Nr. 2 \\ Zweites Blatt M. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme deö SoantagL Die „Sietzrner Zamilienblatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. das „Ureirblatt für den Kreis Sietzen'- zweimal wöchentlich. Die „LandVirtschaftlichen Sett- ftage«" erjchemen monatlich zweimal. ietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhejjen Zrettag. 8. September X9(6 NotationSdruck und Verlag der Brühl'schea Universitats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießem bchriftleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul« ftraße 7. Geschästsst-lleu. Verlag: Schrift« ieitung: ^SK112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Dießem Die russische 5ommeroffenfioe W6. I. Der Kampf um Kowel. Erster Teil. DchSdemGrvßenHauptquartier Ivird uns! geschrieben: Mub der in Blutströmen erstickten MLdffmswe gegen me unerschütterliche Mauer der Hindenburgarmee tastete die ruststchr Heeresleitung die Front Wecker nach Süden.ab und. !U1 'gtnw gegen Ende der erstell Junrwoche folgte der. Feilrd in westlicher und südwestlicher Richtung nur zögernd- uud ichrrttwepe uach. Seine Sorge galt dem österreichischen Nordflugel und den hier eingesetzten deutschen Kräften, gegen die er nunmehr mtt seinen Hauptträften nach ddordwesstn rn Rrchrirng Kowel em- schweükte. Ter wohl unerwartete Widerstand dieses durch oeutsche ^rbände verstärkten, unter deutscher Führung zusmnmengefaßten Flügels veranlagte ihn zur Borsicht und Neugrupprerung seiner ^^Selbst ein General Brnssilow lernte wohl ahnen, dag Massen- an griffe allein gegen deutsche Truppen leine siege erzwingend General von Lrnsingen, der Sieger in blutigen Karpathenkampsen, gebot mit den über Nnvel herangeführten deutschen Berstaörungen dem russischen Ansturm das erste Halt. »fr Mitte Juni verlief die Front unserer nach dem lenken Flügel hin durch deutsche Kräfte verstärkten Verbündeten in der allgemeinen Linie: Plaszotvka—Abschnitt von Tarnawka bis zur Einmündung in derr-Styr — die Styr-Lrme bis Gegend Lrpa — das südliche L-ipauser bis Zboryszvw — dann nach Norden biegend über Gorochow—Swstninchy auf Wftomez—Stvchod-Abschnttt bis etwa nördlich Liniewöa — die Styr-Lrnie Sokul—Koltt, hur nach, Norden uinbiegend. , . , ,, ^ Nachdem deutsche Kräfte auch südlich Kowel eingesetzt waren, begann am 16. 6. der erste Gegenstoß in drei Gruppen: :m Westen ungefähr aus der Linie Gorvchow—Lvkaszy, von Nordwest mit dem rechten Flügel längs der Turija und von Norden. Bis MM 18. 6. führte dieser Gegenangriff bereits ermge Kilometer vorwärts. . . ^ . , Nach dem Eintreffen werterer deutscher Verstärkungen wurde aM 23. 6. ein zweiter Gegenstoß eingeleitet, der südwestlich von unter deutscher Führung nach Nordostcn Wetter ern gutes tück oordrang. _ . _ , OA c N En: dritter Gegenstoß mixfoe wenrge Tage spater (30. 6.) iurch Blldung einer neu zusamMengesetzten Stoggruppe (unter deutscher Führung! eingeleittt. . ^ __ „ . Strömender Regen rauschte am Bormjtttag des 30. 6. hernieder Mid verwandelte die wolhynischen Wege in grundlosen«, Morast. Stmideiilmig war Kr die Artilleri-Ävirkung jede Fern- sicht ausgeschaltet. Trotz aller Schwierigkeiten aber wird dre be- 7-errschende Höhe südlich Gübin gestürmt. Lluch ente lurks an- schließende k. u. k. Jnsanterie-Truppen-Diviswn machte gute Fortschritte mst> dringt in tapferem Angriff vor, wobei sie mehrere 'Gegenangriffe kaltblütig abweist. Weiter nördlich stürmen deutsche und österreichische Verbände das Tors Zub-Uno und eine Höhe östlich von Trysten. Ter folgende Tag <1. 