Nr. 261 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: „Gießener Zamilienblätter" und ^Ureirblatt für den Ureis Giehen". Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. 1168Ü. Vankoerkehr: Gewerbebank Siehe«. 166. Jahrgang Montag, 6. November 1616 General-Anzeiger für Tberheffen Zmillmg-rrmdöruck und Verlag» B-r ü hl'fche Unrveisttätch-Vnch-n.Strinv«ck«2i. R. Lang«, Gießen. ZchrifHeltung, SefchSMteSe und vrnckerei« Schulstratze 7. Geschäftsstelle u. Vertag: bl. Schrstttertung: 113. Anschrist für Drahtnachrxhten: AnzeigerMeßen. lNb. Deutscher Reichstag. 74. Sitzung, Sonnabend, den 4. November. Am BundeSratStische: Dr. H e I f f e r i ch. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Min. Auf der Tagesordnung steht der Antrag der Reich*- Regierung auf Vertagung deS Reichstags bi? zum 13. Februar 1917. Abg. Ebert (Soz.): Wir mochten zum Ausdruck bringen, daß wir diese Regelung der Vertagung des Reichstags lebhaft bedauern. (Zustimmung links.) Wir hätten eine Regelung gewünscht, die die Möglichkeit bot, daß der Reichstag wieder zusammentrat, wenn er es für zweckmäßig erachtet. (Zustimmung links.) Da? erscheint nnS in der fetzigen Situation dringend ge^ boten. Wir halten cs für selbstverständlich, daß die Negierung den Reichstag auch früher einberuft, wenn dex Haushaltsausschuh, der ja weiter tagt, das für notwendig hält. (Sehr richtig! links.) Abg. Baffermann (natl.): Auch meine politischen Freunde hätten gewünscht, daß eine Vertagung deS Reichstags durch kaiserliche Verordnung nicht erfolgt, sondern daß der Reichstag aus eigener Machtvollkommenheit auseinanderging mit dem Recht, jeden Augenblick wieder zusammenzutreten, wenn wichtige Ereignisse es notwendig machen. (Sehr richtig! links.) Die Gründe für unseren Standpunkt liegen in der gesamten politischen Lage. Der Krieg bringt täglich neue Verwicklungen und macht es daher wünschenswert, daß der Reitchstag, unbeengt durch eine kaiserliche Verordnung, feden Augenblick zusammentretcn kann. (Zustimmung links.) Das hätte auch den Vorteil, daß die Kommissionen unbehindert ihre Tätigkeit forisehen können. Nachdem in den Vorbesprechungen aber die Mehrheit des Hauses sich auf den Boden der kaiserlichen Verordnung gestellt hat, verzichten wir auf weitere Erörterungen und sind nach der Verfassung genötigt, die Vertagungsorder zu akzeptieren. Wir setzen dabei voraus^ daß in der Kabinettsorder zum Ausdruck gebracht ist, daß der Haushaltsausschuß jederzeit, auch während der Vertagung des Reichstags, durch seinen Vorsitzenden berufen werden kann. Abg. Haasc (Soz. A.-G.): Wir können uns mit der vorgeschlagenen Vertagung des Reichstags nicht e i n v e r st a n - den erklären. In dieser Zeit kann jeder Tag s o I g e n - schwere Ereignisse bringen. Es würde das Ansehen des Reichstags herabmindern, wenn er nicht Gelegenheit hat, zu ihnen sofort Stellung zu nehmen. (Sehr richtig! links.) Will der Reichstag auf seine Ausgabe, mitbestimmenoer Faktor auf das Geschick des deutschen Volkes zu sein, nicht verzichten, so muß er darauf dringen, nicht vor vollendete Tatsachen gestellt und damit in seiner Kritik nicht gehemmt zu werden. (Sehr richtig! bei den Soz.) Nach allen Erfahrungen haben wir auch keine Gewähr dafür, daß den Beschwerden, die gerade in diesen Tagen im Reichstag so lebhaften Ausdruck gesunden haben, von der Regierung Rechnung getragen wird. Tie ans politischen Gründen verhafteten Personen befinden sich noch heute in Haft. Wir sind der Ansicht, daß, soweit eine Pause in den Arbeiten des Reichstags notlvendig ist. der Präsident die Zustimmung des Reichstags dazu selbst hätte herbeiführen müsicn. (Sehr richtig! bei den Soz.) Staatssekretär Dr. Hekfferich: Die Allerhöchste Ka- binettSorder, mit der der Reichstag vertagt werden wird, enthält eine Klausel, die den Zusammentritt der Budgetkommission auch während der Vertagung ermöglicht. Damit haben wir den Wünschen deS Reichstags Rechnung getragen. Im übrigen haben wir die Vertagung bis zum 13. Februar 1917 aus zwingenden Gründen der Geschäftsführung und der Leitung des Reiches gemacht, die offen auf der Hand liegen. Sollte innerhalb dieser Zeit der Fall ein- treten, daß der Reichstag früher zusammentreten muß, so hat für diesen Fall der Kaiser jederzeit die Möglichkeit, die von ihm in der Verordnung ausgesprochene Vertagung abzukürzen und den Reichstag wieder zu berufen. Sollten solche Verhältnisie ein- treten, so wird der Reichstag einberufen werden. Gegen die Stimmen der beiden sozialdemokratischen Fraktionen wird der Antrag ans Vertagung angenommen. Präsident Dr. Kaempf: Ich nehme an, baß Sie wie in früheren Fällen mir die Ermächtigung erteilen, wenn die Geschäfts- läge und die Verhältnisse es wünschenswert erscheinen lassen, das Plenum erst einige Tage nach dem 13. Februar zu berufen. In diesem Fall würden aber die Kommissionen am 13. Februar ihre Arbeiten beginnen können. Die Schutzhaft. 2. Lesung. Der Antrag deS ReichSha u'halt SauS sch usseS, der eine gesetzliche Regelung für die Schutzhast während eine« Kriegszustandes vonschlug, ist in einer besonderen Kommission beraten und dort in mancher Beziehung erweitert worden. Zunächst ist neu bestimmt, daß über die Beschwerde gegen die Verhaftung das Reichsmilitärgericht in der Besetzung von 4 richterlichen und 3 militärischen Mitgliedern entscheidet. Ferner kann die Fortdauer der Hast nach Ablauf von je drei Monaten nur aus Grund einer erneuten Prüfung und eines neuen Haftbefehls an geordnet werden, wozu stets eine EntscheidunadeS Reichs- m N i t ä r g e r i ch t S erforderlich ist. Weiter soll da- Gesetz aus Aufenthaltsbeschränkungen entsprechende Anwendung finden. Die erlittene Schutzhaft kann in einem auf Strafe lautenden Urteil ganz oder teilweise zur Anrechnung gebracht werden. Schließlich kann auch ein Entschädigungsanspruch für die erlittene Schutzhast zuerkannt werden. Abg. Dr. Riester (natl.) berichtet über die Verhandlungen deS Ausschusses. D i e A u s w ü ch s e der Schutzhaft, welche die Entrüstung des Reichstags und des ganzen deutschen Volkes hervorgerufen haben, dürfen wir auf keinen Fall wiederholen. Vertreter der verschiedensten Parteien haben die Regierung ause ernsteste und dringendste aufgcsordert, der Vorlage keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen, damit sich ein dies ater, wie der 28. Oktober, nicht wiederholt. Die Vollstreckung der Schutzhaft muß sich nach den entsprechenden Bestimmungen der Strasprozeß- ordnnng richten, so namentlich hinsichtlich der Selbstbeköstigung, der Bewegung in freier Lust usw. Die in Schutzhaft Genommenen müssen von anderen Verhafteten gesondert und in angemessenen mit den Zwecken der Sicherheitshaft irgend vereinbaren Formen nach dem Haftort gebracht werden. Die Vorteile dieses Gesetzes müssen auch den schon in Schutzhaft Befindlichen zugute kommen. (Beifall.) Ministerialdirektor Dr. Lewald: Die vom .Herrn Staatssekretär deS Innern zugesagten Ermittlungen sind bereits in allen Einzelfällen eingelcitet. Wenn die jetzt schon für eine Anzahl dieser Fälle vorliegenden Feststellungen wreits am vorigen Sonnabend Vorgelegen hätten, so würde sich die Verhandlung zweifellos in anderer Richtung bewegt haben. Im Ministerium des Innern und im Oberkommando ift_ in dieser Woche ein Ausschuß zusammengetreten, der Weisungen-und Regeln über die Behandlung der in Schutzhaft genommenen Personen auSarbeitet. Sie können versichert sein, daß sie von einer durchaus weitherzigen, liberalen Auffassung getragen sein werden. Wenn der Reichstag im Februar wieder Zusammentritt, werden Fälle, wie die hier vorgebrachten, sicherlich nicht mehr zur Sprache kommen können. Die Aussprache schließt. Das Gesetz wird in erster Lesung angenommen. Auf Antrag des Abgeordneten Scheidemann (Soz.) ftndet sofort die zweite Lesung statt. Abg. Dr. Landsberg (Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich habe zu erklären: Der Belagerungszustand, der die Grundlage der Anwendung der Schutzhaft bildet, ist ungesetzlich. Die Verhängung der Schutzhaft jpl)ne Haftbefehl ist mit dem Rechtsempfinden eines freiheitlichen Volkes unvereinbar. Mit den Anträgen aus Aushebung des Belagerungszustandes sind wir nicht durchgedrungen. Der vorliegende Gesetzentwurf bringt nur eine b e s ch e i d e n e R e - form. Was er enthält, sind Selbstverständlichkeiten. (Zustimmung.) Die für die Verhängung der Schutzhaft festgesetzte Voraussetzung will besagen, daß die «Schutzhaft nur in wirklich ernsten Fällen, wo sic für die Sicherheit des Reiches notwendig ist, angeordnet werden darf. Mißbräuche sind immer noch möglich. Immerhin wird der bestehende, unhaltbare Zu st and beseitigt. Deshalb stimmen wir zu. Möge die Regierung durch Erteilung der verfasiungsmäßigen Zustimmung die sofortige Verabschiedung herbeiführen. Abg. Dr. Riester (natl.) stellt als Berichterstatter noch fest, daß der Ausschuß einhellig der Ansicht ist, daß die Vorschriften Über die Wahrung d ^ r Immunität der Reichstags- abgeordneten sich auch auf die Fälle der Schutzhaft und Aufenthaltsbeschränkungen beziehen und jede davon abweichende Maßnahme dem Gesetz' nicht entsprechen würde. Deshalb ist es in dem Entwurf nicht besonders ausgenommen worden. Abg. Haase (Soz. A.