Nr. Z8A - Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: ^Gietzen« KamMeadkätter" m»d ^«reirblaft für den «reis Tietze»". postjcheGonto: Zranfturt am Main Hr. um. Vmttveriehr: »«verbebmtt Sieh«. 166. Jahrgang SOuÄwg^ Ä. Dezember 1O16 General-Anzeiger für Gberhefftn Zwillingsrunddruck und Verlag: Brü hl'sche UniversilälS-Buch-u.Stüildruckereü R. Lang e, Giestem 5chrlftleitung. Geschäftssteve und Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstellen. Vermag: L-sKSl, Schriftleitung: 112. Arsschriftfur Trohtnachrlchten:AnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. n. Sitzung, Donnerstag, den 30. November 1910. Am Tische des Bundesrats: Staatssekretäre Dr. Helfferich, Lrsco, General Gröner. " Präsident Dr. Kampfs eröffnet die Sitzung nach 1214 Uhr. Aus der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über den vakerländifchen hilfsdieusk. Der^ in der vorbereitenden Ausschuhberatung fertiggestelltc neue Gesetzentwurf liegt bei Beginn der Beratung noch nicht vor. sondern nur ein 14 Paragraphen umfassender, von den Konser- vatrven eingebrachter Gesetzentwurf, der einige Bestimmungen des Kommissionscntwurfs nicht enthält. Bei § 1 findet ttne gewöhnlich eine allgemeine Aussprache statt. Er lautet. Jeder männliche Deutsche vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 60. Lebensjahre ist, soweit er nicht zum Dienste in der bewaffneten Macht einberusen ist, zum vaterländischen Hilfsdienst während des Krieges verpflichtet. Abg. Bauer (Soz.): Wir behalten uns unsere endgültige Stellung nach jeder Richtung iioch vor. Den sittlichen Zwang zur Arbeit erkennen wir an. Aber bei den Arbeitern bedarf es eines solchen Zwanges an sich gar nicht. Das Gesetz ist für die Müßiggänger in anderen Gesellschaftsschichten bestimmt. Das Gesetz ist notwendig; es bringt nicht nur Entrechtung, Unfreiheit und Zwang, sondern auch mancherlei Vorteile, gerade für die Arbeiterschaft. Wir vermissen vor allem noch eine Schutzbestimmung zugunsten der Reklamierten. Abg. Gothein (Fortschr. Vp.): Wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, den völlig neuen Entwurf eingehend zu studieren. Selbstverständlich haben alle Parteien das Recht, Anträge einzubringen. Aber eine gewisse Selbstbeschränkung ist geboten. Die neue Fassung des Gesetzes bringt schon einen weitgehenden Schutz für die dem Hilfsdienst Unterworfenen. Weitergehende Anträge werden wir gründlich prüfen, doch können wir vieles den Ausführungsbestimmungen überlassen, da an ihnen ja ein Ausschuß, in dem sämtliche Fraktionen des Hauses entsprechend vertreten sind, Mitwirken soll. Die Zusammenlegung von gleichartigen Betrieben ist am besten durch Freiwilligkeit zu erreichen. Der dahinter siebende Avang wird die Sache natürlich erleichtern. Eine Probe für die Stilllegung könnte man bei den Übervielen Kaliwerken machen. Das Gesetz kann nicht allen EinzelunternBsmungen jeden schaden ersetzen. Die Textilindustrie kann jetzt ihre Arbeiter nicht ausnutzen. Das ist eine Arbeitsvergeudung. Die zuständigen amtlichen Interessenvertretungen, Handels-., Handwerks- und Landwirtschaftskammern müssen vor der Still- oder Zusammenlegung gehört werden. Neben der Stärkung der Industrie zu Rustungsarbeiten darf die Erzeuguugsfähigkeit für die Ausfuhr nicht verkümmern. Von einer Entschädigung für entgangenen Gewinn muß in diesem Gesetz unbedingt Abstand genommen werden. Die ungefangenen Fisthe sind immer teurer als die gefangenen. Jetzt ist reine Zeit, G^vinne zu machen. Deshalb fordert eine Entschließung deS Ausschusses, die Gewinne der Rüstungsindustrie und alle arideren Gewinne dem Vaterlande nutzbar zu machen, um die Volkswirtschaft nach dem Kriege wieder auf. zubauen. DaS gilt namentlich für diele Mittelstandsexistenzen. Leiter des Kriegsamw General Grüner: Das Kriegsamt wird darauf hinwirken, daß bestehende Tarifverträge auch bestehen bleiben. Die Reklamierten werden grundsätzlich entlassen und scheiden damit während ihrer Zurückstellung aus dem Dienst m der bewaffneten Macht aus. Es ist daher nicht angängig, aus dem Arbeitswechsel eines Reklamierten oder aus andern Streitigkeiten aus dem Ärbeitsverhältnis die Veranlassung zur Einziehung zum Waffendienst zu finden. Solche Streitigkeiten sind ebenso wie bei andern Arbeitern durch die Schlichtungsstellen zu beseitigen. Auch der Reklamierte holt sich seinen Abkehrschein und sucht sich Arbeit oder er wird, wie alle anderen, nach dem Urteil eines Ausschusses zur Arbeit überwiesen Entspricht er dem nicht, so entfällt die Voraussetzung der Reklamation und er wird wieder zum Dienst in der bewaffneten Macht eingezogen. Der Arbeitgeber hat keinen Einfluß darauf. Die Einziehung darf lediglich aus mili. tärischen Rücksichten erfolgen. Militärische Ueberwachung ist geboten, damit die Kontrolle über den Aufenthalt des Wehrpflichtigen nicht verloren geht. Selbstverständlich wird das Recht der Militärbehörden nicht berührt, in den Betrieben lieber, flüssige einzuziehen. Abg. Dr. Stresemann (natl.): Der endgültige Wortlaut der Beschlüsse des Ausschusses liegt uns noch nicht vor. Daher ist es schwer, über die Kompromißvorschläge zu sprechen und ganz unmöglich, Anträge, wie den Wnserdativen Antrag Arnstadt, der sich auf alle Paragraphen bezieht, in seiner vollen Bedeutung zu erfassen. Die Wirkungen dieses Gesetzes auf die deutsche Industrie bedeuten eine neue wirtschaftliche Umstellung des gesamten deutschen Wirtschaftslebens Md werden deshalb besonders einschneidend wirken, weil die verschiedenen Gruppen der Industrie noch mehr differenziert werden als früher. Bei Kriegsausbruch stellte sich ein großer Teil unserer Industrie auf den Kriegsbedarf um, und nur dieser Anpassung verdanken wir es, daß wir uns im Kriege behaupten konnten. Aber in noch höherem Maße, als wir es zu Beginn des Krieges er- lvarten dursten, konnte ein Teil unserer Industrie weiter für den heimischen Bedarf und den Austauschhandel mit den Neutralen aicheiten. Dieser bisher schon blutarmen Wirtschaftsgruppe wird immer mehr Blut entzogen und dieses Blut wird an die Rüstungsindustrie übergeleitet. General Gröner hat unS viele wohlmeinende Zusicherungen für die stillzulegende und gusammenzulegende Industrie gegeben. DaS Vertrauen dieses Teiles unserer Industrie gilt aber nicht den Worten, sondern der Persönlichkeit des Leiter? des neuen KriegsamtcS, der in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit es verstanden hat, das Vertrauen zu erwecken, daß er von praktischen Gesichtspunkten auSgeht und daß er von unserer nicht zur Rüstungsindustrie gehörenden Industrie so viel als möglich erhalten will. Vorausschauend wurde schon Fühlung genommen mit dem Kriegsausschutz der deutschen Industrie und den deutschen Fachverbänden und eS wurde das Versprechen gegeben, die einzelnen Fachverbände nach Berlin einzuberufen und darüber zu verhandeln, wie die Stillegung ohne brutale Eingriffe in unser Wirtschaftsleben erfolgen kann. Unsere Ausfuhr muß nach Möglichkeit aufrecht erhalten werden. Während des Krieges, hat sich ein merkwürdiger internationaler Tauschhandel entwickelt, der an die primitiven Zeiten der Völker erinnert. Wir tauschen Waren, die wir brauchen, gegen Waren ein, die die arxderen entbehren müsien. Wir haben unsere AuSfuhrtätigkett trotz großer Schwierigkeiten, die zum Teil auch in unserem Behördenorganismus lagen, aufrecht erhalten können. Wenn aber die Fäden jetzt auf lange ZeU zerrissen würden, so würden sie vielleicht nicht wieder anzuknüpfen sein. Erscheinen deutsche Waren nicht mehr in neutralen Ländern, so wird die Entente ein leichtes Spiel haben, schon während des Weltkrieges einen Teil ihres Wirtschaftskrieges durchzusetzen. Deshalb müssen in gewissem Sinne auch die für die Ausfuhr arbeitenden Industrien zum vaterländischen Hilfsdienst gehören und man muß sie arbeitsfähig erhalten, damit wir nicht vollkommen von den neutralen Markten verschwinden. Wir müssen jetzt von der Streckung der Arbeit zur Intensität der Arbeit übergehen. Das ist nur auf genossenschaftlicher Grundlage von Zwangs Syndikaten möglich. Die vollbeschäftigten Werke müssen die stillgelegten Werke unterstützen. Ich unterstreiche, was gestern General Gröner gesagt hat, man muß die Arbeit zum Arbeiter bringen. Die Errichtung zahlreicher neuer Munitionsfabriken ist geplant, bestehende sollen erweitert werden. Da erinnere ich an ganz Mitteldeutschland, an Sachsen und Thüringen, wo Hunderte von Fabriken zum Stillliegen kommen werden. Ick» würde es nicht verstehen, wenn das Munitionshilfs.material in neuen Betrieben geschaffen würde uttd man nicht diese stillgelegten Fabriken hierfür benutzen würde. Man muß dafür sorgen, daß der Mensch auf seiner Heimatsscholle bleibt. Wenn in der einen Gegend eine Hypertrophie an R ü st u n g s i n d u st r i e n entsteht, während andere Gegenden von der Industrie entvölkert werden, so schafft man zwei Arten von Deutschland, eines der Rüstungsindustrie und eines der stilliegenden Industrien; vom Standpunkt des wirtschaftspolitischen und geistigen Durchhaltens eine schlimme Weiterentwicklung des Wirtschaftstcnnpfes. Deshalb nur im äußersten Notfall Verpflanzung von Arbeitern, die den Uebecgang zur Friedenswirtschaft erschwert und vielleicht alles umstößt, was wir uns als solchen bisher vorgestellt haben. Wenn von Hamburg dre deutschen Schiffe einmal wieder ausgehen sollen, dann müssen die Fabriken auch Arbeiter haben, um den Kampf aufnehmen zu können. Man sollte eine Aufforderung an die ftillgelegte Industrie richten, um feft- zustellen, wo Betriebsräume vorhanden sind, die zur Munitionsfabrik umgeftaltet werden können. Beauftragte des neuen Kriegsamts könnten Deutschland zu dem Zwecke bereisen. Zur Entschädigungsfrage schlagen wir vor, daß in Fällen besonderer Härten für die durch das Gesetz herbeigeführten wirtschaftlichen Nachteile eine Entschädigung in Aussicht zu nehmen ist- Der Vorredner scheint von seinem im Ausschuß vertretenen Standpunkt abgekommen zu sein. Dort tvar er geradezu der Vorkämpfer für den Härteparagraphen. Heute Hörte ich von allem nur das Nein. Die Anerkennung der Entschädigungspflicht des Staates als Grundlage würde allerdings weitgehende Folgerungen Haben. Aber wo besondere Härten nachweisbar sind, muß die Möglichkeit der Entschädigung gegeben sein. Ziehen wir deshalb auf steuerlichem Gebiete die Folgerungen. Zu dem bisherigen faktischen Monopol der deutschen R ü st u n g s i n d u - st ri c schaffen wir jetzt auch deren offiziell beglaubigte Monopolstellungen, indem wir ihr die Arbeiter zuweisen, um ihre Erzeugung zu vervielfachen, wodurch sie ihr Kapital mehrfach umsetzt. Damit müssen die Gewinne automatisch steigen. Einen Vorwurf konnte man daraus nur herleiten, wenn die Rüstungsindustrie sich weigerte, von den Mehrgewinnen dem Reiche zu geben, was es fordern kann. Wir müssen unS erneut mit den Kriegssteuern beschäftigen und dabei diesen Gesichtspunkt in der staatlichen Monopolstellung der Rüstungsindustrie bei der Neufestsetzung der Höhe der Steuer berücksichtigen. Aus dieser größeren Gewinnausschüttung können dann die Fonds zur Entschädigung der Nöte bereitgcstellt werden, die dem einen dadurch erwachsen, daß