Nr. 279 Swetter Blatt Erscheint ISqlich mit Ausnahme des Sonntag». 166 . Zahrgang Beilagen: ..«ietzener ZamiliendlSttett „Xreisblatt fUr den Ureis Gießen" und Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. H686. vankoerkehr: Sewerbebank Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Montag, 27 . November IM ZwillingSrunddruck und Verlag: Br ü hl'sche Universiläts-Bllch-u.St?indn,ckerei. R. Lange, Gieheir. Zchriftleitung. Geschöftrstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäft stelle u.Verlag: Schristleitung: 112 . Anschrift für Drahtnachrichten:AnzeigerDießen. Stürmer geht—Trepow kommt! Stürmer geht — Trepow kommt: Es ist das Ergebnis cin f* Persönlichen Ringkampfes zwischen dnr Ministerrr, wvber sich Trepow als der Gelvcrndteve erwiesen hat. Stürmer wünschte nach Jnsorinationen eines Stockliolnier Gewährsmannes neue Stcmtsiiwnopole, um dem geborstenen russisclien Finanzkoloß wieder auf die Beine zu helfeii Aber FrnanMinister Bark und Landwirtschastsminister Bo- brrnski waren dagegen, weil Monopole jetzt im Kriege und wo alles noch ungewiß sei, auf die betreffenden Privat- industrien vernichtend wirken würden. Resultat: Der m* nisterrat beschloß Weglegung aller Stürmerscher Akten über Monopolpläne. Also eine Niederlage Stürmers in der inneren Politik, ehe er noch damit die Schwelle der Duma beschritt. Die meisten Zwistigkeiten aber hatte Stürmer nnt dem bisherigen Eisenbahnminister Trepow. Auf Trepows Anregung hin wurde vor mehreren Monaten ein sogenannter Mnfministerrat zur Beilegung der Lebens- mrttelkrisrs rns Leben gerufen. Stürmer war Trepows steigender Einfluß ein Dorn im Auge. Er reiste zum Zaren und erhielt die Vollmacht, die Lebensmittelfrage allein zu entscheiden und den Mirfministerrat mit der Begründung aufzulösen, daß dieser zu keinem Ergebnis geführt habe, da b:e Lebensmittelfrage nach wie vor kritisch sei und die Organisationslosigkeit im Rücken der Armee weiter zu- nehme. Trepow. wegen dieser Zurücksetzung gekränkt, rich- tete darauf an Stürmer ein offenes Schreiben, worin er in der Lebensmittelfrage weitere Vollmachten verlangte. Er hat sie von Stürmer nicht erhalten, aber — von jenen gehermen Mächten, die den Willen des Zaren, d. h. der leitenden Kreise am Hofe ausführen, ohne daß man zunächst weiß, woher der Wind weht. Trepow soll die russische Krise mrf dem Wege einer großen Verkehrs re form lösen! Trepow wurde Wegebauminister bekanntlich als Nachfolger rbuchloffs, der sein Schäfchen beim Hafenbau von Archangelsk rns Trockene gebracht hatte, dann aber nicht wegen dieser lumpigen paar Millionen, die auf die Seite gingen, stürzte, janbem wogen der Lebensmittelkrise in Petersburg, für die rnau die Ursache in den Transportverhäll- niflen suchte. Aus der Petersburger Lebensmittelknappheit wurde unterdessen eine russische Ernährnngskrise, und von Trepow erwartet man immer noch das Heil. Damals, im Dezember 1915, als der in der russischen Geschichte so vielgenannte Mann das Amt des Verkehrsministers antrat, erklärte er auffallend freimütig, daß er vom Wegebau und von den Eisenbahnen durchaus keine dlhnung habe. Er stürzte sich mit Eifer in seine neuen Aufgaben und begann damit, den Moskauer (Äsenbahnknoten zu lösen, wo sich Tansende von Güterwagen zusammengeflruden hatten, deren $eeamft ebenso unbekannt war wie ihr Bestimmungsort. Dann stellte er die Verbindung Petersburgs mit dem Süden wieder her. Im Sommer dieses Jahres trat er bereits mit ei nem großen Plan neuer strategischer Eisenbahner: NicA ungeschickt ließ er zunächst den Kriegs- mtntster sprechen. Dieser erhob das Verlangen, eine Anzahl d« wichtigsten strategischen Eisenbahn