Bl 59 äroeites Blatt Erschemt tkzllch mit NuSrnchme des Ssnutag». \bl. Zahrgan- Beilagen: • „Siehnrer $cratmt#&ßtter“ und „Kreisblatt für den Kreis -letzen". V«ffscheauung aller dem Fiskus gehörenden Weideländercien. Mit Gülttgkeit vom 18. Dezember 1916 bis 15. März 1917 wurde eine Regelung des Verbrauchs und Verkaufs von Saatkartoffeln erlassen. Am 6 . Dezember wurde ein einheitliches Kriegsbvot „N a t i o n a l b rv t" eingeführt, das nur zu 70 Pvoz. aus reinem Weizenmehl besteht. Mitte Dezember 1916 erschienen die Bestimmungen über die Zusammensetzung der Mahlzeiten in Gasthöfen, Klubs und Restaurants. (Eine Mahlzeit, die zwischen 6 Uhr urrd Vs 10 Uhr abends eingenommen wird, darf aus nicht mehr als 3 Gängen und eine zu anderer Zeit eingenommene nicht aus mehr als zwei Gängen bestehen, Käse wird nicht als Gang angesehen: Vorspeisen, frische uitd getrocknete Früchte und Suppen zählen als halbe Gänge.) Ueberaus wichttge Bestimmungen brachte der Anfang Januar 1917: die Regierung setzte jetzt die Weiten-, Hafer- und Kartoffelpreise für das laufende Jahr fest. Ferner ordnete das Kriegs- ernährungsamt an, daß die bisher bestehende Weizenausmahlung von 76 Prozent um mindestens 5 Prozent durch weiteres Aus- niahlen erhöht werden müsse oder das Mehl durch Hinz-ufügen von Gerstenmehl, Maismehl, Reismehl oder Hafermehl gestreckt werden solle. Zu gleicher Zeit erschien ein Verbot der Ausgabe von Informationen über Getreide. Ter 10. Januar brachte eine Bäckereivervrdnnng-, wonach Kuchen nicht mehr als 20 Prozent Zucker enthalten darf: neue Bestimmungen über das Einheitsbrot wurden erlassen. Tie Verfütterung von Getreide an Fasanen oder anderes Wild wurde verboten. Zur Fabrikation von Schokolade wurde die Verwendung von Milch untersagt. Schließlich erschien Mitte 5Arnuar 1917 eine Verordnung betreffend die! Einschränkung der Erzeugung von Bier um 30 Prozent vom 1. April 1917 ab. Aus allem ist zu ersehen: zwei Jahre und zwei Monate seit Beginn des Krieges hat sich England uni eine gesetzliche Regelung seiner Lebensmittelversorgung nicht gekümmert. Dann setzte die staatliche Fürsorge ein, zuerst langsam und tastend, dann in erregter Steigerung. Woher diese Erregung? Die Lebensmittel werden knapper! Die Gefahr steigt! Denn England ist auf Zufuhren zum großen Teil angewiesen. Unsere Tauchboote gehen zur rechten Zeit an das Werk. Aus Stqdt und LanD. Gießen, 15. Februar 1917. "Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne. Am 16. Februar 1917 ist ein Nachtrag zu der Bekanntmachung vom 31. Dezember 1915 betreffend Veräußerungs-. Verarbeit ungs- und Bewegungs-Verbot für Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarne (Nr. IV. I. 761/12. 