Nr. Ä8Ä Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: „Sießener FamiUenblültrr" und „Areisblatt für den Ureis Gießen". postfcheÄonts: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebanl Gießen. 166 . Jahrgang enerat-Anzeiger für Gderhrjjen 1. Dezember 1946 ZwillingSrunddruck und Verlag: Br ü h t'sche Universiläts-Bnch-u.S^eindruckerei. R. Lang e, Gießen. Zchrlftleitung. Srschüftsstelle und Druckerei: Schulstraße7. Geschäftsstelle u.Vertag: Bl, Schriftleitung: 112. Anschrift für Draht-iachrichtenrAnzeigerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 76. Sitzung, Mittwoch. den 29. November 1916. - Am Tische des Bundesrats: Reichskanzler v. Beth mann Ho ! lweg, Dr. Helfserich, Staatssekretär des Auswär Ligen Simmermann, v. Loebell, Graf Rödern, Sydotv, Kraetke, preußischer .Kriegsminisier v. Stein, Chef des Krieasamt! v. Grüner, Dr. Solf, Lisco, Wahnschaffe. Das Haus ist sehr gut besetzt, die Tribünen sind überfüllt. S c t n * a ^ des Reichskanzlers, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, schmückt ein vom Reichstag gespendeter Strauß aus roten und weißen Chrysanthemen. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 3X Uhr. Er richtet an den Reichskanzler folgende Worte: Ich habe mir erlaubt, dem Herrn Reichskanzler als Zeichen der G l ü ck 'wünsche, die wir ihm zu seinem heutigen sechzigsten Geburtstage darbringen, einen Blumenstrauß im Namen des.Reichstags darzubieten. (Lebhafter Beifall.) Ich bitte den Reichskanzler, diesen Glückwunsch des Reichstags annehmen zu wollen. (Erneuter lebhafter Beifall.) ) Reichskanzler von Bethmann Hottweg: Ich danke dem Herrn Präsidenten und dem ganzen Reichstag für die freundlichen Worte, die ich soeben gehört habe. Ich nehme . diese Blumen an als ein glück verheitzenöes Symbol für das deutsche Volk, für das allein mein Herz schlägt. (Lebhafter Beifall.) Der vakerkkiMfche Wssdisns!. Auf der Tagesordnung steht nur d ie e r st e und e v e n t u e l l zweite Beratung eines Gesetzes betreffend den vaterländischen Hilfsdienst. Die Vorlage ist bereits vom Hauptausschuß eingehend vorberaten worden. Er hat den knappen Regiecungsentwurf erheblich erweitert. Der Präsident erteilt sofort dem Reichskanzler -das Wort. Reichskanzler von Bethmann Hottweg: Gestatten Sie mir nur wenige Worte der Einführung. Der unersättliche Krieg rast weiter. Unsere Feinde wollen es so. Sie feiern diesen Sommer als einen für sie siegreichen. Haben, sie etwa ihren Willen durchgesetzt? Unsere Linien sind ungebrochen. '(Beifall.) Rumänien, das den großen Umschwung bringen sollte, zahlt seine Buße. (Erneuter Beifall.) Gott hat bis hierher geholfen, er wird weiter helfen. (Bravo!) Die fast übermenschlichen Taten unserer Truppen, an die kein Wort des Dankes heranreicht (allseitige Zustimmung), und das gute Gewissen, daß wir als die ersten und einzigen bereit waren und bereit find, den Krieg durch einen unser Dasein und unsere Zukunft sichernden Frieden zu beenden, geben uns das Recht zu solcher Zuversicht. (Sehr richtig!) Aber wir wollen über dieses Recht unsere Pflichten nicht vergessen Unsere Feinde wollen den Frieden nochnicht. An Menschenzahlen sind sie uns weit überlegen, und f«rst die ganze Welt liefert ihnen Kriegsmaterial. WaZ das heißt, das zeigen die Kämpfe an der Somme. Industrie und Organisation werden mit jedem Tag, den der Krieg länger dauert, entscheidender für das Ende. Jede Hand, die daheim Geschütze und Geschosse schafft, ersetzt einen Mann, schützt ein junges Leben im Schützengraben. Jede Hand, die daheim feiert, hilft dem Feind. Das ist die Mahnung, die uns jeder Heeresbericht zuruft, die uns in Herz und Gewissen dringt. Die Motive zu diesem Gesetz sind nicht am grünen Tisch erdacht, sie sind draußen im Trommelfeuer der Fronten geboren. Wir haben den Grundgedanken des Gesetzes und die Organisation, zu der das Gesetz führt, mit Vertretern der beteiligten Berufskreise und mit dem Hauptausschuß dieses .Hauses durchgesprochen und beraten. Der hingebenden und gründlichen Arbeit des Hauptausschusses verdanken wir wertvolle Vorarbeiten, die uns zu einem baldigen und erfolgreichen Abschluß führen mögen. Je tiefer die Arbeit in den Gegenstand eindrang, um so klarer trat die Größe der Aufgabe hervor, das gesamte Volk für die Kriegswirtschaft zu organisieren. Gewaltig sind die Eingriffe in das Wirtschaftsleben. Aber sind sie nicht gering gegen die Gewaltsamkeit dieses Krieges? (Sehr- gut!) Die Möglichkeit des Zwanges mußte vorgesehen werden. Die eherne Notwendigkeit verlangt eisernen Willen. Die Möglichkeit des Zwanges soll den festen Boden geben, auf dem wir stehen müssen, um hinter den kämpfenden Armeen organisch eine Armee der Arbeit aufzubauen. Gelingen aber kann das Werk nur, wenn es sich darstellt als das Ergebnis nicht des Zwanges, sondern der freien Ueberzeugung des ganzen Lol- k e s (Lebh. Beifall), wenn Industrie und Landwirtschaft, Arbeiter und Unternehmer, und wenn vor allem ihre bewährten Organisationen (lebh. Beifall links und im Zentrum) sich ihm freiwillig hingeben und widmen. Daß dies eintreten wird, dürfen wir mit Zuversicht sagen, denn dafür bürgt uns der Sinn, mit dem sich das ganze Volk auf den Krieg eingestellt hat, dafür bürgen uns die großen Leistungen, die dieser Sinn schon bisher hervorgebracht hat, der Geist, der alle im Lande zu Beginn des Krieges beflügelt hat, mitzuwirken und mitzuhclfen, wo es auch sei. Dieser Geist wird aufs neue aufgerusen, und jeder von uns weiß, daß er sich dem Rufe nicht versagen darf. (Verfall.) Wenn draußen Hunderttausende in der Verteidigung des'Vaterlandes dahinbluten, dann wird der Mann daheim nicht die letzten Opfer gebracht zu haben meinen, wenn er tatenlos die Mühen erträgt, die der Kriegszustand mit sich bringt, da wird er es als seine Plicht vor dem Vaterlande, vor den Kämpfern, vor den gefallenen Helden betrachten, seine Kraft an den Platz zu sehen, wo sie für den Kriegszweck am nützlichsten wirkt. Ueber Einzelheiten des Gesetzes mögen die Meinungen auseinandergehen. Mag der eine dies verurteilen, der andere jenes vermissen — aber dieses Gesetz, für die Kriegszeit geschaffen, soll doch ein Zeugnis dafür sein, daß wir für alle Zeit festtalten wollen den Geist gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Hilfsbereitschaft, der uns in der schwersten Not unseres Volkes zusammengcführt hat, und auf dem allein sich eine Zukunft aufbauen kann, stark nach außen und frei nach innen! (Beifall.) Im Namen der verbündeten Regierungen bitte ich Sie, meine neue soll. Kraft und (Lebhafter Herren: helfen Sir an dem Werk, das uns damit dem Siege und dem Frieden zuführeu Beifall.) Preußischer KriegSministe/ vom Stein: Das vorliegende Gesetz soll unseren schwerkämpfenden Truppen Unterstützung und Stärke bringen. Am nächsten betroffen sind diejenigen Truppen, denen es nicht bis jetzt vergönnt war, ine. seelische Erhebung im Kriege zu erleben, die ein siegreiches Gefecht mit anschließender Verfolgung mit sich führt, wo man all das Schwere, die Verluste, die gefallenen Freunde hinter sich lassen konnte. Gerade die sind am meisten getroffen, die gebannt an eine Stellung, gegen eine Uebermacht kämpfen müssen und neben denen sich alle die Opfer vollziehen durch das Fallen ihrer nächsten Kameraden, ihrer Freunde, mit denen sie gelöst und ge- känchft haben; und dieser Eindruck verwischt sich nicht! Wer als Führer dort draußen mit seinen Truppen gelebt und gefühlt hat, dem ist es außerordentlich schwer gewesen, wenn er überall und zu jeder Zeit, wo er sich in dem ihm zugewiesenen Raum bewegte, mochte es bei Tag oder Nacht, mochte es in der Arbeit sein rÄer wenn er sich zur Ruhe anschickte, mochte er in der vorderen Linie sein oder hinten die Einrichtungen beaufsichtigen — immer nur_der fast zur Eintönigkeit gewordene Donner der Geschütze, der nicht eine Sekunde unterbrochen wurde. Natürlich waren es die Geschütze von beiden Seiten. Meine Herren, da kann man sich das Hirn zermartern: wie willst du helfen? wenn man sich immer bewußt ist, jetzt, wo das Feuer droht, da kostet es manchem deiner Kameraden das Leben oder die Gesundheit. Und versucht hat man es, nach bestem Wissen und Gewissen, iünerhalb der Grenzen, die einem gesetzt sind durch die gebotenen Mittel. Diese Mittel zu verstärken und auf ein solches Maß zu bringen und zu versuchen, die ko st baren Blutverluste zu vermindern, das ist der Zweck, den dieses Gesetz hat; denn nicht nur wir haben darunter gelitten. Das würde einseitig sein. Der Feind litt auch durch