Ar. 220 Zlvettes Blatt 1 ( 66 . Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. D:e „Sietzener ZamiNenblStter" werden dem ..Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Breisdlatt für den Breis Gictzen" zweimal wöchentlich. Die ,.Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen nwnatlich zweimal. Gietzener Anzeiger General-Anzriger für Gberhefjen Dienstag, \ 9 . September M6 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Nniversitäts ^ Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» straße 7. Geschäitsst-tleu.Verlag:^^5I,Schrift» leitung: d^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. ■g™ g » sl Auf der Hahrt zur Dobrudscha-Kront. Telegramm unseres zum rumänischen Kriegsschauplatz entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Ein Besuch bei Hindenburg. Gr. Hauptquartier Ost, den 14. Sept. Es ist ja seit Dannenberg viel über Besuche bei Hindenburg geschrieben worden. Uebevall tritt er einem im Bild oder als Büste entgegen. nnd eine Vorstellungskraft ergänzt solche Darstellung, aber das Gelesene und das Bild geben doch die entscheidenden Grundzüge. Anekdotisches, das umläuft, tut das übnge. Do trägt rdbet Ernzslne sein besonderes Bild des volkstümlichsten -Soldaten nird Feldherrn dieses ^ Krieges mit sich herum, aber im ganzen und großen gleichen sie einander. Nun ich bei einen: Besuche im Großen Hauptquartier dem Manne, an dem ein gutes Teil der Hoffnungen der Nation hängt. Auge in Auge gegenübertreten durste, habe ich doch den Eindruck gehabt, daß die land- läustge Vorstellung noch immer stark ergänzungsfähig und er- gä,7zungsbedürstig ist; und zwar werden diese Ergänzungen das Bild des nuiunehrigen Chefs des Großen Generalstabes nur noch sympathischer machen. So halte ich es für angezeigt, über das Persönliche an Hindenburgs Erscheinung und Sprechweise einige Worte zu sagen, ehe ich wiedergebe, was er zu meinem hier auf der Durchreise zum südöstlichen Kriegsschauplatz anwesenden Beruss- gen offen und mir gesprochen hat. Hindenburg sieht zunächst viel jünger.und sozusagen straffer airs, als auf den Bildern, die mir von ihm bekannt sind. Die Maler pflegen, wohl um es als Symbol der Kraft zu unterstreichen, Kinn und Unterkiefer des Generalfeldmarsck>atts etwas stärker hervortreten zu lassen, als sic im Leben wirken. Das gibt dem Gesicht etwas Bärbeißiges, das in Wahrheit ganz und gar nicht vorhanden ist. Die Gestalt ist wuchtig, doch elasttsch. Was keines der Porträts und Lichtbilder des Feldmarschalls wiedergibt, ist die Ausdrucksfähigkeit des gütigen und klaren Äuges, das bei der Urrterhaltinrg langsam und höflich von einem der Hörer zum andern geht. Die Stimme .Hindenburgs ist weich, mit warmem Grundton; seine Sprechweise ist gemessen und eindringlich, ohne Pathos: seine Haltung beim Sprechen ruhig. Nur ab und zn macht die Hand eine kurze, dann aber das Wesen des Worts, das sie erläutern will, scharf kennzeichnende Geste. Dabei spricht der Generalfeldmarschall mit einer Beherrschung des Ausdrucks, die nach meinem Eindruck über das Durchschnittsmaß erheblich hinausgeht. Drei Grund- eigenschaften seines Wesens fallen sofort auf. Es sind große Schlichtheit, Klarheit und unbeirrbare Ruhe. Es war in einem der stillen schattigen Wandelgänge eines alten Parks, als wir bei einem Rundgang durch den Bereich des Großen Hauptquartters einen höheren Offizier im Gespräch mit seinem Adjutanten uns langsam entgegenkommen sahen. Es war der Feldmarschall. Er trug Mütze, die kleidsame Litewka des 3. Garderegiments zu Fuß mit den gelben Spiegeln am .Kragen, den Pour le lMerite mit Eichenlaub und das Eiserne Kreuz beider Klassen. Er mtnsterte uns, Vlieb stehen und ließ, sich uns durch den uns führenden Offizier Vorstelten. Nach kurzer Erkundigirng, wer vor: uns aus dem Westen komme, bemerkte er, daß auch er soeben dort gewesen sei. Was von den Truppen dort verlangt werden müsse, sei nicht gering, ja hart; umsomehr nrüsse man sich freuen über die Hingebung, mit der es geleistet weide. Die Haltung der Truppen sei glänzend. Hut ab vor jedem Grenadier, nruß man da sagen! Wir körmen ohne Sorge sein. Nicht anders, fuhr der Feldmarschall fort, steht es im Osten. Auch hier tut jeder einzelne Mann über das dem Menschen Mögliche hinaus seine Schuldigkeit. So können wir der Zukunft voll Zuversicht entgegensehen. Es steht gut von Westen nach Osten, von Norden nach Süden. Bei diesen Worten fuhr die Hand des FÄdmarfchalls in schnellem Kreuz von oben nach unten und von links nach rechts. Nochrnals: Ich bin voll Zuversicht- völlig vlme Schwierigkeiten geht es natürlich nicht ab. Das ist nun einmal so in der Welt. Aber wir müssen sie überwinden, und weil wir müssen, können wir es auch, denn man kann, was man muß. Wo ein Wollen ist, da ist auch ein Weg: es kommt nur darauf an, ihn auch einzuschlagen. Und ioas die Schwierig- keften anlangt, soll man sich immer sagen, daß, wenn