Nr. 240 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag». Beilagen: „Giehener Zmnilienblätter" und „Meisblatt für den Meis Giehev". Postscheckkonto: Zrankftlrt am Main Nr. U666. vankverkehr: Sewerbebank Siesten. 166. Jahrgang Donnerstag, 12. Oktober 1016 ZwillingSrunddruck und Verlagr B r ü hl'sche Universitäts-Buch- u.Steindruckerei. R. L an g e, ''Gießen. rchriftlettnng, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, (j§S0tl0f AnIchri,tsürTraht!iachrichten:AnzeigerGieße^ Mb. Deutscher Reichstag. 64. Sitzung, Mittwoch, den 11. Oktober 1916. Am Tische des BundeSrats: Dr. Helfferich, v. Jagow, Dr. Dolf, Lisco, Gras Roedern. Das Haus und die Tribünen sind gut besetzt. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Minuten und teilt mit, daß er dem ftönigbon Württemberg zu seinem Regierungsjubiläum die Glückwünsche des Reich», tags ausgesprochen habe. Ser Fall Lisbtnechi. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Beratung deS schleunigen Antrag? B e r n ste i n (Soz. A.-G.) auf Aufhebung deS egen den Abgeordneten Dr. Liebknecht bei dem Militärgericht anhängigen Strafverfahrens und Aufhebung der Untersuchungshaft für die Dauer der Tagung. Abg. Dr. Spahn (Ztr.) beantragt, den Antrag dem Geschäftsordnungsausschutz zu überweisen. Abg. Bassermann (Natl.): Meine politischen Freunde haben beschlossen gegen diese Ueberweisung an den Ausschutz zu stim- weil und den Antrag ohne Ausschußberatung abzu- lehnen. Der Reichstag hat bereits in eingehender Ausschußberatung die Angelegenheit behandelt, ein ausführlicher Bericht ist von dem Abgeordneten v. Paher erstattet worden. Eine Entscheidung ist also vom Reichstag in diesem Verfahren bereits ge- fällt worden. Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens wurde damals abgelehnt. Damals lag nur die Anklage gegen Liebknecht vor, heute haben wir zwei Urteile, bei denen die Rechtskraft allerdings noch nicht eingetreten ist. Tie Sache ist ausreichend geprüft, zu einer neuen Ausschutzberatung liegt kein Anlatz vor. Abg. Landsberg (Soz.): Wir stimmen dem Anträge Spahn zu. Aba. Graf Westarp: Wir werden dagegen stimmen, da die Angelegenheit genügend geklärt ist. Abg. Haase (Soz. A.-G.): Wir würden die Angelegenheit gern gleich besprechen, dlber nachdem eine große Partei die Ausschutzberatung gewünscht hat, sind wir nicht dagegen. Wir stehen freilich auf dem grundsätzlichen Standpunkt, daß der Reichstag jedem Mitgliede die Möglichkeit verschaffen muß, an den Beratungen teilzunchmen. Abg. Freiherr v. Garn- sDtsch. Fr.): Wir schließen uns den Ausführungen Bafsermanns an. Abg. v. Payer (Fortschr. Vp.): Man sollte den gewöhnlichen Geschäftsgang einhalten und, wie üblich, den Antrag dem Ausschuß überweisen. Der Antrag geht darauf gegen die Stimmen der Nationalliberalen und der Rechten an den Geschäftkord- n-ungsausschuß. Die Schutzgebietsrechnung für 1910 wird erledigt. Sie verlSnsierung üsr tegislaklirpeiMe. Ein Gesetzentwurf bestimmt die Verlängerung der Legislatur. Periode des Re i ch S t a g s u in ein Jahr. Ein weiterer Ent- fcrarf setzt daS gleiche für den elsaß-lothringischen 8«n b t a ß fest. Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Wir stimmen den Gesetz - entwürfen zu. Abg. Haase (Soz. A.-G.): Die Gesetze sind nur ein Notbehelf. Am besten wäre es. wenn die Wähler ihre Meinung wieder zum Ausdruck bringen könnten. Das ist jetzt freilich unmöglich. Abg. Schulz-Erfurt (Soz.): Wir würden gerne unsere Mandate in die Hände der Wähler zurückgeben. Eine Wahl jetzt im Kriege ist aber nicht durchführbar. Die Gesetzentwürfe werden darauf in allen drei Lesungen angenommen. „NationaMuvg" und „MrineWturrg". Ein Gesetzentwurf trifft besondere Bestimmungen zum Schutze der Bezeichnungen „Nationalstiftung" und „Marinestiftung". Ge- werbliche Betriebe, die an diese Stiftungen eine Abgabe leisten, sollen die Erlaubnis erhalten, ihre Erzeugnisse mit einem befandereu Hinweis darauf zu versehen. Die Stiftungen sollen dort helfend eingreifen, wo die Fürsorge des Reiches nicht oder nur in nicht ausreichendem Maße gewährt werden kann. Abg. Giebel (Soz.): Durch diese Stiftungen darf die Der- pflichtung deS Reiches, in großzügiger Weise für die Opfer deS Krieges zu sorgen, nicht berührt werden. Wenn solche Pripat- institute einen mehr oder minder amtlichen Charakter, einen weitgehenden Schutz und wichtige gesetzliche Vorrechte erhalten sollen, dann mutz auch die Öffentlichkeit und vor allem der Reichstag ein Kontrollrecht erhalten. Hierüber wird im Ausschuß zu sprechen sein. Staatssekretär Dr. Helfferich: Die Besorgnisse, durch dieser Gesetz sollten die Pflichten des Reiches gegenüber den Kriegs- Hinterbliebenen und Kriegsbeschädigten irgendwie eingeschränkt werden, kann ich zerstreuen. Daran hat kein Mensch gedacht. Die Zuficherungen der verbündeten Regierungen hinsichtlich der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen werden durch das Gesetz in keiner Weise beeinträchtigt. Es soll hier nur ein Namensschutz gewährt werden. Abg. Bassermann (Natl.): Auch in unserer Fraktionssitzung sind Bedenken gegen einige Bestimmungen der Vorlage laut geworden. Ich schließe mich dem Antrag auf Ausschußberatung an. Abg. Arendt (Deutsche Fraktion): Die KriegSwohltätigkeit wird häufig von Unbefugten auSgenutzt. (Sehr richtig!) Im Ausschuß nrüssen wir prüfen, wie wir diesen von der Bevölkerung vielfach recht unangenehm empfundenen Uebelständen abhelfen können. Die Kriegswohltätigkeit darf nicht zur Einnahmequelle für ge- werbliche Unternehmungen und verkrachter Existenzen werden. Abg. Henke (Soz. A.-G.): Wir glauben nicht an die Versiche- rung des Staatssekretärs. daß der einzige Zweck dieser Vorlage ist, einen NamenSschutz für die betreffenden Stiftungen zu erzielen, sondern wir glauben, daß dieser gesetzliche Schuh nicht unbewußt dazu herbeigeführt werden soll, der späteren Fürsorge für da? Reich vorzuarbesten. Präsident Dr. Kaempf: Der Vorredner hat auSgeführt, daß der Staatssekretär nicht unbewußt, also bewußt etwas anderes ge- sagt hätte, als seiner innersten Überzeugung entspricht. Ich halte diese Ausdrucksweise für der Ordnung deS HaufeS widersprechend und muß sie auf daS entschiedenste rügen. Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Ich halte diese Bedenken gegen die Vorlage nicht für berechtigt. Warum sollen wir der öffentlichen Wohltätigkeit von vornherein Mißtrauen entgegenbringen. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 21 Mitgliedern. Die Aendermig des Gerichlskosleugesetzes. Der Gesetzentwurf zur Aenderung des Gerichtskosteugesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte und Gerichtsvollzieher wird auf Antrag Dr. Spahn (Ztr.) einem Ausschuß von 21 Mitgliedern überwiesen. Die Auswüriige Politik. Auf der Tagesordnung steht der Bericht des Ausschusses über die auswärtige Politik. Der Reichskanzler von Dethmann Hollweg erscheint im Saale. Abg. Bassermann (Natl.) berichtet über die Verhandlungen des Ausschusses: Die Beratungen über die auswärtige Politik im Ausschuß trugen vertraulichen Charakter. Ich bin also nicht in der Lage, über die Einzelhsiten unserer viele Tage in Anspruch nehmenden Verhandlungen zu berichten. Ich darf nur feststellen, daß alle Fragen, die für die Beurteilung der gegenwärtigen Lage wesentlich sind, in eingehender Aussprache besprochen und gewürdigt worden sind. Vor allem darf ich wohl sagen, daß bei Besprechung der Kriegslage der allgemeine Eindruck der war, daß sie als allseitig befriedigend und hoffnungsvoll bezeichnet werden kann. (Lebhafte Zustimmung.) Der Ausschuß besprach die Lage der Dinge im feindlichen Ausland und würdigte eingehend die Entwicklung der Politik gegenüber Rumänien. Dabei behandelte er auch Bedeutung, Haltung und Tätigkeit unserer Diploniatie vor dem Weltkrieg und während des Weltkrieges bis zum Ausbruch des Krieges mit Rumänien. Eingehend wurde dabei die auf Täuschung berechnete Politik des Ministerpräsidenten Bratianu und die Politik des Königs gewürdigt. Es wurden besprochen die wirtschaftlichen Verträge, die wir während des Weltkrieges und vor dem Kriegsausbruch mit Rumänien abzuschließen in der Lage waren, und endlich diejenigen Ereignisse und Faktoren, die zum Krieg mit Rumänien geführt haben. Weiterhin wurden die Beziehungen des Deutschen Reiches zu den neutralen Staaten und die Lage der Dinge in ihnen besprochen, vor allem in Griechenland, da- sich ja heute in schwerster Krisis befindet. Alle die Erdrosselungsmaßregeln, die von der Entente, vor allem von England, gegenüber den neutralen Staaten, in erster Reihe wieder gegen Griechenlam), angewendet werden, wurden eingehend erörtert. Die bewundernswerte Haltung des Königs von Griechenland, der sich gegen die Gewalttätigkeit unserer Feinde wehrt und bemüht ist, die Neutralität Griechenlands auch unter den schwierigsten Verhältnissen aufrecht zu erhalten, fand volle sympathische Würdigung im Ausschuß. (Lebhafter Beifall.) Es ist in der Tat ein bewundernswerter Widerstand, gegen eine so starke Uebermacht und gegen alle diese Treibereien, die in ihren Endzwecken dahin abzielen, nicht nur die Monarchie zu erschüttern, sondern auch eine vollständige Anarchie im Lande hcrberzu führen. (Sehr richtig!) Die Gründe, die zu einer Uebersührung eines griechischen Armeekorps nach Görlitz geführt haben, wurden besprochen. Auch hierüber sind die nötigen Aufkläruirgen von den verbündeten Regierungen und ihren Vertretern gegeben worden. In eingehenden sorgfältigen Beratungen hat sich der Reichs- hauShaltsauSschuß auch mit der Frage der Kriegsmittel befaßt, die und zur Verfügung stehen. Bei der Bedeutung, die den Unter- see-booten zukommt, mußte naturgemäß auch die Frage deS Unterseebootkrieges im Ausschuß im Vordergrund stehen, wo sie zu den eingehendsten Verhandlungen Veranlassung gegeben hat. Angesichts der Wichtigkeit dieser Frage hat der Ausschuß den mündlichen Bericht über