Nr. 504 Zweiter Statt Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Beilagen: „Gietzener Zamsiienblatter" und „KrcisMatt für den Kreis Gietzen". Postscheckkonto: Zranksnrt am Main Nr. N686. Vankverkehr: Gewerbebank Gietzen. M. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhejjen Donnerstag, 2?. Dezember Mb Zwillingsrund.nucl und Benag: Brüht'jcheUuwerulälS-Buch-n.St iudr. ckereu R. Lauge, Gietzen. Zchriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulst, aue 7. eschäf ^, leite u. Vertag: ch - sicht der B e st ä n d e und chrs Ajussuchen aller vorhandener schadhafter in D kranker Kartoffeln. Beionders den Stadtverwaltungen, die oftmals bedeutende Kartoffelmengen unter uirgünstigen Verhältnissen aufzubewahren gezwungen sind, kann .nur immer wieder auf das dringlichste nichegelegt werden, ihre Bestände in regelmäßigen Zeitbestänoen sorgfältig prüfen zu lassen. Die aus sortierten (angefrorenen und angefaulten) Kartoffeln sind keineswegs wertlos. Grundsätzlich, falsch ist insbesondere die Ansicht, daß sich angesaulte Kartoffeln nur verfüttern lassen. Es ist eine zwingende Notwendigkeit, weiteste Kreise darüber zu unterrichten, daß derartige für menschliche Ernährung nicht mehr verwendbare Kartoffeln sehr «gut durch Trocknen konserviert werden können. Es ist leider viel zu wenig bekannt, daß sich, selbst aus stark angefaultcn Kartoffeln noch vorzügliche, in jeder Beziehung einwandfreie Kartoffel- flvcken lherstellen lassen, die sowohl als Brotstreckungsmaterial als auch zu Futterzioecken Verwendung finden können. Tie kranke und angesaulte Substanz der Kartoffel wird bei der Verarbeitung ausgewaschen Und nur die noch vorhandenen gesunden Teile der Knollen werden getrocknet. Das auf diese Weise gewonnene Produkt ist demjenigen aus gefunden Kartoffeln hergestellten Fabrikat voll- st mdig gl eickwertig. Es ist von reiner «weißer Farbe, von vortrefflichem Geruch und Geschmack und von unbegrenzter Haltbarkeit. Um nun die gefährdeten Kartoffeln vor dem völligen Verderben zu schützen, so wird dringend empfohlen, diese restlos schnellstens den Kar- toffeltrockenereieNzuzuführen. Ta die Fabriken jedoch «nur größere Mengen verarbeiten können, so empfiehlt es sich, seitens der größeren Gemeinden —\ Stadtverwaltungen — Sammel- stcktlen dieser schlecht haltbaren Kartoffeln einzurichten, die die Kartoffeln an leistungsfähige .Trocknercien werterzugeben haben. Die so erzeugte Trockemvare kann den Lieferanten mit Genehmi- gmrg der „Teka, Berlin", zurückgegeben werden. Die Trocknungskosten sind verhältnismäßig gering Und machen sich in allen Fällen bezahlt. Außerdem werden dem Vaterlands wertvolle Nährstoffe erhalten, die sonst ohne tveiteres verderben würden. Es ist daher Pflicht eines jeden einzelnen, welcher angefrorene oder angesaulte Kartoffeln in Gewahrsam hat, dieselben zunächst den Gemeinden bezw. Stadtverwaltungen zur Verfügung zu stellen, damit diese ihrerseits wieder die Weitergabe an die Trocknereien veranlassen. * *• Amtliche Personalnachrichten. Der Großherzog hat dem Oberhosmeitzer der Grotzherzogin. Kammerherrn Dr. Hugo Frhr. von L e o n h a r d i zu Darmstadt, das Hos- dienst-Ehrenzeichen für 25 Dienstjahre in Gold verliehen. - Der Groß Herzog hat dem Oberbriesträger Philipp Sei pp el in Reichelsheim lOdenw.) das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. ** Auszeichnungen. Musketier Leonhard Müller aus Gießen, Schallmetztruppe 56, früher Jni.