-G.): Die Schutzhaft wird nur aus politischen Gründen verhängt. Auch nach dem vorliegenden Entwurf werden die Gegner des herrschenden Regierungssystems aus den nichtigsten Gründen verfolgt werden. Der Satz, daß die Hast nur angeordnet wird, wenn sie zur Abwendung einer Gefahr für die Sicherheit des Reiches erforderlich ist, wird zu einer sehr bequemen Formel gemacht werden. Der Willkür bleibt weitester Spielraum. Immerhin werden ihr einige Schranken gesetzt und dem Verhafteten werden Rechtsgarantien geboten, während sie ihm jetzt fehlen. Da er für eine große Zahl der Internierten eine Verbesserung gegenüber dem bestehenden Zusiand bringt, werden wir dem Gesetzentwurf als einem Notbehelf in der Gcsamtabstimmung zustimmen. Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung einstimmig angenommen. (Beifall.) Mg. Schcidemann (Soz.): Als Vorsitzender der 21. Kommission habe ich in deren Namen und zugleich im Namen deS AeltestenauSschuffes an die Regierung die dringende Aufforderung zu richten, so schnell wie möglich zu diesem Gesetz Stellung zu nehmen und ihre Zustimmung so rasch wie möglich zu erteilen, damit sich die Vorkommnisse unter gar keinen Umständen wiederholen, die nicht nur vom Ausschuß, sondern auch vom ganzen Reichstag und auch vom deutschen Volk cnif das tiefste beklagt und das schärfste verurteilt worden sind, (sehv, richtig!) Die Regierung lädt eine schwere Verantwortung auf sich, wenn sie auch nur eine Minute zögern wollte, dies Gesetz zu verabschieden. (Lebh. Zust.) Sie sollte alles tun, was ihr möglich ist, um den gegenwärtigen Zustand zu beseitigen. (Starker Beifall.) Ein Antrag des Ausschusses für Handel und Gewerbe ersucht die Regierung, zur Förderung der Leipziger Mesie einen angemessenen Betrag in den' nächsten Etat einzustellen. Der nationalliberale Antrag, für diesen Zlveck eine Million Mark zu bewilligen, ist daraufhin zurückgezogen worden. Abg. CarstcnS (Vp): Wir bringen dem Antrag volle Sympathie entgegen. Die Bedeutung der Leipziger Messe für unseren Handel, unsere Industrie und Arbeiterschaft ist sprichwörtlich. Unser aller Bestreben muß darauf gerichtet sein, die Leipziger Messe in ihrer jetzigen Bedeutung zu erhalten. Deutschland, sein Handel und seine Industrie, seine Technik und seine Wissenschaft werden alle Zeit dafür sorgen, «daß die Leipziger Meffe niemals niedergekämpft werden kann. (Beifall.) Angesichts der Bestrebun-- gen unserer Feinde den Handelskrieg auch nach dem Kriege fortzusetzen, müssen wir der Regierung die Mittel in die Hand geben, damit sie allen Anschlägen auf das deutsche Wirtschaftsleben mit Erfolg entgegentreten kann. (Beifall.) Abg. Dittmann (Soz.-Arb.): Die voogetragenen Gründe genügen uns nicht, um dem Anträge zuzustimmen. (Lachen.) Sollte die Regierung in den nächsten Etat eine entsprechende Position einfetzen, so werden wir sachlich zu ihr Stellung nehmen. Mg. Dr. Strcsemann (natl.): Diese Haltung verstehe ich nicht. (Sehr richtig!) Es handelt sich hier um eine Frage, die losgelöst von aller Parteipolitik erledigt werden kann. (Zustimmung.) Frankreich und England versuchen, unser altes Weltmonopol der Leipziger Messe zu durchbrechen. Die Leipziger Meffe dient vor allen Dingen auch den Exportinteressen der Industrien, die Heimarbeiter beschäftigen. Die Haltung deS Vorredner» ist daher umso unverständlicher. (Zustimmung.) Mg. Molkenbuhr (Soz.): Wir stimmen dem Antrag zu. Mit unS sehnt das ganze Volk die Zeit wieder herbei, in der sich in Leipzig Kaufleute aus allen Ländern zu friedlichem Wettbewerb trafen. (Beifall.) Jetzt machen unsere Feinde die größten Anstrengungen, um unseren Export auch für die Zeit nach dem Kriege zu vernichten. Den deutschen Exjwrt aber in seiner alten Höhe wiederzueröbern, halten wir gerade im Interesse der Arbeiterschaft für dringend nötig. (Beifall.) Drektor Dr. Miiller: Die Angelegenheit der Leipziger Messe ist keine Angelegenheit eines einzelnen Bundesstaates, sondern Rcichssache. Ich kann eine wohlwollende Prüfung deS Antrages in Aussicht stellen. Abg. Schiele (kons.): Die Leipziger Meffe ist eine Sache der ganzen Nation. Die Haltung der Arbeitsgemeinschaft ist unverständlich. Wir werden nach dem Kriege auch wirtschaftlich den statu« quo ante nicht wiederfinden. Deshalb muß alles geschehen, um im Interesse unserer Arbeiterschaft uns den AuSlandmarkt wiederzueröbern. Der verstorbene Ludlvig Frank hat gesagt, daß wir. wenn wir den .Krieg militärisch und Wirtschaftlich nicht De- winen, statt Waren Menschen exportieren müffen. Dieser Antrag ist die Einleitung für weitere Bestrebungen zur Förderung des deutschen Exports. (Beifall.) . Abg. Dittmann (Soz. Arb.): Wir haben ja sachlich noch gar nicht Stellung genommen. Nur erscheinen nnS die bisher vor« getragenen Gründe nicht ausreichend. Später werden wir prüfen, ob im Interesse der Arbeiterklasse ein Unterstützung der Leipziger Messe notwendig ist oder nicht. Abg. Dr. Bell-Essen (Ztr.): Schon' während de§ .Krieges «uß alles im Interesse unjcrcS Export» geschehen. Wenn nach Frie-- densschluß unsere Feinde den Handelskrieg fortsetzen «ollen, müssen wir wirtschaftl'ch gerüstet Saftehen. HS muß heiße«, die Leipziger Dresse auch künftig nt der Welt voran. (Beifall.) Abg. Dr. Arendt (Dtsch. Fr.): Die Aufrechterhaltung der Leipziger Meffe auch während bet Krieges war wohl unö allen eine nationale Genugtuung. Gegen die Stimmen der Sazialdsm akratische» Arbei 4 SgcN«'n- schaft wird der Antrag angenommen. EcllShmNsfrage«. Die gestern abgebrochene AuSfprache über da? Gebiet der Volksernährung sowie die d^zu vorliegenden Entschließungen und Anträge wird hierauf fortgesetzt. Abg. Herold (Ztr.)i Gewiß ist die Errichtung deS KriegSevnäw rungsamts von großer Wichtigkeit. Neben ihm muß man aber auch den Landcsbchörden genügend Spielraum lasten. Der Abschluß vom Auslande hat eine Knappheit in vielen VerbrauchLartikeln zur Folge gehabt. Wir mußten daher auf vielen Gebieten eine Rationierung eintreten lassen. Alle Kräfte unseres Volkes muffen bst der Durchführung dieser Verordnungen bestem Die Kartosselpreise dürfen nicht wieder nachträglich geändert werden, der ganze Reichstag würde sich dagegen aussprechen. Leider ist die Kartoffelernte in diesem Jahre nur mäßig. Daher muß man die Kartoffeln in erster Linie der menschlichen Ernährung nutzbar machen. Das KartofselverfütterunaSver'bot wird leider eine gewisse Knappheit an Fleisch zur Folge haben. Auch die SpirituSerzeu- gung muh soweit eingeschränkt werden, wie es die Bedürfnisse des Heeres irgend gestatten. Der Zuckerrübenbau muß wieder aus. gedehnt werden, ebenso der Anbau von Hülsenftüchten. Wir halten durch bis zu einem siegreichen Frieden. Möge er bald kommen! (Beifall.) Abg. Schmidt-Berlin (Soz.): Ohne unsere Z w a n g S m a h. nahmen würden wir jetzt in Deutschland viel höhere Preise haben. So hat Luxemburg gegenwärtig einen KartosfelpreiS von 24 Pf. für das Pfund. Manche Kreise würden auch bei nutz ähnliche Verhältnisse wünschen. Unsere Anregungen sind leider oft gar nicht, oft erst zu spät berücksichtigt worden. Wo größere Strecken Landes unbebaut liegen, muß ein rücksichtsloser Produktionszwang eintreten. Mit der Preispolitik des KriegSernährungSamteS sind wir wenig zufrieden. Die Preiserhöhungen bieten kernen Anreiz zur Lieferung von Lebensmitteln; sie fördern vielmehr die Zurückhaltung, weil die Landleute immer noch höhere Preise zu erzielen hoffen. Hier kann nur Zwang helfen. Wird in der Kartoffelversor- g u n g nicht jetzt energisch vorgegangen, so haben ivir im Frühjahr die größten Schwierigkeiten. Die Preistreiberei auf dem Fischmarkt hätte längst das KriegSernährungSamt zum Eingreifen veranlaßen müffen. Der Kettenhandel lebt immer nocki. Der Diehhandel ist zu sehr aus den Verdienst Angeschnitten. Manche Diehkommifsionäre beziehen mehr als ein Ministergehglt. Jetzt im Kriege wie auch im Frieden müffen wir endlich zu gesunden Zuständen kommen. Die Biehhandelsvcrbände muffen ans anderer Grundlage neu auf- gebaut werden. Aus daS GlaS Bier kann eher verzichtet werden als auf ein wichtiges Nährmittel. Die Situation ist viel zu ernst, als daß man 900 000 Tonnen Gerste zu Bier machen durfte. Es handelt sich hier nicht um AntialkoholiSrvuS, sondern um Ernährungsnotwendigkeiten. Die Fleifchkartc muß _ allen die gleiche Menge gewähren. 