Nr. 303 Zweites Blatt Erscheint täglich mit AuLnahine des Sonntags. Beilagen: „Slehener ^annlienblätter" und ,,Krcisblctt für den Kreis Gießen". postscheütonto: Zrankfutt am Main Nr. N686. Bankvertehr: Gewerbebank Siegen. föb. Jahrgang General-Anzeiger für Gberhejj Mittwoch, 27. Dezember Mb Zwillingsrundbnlck und Verlas: Brüh 1 'scheUnwerörät§-Buch-»r.St:indr ckerei. R. Lang e, Gießen. Schrlstleitung. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulst raps 7. Geschäftsstelle u. Verla g: «LE bl, Schriftleilung: 112. Anschrift für DrahtgachrichtenrAnzeigerGiegen. Die Keiferin an die deutschen §raucn. m l fT cm 2 ?' Zum dritten Male begeht das deutsche Bott Wcchuachteu unter dem Donner der Geschütze. An Wm aa; an dein es fiefj beit Lieben im Felde besonders engl bermmden suhlt mid die Trennung von ihnen noch schmerzlicher empfindet al^, sonst, ist cs Mir Herzensbedürftris ben deutschen frrouen einen Gruß zu senden. Tausende von ihnen vflegen seit Krregsbsginn im Felde oder Lazaretten der öcint-at. Mit nie versagender Hingabe ermllert sie ihre schwere Ausgabe in dem stolzen Bewußtsein, chreir verwnuheten Brüdern Linderung ihrer Leiden, .den Sterbenden-Trost und Erquickung bringen zu dürfen. ^lunintet steigendem Maße must auf die Mitarbeit der Frauen in der Heimat zurückgegriffen werden, um die Absicht der Feinde, durch, EutsaKiestung und Hunger zu erreichen, was ihr Schwert twuT-ocy Heldenmutes unserer Brüder und Sohne nicht vermag, zu durchLreuzeu. .^n immer steigender Zahl sind Frauen unermüdlich tattg, die Ivirtschaftliche und soziale Not - der Bevölkerung zu luideru, tu Industrie und Landwirtschaft in schwerer Arbeit die Männer zu ersetzen. Sie alle sind des Dankes des Vaterlandes geivttz, nicht minder alle die, die in stillem Heldenmut ihren Kindern in 9eot und Entbehrung durchs fürsorgende Liebe auch den Vater ersetzen müssen. Ihrer aller, die^ ob hoch oder niedrig, ob arm oder reich, dem Vaterlande dienen, gilt an dem Tage, an dem Trauer um die Heimgegangenen, Sorge um' die Kämpfenden unzähligen Frauen die Weihnack tssr eude trübt und die Herzen ernst macht, Mein Heister wank und von Herzen kommendes Mitempfinden. Deutschland ist unbezwingbar, wenn es einig ist urld jeder Ttad'i seinen Kräften und Fähigkeiten sein Bestes dem Vatcr- landc opfert. Deutschlands Frauen werden in stillem Heldenmut nicht hinter den Männern zurückstehen. Gott gebe ihnen Kraft ünd st üble ihre'Herzen, bis unsere Feinde einsehen, das; alle ihre Hoffnungen an der unbeugsamen Entschlossenheit und Vaterlandsliebe des ganzen deutschen Volkes zuschanden werden. Ich beauftrage Sie, diesen Erlast in der Heimat und bei der freiwilligen Krankenpflege im Felde zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. N e u eIs Palais, den 24. Dezember 1916. . gez. Auguste Vickoria. An den Kaiserlichen Kommissar und Militär-Inspekteur der freiwilligen Krankenpflege. Neue Mahnahmen der Nerchsbekleidungzstelle. Die in. letzter Zeit beobachtete übermästige Versorgung des Publikums mit Schuhwaren l)at den Bundesrat veranlaßt, auch die Schuhwaren der Regelung durch die Reichsbekleidungsstelle zu unterstellen. Dies ist durch eine Verordnung betteffend Aenderung der Bekanntmachung vom 10. Juni 1916 über die Regelung des Verkehrs mit Web-, Wirk- und Strickwaren für die bürgerliche Bevölkerung geschehen, die die Schühcharen aus Leder, Web-, Wirk- oder ^trickwaren, Filz oder