straften neu herzu- stellen beziehungsweise auszubauen. Für einen ordnunqs- nraßigen Verlauf des Aufmarsches des russischen Heeres 'ser der Bau von insgesamt 38000 Werst Eisenbahn erftrder- lich. Dann rückte Trepow mit seinen Akten heraus und es wurde im russischen Mi nisterrat beschlossen, zu Anfang Des Jahres 1917 mit dem Bau von vorläufig 23 000 Werst strategischer Eisenbahnen sowohl im europäischen als auch im asiatischen Muftlaird zu beginnen^ Die. Mittot für oen Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes sollen von England und Frankreich vorgestreckt werden, die für eine bestimmte Zeitdauer das Kontrollrecht für die neuen Eisenbahnen erhalten werden. Der russische Delegierte der Wirtschastskonferenz der Entente Mvkrewski erklärte dem Vertreter der „Nowoje Wremja" in dieser Beziehung, daß der Ausbau der russischen Beförderungsmittel mit Hilfe der Verbündeten im weitestgehenden Maße geschehen werde und daß sich auch die Wirtschastskonferenz mit dieser Angelegenheit eingehend be- sck)äftigen werbe. Soweit das ursprüngliche Problem Treppt- Durch die russische Lebensmittelkrise dürfte es eine einschneidende Aenderung erfahren haben. Nicht einen neuen Aufmarsch vorzubereiten gilt es jetzt, sondern Rußland vor dem Hunger zu retten. Ist Trepow der Mann dazu? Mb. Deutscher Reichstag. 75. Sitzung, Sonnabend, den 25. Novemher. Am Tische des BundesratZ: Staatssekretär Dr. Helfter ich, Lisco. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung nach SA. Uhr und balt, während die Abgeordneten, die Regierungsvettreter und die oefucher der Tribünen sich erheben, folgende Ansprache: . 2n den letzten Tagen waren unser aller Blicke gerichtet «ruf das Kaiserschloß in Schöubrunn, wo Seine Majestät der ^.5 ss E r u n d König Franz Joseph in seinem ehr. würdigen Alter die Augen zur letzten Ruhe geschlossen hat. Welch em Lebensweg ist damit zu seinem Endzftl gekommen! Im jugendlichen Alter von 18 Jahren, während einer die Geister auf. wühlenden Revolution auf den Thron gelangt, schloß er seine Herrschertättgkeit mitten im Weltleiege. den das Schicksal dazu bestimmt hat, vNkeruniwälzend die Geschicke der Nationen zu be- emsiussen. Mas zwischen dem 2. D«emLer 1848 und dem 21. November 1916 gelegen ist, umfaßt mehr als ein einzelnes Men,chenleben umfassen kann. Schwere Sorgen und Schicksalsschläge, aber auch große Gedanken und große Laten haben das Leben dieses altehrwürdigen Monarchen umschloffen. An seiner Bahre stthen die Böller der öfter- reichrsch-ungarischen Monarchie, steht das deutsche Volk zusammen mit denen des OSmanischen NeichsS und Bulgariens, um ihre Huldigungen darzubringen, den Manen deS Monarchen, der länger als ein Dtenschenalter treue Bundesgenoffenschaft ge. halten und der sein Bestes eingesetzt hat, um die Völkecftämme zu dem zu führen, um das wir kämpfen, nämlich Unabhängigkeit, Freiheit und die Ehre der Nationen. Ehre dem Andenken des dahingeschiedeneu treuen Bundes- genoffen, deS dahingeschiedenen Monarchen I Der Präsident verliest darauf das Telegramm, daS er im Namen des Deutschen Reichstages an das österreichische und ungarische Abgeordnetenhaus abgesandi hat, sowie die darauf ein- getroffenen Antworten. Lerichk des Ausschrrffes für yasdel usd Gewerbe. Auf der Tagesordnung stehen eine Reihe von De- richten des Ausschusses für Handel und Gewerbe, darunter ein Bericht über die Ueberführung der Kriegs, in die FriedenSwftt- schuft Sämtliche Berichte werden nach be« VorschlchAeA deS Ausschusses erledigt. # Damit ist die Tagesordnung erschöpft Der Präsident beraumt die nächste Sitzung «rn euch M i t t w o ch, 2 Uhr, mit der Tagesordnung: ErfteLesungdes Gesetzentwurfes