Nr. 265 Weites Blatt |66. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme fces Sonntags. Beilagen: „Siehener ZamUienblätte^ und „Nreisblatt für den Ureis Gießen". Postscheckkonto: Kranksnn am Main Nr. M686. Bankverkehr: Gewerbedank Sietzen. Gichemr Anzeiger General-Anzeiger flr Oberhessen MMtvoch. 8. November Wtz Zwillingsrunddruck und Verlag: Brüh l'sche Universitäts-Bllch-u.Sttindnlckerei. R. Lange, Gießen. §christleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelleu.Verlag: Schriftleltung: L-E 112. Anschrift für Lr^ htaachrlchtenr AnzeigerGteßen. Die Polen beim Reichskanzler. Berlin, 7. November. (WTB. Amtlich.) Aw 28. Oktober empmpr der Reich skanzlerim Kongreßsaal des Reichskanzler- Palais die Herren Stadtverordnetenvorsteher und Rektor der Universität Warschau Brudzinski, den ehemaligen Tumaabgeordneten (g&. Lcurpicki, den zweiten Bürgeriueister von Warschau Chrrrttttewski, den Vizepräsidenten (der Landschaft Tzwi-erzbicki, Professor Samuel Dickstem, den Vorstarrd des Hmcpthttfsausschusses Graf Ronikier und der Vorstand der Miliz Prinzen Radziwill. Die Herren wurden dem Reichskanzler vorgestellt, welcher daraus folgerte Worte an sie richtete: Meine Herren! Lhrem Wunsche, von mir empfangen ^ zu werden, habe ich gern stattgegeben. Ich freue mich, Sie in diesem biÜDrischen Saale, der vor 40 Jahren der Schauplatz großer Ereignis^ gewesen ist, begrüben zu können'und darf Ihnen anheim- Heben, den Gedanke:: Ausdruck zu verleihen, die Sie hierher ge) führt haben. Hierauf -ergriff Professor Brudzinski zu folgender Ansprache das Wort: Aufgefordert zur Darlegung der Wsü n s ch e d e r P o l e n baden wrr die hohe Ehre, vor Euerer Exzellenz zu erscheinen. Wir sind zwar nicht eine bevollmächtigte Verttetung des polnischen Volkes, denn eine solche zu bilden, ist in der gegenwärtig eit Kriegszett eine Unmöglichkeit, wir glauben jedoch berechtigt zu sein, namens der polnischen Nation ihren unerschütterlichen Bestrebungen nach Wiederaufrichtung eines polnischen Staates Ausdruck zu geben. Wir sind ttcs überzeugt, daß nur die Schaffung eines starken, allseitiger Entwickelung fähigen und Gleichberechtigung aller seiner Bürger gewährleistenden polnischen Staatswesens Europa feste Grundlagen eines dauernde Friedens sichern kann und daß in Polen denjenigen! Machten die dieses Werk vollbracht haben werden, ein treuer Bundesgenosse erstehen wird. Siegreiche Schlachten haben das Schicksal Polens in dke Hand der Zenttalnrächte gelegt. Polen gehört zum Westen; seine Wiederausrichtung, wagen wir zu behaupten, wird mit den eigenen Interessen der Zentralmächte in Einklang stehen, sie wird ein von der Geschichte geforderter Akt der Gerechtigkeit sein. Der noch immer daucrirde Krieg erlaubt vielleicht nicht, heute schon einen Staat mtt bestimmten Grenzen, insbesondere nach Osten zu. bilden, doch erheischen die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse gebieterisch die Erlassung eines Staatsaktes, durch welchen die Staatsoberhäupter der Zentralmachte ein sttbständiges Polen proklamieren und garantieren. Sodann sollte, soweit die Kriegsereignissc dies irgendwie gestatten, zwecks Schaffung fester uitb dauernder Grundlagen eines polnischen Staatswesens, sofort at, verbürgen eine gedeihliche, Zusammenarbeit, die wertvoller ist als papierene Paragraphen. Beide smd sich einig darin, daß es ihre gemeinsame wichtigste, Aufgabe ift, dafür Sorge zu ttageu, daß den Arbeiten: diejenige^ Verpflegungssätze, die