Kr. 2 «! 4 Zweites Blatt M. Jahrgang Erscheint läglich mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: „Gießenrr Familienblätter" und „KreisMatt für den Kreis tziehen". Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Sewerbedank Sietzen. General-Anzeiger für Oderhefjen Dienstag, 2 \. November lRI ZwillingSrunddruck und Verlag: Brühl'fchelttuversstäts-Buch-'U.StLiridrucke. . R. Lange, Äießeru 5chriftleitung, SeschäftrsteSe und VrNckerei: Schulftraße?. Eeschäflsslelle u. Verlag : 61, Schriftleitung: e=*Ä 112. Anschrift für Tr- htnachrichten: Anzeig erließen. Finanzminifter Braun h. . ^ Ir? T ^ ' 2.0- Nov. Der frühere Minister deS Innern Knd FincmKnttrnster, ietzrgrr Präsident der Öberrechnungskammer JPc X £^ X .fafc an ben Folgen eines Schlag- ansalles rnr seckMgsten Lebensjahre gestorben. Aus Darmstodt wird uns geschrieben: e < l>0 ? vr der Nacht Mw M'ontag erfolgten Ab- *"£1 b^mnaarzmimsters i. P. und Präsidenten der Großh. Ober- rechnMngKrnrmer, Herrn 5Dr. pW. h. c . und Dr. ing. h. e. Ernst Braun, im noch nicht vollendeten 60. Lebensjahre muß überall in wueveuit Hesfenlmöde weit über dessen Grenzen hinaus die ausi- richtigstc, schmerzlichste Teilnahme Hervorrufen. Denn mit ihm ver-- vcgogtum emen Mann, der wie wenig andere drei I^rzehnte hindurch erfolgreich und hervorragend für sein Heimat- la^ gewirkt -uich zu den beliebtesten seiner führenden Männer ge- artl 1- Januar ds. Js. die schwere Bürde ^? tC ^ U.^ Vt r L i V \ I er ^^nzen auf jüngere, kr,ästigere Schultern! «: ^ nur notgedrungen, gezwungen durch seinen! leidenden Ge,undhetts-MsLand. Er hatte bekanntlich schon vor. nwhrrren Jahren einen schweren Schlaganfall erlitten, der ^oeilige rechtsseitige KörperlähmNng zur Folge ^ ^ ©feiiren auch den bis dahin ganz geftruden Mmrn me^wieder gaa:z verliefen. Wie schwer dem nun verewigten der Nucktritt von diesem verantwortungsvollen Amte r 0 “' HU 1 P lr E innerem Widerstreben mit dem chm IiÄ g«wrdnnm Posten eines Ministers des Inneren vor sechs TELS-schte. dann aber mit überraschender Befähigung und Geschickllchtttt in ausgezeichneter Weise voll ansfullte, können alle 0i«eni>gen bez-en^n, die zur dieser Zeit mit ihm in Berührung/ gekommen in:d. Der an rastlose, unermüdliche Arbeit Gewohnte ch-hessischen Eisenbahnvettrags — dessen überzeugter Anhänger der Verstorbene war — die Besoldungsvorlage gerade noch vor dem Ausbruch des Weltkrieges neu zu gestalten. Dank dieser ausgezeichneten Finanzpolitik trat der hessische Staat in die große Krise des Weltkrieges mit gefüllten Kassen ein und es war ihm auch möglich, den schwer bedrohten Genossenschafts lassen seine Hilfe angedeihen zu lassen. Diese günstige Finanzgestaltuug ist von außerordentlichem Glück für unser engeres Vaterland ae- wesen, und man kann die Verdienste, welch: sich der mm leider viel zu früh Heimgegangene Minister Dr. Braun darum! in Verbindung mit den Landständen erworben hat, gar nicht hoch genug anschlagen. Ms er vor noch nicht einem Jahve ans Gesund^ heitsrücksichten das Finanzminsstettun: verlassen nurßte, um der jüngeren Kraft des Herrn Dr. Becker Platz zu machen für die größten Probleme, welche der langaudcruernde Krieg auch den l>es,'i- schen Finanzen stellt, konnte man daher nur die aufrichtige Hofs- itrnig aus sprechen, daß auch seinem Nachfolger ähnliche Erfolge, wie ihm, beschieden fern Möchten. * Braun wurde pnr 5. Oktober 1857 geboren, besuchte das Gymnasium zu Darmstadt jund dann die Universitäten Heidelberg Hub Gießen. 