7.) tragt den Angriff werter vor. Auf 18 Kilometer Breite süid die russischen Stellungen eingebrochen. Bis 5 Kilometer Breite ist Gelände nach Osten gewonnen. Heber mehrfache Linien russischer Gräben, hier durch dichtes versumpftes Waldgelände, dort über freie Niederungen, trotz zahlreicher Gegenangriffe russischer Infanterie, ohne Rücksicht auf mehrfache Attacken der Transamur-Reiter-Tiviswn und eurer zusammengesetzten Kavallerie-Division, wird am Abend des 2. 7. das Höhengelände um Mickcttlowka— Gubin erreicht. In der Nacht zum 3. 7. beginnt der Russe mit dem Gegenstoß: starke Infanterie-Angriffe und nächtliche Kavallerie-Attacken letten zwei zäh durchgeführte Massenangriffe ein. Unter außergewöhnlich schweren Verlusten wird der Gegner restlos abgeschlagen. Auch die inzwischen verstärkte Nordgruppe hatte den Angriff vorgetragen. In der Nacht Mm 3. 7. räumt der Feind fluchtartig imter schweren Verlusten eine von ihm besetzte BrückenkoPNbellung auf dem nördlichen Stochod-Ufer an der Straße Kowel—Luzb. Ter verhältnismäßig geringe Raumgewinn dieser drei Gegenangriffe überraschte die Führung! nicht. Es war voransgesehen, dag unter den vorliegenden Verhältnissen der örtliche Erfolg dieser, Gegenstöße wohl beschränkt bleiben würde. Sie ftelen in eine! Periode gegenseitigen Kräfteausgleiches bei uns und unserem Gegner. Immerhin wurde durch diese Gegenstöße unsere seit 5. 6. gemachte Beute auf etwa 100 Maschinengewehre, 128 Offiziere imd über 19 900 Mann erhöht. Die große Bedeutung dieser mtter deutscher Führung sofort eingeleiteten dreimaligen Gegenstöße fft aber nicht nach dresen Zahlen oder dem erzielten Raumgeioinn zu bemessen. Ihr Wert liegt in ihrer rein militärischen, psychologischen imd moralischen Bedeutung: General von Linsingen nimmt dem bisher unablässig vordrückenden Angreifer die Freiheit des Handelns, zwingt ihn zu Erwägungen und Umgrilppierungen, fesselt Kräfte, die an anderer, politisch für Rußland wichtigen Stelle eingesetzt werden sollten und veranlaßt die russische Führung zu Verschiebungen ihrer Reserven dorthin, wo sie den deuffchen Angriff befürchtet! Hinfort bemüht 'sich die russrfche Heeresleitting, durch unablässigen Antransport weiterer starker Kräfte das verlorene nrililärische Uebergewicht wieder zu erreichen. Das Spiel des Kräfteausgleichs an zahlenmäßigen, taktischen und moralischen Werten wird fortgesetzt. Neu herangeführte Kräfte gestatten dem GeMer die Einleittrng eines starken Angriffs gegen den linken Flügel österreichischer Truppen im Styrbogen. Die hier stehenden Verbände weichen unter dem gegen die Orte Gruziatyn und Kostiuchnowka angesetzten Angriff nach Westen aus und werden hinter den Stochod zurückgenommen. In diesen Kämpfeil. zeichnete sich besonders die polnische Legion aus, die in tapferem Gegenstoß dem Feinde wichtiges Höhengelände entriß. Einige Tage später drückt der Feind südwestlich eine in der Gegend westlich von Gubin eingesetzte k. U. k. Division zurück. Zur Ausgleichung der dadurch geschaffenen Lage wird die hier