der andere zu größerem Prosperieren kommt. Unsere Industrie wird einer neuen Belastungsprobe ausgesetzt. Ihre oft bewährte Anpassungs- und Leistungsfähigkeit wird sie auch über diese schwere Zeit hinweg der wirtschaftlichen Zukunft entgegentragen, aus die sie zu hoffen das Recht hat, trotz aller Rückschläge, die ihr das vorliegerrde Gesetz auch wieder bringen mag. (Lebhafter Beifall.) Präsident Dr. Kacmpf teilt mit, daß der Kompromißantrag jetzt vorliegt. Er umfaßt 18 Paragraphen. Er entspricht den Beschlüssen des Hauptausschuffes, die nur unwesentliche Aenderungen erfahren haben. Der besondere Antrag der Konservativen schlägt mehrere wesentliche Veränderungen dieser Vereinbarung vor. So sind in dem konservativen Anträge die Arbeiteraus- schüsse ausgcmerzt, die nach dem Vorschläge des Ausschusses in allen für den vaterländischen Hilfsdienst tätigen Betrieben bestehen sollen. Alle Bestimmungen über die Tätigkeit dieser Arbeiterausschüsse lehnen die Konservativen ab. Auch den vom Hauptausschuß gewünschten fünfzehnköpfigen Ausschuß aus Reichstagsabgcordneten, der bei allen wichtigen Entscheidungen mitwirten soll, wollen die Konservativen streiche n. Eine Entschließung des Zentrums regt die Bildung ciijer eigenen Abteilung für das Handwerk im Kriegsamt an. Das Handwerk soll möglichst geschont werden. Bei der Schließung oder Zusammenlegung von Geschäften des Detailhandels soll vorher die zuständige Handelskammer gehört werden. Die Inhaber der Betriebe sollen zur Inventur- und Vermügens- aufiiahme beurlaubt werden. Die so zialde in akratische Arbeitsgemeinschaft beantragt, die Verpflichtung zum Hilfsdienst nur bis znm 46. Lebensjahre festzusetzen uiid in dem Gesetz sestzulegen, daß der Hilfsdienst nur innerhalb deS Deulschen Reiches geleistet werden darf. , Abg. Freiherr v. Gamp (Dffch. Fr.) vcrloeist auf eine Eingabe verschiedener Fra neu vereine, wonach auch die Franen- tätigieit als vaterländischer Hilfsdienst anerkannt werden soll. Die Bürgermeister der kleinen Städte sind unersetzlich. Auch sie sind zu befreien. Kann nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes noch die Kategorie arbeitsverwendungsfähig aufiecht erhalten werden? Es bedeutet doch eine gewaltige Vergeudung, qualifizierte Leute als Arbeitssoldaten zu verwenden. (Sehr richtig!)) ) Das wird vielfach als Diskreditierung der geistigen Arbeit angesehen. Abg. Dittmaun (Soz. Arb.-G.): Trotz unserer ablehnenden Haltung wollen wir doch das Gesetz möglichst verbessern. Warum sagt man im § 1 nicht gleich: Die Hilfspflicht dauert von der Wiege bis zum Grabe. Die Ausdehnung des Arbeitszwanges auf die Frauen wird nur von solchen Damen verlangt, die Arbeit nur vom Hörensagen kennen. Abg. Gicsberts (Ztr.): Das Gesetz ist ein Gesetz der Kriegsnot. Kein Gesetz bat je so in die Interessen der Industrie und der Arbeiter eingegriffen. Deshalb müssen wir dem Gesetz die Garantien einverleiben, die zum Schutz der Arbeiter nötig sind. Dieser Forderung entspricht im wesentlichen der Kompromißent- wurf. Zu begrüßen ist die Erklärung General Gröners über die reklamierten Arbeiter. Bei Stillegungen »nuß man die Vertretungen der betroffenen Betriebe hören. Dazu ist kein großer Beamtenapparat nötig, cs genügt die Anhörung von^Vertrauens- männern. Die Stillegung wird zu einer weiteren Stärkung der großkapitalistischen Produktionsweise durch die Zwangssynrnzie- rung führen. Daher müssen wir nach dem Kriege für einen Schutz der kleinen Betriebe sorgen. Abg. Schiffer (rtl.): Die Erklärungen be§ Generalleutnants Gröner Haben aufklärend und beruhigend gewirkt. D»e Vorlage ist im Volk sehr gut aufgenoinmcn worden. Durch die in Aussicht gestellte Aufgabe wird eine Auffrischung unseres ganzen Volkes erreicht, eine Mobilmachung des Geistes ur.2 der Seele. Bei der Ausführung des Gesetzes muß mit Schonung aller Menschen und Tinge verfahren werden. In seiner heutigen Gestalt ist das Gesetz etwas bunfcl für den- der die Vorgänge nicht kennt. Mehr noch als bei anderen Gesetzen ist die Ausführung d>e Hauptsache. Dir Paragraphen sind häufig das Geringste. Auch noch über die Ausführungsbestimmungen hinaus hat die Ausführung dafür zu sorgen, daß alle Ziele erreicht, alle Rücksichten genommen werden, deshalb kommt es auf die Auswahl der Per-, sonen an. (Zustimmung.) Hier können nicht Stellen geschaffen werden, wo man Offiziere unterbringt, die anderwärlS nicht zu gebrauchen sind, weil nicht nur objektiv, sondern auch für die Stimung der Allgemeinheit zu viel davon abhängt. Vielfach hört man Klagen, daß im Verkehr mit dem Volk n i ch t d e r r i ch t i g e T o n innegehalten wird, auch schon von den Kriegsgesellschaftcn. Die Vestimmung zugunsten der Landwirtschaft soll nicht eine Besonderheit schaffen sondern berücksichtigt lediglich die tatsächlich bestehenden Verhältnisse. Dre Tätigkeit unserer Justizbehörden ließe sich erheblich einschränken, um Kräfte freizumachen. Im heutigen Umfang ist sie ein kaum zu rechtfertigender Luxus. Die Vergeudung von Ar. beitskräften infolge der Hunde rttau sende von Priv a i - klagen über Klatschereien u n d Zänkereien wäh- rcnd des Krieges ist ein Skandal. Auch die Verfolgung der kleinen strafrechtlichen Verstöße ist sinnlos. Man könnte Beamte und Aergernis sparen und damit zugleich erzieherisch wirken. Die Zu- ständigkeit der minderbesetzten Gerichte könnte man ansdehnen, die Besetzung der Kollegialgerichtc könnte man beschränken, die Durchführung eines Prozesses, wie des Prozesses Schiff- mann, der monatelang einen ungebenren Apparat erfordert, verträgt sich nicht mit den Interessen der Allgemeinheit. (Lebh. Zustimmung. Fort mit all diesem Ballast.! (Beifall.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Zustimmung zu dem erst heute vormittag erteilten Antrag kann ich unmögbch bereits in der Tasche haben. Die Reichsregierung ist von Anfang an bereit gewesen, die Folgerungen zu ziehen, die sich aus dem Ein. dringen des. Gesetzes in die persönliche Freiheit und wirtschaftlichen Verhältnisse der einzelnen ergeben. Für die Zuweisung der Arbeit und die Erschwerung des ArbeNswechsels, wo am stärksten eingegriffen wird, waren Beschwerdeinstanzcn vorgesehen, die ähn- lich zusammengesetzt waren wie die jetzt in Vorschlag gebrachten. Die Anträge gehen darüber hinaus mit der Einsetzung von Arbeiterausschüssen, die für alle Betriebe obligatorisch geinacht werden und durch die Einführung der Schiedsgerichte. Angesichts der dadurch hervorgerufenen wesentlichen Komplika- tionen des bestehenden Zustandes wird die Reichsregierung die Anträge genau prüfen müssen. Ich kann aber die Hoffnung aus- sprechen, daß wir auf Grund der vorliegenden Anträge eine Eini. gung herbciführen werden. Mit der Herabsetzung der Altersgrenze von 60 auf 45 Jahre würde der Zweck des Gesetzes vereitelt werden. Die Bestimmung zugunsten der Landwirtschaft soll ihr keine Vorzugsstellung schaffen. Sie ist das größte Saisongewcrbe. Wenn man im Winter, wo sie weniger Hände nötig hat, ihr Kräfte entzieht, sind sie nicht da für die Frühsahrsarbeit. (Zustimmung.) Die Ausführungen des Vorredners über die Ersparnis von Arbeitskräften in der Justizverwaltung haben mich außerordentlich interessiert und werden aufs genaueste geprüft werden. Ich halte die Anregungen für sehr dankenswert. Was den.Umschichtungsproeztz anlangt, so steht weder in den Richtlinien der Regierungsvorlage, noch in dein Entwurf, wie er jetzt vorliegt, an irgendeiner Stelle, daß irgendeine Instanz bc- rechtigt wäre, irgendeinen Betrieb zum Tode zu verurteilen. Eine ganze Reihe von Betrieben, aus denen Arbeitskräfte her- ausgenommen werden, werden trotzdem weiter bestehen können, und auch hier wollen wir zunächst cs mit freiwilligen Vereinbarungen mit den Betrieben versuchen. So gibt es heute in der Textilindustrie eine Reihe von Betrieben, die bei ihren Aufträgen weder leben noch sterben können; werden diese Aufträge in einer Hand vereinigt, so entsteht wenigstens ein leistungsfähiger Betrieb. W i r wollen keineswegs alles auf den Kopf stellen. Es kommt für uns darauf an, die großen Reservoire für die Arbeitskräfte zu erschließen, nicht die kleinen Existenzen zu vernichten. Die Entschädigungs- frage mutz mit großer Vorsicht behandelt werden. Warum soll man denjenigen, der auf Grund dieses Gesetzes vielleicht in der Schreibstube gegen angemessene Bezahlung beschäftigt wird, besser stellen als denjenigen, der auf Grund des Wehrpflicht, gesetzes im Schützengraben sein Leben in die Schanze schlägt. Die Hypertrophie der Kriegsindustrie wird durch dieses Gesetz zweifellos beschleunigt. Sie wird bedingt durch unseren Munitionsbedarf. Ungleichheiten, die hieraus entstehen, müssen wir in den Kauf nehmen. Einen Ausgleich herzustellen, ist sehr schwierig. Er ist vielleicht nur möglich durch eine allge- meine Besteuerung der K r i e g s g e w i n n e. Auch in England, wo nran ursprünglich einen anderen Weg einschlagen wollte, ist man schließlich zu demselben Ergebnis gekommen. General Gröner: Die behördlichen Einrichtungen und auch die g e sa m t c .© c c I f o r q c gehören zum vaterländischen Hilfsdienst, aber auch andere Dinge, die nicht unmittelbar zur Ernährung des Volkes erforderlich sind, so die S ch n I e, d i e Presse, nicht nur die Tagespreise, sondern auch die religiöse Presse, die >L> o n n t a g s b l ä t t e r und die Fachpresse. Auch die Tätigkeit der Rechtsanwälte — ohne dadurch die Bevölkerung auffordern zu wollen, recht viele Prozesse zu machen. (Heiterkeit.) Gerade die jetzige Fassung des § 2 gt&t dem Kriegs amt in der Auslegung eine gewisse Freiheit. Von den technischen Hochschulen «vollen wir die Dozenten und Studenten in die Betriebe hinaus- bringen, und wir hoffen, zu erreichen, daß die Zeit der Tätigkeit der Studierenden in den Betrieben ihnen auf das Studium wird angerechnet werden können. Aebnliches gilt für die Universitäten.' Wir Wunen gerade die Studenten bei militärischen Behörden gut verwenden? Die Aussprache s ch l i e ßl. Für den Antrag der Sosialbemokrasischen ArbeftSgeinesir- schaft stimmt mit den Antragstellern nur eine kleine Minderheit der sozialdemokratischen Fraktion. Der § 1 wird unverändert gegen die Stimmen der Arbeitsgemeinschaft angenommen. Befreiungen vom Gesetz. Nach § 2 gelten als im v a t e r l ä n d i s ch e n H i l f S d i e n st tätig alle Personen, die bei Behörden, in der Kriegsindustrie, in der Land- und Forstwirtschaft. der Krankenpflege, in kriegswirtschaftlichen Organisationen und in der Volksversorgung beschäftigt sind. Mg. GreSbrrts (Ztr) ftagt, ob auch die Angestellten gemeinnütziger Rechtsauskunftsstellen unter diesen Paragraphen fallen. Mg. Bauer (Soz.): Wie steht es mit den Arbeitersekretariaten? Staatssekretär Dr. Helfferich: Eine Anwendung des Gesetzes auf Frauen und Jugendliche unter 17 Jahren ist ausgeschlossen. Die Tätigkeit in den Krankenkassen gilt als Hilfsdienst, ebenso die Tätigkeit bei den Unternehmer- und Arbeiterorganisationen. Abg. Baffcrnrann (nl.) dankt für die Erklärung, daß auch das redaktionelle und technische Personal der Presse unter den Begriff der vaterländischen Hikfsdiensttätigkeit fällt. Wie steht es mit den Banken und Versicherungsgesellschaften ? Ihre Kriegsnotlvendigkeit ist klar, ihr Personal ist bereits auf das Aeußeiste eingeschränkt. Die sich freiwillig meldenden weiblichen Kräfte wird man doch wohl verwenden?! General Grüner: Banken und Versicherungsgesellschaften fallen unter den Hilfsdienst, geeignete weibliche Kräfte sind uns willkommen Abg. Schiele (kons.) tritt gleichfalls fiir den Schutz der Presse .