Nr. 2) Der Gietztver rl«zei— ganz anders wie Dornröschen im Zauberschloß — mit seinem Nationalitätengrundsatz erstarren machen. Dazu sind vßele Einwendungen zu machen. Kann man über die Fehler der Vergangenheit ganz hinweggehen? Wo ist der gelobte Anfang des Jdeat- zustandes? Wirklich, man hat gar zu lebhaft das Bild des Küchenmeisters vor Augen, der im Augenblick der Verzauberung die Hand erhoben hat zum Backenstreich ftlr den Küchenjungen und in diesem Zustande schlafartig erstarrt. Jedes große Volk soll direkten Ausgang zu den großen Heeresstraßen der See erhalten. Soll dies das grüßte Kriegsziel Rußlands fördern, soll die Türkei von Europa vertrieben werdest? Alles, was Herr Wilson von der Freiheit der Meere, der Abrüstung von Heeren und Flotten spricht, ist im höchsten Grade problematisch und wir werden ausführlicher darauf zurückkommen müssen. Wir haben uns an das kalte Wetter der Zeit gewöhnt und wollen uns dnnh schöne Worte nicht in vorübergehende Träume wiegen lassen. Ter Ernst des Kampfes, den der Kaiser uns verkündet hat, läßt sich nicht abschwächen. Wir werden prüfen und wachen, aber auch kämpfen und „zu Stahl werden"". Zum Frieden geneigt, zum Schlagen bereit! * * * Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 23. Januar 1917. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Bulgaren gewannen bei Tulcea das Nordufer des St. Georgs-Armes. An der unteren Putna wurden russische Vorstöße abgewiesen. Ebenso fühlten südlich des Casinu-Tales feindliche Abteilungen vergeblich in unsere Stellungen vor. Bei der Armee des Generalobersten von Köveß stellenweise lebhafter Geschützkampf. Weiter nördlich bei Den k. nnd k. Truppen nichts zu melden. JtalienischerKriegsschauplatz. Nächst Görz nahmen unsere Jagdkommandos einen feindlichen Graben, brachten drei Offiziere und 134 Mann als Gefangene ein und erbeuteten drei Maschinengewehre. Sonst ist die Lage unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v.Höfer, Feldmarschalleutnant. * * * Zwei englische Zerstörer vernichtet. Berlin, 23. Fan. (WTB. Amtlich.) Bei einer Unternehmung von Teilen unserer Torpedoboot-Streitkräfte kam es am 23. früh in den Hoofden zu einem Zusammensto tz Mit englischen leichtenStreit- k r ä f t e n. Hierbei wurde ein feindlicher Zerstörer wahrend des Kampfes vernichtet, ein zweiter wurde nach dem Gefecht von unseren Flugzeugen in sinkendem Z u st a nde beobachtet. Von unseren Torpedobooten ist eines durch erlittene Havarie in Seenot geraten und hat nach eingegangenen Meldungen den holländischen Hafen Ymuiven angelaufen. Unsere übrigen Boote sind vollzählig mit geringen Verlusten zurückgekehrt. Der Chef des Admiralftabs der Marine. Der bulgarische Bericht. Sofia, 23. Jan. (WTB.) Gestern ist hier der erste Zug des Maritzatransportes eingetrvffen, der für Bulgarien bestimmte Waren ans Deutschlarid und Oesterreich-Ungarn bringt. Der türkische Bericht. K o n sta n 1 i nv p e l, 23. Jan. (WTB.) Heeresbericht vom 21. Jcm.: Oestlich von Kutel Amara nahm der Feind während der ganzen Nacht zum 15. Januar bie_ von uns geräumte Stellung unter das Feuer seiner leichten und schweren Artillerie und griff am folgenden Morgen diese Stellung mit einer Infanterie-Brigade an. Bei diesem Angriff wurde der Feind von uns unter Flankenfeuer genommen nnd erlitt schwere Verluste. Persische Front: Eine feindliche Abteilung griff unsere in der Gegend von Tanlet-Abad stehenden Kräfte an, wurde jedoch abgewiesen nnd zog sich in Richtung aus Diz—Abad zurück. . Kaukasusfront: Ter rechte Flügel des Feindes griff unsere Truppen in Stärke einer Kompagnie an, wurde jedoch völlig abgewiesen. Im Abschnitt des linken Flügels entfalteten unsere Patrouillen trotz dem unwegsamen Gelände eine lebhafte Auf- llärertätigkeit. Eine unserer Patrouillengruppen trieb vorgeschobene feindliche Aufklärer vor sich her und näherte sich der Hauptstellung der Russen. An einer anderen Stelle verjagte eine unserer Kompagnien bei einer Erkundung eine feindliche Kompagnie und bemächtigte sich ihrer Stellung. Ein Gegeno 'griff des Feindes mit drei Kompagnien wurde blutig abgewiesen, reilweise im Bajonett- iämpf. Ebenso machte ans dem linken Flügel unsere Artillerie geschickte Feuerübersälle, nahm feindliche Kolonnen auf dem Marsche und das feindliche Lager unter das wirsimgSvvlle Feuer ihrer Geschütze, indem sie ihnen schwere Verluste zusügte. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Eine neue Botschaft Wilsons zur §riedensfratz. Wien. 83. San. (WTB.) Meldung des Wiener k. k. TMgr.« Korr.-Bnr. Nach einer Meldung der hiesigen amerikanischen Botschaft richtete Wilson am heutig«! Tage an den Senat der Vereinigten Staaten nachstehende Botschaft zur Friedens« frage: Meine Herren vom Senat! Am 18. Dezember vorigen Jahres 'habe ich an 'die Regierungen der gegenioärtig kriegführenden Staaten eine gleichlautende Note gerichtet, in der sie ersucht werden, die Bedingungen, unter 'denen sie den Friedensschluß für möglich halten, genauer festznlegen, als dies bis dahin von irgend einer kriegführenden Gruppe geschehen war. Ich sprach im Namen der Menschlichkeit und der Rechte alter neutralen Staaten tzn denen auch unser Staat gehört-, deren vitalste Interessen zum größten Teil durch die Kriegführenden fortwährend gefährdet sind. Tie Mittelmächte antworteten in einer Note, tue einfach besagte, daß sie bereit seien, mit ihren Gegnern zu einer Konferenz zusammenzutreten, wir die Friedensvorschläge zu erörtern. Tie Mächte der Entente Ijciben viel ausführlicher geantwortet und, wenn auch nur in allgenieinen Umrissen, so doch mir genügender Bestimmtheit die Vereinbarungen, Bürgschaften und Wiederher stellnngen (act of reparcrtion) langegeben, die als unumgängliche» Bedingung einer befriedigeirden Lösung erscheinen. Wir sind dadurch der endgültigen Erörterung des Friedens, der Den gegen- w artigen Krieg beenden soll, um so viel näher gekommen; wir befinden' uns Htm so viel näher der Erörterung der Angelegenheit internationalen Konzerts, das nachher die Welt zun Beobachtung ihrer Verpflichtungen anhalten muß. In jeder Erörterung über den Frieden, der diesen Krieg beenden muß, wird es als zweifellos angesehen, daß diesem Krieg irgend ein bestimmtes Einvernehmen der Mächte folgen muß, das es wirklich unmöglich machen wird, daß irgend eine Katastrophe, wie die gegenwärtige, jemals wieder über uns hereinbricht. Jeder Menschenfreund, jeder vernünftig denkende Mann, muß dies als ausgemacht an sehen. Ich habe diese Gelegenheit, mich an Sie zu wenden, gesucht, weil ich es Ihnen als dem mir zur endgültigen Feststellung unserer internationalen Verpflichtungen beigegebenen Rate schuldig zu sein glaubte. Ihnen rücksichtslos die Gedanken und die Absichten zu enthüllen, die in m eine nl Gei st e Ge - ftalt angenommen haben. Was die Verpftichtungen unserer Regierung angeht, in kommenden Tagen, »venu es notwendig sein wird, die Grundmauern des Friedens unter teil Völkern frisch und nach einem neuen Plan zu legen, so ist es undenkbar, daß das Volk der Vereinigten Staaten bei diesem großen Unternehmen keine Rolle spielen sollte. Die Teilnahme an einem solchen Dienste wird die Gelegenheit sein, für welche unser Volk sich schon durch die Prinzipien und Zwecke seiner Politik und die bewährte Praxis seiner Negierung seit jeher vorzubereiten gesucht hat, seit den Taigen, da es eine neu» Nation begründete in der hohen und ehrenwerten Hofsiiung, daß diese in allen Ehren sein und dem». Tun der Meüschhüt den Wieg zur Freiheit zeigen möge. Unser Volk kann in Ehren nicht abstehen von dem Dienste, tzu dem es nnnwehr im