ihmn: nach der Verbrauchsregelung zusteKn. mit absoluter Sicherheit auch regelmäßig geliefert werden. Giefzenev StaSLtheatev. Der siebente Tag. Lustspiel von^Rudolph S ch a n z e r und Ernst W e l i s ch. Me Zahl der bisher gegebenen Lustspiele ist um eins vennehrt kvorden, aber diesmal um eins, das sich sehen lassen kann. Scho:^ allein der .Kostüme: „Zeit um 1770" wegen, die von den beiden Verfassern vorgeschrieöcn worden sind, wett in diesem Rahme:: Vers und Reim für unser Ohr ftilvvller zusammengehen, als bei der modernen Alltagskleidung. Sonst lag wohl wenig Gnrnd vor, die Zeit um anderthalb Jahrhunderte zurückzuschrauben. Mer: es macht sich gut so. Und das ist die Hauptsache. Wir haben uns mancherlei leichte Kost bisher vorsetzen lasser: müssen. Wenn auch dieses Lustspiel aus Schlagschaum und Tragant besteht, so ist es doch wohlschmeckend und bekönrmlich, wie die Origrnalwaren dieses Namens in Friedmszeiten seligen Ai:gede::kens. Daß auch nahrhafte, nicht nur wohlschmeckende. Kost folgen soll, verbürgt die Mrektwn durch ihr anscheinend erfolgreiches Bemühen, einen ersten Helden zu gcwimren, wodurch in der Wähl der Stücke freiere Hand gewonnen wird. Der siebente Tag ist die Lieoesprobe für ein junges Eheglück. Erne Braut. d:e als weniger tragische Nora die Rechte ihrer kleinen Persö^lrchkeit gewahrt wffsen wttt, legt ilwem blatten eine Prüfungszeit von siebe:: Tagen auf, iu der sich erweisen soll, wie wett er sich in Wirklichkett dem Idealbilds nähett, das sie sich von ihm igemlächt hak. Ji: dieser Zeit sollen di.e beiden leben, wie in der DollarpriirzZsin: „im Verkehr nur Bruder, Schwester." Uner- hörtenveise hält sich aber in diesem Falle der Gatte stteng an den Pakt uird die kleine Frau leidet unerträglich unter der Zurückhaltung ihres Gatten, dem sich in die Arn:c zu ioerfen ihre Mädchenscheu :ttcht zuläßt. Eine geschäftige Freu:tt)in, um die sich eine geschickt verquickte Nebenhandlung dreht, sucht als erfahrene Frau l^lfend eiuzugvfifen, erreicht aber immer das Gegenteil, bis das Eliepaar schließlich sich doch zusammensindet und auch die Freundin zum zweitenmal unter die Haube konimt. Die Hachlung noch be- zu gestalten, sind ett: Jugendgeliebter der jwvgen Frau, eu: tölpelhafter Verehrer der Freundin und eine Tänzerin mit hrnnngeflochten. Man sieht, für Abwechslung ist gesorgt. Langewette Tomnrt nick-t auf, denn die Verfasser fachen außerdem ilnmer Gelegenhe:t, ihren Personen einige kräftige Bosheiten für das andere Gefastecht in den Mund zu legen. Manchmal sind rocht . derbe Spape daraus gewordeir, aber sie können gerne mit in Kauf geiwmmen werden, ebenso wie der stark Possemnäßige Ein- fall, den lauschenden Liebhaber auf den brennenden Kachelofen zu platteren. Me geschickte Aufnmchung des Ganzen und die meist annehmbaren Verfe urch Re:n:e Helsen auch darüber glücklich hinweg. Gesplelt wurde tettweise vorzüglich. Eine neue Hand leitete das Stnel uiw !var schon rein äußerlich au der gefälligen Anordnung des Bichnenbttdes erkennbar. Mar Mesolowski zeigt damit eure neue sehr achtbare Seite seines Könnens. Niedlich kleidete die drei Damen Kallmar, Gersdorff und Mahr d:e z:erl:che Tracht. Helene Kallmar ließ mit Anmut die Nöte des fuugen Frauck>ens erkennen, Martha Gersd o r f 7 versah die erfahrene Frau nnt der notwendigen Dosis redseliger Lebhaftigkeit. Ada Mahr lieh der Rolle der Tänzerin Vettor: eine persönliche Note. Adolf Falken gab dem jungen Ehemänne eine recht sym- pathifche