-Rcft. 222, 4. Komp., erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. — Seeioldat Heinrich Lather vom Marine-Fnf.-Rgt. 8 erhielt wegen lächeren Verhaltens vor dem Feinde die Hessische Tacherkeitsmedcnlle. ** V o ni Reichs-Kursbuch erscheint Anfang Februar eine neue Ausgabe zum Preise von 2 Mk. 50 Pig. Bestellungen nehmen sämtliche Postanstalten und Buchhandlungen entgegen. ! Der Postbezug für mehrere aufeinanderfolgende Ausgaben ist zur Zeit al,sgehoben. ** Hessen ant Törzburger Paß. Wir erhalten eine Zuschrift aus dem Felde, die auf eine Notiz in unserem Blatte vom 20. November Bezug nimmt. Die Zuschrift macht dazu folgende näheren Angaben: Das 3. Bataillon unseres Res.-Jnf.-Regiments unter Führung des Herrn Hauptmanns Wehr heim, in dessen Verbände viele von Gießen und Umgegend stehen, beteiligte sich an diesen Kämpfen mit großem Erfolge. Besonders zeichnete sich hierbei die 9. Komp, unter Herrn Leutnant Petri (eines geborenen Gießeners) aus und fand dafür lt. Divisionsbefehl die volle Anerkennung des Divisionskommandeurs. Der 9. Kompagnie war es gelungen, dem Feinde in den Rücken zu fallen, 7 Offiziere, 570 Mann zu Gefangenen zu machen, 6 leichte Geschütze, ein Gebirgsgeschütz, 4 Maschinengewehre, 1 Tragtierkolonne, viel Vieh, Geräte und Ausrüstungsstücke zu erbeuten. Für diese schöne Waffentat erhielt Leutnant Schröder das Eiserne Kreuz 1. Klasse. Leutnant Petri wurde schon vor längerer Zeit mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Bon Angehörigen der Kompagnie erhielten ferner das Eiserne .Kreuz 2. Klasse: Unteroffizier Schreiber aus Rödgen bei Gießen, Unteroffizier Loh mann, Gefr. Börstel, die Musketiere Frese, H ah ne lt, Hilger, Licht, Arn- hold, Schwane deck, Reichert und die Krankenwärter Heck und Arnold. Am 7. Dezember hatte die Reserve- Division abermals einen schönen Erfolg; sie erbeutete allein an diesem Tage 12 Geschütze und ungezählte Bagage und machte 1 Stabsoffizier, 6 Offiziere uno 1950 Mann zu Gefangenen. ** Kartoffeln. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des'Herrn Oberbürgermeisters im heutigen Blatte, aus der die vom 1. Januar ab geltenden Bestimmungen zu ersehen sind. Danach sind durch den Reichskanzler die Höchstsätze für Verbraucher für den Kopf und Tag auf 3/4 Pfund Kartoffeln uird für Kartoffelerzeuger für die Zeit vom 1. Januar bis 28. Februar 1917 auf 1 Pfund nnd vom 1. März bis 20. Juli 1917 auf Pfund Kartoffeln seiner eigenen Ernte für den Kopf und Tag festgesetzt. Um einen Ueberblick über den Stand der Kcrrtoffelversorgung zu gewinnen, war es erforderlich, die Kartoffel bezngs- scheine, die bis 1. Januar noch nicht vollständig mit Kartoffeln beliefert sind, außer Wirksamkeit zu setzen. Gegen Ablieferung der Bezugsscheine werden von dem städtischen Lebensmittelamt Kartoffelmarken in entsprechender Höhe ausgegeben. Vom 1. Januar werden daher von den Kartoffelhändlern der Stadt Gießen Kartoffeln nur noch gegen Kartosfelmarken, die künftig nur noch 51/4 Pfund gelten, abgegeben. Wer mehr Kartoffeln besitzt, wie ihm nach diesen Bestimmungen zustehen, ist zur Aufbewahrung und pfleglichen Behandlung der Mehrmengen verpflichtet. ** Die Vers orgung der Kranken mit Zn satznah rungsmittel n. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Herrn Oberbürgermeisters ifm heutigen Blatte, in der im Anschluß an die Bekanntmachung vom 1. 12. 1916 folgendes bekanntgegeben wird. In Fällen, in denen die Prüfungsstelle dem Anträge eines Arztes auf Bewilligung von Zusatz-Lebensmitteln nicht oder nur teilweise entsprochen hat, findet auf schriftlichen, besonders begründeten Antrag dieses Arztes eine erneute Prüfung des Antrags auf Bewilligung von Zusatz-Lebensmitteln durch die Prüfungsstelle statt.^Die Entscheidung wird dem Arzte schriftlich mitgeteilt. Es wird darauf hingewiesen, daß künftig das Recht der Beschwerde gegen Entscheidungen der Prüsungs- ftelle nicht mehr dem Kranken selbst, sondern seinem Arzte, der den Antrag gestellt hat, zusteht. Slarkenburg und Rhemhessen. O Mainz, 27. Dez. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurden den Beamten, die ein Gehalt bis über 6050 Mark haben, eine Teuerungszulage von einem Monatsgehalt, während den Beamten, Lehrern und Arbeitern eine laufende Teuernngs- zulage von b pCt. ihres Iahr eseinkom'mens und ein weiteres Prozent für jedes Kind bewilligt wurde. Tie Vorlage tat rückwirkende Kraft vom 1. Dezember. — Durch die hohen Kohlenpreise entstehen beim Gas- und Elektrizitätswerk Mehrkosten von 4—500 000 Mark. Nach einer Vorlage der Bürgermeisterei soll vom 1. Januar ab der Gas preis um 3 Pfg. pro Kubikmeter und 2 Psg. bei den Gasautomaten, bei dem elektrischen Strom uni 5 Pftz. pro Kilowattstunde erhöht werden. Die Sozialdemokraten sprachen gegen die Vorlage, sie wollen den Mehrbetrag durch Erhöhung der Umlagen bestritten sehen. Nach längerer Debatte wurde mit großer Mehrheit die Erhöhung des Gas- und Strompreises in der vorgeschlagenen Weise genehmigt. Die Sozialdemo kracen stimmten dagegen. — Für die Aufstellung eines Gasbehälters in Rüsselsheim wurden 46 000 Mark bewilligt. Hessen-Nassau. = Frankfurt a. M., 27. Dez. An den Kriegsspeisungen in den lKriegsküchen beteiligten sich im Monat November etwa 14 Prozent der Gesamtbe'oölkerung. Die Beteiligung der Kriegerfrauen ist um 3 Prozent auf 59 Prozent gestiegen. An den Kmderspeisungen nehmen jetzt täglich 8000 Kinder teil. Die Gesamtzahl der abgegebenen Portionen in sämtlichen Küchen betrug 391 727 oder täglich 15 669. Dazu kommen täglich 15 000 Gäste, die die Wohlfahrtsgesellschaft speist, nnd mehrere tausend Portionen im Nationalen Frauendienst, den Schulhorten usw«. Insgesamt beträgt Die Zahl der täglichen Mittagsportionen 35 000. Der Preis einer Portion stellte sich im November auf 38 Pfg. Die Kriegssürsorge beteiligte sich mit einem Zuschuß von 54 981 Mk., gegen den Vormonat eine erhebliche Steigerung. Die Güte der Speisen litt erheblich untev dem Kartoffelmangel.