1882 bestand er die Staatsprüfung, 1886 wurde er Kreisamtmann in Lauterbach, 1889 würbe er in gleicher Eigen- schaft nach Mainz versetzt und blieb dort in dieser Eigenschaft, bis er am 1. Januar 1896 als Oberfinanzmt in das Ministerium der Finanzen berufen wurde. Am 1. Januar 1898 ging Braun als Kreisrat nach Lauterbach, kam aber schon im Juli desselben Jahres als Ministerialrat, und zwar als Chef der oberen landwirtschaftlichen Behörde, in das Ministerium zurück. Am 1. April 1900 Wurde er Leiter der neugegründeten Minssterialabteilimg für Landwirtschaft, Handel Und Gewerbe. Am 5. Februar 1906 wurde er zimt Präsidenten des Ministeriums des Jnneric ernannt, am 1. Januar 1907 zum Minister des Innern mit dem Prädikat Exzellenz, Und am 27. Februar 1910, als Nachfolger von Exzellenz Gnanth h, zum Minister der Finanzen. Am 15. November vorigen Jahres wurde dann Dr. Bram:, dessen Gesund Heft inzwischen stark gelitten hatte, auf sein Nachsuchen unter dankbarer Anerkennung der langjährigen, treuen und ausgezeichneten Dienste vom Großherzog mft Wirkung vom 1. Januar 1916 an in den Ruhestand versetzt und, da es dem allzeit arbeitsfteudigeu Manne noch nicht lag, sich schon ganz zur toohtoerdienten Ruhe zurückzuziehen, mit der Führung der Geschäfte des Präsidenten der Oberrechnungs- kamMer beauftragt. randwirtschaftlicher vezirksverein Gießen. %. Gi e ß en, den 19. November 1916. Im Felsenkeller fand heute miftag eine sehr gut besuchte Versammlung von Lehrern, Bürgermeistern und Landwirten unter dem Vorsitz des Geheimrats Provinzialdirektors Dr. U s i n g e r statt, bei der Professor Kleb erg er-Gießen einen sehr inter-, essanten Vortrag über die Kartoffel- nwd Gemüsever-, sorgung hieft. Ter Redner erläuterte zunächst die Ergebnisse der bisherigst Kartoffelernten im Laufe der letzten vier Jahrzehnte und zeigte, wie siich diese durch die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebs- Verhältnisse gehoben haben. Deutschland iväre vor dem Kriege eins bedeutendes .Kartoffelausfuhrland gewesen, dessen Ertragsüberschüsse im wesentlichen nach England und Südftankreich, sowie nach Italien nnd der Schweiz ausgeführt worden seien. Mit dem Ans- bleiben stärkehaltiger Rohstoffe aus dem Ausland, wie Reis und Reismehl aus Indien, Futtergerste aus Rußland, Biertrebern aus! Amerika. Mais und Maisprvdukten aus Südeuropa und Amerika, sei die Kartossel für wesentliche Ernährungszwecke und als Futtermittel in bedeutend größerem Umfange in Anspruch genommen worden, tvas zur Folge hatte, daß der KattoffelVorrat nur bei sparsamer Bewirtschaftung ausreichte. JNr laufenden Wfttschaftsjahre sei die Ernte unseres Gebietes nur als eine 2/ 3 4Stnte, die bedeutender nord- und süddeutsches Gebiete nur als eine 1/2-Ernte anMsehen, weshalb die Kattoffel- züfnhr, bezw. die Deckung des Bedarfes der Bevölkerung besonders in Großstädten und Industriegebieten noch besonders unter Berücksichtigung der erschwerten Ernte, der mangelnden FeldbesteNung und der fehlenden Arbeitskräfte verlangsamt werde. —' Die Deckung des Bedarfes müsse in absehbarer Zeit erfolgen, deshalb sei eine möjgs- lichst baldige Ablieferung aller verfügbaren Kartoffeln