> ein und wendet sich gegen die Ansicht, als gäbe das Gesetz der Landwirtschaft Vorteile. Die Aufrechterhaltung und Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion ist doch eine selbstverständliche Notwendigkeit. Man rede auch nicht von besonderen Kriegsgewin- nen der Landwirtschaft, sondern berücksichtige auch ihr Risiko und ihre Ausgaben für Meliorationen usw. Höchst notwendig ist die Beschaffung von Arbeitern und Material zur Frühjahrsbestellung. Zur Vorbereitung braucht man auch im Winter Leute, die das Inventar in Stand halten. Die Stickstoffabriken müssen kräftigst auSgebaut werden, wenn die Ernte nicht zurückgehen soll. Staatssekretär Dr. Helfferich: Zur Hebmg der Stickstofferzeugung geschieht alles, was geschehen kann. Leider konkurriert hr^r die Landwirtschaft mit der Munitionserzeugung, aber seien Sie versichert, daß alles nur mögliche geschieht. Abg. Behrens (Deutsche Fraktion) wünscht eine Klarstellung darüber, daß die landwirtschaftlichen Arbeiter über den Winter andere, nötigere Arbeit annehmen können und tritt für Urlaubsgewährung cm Kleinbauern ein. Staatssekretär Dr. Helfferich: Diese Landarbeiter dürfen nicht aus der Landwirtschaft heruusgezogen werden, aber herauSgehen dürfen sie, und wenn sie die Absicht haben, zurückzukehren, wird ihnen auch die Erteilung des Abkehrscheins nicht erschwert werden. Abg. Dittmann (Soz. Arb.) begründet einen Antrag, die Pressetätigkeit im Gesetz als vaterländischen Hilfsdienst zu erklären. Der Staatssekretär hat im Ausschuß doch einen gewissen Spielraum für die einzelnen Fälle verlangt. Diese Hintertür wollen wir nach unfern schlechten Erfahrungen zunageln. Wir beantragen weiter Streichung der Bestimmung, die auf vollkommene Versklavung der ohnehin rechtlosen landwirtschaftlichen Arbeiter hinausläuft. Zu irgendwelchem Vertrauen zu den land- wirtschafttichen Arbeitern haben wir keinen Anlaß. Wir lehnen das neue Ausnahmerecht für Landarbeiter ab. Bezeichnend ist ja auch, daß der Staatssekretär im Ausschuß erklärte, man könne die Aktionäre nicht zwirnen, ihr Kapital für Umwandlungen und Erweiterungen arbeiten zu lassem. Unser Antrag auf Ueber- nähme aller für das Heer liefernden Betriebe rn Reichsverwaltung zur Ausschaltung privater Profite würde sicher vom ganzen Volk angenommen werben. _ Abg Held (iwrtl.): Wenn Sie der Landwirtschaft die Kräfte entziehen, dann sind wir am Ende; es handelt sich gar nützt um die Agrarier, sondern um die Klein- und Mittelbetriebe. Sehr vielen Stadlmenschen wird das Leben auf dem Lande wohl tun. Man sollte die Landsturmleute zur Gesangenenbcwachung möglichst an ihrem Wohnort oder in der Nähe verwenden, damit sie ihre Wirtschaft versehen können- Ohne genügend Stickstoff gibt eS keine gute Ernte. Bor allem Rücksicht auf die Landwirtschaft! Abg. Stadthagen (Soz. Arb.-G.) betritt das Podium mit zwei starken Folianten bewaffnet und wird mit Heiterkeit empfangen. Er untersucht die Frage, ob die Arbeiter der Kriegsbetriebe dem Militärrecht unterstehen. Abg. Fegter (Vp.): Die Frauenarbeit in der Landwirtschaft hat sich ganz außerordentlich bewährt. Wir muffen den selbständigen Frauen wie den Arbeiterinnen in der Landwirtschaft, die in den letzten zwei Jahren zum größten Teil die Produktion fortgeführt haben, höchstes Lob aussprechen (Beifall), ja, es gibt fast keine Worte, die das genügend verdeutlichen können. (Erneuter Beifall.) Abg. Wurm (Soz. A.-G.) verlangt die Aufnahme einer Bestimmung in das Gesetz, welche den Abschluß von Tarifverträgen mit den Arbeiterorganisationen vorschreibt. Eine Entschließung genügt nicht, wie die sozialdemokratische Fraktion vorschlägt. Abg. Kunert (Soz A.-G.): Die Frauenarbeit darf nicht znr Lohndrückerei bei den Männern mißbraucht werden. Die übermäßige muenarbcrt führt zu einer größeren Schwächung der Volkskras als selbst der Verlust an Männern im Kriege. Abg. Bauer (Soz. A.-G.): Das beste Mittel zur Stärkung der Volkskraft ist der Frieüensschluß. Leider hängt das nicht von uns ab. Das liegt an England. Der Abg Wurm weiß doch selbst genau, daß man wenigstens Entschließungen einbringt, wenn man seine Forderungen nicht im Gesetz durchbringen kann. Das Gesetz sichert die Arbeiter vor Entrechtung und Lohwdrückerei. Wg- Henke (Soz N^-G.): Das Vertrauen haben wir nicht. Unser Mißtrauen wird durch das Auftreten des Staatssekretärs Helfferich, eines der enragiertesten Vertreter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, nur verstärkt. Abg. G»khekn (Forkschr. Vp.): Wir können diese Defkrmmnn- gen über die Frauenarbeit, die von seiten der Soz. A.-G. beantragt sind, nicht »n das Gesetz ausnehmen. Sie würden sich auch z. B. 7N der Landwirtschaft gar nicht durchführen lassen. Abg. Landsberg (Soz.): Der Abg. Henke fordert die Abneigung gegen das Ko a l i t i o n s r e ch t, weil wir für einen Antrag find, der auch von allen Gewerkschaftsführern im Ausschuß einmütig gebilligt worden ist. Solche fteundnachbarlichen Liebenswürdigkeiten stören unsere Gemistsrutze nicht. (Heiterkeit.) Alle weitergehenden Anträge begrüßen wir, und wir werden ihnen zustimmen. Abg. Dauer (Soz.): Sicherungen für die Arbeiterintercffen brauchen wir unbedingt im Gesetz. Abg. Becker-Arnsberg (Zentr.): Die Arbeitervertreter im Ausschuß haben sich die vorgeschlagenen Arbeiterschutzbestirnmnn- gen auf Grund ihrer praktischen Kenntnis wohl überlegt. Staatssekretär Dr. Helfferich erklärt, eS sei nicht sicher, ob man so interpretieren könne wie der Vorredner, daß auf Grund des Reichsvereinsgesetzss das .Ksalitionsrecht a..ch den Staatsarbeitern, Eisenbahnern ufw. unbedingt zustehe, auch wenn es sich um Berlin« handle, die auf das Streikrecht nicht verzichten. Abg. Becker-Arnsberg (Ztrü: Auf die juristische Frage des Streikrechts gehe ich nicht ein. ot>et das volle Koalitionsrecht mussen diese Arbeiter haben. Wenn das Gesetz marschieren soll, dann müssen die Vertrauensmänner der Organist:onen auch die Staatsarbeiter versammeln, zu ihnen reden, mit ihnen ihre Beschwerden besprechen und ihre Arbeitsfreudigkeit heben können. Damit wollen wir gar nicht die Eisenbahnerfrage aufrollen. Staatssekretär Dr. Helfferich: Den verbündeten Negierungen liegt nichts ferner, als durch dieses Gesetz irgendwie den bestehenden Zustand zuungunsten der Arbeiter zu ändern. Ich habe nur darauf aufmerksam gemacht, daß hier eine verschieden-e Auslegung möglich ist. Die sämtlichen Eisenbahnminister stehen auf dem Standpunkt, daß die Eiseubahnverwaltungen Leute nicht dauernd anstellen können, die Organ iscckirrnsn angehvren, die auf das Streikrecht nicht verachtet haben. Nach dem Vereinsgesetz hat jeder Deutsche das Recht, Vereinen beizirtreten. Der Antrag aber, daß eine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen wird, daß die Hilfsdienst leistenden Personen in der Ausübung ihres Vereins- und Versammlungsrechtes nicht beschränkt werd en dürfen, könnte die bisherige Haltung der Eisenbahnminister Wer den Haufen werfen. Das wollen Sie (zum Zentrum) nicht, die anderen Herren (zu den Sozialdemokraten) wollen es z!»ar, aber nicht bei diesein Paragraphen. Darum erscheint es nvir als ein gegebener Ausweg, den dlntrag zurückzuziehen und - sich mit m-ei ner Erklärung zu begnügen, daß unter k e i n^eu Umständen mit der Annahme dieses Gesetzes eine Verschlechterung zu ungun steu der Arbeiter statt finden soll. • Leiter des Kriegsomts, General Gröner: Ganz fewsNw'Tstnmd- lich nehme ich an, daß die Arbe^erorganisirtisnen sich rückhaltlos auf den Boden dieses Gesetzes stellen und daß ebenso selbstverständlich die Führer der Arbeiter in der Lrrge sein müssen, auf die Arbeiter den Einfluß den sie im Sinne dieses Gesetzes auch auszuüben Hecken, den das iit ihre vaterländchche Pflicht, und das Kriegsamt wird in diesem Sinne Rammen im* den Führern der Arbeiter wirken. Abg. Becker-Arnsberg (Ztr.): Nicht diese Erklärung des Staatssekretärs Habe ich gewünscht, sondern eine Erklärung darüber, was Sie tun wollen, damit andere das Koalitions- recht nicht verschlechtern. In dem vorliegenden CKsetz haben wir keine Maßnahme gegen Benachteiligung von Arbeitern wegen Zugehörigkeit zur Gewerkschaft. Es gib, aber heute nach) Unternehmer, die den Arbeitern verbieten, GemerKchoften auzi^hören —- selbst christlichen Gewerkschaften — und frif. ge#tn NWffvlge- leiftung mit Maßregelungen vorgeben. Unser Antrag bedeutet eine moralische Einwirkung auf diese Herren, er soll aber auch- auf die Negierung einwirken, mit diesen Herren Faktur zu reden, damit sie endlich das Koalitionsrecht der Arbeiter anerkennen. Der Leiter des KriegsamteS, der nun eine fo große Macht erhÄt, kann dieses Frakturreden besovgsn. sHeipwckelt.) IM der Versicherung, daß dies geschehen wird, könnte ich mich begnügen. Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich kann nicht für das Kriegs- amt, sondern nur für die verbündeten Regierung en sprechen, und da kann ich nur wiederholen, daß irgendeine Absicht, den gesetzlichen Zustand zuungunsten der Arbeiter zu verschlechtern, nicht besteht. Herr Abgeordneter Becker, Sie wissen doch auch, in welcher Weise die Regierung bisher, ja in gefteige-rtem Maße, mit den Gewerkschaften zusaminengearbsitet hat. Ein Verdacht gegen die Reichsleitung und die verbündeten Regierungen, daß an der Zugehörigkeit von Arbeitern za irgendwelcher Gewerkschaft Anstoß genommen werden könnte, kann doch nach der bisher geübten Praxis nicht bestehen. Rach der Ergänzung meiner Erklärung durch General Grüner können Sie doch beruhigt sein! Abg. Dr. Müller-Meiningen (Np.): Dieses Vertrauen haben die Getverkschaften eben nicht. Das W^txa-mn, das die Herren von der Regierung früher gesät haben, ernten sie jetzt. Persönlich verdient General Gröner natürlich vokbes Vertrauen. Aber damit macht man keine Gesetze. Ein Gesetz darf nicht allein auf zwei Augen ruhen, mögen sie noch so lieb sein. (Heiterkeit.) Abg. Dr. David (Soz): Erklärungen vom Negierungstifche werden bald vergessen. Die Sicherungen gehören in das Gesetz selbst hinein. Der gute Wille der Regierungsvertreter Hort auf, wo ihre Macht aufhört. Und ihre Macht hcrt G-reuzeu. Staatssekretär Dr. Halfferich: Es darf keine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werden, die es den einzelstaattäüen Eisenbahnverwaltungen immöglich machen würde, die Zugehörigkeit zu Streikvereinen zu verbieten. Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): Mit dem Stzreikrecht hat die ganze brache nichts zu tun. Es handelt sich ausschließlich um Fragen des BereinSrechts. Abg. Dr. Strescrnaun (natl.f: Die Bedenken des Staatssekretärs sind ausschließlich theoretisch. In der Sache sind wir alle einig. Keine Gewerkschaft will jetzt im Kriege einen Eisen» bahnstreik, und nur während deZ Krieges gilt das Gesetz. Abg. Dr. Gpahn fZtr.s: Wenn nach den RegiernngÄerAik- rung-cn feststeht, daß das Vereins- und Versammlungsrecht für alle Personen, die unter den Vaterländischen Hilfsdienst fallen, uneingeschränkt gelten soll, dann brauchen wir eine solche selbstverständliche Forderung nicht in das Gesetz aufzunehmen. (Aha.'