einchn selbst etwas im Wege ist, das für den Gegner meist ganz ebenso gilt, oder vielmehr noch stärker. Haben wir .Verluste, so hat der Gegner erst recht welche; und sind die Wege grundlos, so daß die Truppe femn: mehr marschieren kann, so sind sie für den Gegner auch nicht, besser, und auch da werden wir sie leichter überwinden, als jener. — Wie steht es eigentlich um die Stimmung zu Hause? ging der Feldmarschall dann auf eine andere Frage über, ich bin überzeugt, sie ist nicht schlechter, als in der Armee. So wird auch hoffentlich tüchtig Anleihe gezeichnet. Daß es geschieht, ist im Interesse jedes Einzelnen. Die nötiger; Moneten können wir nicht entbehren. Es ist nun einmal nicht anders, der alte Montecuculi hat ganz recht: znm Kriegführen gehört Geld, Geld und nochmals Geld! Also soll jeder tun, was er kann. — Irgendwie kam das Gespräch abermals aus das Kapitel des Hin und Her im Krieg. Der Weg zum Siege führt in der Geschichte nicht gerade auswärts, sondern, so bemerkte der Feldmarschall, und seine Hand zeichnete schnell eine Wellenlinie mit Tälern und Höhen von links unten nach rechts, oben in die Luft. Auch das Kapitel der Ernährungssragen wurde gegen Schluß der Unterhaltung hin berührt. Auch da sind die Pläne unserer Feinde gescheitert, aber über das Schlimmste von beni, was sie uns antun konnten, sirrd wir dank der Ernte hinweg. August und September werden die schwersten Monate gewesen sein; von Oktober an, so darf man Höften, wird es wieder besser. Daß es den Leuten daheim oft schwer geworden ist, sich bei den ihnen auferlegten Beschränkungen durck)zuhelfen, kann ich mir sehr wohl vorstellen. Ich kann auch sehr wohl verstehen, wie scckch' armem Weibe zu Mute ist, das stundenlang vor den Läden herumstehen muß, unr beim Einkauf zu warten, bis die Reihe an sie kommt; und mittlerweile spielt das Kind zu Hause vielleicht mit der Streichholzschachtel. Nun, auch das geht vorüber, und alles wird gut! Leben Sie wohl, meine Herren. Der Feld- marschall reichte uns die Hand und setzte seinen Weg fort. (Ab.). Ad. Z im m erm an n , Kriegsberichterstatter. Megsdriefe aus dem Oste«. Vvn unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberühterftatt« (L-tckerechttgter Nachdruck, auch anLzussweise, verboten.) Die Schlacht bei Swiniuchy. Kloster Zahorow bei Swiniuchy, 8. September 1916. .Im fom großen Kamps, der im Westen 28 Divisionen gegen 30 Klm. Front arwennen läßt, der Graben und Männer, Kanonen und Kanoniere unter Eisenmassen begräbt, mag die Schlacht bei fSwiniuchy nur ein kleines Ereignis sein, klein vielleicht auch im Rahlnlen der Bewegungen, Pläne, Operationen, die an der Ostfront, von der Ostsee bis Otm Schwärzen Meer, sich einleiden, jeder Kombination fast Ralüm! lassend; aber die Begriffe ,,klein" und „groß" an sich Verlierer auch ihre relative Bedeutung, nur das ist Maßstab : sollte auf diesen Kampffeldern eine Entscheidung von Bedeutung auf die gesäurte Front erzwungen werden, itxtt gin anderes Ziel als taktische Verbesserung der Lage an dem an- gegriftenen Frontteil dem russischen Führer für seirren Einsatz Maßgebend? Klar steht bei dieser Beurteilung die Bedeutung der dreitägigen Schlacht fest. Die Russen wollten den Durchbruch aut Wladimir-Wolynsk erzwingen, die Nord-Süd-Verbindung nach Lemberg unterbrechen, inr entscheidungsvollsn — vielleicht ent scherdungsvollsten — Zeitraum des Feldzuges die schnellen deutschen Verschiebungsmöglichkeiten unterbinden. Um dies Ziel zu erreichen, setzten sie fünf ihrer besten Divisionen ein, wandten die altert rücksichtslosen Angrisssmethoden mit großer Energie an. Daß trotz der großen Opfer, trotz der sorgfältigen Vorbereitung der Stoß auf Wladimir-Wolynsk mit einer Niederlage endete, ist das Verdienst der ausharrenden Tapferkeit und der Entschlossenhnc der Truppen der Armeegruppe Litzmann; des schnellen Zufassens der Unterführer und im entscheidenden Maße der Persönlichkeit des Führers, des Generals Litzmann. „Immer mehr bin ich überzeugt, daß dre Psychologissentscheidend im Kriege ist," sagte nrir der General. Be: einem Verbände, der sich aus deutschen Truppei: und fast allen' Truppengattungen der österreichischenngarischen Armee zusammensetzt, gründet sich in der Persönlichkeit des Führers per,Zusammenhalt der einzelnen Abteilungen zu einer festen, unerschütterlichen Armeefront. Ter 31. August war ein strahlender, fast heißer Herbsttag. Die Hügel und Wälder von Szelmowvbis Swiniuchy glänzten in der Frühsonne. Es war in den Tagen vorher schon nicht ruhtg gewesen in den sauberen Stellungen, die sich tief in den harten) Lehmboden schnitten. Patouillen, Flicgertätigkeit, stärkere Art:ller:e Es konnte ein Angriff kommen, trotzdem die um 6 Uhr morgens einsetzende sehr starke Kmronäde etwas von der Plötzlichkeit des Gewitters an heißen Sommcrtagen hatte. Die ganzer: Stellungen von Szelwow bis über Korytnica und Pustonhtii läge:: unter