Nr. 24 Zweiter Blatt \bX. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Verlagen: ^Gietzener ZamiltendlStte?" und „Nreirblatt für den Breis Gietzerr". PofffcherNonto: Frankfurt am Main Nr. N686. öaukverlehr: Gewerbebank Sietzen. General-Anzeiger für Gderhejjen rNontag, 29. Janmr 10^7 ZwillingSrunddrutt und Verlag: B r ü bl'sche UrriversrtätS-Buch-n.Steindruckerei. R. Lange, Bietzen. rchristleitung, GeschäftrsteSe und Druckerei: Schulstcntze?. Eeschäsiofielleu.Verlag: QqWbl, Schristleitung: 112. Anschrift für Droht lachrichtenrAn-eigerGleyen. Unterstützung von Familien der in den Heeresdienst eingeiretenen Mannschaften. Kz. Gevade in letzter Zeit, fix» sich in gewerblichen Betrieben eine vermehrte ArbeitnoHme iwüvendig macht, die, soviel 'wie möglich, 5ratsverordnuug vom 3. Dezember v. Js. (R.G.Bl. S. 1323), den Familien der aus der Gefangenschaft zu xJX ck kehrenden Zivilpersonen vom \. Dezember 0 . Js. ab die Familien unter stützrmg noch auf die Dauer eines halben Monats, nach ihrer Rückkehr in die Heimat, als außerordentliche ldtterstützung weitergewährt nrit der Feststellung, daß als Tag der Rückkelw der Dag gelte, an dem die Personen zum ersten Male wieder in Deutschland genächtigt haben. Ueberhaupt wird nun allgemein nach Ein stellnn g der Zahlung der K r iegs f a mi li ennn ter stütznn g, bei Weiterbestehen von Wortes entbinden will, scheitert'. Da kehrt Friedrich getreu seinem Königsworte yw Ludwig zurück. Diesem fällt es wie Schuppen von den Augen; gerührt von dem Edelmille seines Gegenkönigs, schließt er ihn in seine Arme und drückt ihm selbst die goldene Krone aufs Haupt, die ihn zum Mitkönig macht. Dies sind die knappen, llareu Linien der Handlung, die nur im letzten Me künstlich gedehnt ist. Es soll dem Verfasser durchaus nicht verübelt werden, daß er seinen Gestalten modernes Denken und Fühlen verleiht, um uns die entfremdete Welt des 14. Jahrhunderts nahe zu bringen. Es ist aber schon ein entschiedene!.- Mangel an Logik; wenn Ludwig, der vorher erklärt hat; „Solang!'s den zweiten Tafcldecker gibt; wird Deutschland nimmer ruhig essen können", diesem zweiten Tafeldecker einen offtziellcn Platz neben sich einräumt. Aber auch dieses wäre nur ein Mangel, der bei gründlichem Nachsehen sicher behoben worden wäre. SchlilmMer ist es, daß der Verfasser die ganze erhaüewcl Staatsaktion auf Friedrichs Sehnsucht nach seinem kranken Weibe basieren läßt, denn da erst läßt dieser von seinem unbeugsam und trotzig verfochtenen Königsrecht ab, als ihm Ludwig von der Blindheit seines Weibes Kenntnis gibt. Und selbst als er die verlangten Eide leistet, tut er cs nicht zujm Segen des Tentscheid Reiches, sondern um zu seinem kranken Weibe gelangen zu können. Dies ist ein Zug, menschlich rührend genug, um schier Wirkung sicher zu gehen, aber der Größe des historischen Vorwurfs nicht gewachsen, der dadurch zu einer einfachen, wenn auch ergreifenden Famlliengeschichte verengt wird. Fenter ist alles zu einfach auf Edelmut gestellt. Und dieser Edelmut der beiden Könige ist so stark imterstrichen, so über jeden Zweifel erhaben, daß vom zweiten Aufzuge