-Rufe links.) Abg. Haast (Soz. Arb.): Alle Parteien sprechen hier nur von der Zugehörigkeit der im Hilfsdienst beschäftigten Personen zu einer Gewerkschaft. Von der freien politischen Betäti- gung sprach fein Mensch. Wird nur von der freien Wirtschaft, lichen Betätigung gesprochen, so wird der bestehende Zustand geradezu verschlechtert. Abg. Dr. Neumann-Hofer (Vp.): Wir warten noch immer auf eine unzweideutige Erklärung des Generals Gröner. Inzwischen geht folgender Antrag Albrecht (Soz.) ein, der eine Sicherung auf dem Gebiet des Vereins» und Versammlungsrechts in das Gesetz aufnehmen will.- „§ 13a. Den im Vaterländischen Hilfsdienst beschäftig, ten Personen darf die Ausübung des Vereins- und Bersamm» lungsrechtes zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen, über die auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand erlassenen Verordnungen hinaus, nicht beschränkt werden." Abg. Graf Westarp (kons.): Nach allgemeiner Ansicht ist der Antrag selbstverständlich. Dann ist er doch auch überflüssig! Abg. Dr. David (Soz.): Das ist er nicht. Ercklärungrn der Regierung können niemals eine Gesetzesbestimmung ersetzen. Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich werde Ihnen den Verzicht fo leicht wie möglich machen und erkläre ausdrücklich, daß in oer bisherigen Praxis keine Aenderung eintreten soll und daß die verbündeten Regierungen nach wie vor die Mitarbeit der Arbeiterorganisationen schätzen und wünschen. An die Möglichkeit eines Eisenbahnerstreiks glauben auch wir nicht. Gleichwohl kann der Eisenbahnminister von seinem gegnerischen Standpunkt gegen dauernde Anstellung von Mitgliedern solcher Verbände, die nicht auf das Streikrecht verzichten, nicht abgehen. Abg. Dr. Junck (ntlb.): Wir halten an unserer Forderung fest. Das Koalitionsrecht muh gesichert werden. Das Ges^Z leyst den Arbeitern große Opfer aus. Das Mißtrauen besteht einmal, warum wollen Sie es neu beleben? (Beifall links.) Abg. Haast (Soz. A.-G.): ES muß in dem Gesetz gesagt fein, daß das volle Vereins- und Versammlungsrecht den Arbeitern bleibt. (Widerspruch.) Abg. Graf Westarp (kons.): Statt im Gesetz zu sagen, daß das bestehende Vereins- und Versamiulungsrecht beachtet werden soll, würde ich Vorschlägen, lieber zu sagen: „Falsche Handhabung des Gesetzes ist verboten." (Große Herterheit.) Abg. Ebert (Soz.) stellt gegenüber dem Abg. Spahn fest, daß die Sozialdemokraten schon bei der Vorbesprechung die zur Verhandlung stehende Forderung mit allem Nachdruck vertreten haben und als keine Verständigung erzielt wurde, erklärt haben, daß sie ihre Forderung aufrechtcrhalten müssen und sich völlig freie Hand Vorbehalten. Abg. Lcbebour (Sc^.-Aüb.): Das Gesttz muß auch Sicherung bieten gegen die Vollmachten, die die H>eneraltommar>d»s zur Verfolgung und Unterdrückung politisch mißliebiger Persönlichkeiten haben. Wir haben ja vorhin gesehen, daß, nachdem Dr. Helfferich auf die zu erwartende Aeußeriu^ des.Leiters des KriegsamteS hingewiesen hatte, Generäl Gröner in seiner Antwort die patriotische Pauke geschlagen und gesagt hat, er hoffe zuversichtlich, das; die Gewerkschaften mit ibm zusammen einträchtig arbeiten werden. Diese Antwort des Generals Gröner paßte auf die Frage des Staatssekretärs wie die Faust aufs Auge. Wenn ein so wohltvolleuher und intelligenter Herr so wenig entschiedene Sicherheit gibt, dann müssen inir doch d-ie stärksten Klauseln für den Fall schassen, wenn wir es einmal mit einem weniger wo^- wollendeu und auch weniger intelligenten .Herrn — die Mbt es nämlich auch noch — (Große Heiterkeit) zu tun haben. I n z w i f che n ist ein Antrag S p-a - n (Z t r.) ein» gegangen, wonach es in dem rreuaufzrmehmenden 13a beiße» soll: „Den im vaterländischen Hilfsdienst beschäftigten Personen darf die Ausübung des ihnen gesetzlich zu stehen den Vereins-- und Versammlungsrechts ufw. «sw. nicht beschränk? werden." Staatssekretär Dr. Helfferich erklärt hieran, daß dieser Antrag seinen Bedenken Rechnung trage, da er ausdrücklich sage, daß an dem bestehenden Recht festgehalten werden solle. Bei der nun folgenden Abstimmung wird § 2 des Gefeh- entwur-fs gegen die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft angenommen. Die zahlreick^en Abänderungsanträge der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft werden gegen die Stimmen beidex sozialdemokratischen Frattionen, der Polen und Elsässer abgelehnt. Der von der sozialdemokratischen Fraktion beantragte § 18a wird mit dem Zusatzantrag des Abg. Dr. Spahn (Ztr.) gegen die Stimmen der Rechten in folgender Fassung- angenommen: Den im vaterländischen Hilfsdienst beschäftigten Personen darf die AüSübung de- ihnen gefetz» lich zustehenden Vereins - und Bersammlungsrechte- zur Vertretirng chrer wirtschaftliche« JntereHe« nicht beschränkt werden. Der 8, der b esti mm t, daß die Leitung de- Hilfsdienstes dem Kriegsamt obliegt, wird angenommen, ebenso der 4, wonach die zuständige Reichs- oder JandesAentralbehörde im Einvernehmen mit dem .KriegSate entscheiden soll, ob und in welchem Umfange die Zahl der bei einer Behörde beschäftigten Personen das Bedürfnis übersteigt. Im übrigen entscheiden über die Frage ob ein Berus oder Betrieb, als Hilfsdienst beso-rckere Ausschüsse. Nach §.& besteht jeder dieser Ausschüsse aus einem Offtzier als Vorsitzenden, zwei höheren Staatsbeamten, sowie aus je zwei Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dieser Paragraph gelangt unverändert zur Annahme, ebenss § 6, wonach gegen die Entscheidung des Ausschusses Beschwerde an ine beim KriegSamt ernzurichtende Zentralstelle stattftndet. (Die Sitzung dauert fort.) Ein neuer Buch von Alfred yock. Der Grenzgang. Tie letzte Besprechung eines Romanes von Alfred Bock an dieser Stelle, es handelte sich um den Roinan „Tie leere Kirche", schloß mit dem Satze „Diese Art ist mitberufen, an neuen Wegen mitznarbcilen, weil sie fest und geordnet und deutsch ist. Und darin liegt der Wert des neuen Romans für unser«, Literatur. Fest, geordnet und deutsch Es sind dies drei Charakteristiken Bockscher Kunst, die auch für- die neue Novellensaminlung „Der Gvenzgcnrq" volle Geltung haben. Vier Novellen sind hier zusammen gestellt. „Ter Grc-nzgang", „Alte Liebe" „Das Kartenhaus" und „Tie Annekett". Wenn sie nicht durch die gemeinsame Heimat ihrer Menschen, das .hessenland verbunden wären, so würden sie durch die vorbei ichneten Eigenschaften zusammen gefügt, die sie wie alle Werke Alfred Bocks über das allgcnneine Mveau der zeitgenössischen Evzcchlerliteratur weit hin«usheben. Alfred Bock ist fern Dichter von eruptiv visionärer (ssestaltunqskraft, sondern was heutzutage weit seltener ist, ein kluger, scharfsichtiger Erzähler; nicht wirrer, der die Welt in sich hineinreißt, uni. sie nach eigerren Gesetzen umgeschmotzen wieder vmr sich loszuschleudern, sondern einer, der sich mit liebevvSem Bsrstnlhen die Veenschjen, die ihn! umgeben, aus Vorziige mrd Schwächen ansieht, das Ttzpislhe an iln:en herausgreift, es mit Zügen intimster Beobmhtuug immer scharfer herausarbeitet und so schließlich Gestalten schafft, die bei vller Kleinmalerei groß und einheitlich dastehen, zwingend in rhrew Tenkeri, unverrücklac in ihrem handeln. Sind seekische Verästelungen vorhandeil, so sind sie aus einein Stamme hervor- geichoi^N' (xr tienvurzelnd in der Erde verankert, stark unv kraftvoll sich erhebt. Niemals haben diese Gestatten etwas Krankhaftes, vder Zerfasertes an sich. Werden sie irmgeworfen, so geschieht dies nicht, weil sie innerlich v>ermorscht wären, sondern, weil sie nicht an der Wetterseite ausgewachsen sind und daher bei dem unvermuteten Anprall eines Schicksals gebrachen werde?« und absterben müssen. Ties ist der Fall bei Frau hell'' in jener Erzählung Der Grenzgan g", die dem Buche den Namen gibt. Sie ist die psychologisch am subtilsten erfaßte Gestalt des Buches. Neben einem lieblosen Näann, ^dessen hartem Vorgehen sie auch, den Verlust ihres Kindes zuschveibt, siecht sie dahsii. Da will es das Schicksal, daß dieser Mann bei einem volkstüntlichen Fest, denr Grenzgang, ins Wasser stürzt und ertrinkt. Keine Schuld trifft die Frau an,' diesem Vorfall, aber ihre grüblerische 9lrt bohrt sich dennoch in den Gedanken ein, daß sie ifyrt hirtte verhindern können. Tiefe peinigende Vorstellung nimmt sie in ihre zweite Ehe mit eineim feinfühlenden Arzte nnt lstnübec. Er erkennt ihre seelische diot, will aber den Geneinngsprozeß ohne Einwirkung aus eigenenj Kräften der Frau herauswachsen lassen !und so kommt es zu denr tragischen Konflikte einer tiefen Entfremdung zwischen zwei Märschen, deren volle Harmonie gegenseitig bedingt ist, und die logischen Folgen davon, daß die sich selbst überlassene Frau plogisch fern d urchd achten Stu- Idie, die in der knappeir, oft kaiiti-gen, jeden überflüssigen Beiwerkes entsagenden Sprache des Verfassers geformt ist ‘ Gerade diese Sprache, die auf das Mitschwingen von Ober- mtd Untertönen in strenger Selbstzuckst Verzicht leisteird, in knapperr Sätzen nur das unbedingt Notwendige sagt und irnmer wiedcw durch das ©in- flechten von volkstümlichen Erfahnmgssätzen typische Prägung sucht und findet, kommt der zwingend üavm Psychologie dieser Erzählung zugute, die wohl die bedeutendste dss ssbivett«ibandes ist. „Alte Liebe" zeigt uns die aufrechte GestM ei»es lwssischen Bauern, dessen Weib durch den Verlust ihres Sahnas m unheilbaren Jrrsin versinkt und der, durch wirtschaftliche BerhLltnisse ge- zwuugen, eine. zweite Ehe eingeht, die chm trübe Erfahrungerij bringt. Es ist ihm daher nicht zu verdenken, daß er diese Ehe mit kraftvolle in Entschlüsse löst und #u seiner Nneder genesenen ersten. Frau zuiwckkehrt. Sind die psychologischeir Momente dieser Erzählung weniger durchgreifend, so hat sie den Vorzug, »veiter in die Eigentümlichkeiten und die Gedankenwelt hessischen Volkstums hineinznleuchteir. Und auch in den Nebenpersonen prachtvoll gesehene Gestalten zu schildern. „Das Kartenhaus" schildert überzeugend ^den Gewissenskonflikt eines jugendlichen Spielers, der fühlt, daß die Absage an seine Leidenschaft nicht dauernd sein kann, und daß er seine Braut in das Kartenhaus seiner Zukunft nicht einfübreu darf. Behaglicher hlunwr kerrnzeichnet die letzte der vrer Geschichten, die von der „Annekett". Die breit angelegte Geschichte, die wieder lausend Nebenumstäude, die jedem cnrdern entgingen, zur ClMrakterisierung der hcmptpersrnr bevanzreht schreßt in einen köstlichen Schluß zusammen, der das Mutterschick- sal u-er alten Magd und ihrer Tochter mit goldenem Humor über- lonnt und somit dem ganzen Buche, das keine alltäglichen Schicksale zu in Gegenstand hat, einen versöhnenden Ausklanc, gibt. — Johann Friedrich Stadel. Bor einem Jahrhundert, am 2. T e z e m b e r 1 8 1 6 , starb der Frankfurter Bankier Johann Friedrich Städel, ein .Kunstfreund und Mären dem die Mainstadt das von ibm begründete und nach, ikmr benannte Städelsche Institut verdankt. In einem si'tr die Geschichte Deutschlands in der ersten Hälfte des Hunderts wertvollen Memoirenwerk, „Meine Leben" von Tr. Gerd Eilers, sinden sich über d-ieüm Städel sehr interessante Bemerkungen. Neui, Eilers, ^ m surt im Anfang des vorigen Jahrhunderts als Hauslehrer tätig vorigen Jabr- Wanderimg durchs Mb. Deutscher Reichstag. H. Sitzung, Do«»«r-taq, den SV. November Wl«. (Schluß) 5 7 handelt von der Aufforderung z « r freiwillt - gen Meldung. Erst dann, wei:n jemand keine Arbeit gesunden hat, wird ihm eine solche zugewiesen. Abg. Kotzmann (Ztt.) fordert, daß die Gelegenheit nicht dazu ve»utzt wird, die Bezüge der Pensionäre zu kürzen. Abg. Becker-Arnsberg (Ztt.): Zweifellos ergeben sich aus diesem § 7 gewisse Härten; am besten ist hier eine Notverordnung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes. Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Versicherungsrenten werden auch an solche Rentenempfänger weiter gezahlt, die während des Krieges wieder eine Arbeit aufnehmen. Bei den Knappschastskassen wird der- gleiche Grundsatz durebgeführt Im übrigen werden Härten, die sich aus dem Gesetz zweifellos ergebsn »verden, aber die noch nicht zu übersehen sind, am besteii durch eine Notstandsverordnuug aus der Welt geschafft werden. 8 7 wird angenommen. Nach § 8 soll bei der Neberweisung zur Beschäftigung auf das Lebensalter, die Familienverhältnisfe usw. Rücksicht genommen werden. Abg. Jaeckel (Soz.) begründet einen Antrag, wonach auch geprüft werden soll, c*6 der Arbeitslohn für den Unterhalt des Be» schäftigten ausreicht. 8 8 wird mit dem Antrag angenomme n. 8.9 schreibt den A b k e h r - S ch e i n vor. Jeder Hilfsdienstpflichtige, der bei einer der im 8 2 bezeichneten Stellen tätig ist, darf au anderer Stelle erst beschäftigt werden, wenn er eine Be- , scheinigung beibringt, daß er- die Stelle mit Zustimmung des Arbeitsgebers verlassen hat. Aus Ausführungen der Abgg. Groeber (Ztt.), v. Payer (Fortschr. Vp.) und Ditt mann (Soz. Arb.) erklärt Staatssekretär Dr. Helfferrch, dtrtz die Arbeiterschaft selbst mit dem Ablehrschein zufrieden fei. 8 9 wird mit «uer Seinen Abänderrma angenommen, ebenso § 10. Arbeiter- rrnd Augestellten-Ausschüsse. Die 88 11 bis 14 führen Arbeiteravsschüfse und L n g e st e l l t e n a u s s ch ü s f e ein und legen ihre Befugnisse fest. Die Konservativen wollen diese Paragraphen streichen. Die Sozialdemokraten beantragen, daß nicht nur m den mdufttiellen Bet sieben der Heeres- und Marineverwaltung, sondern auch bei den Eisenbahnen Vorschriften im Sinne der 88 11 bis 14 erlassen werden. Sie fordern ferner emerl 8 11», wonach der Bundesrat Betriebe in den Besitz des Reichs übernehmen, oder sie zu einer Arbeitsgemeinschaft zu- famWerrfchiietzen und auch Vorschriften über Abschreibungen und Der die Berechnung und Verteilung des Gewinnes erlaffen kann. Abg. Giebel (Soz.) fordert Neuwahl«» zu den Lrbeiter- ausschüffen. Abg. Dr. Slresemann (ntl.): Zum erstenmal werden die Arbeiterausschüsse hier gesetzlich eingesührt. Das ist der Sieges- zug des Organisationsgedanken^. Man hat in weiten Kreisen der Industrie starke Bedenken gegen die obligatorischen Arbeiterausschüffe gehabt. Das hat sich geändert. Man hat freiwillige Ausschüsse gebildet und gute Erfahrungen gemacht. Man hat gesehen, daß die Autorität des Arbeitgebers durch persönliche Verhandlung mit dem Arbeitnehmer nicht leidet. Die Ertt- wuLung in den ausgedehnten industriellen Betrieben hat uns ja d»Ls«r org anifa tori s chen Gedanksr aufgedrängt. Keineswegs spielen polibr-sche Dtachtfragen da hinein. Sondern die Errichtung voa «rbeiterauSschüffen für die Betriebe des Hilfsdienstes fteht in fachLchem Zusammenhang «nt der ganzen Vorlage, weil die von chr geforderte Entsagung der Arbeiter und Arbeiterorganisa- twaen unter anderen Umständen nicht zngestanden worden wäre, werden doch zwei Grundrechte der Arbeiterschaft, die Freizügigkeit und die Arbeitseinstellung, durch das Gesetz aufgehoben. Demgegenüber must die Arbeiterschaft Kautelen fordern, dast sie ihre Sorgen und Beschwerden Vorbringen kann. Die Wahl zu den ArberterauSschüffen muh nach der Verhältniswahl erfolgen. Alle Arbeiterorganisationen mirffen an den Ar- betteranssau'issen teilhaben. Denn da» KoakitionSrecht birgt auch das Recht in sich, sich tu koalieren, wo der einzelne e» will, und die gewerkschaftlichen Gruppen müssen Duldsamkeit üben, da sie ja für sich Freiheit beanspruchen. Unklar ist eS uns, welchen Anteil die aus den besetzten Gebieten sich freiwillig meldenden Arbeiter an der Wahl haben sollen. Gür dre A n g e sie l l t e« a n »sch ü sfe haben wir nicht ähnliche Vorarbeiten und Grundlagen wie für die Arbeiterausschüffe. Da waren erhebliche Bedenken vorhanden. Wie will man einen Angestelltenausschuß bei einem kleinen Personal differenzierter Angestellten mit womöglich gänzlich v«!schiede«n Tehrlts stufen die Wahl ansüben lassen, zumal die Internen der verschiedenen An- geskellten im einzelnen Betrieb weit «useioandergeheu. Der per- MNche znstnnMenssang zwksche» «ngesteN« taf W ri te tty fa n ff»- noch nicht üpMommen ^lockert; der emzeln« wird nach seiner persönlichen ^eß&Enfl bezaW. während die ArbeiteranSschüsse eben fttt eine eiicheMchr GehaltSskala und für einheitliche Arbeitsbedingungen emireten. Ein Kollektwangesteütenvertrag mit Mindeste forderungen wäre für die Angestellten wohl unangebracht. Trotzdem Y-Ken wir uns nicht gegen den Gedanken ausgesprochen, und da die^ Angchtelltenorganisatlonen dre Schaffung von Angesteklten- ausschnffen wünschen, wollen Nur dem Gedanken entgegenkommen in ä^nlichtr WoSse, wie es bei dem Angestelltenversicherungsgesetz für die größeren Betriebe geschehen ist, wo die Einzelpersönlichkeit gegenüber der Menge zurücktritt. Die Worte im dritten Absatz des § 11: „Unter gleichen Voraussetzungen" sind mißverständlich. Deshalb schlagen wir vor, den Absatz 3 so zu fassen: „In Betrieben mit mehr als hundert Angestellten ,m Sinne des Angestellten- versicherungsgesetzes sind für diese Angestellten Angestellten- ausschüsse zu errichten". Abg. Nehbel (kon-s,): DaS gegenwärtige Gesetz scheint unS nicht geeianot. jetzt mttren im Kriege die obligawrische Einführung von ArbenerauSf8i«ssen zu bringen, zumal ein Teil der Beteiligten selbst dagegen ist. Auch di« Wahlen mit ihren Nebenerscheinungen l-affen nicht in diese Zeit hinein. Wir lehnen daher diese Paragraphen ab. Abg. Geberts (Ztr.): Wenn wir die Kriegszeit dazu benutzen würden, eine Friedensforderung durchzudrücken, so wäre die Haltung der Konservativen verständlich. Aber dieses Gesetz bringt doch der Arbeiterschaft eine so weitgehende Beschränkung der Frei- zÜKwrrit, daß wir sie wirlsam gegen jede Lohndrückerei schützen muffen. Abg. Frbr. v. Gamp (D. Fr.): Ich bin stets ein Freund der Arberterausschiiste gewesen, bin aber gegen ihre zwangsweise Einführung. Mosentzetriebe, wie Krupp, darf man sie nicht aufdrängen. Lohndrückereien find gerade bei großen Firmen nicht zu befürchten. Abg. Zubeil (Soz. Arb.-G.) trägt Klagen über zu geringe Löhne bei Krupp vor. Abg. Landsberger (Soz.): Was haben die Verhältnisse bei einer einzigen Firma mit den Fragen, die uns jetzt beschäftigen, zu tun? Hier kommt es auf die Grundsätze an. Abg. Gothern (Fr. Vp.): Die Konservativen haben nichts gelernt und nichts vergessen. Sonst müßten sie es verstehen, twst der Zwang, bei bestimmten Privatfirmen zu arbeiten, auch Archpeneb auf Sicherungen gibt. Sonst ist für uns das Gesetz unannehmbar. General Grüner: Die Vorschläge der wirtschaftlichen Omo-imM itMpen wenden wir selbstverständlich bei den Wahlen nach MUMHdeit berückffch^gsn. Ich muß mir aber Vorbehalten, auch andere PorsVuli^sitea zu wählen. Akza. Lehrevs (DSsth. Frcrkt.): Die Einrichtung der Arbeiter- ausfchüffen sst sehr zu begrüßen. StaatAftßretär Dr. Helfferich: Zu Beginn der Sitzung — cs ist ja fveittch lauge her (Heiterkeit) — habe ich erEkärt, daß die ReKverunaen zu den heute eingebrachten Anträgen nach nE SbsKvmg uchmsn kminten. Jedenfalls bedoutet schon ^dor SsM^enlde Eakwurf, wenn ihm der Bundesr»t zustimmt, «me ^nifDeivung jähezehntstang umstrittener Fragen, wenigstens Mr die .^iegÄrsg^r. Es gibt auch gewichtige Bedenke«. Bitte besten Sie also dieses Schiff nicht zu sehr, etwa durch Arbeiter- aD^fchüffe für die Landwirtschaft oder Wahlberechtigung für Minde-sstchrrge. Mg. (Soz,): Wenn man den Arbeitern solche Lasten ausGüiwet, nruß map gerade auch die andere Seite des Schiffes bela-stsn! (Sohr guÄ 9%. Dr. SlBchemann ßnl.) wendet sich gegen das Verlangen des MiM^dnevs. d«ß de« Unternehmern dae Gewinnverteilung und die AHtzchrsibungM vargefchmeben werden; der Besteuerung entgehen M doch nis>t. Wir stehen ja vor einer vollkom- merre^ So z i m i sierung unserer Wirtschaft. Die Behcrrfchu-M der RoWoAe gibt der Regierung jede Macht gegen- der JM>rrstme. Der Major Epeth von der KriegKrohchsH- abteilung ist heute der Generalgewattige im Reich. Diese Sozialist ernn^ kan« zu finanziellen Ergebnissen führen, die Ihnen (zu den Soz.) nicht wMannnen find. Daß wir enüg find, dem Reiche zu geben, was des Reiches ist, zeigt die Erklärung ds Grafen Mestarv. daß er trotz seiner Gegnerschaft gegen direkte RerchS- steuer« für höhere Kriegsgewinn st euer ist. Abg. Hoch (Soz.) polemisiert «ach zehnstlladiger Sitzung gegen den Vorrsdner. Der Krieg müsse wohl noch länger dwuern, ehe man das Notwendige ernenne. Die Aussprache schließt. Im Z 11 wird «uf Antrag Alb-echt (S^.) befchloMr, daß auch schon « Betrieben mit 60 Arbeitern Ausschüsse eingerichtet werden müssen. Der Antrag des Mg. Dr. Streserckann (nl.), ten Angestelltenausschüssen (die ^eichfalls schon bei 60 Angestellten errichtet werden sollen) die glichen Befugnisse zu geben wie den Arbeiter- auSschStzg^' wird angenommen, nachdem um Y\ 11 lkhr nacht» uoch zahlreiche Dbgem^nete über den A-bjti««»ng» modur gesprochen habe«, ' — \J tNe H V, n, !f rnd TI iMfn wf! cW«en flenbm angenommen. Nach einem gleichfalls angenommenen Antrag Behren- (Deutsche Fracktion) sollen auch in der Landwirtschaft Sinigung-ämter errichtet werden. Abg. Ha«fe (Soz. Arb.) beantragt nach 10Z4stktn< diger Sitzung Vertagung. Das Haus ist übermüdet. (Rufe: Neinl Nein! — Gchächter, Unruhe.) In der Kommission waren wir einig, daß dieses Gesetz in ruhiger Ueberlegung beraten werden soll. Es sind bereits wieder sieben Redner gemeldet und weitere Debatten sind zu erwarte«. Zunächst wird noch über den sozialdemickratlschcn Antrags daß der Bundesrat Betriebe übernehmen oder zusammenschli^e« kann usw. abgestimmt. Mitten in der Abstimmung muß der Präsident einige Personen, die ni ch t AbgeardnÄe sind, auS dem Saal rveisen. Der Antrag wird abgelahnt. Ein Antrag Dr. Ctresemann snatl.), daß die der Landwirtschaft aus Grund dieses Gesetzes Ueberwiesenen nicht de« landesgestetzlichen Gesindeordnungen unterstehen, wird angenommen. Nunmehr wird der SerlagungSantrag Haas« gegen _ die Stimmen aller Sozialdemokraten, der Polen und Elsässer abgelehnt. 8 15 (AuskünftePflicht der Betriebe gegenüber dem Kci^tzA- amt) wird angenommen. Bei § 16 (Strasbeftimmnnigenl tritt Abg. Sachse (Soz.) für den Schritz des Koalition-rechtes der Reklamierten ein. Abg. Stslle (Soz. Arb.