über den vat«rrä»Üschen Hr-lfsdienft. Arre Ge?chWsgrd;vsgsMsPrsche. Abg. Gröber (Ztr.) beantragt, auch gleich die -roektr Lesung auf die Tagesordnung zu setzen. Abg. Lrdebour (Sog. A -G.): Dagegen erhebe ich im Einvernehmen mit meinen Freunden Widerspruch, tuest wir gegen dieses ganze Verfahren sind, daL jetzt durch den Antrag Gröber eine ausdrückliche Bekräftigung erhält. Dieses Verfahren besteht darin, daß man den Reichstag nicht genügend sich airSsprechen laffen will. (Lebh. Widerspruch.) Dieser Gesetzentwurf von ungeheuerster Wichtigkeit mußte so früh wie möglich an den Reicks- tag kommen und so gründlich wie möglich beraten werden. Wenn diese Vorlage Gesetzeskraft erhält, so würde sie die Arbeiterschaft des Rechts berauben, über ihre Arbeitskraft zu verfügen. (Lebh. Widerspruch und Unruhe.) Die vollkommene Knechtung würde die Folge sein. (Allgemeine stürmische Entrüstungsrufe und heftiger Widerspruch) DaS muß die Wirkung sein. (Pfui, und Schluß- rufe.) Abg. Baffermann (ntlb.): Gegen diese Ausführungen möchte ich namens meiner politischen Freunde den entschiedensten Widerspruch einlegen. (Lebh. Beifall.) Die bisherigen Vorbesprechungen haben die große Wichtigkeit der Vorlage bereits erwiesen. Es besteht kein Zweifel, daß es im vaterländischen J»> teresse liegt, diese Vorlage tunlich st rasch zu sör- dern. (Zustimmung.) Der Vorschlag des Präsidenten trifft da» Richtige, ebenso auch der Antrag Gröber. Wir sind also dafür, auch gleich die zweite Lesung auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung Au setzen. Nach der Geschäftsordnung ist das durchaus zulässig. Angesichts der hohen Wichtigkeit der Vorlage muß eine möglichst schnelle Verabschiedung erzielt werden. Dafür hat sich auch unsere Heeresleitung eingesetzt. Ich beantrage daher, die erste und zweite Lesung auf die Tagesordnung zu setzen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Gröber (Ztt.): Mein Antrag ist nach § 21 unserer Geschäftsordnung ganz zweifellos zulässig. Daß es mir bei meinem Anträge nicht in den Sinn kommen kann, die Rede- freiheit beschränken zu wollen, ist ganz selbstverständlich. Ich weise die diesbezüglichen Anwürfe des Abg. Ledebo-ur ganz ent- schieden zurück. (Zustimmung.) Abg. v. Payer (Fortschr. Vp.): Wir teilen die Auffassungen der Abgg. Gröber und Bassermann und halten es für wahrscheinlich, daß es Meckmäßig sein wird, schon Mittwoch in die zweite Beratung einzutreten. Heute wollen wir nur die Möglichkeit dazu eröffnen. Endgültig können wir uns ja am Mittwoch darüber schlüssig werden. (Beifall.) Abg. Scheidcmann (Sog.): Ich möchte bitten, es bei dem Vorschlag- des Präsidenten zu belassen. Alle Parteien haben den dringenden Wunsch über dieses Gesetz recht ausführlich zu reden. Wenn wir am Mittwoch eine zweite Lesung halten wollen, können nur das ja am Mittwoch beschließen, wenn kein Widerspruch erfolgt. (Zuruf rechts: Ist schon erfolgt) Wenn wir aber heute schon beschließen, die zweite Lesung auf die Tagesordnung zu sehen, so erwecken wir den Eindruck, als wollten wir die Verhandlungen überstürzen. Dazu haben wir doch keinen Anlaß. Ich möchte nicht, daß irgend jemand sagen kann, er wäre in diesem Hause vergewaltigt. Abg. Lcdebour (Soz. A.): Auch die Einzelberatung dieser ungeheuer wichtigen Vorlage muß gründlich erfolgen. Wird auch Die zweite Lesung auf die Tagesordnung gesetzt, so würde die Einzelberatung übers Knie gebrochen werden. Sre selbst sind von der Wichtigkeit des Gesetzes überzeugt. Ihr Vorgehen ist unverantwortlich gegenüber dem Volke. (Lebhafte Un* ruhe.) Abg. Graf Westarp (kons.ft Wir tragen die Verantwortung für unser Vorgehen, muffen aber die Verantwortung