schwerer Artillerie: so war die etwa 15 Klm. breite Angriftsstelle in ihrer ganzen Ausdehnung zu erkennen; die Stelle, die mit jedem Opfer durchbrochen werden sollte, war dann bald deutlicher das^Frontstuck von südlich Szelwow bis Korytnica, also noch nicht 10 Klm. Um 8 Uhr morgens war ein Nachlasse:: des Feuers zu merken; die Russen arbeiteten sich vor, räumten die Hindernisse fort, aber der erwartete Angriff setzte nicht ein. Auf dem nördlichen Frontstück erfolgte dann gegen 11 Uhr, nach kurzer neuer Feuervorbereitung ein überraschender Angriff' von 2 Schützendivisionen, die in dichten Wellen vorgingen. Es gelingt einer Sturm kolonne, die in: Schutz einer Mulde, südlich der Höhe 235 vorgeht, trotz der schweren Verluste, die Stellung zu durchbrechen. Die angrenzenden deutschen Bataillone bilden einen Igel; die russischen Verlu,te sind schwer, die Eingedrungenen können zunächst die stelle nach Norden oder Süden nicht verbreitern. Die Honveds machen einen Gegenstoß, erobern im tapferen Anstnrn: ihre Stellung wieder, können sie aber vor den andringenden neuen russischen Manen nickt halten. Es entwickeln sich heftige Kämpfe, deutsche Reserven greisen ein, in der Nacht vom 31. August zun: 1. September :st hier in: Norden des Kampfplatzes um 3 Uhr die Lage wieder hergestellt. Ein paar hundert Gefangene werden eingebracht, die Stellung ist überall gesäubert. In dem Dreifingerwald südlich Woynin spielen sich dabei in der sternenlosen Nacht furchtbare' Handgranatenkämpfe ab, in der Wildnis, die von dem Granat- Hagel, den niedergestürzten Aesten, den umgesunkenen Bäumen fast undurchdringlich geworden ist, erhellen nur die Blitze eines hesttgen Gewitters für ?lugenblicke das Gränen des Nahkampfes. G^en Korytnica begann die Artillerie vielleicht noch früher als im Norden zu wirken. Schon um V 2 5 Uhr schossen die Russen ein halbes Dutzend schwere Geschosst nach Swiniuchy hinein, dann folgte die sehr heftige Beschießung der Linie. Stürmisch ginge:: de: Sibirier daraus vor. Man hatte ihnen gesagt — was kann man ihnen nicht sagen! — „Nehmt diese Linie da vor euck), Und der Krieg ist aus." Für viele Tausende tvar auch Krieg imb Leid aus, sie sanken im deutschen ::itb österreichisch-ungarischen Abwehrfeuer, das ausgezeichnet zusam men arbeitete, in dichten Reihen. Nördlich und südlich der Höhe 259 gelang endlich immer neuen Sturmkolonnen gegen 1l Uhr der Durchbruch. Der kleine Erfolg wurde sofort mit ungewöhnlich großer Energie ausgebaut. Starke Kräfte, wohl über eine Brigade, drückten nach. Ein Teil der russischen Bataillone zog sich nördlich des Bug (an dem Korytiuca nrck> Swiniuchy liegen) zu einer Umfasst mg des Dreftingerwaldes herum, während starke Kräfte gleichzeitig im Süden des Bug ein- schwenkteu und dem deutschen Bataillon östlich von Bienen Hof in den Rücken kamen. Das umzingelte Bataillon schlug sich heldenhaft. Von Ergebung war nicht die Rede, die Heldenschar schlug sich durch imd erreichte trotz des rasenden russischen Sperrfeuers den Wald südwestlich Bienenhos. Inzwischen setzten die deutschen Gegenmaßnahmen ein. ^:e Telephvnleitungen waren zerschossen, so galoppierten die Ordon nanzoffiziere nach vorn — wer sagt, daß die Technik die kühnen „Adjutantenritte" vernichtet habe? —, und die Gegen,töße setzten ein. Ueber Korytnica waren schon stärkere russi)chen Patrouillen in Swiniuchy eingedrungen, sowohl von Norden wie von Süden sahen die Telephonisten die anrückende:: Spitzen über die Hügel kommen. Noch geben sie schnell die notwendigen Nachrichten weiter, nahmen ihre .Apparate und erreichten den Hang westlich Swiniuchy. Es stehen da vier Häuser nebeneinander in Swiniuchy, das ist -alles, >ftas feit dem russischen Rückzug im vorigen Herbst von dem Mecken geblieben ist, vier kleine Lehmhäuser. In dem Häuschen am Ansgang nach Osten hatte ein Regi:nents)tab gelegen. Man hatte eben frisches Bier auf Flaschen gezogen, die Russen ließen Telephon zellen Telephonzellen sein und tranken das deutsche Bier aus, es war der größte Schaden, den sie in Swiniuchy angerichtet haben. Um 2 Uhr litten die nach den: Zurückgehen der Russen sofort miederkehrenden Telephonisten schon alle Verbindungen wiederhergestellt. Deutsche Jägerbataillonc gingen nun :wrdlich und sMich des Bug vor. Im Norden mochten die Russen vor dem stürmisch, ansetzenden Angriff kehrt, die Jäger komtten kaum folgen. Sie schossen in die dichten Massen hinein, steheach, von den Hügeln in die Mulden, in denen die Russen flüchteten. Tic Jäger erreichten am Abend die alten Stellungen wieder, totnttide schliefen sie in; den gewonnenen Gräben. Es gab Stellen, m denen die Russen im Erschöpfungsschlas mit der Front nach Westen lagen und ein Stück weiter die Jäger mit der Front nach Osten. Bein: Schein der Gewitterblitze sähen die Posten plötzlich ein russisches Bataillon in dichter Marschkolonne mit umgehängtem Gewehr au) den von den Jägern besetzten