250 Gramm sind durchaus möglich. ÜBu können in unsere Viehbestände mehr erngreisen. Die Ungleichheiten zwischen einzelnen Orten müffen beseitigt werden, ebenso beim Fett. Wir haben im Vorjahr zwei Millionen Rinder mebr geschlachtet als 1914; hätten wir da schon die Fleisch- und Fcttkartc gehabt, so hätten wir viel gespart. ES fehlte der ErnähruugS- Politik an Weitsichtigkeit. (Sehr richtig!) Die Zuckerinteressenten haben vorige Woche eine Rob- zuckcrpreissteigerung von 15 auf 25 Mark verlangt. Das übersteigt doch alle», was man selbst von diesen Herren erwarten konnte. Schon bei dem Vorjahrpreis von 12 M waren die Raffiner'egewinne von 20—90 Proz. bei riesigen Abschreibungen drei- bis viermal st» hach als im Jahre zuvor. (Hörr, hört! b. d. Soz.) Diese unverschämten Anforder urigen sind scharf zurückzuloeisen; die im Krieg erfolgte Erhöhung von 9HO aus 15 M. ist wahrlich genug. Bei einem Kakaoprei» von ? M. das Pfund muß dir ärmere Bevölkerung auf iyn verzichten. Die Ratimrierung muß durchgrcifcn und auch das ErnährungSbedürfnis der einzelnen Vollsklaffen berücksichtigen. Der freie Wettbewerb mutz aufgehoben werden. Eigennutz und Gewinnsucht müffen ganz miS- geschaltet werden. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Hoff (Fortfchr. Vp.): Ich bitte Herrn Botocki um AuS- knnft über das neue KriegSamt, durch deffon Errichtung die Volksernähvunig noch yrehr unter militärische Leitung kommt. Warum ist das Holz nicht stärker zirr l^rituSherstellung hm'- angczogen worden? Wir müffen die DolkSernäbrung nröglrchft ans den Verzehr von pflanzlichen NahvunlASmitteln stellen. D, vorltegt. Jetzt bringt aber die Verft'ltter.nrvg von Brotgetreide den doppelten Wert wie sein Verkauf. Bei dem Weg durch den Tim'körper dorlieren die Futtermittel drei Viertel ihres Nährwertes. Ohne .Kartoffeln und Korner ist keine DLaft möglich. Duchh das Kartoffelverfüttc- rungsverbot sind die Schlveiriemäster in mne sehr 'chwieiäge Lage gekommen, zumal die .HauSscblachtumgpn verboten snid. Vir haben einen Antrag gestellt, auch im Kriege die gleiche Anzahl Rinder wie im Frieden zu sch-achten. Bei den Fnttcrschwiemg feiten ist jede R i n d e r t h e s« n r i e r n n g zu vermeiden. Die Rinidviehprerse sind viel zu hoch, mindestens X>«ppeit so hoch wu im Frieden. Herr v. Batocki muß hier fühlbar eingreisen. Abg. Dr. Boehme (natl.): Durch Heeauziehnna oller sach- kundigen Männer wird die Srchersteib»d»r VoIckScn'nLlstung durch geführt jvnfcu. ©et bem starken Mcm^ek schw«erigreiten, seinen Anteil mtthaben will an dem große* Siege, den tvtr erringen wollen. Wer das glaubt, der verkennt die Unerschütterlichkeit unseres Willens zum Siegen. (Lebhafte Arftimmnrv-I Niemals zuvor ist von grüße, rer Bedeutung für die ganze Zukunft unseres Volkes die Schaffenskraft und Schaffensfreudigkeit unserer deutschen Landwirtschaft gewesen. Helfen Sie uns, diese zu starken und zu erhalten. (Lebhafter Beifall.) Präsident des KrregSeruährungSamteS v. Bawekr: Die Machtbefugnisse des KriegsernÄhrungscnnts sind weniger wesend- lich als der gute Wille aller BtteU gten. Es wird keine notwendige Maßnahme nnauSgesührt bleiben. Die Sorge des Vorredners vor einem 9-achgeben gegen politische Richtungen ist unbegründet. D i e Freunde des Grasen Schwerin werden noch öfter Maßnahmen von uns so deuten, wir müssen uns damit ebenso abfinden, wie wenn die andere Seite unsere Maßnahmen wegen meines Prwatbernfs imfc meiner Vergangenheit kritisiert. Ich muß den Weg zwischen zwei Polen suchen und werde ihn hoffentlich finden. Aeber die Organisation des von General Grüner geleiteten Kri'egsamtes kann ich noch nichts sagen. Wir arbeiten noch zusammen. Ich hoffe, daß wir einheitlich und geschloffen die Ernährung des Volkes und des Heeres miteinander in Einklang bringen werden. Das Kriegscnnt hat besonders auch für die Ernährung der Munitionsarbeiter zu sorgen. In den letzten 6 biß 6 Monaten habe ich oft auch übereilt arbeiten müssen. Die Vorratspolttik findet ihre Grenzen im augenblicklichen Bedarf. Kartoffeln müssen schon vor dem Winterfrost verteilt und eingelegt werden. Der Bedarf ist gegen den Frieden verdreifacht, und solche Mengen können im Winter nicht transportiert werden. Durch Heranziehung von S a ch v e-r st ä n d sig e n a«»s der. Praxis sollen die Zentralstellen reformiert werden. Die voKs- tümüche Zusammenfassung der Vorschriften soll erfolgen, im Winter wollen wir die Obst- und Gemüseversorgung besser vorbereiten, als sie war. (Beifall.) Frische Fische lassen sich kaum beschlagnehmen; ohne Beschlagnahme ist aber eine Preisherabsetzung unmöglich, denn dann käme nichts mehr auf den Markt, und niemand hätte was. Wir wollen aber soweit als möglich regeln. Die ersten Monate der Viehhandelsregelung sind vorüber; an die Herabsetzung der Provisionen kann jetzt her- angegangen werden. Niedrigere Kartoffelpreise waren nicht möglich, da jetzt die Versuchung zu groß ist, das mangelnde Futter durch Kartoffeln zu ersetzen. Die Holzspiritus er zeiugung wind energisch gefördert, aber man darf nicht übertriebene Hoffnungen daran knüpfen. Die Verwendung von Ersatznährmitteln hängt von der Freigabe durch die Heeresverwaltung ab. — Die absoluten Temperenzler glauben jetzt ihre Zeit gekommen, sie gehen mit einer Rücksichtslosigkeit vor. der man nur mit etwas Humor beikommen kann. Der Krieg ist nicht die Zeit, unsere ganzen Volkssitten von Grund auf zu ändern. Von einer Vermälzung von 900 000 Tonnen Gerste ist keine Rede mehr; es wird eine sehr erhebliche Herabsetzung erfolgen. Herrn Hoff kann ich sagen, daß auch beim Rindvieh dafür gesorgt ist, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. (Heiterkeit.) Die schlachtreifen Tiere Ivetten geschlachtet, und wenn Rindvieh übrig bleibt, ist es kein Unglück. — Der Ernährungsbeirat wird in acht Tagen über den Zucker beraten. Sein Anbau erfordert besonders viel Kräfte; es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um beim Zuckeranbau die Arbeiterknappheit zu mildern. Die Stickstofferzeugung wird aufs äußerste angespannt. Ihre Leistung ist eine Frage der Maschinenhersteliung und der Arbeitskräfte. Zur M o o r k u l t u r nur Kriegsgefangene zu verwenden, könnte dieses notwendige Werk schädigen. (Zu- ftirnmung.) , Sm allen BevSlkeruUgSkreffen und mli der Presse suche ich enge Fühlung zu behalten. Bon der anfänglichen Begeisterung ist manches verflogen. DaS ist nicht weiter verwunderlich. Leider ist jedoch auch von der Kameradschaft, wie sie noch im Schützengraben gilt, bei der Unterschiedlichkeit der Berufe in imserem verwickelten Wirtschaftsleben nicht mehr so viel jti spüren. Der Städter kennt daS Land nur von SommerauSflügen. Vielfach hat er mit seinem gespickten Beutel der Landbewohnee- schaft das letzte weggekauft. Die Beziehungen zwischen ^stadt und Land sind dadurch nicht besser geworden. Vo« : den Alltagsnöten des Landwirts weiß der Städter nichts. Heute verfügt nicht der Bauer, sondern der Gendarm. Der Bauer er- trägt das schwer, er muh aber umlernen. Der Landwirt beurteilt die Stadt nur nach Sonntagsbesuchen. Leider gibt ihm der unangenehme Einschlag von Lebemännern und Lebefraueu im Stadtleben aufdringliche Eindrücke. Von der angestrengten Arbeit der großen Masse der Stadt- bewohner gewahrt er nichts. Er sieht auch nicht die Munitionsarbeiter an ihrem schweren Werk und die zahlreichen Frauen an ungewohnter Arbett. Sie alle müssen ausreichend ernährt wev. den. Der Beamte lebt langst nicht mehr seinen guten Tag. sondern muß gesteigerten Anforderungen genügen. Ich möchte, daß jeder Mann, jede Frau und jedes Kind allabendlich eine Ruhe* pause baden, wo sie ans der Misere herauSkomme». Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Schwierigkeiten de» GeldverdienenS und der Ernährung nicht unsere Hauptsorgen sind, sondern das, was au« Deut sch lcrnd werden foFt Wir können nur bestehen, wenn wir einig und geschlossen sind. Helfen Sie uns dabei! (Beifall.) Wbg. Frhr. v. Gamp ($>• Fr.): Die Schilderungen von dem gegenseitigen Neid zwischen dem Landmann, der in die Stadt kommt, und dem Städter, der aufs Land geht, teile ich nicht. Das wäre ja traurig! Im Wirtschaftlichen Ausschuß und in dem Haushaltsausschuß hat sich eine erfreuliche Uebe reinstim mang zwischen Stadt und Land gezeigt. (Zuruf b. d. Soz.) Lassen Sie doch solche Albernheiten! Die Zeit ist zu ernst dafür! — (Glocke des Präsidenten.) Ich nehme den Ausdruck „Albernheit" zurück. Die Kartoffelpreise siird mit Rücksicht auf die Ernte minimal. Eine nachträgliche Erhöhung der Kartoffelpreise darf cnrf keine» Fall eintreten. Sie Hot unter den Landwirten große Erbitterung erregt. Die Fischpreise fallen sofort, wenn man die Herstellung von Fisch-Konserven verbietet. Kohlrüben sollten als Ersatz für die Kartoffeln in großem Umfange herangezogen werden. Abg. Wurm (Soz. Arb.) sucht eingehend zu beweisen, daß die Politik des KwiegLernährungsamts ausschließlich den Interessen der landwirtschaftlichen Produktion dient. Gewiß herrscht auch in England eine Teuerung, denn was uns der Agrarier ist, ist dem englischen Verbraucher der Reeder. In der Alkoholfta^ muß man jetzt fanatisch sein. Man sollte, wenn durchaus AlkohÄ getrunken werden muß, zur Anrechnung übergehen: Ein Liter Bier gleich einem halben Pfund Brot und ein Liter Schnaps gleich fünf Liter Kartoffeln. Ich spreche aber nicht etwa als Abstinent, der ich gar nicht bin. (Hört! Hört! und Heiterkett.) So wie bisher kann es nicht weitergehen. Die Geduld des Volkes geht zu Enoe, es will sich von Prositinteressen nicht länger aus- wuchern lassen. Abg. v. TranHczynski (Pole) bespricht die schlechte Lage der aus Polen abtransportierten Landarbeiter. Ministerialdircktur Lcwald bestreitet, daß die Lage dieser Arbeiter schlecht ist. Der Vorredner hat übertrieben. Die Aussprache schließt. Abg. Schiriucr (Zcntr.f: Leider kann ich nun nicht mehr Nachweisen, daß das bayerische Bier ein werwolleS flüssiges Nahrungsmittel ist. (Heiterkeit.) Meine Herren (erregt) : Sie haben eben als Norddeutsche kein Verständnis für gutes bayerisches Bier! (Anhaltende große Heiterkeit.) Abg. Mumm (D. Fr.): Ich bedaure die Worte des KriegS- Hnährungspräsidenten gegen die Nüchternheitsbewegung. Anf- geschoben ist nicht aufgehoben. Die meisten Anträge werden angenommen, auch der Antrag Mumm gegen die Umwandlung von Nährstoffen in Alkohol. Der fortschrittliche Antrag auf vermehrte Rindvieh scblachtungen wird auf Antrag des Abg. Fegter (Fortfchr. Vp.) znrückgestellt, da das Haus sehr schwacb besetzt ist. (Die Sitzung dauert fort.) Kunfi, WifKitfcfoaf* nird Leben. — Worte Friedrichs des Großen fürdie Gegenwart. Wenn auch der Weltkrieg in seiner besonderen Entstehüugs- geMchite u:td seiner Ausdehnung in der Vergangenheit uicht annähernd seinesgleichen hat, so erinnert er doch insofern an die Zeit! Friedrichs des Großeii, als auch damals eiiie Koalition sich wider Deutschland erhob und es den Anschein hatte, als gebe es für da- ganze übrige Europa kein anderes Zich, als die Vernichtung Vrcußeils. Tjarum enthalten zahlreiche der überlieferten Aussprüche und Niederschriften des großen Friedrich einen für uns! besonders bedeutsamen Doppelsinn. Wie außerordentlich stark diese Wiederhobing in der Geschichte zutage tritt, geht aus den Worten Friedrichs des Großen für die (Hegenwatt hervor, die Tr. A. Kamp mr näckssten .Heft der '„Grenzboten" zusanimenstellt. „Mir geht es," sir-rieb Friedrich der Große,-„wie einem Reisenden, der unter eine Rotte verbrecherischer Gesellen geraten ist, ,'die ihn -ermorden wollen um sch seine Habe zu teilen . . . Hat die Welt jemals dergleichen gesehen, daß 3 große Fürsten sich zusammenrotten zur Vernichtung eines Fürsten, der ihnen nichts getan hat? . . . Wenn in der bürgerlichen Gesellschaft 3 Bürger sich verabreden wollten, ihren lieben Nachbar-: anszurauben, hätten sie damit unfehlbar voii Rechts wegen Rad und Galgen verwirkt." Auch die Ereignisse in Belgien hatten zur Zeit Friedrchs insofern einen Borlaiisin, als ^ das Heer Friedrichs gezwungen war, in Sachsen emzumarschieren: ,.Dw ungerechten Vorbereitungen (meiner Feinde) zum Kampfe zwrwc/m mich zu den äußersten Schritten, die ich aus Liebe zum Frr^eii. und zur allgemeineii Ruhe lieber veriniedeii. hätte, undl dieselben Utmstätnde nöttgeir mch> sehr gegen meinen Willen, mein! Heer iuch Sachsen (heute Belgien) marschieren zu lassen, um von da irach Böhmeii, (heute Frankreich) einzudringeu." Auch die eng- lisiche Plolittk ttug schon damals die heute für sie so bezeichnenden Charatterzüge: „Ich bin erstaunt über die englische Politik. Tie Engländer sehen ganz Europa für eine lediglich zum Rußen England ges-chtafsone Staatsgemeinschast cni . . ." Wie eine Vorahnung der Regiermigsweise der französischen Chauvinisten mutet der Ausspruch Friedrichs an: „Politiker gängeln das Volk, und' es wird beständig hinter das LrclK geführt von jedeiw, der Lust hat, es zu betrügen." Ein anderer Ausspruch erscheint nicht minder aktuell: „Ter Verleumdung zur Zielscheibe zu dienen, ist das Los der in der Oefsentlichkeit Stellenden." Schließlich iioch em Wort des Großen Friedrich über das Dürchhalten: „Hörst du, daß einem! von uns ein Unglück zugestoßen ist, so frage, ob er im Kamps gefallen ist, und ist es so, dann danke Gott. Für uns stibt es nun* Tod oder Sieg; eürs von beiden muß uns beschieden 'sein!" — Rechtsauskunftsstellen im Felde. Ueber er .Einrichtung, die in aller Stille umfangreiche und äußerst danken wette Arbeit für eine der vielen Forderungen des Kriegszustand leistet, nchnlich über dtie seit einiger Zeit erttchteten Rechtsauskunft stellen im Felde, wird zum ersten Male in der „Deutschen Juttstei Zeitung" Bettcht erstattet. Die Verbindung zwischen den Fel grauen und der Heimat kann auch in geschäftlicher Beziehung nic ganz abgebrochen werden, und viele Kriegsteilnehmer sehen si der Notwendigkeit gegem'iber, schwebende Rechtsfragen dringend Natnr zu erledigen oder doch W klären, während sie draußen v, stehen. Anfangs suchte man diesen Forderungen, w Dr. Lrnk aussührt, durch entsprechenden Bttefwechsel zu genüge: unfnnÄ^Ote sich bald, daß schttftliche Auseinandersetzungen rechß Fälle m^^r^nen für eine sachgemäße Bearbeitung schwebend, meist ungenügend sind. Diese Erfahrung wurde auch bei ? Verbände der Rechtsauskunftsstellen und bei den einzelnen gemein- i nützigen Rechtsauskunftsstellen, die zahlreiche Auslünstsersuche aus i dem Felde erhielten, gemacht. Das Bedürfnis nach Rechtsberatun- i gen im Felde war nur zu befriedigen, wenn die Auskunft an Ott ] und Stelle von einem zufällig erreichbaren Juttften erteilt werden i konnte, und daher hing sie fast stets vom Zufall ab. Die längere 1 Dauer des Krieges ergab schließlich die Notwendigkeit, im Felde ) selbst Rechtsberatungsstellen für Heeresangehöttge zu gründen. Dar- | um bestimmte im Apttl dieses Jahres der Generalquarttermeister, daß solche Einttchtungen ins Leben zu rufen seien, wobei die im Front- und Etappendienst stehenden Justizpersonen zur Unterstützung der Militärjustizbeamten für diese rechtliche Fürsorgetätig- keit heranzuziehen sind. Generalseldmarschall Hindenburg ttaf noch als Oberbefehlshaber Ost im Juni dieses Jahres eine Verfügung, die sein besonderes Versta^ndnis für diese wichtige Frage zeigte In dieser Verfügung wurde besttmmt, daß möglichst für jedes Bataillon eine Rechtsauskunftsstelle zu erttchten sei. Als Leiter der Auskunftsstellen kömien sowohl Offiziere Nne Unteroffiziere und Mannschaften bestimmt werden. Die Feldrechtsauskunftsstetten, die inzwischen geschaffen wurden, funktionieren heute vorzüglich, wobei ihnen die Mitarbeit heimischer Rechtsberatungseinttchtungen außerordentlich zustatten kommt. Von der Erwägung ausgehend, daß die Rechtsauskunftsstellen im Felde auch ihrerseits häuftg dm Rat sachverständiger Stellen brauchen, setzte sich der Verband der Rechtsauskunftsstellen in Deutschland dafür ein, die Auskunftsstellen im Felde durch seine ständige Mitwirkung in jeder nur möglichen Weise zu unterstützen. Durch diese Zusammnmrbeit außerhalb und innerhalb der Grenzen des Reiches sind überall für unsere Feldgrauen .Stützpunkte gegeben. Bis zum 6. Oktober waren bereits 476 Austunftsstellen im Felde mit dem deutschen Rechtsauskunfts- stellen-Verbande in Verbindung getteten. Doch ist heute die Zahl der regulären Feldrechtsauskunftsstellen noch erheblich größer. So wurde eine Organisatton geschcstfen, die als ein bedeutsamer Zweig oer allgemeinen Kttegsveclftspflege auch in der Heimat verständ- nrsvolle Würdigung verdient. — Aus der Geschichteder Brillen und Kneifer Außerordentlich groß und reichhältig ist die Zahl dm Einflüsse, die der Krieg auf die verschiedensten GebrMichsarttkel