Beigriffe ist, aufgerufen zu werden. Es wünscht auch nicht, diesen Dienst zu versagen, aber es ist sich selbst! und den anderen Nationen der Wjelt schuldig, die Bedingungen festznstellen, unter denen es sich im Stande fühlen wird, Hilfe zu bringen. Dieser Menst besteht in nichts weniger als in folgendem, ihr Gewicht nnd ihre Macht zu de»n Gewicht nnd der Kraft anderer Nationen hinzuzusugcn, um den Frieden nnd das Recht auf der ganzen Welt zu sichern. Solch eine Regelung kann > jetzt mcht mein lange verschoben werden. Es ist in Ordmmg, daß. bevor es dazu kommt, unsere Regierung freimütig die Bedingunge^r formuliere, unter denen sie sich ffüfc berechtigt hielt, vokn imserem Volke die Zustimmung zum formellen und feierlichen Beitritt zu einer Friedensliga zu verlangen. ^ Es ist mein Ztveck, die Fesfftclluirg dieser Bedingungen zu verjncheu. Zuerst muß der gegenwärtige Krieg beend e t »v e r d e n. Aber wir sind es der Rechtlichkeit »cnd ausrich- tigen Mlchichtnahme ans die öffentliche Meinung sckmldig, zu sagen, daß es, soweit unsere Teilnahme an der Verbürgung des künftigen Friedens in Frage kommt, einen großen Unter* jd)ieb machi, aus welchem Wege und unter »velchen Bedingungen dieser Krieg beendet wird. Me Vertrage und Ueberecnko mmcn, die ihn beenden, müssen die Bedingungen verwirklichen, Die einen Frieden schaffen, tvelcher wert ist, verbürgt und erhalten zu werdeii. einen Frieden, der den Einzel- mteressen und migenblickliche»: Zwecken der beteiligten Staaten dienen wird. Wir sollen keine Stimme bei der Feststellung dessen haben, was diese Bedingungen sein sollen, aber wir sollen — ich bin davon übmzeugt — eine St im m e haben bei der Festsetzung, ob die»e Bedingungen von den Bürgen eines allumfasse n de »i Bundes bleibend ge m acht wenden sollen oder nicht, und imser Vorteil über dasjenige, was eme gruiidlegende und wesentliche Bedüigung der Beständigkeit ist, sollte jetzt und nicht nachher ausgesprochen »verdau, »venn es zu spät sein könnte. Kein auf dem, Zusamnrenlvirke»: beruheiider Friedensbund, der nicht die Völker der neuen Welt in sich Mivßt. ausreichen, um die Zukunft vor dein Krieg zu sickern, und Kann doch gibt es nur eine Art Frieden, in beffen Verbürgung Die Völker tron Amerika sich zugesellen körnrten. Die Elemente dieses Fried«U mupen Elemente sein, welche das Vertrauen der ameri^misäxn Regierungerc verdienen und ihren Prinzipien Genüge leisten Eleü mente, welche zu dem politisck>en Glauben und den praktisckicn lieber« zeugungen stimmen , die die Völker von Amerika siet, zu emxn ae« macht und zu verteidiaen überrwmmen haben. . .3 ck; will ntcht sagen, daß irgend eine amerika- Regierung irgendwie sich irgendwelchen! F r ie de n s b e din Tun g en e n t g e g en stellen würde, tauf welche die gegenwärtig kriegführenden Regierungen sich einigen möchten, noch daß sie es versuchen würde, solche Vereinbarungen wenn räe geschlossen worden sind, u m z u st o ft c tl Dyn wek- dyer vlrt sie auch immer sein mögen, ich halte es lediglich für ausgemacht, das; bloße Faiedensvereinbarrrngen ztvischen detr Krieg- führenden riicht einmal die Kriegführendeii selbst befriedigen werden Bloße Vereilibarungen dürsten den Frieden nicht sichern. Es Wird unbedingt nötig sein, daß eine Kraft geschaffen wird, die imstande ist die Dauerhaftigkeit der A b m a chu rt gen z u Der bü r g e n, eine Kraft, weit größer als diejenige irgend einer der jetzt bisher gebildeten oder geplanten Bmidnisse, so daß leine Nation uird keine wahrscheinliche Vereinigungen von Nationen ihr die Stirn bieten oder ihr widerstehen könnta Wenn ^der jetzt zu schließende Frieden dauerhaft sein soll, sonruß es ein Friede rrsein, der gesichert erscheint durch eine organisierte größere Kraft der Menschheit. Von den Bestimmungen des unmittelbaren Friedens, aus den «ran sich geeinigt haben wird, wird es abhängen, ob es ein Frieden yt, für den eine solche Bürgschaft gesichert werden kann. Die Frage, v n. der für die Zukunft Friede und Glück der Welt in ihrer Gänze abhäng., ist die: ist der gegenwärtige Krieg ein Kamps, um einen gerechten und sicheren Frieden oder rau; für ein neues Gleichgewi ein der Kraft? ?^ Wenn es nur ein neues Gleichgewicht ist, wer will, wer tann die Stabilität der neuen Vereinbarungen verbürgen! Nicht ein Gleichgewicht, sondern eine Gemeinsamkeit der Macht ist notwendig, nicht eine organisierte Nebenbuhlerschaft, Kmderm rät organisierter Gemein friede. Glücklicherweise traben wir über diesen Punkt sehr ausführliche Versicherungen erlxilren. Die Erklärmrgen der beiden jetzt gegeneinander aufgeboleneit Völkergrnppen stellen in nicht mißzuver- stehender Weife fest!, daß es nicht in ihrer Absicht liege, ihre Gegner zu vernichten. Aber« es mag vielleicht nicht allen klar sein, was diese Erklärungen mit sich bringen. Die Auffassung hierüber mag vielleicht auch nicht dieselbe aus beiden Seiten des Wassers sein. Ich denke, daß es oienlich sein möchte, wenn ich anseinaltderzusetzeft versuche, was n ach unserer M ein u n g in diesen Versicherungen begriffen ist. Es ist darin vor allem begriffen, daß es ein F r i e d e n w e r d ein muß ohne Sieg. Möge es mir gestattet sein, dies aus meine eigene Art ausznlegerä Möge es tviohl verstanden werden, das; ich keine andere Deutung im Sinne hatte. Ich suche, lediglich die Wirklichkeit ins Auge zu fassen, ohne Heimlichkeiten, die nicht am Platze wären. Der Sieg würde einen Frieden bedeuten, der dem Unterliegenden aufgezwungen wird. Das den Besiegten auserlegte Gesetz des Siegers würde als Demütigung und .Härte, als ein unerträgliches Opfer angenommen werden, es würde einen Stachel der Rachsucht und bitteres Gedenken hinterlassen, am dem dos^Friedensgebäude rächt in dauerhafter Weise, sondern! nur wie aus Flugsand ruhen würde. Nur eilt Friede unter gleichen Bedingungen kann Dauer haben. Nur ein 'Friede, dessen Grund- prmziv die Gleichheit und gemeinsame Teilhaberschaft an dem gemeinsamen Nutzen ist, verbürgt die richtige Geistesverfassung und die richtige Gesinnung unter den Nationein. Er ist für einen dauerhaften Frieden ebenso notwendig, wie die gerechte Lösung der streitigen Gebietsfragen oder der Fragen über Rassen- und Stammestreue. Die Gleichheit bdr Nationen, auf die der Friede, wenn er dauerhaft sein soll, gegründet sein soll und gegründet sein, müß, muß die Gleichheit der Re ch t e sein. Die gegenseitigen Bürgschaften dürfen einen Unterschied zwischen den großen und kleinen Nationen, mächtigen und schwachen Völkern weder ausdrücklich anerkennen, noch stillschweigend in sich begreifen. D as R e ch t muß gegründet iein aus die gemeinsame Kraft, nichst auf die individu el tcr N a ttonen, von deren Zu- ßwtm-enwirken der Friede abhängen wird. Eine Gleichheit der Gebiete oder Hilfsmittel kann es natürlich nicht geben, ebensowenig irgend eine anders Art der Gleichheit, die nickt in der gewöhn- lichen friedlichen gesetzmäßigen Entwicklung der Völker selbst erworben wttrde. Mer niemand verlangt oder erwartet irgend etwas/ das über die Gleichheit der Rechte hinausginge. Die Menschheit hält jetzt Ansschau nach der Freiheit des Lebens, nicht nach denr Gleichgewicht der Vdacht. Und etwas Tieferes kommt in Betracht, aks selbst die Gleichberechtigung tmter den organisierten Völkern. Kein Friede kann dauern, oder verdient zu dauern, der nicht den. Grundsatz anerkennt und annimmt, daß die Regierung alte ihre gerechte Macht von der Zustimmung der Regierten ableitcn, daß es nirgends ein Recht gibt, demzufolge die Völker von Macht- tzccker zu Machthaber abgetreten werden können, als wenn sie deren Eigentarm wären. Ich