Grabenteit zukommen. Tie Jäger vergaßen! die schwere Müdigkeit in Augen und Gliedern. Feuer! Die Gewehre wurden heiß vom Schießen. Von dem russischen Bataillon flüchtete kaum ein Mann .in die Nacht zurück. Am nächsten Tag begrub eine Jägerkompagnie allein in: Tistelfeld 130 russische Tote. Im Süden hatten sich die Russen in ncugeordneten Verbänden in der Linie Swiniuchy Höhe 252, also genau ii: siidöstlicher! Richtimg, entwickelt imb schickten sich an, nach Südwesten vorzugehen. als sie aus ein deutsches Reserviebataillon trafen, das mit den Jägern sofort zum Gegenangriff schritt. Ter junge Hamburger Ersatz schlug sich glänzend, so daß der Gegenstoß sehr' schnell vorwärts kam. In Korytnica waren schon russische Kolonnen, auch ein höherer russischer Stab eingctrosfen, mit knapper Mühe entgingen sie der Umklammerung, nicht aber dem gut gezielteni Feuer, das den russischen Offiziersverlust erheblich erhöhte. Mehrere hu:ck>ert Gefangene nnrrden geinacht. Am 1. September hielte:: die RmM nach den schweren Verlusten vom 31. August zunächst RulM im Norden konnten die Schütze::divisioneu zu keinem ernstliche:: Angriff vorgetrieb«: werden. Die Sibirier griffen dann gegen Mittag vor alle::: die Windmühlenhähe von Koryt:riea an. L>ie kamen in Brigadever- bänden vvrtvärts. Tie Jager ficßen die.dichten Massen bis auf 400 Meter herankoimnc::, dann setzten gleichzeitig die Artillerie, die Maschinengewehre und die Infanterie ein. Man schätzte an: nächsten Tage die russischen Verluste hier aus 4000 Tote, die vor den deutschen Stellungen lagen. Tie Angriffskraft der Russen ist mit diesem Berftrch erschöpft. Wohl hämmerte nach einem Ruhetag am 3. September die russische Artillerie von Norden ansangend :uxh einmal aus die deutschen und österreichisch-ungarischen Linien, wohl kommt es südlich Szelwow, bei Woynin ltorf) zu erbitterten Nahkän-pfen, aber der Wille, um jeden Preis durchzudringen, ist in den russischen Regimentern nicht mehr vorhanden. Tie Angriffe setzten zögernd ein, die eigene russische ßlrtillerie muß in die Gräben feuern, um die Sturmkolonnen aus dem Graben zu bringen; auch Kavallerie mußte die .Zurückflutenden vorwärts peitschen. Es ist ein Tag furchtbaren Gemetzels, an peM die Russen keinen Meter Boden gewinnen. Abends unk 6 Uhr läßt die russische Artillerie, die imn:cr wieder neue Stürme vorbereitet hatte, nach. In der Nacht knattert noch das nervöse Schießen nach einer großen Schlacht, weil sich Sanitätssoldaten, Krankenttäger aus den Vorfeldern begegnen und man die Bewegung mißdeutet. Vom 4. September an herrscht dann völlige Ruhe an der Front. Trotzdem ein eifriges Begraben angeht und wir die Raftsen nicht am Abtransport ihrer Leichen hinder::, sieht man am 6. noch dickste Kolonne::. )vie von der Sense gemäht, nebeneinander aus den, Hängen östlich Bienenhos liegen. Wenn man von jeder Schätzung, die Bataillone und Regimenter eingereicht habe::, die niedrigsten Zahlen nimmt, kommt man.auf 17 500 russische Tote. Die Verluste an Verwundeten sind drei- bis viermal so groß. Es heißt wahrscheinlich, die Zahl viel zu niedrig begrenzen, wenn man 75000 Mann russische Verluste rechnet. Man ist diesen Zahlen gegenüber mit Recht zurückhaltenb geworden. Ueberall gingen ja die russischen Angriffe weiter trotz der Riesenverluste. Aber auch die russische Flut, die im Svm:ner so unerschöpflich scheinbar gegen Wolhynien brandete, hat nun im Herbst die Höhe ihrer Kraft überschritten. Eine Niederlage/ wie die von Swiniuchy, inuß in dieser Zeit höchster Anspannung ihr gutes Teil zu einer weiteren günstigen Entwicklung auf deö gesamten Ostfront beitragen. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Kriegsbriefe aus dem Westen. Telegramn: unseres Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^ Ein großer Vorstoß der Engländer. Großes Hauptquartier, 17. Sept. Nachdem die Engländer bisher alle größeren Unternehmungen und auch die durchweg schwer erkaustefk kleinen Erfolge in dem Danerringen an der Somme den Franzosen überlassen hatten, haben sie sich vorgestern zu einem Schlage von großem Umfange aufgerafft, vielleicht gedränigt durch die Rücksicht auf die Stimmung in Paris, wo zU den Kammerverhandlungen irgendwelche Vorteile an der Sormne präsentiert werden sollten. Mit nicht weniger als 11 Divisionen gelang deu Engländern die Erstürmung von drei ehemaligen Dörfern, die seit langem heiß umkampft dicht vor ihrer Linie lagen. Weit entfernt davon, bis nach Ba- paume durchstoßen zu köniren, welches das Ziel schon des ersten englischen Sommeoffensivtages war, wie Peronue die erste Beute der Franzosen werden sollte, lernt der mit diesem gewaltigen Lluftvande geführte Stoß schon hinter den drei überrannten Dörfern zum Stehen. Im Gegenangriff bedrängten wir die Engländernester bei Courcelette Und Fters, sowie westlich von Lxs Boenfs, wo der Feind nicht einzudringen vernkochte. Trotzdem die Engländer anscheineich diesmal die letzten der bisher unberührten Divisiorren ihrer Millionenarmee in die Schlacht gelvorfen haben, reichte ihre Kraft gestern am zweiten Tage ihres großen Vorstoßes nur noch zu Teilangriffen. Nördlich von Ovillers gewantren wir Gelände zurück. Im Nordteile von Martinpnich sirrd wir wieder eingedrnngen. Weiter südlich an der Lwnrmesrvnt geht der schwere Artilleriekarnpf mit unverminderter Wucht weiter, während sonst an der Westfront nur Patrouillen- kämpfe in Flandern und im Artois zrr melden sind, in denen der Feind r:nterlag. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Neues aus Mackensens Leben. Inst in: Anglenblicke, wo Mackensurs Gestalt durch seine jüngsten Erfolge in der Dobrndscha erneut wieder tt: den Vordergrund tritt, erfahren wir ans einer im Verlage von Cal Curtrus in Berlin erscheinenden Schrift allerlei anziehendes Nckre aus dem! Leben des Generalfeldlnarsä-allv, dessen Mitteilung in diesem Augenblicke sicherlich von besonderen: Interesse sein wird. Die Schrift behandelt unter den: Titel „Die Mutter des Feldmarschalls von Mackensen" das Lebe:: der im Mai dieses Jahres im höchsten Greisenalter verstorbener: Mutter -des Feldmarschalls, und der Verfasser, K. Thoring, hat es verstanden, in einer durch Schlichtheit besonders fesselnden Weise dein Leser die Gestalt dieser Frau nahe zu bringen, mit der der Lebensgang und die Entwicklung des Feldmarschalls von Kindheit m: auf das Innigste verflochten war. Als Knabe schon l>atte Mackensen gwße Vorliebe für das Kriegsspiel, und lvährend er die Tm'fschnle von Dahlenbevg besuchte. wüßte er'sehr bald sich zum Führer der Dorfkinder auk Waldsahrten, soldatischen „Streifzügen" zu machen, und dem Vater wachte es großen Spaß, :ve::n Sonntags die flotte, kleine 'Armee an seinem Fenster vorbeizog, n::t Ackerkarven als Kanonen, und Augüst ganz feierlich militärisch grüßte. Geschichte wrrrde später des Knaben Lieblingsfach und das Ideal, den: cr nachftteben wollte, die Gestalt des Husarengenerals Ziethen. Kam er von der TorgUuer Schule auf Urlaub nach dem Rittergute Leipnitz, wo sein Vater Oberinspektor war, so brachte er Stunden und Stuiweu in einen: kleinen leerstehenden Arbeitshause zu, dessen Schlüssel er immer bei sich trug. Eine neugierige Berliner Base, die ein Loch in die Lehmwand des Hauses bohrte, kam schließlich hinter AuMstS Ge- heinmis, und ivar recht enttäuscht, als sie sah, daß dort Bleisoldaten und nickfts als Bleisoldaten ausgestellt waren. Der ganze Bode:: lvar ans Lehm und Sand zu einen: welligen Geläiwe gemacht, und Arttllerie und Reiterei, besonders viele, ,ehr viele Husaren, schlachtbereit ansgebaut. Soldat lvoltte er werden, Landwirt sollte er lverden nach dem Willen des Vaters. Als August die Unterprrma durckgemacht batte, ging er von der Schule ab, imd senre Stuben- yenvfsen gaben iflnr out letzten Mond ein deines Fest bei bön Ui' cm Transpaveut aufftellten nett bet Überschrift , ArOtor" teilte aarf einer Hälfte einen behäbig-en Amtmann als Dirk- euren HusavenMveral als „^beaT dar. ® Ktlrorrr Husar macht Mackensen den .Krieg von 1870 mit und laßt in regelmatztSM Briefen feine Mutter an allem teilnehmen was chn bervest. ^a erzählt er ihr z. B., baf* er, sobald er die Grenze uberlchrilten hat, tn der Rocktasche ein Stück ftteibe führe Uim twnut |L>fi>rt die .Danonen, die er mit fernen Kameraden za erobern gebemt, mit 4. Eskadron, 2. Leibhnwren-Regt. Nr 2 be- iU or fo ^ n -^es ein gleid^.ntig wehmütiger und erhebender unbltck, als er bet Sedan dem „Slerbegang der Napoleo- ^ Und a!-Z er. der ÄnnndM>an»imälMq<-, £y c bald Vizewachtmetster wird, da schreibt er an die Aüutter: Ich Eomme jmir da immer vor, wie ein Mamr mit gutem „Embonpmnt", roter Nase und -rrauam .Haar, memt mich die Leute .Herr Wachtmeister nennen." Ten bekannten kühnen .Husarenstreich, der ihm das ^erme Kreuz einbriugt, ermähnt er nur durch eine schlichte Beinerkung, uitb m leinet Ernennung zum Ordonnanzoffizier rrn ^tabe des Prinzen AlbEht meint er: „Ich hoffe, es wird nur emtge Tage wahren, bis ich wieder in die Front zu Meinem Regiment zuruckkomme, man könttte ja sonst gar keine Husarenstreiche machen." Und doch mich er im Jahve 1873 noch einmal „Ackerstudent" werden: erst nach heißem Kampfe darf er sich ein für allemal dem geliebten Soldatenbevuse widmen. Seine Kommilitonen auf der Hallenser Landwirtschaftlichen Hochschule hatten wohl erkannt, welche Bedeutung August Mackensen einst haben wurde Dafür ftwicht ein Gedicht, das sie ihm! widmeten und da- Mit folgenden Worten schloß: „Fragt: Was macht ihr mit dem Helden? Fragst nach General feldmarschall!" Hundert Jahre sind entflogen Und ein Reiterdenkmal zeigt. Dem in diesen Winterwochen Sich ganz Saalathen geneigt. Und ganz andere Dichter fingen Den ich heut zu ehren wag'. Stolze Körnerlieder klingen Preußens größtem Helden nach! Glück und Glanz, »auf seinen Wegen!" Sitzung der