kämpfende Gruppe aus den eroberten Stellungen ein Stück zurückgenommen, ebenso die sMich anschließende Gruppe. Gegen diese neue Front und gegen die Stochodlinie glaubt nun die russische Führung bei weiterem rücksichtsloselr Menscheneinsatz neue Erfolge erzielen und das befohlene Operatronsobj-äkt „Kowel" sicher erreichen M können. Sie verututel aus durchs einandergewürfelte Berbärlde zu stoße,:, die sie mühelos abfertigen wird, 'wenn sie nur energisch weiter vordrückt. Sie irrt sich und stößt auf gefestigte, nicht nur militärisch, sondern auch moralisch starke VerbeidcgUngslinien. die-nicht zu überrennen find. Dien weiten Halbbogen um Luzk halten kräftige deutsche Truppen, österreich- ungarische ^Verbände und tapfere polnische Legionäre. Der ver- ineintliche Siegeslauf ist M Ende, ein neuer ATrgriff nnch eingeleitet werden. Dazu aber bedarf die ruffische Führung frischer, ausgeruhter Kräfte. Sie zögert nicht, holt diese Kräfte von allen ver- jügbaren Fronten Msammen, läßt andere polttisch wie strategische bedeutsame Ziele in den Hintergrund treten und richtet Vas Höchstmaß der Krafteirtfaltung auf Kowel. Während im Norden gegen Baranvwitschi, im Süden gegen Lemberg der strategische Durchbruch angestrebt wird, wird der auf Kvwel einfach rücksichtslos besohlen! IN Richtung und über Kowel soll General Brussilow den Keil eintreiben, der die verbündeten Heere auseinander sprengt, die Flanken freilegt zur Ausrottung und die weitere Siegesbahn öffnet aach Westen. „Durchbruch nach Kowel — um jeden Preis" — so tjeifrt nun die Losung für Brussilows Offensive in Wolhynien, Wie im März auf Wilna, so werden rrun, gegen Ende Juli, alle Kräfte eingestellt auf das Ziel „Kowel". Schon stehen, wie während der Frühjahrsoffensive, Kavatterieinassen bereit zur Bersolugng über Kowel nach gelungenem Durchbruch. Unerbitterlich wird dem letzten Muschik die Losung „Kowel" in den Schädel eingehämTnert. Mitte Juli sind der ganzen rilssischen Armee beretts die Tage bekannt, an denen Kowel entscheidend anzuizreifen ist. Ter erste .Angriffstag ist für den 28. Juli, ein etwa nötcger zwetter Zeitpunkt aus den 7. August festgelegt. Am 12. August — spätestens — muß Kowel in russischer Hand sein — „um jeden Preis". Die russische Heeresleitung hat .sich — wohl aus gewissen, in ihren Umrissen erkennbaren Gründen — auf die angegebenen Zeitpunkte zur Erzwingung des strategischen Durchbruches aus Kvwel sest- gelegt. Zwar rüttelt nun die russische Führung mächtig und mit grimmiger .Mut an der eisernen Schranke, die General pon« Lrnsingen zwischen Lnzk und Kowel geschlossen hält. Bald an dieser, bald an jener Stette drückt der Russe gegen unsere Front. Ohn« Erfolg. Mle verfügbaren Kräfte rafft der Feind zusammen. Unsere Flieger beobachten die Massentransporte aus den nach Lnzk und Kowel führenden Bahnen. Sie begnügen sich nicht mit der Beobachtung und Meldung. Häufig stürzen sie sich auf weuige 100 Meter hinab und überfallen die Transporte sowie marschierende Kolonnen durch Bomben und wohlgezieltes Maschinengewehrfeuer. Uriegsbriese aus dem Westen. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. fUn berechtigt er Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Kein Weiterkommen des Feindes an der Somme. Großes Hauptquartier, 7. Septbr. Die schweren Känrpfe nördlich und südlich der Somme dauerten auch gestern mit der gleichen Erbitterung an, doch erfüllte sich die Erwartung des Feindes nicht, seinen ungeheuren- Artillerieauffvand und ferne gewaltigen Menschenopfer durch eine Erlveitemmg des geringen Raumgewinnes der letzte:: Tage gerechtfertiat zjn sehen. Beim Delftille-Walde und bei Ginchy ruZrdlich der Somme und zwischen Barleux und Berny südlich der Somme wurden alle starken Angriffe restlos abgeschlagen. Schwere Verluste erlitten die Franzosen, welche den Engländern einen Teil von deren Sommefront haben abnehmen müssen, bei den in dichten Massen angesetzten urrd von Ofsizieren m Pferde angeführten Angriffen ans den Lettze-Wald uno in der Richtung von Coinbles. Im südlichen Kampfabschrritte haben wir den in den Park von Demcourt eingedricngenen Feind wieder hinmrsgeworfen. Bei Vernna:rdovillers und BarleNx haben wir unsere alten Stellunger: vollkonnnen wiedergewonnen. Die fenrdtiche Meldung von der Eroberung einer Anzahl deutscher Geschütze entspricht nicht den Tatsachen. Anscheinend rechnet sich der Feind einige Trümmer, die so zerschossen waren, daß ihr Mtransport nicht lohnte, g- --g—- m ?ls stolze Beute an. In der Sommeschlacht sind Geschütze so zahlreich wie in früheren Schlachten, kaum Mafchiiden- gewehre verwendet und wie diese bis in die vordere Linie gezogen worden. Beim Feinde wie bei uns sind daher die Trümmer solcher gänzlich zerstörten und verschütteten Geschütze in den vorderen Stellungen zahlreich verstreut. Wir Pflegen solche Ueberreste höchstens an die Alttnetallper- ivertungsabteilungen der Beutesammelstetten abzuliefern, aber nicht sie als Siegestrophäen in unseren Heeres berichten zu ermähnen. W. Scheu er mann, Kriegsberichterstatter. Aus Stadt und Land. Dießen, 6. September 1916. ** Eine Milchpreiserhöhung? Für die im Wirtschaftsgebiete der Stadt Frankfurt a. M. liegenden Ortschaften steht eine Erhöhung des Milchpreffes in Aussicht, um einer drohenden Verringerung der Milck-erzeugmrg vorzubeugen. Von den Vereinigungen „Bereinigte Landwirte von Frankfurt m:d Umgegend" in Frankfurt a. M., „Verwertungsgenosjenschaft für landwirtschaftliche Erzeugnisse e. G. m. b. H." in Darmstadt, „Genossenschaft der vereinigten Attlchproduzenten in Rheinhessen lntb angrenzenden Gebieten" in Mainz, „Vereinigung der milä>prodic- z:erendeu Landwirte von Wiesbaden und Unrgegend" in Wiesbadcm und „Vereinigung hessischer Molkereien" ist in einer Einggbe an den Regierungspräsidenten in Wiesbaden auf die sich lmnver schwieriger gestaltende Milck>produktton unter Hervorhebung der Gründe hingewiesen und um Llnberaumung einer Bespreckprug mit den Verttetern der Milchproduzenten, der Landwirtschaft usw. gebeten worden. Diese Bespreche: g hat in Frankfurt a. M. statt- geftinden, wobei die gegen die Gefahr einer Milchknappheit M er- greisenden Maßnahmen besprochen und auch eine Erhöhung des Milchpreises als notwendig erachtet worden ist. Auch sind nock- andere Maßnahme!: für Anregung der Milcherzeugung erwogen und empfohlen worden. Ueber diese Fragen werden nun auch die Vertreter der im Wirtschaftsgebiete Frankfurts belegenen Städte, darunter auch Gießen, gehört werden, die zu einer Besprechung- nach Frankfurt a. M. am Dienstag, den 12. d. Mts., geladen worden sind. An