halte es, wenn ich.eilt einzelnes Beispiel wagen soll, für ausgemacht, daß die Staatsmänner überall darin vmig sind, daß es ein einiges, unabhängiges und selbständiges Polen geben sollte, daß iveiter die unverletzliche Sicherheit des Lebens, des Gottesdienstes, der individuellen und sozialen Entwickelung allen Völkern gewährleistet werden stillte, die bis jetzt unter der Macht von Regierungen gelebt haben, die einem Glauben und einem Zwecke gewidmet war, der ihrem eigenen feindlich ist. Wenn ich hiervon spreche, so geschieht dies nicht, weil ich wünsche, ein abstraktes politisches Prinzip zu be- fttnüitett, das denen, die die Freiheit in Amerika auszubauen gefstcht haben, immer sehr teuer war, sondern aus denselben. Gründen, aus denen ich von anderen Friedensbedingungen gesprochen labe, die mir in klarer Weite unerläßlich scheinen, weis ich aufrichtig wünsche, die Wirklichkeiten aufzudecken. Irgend ein Friede, der diesen Grundsatz nicht anerkennt und annimmt wird unvermeidlich umgestoßen werden. Er wird nicht aus den Neigungen der Ueberzeueung der Menschheit rußen. Der Geist ganzer Völker wird gegen ihn gewandt sein und beständig ankämpsen, die ganze Welt wird mit ihnen sympathisieren Die Welt kann nur dann friedlich« sein, tvenn ihr Leben aus einer dauerhaften Grundlage beruht, und eine dauerhafte Grundlage kann nicht vorhanden sein, wo der Wille sich auslehnt, wo keine Ruhe des Geistes und kein Gefühl der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Rechtes besteht. Soweit möglich, sollte überdies jedes große Volk, das jetzt nach der vollen Entwicklung seiner Hilfsmittel strebt, eines direkten AuSganges zu den großen Heeresstraßen der See versichert sein. Wo dies durch Gebietsabtretungen nicht bewerkstelligt werden kann, wird es sicherlich durch Neutra lisielrung der Zu- gangsw e g e unter allgemeiner Garantie erreicht werden körnen, was an ttnd für sich eine Sicherung des Friedens bedeuten würde. Keine Nation braucht vom Zugang zu den offenen Wegen des Welthandels ferngehalten zu werden. Der Seeweg muß gleichfalls durch gesetzliche Bestimmungen, wie auch tatsächlich, frei sein. Die Freiheit der Meereist eine conditio sine gua non für den Frieden, eine Gleichheit der Zusammenarbeit. Viele derzeit in Geltung stehende Regeln internationaler Uebung werden zweifelsohne einer! radikalen Umarbeitung unterworfen werden müssen, um die Freiheit der Meere tatsächlich zu gewährleisten und deren gemeinsame Benützbarkeit für die Menschen unter allen Umständen zu sichern. Aber der Beweggrund zur Einsührrmg derartiger Aende- rungen ist überzeugend mrd zwingend: ohne diese Llenderung kann es kein Vertrauen und keine gv.ten Beziehungen unter den Völkern geben Der ununterbrochen freie unbedrohte Verkehr von Volks zu Volk ist ein wesentlicher Teil des Friedens und des Entwicklungsprozesses. Es braucht rächt schwer zu sein, die Freiheit des Meeres zu definieren oder sicherznstellen, wenn die Regierungen der Wblt den ausrichttgen Willen haben, hierüber zu einer Verstättdignng zu gelangen. Dies ist ein Problem, das mit der B e g r e n z u n g d e r maritimen Rüstungen und der Zusammenarbeit der Flotten der Welt, um die Meere sowohl frei als gesichert zu erhalten, enge verknüpft ist. Und die Frage der Begrenzung der maritimen Rüstungen bringt auch die größere und vielleicht schwierigere Frage aufs Tapet, wie die Lawdarmeen und jedes Programm militärischer Vorbereitungen eine Be s chrän ku n g erfahren können. So schwierig und heikel vrese Fragen auch sein mögen, sie müssen mit absoluter Un- vorerngcuommenheit betrachtet mrd im Geiste wirklichen Ent- Akgenkommens gelöst werden, wenn anders der Friede eine Besse- rnng brmgen und von Dauer sein soll. Ohne Opfer und Konzessio- nen tst der Friede unmöglich. Der Geist der Ruhe und Sicherheit wrrd memals unter den Vökkern heimisch werden, wenn große ichwernnegende Rüstungsmaßnahmen da und dort auch in Zukunft Platz greifen und fortgesetzt racrtKn; sollten. Xie Staatsmannes ber Welt müssen für bsit Frieden arbeiten, und die Völker müssen ihre Politik diesem Gesichtspunkt artpassen, so wie sie sich bisher aus den Krieg, auf den erbarmungslosen Kamps und aus den Weltstreit vorbereitet haben. Tie Frage der Rüstungen, einerlei ob zu Wasser oder Lande, ist jette Frage, die ant unmittelbarsten und einschneidendsten mit deni künftigen Geschick der Völker und des Menschengeschlechts verkrtüpft ist. Ich habe über diese großen Dinge rückhaltlos mrd mit der größten Teuttichkeit gesprochen, weil mir ein solches Vorgehen nottvendig erschien, wemt anders der sehnliche Wunsch der Welt nach Frieden irgendwo frei zum Worte und zum Ausdruck gelangen sollte. Ich bin vielleicht der einzige Mensch in hoher verantwortungs v oller Stellung unter allen Völkern der Welt, der sich frei atrsspvechen kann Und nichts zu verschtveigeu braucht. Ick), spreche als Privatmann uird doch natürlich zugleich auch als verantwortlickies Haupt eiuer großen Regierung. Ich bin überzeugt, daß ich gesagt habe, was das Volk der Vereinigten' Staaten von mir erwartet. Darf ich noch hinzufügen, daß ich, wie ich hoffe und glaube, tatsächlich für die Freisinnigen und Freunde der Menschbeit und jedes freiheitlichen Programms in jedem Volke spreche. Gert: würde ich mich dem Glauben hingeben, daß ich auch im Sitme der stummen Vdasse der Menschheft allerorten spreche, die ttod) keine Gelegenheft hatte, ihren wirklichen Gefühlen über das .Hin st erbet t und dett Ruin Ausdruck zu geben, von dem sie Menschen nnd Staaten heimgesucht sieht, die ihren Herzen am teuersten sind. Wenn ich der Erwartung Ausdruck gebe, daß ftrfj Volk mrd Regierung der Vereinigten Staaten und die übrigen zivilisierten Völker der Erde zur Sicherung eines dauernden Friedens aus Grund der von mir dargelegten Bedingungen anschließen werden, so spreche ich mit um so größerer Kühnheit- und trat uptso größerer Zuversicht, da es für jedett Denkenden klar ist, daß in solcher Zusage kein Abivcichen, weder von unseren natimralen Ileberlieserungen, noch von unserer nationalen Politik, sondern vielmehr die Erfüllung alles dessen liegt, was wir verkündet, oder wofür wft gekämpft l-aben. Ich schlage daher vor, die Völker möchtest sich einmütig die Doktrin des Präsidenten Monroe als Doktrin der Welt zu eigert machen, daß (kein Volk danach streben sollte, seine Regierungssorm aus irgend ein'anderes Volk oder eine andere Nation zu erstrecken und daß es vielmehr einem jeden Volke, dem kleinen sowohl wie dein großen und mächtigen sreistehen sollte, seine Regierungs form tmd srären Entwicklungsgang unbehindert raid unbedroht unerschrocken .solbst 51 t bestimmen. Ich schlage vor, in Zukunft möchten es alle Völker nnt erlassen, sich in Bündnise zu verwickeln, die sie in den Wettbewerb um die Macht hineintreiben itnd in rät Netz von Intrigen und eigennütziger Nebenbtchtersckaft verstricken und ihre eigenen AngelegettHeiken durch Einflüsse verwirren, die von außen hineingetragen werden. In dem Konzert der Mackste gibt es keine verwickelnden Mlianzen, wenn sich alle vereinigen, uib in dein selben Geiste zu demselben Zwecke zu handeln und zu wirken alle in dem gemeinsamen Interesse zum Genießen der Freiheit und des eigenen Lebetts mtter genteinsamem Schutz. Ich schlage den Regierungen unter Zustimmutrg der Regierten jene Freiheit der Meere vor, die in der internationalen Konferenz auch andere Vertreter des Volks der Bereinigten Staaten mit Berärsamkeit als überzeugte Anbänger der Freiheit verfochten haben, und eine Beschränkung ^der Rüstungen, die ans dett Heeren und Flotten lediglich