15. K. R, A.) erschienen, durch welche die zum Kl einv erkauf in Warenhäusern und sonstigen offenen Ladengeschäften frei- gegebenen M engen an wollenen und wollhaltigen Strick-- garuen wiederum erhöht worden sind. Es sind nunmehr 60 v. H. der Vorräte, die sich am 31. Dezember 1916 bereits in Warenhäusern oder in sonstigen offenen Ladengeschäften befanden, zum Kleinverkaus oder zuin Verkauf an Hausgewerbebetriebe ireigegeben, mindestens jedoch 25 ke°. Als Bedingung der Freigabe ist die Vorschrüt bestehen geblieben, daß der Verkaufspreis der einzelnen Sorten nicht höbcr beinessen wird, als der zuletzt vor dem 31. Dezember 1915 von demselben Verkäufer erzielte Verkaufspreis. Weitere Freigaben von Strickgarnen sipd für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen worden; Eiiizelanträge auf Freigabe können jedoch nicht berücksichtigt ,verden. Kreis Büdingen. Effolderbach, 15. Febr. Das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt der Vizefeldwebel Karl Spitznagel im Jns.°Rgt 115, daS Eiserne Kreuz der Landsturmmann Robert Lenz. Kreis Schotten. n. Eschenrod, 14. Febr. Ten, Dragoner Hahn, der seit Kriegsbeginn ununterbroebeii im Felde steht, wiirde von dem Kom- iiiandeiir der 25. Res.-Tivision das Eiserne Kreuz 2. Klaffe wegen hervorrageilder Leistwigen persönlich überreicht. Hessen-Nassau. — Frankfurt a. Nt.. 13. Febr. Bei einigen hiesigen Wirten beschlagnahmte die Polizei 300 Pfund Wurst und Fleischwaren. Ermittlungen ergaben, daß die Waren in einem Maindörfchen bei Miltenberg von zwei jungen Burschen gestohlen und hier verkauft wurden. — Griesheim a. M., 14. Febr. Durch das letzte Hochwasser wurden hier große Mengen von Balken, Grubenhölzern, Floßstännnen, schwellen, Brückenteilen usw., ferner Türen, Treppen, Kasten und viele andere Gebrauchsgegenstände an Land gespült. Größtenteils stammen die Holzsachcn aus den Baugruben der Mainkanalisierungsarbeiten. X Hanau, 14. Febr. Die Stadt Hanau hat mit Gemeinden des Landkreises mw größeren Gutspächtern Verträge Wer die Lieferung von Früh- irud Spätgemüse, sowie Frühkartoffeln abgeschlossen, die so gehalten sind, daß auch eine immerforte Produktion, namenttich von Gemüse, erfolgt. Obgleich die in den Verträgen feft- gelegten Preise an sich schon ziemlich hoch siird, ist in denselben trotzdem noch die Bestimmung ausgenommen, daß die Preise für den Fall, daß infolge schlechter Ernte höhere Höchstpreise festgesetzt werden sollten, entsprechend erhöht werden. Sollten dagegen nildrigere Höchstpreise festgesetzt werden, so bleiben die Vertragspreise von Bestand. Für die Landwirte ist also nur günstiges geboten, denn eine Erniedrigung des Vertragspreises ist ausgeschlossen, die Möglichkeit der Erhöhung aber gegeben. DaS Saatgut für die Frühkartoffeln wird von der Stadt Hanau zu 8 Mk. der Zentner zur Verfügung gestellt, sofern die Stadt nicht selbst mehr wie 12 Mk. bezahlen muß, sonst zu 9 Mk. — Marburg, 13. Febr. Beim unvorsichtigen Umgehen mit einem alten geladenen Gewehr erschoß in Dreihausen ein junger Mann sernen neben ihm siebenden Freund. Ausdem Kreise Marburg, 12. Febr. Die Butter- preise sind jetzt wie folgt festgesetzt: Die Erzeuger erhalten für Molkereibutter bei Mgabe an die Kreissammelstellen 2,40 Mk., für Bauernbutter 2,00 Mk., die Buttereinkaufsstellen erhalten von den Ablieferungsstellen 2,27 Mk. und im Neinhandel bei Abgabe cm die Verbraucher für Bauernbutter 2,38 Mk., für Molkereibutter 2,60 Mk. In den Verkaufsstellen, die ihre