nt. 248 Zweites Blatt *66. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Beilagen: ..Sietzener KamilltnblStter" und „Xreirblatt für den Ureis Stehen". poßfche«»nto: Zrankfnrt am Main Nr. **686. Sankorrkehr: Sewerhebank Siehen. General-Anzeiger für Samstag, 2*. Dltodet \%b ZwillingSruntwruck und Verlag: Brühllche Univers-ilätS-Buch-u.StundNlckere! R. Lange, Gießest. Zchriftleituna. Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstrave?. '.ieschäfnzleite u. Verlag: «LE bl, Schriftleilung: 112. Anschrift fiir Tr^.htiMchrlchteru AnzetgerGteüen. Uriegsbriese von der rumänischen 5ront. Von Unserem zum südöstlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verbeten.) Aus den Kümpfen um Kronstadt. HI. K r o n st a d t, 13. Oktober. Ucbrigens erledigt sich die Unlerkunftsfrage für uns mit aller rmr wünschenswerten Schnelligkeit. Die Zeidener sind mit weit rve- Niger Einquartierung belegt worden, als sie cs sich gedacht hatten. Auch die deutschen Truppen sind meist draußen im Freien und am Feind geblieben. Im Ort selbst waren nur ein Stab, etliche Aerzte und Sanitätsmannschasten, sowie die Offiziere von einigen Kolonnen mit ihren Unteroffizieren und Fahrern untcrzubringen. Das war weit weniger, als die guten Leute gehofft hatten. Und sie hatten es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, einen Deutschen bei sich zu sehen. So standen, die leer ausgegangen waren, bei unserer Rückkehr noch immer am Rathaus herum und harrten auf Nach- Kügler. ,,Die Herren suchen Quartier?" fragten fünf, sech-s Stimmen zugleich. „Jawohl! Ist noch etwas zu haben?" „Bei mir ist ein gutes Bett. Belieben anzusehen!" „Ich bitte schön, bei mir! Ich habe zwei Betten! Die Herren werden sehr gut schlafen!" „Ich bitte sehr, bei mir auch! Man hat ein Zimmer ,-hergerichtet!" „Gibt es noch etwas zu essen? Wir haben Hunger." „Man wird Kaffee kochen. Mit viel können wir jetzt nicht auswarten. Es ist zu schwere Zeit! Ein schönes Schweinskarree mit Kraut ist fertig,. Man kann auch ein junges Hühndel braten. Oder auch an Eierspeis machen, wann belieben! Der Herr wird zufrieden sein. Ich bitte, mitzukommen. ..." Die unpersönliche Anrede und der häufige Gebrauch des „man" sind mundartlich. Aus der Aufzählung ging tröstlicherweise hervor, 'daß die Rumänen nicht alles ausgebraucht hatten, was an Leibes Nahrung und Notdurft in dem Ort vorhanden gewesen war. Wie -in Ungarn überhaupt, so meinen auch die Leute in Siebenbürgen, .es herrsche unerträgliche Knappheit an Lebensmitteln bei ihnen. An dem, was sie gewohnt sind, gemessen, mag das vielleicht auch zutreffen. Wenn man aus Deutschland kommt, sieht sich die Sache etwas anders an. Die Versorgung der Städte freilich, deren Einwohner geflüchtet waren und die sich jetzt langsam wieder zu beleben beginnen, macht allerdings einstweilen noch Schwierigkeiten. Es ist noch koin rechter Marsst. die große Masse der Käufer ist Noch nicht zurückgekehrt, und so lohnt es sich für die Bauern nicht, dorthin KU fahren. Immerhin: bungern muß auch dort niemand. Auf dem Lande selbst ist nach deutschen Begriffen alles da. In -Hülle und Fülle sogar. Bald war alles versorgt. Ich saß am Tisch meiner Mrttm Nebenan^ in der guten Stube mit ihren Schränken, Spiegeln, bunten Truhen und zahllosen Familienbildern harrte meiner ein wahres Paradebett. Vor mir war bereits reichlich aufgetragen, und auf dem Herde brodelte es behaglich weiter. Es war ein Krüegs- idyll, wie ich es noch nicht erlebt habe. Meine Wirtin besorgte das Kochen und führte zu gleicher Zeit die Unterhaltung. Ihr Mann war ihn Kriege wie die der meisten Frauen im Dorfe. Der Aelteste auch. Seit Monaten hatte sie nichts von ihnen gehört. Der zweite, ein sec^ehnjähriger prächtiger Bengel und seine zwei Schwestern festen vor mir und beobachteten mich stumm mit gespannter Aufmerksamkeit. Eine Nachbarin erschien, dann eine zweite. Sie kamen auf Besuch, sagten „Guten Abend" und nichts sonst, nahmen mir gegenüber Platz uiid sahen mir ebenfalls lautlos zu. Die eine war eure ungemein runzlige Siebzigerin, die andere im Alter meiner Wirtin. Alles große Personen mit harten, strengen Zügen. Lange ging das Gespräch nur zwischen der Bäuerin und mir hin und her. Ich war erstaunt über die taktvolle, zurückhaltende Art. in der sie sich nach meinen persönlichen Verhältnissen erkundigte. Die Uebersichtlichkeit, mit der sie mir das Treiben der Rumänen während ihrer Anwesenheit schilderte und — die finstere Feindschaft, die in ihren Worten war, als sie auf die heimischcm Walachen zu sprechen kam und die Spitzbübereien, die sie sich unter dem Schutz ihrer' Landsleute gestattet hatten. Man merkte, aus der Frau redete der Zorn der jüngsten Tage. Die alte Dame mischte sich übrigens jetzt ins Gespräch. 1 „Alles haben sie ausgeräubert!" rief sie voll Erbitterung Dann schwieg sie wieder. Erst als die Hausfrau erzählte, wie sie ihren zweiten Sohn die ganzen fünf Wochen seit Ankunft des Fenides hätten versteckt halten müssen, weil der ihn sonst, wie alle iungen Leutej. die er erwischen konnte, fortgeschleppt hätte, meldete sie sich abermals zum Wort. „Sie hätten ihn sonst auch «och geräubert!" erläuterte sie. Schließlich wurde auch die dritte Frau noch lebendig. Das war, als die Bäuerin mir einen rein politischen Vortrag zu halten begann. Mit heiligem Eifer fiel sie auf einmal ein. Und mit erstaunlichem Eifer waren von da an beide Frauen bemüht, mich über die Verhältnisse ihres geliebten Sachsenvolkes aufzuklären. seine Geschichte, seine Beziehungen zu den Rumänen, die „die schöne Transsplvania" halt gar zu gern haben möchten.... „Alles wollen sie auSräubern!" unterbrach sie die Alte. Und wie Gott die Sachsen nicht zugrunde gehen lassen werde, nur er sie so lange erhalten habe und wie auch der Gustav Adolf- Verein ihre stärkste Hilfe — „Jeder Sachse ist Mitglied!" — noch da sei, und wie sie den Deutschen aus dem Reich es nie vergessen würden, daß sie ihnen in ihrer Not zu Hilfe gekommen.* Beide Frauen wurden zu ausgesprochenen Agitatorinnen, als sie so sprachen. Es war erstäunlich. wie sie il?ren Stoff beherrschten. Beide entwickelten eine Menge politisches Temperament von aus- gesprocl>en sächsisch-nationaler Richtung, ohne irgendeine Spur etlva im Hintergrund lauernder sozialer Verbitterung. So etwas ist außerordentlich selten bei uns in Deutschland, bei den Männern schon und erst recht bei den Frauen. Bei den Siebenbürger Sachsen ist das Vorhandensein von abwechlusttgem nationalen Empfinden, vvn Juteresse für Politik, ja von ausgesprochenstem politischen Verständnis einfach die Regel. Jeder Sachse ist Politiker. Jeder arbeitet aus allen Kräften mit an der Behauptung seines Völkchens und an der Wahrung seiner Stellung und Rechte. Der Un- schied zwischen ihnen und uns ist leicht erklärt. Seit dem 13. Jahrhundert sitzt der Hauptstamm der Siebenbürger Sachsen aus seiner Scholle, weiß er sie gegenüber jedem Angriff zu behaupten. Für ihn hat es keine der großen Umwälzungen gegeben, wie sie eine geschlossene und einheitliche Entwicklung unseres Volkes, die Verfolgung klarer natiomiler Ziele bei ihm immer wieder verhindert habest. Bei den Siebenbürger Sachsen des alten Königsbodens hat es keine Vielstaaterei gegeben, kein dem Ausland versipptes und von ihm gesellschaftlich und materiell abhängiges Duodezfürstentum: der Bauernkrieg, der Dreißigjährige Krieg, die Pest der Hofsitten des Sonnenkönigstums. die französische Revolution, die Kriege des napoleonischen Zeitalters haben ihr Land nicht oder wenigstens nicht wesentlich in Mitleidenschaft gezogen, und wo sie sich ihrer Haut haben wehren