dieser Besprechung werden auch Mitglieder der Landwirt- schaftskarnmer Cassel und Wiesbaden teilnehmen. ** M e h r Diakonissen! Unter dieser Ucberschrift schreibt Pastor Schlegel-Berlin in Nr. 9 der „Fürsorge": Der Ernst unserer Zeit, der heißentbrannte Kampf um den Bestand des deutschen Vaterlandes und des Deutschtums hat die Männerwelt zu den Waffen gerufen. Die Frauenwelt hat den Kampf in ihrer Weise mit aufgenoinmen. Wir ehren die Frauen, die ihre Männer, die Mütter, die ihre Söhne mit der gleichen, ernsten Begeisterung haben in den Ktteg ziehen lasse::, wie diese in den Krieg gezogent sind. Wir ehren die Frauen, die opferfteudig den Dienst in der Heimat ausgenommen haben, um die Wunden M heilen, welche der Krieg schlägt; für die Verwundeten zu sorgen, und der 9tt)t in den Familien zu wehren, denen der Ernäherer fehlt. Wir hoff«:, daß diese von heiligem Ernste getragene Begeisterung, welche Tausende bewegt, täglich die Gotteshäuser aufzusuchen und sie an den Sonntagen so yu füllen, daß in nrauchen Kirchen, ttotz der fehlenden Männer, der Raum rncht reicht, weitett>ttngt und dahut führt, daß viele Glieder der jungen Frauenwelt, Töchter unserer evangelischen Kirche, M der Erkenntnis kommen, wie köstlich es ist, im Dienste der Liebe zu stehen nrrd den Liebesdienst als Lebensberus aufzunehmen, wo es ai:ch sei, im Dia ko n i s s e n bc r u t oder in der Inneren Mfffton. Die Diakonisse nanstalten Hirn gern danach, daß die Zahl der Schwestern sich verdoppele und vettneifache, da die Kirche nach Diakonissen begehrt, und mancherlei Nöte im Volksleben nach Linderung Idrcrch Diakonissen verlangen. Die Diakonissenhäuser entsenden einen großen Teil ihrer Schwestern Mm Dienst an den verwundeten Kriegern. Nun fehlen sie vielfach in den Gemeinden. Nach dem Kriege wird's auch noch viele Not in der Heimat zu lindern geben. Wir hoffen darauf, daß die .ernste Begeisterung, die jetzt die Frauenwelt erfaßt hat, tiefe Wurzeln schlägt und viele gute Früchte zeittgt, auch die, daß viele Töchter imjerer Kirche zu dem Entschluß kommen, als Diakcmiffen im Dienste der Barmherzigkeit ihren Lebensberuf zu finden. Aufnahmebedingungen sind in jedem Diäkonissenhaus zu haben. ** Hilfe und Rat für evangelische Ausländsdeutsche in Kriegszeilen. Ter Evangelisch^ HcnttNver- ein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzen hausen ist sofott nach der Mobilmachung in Kriegszustand versetzt worden. An Stelle der sonst vorwiegenden Auswandererberatung ist jetzt seine Vermittlung für verschollene 9tt:slandsdeutsche und die Briei- vermittlung ins Ausland in den Vordergrund getreten. Mit Hilfe zahlreicher Vertrauensmänner in den neutralen Ländern hilft er allen denen, die über den Bechbleib ihrer Angehörigen im Ausland im Ungewissen sind. Wer seine Angehörigen in: Auslände zu erreichen wünscht, möge sich vertrauensvoll an die Geschäftsstelle des Vereines in Witzenhäusen wenden. 'Der unsicheren Postoerhält- nisse wegen empfiehlt es sich, gleich;ettig verschiedene Briest auf verschiedenen Wegen durch den Verein senden zu lasse::. Die Briest müssen offen und in deutscher Sprach? abgefaßt sein. Sic dürfen nichts mthalten, :vas irgendivie mißdeutet werden kann, oder; auf militärische dlngelegenheiten Bezug nimmt. N.