-Gem.) bekämpft die Strafbestimmungen. Abg. Dowe (Bp.) weist demgegenüber auf die Schutzbest^mmu»-' gen des 8 8 hin. § 16 wird angerwmmen. § 17 regelt die Mitwirkung de- Reichstag- dsrch einen 16g4iedrigen Ausschuß, dessen Zustimmung z« allgemeinen Berorbnungeu nötig ist, mit dem das KriegSamt zusammen -o arbeiten hat und der auch in den ReichßtagSpqusen ^.sammen- treten kann. 11 Uhr nacht». Abg. Eberl (Soz.) hebt die Bedentnnß dieses Bestimmung hervor. Abg. Graf Westarp (Kons.) lehnt namens seiner Partei dies« Bestimmung als verfassungswidrige Verschiebung der Zuständig, keitsgrenzen zwischen Reichstag und BundeSrat «b. Staatssekretär Dr. Helfferrch: In der ReichSderstrssun, heck diese Bestimmung keine Grundlage, es wird ein rreuer gesetzgebender Körper geschaffen. (Widerspruch.) Sie schaffen eine unklare Konstruktion, dieses Bedenken muß ich au-sprechen. Abg.Drttmavn (Soz. Arb.): Da- sind ja schöne Aussichten für die Heranziehung des Reichstagsausschusses zur Mrtwrrkun-4 (Sehr wahrt links.) Diese überraschende Ablehnung laßt «n«h trau- rrge Schlüsse zu auf die ^Neuorientierung" nach dem Kriege. In weiten Volkskreisen versteht man eS überhaupt nicht, daß der Reichstag sich jetzt im Kriege immer wieder vertagen läßt, statt permanent zu tagen.' Allerdings nicht so wie heute! (Lebh. Zustg. b. d. Soz.) Es wäre durchaus möglich, eine Arbeitsweise zu finden, die unsere Rervenkraft schont und der Würde der PvkkSveiTtivetunL entspricht. (Beifall b. d. Soz.) _ Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich habe nur meine Pflicht erfüllt. Wenn der Bundesrat dem Entwurf zustimmt, wird auch diese Bestimmung loyal ausgesirhrt werden. Abg. Dr. Schiffer (nl.): Ich bedauere die Haltung des Staats- sekretärs. er muß doch wissen, daß ohne diese Bestimmung der Rmchötag das Gesetz nicht binausgehen läßt. (Sohr wahr! InckS.) Die Ausführungsbsstimmungen zum Hilfsdienst sind Gesetze, darauf foramt eS an. (Beifall links u. t. Ztr.) *12 Uhr nach». Abg. Stabchage» («oz. Arb.) weist auf frühere verfassung-rechttrche Erfahrungen hm und meint ii. -Loyal' kommt von toi, Gesetz. Der Waatssekretär ist also eigens- lich mit uns einig: daß die gesetz^bende Körperschaft zu ent. scheiden hat. (Gr. Heiterkeit.) %12 Uhr «acht,, «bg. Statzchage« schließt mH der Erwartung, daß daS noch nicht ermüdete Haus, de, alten Trotts müde, den richtigen Antrag, de« der Arbeitsgemeinschaft, «rmchmen werde. § 17 wird angenomme», gegen einige Sätze stimmen di« Konservativen. Nach 8 1« tritt das Gesetz spätesten- einen Monat nach Frredensschluß außer Kraft. Er wird nach kurzer Debatte angenommen. Damit ist die zweite Lesung beendet. Das Haus vertagt sich nach fast zwölfstündiger Sitzung auf Freitag 2 Uhr: Auslagen, Ä. Lesung de» Hrlfsdrenstzesrtze-, Kriegesteuergesetz, Anträge. Abg. Ledebnur (Soz. Arb.) erhebt Widerspruch gegen die 8. Lesung eines so wichtigen Gesetze- vor Ablauf der dorgeschrie- beneu -weitägigeu Frist. Da 1L Abgeordnete den Widerspruch Unterstützen, hat er Erfolg. .■S rr '’ -C- Schluß der Srtz«ng: 12 Uhr «ach«, . war, war Sfädel „ein gutmütiger, beschränkter Mann ohne Bildung, Winz enoachsen mit der höchst lächerlichen, pedantischen Lebensweise des Frankfurter Spießbürgertums ans der Mitte des 18. Jahrhunderts," und eigentlich kaum als der Begründer des Stadelschen Instituts anzusehen. Vielmehr habe als solcher zu gelten ein Advokat Tr. Jassoy, „ein kluger, geistreicher, und sehr witziger Mann." Er hatte das Testament, wodurch die großzügige Stiftung gegründet wurde, fornruliert, „was ihn irÄessen nicht hinderte, später als Mvokat für die Erben gegen eben dieses Testament «uszutreten: nicht ohne Erfolg, da die Vertreter des Instituts es geraten fanden, sich mit den Erben z-rr vergleichen.^" lieber StÄdel und die Entsiehung seiner Kunstsammlungen gibt Gerd Eilers folgende Eingaben: ,^Jn seiner Jugend hotte man ihn zur Ausführung irgendeines kaufmännischen Geschäfts nach Schaff- hausen geschickt. Es war ihm nicht eingefallen, den Wasserfall daselbst anzusehen, weil er von der Existenz eines solchen nichts wrlsste. Darüber war er nach seirrer Rückkehr verspottet worden^ was ihm einen so nack-haltigen Aerger verursachte, daß er später, nicht etwa nach Schaffhausen reiste, um den Wasserfall selbst zu sehen, sondern ihn in einem seiner Zimmer an die Wand malen ließ. Das Lob, das er über dieses Bild erntete, bestimmte ihn,, nach und rcach Gemälde zit kaufen und in seinen Zimmern aufzuhängen. Einen Kunstwert hatten diese ersten Ankäufe nicht; sie weckten aber eine Liebhab-wei, die damr von Kunstfreunden benützt wurde, seine Wahl auf wertvollere (^jemälde z>u leiten." Eilers meint dann noch über Städel: „Sich bei Lebzeiten von! eiirem Teile seines Mamuwus zu trennen, wäre ihm unmöglich gewesen: aber eine Dispositton darüber zu treffen, die seinen Flamen auf die Nachwelt bringe, schmeichelte seiner Eitelkeit. Frau Städel, eine seiner Verwandten, hätte ihn ebenso leicht dazu bringen können, eine Twchstuiwmenanstalt zu stiften, als Dr. Jassoh ihn zur Gründung des Kunstinstituts bestimmte." Jedenfalls dankt diesem Sonderling, der Junggeselle geblieben war, Frankfurt nicht nur eine schöne KunUaurmLung, sondern auch zahlreiche KünAer genossen aus seiner Stiftung materielle Fiirderimg. — Tie „Franc" als Musen ms schiff. In Kristiania ist der Plan aufgetaucht, die „Fram", das Schaff Nausens und Anucndsens, auf ihren l>erühmten Fahrten in der Arktis und Antarktis, zu dauernder Erinnerung als Museuinsschiff auMbewahren. Zu Forschungsreisen ist das schiff wicht mehr seetüchtig gemrg, und bekanntlich läßt sich Anrundssn für seine ^torHpoffrbrt, dre er übrigens doch auf das Fahr 1918 hat verschieben mästen, einen neuen Schoner bauen. Ter Man, aus der „Fram" ein Museum s- schiff zu mochmr, hat in Norweger! allseitig warme ZustnnNtung gefunden, und vor allen! haben auch Fridtfof Nansen und Roa1d> Amundsen selbst sich damit ooRstMtzig einvÄNtanLuu erWirt. Nklerdirvgs würde auch in bisfent Fasle eine MLvsrKrst^ttrng des wackeren Sett^eteranM umnnyänglich fern. Zur Ausstattung des Schiffes, das zu einem schwimmenden Museum moderner Polar- sorschurrg gestaltet werden könnte, würden wohl zahlreiche Personen und besonders die Nächstbeteiligten, allerlei interessante Gegenstände beizusteuern geneigt sein. — Max Klingers neue Radierungen. Aus Berlin trritb Uns geschrieben: 2Sk wenig auch das dritte Kriegsjahr die deutschie Mnstproduktion und den deutschen Kunsthandel zu schwächen vermochte, zeigt die Fülle der Ausstellungen und Verstei- rungen, die die gegenwärtigen Wintermonate in Berlin kenn- zchchnst. Kassirer, Nemnann, Kunstlerhaus und Sezession sind stets rege beschickt und besucht. Und daneben gibt es eine Reihe besonderer Ereignisse, die stets starkes Interesse beanspruchen und verdienen. Ern solches SonLevereignis stellt die neue Ausstellung im Kunststllon von Amsler und Ruthardt dar, die keinen Geringeren cS§> Max Klinger bringt, und zwar eine reiche Folge eben vollendeter graphischer Blätter unter dem Gesamttitel „Das Z eIt". Es ist der modernste Klinger, der sich in diesen Radierungen offenbart, der Meister und Phantast, dessen märchenartig angehauchte und symbolisch beschattete Allegorien in ein settj'am fesselndes Reich entführen. Der erste Eindruck ist der einer ganz^ starken, ganz in ihr eigenes Sinnen und Dichten versunkenen Künstlerpersönlichkeit die nicht mehr danach ringt, die Welt zu erfassen und zu gestalten., die viettnehr — in sich gefestigt und mtt beNTußtem, frTfju gepvägtem Eigenwille» ihre Welt darbringt, als ein künstlerisches Manifest, als eine« unverrückbaren Ausdruck ihres erkänchften Wissens und Fuhlens. Das sieht inan in der anherordentlichien Sicherheit, mit der Klinger seine Eigenart in diej'cn Radierungen formt, in dem von keinerlei Bedenken geschwächten Hang fu. den Landschaften Und den Menschen, die in seiner Brust und ieinein Hirn und Auge leben. Auch rein technisch sind diese Blätter gedanklich sehr vertiefte Märchenstimmungen mit grsadiosen LMldjsckmftÄnnrisstm und huschenden, bei aller Un- wirllieAeit realistisch gezeichneten Gestalt«! — meisterlich gelungen. Nur erscheint manches ein ivenig glMchförnrig, durch Variationen dssstlben Themas erstarrt, und ein Verzicht auf belebendes Licht — Und Schattenspiel unterstützt noch diese Wirkung, die aber dem hohen Können keinen Abbruch M tun vermag. Meisterwerke eines mavchnml zu abstraöt verrieften Künstlers, die nicht leder persönlich li»de>n nmß, denen aber kein Kunstverstand seine Anerkennung zu versageu vermag. — Anilins«eben als Heilmittel Der Königsberger Chirurg Dr. Enmn Bvnnvann hat, wie die „Klrnisch-Therapeuti- sche Wochenschrift" lVerlag von Walther Rvtschild, Berlin-WA- mersdors) erfährt, Anilinfwrbstoffe in großem Maßstabe als Heil- mittel angowandt und kann mif Grund von mehr a£3 400 Krank- heftSfttAen über außerordeEch günstige Erfahrungen mit dieser Neuerung berichten: die Anilinfarbstoffe übertreffen in entwick^ lungshemmeüder imd ßemttötender Hinsicht alle bisher bekarmte^ antisepttlchen Stoffe; zudem verteilen sie sich außerordentlich gut, )u bringen Eiweiß nicht zur Gerinnung, und in den Meng«!, in denen sie mrgewandt werden nrüsfen, sind sie vollkommen imgiftig. Sie können daher in sehr dichter Form angewandt werden^ :md ihre Vernrchtnng der Batterien führt zu rascher Abnahme von Etterungen, zur Reinigung von Wunden, zum Sinken der! Temperatur, sowie zum Besserwerden des MgemeinbefindenSft und schließlich wird bei ihrer Anwendung auch die Heilungsdauer! abgekürzt. Baumann hat yunädät in einer großen Reihe o»n^ Fällen die Anttinsarbstoffe in der veinen Chirurgie angewaudt. Er benutzte anfangs Methylenblau später Methylviolett, was in den meisten Fällen besser rvirkte. Bei Brandwimden, Riß- und Schnittwunden, Nagelgeschwüren, Sehnenscheidenvereiterunaen sowie frischen Verletzungen der Kopffchwarte und in zahlreichen cm-, deren Fällen wurde dre Wundfläche mtt einer 4 prozenttgen Färb- - lösung bepinsett, und dann konnte die Wunde, falls sie nicht etwa besonders stark verunreinigt war, sogleick? geschlossen werden, als wäre sie keimfrei. Bei leicht zugänglichen Wundflächen konnte der Farbstoff auch in Pulverform aufgestteitt werden, während bei buchtenreichen Wunden eine Lösung deä Farbstoffes Mit Glpzerur zu ernein dünnen Brei verrührt wurde, der üuter etwas Mkoholzusatz nrtt einem Stäbchen in die Wunde gebracht wurde. Bei eigentlichen Wundhöhlen wurden keimfreie Gase mtt der Farblösung gettänkt und in die Höhlung gelegt, wid wo Fistelgäne vovhandeu waren, ivurde die F«rblöftrng mtttels einer Spritze in die Tiefe gebracht. Schon wach ein- bis zloei-. uurliger Anwendung der Farbe hörte nveistens die Eiterimg aus, der unangenehme Geruch verschüvand, und die Wunde wurde tr*cken. Bei größeren Knochenetterimgen, sowie bei der typischen Osteomyelitis wurde die Heilungsdauer erhebttck, abgrttttzt. Aich bei Bauchettermrgen, bei Abszessen des Wurmfortsatzes und bei abgegrenzten Bauck^sellentzündungen wirtten die Anilinstofse außerordentlich.! günstig: die Wsonderimgen Nahmen rasch ab, !md die Höhle