Butter von der .Krers- sammelstelle beziehm, beträgt der Verkaufspreis für Bauernbutter 2,50 Mk., für Molkereibutter 2,60 Mk. Gerichtsja«,!. X, Hanau, 12. Febr. Der Fuhrmann Johannes R o e l o f 3 aus Oberhausen, der vom Heeresdienst zur Arbeitsleistung nach Langenselbold entlassen worden war, hatte sich unberechtigt die Ordensbänder des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeits-- medaille zugelegt. Als man gegen ihn vorgehen wollte, ergriff er die Flucht und nahm ein Paar Schuhe mit, die er gestohlen hatte. Es gelang bald, ihn zu ergreifen. Die Strafkammer'erkannte heute aus 5 Monate Gefängnis. Gberhesfisches Museum und Gail'sche Sammlungen. Wie luus der Vorstand mitteilt, hat sich trotz der schweres Kriegszeit das Interesse für die beiden hiesigen Museen keineswegs« vermindert, was sich durch zahlreiche, zum Teil recht wertvolle ^wendirngLn kundgibt. Der Besuch lvar recht rege, besonders erfreulich war es, daß unsere tapferen Feldgrauen von deit regelmäßigen Führungen fleißig Gebrauch machten. Der bauerlick-e Hausrat und die Volkstrachten haben eine außerordentliche Bereicherung durch em: dauernde Leihgabe des Gwßherzioglichen LandesmuseimtS echalteu. Vermehrt ivurden: Fayencen, Po^ellane, Zinn- und Glasware. Einen dankenswerten erheblichen Zuwachs hat die Zahl der.Kupferstiche von I. G. Wille, der 171H aus der ObernrüUe bei Rodheim a. d. B. geboren tvurde, erfahren, darunter zwei Originalseichnungen des Künsllers. Die A u s g t abunge n mußten naturgemäß eingestellt iverden, da es an Arbeitskräften fehlte. Bei Anlage des Kriegs- gefangenen-Lagers und bei Erdarbeiten aus dein „Trieb" wurden ledoch Gefäße mit Dtetallbeigaben der verschiedensten Zeitabschnitte aus Brand- und Melettgräbern freigelegt und dem Museum Wer- wiesen. Sofort nach Kriegsausbruch begann man Erürneruugen an die große Zeit M scnwmeln, und aus kleinen Anfängen ist rmnmehr ein stattliches K r i e a s m u s e u m erwachsen, das «aber leider wegen des mitzulänglichen Raumes nur zum kleinsten Teile der Oessent- lichkett zugänglich gemacht werden kamt. Das Kriegsmitseimt birgt u. a. eine reiche Saininlung von Notgeld, 450 Stück von 130 Orten, Kriegsmedaillen, Zeitungen, Aufrufe, Bilder und Karikaturen. Sehenswert sind die verschiedenen Arbeiten der Kriegsgefangenen, cutch Zeichnungen und Gemälde aus der Künstler- Lilonie unseres Lagers. Befreundete Kriegsteilnehmer schicken fleißig Ermner-mgen aus dem Felde. Tie vmt Frau Olga Hasstl- mann-Kurtz in Wiesbaden künstlerisch aus geführten Pastellbildnisse ;rach Typen im hiesigen Lager uutergebrachter Gefangenen werden dem Krregstnuseunt, wenrt es hoffentlich demnächst üt einen ge- atftiefcaen Raum übevgMhrt ^ ^ besonderen Zierde gareicheu-, Tie Teilnahme aller Besucher erwecken die Bilder der gefallenen Gießener Helden. Das D^useum beabsichtigt eine würdige Heldentafel zum Andenken an die fürs Vaterland gestorbenen Gießener .Sieger zu errichten und erbittet hierfür Photographien mit Angabe von Namxn und Daten auf der Rückseite. Empfangsannahme: Kommerzienrat und Beigeordneter Louis