Nr. 3 Zweites Erscheint tü-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: „Sletzener Famllienblätter" und „Nrelrblatt für den Ureis Stehen". poßschecNonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Stehen. Blatt sb7. Jahrgang ietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefjen Vonnerstag. 4. Januar ZwlUitlgsrundoruck und Verlag: Brü hl'sche Unweriuäls-Buch-u.St- > :,dr. ckerei. R. Lange, Gießen. Zchriftlettung. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulsttave?. ^ efchäf s,rette u. Verlag: Schriftleilung: 112. Anschrift für Tr. htoachrichten: Anzeigers Ir en. Geschästrleute und Landwirte, führt vücher! Schreibt eure Einnahmen auf! Wenn im kommenden Monat in Ausführung des Warenumsatzstempelgesetzes die im Jahve 1916 und in der Zeit vom 1. Oktober bis Ende Tezembor erzielten Umsätze bei den Finanzämtern auzw- melden sind, wird mancher Geschäftsmann und Landwirt in einige Verlegenheit kommen. Ohne Buchführung oder regelrechte Ausschreibungen seiner Einnahmen wird er vielfach gar nicht in der Lage sein, richtige Angaben zu machen. Er muß den Betrag mehr oder minder richtig oder falsch schätzen. Ter Umstand, daß die Angaben nicht auf Buchführung sondern auf Schatzung beruhen, muß aber in der Anmeldung angegeben werden. Tas hat dann zur Folge, daß die Steuerbehörde diese geschätzten Zahlen nicht anz-unehmen braucht, sondern berechtigt ist, ihrerseits ebenfalls eine Schätzung vorzunehmen. Fällt diese nun zu hoch, aus, so steht der Pflichtige dieser Festsetzung völlig wehrlos gegenüber, denn er ist nicht in der Lage, seinen tatsächlichen Umsatz nochtz-uweisen. Er wird dann in den meisten Fällen zahlen müssen, was die Steuerbehörde verlangt. Ganz anders, wenn der Pflichtige Bücher und gwrdnete regelmäßige Anschreibungen har. Tann kann er genau auf die Mark seinen Umsatz dem Amte Nachweisen und wir5 dann auch dementsprechend veranlagt. Wer also im Januar 1918 nicht in die gleick-e Verlegenheit geraten und Schaden an seinem Geldbeutel erleiden will, dem kann nur der Rat gegeben werden, sich mit dem 1. Januar 1917 beginnend eine einfache Buchführung anzulegen. Es genügt dafür ein Buch, für kleinere Verhältnisse schon ein Heftchen mit gezogenen Längslinien für die Geldbeträge, wie sie als sogenannte „Kontobücher" bei jedem Schreibmaterialien- l-ändler für 15 oder 20 Pfg. zu haben sind. Ein Kaufmann, der eine Ladenkasse hat, bvaucht dann nur jeden Abend seine Tageseinnahmen zu zählen und den Betrag in sein Buch, einzutragen. Er schreibt also: 2. Januar: Aus der Ladenkasse . . . 80.— Mk. und so jeden Tag weiter. Um am Jahresschluß die richtigen Summen seiner Einnahmen (Umsatz) zu erhalten, ist jedoch, zu beachten: ch daß im Laufe des Tags kein Betrag weder für persönliche noch für geschäftliche Zwecke der Ladenkasse entnommen werden darf und 2. daß alle Geldeingänge aus ausgeschriebenen Rechnungen unverkürzt ebenfalls in die Ladenkasse kommen oder aber besonders in das Buch, einzutragen sind. Im letzteren Falle wäre z. B. in das Buch, einzutragen: 2. Januar: a) aus der Ladenkasse . . 60.— Mk. b) cm bezahlten Rechnungen 20.