granulierte in der Folge zu. ?kuchi m größeren Mengen, wie der Einführung von täglich! einen! Graimn des ' Farbstoffes, wurdeu nie Schädigungen beobachtet. Bon der Bauch-- böhte aus ivurde der Farbstoff auffallend rasch/ anfgesoOen. Tie Ausscheidung aus dem Körper ^erfolgt mg den! Wege durch di? Nieren, bei denen keine einzige Schädigung beobachtet wurde. Auch bei Etterungen der Pleurahöhle nnrtte Methylviclett günstig. unl> Methylenblau erwies sich als besonders ge^gnet. um durch Spülung mtt der Farblösung die Harnblase keimfrei zu machen, was Operationen in nuchreren Fällen gelang. Mb. Deutscher Reichstag. T6. Sitzung, Mittwoch, den 29. RoK «tbtr 1916. (Schluß.) Abg. Gras Westarp, ton'}.): Das Gesetz ist ein Aufruf an die Cpfcrwilligkeit unseres Bolzes, der omn Kaiser anSgeht und von der Obersten Heeresleitung angeregt ist, zu der das Volk daß größte Vertrauen hat. Unsere Feinde sind unbeugsam und hartnäckig in ihrem Willen, unser Dasein zu vernichten. J^e Ueberzahl wird noch unterstützt durch die gewaltige Wucht recknisscher und wirtschaftlicher M! ittel, zu der sie die Unterstützung der Kriegsindustrie der ganzen Welt zur Verfügung haben, auch des größten und industriellsten der Neutralen, der in dieser Beziehung ebenso an ihre Seite getreten ist, wie er uns- in der Ausnutzung unserer Kriegs mittel zu hindern versucht hat. Diesem Einsatz technischer Mitt-ff müssen wir mit überlegenen Mitteln entgegeutreten. Die Anspannung der ganzen Lefftungsfähigkeit unseres Volkes ist von unseren Führern mit eiserner Folgerichtigkeit erkannt und inS Werk gesetzt worden. Der Aufruf trifft auf offene und willige Herzen. Der Geist der Augusttage 1914 ist in unserem Volke auch heute noch lebendig, daß niemand das Recht hat, nur nach eigenem Belieben und im eigenen Interesse sein Leben zu führen. Der Aufruf zur freiwilligen Mitarbeit gilt auch für die Frauen. Das Prinzip des Gesetzes ist die Freiwilligkeit, aber ohne jeden Zwang kann es rricht abgehen. Auch tne Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht ist die böchste sittliche Tat des freien Mannes. So ist eS auch hier. Opfer an Geld urrb Gut muffen gebracht werden. Auch die persönliche Handlungsfreiheit wird Einschränkungen erleiden. Der Krieg ist nun einmal ein grausames -Handwerk. Wir alle wünschen eine Herabsetzung der Opfer auf das Mindestmaß. Aber wo es nicht ander« müffen auch Opfer gebracht werden. Denken Sie doch an unsere Krieger im Felde! Was leisten siel Wenn es nicht gelingt, den Sieg zu erringen, der unsere Zukunft verbürgt, darin ist nicht nur die Existenz des ganzen Volkes vernichtet, sondern auch die jede« einzelnen. Die Grundgedanken des Gesetzes sind gut. Wir stim- n,en der Vorlage zu. Die kleinen Existenzen des Mittelstandes müffen schonend behandelt werden. Diese Kreise muffen beruhigt werden. Die Landwirtschaft ist ein notwendiger Kriegsbctrieb. Die Arbeitskräfte, die sie braucht, müffen ihr bleiben. ES wäre möglich gewesen, die Regierungsvorlage anzunehmen. Wesentlichen Punkten des Ausschußantrages wollen wir zustimmen. Die Aribeiterausschüsse brauchen bei dieser Gelegenheit mcht eingesührt zu werden. Auch gegen den F ü n f • z ehner - Ausschuß haben wir Bedenken. Sollten wir rnit imseren Auffassungen nicht durchdringcn, so werden wir dem Gesetz doch keine Schwierigkeiten bereiten. Das Gesetz wird einen guten moralischen Eindruck machen. Mit aller Kraft stehen wir hinter unseren Fronttruppen. Mit Reden über die Friedensbereitschaft kommen wir dem Frieden nicht näher. Der Abg. Scheidemann will den für eine» Narren erklären, der noch an «irren vollen Sieg glaubt, bei dem die anderen niedergerungen werden. Ich glaube mit dem deutschen Volke an einen Sieg, der unseren Feinden den Frieden auf- -wingt (lebhafter Beifall) und unsere Zukunft pchert. (Beifalls Solche Aeußerungen enthalten rricht die erforderliche Zu v ersi cht. Der Abg. Scheidemann kann nicht den Reichskanzler für leine Auffassung reklamieren, er kann es nicht darsteüen, als sei ver Kanzler mit ihm einig, wenn er eirren Frieden ohne Annexion begehrt. Das hat der Reichskanzler nach unserer Auffaffung nicht gesagt. Es wäre erwünscht, wenn der Abg. Scheidemann nicht mehr öffentlich ohne Widerspruch auf diese Weise die Auffassung des ReichSkairzlerS auszusprechen beharren könrrte. (Aistimmung.) Erklärurrgen über unsere Friedensbereitschaft führen uns nicht zmn Ziel. Zum Siege fuhrt uns nur entschlossene Tat. Das Gesetz wird den Feinden zeigen, daß wir noch ffst n» unsere Kraft vertrauen, daß unsere wirtschaftlichen Kräfte noch nicht erschöpft find und daß wir gewillt sind, auch auf lange Sicht Kriegs Maßnahme:: zu treffen/ bis der Angriff der Feinde niedergeschlagen rmd der Sieg errungen ist. (Detfoll.) Da» Gesetz beweist den unbeugsamen SiegeSwill-en und die feste Siegeszuversicht unseres Volkes, beides Voraussetzungen, die uns den Sieg erringe». (Beifall rechts.) - _ ^bg- Dr- Arendt (Dtsch. gnSSan): Ada Gsfttzenvvur s Um* sich sät diesem Entwurf an Be d e utun g wessen. Wir müsse» in einer solchen Zeit auch die schwer ste Vera nt wortung «sf nnS netz» men. Namens meiner Fraktion erkläre ich, daß wir den Gesetzentwurf auf jeden Fall annehmen, mag er m der zweiten Lesung eine Gestalt erhallen wie er will. (Betfall.) Die Annahme ist vteriandffche Pflichterfüllung. (Zustimmung.) Kein Volk ist so friedliebend gewesen. Dir sind frei von Schuld an diesem Kriege. Aber jetzt gilt es, unseren Feinden die wahnwitzige Hoffnung auszutreiben, uns vernichten zu können. Dazu dient auch dieses Gesetzt Abg. Ledebpvr (Soz. A.-G.) beantragt mu 7 % Vtzr Vertagung. Der Antrag wird gegen die beiden sozialdemokratischen Gruppen abgelehnt. Leiter des Kriegsamtes General v. GrSner. Als Leiter deS Kriegsamtes habe ich die Pflicht, Ihnen meine Auffaffung über dieses Gesetz darzulegen. Ueber seine Notwendigkeit brauche ich nichts zu sagen. Wer lesen und sehen kann, der sieht und liest das jeden Tag. Daß unsere Industrie sich in geradezu glänzender Weise auf die Bedürfnisse des Krieges eingestellt hat, gibt unS die Zuversicht, daß wir die Zwecke, dre wir mit dem Gesetz verfolgen, unter allen Umständen erreichen können. Unsere Industrie steht im Konkurrenzkampf mit der Industrie der ganzen Welt. Was das heißen will, daß weiß jeder. Darüber ist kein Wort zu verlieren. Aber unsere Feinde nutzen nicht nur die neutrale Waffen- nnd MunitionSher- jtellung in einer ungeahnten Weise aus, sondern sie hetzen außerdem noch die neutralen Völker in den Krieg. Wir haben vor kurzem erlebt, wie sie durch das Eintreten Rumäniens in den Krieg den Sieg zn erringen hofften. Was haben sie erreicht? Daß Gegenteil, dank den glänzenden Leistungen unserer und der verbündeten Truppen. (Mit erhobener Stimme^Ünd so, meine Herren, soll es den Engländern nnd der ganzen Gesellschaft gehen! (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Aber wenn man ein großes Ziel erreichen will, so muß ma» vorarisschauen und muß vorausschauend arbeiten. TaS soll mit di-fem Gesetz geschehen. Ueber die Ziele des Gesetzes brauche ich mich nicht weiter auszulassen. ES ist nicht geeignet, nun ganz plötzlich mittels dieses Gesetzes alle möglichen wunderbaren Maßnahmen in die Welt zu setzen. Das bedarf einer organischen Entwicklung der ganzen Sache. So liegt nicht in dem Gesetz die Hauptbedeutung, sondern der Schwerpunkt liegt in seiner Ausführung. Sie mögen den Mantel — eS ist ja et» Mantelgesetz — mit allen möglichen Litzen und Treffen verbrämen, eS nützt Ihnen nichts, wenn wir es nicht vernünftig ansführen. Denken Sie daran doch, bitte, bei der ganzen Verhandlung. Wenn Sie mit der größten Ueberlegung und der größten Umsicht versuchen, alles zu finden, daß die nötige Sicherheit für die Arbeiter, für die Angestellten, für das RechtSverfahren schasst: die Materie ist so außerordentlich schwierig und vielseitig und so außerordentlich gefährlich (Sehr richtig! b. d. Soz.). daß wir nichts erreichen, wenn nicht das Kriegsamt und alle vermittelnden Organe vernünftig fftrd, vernünftig arbeiten. (Sehr richtig!) Wir denken an keine unvernünftige Ausführung, auch nicht an derbe» gewaltsames Zu- greifen. Wir brauchen Menschen, die sich in den Dienst der Sache stellen. Wenn wir die Leute am Kanthaken haben, ist nichts zu wollen. Die Leute müffen unS alle, vom ersten bis zum letzten, freiwillig kommen. Wenn man die Produktion steigern will, so gehört dazu selbstverständlich in allererster Linie dre freiwillige Mitarbeit der Arbeitgeber und Arbeitnehm«, der Unternehmungsgeist der Arbeit^ber und die Arbeitsfreudigkeit der Arbeiter. (Beifall.) Der Zwang steht dahinter nur als ultima ratio oder wie Sie «S nennen wollen. Für die AuSführnng des Gesetzes durch daS Kriegsamt muß noch die Organisation geschaffen werden. DaS Amt hat rricht nur für den Heeresersatz zu sorgen, sondern auch für die innige B«bindung und daS Zusammenarbeiten mit der Industrie, um eine Organisation zu schaffen, die alle unsere Industriegebiete ft» ganzen Deutschen Reich mit einem weiten Netz umspannt. Von der Stillegung von Betrieben ist so viel geschrieben worden. Die Leute fürchten, es würde etwa am 1. Dezember befohlen, du machst tarn« Bude zu und du machst deine Bude zu. Das sind alles Phantastereien. Das ist doch unmöglich. DaS HeranSziehen der Arbeitskräfte aus den Betrieben denke ich mir so, daß die Betriebe uns selbst kommen, sich uns anbieten, uns nach Verständigung über den Zweck Vorschläge machen, mit diesen Vorschlägen an das Kriegsamt zu freiwilliger Vereinbarurig herantreten. Diese Vorschläge wollen wir gemeinsam prüfen und auf Grund der gemeinsamen Prüfung wird die Entscheidung getroffen. Auf Grund der Entscheidung gehen die Rickstkinien und AnhakMrunkte an unsere Organisationen draußen ins Land hinaus, und damit vernünftige Arbeit geleistet wird, müssen auch in diesen KriegSamtsfiellen und. in diesen Ausschüssen, die draußen zu errichten sind, Sachverständige sitzen, die auch verstehen, wie wir es meinen, Leute, die sich in unsere Gedanken hineindenken können. Selbstverständlich muh die Einzelexistenz, insbesondere im Mittelstand und bei den Kleinbetrieben geschont werden. Wir dürfen nicht mit rauher, unerbittlicher Hand dazwischenfahren. Auch das Verpflanzen von Arbeitern kann nicht so erfolgen, daß morgen ein Befehl hinausgeht; von Pirmasens gehen so und so viel Schuhmacher da und da hin, oder von Planen so und so viel Textilarbeiter da und dorthin. Da? kann erst als ultima ratio in Betracht kommen. In erster Linie werden wir die Arbeit den Ä r fht i t e i n hinbringen. Das ist Mneist eine Maschineu- srage. Nur tvenn es der Werkzeugmafchinenindustrie rächt gelingt, die nötigen Werkzeugmaschinen zu schaffen, müffen wir andere Maßregeln ergreifen, und dann kommt daS Verpflanzen der Arbeiter in Frage. Dabei spielt die Wohnungsfrage eine Rolle, die Fürsorge für Kinder, die Anlage von FabriAückren und anderen sozialpolitischen Einrichtungen, alles Aufgaben, die in Verbindung mit der Versorgung der Industrie mit den notigen Arbeitskräften zu lösen sind. Auch das Her aus suchen der HrlfSdienst-p^ich-» t i g e n uruß auf Grand freiwilliger Meldungen ersokgnr. Wir denken wirtüch