Nr. 254 Erscheint IL-lich mit A »» n ah,ne deS Sonntag-. Beilagen: „Sießever ZamMendlStter" und ^Rreirdlatt für den Rrek Gießen". Postscheckkonto: Zrantfurt am Main M. 1)686. Vankverkehr: Sewerbebank Siehe«. 166. Jahrgang Samstag, 28. Oktober 1616 Zwillingsrunddruck und Verlags B r ü hl'sche UniversilätS-Btlch-u.Strindrrlckerer ' R.^L an g e, Gießen. 5chriftleitung, Seschäftsstelle und Druckerei: Schulstratze?. Geschäftsstelle u. Bering: e^KSI, Schristleitung: AnschriftfurDrahtnachrichtenrAnzelgerGießen. Mb. Deutscher Reichstag. 68. Sitzung, Freitag, den 27. Oktober 1816. Am Tische des BiundoSrntS: Dr. Helfferich, Graf Roedern. LrSco. Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 16 Minuten. Das Haus Art das Andenken des verstorbenen Abgeordneten Hofr»ch4er-Koln (Soz.). Keine Anfragen. Der diplomatische Dienst. Abg. Dr Rietzer (natl.) weist in einer Anfrage darauf hin, datz gewisse Reformen zur Vereinheitlichung der Prüfung der Anwärter auf den Konsular- und diplomatischen ;p ^En st in Aussicht gestellt find, ferner eine erhebliche Erweiterung der PrufungSgegenstände sowie die Zuziehung von zwei Vertretern des praktischen Wirtschaftslebens zu den Examinatoren. Dr. Rietzer fragt an, ob diese Reformen bereits durch- g e führt sind und ob der Reir^kanzler gewillt tst, sie. soweit dies noch mchL geschehen ist, auch während des Krieges zu verwirklichen. ° NnterstaatSfekretär im Auswärtigen Amt Zimmermann: Um die Prüfung der Anwärter auf den Konsular- und diplomatischen Dienst im Sinne des Reichstags zu vereinheitlichen und auf eine breitere Basis zu stellen, sind bereits im Jahre 1914 neue Be- stimmungen ausgearbeitet worden. Es ist dabei auch auf die Zuziehung von Vertretern des praktischen Wirtschaftslebens Bedacht genommen. Die neuen Bestimmungen können jederzeit in Kraft gesetzt werden, auch während des K r i e g e s, sobald sich ein Bedürfnis dazu zeigt. Einstweilen wird bei der Besetzung von Stellen auf die Beamten zurück- gegriffem die bisher im feindlichen Auslande tätig waren und frei geworden sind, so daß jetzt neue Stellen nicht erforderlich sind. Die Prüfungsanwärter stehen zurzeit im Felde. Der Krieg hat hier die Durchführung neuer Einrichtungen verzögert; wir haben ober auch wertvolle Erfahrungen gemacht. (Hort! hört! und Heiterkeit.) Wir werden sie bei der Ausbildung der Anwärter nicht unbenutzt lasten. (Erneutes Hört! Hort! und Heiterkeit.) Die Erfahrungen sollen bei der künftigen Reform berücksichtigt werden, daher werden die Vorarbeiten noch einer eingehenden Nachprüfung unterzogen. (Hört! hört! Heiterkeit, Unruhe links.) Beamterifursorge. Wg. Dr. Rießer (ntlb.) fragt an, was geschehen soll, um den Reichs- und Staatsbeamten, besonders den mittleren und unteren, die durch die Lebensmittel- tenernng in Bedrängnis geraten sind, zu helfen. Direktor rm Reichsfchatzamt Schröder: Infolge der' außergewöhnlichen Teuerungsverhältniste Heck die Reichsleitung mit Wirkung vom L Oktober 1916 den geringer besoldeten Beamten eine Kriegszulage gewährt. Diese ist wegen der gesteigerten Kosten aller Lebensbedürfnisse fortgesetzt ausgebaut worden, insbesondere hat die Regelung vom 1. Juli 1916 den beteiligten Beamten wesentliche Erhöhungen gebracht. Tie Maßnahmen sind jederzeit im Einvernehmen mit der königlich preußischen Regierung erfolgt inti> auch den übrigen Bundesstaaten zur Kenntnis gebracht .vordem Tue Angelegenheit ist hiermit aber nicht als abgeschlosten anzusehen, zur Zeit schweben Erwägungen, ob nicht mit Rücksicht aus die weitersteigenden Preise der notwendigen Lebensbedürfnisse eine erneute Erhöhung der Sätze erfolgen soll. Für die im Ruhestand befindlichen Beamten ist auf diese Weise nicht der gewünschte Erfolg zu erreichen. Deshalb ist ein entsprechender Betrag in dem neuen Etat ausgeworfen, um den im Ruhestand befindlicher Beamten und den Hinterbliebenen von Beamten die nötige Unterstützung zuteil werden zu lasten. Gegenstände des notwendigen Lebensbedarss. Abg. Keinath (Natl.) bittet um eine klare Auslegung des Begriffs «Gegenstände des täglichen Bedarfs" und «Gegenstände des notwendigen Lebensbedarss". Direktor im Reichsamt des Innern Müller: Der Begriff „Gegenstände deS täglichen Bedarfs" kommt zuerst in dem Gesetz über die Höchstpreise von 1914 vor. Der Zweck der Vorschrift ist, chm eine möglichst weitgehende Auslegung zu geben. Er umfaßt alle Gegenstände, die zur Lebensführung gehören und beschränkt sich nicht nur auf Lebensmittel. Das Reichsgericht hat am 12. Mai 1916 dem Begriff eine Auslegung gegeben, in der gesagt wird, daß der Begriff sich nicht nur auf Nahrungsmittel im engeren Sinne beschränkt, sondern auch auf andere Gegenstände des täglichen Bedarfs. Die Gegenstände müßten jedoch solche sein, durch welche die Bedürsniste der Ge- samtheit des Volkes befriedigt würden. Man wird abwarten müssen, ob diese Auslegung die genügende Klarheit schafft. Deutsches Eigentum in Portugal. Abg. Bassermann (natl.) fragt nach den Gegenmaßnahmen, die der Reichskanzler anläßlich der Beschlagnahme deutschen Eigentums i-n Portugal getroffen hat. Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt Dr. Kriege: Die portugiesische Regierung bat in ihren Verordnungen vom 20. und 23. April d. I. jeden Handel mit Deutschland verboten und außerdem die zwangsweise Sequestrierung und Iwangsveftvaltung des dort befindlichen deutschen Eigentums angeordnet. Die portugiesischen Behörden sind noch über diese Maßnahme hinausgegangen und haben in verschiedenen Fällen deutsches Eigentum zwangsweise verkauft und mehr oder weniger verschleudert. (Hört, hörtl) Deutscherseits wurde dagegen nachdrücklicher Protest erhoben, welcher zunächst zur Einstellung deS Zwangsverkaufs führte. Er wurde jedoch auf Grund - der Beschlüsie der Pariser Wirtschastskonferenz wieder ausgenommen. ohne daß der dagegen nochmals eingelegte Protest wieder Er- folg gehabt hätte. Die deutsche Regierung ist sofort beim Dekannt- iverden dieses Vorgehens zur Vergeltung geschritten. Die Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 14. Mai bestimmt, daß Zahlungen an Portugal verboten sind, portugiesisches Vermögen der Sperre unterliegt und unter Zwangsverwaltung gestellt werden kann. lieber die Beschlagnahme portugiesischen Vermögens in Deutschland hat sich die kaiserliche Regierung die Entschließung Vorbehalten, bis die Ergebnisse des letzte» Proteste» sich üärrsehen lasier». Deutschland und Spanien. Abg. Schifter-Magdeburg (Natl.) stellt folgende Anfragen: In Spanen rsi wegen der Versenkung von Frucht- schiffen durch deutsche U-Boote eine gewisse Erregung entstanden, obgleich diese Maßnahme sich durchaus im Rahmen der völkerrechtlichen Bestimmungen hält. Ist der Herr Reichskanzler m der Lage, darüber Mitteilung machen, ob die königlich spanische Regierung wegen dieser rgänge vorstellig geworden ist. und wenn dies der Fall gewesen ist, welche Antwort ihr gegeben wurde? Unterstaatssekretär Zimmermann vom Auswärtigen Amt: Am 26. September d. I. übergab der königlich spanische Botschafter dem Auswärtigen Amt eine Protestnote wegen der Versenkung des spanischen Dampfers „Louisa Da West". Der Protest wurde damit begründet, daß der Dampfer ausschließlich mit Früchten, Zwiebeln und Pflaumen beladen gewesen sei. Außerdem wurde Protest erhoben gegen die der Schiffsmannschaft angeblich widerfahrene Behandlung. In der Antwort des Auswärtigen Amts cm den königlich spanischen Botschafter wurde zunächst darauf hingewiesen. daß die Versenkung des Schiffes nach den Regeln deS Kreuzerkrieges, den von den Großmächten Unterzeichneten Deklarationen und der deutschen Prisenordnung erfolgt ist; sodann wurde die Einholung näherer Auskunft bei den zuständigen deutschen Marinebehörden in Aussicht gestellt. Inzwischen war der spanische Botschafter im Aufträge seiner Regierung auf die Versenkung spanischer Schiffsladungen generell zurückgekommen; er führte aus, daß der spanischen Volkswirtschaft hierdurch schwerer Schaden zugefügt und Tausende von Familien, die von der Früchteproduktion leben, ruiniert würden. Die kaiserliche Regierung hat im Einvernehmen mit dem Admiralstab der Marine durch den Botschafter in Madrid ihre Bereitwilligkeit erklärt, mit Rücksicht auf die ärmere Bevölkerung Spaniens die von Spanien ausgehenden Früchteladungen nach England durch unseren Botschafter, bzw. unsere Konsulate feststellen und zutreffendenfalls Begleitscheine ausstellen zu lassen, die von unseren Seestreitkräften respektiert werden würden. Die kaiserliche Regierung ging dabei von der Voraussetzung aus. daß die spanische Regierung unverzüglich bei der englischen Regierung das Durchlässen spanischer Fruchtsendungen nach Deutschland durchsetzen und bewirken würde. Diese Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Neichswochen Hilfe. Abg. Gothein (Vp.) fragt an wegen der Verweigerung der Reichswochenhilse an Ehefrauen von See- leuten, deren Ehemänner durch dre kriegerischen Ereignisse nn feindlichen oder neutralen Ausland zurückgehalten sind, durch das Versicherungsamt Rostock und das Oberversicherungsamt Schwerin. Ministerialdirektor Dr. Caspar vom Reichsamt des Innern: Ob die Erhöhung der Reichswochenhilse auch auf die Ehe- frauen von im Ausland zurückgehaltenen Seeleuten zutrifft, kann zweifelhaft erscheinen. Der Staatssekretär hat aber gegen wohlwollende Auslegung nichts einzuwenden und