filzartigen Stoffen der Bezugsscheinpflicht unterwirft. Für bestimmte Luxusschuhwaren, deren Neu- anierttgung nur noch in sehr beschränktem Umfange möglich ist, ist eine ähnliche Regelung wie für die hochwertigen Kleidungsstücke vorgesehen: gegen Abgabe eines Paares gettagener gebrauchssäW- gcr Schuhe oder Stiefel mit Lederunterbodcn wird eine Abgabebescheinigung erteilt, die zur Erlangung eines Bezugsscheines auf ein Paar Luxusschuhe ohne Prüfung der Notwendigkeit der Aw schafffmg berechttgt, jedoch nur auf 2 Paar bis Ende 1917. Die Schuhreparatur ist nicht bezugsscheinpflichtig. Ferner sind folgende neue Bestimmungen wichtig: Tic Bewirtschaftung oer g etrag enen Kleidungs- und Wäschest ü ck e und der g e tra g en en S ch u h waren wird den K o m m u n a l v e ffb ä n d e n übertragen, die das Ein- und Verkaufsmonopol für diese Gegenstände erhalten. Niemand darf mehr an andere als cm behördlich zugelassene Stetten getragene Kleidnngs- und Wäschestücke und getragene Schubwaren entgeltlich veräußern: der gewerbsmäßige Erwerb solcher Gegenstände ist nur noch solchen Stellen erlaubt. Für den Althandel sind Uebergaugs- bcstimmungen vorgesehen. Den behördlichen Annahmestellen ist gleichzeitig die Ausstellung von Abgabebescheinigungen zur Erlangung von Bezugsscheinen für hochwerttge Kleidung oder Luxus- Schuhwareu überttagen. Während bisher nur der; Kleinhandel und die Maßschneiderei >der Bezugsscheinpflicht unterworfen waren, wird diese jetzt auf jede Ileberlassung zu Eigentum oder zur Benutzung erstreckt, wenn diese tt.ebcrlassnng durch einen Gewerbetreibenden mit Web-, Wirk- und Strickwaren oder Schuhwaren erfolgt. Demnach fallen jetzt auch die sogenannten Garderobe derlei hgeschäfte sowie die Schenkung seitens der Gewerbetteibendcn unter die Bezugsscheinpslicht. Nur bei W ä s ch e v e r l e i h g e s ch ä f t e n ist für ihren derzettigen Bestand eine Ausnahme gemacht; sie dürfen jedoch ihren Bestand nicht vermehren. Desgleichen ist allgemein jede Ileberlassung sonstiger Gegenstände für nicht mehr als 3 Tage bezugsschemfrei. Ferner ist das bereits früher von der Reichsbekleidungsstelle ausgesprochene Verbot, den Preis ganz oder tÄweise vor Empfang des abgestempelten Bezugsscheins zu fordern oder auzunehmen, wiederholt. Weiter wird vom 15. Januar 1917 ab die Vermittelung der Bezugsscheine durch die Geschäfte oder Wandergewerbetreibenden verboten ; nur das Auslegen der Bezugs) cheinvordrucke und deren Ausfüllung in den Geschäften kann von den Kommunalverbändcn weiter zugelassen werden. Endlich wird jeder Hinweis auf die Bezugsschein- Pflicht oder die Bezuasscheinoergebung zu Zwecken des Wettbewerbs in einer für die Oeffentlichkeit erkennbaren W!eise verboten^ Die Nr. 2 der regelmäßig erscheinenden Mitteilungen der Neichsbetteidungsstelle, die die Bundesratsoerordnung und die ausführlichen dazu erlassenen Bekanntmachungen des Reichskanzlers! und der Reichsbekleidungsstelle enthält, ist von der Preßabteilung der Neichsbetteidungsstelle, Berlin W. 56, Markgrafenstraße 42, gegen Voreinsendung von 30 Pfennigen zu beziehen. __ Aus Stadt unb €anb. Gießen, 27. Dezember 1916. **DieReinheitderdeutschenSprache. Der Weltkrieg hat neben anderen guten Wirkungen auch! das Gefühl für die Reinheit der deutschen Sprache geschärft. Eine vollständige Beseitigung aller Fremdwörter ist nicht möglich, da biele Ausdrücke teils uns Mangel an einer guten deutschen