ausübt. Hierbec kann man die Beobachtung nrachen, daß die Anpassung der Gebrauchsarttkel für die besonderen BcdrnMngen des Feldes auch über diese Erfordernisse hinaus von dauerridem Wert werden können, da man hierdurch auf Verbesserungeir kommt, die diese Gegenstände auch für ihre friedliche Verwendung geeigneter machen. So kam in der Brillen- und Dceifettndusttie dirrch den Ktteg tvieder eine Form M Ehren, die in der Geschichte der Brillen und Kneifer eine große Rolle spielte, jahrelang aber einer neuern und viel wertiger .praktischen Form weichen mußte. Wer das Schaufenster eines Optikers betrachtet, wird an den sog. „Kriegsbrillen" vor allem die Größe und runde Gestalt der Gläser bemerken, die auch — so lange dies ungewohnt war — an den brillentragenden Soldatmr ausfallend waren. Die Zweckmäßigkeit der großen und runden Fortn des Augenglases ist sofort einleuchtend. Während die elliptisch geschliffenen Bttllengläser das Schießen beim Liegen sehr erschweren, da man durch die Kopflage hierbei oft über oder unter den Rand der Bttlle blicken nruß, ist bei den große): runden Gläsern der Kriegsbrillen diese Ersscheitrung so gut mie ausgeschlossen. Ein anderer Vorteil nracht diese Gläser aber auch für den Zivilisten wmtvoller als die elliptischen. Bei den ellipttschen Gläsern schlägt scharfer Luftzug leicht au den Rändern um :md dttngt so in die Augenhöhlen, bei den großen rrmden Gläsern jedoch närd er mit ungleich größerer Wahrscheinlichkeit vom Auge abgehalten. J,n! der älte,tcn Zeit der Bttlle verwendete man auch sttts, wie Frrtz Hansen in 'einer lehrreichen Betrachtung über Brillen und Knttfer im nächsten Heft der bei der Dnttschen Verlags-Anstalt in Stutt* gart erschemenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer" ausftchtt, runde Glaser. Wan:: die Brille zum erstenmal in Gebrauch kam, laßt sich nicht mehr genau feststelleu. Nach dem römischen Schttst- steller Plmius verwendete Nevo, der betanntlich kurzsichtta war, be: den Gladiatorenkämpfen einen geschliffenen Smaragd, doch :st es immerhin zweifelhaft, ob hiern: der erste Vorläufer der Brille zu erblicken ist. Ein allgemttner Gebrauch der Brillen ist jedoch einwandfrei vom Anfang des 44. Jahrhundetts n. Ehr. an fest- zustellen, im 17. Jahrhumdett gab es berefts eine regelrechte Brillenmacherei. Ju der Herstellleng von Brillen zttgten sich die Chinesen vor den Europäern als Muster, :md ihre Bttllen hatten den heute wiedererkatinten Vorzug der sehr großen m:d .tmtbem Gläser. Auch in: Wechsel der Moder: spielten die Augengläser keine unbedeutende Rolle. Im 18. Jahrhundert hatten sie eine besonders mettwürdige Gestalt. Statt der Sicherung durch seitliche Stangen befand sich an beiden Enden der Augerigläser je eine kleine Kette m:t einem Gttvicht, wodurch das Instrument auf dem Naseurückeir festgehalten werdeir sollte. Tatnals war auch die runde Forn:, wie bei den Chinesen, noch bevorMgt, daiin aber gab mar: dein! Wunsch nach gefälligen Forme:: nach, und Mit der Zoll wurden die Gläser immer kleiner und schmäler. Erst der .Kttegszeit blieb es vorbel>alten, die ursprüngliche For:n der chinesischen Brille Mtt>er zu Ehren zu bringen. Bttm Kneifer wird jedoch auch jetzt noch dem hübschen Aussehen vor dem praktische:: Wert der Vorzug gegeben, vielleicht weil er im Felde ohnedies nur iit seltenen Ausnahmesällen .Verwendung fnrdet. Doch auch für den Knttfer gab es ttne Zttt der runden Gläser, und zwar im 19. Jahrhundert. Amerikanische Modenarrheiten. Die Millionen F^vvien zu iHunderten ins Land, jene oberen Zehntausend, die sich für d:e Blüte der amettkanisck-en Gesellschaft halten, jagen von ernen: Feste zum anderit, und sie wissen nicht genug neue Torheiten auszudenken, um Auffehen zu erregen und alles bisher Tageweseno zu übertrumpfen. Einige der jüngsten amerikanischen Modebettchte a? Eunde ab. Ein Erzeugnis echten Protzeugttstes sind z. B. die neuesten HMisschuhe der amettkanischen Millwnättnnen, die vom Spann bis zum Absatz mit kostbare:: echten Spitzen besetzt sind. Der Spitzenbesatz muß aber — wohlgemerkt — so lang fern, daß er ans den Boden reicht; offenbar kitzelt diese edlen Protzenseelen der Gedanke, daß sie den Staub des Bodens mit echtcm Spitzen anfwischen. Sehr niannigfalttg äußett sich der Gttst der Modenarrhttt in den neuesten amerikanischen Hüten. Da gibt es z., B. einen Topfhut, der an der Sttrnscite mit einen: großen Bildnis geschwückt ist! Ob Goethe, wenn er das erlebt hätte, wohl auch iwch'.gtsagt hätte: „Amettka. du hast es besser. .. Ein an sich recht hübscher kleiner Pelzhut in der bekannten Togue-Form wird dadurch ins Protzcuhafte übersetzt, daß von einem ringsum laufenden Pelzringe vorn ein schwerer großer Stein oder ttne Perle in Anhängerform herunttrhängt. Eine wenig taktvolle Ansschreilllng stellt schließlich der Bischofshut dar. Dies ist ttne Hutform, die auffällig an die bekcnrnte kegelattige Gestalt der Biscksiifsmütze ettnnett und durch die Anbttngung altettüm- licher Stickertteu an der Vordettttte diese Erinnerung noch stärker betont. Daß diese Form nebenbei iwch in hohem Grade unlleidsam ist, kommt gä r J Nicht in Bettacht — wenn sie nur auffällt und im Wettrennen der Modetorheiten eftien Prtts erttngt! Mb. Deutscher Reichstag. "W. Sitzung, Freitag, be*.i 3. Nov., vorm. 11 Uhr. (Schluß.) EWöhWngsjMgen. Der YäuptauSsch uß hat sich eingehend' mi-t den Ernähr ruugsfragen beschäftigt. Gr legt dem Hause nicht weniger! als 86 Anträge vor, die alle Gebiete der Lebensmittelversorgung betreffen. Die Anträge sind schon aus den Ausschußberatungen bekannt. 3feu liegen zwei Anträge vor. Ein Antrag der Fortschrittlichen Volkspartei fordert, daß angesichts des an Kahl nur wenig verminderten Rindviehbestandes die Schlachtungen so bemessen werden, daß sie mindestens die durchschnittliche Höhe der 'Kahre 1912' bis 1914 erreichen, daß die Fleischration entsprechend erhöht wird und daß die Höchstpreise für Rinder bereits im Laufe des Winters herabgesetzt werden. Ferner soll erwogen werden, ob nicht der freie Handel in Rindvie.h wieder, herzu stellen sei. Ein Antrag M u m m (Deutsche Fraktion). der auch von Ab- geordneten anderer Parteien unterschrieben ist, ersucht den Reichskanzler, soweit nicht Heeveserfordernisse vorliegen, jeder Umwandlung von Nährstoffen in alkoholische Ge- nußmittel nach Mö-glichkeit entgegenzutreten. Abgeordneter Graf Westarp berichtet eingehend über die Ausschußverhandlungen, deren Ergebnis die vorliegenden zahlreichen Anträge find. Wie der Berichterstatter mitteilt, erstattet er diesen Bericht über hie Lebensmitteffragen lvährerw der KriegSzeit bereits zum sechsten Male. Die Versorgung der Bevölkerung ist besser aktz rai Vorjahre Die Bestände an Vieh und Fleisch haben sich gebessert. Mit der Ausschaltung des Handels ist man zu weit gegangen. Der brutale Aushungerungskrieg Englands hat uns schwere Opfer auferlegt und tut dies auch für die Zükunft. Aber erneut kann ich die feste Ueberzeugung aller Mitglieder des Hauses hier wiederholen: Zum Ziele führt dieser Aushungerungskrieg nicht. Niederringen laßt sich das deutsche Volk durch Aushungerung auf keinen Fall. (Lebh. Zust.) Auch dieses Mal können wir unseren tapferen Kämpfern zurufen, wie vir es immer zum Schluß unserer Verhandlungen über Er- nährungsfragen getan haben: Das deutfche Volk steht entschlossen hinter ihnen. Es ist entschlossen, es ist bereit, es ist aber auch fähig dazu, unseren Kämpfern draußen die Nahrungsmittel zuzuführen, die sie brauchen, um unsere ungeheure Aufgabe zu erfüllen und den Heldenkampf durchzuführen. Das deutsche Volk ist entschlossen und bereit, unsere Jndustriearbeiterschaft so zu versorgen, daß ihre Kraft erhalten bleibt, um den Heeresbedarf herzustellen. Wir sind entschlossen und bereit und fähig, die Vorräte so einzuteilen, daß für die Dauer des ' Erntejahres die Ernährung unseres Volkes sichergestellt wird. Die stparsame Einteilung der Vorrat e i'-st n ö t i g, s i e ist auch gesichert. Ich kann meineü Bericht schließen wie immer: Wegen der Ernährungs- frag« darf und wird und braucht der Krieg nicht einen Tag früher beemd-et zu werden, als eS nach der militärischen Lage nötig ist. (Beifall.) Präsident des KriegsernährungSamtes von Batocki: Wenn wir über die Aussichten dieses Erntejahres sprechen, dann müssen wir noch stets eine Reihe von Vorbehalten macben. Noch immer liegen für wichtige Früchte keine genauen statistischen Ergebnisse vor. Bei der Verteilung werden wir daher alle Borsicht walten lassen, damit später eine Enttäuschung der Verbraucher vermieden wirb. Ein