die Frage des Unterseebootkrieges an das Plenum des Reichstages im Wortlaut festgestellt. Ich darf diese Feststellung verlesen: In eingehenden Beratungen hat sich Ihr Ausschuß mit der Frage des Unterseebootkrieges befaßt. Mitglieder aller Fraktionen und die Vertreter der verbündeten Regierungen haben sich daran beteiligt Alle marinetechnischen, militärischen, wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkte wurden gründlichst geprüft und gewürdigt. Die Ausführungen standen unter dem Eindruck der hohen Bedeutung der Angelegenheit und waren allseitig getragen von rein sachlichen Erwägungen und dem Bestreben, dem vaterländischen Interesse zu dienen. Eine Einigung war im Ausschuß nicht zu erzielen. Er verzichtete auf eine Beschlußfassung. Für die Verhandlung im' Reichstag empfiehlt der Ausschuß, von einer Besprechung des Unterseebootkrieges abzusehen. Dies geschieht in der Erwägung, daß eine eingehende Verhandlung der marinetechnischen, militärischen, wirtschaftlichen und politischen Einzelheiten ohne Schädigung 8er vaterländischen Interessen nicht möglich ist, daß andererseits aber ohne eine erschöpfende Behandlung der Sache eine volle Aufklärung nicht erzielt werden kann. (Sehr richtig!) Diese Empfehlung für die Art der Behandlung erfolgte im Wege der Abstimmung mit 24 gegen 4 Stimmen. (Lebhaftes Hört, hört!) Bei seinen Beratungen war der Ausschuß erfüllt von dem Gefühl der Bewunderung und der Dankbarkeit für unser Heer und unsere Flotte (Beifall), von der Anerkennung ihrer unter hervorragender Leitung errungenen Erfolge. Er sieht der Weiterentwicklung der kriegerischen Ereignisse auf allen Kriegsschauplätzen mit vollem Vertrauen entgegen. (Beifall.) Das Ergebnis der neuesten Kriegsanleihe hat erneut die Festigkeit der Kriegszuversicht unseres Volkes erwiesen. Wehrmacht und Volk stehen in dem uns aufgedrungenen Verteidigungskrieg in geschlossener Einigkeit zusammen. (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Der ganze Reichstag stimmt der vom Reichskanzler und vom Reichshaushaltsausschuß unseren und den Truppen unserer Verbündeten ausgesprochenen Anerkennung von Herzen zu. (Lebhafter Beifall.) Der Reichskanzler hat die KriegS- lage treffend gekennzeichnet. Seit seiner Erklärung haben sich die Heeresleistungen noch gesteigert. Wir brauchen nur hinzublicken auf die Kämpfe, die auf dem blutüberschwemmten Gelände an der Somme stattfinden, auf die Anstürme in Wolhyniem sowie auf die Kämpfe in Siebenbürgen und Rumänien. Unserer Kolonialkriege möchte ich dabei nicht vergessen. (Beifall.) Die Mauer, die unsere Truppen um Deutschland und Oesterreich- Ungarn mit ihren Leibern in den Boden eingebaut haben, hat sich als unerschütterlich gezeigt. Der Tag mutz kommen, an dem unsere Gegner die Zwecklosigkeit des Ringens einsehen. — Aus der Ausschuhberatung möchte ich noch hervorhcben, daß unS dargetan worden ist, daß uns ausreichender Ersatz für die Ergänzung unseres Bedarfes an Rohstoffen, Waffen und Munition voll zur Verfügung steht. (Beifall.) Die Beschränkungen, die wir uns in der L e b e n s m i t t e l f r a g e auferlegen müssen, sind be- dauerlich, können unsere Kriegsbereitwilligkeit jedoch nicht hemmen, unS nicht hindern, unsere Pflicht gegen Volk und Vaterland dauernd zu erfüllen. Unsere Gegner sind zum Frieden noch nicht bereit gewesen. Der Reichskanzler hat die militärische^ Lage als ernst und schwer bezeichnt, aber hinzugefügt, daß sie vom Generalfeld- mcrrschall Hindenburg und seinem Generatquartiermeister, die das Vertrauen des deutschen Volkes und seiner Verbündeten genießen, als durchaus vertrauensvoll beurteilt wird. (Beifall.) Der Reichskanzler hat aber auch England als den selb ft süchtig st e n , hartnäckigsten, erbitterfteu Feind bezeichnet. Ich möchte hinzufügen: England ist auch der berechnendste von allen unseren Gegnern. Nach napoleonischer Taktik besteht die wichtigste Aufgabe im Kriege in der Eroberung des feindlichen Feldherrnzeltes. Dar feindliche Feldherrnzelt steht in England. Wir müssen alles daran setzen, was geeignet ist, dieses Feltzherrnzelt erobern zu helfen. Wenn erwähnt worden ist, daß die Dardanellensrage für Rußland den Anlaß zum Krieg hätle geben können, so sage ich: wir und Oesterreich-Ungarn waren schon vor Jahren bereit, uns mit Rußland über die Regelung der Dardanellenfrage zu verständigen. Ueber den Unterseebootkrieg bestehen gewisse Tssse- renzen, die nicht vertieft werden sollten. Vielleicht macht der Reichskanzler darüber in der Öffentlichkeit einige Mitteilungen. Italien hat den Palast des ö st e r r e i ch i s ch.e n G e s a n d t e n beim päpstlichen Stuhl besetzt. Die Veröffentlichung des Protestes hiergegen im „Osservatore Romano" hat die italienische Zensur verhindert. Dieses ganze Vorgehen Italiens kann als ein Zusammenbruch des GaranuegfetzeS für den Heiligen Stuhl bezeichnet werden und hat in der ganzen katholischen Welt tiefe Erregung hervorgerufen. Der Reichskanzler hat in seiner letzten Rede auch innerpolitische Fragen gestreift. Dazu gehört auch dre Neuorientierung. Er hat sich aber nicht so ausgedrückt,daß wir dazu Stellung nehmen könnten. Nur den Satz mackste ich yer- vorheben „Freie Bahn für alle Tüchtigen!" und den Reichskanzler darauf aufmerksam machen, daß bei der Beietzung der Stellen die konfessionellen Verhältn isse nicht genügend berücksichtigt werden. (Beifall im Zentrum.) Abg. Scheide-mann -(Soz.): Seit der Reichskanzler das letzte Mal hier gesprochen hat, haben die Verbündeten auf den sieoen-- bürgischen Schlachtfeldern Proben ihrer Kraft abgelegt. Durch den Eintritt Rumäniens in die Reihe unserer Gegner schien uns eine Katastrophe zu drohen. Jetzt dürfen wir aufatmen. Die Gefahr ist gebannt, die Hoffckbngen unserer Gegner sind enttäuscht. Die Stimmung schwankt hüben und drüben. Neurastheniker gibt es zu v :»I in bft Welt, und zwar mehr hinter der Front als vor der Front. (Sehr richtig!) Wehe dem Lande, das sich von Fanatikern regieren läßt. Nicht wer am lautesten schreit, wird recht behaüen. Wir Sozialdemokraten wollen internationale Streitigkeiten nicht durch brutale Gewalt, sondern durch internationale Verträge regeln. Solche Abmachungen müssen auch gehalten werden. Die Politik muß die Kriegführung bestimmen uird nicht umgekehrt. Die Negierung darf nicht plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Die Friedensaussichten sind zurzeit schlecht. Wir müssen abwarten, es bleibt uns gar nichts anderes übrig. Hoffen wir, daß bald die Ernüchterung kommt, daß die Vernunft kommt auf beiden Seiten. Wir haben uns nie darüber getäuscht, daß dieser Krieg von uns in Wirklichkeit nur als ein Verteidigungskrieg geführt werden kann, selbst wenn dieser und jener anders gedacht haben mag. DaS Vertrauen zu unserm Volke, das sich in diesen schwersten Prüfungen behaupten wird, hat in unseren Herzen keinen Augenblick geschwankt. Weil Briand und Lloyd George den Krieg bis zum Ende predigen, so kann der Reichskanzler — wie gesagt wird — nicht vom Freden sprechen, aber wir können es. Wir sprechen laut und offen, daß das Volk den Frieden will. Das spreche ich als deutscher Sozialdemokrat,. aber dasselbe kann auch ein französischer, ein englischer, ein russischer Sozialdemokrat sprechen. Wenn in irgend einem Lande das Gegenteil gesagt wird, so ist das nur Kriegsschwindel. Alle Völker haben es satt, sich immer von neuem in die Vernichtung locken zu lassen. Die Franzosen wissen nicht — weil die Zensur es nicht zulätzt —, daß sie die Befreiung ihres Landes sowie Belgiens von den deutschen Truppen schon heute haben können, ohne einen weiteren Blutstropfen, ohne einen Fuß Boden ihres Landes zu verlieren. Wofür kämpfen sie noch? Was französisch ist, soll französisch sein, was belgisch ist. belgisch, was deutsch ist, soll deutsch bleiben. Das ist die Hauptgrundlage, auf der der kommende Friede sich aufbauen wird. Not herrscht im Lande, in allen Ländern. Die englischen Marktpreise reden eine deutliche Sprache. Das Brot kostet in England mehr als bei uns. Mehr als eine Million Kinder sind in England in der Entwicklung so zurückgeblieben, daß sie dem Schulunterricht nicht mehr folgen können. AuS Frankreich kommen die ergreifendsten Klagen. Italien hat ja schon im tiefsten Frieden Hungersnot. Von Rußland will ich gar nicht reden. Europa erlebt fett zwei Jahren einen Generalstreik seiner wirtschaftlichen Kräfte- Millionen verbrauchen, ohne zu erzeugen. Auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung sind ber unS schwere Fehler gemacht worden. Man hat von vornherein nicht die ganze Wahrheit gesagt. Man sagte: Es ist alles da! Es kann aber nicht alles da sein. Daun die Mängel der Organisation. Das Material wächst Tag für Tag Berge hoch cm. Es wird von oben ungenügend eingegriffen Ich bitte die Negierung dringend, die Erscheinungen auf dem Kartoffelmarkt zu beachten und für schleunige Abbilse zu sorgen. (Lebhafte Zustimmung.'' Aufreizend wirken die hohen Höchstpreise. Wie eS draußen aussieht, beleuch- ten blitzartig die verschiedenen zornglühenden Erlasse einzelner Landräte, die sie an gewisse Großgrundbesitzer richten müssen. (Sehr richtig! links. Unruhe rechts.) Ich wünsche den Herren von Herzen gute Besserung. Das notwendigste Lebensmittel, das Brot, ist erfreulicherweise genügend vorhanden. Die Regelung bat sich glänzend bewährt. Sie ist gesichert. Vollständig zusammengebrochen ist die Zensur und der Belagerungszustand. Die Erfahrungen beweisen in allen Ländern, daß man mit Stimmungsmache keinen Krieg gewinnen kann. Man kann Meinungen nicht unterdrücken. Was öffentlich nicht gesagt werden darf, das flüchtet sich zwischen die Zeilen. Ich mißbillige durchaus die Bebandlung der extremen Richtungen auf der äußersten Rechten w'e auf ver äußersten Linken. Wir können gegen Bestrebungen, die wir bekämpfen, nicht nur offen heraus- sagen, was wir aussprechen möchten, weil wir fürchten