damit stimmt die Haltung der zuständigen Behörden überein. Nur daS Versicherungsamt Rostock hat sich auf den entgegengesetzten Standpunkt gestellt. Eine Beschwerde der Seeberufs- genosienschaft Ijcrt unö diese Sachlage zur Kenntnis gebracht. Wir verhandeln darüber mit der Großherzoglich Mecklenburgischen Regierung. Liebknecht und Rühle. Es folgt der Bericht der Geschäftsordnungskommission über ein Schreiben des Gouvernementsgerichts in Thorn um Genehmigung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Abg. Dr. Liebknecht (wild) wegen Vergehens gegen die Paragraphen 110 und 130 St.G.B. Die Dresdner Staatsanwaltschaft verlangt die Genehmigung zur Fortsetzung eines bereits eingeleiteten Strafverfahrens gegen den Abg. Rühle (wild, Soz.). Bei Dr. Liebknecht handelt es sich um Teilnahme an einer polizeilich nicht angemeldeten Sozialdemokratischen Jugendkonferenz in Jena zu Ostern 1916. Dr. Liebknecht war damals bereits Armierungssoldat und soll sich durch Teilnahme an dieser Konferenz, die Beschlüsse im Sinne des internationalen Sozialismus gefaßt hat, strafbar gemacht haben. Abg. Rühle soll sich der Beleidigung des General- aouberneurs von Belgien Frhrn. v. B i s s i n g schuldig gemacht yaben. Die Kommission beantragt in beiden Fällen, die Genehmigung zur Einleitung bzw. Fortsetzung der Strafverfahren zu versagen. Abg. v. Payer (F. Dp.) begründet die Anträge der Kommission. Das Schreiben des Gouvernemcntsgerichts Thorn läßt nicht erkennen, inwieweit Dr. Liebknecht persönlich an der Beratung oder an der Verbreitung der Resolution teilgenommen hat. In der bloßen Teilnahme an der Konferenz aber konnte die Mehrheit der Kommission nicht ein so schweres Vergehen erblicken, Hatz sie deswegen von ihrem alten Grundsatz, die Genehmigung zu versagen, abweichen zu müssen glaubte. D e r B e l e-i ü i g u.n g d e s F reihe r r n v. Bissing soll der Abg. Rühle sich durch einen Feldpostbrief schuldig gemacht haben. Die Täterschaft soll durch Schriftvergleichung angeblich bewiesen sein. In dem Brief wird nach Form und Inhalt stark übertrieben, ein Urteil über das Verhalten der deutschen Regierung und ihrer Organe gegen den belgischen Staat und die belgische Bevölkerung gefällt, in dem man zweifellos eine Beleidigung des Antragstellers und seiner Untergebenen finden kann. Trotzdem hat sich die Kommission auf den Standpunkt gestellt, auch wenn man die Täterschaft des Abg. Rühle als genügend erwiesen unterstellt, die Genehmigung zur Durchführung deS Strafverfahrens zu versagen. Der Z w e ck des Briefes ist offensichtlich in erster Linie nicht die Beleidigung des Antragstellers und seiner Untergebenen, sondern eine Bloßstellung der sozialdemokratischen Reich stagsfraktion vor der deutschen Arbeiterschaft. Die Angriffe gegen den Antragsteller erscheinen nur als Mittel zur Durchführung dieses Zweckes. So ungerechtfertigt und kr'tiklos an sich die Angriffe des Abg. Rühle erscheinen, so stellt sich das in ihnen liegende Verschulden doch nicht so schwer dar. daß es gerechtfertigt erscheinen könnte, den Abg. Rühle durch das gegen ihn einzuleitende Strafverfahren möglicherweise an der Ausübung seiner Mandatspflichten zu verhindern. Die Kommission bcanr.agt daher einstimmig, die Genehmigung zu versagen. Ohne Aussprache stimmt das Haus in beiden Fällen den Anträgen der Geschäftsordnungskommission zu. Es folgt der Bericht der Geschäftsordnr.ngS- k o m m i s s i o n über den Antrag Bernstein (Soz. Arb.) auf Aufhebung des gegen den Abg. Dr. Liebknecht bei dem Militärgericht anhängigen Strafverfahrens und A ns heb u n g der Untersuchungshaft für die Dauer der srtzurrgs- Periode. Die Kommission beantragt, den An t tag abzu lehnen. Abg. v. Payer (Dp.): Das militärgerichtliche Erfahren gegen Dr. Liebknecht hat den Reichstag phon einmal beschäftigt. Damals hat der Reichstag einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens abgelehnt und dar militärgerichtliche Verfahren hat inzwischen seinen nommen und Dr. Liebknecht ist vom Kriegsgericht zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heer, vom Oberkriegsgericht aber zu vier Jahren einem Monat Iuchrh^s. Entfernung aus dem Heer und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für sechs Jahre verurtilt worden. Es schwebt gegenwärtig das Revisionsverfahren beim Reichsmilitärgericht. Zweifellos wäre der Reichstag formell befugt, auch jetzt noch eine Aussetzung des Verfahrens zu beschließen, wenn die Sac^ge sich wesentlich geändert hätte. Darüber gingen in der Kommisstoa die Meinungen auseinander. Die einen sagten, die wesentliche Erhöhung der Strafe durch das Oberkriegsgericht und vor allem die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte sei ein Beweis für die Notwendigkeit, die Erledigung des Verfahrens einer wenig« erregten Zeit zu überlassen. Die Mehrheit sagte jedoch, daß durch die beiden Urteile jetzt eine viel sicherere Beurteilung des Tatbestandes möglich sei. Die Differenz zwischen dem ersten und zweiten Urteil bestehe nur in der Frage der Straszumepung und sei nicht so erheblich, daß der Reichstag den einmal gefaßten Beschluß aufzuheben eine Veranlassung hätte. Abg. Landsberg (Soz.): Wir stimmen für den Antrag Bern- stein. Im Interesse des Reichstages und des Reichs hatten txnt gewünscht, daß der Reichstag schon das erstemal den Antrag auf Einstellung des schwebenden Verfahrens angenommen hätte. Das Oberkriegsgericht hat dadurch, daß es bei Liebknecht ehrlose Gesinnung annahm, zweifellos die Persönlichkeit des Angeklatzsten falsch beurteilt. Darüber sind sich alle einig, die die politische Laufbahn dieses komplizierten Charakters verfolgt haben. Liebknecht wollte das Deutsche Reich nicht schädigen, son- dern er wollte die Massen in Bewegung sehen, um einen FriAen zu erzwingen, der zu einer Versühnung der Völker führt. Das ist keine ehrlose Handlung. Hoffentlich kommt das Reichs- militärgcricht zu dem Ergebnis, daß die endgültige Entscheidung über den Fall Liebknecht in Friedenszeiten gefällt wind. Abg. Sladthagen (Soz. Arb.): Der Reichstag mutz dafür sorgen, daß seine Mitglieder unter allen Umständen cm Sitzungen teilnehmen können, ohne Rücksicht auf ihren politischen Standpunkt. Liebknecht hat seine Tat eingestanden, eine Verdunkelung des Tatbestandes war also nicht zu befürchten. LnD- knecht'ist ein Ehrenmann durch und durch. Er wollte den Frieden herbeiführen, aber nicht die Kriegsmacht deS Deutschen Reiche» schädigen. Man will Liebknecht aus dem Reichstage txr• drängen. Es ist eine unerhörte Fälschung, wenn man der Oeffentlichkeit sagt, Liebknecht habe den Landesverrat ern- gestanden. Abg. Rühle (wild, Soz.): Liebknecht wird die Ablehnung dieses Antrags als höchste Genugtuung empfinden. (Unruhe.) Seine Politik wird fortgesetzt trotz aller Verfolgungen, seine De- fteiung wird das Wenk der Arbeiiermassen und der Erfolg de» Klassenkampses sein, ans den sich die ^Arbeiter wieder besinnen werden. Dieses Parlament unterstützt den Raubzug des Imperialismus. Vizepräsident Dove ruft den Redner zur Ordnung, ebenso den Abg. Vogtherr (Soz. Arb.), der diese Aenßervng billigt. Llbg. Rühle: Im Sinne Liebknechts appelliere ich an die Massen, ihre Pflicht zu tun. (Abg. Kreth (Kons.): War sehr schön!) Der Ausschußantrag wird gegen die Sfimmen beider sozialdemokratischer Fraktionen und der Polen angenommen Der neue ZwölsmiNirdenttedil. Auf der Tagesordnung steht dann die erste Beratung ' eines Gesetzes über die Feststellung eii&3 zweiten Nachtrags zum - Reichshaushalt. Die Vorlage fordert einen neuen Kredit i von 12 Milliarden Mark. Staatssekretär des Reichsschatzamts Graf Rödern leitet den : Gesetzentwurf ein. Die bisher vom Reichstag der Finanzverwaltung für die Kriegszwecke bewilligten Kredite belaufen sich i m . ganzen auf 62 Milliarden Mark. Die Finanzverwal- - tung ist zunächst stets mit der Ausgabe kurzfristiger Schatz- : anweisungen vorgegangen, um regelmäßig im März nnd Sep- - tcmber jedes der drei letzten Haushaltjahre eine Fundierung in - langfristige Anleihen folgen zu lassen. Die Summe von über - 47 Milliarden Mark, die auf diese Anleihen gezeichnet und mit . 45 Milliarden Mark heute bereits eingezahlt ist. beweist den Er- - folg dieser Anleihepolitik in bisher ungeahnter Weise. - Das deutsche Volk hat diese Milliardensummen aus eigener ' Kraft ausgebracht. Die ersten vier Anleihen zeigten im > wesentlichen denselben Typus, denselben Zinsfuß und alle fast den- , selben Ausgabekurs. ! Nachdem aus diese Weise rund 36 Milliarden Mark aus- , gebracht waren, konnte man sich wohl fragen, ob auch die fünfte ) Anleihe zu denselben Bedingungen nnterzubringen sein würde. t Der. Reichsbankpräsident, dessen energischer Unterstützung die' - Finanzverwaltung auch bei dieser Anleihe den größten Dank . schuldet, hat wiedmholt erklärt, daß besondere Anreizmittel nicht notwendig sein würden, und daß die ethischen Momente . auch heute beim deutschen Volke entscheidend für den Erfolg der Anleibe sein würden. Die Erwartung deS Reichsbankpräsidenten hat sich nicht getäuscht. 