für das Vorgehen des Abg. Ledebour allen denen überlassen, die zu verhindern suchen, daß diese mutige und entschlossene Tat zur Herbeiführung des Friedens schnell erfolgt. (Sehr richtig.) Abg. Frhr. v. Gamp (Deutsche Frakt.): Wird die Koeite Lesung nicht aus die Tagesordnung gesetzt, so werden die Herren von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft Widerspruch erheben und damit die Einigkeit des Reichstags stören. Das aber wollen wir verhindern. Wir find in der Kommission der Verständigung selbst mit den Sozialdemokraten nicht mehr sehr fern, aber mit den Herren von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft gibt es ja keine Verständigung. Abg. Ledebour (Soz. A.): Die uns zugeschobene Berantwsv- hmg tragen wi. mit gutem Gewissen. Was daS Gesetz erreichen will, ist auch zu erreichen, obrre daß die Arbeiter rechts los gemacht werden. (Lebhafte Unruhe.) Gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen ffraf* tionen wird beschlossen, auch d i e z w e it 1 Lesung der Vottage auf die Tagesordnung zu setzen. Schluß gegen 4 Uhr. Die GMaMiGM ist morgen von 2 dir 4 Uhr geöffnet! Giefzerrer Stabttlyeatev. Festvorstellung zu Großherzogs GeLurtstug. Iphigenie auf Tauris. Schckufpiel von Molfganjg von Goethe. Zum dritten Male wurde der Geburtstag unseres Großherzogs Unter dem Zeichen des Weltkrieges begangen. Wie an den beiden vorhergehenden Malen, war auch diesnial eine Festvorstellung an- bevcrumt, der eine festliche Ouvertüre voranging. Das Haus war ausverkauft mtb unter den Gästen waren die Spitzen der Zivil- behorden, u. a. der Oberbürgermeister und der Rektor der Landes- wrversität zu bemerken. Infolge des Ablebens Kaiser Franz Josefs konnte das Offizierskorps an der Festausführung nicht teilnehmen. ™ des Ersatzbataillons des Infanterie-Regiments Karser Wtthelm Nr. 116 spielte Unter Leitung ihres tüchttgen Musik- lerters Brurw Hermann die Gluck'scheOuvertüre zu Iphigenie in Aulrs mtt heißem Bewühen und denrzufolge eindrucksvoller Wirkung Hierauf ergriff Oberbürgermeister Keller das Wott zu einer Ansprache, die etwa folgendes ausführte: ,. Hochc,eehrte Anwesenden! Zum dritten Male begehen wir heute drc Feier des Geburtstages Seiner Köpiglick-en Hoheit des Großherzogs nrmrtten des Weltkrieges. Alter Erleben ist heute gemeinem, aller Geschicke sind mit einmrder verbrrnden. Tie Einheit von Fürst Und Volk ist allen zum Bewußtsein gebracht. Jeder weiß, daß Uirser Großherzog sich eins fühlt mit seinem Volke. Tie Eigenart unseres Fürsterr ist nicht auf kriegerische Dinge gerichtet. Die Arbeit seines Lebens war immer nur auf Werke des Friedens bedacht Kunst und Wissenschaft, Wohltätigkeit imd Nächstenliebe lagen ihm stets am Herzen. Die kulturelle Veredelirng seines Volkes tvar ihm höchste Ausgabe. Nicht einer ist, der iricht llTÜnschte, daß der geliebte Larchesfiirst nach Beendigung des Krieges auf diesm Bahiren fort- fayren möge. Dann werden wir glücklich sein, der: Fürsten zu besitzen, b-er. in Fortfühnuig seiner Friedensarbeft sein Bestes ernsetzen wird, die Wunden ^des Krieges zu heilen und Segen zu säen, bitte Sie, zum Gelöbnis unverbrüchlicher Liebe imh ^reiie jttir von Ihren Sitzen zu erl-eben und einznstimmen in den Ruf. Lerne Kömgliche Hoheft unser Großherzog Ernst Ludwig, er lebe hoch, hoch, hoch!" . Die Anwesenden stimmten fteudig in diesen Ruf mit ein und i^^chy m begeisterter Stimmung die Landeshymne __Festaufführung war Goethes edelstes Menschlichkeits- drai,ra: .