Nr. 225 Zweites Blatt J66. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme VeS Sonntags. Die „Sießener Zamiliendlütter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Urekvlatt für den Nreir Sletzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Oberhejjen Montag, 25. September 19*6 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jcheo Universitäts - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schnstleitung, Geschäftsstelle ii.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^E51,Schrift» Leitung: Adresse für Drahtnachrichtenr Anzeiger Gießen. LLaatssekretär tzsisferrch und andere Keichs- bsarute über MegSVirtschaWche Fragen. Berlin, 23. Sept. (WTB. Amtliche) Ter Staatssekretär des Innern Tr. Helffer: ch enrpfiug an: Freitag, den 22. Sept., Vertreter d-es Deutsche:: Handclstages, des Deutsche:: Hatüwerks- und Geloerbekmimrertages, des Deutscheil Landrvirtschaftsrates !und des -KriegSausschusfes der Deutscher: Industrie, um die Wünsche der Erwerbstätige::. Mr Ä:genblicklick)en kriegswirtschaftlichen Lage ent- gogenztMehnten tünd die Maßnahmen zu besprechen, die nach Ansicht dieser Kreise tnmf> jene Lage bedingt werden. An der Besprechung r.ahm der Staatssekretär des Reichsschatzamtes Graf von Rödern, der- Reichsbankpräsident Tr. Havenstein und der Präsident des Knegsemährungsamtes teil. Im Lause der Mehrstündigen eingehenden Besprechungen, bei denen die verschiedeneir krieaswirtschaftlichen Fragen zur Erörterung gelangten, wurde auch die Frage der Kriegsanleihe,' berührt. Der Staatssekretär des Reick)sschatzanrtes nahm dabei Ber- anlassung, die Wichtigkeit einer soliden Grundlage unserer Kriegs'- sinanzen zu betonen und wandte sich weiter den Gerüchten zu, die deii Aeichmmgserfolg der Anleihe zu schwächen geeigiict erscheinen. In dieser Beziehung führte der Staatssekretär etwa folgendes aus: Schon vor Auflegung der Anleihe ist das unsinnige Gerücht entstanden, die Regierung beabsichtige, sämtliche Sparta s seng nt haben zu beschlagnahmen, was vor einigen Wochen manchen kleinen Sparer veranlasse, sein Guthaben von der SparkassMnrückzuziehen. Die Tatsachen haben inzwischen dieses Gerücht Lügen gestraft. Sie haben bewiesen, daß die Regierung nie daran gedacht hat, bei dieser Anleihe zu einen: Zwang in irgend einer Form zu greifen. Freiwillig sind bisher 36 Milliarden vom deutschen Volk in langfristigen Anleihen ausgebracht. An die Freiwilligkeit nrtd die Einsicht des deutschen Volkes soll auch jetzt ::nr appeliert werde::. Dann folgte das Gerede, die Kriegsanleihe:: würde:: vor Ablauf der Konvertiernngsfrift in ihrem Zinssatz herabgesetzt loer- den. Dieses Gerücht geht vereinzelt mich immer um und hält manche ängstlichen Gemüter von der Zeichnung zurück. Gewsß werden wir nach dem Kriege Geld brauchen, aber Finanz- : Wissenschaft und Steuertechnik sind ausgebildet genug, nur dann, wenn es nottirt, nicht den W,eg des Bruches eines Zahlnngsver- sprechens, sondern den einer gerechten u::d gleichmäßigen Heranziehung der Steuergnellen zu beschreiten. Jede Regierung und jedes Parlament werden es als ihre vornehmste Aufgabe betrachten, den Gläubigern, und zu ihnen gehören auch viele Millionen wirtschaftlich Schwache,,das gegebene ZahlungsVersprechen zu halten, das heißt also, die Anleihen zu vollem Zinssatz zu verzinsen, ttnd dann, wenn nach dem Jahre 1924 von der Kündigung Gebrauch gemacht werden sollte, sie zu volle m N ennwer t zurückzuzahlen. Das Interesse an den künftigen Steuern ist in weiten K . eisen schon recht groß. Die gegenwärtige Lage hat es noch nicht er-< fiordert, daß der Bundesrat zu irgend einem der verschiedenen FinanzProjekte Stellung nahm, und die Finanzverwaltung wird vor ihrer eigenen erwgnltigen Stellungnahme nicht unterlassen, über die sür die einzelnen Produktionszweige wickftige Frage mit den für diese Produktion wichtigen Wirtschastskreisei: Fühlung zu nehmen. Der Reichsbankpräsident wies in Anknüpfung an diese Darlegungen des Reichsschatzsekretärs darauf hin, daß diese Kriegsanleihe wie keine andere endscheidend sein