an die ganze Handlung kein Knüpfen und Lösen von Konflikten, sondern nur ein Hinaus zögern, des von Anfang an zu erratenden Endes ist. Die imposante Gestalt Leopold, der der habsburgischen Zukunft sein ganzes Leben opfert, wird zur gewichtloseu Episode da man es ja zu wohl weiß, daß sein Einspruch gar nicht in die Wagschale fällt. Und dem dritten Aufzuge ist vollends jede Spannung genommen, denn alle Zweifel an Friedrichs Wiederkehr sind durch den vorhergehenden zweiten Auszug behoben und können selbst durch die künstlich eingeschobcn: Szene der erregten Bürger nicht mehr Au einieim dramatisch packenden Momente gesteigert werden. Ter letzte Aufzug hat überhaupt die größten Schwachen. War es schon schwierig, die blinde Elisabeth im ersten Aufzuge einzu- führen — sie macht sich im fünften Jahre von Friedrichs Gefangenschaft endlich auf den Weg, um gleichzeittg mit Ludwig eiu- zutreffcn und ihm den Besreiungsgeidankeu nahe zu legen, während ihr Gatte gewaltsam an ihr vorbeireden und ihre Amvesenheit geflissentlich unbemerkt lassen muß — so ist Elisabeths Auftreten in: letzten Aufzuge noch 'unwahrscheinlicher. Sie, die Blhrde, trifft fast gleichzeittg mit dem die Länder durckfl-astenden Friedrich ein und erhält zwecklos Sitz und Stämme in einer zwecklosen Beratung, um mir im Schlüsse des Aktes dabei sein zu können. Ursprünglick> »— was die Regie glücklicherweise gestrichen hatte — läßt sogar Ludwig einen Sitz freihalSen, weil jemand kommen könnte, dessen Rat zu beachten sei. In dem Urteil, daß die Gestalten der Könige zu eindeuttg edelmütig sind, liegt es schon begründet, daß die Begriffe Treüe und Edelmut zu oft und absichtlich in den Vordergrund gestellt werden. Daß die sprachlichen Bilder bei näherem Zuschauen nicht immer glücklich gewählt sind, ist schon an dem Bilde vom „Tafeldecker" dargetan und auch sonstwo läßt die Stuache^ wenn man sie gewissenhaft daraufhin abllopft, neben wirklicher Schlichtheit, auch öfter die hohle Leere schäum geschlagenen Pathos hören. gw—iii 1 ■ 11 11 mm <■■■——mrr~rn"T-T rmrTTr nrm ~mwr 1 cotm>»r Krankheit, Arbeitsunfähigkeit usw. des Ernährers der Familie, tveitgehendst ini Wcgc der KriegÄvohlsalutSpflege ge- Holsen. Auck? lsterbei sind die erforderlichen Anträge bei der zuständigen Bürgernveisterei zu stellen. Tie im § 12 der Bundesrats Verordnung vom 21. Januar 1916, genannten „entlassenen" Ntannschaften, denen vonr 1. Dezember v. Js. an noch eine Halbnwnatsrate als außerardmitliche Unterstützung geiväbrt werden soll, sind genau in „zur Aufnahme der Arbeit Beurlaubte" und „endgültig Entlassene" zu trennen. Tie in § 12 vorgenannter BundeSratsverord- nung beivilligte .Halbnwnatsrate gebülut nack) ministerieller Auslegung nur den Familien der Rtariuschaften, die wirllick^ entlassen werden. Sie soll den Uebergang aus der Zeit der Unterstützung in die Zeit ohne Unterstützung erleichterir und fat zur Boiaussetznug, daß der A n spr u ch ans Familienuntersttttzung erlischt, wie dies bei der Entlassung ohne nnäteres zutnfft. B e x Beurlaubten i st dies jedoch nicht der Fall. Nehmeii diese eine Io firne, ke Beschäftigung