erwünscht. Tie Feststellung der verfügbaren Bestände sei sowohl für den Landwirt wie auch für die Verwaltungsbehörde sehr schwer, sie sei nach Ansicht des Referenden nur so mögliche daß.are Hvnid> der Anbarchläche und des' Vorrates eine möglichst geitaue Ernte- schätznng jeder einzelnen Wirtschaft vorgenommen rverde. Tann müsse unter Berücksichtigung des Viehstandes das benöttgte Quantum Futterkartoffeln und das für die Wirtschaft und den Haushalt! notwendige Quantum' Speisekartoffeln (pro Tag und Kops I72 Pfund) sestgestellt und tmrch Abrechnung des Bedarfes vom Vorrat, die Menge des Ueberschlusses, unter Berücksichtigung des ^ Saatgutbedarfes, ermittelt werden. Sache der Verwaltungsbehörden Müsse es sein, für Sacke, Fuhrwerk und Eksenbahnttans- portgelegen'heit, soweit sie vom Landwirrt nicht beschafft werden können, zu.sorgen. Wenn in dieser Meise von Verwaltungsbehörde und den Landwirten verständnisvoll zusammengearbeitet würde, dann müsse die jetzt bestehende Knappheit (von einer Not sei keine Rede) binnen kurzent behoben sein. Tie Gemüsen er sor gun g gelte, so erklärte der Referent, in weiser Fürsorge dem kommenden Jahre. Adventsgemüsebau (Herbst- und Wintergentüsebau) sei in diesem Jahre mit Aussick! auf Erfolg wegen mangelnden Pflanzenmaterials nicht mehr möglich. Tie größte Bedeutung müsse daher dem Frü h g e m ü s e b a u als Frühkohlban Nnd Fvühspinat- sowie Galatbau oeigelegt werden Erftrrter Frühkohl Nnd Wirsing sei berühmt, zuverlässig im Ertrag und' befriedigend haltbar. Der Anbau habe im' Monat April w:f 40x40 Zentimeter Abstand auf Kämmen zu erfolgen. Eine kräftige Düngung von StaKmist, Kali- und Phvsphorsäure sei notwendig. Ms früher reichtvagender Spinat sei sächssscher Breit- blätteriger auf.gut gedüngte'm Lande sehr zU empfehlen. Oeftere Ueberdüngungl mit verdünnter Jauche sei aM Platze. — Von S p ätgeMüse kämen in Blettacht:: 1. dbe Kohlartett. 2. die Hülsen fruchte, 3. hie 'Kohlrabi und Möhren. Von den Weißkohlarten seien Filterkraut und baverisches Spitzkraut sehr ertragreich und gut haltbar, Erfurter Trotzkopf und' runder Holländer seien ebenfalls ertragreich aber empftndlich gegen Nässe «und Kälte. 95tari Rotkraut und Wirsing bestehe hinsichtlich der Bewwtmrg der einzelnen Sorten kein zu großer Unterschied'. — M.ben dem Weiß- und Rotkohl! sowie Wirsing verdienten nach den Ausführungen des Redners noch die Hülsenfrüchte, besonders aber Erbsen und Böhnen, für den feldmäßigen Anbau besondere Beachtung. Die gelbe Viktoriaerbse und die kleine weiße Buschbohne seien zwei im Feldanbau bei Drillkultur alt erprobte zuverlässige Sorten. Besorgers wichtig erscheint dem Redner der Anbau von Kohlrabi und Speisemöhren, derer, Kultur als Drillkultur ohne besonders große Aufweudungen möglich sei und die auch bei feldniäßigem Anbau reiche wertvolle Ge- müseerttäge brächten. ^ Erfolgreich könne der KohlbaU nnd sonstiger Gentüsebau als Ackerkultur nur betrieben werden, wenn Pflanzen- und Sanien- ankauf gemeinsam erfolgten und der Absatz geregelt werde. Der Referent schlug vor, daß, wie iM laufenden Jahre für die Stadt Gießen, im kommenden Jahre durch den Verein, bezw. die Behörde Samen und Pflanzen gemeinsam bezogen werden sollten und der Verein, bezw. me BsWrde, auch den dkbsatzi ftr die Wietze leite, gegebenenfalls auch den Tüngerbezug bewirke. Mit