„Iphigenie auf Tauris" gewählt. Geraume Zeit ^ nacht mehr gegeben worden — mit Ausnahme emer Aufführung des Türerbundes im Philosophenwalde — und w war inan mtt allen Sinnen mnso fteudiger diesem Seelendrama ausgetml, dern die äußere Handlung beinahe ganz fehlt. Es war sinnvolle Abkehr tont den grausigen Geschehnissen unserer Tage, eure festliche Ernkehr zu den Bereichen geläuterten Men scheu ttmrs. wie sie sich Goethe, bevor er sein Werk vollendete, auf seiner Reise nach Italien selbst ersichlössen hätte. Alles ist hier irrnere Begebenheit natürlicher, aber sittlich hochstehender Menschen. Sie kämpsen nicht mtt der Schlechttgkett, nicht mtt der Gemeinheit, sonderrc nur mtt den Wünschen, Regungen, Erschütterungen des eigenen Herzens, um die siegreiche Kraft der Selbstverleugnung, der Selbstüberwindung zu lbewähren." Barbaren und Griechen, Götter und Mensck-en soerden versöhnt: in Menschlichkeit und Harmonie klingen alle Verwirrungen aus; Humanität verbreitet ihren milden Glanz. „Alle menschlichen Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit." Ms Iphigenie war Charlotte Pilz vom Hoftheater Darmstadt berufen. Wir lernten in ihr eine Künstlerin keniren, die die edelsten Regungen der Menschenbrust in eine sprachlich und darstellerisch reine Form M gießen vermag. Mit klarer samNretweicher Stimine ließ sie die edle Muffk ^^oethe'scher Verse in all ihrem verhaltenen Wohllaute aufklingen. Und diese Stintme versagte so wenig bei der Klage über die Geschiicke des Hauses, wie bei dem Ausbruch des alten TitaNentvotzes, bei der seelischen Not, den König mtt kluggesetzter Rede täuschien zu sollen, und dem Siege über den Groll des Königs. Es war seelisches Erfülltsein, von dem JNhatte der Goetheschen Schöpfung, was ihrer SttmNre diesen Klang verlieh rmd Lhre klassisch reinen Bewegungen — fremd aller seelenlosen Sti listik — zu gehaltvoller Ausdruckskimst führte. Wilh. Hellmuth als König Dhoas, war eine wenig glückliche Verkleidung zugeteilt worden, die auchi fern Spiel behiirderte Und ihm eine gewisse unbeholfene Schwerfälligkett aufnötigte, die man sonst nicht an ihm zu sehen gewohnt ist. Daß er es trotzdem fertig brachte, den edelherzigen Barbaren %u einer tiefbewegerchen Gestalt «verden zu lassen, nmß umso höher airerkannt werden. Osbrr Feigel gab den Orest. Es hat den Anschchir, daß er mehr aus dem augenblicklichen Mangel an schauspielerischen Kräften, als aus eigener Wahl, ins Helden fach« gedrängt worden ist. Daher möge er in dem sichtlichen Bemühen, seiner großen Aufgabe gerecht tzu werden, nicht entmuttgt werden. Mit gutem Willen wird sich Unzureichendes noch bessern lassen. Vor allem muß der Künstler sich bemühen, die Klangfarbe seines Organes weniger zu decken, dre gwße Geste überlegter zu venoenden und als Held weniger in der .Kniebeuge zu spielen. Adolf Falken entledigte sich der Rolle des Pylades mtt Anstand und Geschick. Als Gegeii- spieler des Geschvisterpaares kam sein heiteres Naturell glücklich zuc Geltung. Glänzend Mifgefaßt und einheitlich durchgeführt war wiederum der Arkas, den Max Wesolowski spielte. So vereinigte sich alles zu gutem Gelingen, wozu die diesinal unanfechtbar stimmungsvolle Bühnendekoration erheblich mit beitrug Direktor Stein goetter hat sich mit dieser Aufführung, deren Leitung er selbst in die Hand genommen hatte, aufrichtigen Dank verdient. ** — ^bisons spiritistische Erlebnisse. Der gwße amerikanische Erfinder Th. A. Edison veröffentticht in einem New Yorker Blatte erneu bemerkenswerten Anffatz über spirittstische Erscheinungen, die er selbst erlebt hat und nicht erklären kann' Es handelt sich um sogenanntes „Gedankenlesen", das ihm ein gewisser Berth Reese vorführte. Er bediente sich dabei keiner Hilsswerkzeuge auch brauchte er nicht einen besonderen „Trance"--Zuftand. Ein Freund Edrsons brachte diesen Berth. Reese