-B. ** Bier nur gegen Brotkarte? Angesichts der Gefahr, daß den Wünschen der Bierbrauer nach erneuter Freigabe von 18 Millionen Zentnern Gerste Rechrrnng getragen wird, empfiehlt jetzt auch der Kriegsausschuß für Konsumentenüröereffen d:e genaue Prüftmg der Anregung des sanitätsrats Dr. Bonne (Bamberg, Biet nrcr gegen Brotkarte verkaufen zu lassen. Wenn man erst den Biertrinkern ihr Brotquantum beschrntte, dann tvürde ihr Durst und ebenso der Hunger des Brau kapitale nach unseren «durch Rumäniens Verrat weiter verringerten^ Gerstenmengen Nachlassen, aus denen Brot-, Mehl-, Graupen- imd Grützenreserv«: für Kranke und Gesunde, Schwer- und Leichtarlietter gewannen werden könnten. ** M a r m e l a d e m i t Salz. Durch Zusatz von Salz kann man, wie ein englischer Hygieniker nntteilt, dre: Viertel des Zuckers bei der Herstellung von JNarnstlade sparen. Jede Fruchtart benöttgt eine spezielle Verteibmg von Salz und Zucker, was im Einzelfall erst durrh. Proben lverauszufinden ist. Ter Zuckerzusatz schwankt dann zwischen drei sechzehatteln und seck-s Sechzelyrteln des Fruchtgewichts, sodaß bei diesem Verfahren dnrch-- schnittttch drei Viertel des bisher gebrauchten Zuckers erspart werden. Ter unraffinierte, braune Zucker bewährte sich bei den Versuchen am besten. Ter Fruchtgeschmack und das Aroma sotten durch den Salzzusatz besonders gut den Marmeladen bewali-rt bleiben. Die natürliche Süße der Frucht wird dadurch dem Geschmack Mgänglicher gemacht, während dabei der Salzgeschmack selbst ganz verschwindet. Der einzrge Uitterschied des Verfahrens geaen- über dem «früheren besteht darin, daß die Marmeladen sehr griindlich eir^ukochen sind. Die Goldankaufftelle ist morgen von bis U 1 /» Uhr geöffnet! Lin russischer General über den - Zukunftskrieg. Mitten im Wüten des Weltkriege« hält der russische General 2st P. Lkllq-arewiki es für- zeitgemäß, ein Bild vom nächsten Kriege, den« Kriege der Zukunft, M entwerfen, der mich seiner Meinung in 10 bis 20 Jahren ausbrechen wird, wenrn es dem Bierverbande und seinen Helfershelfern nicht gelinge, Deutschland entgültig zu Boden zu werfen. Im ,, Rußkoje Slowo" macht er darüber seine Darlegungen, die reclu fesselnd tu lesen sind. Er geht davon aus, daß der gegenwärtige Weltkrieg im Vergleich $u früheren Kriegen unerhörte Maßstäbe ouftveist, und nveint, wie man alle frül>eren Krieg-«' gegen den jetzigen als Kürderspiel bezeichne, werde der gegenf wärtige Weltkrieg gegen den der Zukunft unbedeutend erscheinen. Tie Heere, die Ausrüstung und die Vorbereitung auf den Zukunfts- krieg führte er dann an dem Beispiele Rußlands vor. Aus den rufuschen Statlstkkßn entnimmt er, daß die «n-ännliche Bevölkerung Rußlands zwischen 20 und 45 Jahren annähernd 18 o. H. der Gesamtbevüikerung l>eträgt. Der jetzige Krieg hat gelehrt, daß man jüngere und ältere Leute auch in den Heeresdienst stellen kann und so wird man im Kriege der Zukunft die gan-e männliche Bevölkerung. 