10 652 Mill. Mark find gezeichnet worden ^ und die Zeichnungen werden sich, wenn man die noch ausstcchenden, Feld- und Ueberseezeichnungen mit hinzurechnct, auf annähcrndi ' 4 Millionen Zeichner verteilen. Bei dieser Verteilung zeigt sich kein großer Unterschied gegenüber den früheren Anleihen. Es ' handelt sich auch hier um eine Volksanleihe. Allen diesen l Kreisen gilt an erster Stelle unser Dank. In hohem Maße siiid bei der Werbe- und Aufklärungsarbeit ' auch diesmal die Beamten der Bundesstaaten durch die Geist- i lichen und Lehrer unterstützt worden. Wertvolle Hilfe, haben neben allen Banken wieder die Sparkassen, die Krodit- genossenschaften und insbesondere auch die Landschaften trotz ihres verminderten PersonallwstandeS unS zuteil werden lassen. 1 Besonders dankbar möchte ich aber beute auch der verständnisvollen Mitarbeit der Presse gedenken, - die sich in allen Bundesstaaten wieder in den Dienst der Sache f gestellt bat. Wenn manche der Anleihe abträglichen Gerüchte x nicht den Zweck ihrer Urheber erreicht hüben, so ist die» nicht fcw ti föcTTTgfte-Tr btt jn Iftmfctt Me fa Urm politischen und Handel-tnl unserer Blätter unermüdlich ge- leistet werden isst. Am LS. tonten schon etwa 8)4 Milliarden Mart emf die Anierhe cisgezshlt, jetzt haben die Einzahlungen schon 8)4 DLrllisrdrn Mark überschritten, obgleich bis -um 18. Oktober not 30 Prszent eingezcchlt werden muhten. L-as widerlegt am besten die Märchen von dcr Finau-ierung unserer Anleihen durch die Darlehnskassen, denn eS ,oird doch niemand unnötig Y% Prozent mehr zahlen. In Wirklichkeit sind durch die DarlehnSkaffen 23S 1S9 06S Mark, also mich rricht 3 Prozent deS bis jetzt ein» gezahlten Betrage», durch Jaem-sprnchnahme der Darlehnskassen ausgebracht. Zurzeit betragen die Kriegsanleihedarlehen für sännt' liche Kriegsanleihen 1 6tz3 746 000 SRctrf, also wiederum iwch nicht 3 Pro-enl unserer bisherigen Anleihen. Das Ausland fragt sich immer wieder, tote diese Periode zur Auffüllung unserer Kriegs- lassen aus den eigenen Mitteln deS Volkes zu erklären ist. DaS Gechermnis ltsyl in unserem Abschluß nach außen, der infolge der verringerten Einfuhr erheblich verringerte Zahlungen an das Ausland zur Folge hcu, in der angestrengten Arbeit von Landwirtschaft und Industrie hinter der Front, an der nicht zum mindesten, auch die deutschen Frauen beteiligt sind, sowie schließlich an der Sparsamkeit, an die wir uns auf so manchen Gebieten haben gewöhnen müssen. Wie stark diese Spartätigkeit ist, geht daraus hervor, daß -d»e Spareinlagen für die ersten acht Monate dieses Jahre» ohne die Abschreibungen auf die Kriegs, anleihen eine Zunahme von 1 716 060 Mark aufweisen. Das ist ungefähr der gleich« Betrag wie i« Vorjahre und eine Milliarde mehr als im FriedenSjahrr 1S14. Der Direktor der hiesigen Sparkasse schätzt danach auch für dieses Jahr die Zunahme der Sparkasseneinlagen auf 3% Milliarden. Zieht man hieraus den Schluß auf die Danktzepofiten und die Einladen bei genossenschaftlichen Kassen, so wird auch dem Ausland die Aufbringung der Milliarden, anlerhen um viele» verständlicher werden. Beim Ausland fehlt ein Teil dieser notwendigen Voraussetzungen für eine Ansamm- lnng von Kapital im eigenen Lande Die feindlichen Staaten werden mi't jedem Tage im Auslande mehr tributpflichtig. vor kurzem hat der englische Schatzkanzler Mac Kenna sich auf die Angriffe im Parlament wegen der zu hohen Zinsen ffft feinen neuen kurzfristigen Kredit damit verteidigen müssen, daß er für jeden Werktag in der Woche zwei Millionen Pfund, also 14 Mil. lionen Mark für Zahlungen in daS Ausland schicken müsse. Zu diesen Zahlungen für Kriegsmaterial kommt noch der Einfuhr. Überschuß infolge der Verschlechterung der Handelsbilanz. England hat auch in diesem Jahre fernen Export nicht wesentlich heben können, dabei geht der größte Teil des englischen Exportes in die Ententekcmder. wird also nicht bezahlt, sondern gleichfalls kreditiert in Form von KriegSvar schössen, die jetzt schon 866 Millionen Pfund, 16 Milliarden Mark, erreicht haben. Das diesjährige englische Budget sieht allein hierfür neun Milliarden vor, die aber nach AsguilhS Ansicht nicht reichen werden. ^ Gewiß hat England mit feiner Steuerpolitik während des Krieges energisch und rücksichtslos versucht, seinen alten Traditionen in der KriegSfinanzierung treu zu bleiben und handelt durch steuerliche und sonstige Einschränkungen alles über, flüssigen Luxus und durch Ausnutzung aller Arbeitskräfte volkswirtschaftlich richtig. Trotzdem hat aber der Diskont der Dank von England 6 Prozent erreicht und ist der Kurs der KonsolS auf 66)4 gefunken. Demgegenüber hat unsere ReichSbcmk seit Dezember 1914 bei einem 5prozentigen Diskontsa^ bleiben können. Ich möchte noch einige Gegenüberstellungen bringen: in England bisher 13 Kreditvorlagen über rund 62 Milliarden Mark, denen aber nur zwei inländische Anleihen und der Anteil an der Ententeanleihe mit einem Ergebnis von sicherlich über 19 Milliarden folgten, während mindesten» 