eines Tages ohne Einleitung oder Vorbereitung in Edisons Werkstatt, und als Edison sich zuerst ablehnend verhielt, erklärte er sich berett, sofort seine Gedavi» kenlesekunst vorzuführen. Auf seinen Vorschlag holte Edison einen beliebigen Arbeiter seiner Aüstalten, dieser wurde in ein anderes Zimmer gebracht und mußte dort den Namen seiner Mutter einiger anderer Verwandten, seinen Geburtsort und ähnliche Angaben niederschreiben. Dann kam er wieder zurück, wobei er das Blatt Papier zusammen gefaltet fest in der Häird hielt. Bertb. Reese sagte >oiort alles, was der Arbeiter niedergeschrieben hatte, als ob er es von dem Blatte abläse. Der gleiche Versuch wurde sogleich mtt anderen Arbeitern imederholt; er gelang jedesmal, und nun wollte W)ison emen entsprechenden Versuch mtt sich selbst machen. Er ging dazu rn ern anderes Gebäude; dort schrieb er auf ein Blatt: „Mck alkalischen Stoffen etwas Gemgneteres als Nickelhydroxyd?" Dann wandte er seine Gedanken absichllich einem ganz anderen Gegeirstande zu und ging, nur mit diesein beschäftigt lmeder rn das andere Gebäude, in dem Reese geblieben war Reeft empftng ihn zu seinem Erstaunen mit den Worten: „Für eine Batterie aus alkalischen Stoffen gibt es nichts Geeigneteres als Nickel- Hydroxyd . Ber ernem anderen Versuche schrieb Edison auf ein Stück Papier in winziger Schrift die Buchstabenfolge „Kvno", dann ftagte ^ Reese, was er niedergeschriebeii hätte, und dieser sagte sogleich: ,Mno Die amerikanischen Gelehrten verspotteten Edison, als er M Versuchen erzählte, die ihm, tvie er eingestand, unerklär lrch seren. Be,anders Wttliam H. Dhoinpison, vorinals Vorsitzender der New Yorker Akademie der Medizin, behauptet aufs entschiedenste, Edison sei das Opfer eines Betrügers gewowen. Edison veranlaßt Thompson daraufhin, sich die Gedankenleftverfucbe Reeses selbst einmal anzusehen. Gs wurde in Thompsons Hause eine Sitzimg ver- anstaltet. Hierbei machte Reese folgende Angaben: Aus den: Boden ernes Kästchens links von Ihrem (Thompsons) Schreibttsche liegt ern Stück Papier, auf dem „Opsonic" steht. Urtter deni Buche, das hier auf dem Schreibttsche liegt, beftidet sich ein zweites Matt, aus dem „Ambrccptor" steht und ein drittes Blatt mit dem Wvrte ,.ftntlam", Thompson mußte zugeben, daß alles sttmmte. Er wie Edison konnten icdoch nickt verstehen, auf welche Weise Reese dies wrssen konnte und Reese selbst weigert sich, irgend ivelcke Angaben über ferne Gedankenlesekunst zu machen. Gewinn-Aaszug Lichtspielhaus • Bahnhofstr.34 Bi® inkl. Freitag, d©n 1. Dezember. H oira tas?©ui^s lt. Teil Das geheimnisvolle Buch des Homunculns. l>azu dns sehr gute Beiprogramm. . ; Welket* M Künstlerdrama in 4 Akten, verfaßt nnd inszeniert von Walter SchmiäthSssIer. 8510a — - 1 Anfang 5 Uhr. —— ■■■■ ■■ ■ ■ Spieldauer des Programms 3 Stunden. Beginn des Homunoulus um 6 x / 4 und 9*/ 4 . Kartoffel-Anmeldung. Diejenigen, die ihre Winterkartoffeln unmittelbar von Landwirren auf Kartoffelbezugsscheine bezogen haben, haben dies unter Angabe der bezogenen Menge spätestens bis 30. November auf den Brotmarkcnbezirken während der Geschäftsstunden mündlich oder schriftlich anzumelden. 8518B Gietzen, den 26. November 1916. Ter Oberbürgermersber. Keller. Geffeyilicher Vortrag §rau Adele Ichrelder-Arieger: Mittwoch, den 29. November 1916, abends 8% Uhr, in der großen Aula der Landesuniversität. 8459V Es ladet hierzu ein: Hansa-Sund für Gewerbe, Handel u. Industrie Ortsgruppe Gießen. Ziehung 1. q. 2. Dezbr. q fe@»a€bef ÜhjM d« 2 Ifefiriiraer üiuseufns ln fXsenadt. 3333 öeunnne zus.föarif «5000 | 2 S 30 i g« | Vorsohiedene’] AliceKr. 