pkoomzlülausschuffes. Gießen, 16. September. Heute wurde in über sieben Stunden dauernder Schlußver-, Handlung das Konzessionsgesuch des Karl Reuß in Friedberg verhandelt. Karl Reuß betrecht auf seinem Grundstück in der Haalptratze in Fried berg seit 1865 *cine Schlosserei die sich im Laute der Zeit dank der Rührigkeit des Reuß und seiner Söhne zu einem FabrUativ ns betrieb für Maschinen- und dlpparateb.ru und zu einer Kesselschmiede vergrößert hat. Inzwischen hat sich die Stadt Friedberg nach Süden weiter ausgedehnt, und es sind m der Nähe des Reußschen Anwesens bessere Wohnguartiere, Be- hordenbureaus usw. entstanden. Seit einer Reihe von Jahren tmd aus der Nachbarschaft lebhafte Beschverden darüber geführt! worden, daß der im Reußschen Betrieb, namentlich duÄ die Nietarbeiten unb das Klopfen mit schweren Hämmern auf Eisenblech verursachte Läimr unerträglich fei, jvaä sich umso empfind- licher fühlbar mach, als diese Arbeiten bei gutem Wetter im Freien vorgenommen würden. Aus Anlaß dieser Beschwerden wurde Reuß aufgegeben, um nachträglich Konzession für seinen Betrieb nachzusuchw, der in feinen Anfängen zwar in die Zeit vor Inkrafttreten der Gewerbeordnung zurückreicht, inzwischen in bezug auf die Betriebsstatte Aenderungen erfahren habe, auch in der Art seines Betriebes durch Hineinwachsen in einen gegen svül>er auf das Mehrfache gesteigerten Fabrikbetrieb eine wesentlich Aenderung dar- stelle. Es entstand nun Streit über die Frage der Konzessions-, pfltcht allgemein, insbesondere auch bezüglich eines 1897 mit baupolizeilicher Genehmigung errichteten Werkstättenanbanes, sowie wegen eines 1912 geplanten weiteren Bergrößerungsbaues, einer inzwischen errichteten Wellblechhalle usw. Ueber die Art und den Umfang der behaupteten Nachoarbelästigung wurde eingehend Beweis erhoben, es wurden verschiedene Projekte erörtert, dis darauf abzielten, den Reußschen Betrieb so zu gestalten, daß die Beschwerden über unerträglichen Lärm verstummen würden Der Kreisausfchnb glaubte, den Reußschn Betrieb an seinem teitherigen Stelle belasten zu können, die 1897 vorgenommene Erweiterung unter einer Reihe von Bedingrmgen genehmigen, die 1912 geplante nochmalige Vergrößerung jedoch grundsätzlich, im allgemeinen öffentlichn Interesse verweigern zu sollen Reuß verfolgte gegen die Auferlegung verschedenner Bedingungen Re- kurs, da er das Verbot der Arbeit cm größeren Werkstücken im Fve«t für eine Erdrosselung seines ganzen Betriebes ansehcn muffe, nachdem bei Verweigerung eines gedeckten Arbeitsraums er aus diese Freiarbeit angewiesen sei, auch griff er das Kreis- ausschutzurtell wegen der Nichtgenehmigung be3 projektierten Erweiterungsbaues an. In der. Berufungsinstanz tauchte der Plan auf, diesen Er- wetternngsban statt ins der Längsachsenrichung derart als An- nnd Umbau an die vorhandenen Werkstätlcnräumc anzuschließen, daß ent großer, weitläufiger Werkstätten- und Arbeitsraum (durch Herausnehmen der alten Wände) entstehe, der das ganze Analen nach der Hauptschallrichtung gewissermaßen abriegele und es ermöglich, die lännverursachenden Arbeiten gerade an der Stelle, wo ste bisher im Freieil hätten vorgenommen werden musten, m geschlosienem und gedecktem Raum zu erledigen, wodurch die Belästigung der Nachbarn, soweit es möglich sei, vermieden werde. Leber dieses neue Querbauprojekt entstand am Krei^ausschutz ein neues Konzessiousversahoen. das in erster Instanz nach nochmaliger umfangreicher Beweisaufnahme und eingehender Erörterung zur vollständigen Ablehnung des Reußschn ?ä rie ri l^wett er eine bonzessionslose Vergrößerung überhaupt bisher schon darstellte und darüber' hinaus auch noch plane- führte. Gegen dieses Urteil legte Reuß ebenfalls Berufung ein und es kam auch diese Berufungssach zur Verhandlung vor dem Provinzialausschuß., In den beiden Berufungsverfahren, die schon formell dadurch besondere Schwierigkeiten bieten, well das erste nach alter Vottchrfft, das zweite jedoch im Rahmen des nlluen Verwa l tun g s r ech tsps legegesetzes zu behandeln.ist, so daß sich auch zweierlei Revtiwnsinstanzen mit verschiedenem Revisionsgericht ergeben, wurde erneut durch Vernehmung von Zeugen mtd Sachverständigen umsangreicher Beweis erhoben, und, wie oben erwähnt, die Angelegenheit, die in der Stadt Friedberg mit begreiflichem unteres) e verfolgt wird, nnter ausgiebiger (Erörterung öer formellen und materiellen, rechtlichen und tatsächlichen Seite zum Schluß verhandelt. Der Provinzialausschuß wird demnächst Entscheidung per- „Gedenket der GeburLzLagsspende fiir’s Note Areuz"? Bekanutmachuns über die Walnüsse. Vom 14. September 1916. Auf Grund der Bundesratsvervrdnung über die Errichtung bon ^Preisprüfungsstellen und die Versorgungsregelung vom ,25. September / 4. November 1915 wird folgendes verordnet: 8 1. Alle im Großherzogtum anfallenden Wallnüsse sind an 'Die von der Landesfettstelle bestimmten Stellen abznliefern