einem warmen Aufruf an die anwesenden Bertteter der Landgemeinden, daß sie unter der Bevölkerung darauf Hinweise:: möchten, daß man allerseits die Stunde erkenne nnd alles aufbieten solle, um die Ernährung der notleidenden Bevölkerung sicher zu stellen, schloß der Redner seine mit großem Beifall cmfgenommenen Ansfiihrungen. ' An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache, bei der aus der Versammlung recht brauchbare Hinweise und Erfahrungen laut wurden. Nachdem der Vorsitzende, Geheimerat Dr. ll s i n q e r, noch die derzeitige wirtschaftliche Lage mit packenden Worten beleuchtet hatte, konnte die früh begonnene Daguntz gegen 6 Uhr beschlossen werden. Der „populärste Mann Frankfurts". (Zum 100. Geburtstag von Friedrich Stoltze, 21. November.) Es war in den 80er Jahren des vergangen«: Jahrhunderts, als die Frankfurter Post.eines Tages' einen Brief zu bestellen hatte, der die immerhin einigermaßen seltsam annrutende Aufschrift trug: „An den populärstem Mann Frankfurts." Indessen quälte die Frage, für wen die merkwürdig adressierte Sendung wohl bestimmt sei, die Beanften nicht lange. Sie richteten den Brief ohne Zögern an Friedrich Stoltze nnd trafen mit ihrer Lösung ins Schwarze.^ Daß sie so treffsicher die volkstümlichste Gestalt der alten Mainstadt zu finden gewußt hatte, erhöhte das Ansehen der Post in allen Kreisen der Bürgerschaft außerordentlich. Tenn in der Tat, es gab in jenen Tagen in Frankfurt niemanden, der so uneingeschränkt'als „populärster Mann" angesprvchen werden Sießener «onzertverein. Gießen, 19. November. Ter Gießcner Konzertverein verzeichnet mit dem am Sonntag gegebenen Konzert einen neuen großen Erfolg. Wir hatten die Freude, das hier bekannte und beliebte Wendling-Quartett aus Stuttgart zu hören. Schon die sorgsame Zusaminenstellung der Vortrags folge spannte die Erwartung der Musi ko er ständigen unserer Stadt. Der Erfolg übcrttaf sie bedeutend. Das Mozarts che Quartett in 8 -dur Machte den Anfang und zeigte rn der Ausführung, wie tief und innig sich die Künstler mit ihrer Kunst eins fühlen. Das ganze Quartett wurde flott gespielt in echt Mozartschem Geiste. Das Menuett und Adagio war der Höhepunkt und machte großen Eindruck. Dann folgte! Schumanns - d u r - Q u a r 1 e 1 t op. 41, das in berückender Schönheit erklang. Nach den kurzen Einleftungstakten erlouchs das herrliche Hauptthema mft aller Hefterkeft, die über dem Ganzen liegt. Die Instrumente wogten und tönten ineinandergreifend mit seircem Verständnis. Ter zweite Satz bot der ersten Violine und der Bratsche reiche Betattgung und in der Coda .wetteifern Geige und Cello. Das Adagio nwlto wurde Ivunderbar feinsinnig Vvrgettagen, und die von Sehnsucht erfüllte Melodie trug die Hörer weit empor. — Dem Adagio schließt sich das ftische Finale an mit markantem Rhythnms und kühner Entwicklung^ Ern „Quasi-Trio" m 1-dur ist eingeschoben. Dann kommt noch einmal X-dur zur Geltung und der Satz endigt in mächttgem Aufschwung mit stürmisch jubelndem -Ausklang. Dann kam Mtmesster BeethDven an die Reihe und bot den Künstlern Gel'egenheit zu einer großartigen, fast vollendeten! Leistung. Das 6 - d u r Qua r t e t t beginnt ruft einer langsamen fast düsteren Einleitung. Während die Baßstimme allmählich in dre Tiefe sinkt, steigt die Bivline empor — das Düstere weicht nnd ein neues 