unsere Tat. Die Nachrichten, die mir in die Hände gefallen sind, geben davon Kunde. Mir hat lange ein außerordentlich energischer französischer General gegenüber- gestanden. Die Befehle, die wir von ihm bekommen haben durch Gefangene und durch Tote, die lauteten für uns zum großen Teil unverständlich. ^Wir ersahen daraus, wieviel Todesurteile an den eigenen Leuten vollzogen wurden. (Hört, hört!) Und bei den vielfachen Angriffen aus den oft genannten Ort Thiepval da lautete ein Befehl: „Ich habe den Wald von Thiepval mit einem Drahtzaun umzogen und dahinter Maschinengewehre aufgestellt. Wer bei Angriff auf Thiepval zurückgeht, wird von ihnen empfangen werden." (Hört, Hort!) Und selbst ein englischer Befehl, den ich eigentlich nicht erwartet hatte, ist mir noch zu Ohren gekommen, allerdings nur durch Gesangenenaussagen. Ich habe keine strikten Belege dafür. Bei den Angriffen, die gerade in den letzten Tagen noch eine Rolle gespielt haben, aus die Höhen südlich von Grandcourt, da haben Gefangene ausgesagt, es wäre ihnen vorher ein Befehl bekannt gemacht worden: wer beim Angriffe zurückginge. der würde erschossen! (Hort, Hört!) Meine Herren, uns wären derartige Befehle unverständlich. Die Tapferkeit, die Treue, die Pflichttreue unserer Leute berechtigt unS zu der festen Ueberzeugung, daß überall dort, wo wir nicht nur unter gleichen, sondern nur unter allenfalls erträglichen Verhältnissen mit dem Feind unS zu messen haben, unsere Leute niemals versagen werden. Gerade aber diese Selbstentäußerung unserer tapferen Truppen macht es mir als ihrem Vertreter zur besonderen Pflicht, Siedringend zu bitten, dieses Gesetz, daß Ihnen die Hilfe und Verstärkung bringen soll, anznnehmeu. Ehe ein Gesetz in Wirkung tritt, braucht es eine gewisse Wirkungsdauer. Es wird ohnehin einige Zeit kosten, ehe sich die wohltätigen Folgen für unsere Truppen da draußen erkenntlich machen. Und sie alle, die dort tapfer und mit Selbstverleugnung kämpfen, sehnen sieh doch danach, daß ihnen dieser Beweis ihrer Heimat und ihres Volkes die starke, ausreichende Hilfe bringt. Deswegen und weil es ohnehin Zeit kosten wird, ehe die Wirkung des Gesetzes^ in Kraft tritt, bitte ich Sie, im Namen der draußen rumpfenden Truppen und in meinem eigenen Namen, nicht nur: Nehmen Sie das Gesetz an, sondern, nehmen Sie es bald an! (Beifall.) Staatsmlnister Dr. Helfserich: Das vorliegende Gesetz ist ein Gesetz des Krieges, ein Gesetz der Not, ein Gesetz des eisernen Willens und der eisernen Tat. Heimat und Feldheer reichen sich rn diesem Gesetz die Hand zu unauflösliehem Bunde, zu Kampf und Sieg. Neben die allgemeine Wehrpflicht tritt mit d^ftm Gesetze die Pflicht des allgemeinen Dienstes im vaterländischen Hilfsdienst, neben die organisierte Armee draußen im ^elde tritt die organisierte Armee in der Heimat. Wir ziehen mit diesem Gesetz die letzte Folgerung der Gestaltung dieses ungeheuren Krieges. Nie zuvor hat die Munitionsherstellst, den Erfolg der Kampfhandlung auch nur annähernd in der Weise bestimmt, wie das jetzt der Fall ist. Deshalb bedarf die Armee der Kampfer draußen der Armee der Arbeiter in der Heimat. Kanonen, Granaten, Maschinengewehre, .vc i n e n w e r s e^r, Unterseeboote, Torpedos, sie alle wachsen uns nicht aus der flachen Hand, sie müssen geschaffen werden. Das alles heißt Arbeit, Arbeit und noch ern m al Arbeit! Unsere heimatliche Erde führt in ihrem Schoß dre Schatze, die wir für die Kriegführung brauchen, aber diese Schatze müssen gehoben und geformt werden. Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte. Dies Wort galt vor 100 Jahren im deutschen Volk, es gilt heute wieder und es wird gelten in alle Ewigkeit. Dieser Krieg um unser Dasein und unsere Zukunft ist nicht nur ein Kampf der Waffen, sondern auch ein Kamps der Wirtschaft. Die hundertjährigen Bestrebungen edelgesinnter Geister aller Nationen, den Krieg auf die kämpfenden Truppen zu beschränken und von der nichtkämpfenden friedlichen Bevölkerung fernzu- balten, sind zunichte geworden durch die Verachtung alles Völkerrechts, mit der England die Seele deS Kindlichen Machtverbandes seinen Wirtschasts- und Hungerkrieg ein. geleitet hat und bis auf den heutigen Tag fuhrt Auch d i e kleinen neutralen Völker, deren Schutz die Staatsmänner Englands im Munde führen, werden durch Uiiterbindung der notwendigen Zufuhr, durch Postsperre, schwarze Listen usw. schlimmer geschädigt, als je ein Feind vom Feinde geschädigt worden ist. In diesem Hunger- und Wirtschaftskrieg stehen wir mit unseren Verbündeten im wesentlichen allein. Anders die Alliierten. England kaust allein von den S3er« einigten Staaten wöchentlich für 12 Millionen Pfund Sterling. Der Einfuhrüberschuß in den ersten zehn Monaten hat sich auf nahezu 12 Milliarden beziffert. Die halbe Welt arbeitet für u n s e r e F e i n d e. Sie läßt es sich gut und teuer bezahlen, aber sie steht ihnen zu Diensten. Bei uns gibt e» keine nennenswerte Ueberfeezufuhr, für uns arbeiten keine fremden Hände, was wir zur Kriegführung und Volkserhaltung brauchen, müssen wir mit unserer eigenen Arbeit täglich schaffen. Auch hier hrlft uns die heimatliche Erde. Sie liefert uns das, was wir brauchen für die Kriegsmittel und für die Volksernährung. Aber auch hier muß es ihr durch Arbeit abgerungen werden. Der Mobilmachung der Arbeit gilt dies Gesetz. Wir wollen auS der Arbeitskraft des deuffchen Volkes daS Beste herausholen für unsere Kriegführung und VolkSerhaltupg. In der Mobilmachung der Arbeit stehen wir eigentlich vom ersten KrisgSjohre an. ES ist nicht wenig, was geleistet worden ist, aber eS ist jetzt nicht mehr genug. Seit 2% Jahren haben wir durch die Kriegswirtschaft Verhältnisse, die jeder von uns vorher für undenkbar gehalten hätte. Heute sind sie unser tägliches Brot. Das Außergewöhnliche dieser Zeit, für das sich der Blick durch die Gewöhnung des Tages verliert, möchte ich Ihnen vor Augen rücken. Wir haben einen Außenhandel von jährlich 23 Milliarden verloren, der uns die notwendigsten Rohstoffe zufLhrte und Millionen von Händen ernährte. Wir erleben eine sich fortgesetzt steigernde Entziehung von Arbeitskräften, wogegen der stärkste Generalstreik ein Kinderspiel wäre. Duffen ungeheuerlichen Verschiebungen haben sich die Grundlagen unserer Wirtschaft durch eine gewaltige, noch nie gesehene Umgruppierung der Arbeitskräfte angepaßt. Große Berufszweige wurden eingeschränkt oder stillgelegt. andere Zweige, die für den Krieg arbeiten, entwickeln sich im Riesenausmaß. Industrien sind aus der Erde gestampft worden. Damit ist die Größe der Arbeit noch nicht erschöpft. Der Krieg brcwhte mit einem Schlag eine schwere Stockung unseres ganzen Wirtschaftslebens, die nur langsam überwunden wurde. In den ersten Kri-egstagen richtete sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit drohend vor uns auf. Um die erste Not zu beheben, wurde an Notstandsarbeiten allergrößten Stils gedacht, ohne Rücksicht auf deren Erfordernis, nur um Beschäftigung zu geben. Ms der erste ungeheure Schreck verwunden war, trat in einzelnen Industriezweigen Rohstoffmangel auf. Dazu kam die Entziehung des leitenden Personals, der Offiziere unseres Wirtschaftslebens. Es hat ein volles Jahr gebraucht, bis dre Arbeitslosigkeit überwun- den war. Bei den weiblichen Arbeitskräften dauerte es noch länger. Aber während bei den Männern haute das Angebot um ein Drittel hinter der Nachfrage zurückbleibt, ist bei den weiblichen Arbeitskräften das Angebot heute noch stärker als die Nachfrage. In der Landwirtschaft ist die Arbeit der Frau, von der kleinsten Bauernfrau bis zur größten Gutsherrin längst das Rückgrat der ganzen Betriebe geworden. Die Frau, die heute einen Mann ersetzt, der dasiir im Schützengraben steht, ist so viel wert, als der Soldat an der Front. (Beifall.) Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit haben wir eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die, für sich genommen, das Gegenteil rationeller Ausnützung der Arbeitskraft sind. Insbesondere gilt das für die Textilinoustrie. Die Rücksichten aber, die bisher genommen werden konnten, können heule nicht mehr bestehen. Heute ist der Krieg das Losungswort und heute gibt es nichts anderes als die eine Rücksicht, wie wir den Kä mp- fern draußen das notwendige Kriegsgerät verschaffen und wie wir daheim für die notwendige Ernährung sorgen; wie schaffen wir Munition und wie schaffen wir Proviant? Nach gewissenhafter Prüfung haben sich die verbündeten Negierungen überzeugen müssen, daß allein auf dem Wege der Freiwillissteit diese Aufgabe nicht zu lösen ist, wie sie namentlich das sogenannte Hindeu. burgprogram m für die Munitionserzeugung stellt. Es darf in dieser Zeit niemand mehr müßig gehen, weil er nicht arbeiten will, oder auf Grund seiner Einkommensverhältnisse nicht, zu arbeiten braucht. Heute gehört jeder Arm und jeder Kopf dem Vaterlande. Wir fassen das Gesetz nicht eng materiell aus. wir begreifen auch die geistigen Bedürfnisse mit ein. Wiir sagen z. B. a uch die P r e s s e ist für die gesamte Entwicklung von bedeutungsvoller Wirkung, das- selbe gilt für.die Geistlichkeit, die Lehrerschaft, die vielbewährten Berufsorganisationen, die Organe der Sozialversicherung und ähnliche Einrichtungen. Alle diese Berufe werden als Hilfsdienst angesehen werden. Den Frauen wird die gesetzliche Verpflichtung nicht auserlegt auS phlffischen Gründen und weil die Bedürfnissrage anders liegt. Alle Maßnahmen müssen weitergeführt und aus- gebaut werden. Wir sind uns aber auch klar darüber, daß nach dem Wort des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg es zwar ohne Zwang nicht geht, aber hinzukommen muß Sie vaterländische Pflicht- erfüllung eines jeden einzelnen. Erst wenn jemand Arbeit im Sinne dieses Gesetzes nicht ausübt, kann ihm eine solche Angewiesen werden, die er annehmen muß. Den gegenwärtig arbeits- losen Textilarbeitern usw. soll die Unterstützung nicht entzogen werden, solange sie nicht andere Arbeit haben. Bei der Z u s a m me nlegun g undStillegung solcher Betriebe, die etwa jetzt schon für das Heer arbeiten, wird das Kriegsamt e§ leicht haben. Bei andern Betrieben aber, insbesondere bei Einzel- existenzen und kleineren Unternehmern werden das Kriegsamt und die von ihm ressortierenden Stellen sehr genau prüfen, ob die Vorteile der Aenderung im Verhältnis stehen zu den Wirtschaft- lichen Schäden, die durch die Zerstörung wirtschaftlicher Eristenzen angerichtet würden. In vielen Fällen wird es leichter und einfacher sein, d i t Arbeit z u den Leuten zu bringen, wie die Leute zur Arbeit. Das Gesetz muß so schonend wie möglich für die Arbeiter durchgeführt werden. Die Beschränkung der persönlichen Freiheit macht einen sorgfältigen Ausbau der Einrichtung notwendig, die zu ihrem Schutz dienen sollen. Vor allem bedarf es eines Systems von Rechts- s ch u tz e s für die richtige Ausführung dieses Gesetzes. Die der- bundeten Regierungen haben zu den Wünschen des Reichstages noch kerne Stellung nehmen können. Ich hoffe aber, daß das Gesetz eine Fassung erhält, die dem Vundesrat die Zustimmung ermöglicht und die, persönliche Freiheit in möglichst geringem Maß beschrankt. Die Stimmung, aus der dieses Gesetz geboren ist, ist die siegesgewisse Kraftan streu au na eines siegesgewissen Volkes. (Beifall.) Die Heim- armee hat schon gute Arbeit geleistet, wir haben un§ auf heimischem Boden Ersatz erarbeitet für alle die Hilfsmittel, die uns vorher von der Außenwelt zugingcn. Wir haben unsere Leistungen aus eigener Kraft herbergeführt. Unsere Feinde haben uns mit den Hilfsmitteln der ganzen Welt nicht überwinden können. Unsere Steinkohlenförderung ftfnl mit Kriegs- au ^ uc v auf die Hälfte, heute hat sie wieder neunzig Prozent erreicht. Unsere Braunkohlenovzcugung ist im Kriege Weit über ^ - §öchsterzeugung des Friedens hinaus gestiegen. Unsere rffuMahle rzeugung ging zunächst auf ein Drittel der Friedens« crgnigan« jwcfttf, hat jetzt aber Ketzer 38 Prozent erreicht, und bas alles, während Millionen und Abermillionen aus der Industrie herauSgenomen sind. Ich will die gewaltigen Lei st« »ge» Englands nicht verkleinern. Ader Englands KohlemiÄnstrüe, die immer großer ist als unsere, dürste für das laufende Jahr nicht h^»er gewesen sein als im Frieden. Seine Stahlerzeugung, die wir schon im Frieden überholt hatten, ist im Kriege trotz äußerster Kraftanstrengung erheblich zurück- cwgangey, obgleich England, wie ferne Bundesgenossen, ^hrnrtfen., Malaien, Inder und andere farbige Arbeiter herangiechen. Die Erfahrungen des Krieges werden dazu führen, daß wir auch im Frieden teures ausländisches Material durch billiges inländisches Material ersetzen. Die Schule der Innen- Wirtschaft wird dauernd und bleibend unsere innere Selbständigkeit stärken. Die Landwirtschaft hat durch Anspannung aller Stoffe unsere Ernährung ficherftellen könnerr. (Beifall.) Trotz der schlechten Kartoffelernte können wir an- fichts der guten Ernte an Körnerfrüchten und Futtermitteln zuversichtlicher in die Zukunft blocken, als im Vorjahre. Die weiteste Sparsamkeit ist nach wie vor geboten. Es ist ein geringer Trost, wenn andere gleichfalls leiden. Aber wenn die anderen unsere Feinde find, wird dieser Trost schon besser. Vom Hunger der anderen ist noch niemand satt geworden Aber in diesem Wirtschaftskrieg ist eS für uns nicht gleichgültig zu wissen, ob unsere Feinde im Ueberfluß schwimmen oder ob sie darben. England, Frankreich und Italien haben auf Grund des Ausfalls der letzten Weltgetreideernte einen nicht unerheblichen AuS- fall. Sie versorgen sich hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten und Kanada. Während im vorigen Jahre dort eine Rekordernte an Weizen von 37 Millionnen Tonnen zu verzeichnen war, sind 1616 nur 21 Millionen Tonnen geerntet worden, was hauptsächlich auf den Mangel an Kali zurückgeführt wird. Auch die Beschaffenheit ist schlechter ausgefallen. ^Jn Argentinien ist die Ernte ebenfalls so ausgefallen, daß man dort bereits ein Ausfuhrverbot erwägt. Wenn die Westmächte die fehlende Menge aus Indien und Australien heranschaffen wollen, so wird durch den zwei- bis dreimal längeren Weg erschreckend mehr Schiffsraum verlangt. Die Ernte in Indien und Australien wird von Sachverständigen auf sechs bis lieben Millionen Tonnen geschätzt, sie kann also den Ausfall nicht wettmachen, so daß noch ein Fehlbetrag von neun bis zehn Millionen Tonnen bleibt. Der Weizenpreis in Chicago ist denn auch entsprechend gestiegen, und der Weizenpreis in England ist nach dem gegenwärtigen Kurs doppelt so hoch wie in Deutschland. (Hört, hört!) Der Hunger, den England gegen uns mobil gemacht hat, erhebt dort selbst seine dürre Hand. Unsere wackeren Unterseeboote tun das ihrige, um diese Sorge der Feinde ständig zu vergrößern. (Beifall.) Der Feind hat seinen Vorsprung für das laufende Jahr verloren. AuS dieser Sachlage heraus tun wir den großen Wurf des vaterländischen Hilfsdienstes, mit dem wir alle Kräfte für die große Entscheidung zusammenfassen. Das deutsche Volk ist auf eine Probe gestellt, wie nie ein Volk in der Weltgeschichte. Wir müssen und werden die Probe bestehen. (Beifall.) Wir werden sie bestehen, wenn jeder in der Heimat in jeder Stunde derer gedenkt, die draußen im Trommelfeuer und im Schützengraben mit ihren Leibern für unsere Zukunft Wacht halten. Von der Heimat werden Opfer und Leistungen verlangt, die bis zur Selbstentäußerung und bis zum Aufgeben des 'Einzelschicksals für den höheren Daseinszweck der Gesamtheit gehen. Jede Arbeit, jedes Opfer und jede Entbehrung wird geheiligt durch den Gedanken, daß wir Bausteine herbeischaffen für eine bessere und stärkere Zukunft unseres Vaterlandes. (Beifall.) In diesem Geist wird das deutsche Volk, das hoffen wir alle zuversichtlich, das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst aufnehmen und durchführen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Es handelt sich bei der Vorlage nicht um ein Zwangsgesetz gegen die Arbeiter, nicht einmal zur Arbeit. Das Gesetz will ein festes Fundament abgeben für die Errichtung des Kri-egsamts. Das Ermächtigungsgesetz vom August 1914 war zu schwach, um diese gewaltige Umstellung des ganzen wirtschaftlichen Lebens zu tragen. Man will weiter die Möglichkeit durch dieses Gesetz geben, alle Arbeiter vom 17. bis 60. Lebensjahre in den Hilfsdienst einzustellen dort, wo ihre Kraft am besten ausgenutzt werden kann im Interesse unserer Landesverteidigung. Die Ziele des Gesetzes sind so begründet, daß ein ernsthafter Widerspruch dagegen sich kaum geltend machen kann. Daß ein zwingende- Bedürfnis zur Ausdehnung des Gesetzes auf die Frauen nicht gegeben ist, haben die Darlegungen über das Angebot der Frauenarbeit bewiesen. Der Staatssekretär hat betont/ daß auch die geistigen Bedürfnisse mit in den Bereich dieses Gesetzes gehören. Soweit die Presse dabei in B 'rächt kommt, ist eS wohl selbstverständlich, daß nicht allein die Ük.aueure, sondern auch das technische Hilfspersonal unter den Hilfsdienst fallen. Bei der Prüfung, wieweit