13, Nebkilhuis Mansarde an nur ruhige Leute per 1. Dez. 1016 zu vermieten. Näheres Alicestr.28 oder 31. [8247 Möbl. Zimmer Pension BraudlNesen SSt?s 22 «BeUevuelZim.m. u.ohneBer. pfleg, f. jede Zeitdauer. Mittag- u. Aben'orisch. Elektrisch Licht, Bad. Tel. 1085. [8445 Ba? ßhflß Afezug zahlbar tasifflisss durch Loffartetamk G.m.ö.H4 Eisenaeh. F«rn«r in den durch Plakate t kenntlichen VsrkaufsstellBn. 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November tut- Auf jede gezogene Narnner sind rw»l gtelck hohe Oswin** 1 gfl^ilen, and zwar je einer ssf die Lsss gleicher Nummer Id den beiden Ableitungen I nnd □ (Ohne GewÄhr.) (Nachdrack rerboten.) In der Vormittagsziebung wurden Gewinn« Übet 240 Mark gezogen. 2 Gewinne ru 10 000 M 42732 6 Gewinne zu 6000 M 1713 141291 211924 76 Gewinne zu 3000 M 61 6613 9432 22091 2657« 27034 33898 43716 46916 67392 72162 86814 88611 92360 94947 101048 111901 118359 126770 129367 133026 143672 164188 167748 159798 160700 1740Ö4 178033 182409 187731 188796 191968 192762 194442 226416 226916 227070 231304 160 Gewinne zulOOO M 260 6166 9732 1097« 11973 12886 14221 16861 26639 26136 33476 36993 37643 46538 46616 62692 67762 68219 60432 81806 64187 68831 76944 77162 82227 83664 86166 89003 93426 97676 99640 101601 101865 103860 103906 104908 111631 117782 120676 123237 125068 126970 128163 133620 140661 143602 163684 164648 16526t 166747 166926 160060 160274 161688 166159 179808 180278 180381 182986 183836 167606 180 47 194806 109426 201340 202353 206440 213036 21 ? '.3 2193-98 225791 226655 227669 228229 231404 204 Gewinne zu 600 Ll 1071 4419 5112 1631t 18454 21661 27470 32491 36113 44046 44056 44839 46622 49633 60071 62391 64395 66843 59064 693« 69617 63932 65286 65593 68389 72893 70 0 76146 84976 85395 87676 88293 90246 91341 92040 92196 92665 94503 95165 96717 97442 97607 100699 101176 103146 106296 106968 lOu. 110940 118409 119619 119667 122561 123080 127uo-j 127486 128216 128474 128940 132090 134284 134051 136723 141364 141834 142218 143977 146031 148863 161838 167091 183688 168712 168937 174377 170061 179209 184282 186231 186606 187314 100700 193251 196260 202616 202700 207924 209304 210146 211100 211183 214544 219130 224343 226189 226288 228884 22994t 230467 233966 In der Nnohmittogeziehnsg werden Gewinne Ober 240 Mark gezogen. 2 Gewinne zu 16 000 M 63868 4 Gewinne zu 6000 M 36389 207160 66 Gewinne zu 3000 M 1262 26346 26066 3099® 41247 43771 63317 83949 84611 89962 100609 101489 110748 122478 136377 137815 164033 162123 166307 167302 167670 177064 191877 193621 204766 216672 217492 231504 148 Gewinne zu 1000 M 4060 8400 8652 19109 24144 24609 33959 41669 46764 47128 47854 49264 49069 60365 53909 60979 63318 64282 65494 69396 70597 71718 74396 797*18 79872 80086 88639 96468 96136 96339 97840 98650 102890 103077 107399 114238 121793 129029 130358 132762 133974 135816 138077 146090 146206 147390 162212 164141 154920 155660 169221 163366 168788 170282 174342 179607 179776 179904 183111 189977 194533 195247 198066 199286 199789 204725 204789 210132 210340 216660 220814 224047 225356 227827 202 Gewinne zu 600 M 991 7252 16668 1701® 17160 21086 24540 26320 33715 36876 46117 47809 48793 48853 60115 61827 62660 62123 62191 63603 63786 65131 66967 66860 67613 67864 70649 72318 72964 74494 77699 79004 79548 84927 85264 86469 87302 88987 89760 98606 102323 104685 105381 105779 109114 109848 112812 113621 114518 122325 122326 124737 127333 131057 131642 136392 137124 141048 141407 142474 146082 146228 149926 160040 160148 150419 164326 166660 166383 166413 157733 162731 163960 163962 164797 170996 171315 173809 173084 176041 179687 181547 186638 186899 189245 190241 101074 192701 197176 205989 208882 210932 21194« 216217 216204 219222 220392 227201 26038» 260428 23134« Gewinn-Ans zu* der 8. Preusslsch-Siiddeatscbeii (234. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterto ft. Kinase. 16. Ziehungstag. B&. Kaveasbcr 1915 Auf jede gezogene Kammer sind zwei gleleh hebe be- winne gefallen, and zwar Je einer auf die Lose gleicher Nummer In den beiden Abteilaagea I send II (Ohne Gewihr.) (Nachdruck rerfcotwO In dar Vormittagsziehung wurden Gewinn« tk«r *40 Mark gezogen. 8 Gewinne zu 16 000 M 103635 169856 224667 4 Gewinne zu 6000 M 183814 233491 69 Gewinne zu 3000 M 22 26102 38401 44983 45836 49069 67422 74369 85324 90810 94476 11044« 116146 119914 122533 136177 137460 146607 148096 151381 161403 165602 192706 194901 196474 199928 200866 211028 219815 222009 322632 234995 233248 152 Gewinne zu 1000 M 215 6337 8208 9642 10198 16407 10740 17821 20843 21178 25898 30187 38680 37540 38791 44864 49271 60942 61193 64465 65493 60940 58383 61689 63736 68172 71138 78811 79035 79533 82441 88437 90802 94887 97090 90671 106862 107001 113060 113814 117858 118940 122214 123462 133470 133487 134011 137248 133627 140380 142134 147150 149726 164204 156425 161669 196429 1693*2 189262 175372 170182 184433 188163 102936 196209 197280 200022 202917 206093 208606 209996 216467 216387 217328 219632 230504 180 Gewinne zu 600 M 821 6137 11680 14326 24602 30498 30737 36856 48098 48310 48531 49336 66420 66763 55911 04216 73538 74664 77278 83682 86581 80627 87948 89720 89824 90040 94486 94820 05206 96076 90194 100640 100910 103339 108108 11271» 113065 114330 114493 117191 117242 120209 120997 123400 123989 127307 129236 129898 I32S89 133408 136388 136469 137622 138061 142913 145874 140492 149195 150021 161214 161665 152173 156954 157493 157627 160770 166610 163426 179199 179508 181404 181572 183492 186390 187663 189918 198006 1942« 197080 197684 198205 202317 205353 213830 21443» «19536 220118 230724 232591 233422 1> dar Nachmittagsziehung wurden Gewinne Ober *40 Mark gezogen. 2 Gewinne zu 100 000 100530 4 Gewinne zu 10 000 M 88248 1444« 4 Gewinne zu 6000 M 48318 158794 42 Gewinne zu 3000 M 16820 19943 36611 9988» <8228 66033 69803 66746 97940 107107 109732 118829 128714 142601 146784 150670 169411 159736 179142 180907 191938 140 Gewinne zu 1000 M 3054 4092 11158 12800 60114 19783 23980 24962 28704 30807 37040 4006* 42212 46421 47120 47426 48350 49305 49605 68579 62061 62264 63674 64152 70344 71096 92242 92401 99643 102017 103500 104139 114291 114788 118980 128351 128616 138874 139979 140221 142684 144358 148578 153416 157253 160349 162499 162870 103398 167833 107761 168444 169027 183444 184606 186020 109119 190646 197800 203437 208001 212680 217098 218704 220380 222476 223879 224122 225298 230251 231761 232370 232800 210 Gewinne zu 600 M 2831 4578 4815 6211 7822 8754 9154 12586 14960 15979 20026 82680 34401 41464 44189 45546 47547 48671 49855 63590 54554 56204 56574 69116 60821 62152 62189 63490 68330 73526 78076 80437 81648 88287 89185 89669 92250 93673 97895 98530 98870 09889 100697 101062 105678 113173 114398 114685 117933 119690 119624 119654 120338 121988 123362 123818 124840 125469 13207» 133098 134501 140281 140532 143813 146479 153213 156988 167989 168683 159450 162136 102768 166711 167201 170783 173267 173607 173970 176590 177867 179935 182006 186408 192396 194197 195170 199687 201488 204896 206034 208687 209038 211090 214350 215047 219574 221000 221836 222322 224616 228126 26310 227529 228791 233132 jflrucksachen aller Art ™ ^ liefert in jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brähl’sche Universitäts-Druckerei. 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