ganz unsicherer Faktor ist die Einfuhr. Wir wissen nicht, welche Bedrücknngsmaßnahmen unsere Feinde auf die Neutralen noch ausüben werden, und wir tun daher am besten, dir Einfrchr vorläufig gar nicht in Rechnung zu setzen. Sowert als möglich, wollen wir uns unabhängig von der Einfuhr zu machen suchen. Der Streit, ob unsere Landwirt- schaff ohne Einfuhr das deutsche Volk ernähren kann, hat vor dem Kriege hier heftig getobt. Er hat durch den Krieg insofern einen Abschluß erfahren, als wir jetzt wissen, daß das Durchhalten ohne Zufuhr trotz f o rdg esch r i t . tener Leistungen unserer Landwirtschaft nnx b e n In« pp eit Verbrauch von einem zum anderen Erntejahr ermöglicht. Da§ letzte Erntejahr brachte eine Mißernte. Wenn wir unter diesen u ng ü n stti g-ste n B e rhäkt- nr ff erhaben durchhalten können, so wird uns das au ch künftig möglich sein. Hoch anerkauut werden muß die mustergültige Haltung der Bevölkerung, insbesondere in den Jn-dustriegegenden, und das Bestreben der Landwirte, auch das Letzte hcr^rgeben. Die Zahl der herrenlosen Wirtschaften wird immer größer. Von den. Schwierigkeiten, unter solchen Umständen die Wirtschaft aufrecht zu erhalten, machen sich fernstehende Kritiker oft gar keine Vorstellung. (Sehr richtigl) In den feind- lichen Ländern liegen weite Landstrecken brach, obwohl man dort bisweilen mit den Einziehungen noch nicht so weit vorgeschritten ist a& bei uns, während bet uns fast der ganze Boden bestellt ist. Auch das ist eine Tatsache, die hohes Lob verdient. Auf diesen Erfolg kann das ganze deutsche Volk stolz sein und schließlich auch die deutschen Landwirte. Daß die Ernte so ge- worden ist, danken wir dem guten Sommerweiter, wir haben an Brotgetreide 1/4 Millionen Tonnen, au Hafer und Gerste vielleicht 3% Millionen Tonnen mehr geerntet als xm Vorjahre. Auch das Rauhfutter, vor allem Heu und Stroh, fteHt sich sehr gut. Diejenigen Landwirte, die sich durch die zeitweise höheren Preise haben bestimmen lassen, mehr Gerste Äs Hafer zu bauen, sind cnich nicht Zu tadeln, denn Gerste ist Roggen und Weizen vollkommen gleichwertig, und wir können ganz gut einmal auch Gerstenbrot essen. Für die diesjährige Herbstbestellung wird es in manchen Gegenden durch das Wetter vielleicht zu spät werden. Die Saatgutstefeuung für die FrühstchrsbesteklWrg ist so ringe- richtet, daß sie als ein hermlicher Produktionszwang wirken tornb. Ohne die ho he n F r ü h d r u sch p r ä m i e u wäre die Körner- crbkiesevcmg nicht erfolgt. Aber trotz der Prämien ist doch nicht so viel Hafer geliefert worden, wie zur Belieferung des Heeres notwendig gewesen wäre. Das liegt an der Verspätung der Ernte. Ohne die Ftt^doasä^rämien aber hätten die Graupen- usw. Betriebe nicht rechtzeitig einsetzen können, und wir hätten einer schwierigen Situation gegen üb ergc standen. Die Frage der Braugerste und des Alkohols bewegt viele Leiste ebenso sehr wie die Fragen von Glauben und Religion. (Heiterkeit.) Unter den vielen Briefen, die ich täglich bekomme — die freundlichen find unterschrieben, die unfreundlichen anonym (Heiterkeit) — war einer, der mir, wenn ich nicht sofort das Brauen von Gerste einstellen würde, daS Schicksal des Grafen Stürgkh in Aussicht stellte. (Erneute Heiterkeit.) Mit solenn F a - natikern ihrer Ue b e r z e u g u n-g, die ich gewiß achte (stürmische Heiterkeit), ist eine Verständigung schwer. Immerhin haben diese Anschauungen gewiß den berechtigten Kern, daß die auf Alkohol zu verarbeitenden Getreidemengen auf das geringste Maß zu beschränken sind. Danach wird vorgegangen werden. Nicht berücksichtigk werden kann das Interesse der aus Alkoholverbrauch auch an- gewiesenen Industrien, sie teilen das Schicksal anderer Gewerbe des Exports und mancher Handelszweige. Maßgebend kann allein das Interesse der Bevölkerung sein und dies gebietet, in Kriegszeiten und knappen Zeiten auch die Versorgung der Menschen mtt Alkohol nicht ganz einzustellen. Beim Most, der in gewissen Teilen Süddeutschlands als unbedingtes Volksnahrungs- mittel dient, wird diese Einschränkung gar nicht gemacht; es wird als durchaus berechtigt anerkannt, paß Massen von Aepseln, die aus Marmelade verarbeitet werden könnten, zur Mosterzeugung gebraucht werden. Man hat mir auch die Gewährung von Zucker als Zusatzmittel für saure Weine verübelt, aber es ist objektiv festgestellt, daß andernfalls große Mengen des dies- jährigen Weines dem Verderben anheimgefallen wären. (Sehr richtigi im Zentrum-.) • Kartoffetzchnaps ist nur noch in geringen Mengen im Verkehr. Zu ernei. Bestandsaufnahme kann ich mich nicht entschließen, so verlockend sie ist. ES hat seine Bedenken, die Leute wieder einmal zu falschen Angaben KU verfahren. (Heiterkeit.) Bei voller ®tro« ziehung des SpirituS wurden die Wohlhabenden ihren Wein, ihren Süßschnaps und Kognak haben, während der kleine Mann sich diese Genüsse versagen müßte. Die Franzosen lassen an Tapferkeit der Truppen und Standhaftigkeit der Bevölkerung nichts zu wünschen übrig, obwohl sic in der Alkoholfrage weiten Spielraum lassen. Den Russen sind wir an innerer Festigkeit so weit überlegen, daß man der Bevölkerung ruhig entgegenkommen kann. Auch in bezug auf die G e r st e braucht man oem mäßigen Biergenuß nicht so scharf entgegenzutreten. Ganz abgesehen von den großen Verschiebungen zwischen Wein- und Nichtweingegenden würde der Stand des Verpflegungsgewerbes zu stark gefährdet. Wenn man auch nicht zim- perlich zu sein braucht, so darf man doch nicht ganze Stände vernichten. Das Gerst-mkcntingent muß von 48 Prozent des Friedensverbrauches wesentlich herabgesetzt werden. Die Herabsetzung ist noch nicht erfolgt, weil wir uns erst in Ruhe über die endgültige Festsetzung der zu brauenden Biermengen und die sonstigen Einzel- fragen einig werden wollen. Der akute Kartoffelnotstand ist im wesentlichen beseitigt und liegt nur noch in wenigen Orten mit besonders ungünstigen Verhältnissen vor. Auch dort wird in den nächsten Tagen die Ration geliefert werden können. Immerhin ist die Kartoffelernte recht wenig günstig und weit unter dem Friedensstand. Verschwendung darf nicht getrieben wer- den. Außer den anderen Verschwendungsausschließungsmitteln ist zugleich eine Herabsetzung der Tagesration auf 1 Y» Pfund erforderlich. Man darf sich nicht ganz auf einen milden Winter verlassen, deshalb müssen erhebliche Teile der Ernte bald in die Städte zum Einkellern gebracht werden, sonst entstehen bei starker Källe erhebliche Nachteile. (Zustimmung.) Durch die in reichlicher Menge und guter Beschaffenheit vorhandenen Kohlrüben muß der Kartoffekvorrat ergänzt werden. Die Kohlrüben sollen erst in größerer Masse in die Städte befördert werden, wenn die Kartoffelsörderung im wesentlichen abgeschlossen ist. Dann O b st und Gemüse. Es eignet sich besonders schwer zur gemeinsamen Bewirtschaftung. Verschiedene Versuche find zum großen Teil gescheitert. Besonders bei Aepseln und Pflaumen haben unsere redlichen Bemühungen nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Der Kamps tobte zwischen den .Hausfrauen und der Industrie. Der Heeresbedarf ist jetzt gesickert. Der Zucker bildet selffamerweise auch einen Gegenstand unserer Fürsorge. Zu Beginn des Krieges glaubten wir, wir würden im Zucker sclüvimmen. Es wird dafür gesorgt werden, daß der Zuckerrübenanbau nicht so sehr sinkt. Nun die Pilze. Viele Vorschläge scheiterten an der Arbeiterfrage. Die Arbeits- kräfte find knapp. Infolge der hohen Preise stellten sich nun kräftige Männer zum Pilzesuchen zur Verfügung, während daS Getreide verfault ist. Da mußte eingegriffen werden. Eine wichtige Aufgabe des Winters wird es sein, den Holzschlag zu fördern. Der Anspruch an Holz wird sehr groß fein. Wir haben in unseren Wäldern ein Kapital, da jahrzehntelang mit Bernuisst und Weisheit gespart worden ist. Die Wälder haben aber auch eine schädliche Seite, das Wild. Es ist vielfach der Gegenstand großen AergernisseS. Die Bekämpfung des Wildschadens hat zugenommen. In manchen Gegenden ist aber noch sehr viel WKd vorhanden. Ueberall da, wo es im Uebermatze vertreten ift,^ wo der Besitzer es nicht äbschießen kann oder will, soll militärisch eingegriffen. und der Wildabschuß vorgenommen werden. Eine schärfere Maßnahme sollten wir nicht ergreifen. Wo daS Wild im Uebermaß vorhanden ist, darf es kein Feind des Menschen und der Landwirtschaft fein. Unsere geringen Gesamtvorräte zwingen uns zur Sparsamkeit. Deshalb verdient die M a s s e n s p e i s u n g besondere Aufmerk,amkert. Zur Zwangsmassenspeisung habe ich mich nicht entschließen