aus, so ruht der Unterstützungs- anspruch. Er lebt aber jederzeit wieder auf, wenn die lohnende Arbeit wegfällt, Wiedereiuziekmng erfolgt oder dergleichm, also nrv anderen Worten. Bedürftigteit wieder hervortritt. Besteht hei bei Ausnahme der Arbeit zunächst noch Bedürftigkeit, so bleibt auck) der Anspruch aus Unterstützung einstweilen noch lebendig. Etwa aiif- tauchende Zweifel, um welche Art des Uebergangs zur Zivillw- schäftiguug es sich Ixrndelt, n>erden leicht durch Festslellnngcn bei der zuständigen Militärbehörde bezw. dem in Frage kpmmenden. Truppenteil behoben werden können. _ Aus unb CaMÖ. Gießen, 29. Januar 1917. "Die D e n t s ch e G e s e l l s ch a f t für KausmannS- Erholungsheime hat in- letzter Zeit u. a. ans Hessen uachnebende Stistungeu zu verzeichnen: Erste Offenbachcr Spezial- iabrif für Schmirgelivareninbrikation Mayer & Schmidt, Dffen- bach Mk. 5000.—, tionserveniabrik und Trocknungswerk Hessentand 6Z. m. b. H., Naunheim und Pomosm-Werke, G. m. b. H., Frank- inrt g. Main je Mk. 1000.—, Wcrgcrsche Brauerei 31.4;, Worm3 Mk. 1000.-. ** Der Blutfink. Nach einer Notiz in Nr. 2! des ^Gießener Anzeiger" macht eine Stimme vom Lande daraus aus- merkiam, dkiß der Blutfink ein schlimmer Feind der Baumknospen sei, im Sommer aber durch Vertilgung von Insekten diesen Schaden wieder reichlich gut mache. Hierzu soll bemerkt werden, daß der Blulfink die Baumknosven nur in Zeiten der 9!ot annimmt und Not kennt kein Gebot. ,Tcr Nteusch soll seine Pflicht der Vogelivelt gegenüber im Winter erfüllen und Futter an geeigneten Stellen verabfolgen, dann werden diese die Baumknosven nicht inehr angehen. Besonders ist das Füttern der Vögel jetzt in dieser Schneezett erforderlich und kunn nicht genug daraus hin- gewiesen werden. Hessen-Nassau. js Marburg, 27. Jan. Das Schöffengericht verurteilte heute einen Agenten, der K a i f e e r s a t; zu höheren, als seiner Zusanimen- setzung nach zulässigen Preisen in den Handel gebracht hatte, wegen Ueberschreitnng der Höchstpreise zu 200 Mk. Ölclbftrchc |] Marburg, 27. Jan. Von den Schulkindern des hiesigen Kreises wurden insgesamt 40,68 Zentner Brennnesseln gesammelt, wofür die Brennnessel-Verwertungsgesellschaft 327,04 2)15. zahlte. — Frankfurt a. M., 26. Jan. Bei den letzten Ausgrabungen, die der Geschichts- und 2lltertumSverein veranstaltete, wurden ans dem Heddernheiiner Friedhof iveitere wertvolle Rette der alten Römcrstadt Nida anfgesunden. Die gesamten Fundcrgebnisse sollen später veröffentlicht werden. > dlad) all diesen Einwendungen wird inan sich vielleicht fragen, I imviefern das offene Lob der Eitunrngszeilen ,wch seine Berechtigung haben kann. Das Lob ist verdient, aus all den Gründen, die dort angefül-rt sh cd, THeatergeschicllichkeit beim Ausbau, .stünzen- tratiou der Handlung, Hinaüsststlcn der leiden Königsideale, im allgemeinen edle Sprache und überhaupt 'Wirkungssicherl-eit, die sich am offensichtlichsten in den Mckenden Aktschlüssen kund tut und wie das ganze Stück Tlwaterblnt verräk. Alle Verdienste des Wiener Autors muß eine sachliche Kritik aneckcyiueu, aber sie darf sich durch