ein Werkzettg der Ordnung, nicht aber Werkzeuge für einen Angrift oder _ eigensüchtige Gewalttätigkeit macht. Ties sind amerikanische G r u n d s ä tz e und amerikanische Richtlinien. Für andere könntet^ tvir nicht räntreten. Es sind die Grundsätze und Richtlinien vorausschauender Männer tmd Frauen aller Ortett in jedem neuzeitlichen Volk und irbom aufgeklärten Gemeinwesen, es sind die Grundsätze der Menschheit; sie müssen zur Geltung gelangen. * Berlin, 23. Jan. (WTB.) Den amerikanischen Botschaftern bei den Großmächten ist der Text der Botschaft zugegangen, die Präsident Wilson gestertt an den Senat gerichtet hat. Sie beschäftigt sich mit den Bedingungen, die es Amerika ermöglichen würden, dem künftigeir Friedensbund beizutreten. Wert uud fähig, dauernd erhalten zu werden, ist nach Artsicht des Präsidenten lediglich ein Friede ohne Sieg, ein Friede unter Gleichen. Ms utv erläßliche Bedingung für die Dauer des Friedens erklärt der Präsident außer der Gleichberechtigung der Nationen, die 'Ableitung alle Regierungsmacht aus der Zustimmung der Regierten, einen Ausgang zu den großen Heerstraßen der See für alle großen Völker, die Freiheit der Meere und Beschränkungen der Rüstungen zu Wasser und zu Lande. Berlin, 23. Jan. (WTB.) Der Text der B 0 t s ch-a f t des Präsidenten Wilson an den Senat ist der deutschen Regierung von dem hiesigen amerikanischen Botschafter Gerard heute überreicht worden. * Presseftimmen zur Botschaft Wilsons. Oesterreich-Ungarn. Wien, 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) In Besprechung der Botschaft Wilsons an den Senat erkennen die Blätter an, daß Wilson aufrichtig nnd ehrlich bestträt sei, für die Beendigung des Weltkrieges und die Vorbereitung des Weltfriedens einzutreten. Sie betonen, daß sich Oefterreich-Ungartr mit manchen seiner Grundsätze, insbesondere der Freiheit der Meere, einverstanden erkläre., Oesterreich-Ungarn wie auch feilte Verbündeten betrachteten den ungestörtetl Verkehr auf den Seftwege.n immer als eine Grundbedingung für den stetigen Fortschritt der Zivilisation, für den wachsenden Wohlstand der Völker und die Annäherung der Staaten. Ebenso weisen die Blätter darauf hin, daß die Anschauungen Wilsons über Nationalitäten und Mer die Zugehörigkeit zu Staaten Oesterreich-Ungarn gestatten, mit stolzem Bewußtsein zu sagen, daß die Nationalitäten, die im Staatsrahmert der österreichisch-ungarischen Monarchie vereinigt leben, sich nie von ihr fortgesehnt haben. Die Blätter verweisen schließlich darauf, daß manche Punkte in der Botschaft Wilsons der Aufklärung bedürfen. Wilson hält es fitt die Herstellung eines dauernden Friedens für notwendig, daß eswederSieger, nl 0 ch Be siegte im Weltkriege geben solle. Ta sich aber manche seiner Ausführungen deuten lassen, als ob er sich in viälen Fragen auf den Standpunkt der Antwort der Entente stellen würde, in der bekantttlich die Auslösurrg Deutschlands, die Vernichtttng der Türkei uttd die Zerstttckelung Oesterreich-Ungarns verlangt tvird, scheint hier ein kaum verständlicher Widerspruch vorzuliegen. Tie „R e i ch s p 0 st" schreibt: Weuit Wilson der einzige Mensch ist, der die Gewalt besessen l>at und vieUeicht noch besitzt, den Krieg tatsächliche zu beendigen, itrdem er die riesigen Betriebe der amerikanischen Trusts und Geldkeller der New Horker Börsentönige, ans welchen der Krieg gespeist nürd, still egt, wenn Wilson die Freiheit, zu handeln, hatte, warum benutzte er diese Freiheft nicht? Wird nun seine Freiheit, zu reden, mehr fruchten? Die „N e u e F r e i e P r e s s e" schreibt: Die Rede hat tnanches Korn vott Feingehalt, aber sie kann nicht überzeugen, weit sie voll unlöslicher Widersprüche ist. Wir bekommen Antveisungett auf die Zukunft, die in der Gegenwart nickst fällig und nicht einlösbar sind. Ter amerikanische Friede ist eine klingende Beredt- s a m k e i t 0 h n e n n m i t t e l b a r e B r a zt ch b a r k e i t. Er lvürde den Krieg nicht abrürzen, sondern verlängern, tveit er in wenig! verschleierten Anspielungen eine neue Teilung Europas vorschlägt und Umwälzungen, die noch weitere Millionen von Menschenleben kosten müßten. Im „N euer« Wiener Journal" heißt es: Wftson enthüllt sein walwes Antlitz. Er will den „anderen Nationen" zu Hilfe kommen, wie er selbst sagt. Welch? d.'attonen meint er? Daß er darunter die Zerttralmäckste und ihre Bundesgenossen meint, ist nach dein ganzen Geiste, den die Botschaft atmet, wohl nicht mtzratehntett. Wilson ist nur für einen a nte r i kanisch e tt Frieden für Europa. Die Z en tra l in ä chle si n d n u r sür einen gerechten Frieden, der dent Ursprtmg und der Cmtwickelnng' des Krieges und der künftigen Sicherrmg unseres Eigenlebens entspricht. Zwischen diesen beideit Friedensarten scheint jedensakls ein großer Unterschied zu bestehen. England und rlmerila. New dort, 23. Jan. l WTB.) Fratkspruch vom Vertreter des Wolftchen Bureaus. Die „Evening Mail" erfährt aus Washington, daß vor zwei Wockstn der britische Botschafter dem Staatsdepartement eine Note überreichte, in der England atrssehenerregende Beschuldigungen gegett bie Vereinigten Staaten erljebc, weil sie es in grober Nack>- lässigkeit gestattet hätten, daß deutsche Verschtvörungen auf amerikanischent Boden geplant und zur Reise gebracht wordetr feien. Weiter wird gesagt, die Note lege den Grund, um nach denr Kriege riesige Schadenersatzansprüche gegen die Vereinigten Staaten vorzubringen wegen angeblicher Verletzung der Neutralität. Die Meldung schließt mit der Angabe, es sei nicht sicher, ob dieser englisck)e Sck>achzug den riesigen Schad-mersatz- ansprüchen gegen England vorgreifen solle, die wegen der utrgejetz- lichen Einmischung in den amerikanischen Handel beständen. Es sei allgemein bekannt, daß diese Ansprüche jetzt zwischen einer halben, und dreiviertel Milliarde betrügen. . „New Pvrk American" meldet aus Washington, daß der A n g r i f s d e s amerikanischen Botschafters in Rttß- land ans die Beschlüsse der Miierten aus der Pariser Wirtschaf t s k 0 n f e r e n z , der aus den Telegrammen atts Petersburg gestertt bekannt wirrde, ungewöhnliches Interesse erregte ratd hier als eine ermächtigte Kundgebung Amerikas an^ese.hetr wird, das Hcutdelspvogramm der Alliierten .zu bekämpfen. .Halls versucht werden soll, es auszuführen. Die neue englische Anleihe^ N e w D 0 rk, 22. Jan. (Fimkenspruch vom Vertreter des WTB.) Die Blätter bringen die fornrelle Ankündigung, daß die neue britische Anleihe nahe bevorsrehe. Matt erwartet, daß sie nahe an 300 Millionen Dollars betragen wird. Der Zinsfuß beträgt 5Prozent, und die Anleihe soll ein bis zwei Jahre Dauer haben. Der Mannschastöersatz in England. London, 23. Jan. (WTB. Oiichtamtlich.j Das Reuter- sche Burean meldet amtlich: Küustig werden die jungen Männer, statt wie jetzt im Alter v 0 7t 18 I a h r e u 7 Monaten im Mter Ocm 18 Jahren zur Ausbildung im militärischen Landesverteidigungsdienst a.ufgerufen. Es wird keiner bis zum 19. Jahre außer Landes vertvendet. Der Zweck der Maßnahme besteht einfach darin, das Bedürfnis nach älteren Männern aus gesundheitlich schwächeren Kate gorten einzuschränken. * * * Französische Stimmen über die Haltung der deutschen Arbeiter. Paris, 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der Kundgebungen der deutschen Arbeiterschaft an den Reichskanzler schreibt das „Journal": Tie deutschen Arbeiter unterstützen ihre Regierung, weil sie überzeugt sind, daß diese ihrer Sache dient. ^Ties ist verständlich, denn keine attdere Regierung hat mehr Fürsorge für die wahren Jnteressetr der Arbeiter gezeigt. In allen sozialen und