25 oo der Oiesamtbevölkerung, unter die Waffen rufen und muh Abzug der Kranken und Untauglichen werden 20 v. H. übrig bleiben. In 10 Jahren wird die Bevölkerung Russlands über 200 Millionen betragen (wobei der General die Wirkung der jetzigen Verluste aber außer acht gelassen hat), Deutschlands Bevölkerung wird dann noch unter 100 Millionen stehen, und Rußland ein Heer von 40 Millionen, Deutschland eins von unter 20 Millionen zur Verfügung haben. Für dieses Heer von 40 Millionen Mann verlangt General Skugarewski 300 000 Offiziere. Um so viele zur Verfügung zu haben, muß man seiner Meinung nach den Unterricht in Rußland umgestalten und einen Zwangsdienst als Offizier einssthren und da die ganze männliche Bevölkerung mit geringen Ausnahmen im Kriegsfall benötigt wird, denkt er auch an einen Zwaugsdieust für Mädchen und kinderlose Witwen, wobei Uniformen, Brot hat. Weiter rechnet Millionen Mann Infanterie umfaßt, einige Millionen Kavallerie.werden. Außerdem aber faßt Skugarewski auch die Anlage ge 5 Millionen Artillerie, eine Million technische und Spezialtruppen und 5 Millionen Manu für den gesamten Dienst hinter der Front. Tiefes Riesenheer hätte über 100 000 Geschütze, 1 Million Maschinengewehre, Zehn tausende von Kraftwagen aller Art, euren Vorrat von 50 Millionen Artillerreg eschost'en und 6 Milliarden Gewehrpatronen zu verfügen; außerdem rechnet er- damit, daß Selbstladegewehre mit einenr Sprengstoffe, der, «oie flüssige Luft, wenig Wärme entwickelt, erfunden sein «verden, und auch die Erfindung des „automatischen Soldaten^, den Wille vorgefchlagen hat, hält er für bis dahin gelüst. Das Bild des Zukunftskrieges selbst kvlmnt beim General Skugarew-fti amZchlechtesten inen; er hält es zwar für selbstverständlich, daß jeder Staat mit Tausenden Lenkluftschiften und Zehntauseuden von Flugzeugen arbeiten wird, daß die von Luftgeschwadern abgeworfenen Brand- und Äiftgasbomben auf Riesenflächeu im Lande redes Menschen-, Tier- und Pflanzenlehen vernichten werden, aber über die so nötige Kriegsführung scliweigt er sich ziemlich aus. lieber das Kaliber der Zukunftskanonen enthält er sich der Schätzung. Sie werden sicherlich, so sagt er, über Dutzende von Werst schießen, vielleicht wird Dover von Calais aus beschvsseu (wenn das die deutschen Geschütze nur nicht heute schon könnten!). Festungen wird es seiner Meinung nach im Zustmftsknege nicht geben. Jeder Staat arbeitet einen Verteidigungsplan ans, nach dem, wenn die Kriegserklärung ergangen und die Mobilmachung angeordnet ist, in wenigen Tagen die Verteidigungslinien gezogen werden. Besonders merkwürdig sind im Hinblick auf die Fiua«rllage Rußlands Llugareuftkis Anschauungen von den Kosten des Zukuuftskrieges: das russische Heer wird in diesem Znkunftskriegc täglich 400 Millionen Mark verbrauchen, was im Jahre fast 150 Milliarde aus- macht. Auch die Vorbereitungen auf den Zukunstskrieg während der Friedensjahre werden viel Geld verschlingen, nämlich, die Unterhaltung des Heeres 2 Milliarden Mark im, Jahre, dazu kommt noch die Einrichtung eines eigenen „Ministeriums für Kciegs- vorbfreirung", die Neubewafmung, bei der für Gewehre 2 Milliarden, für Artillerie dagegen „mehrere Milliarden Rubel" angesetzt waltiger Magazine mit Nahrungsmitteln und Futter ins Auge, sodaß er an eine Durchführung einer Art „Dienstpflicht" für die gesamte Erzeugung der Landwirtschaft und der Industrie rechnet! Witterungsbericht. (O öffentlicher Wetterdienst.) Gießen, den 5. September 1916. Am Anfang dieser Bcrichtöwoche — 30. Aug. bis 5. Sept. — lag im Westen von uns ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet, das allmählich ostwärts vordrang. Bereits am Dienstag, den 