Wiedergabe, teils weil sie alt eingebürgert sind und sich mit ihnen bestimmte, durch deutsche Worte nicht ohne weiteres wiederzugebende Begriffe verbinden, schwer entbehrt werden können. Wie sehr aber die Reinigung der Sprache von Fremdwörtern möglich ist, hat unter anderem das Vorgehen der deutschien Eisenbahn-Verwaltungen erwiesen, die viele gute deutsch,e Ausdrücke an Stelle von Fremdwörtern eingeführt haben, die früher als unentbehrlich, galten. Viele neue deutsche Reichsgesetze geben ebenfalls von der Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Verdeutschung fremdsprachlicher Wörter erfreuliches Zeugnis. In jüngster Zeit hat der Reichstag beschlossen, die Verdeutsch,nng aller Fremdwörter im ReichShaushalts-Voran schlag durch- zusühren. Auch. Handel und Gewerbe sollten sich dieser Frage mehr wie bisher anuehmen. Ter Deutsche Sprach-Verein hat bereits nützliche Arbeit geleistet, indem er Verdeutschungsbücher für Handel und Gewerbe heraus gegeben hat, die von ihm und von allen Buchhandlungen zu beziehen sind. Besondere Beachtung verdienen die Aufschriften an Gasthöfen, Gastwirtschaften und Geschäften, sowie in Schaufenstern, well sie fortgesetzt den Vorübergehenden und den Besuchern in die Augen fallen und dadurch, den Gebrauch der betreffenden fremden Worte zu einem dauernden Hebel machen. Die hessischen Handelskammern haben dieser besonderen Seite der Frage ihre Aufmerksamkeit zugewendet, die meist vorkommenden solcher Worte in einem Hefte zusammengestellt und mit geeigneter Uebersetzung versehen. Es wird den Geschäftstveibenden dringend empfohlen, die 'gegebenen Anregung«: zu beherzigen. Wenn dies nicht ans einmal geschehen kann, so sollte jedenfalls nach und nach, d. h. bei Erneuerung der Aufschrift "n die Verdeutschung derselben durch- g esührt werden. ** Diebstahl. Am 21. Dezember wurde in hiesiger Stadt eine silberne Damenuhr mit Goldrand, andersicheinesilbernekleinglliederigeHals- kette mit Schieber befand, im Gesamtwerte von 40 Mk., entwendet. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen. Landkreis Gießen. ** Großen-Buseck, 26. Dezember. Der Großherzog hat das Ehrenzeichen für Kriegsfürsorge zu Weihnachten verliehen: an die.Helferin Fräulein Katharina Alt haus und Helferin Fräulein Bettchen Aff sowie an Frau Bertha Büchsla Ww., Frau Lehrer Reumann und Fräulein Katharine S d, ä 11e 1, sämtlichen für Verdienste um das hiesige Vereins-Lazarett. Kreis Büdingen. ^ AJ? r.t enber§, 26. Dez. Der Schutze und Kriegsfreiwillige Karl Pfeiffer, Sohn des hiesigen Briefträgers Pfeiffer, erhielt wegen besonderer Tapferkeit vor dem Feinde die .Hessische Tapfer- keitsmedaitte. — Wegen der segensreichen Tätigkeit des hiesigen, Zweigvereins vom Roten Kreuz und des evangelischen kirchlichen Frauenvereins aus atten Gebieten der Kriegsfürsorge wurde den beiden stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Tr. Hahn und semer Gemahlin Antonie Hahn, ferner den verdientesten Mitgliedern deÄ Arbeitsausschusses, Frqu Emilie D a h m e r , Katharina S t reif- her und Emma Weiß von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog zu Weihnachten das Kriegsehrenzeichen bezw. das Ehrenreichen für Kriegsfürsorge verliehen. Das Kriegsehrenzeichen erhielt eben-4 falls der Taglöhner Heinrich Eisenhnt von hier, der nun schon im dritten Kriegsjahr in selbstloser Weise sich unr beide Vereine, besonders um die Eiumachstelle verdient gemacht