der Hoch schnldienst als Hilfsdienst gilt, wird man nicht nur auf die Studentinnen, sondern vor allem auch auf die große Zahl der Kriegsverletzten Rücksicht nehmen müssen, die jetzt die Hochschulen besuchen wollen. Ferner soll auch die Landwirtschaft «As Hilfsdienst gelten, und bei der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft für das Vaterland ist es in der Tat notwendig, daß sie möglichst wenig Störungen und Hemmungen erfahrt. (Sehr richtig! rechts.) In der Hauptsache soll da'S Gesetz aus Freiwilligkeit aufgebaut sein, irat in d em seltensten Fällen soll von dem Zwange Gebrauch gemacht werden. Wenn das aber geschieht, dann muß Vorsorge getroffen werden, daß unnötige Harten vermieden werden, daß keiner das Gefühl hat, schlechter behandelt zu werden als andere. Es müssen Instanzen eingeführt werden, die bei Differenzen entscheiden. Der Entwurf, der solche Bestimmungen vorsieht, wird Ihnen voraussichtlich morgen zur zweiten Lesung z n - gehen. Bon besonderer Wichtigkeit ist auch die Möglichkeit der Einwirkung deS Reichstags auf die Tätigkeit des Kriegsamts. Wir stehen vor Verhältnissen, deren Entwicklung wir gar nicht übersehen können und auch daS Kriegsamt nicht. DaS Kriegsamt wird auch jetzt erst, wenn die einzelnen Aufgaben an eS herantreten, sehen. waS eS für Maßnahmen zu ergreifen hat. Wir wünschen daher, daß die Ausführungsbestimmungen deS Kriegsamts einem fünfzehngliedrigen AuSfchuh des Reichstages, der auch während der Vertagung deS Reichstages zufammenbleibt, zur Kenntnisnahme und Einwirkung, ehe sie eingeführt werden, unterbreitet wird. Ferner legen wir Wert darauf, daß mit Kriegsende das Gesetz aufgehoben wird. ES nniß gesetzlich feftgelegt werden, daß spätestens einen Monat nach Abschluß deS Krieges mit den europäischen Großmächten daS Gesetz ausgehoben wird. Jederr- fallS müssen wir alles tun, um den siegreichen, ehrenvollen Frieden mit allen lträften vorzubereiten. (Lebhafter Beifall im Zentrum.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Auf eine vom Vorredner an mich gerichtete Anfrage fteue ich mich, mitteilen zu können, daß der Bundesrat heute vormittag dem vom Reichstag beschlossenen Schutzhaftgesetz die Zustimmung erteilt hat. (Lobh. Beifall.) Abg. Dr. David (Soz.): Die Sozialdemokratie billigt durchaus den Grundgedanken des Gesetzes, nämlich die Konzentration aller Vokkskräfüe zur Erkämpfung eines ehrenvollen Friedens. Wir hätten freilich gewünscht, das Gesetz wäre nicht mehr notwendig gewesen, der Krieg Ware schon längst zu Ende, heute können wir nur sein baldiges Ende wünschen. Aber wir erkeniien an, daß die harte Nvttvendi^leit der Tatsachen uns zwingt, weiter zu kämpfen und auszuharren, bis auch die Gegner zu einem Frieden Geneigt sind, den wir nach unserem Gewissen im Interesse Deutschlands annehmen können. Mit aller Energie muß beto»it wetden, datz dieses Gesetz nicht etwa einer Kriegsverlängerung dienen solb Die Bereitschaft der deutschen Regierung zu einem Frieden, der den Lebensinteressen des Landes entspricht. rst vor aller Welt kundgetan und muß bestehen bleiben. Gewiß würde der Reichskanzler jedes Friedensangebot begrüßen, das sich mit der Würde und den Interessen des Landes vereinbaren ließe; er hat es abgelehnt, den Krieg auch iiur um einen Tag zu verlängern, um weitere Faustpfänder zu erkämpfen. Wir erinnern heute nachdrücklichst an diese Worte des Reichskanzlers, heute hat er aufs neue seine Friedensbereitschaft und -geneigtheit betont. Das ist um so mehr notwendig, als in der letcn Zeit Aeußerungen durch die deutsche Presse gingen, die den Anschein erloecken konnten, als ob in Deutschland diese Friedensbereitschaft iricht in allen Teilen des deutschen Volkes gehegt würde. In einem Ausruf des deutschen Landwirtschaftsratcs und des Bundes -der Landwirte wird gesagt: "Zwar hat Scheidemann verkünden zu müssen geglaubt, daß nur ein Narr noch an den Sieg Deutschlands glauben könne." (Abg. Scheidemann: Unerhörte Fälschung! Rufe b. d. Soz.: Unerhört!) Das ist eine ganz unerhörte Entstellung dessen, was Scheidemann von dieser Stelle verkündet hat, als er erklärte, die Erkämpsung eines Friedens, der die territoriale Unversehrtheit und die Sicherung der wirtschaftlichen Cntwicklungsfrsiheit Deutschlands enthalte, bedeute schon den Sieg Deutschlands, von den ausschweifenden welterobernden KriegSzielplänen gewisser Herren hat er gesagt, daß nur ein Narr in einem so gewaltigen Koalitionskriege den vollen Sieg der einen Seite erwarten könne. (Sehr wahr! b. d. Soz.). Tatsache ist ja nun, daß unsere Gegner nicht bereit sind zu einem für Deutschland annehmbaren Frieden. Sie würden aber einen ganz falschen Schluß ziehen, wenn sie aus unserer Bereitschaft zum Frieden schlössen, daß wir nicht weiter ausharren wollten oder könnten. (Sehr' richtig I links.) Unter keinen Um. ständen aber darf es dahin kommen, daß unsere braven Feldgrauen, die im Trommelfeuer an der Somme liegen, etlva mangelnde Munition oder Geschütze mit Blut und Leben bezahlen müssen. Unsere Feldgrauen draußen sollen wissen, daß das Land gesonnen ist, mit ganzer Kraft geschlossen hinter ihnen zu stehen (Lebh. Bravo I), iHnen ihre schwere Arbeit zu erleichtern und unnötige Opfer zu ersparen. Notwendig ist aber d i e g r ü n d U Äfl e Prüfung, ob die zu diesem Zvel gewählten Mittel und Wege in jsder Hinsicht gut und zweckmäßig sind. Sonst laufen wir größte Gefahr, daß das Gesetz nicht zum Heil, sondern zum Unheil Deutschlands ausschlägt, daß eS allerschwerste Verwirrung in unser Wirtschaftsleben trägt und wachsende Mißstimmung erzeugt; statt Förderung würde Widerstand die Folge sein und oie ganze innere Kraft des Ausharens würde bedroht. Der Zweck deS Gesetzes ist nur dann erreichbar, wenn die Massen des Volkes aus sich heraus pflichtbereit und opferwillig mitmachen. Mit Leuten, die im Innern dem fluchen, was man ihnen aufzwingt, kann man die große Arbeit nicht leisten. Die Kommissionsarbeit ist noch nicht im einzelnen abgeschlossen, jedenfalls aber ist sie ein wirkliches Gesetz und nicht nur ein Ermächtigungsgesetz, trotzdem bleibt noch eine große Menge sehr er n st er Bedenken übrig. Wir sind darum auch heute nicht in der Lage, über unsere Haltung zu der Vorlage bestimmtes zu sagen. Ileber- stürzung muß vermieden werden, dazu ist die Sache viel zu bedeutsam, und wenn sie auch keine Verzögerung leidet, so erwarten wir doch eine gründliche und ordnungsmäßige zweite Beratung. Vor einem zu weitgehenden Vertrauen in den Bundesrat hat uns jetzt wieder der preußische Eisenbahnmini st e r, Herr v. Breitcnbach, geivarnt. 'Aus seinem Erlasse spricht nicht der neue Geist des Reichskanzlers, sondern er roch nach Schutt und Moder. Solche Männer erscheinen zwar selten im Reichstage, sind aber ausschlaggebend im Bundesrat. „Der Gott, der Eisen wachsen lieh, der wollte keine Knechte", meinte Herr Helfferich, aber der Mann, der in Preußen Eisenbahnen iuachsen ließ, der will Knechte. (Heiterkeit. — Abg. Schcidcmann: Er soll vierter Klasse abfahren!) Der ganze Streit ist vom Zaun gebrochen, ein Streik war absolut nicht zu befürchten. Wir haben keine Veranlassung, nochmals der Regierung eine solche Blankovollmacht zu erteilen, wie sie der Entwurf verlangt. Im Reichstag würde sich auch keine Mehrheit dafür finden. Das ist keine Erweiterung der Rechte des Reichstags. Wir haben seit Kriegsbeginn durch das Belagerungszustandsgesetz und das Ermächtigungsgesetz schon so viele Rechte verloren. Jetzt müssen wir uns unsere Rechte zurückholen. (Sehr richtigI links.) Der Landwirt ist gegenüber den anderen Leuten in Kriegsnöten in einer beneidenswerten Lage. Er hat einen festen Boden unter den Füßen, kennt keine Not. Jetzt sollen ihm auch noch Arbeitskräfte zugeführt werden. Gewiß, Nahrungsmittel sind so wichtig wie Munition. Aber ein Mißbrauch des Hilfsdienstzwanges durch den Landwirt wäre geradezu Landesverrat. Wir erfahren tagtäglich, daß viele Landwirte keine Spur von sozialem Empfinden haben. Die Arbeiter, die aufs Land übergeführt werden, müssen gesicherte Lohnbedingungen, gute Wohnverhältnisse und angemessene Behandlung haben. Die Negierung muß dafür sorgen, daß hier kein Mißbrauch eintritt. ^ Weiter darf auf keinen Fall geduldet werden, daß der HilfS- diftist nicht ein Hilfsdienst fürs Reich, sondern ein Hilfsdienst für die Kassen der Unternehmer ist. Das Volk empört sich dagegen, daß auf der einen Seite bittere Armut herrscht, während auf der anderen Seite sich die Millionen Musen. Wir treten für