Prägung. Marl Steinmeyer brachte die ihm zu- Späße geschickt an; Hans W e r t h m a n n charatterisierte glücklich den gespreizten Tanzmeiste:^ Spontinello, Ernst Th ei- l:ng ruhig und gemessen den preußische:: Rlttnieistcr. Auch die Nebenrolle:: waren liebevoll belxrndelt und gelangen durchweg. Der siebente Tag wird aus zahlreiche Wiederholungen rech-nen dürfen, 22 . * Der Unabhjängigkeitstraum in der polni- fchen Dichtung. Me Proklamation eines freien Königreiches Polen bringt Nunmehr endlich die :wttonale Sehnsucht der Polen zur Erfüllung, die durch alle Widrigketten des Schicksals und der Gefchichte, durch Kämpfe, Aufstände und Unterwerfungen stets in der Seele des polnischen Volkes lebendig blieb. Die harten Leiden, die gerade dieses aus tturerstem Drang der Freiheit zu- gewandte Volk durchmachen mußte, haben nicht nur den Charakter des _Durchschnitts polen geprägt, sondern auch auf die polnische Wißenschast, Km:st und Philosophie eine ständige Wirkwrg ausgeübt. Die polnisck>e Mchtung war seit jeher inehr als Kunst, sie war zugleich ein glühendes politisches Glaubensbekenntnis, dessen Feuer durch den harten Gegendruck imNrer wieder von nnien: an- gesacht wach erhalten wurde. Ein Gedanke ist fast allen polnischen Literatnrsttömungen gemeinsam eigen,^ der Unabhängigkeitsttaum, der in der polnischen Dichtung zu stärkstem Ausdr::ck kommt. Dieser Unabhängigkeitsgedänke bttdete sich mit Macht ttü 19. Jährhün- dert, dessen Umwälzungen für Pole:: so bedeutsam waren. Während In den ersten Jal-rzehnten eine Art Pseudollassik herrschte, A:t:vickelte sich allmählich eine imgestmud Romanttk, tue innig :nit der politisck>e:: :md sozialen Retwlution verquickt war. Der Führer der polnisck-en Dichter um die Mitte des 19. Jährhunderts, Adam Mickiewicz, dessen Kunst die nationale Erhebung des Jahres 1830 tviderspiegelte und bis auf unsere Tage verewigt hat, ivaMe sich starker: :r«ttonalen Stoffen zu. Mit ihm begann die polnische Un- abhängigkeits- und ideale Freiheits-dichtung mit lodernden: Temperament und >auf eine verinnerlichte, durchgeistigte Weise. De:: Umschwung bildete das phantastische Mmna „Me Llhnenseier". Dieses in vielem an Goethes „Faust" erinnernde Werk ist getragen von der Not der Polch: unter russischer Herrschaft, und zwischen settren beiden Teil«: liegt die Flucht Mickiewicz' aus seiner Heimat, in die er nie Melw zmTÜck^hren sollte. So wurde der zwette Dett der „Ahnenfeuer" in Deutschland geschrieben. Er enthält die erschütterrvdsten Klagen Äber die Leiden des polnische:: Volkes. ?Noderner in seiner Technik, aber nicht minder von bent Unabhängigkeitsttaum erfüllt, sind die Werke von Mickiewicz' Zeitgenossen Jittius Slowacki. Auch Slowacki dichtete für die nationale polnische Idee, wie der artisttfche und srühenllvickelte Gras Zhg- munt Krasinski, der die Wiederherstellung der polnischen Freihttt durch Demut und göttliche Hilfe als eine Art religiöser Erlösung dichterisch darstellte. Dieser Gedanke kehrte iinnrer wieder in allen Mchtungen aus der Zeit von 1831—1863, aus der Zeit der Aufstände, die Polens beste Kraft verbluten ließen, um dann durch den unglückseligen Slusgaug mietet; die Nation der Unterdrückung zuzuttetten. Die Katasttophe des Jahres 1863 bedeutete natur- gemaß den Barikerott der alten Ronmntik der polnischen Dichtung. An Stelle der Poesie ttatkn der tende:tziöse Rtzman und das Thefeiwrama. Der Freiheitsgedanke wurde rummehr hauvtsäch- l:ch ::: historischen Ronranen