müssen, war der Angriff nicht so übermächtig, mehr zu bewirken, als eine neue Schaffung ihrer Widerstandskraft. So ist dem Sachsentum der Segen einer einheitlichen eigenen Entwicklung geworden, so fußt es auf einer geschlossenen Vergangenheit, ist es unter den deutschen Stämmen dasselbe, was Rothenburg ob der Tauber, Nürnberg, Lübeck, auch Danzig in ihrem Straßenbild unter den deutschen Städten sind, so hat es, bei all seiner .Kleinheit, Art, Ansprüche und Selbstbewußtsein eines alten, vornehmen Volkes, wie wir Deutschen im allgemeinen sic, nwnigstens im Frieden, — sagen wir, nicht immer haben. Wahrhaftig, es hat sich gelohnt, zu seiner Befreiung die Schlachten von Hermannstadt und von Kronstadt zu schlagen — schon um bet Gesamttnteressen des Deutschtums willen. Beim Auseinandergehen wendet sich eines der Mädchen, eine Dauerndirne von 13 Jahren, mit einer Frage an mich, die, wie ich ihr angemerkt habe, sie schon lange beschäftigt. „Sie sind also auch auS Deutschland? Sie selbst? Und nicht au- Wie«? Das ist doch aber so weit!" meint sie naiv. „Gewiß, mein Kind! Möchtest Du nach Deutschland «it- kommen?" Sie schüttelt den Kopf. „Warnvu orftht?" „Ich will nicht fort aus Siebenbürgen!" ' * Sie wollen alle .nicht fort aus Siebenbürgen. Sie lieben ihr Land als ihr Bestes, von Kindheit an und wollen sich, soweit es an ihnen liegt, dort behaupten, koste cs, was cs wolle. Soweit ich Gelegenheit hatte, es zu beobachten, klagt niemand über den Schaden, den ihnen der Rumäneneiusall verursacht hat. Auch dort nicht, wo er beträchtlich ist. Aber sie ballen die Fäuste. * Als ich am andern Morgen aufbreche, wird jede Entschädigung für, Unterkunft und Verpflegung mit Nachdruck zurückgewicsem „Die Deutschen haben so viel für uns getan, daß es eine Schande wäre, wenn wir uns für das bißchen Essen bezahlen lassen Wollten. Wir bitten den Herrn, das nicht zu verlangen." Nun denn, schönsten Dank und Heil! Das Auto jagt lstnaus in die Morgenfrische. Ein Buftard um den anderen streicht, mürrisch ob der frühen Störung, von den Obstbäumen am Wege, auf denen er genächtigt. ab. Wir nehmen, mit cmcm : kleinen Umweg nach Norden, Kurs auf Kronstadt, wollen sehen, wie weit wir kommen und auf jeden Fall beim Einzug dabei sein. Niemand vvn uns zweifelt, daß der unmittelbar bevorsteht. Wenn er nur nicht etwa bereits vorüber ist! Doch es ist ja noch früh am Tage! Wunderbare Berge ringsum, pralle Sonne und herrlicher Sonntagsfrieden. Kein Laut ist zu hören, kein Mensch weithin zu sehen, vor a(kn Tin... inn Soldat. Nichts, was an den Krieg gemahnte.-Da platzt, kurz ehe wir den Burzenbach überschreiten — einen Wildbach, der aus dem Fogaras-Gebirge kommt und dem Burzenland seinen Namen gibt — ein Reifen unseres Autos. Gleichzeitig beginnt es unmittelbar vor uns nun doch schon wieder zu plänkeln. Also immer noch Widerstand. Wird aber kaum viel zu bedeuten haben. Aber das Jnfanteriefeuer nimmt zwar langsam, doch merklich zu. Eine Offizierspatrouille trabt an uns vorüber. Ihr Führer ist entschlossen, womöglich als Erster in die Stadt hinemzukommen. „Gaw, so weit scheint es doch aber noch nicht zu sein!" wird ihm entgegengehalten. Er lächelt überlegen. „Werden toir schon machen. Drüben bei Petersburg stehen noch ein paar Rumänen. Geniert aber icicht weiter!" Und die Reitersleute verschwinden. Ein Maschinengewehr beginnt zu hämmern. Da, meldet sich auf einmal auch unsere ungarische Batterie drüben bei Weidenbach, die wir schon fast vergessen hatten. Und wieder schießt sie ihre aufgeregten, bellenden Gruppen. Auch anderwärts hört man Artillerieseuer. Das Jnsantcriefeuer vor uns nimmt gemach recht anständigen Umfang an. . Das alles ist der Beginn der Sonnlagsschlacht von Kronstadt. Sie führt, nicht ohne heißes Ringen, zum endgültigen Rückzug des Gegners. Doch erst am Montag morgen wird dessen Nachhut aus der Stadt selbst verdrängt. Für heute ist es noch nichts mit dem Einzug. Auch unsere Offizierspatrouille hat wohl, wie ich fürchte, in ihrem Einreiten ein Haar gefunden. Unser, Fahrer liegt aus dem Bauch und richtet sich offenbar auf eine längere .Kur an seinem Wägelchen eiii. Wir beschließen, zu Fuß,bis zum Burzenbach vorzugehen. Und gewinnen damit einen Aussichtspunkt, wie er sich uns nicht so leicht wieder zur Beobachtung eines Zusammenstoßes von der Bedeutung dessen bieten wird, der^ soeben als Fortsetzung der Kümpfe von gestern abend seinen Anfang genommen hat. Die Rumänen sind keineswegs abgezogen, wie, unser Optimismus cs erwartet hatte, oder viel mehr, was wahrscheinlicher ist, sie haben, soweit sie bereits auf dem Rückzug gewesen sein sollten, vielleicht nach dem Eintreffen von Verstärkungen zu neuem Widerstand Kehrt gemacht. Adolf Zimm ermann, Kriegsberichterstatter. Die Liebe Michelangelos und der Viktoria Lolomra - eine Legende. Der vielbehandelten Gestalt der Vittoria Eolonna hat ein schweizer Forscher, Professor Johann P. Wyß, ein neues, bei Huber & Co. in Frauenfeld erschienenes Buch gewidmet, das duvch die unerschrockene Kritik, mit der es der Ueberlieserung über die berühmte Frau zu Leibe geht, auf viele Seiten ihres Lebens und Schaffens neues Licht wirft. Dazu gehört auch die Frage der Beziehungen, die die hochsinnige und geistvolle Frau mit Michelangelo verbunden haben. Nach Wyß hat man in dieser vielgerühmten „Liebe zweier gottbegnadeter Künstler" nur eine Legende, zu erblicken. Ihre Bekanntschaft begann mit einem Atelicrbefuclfe, -den Vittoria dem Meister abstattetc. Wenn Wyß meint, daß der „Florentiner Bürgersmann mit aristokrattschen Ansprüchen sich .ungeheuer geschmeichelt gefühlt habe", als ihm die Fürstin Eolonna D'Ävalos diese außergewöhnliche Ehre erwies, so dürste er dew Charakter Michelangelos doch verkennen. Michelangelo ivar nicht wie er meint, ein „Bourgeois", sondern der erste Vertreter deS modernen Typs des von: Souveränitätsgcsühle des Genies ganz erfüllten Künstlers, der sich, in diesem Gefühle allen Großen der Welt als ebenbürtig empfand. Bittoria zog den Meister zu religiösen Besprechungen heran und versuchte in ihrem tiefen und ernsten re formal arischen Eifer seine religiösen Anschauungen umzugcstoltcn Wyß weist darauf bin, daß vvn der Bekanntschaft mit Bittoria . Eolonna an sich in Michelangelos Kunst der Inhalt ändert. An die stelle der Darstellung der Schrecken des kommenden Gerichts tritt das Symbol unh die Synthese des christlichen Glaubens) das Kreuz. Tie Spuren des religiösen Einflusses Vittorias sind auch m Michelangelos Gedichten deutlich. Bisher war sein Dogma gewesen, daß des Künstlers Werk in Ewigkeit bestehe. 2lder Vittoria 'ttvjstte an fern Gewissen: „So groß ist der Ruhm, den Eure Kunst Vwch verleiht, daß Ihr vielleicht nie aeglaübt hättet, auch er nmroe mit der Zeit oder aus einem anderen Grunde verblassen- w ?^rH^ kam jenes himmlische Licht, das Euch gezeigt cr auch dauern mag. doch einen ?