— „ Aus Zweckmäßigkeitsgründen empfiehlt es sich, alle Pfennig- beträge, vielleicht auch die, die vollen Zehner übersteigenden Markbeträge außer Betracht und als Wechselgeld für den folgenden Tag in der Kasse zu belassen. Bei einer Tageseinnahme von 85,46 Mk. wären also 80 Mk. zu entnehmen und zu verbrachen (wie oben) und 5,46 Mk in der Kasse zu lassen. Es erleichtert dies das spätere Zusammenzählen. Für Geschäftsleute, deren Einnahmen nicht sämtlich dem Umsatz ftempel unterliegen, müssen di estempelfreien natürlich ausgeschieden werden. Es unterliegen dem Umsatzstempel nur die Zahlungen, die man für eine gelieferte Ware erhält, sticht aber Zahlungen für sonstige Leistungen. Nicht stempelpflichtig sind demgemäß z. B. die Zahlungen, die ein Gastwirt für das Nächtigen des Gastes erhält. Wtv Einnahmen beider Art vorhanden sind, empfiehlt sich für den Gewerbetreibenden, damit er neben dem stempdlsbeuerpflichtigen Umsatz auch seinen Gesanrt-Geschäftsumsatz, den er z. B. zum Nachweis seines Geschäfiseirchommens der Steuerbehörde gegenübler gebraucht, nach semem Buch feststellen kann, die Spalten für die Geldbeträge in seinem Buch doppelt zu ziehen, und die eine mit „stempelpflichtige Einnahme", die andere mit „stempelfreie Einnahme" zu überschreiben. Ern Gastwirt hätte also seine Einträge L-ie folgt zu bewirken: Stempelpfl. Stempelfrei. Am 2. Januar: 1. Baveinnahmc für Speisen, Getränke, Zigarren usw.) .... 50 Mk. 2. Einnahme für Uebernachtungen.9 Mk. Bei Geschäftsleuten, wie Handwerkern, die keine Ladenkasse und keine oder nur geringfügige Bareinnahmen haben, müssen die ein- zelnen Geldeingänge alsbald oder nach Notizzetteln etwa wöchentlich einmal in das Buch eingetragen werden. Auch hier empfiehlt sich die Trennung nach „stemvelpflichtigen" und „stempelfteien" Achtungen, wie oben bei dem Gasttvirt. Dem Umsatzstempel unterliegen nämlich alle Zahlungen nicht, die lediglich für Arbefts-t lieserungen gezahlt weroen, auch wenn hierbei kleine nebensächliche Zutaten oder Hckfsstoffe geliefert werden. Pflichtig ist jedoch die gesamte Zahlung bei Lieferung der wesentlichen Stoffe. Ein Schneider hätte also zu buchen: Stempelpfl. Stempelfrei. Am 2. Januar.: von Herrn A für Fertigung eines Anzugs mit Lieferung des Stoffes.100 Mk. 30 Mk. 5 Mk. Stempelpfl. Stempelfrei. von Herrn B. Arbeitslohn und Zutaten für einen Anzug. . . . Ein Zimmermann: Am 2. Januar: von Herrn A. für Aufschlagen eines Stallgebäudes mit Holzliefeiung . 1000 Mk. von He rn B. für Alttbes'erung eines Zaunes, Nägel und zehn Latten geliefert.« Für den Landwirt, der meist nicht täglich Einnahmen hat, genügt es, wenn er jeden Sonntag ein viertel Stündchen oder oft auch nur ein paar Minuten- seiner Buchführung widmet. Die großen Einnahmen für Vieh, Fmrcht, Kartoffeln usw. kann er bis jumt; Sonntag im Kopf bel-alten, die Milchgelder aus der Molkerei werden monatlich bezahlt und sind dann zu buchen. Da wo Milch, Eier und dergl. an Private täglich gegen Barzahlung abgegeben werden, empfiehlt es sich hierfür und für sonstige kleinere Einnahmen jode Woche einen von der Hausfrau zu führenden Zettel anzulegest und das Wochenergebnis am Sonntag in das Buch einzutragen. Für alle, die nun geneigt