__ vermischte». * Ein Jahr mit 15 Monaten oder 445 Tagten. Vor der Einführung des Julianischen Kalenders durch Julius Cäsar war in Rom eine große Unsicherheit im Kalenderwesst ein gerissen. Infolge der weniger bestimmten Zeitberechnung sielen die «einzelnen Monate beinahe um ein Vierteljahr zu früh, so Ärß römische Schriftsteller klagten, die Ernte falle längst nicht mehr in den Sommer nnd die Weinlese nicht in den Herbst. Als nun Cäsar in seiner Eigenschaft als Pontifex Maximus im Jahre 708. -nach Gründung Roms oder im Jahre 46 vor Christi Geburt daran csing, den Kalender zu verbessern, mußte er vor allem darauf bedacht sein, die Zeitspanne auszngleichen, die die Monate im Kalender gegenüber den Jahreszeiten vorausgeeilt waren. Das erreichte Julius« Cäsar dadurch, daß er gewissermaßen drei Schaltnronate einlegte. So >entstand ein Jahr mit 15 Monaten und 445 Tagen, dem man die .Bezeichnung „das letzte Jahr der Verwirrung" beigelegt hat. Wenn später auch der Jnlianische Kalender in den meisten Ländern durch« den Gregorianischen abgelöst worden ist, so bedeutete das Jahr mit den 445 Tagen doch« den Anfang einer wesentlich besseren Kalendereinteilung. * Tim es-An zeigen. Junge Frau, 'mit den besten seelischen .Eigenschaften begabt, mit strahlender Laune, würde sich freuen, einen verwundeten Ossizier auszuheitern. — Dame aus guter Gesellschaft, die sich vorzüglich aus die Behandlung von Pferden versteht und aucb Hunde zu pflegen weiß, sucht entsprechende Stellung in dem Stall eines Jagdbesitzers. — Junge Offiziersfrau, deren! größter Wunsch nach dem Kauf einer entzückenden, mit chinesischen Mandarinenmustern gestickten Jacke geht, hofft aus diesem Wege von großherzigen Leuten Beihilfe zur Erfüllung dieses Wunsches zu erhalten. Lin herodesspiel in Sad-Nauheim. Niklas, Knecht Ruprecht, Weihnachtsmann, Christkind, die heiligen drei Könige, wie vertraut sind diese alten heiligen Gestalten unserer Phantasie seit den ersten Kindheitstagen. Und daß sie ko sehr mit unserem ganzen Geistes- und Gemütsleben verwuchsen, erklärt sich ja außerdem daraus, daß in ihnen jahthundert- nnd jahrtausendlange religiöse Volks Überlieferung lebendig blieb. Sogar aus dem uralten Hcidenglauben unserer Vorfahren sind die FcL»en in die christliche Lehre herübergesponnen und eingelvoben worden. Kein Münder, daß beim Klange solcher Namen die innersten Snten des MenschenHerzens mit allen Ober- und Unter- tönen anklingen. Die mittelalterlichen Passionsspiele Machten die heiligen Gestalte . beim feiertäglichen Gottesdienst auch den Augen der gläubigen Gemeinde sichtbar. Daraus erwuchs dann wohl die Freude am Schauspiel überhaupt. Und so ergriff die lateinische Vagantenpoesie ebenso wie das deutsche Volksspiel die gleichen Stoffe, um sie für ihre Zwecke zu gestalten. Die Jugend treibt ja heute noch gern allerlei Mummenschanz am Mklas-, drei Königs- oder Ostertag. Und hierin lebt itod) mancher Rest jener mittelalterlichen Spiele fort. So schÜdert auch Gustav Frey tag in den „Brüdern vom deutschen Hause" ein derartiges Spiel auf Gruno seiner eigenen Jugendeindrücke. Jnzivi- schen ist die Wipenschafr tiefer in den Gegenstand ein gedrungen. 1853 erschien Karl Weinholds „Weibnachts,piele und -lieder ans Süddeutschland und Schlesien" und darauf baute eine ununterbrochene weitere Forschung ans. 1901 stellte Friedrich Vogt in seinem Buch „Die schlesischen Weihnachtsspiele" «Verlag Teub- ner) eine ganze Anzahl jener alten Spiele wieder her, so gut es aus den Bruchstücken der Bolksüberlieferung ging. Ten Liedern gab er auch nach Möglichkeit alte echte Melodien mit. Und so entstanden ausführbare Spiele, die man sehr wohl als getreues Bild jener mittelalterlichen Darstellungen aus dem! 