem Walde Rechnung zu tragen ist. — Weiter beauftragen wir Sie, Bestände im Domanialwald, in denen noch Bücheln vorhanden sind und die ohne wesentlichen wirtschaftlichen Nachteil offen gegeben werden können, demnächst für den Ein trieb von Schweinen und Sck>aftn fttt- zugeben, damit die keimenden Buchttn und Keimpflanzen aus diese Weise noch nutzbar gemacht werden. Gleiche Anordnungen empfehlen nur im Einvernehmen ntit den Großh. Bürgermeistereien für die Gemeindewaldungen zu veranlassen. ** Die Direktion des Schwarz-Weiß-Theaters, Sellersweg, hat sich bemüht, von Samstag, den 24. Februar bis Montag, den 26. Februar die Erstaufführung des großen Filmwerks „Tie verhängnisvolle Tat von Kiew", die als Beilisprozeß besser in Erinnerung steht, in 4 Akten, zu gewinnen. Diese wahre dramatische, kriminalistische ^ Geschichte hat jenen bekannten denkwürdigen Prozeß zum Vorwurf, der sich erst vor wenigen Jahren «in Rußland zutrug und damals laut Zeitungsberichten die ganze zivilisiette Welt in Atem hielt. Jene Kiewer Vorgänge werfen auf das heutige Rußland und auf dessen soziale und sittliche Verhältnisse bezeichnende Schlaglichter. Ter Film ist zweisellos von größtem Interesse. Ebenso ist für ein glänzendes Beiprogramm gesorgt. Kreis Lauterbach. n. H e r b st e i n, 23. Febr. Maurermeister Friedrich Schaub, Gefteiter im Landsturm-Jnfanterie-Bataillon Pfungstadt, erhielt Gietzerrer Strafkammer. Gießen, den 23. Februar 1917. Der bereits zweimal wegen Diebstahls vorbestrafte 16jährige Arbeiter Hans We. und der 17 Jahre alte Ludwig Wi., beide in Gießen, sind angeklagt und gestÄrdig, am 9. Dezember 1916 zu Gießen einen .Stallhasen entwendet zu haben. Beide Mgeklagten begaben sich an dem genannten Tage abends in einen in der Schanzensttaße gelegenen unverschlossenere Stall, in der Absicht, dort Hasen zu stehlen. We. hatte zu diesem Zweck einen Sack mitgebracht. Nachdem Wi bereits einen Hasen in den Sack gesteckt hatte, erschien überraschend der Besitzer und nahm ihm den Hasen wieder ab, während Ws. die Flucht ergriff. Das Gericht billigte den beiden Angeklagten mildernde Umstände zu und verurteilte den p. We. zu 2 Wochen Gefängnis und den Wi. zur Strafe des gerichtlichen Verweises. Wegen Dieb st ahls i. w. R. hatte sich der bereits neunmal wegen dieses Delikts vorbestrafte Arbeiter Ambrosius S. von Dingten, Kreis Tilsit, wiederum zu verantworten. Es wird ihm zur Last gelegt, in der Kreisabdeckerei bei Garbenteich, wo er als Schlächter beschäftigt war, im Sommer 1916 dem Pächter der Kreisabdeckevei etwa 12 Pfund ausgelassenes Fett von Tierkadavern im Werte von! 20 bis 25 Mark und etwa 25 Pfund .Fleischmehl im Werte von 8,50 Mark entwendet zu haben. Das Fett 'hat er zwei Einwvhuereir von Gcrrbenteich, die ihn darum geboten hatten und die es ols> Wagenschmiere benutzen wollten, gegeben, während er das Fittichmehl einem Schäfer als Hundefutter überlassen wollte. Hierzst kam es aber nicht. Das Gericht verurteilte den geständigen Angeklagten, indem es ihm mildernde Umstände znbilligte, zu einer Gesamtgefängnisstrafe von L Monaten, welche Straft er alsbald anerkannte. Wegen , fahrlässiger Tötung hatte sich der Landwitt Karl H. in Groß-Eichen zu verantworten. Es wird ihm zur Last gelegt, am 31. Dezember 1916 zu Groß-, Eichen durch Fahrlässigkeit den Tod des 11jährigen Heinrich R. verursacht zu haben Ter Angeklagte war an dem genannten Tage aus seinem hinter dem Wohnhauft gelegenen Hof, um dott seinen Huno totzuschießen. Er war gerade mit dem Laden eines Toppel- Lefaucheuxgttvehres beschäfttgt, als der 14jähttge Httnttch R. mit noch zwei anderen Jungens ihn ansprach und von ihm den Schlüssel! zum Wachtlokal für die Kttegsgesangenen verlangte. Er will sich umgedrelst und mit der linken Hand in die Tasche gegriffen haben, um