sind, sich, um den Anforderungen des Warenumsatzstempelgesetzes zu genügen, eine Buchführung, wie oben gezeigt, anzulegen, empfiehlt es sich iveiter, gleichzeitig auch die Unkosten des Geschäfts (einschl. Warenanschaffung) oder seiner Landwirtschaft zu verbuchen. Man kann dann auf diesen Grundlagen den ei nko m me n ste uer p f l i ch t i g e n Ertrag des Geschäfts oder der Landwirtschaft einwandfrei feststellen. Natürlich dürfen nur wirkliche Geschäfts- oder Betriebst! nkostep verbucht werden, nicht persönliche Ausgaben. Man schreibt dann in seinem Buch die Einnahmen auf die eine, die Abgaben aus die andere Seite. Rechnet man am Jahcesschluß die Einnahmen und Unkosten zusammen und zählt letztere vvn den ersteren ab, so erhält man bert steuerpflichtigen Reinertrag, wie er unterliegt, vorausgesetzt jedoch, daß z. B. bei dem Geschäftsmann seine Warenbestände, seme Geschäftsausstände und seine Geschäftsschnldm am Schluß des wahres die gleichen sind, wie zu Beginn des Jahres. Trifft dies nicht zu und dies wird vielfach der Fall seur. so mnß jewecks am Jahresschluß der Bestand des Warenlagers, der Ausstände und Geschäftsschulden festgestellt werden. Hat einerseits der Warenbestand sich vermehrt, ebenso die Ausstände und andererserts dre Warenschulden fick gemindert, so sind die entsprechenden Betrage noch dem Unterschied fzwisck)en Einnahmen und Unkosten zuzusetzen, sind Warenbestand und Ausstände geringer geworden, die Warenschulden gewachsen, so sind die entsprechenden Beträge zu kurzen. Betragen zum Beispiel bei einem Kaufmann die Entnahmen 30 000 Mk.. die Geschäftsunkosten mit War-m^ezug 26 000 Mt., )o beziffert sich der steuerpflichtige Ertrag aus 4 000 Mk., wenn Warenbestand, Ausstände und Geschäftsschulden die gleichen geblteben smd. Ist jedoch! am Jahresschluß gegenüber dem Jahresbeginn der Wert des Warenlagers um 1000 Mk. gestiegen, ebenfv die Aus- ftände um 500 Mk. und sind die Warenschulden um o00 Mk. zuruck- geganqen. so beträgt der steuerpflichtige Geschäftsertrag 4000 Mk. und i.000 4- 500 -f 500 = 6000 Mk. Ist dagegen das ..Warenlager um 500 Mk. im Wert znrückgegangen, dt e Aus stau de die gleisten geblieben, die Warenschnlden aber um 1000 Mk. gewachsen, so verbleibt als steuerpflichtiger Betrag 4000 Mk. weniaer 500 — 1000 = 2500 Mk. Q . Ein Landwirt muß ebenso verfahren und zu dem Zweck jedesmal am Jahresschluß den Wert des lebenden und toten Inventars seine Ausstände und Betriebs schulden, soweit solche vorhanden. feststellen. Es diene folgendes Beispiel: Tie baren Einnahmen sollen 6000 Mk. betragen, die Unkosten 2000 Mk. Ter steuerpflichtige Ertrag stellt sich also aut 4000 Mk.. falls au Inventar, Ausständen und Betrtebsschulden sich! nichts geändert hat. Nehmen wir nun an, daß am Jahresschluß ein Stück Vieh im Werte von 500 Mk. mehr vorhanden ist, als zu Beginn, daß ferner eine Vermehrung des toten Inventars von 300 Mk. für einen neu erstmalig angeschafsten Grasmäher ein- getreteu ist, das; ferner für ein verkauftes Schwein noch 300 Mk. von dem Metzger zu fordern sind, andererseits aber aut das zugekauste Stück Vieh noch! 200 Mk. und aut die Maschine noch 100 Mk. zu zahlen