weiterverfolgt wie in den Werken des kühnen Denwttaten Jez, die sich der ^reiheitskämvfe der Balkanvolker als Unterlage bedieuten. Den größten Erfolg unter allen polnischen Mchtern im letzten Viertel des 19. Jahrhundetts aber hatte unstreitig Henryk Sienkiewicz, der den Unabhängig- kettstraum gestaltete, indem er in seiner Trilogie „Mit Feuer und Schwert", „Die Sintflut", „Herr Wolodyjowski" die polnischen Kämpfe des 17. Jahrhu:rderts darstcllte, da er ivegen der durch die riifsifche Beamtenfckmft ausgeübte:: Zensur sich ins Geschick- liche flüchten mußte. Die modenre Literatur Polens, die von 1890 ab dattert urid sich durch die Mitwirkung genialer Frauen w:e der E. v. Orzeszko und der noch btecutenderen Maria Ko- nopmcka, auszeichnet, nahln die Propagierung des Unabhängig- kettsttailmes in der idealen und unverhüllten Weise des Mickiewicz wieder auf. Da die Russenherrsct-aft nicht volle Offenhett gestattete, nimmt die Freiheitsdichtuug dieser Periode vielfach d:e Flucht zur Shnibolik und zur Philosophie. Einer der stärksten Künstler dieser Richtung tutb ein Abgott der modernen polnischen Jugend wurde Vincentt) Lutoslawski. Nichts aber ist sirr die nw- derne polnische Mchtung so bezeichnend wie ihre ganz eigenartige Volkstünttichkeit, die sich aus die gesiuide Kraft des polnisches Bauerntums stützt. Die modernen polnischen Schriftsteller bauten auf einer der Hauptstärken ihres Volkes :rnd La:wes, auf ihrem Bauerntun: auf, u:ü> diese Bauernlliterattir ewdeckt erst völlig die Wesensart der polnischen Volksseele. Auch hier sinden wtt immer wieder den Unabhängigkettsgcdatlken, sowohl in den Arbeiten des Epikers Reymont wie in den Bauerugeschichten von Prus bis zu den konze:ttr:etten Stimnmngsbilder:: Zeromskis. So zeigt selbst der kürzeste, ffüchttgste Ueberblick, daß die Literatur für d:e Polen ein starkes polittsches Bmrd bedeutete, ett:e Macht, die das nationale Gefühl weckte und ungebrochen aufrechterhielt, trotz der Mhängigkett, in der sich Pole:: ohne llnterbreck)unq während der letzten 100 Jahre befand. Darun: ist zu erivarten. daß die polnische Mchtung durch das neueste geschichtliche Ereignis eine neue Jugend erlangen wird, die hoffentlich an Stelle der Sehnsucht die Erftillung ivird verherrliäien dürfen. AAS 5taW uttö LanS Gießen. 8. November 1916. ** 3itr 93oiiC&ccEe rn f a nrnttaiug schreibt man uns aus lazDwirtschafÄvch«! Kreis«!: Es wäre z-u wünschen, wenn die von hm Stadt«! Büdingen und Ortenberg gegeben«! Anregungen bezüglich des Sammelns von Bucheckern Dich noch twn anderen i Orten mlsgenomuren imirbcn und an zuständiger Stelle Beachtung ' sünden Tie den Samml«m nach den erlassenen Bestiminungen ge- ^vShrte Vergünstigung bezw EntsMdimnrg steht durchaus in gar feinem Verlniltnis zu der Mühe nnd dem Zeitauswand, die das Einsarnmeln erfordern. Wer aus eigner Persönlicher Erfahrung heraus weiß, eine wie wenig einträgliche Beschäftiguug das Bucheckernsammeln ist, nnd wer selbst gesunder! Ijat, daß man bei allem Fleiße an einein Tage wohl höchstens 4 Pfund Bucheckern Msammenbrintgen kann, den wird es so leicht nicht mehr zu einer so geringfügigen Nutzen verheißenden Tätigkeit locken. ** Das Verschieben vonBriefenundPo st karten in T r n ck s a ch e n s e n d n n g e n bildet fortgesetzt die Ursache un- lie^amer Briefverschleppungen und Briefverluste. Ungeachtet wre- derholter Anmahnungen durch die Presse und trotz unmittelbarer ! Einwirkung der Po stau selten auf die Abseicher werden viele ! Drucksachensendungen leider inttner noch in so mangelhafter Ver- ! Packung zur Post eingeliefert, daß sie leicht zu. Fall«! für kleine Sendungen werden. Als besonders gefährliche in dieser Beziehung" erweis«? sich, wie neue Feststellungen bestätigen, die häufig zur Versendung von Drucksachen berurtzten offenen Briefumschläge, '^i denen die Absender die am oberen Rand oder an der Seite vorhandene Klappe nach innen einschlagen. In d«r dadurch entstehenden Spalt verschieb«! sich unbenrerkt Briefe, Postkarten usw., 'die dann in der Drucksache oft lveitere Irrfalmten machen. Im eigenst«! Interesse des Publikums Muß eindringlich! davor gewarnt gverden. die Klappe solcher Umschläge nach inn«! einzu schlag«!: viel besser ist es: die Klappe über die Rückseite! Cose Überhängen zu lassen. Als recht zweckmäßig haben «sich Umschläge bewährt, die an der Verschlußklappe einen zun gen- jartigen Ansatz Hab«!, der in einen äußer«! Schlitz des Umschlags gesteckt wird. Sie sichern den Inhalt vor dem Herausfallen und! ^v er hi ndern das lAnsckneben anderer Sendungen, ihre möglichst Msgedelmte Vertvcndung ist im allgemeinen Interesse zu wünsch«!, verhältnismäßig häufig verschieb«! sich auch Briese usw. in Zei- ckrrngen. die unter Streifband verschickt werden. Es ist dringend zu! .inrten, die Streifbänder so fest wie möglich unst die Leitungen zuj Kegen. nachdem diese umschnürt worden sind. Landkreis Gießen. -ft Holz heim, 8. November. Die hiesigen Lanowirte lverden chiel huv&' Aufkäufer von Gerste usw. aus der Gegend von Siegen pmd Betzdorf geplagt. Täglich sieht man diese Leute in den Straßen, 'wo sre die höchsten Preise bieten. Lluch in Lang-Göns soll dies der Fall sein. Ter 28jährige Landwirt Wilhelm Klotz ftel .so ^unglücklich beim F-A)ven des Wag«rs aus den Kopf, daß ärztliche Krise sofort in Anspruch genommen ward«! !nüßte. W. Klotz stand schon im Felde und erlitt z. Zt. einen Beinschuß. Kreis Laulerbach. ü. M v o s e r Grund,?. November. „Gestrenge Kerren regieren nicht lange." Auch die vor einigen Tagen plötzlich eintretende Kälte hat uns schnell verlassen und der Vogelsberger-Herbst zeigt wieder sein wahres Gesicht. Regnerische nnd stürmische Tage U»echse1n mit klaren imd sonnigen Arbeitstag«! ab. Auf den Feldern ist die L e r b st r u h e noch, nicht eingekehrt. Zwar leuchtet hier und jlni schon das zartgrüne Meer junger Saat, aber nur wenigen ! Landwirten war es möglich, ihre Winteraussaat zu beenden. ^Täglich noch treffen Urlauber aus dem Felde ein, um mitzuhelfen, [tom der größte Teil des Roggens Muß noch gesät rvetden. Und lbis dahin soll noch mancher Kraut- und Dickwurzacker - abgerntet werden. Kohl- und Runkeln siud vortrefflich geraten, i Sauerkrairrfässer und Steinguttovfe werden hervorgeholt und gereinigt, denn die Kraut-EinsckMeidemaschinen haben ihre Tätigkeit bereits begonnen. Ihr fallen die mächtigst«! und festesten Läupter zum „Opfer". Und manch bäurischer Feinschmecker träumt bereits von goldgelben Sauerkraut mit saftigem Schweinefleisch, wenn auck» das letztere in 3 Kriegsjahren nicht in gleicher Menge wie das Kraut für den Einzelnen „genrachsen" ist. — Die Runkeln und Kohlraben füllen viele Keller bis oben an, ja oft müssen sie noch im Holzstalle oder in der Scheuer untergebracht werden. Wenn iXnuti gegen abend beim Heuhole u einem unversehens einmal ein solcher „Dickkopf" zwischen die Beine rollt, so geht man ihnr gerne aus dem Wege. Sind doch Dickwurz und Kohlraben gerade der beste