11. bis 16. Jahr- huichert wird gelten lassen können. Friedrich Vogt wollte damft, lvie er in der Vorrede auseinan- dersetzt, nicht nur der Wissenschaft, sondern auch den, Leben! dienen. Und in jder Tat sind seine Spiele schon mancherorts uneder versucht worden. So wollts denn auch der Bad-Nauheimer Wandervogel einmal mit chnen wagen. Nnd er hat damit den besten Erfolg gehabt. Das könnte wohl zur Fortsetzung ähnlicher ZZersuche ermuntern. Es wurde „Das schlesische Herodessp iel" aus dem 4. Kapitel des genannten Buches von Bogt gewählt, weil seine Rollenverteilung den Mitgliedern der Wcmdervogelgruppe am besten lag. Die Kostümfrage lourde mit den einfachsten Nditteln gelöst. Die lieiligen orei Könige hingen sich ein paar große Tücher um linb banden kleinere als Turbane um den Kopf, der Engel fam mit ein paar Weihnachtssilbcrslittern im Haar und auf dem weißen Kleidchen Und trug den Stern aus Goldpapier, Herodes hatte Krone imd Szepter aus Papier und im übrigen ebenso wie seine ' zwei Diener ein tuimt* Wams an gezogen. Der Kaftan für'deck Gelehrken (es mußte jealr uü voryeschriebenen 2 genügen'i war auch nicht schwer herzustellen. Joses trug den blauen Bauern- kittel Und Maria ein weißes Kopftuch. Das Christkind in der Krippe wurde durch eine Puppe dargestellt. Der Tod zum Schluß kam in einem schwarzen Cape mit einem schwarzen Tuch vor dam Gesicht. Gerade so einfach gings mit den Kulissen. Zwei spanische Wände standen als Hintergrund nebeneinander. Davor bauten die Diener des Herodes den „Dhron" aliifl, d. h. sie schoben den) alten roten Sessel hin, der den Thron nmrkierte. Da konnte dei< König denn stolz seine Betrachtungen anstellen über seine Herrfcher- macht Und -große, bis ihn ein Knall erschreckt. Nun will ev wissen, was das gewesen sei, und schickt seine Diener in Waffen und Wehr: „Bringt mir sogleich diesen Knall daher!" Das ist die Einleitung zum Auftreteu der drei Könige. Mit ihren Lauten begleitend sftigen sie zur Begrüßung: „Wir treten daher ohn' allen Spott, Ein schön' guten Abend den geb euch Gott. Wir i"inb gezogen in großer Eil In 13 Taigen vierhundert Meil'." Der eine bezeugt durch lein berußtes Gesicht seine Herkunft aus dem Mohrenlande. Die Schuld an seiner Schwaige aber gibt er in harmlosem Spaß seiner Kindermagd: „Hätt' sie mich gewaschen mit einem Schwamm, War' ich weiß wie ein Lamm. Sie aber h«at mich gewaschen mit einem Lappen, Trum bin ich jetzt schwarz wie ein Rappen." Der Schriftgelehrte wiro jetzt trotz seiner Angst vor den König geholt undl entdeckt in seinem dicken Schweinslederband die Prophezeiung von Bethlehem. Der Engel singt, während die Könige feierlich abziehen, von dem heiligen Ereignis: „Wohl zwischen zlvei Bergen da wehet ein Wind, Da wieget Maria ihr liebes Kind, Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen Hand, Ein Engel reicht ihr das Wiegenband." Nun muH zum 2. Akt der Thron des Herodes beisefte gestellt werden. Der Engel, diesmal mit dem Stern, führt die Könige dann wieder herein, die zwei spanischen Wände tverden etwas nach links und rechts auseinandergerückt und so sieht man in der Mitte drü Krippe aufgebaut. Davor, links und rechts knieend, singen die Könige ihr Lied: „Wir, komjmen, 0 König, als deine Vasallen, Wir haben das Leben von dir. Nach