müssen, da- durch den Anlaß zu behördlichem Vorgehen zu geben. Wir ver- urteilen da? Eingreifen der bebördlichen Gewalten in den Kampf der Geister. (Sehr richtig! bei den Soz.) . Der mehr als siebzigjährige Schriftsteller Dr. Franz Mehring besindet sich seit längerer Zeit in militärischer Schutzhaft. Er wird unter Umständen gefangen gehalten, wie sie beispielsweise gefangenen feindlichen Offizieren unmöglich wäre. (Hört, bortls Die Wühlarbeit der extremen Neckten ist allerdings viel gefährlicher als die Tätigkeit der äilhersten Linken. Dort ist ja die Macht. Diese Wühlarbeit soll man nicht im Dunkeln ersterben lassen; an- Licht gezogen verliert sie viel von ihrer - i Dekret von jener Seite geleistet wird, dafür ein Kurilen’ «SlL Admiral a. D. erhebt in einem Schreiben an den bindere 5 r J tma '. den Vorwurf, der Reichskanzler der- wo»e unKl? bcn ^utschlands, weil et den Sieg nicht ^um l" militariiche Maßnastmen ein, damit sie nicht eines bestimmten Gegners ausschlügen. (Lachen.) Ämen bc ® Fürsten an den Chef des Ge- re^ heißt eS, daß der Krieg schon längst sieg- diÄ fe i n to ü Ebe ' menn - - - na. Sie wissen schon, Und der «^222^2!? ÜUd) bem Dr. Wildgrube, dem Kandidaten unterzeichnet. (Hört, hört! links.) ^er den Kampf so fuhrt, halt sich selbst für die Blüte der Nation. Mit ein roter Faden zieht sich durch alle diese Schriften die ml ? ^pf so fuhrt, halt sich selbst für die Blüte der Nation. w te J' gab £ n 8ie ^ ^ durch alle diese Schriften die £2?x b0r bem Heraufziehen der Demokratie. Es W2?out./mmer: Hinter unö steht das deutsche Volkl Aber um rab'i-!* T lü V l°^das deutsche Volk keinen Einfluß auf seine schicke haben. (sehr gut! links.) verfahren kaffen so daß ein Grund zur Beschwerde gegen diese x^SU *? 1 " 0 n,d ^ borl *0t- Auch wir erkennen den großen Ernst ^ 2qt ?c. < ? ec «. tI)ir verbinden damit den Ausdruck der nn^n^ÄUng, daß der Kriegswille unseres Heeres, unserer Flotte ün£r! S ^lkes ungebrochen ist, und wir vertrauen rückhalt- % men Hindenburg verkörperten Heeres- briff™ ‘ »rSL- I ^ n ? Ir voll Zuversicht den Waffent-ten des iÄÄ^^b^sjahres entgegen, in dem festen Willen, den Krieg SV?*" ¥^l af> a aU \ ? r O^nzen OtHur^2°lich^^^ Der Fürst Salm-Horstmar hat an de,i Kaiser selbst geschrieben, als Anhänger des monarchischen Gedankens und der Ein. Ä 9 f^rken Königtums wolle er auf die heraufziehende ^vlvhr einer Schatten Monarchie Hinweisen, denn da-ni mutzte die Wurde des Deutschen Kaisers herabsinken, wenn die pa^ ^n arnche Regierungsform in Deutschland Einzug gehalten hatte. (Hort, Hort, links.) Das sind die Patrioten, dle staatSe^l- lenden Elemente Eine dünne' Gesellschaftsschicht "maßt"sich über die Schchale des bciitfd^en Volkes in dieser schweren *2j^£? I r mme ?‘ J i 8 " r ^rcichung ihres Zieles schrecken sie w«. feinem Mittel zuruck. Alles ist ihnen recht, um die Erfüllung der ■»mn^rrt itr»X c*_ -t-ii < ° D-rsprechungen gehalten werden oder nicht, den Weg zu ver,perren. (Sehr richtig, links.) Was sich da eritwickelt ikt cm Chaos, eine Ochlokratie. Dazu rechne ich auch alle diese unabhängigen Volks- und sonstigen Ausschüsse. m ’ UnQJ * Or®n 7n."'7 ^ "ur ein Mittel: wirkliche Ur dse Schaff kol^^L^ nur die Demokratie verbürg-, rsur oie scyafsung solcher Ordnung ist der Deutsche Reichstag hi? Äffid?*«#,“*?* den. deutKen M'verk 0 i’fin+mn'™x ^ ent - 7 -^ure wollen einfach Klassenherrschaft der oberen Vo^k x/' rU ^ e ? x ben Klassenkampf von oben, während das hrrrfif f W n ^'6 Mif.den Schlachtfeldern blutet und zu Hau^ MMLEVRMDtz KM-Lss.'LrlsE'LL Überzeugung ttZ i>eS aaiuerr 9}nfo?z Xt„„+ Reichspolitik nu Öffentlichkeit m WWMß «alk n,ir irÄ haben kann ' 1° viel Rechte, w.e f Ä ä “ mit Rechten i?r.rf fiSH ÄrS?« “ 9 “ f 5 a n S e S, Erstellung voller Vereins- - “• £I "" S LnL^" *ÄT»SSög! %rm£ ^ Tn 2lnbetrac ^ t ber heldenmüttgen Leistungen unserer ^ U§ des Reichskanzlers haben wir den Eindruck unb°hi> en in b< v t e ^gensätze. die zu diesem Krieg geführt haben wenn man unzeschwächt Fortdauern; man auf unteredem Einflüsse Briands stehende"Matin' Estland muß für immer unschädlich gemacht werden, mr l L Cm x re i fe 1 S be§ -^ ler ' ^ niedergeschlagen werden muß bö fe 5 e “ tlc ^ r . at1 ^ nach Wiederherstellung des Friedens a'llfl vaTr-t 1 N^llt werden soll. Aus dem Munde des M^;^Ä^?'neralstabs, Robertson, entnehmen wir: S st nicht gekommen, wir müssen daraus gefaßt sein, mtt h?rn ^ttper.ode deren Länge sich noch nicht abschätzen läßt, hjf™ Krieg fortzufahren. Kampf bis ans Ende ist die Losung, Iix b Zlohd George hat in einem Interview ' h f I J neS Neutralen ichroff zurückgewiesen. bollem Umfartfle billigen wir den Ausspruch des Reichs- ^ute Friedensangebote nicht machen können, f C m C K @e ? nec emen barbl 0 en Frieden als eine Erniedri- eOiSi'nJih? ß* ban!en <*? n S nei>en al5 etnc Herausforderung und ber£h-*Jt 9 Lh Uen * ^ wiederholten Erklärungen der Friedens- b fw Reichskanzler Lob aus feindlichem Munde mcht eingetragen, sondern vrelfach Spott und schroffe Zurück- S&'rJt, bie Aeußerung, daß wir am Ende unserer Kraft sind. Jtfhrirrüm 'iTmfS l1t ln fe. £at ber Standpunkt des Reichskanzlers Land? billigen und ich meine auch, daß wenn im b £ n * lD ? en Ansehen, wenn man mit Petitivnen ?i2t ®nZh?r 3 * S L^lche Tätigkeit uns dem Frieden werl ste nn Ausland als ein Zeichen der aufgefaßt wird und d«mit den WWLMU-MM nur ein Sfl 6 " be§ Auslandes nur stärkt. (Beifall). Den Frieden werhen wir nur bora besiegten Feiud erhalten. Soweit sind wir noch nicht. Von der Energie unserer Heeresleib:ma er- \ Q n aCe§ um unsere Kriegsmittel aller Art * u und zu mehren. Alle Mittel zur energischen Mät^lb^kkl? Krieges, mögen ste Opfer auf dem Gebiet der x & ^ °5 Ct uuf dem der Beschaffung des ständig wachsenden Munitionsbedarfs, wie er sich besonders an de? teuTtär nSiMpraftS* ft- t \r a i^ c ? cn# ^ irb ber Reichstag und das h usche Volk selbstverständlich für die Heeresleitung bewilligen fack, ?ls vom Durchhalten kann man nicht ?in- fach als Lug und Trug ein schätzen. Neutrale Mitteilungen ü ber stärker? ist^als? ^ lanb ^ cn übereinstimmend dahin, daß ?. ist als er je zuvor war, und daß das Ziel der Vernich- wMde^is?^^^ Gemeingut der englischen Nation M?nscken^trotz der kolossalen Verluste enschen und obwohl die Formationen nicht mehr aumofüllt wer- "Nb Siege-will- weiser im^B-nn der uud die Reichsleitung sich nicht vor vollendete Tatsachen stellen taffen dürfe, ist ein durchaus wichtiger Grundsatz, der in diesem Weltkriege unbedingt Geltung haben muß. In einem Weltkrieg, in einem Koalitionskrieg, der die Verhältniffe der Völker untereinander )o unendlich kompliziert und so viele Kriegsschauplätze- zeitigt, wird es notwendig sein, der Kriegsleitung das große Ziel, das erreicht werden soll, in seinen Umriffen anzuzeigcn. Das wird auf die Kriegführung selbst Einfluß haben. Ter Kanzler sprach vom Kriegswillen, und daß ein deutscher Staatsmann der sich scheute, gegen England jedes taugliche, den > Krieg wirklich abkurzende Mittel anzuwenden, gehängt zu werden verdiente. Der starke Ausdruck ist als Protest gegen den Vorwurf gebraucht, daß sich die Haltung des Reichskanzlers aus Zu- an'.men. angen erklären laffe, die das Lickst des Tages scheuen. Die Feststellung des Reichskanzlers deckt sich mit unserer Auf- fuffung. 27 Monat- dauert dieser furchtbare Krieg. Er kann nur durch die größte Energie, dem schärfsten Kriegs-'und Sieges- wkllen beendet werden. Ter Zweck des Krieges ist die höchste Schädigung, ist die Vernichtung des Feindes. Wir erwar- c» e ?' ...B 6 l l e Mittel, die uns Ersindungsgeist, Genie und Industrie zur Verrugung stellen, schonungslos und nicht beengt ourco falsche Humanität gegen unsere Feinde zur Anwenduna bracht werden slebh. Beifall) und daß jedes taugliche, den Krieg ^-kürzende Mittel gegen England zur Anwendung kommt. Mit Genugtuung begrüße ich. daß der Reichskanzler das feierlich und klar ausgesprochen hat. Einmütig sind wir der Ueberzeugung, daß wenn der Krieg so geführt wird, damit der Krieg wirklich abgekürzt wird und wir dem Frieden und dem Siege näherkommen. (Lebh. Sehr richtig I) Die E r n ä h r u n g s f r a a e n spielen gewiß als Kriegsmittel eine Rolle. Wenn wir durchhalten und siegen wollen, ist eine ausreichende Ernäbrung unseres Volkes notwendig. Für bie Vorbereitung auf einen Wirtschafts- trieg kündigte sich das.Problem doch wohl schon vor dem Kriea IN seiiien Umrissen an Es fehlte für die Vorbereitung an einem wirtschaftlichem General st ab. Der Abgeordnete Scheidemänn ist auf die Angriffe gegen den Reichskanzler und auf die Neuorientierung der de u t s ch e n Politik eingegangen. Es sind An- griffe gegen den Reichskanzler von verschiedenen Seiten gerichtet worden und es kann ja wohl niemand leugnen, daß sie zum Teil un Auslande den Eindruck erweckt haben, daß es mit der Einigkeit . un§ 311 ©nbe märe. Man hat darauf weitgehende Hoffnungen l.™. Auslände gebaut — mit Unrecht: trotz aller Meinungsverschiedenheiten ist in unserem Volk der feste Wille unvermindert, den Krieg siegreich zu Ende zu führen (sehr richtig!) und mehr wie .je hat sich die Ueberzeugung durchgerungen, daß wir siegen nnujsen, wenn wir nicht untergehen wollen. Namens meine) Freunde sage i ch: den Ton. mit dem vielfach in ben anonymen Schriften gearbeitet wird, die Aussalle die die persönliche und politische Integrität des Reichskanzlers ■Ä ® in £! tu i ^ °sn°,7-7LVchls ®r äften ^ mib ©enternden. Wir brauchen das alles ,ur Oraa-Ü Weiter!)'" Ersten und leversau.) Dann weiß das Ausland, daß es einer SLnübersteht., durch derer? Mund'das' »anze V-ri UMMMZZJW C r- b^schmettern zu können. Beschämen Sie ^0^? b und das republikanische Frankreich durch die ReAe, die sie mitten im Krieae dem deutschen N l tS Rechts kämpfen wir, für da? ^Ä?