Ersatz für die mangelnd«! Futterkartofseln. — Trotz der reichen Z lv e 1 s ch e n e r n t e mancher Gegenden hat man hier wenig vollbehangenc Bäume gesehen Nur wer fufr rechtzeitig von auswärts die nötige Menge Zwelschen besorg«! konnte, hat sich einen Zubrot-Vorrat verfchAfen können. Daß man in manchen Gegenden dem Zwelschenmus vor dem Kochen Kürbisse, 'Dickwurz oder ähnliches zur Verlängerung beisetzt, ist hier wenig oder gar- nicht bekannt. — In allem übrigen haben wir eine reiche Ernte zu verzeichnen. Wenn auch hier und da einer an der geringen Kartoffelernte mäkelt, so mag er's getrost tun. Allen saun es unser Herrgott nicht recht machen, denn es gibt immer Menschen, die nie wunschlos und zufrieden sind. Und in diesem Herbste müssen wir Zufrieden sein. Hört man doch eben in den Dörfern bis tief in die Nacht hinein die Dreschmaschinen brummen! Und mit geheimem Stolze hört man manche Kriegerfrau sagen: „Diesmal haben wir mehrere Stunden länger gedampft, als in früheren Jahren.^ („Gedampft" ist ein Vogelsberger Ausdruck für das Dreschen mit der Dreschmaschine. 1 Freilich, schwer ift's ihn eg geworden, den alleinstehenden Frauen, bis es soweit war. Aber der reiche Ernte fegen hat ihre Mühe doppelt belohnt. Und noch ehe der 3. Kviegswinter ins Land kommt, ruht eine neue Saat im Boden und gibt uns neue Hoffnung und Stärke zum Turchhalten. ü. Ober-Moos, 7. Nov. Der Pionier Wilh. Eifert, der bei einer Minenwerser-Abteilung steht, wurde zum 2. Male verwundet. Nachdem er früher eine Handverletzung davontrug, traf ihn zuletzt ein Granatsplitter im Rücken. Hessen-Nassau. X H a n a u , 7. November. In einer Versammlung des l a n d - wirtschaftlichen Kreis Vereins Hanau ist nach einer lebhaften Aussprache über die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln beschlossen rvorden, an das Kriegsernährungsamt folgende Eingabe zu richten: „Der landwirtschaftliche Kreisverein Hanau bittet dringend, veranlassen zu wollen, daß bei der Knappheit der Speisekartoffeln zur Streckung des Brotgetreides nickst wie bisher Kartoffeln, sondern! Gerste, Hafer und Mais zur Verwendung komm«! wöge. Diese Maßregel würde in.hohem Maße dazu beitragen, daß die geernteten Kartoffeln bis zur nächsten Ernte zuv Volksernährung ausreich!«!. Ter Preis der Saatkartoffeln für das nächste Frühjahr nruß jetzt schon festgesetzt iverden und darf nickst höher sein als 20 Prozent über dem derzeitig«! Höchstpreis für Speisekartoffeln. — Tie landwirtschafllichen Kreisvereine des Re- giermigsbezirks Kassel sollen ersucht werd«r, diese Eingaben zu unterstützen. = Frankfurt a. M., 7. November. Tie Kaiserin traf heute früb 8 20 Ilhr mit kleinem Gefolge htr Hofsonderzuge auf dem Hauptbahnhof ein und begab sich von hier im Kraftwagen nach! CronlErg zu eiuem Mehrstünoig«! Besuch beim Priuzenpaar Friedrich Karl von Hessen. Km^ nach Mittag reiste die hohe Frau über Frankfurt nach Baden-Baden weiter. — Frankfurt o. M., 7. Nov. In dein 30jährigen Schneider Karl D a ß b a ch , dem 33jährigen Arbeiter Ernst A p e l und der 21jährigen Arbeiterin Elisabeth D a n t e n h e i m e r verhaftete die Kriminalpolizei drei längst gesuchte Einbrecher, die seit Monaten im Ostend der Stadt eine große Anzahl schwerer Einbrüche ausgeführt und dabei bedeutende Mengen Lebensmittel, Kleidungs- stücke und Stiefeln gestohlen hatten. --Frankfurt a. M., 7. Nov. Durch einen schadhaften Ofen entstand heute nachmittag kurz nach 2 Uhr in einer mit Soldaten belegten