0-dur-Thema, dem sich sehr bald ein zweites an- E)t, laßt ein sprühendes Leben sich entwickeln. Die pochenden Achtelschläg: des Violonoells begletten Violine und Bratsche. In großen kraftvollen Zügen entwickelt sich, das Allegro vivace, und der schöpscrische Wille des Tondichters läßt neue lichtvolle Erscheinungen entstehen im heiteren Gedankenspiel. ^oas ern)te Andante in A^nwll bringt ein sanftes Magelied (I. Violine), begleitet von dem fast steten Pizzioato des Vwlon- cells. ^— Dann ertönen heftigere Klänge und ernstere Töne, die wieder verhall«: und einer heiter-friedlichen 0-dur-Melodie weichen. Denselben Charakter des Heiteren trägt das Menuett, und in dem großarttgen Finale bricht ein lebensernster HnkNor durch, der, zu kolossalen klanglichen Timmsionen anwackfend, die Schluß- fuge in überwältigender Schönheit zu Ende führt. D^r Saal war gefüllt, und das Publikum folgte mit Span- nung den Ausführungen der Künstler, denen es nnt reichem Beifall für den großen Genuß lohnte. Und so sagen auch wir dem Wendling-Qnartett Dcu:k und auf Wiedersehen! Dr M * Darmstädter Theaterbrief. Wieder^ eine Uraufführung im Hoftheater. Und zwar diesmal eine solche choreographischer Art, eine Pantonttme von Grete W i e s e n t h a l: „D i e Bien e", M welcher Clemens von F r a n k e n st e i n die. Musik geschrieben hat. Mit welcher Span- nung man in der Dhealerwelt diese neue bedeutende Bühnen- erscheiimng überall erwartete, beweist der Umstand, daß etwa 30 auswärtige Intendanten oder Theaterlefter und zahlreiche Musikkritiker zum großen Teil aus weiter Ferne herbeigekommen waren. Grete^ VZiesenthal steht ans ihrem Kunstgebiete oben an. Sie ttat nach ihrem Scheiden ans der Wiener Hofoper, Ivo ihre durchaus individnelle Begabung dem damaligen Kunsttanz neue Bahnen wies, zum erstmmal in einem! Freilichttheater der Wiener Kunstschau aus und erzielte mft ihren Tänzen eine solche Begeisterung, daß sie von Max Reinhart m seinen Kamm erspiel«: nach Berlin berufen wurde, wo sie mft Gastspielunterbrechungen in Paris, London nnd Amerika die andauerndst«: .Erfolge errang, ebenso, wie mit zwei von ihr nachi Hoffmannsthal verfaßten Pandomtmen. Und man muß sag«:, daß es ein ästhetischer Genuß ist, die schönen Mädchcn- gestaften in poetisch-malerischer Umgebung in ihren plasttschen Bewegungen yu. erblicken, wie sie uns in dies«: Pantomimen vor- geführt werden. „Die Bi«:e" ist ein chinesisches Märchen in zehn Bildern. Ein innger Gelehrter lebt glücklich in seiner Ehe und rn feinem Studium. In seinem Garten hm:st in eurem hohlen Baum eine Bienenkönigin mit ihrem Schiwarm, die sich in ein ichön-es^ Weib verwandelt ::nd d«: Gelehrten so berückt, daß er schließlich den Btenengeistern in ihr Wunderreich folgt und in den Arirven der Königin Stunden der SÄigkett genießt. Aber tvie alle Bienen, so verfällt auch die Königin nach des Sommers Liebes- sr«:deu in den Winterschlaf. Der Gelehrte empfindet Reue und eilt wieder in sein eilwnes Heim zurück. Doch, die Gattin bat in liefst cm Schmerz Unk den Verloren«:, am Bisnenbaum Selbstmord verübt, die Kinder sind in den Händen der Di«rerschaft. In ttefem Schmerz schleudert er eine Fackel nach dem Bcnrm' und er weist die daraus hervorlletternden Bienen und alle Verlockungen der Königin 'hart ab. Ta erbarmen sich, seiner die Götter und erwecken die Gatttn