sind, während zu Beginn des Betriebsjahres weder Ausstände noch! Schulden vorl-anden waren, so stellt sich dm Ertrag aut 4000 st- 500 -ff 300+ 300 - 200 - 100 = 4800 Mark wozu noch, um das steuerpflichtige Einkommen zu finden, der Wert der im eigenen Haushalt des Pflichtigen verbrauchten Erzeugnisse der eigenen Wirtschaft zu rechnen ist. Das vorstehende dürfte im wesentlichen das Notwendigste enthalten, was man wissen muß. um durch! einfachste Buchführung über seinen Umsatz und sein Einkommen so unterrichtet zu sein, daß man den Steuerbehörden stets richtige und einwandfreie Angaben machen kann. Man vermeidet auf diese Weise mancl> unliebsame Verhandlung, Zeitverlust und Geldeinbuße infolge zu 00 her Veranlagung, da man stets in der Lage ist, den Steiierbehörden genauen und beweiskräftigen 2lufschluß über seine Verhältnisse zu geben. Hoffentlich! folgen recht viele der hier gegebenen Anregung. Schloß Tarasp. Wie wir schon mitteilten, hat sich der Grvßherzog von Hessen entschieden, das ihm von dem verstorbenen Wirkl. Geh. Rat Tr. Lingner Exzellenz vermachte Schloß Tarasp anzunehmen. Es vollzieht sich damit ein Herzenswunsch des Verstorbenen, seine Lieblingsschöpsuug Tarasp, die eine der interessantesten Burgenrestaurationen der Neuzeit bedeutet, in fürstlichem Besitz zu wissen. Der Großherzog und die Großl>erzogin von Hessen hatten zu dem Verstorbenen besonders herzliche Beziehungen und standen mit ihm aus dem Gebiete der Säuglingspflege und der Volkshygiene in regem Gedankenaustausch. S ch l 0 ß Tarasp ist, wie in einer Zeitschrift in der Darmstädter Zeitung ausgeführt wird, von Exzellenz Tr. Lingner in zweckmäßiger und künstlerischer Weise erneuert worden. Es stellt sich heute dar als eine getreue Nachbildung einer vornehmen Ritterburg, wie sie sich! aus dem Zusammenwirken von Generationen im Lause oer Zeit entwickelt und bereichert hat. So finden, wir Stilelemente von der Gotik bis zum Bavok. Für die Teile der älteren Periodest ist ein burgartig wahrhaft ritterlicher Geschmack maßgebend gewesen, für die der späteren Zeit, ein Schloß, herrensitzartig, praktisch, entsprechend dem Gange der Schweizer Geschichte. Lingner hatte sich eine beratende Kommission von Gelehrten und Künstlern gewählt, die ihm, dem spiritus rector, an der Seite stehen sollte. Es waren das der Geh. Hosrat Professor Dr. Cornelius, Curlitt, Professor Högg, Graf von' Hardenberg upd der bekannte Schweizer Historiker und Hochschullehrer Professor Zemp, sowie für die Wiederl-erstellung der alten Malereien der bekannte Restaurator Professor Haggenmiller aus München. In der Leitung der geschäftlichen Arbeiten stand dem Bauhern der Direktor seiner Zentralverwaltung Seiring zur Seite. Tie technische Leitung des Wiederaufbaues der Burg lag bis zum Kricgsbeginn in den Händen des Dresdner Architekten Walter Türcke, der für den Wiederaufbau des Schusses Tarasp sämtliche Pläne geschaffen und durch 5 Jahre in tmgeteilter Hingabe an dieses Lebens werk die Ausarbeitung aller baulichen Einzelheiten nach seinen Angaben überwacht hat. Nach, seiner Einberufung zum Heer wurde er durch.den Münchner Avchitekten Robert Kosenbach ersetzt, der bis jetzt