nicht daran, den Zünftler aus einem Theater her- auSzsziehen und irgendwo in einen Betrieb hmeinzustecken, wo er höchstens die Arbeiter unterhalte» könnte. (Heiterkeit.) Oder dort ist irgendein gelehrtes Haar, aber furchtbar unpraktisch (.Heiterkeit.) Wir werben ihn doch sicherlich nicht irgendwo hinstecken, um ferne unpraktische Kunst zu «proben. Auch eine Registrierung der Hilfsdienftpftichftgen beabsichtige» wir nicht. Zn «in« Einschreibung wären viel zn viel Kräfte nötig. Vielleicht werde» wir mal nach vielen Monaten, werm sich di« Sache eingelebt hat, dazu kommen. Don vornherein werden wir ab« nicht einfach zahlen- damit, die t» KB WWB , B# ! fin tu gpft btmffzbt ketste» unUMA, für ihr«» eigentlichen ver»f freis»mach«» «ab nach vor» he r«« » z n n eh« e». Aber ohne Facharbeiter können wir di« ganze Aufgabe nicht Sseu. (Zustimmung.) Manch« scheut vor diese» gm» gewaltigen Eingriffen in »sie Volkswirtschaft aurück, denn gerade unsere Volkswirtschaft hat un» ermöglicht, den Krieg bisher so glänzend durcstzufübreu. Sie zu stören und zu schwächen, wäre geradezu Torheit. Als Ziel muß dauernd vor Augen stehen das Bestreben, die Volkswirt- schaff, die Kriegswirtschaft zu stärken (Lebh. Zustimmung), wenn auch dabei d« eine oder -andere Industriezweig Opf« bring«» muß. Dir wissen ja nicht, was die Zukunft bringen wirb und welche neuen Schändlichkeiten nns«e Feinde ersinnen werden (Sehr richtig!), um uns zu schaden. Deswegen m o fe b i \ Sm ch e ganz groß angefaßt werden. Zusammen gefaßt handelt eS sich darum, einnral die materialen Kräfte zu steigern, Waffen-, Munitions- irnd .HeereS«fatz, und dann um die Stärkung der moralischen 5träfte nnd der Willenskraft unseres Volkes. Eine ganz besondere Wirkung erwarte ich auf da» Heer. DaS Hoer, daS Gut urrd Blut und Leben einfetzt, mutz wissen, daß eS in der Heimat ein Volk hinter sich hat, daS einmütig eintritt, ebenso wie vorn unsere Kampf« mit Leib und Seele, Sie in der Heimat mit der Arbeitskraft zu dem einen Ziele, der Erringung des Sieges. (Lebh. Beifall.) So mutz das ganze Volk, einschließlich Heer, da- stehen in einem harmonischen V«ein der 5^raste, wobei kein« widerstreben darf, weder d« Manu am Schraubstock, noch an der Drehbank, noch d« Ban« hint« dem Pflug. Alle rnüssen sie mitmachen. Und was das Gesetz will: die allgemeine Arbeitsgemeinschaft ohne politische» Anstrich (Stürm. Beifall.) Die Feldgrauen stehen nnd sterben jeden Tag in Not und Kampf in emez Weise, die geradezu die bffvundernSwerte Seelen- stärke dies« Helden zeigt. (Beifall.) Diesem Heldenmut gegenüb« sollte in d« Heimat nicht daS bißchen Entschlossenheit gegenüberstehen, da» wir derkmgent ES würde ein Verzweifeln an diesem Volke sein. Eine unbeugsame Entschlossenheit i» bex Heimat zur Arbeit für daS Vaterland will das Gesetz, und da» müssen wir erreichen. Dies« Wille soll das lebendige Gesetz von un» allen fein, vom Kriq^ am t in «st« Lftrie und »wmrüch auch vom ganzen deutschen Volk — nicht ein Zwangsgesetz. Wir machen keine Zwangsarbeit jetzt ftn Kriege, es geht um die höchsten Güter nns«eS Volkes. Also weg mit diesem Begriff und mit diesem Ausdruck vom Zwang. Das Gesetz ist die Freiheit im höchsten Sinne, im sittlichen.^ SS muß jedem einzelnen Deutschen in H«z und Kopf eingehämmret werden, daß er fernen eigenen Willen unterzuordnen hat unter den Willen des Vaterlandes. Wenn wir das erreichen mit diesem Gesetz, dann haben wir auch eine Gewähr dafür, daß Deutschlands Zukunft gesichert ist. eine Zukunft, die beruht auf der Freiheit, Wohlfahrt und Gesittung. Es ist also ein sittliches Gesetz nnd nicht ein Zwangsgesetz. (Beifall.) Au§ diesem Saal muß nun der Geist hinausziebcn in die weiten deutschen Lande, d« jeden einzelnen Deutschen erfüllen muß und unS im Kriegsamt in allererster Linie. Eorgeir Sie, daß der richtige Geist hinauszieht, dann machen Sie mir die Arbeit leicht, weine Herren! (Lebhaffer, sich wiederholender Beifall.) Abg. Boglherr (Saz. Arb.°G.): Der Reicbskanzler hat noch iunner nicht seine Bereitwilligkeit zu einem Frieden ohne alle Annexionen erklärt. Da darf man nicht erstaunt sein, daß die Friedensworte im feindlichen Ausland kein anderes Erbo finden. Die Rede des Abg. Baffermann bewies die weitere Notwendigkeit. dem Rätselraten um die Kanzlerworte ein Ende zu machen. Wir glauben allerdings an «inen Frieden ohne Sieger und Besiegte. — Dieses Gesetz ist durchzogen von Unfreiheit. Schon als der Reichstag vertagt juurde, hatte längst dre Absicht zu diesem Gesetz bestanden. Die dem Plenum dorangegangene Kom- missionsberalung hat den Reichstag vor eine vollendete Tatsache gestellt; was hier geschieht, ist nur Dekoration. Gegen diese Täuschung der Oeffemlichkeit protestieren wir. (Zustimmung b. d. Soz. Arb.) Ursprünglich hat man ern Gesetz vorgelegt, da? den Reichstag vollkommen auSschckltete. Woher nahm man den Mut dazu? Drese Regierung hat während des Krieges Versprechungen gemacht, die sic nicht eingehalten hat. (Präsident Dr. K a e m p f : Das ist unzulässig.) Herr Präsident, wenn Sie die Güte gehabt hätten — (Glocke.) Es handelt sich um die Neuorientierung und das Versprechen der Nichtbesteuerung notwendiger Lebensmittel. Wir lehnen das Gesetz ab, denn e§ schafft einen Zu- stand der Unrnündigkeit und Sklaverei. (Lachen.) Die Arbeiter Nwrden sich auch durch die patriotische Draperie, die man diesem Gesetz gegeben hat. über seinen wahren Charakter nicht täuschen lassen. (Lärm. Präsident Dr. Kaempf rügt den Ausdruck.) Das Gesetz ist ein Ausnahmegesetz gegen dre Arbeiter. Gewiß, der weitaus größte Teil unseres Landes ist vom Kriege selbst verschont geblieben. Aber wenn er ins Land gekommen wäre, er hätte m,1 dem Volke nicht anders umsprangen können, als die »'s Gesetz es tut. (Großer Lärm. — Zurufe: Unverschämtheit! Flegelei! — Präsident Dr. Kaempf ruft den Redner zur Ordnung. — Abg. Graf Westarp: Eine Frechheit ist solche Rode! — Präsident Dr. Kaempf ruft den Grafen Westarp wegen dieses Zurufes zur Ordnung.) Das Gesetz dient nicht dem Frieden, es dient der Verlängerung des .Krieges! (Stürmischer Wid«spruch.) Man richtet sich mit ihm auf eine lange Kriegs- dcmer ein, und das ist es, was wir beklagen. DaS Ausland mutz in gleicher Weise auf das Gesetz reagieren. Militarismus und Kapitalismus feiern jetzt ihre höchsten Orgien. Es wird ein Zwangsarbeitsverhältnis geschaffen, das all« Menschlichkeit ins Gesicht schlägt. (Lachen.) Dos Volk will den Frieden, möge die Regierung hier den richtigen Weg gehen. Wenn der Reichskanzler den unbedingten Sieg Deutschlands als Voraussetzung aufgcben würde, würde England zu Friedens-Verhandlungen bereit sein. (Stürmisches Gelächter. — Zurufe: Sie sind ein Narr!) Sie wollen den Krieg bis zum Wkitzbluten führen. Wenn man den Frieden will, kann man ihn leicht haben. (Widerspruch.) DaS Volk will keine Forffetzung deS Krieges, eS teil Brot. Freiheit urrd Frieden. (Beifall bei der Soz. Arb.-Ge«. — Große Entrüst«^ im ganzen Hause.) Staatssekretär Dr. Hclfferich: D« Vorredn« hat davon gesprochen. daß verschiedentlich d« SchützengroLen als Drohung an- gewendet worden sei. Im Ausschuß ist aU ©eifcrirf dafür dar Work eines h^öh ereu preußischen Eisenbahnbeamten angeführt worden, der bei irgend einer Schwierigkeit üb« Arbeiterverhältuiffe «klärt haben soll, für den Widerstand d« Belegschaft stehe der Schützengraben zur Berfügung. Ein Name ist trotz Aufforderung nicht genannt worden, anch jetzt nicht. Danach kann ich wohl annehmen, daß dies« höhere preußische Eifenbahnbeamle »»rin der Phantasie existiert, fvehr richtig^ Der BorrrLm« bat wett« «sagt, btt VnndeSrat habe «U mite» Ge wMen da» Gchutzhafiyesetz »■fH—i» Ham, denn tl9 Ersatz stehe «hm d« Schützengraben zur VerfLzung. rufe.) Diese Aeußerung schieDt den verbündeten Regierungen eft« GestTmung von scllcher Niedrigkeit zu, daß mir die Möylichveft Mijft, d em Vorredner in parlamentarische« Foranen überhaupt zn antworten. Dann hat Herr Dogkherr von dem Inhalt dieses GesetzeS ein Zerrbild entworfen, das zu dem Unglaublichsten gehört, was ich je gehört habe. (Sehr richtig!) Ich verzicktic darauf, zu antworten. Wenn der Vorredner aber sich gegen oas Gesetz gewandt hat. weil eS unsere Wcchr stärkt und unS damit die Mag. lichkeit gibt, unsere Feinde, die vom Frieden nicbtS wiffen wollen, zum Frieden zu zwingen, so fft mir daS von seinem Stand- Punkt begreiflich, denn er will nicht den deutschen Sieg, sondern da» Gegenteil. (Levh. Zust. Lärm bei der S^. Arb.) Da» deutsche Volk' aber will nicht bestegt werde», sondern L»pft um sein Dasein. Deshalb wird das Gesetz angenommen, und daö Volk ist damit eiuv«standen. (Beifall.) Abg. Vogth«r (Soz. Arb.): Der Staatssekretär hat nicht daS geringste Stecht, mir zn unterstelle», daß ich auch nur an. gedeutet hatte, ich wolle daS Gegenteil eines deutschen DiegeS. ES gibt nicht nur die ßwei Möglichkeiten: Sieg oder das Gegen- teil. Wir wollen d:e vernünftige Verständigung der Völker, die anßerhalL der »riLttaristffchen Horvzonts d« Staatssekretärs liegt. Abg. Graf Westarp (Konst): Wenn eure Partei dem Heer die Mittel versagt, die es zur Fortführnng deS Kampfes brauM, so beweist sie durch di« Tat, daß sie bkt deutsche Niederlage ra. (Sehr richtig l) Abg. Hasse (Soz. Arb.): Wenn wir die KrregSkredtte v«. weigern, so tu» wir das nur. um d« Ablehmmg der Verankwor- tung für die KrdegSpotttS d« Re g i e»« , b e «M ch fhtSbtmi »o geben. Damit schließt die AuSsprachr. Wg. Scheidenumn (Soz.): Bei späterer Gelegenheit werde ich zu den meine Person betreff«ü>en AnSfu h r nngen btt Abgz Baff ermann und Graf Westarp Stellung nehme » . Damit ist die erst« L«s»a, beendet. Nächste Sitzung: Donnerstag tt Uhr Anette Lchu»g. Boe- her Antrag zum Kriegssteuergesetz. Schluß gegen 10 Uhr. . rSigAliX ßugde H Co. Giessen, Sefterswcg 5 2 Stockschirme - Spazierstöcke Schirme mit Silber-, FJfonbeln- and Horn-Griffen bis znra billigsten. [8590D] Pnppenschlrme. Wir bieten nach wie vor eine konkurrenzlose Auswahl noch ohne Bezugsscheine itafacto äll&f ifi tt» BrübTsob« IMiv. - DrabtreJ Die Verordnung betrüb« schreibt vor, daß jed« Hau»- haltungsvorsiand sich in eineiBestell-Liste eintragen mutz. _ Die Mitglieder des Konsumvereins sind gedaltev, Ach in die Bettell-Liste deS Vereins einzntragen. Je mehr Mitglieder sich beim Bmtn eintragen, desto größere Mengen Waren bekommt ber Verein zu- geteilt. 8619 Jed« wühle die Verteilungsstelle, in der er hauvt sächuch etnkauft. Im (8615V Oarmstädter Pädagogium bestanden seit Ostern cL J.: 7 Abiturienten, 4 Primaner, 2 F&hnriche, 1 23 Binjfthrife und4 für andere Klassen; seit Kneersbegmn bestanden 97 Schüler ibre Prüfungen. Prospekte durch den Leiter M. Ellas. Damenfrisieren Shampoonieren — Kopfwaschen — mit neuestem W armhxftflfcrom-Trocken Apparat Frau Bernh. Dosch Neoen Bägc 12, Ecke Weidenfftisse Dämon- Frisiersalon separat Ankauf rtm Wirrh&ar. Z igaretten direkt von derFabrik 190 Zlfmrett. 100 100 100 100 OrlalBaipreiita •tt. »«lur.W U 41.49 3 „2.00 3 ii 3.36 4,2 „2.00 6*2 „ 4.20 •hat jeden Zuschlag f. neue S teuer- tl Zolle rh ö hu ng »rima Qualitäten b.200.->Lp.Miiie KÖLN, Ehronstrasse 34. _Telefon A 9068. p ro D €tl6ht"PastUlen -Watte Otia BeHaaT.