Nr. 28 Zweites Blatt Erscheint tügüch mit Ausnahme des Sonntag». J67. Zahrgang Betlagen: „»ietzenrr $amUienbiatter“ und „Ureirblatt für den Kreis «trtzen". poßfchecktonto: Krankfnrt m Mat« Nr. U686. Vankvettehr: -e»erbedank »letzen. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen Freitag. 2. gebruar 19fr ZwtllmgSrunddruck und Verlag: B r u hl'fche UniversltätS-Bnch-u.Steindrnckerei. N. L a\\ a e, ©ieften. Zchriftleitung, Gefchäftrstelle und Druckerei: Schulst rage 7. Gefchäsisitelleu. Verlag: Schriftleuung: ^8^, 112. Anschrift für TruhtuachrrchtenrAnzeigerGteien. Krlegsbriefe von der rumänischen Zront. Bon unserm zum südöstlichen Krieg sschmi Platz entsandten Sorlüerberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.! Kleine ^triegserlebnisse aus dnn neuen Jahr. I. Foksaui, Mitte Februar. Feueren Ploesti. Ich sitze im Offiziersheim zu Ploesti. Zigeuner fideln; sie .sEen ohne Noten nach form (Mjiir; und sie bevorzugen dabei die abenteuerlichsttm Zusanrnrenstellungen. So wird bis zur Abfuhr erpr wundersame Weise mick>erk)vlt, die mit „O^ Tannenbaurn, o Tmlnenbanm" beginnt, ganz unvermittelt mit „Puppcl-en, mein süsses Prrppichen" svrtfährt, dann in die jubelnden Mange der „Tschorna Maritza", der bulgarischen Nationalhyimre, übergeht und schliesslich reumütig zic dem auch im Winter, wenn es schneit, noch immergrünen Bann: wieder ihren Weg findet. Das wiederholt sich immer mit denselben gewagten Uebergänacn, Bvertelstunden lang. Wenn einmal eine fletne Dause erntritt, läuft einer der musikalischen, Hammeldiebc mit einem TeNercheir von Tisch zu Tisch und heischt mit demütiger Verbeugung und elirerbietig pertraulichem Grinsen seinen Obolus. Er erntet reichlich; der Soldat ist freigebig im Felde. Dafür mußsvch der braune Sarasate so manches herbe und derbe Wort der Kritik seiner künstlerischen Leistungen anhören. Ter Ausdruck „Schweinebande" ist dabei mxh der mildeste: er scheint ihn zu kennen, beim er lächelt jedesmal verständnisvoll, wenn er ihn vernimmt. Zu essen gibt es Fleisch, Kartoffeln und dabei in Diertelliterfläschchen rumänischen Londwein. Trautzen aus dem Lande mit seinem zahllosen Geflügel lebt es sich besser; die Bauern fahren noch nicht zu Markte, und die Etappe hat einstlveilen dring-- lichere Sorgen als Lebensmittel für die dicrchmarschierenden Truppen über das Notwendigste hinaus zu Haufen. Obgleich cs also keineswegs lukicklisch hergeht, sind die Tische der vorhandenen zwei Räume von Offizieren aller Waffen- aattungen doch dickst gefüllt. Erstens gibt es einstweilen noch nichts Besseres, und barm trifft fast jeder bei dem allgemeinen Zusammenströmen am Ausgangspunkt der großen Straße nach vorn eine Menge Kameraden hier, die er lange nicht mrchr gesehen hat. Tie Herren Kameraden erscheinen in keineswegs salonfähigen Feldkostümen. Was sie ans dem Leibe Imben, ist vielmehr oft genug annähernd ähnlich abenteuerlich zusammengesetzt, wie die Musik der Zigeuner. Aber darrach geht es nicht. Man tauscht Neuig-, ketten aus und Erinnerungen. Rechts von mir hat der Führer eines Bataillons Platz gefunden, das wir während der .Kämpfe am Törzbuvger Patz oft' bewundert haben. Es hielt damals Hochwackst auf dem Magura —, dem Vizeseldwebel Magura, wie ihn unsere Leute nach der Bezeichnung auf der Karte nannten. Me diese Berge waren „izefeld- webel" in der Umgangssprache der Armee nach dem. Vs., das immer vor dem Namen starid. Tiefes „Vf." bedeutet zwar eigentlichVörful, d. h. Berg, doch das konnten und wollten die Leute nicht wissen. Ter Vf. Magura war also der Vizeseldwebel Magura und der Bf Matheias der ViAeftldwebel Nratthias. So war es, und dabei blieb es. Auf besagtem Bizeseldwebel