den Schlüssel zu suchen: das gespannte Gewehr hatte er in der rechten Hand. Bttm Hernmdrehen nach dem Jungen ist plötzlich daS Gewehr losgegangen. Durch den Schuß wurde der 14jährige Hein- ttch R. zu Boden gestreckt, er war sofort bewußtlos und wurde alsbald in die hiesige chirurgische Klinik verbracht, wo er am 19. Januar 1917 an den Folgen der Verletzung starb. Es waren ihms mehrere Schrote durchs den Schädel ins Gehirn gegangen, die eine Infektion des Gehirns und im weiteren Verlauf den Tod herbtt- führten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu ttner Gefängnisstrafe von ttner Woche. Die Goldschmelze. In der Königlichen Münze. Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles." Gilt auch harte'noch Gretchens Klage unbedingt? Ein u-emg zwttjeln möchte man daran, wenn man sieht, wie die Werbttättgkert unse^r Gold- onkaussstellen von Tag zu Tag größeren Erfolg zu verzeichnen hat. Und dieser Zwttfel wird noch verstärkt, wenn wir dre Raume der Königlichen Münze betreten, in der die goldene Ernte der Ankaufsstellen aus dem größten Teil Nordd-utschlauds Mr weiteren Ber- ^^Jede Wo^llttern die einzelnen Golankaufsstellen ihren Ertrag rat die Königliche Münze ab, jeder Einlauf erhält ftme besondere Nummer und wird alsbald genau gebucht. In eisenbeschlagmenj Mulden werden zuerst die eingetroffenen Schätze ausgebretttt. Man führt sofott eine Trennung ßsvischen dem 1ogeua7Ei maffive7i Gold und dein nur nach Schätzung angekauften durch Zierliche Armbänder, dicke massive Ketten, goldene llhrkapseln, sregeiriuge, Broschen liegen bunt durcheinander. Bei den nach Schatzung Mi- gekauften Schmuckstücken begegnet man nicht selten noch aller lei Halbedelsteinen; sie werden ausgebrochen und können einstweilen keine Verwendung finden. Tann schreitet man zum.Llbwiegm der einzelnen Sendimg, die in ernert besonderen Beitttt kommt und ihre lausende Nuinmer erhält. Ein ganz stattlicher Berg von solchen Säckchen ist in der Münze in ttner besonderen SäMtzkammer, cue als feuersicherer Gttdschvcrnk ausgebaut ist, aufgestapelt. Aber allzu lange lagern sie hier nichtt . Von der Schatzkammer wandere ich nach der eigentlichen Schmelze. . . Vorbei Zeht es an einer stattlichen Reihe von Kisten, die je 180 Rubel in 3m, 2- und 1-Kvpekenstücken enthalten: sie sind für die besetzten Gebiete im Osten bestimmt rmd harren der Bersendimg. Während die Borbereittmgen zum Schmelzen getroffen werden, kann ich noch ein wenig Umschau halten. In ttner Mulde fallen mir ein paar anschttnerid ganz massive, prächtige goldene Kannen auf, daneben ein etwas selffamer Tutel schmuck mit ttgenattigen Ber- xierungen, die auf asiatischen Ursprung schließen lassen. Diese goldenen Schätze stannnen aus dem Königlichen Schloß. Hier und 5a sieht man noch an ttnigerl Bruchstücken dcii Prüsstttch des Schätzers, auch anscheinend lauteres Gold bedarf der strengen Prüfung, Der ObnschmÄzer -r, xm schaut auS wie an GchiG- des ! Vulkan — rüstet sich zum Werke. Noch ttnmal wird die zum Einschmelzen bestimmte Masse — Hundette der verschiodensten Sächelchen bilden sie — aus der Wage gewogen, die bis aus ein halbes Gramm genau anzeigt. Das^ Bruttogewicht vor dem Schmelzen wird ausgeschrieben, aus ttner Rtthe von Graphittiegeln wird der passendste herangeholt, das Schmelzgut eingeschüttet, ttn wenig gepulvette Holzkohle dattlbergestveut, mit ttner mächtigen Zange wird der Tiegel ersaßt und in den Ofen inmitten ttnes mächtigen Holzkohlenfeuers gestellt. Alsbald schließen sich die Türen des Ofens, schon nach wenigen Minuten gerät die Masse, obwohl Gold erst bei 1060 Grad schmilzt, in Fluß. All die verschiedenen Sächelchen hoben aufgehört, ihr Sonderdasem zu führen. Die ttsernen Türen des mächtigen Ofens werden geöffnet, von dem weißglühenden Tiegel wird der