seine ganze Kraft der Vollendung des Baues gewidmet hat. Ohne museale Anhäufung von allzu vielem und überflüssigem, ohne monotone, gezwungene, nirgends überlieferte Stilwütigkeft anderer Rekonstruktionsbestrebungen, mit allen Errungenschä,ren - Moderner Hygiene und moderner Bequemlichkeit versehen, zeigt sich, Tarasp als ein neuer Typ von Wiederl-erstellung eines ehrwürdigen Bauiverkes, der höchste Beachtung verdient. In den Wohnräumen herrscht das typisch Engadiner und Grauüündner Zimmer aus verschiedenen Stflzeiten vor mit Holztäfelungen an den Wänden und Balkendecken. Tie Fenster find mit kostbaren! Schwerer Glasmalereien versehen. Ter sogenannte Bündner Gang und die Kapelle sind in ihrer alten Form erhalten imb zeigen sich als interessante Beispiele ritterlicher Wohnräume. Ihr Schmuck find wertvolle Rüstungen und Waffen, der der Kapelle kirchliche Altertümer. Für den Festsaal und die Kemenate wurden nach Angaben und Entwürfen des Grafen Hardenberg italienische Renais- sancemotive mit solchen Graubündens in Verbindung gebracht, um dem räto-romanischen Kulturkreise, dem Tarasp angehört, Rechnung zu tragen. Ter Festsaal in Damaffo rosso und mit goldener Renaifsanee-Kassettendecke ist mit einem prachtvollen Florentiner Kamin und mit einem großen Gobelin geschmückt, während die Kemenate mit gelbem Genueser Samt bespannt ist und alte Schweizer Möbel, sowie ein kostbares altes.Himmelbett in reicher Schnitz-, arbeit birgt. Es war auch keine leichte Aufgabe, besonders vom konstruktiven Standpunkte aus, das Untergeschoß des Burgfrieds, ein düsteres, beinahe fensterloses Gemach, in einen lichten Raum zu verwandeln, der Gelegenheit für festliche Dekorationen abgeben konnte.' Die massiven Diauern mußten mit starken Trägern unrerführt und hohe . Bogenfenster eingebrochen werden. Eine große Orgel, wohl das größte derartige Werk in der Schweiz, von der Firma Gebr. Jehm- lich, in Tresden, wurde hinter den Florentinisehen Marmorkamin: eingebaut. Eine Fülle von Kunstschätzen ist..in allen Räumen klug ver- teflt. ebenso zahlreiche Gegenstände, die für das Leben der Alten in Küche und Keller charakteristisch siird. Tas Mobllar ist durchweg alt und zum Teil durch hervorragende Stücke vertreten. Eine besonders schöne heroische Tapisserie beherrscht das Treppenhaus: unter den Bildern, die meist Jagd und Krieg behandeln, ist ein Jan van Aalen beachtenswert, der nrit zahllosen Figuren ritter* liches Leben des Mittelalters darstellt. „Sedmkt der GebmtsiagsfpLnde für’s Hofe Kreuf! Xunft, Wissenschaft und Leben. — Kriegs te chnische Neuerungen int Schiffsbau. Die Technik des Schiffsbaues hat in letzter Zeit infolge oer allgemein fühlbaren Begleiterscheinungen des Krieges zahlreiche Waackstmtgen durchgemacht, die z. T. nur bestimntt sind, gegenwärtigen Bedürfnissen zu entsprechen, z. T. aber auch Nir die ftiedliche Zukunft verwendbare Verbesserungen darstellen. Die Hauptursachen für diese Nezterungen sind in denr auch bet den Neuttalen starken Mangel an Schiffs material zu erblicken, das i a in nicht geringen Mengen von den kriegführenden Ländern bezogen wurde imd überdies heute bei Kriegslieferung>m auch anderweitige