die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie ein. Im Ausschuß ist gesagt worden, daß der Krieg eine Arbeiterftage geworden ist. Er ist sogar eine Facharbeitersrage geworden. Deutschland siegt, steht und fällt mit der Leistungsfähigkeit seiner industriellen Arbeiterschaft. Heute macht Geld ftei, in Zukunft sei die Arbeit der Schlüssel zur staatsbürgerlichen Ebenbürtigkeit. Das müssen auch die geistigen Berufe erkennen und wir werden einer glücklichen Zukunft entgegengehen. (Beifall bei den Sozd.) Abg. Bassermann (nl.): Mit vaterländischem Opferfinn gehen wir an dieses Gesetz heran. Seine Notrvendigkeit erscheint begründet. Wir dürfen unsere Soldaten nicht einem Uebermaß feindlicher Munition preisgeben, besonders die Lehren der Sommeschlacht beweisen die Erforderlichkeit dieses Gesetzes und die Notwendigkeit, auf dem Gebiete der Munitionsbeschaffung Abhilfe zu schaffen. Es handelt sich um das Wohl und Wehe Taufender und aber Tausender vor: Menschen. Zu dem Kriegsamt und seinem Leiter haben wir Vertrauen, aber angesichts der Bedeutung des Gesetzes müssen Kautelen und Aequivalente geschaffen werden, um zw starke Schädigungen zu verhindern. So kamen wir auf ein MitbestimmungS-, ern Kontrollrecht des Reichstages. ES ist im § 17 vorgesehen, durch einen Ausschuß von 15 Mitgliedern, der für die allgemeinen Verordnungen beschließende Stimme hat. In die Verwaltung des Kriegsamts dürfen wir nicht eingreifen, weil Energie, Initiative und Frische der Entschließung dem Kriegsamt gewahrt sein müssen, soll es ersprießlich arbeiten. Der Beirat beim KriegsernährungLamt hat deshalb nicht durchweg befriedigend gearbeitet, weil er nur beratende Stimme hat. Auch eine andere Mitwirkung des Reichstages ist vorgesehen. Wenn das Gesetz drei Monate nach Friedensschluß noch Geltung hat, kann es der Reichstag von sich außer Kraft setzen. Ene Befristung auf kürzere Zeit, die bei weiterem Andauern des Krieges jeweilig zu verlängern gewesen wäre, erschien uns nicht zweckmäßig. Die über die gerechte Behandlung aller unter daS Gesetz fallenden Hilfsdienstpflichtigen gegebenen Zusagen müssen vom Kriegsamt in der Tat innegehalten werden. Ungleiche soziale Handhabung würde große Erbitterung auslösen. Durch das Gesetz erwarten wir die Freimachung vieler kriegspflichtiger Elemente für die Front infolge der Einschiebung von Hilfsdienstpftichtigen in Etappendienste. Die deutschen Frauen haben den lebendigen Wunsch, auch ihrerseits mitzuwirken, besonders auch die studierenden Frauen. In diesem Stadium kann der Wunsch nicht erfüllt werden. Das Gesetz, das als so dringend notwendig bezeichnet wird, müssen wir zur Verabschiedung bringen. Vielleicht ist später- hin eine Mitwirkung der Frauen durchführbar. So leicht ist das nicht zu erreichen, da die Kindererziehung nicht leiden darf. Freiwillige Meldungen mag die Regierung nach Tauglichkeit berücksichtigen. Den Wünschen der wirtschaftsfriedlichen Arbeitervereinigungen. die vor dem Kriege bereits 280 000 Mitglieder aufwiesen, auf vollständige Gleichstellung mit den gewerkschaftlichen Organisationen jeder Art, muß Rechnung getragen werden. (Sehr richtig!) Auch den berechtigten Wünschen der Pridatange- stellten muß entsprochen werden. Sie müssen ebenso sicher- gestellt werden, wie die Arbeiter. Ihre Versicherung darf nicht unterbrochen werden. Bei ihrer Einrangierung in die Betriebe möge man sich der sehr ausgebcnrten Nachweise der Privatbeamten bedienen. Den Bestimmungen des § 2 über die Landwirtschaft stimmen wir zu. Die Wichtigkeit der Erhaltung von Arbeits- kräften für die schwerarbeitende Landwirtschaft kann gar nicht genug betont werden. Von Monat zu Monat wird es schwieriger dort die nötigen Arbeitskräfte festzuhalten und die bisherige Produktion an Lebensmitteln fortzuführen. Die Regierungsvertreter haben anerkannt, daß der Pressedienst sowohl in der Redaktion, wie in seinem technischen Teil aufrechterhalten werden mutz. Ich hoffe, daß es auf dem Wege der Freiwilligkeit gelingen wird, die nötigen Arbeitskräfte für die staatlich notwendigen Betriebe zu gewinnen. Wo aber die Freiwild gket versagt, muß der Zwang eintreten. Wir wollen alles tun, um den Privatrechten der einzelnen die erforderliche Rechtssicherheit zu geben. Wir haben nach Kautelen gesucht und sind dabei auf die Or- ganisationsfrag-en gekommen. Die Vorschläge der Gewerkschaftsvertreter in den verschiedenen Fraktionen haben in den Beschlüssen ldes Ausschusses ihren Ausdruck gefunden. An der Frage der obligatorischen Arbeiterausschüsse hängen wir im Reichstage ja schon seit Jahrzehnten. Auch die Frage ist geregelt, wie es zu halten ist, wenn keine Einigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. pu erzielen ist. DaS Gesetz ist unter dem Trommelfeuer d ct fronten geboren. Das H indenburgprogramm ist ein Mu-iurionsprogcamm, daS aus der Not der Zeit herausgewachsen ist. aus der Erkenntnis deS Vernichtungswillens unseres Hauptfeindes, Englands, und unseres festen Willens, zu siegen. Diese feste Energie ist auch in dem bekannten Hindenburgbriefe zum Ausdruck gekommen. Wenn daS Volk die Notwendigkeit der Gc- setze erkennt, wird eS sich auch mit ihren Unbequemlichkeiten ab finden. Die „Times" haben gesagt: „Die Bestie brüllt nicht mehr, sie heult nur noch, und wir müssen alles daran setzen, um sie ganz zu erschlagen!" (Heiterkeit.) Die beste Antwort darauf sind unsere Erfolge in Rumänien. (Beifall.) Das Gesetz ist nicht der Ausdruck dafür, daß wir am Ende unserer Kraft angelangt sind, sondern daß wir willens sind, alle ungenützten Kräfte in den Dienst deS Krieges unseres Vaterlandes zu stellen. Es soll kein Strohhalm sein, den wir als Ertrinkende ergreifen, sondern e i n Beweis des festen Willens, den Krieg zu beenden und einen deutschen Frieden zu bekommen. (Beifall.) Der Abg. David hat die Beschwerde über die Erklärungen Scheidemanns zurückgewiesen. Es handelt sich vor allem um die Frage der Annexionen und um die Bemühungen Scheidemanns, es so darzustellen, als ob der Reichskanzler mit ihm darin einig ist, daß keine Annexionen erfolgen sollen. Herrn Scheidemann wird es nicht gelingen, den Beweis zu erbringen, daß zwischen ihm und dem Reichskanzler in diesem Punkte eine Uebereinstimmung besteht. Dagegen sprechen schon die Reden des Reichskanzlers, in denen er ausgeführt hat, Deutschland müsse seine Stellung so stark auöbauen, daß ftemden Mächten die Neigung vergeht, wieder Einkreisungspolitik zu treiben. Im Dezember vorigen Jahres hat der Reichskanzler davon gesprochen, je länger und verbitterter unsere Feinde den Krieg- gegen uns führen, um so mehr niühtcn die Garantien wachsen. Weder im Osten noch im Westen dürften unsere Feinde über Einfallstore verfügen. (Zuruf bei den Soz.. Damals!) In diesem Jahre hat der Reichskanzler in seinen Reden festgestellt, der Status quo ante könne nicht wieder hergestellt werden. Belgien dürfte nicht wieder ein englischer Vasallenstaat werden, nicht wieder als tvirtschaftliches und militärisches Bollwerk Englands gegen uns ausgenutzt werden; Deutschland werde nicht dulden, daß der so lange niedergehaltene flämische Volkstcil erneut unterdrückt werde. Angesichts der Versuche Scheidemanns, den Reichskanzler in seinen Bannkreis zu ziehen und ihn als Kronzeugen für seine eigenen Ansichten zu gewinnen.