^.?brde n soll, bluten draußen unser/ Löb 2 - Bruder, kampsen wir alle, drauße Zrel: Friede und Freiheit. (Beifall.) Abg. Bassermann (Natl.): Nachdem wir uns in w hingen des Ausschusses bemüht haben, Aufklärung zu erlangen soll .n der heuiigen Aussprache Antwort g e g ° b? n w ° r d77 Ä die Darlegungen des Reichskmizlers und seine Rede vom 28 L-r Der Reichskanzler hat'die erfolgreiche Abwehr 7^ b '- Durchkreuzung der feindlichen Absichten und d?e Red/d/s W? T \dS nbh ^ e a ^ läUt kestgestellt. Das Ausland hat Reichskanzlers so ausgelept, als ob Deutschland nun rln^ e ' w ^ e -rj UX a?^ b *vum sich handelt, seine Existenz zu Wxul nrF? me * sulche Deutung Erträgt sich we-der mit dem Wort- laut, noch mit dem Sinn-- der Kanzlerrede. Die Franzosen feiern V e r d u n als chren Sieg und täuschen sich über die enormen Ver- ^ bort erlitten haben und daß Frankreich den größten SrfJ et S dort einsetzen mußte, der dann für ^andere Zwecke nicht verwendbar war. Unsere Truppen wehren sich an tra/em gegen feindliche, durch Uebermacht ge. traaene Angriffe und stehen in dem furchtbarsten Trommel und Sperrfeuer, alle beseelt nur von dem einen Gedanken der Verteidigung des Vaterlandes. Im Osten haben wir es freudigen Herzens erleben können, daß unter der bewährten Führung Mar- wchens und Linsmgens die Russen aufgehalten wurden. (Beifall) Unsere Femde behaupten, daß uns das Gesetz der KriegfüLung von 1^11 auferlegt sei, daß wir in die Defensive gedrängt seien. Im Augenblick erleben wir jauchzend, wie der deutsche Offen,ivgefft rm Kriege gegen Rumänien, in Sieben- feiert.^' (Beifall?^^^^^ ^ m bCn Donaukämpfen seine Erfolge . „f r bertvaueu ber Kriegskunst unserer Heeresleitung, Hin- urü. Ludendorjj, daß es gelingen wird, auch nn Sudoste-n der europäischen Kriegsschauplätze aus der defeiffiven Stellung wieder ojfenstv zu werden. Mit Stolz dürfen wir auf die Erfolge unserer Flotte hmweisen, auf den Seesi/a S ImiärCrrbc Führung der Admirale Hipve? urrd Scheer. (Beifall.) In diesen Taten unserer Flotte der Filb- rung unserer Seeoffiziere, der Leistung unserer todesmutigen Mannschaft erkennen wir den Geist des Großmeisters der de^ut. sc^n Flotte, der Großadmirals v. Ti r Pitz (Beffall), dessen jahrelanger Tätigkeit an der Spitze der Marine wir das verdanken. Auch wir begrüßen die Erfolge unserer Unterseeboote im mflEZi* ^2 b J m ^lantrschon Ozean, von denen uns diese Tage ^^^^^^ujchen unsere Marine zu diesen neuen Gegenüber dew Vorredner, der erneut jeden Annexions- ^'ch hervorheben, daß der Reichs- 2 ? Jr v r r £^ cn . Rede einen festen und dauerhar^ii -^rebt, der Deutschland für alle Zeit gegen jeden An- tf V n Umschreibung die Wiederholuna er in seiner Rede vom 28. Mai 1915 aussprach worm er von den notwendigen Garantien und Sicherheiten redete, die geschafft und erkämpft werden müssen daß ^^nde Nicht vereinzelt, nicht vereint, wieder einen wurde, Gedankengänge, die er in späteren J}^ er darlegte. Diese klaren Ausführungen können nicht r t Un0 ^^den, die wir aus sozialdemokratischem Munde gelesen haben, wonach dieser Reichskanzler keinerlei Eroberungen w »>®2? e r n emc f 0 l^ e Auslegung ber. Kanzlerrede müssen wir doch Verwahrung einlegen. (Sehr richtig!) w Ttt rie l* rr ein 0 Ewisse§ System darin, den Reichskanzler dem „ul?,che,, Freunde stehen durchwcgV7s dem Boden, daß wir in manchen Dingen eine .Neuorientierung unserer Volitif (Sehr richtig! bei den Natl.) Dieses Volk, das sich so wu/ärbar m diesem Kriege bewahrt hat. wird nach dem Kriege mit R^t die Beieitigung veralteter Schranken und die Erweiternd Rechte fordern dürfen und darnus ergibt sich für uns ^ w-'t-r°s a^h der S-ch^gtz.' W uati^amL!- Kreise rn Opposition gegen den Reichskanzler stehen. Gründe der innreren Politik und der Neuorientierung v o l l st ä n b i ß auöscheiden. (Sehr richtig l bei den Null.) Es war richtig, daß der Reichskanzler bei der Neuorientierung auf die gewaltigen unzerstörbaren Fundamente hinwies, auf denen unser Haus aufgebaut ist. Man darf die Neuorientierung nicht in dem Sinne auffassen, daß alles Alte einzureißen und nach neuen Prinzipien aufzubauen wäre. Daß sich vor dem Kriege die bürgerlichen Parteien in den großen Fragen der Wehrmacht geeinigt und mit diesen imposanten Mehrheiten die letzten Militärvorlagen bewilligt haben, daß wir bei der Kostendeckung auch die Unterstützung der Sozialdemokratie fanden, ist gewiß eine durchaus erfreuliche Entwicklung gewesen, die unsere Erfolge im .Weltkrieg mit vorbereiten half, das ist der vielgeschmähte Militarismus, den unsere Feinde zerschlagen wollen: es war die Erkenntnis unseres Volkes, daß wir einer Weltkatastrophe entgegentreiben und gegen diese Deutschland rüsten müssen. (Sehr richtig!) Aber auch wirtschaftlich haben wir die Fundamente gebaut, auf denen wir den Krieg gewinnen: die Schutzzollpolitik, die unsere Landwirtschaft zu diesen Leistungen befähigte, die uns allein ermöglicht haben, mit der Ernährung durchzukommen und den Krieg zu führen. (Sehr richtig!) Unter richtigem Schutz bat sich unsere Industrie glänzend entwickelt, so daß sie den Stürmen des Krieges gewachsen war und die Umstellung mit Genialität und Energie bewirken konnte, die uns allein ermöglicht, in der Munitionserzeugung der ganzen Welt die Stange zu halten. Gerade die Unabhängigkeit der kühnen deutschen Privatindustrie, die nur eingeengt war durch die abscklut notwendigen Schranken der deutschen Sozialpolitik, hat diesen Aufschwung ermöglicht. Die Einigkeit, mit der wir in den Krieg gezogen sind, war die Folge der vom Fürsten Bismarck begonnenen Sozialpolitik, die zuerst bekämpft wurde und dann nach und nach Gemeingut aller politischen Parteien geworden ist. Ihre energischen Wirkungen haben mit dazu bei- gctragen, daß die Liebe zum Vaterlande und der Drang, mit dabei zu sein und das Beste herzugeben fürs Vaterland, rn der deutschen Arbeiterschaft erblüht sind. An der Sozialpolitik werden wir auch nach dem Kriege festhalten und hier weiterbauen, was so verständnisvoll und erfolgreich begonnen wurde. Der Handel hat während des Krieges viele Einschränkungen und zum Teil eine völlige Ausschaltung erfahren. In formalen Zeiten aber kann der freie Handel weitaus am besten den Bedürfnissen der Verbraucher gerecht werden. Wir müssen ihn daher nach Beendigung des Krieges wieder in seine früheren Rechte einsetzen. In der Frage der Neuorientierung ist die nationalliberale Fraktion mit unseren Freunden im Lande durchaus einig. Das geht auch aus unseren Anträgen hervor. Die Neuorientierung erfordert nicht bloß Reformen im Reiche, sondern auch in den Bundesstaaten, vor allem in dem grüßten Bundesstaate, wobei wir es unseren Freunden dort überlassen, wie sie Vorgehen wollen. Ich erinnere nur an die Rede Friedbergs bei seinem Parlamentsjubiläum. Der Reichskanzler hat die Grenzen der Neuorientierung nicht näher umschrieben, aber seine Forderung „Freie Bahn für alle Tüchtigen" haben wir im Reichstage Jahr für Jahr erhoben. In einer Zeit, wo wir die Besten bluten sehen, wo wir so unendliche Verluste an deutscher Jugend und Manneskraft erleiden, ist diese Forderung doppelt wichtig, wenn wir die Schäden wieder ausbessern wollen, die der Krieg herbcügeführt hat. Hier müssen wir alle Schichten des deutschen Volkes heranziehen, alle buveaukrati- schen und konfessionellen Schranken müssen fallen. Vorurteilslos müssen wft den Arbeiter, auch die Sozialdemokratie berücksichtigen. Möge es unserer Negierung nicht an Kraft fehlen, den Widerständen zu begegnen, die zweifellos eintreten. (Beifall.) Dkrnche Wünsche aus dem Lande konnten wir allerdings nicht berücksichtigen aus Gründen, die zwingender und wichtiger als die innere Politik sind. Je länger der Krieg dauert, um so notwendiger ist die Einigkeit und Geschlossenheit unseres Volles. Sie besteht, das zeigt das glänzende Ergebnis der letzten Kriegsanleihe. Die silbernen Kugeln rollen in Deutschland. Der Erfolg ist um 'so größer, als man durch mancherlei Gerüchte, auch durch Auklandsemissäre, versucht hat, die Stimmung im Lande zu trüben. Mt Recht können wir auf das ^länzendeErgebnisderdeutschenFinanzpolitik in diesem Kriege Hinweisen. Einigkeit und Geschlossenheit unseres Volkes — fürwahr, dieser Gedanke, den jeder Patriot im Herzen trägt, ist er nicht berechtigt, wenn wir an unser siegreiches Heer denken, an unsere stahlharten Helden, die jeden Fußbreit Landes gegen feindliche Uebermacht mit Trommelfeuer verteidigen, die im Sturm ihr kostbares Leben einsetzen. wenn wir denken an unsere siegreiche Flotte, und schließlich, daß unsere oberste Kriegsleitung in den Händen eines Hindenburg liegt. Das sind Faktoren, die uns zuversichtlich und siegesbewußt der Zukunft ins Auge sehen lassen. (Lebh. Beifall.) Abg. Naumann (Freist Dp.): Mt Freuden haben wir alle von dem gemeinsamen Vorgehen der deutschen und der österreichischen Truppen in Siebenbürgen gehört. Es erfüllt uns mit besonderer Genugtuung, daß die deutschen Städte Hermannstadt und Kronstadt unter der Führung Falkenhayns von Soldaten aus der alten deutschen Heimat befteit worden sind. Oft klagte man früher in Oesterreich, die Heimat kümmere sich zu wenig um die Deutschen dort. Jetzt greift die Hilfe der Heimat bis nach Siebenbürgen hinüber. Wer nicht wir allein als Reichsdeutsche, österreichische Deutsche und ungarische Deutsche kämpfen zusammen, wir müssen auch der anderen Bundesgenossen gedenken, mit denen wir jetzt gemeinsam den langen, zähen und großen Widerstandskampf gegen die Umkreisung durchkämpfen Mit Bewunderung schauen wir, wie die Türken unter osmanischer Führung, nachdem so viele Jahrzehnte die Großmächte in Konstantinovel beieinander saßen, als hätten sie bereits über einen Todkranken untereinander zu beschließen, auf fünf, sechs oder sieben Kriegsschauplätzen in Asien, an der afrikanischen Grenze, bei Saloniki und in Galizien ihren Mann stehen, mit der militärischen Zähigkeit und Treue, die schon seit Jahrhunderten ihre Auszeichnung gewesen ist. (Beifall.) Wir schauen, wie die Bulgaren, nachdem sie schon