Die Ausfuhr von Wallnüssen aus dem Großherzogtum, der das Unternehmen der Ausfuhr gleichgestellt ist, ist verboten. Kauf- und svnsttge Liefentngsverträge, die bereits vor Inkrafttreten dieser Bekanntmachung abgeschlossen worden sind, sind nichtig und dürfen Mcht erfüllt werden. § 2. Wer Walnüsse erntet, ist verpflichtet, die gesamte Wal- -tmöerate assbald nach ihrer Einbringung der Bürgermeisterei (dem Oberbürgermeister, Bürgermeister) anzuzeigen. Tie ?ln- zeigen sind in einem Verzeichnis zusamtnenzustellen. Dasselbe mt zu enthalten den Namen des Besitzers, die Zahl der zu seiner Haushalürng gehörtgen Personen und seines Viehstandes, und die von fedem Besitzer geerntete Gewichts menge geläufelter Nüsse Es ist m chm anzugeben, ob der Besitzer die Rücklieferung von .Walnußkuchen und Oel nach § 10 dieser Bekanntmachung beantragt Xk Bürgermeisterei (Oberbürgermeister, Bürgermeister) hat dafür Sorge zu tragen und ist dafür verantwortlich, daß die Walnüsse vollständig von jedem Besitzer in der Gemarkung geerntet und die geernteten Mengen pollständig angezeigt und abge- li-efert werden. .§ 3 - Die Besitzer haben ^ür rechtzeitige Einerntung der aus- gereiften Nüsse, sorgfältiges Läufeln (Enffernen der grünen Hülle), sonne geeignete dlusbewcchrung und pflegliche Behandlung der Nüsse zn sor^n. Sie dürfen an ihnen keine Aenderungen, die mit der pfleglichen Behandlung nicht zusammenhängen, vornehmen, sic insbesondere weder verzehren noch verfüttern ^toch verarbeiten Oel- mühlen ist die Verarbeitung von Walnüssen zu Oel ohne Genehmigung des unterzeichtleten Mnistermms untersagt. L 4. Tie Walnüsse sind den von der Landesfettstelle bestimmten Stellen m schalentrockenem, gesundem Zustande käuflich zu überlassen und aus .Abruf zu verladen. Der Besitzer kamt, seinerstits verlangen, daß die betreffenden Stellen die Borrätg käuflich übernehmen und eine Frist zur Abnahme setzen, die min- ^steus wer Wochen betragen muß. Nach Ablauf dieser Frist er- lffcht die Absatzbeschränkung imch § 1. < Das Kreisamt kann anordnen, daß die Walnüsse von dein ©eitler mit den Mitteln seines Betriebs binnen einer be* bestimm teil Frist geerntet werden. Kommt der Besitzer dem Ver- langen nicht nach, so kann das .Kreisamt das Abernten auf Kosten /wrd Gefahr des Besitzers durch einen Tritten vornehmen lassen f&tx Verpsl'chtete hat die Aberntung mit den Mitteln seines Betriebs zu gestatten. -? 6- Erfolgt die Urchevlaffnng der Vorräte nicht freiwillig, so wird das Eigentum von dem Kreisamt auf Antrag der Landes- fetttteffe out diese übertragen. Tie Anordnung ist an den Be- Litzcr zn richten. Das Eigentum geht über, sobald die Anordnung &em Besitzer zu geht. § 7. Tie von der Landesfettstelle bezeichneten Stellen haben hen zur Ueberlassung Verpflichteten für die abgenommene Menge etnen angemessenen llebernahmepreis, der den Betrag vost 30 Mk föt den Zentner nicht übersteigen darf, zu Men. Ter Preis vet> steht ,ch mr Lieferung frei nächste Bahnstation des Lieserungs- prts ^te Prelle gelten .für Lieferung ohne Sack. Die Zahlung -des Pvenes^ erfolgt sofort bei Abnahme. ftATthVtT Verkänser mit dem gebotenen Preise nicht einver- frrfwVJf beT ^ Q*/ ötyn dem aus die Lieferung er- Vrvvmzialausschuß den Preis endgültig fest. 6 & sirSmiX w en Berfahrens )n t?a 8 ert fcoi. Der Verpflichtete hat ohne Rücksicht aus die endgültige Festsetzung des Uebernahmepreises zu liefern. Die übernehmende Stelle hat vorläupg den vdn ihr für angemsessen erachteten Preis zu zahlen. Der in 8 8 bezeichnete Provinzialausschuß entscheidet endgültig über alle Streitigkeiten, die sich zwischen den Beteiligten bet der Durchführung dieser Bekanntmachung ergeben. ■J* 10 ' W^iisse werden nach Anweisung des Unterzeichneten Mmtsteriums auf Speiseöl verarbeitet. Das gewonnene Oel wird der Landesfettstellc zur Verfügung gestellt. Diese hat bei der Vertellung des Oels diejenigen Lieserungspflichtigen, die mehr als 1 Zentner geläufelter Walnüsse abgeliefert haben, nach noch ergehender Amoeisung des Unterzeichneten Ministeriums aus Antrag (siehe L 2) besonders zu berücksichtigen. Die bei der Oelgewinnung anfallenden Futtermittel sind der Landes- vertellungsstelle für Futtermittel zur Verfügung zu stellen. Liese- rungspflichtigen, dte mehr als 1 Zentner geläufelter Walntisse geliefert haben, smd auf Antrag (siehe 8 2) für den eigenen Bedarf Oelkuchen zu liefern. Diese Rückliefernng darf die 5)älfte der Ausbeute an Oelkuchen, die aus den gelieferten Walnüssen gewonnen wurden, nicht übersteigen. Eine Anrechnung aus die übrigen Futtermlltel, die die Landesvertellungsstelle für Futter mittel liefert, findet nicht statt. 8 11. Zuwiderhandlungen gegen diese Bekanntmachung werden, mit Gefängnisstrafe bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. Werden Walnüsse der Vorschrift des 8 1 zuwider abgesetzt, so kann neben der Stvase auf Einziehung der Vorräte erkannt werden, auf die sich die strafbare, Handlung bezieht, ohne Rücksicht, ob sie dem Täter gehören oder nicht. J 12. Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Ver kundrgung in Kraft. Darmstadt, den 14. September 1916. Großherzogliches Ministerium des Innern, v. & o m b e r g F. Betr.: Bekanntmachung über Walnüsse. An den Oberbürgermeister zu Gießen, Geoßh. Polizemmt Gteyen die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden und dtt Großh. Gendarmeriestationen des Kreises. Vorstehende Bekanntmachung ist in ortsüblicher Weffe zur Kenntnis der Besitzer von Walnußbäumen zu bringen. Aus 8 2 Schlußsatz wird besonders hmgetviesen. Sollten sich Schwierig^. fetten ergeben, so ist sofort zu berichten, damit das gemäß 8 & Erforderliche ungeordnet werden kann. Das Verarbeitungsverbot von Walnüssen in Oelmühlen (8 3 letzter Satz) ist den in Betracht kommenden Müllern besonders ein zuschärfen. Sollten Zuwiderhandlurtgen gegen das Verarbeitungs- Verbot zu Ihrer Kenntnis gelangen, so erwarten wir auch hierüber Ihren baldigen Bericht. Aus die Strafbestimmungen (§ 11) wollen Sie besonders auf merksam tnachen lassen. ließen, den 16. September 1916. Gwßherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. U finget. XVIII. Armeekorps Stellvertretendes Generalkommando. III b Tgb.-Nr. 18 180/5480. Frankfurt a.M., den 15. September 1916. Betr.: Pferdeaussuhr-Berbot. m Die Verordnung vom 8.9.1916 — III b Nr. 5333 — betr Arbot der Ausfuhr voir Pferden aus den Städten Frankfurt a. M , Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Offenbach, Worms, Hanau, Greßen, K^ft UT1& Marburg tritt Mit dem 26. ds. Mts. wieder außer Der Kommandierende General: Freiherr von Gall, General der Infanterie. Bekanntmachung betreffend Aussührungsbestimmungeii zu den Bekanntmachungen üver Höchstpreise für Petroleum und die Verteilung der Petroleum - beitande vom 8 Juli 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 420). vom 21. Ok- ^ober 1915 (Retchs-Gesetzbl. S. 683) und vom 1. Mai 1916 (Rerchs-Gesetzbl^ S. 350). Vom 9. September 1916. Auf Grmrd des 8 6 der Bekanntmachimg über Höchstpreffe für Petrolwitn und die Verteilung der Petrolenmbestände vom 8. Juli 19Io ^Reichs-Gesetzbl. S. 420) in der Fassung der Bekanntmachung vom 1. Väar 1916 (Reichs-Gesetzbl. S. 350) wird folgetches bestimmt : . Die Bekminttnachung betreffend Aussührungsbestimmungen zu den Bekanntmachungen über Höchstpreise für Petroleum und die Verteilung der Petroleumbeständc vom 28. August 1916 (Reichs- Gesetzbl. S. 972) tritt mit dem 11. September 1916 außer Kraft Berlin, den 9. September 1916. Der Stellvertreter des Reichskanzlers, vr. H elff eri ch. Betr.: Den Msatz von Petroleum. An Großh. Polizeiamt EZießen und die Großh. Bürger- meistereien der Landgemeinden des Kreises. Nack der vorstehenden Bekanntmachung ist das Verbot des Pc- troleumabsatzes — zu vergleichen unsere Verfügung im Gießener Anzeiger vom 30. August 1916, Blatt l, Seite 3 — vom 11 l Mts. ab zurückgezogen ivorden. Gießen, den 16. September 1916. Großherzogliches Kreisamt Gießen. t)r. U f i n g e r. Bekanntmachung. B e t r.: Fabrradbereisung. Tie Frfft Mm freiwilligen Abliesecn der Fahrrad-Sreisen und -Schläuche, ist vom Kriegs Minister mm bis zum 1. Oklober 1916 verlängert worden. Um diese MöglichFeit auszumitzen, werden noch folgende Ab- nahmetage festgesetzt: 25. Sefüember 1916 in Hungen, 29.—30. September 1916 in Gießen, Liebigstraße 3. Tie Gvoßh. Btirgermeisleveien der Landgemeinden des Kreises werben t/iermit Beanftmgt, wiederholt auf vorstehende Mnahme- tage aufmerksam machen zu lassen und dabei zu bemerken, daß Lufffchläuche ohne Benttle nur mit 0,25 Mk. bezahlt werden können. Es ist erlaubt, daß ein Beauftt'agter die Fabrradteile für mehrere Personen gleichzeiüg abliesert, rvemt ec einen schriftlichen Ausweis hierüber vorlegen kann. Der Erlös für die eitrzelmm Teile wird auf Wunsch in jedem Ausweis von deni Abnahmebeamten vermerkt. Gießen, den 18. September 1916. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Di*. Ufinget. Feldpolizeiliche Anordnung. Betr.: Feldschutz. Aus Grund der Arttkel 36 und 43 des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904 wird nach Anhörung des Gemeinderats mit Genehmigung Großh. Kreisamts Gießen vvnl 29. August 1916 für die Felldgemarkung der Unterzeichneten Gemeinde angeordnet, daß säurtliche bepflanzte Grundstücke (offene und eingefriedigte) von abends 8 1/2 Uhr bis worgens 6 Uhr gesckflossen sind mtd deren Betreten aller: Personen, auch den Eigentt'imern, verboten ist. Ausgenommen sind nur Flächen, die uts Hansqarten dienen und mit ernem Wohrrhaus unmtttelbar verbmrc^n sind. Zuwiderhandlungeri werixm um Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Hast bis zu 14 Tagen bestraft. Diese Auordtr.mg tritt am 20. September 1916 in Kbaft Klein-Linden, den 16 Sep-temLier 1916. Großherzogl. Blürgeruuüstwei Kl«irvÄmden, ^0« Jung.