^muß das immer wieder betont werden. Der Abg. David hat erklärt, daß die Friedensbereitschaft Deutsch. I a n d s immer wieder betont werden müsse. Der Reichskanzler hat am 15. Juni hier ausgesprochen, daß jedes FriedenSgefprach zur Zeit vom Nebel ist. Das ist auch unserer Ansicht nach richtig. Zu betonen, daß wir den Krieg nicht auS unbegrenzten Erobe- rungsgelüsten fortsetzen wollen, mag richtig gewesen sein. Tie ständige Wiederholung wird im Auslande nur dahin ausgelegt, daß wir am Ende unserer Kraft sind. Mehr als jedes Gerede von FriedenSbcreitschaft bringt unS ein solches Gesetz, das die volle Energie unseres KriegSwrllenS dokumentiert, dem Frieden näher. Wir haben, wie Ludendorff sagte, den festen Willen, den Krieg siegreich zu beenden. In diesem Sinne begrüßen wir dieses Gesetz als Durchführung der wirtschaftlicben Molnlmachung unseres Volkes. Wir sehen in der raschen Bewilligung und Durchführung dieses Gesetzes ein weiteres Mittel zur Erringring eines deutschen Friedens. (Beifall.) Abg. v. Payer (Fortschr. Vp.): Das Massenaufgebot mutz durchgeführt werden. Ernstliche Schwierigkeiten sehen auch wir. Niemand kann die Einzelheiten übersehen. Eine gründliche Beratung würde Monate dauern. Hier aber gilt rasche Tat. Da muß das Beispiel vom 4. August wiederholt werden. Aber gewisse Sicherheiten find erforderlich. Der Reichstag darf nicht wieder so völlig auSgeschaltet werden. Der Entraurf deS Ausschusses wird dem Haufe morgen dorliegen. Bei der Vorbereatung ging es etwas anders zu als sonst. Warum soll man aber nicht einmal die alten auSgefabrenen Bahnen ver- bessern! Die Vereinbarung ist brauchbar. Sie dient dem Vaterlande und schützt den einzelnen. Der fünfzehngliedrigc Ausschuß wird sichernd wirken. Er ist nicht mehr als ein Beirat. Er muß denselben Anteil an der ausübenden Gewalt haben wie der Reichstem sie an der Gesetzgebung hat. Es ist ein neuer Weg. der nicht ohne Bedenken ist, aber er muß versucht werden. Mögen auch die Vertreter der grauen Theorie von kaltem Entsetzen geschüttelt werden. Jeder Teil gibt Rechte auf, der Reichstag tmb der Bunde-rat. Härten werden fich nicht ganz vermehren lallen. Aber alles muh gerecht zugehen. Dafür müssen die Rechtsschutzbestimmungen sorgen. Manche sozialpolitische Fragen werden hier wie der gordische Knoten durchschlagen. Die Freiwilligkeit hätte man erit einmal erproben sollen. Wenn ein Zwang dahintersteht, äußert sie sich allerdings temperamentvoller. In vielen Zuschriften an uns wird um Unterstellung unter das Gesetz gebeten. Eine Ein. beziehung der Frauen fft zur Zeit nicht notwendig, heute würde sie unnötige Beunruhigung schaffen; würde sie einmal nötig, so wird sie am guten Willen der Frauen nicht scheitern. In der Frage der Entschädigungen haben wir viele Bedenken. Alle Schäden kann man nicht vergüten. Schließlich würde man noch den auS der Erfüllung der Wehrpflicht entstandenen Schaden berücksichtigen. Alle müssen Opfer bringen. Die ReichSregierung will auch staatsrechtliche Opfer bringen und auf manche Machtausübung verzichten. Unsere Opfer tverden nicht vergeblich gebracht werden. (Beifall.) (Die Sitzung dauert fort.) Die Trauerfeier in Men. Wien, 30. Nov. (WTB.) Heule früh traf der deutsche Kronprinz zur Teilnahme an der Leichenfeier ein. Im Nordwestbuhnhof hatten sich zum Einpfang der Botschafter v. Wedel mit den Herren der Botschaft, der General- adjutant des deutsck)en Kaisers v. Messen, der dem verblichenen Kaiser zugeteilte General v. Cramon, der zum Ehrendienst Ungeteilte Feldzeugnreister Rohn von Hermann- stadten, der Kommandant oes Kriegspressequartiers General Hoen, der Direktor der Nordwestbahn Goudebrück eingesunden. Kirrz vor acht Uhr.traf Kaiser Karl in der Uniform seines preußischen Hnsarenregiments mit dem Bande des Schwärzen Adlerordens und den Abzeichen des General- feldmarschaÜs ein. Er hielt einen kurzen Cercle mit den zum Empfange erschienenen Persönlichkeiten ab. Der Kronprinz trug die Uniform seines österreichifch-ungarischen Hnsaren- Regirnents Nr. 13 mit dem Bande des St. Stephansordens. Der Kaiser hieß den Kronprinzen herzlich willkommen. Kaiser und Kronprinz fügten einander und drückten einander herzlich die Hand. Sodann begrüßte der Kronprinz den deutschen Botschafter und Herrn v. Plessen und die übrigen Herren der Botschaft und nahm die Meldung des Feldzeug- meisters Rol)n entgegen. Hierauf erfolgte die Vorstellung der beiderseitigen Begleitung. Sodann verließen der Kronprinz und der Kaiser den Bahnhof und fuhren mit dem Automobil in die Hofburg. Sogleich nach dem Eintreffen in der Hofburg machte der Kronprinz der Kaiserin Zita seine Aufwartung. Um Vall Uhr vormittags empfingen Kaiser Karl und Kaiserin Zita in der Hofburg die fremden Fürstlichkeiten, die in Wien zu den L-eicheufeierlichleiten ein- getrosfen finb, hierauf die hierher entsandten Spezialgesandten. Die Beisetzung. Wien, 30. Nov. (WTB.) Unter Entfaltung allen Gepränges, welche-' das Hvfzeremvniell für diesen tief traurigen Anlaß vorsieht, unter einer seit Menschengedenken wohl £nmt je dagewesenen pietätvollen Beteiligung des Herrscher- ' Hauses der verbündeten urrd befreundeten Staaten und der BÄcker der Monarchie fand heute die Beisetzung weiland Seiner Majestät Franz Josefs in der Gruft seiner Väter statt. Eine Rede de§ bulgarischen Ministerpräsidenten. . Sofia, 29. Nov. ' (WTB.) Finanzminister T 0 n t - sch e w gab gestern in der S ob ra n j e eine Darstellung der Finanzlage Bulgariens. Hieraus ergriff Ministerpräsident Nadoslawow das Wort, um die politische Lage des Landes seit der letzten Tagung der Sobranje darzulegen. Die bulgarische Neuerung bemühte sich stets, mit Rumänien freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, selbst nach dem tiefen Schmerz, den dieses ihm durch das feindliche Eingreifen im Jahre 1913 und durch die Abtrennung der Dobrudscha bereitete. Diese Bemühungen schien.cn anfänglich einen so guten Erfolg zu haben, daß 1915 bei Eröffnung der FeüidseligLsiten rnit Serbien die rumänische Regierung in Sofia die formelle Versicherung abgab, daß sie die Neutralität bis zum Ende des europäischen Krieges beolxrchten werde. Bald jedoch begamren sich seitens Rumäniens wenig frarndschastliche Anzeichen bemerkbar zu machen. Im August 1916 hatte int bulgarische Regierung, vollkommen unterrichtet darüber, roas bei chaen Nachbarn im> Nordchr vor sich ging, keine Illusionen über dessen Absichten So Mußte sie denn ihre Vorsichtsmaßnahmen treffen,, die Berteidigimg der bulgarüch-ruTnäni scheu Grause verstärken, wobei sie Rumänien noch versicherte, daß die von Lr getroffenen Maßnahmen nur auf den Schutz des bulga rischen Gebietes gegen einen etwaigen Einbruch abtzieltem Gegen Ende desselben Monats kam der rumänische Gesandte DeMffi' der seit einiger Zeit abwesend war, nach Äofia. Es be- tzrmr sich das Gereicht m verbreiten, daß seine Regiermg in dem Ä , in galten Be^iel-ungen mit Bulgarien zu bleiben, bereit sei 1913 aunckrierte Dobrudscha zurückzuerstatten, die Berpfiichtrrng, für den Fall einer militärischen Aktion Rumäniens geigen Oesterreich-Ungarn passive Haltung zu beobachten. Diese heuchlerische Freundschaft, durch die Rumänien Zeit gsvinnen trachtete, um die höllischen Pläne gegen Bulgarien öarHnftrhren, übte in Sofia einige Wirkung aus. Die Regierung jedoch, die den durch diese Mannschaften verfolgten Zweck wohl Nannte, ließ sich inichtt in die Schlinge locken, und als Deruffi um eirre Audienz bei Radvslaiwivch bat, lchntce dieser ach, ihn zu ernp- sLLHen: denn er hatte selbst 11/2 Jahre vorher Rumänien und allen Desverungen der Ententemächte, die damals ängstlich Vermieden hstten, diese Frage Kt erörtern, einen ähnlichen Vorschlag gemacht Unterdeffev erklärte Rumänien Oesterreich-Ungarn den Krieg, und seine Truppen verletzten die bulgarische Grenze. Bulgarien ein owgcndkrckkiches ZurÜcLvekchnc, dar in der Erwartung de- Augenblicks, in dem man das verlorene Gebiet zrurückgeroinnen und sogar noch weiter vorstoßen können wird, -nr Verhütung unnötiger Opfer beschlossen wurde. Dieser Augenblick naht, denn die vom Kriegs- sckMchlatz in Rumänien kommenden Nachrichten, wo unsere Truppen bereits die Donau aus der ganzen Länge ihres Laufs überschritten l>aben und die auf Bukarest zurückweichenden rumänischen Truppen verfolgen, lassen erhoffen, daß die dort im Gange bestndliä-en Operationen sehr bald einen glücklichen endgültigen Llusgang abschließen werden. Der Ministerpräsident kam sodann aus die Vertreibung der Vertreter der verbündeten Mächte in Athen durch den französischen Äldnttral zu sprechen und sagte: Wir stehen nach wie vvr zu der rechtmäßigen Regierung und dem »Nig von Griechenland, die ohne Macht war, diese Gewalttat zu verhindern, doch sind wir ohne Verbindung mit ihnen. Schließlich erklärte Nadoslawow, er hoffe, daß in einiger Zeit die verbündeten Regierungen ihren Parlamenten glückliche Nachrichten bekanntgeben können, die die Zustimmung aller verbündeten Nationen finden werden. Arr§ Stadt und Land. Dießen, 1. Dezember 1916. Deutschlands Säuglings- und Kleinkinderschutz. Die unter dem Protektorate der Herzogin Viktor ia Luise zu Braun schweig steheirde große deutsche Organisation zum Ausbau der Säuglings- und Meinkinderfürsorge hat ihre ernsten itnb wichtigen Arbeiten in vollem Umfange ausgenommen. Seinem Begründmrgsprogramm getreu, fördert der, unter dem Ehrenvorsitz des Generalfeldmarschalls v. Hindcnburg und des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg tätige Verein „Deutschlands Spende" (Geschäftsstelle Berlin W. 8, Taubenstraße 16 1 ) den Ausbau irrt Gebiete des Deutschen Reiches, überträgt aber die Sonderarbeit den für die einzelnen Bundesstaaten gebildeten selbständigen Organisationen. Diese LarteesanssckKsse