könne, als der eindrucksvolle Und überzeugende Beweis, daß das deutsche Volk, wie mit den Waffen, so auch mit der Finanzkraft unüberwindlich sei. Die hier vertretenen großen Verbände sind die Generalstäbe der großen wirtschaftlichen Heeresgruppe:: des dent- '! cTjert Volkes, ihre Mitglieder die Offiziere dieser Armeen der Heimat. Wie draußen unsere kämpfenden Mannschaften ihr Alles Ansitzen, wenn ihre Führer, zu denen sie Vertrauen haben, ihnen Beispiel und Vorbild sind, so werden auch die Mannschaften der Heimat, die große Masse der Zeichner, sich mit ihren: Gut und ganze:: Können mit in die Reihe stellen, wenn auch hier die Führer, die 'ihr Vertrauen haben, mit Wort und Beispiel, mit dem Einsetzen ihres eigenen Gutes und ihrer Person heMortreten und ihre Gefolgschaft sichern. Viel ist schon von Ihnen allen getan, aber überall in ihren Wirkungskreisen findet sich jurd) manches Stück unbearbeitetes Land. Von den altenundan gelegten Vermögen wurde durch Inanspruchnahme und Beleihung der Tar- lehnskassen tun: wenig erst flüssig gemacht. Hier liegt noch eine stiarke Quelle neuer Mittel für die Anleihe, die es auf- z uschließen gilt. Mancher zweifelt, ob er die Kriegsanleihe alsbald nach dem Kriege werde :vieder zu Geld machen können, wenn ein. gleicher Bedarf bei vielen Zeichnern gleichzeitig entstehe. Indes diese Sorgen und Zweifel sind nicht berechtigt. Es sind bereits ganz bestimmte Pläne und Maßnahmen in Aussicht genommen, die nach menschlichem Ermessen geeignet und ausreichend sein werde::, auch einen sehr großen Andrang solcher Wertpapiere aufzunehmen und unter Mitwirkung der Darlehnskassen die allmähliche Wiederaufsau gnng und Unterbringung dieser ausgenommen en Bestände auf eine entsprechende Anzahl von Jahren zu verteilen. Der Reichsbankpräsident legte die hierfür zurzeit in Aussicht genommenen! Pläne und Maßnahmen des näheren dar und fand damit die voll- befriedigte Zustimmung der Versammlung. Des weitere:: erörtert wurden Stand und Sicherung nn-- serer Volksernährung. Der Präsiden tdes Kriegsernährungsamtes legte in längeren Ausführungen, dar, daß trotz aller Schwierigkeiten im einzelnen die gute Getreide- und Futtermittelernte eine günstige Entwickelung des Viehstandes und eine Besserung der Gesamtverhältnisse gegenüber den: so außerordentlich ungünstigen Vorjahr erwarten lasse. Besonders, eingehend wurde der von England gegen uns organisierte, in deir letzten Zeit :wch verschärfte Wirtschaftskrieg besprochen. .Der Staatssekretär des Innern legte dar, mit welche:: Mitteln England arbeitet,, um uns nicht nur während des Krieges wirtschaftlich niederzuschlagen, sondern auch nach dem Kriege dauernd nieder zu halten. Das deutsche Volk hat sich bisher der schweren Probe dieses in der Weltgeschichte unerhörten Wirtschaftskrieges gewachsen gezeigt. Trotz der vielen Millionen von Männern in: kräftigsten Alter, die aus schaffenden Berufen herausgenommen wurden und im Felde kämpfen, ist es gelungen, die kriegswichtigen Industrien auf der Höhe ihrer großen Aufgaben zu. halten. Unsere Stahlerzeugung, die so gut wie ausschließlich für den Krieg arbeitet, überschreitet heute 80 Prozent der höchsten Friedensproduktion. Tie S t e: n k o h l e n g e w in - n n n g bleibt nur wenig hinter diesem Satze zurück. Die B r a n :: ko hle n er zeu g n n g ist sogar höher, als sie je in Friedenszeiten gewesen ist. Reue große Industrien, wie die S t: ck st o s f: ndn stx i e , sind, während des Krieges aus der Erde gestampft worden. Unsere Felder sind, trotz Leutemangels, sorgfältig bestellt worden und haben gute:: Ertrag gebracht. Der Güterverkehr auf den deutschen Eisenbahnen hat den Friedensumfang nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten. An der Erhaltung unserer Wirtschaftskraft in diesem Kriege, der die kräftigsten Arme für die Verteidigung des Vaterlandes verlangt, hat die den t s che Fr a u ein garnicht hoch genug zu rühmendes Verdienst. Niemand kann bestreiten, führte der Staatssekretär des Innern weiter aus, daß wir unter dem britischen Verbrechen des Wirtschaftskrieges