Magura also hatte der Herr .Hauptmann mit seinen Getreuen damals gehaust. Urnen war übles Wetter. Und wenn inan dann das Haupt des Riesen tagelang und wochenlang aus ttefstreichendem, schwerem Gewölk und dickem Nebe^ heraus nicht zum Vorschein kommen sah, tat es einem in der Seele weh um die, die dort oben in treuer Pflichterfüllung aushielten, ohne dach ein Wort der Klage über die Strippe ins Tal hinabdrvng. Ter Führer der tapferen Schar lacht, als ich chn daran erinnere. „Na ja! Wir hatten toei Tage Schneesturm. ^.as war rn der Tat rmgemüttich. Und es war ständig ziemlich nnndrg. .Iber sonst? Werm es unten im Tal regnete, hatten wir oöen schönsten Sonnenschein. Etwas zum Schlachten hatten wir auch, der Feind lieh, uns ungeschoren, nachdem der Berg nun ^”7™ - J^ r ihn verloren war, und selbst gegen die Besuch hoher und höchster Vorgesetzter bot die Steilheit des Aufstioges ziemlich sichere Tecknng. Alles in allem; ich glaube, daß meine Leute sich dort ganz wohlgefühlt haben. Andersivo mag e3' ja anders gewesen sein. Wir aber hatten ims jedenfalls ganz nett eingerichtet."' Gegenüber erzählt jemand eine lustige Geschichte von der (sfe- fangennahme einiger 20 Russen, die in einem .Hause, in dein sie mit ihrem Leutnant nächtigten, überrascht wurden. Ta aus einmal leuchtet greller Feuerschein durchs Fenster. Aus dem Erdgeschoß eines Hauses^ geradenber von uns schlägt eine mächtige Stichflamme. Sie leckt bis zum ersten Stock empor. Es brennt. Zwei oder drei Herren stehen auf, treten an die Tür, sehen hrnaus und setzen sich dann rvieder. Zwei oder drei — mehr nicht! Tu lieber Gott, man sieht es so oft brennen im Kriege. Zu retten m dli nichts, das lehrt die Ersiahnmg. Die .Komniandantnr wird die Brandstelle absperven, und die Panjes werden mit.einer: lächerlich klernen und klapprigen Spritze kommen imb die Nachbarhäuser bespritzen, um sie zu retten. Es sind ihrer genug, so daß sie der Mrlwirckung -unserer Mannschaften en traten können. Niemand regt sich »veiter auf. Es ist eben Krieg. Man hört noch, daß eure Lampe drüben umgefallen ist und sielst Menschen draußen hin und her laufen. Dann fährt der Erzähler fort: „. . . . Tie Russen schliefen. Die Leute auf einem gemeinsamen Ltrvhlager, der Offizier in einem Bett. Der .Kerl machte ganz dumme Augen, als ich ihn wachrüttelte und aufforderte, sich zu ergeben. Er setzte sich auf und fragte in einem fort: „Bin ich gezmgelt um? Bin ich gezmgelt um? . . . Ms ich eine halbe stunde später gemeinsam mit dem verflossenen Herrn von Vizeseldwebel Magura und dem Russen fänger den Tafelfrenden und den nrnsikalischeu Genüssen des Offiziersheims den Rücken kehre, schlägt die 'Lohe bereits zum Dach des brennenden Hauses hinaus — übrigens zum Glück nur eines schmalen Riemens. Es ist verloren. 'Doch nicht das ist's, was uns veranlaßt, unsere Schritte zu hemmen und die Brandstätte zu bestaunen. Und ringsum stellen Offiziere und Mannschaften in Haufen und betrachten sich nicht weniger verwundert und neu- gierig wie wir, was da vorgeht. Daß da wieder einmal Feuer war, hat vorhin die Gesellschaft an den Tischen dürben an sich kaum veranlaßt, einen Blick 'herüberzuwerfen. Doch hier ist etwas, was nran im ganzen Kriege noch nicht gesehen hat, so daß es sich wohl lohnt, stehen zu bleiben! Hier wird nämlch richtig gelöscht. Nicht mit kindischem Gerät und mit lächerlichem Geschrei, sondern ganz ordentlich, in aller Ruhe und wie es sich sonst gehört. Wahrhaftig, dies Ploesti ist eine Großstadt! Hochauf schlagt die Flamme, sprühen die Funken, und der Feuerschein spiegelt sich an Lanzen spitze und eherner: Jakobinermütze der Freiheitsgöttin aus dem nahen NLarktplatz. Doch zischend