haben sich irunmehr gebildet; es gehören- ihnen die hervorragendsten Vertreter der Regierung, der Gelehrtenwelt, der Industrie und des Handels an. Als Auftakt zur Arbeit des Vereins können die Worte angesehen werden, mit denen der deutsche Kaiser am jüngsten Geburtstage der Kaiserin seine Spende für die Erweiterung des Säuglingsschuhes begleitete: „Tie Bekämpfung der noch immer hohen Säuglingssterblichkeit gewinnt im Zusammenhang mit dem zunehmenden Geburtenrückgang und den schweren Opfern des Zkrieges für die Zukunft des deutschen Volkes eine Bedeutung, dix das wanne Interesse und die tatkräftige Müarbcit aller Vaterlandsfreimde beansprucht." Der Krieg hat die Wichtigkeit des Problems der Bekämpftm§j der Säuglingssterblichkeit inö hellste Licht gerückt. Umsomehr mutz von den Spitzen des Staates bis zum Vorstand der kleinsten Gemeinde, der Säuglings- und Meinkind er schütz als eine der wesentlichsten Aufgaben für das deutsche Volkstum erkannt und gefördert werden. In den Volksschulen nruß mit der Lehre der Grundsätze für Kinderhygiene begonnen lverdcn. Tie Gemeinden, insbesondere auch die auf dem Platten Lande müssen in der Organisation der Sänglings-Fürsotgesteltcn, der Schaffung von Mütterheimen, der Nenerrichtung von Krankenhäusern für erkrankte Säuglinge energische Fortschritte machen. Das Reich muß durch Fortführung des Gedankens der Reichswochenhilfe weiteren Grund legen zu einer Mutterschaftsversicherung großen Stils. An dieser großen Aufgabe für Deutschlands Volksgesundung urrd Deutschlands Kraftmehrung kann ein jeder im Deutschen Volke Mitarbeiten, sei es an amtlicher Stelle, sei es vom Lehrstuhl der WissensäMt, sei es durch Geldspende, sei ,es durch Mitwirkung in der Organisations- und Aufllärungsarbeit. Aehnlich wie die Na- tionalstiftunq soll „Deutschlands Spende für Säuglings- und Meinkinderschutz" zu einer der großen Kraftquellen werden, aus beneu nacb dem Weltkriege Deutschlands nationales Wachstum schöpfen kann. ^ ** Der Dezember im VolksmUnd. Der Dezember wird mit Recht! als ein Wimtormonat bezeichnet, denn in seinen Lauf fällt der kalenderinäßige Anfang des Winters. Die Witterung soll daher nach alten Bauernregeln ein echt winterliches Gepräge tragen/denn es heißt: „Im Dezember sei der Winter kühn, Weihnachten sei nur ans dem Tiffch grün". „Auf kalten Dezember mit tüchtigem Schnee folgt ein fruchtlwres Jahr mit reichlichem Klee ,Jst's in der heiligen Nacht hell -und rlast so gibt es ein segensreiches Jahr." Dagegen: „Weibnachten naß. gibt leere Speicher und Faß" und „Weihnachten im Klee — Ostern im Schnee". Hoffen wir daher mit Dezember aus Winters Anfang. ** Weizengeb ä ck — ohne Hefe! Wie wir erfahren werden in der Versuchsbäckerei der Neichsgetveidestelle nicht nur von sämtlichen Mehlen der ihr angeschloffenen Mühlen Backproben hcrgestellt, sondern es werden auch zweckmäßige Mehlmischungen! und Backverfahren ausprobiert. F. Nebelung, dem Leiter der Ber- suchsbäckerei der Reichsgetreidestelle ist es gelungen, durch besonde res Backverfahren WeizenineUgedäcke ohne Hefe herzu stellen. Die Gebäcke unterscheiden sich kaum weder in Form, Farbe und Ge schmack (von den sonst üblichen und haben noch den Vorteil längeren entschlossen, seinen Bündnisverpflichtungen treu zu bleiben, konnte! Frischbleibens als diejenigen mit Hefe her gestellten. Das Backvcr nicht länger zögern, obtvohl es auf zwei Fronten zu kämpfen hatte, fahren ist daher von großer Wichtigkeit, weil durch diese Erfindung Seine ist gegenwärtig in jeder Beziehung besriedignld. Zwar bei allgemeiner Einführung erhebliche Mengen Rohstoffe erspart mußten die bulgarische:! Behörden Bi t olia vor dem Vorstoß der und der menschlichen Ernährung ans einfache Art Zugänglich ge- darck der Sck)wäcbe der griechischen Politik aus sämtlichen Verbünde- macht toerbctt könnten. Die Reichsgetreidestelle stellt dieses , sehr ten der Entente gebrühten Salonrk-Armee räumen, aber dieses ist 1 einfache Verfahren, welches aus einer Neuzüchtung von Roggensauer aus Weizen beruht, im Jntereffe der Allgemeinheit kostenlos durch Veröffentlichung in den Bäckcrsachzeitungen zur Versorgung. ** Zuckerzuteilung int M 0 nat Dezember. xhe iEinkaussgenossenfchaft für das Großherzogtum Hessen m. b. v. in Mainz teilt Mit: Mit dem !.. Tczember tritt die Neuregel fcter Zuckerabgabe aus Grund der Einheitsznckeickarte in Kraft. Dre .stärke besteht bekmrntlich alus einer Stammkarte, auf die der Haus- btrltungsvocstand seinen st^amen eintragen muß, und au§ einer Reche Zuckermarken (Abschnitten), die mit fortlaufenden Nummern versehen sind. Jede Märke gilt für 250 Gramm. Nach bm nmnt Vorschriften gelangen vorerst- im Monat ihn: 500 Gramm für den Kops zwr Ausgabe. Für den Mvrrat Dezember ist indeß von der Girv- tak,'ssgesellschaft in Mainz eine besondereZuckerzulagc vorgesehen, so daß noch einmal die bisherige Menge von 750 Gramm ausaegeben wird. Es gelten somit für den VLowat Dezember die Zurtermarken Nr. 1, 2 und 3. Mit dem 31. Dezember verlieren die noch nicht' eingelösten Marken ihre Gültigkeit. Die einzelnen stvm- mnnalverbände werden noch bekannt geben,^ von welchem Tage an die Zuckermarken bei den Kleinhandelsgeschäften gegen Zucker eingelöst werden können. Kreis Friedberg. oa. Friedberg, 1. Dez. Dem Musketier Otto Frey im Jnf.-Rgt. 186 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. ,;a. Assenheim, 1. Dez. Der Kanonier Friedrich Ftnk- b ein er, 1. Batterie Feld-Art^Rgt. 241, wurde mit der Hessischen Tapserkeitsmedaille ausgezeichuet. Q. Bad-Nauheim, 1. D^ember. Der Bortrag desReichs- tagsähgeordneten K 0 p s ch - Berlin über „Die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands" war vortrefflich besucht. Die Ans- sührungeu des Redners, der die Piolitilk des Reichskanzlers als vertrauenswürdig bezeichnete, fanden den ungeteilten Beifall der VersamMung, in der sich auch viele Damen befanden. Einer Anregung des Prof. Strecker — der die Versammlung leitete — folgend, winde die Absendung eines Telegramms cm den Reichskanzler beschlossen, in dem ihm das Eurverständnis mtt feinet Führung der Staatsgeschäfte ausgedrückt wird. oa. Ockstadt, 1. Dez. Dem Musketier Joses Henritzi, Sohn des Landwirts Georg Henritzi, wurde die Hessische Tapserkeitsmedaille verliehen. oa. Pohl-Göns, 1. Dez. Dem Pionier Otto Z ö r b von hier, bei einer Minenwerser-Komgagnie im Westen, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Hessen-Nassau. — F r a n k s u r k a. , 29. Nov. Bei naturgemäß sehr schwacher Beteiligung und unter voller Wahrung des Burgfriedens wurden heute die Stadtverordneten wählen vollzogen. Die von den vier politischen Parteien genieinsnm aui- gestellten Kandidaten wurden glatt und ohne jeden Zwischenfall gewählt. Gewählt wurden 15 Fortschrittler, 7 Sozialdemokraten, 4 Nationalliberale und 1 Zentrumsmitglied. ----Bad Homburg v. d. H., 30. Nov. Seit vier Jahvar spielte zwischen der Stadt Homburg und dem Nachbarort Ämzen- heim ein P rozeß, bei dem es sich um eine Forderung Gonzenheims ans Verlegung der Homburger Klärbeckenanlagen handelte. Die Gemeinde Gmrzenheim hat in der Nähe der Anlagen eür auf- blühendes Villcngclände erschlossen und sieht dieses durch die Klärbecken gesundheitlich geschädigt und in seiner Eittwicklurtg stark gel-ewmt. Das Verivaltungsgericht hatte dem Verlangen Gonzenheims stattgegeben: nunmehr hat auch das ObervenvaLtungsgericht als letzte Berufungsinstanz zuungunsten der Stadt Homburg ent- scksteden. ___ WirrverHitLts-Nachrrchten. — Frankfurt a. M. , 30. Nov. Professor Dr. Morgen- roth aus Berlin, zurzeit Abteilungsvorsteher an dem Pathologischen Institut der Universität Berlin, hat den Ruf als zweiter Direktor des hiesigen Georg Speper-HaufeS abgelehnt. Märkte. ke. Wiesbaden, 1. Dez. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu 7,00 bis 0,00 Mark, Stroh (Richtstvohi 0.00—0.00 Mk., Krummstroh 4,00 Mk., Kornlangstroh 0.00 Mk. Alles für 50 Kilo. Bekanntmachung. Betr.: Landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs zur Anlag« einer Grubenbahn für die Gewerkschaft Glückauf Hessen zu Gieße?! von dem Haas'schen Gleis an der Main- Weser-Bahn bei Großen-Ltnden bis zur Landesgrenze. Tie Pläne zur Anlage einer Grnbeubahn für die Gewerkschaft Glückauf Hessen zu Gießen von dem Haas'schen Geleis an der Main-Weser-Bahn bei Großen-Linden bis zur Landesgrenze liegen mif der Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden vom 2. Dezember 1916 bis einschl. zum 5. Dezember 1916 zur Einsicht offen. Zur landespolizeilichen Prüfung des Projekts ist Termin aus Donnerstag, deu 7. Dezeniber 1916 nachmittags 12 Uhr 20 Minuten auf Bahnhof Großen-Linden festgesetzt. ' Einwendungen gegen das Projekt, welches sich Ansprüche wegen Verlegung mrd Aenderung öfsenllicher Wege, An- und Zufahrten auf Grundstücke, Einfriedigungen, Wasser- und Borflutverhältnisse usw. sowie die Herstellung von Schutzvorrichtungen zur Sickierung gegen die aus dem Bahnbetrieb entstehenden Ge- fahreir und Nachteile beziehen, sind bei Meldung des Ausschlusses spätestens im Termin vorzubringew Gießen, den 29. November 1916. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Hechler. Der Wohnsitz Kaffer Carls. Man schreibt uns aus Men: Kccffrr Carl zircht ,stn die Burg seiner Väter," er wird im alten SchLoß der Habsburger, mittettz fester den Wienern, im Herzen der Stadt nwhnen, und mit dem jugendlicki raschen Tetnperament, das tmn in diesen acht Tagen an allm senren Handlungen bemerkt hat. wird auch dieser Entschluß rascher, äls man denkt, ausFeführt sein, obwohl nÄ sehr viele Vorbereitungen, zeitgemäße Justallatronen und hygienische Neuerungen vorzunehmen sind. Kaiser Franz Josef hat die letzten Jahre seiner Rech^wmtg aus GesundhettSrücksnhten ansschließlstl) in der Park- und Wiesenluft von Sck>önbrwrn ver- br«ht. „Sichmtbrunn", das „BÄvedeve" (der Wohnsitz Frawz Ferdinands', der „Ballplatz", auf dem das Ministerium des Aeußern steht, waren europäische Begriffe der Politik und Tiplo- matie geworden, während die „Hofburg" seit anderthalb Jahr- zelmten nicht mehr. im Wörterbuch der Politik stand. Zuletzt hat sie Kaiser Fratrz Josef zu öffentlichem Anlaß wohl vor Mus Jahren anläßlich der feierlichen Eröfsmrng des neugewählten Parlaments im Hochsonckner 1911 betreten. Nun wird der uu- gel>eure Bau neu belegt werden, ein ganzer Stadtteil, la, eine kleine Stadt für sich, die nebst so inri> so vi^n hundert Wobn^ zimmern, nicht weniger als zwei Rresenbtblivlheken (dw Hos- bibliothek mit 1 Mllion Bänden, 27000 Inkunabeln und die Fideikommißbibkiol'hcck Mit 17 Sälen) und nicht weniger als znwi Museen umfängt: Tie Weltreisesanttnluug Franz Ferdinands ^md die unermeßlich, kostbare Schatzkantm'er. In ihr befindet sich, imter anderem die Kaiserkrone, der Ruchsapfel und das Reichsschwert des ehemaligen Heiligsn römischen Reiches deuffcher Nation, der „Florentiner", der viertgrößte Diamant der Welt, die Schlüssel zu den kaiserlichen Und erzhei^ogltchen Särgen m der KapiMnergmft, Napoleonische Andenken, und dre von der Kaiserin Elisabetl) bei der ungarischen .Krönung getragene ^ Dminariten^ krvtic, deren Wert man aus drei Millionen Kronen schätzt, 'und vre wahrsckenstich Kaiserin Zita beim gleichen Akt wieder verwenden wird. ?lußer den zwei Btblivcheken und den zlvei Museen mn- schließt die Kchserstadt iwch eine Sommer- und eine Winterreit- schnle, eine Stallmig, eine eigene Hofapotheke, ein eigenes Gericht (Olierhsfniarschallamt), eine Kirche mit der weltberühmten Hof- musikkavelle, au der im Laufe dar Jahrhunderte Mozart als Organist. Gluck als Konwositeur, Schrrbert als Sängerknabe. Anton Bruckner als Organist wird als Letzter in der Rerl>e der ganz Großen Hmns Richter von 1893—1900 als „Kapellmeister' gewirkt hat. Diese Fülle von verschiedenartigen Bestimmungen, bei denen die Zerenioniensäl«, die Ball- und Nedoutenräume, die Frem- denappartemertts, die Amtsrüume für das Obersthoftneister-, das Oberstjägermeifter- das Oberküchenmeister- uiid Oberstkämmerer- amt nock> gar nicht «mfgezählt sirrd, gibt einen beiläufigen Begriff von den miifüualichen Dimensionen der Hofburg, die ^vohl das kolossalste GebLn>e Mitteleuropas ist. Der Kern ist ein fast guadra- tischcs Viereck von vier Palästen, das sich aus den epheuumwach- senen, nrwi Jahrhunderte alten „Schweizerhof" mit Graben, Türmen, Gitterfenstern (einst Wohnsitz Kronprinz Rudolfs), dem anstoßenden., ganz schmucklosen ,L-wpoldinischen Trakt" (einst Wohnsitz Kaiserin Elisabeths, künftijg, Kaiserin Zitas), dem dunveren „Atnalisntrakt" und dem Hellen, hoch.senstrigen, barock gebauten „Reichskanzlertraktt zusammensetzt, dcrr der große Baukünstler Hildebrandt zur Zeit Karls VI. geschaffen, Franz Josef II. be- w-cchnt hat und den nun Earl I. bewohnen wird. An diesen guadvatisch-en Palastkern aber sind stadt- und ringwärts noch eine Menge von Kolo ssalgebäu den augebaM oder durch Schwibbogen verbunden, stadtwärts die z^wei Riesen- swnten der Hofbibliochek, der Redoutensüle, in denen es zur Kongreßzeit hoch herging, die Stallburg, die Hofapotheke und ringwärts der drei Stock hohe, an b-te 60 Fenster lange Barockflügel „die neue Hofburg" (im Sttl der Hofmuseen) 1881 nach Gedanken Fischer von Erlachs durch Gottfried Senrpcr entworfen, von Hasenauer begonnen und heute noch im Innern nicht ganz vollendet, trotzdem Franz Ferdinafrd in der Absicht, lper einst zu residieren, den Bau möglichst beschleunigt hat. Für die innere Aus- schmückimg dieser neuen Hofburg hat Franz Ferdinand von Wiener Künstlern, Ludwig Koch, L. B. Eichhorn Carl Friedrich Csur, Carl Pippich einige Msmimentalgemälde bestellt, die Szenen aus der habsburgtsch'en Geschichte—leider mehr großflächig als groß- artig — darstellen. Ein Teil des Flügels bcherbergt die sogen. Estenischen Sammlungen, bas kulttirhist 0 rische und naturhistorische Museum, das Frmrz Ferdincntd von seiner Reise um die Welt aus Indien, Java, Persien mttgebracht und hier in 23 ,Riesen- sälen aufgestellt hat. Im Oberstock ist die Fideikommißbtbliothek untergebracht, die u. a. eine einzigartige Sammlung von Por- ttättsterr aller Zeiten und Länder und eine interessante Sammlung der Huldigungsadressen an Kaiser Franz Josef enthält. Stadtwärts aber an die „Alte Burg" anschließeitd liegen die, freilich noch nicht eingerichteten PZohrlgemäcl-er, die Kaiser Catt und Kaiserin Zita nach dem Proviiorium in der alten Burg Mnfttghin dmiernd bewohnen werden, Aug in Ang n;it dem ,Heldenplatz", Hen Standbildern Prinz Eugens und Karl von Aspern, den: Parlament, dem Rathaus Und dem Kranz der Berge und Weingelände un: Wien, die der Natursinn des Kaiserpaares so sehr liebt. * — Wiesbadener Uraufführungen. Atts Wiesbaden wird uns geschrieben: Das Könsgll Theater brachte die veichsdcrttsche UrauMhrung des Märchenlustspiels „B a s e m der GrvbschMied" von Otto Stößl. Kein NLärchen ftte Kinder. «nUr eine sehr — ausgewachsene Harmlosigkeit, deren Stoff den Märchen von „Taniendmnd eine Nacht" entnommen ist. Basem der Grobschmied, der stets zinfriedene, der nur 5 Derhem täglich braucht, um glücklich zu sein und leben zu können, roird durch ein Arbeitsverbot des Kalifen, der seine Freude daran findet, den Anspruchslosen zu cpiälen, mis seiner gleichmäßigen heiteren Gemütsverfassung gerissen. Zuletzt aber kommt alles in schönste Ordnung, da der Kalif sich wieder besänftigen läßt. Der lebhafte Beifall ist wohl vor allem der GestalttingÄcaft zu danken, die Herr E v e r t h als „Basem der Grobschmied" entfaltete. — Das Residenz-Theater überraschte durch die Uraufführung eines Bauerndrmnas« „A l t m u t t e r" von Fritz P h i l i p p i. Der Verfasser ist ein hiesiger sehr geschätzter Pfarrer, der durch seine Romane imd Novellen in ganz Deutschland bekannt geworden ist. Es ist ein Kriegsstttck im ''guten Sinn. Tär Krieg bricl/t aus', die Männer eilen zu dem Fahnen. Auch den Raabhntter Jung treibt es fteiwillig hinaus, den Siebzehnjährigen. Tie Mütter tvill den Einzigen ziehen lassen, aber die Alttnutter sträubt sich. So lange er niklü hinaus m u ß, soll er Kr Hause bleiben, danftt „die Sach!", das Lantz. zu seinem Rechte kommt. Da ist Bauerrrtrotz, ,;»ider Bauerntrotz, d»ck beide sind zäh. Der Raabhütter Jung geht in den Krieg, während die Altmutter wie ein Mwm Iws Land besorgt, verbissen nutz böse, dabei eine starke, heimlick>e Sebnsncbt nacb dem Enkel im Herzen, Ms der Enkel mit einem zerschossenen Arm, aber dos> als ein ganzer Mann, ein echter Raabhütter, znnickkehrt, d« k«nn tzie Alt- mütter rulfig sterben, denn nun ist eiirer tz«.', der für „die Sach!" sorgt. Und das alte, abgearbeitete Wleiib stirbt, wlie es gelebt hat. im' Bewsnßtsein erfüllter Pflicht. Der Beifall n^r sehr herzlich. Fite den abwesenden Autor, der als Pfarrer im Feuer der Somme« schlack)t seines Amtes nmltet, dankte Direkter Dr. Rau ch, der das Sttick mit Liebe rnrd Umsicht rwrbereitet mrd inszeniert hafte. ^Tie ..Altmntter" von Fvcm A nd ree-H uvar t war eim sehr gute Leisttmg, Mäske nnd Shiel ans einem Miß. Sie hatte starken Anteil an dem Erfolg des. Stückes.