30 Milliarl, R.) Abg. Spahn (Zevtr i : Nomen» meiner politisch«» Freunde lrnd, wie ich annehmen darf, auch im Namen der überwiegenden Mehrheit de» Hause» habe ich zu erklären, daß wir der Vorlage zu stimmen. Wir bewilligen damit die Mittel zur Erringung eine» dauernden Friedens, der die Opfer« die gebracht worden sind, rechtfertigt. Wir benutzen diesen Anlaß, um den Dank deSDaterlandes allen ouszusprechen. die durch die Zeichnung der letzten Kriegsanleihe wiederum ihren patriotischen Sinn bewiesen haben. Eine Kommissionsberatung halten wir nicht für erforderlich, und ich beantrage deshalb, die Vorlage cn bloc «n zu nehmen. (Beifall.) Abg. Ebert (Soz.): Roch immer beharren die Dtastsleitungen der feindlichen Lander dabei, uns niederwerfen und einen Frieden erreichen zu wollen, der mit der politischen, wirischaftlichen und kulturellen Entwicklung unsere» Landes gänzlich unverträglich wäre. Ja, selbst au» führenden sozialistischen Kreisen de» gegnerischen Auslandes werden leider noch immer Kriegsziele verkündet, die den Bestand und di« Ankunft des Deutschen Striches bedrohen. Unsere Bereitwilligkeit zu einem Frieden, der kein» der beteiligten Völker vergewaltigt, ist neuerdings wieder auf da» schärfste zurückgewiesen worden. An- gesicbtS dieser Sachlage stehen wir auch heute noch vor der Not- Wendigkett, die Mittel zu bewilligen, um unser Land gegen den Ansturm der feindlichen Uebeimacht auf allen Fronten zu schützen. Die Widerstandskraft unseres Volkes zu stärken, ist die vornehmste Pflicht der Regierung. Wir fordern daher, daß sich auf allen Geb'eten die Schwierigkeiten der Verteilung der Nahrungsmittel verringern, daß die Preise alsbald herabgesetzt werden; wir fordern Arbeiterschutz und erhöhte Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer. Indem wir wieder den Entschluß bekunden, in der Verteidigung unseres Landes auszuharren, lehnen wir erneut darüber hinaus- gehende KriegSziele ab. Von der Regierung erwarten wir, daß sie nichts versäumt, um zu einem baldigen Frieden zu gelangen, der di« Lebensinteressen auch anderer Volker achtel and international« ^Vereinbarnngen anbahnt. durch die die Kulturvölker vor neuen Kriegen bewahrt werden. Nur ein solcher Frieden trägt die Gewähr der Dauer in sich und dient auch den höchsten Interessen de» deutschen Volke». (Beifall der Soz.) Abg. Bernstein (Soz. Arb.): Wie lange soll d«r Krieg noch dauern? Der Krieg ernährt den Krieg, denn die Anleihen zeichnen in der Hauptsache die Kreise, die an den Kriegslieferungen beteiligt find. Aber weite Kreise sind durch den Krieg auch ruiniert worden. Das wird sich erst später r« vollem Umfange zeigen, denn einmal muß doch der Krieg ein Ende nehmen. (Allseitig« Zustimmung.) Das Kapital geht gestärkt aus dem Kriege hervor. Daher geht die Arbeiterschaft schweren Zeiten entgegen. Unsere Regierung will angeblich den Frieden. Aber damit wird der Friede nicht erreicht. Man mutz etwas für den Frieden tun. Es ist nicht wahr, daß di« ausländischen Sozialisten den Frieden nicht wollen. /Widerspruch.) Kein vernünftiger Mensch will Deutschland vernichten. (Stürmische Zurufe: Lloyd George!) Dizevräsident Dr. Paasch« ruft de« Redner wiederhokt zur Sache. (Unruhe bei den Sog. Arb.) Abg. Bernstein: Die Völker sind gegen un» mißtrauisch ge- worden, daher kommen wir nicht znm Frieden. (Schlußrufe.) Erst müssen wir dieses Mißtrauen gegen un» beseitigen. Die Mobilmachung Rußlands .... * Vizepräsident Dr. Pa..scher Wenn Sie weiter vom Thema ab- schweifen, wird daS Haus darüber entscheiden, ob Me weitersprechen dürfen. Abg. Bernstett,: Wbr mllsseo doch «rch «e welcher» M »tto«* best)rechen dürfen! Die Völker haben solidarische Interessen. Kleine Minderheiten haben die Völker in diesen Krieg deS Imperialismus hineingehetzt. Mit der längeren Dauer deS Kriege» wächst auch die gegenfeMge Gereiztheit. Wenn Deutschland seine Be» reitwAigkett zu einem Waffenstillstand and zur Einberufung eines allgemeinen europäischen Kongresses erklärt, so wäre damit dem Frieden gedient. (Lachen.) Wir sind Gegner aller Kriege, bei denen überall auf dem Rücken der breiten Massen de» Volkes gewisse Schichten sich Vorteile ja sichern verstehen. (Pfuirufe.) Vizepräsident Dr. Paasch« ersucht, solche Bemerkungen z« unterlassen. Mg. Bernstein: Wir lehnen bte Kredite ad, well wir auch nrcht mittelbar die KrveaS Politik der Regierung unterstütze» wollen. (Beifall b. d. Soz. Arb.) Abg. Bassermaua (natl.): Ich beantrage, die Vorlage sofort in allen drei Lesungen zu erledigen Damit gibt der Reichstag am wirksamsten seinen uu-erschütterlichen Willen zur Verteidigung de» Vaterland«» und der siegreichen Durchführung