® b Aerdet- Es scheint, daß Michalangelo in dieser Eunlune Vittorias unterlag. Er bittet in seinen , btc - Frau, fte möge ihni helfen, sich von btn reinigen: er breitet feilte Seele vor ihr aus, er läßt und Glauben anleiten. Nun schkäßt er in Gedichten freilich noch eine andere Seite an: fte «ethalten eine gwße Anzahl von Huldigungen, die auf Licche zu deirt«r schleinen und auch als solche gedeutet worden sind. Wyß will in 'diesen Madrigalen nicht mehr als Reimübungen sehen, wie sie die damalige literarisch^gesellschustliche Mode zu Ehren vornehmer und verehrter Frauen empfahl. In interessanter Weise stellt er fest, datz manche dieser Gedichte kunstgerechte Uebungen über Sonette Petrarcas, über Verse aus diesem Und aus Tante sind, und daß viele der Huldigungen, die Michelangelo Vittoria Eolonna darbrmgt, als literarische Klischees der Zeit zu beurteilen sind. Ncan muß frch vergegenwärtigen, daß die Liebe in der Gesellschaft des Eiliguee-ento ein anerkannter und beliebter Unterhaltimgs- und Litera tu rstosf war: man nahm sie in platonischem Sinne, man erörterte fie in gebildeten Kreisen, man übte sie unaufhörlich, 'das Viotrv in dichterische Form abzuwandeln. IN diesem Geiste hat aucti Vittorm selbst in ihrer ersten Schafsensperiode gedichtet — jetzt, durch schwere Erlebnisse und religiöse Erfahrungen tief um- geitjaubfU, sie diesen Geschmack ihrer Frühzeit längst verlassen. Als nun Michelangelo sich verpflichtet meinte, seiner Freundin in diesem Litevattirstile dichterisch zu huldigen, da konnte ihr das keineswegs willkommen sein. Sie hoffte vielniehr, Michelangelo würde diese Eitelkeiten bald ablegen. nrrd gab ihm in einem Briefe einen deutlichen Wink. „Ich habe Euerli Brief nicht früher beantwortet, weil er sozlrsagen eine Antwort auf meinen gewesen ist: ajiich dachte ich. daß, wenn wir beide, Ihr imd ich, mit dem Schreiben so fortfahren, wie es meine Pflicht und Eure Höflichkeit verlangen, so werde ich hier die Kapelle her heiligen Katharina versäumen müssen, olme mich zu den festgesetzten Stunden in Gesellschaft dieser frommen Schwestern einzufinden: und Ihr mutztet die Kapelle des heiligen Paulus lassen, ohne Euch dory einzufinden und vom Morgen vor Tagesanbruch an den ganKen Tag über süßes Zwiegespräch mit Euren Malereien zu lfalten. . . . und so werden wir beide fehlen: ich gegen die Bräute, Ihr gegen den Stellvertreter Christi. Darum, im Bewußtsein Eurer ständigen Freundschaft und unserer ganz zuverlässigen, von christlichnn Liebesknvten umschlungener Zuneigung, dünkt es mich unnöttg, mit meinen Briefen das Zeugnis von Eueren aus-uwirken, vielniehr mit gesammelteni Gemüte eine substantielle Gelegenheit, Euch zu dienen, abzuwarten." Das heißt, wie Wyß betont: wenn Ihr nnr eine Freude machen wollt, so verwendet alle Eure Kraft aus hw Bekehrungsszene des Apostels Pmrlus in der paiiliniselMi Kapelle. Die weltliclx Eitelkeit Eurer Gedichte, die Ihr mir mit lruren Briefe« .zusendet, werchen mir fehte Freude und ich will «rii ihnen v»n dem steilen Yfade nach me in e m S«le«heile «Wenfen lassen. scheint diese Warnung v'/rftanden - Ein Brief aus New Iforf, aus dem einiges Interessante und Neue zu entnehmen ist, wird uns aus unserem Leserkreise Kur Verfügung gestellt, und wir wollen die in Frage kommenden Stellen hier wiedergeben. Qm Brief ist aus New Port voni 2. August 1916 datiert, jedoch erst am 17. Oktober hier in Gießen ausgetragen worden: New York, 2. August 1916. Morgen geht endlich wieder ein Diampfer, welcher deutsche Post mitnimmt, daher muß ich rakfy beeilen, daß diese Zeilen noch mitkommni. Ob sie in Dei«e Hände gelangen, rorrd Englano entscheiden, vor dem! ja weoer Geschiiftsbrief noch Privatbistef sicher sind. Gestern ging die „Deutschland" «wieder ab: das ivar einü Ueberraschung, als dieses Wundersckfisf hier ankam. Tie „Bremen" wird nun auch erwartet! Der liebe Gott müge die beiden Schifte vor ben Klauen der Engländer beschützen, denn diese liegen hier, außerhalb der Dvei-Meilen-Grenze auf der Lauer, icmi sie abtzw» fangen! In der Nacht von Samstag auf Sonntag (30. Juli) wurden wir um 2 Uhr höchst Unsanft aus dem Schlafe geweckt und zivar seurch zwei furchtbare Explosionen von KriegsmUnitio», welche nickt weit Vvn New York aufgespeichert lag, um! nach England verschickt zu werden. Wir dachten, ver jüngste Tag sei angebrochen, so fürchterlich war das Getöse; alles lief auf die Straße, Fensterscheibe ftelen und barsten, es war furchtbar. Als wir endlich wußten, was eigentlich tos war, freuten wir uns riesig, „denn es war so gut wie eine gewonnene Schlacht für Deutschland". Ganze Warenhäuser mit Nahrungsmitteln verbrannten! Dreißigtairsend Tonnen Zucker bremren jetzt noch! Altes für England Und deren Verbündete bestimmt! Es wird eine Genugtuung für Deutschland sein, w-enn es dort bekannt roird. Eine eigenarttge Erscheinung bietet das nahe Herankommen von Unsummen von Haifischen ans Ufer, was früher nie der Fall war. Viele Menschen sind schon beim Baden überrascht, getötet oder verstümmelt worden. Tie Badeplätze am Meer sind verödet. Niemand kann sich dieses nahe Herankommen der Tiere in solchen Mengen erklären. Nicht wahr, es steht in Deutschland noch gut mit Lebensmitteln!? Man möchte uns hier gerne glauben machen, daß Deutschund sich der Bitte der hohen Frau gefügt zu haben. Nach 1542 versiegt des Meifters dichterische Ader, was die Verherrlichnng! Bittoria -Colonnas anlangt, bis kurz vor ihrem Tode. Da hat er noch einige Gedichte über sie an Freurche gesandt, darunter eines das kurz vor Vittorias Hingang, zur Zeit, als sie bereits krank darnieder lag, entstanden ist. Llber wir wissen jetzt, daß er in den letzten Stunden Vittorias nicht bei ihr weilte. Tie Beziehungen der beiden seltenen Geister saßt Wyß mit einer Eit schieden hoch die freilich auch den Widerspruch her aus fordert, in den Worteni zusammen: „Vittoria Eolonna wollte aus Michelangelo einen wahrhaften Christeii machen und seine Kunst in den Dienst der religiösen Erneuerung stellen. Des Künstlers übergroße Eitelkeit verhinderte das erste; die Inquisition zerstörte Vittorias Pl-äno Taher brauchte sie den Meister nicht mchr und zog sich nach 1542 von ihm zurück." ™ rkT die Schicksale des Platins. Anläßlich der Goldsammlung ist es nur billig, sich des,en zu erinnern, daß cs beute bereits em Metall gwt, das noch wertvoller ist, als das Gold uhw es an Sckfatzungsioert wohl immer mehr übertresfen wird nämlich tms Platm. Tie Geschichte dieses Metalls, vori dem im Verhältnis zum Gold ziemlich wenig gesprochen wird, ist sehr launenhaft und sonderbar. . Noch vor zwn Jahrzehnten j^rbe das beute )o begehrte Plattn in den südamerikamwnen Staaten nicht Pur wmiig geschätzt, sondern sogar von der spanischen Regierung getan. Damals benützten- nämlich viele Leiite f -^tiN' das noch knne allgemeine Wertung erlangt hatte, um b schrieb die Regierung, um diesen Gvldfabriken ein Ende zu machen, vor, daß alles Platin, dav gefunden württz:, sofort m den nächsten Fluß zu wwrfm sei Heute wäre wohl em umgekehrtes Verfahren — nämlich die Hm- Ü!? U S? . dlattns aus Gold — .einträglicher, denn was vor 20 Jahren m die südamerikanischen Flüsse geworfen wurde wird gegenwärtig fast nnt fünffachem Goldgewicht ausgewogen. In Rußland kostete das Plattn im Jahre J8-30 noch sehr wenig- em Kilo des gereinigten Metalls war bereits für 1000 Frs. im ^^Ä^^^daben, 1897 und 1898 stieg es aber bereits auf 2000 und 3000 Frs.. um endlich den Goldkurs zu übersteigen. 