können, die Bedenken dagegen sind zu echeblich und ernst. Ich hoffe aber, daß in allen größeren Städten es dahin kommen w-ivd, daß sich jeder Mensch, der sich nicht zu Haufe beköstigen kann oder will, sich zu angemessenen Preisen aus KriegS- küchen versorgen kann. Die Fleischversorgung bereitet uns ernste Sorgen. Hoffentlich werden bald die vorgeschriebenen 250 Gramm wöchentlich nicht nur in den großen, sondern auch in den kleinen Städten gleichmäßig liefern können. Unser Rinder bestand konnte im wesentlichen durchgehatten werden, hat sich aber noch nicht so weit erholt, das wir über genügend Schlachtvieh verfügen. Zu gegebener Zeit soll von neuem festgestellt werden, was an Schlachtvieh vorhanden ist. Das Volk Hai eineu Anspruch darauf, daß alles als Fleischträger geeignetes Vieh abgefchlachtet wird. Gute Milchkühe dürfen aber nicht abgeschlachtet werden. Die Schweinehaltung bol die besten Aussichten. Die ungünstige Kartoffelernte hat uns euren schweren Strich durch unsere Erwartungen gemacht. In einigen Monaten hoffen wir aber eine Besserung gegen den jetzigen Zustand zu erreichen. Die Futter mittelpreise für Maswerträge müssen er- hebllch «mäßigt w«den. Ich hoffe, bald zu erreichen, daß Fntter- schrot überall znm Roggenpreis abgegeben werden kann und daß der Preis für Gerste sich ermäßigen läßt. Bei der Milch, und Butterversorgung hat die praktische Unmöglichkeit, die Milch beim Erzeuger wirksam zu kontrollieren, zwei Jahre lang die verantwortlichen Stellen abgehalten, an die wirksame Regelung von Milch und Butter zu gehen. Der Kriegsausschuß für Fette und Oele hat in wenig nach außen hervortretender aber mustergültig« Arbeit verstanden, alles zu technischen oder Ernährungszwecken erreichbare Fett zusammenzubringen. Die Hoffnung, daß die Fettschweine uns hier Ersatz bieten könnten, ist nicht so rn Erfüllung gegangen, wie wir «warteten, so bleibt nur die Milch als Speifefetterzeuger übrig. Durch Einschränkung des Verbrauchs von Milch müssen wir so viel Milch- fett als möglich dem Verbrauch zuführen. ^He Dolksteike, Behörden, Landwirte und Verbraucher müssen v e r st ä n d n i Svoll Mitarbeiten. Weitgehende Aufklärung ist dazu nölig. In den beiden ersten Kriegsjahren scheint die Rücksicht «ms das feindliche Ausland daran gehindert zu haben. Durch richtige Aufklärung werden viele Schwierigkeiten beseitigt und die gegenseitigen Beschuldigungen verringert werden. Ich bin dankbar, daß die Presse mich von Beginn meiner Amtstätigkeit an unterstützt hat. Sie hat den Ernährungsfragen ihr weitgehendes Interesse zugewendet. Mißverständnisse können natürlich vorkom. men. Man siebt jedoch chon immer mehr ein, daß bei der Knapp- heit au Nahrungsmitteln die Sicherstellung der Versorgung nicht, im Wege des freien Verkehrs möglich i st, di-e Stimmen für dessen Ausrechterhaltung werden immer weniger. Macht man mit der zwangsläufigen Regelung den Anfang, so mutz man die gesamten Ernährungssragen in ein System bringen. Ich kann eS nicht verantworten, irgendeinen Zwerg der VolkSeinährung wieder der freien Entwicklung zu überlass en. Bei der Verwaltung in der öffentlichen Hand entstehen natürlich Reibungen und Mehrkosten, und daS Verderben von Waren ist nicht ganz zu vermeiden. Bisher hat man sich zu wenig d« sachkundigen Mitarbeit des Handels bedient. Der Handel als Kommissionär hat ein weites, egensreiches Arbeitsgebiet, daS ihm noch nicht genug erschlossen worden ist. Ich weise die beteiligten Behörden immer wieder darauf hin. Für jede Ware müssen wir zu einheitlichen Preisen kommen. Nur so können wir die Auswüchse bekämpfen, denn es ist schwer nachprüfbar, ob eine Ware aus dem Inland oder von außerhalb, ftüher oder spater gekauft worden ist. Infolge der Ve r r in gerung des Umsatzes der Klernbandels- geschäfte ist e i n e Erhöhung der Kleinhandels. Preiszuschläge nötig. Uebertriebene Aufschläge müssen natürlich verhindert werden. Der Lcbensmittelkleinhandel und das Ernährungsgewerbe eignen sich für halbe Arbeitskräfte. Der Gefahr, daß nach Friedensschluß viele Kriegsbeschädigte und auch Kriegerwitwen sich diesem Beruf zuwenden und. gestützt auf ihre Reuten, den bestehenden Händlern durch Wettbewerb ihren Daseinskampf erschweren, muß beizeiten mit geeigneten Mitteln entgegengetreten werden. Eine allgemeine Herabsetzung der Preise ist etzt nicht möglich. Gewisse Unbequemlich beiten werden l der Kriegswirtschaft immer Vorkommen. Man soll sich arüber nicht ärgern, man kann seiner Empörung Lust machen, aber man soll seine Pflicht tun. Unsere Brüder raußen im Felde haben hundertmal mehr aus- uhalten als wir. Mir tut jeder Fehler leid, der gemacht wird, aber Fehler sind unvermeidlich. Nach Prüfung der Gc- samtlage kann ich sagen, daß keine Gefahr besteht, daß wir bis Mr neuen Ernte auskommeu werden. Damit wird an'dB' i>er Aushunger.ungsplan unserer Gegner wieder zuschanden werden. (Beifall.) DaS Haus vertagt sich. Sonnabend, 10 Uhr, Antrag auf Vertagung des NefchS- tags, Schuhhaftvorlage, Ernährungsfragen. L g!™i!_ i ■ . « 'I | | T Die Amerika-Hahrt des „U 53". Ueber die erfolgreiche Fahrt des „U 53" nach Amerika ver- j breitet das Wvlffsche Bureau folgenden Bericht: Trotz häufigen schlechten Wetters war die Haltung und Begeisterung der Offiziere und Mannschaften von Anfang bis zu Ende vorzüglich. Es wurden z. B. allabendlich von den in dem engen Kommandoturm versammelten Leuten der Freiwache mehrstimmig vaterländische Lieder gesungen. Bei einem Sturm, den „U 53" auf der Rückreise auf der Höhe der Neufundland-Bank zu überstehen hatte, stand eine sehr schwere, aber sehr lange See, bei der sich das beigadrehte Boot vorzüglich benahm, ohne Wasser aus den Turm zu bekommen. Matt wähnte sich wie in einer Alpenlandschaft und die Leute holten ein- ander in den Turm heraus, um sich gegenseitig das grandiose Schauspiel zu zeigen. Die Rückfahrt wuvdr durch teilweise Be- Mthung des Golfstromes außerordentlich gefördert. Aus feemcarat* I fegen Gründen war es in der Nähe der Neufundlandbank notwendig, ! den Golfstrom zeitweise zu verlassen, wobei die Wassertemperatur innerhalb sechs Stunden von 22 Grad auf 8 Grad heruntersank, da das Boot während dieser Zeit vom Golfftrom in den kalten Labradorstrom übergetreten war. Dieser außerordentliche Temperaturwechsel wurde sehr unangenehm besonders von den Leuten an Deck, bei den überkommenden Spritzern empfunden. Bei der Rückfahrt wurde nördlich von Schottland wegen schlechten Wetters an zwei Tagen längere.Zeit unter Wasser gefahren. Die amerikanischen .Marinebehörden in Newport benahmen sich nach jeder Richtung liebenswürdig. Unverkennbar aber war, daß der Chef der Marinestation sichtlich erleichtert wart, als er von dem Kommandanten des Tauchbootes hörte, daß dieser keine Auffüllung seiner Betriebs- und Lebensmittel b^absicAige Der Kommandant bekam den Eindruck, dcH, wenn er um solche gebeten hätte, die amerikanischen Behörden Schwierigkeiten gemacht hatten. Das Tauchboot wurde während seines etwa zweistündigen Aufenthalts außerordentlich stark, besonders von amerikanischen Marineofftzreren, dre zum großen Teil mit ihren Damen kamen, besucht. Alle zeigten eine sehr herzliche Teilnahme für das Boot und ferne Besatzung. Das Tauchboot war durch eine der vor Newport liegenden Srgnalftatronen schon vorher angemeldet, so daß die Behörden auf fernen Empfang vorbereitet waren. Seine Kr e uz e rtätig feit nahm „U 53" nach dem Ber- lassen von Newport aus. Das erste Schiff, das dem Tauchboot iri den Weg kam, war der amerikanische Dampfer „Kansan." Es kostete erhebtrche Muhe, ihn zu bewegen, einen Offizier mit den Papieren udrücken wie: Betrag an (Bryeichmmg der Bank» in (-Bestimmungsort) für Konto des.in .... . (Genaue Bezeichnung des Kontoinhabers'-.' Dementsprechend hat die Anschrift auf der Postanweisung beispielsweise zu lauten: An die Deutsche Bank (für Konto des Kaufmanns Otto Kranich rn Lehrte) in Hannover. Aus dem PostaulveisuNgsabschniLt ist für die Bank usw. anzugeben für wessen Rechnung die Gutschrift zu erfolgen hat. z. B.: oder: Gutschrift für Kaufmann Otto Kranich in Lehrte Gutschrift auf Konto Kaufmann Otto Kranich in Lehrte für Karl Prinz in Meinersen. ** Kartoffel höchst preise. Bei dem Kriegsenrährr-ngs- amt meinen sich die Anfragen, ob die Höchstpreise für Kartoffeln, die durch dre Bekarrnttnachung des Kriegserrrährungsamts vom 13. Juli 1016 (Reichs-Gesetzbl. S. 696) feiWfc moröen sind sich aus alle Kartoffeln oder nur aus solche beziehen, die auf An- weisuug der Reichskartosfelstelle als Speisekartofseln oder als Fabrikkardvffeln