Organisa tionsfragen stand Deutschland an der Spitze. Das Programm der Entente bedeutet für die deutsche Arbeitersck-ast die Rückkehr zum eisernen Zeitalter und einen Rückschlag um hundert Jahre. „Temps" sagt: Je lättger der Krieg dattert, um so bestürzter ist man über die Geistesverfassung Deutschlands. Nachmusterungen in Frankreich. Paris, 23. Jan. (WTB.) Nach dem nunmehr irn Wortlaut vorliegenden von der Regierung der Kammer eingerichteten Nachmusterungsantrag sollen nur die während des Krieges Schwerverwnndeten und Pensionsberechtigteu von der Nachmusteruirg befreit werden. Der Gesetzesautrag stößt auch in dieser Fomn aus lebhaften Widerstatä. „Journal" und „Evenement" erklären, Frankreich habe bedeutend tnehr Verluste gehabt, als seine Verbündeterr; deshalb sollten diese Soldaten schicken, statt daß man Frankreich nach- ruustere. General Materre schreibt in der „France Mili- taire", daß du.rch die Nachmnsterrurg kaum einige Tausend Mann gefunden werden würden. * * * Zur Ermordung Rasputin». Berlin, 23. Jan. (Privattelegramm.) Die „Voss. Ztg." meldet arrs Stockholm: Anläßlich des Mordes an R a s p u t i n sind der vielgenannte junge Füiftt Jnssrtpow, dessen Schwiegervater Großfürst Mexariiber Michailowftsch, sowie der junge Großfürst Dimitri Pawlowitsch auf Befehl des Zaren Petersburg bis auf weiteres zu verlassen, mittels Extrazuges nach der Krim abgereist. Die Kohlennot in Norwegen. Kristiania, 23. Jan. (WTB.) „AfteTrposten" zufolge hat eine von dern Verein privater Kohlenimportenre vorge- noutmene Zählung in den hiesigen Lagern irnd denen seiner Mitglieder ergeben, daß insgesaznt nur 5 000 Tonnen Kohlen und knapp 4000 Tonnen Koks vorhandert sind, was der Staatsminister dem Proviantierungsminister heute mitteilte. Außerdem hat der Verein bereits am 13. Januar bei der städtischen Proviantierungskommission angefragt, ob die staatlichen Rcservelager der städtischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden können. Außerdem hat der Verein arüh bei der Direktion des Gaswerks ange- sragt, ob sie 'zu Unterhandlungen über Maßrmhrnen zur Verminderung der Schwierigkeiten ^erdi sei. Kristiania, 23. Jan. (WTB.) Das Proviantierungs- departement hat eine Preisregulierung für K 0 h l e n und Koks sowie die sofortige Feststellung von Höchstpreisen hierfür beschlossen. Der §eekr!eg. Japan und die Bewaffnung der Handelsschiffe. Berlin, 23. Jan. Die „Voss. 3tg." meldet aus Genf: Wie das „Pariser Journal" aus Washiitgton meldet, teilte Japan der amerikanischen Regierung amtlich die Msicht mit, die japanischen Handelsschiffe zu bewaff- n eit. Japan fragte!gleichzeitig an, welche Sotlderbestimmun-« gen Amerika für die Durchfahrt derartiger bewaffneter Schiffe durch den Panamakanal aufstelle. Bern. 23. Jan. (WTB.) Die französische Presse erklärt im allgemeinen, daß die von denr dentschett .Hilfskreuzer angewandten Aufbauten zur Unkenntlichmachuna Seeräuber ei seien. Der „Figaro" wendet sich scharf gegen diese Auslegung rurd sagt, inan solle sich in so ernsten Fällen nicht lustig machen, es handle sich um rechtlich durchaus zulässiae Kriegslisten. Wie das Pariser „Journal" aus Rio de Janeiro meldet, haben der brasilianische Präsident und der Minister des Aeußern angesichts der verstärkten Kriegs tätig keit in der Nähe der Küste beschlossen, die U e b e r w a ch u n g der n 0 r d b r a s i l i a n i s ch e n K ü st e durch die sofortige Ent- sendurrg des Küstenpanzerftchiffes „Deodore" zu verschärsett. Amsterdam, 23. Jan. (WTB.) „Allgerneen Haudets- blad" nennt die Zurückhaltung des holländischen Dampfers . fi- U ö 4) 11 , 23. .v)Ull. ULCÜJci • Dre dänische hsvelette „Standard", der norwegische Dampfer ^otnnsjöll" und der englische Dampfer „Mahasfield" Wurden versenkt. Der Kapitän der „M-ahasfield" wurde gefangen genommen. 22 Mann sind untergegangen. Ferner wurde der schwedische Dampfer „Komma" versenkt. London, 23. Januar. (WTB. Nichtamtliche Lloyds meldet: Tre Dampfer „C arlisle", Lonstane", Softwood" „Pout Nicholson" und „Matina" wurden versenkt. „Westerdyk" durch die englische Regierung, die für die Lieferung der nötigen Bunkerkohle als Gegendienst die Ueberlassnng von 30 Prozent des Schiffsraumes der Reederei verlangt, eine unfreundliche Handlung und eine Tat schlechter Nachbarschaft. Kopenhagen, 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Bor dem Seehandelsgericht fand das Seeverhör über die Versenkung des dänischen Tangers „Tnborg", der aus einer Mlichtreise mit Kohlen vom Tyne nach Gibraltar unterwegs gewesen war, statt. Wie die Blätter berichten, wurde in dem Verhör allseitig das menschliche Verhalten des deutschen Dauchbootkommanbauten rühmend hervorgehoben. Nach der Versenkung hatte das Unterseeboot die Boote mit der Be- sieben Stunden im Schlepptau. Gegen Abend tauchte der norwegische Dampfer „Cuba" auf, der von dem Unterseeboot durch einen Warnungsschuß angehalten wurde. Als sich der norwegi.scl)e Kapitän auf dem Unterseeboot einfand, erklärte der KvrnmandMrt, daß er eigentliche den Dampfer versenken müßte, der seit einem halben Jahre zwischen England und Frankreich hin und her fahre und sich jetzt in Ballast «ruf der Rückreise nach England befände. Er wolle aber die Dampferbefatzungen nicht auf dem Meere nachts ihrem Schicksal überlassen und gebe daher den Dampfer frei. Der rrorwegisä-e Kapitän mußte sich schriftlich an Eidesstatt verpflichten, die dänische Besatzung aufzunehmen und niemals wieder- — weder er persönlich, noch sein Dampfer — mit Bannware für die Alliierten zu fahren. Darauf wurde der Dampfer von dem Unterseeboot freigegeben. (Amtlich.) Berlin, 22. Jan. Sämtliche Tekaturanstalten und sonstige Betriebe, die Stoffe, dekatieren oder in ähnlicher Weise behandeln, sind verpflichtet, iede ihnen zur Dekatur übergebene Ware vor und nach der Vornahme der Dekatur zu wiegen Durch Auslieferung einer Ware, die nach der Dekatur mehr als 400 Gramm für den Quadratmeter iviegt und deshalb unter die Bekanntmachung W. M. 1000/11. 15 K.R.A. fällt, verstoßen sie gegen diese Bekanntmachung und machen sich strafbar. B e rlin , 23. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Beiordnung der Aenderung der am 26. Mai 1916 bekanntgemachten Verordnung über die Bereitung von Backware, ferner die Abänderung der Ausführungsbestimmun- gen der Bekanntmachung betreffend die Einschränkung der Trink- branntwernerzeugung._ Aus Stabt und Lund. Gießen. 24. Januar 1917. Der persische Golf und feine Bedeutung für die Mittelmächte. Der Vortrag, der Montag abend 8* , ll'hr auf Veranlassung der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in der Neuen Aula statt- sand, hatte leider nur eine geringe Anzahl Zuhörer. Ter Redner, Prof. Dr. Gerhard Schott, Hamburg, der eine gute geographische Schulung besitzt, und auch für Laien in recht anschaulicher Weise die Probleme darznleg-en versteht, ging zunächst auf die geographische Beschaffenheit des .persischen Golfes und der ihn begrenzenden Länder ein, um dann aus dem geographischen Problem heraus das politische Problem zu entwickeln. So wurde uns in Wart und Bild das angrenzende Persien, Mesopotamien und Arabien vor- geführt, die Bewässerungs- und Verkehrsverhältnisse geschildert und ihre klimatischen und gesundheitlichen Zustände' erörtert. Basra ist das natürliche Ende der Bagdadbahn, ist das Sprungbrett von Europa nach, Indien. 