1912 hatte dieser Preis sich in New Dorf sckwn wieder verdoppelt und manchmal verdreifacht- Während des Krieges ist das Plattn wieder um das Doppelte gesttegen. Es ist also falsch, in Sprichwörtern und vergleichenden .ftebetowtmwn zu sagen, etwas sei kostbar wie Gold, wenn m«m damit den Begriff des höchsten Wertes au^drücken will. fort» rtm Veafongern fei! Manches jwirt» ja allerdings fn-app inerten; mich fann man auf feine Art von hier etwas an Euch «plansten lassen. England stiehlt alles!" — Tie Vergeltung irtrb hoffentlich nicht ans bleiben. ^. Sitzung der Großßerzoalichen Handelskammer ließen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lanterbach. Gießen, den 18. Oktober 1916. Anwesend sind die Herren: Geheimer Kommerzienrat Heichelheim als Vorsitzender. Kommerzienrat Grünewald als zweiter stellvertretender Vorsitzender, Diebin. I bring, Kommerzienrat! Mingspor. Noll. Nowack, Ramspeck, Rinn, Nölir, Wallach, Zurbuch und der Svndikus. .. Vor Eintritt in die Tagesordnung gibt der Borfttzende ein Schreiben des Brauereibesitzers I bring bekannt, in welaiem dieser von seiner Msi-cht, der .Handelskammer für ihren Sitzungssaal das bekannte Bild „Hindenburg und Ludendorss vor der Generalstabskarte" zu stiften. Mitteilung macht. Tie Handelskammer nimmt das Geschenk als ein Zeichen freundlicher Gesinnung unter herzlichen Dankesworten des Vorsitzenden gern und freudig cm 1. Monatliche Berichterstattung über Volks- Ernährung Das Stellvertretende Generalkommando des XVIII. Armeekorps in Frankfurt a. M. hat die Handelskammern des Korpsbezirks zur monatlichen Berichterstattung über Fragen der Vokksernalnung aufaefordert. Die hessischen Handelskammern- lnben diesen Schritt des Generalkommandos mit Genugtuung begrüßt, weil ihnen hierdurch Gelegenheit gegeben wirbt, ihre An-> 'sichten und Wünsckre regelmäßig an maßgebeüder militärischer Stelle und zur Weiterleitung au das Kriegsministerium und das 'Kriegsernährnngsamt zum ?lusdruck zu bringen. Sie haben sich entschlossen, einen genieinsamen Berictist zu erstatten, da hierdurch viele Wiederholungen vermieden norden und dem Stellvertretenden Generalkommcmdo die Uebersicht erleichtert wird. Ter erste Bericht dieser Art ist ani 7. Oktober d. Js. erstattet worden 2. Lahnkanalisierung. Aus Einladung des Regre- rnngspräsidertten in Wiesbaden hat 'am 20. September d. Fs. rn! Limburg eine Besprechung über das Ergebnis der Lahn-Motor- schisss-Versuchssahrten stattgesunden, a'n ioelcher als Vertreter der Kammer Brauereibesitzer Jhring und der Svndikus teilgenommen haben. Den Verlmndlungen lag eine Denkschrift der Preußischen Regierung über die Untersuchung der Wirtschaftlichkeit der Lalfü- kanalisierung zu gründe. Es wurde beschlossen, die Versuchsfahrten während des Krieges e i n z u st e l l e n und die weitere Behandlung der Angelegenheit zu vertragen. 3. Preisgestaltung bei Web-, Wirk - und Strickwaren. Durch die Verordnung des Bundesrats über Preisbe- 'schränkungen bei Verkäufen von Web-, Wirk- und Strickwaren vom ,30. März 1916 ist vorgeschrieben, daß Web-, Wirk- und Strickwa- »ren, von bestimmten Äusnabmen abgesehen, grundsätzlich zu keinem höheren Preise verkauft werden dürfen als dem, den der Verkäufer bei Gegenständen und Verkäufen gleicher oder ähnlicher Art innerhalb der Kriegszeit vor dem 1. Februar 1916 zuletzt erzielt oder feftgestellt hat. Bei der Beurteilung der Angemessenheit eines ^Preises hat sich min über den Begriff ..angemessener Gewinn" in amtlichen militärischen Kreisen eine Anschauung herausgebildet, welche den latsächlicheii Verhältnissen durchaus nicht Rechnung trägt ,und daber in den beteiligten Kreisen große Beunruhigung und Unsicherheit her vor gerufen hat. So will man unter angemesslenem Geivinn grundsätzlich nur deirjeniaen verstanden wissen, welchier .auch in Friedenszeiten für gleiche Waren ltnb unter fonft gleichen Verhältnissen erzielt worden ist. Wenn z. B. die Herstiellungskosten .einer Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten im Frieden 4 Mark lw- trugen und der Hersteller 1 Mark -- 25°/o als seinen Gewinn aufschlug, so darf er, wenn die Herstellungskosten der gleichen Ware zuzüglich allgemeiner Unkosten jetzt 8 Mark betragen, nicht etwa 25 o/o --- 2 Mark als seinen Gewinn ausschlagen, sondern er darf wir 1 Mark als angemessenen Gewinn betrachten, d. h. er darf die Ware nicht für 10 Mark, sondern er muß sie für 9 Mark verkaufen. In einem gemeinsamen Bericht haben die hessischen Handelskammern ans das Unhaltbare dieser Auffassung aufmerksam gemacht und daran den Wunsch geknüpft, daß die Angemessenheit des Gewinns vo-n Fall zu Fall unter Hinzuziehung von Sachverständigen, zü deren Benennung die Handelskammern gerne bereit waren, geprüft werden möge und daß vor. der amtlichen bezw. gerichtlichen Der- ssolgung einer Anzeige die Handelskammer gutachtlich gehört werde. 4. Entziehung von Arbeitskräften. Es fiitb während des letzten lxrlben Jahres in der Tagespreise wiederholt Inserate erschierren, in denen von Firmen, welche Lieferungen für das f.Heer oder die Marine auszuführen haben, Arbeitskräfte unter manderlei Versprechungen wie hoher Lohn, Vergütung von Eisenbahnfahrkarten usw. gesucht worden. Es sind ferner Fälle bekannt geworden, wo Arbeiter von Firmen ohne Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist und ohne jede vorherige Verständigung mit dem bisherigen Arbeitgeber eingestellt worden sind. In allen diesen 'Fällen handelt es sich zweifellos um einen Verstoß gegen den bekannten Erlaß des Preußischen Kriegsministeriums, in welchem eine solche Werbetätigkeit als wenig rüchichtsvoll aus das Entschiedenste . verurteilt wird. Um nun der Gefahr scharfer Maßregeln seitens der 'militärischen Stelle vorzubeugen, richtet die Handelskammer hiermit die dringliche Bitte an die Leiter der mit Kriegslieserungew beschäftigten Firmen, alles zu vermeiden, was mit den Vorschriften des kriegsministeriellen Erlasses nicht nur dem Buchstaben, sondern auch dem Sinne nach in Widerspruch steht. 5. Aushebung von Pferden durchdie Militärverwaltung. Von Pferdebesihern aus Kreisen der Industrie und des Großhandels wird bittere Klage über die großen Verluste geführt, welche ihnen dadurch erwachsen. daß sie einerseits bei der .Aushebung von Pferden durch die Militärverwaltung viel zu niedrige Preise erhalten, währeud.sie andererseits Ersatz nur unter Aufwendung großer Mittel beschaffen können. In Unterstützung' eines Vorgehens der Handelskammer Magdeburg beschließt die Handelskammer, dafür einzutreten, daß einmal "der Einstandspreis für die Pferde von der Militärverwaltung erstattet, und daß ferner von den kriegsbeschädigten Pferden ein gewisser Prozentsatz der Industrie und dem Großhandel zur Verfügung gestellt wird. 6. Lage des Arbeits Marktes. Das Großherzoglich« Ministerium des Innern hat die Handelskammier zu einem Bericht über die gegenwärtige wirtschaftliche Lage im Kammerbezirke «m'gewrdert. Durch Umfrage hat die Kammer sestgestellt, daß der .Deichästiguirgsstand in den einzelnen Industrien im allgemeinen recht zufriedenstellend ist: in der Kriegsindustrie sind sogar die Arbeitskräfte aufs äußerste angespaimt: vereinzelt wird über Mangel an geschulten Arbeitskräften geklagt. Nur in der Textilindustrie herrscht teilweise Arbeitslosigkeit. 7. Hessische Verteilungsstelle. Die von dem Hessischen Handelskammertag unter Mitwirkung der Großherzoglichen Regierung eingesetzte Hessische Verteilungsstelle hat in der Zeit ihres Bestehens eine befriedigende Tätigkeit entfaltet. Diese Tätigkeit erstreckt sich einerseits aus Holzlieserungen, andererseits aus den Bedarf des Ingenieur-Komitees in Berlin und anderer Muni- tions-Beschassungsstellen. 8. Bezugsscheine für Web-, Wirk- und Strickwaren. Die Ausserttgung der Bezugsscheine ist im Großherzogtum Hessen in den Städten den Oberbürgermeistern übmtrageN! worden. Hingegen haben in den Landgemeinden, die Ortsbürgermeister nur die Bedürfnisse zu prüfen, während die zuständigen Kreisämter allein zur Ausfertigung des Bezugsscheins berechtigt sind. Diese letztere Art der Regelung hat nun zu lebhaften Klagen 'der beteiligten Kaufmannschaft wie auch des kaufenden Publikums geführt. Die hessischen Handelskammern haben sich daher veranlaßt gesehen, die Großherzogliche Regierung um eine Aenderungj dieses Verfahrens zu bitten. Das Großherzogliche Ministerium hat daraufhin die Gvoßh. Kreisämter allgemein dahin ermächtigt, soweit tunlich, in den Gemeinden von über 1000 Einwohnern die Großherzogllche Bürgermeisterei mit der Ausserttgung der Bezugsscheine zu betrauen. 