Verwendmtg findet, sowie in der Knappheit au KohlM, die es wünschenswert erscheinen ließ, Schiffe mit geringerem Kohlenverbrauch in Dienst zu stellen. Am bemerkenswertettetr ist, nach einem Bericht des PvometlMs, der Einbau von Xur&men tn Frachtdampser. Während im Frieden nur dre vor allem )ux schnelle Fahrt bestimmten Passagierdampfer mit Durbtnen ausgestattet waren, haben mehrere Neutrale sich nunmehr der Turbuve auch für beit Frachtenverkehr bemächtigt. In >schwü>en wächte man erfolgreiche Bersuck-e mit einem Turbinenanttneb, bet welchent durch Verwendmtg der elektrischest UebertcaMNg eine lnerruche Ersparung an Kohlen durchführbar ist Die Niederlande und die Vereinigten Staaten konstruierten langsamer fahrende Frachtschtfse mit Turbinen, wobei zur Herabsetzung der Umdrehungszahl eine Zahnradübersetzung Anwendung findet. Größere Ausstchteit sa-eo- neu sich nock- dem Frachtoerkehr mit Motorettkraft zu eröffnen. Hierin spielen die skandinavischen Länder gegenwärttg eine führende Rolle, und besonders in Dänemark fft man in Schtffahrts- kreisen aus^rordentlich für den Diesel-Mvtor eittgenommen. Heute sind in den drei skandiitavischen Ländern bereits ntcht wentgev Motorschiffe als gewöhn! i-ck-e Dampfer im Bau. Zur Herabsetzung der imnrer höher steigenden Frachten ivegen der heule enormen Betriebskosten für Dcnnpfer werden jetzt auch Segelschtsfe mit Hilfsmotoren für Ueberseeführten in Dicntst gestellt, toahveird bisher nur kleinere Küstmsegler mit Hilfsmiotorctr au3jteUaüet waren, so in der deutschen Küst-ensck-iffahrt in der Ostsee. Da aber bereits, die kurz nach Kriegsdegimr mit Rohölnwtoren ausgestatto- ten großen -Segler sich als sehr praktisch erwiesen, ging man Merfl in dmt Vereinigten Staaten und dann auch in den skandr- navischen Ländern air den Bau einer verMtnismäßig großeir Zahl solcher Älotorsegler, deren Motoren ein Stilliegen wegett ungünstiger Windverhältnisse unmöglich machen, während bet gutem Winde andererseits die Venvendung der Segel eine starke Ersparitts an Brennstoff gestattet. Wegen des Mangels an SchtsfsbauMaterials mirrben im Aufträge Der Bereinigten Staaten bisher 20 größere Schiffe gehoben, rtm die Eisenteile zu Nenkmtstrukttonen zu verwenden. Auch wird heute wieder viel mit Holz gebant, ttn^ zwar nicht nur große Segler, sorrdern die Dätten und ?iottveger bauen neuervings auch Danrpfer, bet denen das Holz den Hauptbestandteil bildet. Die gleichzeitige Verwendtmg von Holz und Beton wird jetzt hauptsächlich darum m Betracht geigen, weck txutd) sie die Konstruktion neuer Sckuffe wesencktck- befchleumgt werden könne. — BerlinerTheaterbrief:ThaddäusRittners ,Wölfe in der Nacht" ilm Berliner Künstlerthea- ter. Aus Berlin tvird uns geschrieben: Die neueftt Ko modle des polnisck'-österreichtschen Dichters Thaddäus R 1 11 rtcr , „Wölfe in der Nach t", deren llraufführrmg tn Wtert tttrzltch viel Beifall fand, gelangte Miwvvch in BarumEns Deutschem K ü n st l e r t h c a t e r zur ersten Berlurer Aufführung. Das letcht hingeplauderte Stück, dessen Fäden sehr geschickt gewoben fmd, hat stellettweise die Wirkung eines Doppelsptels, da rede Person abgesehen von ihrer Stelliutg in der Hattdlung des Stückes selbftmuch ein allgemein gültiges Symbol zu verkörpern hat. Und ,zwar das Symbol eines Menschen in einer närrischen Welt, denn Haupt- und Endzweck dieser Komödie ist es, die Fehler und Irrungen der Menschen auf möglichst unterhalffame Mise darzutun. Wenn auch dte symbolisierende Sette dieser Ävmödienackett nicht völltg gelöst erscheint, so bleibt dock noch ast gvt gesel>cner Eharaktertstik, an Wirkungen bühnenmäßiger Art, an Wortgefechten, Bettachtttngen und ironischen .Hieben genug üb>rig, um erncn erfteulrchen Mend zu verbürgen. Der Kerit der Handluttg, die auch „Der Staatsanwalt am Scheidewege" betitelt rverden könnte, stellt einen mrd äußerlich unantastbaren Mann des Rechts vor die Wähl zwischen Pflicht und Egoismus. Eät anscheinend tragischer Drimütalfall, hinter den sich aber Mißverständnisse, Verwechslungen und eine alte Liebessünde des Staatsanwalts verbergen, läßt die Bezieburl^ gen zwischen den beiden weiblickien und männlichen Hauptpersonen! hin und her schwanken, bis dann der Schluß wte zumindest komödienhaft wirksame Lösung bringt. Tas Bühnengeschick Thaddäus Rittners und der äußerst gelenkige Dialog bilden auch die Hauptvorzüge seiner neuesten Aäreit. Sie wurden durch die verständnisvolle Inszenrerimg Arthur E l 0 e s s crs uick» gute Darstellung iwch unterstrichen. Heinrich S ch r 0 t h , Kurt G ö tz , Max Äa n b a * Else Ba ssermann und Sibylle Binder werden den erfolgreichen Llbend wahrscheinlich iwch oft zu wiederholen haben. ■— Die Silvester-Uraufführung eines neuen Schwankes. Ddan schreibt utrs aus Wiesbadett: Das Residenz-Theater brachte zu Sckvester einen neuen Sdmxutf „Pi mpelmeier" zur Uraufführung, für den die Wiesbadner Autoren Wilhelm Jacoby und Hans Linck verantwortlich zeichnet!. Wilhelm Jacoby ist bekanntlich der Verfasser der >m- verwüstlick-en „Pension Schöller". Bei Pimpelmeier stand ihm nicht die gleiche holde Muse zur Seite. Es ist ein typischer; Schwank, rvie es Dutzende gibt, ntit der bekannten Sclyvauk- 'Schmie*, ger mutter, dem jungen Frauchen, dem Pantoffel Helden Pimpel- nteier, der darut plötzlich ein Kraftmeier wird. Pintpelmeier ist Helenens ztveiter Mann. Durch einen Zufall stellt er dem ersten Gatten attßervrdentlich ähnlich, aber eben nur äußerlich. Inaner roieder bekommt er den seligen Ferdinand als Muster vorgehalt«, bis er erfährt, daß dieser Musterntensch gm: nicht solches Muster war. Da spielt er die Rolle des Daten, der nur verschollen und totgesagt ist, aber drxh iinmerhin ttneberfotimten könnte, und erreicht durch diese Radikalkur, daß nicht nur seine Frau ihn jetzt viel höher stellt als den seligen Ferdinand, sondern daß auch die ewig hetzende, ihn efv-ig beledigende Schwiegerimrtter sich für siegt erklärt. Herr Kleinke brauchte mit diesem Pimpelmeier keinen neuen Tvp zu schaffen, denn die Menschenart ist jg schon lange auf der Bül-ne heimisch, aber er stuttele die große mit vielen hübschen kleinen Einzelzügen aus. Das Publikum nahm den neuen Schivank denkbar günstig auf: es lachte ^ änen und rief nach jedem Akt die Autoren wiederholt vor die Rampe. Hans Linck erschien neben Wilhelm Jaooby als Feldgrauer.