hat. — In den letzten Tagen traf bei der hohen Ehrcuvorsitzeuden unseres Frauen- vereins ein eigenhändiges, in den herzlichsten Worten des Dankes gehaltenes Schreiben der Großherzogin ein, in der die hohe Landes chrstin dem Verein für seine Tätigkeit in der Einmachstelle ihre ganz besondere Anerkennung ausgesprochen hat. Das Handschreiben wurde dem Verein für sein Archiv zur Verfügung gestellt. Krcis Friedberg. ** Fried berg, 27. Dez. Dcckoffizicr Georg Mahr ans Friedberg, Sohn des Großh. Krcisamtsgehilfen Mahr zu Friedberg, der auf S. M. S. „Schleswig-Holstein" die Seeschlacht am Skagerrak mitmachte, erhielt das (siserne Kreuz zweiter Klasse. -.-Butzbach, 26. Dez. Heute nachmittag 2 Uhr fand die CimveihUng des eisernen Kriegswahrzeichens der Stadt am Rathaus statt. Herr Dr. Bogt hieß im' Namen des Fürsorgeausschusses alle herzlich )villkommen, dankte für die zahlreiche .Teilnahme an dieser Feier. Alsdann hielt Hauptlehred Storch die Weiherede. Nach dieser wurde das eiserne Wahrzeichen'dem Vertreter der Stadt, Bürgernteister F l a ch s, übergeben, der es in beredten Worten dankend für die Stadt übernahm. Das zur Nagelung bestimnite Stadtwappen, das von Architekt L i v P e r t, Schlossermeister RuP 'pel und Schreinermeister Weigel hergestellt worden ist, wurde hierauf im Rathaussaale ausgestellt, wo die Nagelung begann, und zwar zunächst durch die Stadtvertretung, ften Ausschuß, die Ehrengäste und dann durch die Einwohnerschaft. Das Wahrzeichen ist dazu bestimmt, den Ausdrckck des Wlltens aller Butzbacher, in dieser großen, ernsten Zeit der Not des Vaterlandes für eS einzustehen, mit allen Kräften zu bekunden. Die festgesetzten Preise der Nägel sind: 1 goldener 5 Mark, 1 silberner 3 Maläk, 1 verzinkter 1 Mark, 1 eiserner 50 Pfg., 1 Kindernagel 20 Pfg. Der gesamte Bettag ist zum Besten der städtischen Kriegsfürsorge bestimmt. — R e i ch e l s h e i nr, 23 - Dez. Das „Odenwaldlieschen", die bekannte Kleinbahn zwischen Reinheim und Reichelsheim, fuhr Mittwoch früh von hier ab und ließ die zahlreichen Fahrgäste einfach hinter der Bahnsteigsperre stehen. In Bockenrod merkte es seine Verfehlung, dampfte spornstreichs wieder nach hier zurück, nahm die Gäste in Empfang und fuhr dann abermals vergnügt gen Norden. Kreis Wetzlar. ra. Von der oberen Salzböde, 22. Dez. Erfreulicherweise hält in den Gemeinden Kirchvers, WeiboldsHausen noch immer an der Schafzucht fest, während Reimershausen Rodenhausen, Seelbach und andere schon längst damit aufgeräumt haben. Auch, Gänse werden hier noch mit Erfolg gehalten, Gänsebraten ist Heuer sehr begehrt und wird hoch bezahlt. Es ist erfreulich wenn unsere Bauern nach wie vor an der Schaf- und Gänsezucht sesthalten, denn Wolle und Federn sind geschätzte Handelsartikel. Hessen-Nassau. — Kassel, 23. Dez. Mit der Ausführung des Baues ded städtischen Henschelbades betraute die Stadtverordnetensitzung Professor Karl Roth-Dresden, den Erbauer des hiesigen Rathauses. Zur Errichtung des Bades stellte Geheimrat Henschel insgesamt 1 600 000 Mk. zur Verfügung. - Die städtischen Körperschaften bewilligten sodann 302 625 Mk. zum Ankauf von Häusern. Diese sollen zur baukünstlerischen Ausgestaltung des Garde du Eorps-Platzcs abgerissen werden Für Teuerungszulagen an dte Lehrer und städtischen Beamten stellte man 83 690 Mk. zur Verfügling. --Hanau, 23. Dez. Mitglieder der Frankfurter Eisenbahn- direktimi, des Frmiksurter Magisttats