9. Sonderbesteuerung der Zweiggeschäftsbe- triebe. Der Verband Deutsche Großdetaillisten bei Lebens- mittelbranche mit dem Sitz in Frankfurt a. M. hat in einer Eingabe an das Großh. Ministerium gebeten, es möchte denjenigen Gemeinden, welche s. Zt. die Filialsteuer eingeführt haben, die Aufhebung dieser Steuer sür die Tauer des Krieges nahelegen. Der Antrag wird hauptsächlich mit den während der Kriegszeit dem Handel auferlegten Beschränkungen iitrtH) der Notwendigkeit der guten und billigen Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln durch die Großdetaillistengeschäfte begrmrdet. In einer Vertreter- konserenz l-abcn die hessiscki-eir Handelskammern den Standpunkt vertreten, daß es einzig und allein Sache der Gemeinden sei, welche die Steuer eingeführt haben, über die Aushebung zu entscheiden, aus toelche auch die Großh. Negierung einen. Einfluß weder ausüben könne, noch wolle. 10. Einheitliche Regelung der Feier des B u ß - und Bettages. Tie .Handelskammer hat sich gegen die Bestrebungen ausgesprochen, welche aus die Zusammenlegung des hessischen Buß- und Bettages mit dem in Norddeut schlaird aus einen Werktag fallenden Buß- und Bettag hinzielen. 11. Sommerzeit. Zn einem Bericht über die volkswirtschaftlichen Wirkungen über die neue Sommerzeit aüsgesordert, hat die Handelskammer sich dahin geäußert, daß sie angesichts der hervorgetretenen widersprechenden Llltsichten sich einstweilen weder sür noch gegen die bauet n b e Einführung der Sommerzeit aussprechen könne. Wohl aber hat sie sich gegen die Vorverlegung der Stunden im Winterhalbjahr erklärt, weil eine solche Maßregel int Widerspruche zu den natürlichen Lebensgewohnheiten steheni würde und nur zu schveren Nachteilen sowohl in volkswirtschaftlicher wie auch Volks hygienischer .Hinsicht führen müßte. 12. Verkehr mit Heu. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat ans die ihm auch von unserer Seite vorgetrcigeuen Bedenken von einer Regelung des Einkaufs und der Verteilung von Heu im Großherzogtum Hessen Abstand genommen. 13. Verkehr mit Seife. Tie Handelskammer hatte in Unterstützung eines Vorgehens der Handelskammer Nordhausen bei lder Groß herzoglichen Regierung beantragt, bei dem Reichsamt daraus binzuwirken, daß verschiedene Härten und Ungerechtigkeiten bei der Auswahl der allein zur Herstellung von Seife und Seisen- pulver berechtigten Firnen ausgehoben und durch anderweitige Regelung die Ausrechterhaltung der in der Produktion von Feinseifen und Seifenpulver bewährten Betriebe gewährleistet wird. Das Reichsamt hat sich jedoch außerstande erklärt, eine Äendernng der Grundsätze eintveten zu lassen, nach denen die Auswahl der mit der Verarbeitung von Fetten und Oelen aus setthalttge Waschmittel betrauten Fabriken erfolgt. 14. Verkehr mit Petroleum. Tie Handels kampier hat bei dem Deutschen Handelstag die Bestrebungen unterstützt, welche aus eine Beseitigung der drückenden Abhängigkeit des deutschen Kleinhandels von den amerikanischen Petroleumgesellschasten bezwecken. 15. Verkehr mit O b st b r a n n t w e i n. Aus eine im Interesse der Obstbranntweinhersteller des Kammerbezirkes erfolgte Eingabe wurde der Kammer von der Reichsstelle sür Gemüse und Obst der Bescheid zuteil, daß auch künftig im Wege von Ausnahmen die Benutzung von Obst auch in solchen Brennereibetrieben zur Herstellung von Obstbranntwein zugelassen werde, die überhaupt nachweislich bereits in früheren Jahren Obstbranntwein hergestellt haben. 16. Bekämpfung des Kettenhandels. Zur Entscheidung über die Erteilung kund Entziehung der Erlaubnis zum Handel mit Lebens- und Futtermitteln sind bei den Großh. Kr.'is- ämtern und den Oberbürgermeistereien besondere Stellen eingerichtet worden. Die .Handelskammer hat aus Ersuchen dieser Behörden die Vertreter des Handels in diesen Zulassungsstellen namhaft gemacht. 17. Wintersahr plan 1916/17. Zum Wintersahrplan 1916/17 hat die .Handelskamnrer der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. eine Reibe von Wünscl-en unterbreitet, welche die Strecken Gießen—OMnbaufen, Gießen—Fulda, Alsfeld—Niederaula, Grünberg—Lollar und Niederwalgern—Herborn betrasen. 18. Ergänzungswahlen zur Handelskammer. Das Großherzogliche Ministerium des Innern hat verfügt, daß die Ende dieses Jahres erforderlichen Ergänzungswahlen zur Handelskammer unterbleiben. 19. Schuh deutscher Gläubiger. Die-Reichsentschädi- gungskomMission hat durch Verordnung des Reichskanzlers vom *25. April 1916 die Ausgabe erhalten, die Eigentümer der während des gegenwärtigen Krieges im seindlirhen Ausland int Namen des Reichs beschlagnahmten Güter sestzustellen, über die Entschädigungsansprüche der Eigentümer und anderer Berechtigter zu entscheiden und die Zahlung der Entschädigung zu veranlassen. Als feindliches Ausland im Sinne dieser Ausgabe kommen in Betracht: die von deuttchen Truppen besetzten, bezw. unter deutscher Verwaltung stehenden oder ehemals befindlichen Gebietstelle von Nord- srankreich, Belgien und Rußland. Tie Reichsentschädiglmgskom- mission ist ferner vom Reichskanzler zur Sammelstelle für Forderungen bestimmt worden, die deutschen Gläubigern gegen Schuldner in dett besetzten feindlichen Gebieten zustehen, damit diese Forderungen bei der Gewährung von Entschädigungen sür Beschlagnahme und Auszahlung von Kcrusgeldern berücksichtigt werden können. Ueber das bei Forderungsanmeldungen zu beobachende Verfahren gibt das Sekretariat schriftlich wie mündlich nähere Auskunft. Au» Stadt «nd Land. Gießen. 21. Oktober 1916. Bucheckern zu OeN Laut Bundesratsbeschluß sind Bucheckern beschlagnahmt, jedoch hat jedermann das Recht, diese zcu sammeln. Wer Bnch- eckern sammelt, darf 25% davon bis zavm Höchstquantnm vc>tt 25 Kilo sür sich verwerten. Das Sammelgeschäst geschieht am zweckmäßigsten dadurch, daß man große Tücher (Wagen- oder Zeltdecken) unter die Bäume legt uird dann die Bäume tüchtig abschüttelt. Laub und Schnrutz, sowie taube und wurmsttck/ige Kerne müssen ausgelesen werden. Für je drei Pfund Bucheckern, die abgeliefert werden, darf der Sammler 1 Pfund für sich pressen lasseit. Für die ab gelieferten Bucheckern wird 50 Psg. pro Kilo bezahlt. Wer also 100 Kilo sammelt, muß 75 Kcklo abliesern und erhält dafür 37,50 Mk.; außerdem erhält er von der Sammielstelle oder der Bürgermeisterei einen Erlaubnisschein, um 25 Kilo Bucheckern sür sich pressen zu lassen. Wer Raps, Sonnenblumen- oder Mohnsamen gezogen hat, darf ebenfalls 30 Kilo davon sür sich zu Oel schlagen, lassen. Tie Bürgermeistereien müssen einen Erlaubnisschein dazu ausstellen. Soweit Hasel- und Walnüsse nicht von den einzelnen Burtdesregicrungen beschlagnahmt sind, dürfen diese ohne Erlaubnisschein und iu jedem Quanttmr verarbeitet werden. Tie O e l - sabrik Dotzheim tauscht alle diese Oelsaaten gegen Oel (siehe Anzeige). ** Di e Hessen-Vereinigung iu B rüssel hielt am 11. ds. Mts. im Großen Saale der „Drei Sckiweizer" ihren) allmonatlichen Mend ab, der diesmal sich zu erneut Unterhaltungsabend gestaltete und einen guten Besuch auszuweisen hatte. Mit einer kurzen Begrüßtrngsansprache des stel'lv. Borsitzeitden, in der des gemeinsamen Vaterlandes und der engeren Heimat sowie der im Kampfe stehenden Kameraden des Heeres und der Flotte ehrend gedacht Ivurde, und einem darauf gemeinsam' gesungenen Liede wurde .der Abend eröffnet. Durch die packende Wiedergabe einiger schöner Lieder ernteten Front Tr. Goldschmidt und Kammersänger Sattelmacher reichen Beifall, an dem auch Frl. Meyer für ihre mustergültige