70 Prozent des Handels im persischen Golf sind bereits in englischen Händen, nur mit 7 Prozent war Deutschland beteiligt. Und dennoch waren'nur den Engländern nirgends auf der Welt mehr verhaßt, als gerade an diesem unscheinbaren Winkel. Mit weit voraus schauendem Blick erkannten sie die Bedeutung der Verbindung Ostende—Konstanti- Napel—Basra—Vorderindien. So wie sie schorr viel früher den Seeweg mit seinen wichtigsten Knotenpunkten: Gibraltar—Suez in ihre Gewalt brachten, suchten sie drrrch den Besitz von Kionstantnwpel und Basra auch, den Landweg ihrer Allmacht zu ^unterwerfen. Damit nun kreuzte ihre Handelspolitik die Lebensinteressen der Mittelmächte, die durch den Beitritt der Türkei auf eine Expansion nach Osten angewiesen sind. Leider ist Basra in englische Gewalt geraten, irnd cmch am Ausgang des Golfes haben fick, die Engländer festgesetzt, soll mm unser Bündnis mit der Türkei einen Sinn haben, wollen wir das vollenden, ivas tvir 7nit der direkten Verbindung Berlin—Konstantinopel erreicht haben und soll die Bagdadbähn nnt deutschem Kapital zu Ende geführt werden und unseren Interessen dienen, so müssen die Engländer ans dem persischen Golf verttieben und Basra wieder türkisch werden. Daher auch, unsere Anteilnahme an den Expeditionen nach denn Osten. Die strategische Entscheidung wird im Westen sollen, aber die entscheidende polittsche Frage im Osten! darf darüber nicht vergessen weroen. Die persische Küste ist ein unwegsames, wenig bevölkertes Gebirgs'land, die arabische Küste dagegen ein von reichen Oasen durchzogenes Flachland; seine Bewohner sind tätige Handelsmänner, geschickte Seefahrer und den Persern weit überlegen. In ihren Händen liegt auch, die einträgliche Perlenfischerei. Wichtiger noch, als der arabische Teil des Golfes, ist die Nindwestecke: Mesopotamien, das alte Knlttlrland zwischen Euphrat und Tigris. Und um seinen Besitz oder um den Besitz seiner wichtigsten Handelsstadt am Meer. um Basra, das persische Schanghai, dreht sich die große politische Frage, die jetzt nnt dem (rochwerte ansgesochten wird. * Auszeichnung. Unteroffizier Christian K i e n z l e erhielt 1915 die ©roßt). Badische Silberne Verdienstmedaille und wurde jetzt mit dem Eisernen Kreuz 2 Klasse ausgezeichnet. *" Zugeinschränkunq. Die in letzter » Zeit besonders starke Beanspruch»,nq der Eisenbahnverwaltung durch den Güterverkehr macht es notwendig, zur glatten Durchführung dieses Der. kehrS vom Mittwoch den 24. Januar an Pz. 635 Gießen ab 6" vorm., Betzdorf an 9" vorm, und Pz. 654 Betzdorf ab 9 08 abends, Gießen an 11'* abends Pz. 713, zwischen Gießen (Abs' 6" vorn,.) und Marburg (Ank. 7 84 vorm.) Pz, 732 zwischen Marburg (Abi. 2** vorm.) und Friedberg (Ank. 4" vorm.) vorübergehend aus- fallen zu lasten. **Jnngwehr. Mittwoch, 24. Jan.: Antreten 81/4 Uhr. Komp. 621: Realgymnasium, Kornp. 620: 1. Mt. Ober-Real- schnle, 2. Abt. Gymnasium. ** M u s ch e l f l e i s ch wieder eingetroffen. Verkauf morgen, Donnerstag, und Saiustag von vormittag 8 Uhr an. Fisch, rnarmeladen kommen auch zum Verkauf. Meisterkurs für Tamenschneiderinuen in Gießen. Der Ortsgewerbeverein Gießen hält im Atonal Februar im Gewebrehaus zu Gießen mit Unterstützung Großh. .Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadi einei, Meisterkurs für Damenschneiderei von etwa dreiivöchiger Dauer ab. Die Unter- richtserteilulig erstreckt sich insbesondere auf Maßnehmeu, Grundmodell-Zeichnen und Zuschneiden nach eiuenr auf misseuschaftlicher und vraktischer Grundlage beruhenden System. Der Besuch dieses Meisterkurses kann a,lch als praktische Vorbereitung für die Meisterprüfung dienen Das Unterrichtsgeld von 20 Mk. ist zu Beginn des Kurses zu entrichten. Siebe Anzeige. *• Cale A m e n d. Es ist Herrn Amend gelungen, für sein (heute abend stattfindendes Famillenkonzert den zurzeit hier weilenden Direktor Hans Ramseyer für einige Vorträge zu gewiiinen. der zu diesem Behufe ein ganz spezielles Programm zusammengestellt hat. Herr Ramseyer ist noch vielen Gießenern durch seine Leistungen kin bester Erinnerung. .. Q LuüottetS Gleyeru .. ^' 2?- Jan. Dem Landsturmmann Hch. H iS g en von ^E ' welcher bei einem Landwehr-Reganent in Frankreich kämpft, wurde die Hessische Tapierkeitsmedaille verliehen .«„»•So , nzlar, 24. Jan. Die Hessische Tapserkeitsinedaille verliehen dein Wehrmann Christian Le mm er von hier. 11 oer zehnte Krieger ans unserer Geineinde, welcher diese AuS- zeichnung erhalten hat. ' ® l .S lch * nhei m, 24. Jan. Adolf Wagner. Sohn des Illaurermelsters Konr. Wagner, der an der Sommeschlacht teil- 'laym, wurde am 28. Dez. 1916 mit der Hessischen Tapferkeit^ inedaille ausgezeichnet. Er steht seit Juli 0. Iß. im Felde und ist ivahrend dieser Zeit eininal verivundet worden. Die Entführung aus dem Serail. Iw Juli dieses Jahres sind 135 Jahve verflossen, seit Mozarts Entführung ans den: Serail „auf kaiserlichen Befehl" rm deutschen National-Sin gspi ei theater zu Wien ihre Erstaufführung erlebte. Eine wie groß^ Spanne ZeitNichtsdestoweniger i)t diese „erste wirklich« deutsche Oper" bei guter Wiedergabe ihres Erfolges noch' ebenso sicher, wie vor 100 Jahren. „Wegen ihrer wirkungsvollen Frische, aber anch schon um ihrer chrlvürdigen. Stellung willen, die sie in der Geschichte des nrusikalischcu Dramas einnimmt, verdient sie einen Ehrenplatz im Spielplan einer jeden deutschen Bühne. In den Melodien der Entführung, dem Werk aus Mozarts eigener Liebest und Bräutigamszeit. klingt all sein Liebes- sehnen wnch>er, und das verleiht der Musik eine Zartheit und Innigkeit, die er auch, in seinen größeren und bedeutenderen Werken nicht immer in gleichem Maße erreicht hat sMerianff". Ter hiesige Theaterverein hat mit der Wahl gerade dieser Oper wiederum ein feinfühliges Verstehen für Zeit, Verhältnisse und Raun, bekundet. Wir danken es ihm. daß er von blendenden und rauschenden Dramen neuzeitlicher Komponisten absieht und den gesunden Sinn unserer Hörer init dem intim er eit .Man greiz einer vergangenen Epoche echter Meisterwerke der Volkskunst zu fesseln sucht. Daß ihm das vollkommen gelungen, bewies der dankbaren Herzens gespendete reiche Beifall, der zu gleichen Teilen der wackeren Künstlerschar und den unsterblichen Mozartschen Melodien ealt. Wie erkeirirtlich sind iüir_ doch in dieser schweren, eisernen. Zeit für 2 Sttinden des Bergeisens und des Schwelgens in reinem Wobtlant! Hier bedarf es nicht der Lösung verwickelter Probleme, hier findet man kein Tasten und Grübeln nach neuen, sinn v er - wirrenden Klängen, hier ouillt ein Born unversiegbarer Melodien in einfachster Form und höchster Vollendung. Diese Vollendung aber adelt auch den Text und hebt über ihn hinweg. Freilich muß die Ausführung eine gute sein. Daß sie es gestern war, wollen wir von vornherein gern bestätigen. Mozart setzt neben glänzenden Stimmitteln ein derartiges technisches Können voraus, daß man in unserer Zeit des „Wagnergesanges" nicht immer geeignete Kräfte findet, die iu gleichem! Maße Stimmumfang und unbedingte Beherrschung der Koloratur Ihr eigen nennen. Fräulein Melitta H e i m ,aus Frankfurt) als Eonstanze suchte schlichte Würde mit Innigkeit zu einen und meisterte die anspruchsvollen Ton- siguren ihrer Partie größtenteils in anerkennenswerter Weise. Ich dem Belmonte des Herrn August Geßer «ebendaher) batte sie einen guten Partner, der schönes, von Wärme beseeltes Stimm- material aufwies. Ein gar reizendes, zierliches und mit einem ebensolchen Sopran begabtes „Blondchen" war Frau Margarete Beling-Schäfer aus Darmstadt. Sehr anregend wußte Herr Hermann Schramm, der beliebte Frankfurter Tenor, in Spiel und Sang den Pedrillo auszugestalten. Keck und frei erklang sein: „Frisch znm Kämpfe", fein abgetönt die Romanze: „Im Mohrenlande". Die köstlich,? Baßbusfo-Relle des Osviin zugleich die Spielleittrug, — lag in den bewährten