zu neuem Leben. Sie ttägt eine Zauberrofe, die sie sich«- gegen die Angriffe der Biene schvltzt und endlich auch durch ihren Duft die Bienenkönigin tot niedersinken läßt. Das letzte Bild zeigt dann die wieder glücklich vereinten Gatten mit ihren Kindern Ties nicht besonders gedankenreiche Märchen hat im Hvftheater «ne geradezu bewundernswerte Ausstattung erfahren. Statt de^ Vorhangs zeigt sich uns ein riesiger Fächer, der sich teilt und bic einzelnen Bilder an uns vorüberzieh«: läßt. Die ganze Märchenausstattung ist von Svend Ga de «rtworfen lvrd unter Pw: Kempins Leitung in den Werkstätten des Hoftheaters hergestellt worden. Zu dem ftumMm ch llar zeichnet rmd melodienreich einschmeichelnd dem ganzen, einen höheren Wett verleiht. Der Komponist stand'selber am Diregentenpult und sorgte dafiir, daß alle Sckönlmten der Pattittlr wirknngsvollst tzur Gelttmg kam«:, was bei unserem vortrefflichen Hosovchester ja auch leicht gelingen muß. Für die Äpielleckung zeichnete Grete Wiesenthal selber als Vevantwottlich« Redakteur. Daß Unter diesen Umständen auch die heimischen Ballett- kraste ihr Bestes l«steten, bedarf kaum der besw^ren Erwähnung, ^as ausvettanste Haus bneitete der Urausfülftung eine sehr warmherzige Aufnahme und zeichnete am 1 Schluß neben den drei Hauptdarstellern — Gvete Wiesenthal als' Bienenkönigin, Klitt E b r l e und Frau Hedwig Ehrle als Gelehrtenehepaar — auch bei: Komponist«: Clemens v. Fraukenstein mit wiederholten Heroor- rus«: aus. Da die Pantomime allein den Abend nicht ausfüllte, so gab die berühmte Tänzettn noch drei besondere Tanznummer:: dazu. E. M. v. Webers „Aufforderung zum Tanz" (mft den sehr wenig ansprechenden drei Tierrnasken), Lisztts „Zweite Rhap- sodick und Joh. Sttcruß „Donanwalzett^. in denen die Gefeiette dittch. ihre unvergleichliche Kunst allgemeines Entzücken erntete — Der Gr 0 ßherz 0 g, der am Samstag früh wieder von der Truppen rm Felde zirrückgekehtt ist, wohitte mit der Groß- Yerzogin in der großen Hvftoge der Auffühtttng bei Fr b tarnte wie der Dichter und Frerhertssünger Friedrich Stoltze Zwar entstammte der am 21. November 1816 geborene Poet keiner Altfrankfurter Familie — sein Bater war zu Hörla im Wal- deckschen daheim — aber er war doch in der alten Kaiser- und > lönnngsstadt zur Welt gekommen und ein Frankfurter Kind mit Leib und Seele. Friedrich Stoltzes Vaterhaus war der „Rebstock", ein Gasthvs, in dem vie Frankfurter „Demagogen" zusammen zu kommen pflegten, mn ihre Gedanken über die Zukunft des deutschen Vaterlandes auszutauschen. Mancher, der aus politischen Gründen pm Wanderstad hatte greifen müssen, fand bei dem Wirt Friedrich Christian stoltze freundliche Aufnahme. Auch viele Polen, die nach dem Mißlingen des Aufstandes von 1830 austvanderten und durch Deutschland zogen, hielten im „Rebstock" Einkehr. Friedrich Stoltze genoß eine gute Erziehung. Unter seinen Lehrern findet man Goethes Neffen, Tr. Textor. Früh regte sich in dem Knaben aus dem „Rebstock" die Lust zum Dichten. Der Vater wünschte, der Sohn solle Kaufmann werden, ein Beruf, zu dem sich Friedrich wenig hingezogen fühlte. In einem Geschäft, das sich im Lause des Herrn von Willemer befand, ging er eine Zeitlang in die Lehre. Seine ersten frischen Gedichte sicherten ihm die Gunst Marianne von Willemers. Nach dem Tode des Vaters sagte Friedrich