de» Kriege- Ausdruck. (Lebh. Beifall.) Die Vorlage wird in aklen brVi Lefn ngen und ht der Gejamtabftimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokratischen ArbeitSoemeirsschaft *ab de» Abg. Rühie angenommen. (Leblh. Beifall.) Der hklWMsschuh MIÜ die amwörktze DoW. ES folgt die namentliche Abstimmung über den gestern verhandelten Antrag de» Hauptausschusses, ihm auch während der Vertagung de» Reichstags das Recht gu geben, zur Beraturig von KrregSfragen und aus- wärtigen Angelegenheiten zusammenzutreten. Der Antrag wird mit 862 gegen 81 konservative Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Der konservative Antrag, der dem Hauptausschuß dieses Recht nur währesd der Kriegs, zeit elugestehen will, ist damit erledigt. ver Knrs der ZörfeMPiere. Der Gesetzentwurf ermächtigt den BundeSrat, für dre Der- aulagung der Defitzfteuer und der Kriegs st euer die Kurse der Wertpapiere auf den 31. Dezember feftzusetzen. Der Reichskanzler ist ermächtigt, die Kurse vorläufig zu bestimmen. Abg. Zimmermrnu (ntlb.): Grundsätzliche Bedenken haben wir gegen die Vorlage nicht. Wir haben aber im ernzelue» mancherlei schwerwiegende Bedenken. Deshalb beantragen wir. die Vorlage dem Ausschüsse für Handel und Gewerbe zu überweisen. Abg. Freiherr vS« Gaur- (Deuttche Frakkio«) wünscht die Vorlage einem besonderen Ausschuß von 14 Milgüederu zu überweisen, damit die Deroturrgen möglichst schnell ga Ende kommen. Die Vorlage geht an einen besonderen Mrs schuh von 14 Mt- gliedern. Die SchMaft. Nm 7 Uhr abends beginnt vor leerem Hanse di« Verat»»g Über die Schutzhaft. Der Lxrupta 'chuß hat einen Gesetzentwurf über die Schutzhast wä rend eines Kriegszustandes ausgearbeitet. Die näheren Bestimmungen sirrd schon a«» den Ausschiaßberatungen bekannt. Wie^der Berichterstatter Abg. Dr. Stresemann (Nakl.) mit- teilt, schlägt der HauptauSschuh vor, diesen Gesetzentwurf einer» besonderen Ausschuß zur Borberatung zu überweis«». Abg. LanbSberg (Soz.): Die Freiheit eine» Büvger» darf nickst angetastet werden, weil er sich bei irgendeiner Behörde mißlieb^i gemacht hat. Es ist doch sehr fraglich, was gefährlicher ist: eine Kundgebung auf dem Potsdamer Platz in Berlin oder eine Versammlung m der Schwanthaler Straße in München. Wenn man einen hohen Beamten darüber fragen würde, der dabei leicht in die „Wildgrn.be" fallen könnte, dann dürfte das Urteil sehr antibauerisch auSfallen. Es sind MißbGanche gegen die persönliche Freiheit vorgekommen, die geradez-u »ach Garantien schreien. Abg. GrSLer (Ztr.)r Die Er5-brnngen mA der Schutzhaft stntz überaus traurig. So rasch wie mög lich müssen wir,Abhilfe schaffen. Für die Verhängung der Schutzh- r'i ist jetzt nicht einmal ein bestimmter Tatbestand notivenija. Wen» der Krieg viele Jahre dauert, kann jemand toc$e» Verdacht» Jahre in Schutzhaft verbringen. Die ^Nachprüfung" ist keftl geriügender RechtSscyntz, fie erfolgt durch daS Militär. Die Sache muh bald erledigt werden. Ich beantrage, die Vorlage einem Ausschuß von 21 Mitgliedern zu überweisen. Eine Entschädigung für die erktttcne ^chntzhast muß unbedingt gewährt werden. Vizepräsisident Dr. Parrsche: Zu meinem Bedauern stegt jetzt ein Antrag auf Bertagring vor. (Heiterkeit.) DaS Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 3 Nhr: Antrag Schiffer (Natt.) über die AuSkunftSerteilung bezüglich der KriegSverord- nungen, Zensur, Schutzhast, Bittschriften. Schluß %8 lchr. Ärmst, Wissenschaft rrnd Leben. ■ r StäaelttlUt 5n>w Ehrenfriedersdors l1 ' ®jeäbner Gcmälde.Galerie. Dre knl, Ge- MLlde-Galeru- t» Dresden ist» Mie die „Klmstchlvnik" bericht-t ^ y hervorragendes Werk altdeutscher Kunst bereist worden' ?ls Leihgnde. xunlichst bis Kwn 1921, der Mische sslngelaltar aus der Kirche ,u Ehren, faeb^totf tm sacchrschen ErWebirA- «tufecjWÜ worden, der um •I ? a&r Ji 10 ' wahrschemllch als Stiftung des Kurfürsten Fried- rra> des Wersen Geschäften worden ich Dieser Altar ist ein wahr. ^ftFvoharkses Werk alter deutscher Kunst im! reichsten Zusammenwirken von Mastik, Malerer und ornamentaler Shraft. Das verden^ Pros Bruck in Dresden weist die Gemälde der süddeutschen Schule m. bem Kreise von Sans .Holbein d. Ar' und Matthias Gruncwald angehört. Das oushesprochene Streben nach krästiper Natürlichkeit der Aeusterlichkeiten dft iiidividE Tin-chbilduna der Gesitlster nnd die lebendige Wcseusbedvn „nq d,e ben Maen wie in den Bewegunpen aus stacht sind ebenso ^ch-nenb.für den Künstler wie die Tiefe und Leuchtlriaft Farben. Mrt besonderer Stärke ist der Gegensatz zwischen Widersachern heransgearbeitet. Tie groß- zugrge Behandlung des Faltenwurfs und die Würde der Einz-el- Mtalten gibt dresem daS Gepräge ernster Größe imd Erhabenheit. Ebenso diese Eigenschaften finden wir in den gesäinitzten Gestalten des Mittelstücks; in den werblichen Gestalten ist das Streben nach Anmut uno Lrebrerz unverkennbar. Ueberaus reizvoll ist endlich das ^rerlrche Alkwerk, das die Mittelgruppe umralMt. Ter Name des Lchnrtzers, der dieses Werk wohl nach dem Entwurf des Malers und unter seiner Aufsicht technisch so meisterhaft und rnit so viel kunstlerrlchem ^>erstärrdnis ans ge führt hat, ist leider ebenso rurbe- kannt, wre der des Meisters selbst. — Ein Vulkan als Elektrizilätskraftwerk. Not macht erfmderisch, und so haben die Italiener aus ihrer Kohlennvt dadurch erneu Ausweg gesucht, daß sie die Kräfte gewisser un- ^gentlrcher .Vulkane rn Form vvn elektrischer Maft ausnutzen. Bererts seit einer Reihe von Jahren hat man daniit Versuche ge- niacht, aber erst wtzt hat man einen wirklichen Erfolg erzielt. Nach ernem Auflatze von Professor Lurggi in der „Narva Antologia" l-at eine große Gesellschaft die „Soffieni", ans bmr.i überlsitztev Wasserdampf dem Boden entströmt, in der Gegend von Lardorolla, Bolterra, Castelnuvvo und einigen anderen Orten zur Anlage von Elektrizrtatskraftwerken benutzt und es sollen bereits 3 Turbinen in: Betrieb fern, dw jede 3000 Külowatt lchsKerr. Seit 1903 hat man mit diesem Dampf Turbinen zu treibm begonnen. Ter Dampf hat Temperaturen zwisckien 160 und 190 Grad und steht unter emem Druck von 2 bis 3 Lttinosphären, so daß tatsächlich, da er dauernd ausströmt, große Kraftmengen zur Verfügmlg -stehen. Allein die eriten Maschinen, die man, mit ferner Hilfe betrieb, wurden rasch iMbrauchbar, Werl sie der Ernvurkungi der im Darnpfe enthaltenen schwefligen Säure nicht lange stand halten konnten Ein .mgenieur, namens Brigheiita hat nun eine anscheinend glückliche Losung der Aufgabe geflorden: er nutzt die Dämpfe, die ans dem Boden strömen, nicht unmittelbar aus, sondern mittelbar; sie dienen nur zur Erlsitzung des Wasserdampses, der che Turbinen treibt und so hat er eme Turbinenanlage erfunden!, bei der der treibende Wasserdampf einen Kreislauf durchläuft nnd, loenn er ss Turbine.geströmt ist, wieder verflüssigt wird. Gegenwärtig tat der Betrieb schon eine erhebliche Ausdehnung: der elektrische ^tvom wird, ailf eine Spannung vmi 36 OCK) Volt gebracht, in fünf versfluedlmen Lertimgen v^orsandt, nämlich nach Äollerra, Siena, Uocuw, Livorno und Floren-, also über nicht unerhebliche Ent- wrnnwgen. In FGixmz dient er beispielsweise der elektrischen als Betriebsstrom. In der Gegend der Kraftwerke jelbst versorgt er sämtliche Beleuchtungsanlagen. — DieTragikomödiedes franz ö si schen Regie- r u n g s weines. Trotzdem Frankreich naturgemäß weniger auf eine rationelle Verwertung der Lebensmittel angewiesen ist, als dies unter den gegenwärtigen Umständeri in Deutschland der Fall flin muß, kampsen doch die, Franzosen in dieser Beziehung miti anßerordentlch großen Schwierigkeiten, was erstens auf den Mangel an einheitlicher leitender Organisation, zn»eitens auf ein ge rmgeres Zusammenarbeiten der einzelnen Bevölkerungskreise irnJ trntfrmä ans die große und korrupte Mackft der Er^uger und Groß m övrlickzusühren ist. Tatsächlich nehmen in Frankreich ge wiift Produzenten kreise eine Stellung ein, die RegierüngAmatznah men auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung häufig zu eine bezeichnenden Komödie macht. Das drasfischste Beispiel hier Mr Vttne Tragikomödie des französischen Regierungstveines, übe dre L'Oeiivre nicht ohne starke Ironie berichtet. Da die Weinpreiß m ^rankrem) in geradezu unglaublicher Weise stiegen — wobei ji beachten ist, daß infolge des Wechten Wassers der blllige Weh l" ^ankreich rin wichtiges Genuß mittel auch für die ärmsten Bv völkerungsschichäen darsteltt — nahm die Regierung endlich di Sache xn die &(mb, indem sie beschloß. ' ' " ' ' mZTts* ' r Z"" ■ ' vn V w, r . ru eigener Regie eine Volkskriegswern Herstellen zu lassen. Und zwar entschied sich di hierfür herangezogene Intendantur für die Erzeugimg eines alko holfrewn Zuckerweines aus Rosinen. Ungeheuere Mengen getrvck neter Rosmen nmrden aufgekanft, man sammelte die erforixwlichei Zuckermengen nnd erwarb bei teuren Preisen das für die Her ltellung notwendige Material, nian ließ Spezialistm —- D - -- I«» u M , vyvsumnui kommen, ver Muhtete Hilfsarbeiter, mietete geeignete Räumlichkeiten usw. Al dies ivnrde ans Angft vor den großen Weinhändlern -- ir Geheimen dnrchgeführt. Aber als es sich darum handelte, nunmeh zur Herstellung des famosen Regierungsweines zu schreiten, zeigt es sich, daß bereits wder zweite Bürger Frankreick^ um das streng brMete Geheimnis wußte. Nun schlossen sich die Wein Händler, die Ageiiten und anderen