und zahlreiche andere gela- ladcme Gäste besichtigten dieser Tage die Mainkaualisierung zwischen Aschaffenburg—Hanau—Rümpen heim mit den Stauanlagen Krotzenburg und den Welnbaustellen Kesselstadt und Mainkur. Hervorragendes Interesse beanspnlchten die gewaltigen Anlagen^ bei Krotzenburg mit dem Walzenwe'hr von 100 Metern freier Spannweite mtt Pfeilern, den Tampsschwenkkraueu. der Wasser- bewälttgung und der Grundwafferabsentting in die Baugrube. Während der Besichtigung teilte der füllende Ingenieur Wort- manu mit, daß durch den Einbau der Turbinenanlage ein Bindeglied zwischen der Edertalsperre und deren Krastversorgung geschaffen wurde. Gictzener StadStheatev» Robert und Bertram oder Dir lustigen Vagabunden. Posse mit Gesang und Tanz von Gustav Räder'. Unter der Spielleitung von Otto Conradi ging gestern abend das ewig junge und doch so alte Vagaüündenpaar Robert iu 7l b Bertram über die Bretter und fand, wie immer, vor voll besetztem Haus jubelnde Ausnahme. Ein gutes Sttick Vergangenheit liegt hinter dieser Posse. Um die Mitte des neunzehnten ^Jahrhunderts auS der Feder eines fruchtbaren PossenautorS entstanden, gehörte sie bald zuni eisernen Bestand der deutschen Bühne und l)at sich auch bis heute nicht aus der Reihe drängen lassen.. Noch 1907, in der Frübjahrssaisou, brachte das derßtsche Theater in Berlin eine 9teueinstudi'erung im Zeitkostüm,, die smrmische Begeisterung auslöste. Trotz alledem darf man heute ruhig sagen, daß die Posse „Robert und Bertram" aus den Aussterbeetat gesetzt >oei'- den darf, denn nicht mehr der Handlung scllfft. sondern den mehr oder minder glücklich oder geschmacklos gewählten Gesangsoiu- lagcn, welche die Sonderbefähigung einzelner Darsteller zeigen sollen, zollt mau Beifall, wie sich das ja gestern abend zur Genüge bewies. Der gegenwärtige^ Theaterbesucher, der die moderne, kompakte Form der Posse liebt, sieht im allen fast ausschließlich nur die um die §)auptperson — oder Personen herumgeslochtene Fassung, die ihm einen unterhaltenden Abend gibt, und verkennt den Kern. Eigentlich ist das ja recht schade, aber nicht zu ändern. So war es auch gestern abend. Das Publikum lachte, ergötzte sich in den Späßen und Witzen, erfreuten sich an den eingcstreuten Couplets, ohne sich darüber klar zu werden, daß der Mittelpuntt, das Landftreicherpaar, gar nicht so burlesk ist, trotz des bunt zappelnden Rahmens. Sei dem wie es sei, die Aufführung gefiel und es >Mrdc mit viel Lust und Liebe gespielt, )oenn auch das Tempo ruhig etwas weniger schleppend sein durfte. Die Titelrollen waren bei Karl Stein me per und Rudolf Go ll iu berufenen Händen, die der ganzen Vorstellung die ttagende Kraft gaben. Vielleicht könnte die allzu starke Betonung der lediglich komischen Seite etwas gemildert werden, denn zwei Gauner, die bei aller Verschlagenheit und Schlauheit es fertig bringen, sich auch in Gesellschaftskreisen zu halten — abgesehen von dem im Bild vorgeführten Parvenükreis des jüdffchen Bankiers — müssen zuni mindesten Menschen sein, die über eine gute Portion Geist verfügen, und sind als solche keine Zirkus-Clowns. E r n st D h e i - ling gab enien famosen Strcnubach, dem sich toürdig der Michel Her w tu e Wossidlos an die Seite stellte. Eine reizende, seiche Rö)el wär Fifi Bort, deren spmpathische Stimme in den Einlagen voll zur Geltung kam. Sehr gut in Maske, Sprache und.Haltung war Max Wesolowsky als Jpelmeper, dem der