Stoltze dem Kaufmannsstand Valet Und ging auf Reisen. Er besuchte Paris und andere französische Städte, kehrte nach der Vaterstadt zurück und gab 1841 ein Bändchen Gedichte heraus. Dieses gewann ihm die väterliche Freundschaft eines Mannes, M. G. Seimerheldts, der ihn zu seinem Privatsekretär machte. Nach der Ao-icht des Gönners sollte sich Stoltze in Thüringen mit den inken der Fröbelschen Kindergärten vertraut machen, um die - dann in Frankfurt zur Durchführung zu bringen. Aus dem Plan wurde nicht viel. Ter ftmge Dichter kam ans Thüringen zurück — Pädagog war er nicht geworden. Er war dann eine Zeitlang Vorleser beim alten Amschel Rothschild. An den Bewegungen der Jahre 1848 und 1849 nahm er mit glühender Begeisterung teil. Manches Lied mr die Freiheit und zum Preis des deutschen Vaterlandes, wie die Männer jener Zeit es sich dachten, sang er damals. Von 1852 ab gab Stoltze in zwangloser Folge die „Krebbelzeitnng" heraus^ die in Frankfurter Mundart alle möglichen Begebenheiten der Stadt und ihrer Umgebung besprach . 1860 rief der nun weithin bekanntgewordene Poet Frankfurts zusammen mit dem Maler Sckalck die „Frankfurter Litern" ins Leben ein humoristisch-satirisches Wochenblatt, das manchmal recht kräftig den Standpunkt der Bürgerschaft der Stadt, insbesondere der freiheitlich gesinnten Kreise, gegenüber der Politik Preußens zum Ausdruck brachte. Als im Verlauf der kriegerischen Ereignisse von 1866 die Marnstadt von preußischen Truppen besetzt wurde, reiste Stoltze nach Stuttgart und von dort über den Bodensee nach der Schweiz. Erst, nachdem bie_ allgemeine Amnestie ausgesprochen war, kehrte er in tue .Vaterstadt zurück, wo dann, bald nach- dem deutsch-französischen Feldzug, die „Frankfurter Latern" wieder erschien und sich schnell genug die Gunst zahlreicher Leser, die sie vordem besaß, aufs neue sicherte. Wie stark Stoltze selbst das Wochenblatt beeinflußte, wie sehr dessen Erfolg von seinen Beiträgen abhing, erhellt aus dem Umstand, daß die Zeitschrift ein Jahr nach Stoltzes Tod ihr Erscheinen einstellen mußte. Am 28. März 1891, an einem Ostersamstag, starb Friedrich Stoltze. Seine Gedichte sind heute, vor allem in seiner Vaterstadt, so lebendig wie in den Tagen, da der Dichter sie zum^erstenmal veröffentlichte. Ms Tialektdichter darf man Friedrich stoltze zusammen nrit Klaus Groth und Johann Peter Hebel nennen. Das Frankfurt um die Mitte des 19. Jahrhunderts bat Stoltze mit seinen Gedichten mit unvergleichlicher Liebe und mit einkr von echtestem Humor durchttänkten Anschaulichkeit geschildert. Er war nn .... Mann von echter Vaterlandsliebe, erfüllt von den Idealst der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit. Mle Fragen der Politik interessierten ihn aufs lebhafteste. Und nicht selten hat er zu ihnen in poetisch-hum>vristtscher Fornr Stellung genonrmen. Wie deutsch Friedrich Stoltze fühlte, ,rne stark er uü neuen, 1870 erkämpften Reich — mochte er gleich mit manchen Wendungen der inneren deutschen Politik nicht einverstanden Mn — wurzelte, bekundet z. B. sein Gedicht von 1890, „Helgoland, das mit den Worten schließt: „Und so wollen wir uns freuen, Helgoland nach langer Frist, Daß Tu. hoffentlich in Treuen, Wieder deutsch und unser bist. Wieder ragst Tu als derselbe Deutsche Meerfels wie zuvor; An der Weser und der Elbe Stehst Tu Wacht