Begleitung am Piano vollen Anteil hatte. Kamerad Sergeant Schmalz und Kamerad Postsekretär Kolb erfreuten ihre Zuhörer, ersterer durch komische Vorträge und letzterer als Kunstpseiser und Rezitator hessischer Heimatkläuge, wofür auch ihnen reicher Beifall zuteil wurde. Gemeinsam gesungene Lieder wiirzten den weiteren Abend, der so in schönster Weise verlies und bei alletr Teilnehmern einen bleibm- den Eindruck htttterlassen haben dürste. ** Zur Kartosselnachlese. Vielfach hört man in Kreisen der Landwirte über den geringen Ertrag der diesjährigen Kartoffelernte llagen. Falls die Klagen berechtigt sind, so muß mit allen Mitteln danach gestrebt werden, daß keine Kartossel verloren geht. Häufig bleiben bei der Ernte, besonders da. wo der Vslug zur Anwendung kommt, KNollen im Boden stecken. In diesiem Jahre ist das auch der Fall, wo gehackt wiüd, da Kinder uich Kriegsgefangene beim Ernten tätig sind. Aus Feldern, die im Herbste bestellt und daher geeggt und gepflügt werden, läßt sich das Versäumte leicht nachholen, nicht aber bei solchen, die bis zum Frühjahr liegen bleiben. Da erwächst wie beim Aehrenlesen der Schuljugend eine wick>ttge vaterländische Aufgabe. Auch hier gilt es wie aus den Getreidefeldern Nachlese zu halten. Es dars sie nicht ab stoßen, daß die Arbeit, die sie aussührt, früher von den Armen vollzogeit wurde. Der Ertrag wird reich sein und meint die Nachlese allenthalben vorgenommen würde, so würde der Kartosselbestand des Landes wesentlich erhöht. ** Zur Unkrautbekämpfung. Ter Aushungerungsplan Eirglands ist dank des Organisationstalents des deutschen Volks als gescheitert zu betrachten. Nichtsdestoweniger muß es unser Bestreben sein, die ErnährungsMöglichkeiten, wo cs nur immer sein karm, zu fördern und zu steigert. Tic Ausnutzung jedes einigermaßen ertragssähigen 'Stückchens Erde, die Urbarmachung ron Heideland, das Entwässern sumpfigen Landes, also kurz gesagt die Jnangrissnahme der schon so oft vorgeschlagenen inneren Kolonisation gehört hierher. Vieles wird stckz im jetzigen Augenblick allerdings nicht aussühren lassen, da es an den nötigen Arbeitskräften fehlt, mmtches aber kann und muß gescheheir. In' folgendem möchte ich den Blick auf ettoas richten, das vielleicht im ersten Augenblick manchent gering erscheint, in Wirklichkeit aber geeignet ist, die Erträge um ein Bedeutendes zu >erhöhen, nämlickf die energischere B e k ä m p f u -n g des Unkrauts. Ein altes Sprichwort sagt: Unkraut vergeht nicht. Das wird wahr bleiben, so lange die Welt steht. Es kann sich auch nur darum handeln, das Unkraut derart in den Hintergrund zu drängen, daß es die Nutz- pflanzeit nicht überwuchert. Sobald dies gelingt, haben wir gewonnenes Spiel. Es verkümmert dann imd konrmt nicht zur Entwickelung. Gnte^ reine Aussaat und gründliche Bearbeitung des Ackers vor der Saat Helsen viel, aber lange nicht alles. Der Un- krautkämen ist außerordentlich widerstandssähig und liegt jahrelang im Boden, ohne zu perderben, und enttoickelt sich dann, sobald die Vorbedingungen dazu günsttg sind. Ta sich nun die meisdcn Gewäck/se durch ihren Samen fortpslanzen, so wird man der Verbreitung des Unkrauts dadurch am wirksamsten Vorbeugen, daß man es nicht zur Samenbitdung kontmen läßt, sondern es schon vor der Entwickelung der Blüte entfernt. Gerade daran 'hat es aber in den letzten Jahren gesehll. Wo die Hände hernehmen? Es ist so viel anderes zu tun! Greise, Frauetr und Kinder sollen und müssen die Arbeit leisten. Und doch ist es dringend nöttg, wenn die Erträge nicht weit hinter dem Mittelmaß zurückbleiben sollen., Wenn hierbei vielleicht die Stadt in ihrem eigentsten Interesse sich des Landes annehmen und ihre Hilfskräfte zur Verfügung stellen wollte, so wäre dies eine durchaus wertvolle Hilfe, die sich doppelt und dreifach bezahlt machte, um so mehr, als es zu einer solck>en Arbeit keinerlei Vorrenntnisse und keiner besonderen Uebung bedarf, ivie dies z. B. bei den Erntearbeiten nöttg ist. ** Aus de m S t a d tt hea terb u re au. Nochmals in letzter Stunde sei aus den heutigen Vortrag des Dichters Max Halbe hingewiesen. — Die beiden morgigen Sonntags-Vorstellmtgen^ nachmittags ,,P e n s i o n Schölle r", abends „Familie Schi mek" werden bei kleinen Preisen gegeben. Bemerkt sei, daß die Abendvorstellung gegen 10 Uhr beendigt sein wird, so daß Besucher aus LLetzlar den letzten Zug 10,20 noch erreichen können. ** Das S chwa r z -- W e i ß - Th e a ter, Seltersweg 81, bringt ab Samstag bis M.vndcrg ein Gastspiel- der inteaessanten deutschen Schauspielerin Tilla Durieux vom Kgl. Schauspielhaus in Berkin in dent spannenden Drama Nahira. — Außerdem interessante Ausnahme,! vom'türkischen Kriegsschauplatz und das sehenswerte Schwarz-Weiß-Theater-Beiprogramm, in dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. ** Heilige r Abend und S i! v e st e r ein Sonntag. Der Christabend unb Silvester fallen in diesem Jahr auf einen Sonntag, wir haben daher gleichsour drei Weihnachtsseiertage und 8 Tage später nochmals zwei Feiertage. Kreis Alsfeld. — Alsfeld, 20. Okt. Um „Enttäuschungen" vorzu- beugcrt, bestimmte das KreisaM über die H a u s s ch l a ch t u n g e n sollendes: Wer Hausschlachtungen vornimmt, erhält bei dem ersten Schwein, das er innerhalb eines jedett Jahres, vom 2. Oktober 1916 an gerechnet, schlachtet, das Schlackigewicht nur rup Hälfte, beim zuzeiten Schweine zu drei Fünftel aus die Fleisch. karte amgerechnet. „Pensionssckfweine" gelten auch bei Vorlage naher Berwaudtschaftsverhältnisse zwiscksen den VerttagSteilen nicht als in eigener Wirtschaft gehalten. Auch bloße ftnanzielle Betellb, gung gilt nicht als gemeinsame Mästung. Kreis Lauterbach. ü. M o o s e r - G r u n d, 20. Okt. Kaum ist der G a l lu s t a g vorbei, so schickt uus der Winter seine Vorboten. Hier konnte man die ersten feinen Schneeslöckchen in minutenbangem Reigen durch die Lust wirbelit sehen. Schon tags vorher trat etwas Kälte ein und mahnte die Nachzügler in der Feldarbeit, rasch die letzten wenigen Kartoffeln dem 'Boden zu entuehmeit. Einige Landwirte l>aben sogar noch etwas Grummetgras stehen, das sie nun, da ihnen bei dem Mangel an Arbeitskräften ein Türrmachen unmöglich loar, grün füttern. Kreis Schotten. ~ Schotten, 20. Okt. Auch in diesem Jahre sollen unsere tapferen Truppen durch das Rote Kreuz mit Weihnachtsgaben versel/en werden. Nach einem bestimmten, durch die Verhältnisse bedingten Plan sollen von den einzelnen Zweig vereinen! des Kreises Schotten gestiftete Kisten rechtzeittg an die zal-lreichen Verbände in Ost und West gesandt werden. Tort erfolgt die Verteilung ihres Inhaltes sinngemäß durch die Befehlshaber der beschenkten Truppe. Von dent Zweigverein Schotten vom Roten Kreuz soll ebenfalls eine Weihnachtskiste gespendet werden. Jede Einheitskiste soll die Liebesgaben für 250 Mann (eine Kompagnie) ausnehmen, sie sott ungefähr enthalten: 50 Hosenträger, 12 Taschenmesser, 12 Pfeifen, 12 Mundharmonikas, 12 Kämme, 12 Spiegel, 12 Spiele, 12 Spielkarten, 6 Brieftaschen, 25 Bücher, 12 Nottz- bücher, 12 Nähzeuge, 12 Zigarettentaschen, 12 Taschenfeuerzeuge, 12 Taschentücher, 12 Bleisttste, 1000 Zigarren, 1000 Zigaretten, 50 Päckchen Tabak, 12 Bogen Briefpapier, 20 Stück Ersatzseife, 12 Waschlappen, eine Anzahl Liederbücher, 12 Eßbeste-cke, 12 Taschenlampen, 12 Zahnbürstert. 