und krachend schießt gleichzeitig ein armdicker Tampf- spritzenstrahl in die Glut. Tie alte Baracke mit ihrem plundrigen Inhalt hat er nicht zu retten vermocht. Doch wird diesmal nicht, nne üblich, die ganze Straßenzeile oder gar das gesamte Stadtviertel in Asche sinken. Des Feuers wegen wird sicherlich keiner von aU den Soldaten oder Offizieren, die sich ringsum ansammeln, steheu bleiben Daß es wieder einmal brennt, ist im Felde etwas nur allzu Alltägliches Aber daß hier gelöscht ivird, wie zu Hause, das ist in der Tat erstaunlich. Viele haben das seit Jahren nicht mehr gesehen Wce zu Hause! Es ist merkwürdig, ,vaS alles im Felde die Errnnerung an die Heinrat und die Sehnsucht nach der Heimat auslöst. Hier tut es der Wasserstrahl der 'Tmnpffprch Wieder beginnt man sich zu erzählen nud Erinnerungen ausri Manschen. Tvch nicht Kriegserinnerungerl sind es. Es sind Erinnerungen au die Heimat. Und man kommt schnell vom .Hundertsten ins Tausendste. . . . Adolf Zimmermann, Kriegsberichterstatter. Gerichtsjaal. — Nidda , 130. Jan. Der Kaufmann Georg V ö l lko pf aus Frankfurt bezog schon seit Jahren Wurstwaren ans der hiesigen Gegend und benutzte die Kriegszeit dazu, seine bisherigen Quellen sich weiter dienstbar zu machen!. Um das hessische Ausfuhrverbot zu umgehen, ließ et; sich die Wären, au eine Deckadresse nach dem kleinen inmitten des preußischen Kreises Obertaunus belegenen hessischen Orte Steinbach schicken. .Monatelang ging das gut, da niemand ein Arg hatte und auch eine Verletzung der AuTuhrbestim- mungen scheinbar nicht in Frage kam. Von Steinbach schaffte Völl- kopf dann mit Leichtigkeit seine Waren über die Grenze nach Frankfurt. Man schöpfte auf dgr Station Weißticchen, dem Verladeort für Frankfurt, schließlich doch Verdacht und öffnete eine Kiste. Völl- kopf kam zur Anzetigö. Die erste «Instanz verurteilte ihn wegen seiner „Geriebenheit" und seiner hoben Gewinne zu l000 Mark Geldstrafe. Die ^ Darmstädter Strafkammer stellte fest, daß der släutzen nicht groß gewesen sei, imb ermäßigte die Strafe auf 500 Mark. H Marburg, 81. Jan. Das Landgericht verurteilte gestern einen Viehhändler, der, ohne im Besitze einer Ausweiskarte de8 Kasseler DiehhandelsverbandeS zu sein, in Lohra 13 Schafe faufte und nach einiger Zeit nach Naunheinl wetter» verkauile, zu 100 Mk. Geldstrale. In der Vorinslanz war der Mann auf Grund seiner Schutzbehauptnng, .daß er die Tiere erst längere Zeit in keinem Stalle gemästet, ireigesorochen worden. Das Gericht ließ dies heute nicht gelten, weil er bic Schafe schon beim Kauf seinem Abnehmer versprochen hatte. — Wegen Ueber- s ch r e i t u n g der H ö ch st p r e i s e wurde ferner ein L a n d iv i r t ans dem Kreise Ziegenhain zu der gleichen Strafe verurteilt. Er hatte Zwetschen, als der Höchstpreis 10 Mk. betrug, zu 12 Mark verkauft. UnjVersiiäts-Nachrkchten. mr. Frankfurt a. M., 1. Febr. In der naturwissenschaftlichen Fatiiltät der hiesigen Universität hat sich vr. pliil. Fr. L. Hahn als Privatdozent für Cheinie habilitiert. öricjJaftcit öcr -Auoutzme Anfragen bleiben unbernüfichltgt.» llr. 100. Die Berpflegungs-, Arznei- und Behandlungskost«^ die für n i ch t tr a n s po rt sä b i g e Heeresangehürige bis zu ihver Ueberführung in ein Militär-Lazarett entstehen, sind seitens dev betreffenden Gemeinde zu bezahlerr, welche die entstandenen AuS^ lagen bei der - Stellvcrttetenden Jntendanttcr des .Wrpsüereichs,. zu den: sie gchürt, zur Erstattung ansordert. Im vorliegenden Falls kommt die Stellverttetende Intendantur des 18. Armeekorps iw Franffurt a. M. in Betracht. Die »ol&aitfaifpie in den Räumen der Bezirkssparkaffe Gießen ist morgen von $ bis \ 2 % Uhr geöffnet!