zwei Kriege hinter sich haben und einen Teil ihres Volkes in früheren notwendigen Kämpfen schon verloren haben, nun mit einer absoluten Energie» in Nord und Süd in diesen Kampf erfolgreich ein- getreten strck. Wir fteuen uns ihrer Erfolge, als ob es die un- srigen wären. (Beifall.) Wir haben alle Ursache, anzuerkennen, daß im Anfang de* Krieges die österreichische und ungarische Waffenmacht den allergrößten und gewaltigsten Anstürmen der russischen Menge in Südpolen und an der galizischen Grenze auszuhalten hatte. Wer etwa da und dort glaubt.' zu einem Worte der Kritik berechtigt zu sein, vergißt viel zu sehr, welche erste große Belastung im Kriege gerade die österreichischen und ungarischen Truppen in einer Zeit aus sich genommen haben, wo der russische Koloß noch ungebrochen in seiner ganze« Gewalt entgegengerollt ist. Und wie wir unserer Helden von der Somme gedenken, so auch der Helden an der Jsonzofront, die nach d»>r siebenten Schlacht nicht ermattet sind und jetzt in die achte hineingehen. Wir freuen uns über den weisen Entschluß des Kaisers Franz Joseph, in Harmonie mit dem Deutschen Kaiser den Oberbefehl an der Ost grenze zu vereinheitlichen. Wir haben dort bereits Formen der gemeinschaftlichen Entwicklung, Lebensformen für das Zusammen- arbeiten im Kriege, bei denen wir uns als Brüder und Kriegsgenossen fühlen. Die Lebensgemeinschaft der mittel- europäischen Waffenbrüder und Kampfgenossen ist heute noch nicht Gegenstand parlamentarischer Erörterungen, aber protestieren müssen wir schon heute gegen die Auffassung auf der Pariser Wirtschaftskonferenz, als ob schon der engere Wirt- schaftliche Zusammenschluß von Deutschland und Oesterreich-Ungarn einen Angriff auf die freie Entwicklung des Welthandels nach dem Kriege böte. Wir wollen uns nicht nach dem Kriege gegen die Außenwelt gbschließe«. Wer so wie die Gemeinschaft der mitteleuropäischen Nationen als großer Käufer und Verkäufer auf dem Weltmarkt auftreten muß, der muß auch versuchen, so bald wie möglich wieder in die Weltwirtschaft unter geordneten Bedingungen ein- zutreten. Wir wollen weder auf wirtschaftlichem noch auf kulturellem Gebiet ewige Scheidewände aufrichten. Nach dem Kriege muß wieder eine Zeit des gemeinsamen Lebens der Nationen kommen. Es ist notwendig, daß die kommende Gemeinschaft zwischen Deutschland und seinen näheren Bundesgenossen vor einem späteren allgemeinen Friedensschluß vorbereitend geregelt wird. Dazu zwingt uns schon die Erinnerung an den Wiener Kongreß. Heute beschäftigt uns aber nur die gemeinschaftliche Gesinnung, wie sie in den verschiedenen Begrüßungen zum Ausdruck gekommen ist. Die deutschen Abgeordneten sind in der Türkei mit herzlicher Wärme empfangen worden und haben uns berichtet von dem, was sie dort an Eifer und Treue, an Hingebung und Freundschaft gefunden haben. Eine Anzahl von uns war in Bulgarien. Wir können nicht genug rühmen, welches Entgegenkommen wir beim Zaren und seiner Regierung wie insbesondere bei der gesamten bulgarischen Bevölkerung gefun-den haben. In Budapest hat sich das alte Gefühl der Zusammengehörigkeit wieder befestigt. Wir erfuhren, wie notwendig es ist, das diejenigen, die miteinander in die gleiche geschichtliche Gefahr und Zukunft hineingehen, sich auch untereinander noch mehr und noch besser kennenlernen müssen als bisher. Vor dem Kriege ist unser Blick einseitig nach dem Westen gerichtet gewesen. Wir haben für das stolze Eigengefühl, zu dem die Ungarn berechtigt sind, und für die Ziele aller aufstreben, den Nationen und Völker bisher zu wenig Aufmerksamkeit gehabt. Auch die Westslawen begegnen bei uns leider vielfach noch nicht dem notwendigen Verständnis. Die Polen gehören im Gegensatz zu den Russen zur westlichen Kulturgcmeinschaft, das zeigt schon ihre Religion. Wir müssen den kleinen Völkern gegenüber das zu sein uns bestreben, was England bisher angeblich sein wollte, jetzt, seit der Behandlung Griechenlands, wird es das allerdings nicht mehr behaupten können. England sammelt die Völkerwclt gegen Deutschland und seine Bundesgenossen. _ Es hat die lateinische Rasse außer Spanien an sich gezogen, es drängt Griechenland mit Härte in denselben Zusammenhang, es verengt den Lebensspiclraüm der Skandinavier, es sucht überseeische Länder in seinen Herrschaftsverband hineinzuziehen und will da. durch den Zusammenschluß der kultivierten Menschheit herbeiführen, von dem nur wir ausgeschlossen sein sollen. Wir erkennen an, was in England, insbesondere auch von kirchlicher Seide, für deutsche Verwundete und Internierte geschieht, sei es von dem Bischof von Winchester oder dem Erzbischof von Canterburh. Wir erkennen das ebenso an, wie man in England es tatsächlich aberkennt, was in Deutschland auf diesem Gebiete geschieht. In England steigt ein Feindschaftsgefühl in die Höhe, das sich zu solchen Behauptungen versteigt, wie sie Lloyd George als Mil es gloriosus gegenüber einem amerikanischen Bericht- erftatder ausgesprochen hat. Lloyd George hat sich dahin ausgesprochen, daß die Deutschen dieses unsägliche Elend über die Welt gebracht haben. Er will daher, daß dieses Verbrechen gegen die Menschheit durch eine schwere Strafe gesühnt wird. Nicht um Lloyd George zu be- kehren, beschäftigen wir uns mit seinen Worten, sondern um vor der übrigen Menschheit und vor unserem eigenen guten Ge- wissen ein Zeugnis der Wahrheit abzulegen. Wie steht es denn mit dem deutschen Militarismus? England hat leicht reden, denn es ist eine ffolierte Insel, Deutschland aber war — seine Ge- schichte beweist das — von jeher feindlichen Angriffen ausgesetzt. Solange Deutschland kein eigenes Militär hatte, konnte jeder mit ihm machen, was er wollte. Einsichtige Engländer haben auch immer aberkannt, daß Deutschland ohne eine bedeutende Rüstung nicht existieren kanm Deutschland liegt im Herzen von Europa, es hat Frankreich auf der einen und Rußland auf der anderen Seite. Angenommen, wir hätten in England eine ähnliche Koalition, würden wir nicht rüsten? Natürlich würden wir rüsten. So sprach sich 1908 derselbe Lloyd George aus, der sich beute in so weltäuffälliger Weise darüber aufregt, daß der deutsche Militarismus der Urgrund des ganzen gegenwärtigen Entsetzens sei. (Hört! Hört!) Was die andere Behauptung anlangt, daß die deutsche Regierung im Juli 1914 den englischen Friedensvorschlag abgelehnt und damit die Menschheit in das unendliche Unglück gestürzt hat, so spricht der Gang der Ereignisse von damals, den niemand abstreiten kann, eine ganz andere Sprache. Es wird übersehen, daß Deutschland und die ihm verbündete österreichisch-ungarische Doppelmonarchie nicht einen Frieden um jeden Preis, sondern nur einen Frieden in Ehren annehmen könnten. Da der Mord von Serajewo eine Ehrenkränkung im aller strengsten Sinn des Wortes war, so konnte Oesterreich-Ungarn es nicht von der Lage anderer Großmächte abhängig sein lassen, ob und in welcher Art ihm Genugtuung zuteil wurde. Auch das ist von einsichtigen Engländerin wiederholt anerkannt worden. Mit Recht haben sie hervorgehoben, was in England geschehen würde, wenn der englische Thronfolger an der afghanisch-indischen Grenze ermordet worden wäre. Der englische Pazifist Norman beantwortete diese Frage wie folgt: Würde sin diesem Fall England etwa einem russischen Vorschläge zugestimmt haben, diesen Zwischenfall einer internationalen Konferenz zu unterbreiten? Wir meinen, daß England in einem solchen Fall, ebensowenig wie Oesterreich, auf eine Strafexpedition verzichtet hätte, und wissen nur nicht, ob England von vornherein, so wie Oesterreich, von einem Landerwerb dabei abgesehen hätte. (Sehr gut!) Wenn also Deutschland seinen Bundesgenossen in einer tödlichen Ehrenkränkung nicht allein lassen wollte, so durfte es den englischen Vorschlag vom 26. Juli 1914 nicht annehmen. Es gab nach Ansicht des englischen auswärtigen Amtes einen besseren Weg zum Frieden, nämlich die Einleitung eines direkten russisch-österreichischen Meinungsaustausches. Deutschland ist bis an die Grenze des Möglichen gegangen, auf diesem Wege den Krieg zu vermeiden. Dieser Weg wäre nach menschlicher Wahrscheinlichkeit auch aussichtsreich gewesen, wenn England in Petersburg dieselbe Rolle gespielt hätte wie Deutschland in Wien. (Hört, hört!) Aber, als gerade alles in guter Entwicklung war, erfolgte der verhängnisvolle Schritt der russischen Mobilmachung. Diesen verhängnisvollen Schritt konnte England verhindern, wenn es rechtzeitig das Wort Neutralität für diesen Fall ausgesprochen hätte. Wie sehr England die Gefährlichkeit einer vorzeitigen russischen Mobilmachung erkannte, ersieht man daraus, daß am 26. Juli der englische Botschafter Buchanan den russischen Minister Ssasonow davor warnte, durch eine Mobilisierung die deutsche Kriegserklärung hervorzurufen. Zur Vermeidung der russischen Mobilisierung und damit des Weltkrieges würde genügt haben, wenn der englische Minister des Auswärtigen dieselben Worte nach Petersburg hin gesprochen hätte, wie der deutsche Reichskanzler am 20. Juli in Wien sagen ließ: Wir weigern uns, in einen Weltbrand hincin- gerissen zu werden dadurch, daß unsere Verbündeten unseren Rat mißachten. England hat dieses rettende Wort nicht gesprochen, sondern im Gegenteil der russischen Negierung die Gewißheit gegeben, daß ihr unter allen Umständen englische Hilfe zur Verfügung steht. (Hört, hört!) Nur auf englischem Hintergründe konnte Rußland zur Mobilmachung schreiten. Also die deutsche Regierung kann in dieser Sache ein gutes Gewissen haben. Das deutsche Volk ist ein friedliches Volk gewesen und ist es noch heute mitten im Kriege. (Sehr richtig! links.) Es ist falsch, wenn mau glaubt, es sei em Zeichen von Schwäche, seinen friedfertigen Charakter zu betonen. Ein Zeichen von Schwäche würde es sein, zur Unzeit und unnötigerweise demütig um einen Frieden u bitten. Aber es ist kein Zeichen von Schwäche, darüber zu reden, aß alle