12 Brustbeutel uud 2 Rasierapparate. Als teilfoeisen Ersatz für diese Gegenstäude ^körtnen eingelegt werden: Tasck/enuhren, Geldbetttcl, Postkarten, Handharmo- nikas usw. — Nach Bekanntmachung des Kreisamts Schotten darf auch, wenn die wöchentliche HöchstiNenge des im Schlachtbezirk auf eine Person entfallenden Fleisches auf weniger als 250 Gramm festgesetzt würde, aus eine Jileischmicttke 25 bezw. 20 Gramm Reisch abgegeben werden. AirchlZche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, b c n 22. Oktober, 18. nach Trinitatis. Gottesdienst. )n der 5tadtkirche Vornr. 9V, Uhr: Pfarrer RI a h v. Vorm. 11 Uhr : Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachm. 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Nlahr. Abends 6 Uhr: Pfarrafsistent H offmann. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthätlsgemeinde. — Montag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr: Bersaiitmlung des Frauenvercins der Matthäusgemeinde im Matthäussaal. — Dienstag, den 24. Okt., abds. 6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Mittwoch, den 25. Okt., abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer M a h r. 3n der Zohannerklrche. Vormittags 9>$ Uhr: Pfarrer Becktolsheimer. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde. Pfarrer B e ch t o l s h e i m c r. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Abends 7 l A Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lnkasgemeinde im Lukassaale. Abends 8 Uhr: Versammlung und Vibelbesprechuna im Johannessaale. - Vom Smtntag, den 22. Oktober an nehmen die Versammlungen.des Sonntagsvereins für Mädchen im oberen Saale der Kleinkindcr- schule, Diezstr. 1b, wieder ihren Anfang. Kirchberg. Sonntag, den 22. Okt., vorm. 10 Uhr. Heil. Abendmahl für die Alten von Staufenberg. — Lollar. Sonntag, 22. Oktober, nachm. 1'/, Uhr. Heil. Abendmahl. — Daubringen. Mittivoch, den 25. Okober, abends 8 Uhr: Kriegsbetsttmde. katholische Gemeinde. Gottesdienst. Samsta , den 21. Oktober: Nachm. ö Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, 22. Oktober, 19. Sonntag nach Pfingsten Dorm. 6V 4 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Vorm. 7 Uhr: Heil. Messe. Vorm. 8 Uhr: Austeilung der heil. Kommunion. Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt. Nachm. 6 Uhr: Christenlehre; darauf Nosenkranz- Andacht mit Segen. — Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freilag, SamStag, vornnttags 6'/, Uhr, ist Rosenkranz. - Dienstag und Freitag, abends 8 Uhr, ist Kriegsbittandacht. Diaspora-Gottesdienst am 22. Oktober: In Grünberg 9'/, Uhr. In Hungen 9 l / t Uhr. In Lich 8 Uhr. §piew!an der Eichener Ziadttheaterr. Direktion: Hermann Steingoetter.. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 3*/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Pension Schöller." Ende gegen 5'/, Uhr. Abends 7 1 /, Uhr, bei kleinen Preisen: „Familie Schimek." Ende gegen 10 Uhr. Dienstag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt), 3. Dstnstag-Abonnements-Vorstellung: „Wo die Schwalben nisten." Ende 105L Uhr. Freitag, den 27. Okt., abends 8 Uhr, bei Dolkspreisen (Volksvorstellung): „Nathan der Weise." Ende 10 X Uhr. Sonntag, den 29. Oktober, nachmittags 3'/, Uhr, bei kleinen Dreisen: „Familie Schimek." Ende nach 5'/, Uhr. Abends 1 X A Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt): „Unter der blühenden Linde." Ende 10'^ Uhr. — In Vorbereitung : „Das Alter." Eine Kleinstadt-Komödie in 3 Auszügen von Paul Quensel. - „Ter fiebcnte Tag." Lustspiel in 3 Akten von Rudolph Schanzer und Ernst Welisch. — „Maria Stuart." Spielplan drr vereinigten Zranlfurter Ztadttheater. Opernhaus. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 3 Uhr: „Der Gras von Luxemburg." Abends 7 Uhr: „Aida." 'Montag, den 23. Oktober, abends 7*/, Uhr: „Violetta." Dienstag, den 24. Oktober, abends 7 1 /, Uhr: „Diolanta." Hieraus: „Der Ring des Polykrates." Mittwoch, den 25. Oktober, abends 7*/, Uhr: „Die Kaiserin." Donnerstag, den 26. Oktober, abends 7'/, Uhr: „Fidelio." Freitag, den 27. Oktober, abends 7'/, Uhr: Gastspiel der Königl. bnlgar. Sängerin Frl. Anna T o d o r o s f vom Nationaltheater in Sosia : „Der Troubadour." Samstag, den 28. Oktober, abends 7 1 /, Uhr: „Violanta." Hieraus: „Der Ring des Polykrates." Sonntag, den 39. Oktober, nachm. ZM Uhr: „Mignon." Abends 7 Uhr: „Der fliegende Holländer." Montag, den 30. Oktober, abends 7>£ Uhr: „Das Dreimäderlhaus." Schauspielhaus. Sonntag, den 22. Oktober, nachmittags 3 Uhr: „Othello." Abends 7 1 /, Uhr: „Dr. Klaus." Montag, den 23. Oktober, abends 7 1 /, Uhr: „Viel Lärm um Nichts." Dienstag, den 24. Oktober, abends 7 1 /* Uhr, zum ersten Male: „Der siebente Tag." Lustspiel in 3 Akten voll Rudolf Schanzer und Ernst Welisch. Mittwoch, den 3b. Oktober, abends 7 1 /* Uhr: „Die Wildente." Donnerstag, den 27. Oktober, abends 7*/, Uhr: „Tie Siebzehnjährigen." Freitag, den 27.Ottober, abends 7)^ Uhr: „Die Jungfrau von Orleans." SamStag, den 28. Oktober, abends 7V, Uhr: „Der siebente Tag." Sonntag, den 29. Oktober, nachmittags 3 Uhr: „Die zärtlichen Ver- wandren." Abends 6 1 /, Uhr: „Peer Gynt." Montag, den 30. Okt., abends 7*/, Uhr: „Rosmersholm." Börsen-Wochenbericht. - Frankfurt a. M., 20. Oktober. Im freien Verkehr der Börse hat sich in dieser Woche c-me neue Aufwärtsbewegung vollzogen und das Geschäft hatte zeitweise eilt recht lebhaftes Aussehen. Neben den noch imnier rvirksamen günstigen Jndustrieberichten und der guten Kriegslage, gaben der flüssige Geldstand, insbesondere die glänzende Entwicklung der EinzaHungen auf die neue Kriegsanleihe und der beftie- digcrü>c Reichsbankausweis neue Anregung. Unter Berückstchtitzung aller dieser günstigen Momente setzte sich die steigende Bewegung in schnellem Tempo fort und erweiterte sich sowohl bezüglich der Anzahl der Papiere als auch in Bezug auf den Kreis der Interessenten. Namentlich, cms dem Publikum sollen ansehnliche Kaufaufträge Vorgelegen haben. Die Unternehmungslust äußerte sich besonders in zahlreichen neuen Meinimgskäufen auf dem Montan-, Rüstungs- und Elektromarkt. Auf Montanpapiere wurde das Interesse zunächst durch die Jahresberichte der großen Hüttenwerke gelenkt, dann aber auch durch die erfolgte Erneuerung des Ko hl ensy ndi kats. Um die Verlängerung bis Ende 1920 zu erreichen, hat es erst des besonderen und nachhaltigen Druckes von oben her bedurft, denn lediglisch die Furcht vor dem Ein-t greifen der Regierung hat den Verzicht auf die Sonderbestrebungen der einzelnen Zechen zugunsten der Verwirklichung des Einigungsgedankens herbeigeführt. Diesem standen viele und schwere Hindernisse entgegen. Es sei nur an die H|ü t t enz e ch e n f r a g e erinnert und an die große Zahl neuer Zechen, die, mit großer Produktionsmöglichkeit ausgestaltet, bald die verstärkte Sympathie derjenigen Konsumentenkreise gesunden haben, welche mit der Verkaufs- und der Preispolitik des Syndikats nicht einverstanden waren. Eine der Vorbedingungen für hie Erneuerung des Syndikats war daher die Heranziehung der bisherigen Außenseiter, was twch vieler Mühe und Arbeit denn auch gelungen ist. Der Erfolg ist umso größer, weil zugleich die Händlerfrage derart gelöst werden konnte, daß das Syndikat nun auch, das sehnsüchtig ange- ftrcble Handelsmonopol erhält. Außer den Kohlenaktien, wie..Gelseukirchener und Harpener, konnten sich auch alle Hüttenaktien ansehnlich befestigen Besonderer Gunst erfreuten sich auch Buderus'sche Eisenwerke. Von Rpitungswerten waren wieder Rheinmetall, Deutsche Waffen, Dynamit, Hirsch Kupfer und Hed- dernheimcr begünstigt. Ferner Munsck>eid ans die Kapitalserhöhung und eine Reihe von Maschinenfabrikaktien. Autowerte und von Elektrizitätsaktien Schuckcrt, Edison, Felten und Guilleaume und Sachsenwerke waren ebenfalls vielfach gefragt und höher. Von chemischen Werten waren Gxiesheimer bevorzugt. Fest lagen auch Straua Nomaua ymb Deutsche Erdöl-Aktien. Gegen Wochenschluß schwächten sich die Kurse auf Gewinnabgaben allerdings meist wieder etwas ab. Deutsche Anleihen blieben gut behauptet, fremde waren wenig verändert. Privatdiskont ^/gv/o. Amtlicher Teil. Betr.: Den Verkehr mit Gerste. An den Oberbürgermeister zu Gießen, das Großh. Polizeiamt Gießen, die Großh. Bürgermeistereien und Gendarmerie- statwnen des Kreises. Durch Erlaß der Reichsfuttermittelstelle vom 9. Oktober ist bestimmt worden, daß Gerste, die jemand unbefugt erworben oder verarbeitet hat, oder hat verarbeiten lassen, ohne Entgelt als verfallen zu erklären ist. (§ 28 der Bekanntmachung über Gerste aus der Ernte 1916, Reichs-Gesetzblatt Seite 8081. Tie Verfallerklärmug erwlgt zugunsten der Neichsgerste-Ge- sellschaft m. b. H. Berlin W. 8, Wilhelmstraße 69a und zwar auch für solche Gerste, die unter Umgehung des Höchstpreises ausgekaust und aus dem Kreis Gießen ohne Erlaubnis in andere Kreise verbrachst werden soll. Alle weiteren Versuche, eine derartige Ausfuhr zu vollziehen, sind aufs schärfste zu unterdrücken. Auch sind die Gerstebesitzer idarauf aufmerksam zu wachen, daß sie, neben eigener Straffälligkeit, die Aufkäufer solcher Oberste nach der jetzigen Sachlage in doppelter Weise schädigen, indem sie zunächst höhere Preise als den allein zulässigen Höchstpreis von 28 Mk. für den Doppelzentner fordern, dann aber auch die betreffenden Personen der Gefahr der Einziehung ohne Ersatz der aufgewaudten Kosten aussetzen. Gerstevorräte, die nach vorstehendem als verfallen anzusehen sind, müssen bon Iden Polizeiorganen der Bürgermeisterei der nächst- gelcgenen Gemeinde über wissen und daselbst hinterlegt werden'. Außer dem wegen der Hinterlegung von der Polizeibehörde an uns zu erstattenden Bericht ist eine kurze Meldung an die vorstehend genannte Reichssserfte-^eseklschaft sowie an die Reichssutternrittek-» stelle in Berlin W. 9, Königgräherstraße 19, zu erstatten, damit veranlaßt wird, daß die als verfallen erklärte Gerste nicht diem Verderb verfällt. Gießen, den 20. Oktober 1916. Großherzogliches Kreisaml Gießen. _________ 1)r. Usinger. Betr.: Kartoffellieferung: hier: Einlösen der Bezugsscheine. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. _ Auf mehrfache Beschwerden hin weisen wir Sie daraus hin, daß Sie nicht berechtigt sind, Ausfuhrverbote zu erlassen, weil dadurch die Einlösung der Bezugsscheine erschwert wird. Gießen, den 19. Oktober 1916. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Langermann. Denkt an uns! Salem Aleikrm (Hohlrrjundslück) Salem GoV (Goldmundsl (ick) AigQwii-Krs.. Willkommenste Liebesgabe! Preis:Nr 3H 4 5 6 a io 4 5 6 ö 10 12 Pf.cLSKkk. einschließlich Kne q sauf.schl^i a 20 Stück. feldposlmäßi$ veppacKl,port®jTei? 505tuck.feldpostrraßi6 verpackliCPCPorJoT M Truslfrei! M ist eS die höchste Zeit für den Einkauf des Winter- darfS in Schuhfett: die Preise werden höher, wenn die Saison heran- kommt. — E^gNmuß das Schuhfeit ent- E—»halten, wenn es wasserdicht machen soll. Dr. Sentner'r ?o«.v Zchuhfett Tranolin und Universal-Tran Lederfett Slclmtzmark# sind erstklassige Schuhsette und können prompt geliefert werden. Ebenso der beliebte nichtabfär- bende Oel-Wachs-Leder- putz Nigrin. Heerführerplakate. Fabrikant: Carl Gentner, chem. Fabrik, Göppingen lWürttbg.i Kartoffel-Höchstpreise. Auf Grund der Verordnung Großherzogl. Ministeriums des Innern vom 3. Oktober 1916 über Höchstpreise für Kar-' toneln und der Bekanntmachung des Bundesrnts über die Errichtung von Dreisprüfungsstellen und die Bersorgungs- regelung vom 25. Sept. /4. Nov. 1915 u. 5. Juni /6. Juli 1916 werde« für den Bezirk der Stadt Gießen folgende Höchst- preise kür Kartoffeln aus der Ernte 1916 festgesetzt: I. Bei Lieserung gesackter Kartoffeln frei Keller des Bestellers in Mengen von einem Zentner und mehr 1. sür Erzeuger a) aus Gießen für den Zentner . . 4,20 Mk. b) aus anderen Orten s. d. Zentner 4,00 Mk. 2) sur Kartoffelbändler für d. Zentner 4,85 Mk. II. beim Verkauf in Mengen von weniger als einem Zentner ab Lager oder Verkaufsstelle für das Pfund.5V» Psg. III. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Vorschriften werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. IV. Vorstehende Vorschriften treten am 21. Oktober 1916 in Kraft. 7601B Gießen, den 20. Oktober 1916. Der Oberbürgermeister. Keller. lieber 1000 Höchste Preise Kriegs-0or;ugxw«dingungen. Bestätigte Alfa-Agentur: I'dgar ß orrmann, Eifcnbandlttng Separator wichtigste, notwendigste Maschine für jeden Landwirt! Sichert Höchste Butter-Ausbeute: feinste Qualität. Süße Magermilch: bestes Aufzuchtmittel. Gießen. liefert In Jeder gewOnschtwi Ausstattung stilrein u.preiswert Ä-S.M'nk, UnW.-BrMUnt Bekanntmachung. Wir geben hiermit bekannt, daß nunmehr außer den Stücken von Mk. 100.-, Mk. 200.-, Mk. 500.- und Mk. 1000.- auch die Stücke von turnt. Mk. göOO.— der IV. Deutschen Kriegsanleihe erschienen sind und von den Zeichnern, die bis Mk. 2000.- bei uns gezeichnet haben, während unserer Kassenstunden von 8—1 Uhr vormittags unter Vorlage der Abrechnung und einer Legitimation an unserem Wertpapierschalter in Empfang genommen werden können. Mitteldeutsche Creditbank - Filiale Gießen gegenüber der Iohanneskirche. 7596g. Dauerbrandöfen Junker & Ruh, Oranier, Eos usw. I* a, smü ® f e m moderne bewährte Modelle, empfiehlt in bekannt reicher Auswahl, preiswert 7585a L. E Hii&aser 1 , Oiessers, Neustadt 56. Svczial Ausstellung Telefon 660. Nodhetmer Straße 42. Wildlieferung. Die Stobt Darmstadt sucht von jetzt ab bis auf weiteres zum Abschuß kommendes Wild «Rot- und Damwild, Sauen, Rehe, Hasen, wilde Kaninchen und Feder- lvild» zu erwerben, um ihrer Bevölkermng. besonders auch den Riinderbemittelten, in dieser Zeit der Fleisch- knavvhrit ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Lebensmittel bieten zu können. Jegliche Wildmenge wird angenommen. Die Stadt zahlt die bestehenden Höchstpreise, die für Darmstadt voranösichllich in Bälde mit ministerieller Genehmigung aus die für die Stadt Frankfurt a. M. gültigen Höchstpreise erböbt werden. Es wird weitestes Entgegenkommen hinsichtlich der Abnahme des Wildes und der Auszahlung des Ankaufspreises zugesagt. Jagdberechtigte werden gebeten, sich mit dem Unterzeichneten wegen Wildlieferung alsbald in Per- bittdnng zu festen. Darmstadl, den 20. Oktober 1916. 7606V Der Oberbürgermeister, I. B.: Müller. Gegen Erlaubnisschein pressen wir jedermann bis 30 Kilo Raps-, Sonnenblumen- und Mohnsamen oder bis 25 Kilo Bucheckern. Oel kann bei Ueberbringung sofort mitgenommen werden. Bei Bahnsendungen nach Station Dotzheim erfolgt sofortige Oel- rücksendung. Haselnüsse tauschen gegen Oel oder übernehmen zu höchsten Preisen jedes Quantum. 7«, Gelsabrü Dotzheim. Handarbeitsschule und Pensionat von Frl. Landmann, Giessen Süd-Anlage 7 >60231 Süd-Anlage 7 Unterricht in allen weiblichen Handarbeiten: Weiß- und Maschinennäheu, Stickereien jeder Art, Klöppeln, Occhi, Aenderungen von Wäsche, einfachen Kleidern und Blusen, ferner Kunsthandarbeiten in allen Techniken. Crflnilliclifi minim in allen Zweigen des Haushalts. Gewerbeschule Nidda Beginn deS Unterrichts am 6. November 7215V Näheres durch die Groffb. Cchullcitnug. Ocft&tk.Tueftfc soiajA^'eäm! Htadem AKUSTlK vergehe ichS^awii YOTXU^cfx.! . Beater Elektrisch.Hörapparat * für ScteHälnge rein deutsches Fabrikat, von d. ersten Spezial Ärzten empfohlen. Verl, illustr. Gratisbrosch. Deutsche &ku3tik»Ge$. m. b. H. Bcrltn-Wilm., Motzstx. 43. Zöpfe Dreher, Haar-Uhr* ketten. 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