deiner Verordnung, nach deinem Gefallen Erzeigen wir unser Gebühr. Gott und> Mensch zugleich. Dein ist unser Reich, Die Schuldigkeit legen wir ab." Und dmit legen sie ihre Gaben nieder. Der Engel aber warnt jetzt sie und das heilige Elterupaar vor dem bösen Herodes. Zum 3. Akt werden die spanischen Wände nneder znsammen- geschoben und der Thron des Herodes davorgestellt. Nun läßt der Tyrann den Blutbefehl gegen die unschuldigen Kindlein ra Bethlehem ergehen, der aber selbst bei dem einen der Diener aus entrüsteten Widerstand stößt. Tann kommen die Gewissensgualen über box König, dem der schuldlose ai?me Schäfer Thomas als moralisches Gegenbeispiel gegenüber gestellt wird. Jin Traum kündigt der Engel das Strafgericht an: Herodes, Herodes, was hast du getan. Daß du unschuldiger Kindlein so viel hast morden lau. Gott der wird dich strafen mit Durst und Hnngersvein. Herodes, Herodes, verloren mußt du sein." Zum Schluß erscheint dann der Tod, um das Strafgericht vollziehn: „Ich bin der Held der ganzen Welt, Streite nicht für Gut noch Geld, Sondern nach Gerechtigkeit. Zu dieser bin bereft ich allezeft. Ich komme vor deinen Königsthron, Ich bin geschickt von Gottes Sohn. Betracht mich recht, ich bin der Tod." Vergebens sträubt sich Herodes in Höllenangst: „Nun ist die Stunde da. Der Tod er klopfet an. Den Pfeil schon setzt er an. Pfeil in das Herz hinein! Fort mir dir in die Hölleupein! Und zur größten Befriedigung des empörten Gerechtigkeitsgefühls führt so der schwarze Tod den gekrönten Kindermörder der ewigen Qual zu. Schon der kurze Umriß zeigt, wieviel Vollsttivftiches in so einem Stück lebendig ist. Auch die „unausgeglichene Mischung von Scherz und Ernst" gehört dazu. Die Vertrautheit mit dem Stoff und dazu seine religiöse Bedeutung erleichtern der Phantasie des Zuschauers die künstleriiche Illusion. Eben deshalb kommt man hier mit so bescheidenen äußeren Mitteln aus. Das Sinnbildliche, das ja das Wesen aller Kunst ausmacht, kommt zu seinem vollsten Recht. Dementsprecheno war die Wirkung der beiden Aufführungen, der einen vor den Eltern und.Freunden der Bad-Nauheimeü Wandervögel, der andern bei der Weihnachtsfeier in dem als Lazarett «dienenden „Europäischen Hof". Heiteres Lachen und ernste Rührung ging unmittelbar von der kleinen Darstellung aus. Dem historisch gebildeten Zusck)auer aber kam noch die Freude an der Wiederbelebung lang vergangener alter Zeiten hinzu. Und gerade weil wir Deutsche mehr als alle andern Nationen an sv schweren Unterbrechungen unsrer eigenen Kulturentwicklung durch ftemde Verschüttungen leiden mußten, erscheint es wohl dankenswert, derarttge abgerissene, von Pietäts- wie Gegenwartswerten erfüllte Zusammenhänge wiÄrerherzu stellen. Die allerreinste Freude aber iverden die Spieler selber gehabt haben, denen gewiß die vvlksliedähnlichen Singweisen des alten ftommen Spiels noch lange in Ohr und Herz nach klingen werden. Prof. vr. Reinhard Strecker. i2 Visit (6I2H2) für Kinder <^2.50 12 Cabinet, M ■ 4Sonn:.- 2 s von 10 Uhr vorm an peöftnot. Au,nahmen bei Dunkelheit mit s elektrischem Lieh 30 cm breit 36 cm hoch (einschliesslich Karton) f. d. Feiertage, sowie f. Kranke u. Genesende, kauft man am vorteilhaftesten in der Span. Weinhandlmrg v. A. Espada ' Ecke Wolkengaffe. - Liköre ulte Sorten. ----• 1 — Bahrrbosftrane. Zrerwzllige Versteigerung. Samstag versteigere um 2 Uhr wegen Ausgabe: 1 schwere Fahrkuh, 1 Gespann Bogelsb. 