Händen des Herrn Herbert Stock uns Fr-ankfnrt, der dem teils derb-gutmütigen. teils boshaft-ingrimmigen „Haremswächter" immer von neuem charakteristische Züge abzugewinnen wußte uuv seine schwierige Partie mit prächtiger Stimme und wit Bravour durchführte. Das den Verhältnissen angepaßte, kleine Orchester, ebenso „der Chor" hielten sich wacker und solgteix ivillig der anfeuernden Leitung des Herrn Räthe ans .Heidelberg. Die Sprachrolle des Selim Bassa batte Herr Franz Kauer vom Neuen Theater Frankfurt übernontmen. Eine einfache, aber reizvolle Szenerie trug zur Vollendung des schönen Bildes in dem anheimelnden Rahmen unseres Theaters bei. In warmer ?tnerkennung für das Gebotene spendeten die Besucher des vollbesetzten Hauses reichen Beifall. . —a— Eingesandt. (Für Form Und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Von der Eisbahn. Man sollte doch annehmeu, daß in einer Stadt niie Gießen für einen Spott, der wie kein zweiter geeignet ist, der Jttgend im Winter gesunde Bewegung 511 verschaffen, genügend Gelegenheit geboten würde. Angesichts der Tatsache, daß in unserer Zeit alle verfügbaren Kräfte in immer weiterem Maße zur Arbeit lferan- gezogen werden, dürfte iinseres Erachtens die Eisbahn besonders in den 2lben.dstu.iwen dem Publikum zur Verfügung stehen. Wie sehr wir in dieser Ansicht das Richtige treffen, beweist die Tatsache, da^ gestern abend zahlreiche Sportssrenirde sich zur Rampe drängten. Aber sie alle mußten betrübten Herzens heimkehren. Da wäre es^ doch wirklich zu wünschen, daß die Eisbahn des 2lbends für diese Schlittschuhläufer geöffnet würde Daß die Beteiligung rege iväre, bewies ja der Montagabend zur Genüge. T r e i E i s l ä u f c r^ Letzte Aachnchten. Wilsons nkuestk Note. Berlin, 24. Jan. Ter „Berliucr Lokal-Anzeiger" erklärt: In Deutschland, dessen größter Philosoph das beste geschrieben hat, was je über den Gedanken des ewigen Friedens gesagt loorven ist, wird man. ganz abgesehen davon, daß wir eine viel größere Zahl der Forderungen Wilsons critnehmen können, als unsere Feinde, dem von mcnsft«.ufteuirdlichem, aber recht weltfremde m Geiste durchweht.m Wältordnunasplau des Präsidenten Wilson der Vereinigten Staaten ab wartend gegenüberstehen. Zur entscheidenden Erörtermrg dieses Planes ist der Llugenblick wenig geeignet, in dem 10 Staaten die sich entgegen ihren Herrn Wilson gegebenen Versicherungen unsere Vernichtung zum Ziele gesetzt haben, zu einem furchtbaren gemeinsanteu Angriff riisten, der diese Vernichtung herbeiführen soll. In diesem Augenblick ist die Sprache der Kanonen die einzige, die uns angemessei! erscheint, weil es die einzige ist, die von unseren Feinden verstanden wird. Das „Berliner Tageblatt" sagt: Kann Wilson glauben, die Verkündung der Cntentebedingungen habe uns der endgültigen Erötternng des Friedens, der den gegeuwärttgen Krieg beenden soll, näher gebracht? Wenn er ans Europa herniedersteigen würde, würde er begreifen, daß die Entente die Friedensmöglichkeiten unterminiert, in die Luft gesprengt hat, denn sie l>at Ziele genamrt, die jenseits eines Meeres von Blut, an einem nebell-aften Horizont stehen, und sie l>at auf der Gegenseite allen Widersachern einer Verständigung, all den Anhängern einer Evobettingspolitik, ftohe Begrüßnngstrümvse in die Hand gespielt. Tie „B 0 s s i s ch e Zeit u n g" betont: ^ Wir verstehen die Leiden der Neirträlen, wir würden auch achtungsvolles Gehör dem amerikanischen Präsidenten schenken, wenn er uns seine Ideen darüber kundgibt, wie ihm die Beendigung des Krieges und die örnere Gestaltung der Welt am M^^ch^uensten wäre. Aber wir müssen es entschieden zurückweisen, den amenkanischeni Präsidenten als Gestalter d e r e u r 0 p ä i s ch e n Kart e an- znerkennen und uns v 0 r s ch r e i b e n z u lassen, daß wir diesen Krieg ohne Sieg zu beenden haben. Wir wollten, obwohl wir berefts Sicher sind, unseren Feinden einen verständigen Frieden bieten und find unter Umständen noch bereit, mit ihnen zu verhandeln, aber nur mit ihnei!, und gerade weil wir auf dem Boden der Monrve-Dokttin stehen, Amerika den Amettkanern!/ hatten luit Die äteyr,ecke oer jjuhiu^c-Z ouiui |iu w^tui« icwij.*/w- stündlich: Europa den Enropäern! Englische Stimmen zu Wilsons Botschaft. London, 23. Jan. «WTB. 9Uchtamtl.) Meldung des Reu-^ terschen Bureaus: lieber die Botschaft Wilsons schreibt die „M v r - ning Post": Sie schlägt eine Intervention vor, die die Amerikaner während des Bürgerkrieges und während des spanischen Krieges znrückgewiesen haben. Inden! Wilson die Neuttalität Belgiens verletzen ließ, setzte er zu, daß eine Nation das Recht habe, ihre Verpffichtungen zu brechen. Das wird für seine jetzigen Pläne verhängnisvoll. — Die „Times" schreibt: Wilsons Vorschlag annehmen, hieße lediglich dem Feftrde in die Hand spielen. „Daily News" schreibt: Wilsons Botschaft wird der Ver^ wirklichnng der Hoffftung Europas eher einen weiteren Antrieb geben, als sie verzögern. Wir müssen indessen abwatten, ob wir, wie Wilson glaubt, der sft:iedenskonferenz und der Bildung eines dauernden Bundes der Nationen so viel näher gekommen sind Verurleilung deutscher Beamter in Amerika. Rotterdam, 23. Jan. Der deutsche Generalkonsul und der Vizekonsul von Scheit wurden eurer Depesch? aus San Franzisto^ zufolge wegen eines Komplotts zur Verletzung der amettkanischen Neuttälftät zu zwei Jahren Gesängnis und 10000 Dollars Geldstrafe verurteilt. Auch der Attache des Konsulats Georg WilWm von Brrncken erhielt die gleickZe Strafe. Die Unlerseebootsgefahr Genf, 24. Jan. Aus amerikanischen Blättern entnimmt der „Petit Parisieu", daß die echzlische-amerikanische Schiffsverbindung gegenwärtig auf die einzige Linie Liverpool—Halifax- beschränkt ist- Ms Ursache dafür wird angegeben, daß cs leichter sei, alle Vorsichtsmaßnahmen gegen U-Boote im Interesse der Sicherheit des Passagierverkehrs und der Güterbeförderung auf einer e-mzigeck Linie zu vereinigen. Runüinischc Flucht. G e n f, 24. Jan. Auf den nach Bessarabien führenden Straßen irren nach Berichten Lyoner Blätter aus Jassy noch nach Zehntausenden zählende rumänische Flüchllinge umher, darunter zahlreiche rumänische Pfadfinder im Knabenalter. Bemerkenswertt russische Disziplinlosigkeit. ,,Berlin, 23. Jan. (WTB. Nichtaintlich.) Ein gefangener Rusje des 17. Sibirischen Sclfützenreglments sagt aus: Das 17. und ^Sibirische Schützen reg iment waren bei den letzten Kämpfen inr Brückenkopf van. Riga für den ersten Angriff besttnrnit. Sic weigerten sich jedoch vorzngehen, da das mtc Bataillon des 17. Si birischen Regiments nicht angreifen -vollte. Die Offiziere des Ba taillons machten keinen Versuch, die Leirtc nmznstin'.inen imd trafen auch wnst keine Vorbereitungen zu den! Angriff. Sie verblieben vielmehr in ihren Stellungen, so, als ob irre ein -Angriffsbefehl ge- geben worden wäre. Darauf lvurden die SibirrickMn Scl).ützenregi- menter Nr. 17 und 18 durch die Sibirischen Schützen reg imenier Nr. 19 und 20 abgelöst und kamen in Reservestellung. Dort wurde das erste Bataillon des 17. Sibittschen Schützen reg i men ts durch die. drei anderen Bataillone desselben Regiments entwaffnet. Dies gelang aber erst nach V .tägigen Verhandlungen, da die Mannscliaflrn des zweiten, dritten und vierten Bataillons sich weigerten aus ihre Kameraden zu schießen. Hierauf wurden noch; rrm selben Tage 24 Leute des ersten Bataillons kurzerhand erschossen. 