Nddiiche Jargon vortrefflich gelang. Zu erwähnen wären noch S» Hellmuth, Hans Werthmann, Ada Mahr, Max FalkSn, Luise Delosea, Elli Dorn- Hermann BaerMann, Hermann Stichel, E m i l Wa l d e n und Ku vt L erch , die in den tteineren Rollen zum Gelingen der Aufführung ihr Wesentliches beittugen. Wm. or ^ B ß' id c£ U c f im Schnakenloch" Aus Frankfurt a. M. schreibt man uns: Tie Uraufführung von Rene Lvchrckcles Drama „Hans im Schnakenloch" das eine Auseinandersetzung mit dem gewaltig'«! Problem des Elsaß m diesen Tagen von der Bül-ne herabbringt, darf als ein gelungenes Wagnis bezeichnet jueitrat. Das vieraktige Sckiauspiel stellt zwei Sohiie einer elsäsiffchen Familie einander gegenüber, c-ie rn chrer ?lrt grundverschieden und doch in manchem slltsam einander verwandt smd: der Jüngere, ganz im Deuffchen aufge- hcnd, zieht bnm Ausbruch des Krieges mit glühender Begeisterung Uls Feld, wahrnrd der Mltere, ein unruhiger, etwas phwitasttscher Kops, vom Westen aber auch! zugleich vom deutschen Wesen anae- tzugfn m sichl du fuvchlbare Tragik des GrenzlandbewohnerSi in schärfster Lchnofcheit offenbart. Da der .Krieg ausbricht, schlägt er sich' über dre Vogesen. Er weiß, daß er sich zum Unterliegenden wendet, ist ube^eugt davon, daß Deutschland siegen wird, aber der Drang nach dem Westch maK ihn ruhelos'. Ein nach dem Ende sich sehnender folgt er chm. Das Schauspiel ist in der Gegenüberstellung der unruhcgen, in tausend Farben schillernden franz-ösischen Kultur und inniger echter deutscher Kraft und Treiw eine zum Teil nur ms Zwiegespräch, gesetzte geistreiche Plauderei. Ter Kampf aber der mmtt^n des Gebrülls der ^Geschütze in der Brust Hansi ^.."ulanyers, des Gutsherrn auf „Schnakenloch" tobt, ist dramatisch hocket eindrucksvoll. lMaltZ. Hur kündet sich em starkes srisckus Talent, auf dessen Bühnenschopfungen man künftig acktt haben wird Die Urauffüh-mng im Frankfurter Neuen Theater, mit der sur Rtng dorr literarischen Gesellschaffsabenden eröffnet wurde brachte unter Direktor Hellmers Regie das Werk zu außer- wrrksainer Wiedergabe. Tie Ausnahme war freundlich imd ließ erkennen, daß der Dichter zu reifen Menschen sprach. — Wo lag Tristans Insel? Wo lag die Insel Saint- sarnpson, auf der der Kaum zwisch«: Tristan und König Morold stattgeßuuden hat? Diese Frage glaubt Professor Loth vom College ^F-mnce gelöst zu habeii. Loth hat bereits früher uachgewiestn, daß der Tristanroman, wre er rm 12. Jahrhuudeib entstaudeir ist an ganz be)timmte Orte in Cornwall gebundenr ist. Während aber in bevt Roman Vorkommen, ver- Haltmsniaßig lcncht wiedererkannt wrrrden, war die Insel Saint- sampion unauffindlichc Man wußte weiter nichts von ihr, als Roman in der Nähe der Residenz des Königs MÄd- ^s heutigen Lantt^an befand Und zwar im Meeresanu des rWwehp. Nuu hat Professor Loth, wie er in der letzten Sitzung Mademu mitterlte, einen alten Erlaß des Königs ? efunö ^' Welcher unter bdm Datum ^“2- ^Bestätigung des Königs enthält, daß Edmund von Eomwall dem Ein)redler Robert von Pcndpn eine Insel im Klu/ e FowehY geschenkt habe, mit aUm Häus^i, dü ans d e er 8?- waren. u,ie)e Insel hält Professor Loth nun für s.. suchte und immnt an daß sie heute zu fester Erde geworden interessant Zu^örein daß^iu^Lichttmg ganz §^r NM'begehe- * ■. ü« me »?«. tiu&e s,: entschsosien, zwei Preise auszutcilen den )>on s a* 1 ,« sss SBartwfte. Deche SchriftsEr sind in der 'Amt ÄftXSit tBlÄ E