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Januar läßt Heinric Kaus Y Witwe zu Lumda 918 8 Stück Rindvieh, darunter 2 Fahrochsen, und 2 Läuserschweine gegei Barzahlung von 10 Uhr vormittags an versteigern K srrtoffelverbrauchsregelung. Aus Grund der Bekanntmachung des Reichskanzlers über Kartoffeln vom 1. Dezember 1916 wird folgendes begannt gegeben: L Vom 1. Januar bis 20. Juli 1917 dürfen höchstens a U Pfund Kartoffeln auf den Tag und Kopf verbraucht werden. II. Schwerarbeiter können vom 1. Januar 1917 ab eine tägliche Zulage bis VU Pfund Kartoffeln erhalten. III. Kanoffelerzeuger dürfen vom 1. Januar bis 28. Februar 1917 höchstens 1 Pfund und vom 1. März bis 20. Juli 1017 höchstens l‘/ 2 Pfund Kartoffeln ihrer Ernte für sich und jeden Angehörigen ihrer Wirtschaft ver» brauchen. IV. Vom 1. Januar 1017 ab werden von den Kartoffel- Händlern der Stadt Gienen Kartoffeln aus Bezugsscheine nicht mehr abgegeben. Die noch nicht voll belieferten Kartosfelbezugsscheine sind der., srädliicheu Lebensmittelamt (Zimmer Nr. .12» zurückzugeben, gegen Rückgabe der Bezugsscheine werden für die noch zustehende Kartoffelmenge Kartoffelmarken ausgegeben. V. Soweit in einer Haushaltung am 1. Januar 1917 aröftere Mengen an Kartoffeln aus den Kopf der Haus- hattungsmitgiieder vorhanden sind, als nach den vor- ehend angegebenen Höchstverbrauchsmengen zuständig sind, sind die Mehrmengen zugunsten der Stadt Gtehen beschlagnahmt,- die Kartoffeln sind bis zur Regelung der 'Abholung pfleglich zu behandeln. 191698 Giehen, den 24. Dezember 1916. Der Oberbürgermeister. Keller. BekrwKtmachnng über die Versorgung der Kranken mit Zufatznahrungs- mitteln. Im Anschlag an die Bekanntmachung vom 1. Dezember 1916 wird folgendes bekannt gegeben. I. In Fällen, in denen die Prüfungsstelle dem Anträge eines Arztes auf Bewilligung von Zufak°LehenSmitteln»> nicht oder nur teilweise entsprochen hat, findet aus jchrift- lichen, besonders begründeten Antrag dieses Arztes eine erneute Prüfung des Antrags ans Bewilligung von Zu» fav-Lebenslut teln durch die Prüfungsstelle statt. II. Dtö Entscheidung wird dem Arzt schriftlich mit- geteilt. 19168B Giehen, den 28. Dezember 1916. Der Oberbürgermeister. Keller. Städtischer Eierverkauf. Freitag, den 29. Dezember 1916. Brotkartenbezirk VII Eierhandlung (Steinreich, vorm. n VIII MolteretGrieb,Blsmarckstr.,vornl. „ IX Moi> ereiGrieb-Schanzenstr,vorm. „ X Molkerei Grieb, Blockstraße, vorne „ XI Eierhandlung Steinretck), vorm. „ XII Eierhandlung Steinreich. nachm. „ I sNolkereiGrieb,Schanzenflr nachm. „ II Eierhandluna Steinreich, nachm. Die Abgabebedingungen sind die gleichen wie seither. Giehen, den 23. Dezember 1916. 91808 Ter Oberbürgermeister. Keller. Städtischer Butterverkauf. D^t städtischen Verkaufsstellen (Molkerei Gebr. Griebs sind am 1. Januar 1917 geschloffen. Die Bezugsberechtigten der Brotkartenbezirke !. II und III werden deshalb die ihnen zustehcnüe Butter Dienstag, den 2. Januar 1917 erhalten. 191816 Giehen, den 37. Dezember 1916. Ter Oberbürgermeister. Keller. itoteri iv j®aer gewünscht®« Ausstattung stilrein u.preiswesi ste Brätt’seho «Jaiv.-Oraakenai