kämpfenden Völker Europas nur ein Gefühl haben, das Gefühl der Sehnsucht nach der Wicderkehr geord- neter Verhältnisse. (Sehr richtig!) So oft unsere Truppen draußen das Lied von der Heimat singen, in der cs ein Wieder, sehen gibt, so sehr wünschen sie den Augenblick herbei, wo sie wieder zu Frau und Kind, zu Haus und Hof zurückkchren können. Also wir können ruhig bekennen, daß wir ein Volk friedlicher Gesinnung waren und es in der Tiefe der deutschen Seele noch heute so gut f nd wie ft. (Lebhafte Zustimmung.) Aber weil man uns den rieden nicht gönnt, bleiben wir tapfer, so lange es notwendig ist. und m dieser Tapferkeit find wir einig. So sehr es bei uns zv Hause bisweilen auch erscheinen mag, als hätten wir unüberwindliche Gegensätze und könnten uns überhaupt nicht mehr verstehen, so sind doch alle Berichte der wirklichen Kämpfe darüber einig, dah dies Gespräche der Zuhausegebliebenen sind und daß der Wille, das Vaterland zu erhalten und zu verteidigen, heute noch genau so vorhanden ist wie am 4. August 1934, wo noch keine Mensch - seele ahnte, zu welch technischen.Greue-n der Krieg dieser modernen Zeit fortschreiten kann. Inmitten dieser Kriegstechnik so als ein geschlossenes Voll durchzuhalten, das ist etwas Großes und Bewundernswerte- lVM- fall). Daß wir heute mitten in Europa noch so dastehen, daß die Fläche Mitteleuropas frei und friedlich ist, während der Kamps an den Grenzen und in den Ländern der Feinde tobt, das ist eine Leistung, die allem herumschleichenden Pessimismus gegenüber in ihrer ganzen weltgeschichtlichen Größe ausgesprochen werden muß. In der Vergangenheit wurden die Kriege auf deutschem Boden geführt, heute geht ganz Mitteleuropa von Helgoland brs Konsian- tinopel friedlich seiner Arbeit nach, während der Krieg jenseits der Grenzen tobt. Das dies möglich geworden ist, und wir nicht der Kampfplatz geworden sind, wie es früher bis zur Schlacht bei Leipzig der Fall war, ist eine Tatsache, der gegenüber alle sogenannten RichtungSbildungen und Streitic^eiten über Kriegsfiib- rung kleinlich erscheinen (Sehr richtig! links.) Der Krieg felber ist unendlich viel größer als die Fragen, über die im einzelnen gestritten wird. Man soll bei diesen Dingen doch nicht glauben, daß es jemals möglich sein könnte, komplizierte Fragen der Heeresoder Marincführung, verbunden mit wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkten von äußerster Schwere und Verwickeltheit, zum Verständnis jedes einfachen Mannes zu bringen. (Sehr wahr!) Wir reden so viel von unserer Verantwortung als Abgeordnete. Aber jeder einzelne von uns ist doch ftoh, tvenn er persönlich eine Verantwortung in diesen Dingen hat. Wie sollen nun Leute, die die Möglichkeit der Orientierung noch weniger haben, ein fertiges Urteil gewinnen können? (Sehr richtig!) Es ist eine falsche Beeinflussung des Volkes, wenn man ihm beibringt, es könnte Dinge entscheiden, zu deren wirklicher Entscheidung die Voraussetzungen notwendig fehlen müssen. (Lebhafte Zustimmung links.) Mn gewisses Maß von Vertrauen ist in der Kriegführung notwendig. Das war immer so und wird immer so bleiben. Auch bei der republikanischsten und demokratischsten Verfassung müssen die Völker in solchen schwierigen Tagen von einigen Trägern geführt werden. Dieses Vertrauen ist einer der Materialbestande, und zwar einer der wichtigsten der Kriegführung überhaupt. (Sehr richtig! links.) Theoretisch kann man sich vielleicht den Fall denken, daß eine Führung so ungenügend ist, daß sie er- ledigt ist. Aber dieser Fall ist nicht unser Fall- Wir haben in zwei Jahren gegenüber übermächtigen Angriffen standgehalten und halten noch heute stand auf der ganzen Linie. Das beweist allein schon, daß wir unser Vertrauen nicht vergeblich verschenkt haben. (Beifall.) Das soll natürlich nickt bedeuten, daß jede einzelne Handlung durchaus die Billigung dieser oder jener Gruppe zu haben braucht. .Das bedeutet auch nicht die Zustimmung zur Auswahl jeder einzelnen Person in staatlichen Aemtern, keineswegs eine Billigung jedes Tagewerkes der Politik. Das Volk im Ganzen fragt sich, ob es eine ehrkian, sachliche und tapfere Leitung hat. Wenn es denLEindruck gewinnt, daß diese vorhanden ist, dann geben die Leute sichrer Pflicht nach. Man soll sie aber nicht irre machen in diesem Vertrauen, weil dieses Vertrauen absolut notwendig ist für den gemeinsamen Kampf. (Lebhafter Beifall.) Wir brauchen eine Regierung, die den Krieg wie eine Schicksalspflicht führt, die ihr von einer höheren Macht aufgez-wungen worden ist, nicht wie eine Willkür der Volker, die den Zeitpunkt abwarten, wann sie in 'den Krieg eintreten wollen. Wer glaubt, der Krieg könne wie ein Schachspiel gespielt werden, dem kann es so gehen, wie es hoffentlich den Rumänen auch weiter gehen wird. (Lebhafter Beifall.) Die Negierung, die das deutsche Volk, ganz abgesehen von allen religiösen Schattierungen, braucht, ist eine Negierung, die daran glaubt, daß die Welt selbst mit uns in gewissem Sinne noch etwas vorhat in der Weltgeschichte. Mit den Idealen, die uns Kant, Fichte. Schleiermacher und unsere großen Philosophen gegeben haben, kann Deuffchland auch in solchen schweren Zeiten durchhalten. Das deutsche Volk wünscht sich eine Regierung, die über den Krieg hinausgeht, weil wir auch nach dem Kriege wieder Volk unter Völkern sein müssen. Das deutsche Volk will einen Frieden in Ehren, der seine politische und wirtschaftliche Existenz sichert. DaS Vertrauen des Volkes gilt nicht einer einzelnen an der Spitze stehenden Person, es gilt der Gemeinschaft, die, auf Stufen geordnet, im Pflichtbewusstsein in diesen zwei. Jahren zusammengestanden hat und weiter zusammenstehen wird bis zum Ende dieser Prüfung. (Beifall.) Dieses Vertrauen auszusprechen, haben wir ein Recht, denn das ist nicht mehr eine technische Frage sondern eine innere Frage des Volkes in seiner Stellung zu dem Kampfe, der sein schwerstes und größtes Erlebnis ist. (Lebhafter Beifall.) Man hat gesagt, daß die Stellungnahme zu den un- vermeidlichen Auseinandersetzungen vielfach davon abhängi. welche Hoffnungen, Erwartungen oder Befürchtungen der einzelne in der inneren Politik hat. Ich glaube nicht, daß das in so 'großem Umfange der Fall ist, wie es vielfach ausgesprochen wird. In der außerordentlich warmen und ergreifenden Darstellung, die der Abg. Scheidemann von der Notwendigkeit und Dringlichkeit einer politischen Neuorientierung gegeben hat, ist der einzige Punkt, in dem ich nicht mit ihm übcreinstimme. der Gedankengang, als ob unsere Auseinandersetzungen hierüber wcfent- lich nur eine Fortsetzung der alten Kämpfe um das Herrschaft?- Prinzip im Innern wären. Es spielt da vielmehr bestimmend mit, daß in einer Zeit, die voll ist von Problemen der auswärtigen Politik, sich nun auch die Formeln der auswärtigen Politik in den Auseinandersetzungen zwischen öen Parteien und mit der Regierung eir^ustellen anfangen. Wir lehnen es jedenfalls ab, daß unser Vertrauen zur Regierung sich darauf grünbet. daß sie eine Neuorientierung versprochen hat. Wir wollen dasselbe von^ der Gegenseite annehmen und nicht glauben, daß sie ihre politischen Entschlüsse aus innerpvlitischcn Erwägungen heraus saßt. Was später einmal wird, wenn der Krieg zu Ende ist, dazu sind wir beiderseits noch Manns genug, um oas miteinander abzumachen. (Sehr richtig und Zustimmung.) Zunächst haben wir alle miteinander nur das eine ungeheure Bedürfnis, siegreich und erfolgreich aus diesem Kriege hervorzugehen. (Lebhafter Beifall.) Was nützen uns alle Reformen, wenm wir mit einer Niederlage belastet, geschlagen durch die künftige Weltgeschichte gehen müssen. Dann sind alle Reformen nutzlos cm ein ungeeignetes Objekt de endet. Nach dem Kriege kommt eine Neuorientierung von selbst, nicht so sehr awf Grund gegebener Versprechungen (Sehr richtig!). Die Versprechungen, die die Regierung in dieser Beziehung gegeben hat, sind außerordentlich lufftartig (Heiterkeit). Will man feststellen, was vom Reichskanzler, von Dr. Delbrück oder dem jetzigen Staatssekretär Dr. Helfserich uns versprochen worden ist, dann greift man und greift man und kann eS antragsmäßig doch nicht ausdrücken (Sehr richtig!) Wir verstehen, daß das so ist. Man will dem Volke sagen, daß eS nach dem Kriege anders koni- men wird, aber man will während deS Krieges nicht den Streit um Paragraphen Hervorrufen. Vielleicht ist das sogar sehr klug. Aber es gehört vielleicht in jene Klugheit hinein, die letzten EndeS gar zu schlau ist, in jene Klugheit, bei der die Masse nur das Versprechen hört und sagt, daß Versprechungen allein keine Bedeutung haben (Sehr richtig! links). . Nehmen wir aber wirklich einmal an, es kommt einmal so, wie man es, biblisch ausgedrückt, mit den Worten bezeichnen kann, baß Pharao nichts mehr wußte von Joseph und seinen Brüdern. (Stürmische Heiterkeit, in die auch der Reichskanzler einstimmt.) Was würde bann? Daß nach diesem Kriege, wenn die Millionen nach Hanfe kommen. alles genau jo. bleiben wird, wie es vorher war, daS glaulie, wer das glarcken kann. i . (&efy: richtig! IiitfS.) Denn ^tefcr Krieg ist eine solche ÄufrüMe- hiag und Durchschüttelung offcr Menschenkinder, eine solche abso- lute Hinlenkung jede- einzelnen auf *ic Notwendigkeit des ©taor te& mxo feiner Organe, dost etwas Neues kommen muß. (Erneute Zustimmung lmks.) Mas bedeurer es allein, daß die Frau jetzt in lhrem Haushalt so unendlich reglementiert wird, daß sie in einer vor dem Krieg ungeahnten weife geradezu kodifiziert worden ist. ^T Z H Zustimmung links.) Auch tue Männer, die aus r dem Krieg ungeahnten Weise geradezu kodifiziert worden ist. Yinausgegangen sind, segnend gedenkend der Toten, die zu Hun- derttau,enden draußen geblieben. Mer kann man es sich wirklich denken, daß unsere Soldaten nach Hau,e kommen und sozusagen mit dem K-aiser an der Spitze durchs Brandenburger Tor einziehen und daß man ihnen dann tagt. Lv, jetzt