am Eingangstor." Obschvn die Zeit des Krieges nicht zu großen Festen angetan iff* wird es sich Frankfurt doch nicht nehmen lassen, würdig des Dichters seiner Eigenart bei der hundertsten Wiederkehr von dessen Geburtstag zu gedenken. Es wird Friedrick Stoltze feiern als den fröhlichen Poeten, als den Sänger der Freiheit und als den wackeren deutschen Bürgersmann. „Gedenket der Gebmt§tag;spende für’$ Note Ureuz"! Naoh langer Ungewissheit erhielten wir die traurige Nachricht, dass unser lieber, unvergesslicher Bruder, Schwager, Onkel, Bräutigam und Petter Karl Schwalb Musketier im Inf.-Regt. Nr. 168, 10. Kompagnie den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. In tiefem Schmerz: Familie Hch. Schwalb Familie Fritz Schwalb Familie Gg. Mager Karoline Seibert Familie Hch. Eckard. Bingen, Büdesheim, Gross-Steinheim, Wieseck, den 21. November 1916 °i888s unser 8844 Auf dem Felde der Ehre f treues Mitglied Wilhelm Schäfer Fäger im Reserve-Jäger-Bat. 17, ö. Jäger-Regt., 4. Kompagnie. Ehre seinem Andenken! Gesangverein Germania n. Turnverein Mainzlar. Gewinn-Auszug der 8. Preussisch-Süddeutschen (234. Königlich Preuss.) Klassen-Lotterie 5. Klasse. 12. Ziehungstag. 20. November 1918 Auf Jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gefallen, und «war Je einer auf die Lom gleicher. Namuier ln den beiden Abteilungen I nnd II Verwandten und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigstgeliebter Sohn und Bruder, der Ers.-Res. Karl Hildebrandt Reserve-Infanterie-Regiment 217, Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille am 6. November den Heldentod fürs Vaterland erlitten hat. In tiefem Schmerz: 013390 Familie Georg Hildebrandt. Iserlohn (Westf.), Wilhelmstrasse 3, 18. Nov. 1916. Todes-Anzeige. Gestern morgen 5 Uhr verschied nach schweren Leiden mein geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Gerhard Jahres im Alter von 46 Jahren. Dies zeigen tief betrübt an Die trauernden Hinterbliebenen, in deren Namen: Margarete Jahres. Giessen (Bahnhofstr. 50), Mettlach (Saar), Rödgen und Heuchelheim, den 20. November 1916. 88 *i Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. November, nachmittags 2 V 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhofe statt. Gestern nacht verschied sanft nach längerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter und Schwester Frau Mnni Hasler, gab. Beverstein Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen (Rodheimer Str. 41), den 20. November 1916. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 22. November, nachmittags 3 Uhr, auf dem israel. Friedhof statt. Blumenspenden dankend verbeten. 8365 7s« Frankfurt n. M. Wohnung II. Stock 5 Zim- -tner tntl. Badzim., Garten elctlr. u. Gaslicht m. allem Zubeh.. ganz neu herger. iof. od. später Gaußstr. 23 bei ^Iak. Bohrer. 836ihv tfrbl. 3-2Uta.*Wolm. ( schloß» gaste 15, an ruhine Lome zu vertu. Lindenplats 3. [013325 ! Verschiedene] ebene Plausardo, 2 auch 3 Zimmer, große Küche m. Gas an ruhige Leute per 1. Dez. zu verm. Bleiehitr. 18, Dch.Mansarden-Wobnung z. verm. K rcnz platz 10. [8009 Kl., sch.Vehllivzz. vermieten. Schützcnstraße 17. [8343 I Mo bl. Zimmer] Pension Äraiadl Neuen Lü..o82 iBellevueiJim.rii.il.ohneVer. pfleg, f. jede Zeitdauer. Mittag- u. Abendtisch. 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