Emmelius, Ostanlage 21 und Direktor des Museums, Major a. D. Dr. h. c. Kramer, Ludwigsplatz 10 II. * —: Ein unbekanntes Selbftbildnis^von Anselm Feuerbach. Die Reihe der zahlreichen Selbstblldmsse von Anselm Feuerbach war bisher durch eine Lücke von 17 Jahren unterbrochen. Ztvar war aus dem Briefwechsel Feuerbachs zu entnehmen, daß er auch in seiner reifsten Zeit an einem Selbstbildnis gearbeitet hatte, dochi lvurde hierüber nichts Näheres bekannt. Erg jetzt ist es gelungen, dieses Selbstbildnis, dessen Vorhandensein oft vermutet und ebenso oft geleugnet ivordeu war, cm die Qeffentlich- keit zu bringen. Das Bild stammt aus dem Nachlaß der Schwester Feuerbachs, Enrilie, und ging dann in den Besitz einer bckdischen Familie über. Auf Grund emgehender Studien und einer Zusammenstellung für diesen Fall besonders toichtiger Briefftellen Feuerbachs setzt nunmehr §>ermann Uhde-Bernays im Cicerone die das Werk betreffenden näheren Umstände auseinander. In einem vom 25. Januar 1868 an seine dRhttter basierten Brief schrieb Feuerbach: „Nächste Woche vollende ich mein Pvrttät, welches ich mit dem Frühlingsbilde vor meiner Abreise zu Euch schicke." Feuerbach kam aber nickt dazu, daS Bild vollständig l>er- zustellen, wenigstens ist Uhde-Bernays der Anftcht, daß dent Büd die bei Feuerbach gewolmten letzter! subtilen Feinheiten fehlen. Die Malerei deutet nach der Meinung von Bernays mckedingt auf den Feuerbvch des Jahres 1868, irud die Technik gemahnt an das damals bereits vollendete Porträt der Charlotte Kestner. Das Bild iß : n jeder Begebung monumental, alles^ ist aus stärkste, größte -Üvirkung angelea^ Ties ivird als der walnßchüulichste Grund ailgegeben, warum gerade dieses Selbstbildnis unbekannt, ja sogar noch zu Lü^eiteu Feuerbachs versthvlLu: war. 186 7 und -luuu iwu ocuuuw JIUUU.LUJ H-ijL iufULi iLUL|ro:t lovroen, n>cu er „die kleine, unscheinbare Tochter der Goerhesch-n Lotte in königlicher Gestalt auf einen Herrscherthron gesetzt habe." Da Fener- bach äußerst empsindlich war und fürchten mochte, daß die monumentale Art seines Selbstbildnisses, die natürlich aus rein künstle- rischeu Grmtden beruhte, den Anlaß zu Mißverständnissen und einem Kreuzfeuer von Angriffen bilden könnte, wollte er wahr-^ scheinlich nichts mehr von dem Bilde wissen. Seine Schwester Emilie, die sich so vieler ihm selbst mißliebig gelvordener Werke annahm, hat dann auch dieses Selbstbildnis übernommen das bis Ende des Jahres 1916 verborgen blieb. — Hamburger Uraufführungen. Aus Hamburg wird uns gelchrieben: Der Frauenllub veranstaltete einen Eulen- berg-WendB Es kam etn einakttges Lustspiel „M e ssa l ine" des rhemtschen Dtchters zur Uraufführung, das einen ehelichen Steift abhandelt. Natürltch tn der eigentümlichen schalthaft-spötttschen Tonart Eulenbergs. Emiunger Gelehrter m mit einer Wissenschaft- ^Hen Arbeit über „Mesjaltne" beschäftigt. Er vernachlässigt dabei letne < 5 rau jo jehr, daß diese aus das Werk eifersüchtig wird De« daraus nch ergebende Konflikt hat nicht den Reiz, um das Stück anziehend zu machen. — Ein Mysterium „D a I e s u a u f Erd eit 9