seid ihr wieder durch das Brandenburger Tor ein» gezogen, jetzt bleibt daheim «lleS. wie es vorher war! (Sehr gut' W . Das ist c i n« glatte seelische Unmöglichkeit. «Lebhafter Beifall links.) Wer glaubt, wir könnten es wirklich erleben. daß nach dem Kriege politische Rechte so verteilt sind, daß, wer rnfolge von Dienstuntauglich-feit seinen Besitz wesentlich vermehren konnte, hoher steigt rn politischen Rechten, und daß, wer durch den Dien,t an der Front in seinem Besitz herabsank, poli- tlsih degradiert ist, der mag das tun. Ich halte im« für eine solche qmtte Unmöglichkeit, daß ich mir kein Volk unseres Bildungsstandes auch nur vor stellen kann, daß sich nach einem solchen Kriege in der alten Weise klassifizieren läßt. (Etürmischer Beifall links.) H nö ble , t> r cuMfc$e* $ofcn ! Sie haben tadellos iyre Pflicht getan. Sie kommen auch mit zurück. (Glaubt man, daß man ihnen dann sagen kann, daß sie ein fremder Staats- torpcr in un,ercm Staate fei^n? Blut ist Blut. Ein jeder hat nur eiil Leben zu vergeben. Das ist sein Bürgerrecht und seine Bürgerpflicht. Uber der Staat farm doch nun nicht sagen: Dein -eben, c.as'rechne ich nicht. Er muß sagen, daß. wer mitgekämpst hat, auch zu uns gehört. (Beifall links, im Zentr. und bei den Polen.) . Wir werden auch andere Unterscheidungen fallen lassen Tü r •* geistliche Orden, mögen sie uirS lieb oder nicht iisb sein, können nach dem .Kriege, nachdem sie draußen mit Seel- iorgc geleistet haben, nicht wieder in einen RechrSzustand versetzt iwerdeu, der mit der Tätigkeit im Kriege im Widerspruch steht (Zustimmung lyr Zentrum.) Da hilft alles nichrs. Nun wäre es ?a viel einfacher, daß dies alles nicht erst durch Kämpfe der e \^ ld}t ^b, sondern daß wir unter Vorantritt des Kaisers muten im Krieg einmal einen Tag der großen bekoinmen würden. (Stürmischer Bei- fall.) Die,er Tag wurde ein Tag sein, an dem in allen Schützengraben die Empfindungen des 4 . August wieder in idrer urfprüiig- lichen^ Gewalt und Starke sich zeigen würden. Ich bezweifle, ob wir dw,en Tag großer Freiwilligkeit erleben werden Aber ™ gekannten Lage der Kriege? unter dem Blei- gewicht des Uebermaßes der Feinde habeii wir die Gesinnung auS «eifall recptS.) Meine Fveunde und ich haben >m> Anfang ^ n _ den Gedanken vertreten, daß die Niederringung Englank» das Hauptziel dieses Krieges sein muß. Dieser Gedanke hat mehr und mehr im Volke Verbreitung gesunden. (Sehr richtig!) Wir freueist uns, daß nicht mehr gesagt werden kann, dies sei die Au,ra„ung irgendeiner Gruppe oder Partei. Wir sind auch ein- versranden m.t dem. was der Reichskanzler in dieser Beziehung ani 28. September ausgesprochen hat, vor allem mit dem Ge- danken, daß gegen England alle Kampfmittel eingesetzt werden mupen. Mit hoher Bewunderung und Dankbarkeit gedenken wir dabei unserer Flotte und unserer Zeppelin- ^Ust,chrfse. Ich will keinen Zweifel darüber lassen, daß wir durchaus der Meinung sind, die Angriffe unserer Luftschiffe wer- dcn Freiheitskriegen bitter notwendig. Materiell sind wir gegen Feinden die Schwächeren. Was wrr an Plus haben, dar stt das Innerliche, das Seelische, das Volks tumliche der geschlossene Wille eines ganzen Volkes von unten b,S oben. Wir haben vor dem Kri^ rih ti 5 /° If berJa r , ” lK 1 .®* r ^ben es erst in diesem großen fnr fVr£51 Ö ^nncn gelernt rn feiner Zähigkeit, in seinem Willen llrin^ ^ noch-hundertfältige Frucht bringen. (Lebhafte Zustimmung links.) m. J ■£! C lEtden Tüchtigen! hat der Reichskanzler gesagt. Vielleicht Eint« er nur: freie Bahn in der diplomZ. I ® av J 1 c r c ! (Heiterkeit.) Wievrel Leute ohne geord- dsiS des Lebens draußen glänzet /Lebhasie Zuchmnrung.) D«S gibt nach dem Kriege erne Neuorientievung nicht nur der politischen Rechte, sondern Ergichung, der Fürsorge für Volk im ganzen i/rü 0be ? ,un *en. Üeber alle Parteien hiirweg spricht die poli- ^sche Heimat. Wir wollen fein ein e i n 1 g V 0 l f von f- ZU ^- eX ^ iwarrtzen stehen, antworten: wir wollen smn wie d^ Vater waren: eher den Tod als rn der (Ü: n i?rr ' T? f * f t b e ti. Und darauf wollen wir antworten: ^ ?en Gott und uns nicht fürchten vor der Macht, der Menschen! (Lebhafter Beifall.) den von keinerlei politischen Einwirkungen und Hemmnissen ge- hindert. W,r freuen uns dieser Angriffe, weil sie den Engländern zeigen, daß der Krieg nicbt ein Sport ist, sondern am eigenen Leibe ge,prirt wird. (Beifall rechts.) Mit dem Berichterstatter sind wir einverftmrden, daß eine ein- 2spende Besprechung der militärtechnischen, politischen und wirt- ichaftlichen prägen de? U-BootkriegeS dem vaterländischen Interesse nicht dienlich wäre. Die Wahl des Zeitpunktes muß natürlich auch der militari,chen Oberleitung überlassen bleiben. Wir müssen aber auS,prechen daß die politische und wirtschaftliche Entwicklung in den verichledeniten neutralen Ländern uns in der Ueberzeuaung bestärkt hat, daß die kräftige Einsetzung unserer U-Boote dringend "^wendig ist. um uns dem Sieg über England näher zu bringen. «Lebhafte Zustimmung rechts.) Die innerpolitischen Erörterungen können fetzt gewissermaßen nur al, HilfSstellung für den Kampf draußen dienen. Wir glauben, daß wir unfern Kämpfern draußen teme Hilfe damit leisten, wenn wir über diese Fragen jetzt erbitterte Kampfe führen. Die Versuche, die der Abg. Scheidemann ? or ö J:. m .? rie ß e sind wahrend beS Krieges gemacht hat, um auf die ,cziali,n,che Internationale einzuwirken, haben uns keineswegs dem Ziele naher geführt. Er hat schon vor dem Kriege der internationalen Sozialdemokratie gegenüber den Friedenswillen der deutschen Arbeiterschaft betont. Aber die Antworten, die von Nach dem Brief des Professors Coßmann handelte es sich übrigens nicht um die Zahl der Ltampftnittel, sondern um den ver. fcnkten oder zu versenkenden Frachtraum, aber auch nach dieser Richtung wurde völlige Klarheit in der Kommission geschaffen, daß ö - Drpitz genau dieselben Angaben, vielleicht nur in etwas vorsichtigerer Form gemacht har, wie sie nachher von anderer Seue gemacht wurden. Es ist weiter dahin gekommen, daß nicht nur Prowpor Valentin, über dessen Qualifikation zum Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt und über dessen weitere Verwendbarkeit dazu die Meinungen wohl geteilt fein dürften, sondern auch von -mderer Leite Angriffe unter Berufung auf amtliche Informationen er- hoben wurden. In der Kommission wurde festgcftellt daß weder lolche Informationen erteilt wurden, noch irgend eine Berufung jener Behauptungen auf eine amtliche Persönlichkeit berechtigt Die,e Gerüchte sind ausgenutzt worden, um Stimmung z,u waren. Stög @rxrf Westarp (.Kauf.): Auch meine palitischen Freunde vQlagen tref umd schmerzlich die ungeheuren Opfer, die der Krieg erfordert. Auch w,r ftihlen mit der Masse des Volkes die vieleii c l ncn Blick für die Schädigung 'des WirtschcsikslÄbenS, für die Schädigung materieller und ideeller Guter, die der .Krieg, je länger er dauert, mit sich bringt. Es gibt niemand, der nrcht ein baldiges Ende des Krieges her- beifuhren wollte. Verbrecher sind Ausnahmen. Uiid den ver- orecherifchen Gedanken, daß jemand nm eigenen Gewinnes willen eine Verlängerung des Krieges wünschen wollte, wird man ,m deutschen Volke nicht finden. Kein <5ümb, keine Gruppe, keine Partei wird eine Verlängerung der Krieges um des Krieges selber wollen. Aber mit dKsen Wünschen nach einem baldigen Frieden rst das ent,cyeidende Wort nicht gesprochen. Auch darüber besteht wohl im ganzen deutschen Volke Einigkeit. Nur mit einer Gruppe ist erne Auseinaiiderfetzunb darüber nicht möglich. Die Herren don der Sozialdcmokrati,chrn Arbe-itKgememschast haben am 15. Dezember Beschlüsse gefaßt, die. wenn sie auSgeführt worden *><****' oje Regierung gezwungen hätten, cm» Mangel an finan- ziellen Mitteln unsere Grenzen zu entblößen und den Feind ins Land hrneinznlassen. Diese Herren haben das Recht verwirkt, daß man ernstlich über diese Fragen rrthk ihnen verhandelt. (Sehr richtig, rechts.) ' 7 Es handelt sich nicht nm Entscheidikngen d»S Tage« und für den Tag. Wir kämi-fen nbcht nnr s»r die jetzige Generation, stmDern für Kinder and «inbeSki,rd»r. und turmhoch iDer dein Einzelschicksal steht das «Schi^al und die Entwicklung des deutschen Volkes. Um diese Entwicklung und diese Zukunft geht der Kampf. Darum ist es notwendig, die N>vt des Tages nm der höheren Zrele willen, der deutschen Zirkunst willen, zu ertragen. Ginrgkeit besteht darüber, daß inrr ein Friede rn Frage kommen kann, und fottten wrr noch monatelang, noch fahrelcmg darum kämpfen müssen, der die Zukunft deS deutschen Landes und des deutschen Volkes sichert. Der sozialdeniakratische Parteivorstand hat in seiner Kurtd- aebung als FriedenSzieie formuliert die territiwiale Unversehrt- tzert die politische Unabhängigkeit und tvivtjchaftlichc Entwicklungö. frecheit Deutschlands. Das sind Ziele, denen man wohl zustirn- (Lachen bei der Soz.-Arb.) Meinnnasverschieden- hesten können nur darüber entstehen, ww diese- Ziel z» erreichen ist, das; uns zr. B. Englanid in Zuknnft nicht überall, wo wir unS betätigen wollen, fmn ^Hande weg" zurüft. Die Meimingsver- fchledenheiten erstrecken sich auch d dürfen wir in dem gegenwärtigen Augenblick gar nicht anders betrachten als von dein Gesichtspunkt au?: wie ist es möglich, dabei die Einigkeit uiiicres Voltes zu erhalten? So töricht wird niemand sein, leug- neri oder die Augen davor verschließen zu wollen, daß nach dem Frieden neue Aufgaben und Ziele kommen, die neue Anschauungen und Grundsätze bringen werden, und da wird man auch uns an der Arbeit finden. (Zustimmung rechts. Lachen links.) Was aber unter Neuorientierung in erster Linie verstanden wird, das ist dre Demokratisierung all unserer Einrich- £ U ± n VJ 1 ’ ^de des Abgeordneten Scheidemann bewiesen hat. Ich möchte davor warnen, jetzt während des Krieges an da? vom Abgeordneten Scheibemann entrollte Programm heran- zugehen. Nach dem Frieden werden wir unfern Standpunkt ver- treten, daß die Grundlagen der Monarchie und auch die Grund. 2>ifaipHn Ma-Ru'fe und links), die sich herrlich bewahrt haben im Kriege (Beifall rechts) zu erhalten sind. Jetzt während des .Krieges kann über diese Dinge mcht verhandelt werden, ohne die innere Einigkeit auf dar schwerste zu gefährden. Eine RcichSregierung, die auf dem Baden der konstitutionellen Monarchie steht, wird die Forderungen des Abgeordneten Scheidemann nicht restlos erfüllen können. Würde jetzt an diese Probleme herangetreten werden, so würden gauz gewiß die Freunde des Ab^. Scheidemann mit dem, tvas so gewährt werden wird, nicht zufrieden sein und es wird auch nach fener Seite hin die Einigkeit im deutschen Volke nicht erreicht werden. (Se-hr währ rechts.) Die innere Einigkeit unseres Volkes schließt ganz gewiß Mei- nuugsverschiedenheiten in Fragen der Kriegs- und Wirtschaftsführung mcht aus, auch nicht, daß sre auSgetragen werden können und müssen. Ausgeschlossen sein sollte alles das, was man mit Recht als Treibereien und Fronde bezeichnen kann. Ich brauche gar nicht erst darüber zu reden, daß wir alles auf das strengste verurteilen, was auf schlechten Glauben, mif egoistischer Parteitaktik beruht, daß Klatsch, der aus der Eitelkeit, gut infor- mwrt zu sein, und aus Oberflächlichkeit entsteht, uns höchst un- sympathisch ist. Auch hier gibt es Erscheinungen, die einen trüben Ausblick rn die Zukunft eröffnen können. Aber ich stimme dem Abgeordneten Bassermann darin zu, daß es ernste patriotische opferwillige Männer sind, die sich beschwert und beunruhigt fühlen und sich mit öffentlichen Fragen beschäftigen — das liegt in der Luft des Krieges und in seiner langen Dauer, auch in der nicht zu umgehenden Unklarheit über manche Dinge und in der vielfachen Erschwerung der Aufklärung durch ungee»gnete Maß- nahinen der Zensur. Unter den Kritikern aber sind Männer, die weit erhaben find über den Verdacht, auch nur fahrlässig gehandelt zu haben. Ver- urteilt man die Auswüchse auf der einen Seite, so darf man nicht zuruckhalten in bezug auf die Treibereien gegenüber dem Großadmiral v. T i r p i tz. Die Behauptung, daß ernber die Zahl der Kampfmittel falsche An- gaben gemacht habe, ist in der Kommission re st- b 5, r 1 c , 9 1 worden. ES waren in einem Buudesrats- ausschuss Angauen von einer Minderzahl der Teilnehmer mißverstanden worden, war dazu geführt hat, daß in der nächsten Sitzung derjellbe Kommissar de- Staat-sekretär- t>. Tirpitz seine ^aoen wiederholte. Die- ließ eine scheinbare Unstimmisksit machen gegen den Gedanken, um den es sich hier handelt. Ein anderes Moment liegt in der Person des Großadmirals von Tirpitz. (Sehr richtig! rechts.) Es ist heute darauf hingewiesen ^o^den, daß dem Großadmiral eine konservative Kandidatur im Wahlkrei,e Oschatz-Pirna angcboten worden ist, daß er aber abge- ^hnt hat. Das ist geschehen. Es ist geschehen, ohne daß wL Un ^f. informiert, ohne daß wir festaestellt ob der Großadmiral von Tirpitz der konser- ^wen Partei beizutreten geneigt sei. (Verhaltene Ah-Ruse.) Es ist geichehen von den Konservativen Sachsens m dem Wunsche, erbe Persönlichkeit, von der sie eine besonder« Sachkunde und eine besonders energische Vertretung auswärtiger «5ragen überhaupt erwarten durften, dem Reichstage zur Vor- fugung zu stellen. (Unruhe.) Also um Parteizugehörigkeit handelt es (ich nicht, wenn ich auf das schärfste verlange, die Verbreitung von herab,etzenden Gerüchten gegenüber einem Manne zu unter- ^ßen. ohne dessen Lebenswerk unsere Flotte nicht die kechnische. militärische und di,ziplinarische Vollkommenheit erreicht hätte, mit der der Sieg vom Skagerrak errungen woredn ist, mit der all' d i c V^s" /Jx? M " t ri l0 L n unserer Flotte erreicht worden und. (Sturmi,cher Beifall.) * 5 ud L to l c ^ben unter unrichtigen Darstellungen zu leiden w ^ M ^n 'eiten der offiziösen Presse, auch von seiten der „Norddeut,chen Allgemeinen Zeitung" ist in allen diesen Dingen doch nicht immer in der Weise verfahren worden, wie wir es von ^einem amtlichen Organ voraussetzen mußten (Unruhe), weil die ,yorm mit der da gekämpft worden ist, unS der Größe der Zeit und der Sache nicht immer ganz würdig zu sein schien. Auch die demokratiiche Presse hat bedauerliche Vorwürfe gegen uns erhoben. Mein unmittelbarer Vorredner hat in durchaus zu- treffender Weise davor gewarnt, die Meinungsverschiedenheiten aus dem Gebiete der Kriegführung und der auswärtigen Politik immer wieder auf inncrpolitische Herrschastsbestrebungen und aus innerpolitifche Motive zurücksühren zu sollen. Auch in den heutigen Besprechungen ist viel von Kanzler, ffonde und von Kanzlersturzcrei die Rede gewesen. Der Abg Scheidemann hat manchen Einzelfall anführen zu sollen geglaubt Aeußerungen einzelner, beispielsweise des Fürsten Salm. Man weiß nicht recht, wie die mitgeteilben Briefe in seine Hände ge- ^ imen (Unruhe links), und ob das nicht auch unter das Schlagwort der Treibereien subsumiert werden könnte. Bei ^esen, ganzen Auseinandersetzungen klingt, nicht gerade aus- orucklich ausgeiproch^en, ab^r doch sehr deutlich erkennbar, immer ein gewisser Hinweis auf die Partei der Konservativen hindurch, die Extremen von der rechten Seite und ähnliche Aeußerungen Es ist sa"taktisch eine ganz glückliche Situation, wenn man solche Vorwurfe erhebt, ohne gerade eine bestimmte Stelle zu nennen an die man sie richtet, wenn diese Stelle doch sehr deutlich er-' kennbar ist. Wenn der andere nicht antwortet, kann man sagen: er gibt eS zu, und wenn er antwortet, kann man sagen- wen '4 iE, der kratzt sich. (Heiterkeit.) Diese Art der Kampffsweist mochte ich nur kurz charakterisieren. Aus solche unsubstanziier:ten Ver,uchc zu antworten, Erklärungen einzelner der Partei in die Schuhe zu schieben, empfiehlt sich nicht. Es war aber notwendig, die,« Tinge zu berühren, obwohl sie wahrhaftig nicht der Einig- keit nn Volke förderlich sind. (Lebhafte Zustimmung.) Denn nicht durch Vertuscheln und Verschleiern, sondern nur durch offene Aussprache dient man dem Gänsen. (Sehr richtig!) Wenn wir nun das große Ganze ins Auge fassen und wieder den Blick dahin richten, wohin er sich heute von seWst richtet, dann kommt es im gegenwärtigen Augenblick auf Worte und selbst aus Beschlüsse viel weniger an, es kommt auf die Taten an, und da hat unser Volk doch in deri letzten Tagen wieder durch eine große, durch eine glänzende Tat bewiesen, daß es einig und geschlossen hinter seinem Heere ffeht; ich denke an den Ertrag der Kriegsanleihe. Der Dank gebührt dem großen Zeichner, der ^.auiende und Millionen gezeichnet hat, der Dank gebührt aber auch dem kleinen und kleinsten Zeichner, auch er kann wissen, daß ,ein Betrag zum finanziellen Erfolg, der Anleihe notwendig war, vor allen Dingen hat er aber die Zahl der Zeichner für seine Per,an erhöht. Darauf kommt cs au, um den DelveiS zu führen, daß.un,er Volk geschlossen und einig hinter dem Heere steht. (Bersall.) Nach den Darlegungen, die wir von einem tapferen Kämpfe, der Flotte gehört haben, sind die Voraussetzungen deS Sieges darin zu suchen, daß in der Flotte, als sie in die Schlacht vom Skagerra' hineinftihr, kein Manu gewesen wäre, der nicht den festen Wille, zum Sieg, aber auch den festeii Glauben an den Sieg gehabt hätte Iii diesem festen Willen und Glauben zum Siege weiß ich heute Volk und Heer einig. (Lebhafter Beifall.) Abg. v. Halem (Dtsch. Fr.): Mit inneren Reformen können tvir uns erst nach siegreicher Beendigung des Krieges befassen. -r A.-G.): Die Sehnsucht nach Frieden be- steht bei allen Völkern. Keine Mächtegruppe wird die andere ^^oerringen. Das Völkerrecht fft in diesem Kriege in Stucke geschlagen. Dennoch können wir diesem Kriege nur durch eine Verständigung der Völker ein Ende bereiten. Der Sondcrffiedc mit Rußland ist nur eine Illusion. Von Annexionen darf keine Rede sein. Das muß der Reichskanzler offen mrssprechen, sonst werden die Feinde nicht aushören, an seinen Friedensangeboten herumzumäkeln. Von der Neuorientierung ver. prcchen wir uns nicht viel. Volksrechte werden nicht geschenkt ,e werden erkämpft. Ueherall macht sich jetzt in kriegführenden Landern die Reaktion breit, auch bei uns. Der ^Vorwärts" ist verboten worden wegen eines Artikels „AuS der .Hexenküche der Kanzlerfronde". Darf man denn nicht einmal mehr die Kanzler- E?uer kritisieren? Die wirtschaftliche Lage wird immer schlechter. Die Geduld der Völker ist nicht unerschöpflich. Abg. Dr. David (Sozd.): Der entscheidende Punkt sst der: Soll man auf Grund der jetzigen Kriegslage Frieden schließen oder chll man ihre günstigere Gestaltung abwarten? In diese beiden Gruppen scheidet sich alles. Der Reichskanzler hat schon uiffere Bereitwilligkeit zum Frieden erklärt. Die Gegner wollen aber reinen „vorzeitigen" Frieden „vor der Niederschmetterung Deutsch. ti - 1 ^ )er rücksichtsloseste Krieg mit England, d. h. der ver- ^'^oot-Krieg, wücde den Krieg nur verlängern. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Wir begreifen den Zorn und den Haß. der sitzt im deutschen Volk gegen England vorhanden ist. Englands Aushungerungskrieg hat die Ernährungsschwierigkciten verschuldet. AirS diftn diplomatischen Akrenmaterial ergibt sich, daß Deutschland bei Oesterreich alles getan hat, um den Krieg zu verhindern. England und Frairkreich haben Rußland gegenüber das nicht getan. Ein Schlußantrag wird angenommen. Damit ist die Aussprache über die auswärtige Politik erledigt. Abgeordneter Bassermann berichtet noch über den Ansschuss, antrag, der dem Reichshaushaltsausschuß das Recht gibt zur Be- ratung von Angelegenheiten der auswärtigen Politik' und des Krieges auch während der Vertagung zusammenzutreten, dann vertagt sich das Haus. Donnerstag 3 Uhr: Interpellationen der Fortschrittlichen Volkspartei, des Zentrums und der Sozialdemokrat« L* SRifefimtbe auf dem Slartoffelmarltc, kleine Dorlas