schwer zu leiden haben, und daß unserem Volke nun im dritten Jahre die größten Opfer und Entbehrungen auferlegt werden. Aber gerade die ungewöhnlich schlechte Ernte des letzten Jahres hat den Beweis erbracht: Wir können nicht ausgehungert werden. Auch unter den ungünstigsten Verhältnissen reicht unsere Arbeit aus der heimischen Scholle aus. um uns, wenn auch nicht vor Entbehrungen imb Not, so doch vor dem Aeußersten zu bewahren — vor der Unterwerfung unter der Willen des Feindes. Von den Vertretern der Organisationen wurde übereinstimmend betont, jetzt der: Kampf unter Zusammenfassung aller Kräfte mit äußerster Entschlossenheit zu führen, gerade weil England nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch finanziell die Seele des gegen uns geführten Vernichtungskrieges ist. Es gelte jetzt, in der Zeichnung auf die Kriegsanleihe unsere finanzielle Unbesiegbarkeit erneut zu beweisen und auch auf diesem Gebiete unserer Mriegführmw die Mftffen zu liefern, deren sie zur Niederkämpfung dieses gefährlichsten Feindes bedarf. Die sozialdemokratische Reichskonferenz Berlin, 23. September. In der heute fortgesetzten Aussprache sprachen noch für die Mehrheit Sindermcum (Dresden), Dr. Q'uarck (Frankfurt a. M.), Nvske (Merfeld-Köln-, Wffrnig '(Hamburg', Loewe (Breslau), Landsberg (Magdeburg), sür die Minderheit Dittmann (Solingen), Strobel (Berlin), Ledebour (Berlin), Vogtherr (Stettin), Stadthagei: (Berlin), Limbertz (Essen). Nack- Annahme eines Sch'lußantragies begannen die Schlußworte in der Reihenfolge: Kate Dnnker, Haasc, Scheidemann. Ebert verzichtete auf das Schlußwort. Ein Antrag Haas e und Genossen: ,,Da die Reichskonferens nach 'dem Organisationsstatut, der Parte: keine Berechtigung hat, über sachliche Anträge zu beschließen, beantragen wir: eine Beschlußfassung über sachliche Anträge ist abtznlehnen", wurde in namentlicher Abstiinmung mit 275 gegen 168 abgelehnt. Tarauf erklärtet: beide Oppositionsgruppe::, sich an den weiteren Abstimmungen nicht zu beteiligen. Das von Dr. David 'und Genossen eingebrachte Manifest zur Bundesfrage wurde mit 251 gegen 5 Stimmen bei 15 ungültigen Stimmen aUge- no minen. Mit 218 gegen 3 Stimmen be: 3 Enthaltungen (98 anwesende Reichstagsabgeordnete nahmen an dieser Abstimmung nicht teil' b i l l i g t e d i e R e i ch s k o n f e r e:: z aut Antrag Auer (München) und Genossen die Bewilligung der 5b r i e g s k r e d: t e durch die Reickstagsfraktion und mißbilligte das Sonder Vorgehen eines Teiles der Fraktion, das zur Abspaltung von der Gesamtfraktion _ geführt hat und den Zusammenhalt der Parte: auf das schverste gefäl/rde. 35 Konferenzteilnehmer, darunter die Mitglieder der Minderheit der Reichstagsfraktion sowie die Gc- iwss-en Dr. Adolf Braun, Kurt Ersner tnü> andere hatten sich der Abstimmung über die Anträge David und Auer mit der Begründung enthaltet:, daß richtunggebende Beschlüsse dem Wesen der Parteikonferer:zen widerspräche:: imd diese Eltschließung zur Bindung der Parteigenosse:: ausgenutzt lverden könne, die aber die Partei der Einheit und Geschlossenheit nicht entgegen führen! werden. Tie Konferenz sprach unter Protest gegen die Handhabung des Belagerungszustandes und der Zensur sowie unter Ablehnung der Liebknecht'scheu Bestrebungen aus, daß Liebknechts Handlungen keineswegs aus unehrenhaften Gründen begangen wurden. Die Konferenz bedauerte die Verurteilung Liebknechts und die ge ge:: ihn ausgesprochene Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Angenommen wurden darauf folgerte Anträge: Merfckld gegen gehässige Kampsesweise, Verwahrung gegen die unbefugte ungerechtfertigte Aberkennung der Eigenschaft als Vertreter der Parte: gegenüber dep: Genosse:: Bloß durch die Braunschweiger Wahlkreiskonferenz, Robert Schmidt auf Herabsetzung der Höchstpreise und gemeinnützige Verteilung der Lebensmittel, Beims auf Erhöhung der Kriegsunterstützung, Dr. Quarck auf fortschreitende Demokratisierung h.t-Zii».-Wch. gesucht. Schriftliche Angebote unter 012086 an den G. A. 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