40 weiteren Mannschaften steht noch dasselbe Los bevor. Das ganze Bataillon wurde darauf ohne Waffen in das Innere des Landes ttansportiert Amtlicher Teil. Vaterlöndisetzev Hilfsdienst! - Auffordcrunst des Kriegsamts zur freiwilligen Meldung gemäß tz 7 Abs. 2 des Gesetzes über den vaterländischen Hilssdienst Hilfsdienstpflichtige iverden zur Verwendung bei Militärbehörden und Zivilverwal- tungen im besetzten Gebiet für folgende Beschäftignngsatten gesucht: Gerichlsdienft, Post- und Tclegraphendienst. Maschinen- und Hilfsschreiber, Botendienst, Technischer Dienst, Kraftfahrdienst, Eisen-ahndienst, Bäcker und Schlächter, Handwerker jeder Art. Land- und forstwirtschaftlicher Arbeitsdienst. Anderer Arbeitsdienst jeder Art, Pferdepflegcr, Kutscher, Viehmärter, Sicherheitsdienst (B a h n s ch n tz, G e f a n g e n e n - und Gefängnisbewachung), Krankenpflege. Hilfsdienstpslichtigc mit französischen, v l ä m i s ch e n oder polnischen S p r a ch k e n n t n i s s e n werden besonder- berücksichtigt. Bis zur endgültigen Ueberweisung an die Bedarfs- stellen des besetzten Gebietes wird ein „vorläufiger Tienstvertrag' abgeschlossen. Tie Hilfsdienstpflichtigen erhalten: Freie Verpflegung oder Geldentschädigung für Selbstperpflegnng, freie Unterkunft, freie Eisen bahn sah rl znm Bestimmungsort und zurück, freie Benutzung der Feldpost, freie ärztliche und Lazarettbehandlung, sowie täglich 4 Mark für die Tauer des vorläuffgen Vertrages. Die endgültige Höhe des Lohnes oder Geeiltes kann erst bei Abschluß des endgültigen Tienstvertrages scstgesetzl werden und richtet ffch nach Art und Tauer der Arbeit sowie nach der Leistung; eine auskömmliche Bezahlung wird zugesichcrt Im Falle des Bedürfnisses werden außerdem Zulagen gewährt für in der Heimat zu versorgende Familienangehörige Tie Versorgung Hilssdienstpf'lichtiger. die eine Kriegsdienstbeschädigung erleiden, und ibrer L>interbliebenen wird noch be^ sonders geregelt. Meldungen nimmt entgegen: üar Bezirkskommanöo und hauptmelüeamt in Gießen sowie dar Meldeamt in Alsfeld und die vezirks- tonipagnie in Schotten. Es sind beiznbringen: polizeilicher Ausweis, etwaige MilitärpaPiere, Beschästigungsausweis oder Arbeitspapiere, erforderlichenfalls eine Bescheinigung gemäß § 9 Abs. 1 des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst (Abkehrscheinh Angaben, wann der Bewerber die Beschäftigung antreten kann. Diejenigen Personen, die sich sckwn früher zu einem der vorbezeichncten Dienste gemeldet und die dazu benötigten ?lusn>eis.' Papiere eingesandt l>abcn, müssen mündlich oder schriftlich ihrem Bczirkskommando oder Meldeamt bezw. Bezirkskompagnic mit teilen, daß sic ihre Bewerbung auftecht erhalten. — Erfolgt eine solche MitteUung bis znm 28. Januar 1917 nickt, so gilt die frühere Bewerbung für erloschen. me Ariegranttsstelle in Zrankfurt a. M. Als Opfer dieses schrecklichen Weltkrieges fiel nach kaum achtwöchiger treuer Pflichterfüllung am 29. Dezember 1916, fern von seinen Lieben, unser ältester guter unvergeßlicher Sohn, Bruder, Enkel, Pate und Neffe, der Gefreite Wilhelm Hahn im Reserve-Infanterie-Regiment 225, 10. Kompagnie. Viel zu früh müßte es infolge eines Kopfschusses in dem blühenden Alter von beinahe 20 Jahren sein junges Leben lassen. In tiefem Schmerz: Seine Eltern und Brüder Willi. Hahn, z. Zt. im Felde, und Frau Karl Hahn Elise Hahn geb. Becker Friedrich Hahn Todes-Anzeige. Verwandten und Freunden die schmerzliche Mitteilung, dass meine liebe, treubesorgte Mutter, Schwiegermutter, Gross- und Urgrossmutter Frau Margarete Stäbe geb. Dülffer plötzlich verschieden ist. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: A. Handloser, Lokombtivführer. Wieseck, den 23. Januar 1917. Beerdigung Donnerstag nachmittag 2 Uhr in Wieseck 724 Otto Hahn nebst allen Angehörigen Trohe, Rödgen, den 24. Januar 1917. 0481 5-Z.-W. m. Hu beb. in ausländ, i Hause z. 1. April 1917 z. mioi. • ges. Schr. Angeb. u. 00492a. d. j Geschäftsstelle ö. Gien. Anz. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die riefschmerzliche Mitteilung, das; es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen lieben Mann, den rreusorgenden Barer [seiner Kinder, unfern guter Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Heinrich Wagner Taglöhner im fast vollendeten 52. Lebensjahre am 21. Jan., abends 11 Uhr, nach schwerem, mit Gedulo ertragenem Leiden in ein besseres Jenseits ab- zurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Wagner, geb. Seipp nebst Kinder Willi Wagner z. Zt. im Felde Luise Wagner. Cafe Amend Heute Mittwoch, 8 Uhr; Familien-Konzert Unter Mitwirkung des Vortragsmeisters Dir. HANS RAMSEYER Langjähriges Mitglied und Spielleiter des Giessener Stadttheaters : : Ernste und heitere Rezitationen :: Streng dezentes Familien-Progamm. Rödgen, Bersrod. L Gienen «Wetzsteingasse 20), den 23. Januar 1917. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Januar, nachmittags 2 Uhr statt. r _._ Dre in letzter Zelt besonders starke Beanspruchung der Elwnbabnverwaltuug durch den Güterverkehr macht es ! notwendig, zur glatten Durchführung dieses Verkehrs von | Mittwoch, den 24. Januar an den Personeuzua 719 zwischen ! Greneu lAbs. l," vorm.) und Marburg »Ank. 7 3 ‘ norm.) und | den Personenzug 7/2 zwischen Marburg «Abs. 2°- norm ) und Friedberg lAnk. 4" vorm.) vorübergehend ausiallen zu lassen. 718id Königliche Encnbabndirektion Frankfurt (Main). Unerwartet verstarb gestern morgen mein erster Maschinenmeister Herr Karl Winkes im blühenden Alter von 25 Jahren. Ich verliere in ihm einen treuen, tüchtigen Mitarbeiter, der stets die Interessen deS Geschäftes wahrnahm. — Seine Verdienste, die er sich um meine Firma erworben hat, sowie seine guten Charaktereigenschaften, sichern ihm dauernd ein ehrendes Andenken. 0. MiiilüM'sche hif> und Unin.-Drulkerei Lttö Kindt Witwe. Giesten, den 24. Januar 1917. 708 Die sei r hcr v on Herrn 9, eilns anwalt und Notar Bömhslü innegehabte >76 Wohnung Seltersweg 56, I. ist ab 1. April 1917 oder später anderweitig zu vermieten. Sch. 4-Zinrw.-Woh.. 1. Stock. wegzugSh. sos. od. v.l. Avril 5-verm Lsissr-AUevZZ. [0495 ! Babnbofstr. 54 II. Stock, j 8-Zinu»cr-Wohnung 1 nt. reich!. Zubehör, mehreren > Kellern usw., Loggia, zum ; 1. Zlpril 1917 z. vermieten. (15 | Näh. Gr. Stcinweg 20 I. 6 Zimmer Sdjine K-^iniiner-Wohn. mit Bad, Ost-Anlage 39, sofort zu verm. Näheres gartenstr.2, Zimmer 15. 1708 Für alle Liebe und wohltuende Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Vaters danken herzlichst Marie Stiehl 697 Guftel Stiehl Carl Stiehl und Frau Emma geb. Külp. Gießen, Crefeld, den 23. Januar 1917. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden bei dem uns so schwer betroffenen Verluste sagen wir allen innigsten Dank. Herzlichen Dank Herrn Pfarrer Köhler und Herrn Lehrer Dietz für die trostreichen Worte am Grabe sowie den Mitkonsirmanden und Mitschülern für die er- iviesene Ehre. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Die v. Herrn Gewerberat Dr. Stöckle bish bew. Wohn.i. m. Hause Plockstr. 11, V Z. nt. all. Zubeh., Balkon u. Bleiche i. f. sos. od. spät. z. tt fioorg Todt.l 343 Sch. 6«Zim.«Wohn. m. allem Zubehör, sowie Bleichvlatz u. Gartenanteil z. 1 . Avril z. vermieten. Alrcestr. 26 I. I** 27 ö Zjnimer j Zu vermieten: auf sofort oder später Bleichstraße 16 Ä! 5 Zim., Zubeh., Gartenant. Ferner aus 1. April Frankfurter Str. 62 I 5 Zim., Zubeh., Gartenant. Näheres H. Wallach, Bis- marcknratze 1411. [00035 Ltodn igstraße 37 5 - Zimmer* Mansarde ab 1. Avril zu vermieten. 1138 Abermann & Kling. 1561 Frankfurter Str. 75 schöne 5 Zimmerwobnnng mit Bad und sonstigem Zubehör per 1. Avril zu vermieten. Näheres Frankfurter Straste 59. Zriedrich Zimmer. MMSeii-WshnW 5 Zimmer mitZubchör per 1. 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