gelrefert werden müssen. Es wird deshalb bemerkt, daß die Anordnung vom 13. Jrcki 1916 sich auf alle Kartoffeln bezieht, und daß es daher insbesondere unzulässig ist, Kartoffeln zu Futterzwecken zu höheren Preisen zu verkaufen als 4 Mark für den Zentner, d. h. als zu dem jetzigen gesetzlichlen Höchstpreis für Kartoffeln aus der Ernte 1016 beim Verkauf durch den Kartosfelerzeuger. ** Einschränkung des Personenzugverkeh rs. Tie Ei.senbahndirektion Frankfurt teilt uns mit: Bekanntlich drängt sich der Güterverfehr auf den Eiserrbahnen in den Herbstriwnaten am stärksten zusanmrlen. Während des Krieges macht die Bemalti > gnng dieses starken Herbstverkehrs nattirgemäß größere Schwierigkeiten als in Friedenszeiten, da die Eiserrbahnen für Heeveszwecke stark in Anspruch gerrommen sind und ncrmrntlick» viel Lokomotiven und Persorral in die besetzten Gebiete abgegeberr haben. Tie Eisenbahnverwaltmrg hat sich! deshalb entschLofferr. im P e r s o n e n z u g v e r k e h r zugimsten des Güterverkehrs ewige Einschränkungen vorznnehnren. Die Befriedigung des Güterverkehrs steht jetzt unbedingt au erster Stelle, soweit er der Vm- sorgung der für Heereszwecke arbeitenden Gerverl>edetriebe, sowie der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dient. Das reisende Publikum liürd baljev tn ber noc&ften Zeit den Ausfall emiger Zuge in ben Kauf nehmen müssen. Tie.(Einschränkungen wer^n in dem Personenverkehr schon in den nächsten Tagen r n zt r a f t treten »Jr ® Kartoffelerntehelfcr. Tic ^Berliner Neuesten Nachrichten" schreiben: Die Erntehilfe, für die sich- im ersten (lriegsmhr so viel Kräfte in der städtischen Bevölkerung regten kann sich setzt für die Kartoffelernte betätigen. So sind unter der Leitung ern^s Oberlehrers zahlreiche Schüler der Ober- wSlLtwII: ^h^lekunda des Oranienburger Realgymnasiums nach sscsahren, sw sie bei der Einbringung der Kartoffelernte D« Erntehelfer sollen cttoa 5—6 Tage zum festen der Bolksernährung buddeln. Soweit das genannte Blatt, ^as ^erwiel der Oranienburger Gymnasiasten verdimt wahrlich Nmlmhnrung. Zeigt cs doch, wie gerne alle snwtischen Krerse bereit sind, der Laridbevölkerirng die Schwierige reiren^ der Kartoffelernte überwinden 51t helfen, o m ^ siberne 5 D i e n st j u b i l ä u m. In unserer Notiz vom -ttov. m Nr. 25S muß es nicht Wilhelm, sondern Ludwig H a-rn e r aus Heuchelheim heißen. £ Hessen-Nassau. e-iAf* nIf? U s C9 'o 3 ‘ . D?? unter der Leitung des Direktors Schlicht stehende Landwirtschaftliche W i n t e r s ch u l e wurde gestern mit 45 Schülern eröffnet. . r . a * 58 1 ? b e nk 0 pf, 3. Nov. Die K r e i s f l e i s ch st e l l e Li m '^^"l. Anzeiger- mit, daß in dieser Woche 100 Gramm -Pi“ 80 ® r ? mm 8l°isch ohne Knochen oder 200 Gramm Hirschfleisch pro Person ausgegebeu werden r». Naunheim, 3. Nov. Mit dem Eisernen Hreiu G-fr. Kern. Jägerbat. Nr. 11, Grenadier hkrd^Jns:RZ^'^2^ und Sanitäter Kar, Bern- = Sianlfuri a.Wl, 3.Nov. Während eines Transports von X-tmfmrg nach tzmmoVene wurde dieser Tage ein a!s Reisegepäck L^^^.Kos^r gestohlen, d« anher Kleidungsstücken auch 39900 ql? b h r 1 c f e im Werte von -® 16 zFm)lenen Hypothekenbriefe wurden kurz K/bftahl emer Brauuschweiger Bank zum Lombard an- selbe^ J ebo JL ba§ J ng ^ ot ah{ Jetzt hat der- ^ ™ beiden Fallen Paul König nannte, in einer auf einen, der Pfandbriefe 500 Mk. erhalten Monrg ist zweifellos der Kosferdicb. Auf die Wieder' Wertpapiere ist eine Belohnung von des ^ der Donuerstagnacht wurde die Villa des Direktors O./m der Holbeinstraße von E i n b r e ch e-r n Mm* Sjkbersachen von bedeutendem Wert erbeuteten und zahlreiche wertvolle Möbel zerschlugen. Die Vitlenbewobner tSmffSU!* - SSSÄtIÄäS r ‘ cw 1tö *£0ä? en Elektrizitätswerk 250 000 Mark Die Strom- hat eine Länge von 90 Klm. Mrührrgcn Geschäftsjnbiläums stiftete die Mrma SalUwami & Co. für die Errichtung einer Beamtet 000 Mark, für die ArbeiterunlurstüMmgs- wsse 50 000 Mark, für erblindete Krieger 10 000 Mark für qe- SSSt ^ a T t§ 10000 mÜ> ^ bßä ' EassL« Umstände zu 25 Mk. Geldstrafe. Der betreffende Schlächter wurde lvegen Beihilfe in Geldstrafe von 3 Mk. genommen. Meteorologische Verachtungen der Station Sieben. Nov. 1516 2« 9» 7» Q 's £ S S S Aü M 's *05 0.2 ►o S l-l £ 3 60 I I w JQ c i "3 •G 5 5 SJ § £ 2 = § L-Z Wetter 10,5 8,7 92 10 Regen 8,5 7.4 89 — — 7 Bew. Himmel 7,4 6,7 87 10 Bed. Himmel Ull Niedrigste „ n Niederschlag 2,1 mm. 5. 1916: 4- 2.6° C. 8,5 0 C. «Serichtskaa!. ftll - *V ' U h Schreibqehilfe Albert Seum ^ ben ' ber rm Herbst v. I. zu den Jägern nach Schlettstadt ^d, am 2. Januar d. I. auf Urlaub, feine Ge. lrebte^ Frreda Freymann von hier, in Nidda ermordete ist vZttSuTortt. W 6tra66uc 9 -uzehn Jahren Zuchthaus *.- rt £ C b t r 9 ' ?' ^ 0D * Die Strafkammer verurteilte einen ^hner der nach dem erfolgten Verbot der Haus- schlachtungen noch geschlachtet hatte, unter Annahni« mildernder Amtlicher Teil. Bekam,tmachmig betreffend Aenderung der Bekanntmachung über die Verwendung von Benzol und Solventnaphta sowie über Höchstpreise für diese Stoffe. a über den Belagerungszustand vom 4. Huni 1851 m. ö. S. 451 ff.), des Gesetzes betreffend Hbchst- prei,e vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung, vom,17. Tezeniber 1914 (R. G. Bl. S. 516), der Bekanntmachung betrefteiidAenderung dieses Gesetzes vom 2. Jmruar 1915 (R. G lmd der Bekamitmachnng über Vorrats erhebunq vom 2. Februar 1915 (R. G. Bl. S. 54) wird hiermit verordnet: t Artikel 1. io m ^ Bekanntmachung des stellv. Generalkommandos 18. Armeekorps vom 29. 1. 1916 Abt. II e/L Nr. 329 außer Kraft gesetzten §§ 3 und 6 der oben bezeichneten Bekanntmmlmng über me Venvenduug von Benzol usw. treteii wieder in Mast und zwar wie folgt (§ 3 verändert, § 6 unverändert): beit ^ 3 ’ ^ M ^ § 2 gekennzeichneten Beschaffen- bar.f i n letzter H and nur geliefert werden: Z7 'Elt nicht das Kriegsministerium oder in seinem Aufträge o^..-LUWbktwn des Kraftfahrwesens durch Sondererlaß darüber verfugt hat oder oerfügen tvird — a) an chemische Fabriken (Farbwerke),, soweit es nachweislich zur Herstellung von Benzolderivatcn für die Heeresverwaltung dient: b) an landwirtschaftliche, staatliche oder kommurmle Betriebe wenn es nachweislich als Motorenbetriebsstosf (jedoch nicht für Kraftwagen) zu landwirtschaftlichen, staatlichen oder kom munalen Zwecken benutzt wird; c) au gewerbliche Betriebe als Motorenbetriebsstosf sowie all- gemicur als Kraftwagenbetriebsstoff, jedoch, nicht über rund la v. H. der Erzeirgung bezw. der den Lagerhaltern und Berpaufeisti von den Gewiimungsanstalten gelieferten Men- gen: Besitzer, die Benzol ihrerseits von Tritten erworben haben, dürfen es für den angegebenen Zweck nur iusoiveit abgeben, al^ die zularflge Menge von 15 v. H. der Erzeugung, nicht bereits von früheren Besitzern hierfür ver- toenM worden ist und letztere dies ausdrücklich bescheinigt d) mt die Erzeuger zum Selbstverbrauch> in dem Erzeugung^- ch-s Grund zu stellender Anträge von der Inspektion des Kraftfahrwesens festzusetzen sind: e w H r ^ aiL fe U Speisung von Beiizolglühlischlampen, die von der Krieg^kleinbeleuchtungsgesellschast m. b. H., Ber- lin Leipziger Str. 2, geliefert sind, gegen Bezugsscheine dreier Gesellichaft. c < Benzol (Z 1, 2). Solventnaphta und Lylvl flnd ohne Verzug dem Verbraucher zuzuführen nnd dürfen nicht langer als höchstens einen Monat auf Lager gehalten werden^ Mengen, die nach dieser Frist nicht abgesetzt oder vom Verbrauckrer nicht angesordert worden sind, müsseii der Inspektion des Kraft- trcfleii^^nn^^^^^ werden, die hierüber weitere Verfügung flr t . r Artikel 2. Außer Kraft treten: a) 5omizol-Spirittw^^e^^tzungen von Höchstpreisen für b) § 7 Absatz c (Bestimmung über Erhöhung oder Ermäßigung der Hochstpreiie für Benzol-Spiritus). , Artikel 3. Bekanntmachung tritt mit Mn 1. November 1916 in Frankfurt (Main), den 1. 11. 1916. Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps. * durgermerstereien hcv Gemeinden Bellers- I ,1 ^ fll V^ l ^ ar ' Dorf-Gill, Eberstadt, Grotzen- H^zhelm, Inheiden, Lang-Göus, Lanqs- dorf. LeMeftern, Lutz, Oberhörgern. Utphe, Villingen, Langd, O.uecköorn, Rciskirchen, Treis a. Lda. mit w 6 finb bk Landwirte Ihrer Gemeinde der ilmen durch den Kommunalverband ange- ' ^ ^0lN noch Mi Rückstände. Sie wollcii deshalb l o g l eich ortsüblich bekannt macheii, dam wamr nicht sofort Ab- lieserung der angesordcrteii Mengen erfolgt, wir die Enteignung unter Kürzung des Preises aussprech-eri lucxbcit Gießen, den 5. November 1916. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger.