Nr. 253 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«. Beilagen: „Gießener Samillenblätter" und „Krcisblott für den Kreis Gießen". Postscheckkonto: Zrankfurt am Main Nr. Vankverkehr: Gewerbebank Gießen. 16 G» Jahrgang General-Anzeiger für Freitag, ‘ 47 . Oktober 1016 Zwilliligsrunddruck und Verlag: B r i'i hl'jcheUnivorf'nä'tS»Bllch-n.St?indrttckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleittiug, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrafte7. bl cschäf sstelle u.Verlag: bl, Schristlcilung: 112. Anschrift für Tre.htnachrichten:Anzeigerließen. ^b. Deutscher Reichstag. 6 7 . Sitzung. Donnerstag, den 2 6. Oktober 1916. Am Tische des Dundesrats: Dr. Helffcrich, v. Jagow, Kraetke , Graf Sftoebctn, Zimmer mann, Ascroa l o. 15 Mrmtem^ Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr ^or Hintritt in die Tagesordnung erklärt der Abgeordnete S t u b b c n d o r f f (Np.), daß er die Vorwürfe gegen en Abgeordneten Hoff, als ob dieser angeregt habe, grauen mit militärischer Gewal- zum Karioffelsammeln zu zwurgcn, m, t Bedauern zurücknehme. Die auswärtige Politik. Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Antrag des Haushaltsausschusses. der diesem Hauptausschuß des Reichstags daS Recht geben will, auch während'der Vertagung des Parlaments zur Beratung von auswärtigen Angelegenheiten und Kriegsfragen zusammenzutreten. Den Bericht deS Ausschusses hat der Abgeordnete B a s s e r - manu (Natl.) bereits in der letzten Vollsitzung erstattet. Abg. Gröber (Zentr.): Es fehlt ebne dauernde Ver- standtgung zwischen dem Reichstag und der 11 e J * u n 6' besonders über die Richtlinien der auswär- ngen Politik, so daß eine ständige Kontrolle über die Führung der 5 ^.^orngen Politik nicht zu erreichen ist. Die auswärtige Poli- trk ist überhaupt im Reichstage immer sehr schlecht weggekommen. Die ganze auswärtige Politik ließ es an Klarheit fehlen, daber auch der sogenannte Zickzackkurs. Sie ist bielfach von den maßgebenden Stellen als eine Art G e h e i m w i s s e n s ch a f t auf gefaßt worden, von deren Behandlung man das profane Volk und die profane Volksvertretung möglichst fernzuhalten suchte. Bismarck hak jede Einwirkung des Reichstags auf die auswärtige Politik glatt abgelehnt, und diese Ablehnung war mit so gesalzenem Spotte gewürzt, daß niemand während seiner Kanzlerschaft gewagt hat. die Frage wieder anzuschneiden. ü r st Vülow war weniger ablehnend, er war nur mit einer dauernden Herausgabe eines Weißbuches nicht einverstanden. Im Jahre 1908 haben auch die Konservativen eine bessere Orientierung über die auswärtige Politik verlangt. Dieser gewaltige Krieg zieht das ganze deutsche Volk in Mitleidenschaft. Deshalb muß seine Vertretung, der deutsche Reichstag. über die Fragen der auswärtigen Politik dauernd aus dem Lausenden gehalten und gehört werden, damit das Volk nicht plötzlich vor vollendeten Tatsachen steht, an denen praktisch nichts mehr zu ändern ist. Der Gedanke, neben dem Reichstag einen besonderen Kriegsb-irat einzusetzen, ist vollkommen vermehrt. Dieser Beirat wäre keine Vertretung des deutschen Volkes, er wäre nur ern totgeborenes Kind. Es fragt sich nun. ob man für die auswärtigen Fragen einen besonderen Ausschuß bilden soll oder den Haushiltsausschuß auch hiermit betraut. Gewiß ist der Haushaltsausschuß sehr überlastet. Man könnte ihn aber dadurch entlasten^ daß man alle wirtschaftlichen Fragen dem Ausschuß für Handel und Gewerbe überwiese. Ein besonderer Ausschuß für auswärtige Politik würde eine Zersplitterung der Kräfte des Reichstags bedeuten Der Haushaltöaus- schuß ist immer der richtigste Ausschuß einer Volksvertretung, da er das Gell» zu bewilligen hat. Und wie die Kanonen die letzten Gründe der Könige find, fo find die Geldbewilligungen die letzten Gründe der Volksvertretung. Soll eine Kommission während der Vertagung der Vollversammlung arbeiten, so ist dazu die Zustimmung des Kaisers oder Reichskanzlers erforderlich. In einer Reihe von Fallen ist das praktisch so gehandhabt worden. Staatssekretär deS Auswärtigen v. Jagow: Es ist durchaus begreiflich, daß daS Parlament in dieser hochernsten Zeit den Wunsch hat, an der auswärtigen Politik mitzuwirken und die im Kriege hergestellte innigere Fühlung mit der Reichsregiernng zu einer dauernden zu gestalten. Der Reichskanzler hat wiederholt die Führer der Parteien auch während der Vertagung des Reichstages empfangen. Ich habe schon in der Kommission erklärt, daß wir bereit sind, den Wunsch des Reichstages auch in dem erweiterten Maße, wie es in den Anträgen des Reichshaushaltsausschusses und der Konservativen gefordert wird, entgegenzurommen. Ich kann diese Erklärung im allgemeinen abgB>en. weitere Ausführungen dazu wird der Herr Staatssekretär des Reichsamtes des Innern machen. dem eigentlichen Sinn der Verfassung ist das Schließen der Seftion der normale Weg und das Vertagen soll mehr den Ausnahmefall bilden. Wenn auch gewisse Zweckmäßigleitserwägungen bisher dazu geführt haben, öfter nur zu vertagen, so hat das doch prakti,che Unzuträglichkeiten zur Folge, weil die Kräfte der Neuerung durch parlamentarische Beschäftigung dauernd so in Anspruch genommen werden, daß ihr die Leitung der Reichsgeschäste nahezu unmöglich gemacht ist. Daß wir jetzt in außerordentlichen Verhältnissen leben und die Kriegsverhältnisse es erwünscht er- scheinen lassen, auch während der Vertagungsdauer einen Konnex zwilchen Reichstag und Reichsregierung aufrechtzuerhalten, hat der Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten bereits ausgeführt. Stellvertreter deS Reichskanzlers, Staatssekretär deS ReichS- amteS des Innern Dr. Helfferich: Ich kann mich im wesentlichen mit den Ausführungen des Abg. Gröber über die staatsrechtliche Seite einverstanden erklären. Wir sind durchaus einig darin, daß bei einer Schließung des Reichstages ein Weitmtagen einer Kommission nur durch besonderes Gesetz ermöglicht werden kann. Bei Vertagungen haben wir zwischen der gelvöhn- lichen Vertagung des Hauses zu unterscheiden, die durch den Präsidenten mit Zustimmung des Reichstages ausgesprochen wird, und einer Vertagung im Sinne des Artikels XII der Reichsverfassung, der dem Kaiser das Recht zuspiücht, den Reichstag zu berufen, zu eröffnen, zu vertagen u«id zu schließen. Wir find einig, daß bei einer solchen Vertagung durch den Kaffer, rn der Vertagungsdauer eine Kommission auch nur zusammentreten kann, wenii in irgend einer Fmnn die Zustimmung des Kaisers vorbiegt. Der verscffinngsrech wichen Lage scheint der konservative Antrag klarer und deutlicher zu entsprechen, da cr ausdrücklich den Reichskanzler ersuchen will, das Zusammentreten des Reichshau Ähaltscursschusses zur Beratung auswärtiger Angelegenheiten während einer Vertagung des Reichstages aus dem verfassungsmäßiMn Wege herbeizusühren. Der Antrag der Kommission besagt im wesentlichen dassMe wie der der Konservativen. Richtig aufgefaßt, sind wohl keine Meinungsverschiedenheiten darüber, was dem Kaiser und was der Kommission z u st e h t. Der Antrag des Ausschusses be- riihrt das Recht des Kaisers nicht. Aber aus dem Antrag selbst rst diese Interpretation nicht ohne weiteres zu entnehmen wäh- rend sie in dem Antrag der Konservativen enthalten ist. ' Deswegen würde ich den konservativen Antrag vorzi-ehen. An dem Antrag der Konservativen ist auch ausdrücklich von dem verfassungsmäßigen Wege die Rede. Eine solche Beschränkung ist in dem Kommissioiisantrag nicht enthalten. Nach den Beratungen der Kommission ist er aber so gemeint. Darüber sind wir uns doch wohl einig: der normale Fall wird immer bleiben müssen, daß, wenn der Reichstag auf Kaiserliche Verordnung vertagt wird, er in seiner Gesamtheit vertagt ist. Der Zweck der Vertagung ist eben, daß nunmehr die palamen- tarischen Arbeiten aufhören. Diese Ruhepause zwischen den parlamentarischen Arbeiten haben wir für die Bewältigung der gesamten Reichsgeschäste dringend nötig. Nach Abg. Dr. Gradnauec (Sog.): Wir stimmen dem Ausschuß- antrage zu, den konservativen Antrag müssen wir ab lehnen. Wenn bisher der Reichstag so wenig Einfluß auf die auswärtige Polrtrk gehabt hat, so trifft die Schuld weniger die Negierung, als den Reichstag selbst. Unsere Bemühungen aus diesem Gebiet sind lerder vergeblich gewesen. Wo es sich um die größten Schicksalsfragen des deutschen Volkes handelt, darf die Entscheidung nicht bei der Weisheit der regierenden Stellen liegen. Die L e i st u n - gen unserer Diplomatie, die sich aus Mitgliedern des Adels und der Begütertsten zusammeusetzt. sind zum mindesten nicht so, daß wir sagen können: Siehe, es war alles gutl Der Friedensschluss wird die Generalprobe für unsere Diplomatie sein. Sie hat dann eine Verantwortung zu tragen wie noch nie in der ganzen Weltgeschichte. Die Regierung mutz daher den Reichstag an der Veraiitwortung teilnehmeu lassen. Der Antrag bedeutet einen ersten schüchternen, aber uns willkommenen Schritt. Er ist kein Versuch einer parlamentarischen Regierung, aber ein bemerkenswertes Zeichen der Zeit und wird das Aiisehen des Reichstags stärken. Er darf aber nicht dazu führen, daß die Vollversammlungen noch mehr als bisher in den Hintergrund treten. Die Regierung hat ja überhaupt die Neigung, unsere Sitzun- genabzukürzen. Die geheimen Sitzungen des Haushaltsausschusses standeu mit unserer Geschäftsordnung in Widerspruch; daran ändert es auch nichts, wenn man sie formell nicht als Ans- schußsitzungen bezeichnete. Der konservative Airtrag ist ganz besonders darauf bedacht, die Rechte der Negierung zu wahren. Das ist aber nicht Sache des Reichstages, sondern der Negierung selbst Dw Negierung konnte unsere Anträge uiimöglich ablehnen. Eine besonders freudige Zustimmung habe ich aber aus den beiden Reden vom Regierungstisch nicht heraushören können. Abg. Hauftmann (Fortschr. Dp.): Bisher hat sich das Parlament traditionell zu sehr von der auswärtigen Politik scrn- Z^alten. Intensivere Mitarbeit ist für eine stärkere auswärtige P^itik geboten. Meine Partei hat bereits im Jahre 1913 die Schaffung einer besonderen Kommission angeregt. Was jetzt gefordert wird, kann bei richtiger Handhabung praktische Bedeutung erlangen. Cs haiidelt sich jedoch um nichts anderes als um die Ausübung schon bisher vorhandener Befugnisse, von denen in 'fahrlässiger Weise nicht genügend Gebrauch gemacht worden ist. Oin Eingriff in die Verwaltung durch Verwirrung der Kompetenzen wird nicht beabsichtigt. Die ganze Verantwort- ru ?• i r ^ ^ ^ t i a t i b e aus dem schweren und heiklen Gebiet soll bei dem Auswärtigen Amt bleiben. Insbesondere will das Parlament mehl eine Verantwortung auf sich selbst über- ? « Parlament soll nur aus Grund konkreter Tatsachen die Urteilsbildung über die besonderen und allgemeinen Absichteii unserer auswärtigen Politik möglich gemacht werden. Dies wird um ]o fruchtbarer geschehen können, je bereitwilliger die Regierung dcchei niiüv-rkt. In dieser Angelegenheit hätten wir einen e f* D a A tD ^\ mC - Z r C V ‘ Ton der Regierungs Vertreter ^ 7 ^ richtig!) Immerhin haben sie ichr Einverständnis -mrt dem Grundgedanken ausgesprochen. Für die Regierungs- und Stützung wäre cs ein Vorteil gewesen, wenn sie sich m der zurnckgelcgenen Zeit in einen innigeren Kontakt mit der Volksvertretung gesetzt haben würde. Es kann nicht wrmÄernehmen, daß die Budgetkoinmission, in der sich so viel Auguren befinden (Heiterkeit), wenn sie gefragt wird, wer am geeignetsten sei, die Behandlung der auswärtigen Fragen für sich in Anbruch nimmt. 1 , j®* 1 den AuSschußantrag. damit etwas zustande kommt. Unser Antrag auf einen besonderen Ausschuß wäre besser gewchen, daS wird sich bald zeigen. Der Hau-shaltsanSschuß arbeitet immer mit emer Peitsche, die auswärtige Politik kommt imnier 28 Mitgliedern ist zu groß, es wird geprüft werden. Geldbewilligungen kommen stylrehtich auch bei anderen Ausschüssen in Frage, darum brauche ^andre Fragen nicht im Haushaltsausschuß zu beraten. Bei auswärtigen Angelegenheiten kommt es auch ganz bcsoiiders aus dre Vertraulichkeit an. Der konservative Antrag will auch die Tagung deS Ausschusses während der Vertagung des Reichstages auf den Krieg beschränken. Wir beantragen, diese Worte zu streichen. Stimmen die Konservativen dann gegen ihren eigenen Antrag, io zeigt es sich, daß sie dem Reichstag das Recht nur ü- S^enwartigen Verhältnissen zugestehen wollen. Würden die L'crtglieder der Regierung aus dem Hause gewählt, so wäre ein lolchcr Antrag nicht nötig. Jetzt müsseii wir das Gleiche Umwege zu erreichen suchen. Arbeit genug hat der Ausichutz ichon jetzt, so die Frage des Systems internationaler Gmanüen, rkber die Grey kürzlich gefin:oel>eii hat. Ich glaube datzdie Regierung sich der Wichtigkeit dieser Sache verschließt. Hoffentlich kann sie uns hierüber eine befriedigende Erklärung geben. Holland mit seinen Kolonien hat beispiÄswcise hier ein ganz bsforck>cres Interesse gegen England. Wichtiger ist aller- dings für uns das System der nationalen Garantien, und drzn gehört der Ariteil dss Parlaments an der auswärtigen Politik Hier heißt es positive Arbeit zu leisten. (Beifall b. d. Fortschr. Vp.) Abg Dr Stresemann (natlib.): Der bischerige Zustand war unbefriedigend. Bedauerlicherweise hat der Staatssekretär des Innern dieBcsprechungendes Reichskanzlers mit d e n P a r t e i f ü h r e r n als einen Schritt auf dem Wege des hier Erstrebten hingestellt. Selbstverständlich ist es, im Frieden iüie tm Krieg, daß der leitende Staatsmann vor großen Cntschei- dungen mit den Führern der Parteien in Gedankenaustausch rrm. Wir legen den Hauptnachdruck auf die Stärkung der Rechte der Volksvertretung und auf die Hersielluug eines engeren Konnexes zwischen Rcgieriing und Volksvertretung. Ein besonderer Ausschuß schien uns dafür an, geeignetsten zu lern Der Abgeordnete Gröber hielt das politische Zentrum des Reichstages (Heiterkeit), seinen Kristallisationspuiikt, den Haupt- «usschutz, für geeigneter, iveil dort die führenden Persönlichkeiten sitzen, imd weil meu Rußland. ^Jn England unterliege der Minister der öffentlichen Kritik, aber in Kriegszeilen schweige dort jede Parteipolitik und man ordne fick der einheitlichen Führung auch eines gegnerischen Ministeriums unter. Er hat einmal gesagt: Geben Sie mir em englisches Unterhaus! und cr dachte dabei vor allem an eine Zustrmmensötznng aus der errglffchcn Gentry. Heute besteht das engkisthe Unterhaus nicht mehr o/us Mitgliedern der Gentry. Lloyd George, die Arbeiterpartei imd ihre Führer gehören nicht zu ihr. Trotzdem hat sich das parlamentarische System in England erhalten. Die offene Kritik hat England nicht geschaSei, vielmehr schadet uns aber die Lkuffassung. als könne man eineil Weltkrieg ge w i s s e r m a ß e n streng v e r t-tf'am'N ch umter A u s s ch l u ß der Oefsentlichkeit führ e-n. Liegt deiin in der Stärkung des Reichstages eine Gefahr? Ein hervorragender deutscher Diplomat sagte eiiimal vor kurzem, was ihm ^die Vertretung Deutlchlands im Auslände so schwer pzache, das sei die geringe Einschätzung der deutschen öffentlichen MeinLing in ankeren Staaten. f i Man schiebe uns im Auslande in noch höherem lllraße eine parlamentarische Ohnmacht unter, als sie tatsächlich besteht. Als er einmal den englischen Botschafter darauf hingewkcsen habe, daß sich die d e u t f che öffentliche Meinung dieses oder jeiies liicht gefallen lassen köniie, da habe ihm jener geantwortet, das schreibe er auch regelmäßig nach England, gber in London Haushaltsausschnss seine eigene Ueberlastung schon selbst erkannt I glaube man nicht, daß cs eine öffentliche dentsohl c Meinung gibt. Der Krieg bringt eine Politisierung deS deutschen Volles mit sich, die Jahrzehnte überspringt Die Männer draußen an der Front haben Zeit, über die Probleme nachzudenken und in den Wochen, Monaten und Jahren ihre Gedanken hierüber auszutauschen. Die Erweiterung der Rechte des Reichstags wird weit über die Reihen des Liberalismus hinaus von den verschiedensten Seiten gefordert, Ich darf nur an die bekannte Festrede des Abg. Spahn 3» seinen: Tfl Geburtstag erinnern, wo er verlangte, daß die großen führenden Fraktionen auch durch ihre eigenen Vertraue nSiv,infner — in den Ministerien vertreten wären. Man kann auch nicht sagen, daß das alldeutsche Tendenzen wären, denn die Abgeordneten PrinzEarolath, Schiffer und Nicht- Hofen sind alldeutscher Tendenzen gewiß nicht verdächtig. Wir müssen nach dem Kriege auch auf diesem Gebiete zu einer Neu- Orientierung komme». Man stellt es schon als ein Unrecht hin, daß man einem gewissen Misstrauen Ausdruck gibt. Ein Volk, das gegen zwei Rationen kämpfen mutz, die mit ihm seit mehr als zwei Jahren verbündet gewesen sind, kann kein unbedingtes Vertrauen in seine unfehlbare Diplomatie haben. Wenn irgendwo, dann auf diesem Gebiet, freie Bahn dem Tüchtigen. Wo stecken die uns angekündigten Reformen? Wir wollen keine neuen Examina. Die Prüfung des Lebens befähigt manchen Menschen mehr als ein Examen. Große Kreise liegen heute brach in Deutschland für die Diplomatie. Denken ^r»re an unsere große Marine, an alle diese Menschen, die sich draußen den W,nd -er Welt um die Ohren haben pfeifen lassen, die so wundervoll verstehen, deutsche? Selbstbewusstsein zur Schau zu tragen und dabei auch die Eigenart anderer Völker zu erfassen, di« überall Repräsentanten des deutschen Volkes im besten Sinne sind. Greifen Sre da hinein. Wie falsch sind doch die Verhältnisse geordnet, daß heute über den Uebergang in den diplomatischen Dienst in einem Alter entschieden wird, wo der einzelne nicht mehr als bestenfalls eine normale Befähigung haben kann, und baß man nicht auch auf tüchtige Leute zurückgreift, auch wenn sic in einem andern Lebensalter stehen, seien es Kaufleute, Juristen usw. Eine lleberbrückung alter Vorurteile, sowohl Verzicht auf GeburtS. wie auf Geldaristokratie, ist dringend geboten. Ich stehe der katholischen Kirche kühl gegenüber, aber wunderbar ist die höchste Autori'ät, mit der sich jeder den hohen Kirchenbeamten willig unterwirft, weil er weiß, dass daö System auf höchster Demokratie beruht und dass niemals nach Rang und Herkommen, sondern nur nach Leistung geurteilt wird. D i e katholische Kirche hat der Welt auch hervorragende Diplomaten gegeben. Mi unfern diplomatischen Aktionen fehlte das Einsehen der öffentlichen Meinung Deutschlands für die Durchführung deutscher Forderungen. Alles Moderne ist an uns vorübergerauscht. ohne Wurzel zu fassen. Die Welt ist mehr und mehr demokratisiert, und Formen und Methoden des diplomatischen Dienstes müssen sich ändern. In den Fragen, wie man die öffentliche Meinung anderer Völker gewinnt, sind die Männer des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten vielleicht sachverständiger alS die Herren der Regierung. Auch da. wo es darauf ankommt, mit den leitenden Männern anderer Länder, wo sozialistisch-radikale Minister die Geschicke leiten, zu verhandeln, ist eS vielleicht gut, im Einvernehmen mit einem solchen Ausschuss zu arbeiten. In diesem Sinne wollen wir ein Kontrollorgan der auswärtigen P o l i (i f, wenn das auch eine große Abweichung vom bisherigen ist. Bismarck sagte schon: Ein Staat, der um seine Existenz kämpft, kann nicht immer in den gewohnten Gleisen wandeln. Die öffentliche Meinung Deutschlands muss auf dem Gebiete der Wiederbefestigung unserer Stellung eingesetzt werden. Der Dank für die Leistungen unseres Volkes muß auch darin bestehen, dass ihnen ein erhöhter Einfluss der Volksvertreter entsprechen muss. Der Weg, den wir beschrciten, ist ein ganz be- scheidener Scheibt. ES bedarf des Weiterschreitens. (Zustimmung.) Dann arbeiten wir im Sinne Bismarcks, indem wir das Gleichgewicht zwischen Volksvertreter und Regierung Herstellen, da? un« als dos feste Fundament für die Solidarität deS ganzen Volkes erscheint. (Beifall.) Abg. Kreth (konsi): Auch wir wünschen, dass die Reichsleitung den Reichstag über die auswärtige Politik eingehend unterrichtet und beklagen, dass eS früher nicht geschehen ist. Insbesondere erkennen wir «m, daß die Reichsleitung während dieses Krieges um Sein oder Nichtsein mit der Vollsmeimwg dauernd Fühlung nehmen muss. Wir sind auch damit einverstanden, dass der Haapt- ausschuss während der Vertagung des Reichstags zusammen tritt, um Erklärungen der Reichsregierung über die auswärtige Politik entgegenzunehmen, wenn es in der verfassungsmäßigen Form geschieht, indem die kaiserliche Vertagungsverordnung die Genehmigung ausspricht. Würde der Reichstag aus sich heraus auch für die Zeit der Vertagung durch kaiserliche Verordnung feinen Ausschuss zusammen- berufcn können, so würde die kaiserliche Verordnung völlig unwirksam gemacht, weil der Reichstag nicht beschränkt ist, wieviel Mitglieder er in den oder die Ausschüsse entsenden will. Den Schritt auf dem Wege zur parlamentarischen Regierung machen wir nicht mit. Unser Antrag ist ganz klar. In F r i e d e r. s z e i t e n ist ein Ausschuß nicht m ö g l.i ch. Viele diplomatische Vereinbarungen dürfen fa nicht mitgeteilt werden ohne Genehmigung des Gegenparts. Sonst machen wir Uns vcrhandlungsunsähig und spielen zu unserem Schaden mit offenen Karten. Wir halten nichts von internationaler Fraktionspolitik, die dadurch nufkommen könnte. Es würde dann noch mehr Neichstagsmitglieder „niederer Ordnung" geben. Der Abg. Stresemann hat seinen „hervorragenden Diplomaten" nicht genannt. Sonst würde sich die Reichsleitung wohl auf ihn stürzen und ihm die Seele aus dem Leibe fragen. (Heiterkeit.) Es ist unrecht, so zu tun, als blühten bei uns eine Menge diplomatischer Talente wie die Veilchen im Verborgenen. Völlige Offenheit wird von den parlamentarischen Regierungen anderer Länder nicht geleistet. Ein Beweis sind auch Grehs letzte Ausführungen auf dem Journalistenbankett. Es wird alles anders dargcstellt als es sich tatsächlich verhält. Die englischen Minister sind zur Unwahrheit gezwungen Das kann der Deutsche, der voll Moral steckt, nicht von seinen Staatsmännern verlangen, yuock licet Jovi, not licet bovi! Das beziehe sich auf Bismarck. Seine Politik beruhe auf Blut und Eisen, er brauchte keinen Beirat. Wir haben keinen Bismarck. Die Hoffnungen, die auf eine parlamentarische Regierung gesetzt werden, täuschen doch recht oft. Das sehen wir an Italien, wo schliesslich die Straße regiert. Man sagt immer, dass nachdem Kriege eine Neuorientierung und . scharfe Linksdrehung kommen muss. (Sehr richtig! links.) Hier ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Für daö parlamentarische System wird sich das Volk wohl kaum begeistern. (Oho-Rufe links.) Das Volk ist da. wo Deutschlands Fahnen wehen, in den Schützengräben. Wenn nun ein parlamentarischer Minister kommt als Vertreter der Kriegsmacht, so wird das wenig Eindruck machen. Der bestgebügelte Zylinder oder die schönste Phantasieuniform wird unseren Feldgrauen nicht imponieren. (Sehr richtig! rechts, Lachen links.) Die alte deutsche Mannentreue lebt in unserem Volke noch trotz aller demokratischen Grundsätze. Das Treue-Verhältnis zwischen Fürst und Volk ist immer noch dasselbe. (Sehr gut! rechts.) Der Deutsche will nicht regiert werden von wechselnden Parlaments- mehrhciten. (Abg. Sladthagen ruft: Von den Junkern nicht!) Von den Junkern wird er auch nicht regiert. (Lachen der Soz.) Das monarchische System hat sich jetzt im Kriege glänzend bewährt. Die Söhne der regierenden Fürsten haben gemeinsam mit den Sühnen der Arbeiter und der Bürger auf dem Schlacht- feld geblutet. Das ist das beste Fundament unseres Deutschen Reiches und Volkes. Daran wollen wir nicht rütteln lassen. (Beifall.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Mit dem parlamentarischen System haben die Anträge nichts zu tun. Ich bedaure, daß die Aussprache diese Wendung genommen hat und werde diesen Weg nicht weitergehen. Man hat hier bei der Negierung eine gewisse Begeisterung für die Anträge vermisst. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat aber festgestellt, dass die Anträge sich mit den Wünschen der Reichsleitung begegnen. Er hat hervorgehoben, dass die Reichsleitung die Herbeiführung eines innigeren Konnexes zwischen Parlament und Regierung begrüßt. Man kann uns also keinen Vorwurf machen. Wir sind bereit, die bisherigen Formen so zu wandeln, wie es den Wünschen des Reichstags entspricht. Bisher haben Besprechungen der Reichsleitung mit den Jraktionsführern stattgefunden. Wenn der Reichstag wünscht, daß sie mit der Budgetkommission veranstaltet werden sollen, so sind wir bereit, diesem Wunsche Rechnung zu tragen. Ich habe hier verfassungsrechtliche Fragen erörtert und dazu gehört nicht Begeisterung, sondern Verstand. Der konservative ' Antrag entspricht besser den verfassungsmässigen Grundlagen, deshalb habe ich mich in erster Linie für ihn erklärt. Ich erkenne aber an. dass auch der Ausschutzantrag nach der Auslegung des Abgeordneten Gröber ihnen Rechnung trägt. In Friedenk- z eiten können wir aber nicht als Regel dahin kommen, daß während der Verkagungsdaucr des Reichstags die Kommissionen ihre Arbeit fortsetzen. (Zurufe links.) In besonderen Fällen ist das ja vorgckommen. Und das wird ja auch in Zukunft möglich fein. Ich spreche mich aber gegen die Wünsche auS, dass nach einer Vertagung des Reichstages durch den Kaiser der Reichstag auch im Frieden ohne weiteres seine Ausschußberatungen forffetzt. Abg. Lcdebour (Soz. A.-G.): Der Staats sekretär will der Ausführung des Antrages schon im voraus Knüppel zwischen die Beine werfen. Dagegen hat der Reichstag das Machtmittel, seine Zustimmung zur Vertagung davon abhängig zu machen, dass der HaushaltbauSschatz zusammentreten kann. Wir stimmen dem AuS- schuhantrag zu, betrachten ihn jedoch nur als Notbehelf und knüpfen keine übergroßen Erwartungen an ihn. Hoffentlich wird er nichr dazu benutzt, die Sessionen des Reichstages noch mehr zu verkürzen. Die schweren Mißstände unserer auswärtigen Politik wird der Antrag nicht ändern, hier kann nur das parlamentarische System helfen. Herr Stresemann meinte, die Bedenken seiner Freunde gegen das parlamentarische System seien nicht mehr in gleichem Matze vorhanden — sie haben also noch solche Bedenken! Weiter meinte er. wenn wir einen Bismarck hätten, brauchten wir die Anträge nicht. Glauben Sie, Herr Stresemann, mit solchen Redensarten diesen Bureautkratcn da imponieren zu können? (Große Heiterkeit.) Ter gegenwärtige auswärtige Dienst leidet nicht an imposanter Leistungsfähigkeit. (Heiterkeit.) Ich wünschte nur, daß die leider vertraulichen Verhandlungen der Budgetkommisfiou allgemein bekannt würden, damit das Volk erführe, welche phänomenalen Beweise von Inkompetenz wir da bekommen haben. (Heiterkeit.) Die gesamten internationalen Beziehungen müssen unter Kontrolle gestellt werden. Ein paar freiwillige Parlamentsdiplo- maten nützen nichts. Eine internationale Konferenz mutz alle» öffentlich verhandeln. Die Völker wollen keinen KrieH. Sie erfahren erst von ihm. wenn die Karre im Dreck sitzt. Die Auskünfte des Reichskanzlers im Reichstage sind spyynxartig. Die Hohepriester rätseln dann daran herum. Scheidemann konstruierte sich einen annexionslcsen Kanzler. Der Kanzler saß dabei und sprach kein Wort. Andere gaben anderen Auffassungen Ausdruck. Der Reichskanzler ist doch kein toter Homer, den man kommentieren mutz. Er kann ja Unklares klarstellen. Abg. Frhr. v. Richthofen (Natl.): Die Hauptsache ist unser fester Wille, daß der Haushaltsausschuß auch während der Vertagung des Reichstags zusammentreten soll. Die auswärtige Politik muß mehr als bisher im Reichstag beraten werden. Bei monatclanger Unterbrechung würden sich die Fäden verlieren. Der Staatssekretär hat unrecht: Verfassungen werden nicht nur mit dem Verstände gemacht! Verfassungen sind gemeinhin in einem gewissen Zustande der Begeisterung geschaffen worden. (Sehr gut! links.) Herr Kreth kann sicher sein: die Männer alldem Schützengraben werden nicht reaktionär und rückschrittlich sein! Sie werden eine freiheitliche Auffassung haben. Die Feldgrauen werden auch für eine Erweiterung der Macht deS Parlaments fein. Von dem Geiste der Neuorientierung hat man in den Reden der ^laatssekretäre fteilich nichts gemerkt. (Beifall links.) Abg. Sivkovich (Fortfchr. Dp.): Nach den Erklärungen der Regierung will man den Reichstag wohl jetzt Mitarbeiten lassen. Nach dem Kriege will man ihn aber in seine Ohnmacht zurück- stoßen. Dagegen müssen wir schon jetzt entschieden Verwahrung cinlegen (Sehr gutl links.) Wann kömmt die Reform des diplomatischen Dienstes? Berichterstatter Abg. Baffer mann (nflk) bittet, «t dem Anträge des Ausschusses sc stz uh alten. Das Haus vertagt sich. Freitag 3 Uhr: Kleine Anfragen, Weiterberatung, Schuühaft. Zensur. Antrag auf Haftentlassung Liebknechts, 12 Milliarden-NachtragSetat, kleine Vorlage». Schluß GH Uhr. 3m rumänischen petroleumlande. Bon Predeal durchs Prahovatal nach Campina. Fast genau in der Mitte zwischen Kronstadt und Sinaia. wo König Karol sich seinen Sommersitz erbaut hatte, liegt Predeal, der jetzt in deutscher Hand befindliche Grenzort. Unsere'Truppen unter tfcer Führung des Generals Falkenhayn schicken sich an. von hier Mts längs der Eisenbahn, die dem Tale der Prahova foligt, ins! rumänische Petroleum gebiet vorzustoßen, das südlich von Predeal beginnt. Predeal selbst, ein etn-a 1000 Meter hoch gelegenes Städtchen, hat einen ziemlich dorfartigen Charakter: allerdings weist es zahlreiche Dillen auf, die reiche Rumänen sich als Sommersitze gebaut haben. Die Prahova ist — nach der Schilderung des Kunsthistorikers Jakob v. Falke — ein echter Alpenfluß, wild und unbändig, zu anderen Zeiten sanft und ruhig. Man sieht ihm an, daß er die Ufer einreißen und die Brücken zerstören kann. Er sucht und bahnt sich seinen Weg in Windungen durch ein breites Bett von Steingeröll, gleich den Muren in den österreichischen Alpen. Bon beiden Seiten stürmen ihm rauschen.de Bäche zu, herabstürzend zwischen grünen Bergen oder hochgetürmten Felsen. lieber Felder und Wiesen erbeben sich Wälder von stolzen Tannen und Buchen, darüber zerrissene Felswände oder rundliche Bergkuppen mick kurzem Rasen bewachsen, auch wohl init ewigem Schnee aut tot Gidfeln und Schluchten, denn es ist mitten im .Hockstände der Karpathen: droben ist noch der Horst von Adlern, der Aufenthalt nicht seltener Bären und zählreicher Gemsen, die Stätte von Sennhütten! und weidenden Schafherden, die im Herbste zu Tal treiben. Oben Müht auch eine Alpenflora, darunter das Edelweiß, dem das ru- "inänische Volk den Namen „Blume der Königin" gegeben hat. Unten, wo vor wenigen Jahrzehnten kaum noch eine Straße war r 1 — denn römische Legionen und römische Kultur sind nicht dieses' Weges nach Transsylvanien hineingegangen, sondern durch den Rotenturmpaß unten liegen freundliche Häuser und Dörfer, jmb ein gewisses Leben bewegt sich auf der Straße, selbst Fabriken ffrede ln sich bereits im Tale an. Schon gibt es in Azuga Tuch-, -Zement- und Glasfabriken, eine Papierfabrik in Bustoni eine sNagelfabrik und eine Töpsiwei in Sinaia. Petroleum wird gewonnen in Campina, und Mühlen. Sägemühlen, Kalköfen neben t Stemgruben finden sich das ganze Tal hinunter. In Busteni, Der letzten Station vor Sinia, lvinkt ein neues griechisches Kirchlein mit seinem Kuppelturm herüber, ein sauberes Pfarrhaus, ein geräumiges Schulhaus, Bauernhäuser mit der säuleugettagenen LZeranda davor. Seit Falke (vor mehr als zwei Jahrzehnten) diese ,Schilderung geschrieben hat, hat die Industrie sin Prahovatale Auen gewaltigen Aufschwung genommen, und namentlich daÄ /Petroleum ist nicht nur in Campina, sondern allenthalben im wei- rtai Umkreis erschlossen worden. Die herrliche Natur dieses südlichen fKarpathenstriches hat sehr unter der Petroleumindustrie gelitten, jwie man «us der Schildkwung Netzhammers ersieht: in diese reizvollen Gefilde passen aber herzlich schlecht die ioeißgestrichenen' zylinderförmigen Pettoleumbehälter, denen das Auge der Eisen- tbahnlinie enlang häuftg begegnet. Wenn man auf Campina zu! fährt, stehen auf einem Plateau Hunderte von Sendentürmcn; sie kommen sogar mitten in das Flußbett des Prahova hinab, stellen' sich ganz nahe der Eisenbahn aus, kraxeln auf der andern Seite -an dem Berge herum und beherrschen selbst dessen Kulmhöhe. Diese ffchmierig-schlvarzen Türme und die ebenso schmutzigen Baracken •fcübor verschandeln geradezu die Landschaft. Leichter Hand verzeiht (man ihnen ihre Fanstschläge ien das Angesicht der Äesthetik. denn sie sind Goldbrunnen, die dem Lande jährlich Millionen sprudeln' lassen. * — Tie Wiedereröffnung des Deutschen Theaters in Köln. Aus Köln wird uns geschrieben: Ter dritte Kriegswinter bringt unserem Kunstleben eine ganz willkommen geheißene Bereicherung oder, im Grunde, das Wiederaufleben einer ungern vermissten Künststätte. Bei Kriegsbeginn iv-urde das Deutsche Theater, 'das Neben dem Stadttheater als einzige ernste Bühne eine wichtige Aufgabe in der Halbmillionenstadt Köln zu erfüllen hatte, von 'der Militärbehörde reguiriert und erst im Frühjahr .1915 wieder frei gegeben. Seitdem haben zahlreiche gastierende Truppen dort flüchtige Unterkunft gefunden, ohne dass sich daraus wieder ein gerebelter Betrieb entwickelt hätte. Am 2 8. Oktober wird die schichalsreiche Bühne -nun endlich wieder als ständiges.Theater eröffnet. Robert W a ch, der langjährige erste Charakterdarsteller und Regisseur des Weimarer Hoftheaters, der auch als Schriftsteller bekannt geworden ist. ünd 'Frau Tora C al v o , die im Sommer 1916 die Direktion des Kleinen Theaters in Berlin innehatte, haben gemeinsam die Leitung des Deutschen Theaters in Köln übernommen und beabsichtigen, das Dheater wieder als eine Bühne modernliterarischen Gepräges zu führen. Ms stellvertretender Direktor und Dramaturg ist der Schriftsteller Erich Köhrer gewonnen worden, der im Frühjahr und Sommer mit großem Erfolge die deutschen Aufführungen in Polen Und an der Ostfront ins Leben gerufen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß für eine Bühne mit gutem, modernen: Spvelplan in Köln ein starkes Bedürfnis herrscht, und daß dem Deutschen Theater ein weites Arbeitsfeld sich öffnet. — Tie Uraufführung eines Odysseus-Schauspiels. Aus Weimar wird uns geschrieben: Tie nimmer rastende, in ihrer Bereitschaft, Neues zu erproben, vorbildlich werdende H o f b ü h n e hat Bruno !C e l b o s fünfaktiges Schauspiel „O d y s - k.e u s Heimkehr" zur ersolgreick^en Uraufführung gebracht. Es liegt, bei aller Feinheit des Zeitlichen ettvas Verbindendes zwischen der griechischen Heldensage und unserer furchtbaren Wirklichkeit des .Heldenleidens und der Tuldertreue unserer Tage: des Kriegers Rückkehr in die Heimat ist dies Ewigmenschliche im Großen wie im Kleinen. So mag das Wagnis, nach Friedrich Lienhards Odysseus" und Gerhart Hauptmanus „Bogenspanner" noch einmal den dankbaren Stoff zu dramatisieren, mit dem Geiste unserer Welt im Einklang stehen. Ter Dichter hat den alten Homer wieder einmal mit Andacht gelesen — um daraus den epischen Stoff mit möglichst gewahrter homerischer T rcue in die Dramensprache zu übersetzen. Dies schlichte Uebersetzeu kennzeichnet Eelbos Wvrk. Ter erste Aufzug fasst den 13.—16. Gesang zusammen und spielt im Vorhof der Behausung des Eumaios. Tie vier weiteren Akte haben als Schauplatz die Vorhalle des Saales in Odysseus' Hause. Die aristotelische Forderung der Einheit der Handlung ist dadurch auf die denkbar einfachste Art erfüllt: auch das stetige Fortschreiten der Handlungsstufen wird nur hin und wieder durch entbehrliche Längen (z. B in den Szenen mit Melantho und Medon im vierten und fünften Akt) unterbrochen. Die Darstellung brachte den Nachweis für die steigende künstlerische ^'ffähigung des Schauspiels an unserem Hoftheater. Tie feinfifl " t Spielleitung Waldemar Jürgens stellt Anforderungen, denen die Künstler gern folgen. So war auch diesmal der Rahmen mit dem Gesamtbilde zur Einheit verschmolzen Herr I l l i g e r gab dem Odysseus die nötige Kraft. Frl. Achter- b e r g gestaltete die Penelopeia mit Hoheit und Würde. Hans Fritz Gerhard war ein trefflicher Eumaios und Frau v. S p i n g e r erne ganz glaubhafte Euricleia. Das leider ziemlich lückenhaft besetzte Haus spendete willig Beifall nach jedem Aktschluss und rief den Dichter nach dem dritten Aufzuge, wo (nach dem Höhepunkt der Spannung) die Wirkung stark nachzitterte. Der Dichter darf mit dem Erfolg zufrieden sein. — Die Schorn st ein Heizanlagen der alten Römer. Die rafftniert auf gleichmäßige Durchwärmung der Wvhn- und Badehäuser bedachten römischen Heizanlagen, btc zugleich die Unterlage für eine automatisch fortwirkende Lüftungseinrichtung darstellten, verlockten schon Winckelmann zu der Bemerkung, „daß die wohlhabenderen Leute unter den Alten besser gegen Kälte verwahrt waren, als wir." Ter eigentliche Anlass für die erstaunliche Verfeinerung der Heiztechnik und die sorgfältige Anpassung an die Bedürfnisse verwöhnter frierender Menschen war wohl die römische Badekulttir, die einen nicht geringen Brnchteil des Tages im (Leben des vornehmen Mannestnausftlllte. Die am Bau der großen Thermen gewonnenen Erfahrungen wurden natürlich auch für die Wohnhäuser und Villen benutzt, die in den nordischer Pvovinzen in Deutschland und Frankreich dadurch erst zum behaglichen Wohnsitz wurden. Außer in Rom und dem übrigen Italien sind Ueberixiste derartiger Heizeinrichtungen bei Badenwciler, Oehringen, Lichtenberg, Zwei brücken, in Mainz, in Metz und im Odenwalde gefunden worden, die im Grunde alle auf dasselbe System zurückgehen. Unter den Wohnräumen im Kellergeschoß ist aus Ziegelpfeilern und daranfgelegten Ziegelplatten ein niedriger, kaum 3 A Meter hoher Raum geschaffen worden, das Hypokaustum, aus dessen lose gefügter Decke, dem sog. „Heizboden", eine grosse Anzahl viereckiger Röhren starren, :rm die durch einen seitliche wagerechten Schacht von einem riesigen Feuerherd zu strömende Hitze aufzuschlucken. Von hier wird die Wärrne unter den Fuschöden der Zimmer hinweg' innerhalb der Mauern bis in das nächst höl)ere Stockwerk geführt, um dort von aus Ton gebrannten Löwenköpfen ausgehaucht zu werden. In Bädern war das Hypokaustum die Wärmezentrale, die gemäss den Zwecken der einzelnen Räume in wohlbedacksten Llbstufungen die nötige Wärme znströmen ließ. Bei den besonders heiss gehaltenen Räumen, wie dem Heißzimmcr, das die Badenden in Schweiss bringen sollte, fand die Zuführung frischer Luft, wie Badermann im „Prometheus" auseinandersetzt, aus Umwegen zugleich in Verbindung! mit einer, Vorwärmung derart statt, daß ein „Zug" ausgeschlossen war und Erkälttrnyen vermieden wurden. Besonders glücklich erscheint in diesem Zusammenhang der Abzug der verbrauchten Luft durch die folgende wirksame Vorrichtung: Tie Heizrohren bestanden aus doppelwandigen Kacheln, so daß in einem Rohr zwei unabhängige Luft- bezw. Herzgase- sührungen vorhanden waren. Tie engere dieser Führungen, die Oeffnungen nach den Zimmern besaß, ragte oben beim Dache of^r in das Freie, war jedoch gegen die sehr warmen Heizräume im Keller abgeschlossen, ein Zug nach oben war daher unmöglich. Es stand also einem langsamen Emdringen von frischer Luft in die Zimmer nichts im Wege, wobei zugleich durch die anliegende zweite Röhre, in der die Rauchgase ausstiegen, eine geringe Vorwärmung erfolgte. Das Eindringen von ftischer Luft konnte durch dieses System gleich,näßig und für die Bewohner unmerklich geschehen, ohne dass aber dadurch eine Verschwendung von Wärme nötig geworden wäre. Frankfurt a. M., 26. Okt. Bo ehle-A usstellun g. Zur Erinnerung an Fritz Boehle veranstaltet der Kunstverein von Mitte November an eine Boehle-Gedächtnisausstel- lung von Originalen des grossen Meisters, Me Schlacht von Verdun. Dritter Abschnitt. 6 Auf dem Ostufer ftxmm nach Erreichung der allgemeinen, Jßütie Bücheraumlle—Douaumont die Operationen zu einvn längeren Stillstände gekommen. Der starke französische Gegendruck und die Flankierung dom linken Maasufer her ließen ein lveiteces Vordringen der östlichen Angriffsgruppe vorllürsig nicht angezeigt erscheinen. Tabec mußten wir uns gleichwohl darüber klar sein »aß w»r den Besitz von Douaumont dauernd nur würden behaupten können, wenn es uns gelänge: erstens das Fort Faux, das wir uach dem ersten Anlaufe wieder l-atten aufgeben müssen, fest in untere Hand zu bekommen und zweiteirs auch darüber hinaus unsere ge,amte —nne noch weiter gegen Südwesten und Süden vorzutragen Gegen Ende März gingen wir also auch hier wieder MNl Angriff über, der uns am 27. das Werk Hardaumont und in den nächten Wochen bis Mitte April kleinere Geländegewinne brachte- Am 17. April führte dieser Gefechtsabschnitt zur Ein- ,«chme einer Bergnase, welche südlich des Forts Douaumont sich hdht und durch ihre überhöhende Lage unseren Stellungen westkch und nordioestl'ch bcä Forts sehr unbequem gewesen Mi. - trüt ^chts des Flusses wieder eine Ruhepause von rcsfrc nat ern. Die Gcschützkämpfe gegen die schwer zu fas- Unterstände sowie gegen die erheblich vermehrte fevwnkue chrttllene dauerten aber auch hier mit unverminderter Heftigkeit sorr und stellten an unsere Angrifssarttllerie große Anforderungen. c erfolgreiche Fortschrcitcn unserer Angriffe Silr*]? Östlichen lllfer bcwvg die Franzosen zu einem verzweifelten göf* 0 *' d«i Schwerpunkt der Kämpfe wiederum auf das rechte Muasuier lnnüberzureißen. Voyr 17. Mai ab setzte schweres Artil- leriefeuer auf das Fort Douaumont ein, an dessen Wiedergewin- mnig die Franzosen in vollkommen richtiger Würdigung seiner bervorragerwen Bedeutung für die Verteidigung ihre beste Kraft folgte in den nächsten Tagen ein schwerer und crsolg- vacher Angriff auf das Fort, der am 23. Mai zur völligen Ver- des .vorts führte und bits in die N>estlichen Fortgräben und m dre 'Nordwestspitze des Forts gelangte. Aber schon setzte Unser Gegenangriff ein. Am 24. und 25. Mai mmn* die Franzosen eine schwere Niederlage. Unser Angriff ge- v«rru unö die ganze verloren gegangene Linie zurück und streß ssgar noch wert über sie hinaus nach Süden vor. Am 1. Juni der Eailette-Mald gestürmt, am 2. fiel das Fort Vaux in unsere Hand. Nur in den Hohlränmen konnte sich der Feind noch bis zum 7. Juni halten. Eine weitere große Gruppe von Angriffskämpfen setzte bereits am 8. Juni ein. Sie brachte uns einen erheblichen Bodengewinn südlich des Forts Douaumont. Die Hauptpunkte, welche dabei in unsere Hand fielen, sind das Thian mont-Werk und das für die Ges'amtlage allerdings nicht bedeutungsvolle Dorf Fleury, welche smnt den zwischen liegenden Befestigungsanlagen auf dem Berg- Acken „Kalte Erde" am 23. Juni genommen wurden. Gegen diesen Geländegewinn auf dem Ostufer richtete der Feind seitdem eine große Reihe heftigster Gegenangriffe bei Tag und Nächst, die den Peginn der Somme-Offensive überdauerten und mit wech- sckndem Erfolge noch immer im Gange sind. Im Verlaufe dieser Kämpfe ist das Dorf Fleury wieder anfgegeben worden. 7. So hat unsere Frühjahrsoffensrve bei Verdun uns einen uahmhaften Geländegewinn eingetragen und unsere Angriffsfront in einer zusammenhängenden Linie bis ttef in das System der permanenten Befestigungen des Eckpfeilers der französischen Lan -esVerteidigungslinie hineinvcrlegt. Die. Franzosen sind bemüht, falte Verteidigung Verduns, so weit von einer solchen bei dem verlorenen Nord-Ost-Sektor der Festung die Rede sein kann, als eine kriegerische Leistung allerersten Ranges hinMstellen und sie rühmen dabei die Energie der Führung und die Tapferkeit ihrer Truppen. Gerade dadurch unterstreichen sic aber die volle Größe der deutschen Angriffsleistun- qeu. Der Sieg wurde von den deutschen Truppen erkämpft gegen emen Feind, der alle Vorteile der systematisch ausgebauten Tauer befestignnq für sich geltend machen konnte, während für den An greiser sich der Zwang ergab, jeden Fußbreit Bodens nicht nur zu erobern. sondern auch Gn als Grundlage weiterer Angriffstätigkeit «Kzubauen und insbesondere für das schwere Geschütz die nötigen Anmarschwege und Stützpunkte im seiirdlichen Feuer zu schaffen. Was dabei unsere Truppen an frischem Draufgängertum, an Mhem Festhalten des Errungenen, an freudigem - Ertragen uner- nfttier Strapazen und Schrecknisse aller Art und an nie versagender Angriffsfreudigkeit geboten haben, steht auf der höchsten Höhe dtS Heldentums. Ter Gewinn, den sie dadurch erkämpften, ist beträchtlich: Wir haben Einblick in das Becken von Verdun, in die Stadt, auf die Maasbrücken und die Bahnlinien und können alle diese Punkte unter wirksamstes Feuer nehmen. Damit ist Verduns Wert als Eckpfeller der französischen Landesbefeftigung zwar noch nicht völlig beseitigt, aber stark vermindert, seine Bedeutung als Brückenkopf Und Aufmarschgelände für einen Angriff aber schon völlig ansgeschaltet. Norwegens Ausreden. Recht lange haben die Ministerberatungen in .Kristiania Aedauert. die sich mit der Antwort an Deutschland beschäftigten. Man hat offenbar doch Angst vor dem eigenen Mut bekommen, zumal dieser Mut nicht ganz echt und urwüchsig, s-irdern durch englische Stärkungsmittel entflammt war. Den norwegischen Ministern ist vielleicht unterdessen eingefallen, daß sie ja erst ganz kürzlich in ihrer Landeshaupt- wlbt ein Schriftstück unterschrieben hatten, worin sich alle btei nordischen Staaten verpflichteten, bei einer loyalen und nnparteiischen Neutralität zu verharren. Kurz darauf Norwegen seine Königliche Verordnung gegen die U- Boote losgelassen, die Deutschland als unfreundlichen Akt ansieht. Ein unfreundlicher Akt ist keine unparteiische Neutralität. Es gilt also, zu beweisen, daß wirklich kein unfreundlicher Akt vorliege. Schwer genug muß den norwegischen Ministern diese „Beweisführung" gefallen sein, das sieht man deutlich an dem politischen Feldzug, den die offiziöse und halböffiziöse Presse Kristianias zur Vorbereitung der amtlichen Antwortnote unternehmen mußte. So müht sich der Anteiligenzsedlor" im Schweiße seines Angesichts ab, das norwegische U-Boot-Verbot als übereiu- Armmend mit der Haager Konvention hinzustellen. Norwegen könne sich zwar nicht auf eine Neutralitätsverletzung seines Seegebiets berufen (was die Haager Konvention verlangt', aber dafür berufe es sich auf eine solche Schwedens. Die „Erfahrung" Schwedens sei mitwirkend für Norwegen. Im übrigen sei — wo bleibt die Logik? — eine Neutralitätsverletzung von seiten kriegführender U-Boote auf rnnmiegischem Seegebiet vorgekommeu, aber es seien keine Deutschen gewesen. Damit wird also zugegeben, daß das Verbot sich eigentlich nur gegen Deutschland richtet, wenn auch andere kriegführende Staaten „schuld" seien. Man sieht, es klafft immer wieder eine Lücke in diesem merkwürdigen „Beweis". Die Verletzungen des norwegischen Seegebiets durch U-Boote der Entente mögen sehr wohl vorgefallen sein. Die Regierung von Kristiania hat früher nie etwas davon verlauten lassen. Warum hat sie dem: damals nicht mit einem U-Boot-Verbot, bezw. auch nur mit einem Protest geantwortet? Warn in war alles gut und schön, solange die norwegische Schisfahrt Millionen und Abermitlionen durch Beförderung von Banngut für den Vierverband verdiente? Solange dieser Verkehr ungehindert vor sich ging, solange die Reeder in Gold Wwammen, rnch such Norwegen vergnügt die Hände. Kaum begannen tue deutschen U-Boote dem Banngut auf den Leib zu rutten, da fallt es der Regierung von .Kristiania ein, daß man sich auf Schweden und auf Seerechtsverletzungen der lsegner Deutschlands berufen könne, um die Haager Konven- twn gegen Deutschland zu drehen. Nicht weg zu diskutieren ^man sich in Kristiania damit abquälen mag, .-Ä'OEye, daß das norwegische Verbot in zeitlicher und sklavischer Folge aus dre englische Note hin erging, die von den Neutralen den Ausschluß bezw. die Internierung der kriegsuhrenden Tauchboote verlangt. Amerika hat sich wider letzt, ^corwegen hat gekuscht. Es war eine freundliche Hand- tung gegenüber England, die weit aus dem Rahmen un- partenscher Neutralität heraustritt und seine unfreundliche Spitze direkt und allein gegen Deutschland richtet. Das kann kein norwegischer Osfiziosus, auch mit den verschlungensten Sendungen nicht, wegstreiten. Wenn das ebenfalls von der norwegischen Regierung häufig benutzte „Dagblad" behauptet, die Zustimmung des ganzen Volkes stehe hinter der Note, so wird diese Erklärung sofort dadurch Lügen gestraft, daß „Socialdemokraten" schreibt, der dreiste Schlag ans Schwert wäre besser unterblieben, denn das habe herausfordernd wirken müssen, und für das kleine Norwegen wirke es nur lächerlich, Macht gegen Macht zu setzen. Im übrigen r r? für Norwegen durch das U-Bootverbot gar nicht gebelfert worden. Es scheinen also schon weite Kreise in Nor einzusehen, daß man sich durch die Liebedienerei gegen- England in die Nesseln gesetzt hat, ohne die Störung des schonen Banngutgeschäftes zu beseitigen. Die deutschen U-Bioote fahren fort, ihre Pflicht zu tun. Sie haben die Gastlichkeit der „neutralen" norwegischen Küste zu ihren Operationen nicht nötig. Die Minister in Kristiania aber, die über Akten und Paragraphen gebeugt, eine Antwortnote an Deutschland ersinnen mußten, sind nicht zu beneiden. Sie werden von ihrem Volke bald hören müssen, daß sie mit ihrer Uiiterwerfung unter Englands Willen dem Lande einen schlechten Dienst erwiesen und eine abschüssige Bahn betreten haben, auf dem es, wie Griechenlands Schicksal zeigt, nur ein weiteres Hinabgleiten, kein Zurück mehr, gibt. Das Dorf an -er gront. Von H. Lang, z. Zt. im Felde. , Es liegt in einem sumpfigen Waldgebtet des nordöstlichen Kriegsschauplatzes. Sein Dasein verdankt es dem Stellungskrieg, uird die ungünstigen Bodenverhältnisse, die ein gedrängtes Zu lamniLnwvhnen fördern, sind ans seine Entwicklung und Ausdehnung von großem Einfluß gewesen. Anfänglich waren cs nur wenige, kümmerliche Unterstände, die den feldgrauen Bewohnern unzulänglichen Schutz und nur notdürftige Unterkunst gewährten. Aber im Verlaufe der Zeit wurhen diese weiter ausgebaut, neue kamen hinzu, uird heute .ist es ein größeres Gerne imvesen, was wir hier vorfinden. Wege und ^atege sind zweckmäßig mit Birkenstämmen eingefaßt, um einem Abirren vom Wege nachjs vorzubeugen. Diese weißschimmernden Wegemfassungen geben der eigenartigen Waldanstedlung ein beinahe festliches Gepräge. Ter uneingeweihte Beobachter könnte hier eme Art Erholungsstätte vermuten. Bei näherem Zusehen aber müßte er sich eines Anderen belehren lassen: denn hier wird unermüdlich gearbeitet. Ta werden Entwässerungsanlagen angelegt und Brücken gebaut, da müssen Wege ausgebessert und Unterstände verstärkt werden. Hier sehen wir eine verlassene „Kellerwohnung", die, einer unterirdischen Badeanstalt ähnelt, und nebenan send fleißige Hände tätig, welche den wertlos gewordenen Unterstand durch einen Neubau ersetzen. Holz ist das alleinige Baumaterial — doch der Vorrat darin ist unerschöpflich. Nicht abzuschützender Reichtum steckt in diesen großen Wäldern. Tie Grundpfeiler der erwähnten „Neubaues" sind wahre BaUmrresen, Wäirde und Decke bestehen ebenfalls aus Baumstämmen von größerem Umfans. Ju einem solchen widerstandsfähigen Unterstand fühlt man sich geborgen: denn er macht ganz den' Eindruck, als ob er noch unsere Kinder und Kindeskinder übcr-< leben sollte. Tie Dächer sind mit Moos belegt, mit Sträuchern und kleineren Bäumen bepflanzt, um feindliche Flieger zu täuschen. Tie nächste Umgebung eines jeden Unterstairdes ist mehr oder minder gepflegt: da erblicken jmr sorgsam gehegte Vorgärten, künstlich angelegte Terrassen mit wilden Pflanzen als Ziersträucher — ausgestellte Blindgänger iü verschiedenen Größen den merkwürdigen Gartenschmuck vervollständigend. Ms eine Art Sehenswürdigkeit nenne ich noch eine Granate, die sich zur Hälfte in eine Kiefer eingebohrt hat, ohne lveiteren Schaden anzurichten. Diese Kiefer steht wenige Schritte vor einem Unterstand. Durch dessen Eingang hätte das Geschoß seinen Weg genommen, wenn es von dem Baume nicht abgesangen worden wäre. So ist ein größeres Unheil verhütet worden. Diejenigen, die ein gütiges Schicksal vor dem Schlimmsten bewahrt hat, zeigen dem fremden Besucher lächelnd den „glücklichen Treffer" und blickeii zu der hohen Kiefer dankbar empor. Ueberhcmpt ist das Dorf bisher von Glück begünstigt gewesen, schwere Stürme sind schon über es hinweggebranst und in manchen Stmrden schien seine Vernichtung beschlossen zu sein. Dann ist der Aufenthalt in unserer idyllisch gelegenen Ortschaft recht ungemütlich. Aber sobald die Geschütze verstummen, sobald die Gefahr vorüber ist, sind auch, die Säwcckcn vergessen,-und das geheimnisvolle Rauschen der Baumkronen wirkt wie ein ttefes, befreiendes Aufatmen. Nachts ist das Dorf wie vom Erdboden verschwunden. Kein Lichtstrahl verrät, daß hier menschliche Wohnungen zu finden sind. Türen und Fenster sind sorgfältig abgeblendet. Nur die wegebezeichnenden Birkenstämme sürd schwach zu erkennen. Aber drinnen — in den Unterständen — tut sich eine vielfältige Welt vor uns auf. Bei Kerzenlicht und beini matten Schein selbstgefertigter, blakender Oellampen sitzen viele, ipelche Btrieffe nach dker Heimat schreiben; andere, den Kopf über die Zeitung gebeugt, verfolgen teilnahmsvoll den Gang politischer und weltgescknchtlicher Ereignisse. Auch ist die Zahl derer, die ihre freie Zeit beim Kartenspiel totschlageil, recht beträchtlich. Ta ist wieder eine Gruppe, die über den gesunden, derben Humor eines Kameraden herzlich lacht, während andere sich schon im Traumlande des Schlafes befinden. Viele aber steh«l ans Pfosten und halten treue Wacht. Ariegsbriese von der rumänischen Zront. Von unserem zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatter. (Unberschtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Rumänische Schandtaten. Deutsches Presseguurticr Südost, den 25. Oktober. In den von den rumänischen Truppen gesäuberten Gebieten werden gegenwärtig die voll diesen unmittelbar begangenen Verbrechen durch eingehende Vernehmungen und Feststellungen des Tatbestandes amtlich fcstgelegt. Tic von ungarischen Rnmäuell unter dein Schutz der rumänischcii Truppen begangenen Aus- chreitungen, Räubereien und Diebstähle kommen hierbei nicht mit in Betracht. Wenn man weiß, daß die letzteren von den Einwohnern der besetzten Gebiete immerhin als Hauptplage empfunden wurden und nun sieht, welche Niederträchtigkeiten die pilmänischen Offiziere lind Soldaten selbst sich lwben zuschulden kommen lassen, so bekvnnnt man eine Vorstellung davon, welche Zustände tvährend der Anwesenheit des Feindes in dem uiigarischen Land geherrscht haben. In der Liste der durch eidliche Zeugenaussagen festgestelltcu Verbrechen nehmen die Vergewaltiguiigeii von Frauen und Mädchen den breitesten Raum ein. Sie lassen sich geradezu serienweise, überall, wo die biumätwu gewesen sind, tlachiweisell. Eine ähnlick>e Rolle spielen die Ausräubungen von Läden und Privatwohnungen in Verbindung mit dem Wbtransport des Geraubten in Mllltar^ automobileil oder Kolonnenwageu. Eine dritte große Gruppe von Vergehen sind die Räubereien auf offener Sttaße und bie Erpressungen, die unter Androhung der Erschießung der Opfer für den Fall des Widerstandes verübt worden sind. Opfer solcher Be-- raubungen sind ^uch deutsche Krankenschwestern vom Roten, Kreuz geworden. In emer Reihe von Fällen haben denn auch schwere Mißhandlungeli in der Tat stattgesundeu. In der neuesten Zu- sammenstellunb geschieht z. B. einer Frau Kate zu Kaossalu. Erwähnung, die auf Befehl rumänischer Offiziere zu Tode geprügelt wurde, als sie sich der Wegnahme alles ihres Viehes ohne Beitrete bungsschein widersetzte. In Krooslaut und nächster Umgebung ist bisher die Ermordung von Kaufmalm Waffe, Georg Deppncr, Georg Teak nachgewiesen. Auch sie haben sich gegen Räubereien und Plünderung gewehrt. Ein besonders krasser Fall ist die Er- ickießung eines'gewissen Mihaly zu Kaossalu. Sein Vergehen bestand darin, daß er kein Rumänisch verstand und infolgedessen in dieser Sprache an ihn gerichtete Fragen nicht beantworten konnte. Die Erschießung erfolgte aus Befehl eines rumänischen .Haupt- manns. Die amtlichen Feststellungen bestätigen die hier bereits veröffentlichten Angaben über die Gebahrung der Rumänen in dem von ihnen besetzten Gebiet und bilden ein neues Schandmal de.' Kriegftihrung unserer Gebner. _ Adolf Zimmermann, .Krtegsberichterstatter. Au» Stavt und Land. Gießen, 27. Oktober 1916. ** Reiche un geerntete 93 licken fernbot rate. Wer zurzeit unsere Waldungen durchwandert, kann überall sehen, wie fleißige Sammler beschäftigt sind, den vorhandenen Segen an Bucheckern zlu bergen. Dank dem erfreulichen Eifer der Sammler sind schon recht schöne Mengen der jetzt so wertvollen Frucht gewonrren worden. Daneben sind aber den Forstbeamten noch manche Teile des Waldes bekannt, in denen reiche Bucheckernvorräte noch nngeewntet geblieben sind. Gerade hier würde bei der Mlle der vorhandenen Früchte das Sammeln lohnender und ergiebiger sein als vielleicht an anderen Stellen. Es empfiehlt sich deshalb, wenn die Sammler — besonders auch die Herren Lehrer, die mit ihren Schülern in den Wald gehen — sich zuvor von den zuständigen Forstbeamten die geeigneten Sammelorte bezeichnen lassen. Dann wird ein voller Ertrag die Mühe des Sammelns lohnen und Enttäuschungen über einen geringen Erfolg der Arbeit werden ausbleiben. ** Verwund etew-Unte^richt. Am letzten Dienstag fand der dritte Vortrag über A r b e i t s v e r s i ch e r n n g im Hörsaal der Anatomie statt, bei welcher Gelegenheit Bureaubeamter K i r ch n e r über die r e i ch s g e s e tz l i ch e K r a n k e n v e r s i ch e - x u n g sprach. Er behandelte zunächst den Kreis der versicherungs- pflichtigen Personen, um dann die freiwillige Versicherung, bezw. Weilerversicherung einer besonderen Besprechung zu unterziehen. Weiter erläuterte er die Regelleistungen der Krankenversicherung, die aus Kr a n keu h il se, Wochengeld und Sterbegeld bestehen. Tie Krankenhilse umfaßt' freie ärztliche Behandlung, Arznei und sonstige Heilmittel sowie ein Krankengeld vom 4. Tage an his zu 26 Wochen. An Stelle der Krankenhilfe kann Kur und V c r p f l e g u n g in einem Krcmkenhause treten. Das Wochengeld wird weiblichen Versicherten aus die Dauer von 8 Wochen^ wovon mindestens 6 Wochen, in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen, gewährt. An Stelle des Wochengeldes kann Kur und Verpflegung^ in einem W ö ch n e r i n n e n - A s y l bewilligt tverden. Das Sterbegeld, das beim Tode des Versicherten an die Angehörigen gezahlt toird, beträgt das sünfunbzwanzigsache des Grundlohnes. Außer diesen Regelleistungen sieht das Gesetz eine große Anzahl Mehrleistungen vor, ziuin' Beispiel erhöhtes Krankengeld, Zahlung des Krankengeldes vom ersten Tage an spwie für Swm- und Feiertage, Gewährung des Krankengeldes über die 26. Woche, freie ärztliche Behandlung sowie Sterbegeld für die 2lngehörigen der Mitglieder usw. Da die Krankenkassen mit Rücksicht aus den Kriea finanziell besonders stark in Anspruch genommeu, sind die Mchrleistungen der Krankenversicherung durch Notgesetz vom 4. August 1914 wesentlich beschränkt worden, so daß die meisten Kassen heute nur noch dte Regelleistnngen gewähren. Tie Ausführungen des Vortragender tvurden durch besondere Vorführungen (Vergrößerung von Formularen, Beitragsberechnungen usw.i entsprechend erläutert. ** Erneuerung der Bersicherungskarten. Mit Ablauf des Jahres 1916 wird die Hauptmenge der im Jahre 1912 ausgestellten Bersicherungskarten Nr. 1 mit Beitragseintragungerv gefüllt sein, so daß für die Versicherten neue Versicherimgskarlert Nr. 2 nötig werden. Wenn mm mit der Anforderung der neuen Versicheimngskarten allgemein bis znm Januar 1917 getvartetj würde, so würden die Ausgabestellen zum Teil dermaßen mit 9lr- beit überhäuft werden, daß die wünschenswerte schnelle Erledigung! der Anträge in Frage gestellt wäre. Da nun die vollen Versicherungskarten Nr. 1 dauernd in den Händen der Versicherten bleiben und für die Ausstellung der neuen Versicherungskarte nicht gebraucht werden, so ist es möglich und im Interesse der Ausgabe- 'tellen erwünscht, wenn die betr. Versicherten noch im Laufe des Jalires 1916 sich die neue Versicherungskarte Nr. 2 ausstellen lassen, während sic ihre Versicherungskarte Nr. 1 nock> weiter bis zum Ablauf des Jahres bemchem Die dazu nötigen Vordrucke zu Aufnalpne- und Versicherungskarten sind von den Ausgabestellen zu beziehen. ** Eicheln und Roßkastanien, sowie die aus diesen hergestellten Futtermittel unterliegen der Verordnun.g icher Futtermittel vom 5. Oktober 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 1108). Hiernach dürfen, wie das Kriegsernährungsamt mitteiltt Eicheln imd Roßkastanien nur durch die „Bezugsvereinignng Deutscher Landwirte G. m. b.l H." in Berlin abgesetzt werden, sie sind also dieser an- zumeldeu und mcf Verlangrm zu liefern, jedoch mit Ausnahme solcher Mengen, die zum Verbrauch im eigenen landwirtschaftlichen Betrieb oder in dem dazu gehörigen gewerblichen Nebenbetrieb erforderlich s ijn d. (§ 4 der Verordnung.) Mithin kann jeder Landwirt die selbstgcsawmelten Eicheln und Roßkastanien für den eigenen Bedarf einbehalten. Da außerdem Roßkastanien zur S p e i s e ö l g e w i >n n u.n g verwendet werden sollen, wird dio Bezirgsvereinigung Deutscher Landwirte die ihr angelieferten Mengen zunäckfft dem Kriegsausschuß für Oele und Fette zur Verfügung stellen, von diesem aber die Preßrückstände, die sich ür die Vieh- und W ildfütternng eignen, zurückerhal ten. Es ist mithin sehr erwünscht, daß Eickieln mrd Roßkastanien^ ausgiebig gesammelt werden, nicht nur im Interesse des Einzel- ämmlers für dessen eigene Wirffchaft, sondern auch im allgeiriei- nen vaterländischen Interesse. Starkenburg und Rheinhessen. ^ Mainz, 26. Okt. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wiurde über den Erlös ans der Kriegssänle mit.Genehmigung der Regierung wie folgt verfügt: Der Gesamterlös beträgt 161062,53 Mk.. davon enffällt V 3 mit 53 687,51 Ml. mit die hessische Sammlung für die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, Vs ans deirKreisvevein Mainz vom Roten Kieuz, Vs an die Stadt, davon 37 000 Mk. an die Kriegskinderfür- 'orge, 15 000 Mk. an den Wohltätigkeitsverein und der Rest an die Franenarbeitsschule. — Cs würde beschlossen, an Beamte, Bedien- ’tete und Arbeiter aus ihren Eintrag Vorschüsse bis zu 80 ?Nk. zu gewähren zur Anschaffung von Kohlen und Kartoffeln. - Als Weihnachtsgabe ffir das 18. Amreekorps liefert die Stadt als Produzentin 400 Flaschien W-ein. — Für Ansckxlffung von Grabzeichen ür gefallene Krieger wurden 16 000 Mk. bewilligt. — Für dte Erweiterung des Gastverkes wurden 1150 000 Mk bewilligt. — lieber die Nahrungsmittel-Versorgung der Stadt entstinden längere Ansftlhnlngen und wurde gewünscht, daß über dte Maßnahmen in jeder Stadtverordnetensitzung Bericht erstattet werde. Demnächst soll neben den bestehenden acht Volksküchen auch eine Küche im den Mittelstand errichtet werden. Auch die KäsekaNen komm er demnächst zur Einführung. In der nächsten Stadtvervrdnetensitzuna oll die Aussprache über dte 'Nahrungsmittelversorgung zu Ende geführt werden.