Seuchenbaracke des städtischen Krankenhauses ein B r a n d , der in wenigen Augenblicken den Dachstuhl und einige Räume ergriff und «näscherte. Die Soldaten konnten sich rechtzeitig in (Ächerheit bringen und auch noch einen erheblichen Teil der Einj- richtungsgegenstände ins Freie schassen. Trotzdem verbrannten Zahlreiche Betten und Mcköel. Die Feuerwehr hatte mit den Lösch- und Aufräumungsarbeiten länger als zwei Stunden zu tun. rkniversitäts-Nc^ckrichten. ]\ Marburg, 7. November. Unter Einbeziehung der ins Feld beurlabten Studenten, beträgt die Gesamtzahl der diesmaligen immatrikulierten Studierenden 2 095, darunter 315 Damen. Neu hinzugekomnren sind diesmal 276 Studierende, darunter 77 Damen. Im letzten Sourmersemester betrug die Gesamtzahl der .Immatrikulierte 2164, darnut«' 352 Damen, und im vorig«! Winter- s«nest« 1016, darunter 257 Damen. Die zum Hören der Vorlesungen Berechtigten sind in diesen Ziffern nicht enthalten. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Nov. 1916 £ E? o s - N 1? i-JS w CE ! a, o> 3 jÜ? * ~ .1? i •§ öS 1 ö£| 5 S i 5 3 i 55 « 5 « ! .3 ^1 «1 ä •£ •G . | -ii i ©1^-5- i; s« JO iS- üSetler 7.1 2" 10,7 I 6.11 63 | - 8 Bew. Himmel 7. 9" 8.8 7.0 83 — _ 10 Bed. Himmel 8.' 7" ■ _ 9,5 ' 8,1 91 - 1 8 Bew. Himmel Höchste Temperatur am 6. bis 7. Nov. 1916: -ft 10.7° 0. Niedrigste „ „ 6. „ 7. . 1916: -ft 2,9 • C. Niederschlag 3,3 mm. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Der stetig zunehmende Gcschäftsumsang in d«! von d« Kreis- verteilungsstelle des Kommunalverbands Gießen zu bearbeitenden Angelegenheiten, nämlich Brotgetreide, Mehli Vieh und Fleisch, Zucker, Süßstoff, Margarine, Seife, Lebensmittel sonne die Rücksicht auf die kleine Zahl d« uns zur Verfügung stehenden, mit schriftlich«!! Arbeit«! aller Art belasteten Beamten nötigen uns, folgende Anordnungen zu treffen: 1. Die Geschäftsstunden für d«! allgemeinen Verkehr des Publikums mit der Geschäftsstelle werden auf die Zeit von 10 bis 12 Uhr festgesetzt. 2. Zu anderen Zeiten können Ratsuchende nur in wirllich dringenden Fällen angenommen und befördert w«den. 3. Das telephonische Anruf«! der Geschäftsstelle ist, wenn' irgend möglich, Zu vermeiden und nach 5*/* Uhr nachmittags zu unterlassen. Da die Gesuche um Erlaubnis von Hausschlachtungen der vorgeschrittenen Jahreszeit wegen sich in letzter Zeit ganz außerordentlich vermehrt haben und ihre Zahl täglich wächst, lverdcn die Person«!, die es angehl, darauf aufmerksam gemacht, daß jedes Gesuch eine mehr oder minder umfangreiche, d«r gesetzlich«! Vorschriften entsprechende Berechnung erfordert. Vor Ablauf ein«' Woche kann nach dem Gesagten mit der Erledigung des Gesuchs und der Ausfertigung der Schlachterlaubnis mit Bestimmtheit nicht gerechnet werden. Mündliche Gesuche wer- den nicht entgegengenommen. Sollte aus besonderen Gründ«! eine vorzugsweise Erledigung des Gesuchs erbeten werden, für die hauptsächlich nur die vorübergehende Anwesenheit eines zum Heeresdienst ein gezogenen beurlaubten Familienmitglieds in Frage kommt, so ist dieses im Gesuche besonders anzugeben und glaubhaft zu machen. Gießen, den 8. November 1916. 8040D KoMmunalverband Gießen. Kreis verteilungsstelle. G r o s. An die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Wir ersuchen Sic, vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Waise zur Kenntnis zu bringen. Gießen, den 8. November 1916. KoMmUnalvcrbanL Gießen. KveisverteilUngsstelle. Gros. Fsrmük ÄchMMp (Dose SO gegen