Deckel abgenommen, grünlich violette Dämpfe umspülen fernen Rand, magisches Licht mischt sich mit dem des Mhlenfeuers, förmliche Märchenstimmung herrschst letzt im Raum. Ter Oberschmelzer greift nach einer langen Eisenstange, an deren Ende sich em kleines becherartiges Gefäß befindet, das er Mit Lehm und Kohle ausschmiert. Aus der flüssigen Masse schöpft nnach tüchtigem Turch- rühren der Masse eine lleine Probe ate Die Türen des Ofens schließen sich wieder, die abgeschöpste Masse wird m em Gefäß mit Wasser über ttn Rutenbündel gegossen, glitzernde Metall- stückckien sinken zu Boden, sie werden sorgfälttg getrvckntt und auf die Wage gebracht. Schon liegt erne kleine Papierdüte berechn um die abgewogene Probe auszunehmen. Hrc.trägt die gleiche Lmrs- nummer lvie das Schmelzgut, das noch m Oken der läuternden Hitze ausgttetzt ist. ^ , Ti- eben a&gcwofltfte, fogawmttc schovfpwbe erhalt btt OTtattarbrin, der nach sorgfältig« chmnschtt Analyse ixn Gehall an Silber imd Gvld M bestimmen k«t. Eine V-rerEwKc Wt ungefähr verflossen, di- Hitz- nn Ostzn hat ihre schuldigkert getan, mit einer gewaltigen eisernen Zange holt der Oberschmcher den Tiegel heraus, läßt ihn ein wenig erMtra unb fließt m eure bereitstehende eiserne Farin dre flüssige Masse hinein, sie erkM hier die übliche Barrenform. Wenige Mimiden daraus wird der erstarrte Barren berausgenomuren, in nn Bad mit verdümiter Äbmesetsäure getaucht, um wenig« oberflächliche Metalloryde zu ÄS » geht'es zur Wage, um das Gechcht des Barrens festzustellen Ter llnterschied zwilchen dem Gewicht vor imd nach de^ Schmelzen beträgt k^wölmllch mir tomige&mmm. 3« tot Gehalt an Silber und anderen Metallen üntot sich die Farve des Barrens. Er erhält nun mit Hilft von Stempeln neben dem Adlerzttchen seine besondere Barrennummer, auf-erdem die Llngabe des betreffenden Jahres. Ueber alle die Schicksale, die die Ein- lieserung einer jeden Goldankaufsstelle in der Königlichen Münze durchmacht, wird genau Brich gefühtt. Unter einer besonderen, Nummer führt sie gewissermaßen ihr ttgenes Daftin; das Datum, ihr Gewicht bei der (Ankunft, vor Und nach der Schmelze ist unter der gleichen Nummer genau gebucht, das Ergebnis der Analyse des Münzwardeins über das Verhältnis von Gold imd Silber im geschmolzenen Barren wird hinzugefügt. Weit über tausend Schmelzen sind berefts in der WniglicheN Münze im Interesse der Goldankaufs stellen ausgefühtt worden. Nicht allttn m Berlin, auch in Hamburg, München, Stuttgart, Karlsruhe und Mulden Hütte i. Sa. werden in den Münzen solche Schmelzen misgefühtt. Tie Größe der Barren schwankt außerordentlich. Tie Goldcmkaufsstelle Berlin II (Herrenhaus) kann sich rühmen, bisher das größte Wochenergebnis gehabt zu haben nr Gestalt ttnes Barrens von 45 Kilogramm. Je nach dem ^fthalt an Gold ist natürlich der Wert eines solchen Barrens verschieden.. Doch das letzte Wort hat die Schttdeanstalt und neben ihr die Reichsbank zu sprechen. Die Barren, die neben dem Gold noch Silber, Kupfer, mitunter auch noch andere Metalle enthalten^ wandern von Berlin nach Frankfütt a. M. in die Schttdeanskilt. Hier gilt es, Gold und Silber von ttnander zu ttennen. Fttlher geschah das durch Säuren, das sogenannte Scherdewasser. ?lber sttt- dem man gelernt hat, mit Hilfe des elektrischen Stromes hie Mttalle aus ihren Lösimgen fast völlig rttn mederzuschlagen^ vollzieht sich auch die Scheidung von Gold und Silber auf elektrolytischem Wege. Und so durchgearbtttet sind diese Mtthvto.,- daß man hier Gold erhalt, das in tausend Teilen 999 Teile GKd neben winzigen Spuren von Silber enthält. Von der Scheido- anstalt wandern die so getrennten Gold- und Silberbarren zur Rttchsbank zurück. Diese Barren helfen mft, wenn auch in anderem Sinne als Lloyd George es meinte, als er von den „letztens silbernen KLigel" sprach, die den Kampst entschttto, unser Vaterland schützen gegen manch tückische Pläne der Entente. An diesem Verterdigungsw-erke können noch viele teilnehmen. Matvch Zierat manch goldener Schmuck, dessen Zttmstwert nur gering ist harr^ noch des läuternden SckMelzseucrs, unt die goldene W^hr imiem* Vaterlandes zu stärkaw Drrt Joel, Kdrlm ixiTIZTLi 7 '“'. ^ v v :' v 7 f V ".;7 o“ oe» m ^ ui iieugec, ieio|iio|er jaroeu oemuyl gewesen, oeul men diNN ZU mehren, oemsme zu pflegen, einen klaren dentschen willen zu wecken und zur zielsicheren Betätigung aus allen Lebenrgebieten ZU bringen. Ein Verband mit solchen Zielen, zu denen sich Zeder Deutsche bekennen kann hatte erwarten dürfen, alsbald von der gesamten deutschen öffentlichen Meinung getragen zu werden. Stattdessen hatte und hat er fortgesetzt ssfssen eme Fülle von Verleumdungen und Entstellungen anzukampfen, die, obwohl ohne jeden Beweis oorgebrachl, durch unermüdliche Wiederholung nicht ohne blieben. Sle erzeugten em verkehrtes Blld vom Verbände und dadurch in weiten Kreisen Gegnerschaft oder doch zurückhaltende Scheu Darin must endlich Wandel geschaffen werden. Es darf nicht sem, daß von emem Verbände mit ernsten und wichtigen deutschen Zielen durch hartnäckige Entstellung derselben dauernd HunLerttausende Deutscher ferngehalten werden, bte ihrer Gesinnung nach durchaus zu ihm gehören. * 1 B 1 Zur Aufklärung stellen wir fest: Es ist unwahr, daß der Alldeutsche Verband Kriegshetzerei getrieben, „Chauvinismus" geübt oder gepredigt hätte. Wahr ist dagegen, daß der Alldeutsche Verband unter den wenigen war: Gegner KNkV-NLSL'L-Ä S^ÄStSftr ** ^ M> W»™ &>»« st.e . ^-^"selegte, wirkschaslllche Hflffung auf den Krieg, namentlich Errichtung eines „wirffchaftlichcn Generalstabes" (dies Wort prägte Senator Possehl, LL NL-SS ÄIM S*‘“ " .es den«.» Wehrvereins)' forderten. I z.j) „Ub LLL K 0r h b l m Kriege restlose Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht verlangten. - Wer wünschte nicht heute, des Russeneinfalls in Ostpreußen und der Ikarneschlacht gedenkend, daß wir gleich in den ersten Kriegswochcn elliche hunderttausend voll ausgebildeter Soldaten mehr zur Stelle gehabt hätten! „ ® § A ferner unwahr, daß der Alldeutsche Verband im Kriege, geleitet von „Eroberungsgier" und „Annexionswut", „maßlose Kriegsziele" ausgestellt hätte. Wir «rso?d«'iich ^"^n, daß sie, fern von zeder Eroberungssucht, nichts erstreben, als Gewinnung der Notwendigleiten, die zur Sscherung der deutschen Zukunft f ® § l 5, enbtl ^ t f ntD ? l|r 'M^der Alldeuffche Verband sich einseitig im Fahrwafler irgend einer Partei (es ist neuerdings das Schlagwort „alldeuffch-konservativ" aeaen chn aufgebracht worden), oder Wirtschaftsgruppe bewege. Mahr ist vielmehr, daß der Alldeutsche Verband unverrückt seiner Grundausgabe treu blieb, bleibt und b^i^en Stelle zu sem, an der sich über Partei- und Meinungsverschiedenheiten hinweg alle zusammcnfinden können, die wahrhaft deutschen Sinnes find Zu keiner d«'gesamten"deutsche^vottrs heit"und Woh?^sest^ ^°'band °"ders ^«ung, als daß er rctL, deutschen Sinnes V°gte und?u"rgLe7sucht? was"^ Zur Werbung erklären wir: 2 . r. nut banon, roag roir im Kriege mit dem Schwert errangen, auch davon, wie wir nachher beim Neu- und Umbau unseres Hauses verfahren wird die deutsche wlfZlf »f fSfa Geisteskampf entbrennen, der glücklichen Ausgang nur finden kann, wenn sich über trennende Partei- und Wirlschaftsanschauunqen hufw-g --n starkes, f-stgeglicdertes, zielsicheres «at onales tzeer zulammenstnd-t. Ein Heer, welches - einerlei wie der Aus- und Umbau im einzelnen erfolgt - durchs^ ibilr.- x» werde, dienlich der Entwicklung deutscher Eigenart, der Bewahrung und Entfaltung echten, deutschen Volkstums, vom rechtze tiaen an n i^S