sie nickst blcirden und über literarische Mängel hin- wegtäuschcn lassen. Nochmals sei aber auf die dem Stücke günstige Zeitstimmnng hingewiescn, in der der Erfolg vor allen Dingen Ivnrzelt. Man kann daraus schließen, daß auch eine Wieder-« belebung Wildeubrnch'scher Dramen, denen die Art Halts Müllers nahe steht, sich verlohnen würde. Die Aufftihrung des Stückes, bei der Direktor Herrnatm S t e i n g v e t t c r die Spielleitung selbst in die Hand genommen, hatte lebhaften Anteil an dem Erfolge des Stückes. Direktor Stcingoetter hatte einen feierlichen Rhythmus getroffen, der wedec die Schlichtheit ins allzu Gemessene zurückschranbte, iroch das Vorwärtsstteben der Hairdlung beschwerte. 2tuch die einzelnen Leistungen waren zu emheftlicher Gesamtwirkung anfeinander abgesttmmt. 2ku den Büfinenlnldern sah man, daß mit Sorgfalt und gutem Willen auch ans den verbrauchten Beständen noch ettvas zu machen ist. Oskar Feige l hatte den seelisch differenzierteren der beiden Könige zu gestalten. Es gelang dem Künstler über Erwarten gut, wenn auch der elegische Don des Gebrochenen bei seiner tiefen SttMmlage nicht tveich genug zum Vortrag kam. Abgesehen davon lvar seine Leistung bedeutend mrd überragte alles, was er lnshev geboten hatte. Wilhelm Hellmuth war für den bürgerlichen.' Köing der passendste Vertreter. Schlicht und groß war die Gestalt, die er schuf. Ist auch das Hausväterttche vom Autor stark betont^ so hätte doch ab und zu die königliche Majestät etwas imposanter hervortteten dürfen. Die beiden Könige waren in bester Hand und dies war gut, da mit ihnen die Handlung steht odeg fällt. Ergreifend spielte ?lda Mahr, die leidgetroffene Königin, und das von leidenschaftlicher Liebe verzehrte Weib, das sich in tragischem Vergleich der „water dolore,'5a" gleichstellt. Sie lies; nnrklich das innere Sehen erkennen, mit dem die an den Tränen des Lieds Erblindete znm Schlüsse, als ihr Friedrich ins Ohr flüsterte, daß er die KroiM gnf dem Haupte trage, besceligt anfjubelt: „Ich sehe, ich sehe." Eine andere Frage ist, ob die Sprache einer Erblindeten, die völlig mouvton zu werden pflegt, so reiche Modu- lattonsfähigkeit hat, !oie die junge Künstlvrin ihr verlieh. Danj starren und ingrimmischen Leopold erhob Max We.folowski zu dämonischer Größe. Von den reisigen.Herren spielte Wolf Falken mit Untadeliger Würde den Burggrafen von Nürnberg. Ernst Theiling mit guter Charcckteristtk, männlich festem Auftreten den ffnsteren Henneberg, Inud Kurt Lerch, de:- nebenher auch den ersten Münchener Bürger darziistcllmr l-atte, den österreichisch milderen Pilichsdorf. Rirdolf Goll, dessen Schweppermamimaoke gar nicht schlecht gewählt war, zeigte, daß er auch da, tvo es von ihm gar nicht beabsichtigt ist, die Lacher auf seiner Seite hat. Tie Tochter König Ludwigs gab Helene Kall Mar mit natürlicher Anmut, Nelly Wal licht versah die Rolle des Herzogs Heinrich und Bally Scheidler schuf herzig und treu den Edeltnappeuj Walther. Den Kardinallegaten gab Hans Werthmann, August Boscheck zu fahrig und aufgeregt de:r alten Burgvogt und Enil Walden den alten Gärtner Firmiau. zz.