31. lag der Kern dieses Tiefdruckgebiets über Jütland und der südlichen Ostsee. Unter dem Einfluß von Randwirbeln lwrrschten bei uns starke Winde auS nordwestlichen Richtungen, die uns unbeständiges Wetter mit Regenschauern brachten. Aus der Rückseite der ostwärts abziehenden Depression breitete sich von Südwesten her hoher Truck nach Deutschland hm aus. so daß nunmehr die Bewölkung abnahm und die Niederschläge nachließen. Leider zog dieses Hochdruckgebiet schnell über uirs hinweg, da von Nordweften wiederum ein tiefer Druck herannahte. Tiefes Tiefdruckgebiet beeinflußte uns bereits in der' Nacht von Sonntag zu Montag, wo vielerorts Regenfälle niedergingen, die auch noch am Montag und heute, Dienstag, anhielten. Die Temperaturen in dieser Berichtswoche schwankten fast von Tag zu Tag, je nachdem wir mehr oder lveniger mit starker Bewölkung und Winden aus nördlichen und südlichen Rick; tun gen zu rechnen Härtel«. Dos l-öchste Temperalurmaximum haften wir am Sonntag den 3. September (Gießen t 22° . Das Temperaturnftnimum war an einigen Tagen stark gesunken, von 14° sogar bis auf 6" am Donnerstag den 31. August (in höheren! Lagen noch niedrrger, z. B. Lauterbach 4“). _ ■ . I _ ■ Märkte. fc. Wiesbaden, 7. Sept. Heu- und S t r o h rn a r k t. Man notierte: Heu. neues. 4.80-6.80 Mk-, Stroh (Nicht,lroh) 3.70-4.03 AU., Kri'.inmstroh 0.60 Mk. Alles für 50 Kilo einschließlich Fuhrlohn. Geschäft flott. Amtlicher Teil. Feldpolizeiliche Anordnung. Betr.: Fkldschutz. Auf Grund der Artikel 36 und 43 des Feldstrasgesetzes voin 13. Juli 1904 wird nach Anhörung des GemeinderalS mit Genehmigung Großh. .Kreisamts Gießen vom 29. August 1916 für die Feldgemarkung der Unterzeichneten Gemeinden angeordnet, daß sämtliche bepflanzte Grundstücke /offene und eingesriedigte) von abends 9' ,> Uhr bis morgens 5 Uhr geschlossen sind und deren. Betreten allen .Personen, auch den Eigentümern, verboten ist. Ausgenonmmn sind nur Flächen, die als Hausgarten dienen «md mir einein Wobnhaus t«nn«rttelüar verbunden sind. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Diese Anordnung tritt alsbald in Kraft. Birklar, den 3. September 1916. Großh. Bürgerineisterei Birklar. I. D.: Müller. Göbelnrod, den 3. September 1916. Großh. Bürgermetsterer Mbelnrod. 6in7 W eher. Trais-Horloff, dsr 2. September 1916. Großh. Bürgermeisterei Trais-Horloff. mos Born mann. Weitershain, den 31. August 1916. Großh. Mrrgerrneifterei Weitersharn Kit I- B : Pfaff. Feldpolizeiliche Anordnung. Betr.: Feldschutz. 8ljuf Grund der Artikel 36 nird 43 des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904 wird nach Anhörung des Gemeinderats mit Genehmigung Großh. Kreisamts Gießen vom 29. August 1916 für die Feßdgemarkung der Unterzeichneten Gemeinde angeordnet, das; sämtliche bepflanzte Grundstücke (offene und eingesriedigte von abends' 9 Uhr bis morgens 5 l / s Uhr geschlossen sind und deren! Betreten allen Personen, auch den Eigentümern, verboten ist. Ausgenommen sind nur Flächen, die als Hausgarten dienen und mit einem Wohnhaus unmittelbar verbunden find. Zuwiderhandlungen «verden mit (Heldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft. Diese Anordnung tritt alsbald in Kraft. Grünberg, den 5. September 1916. Größt). Bürgermeisterei Grünberg. / Ranft Feldpolizerliche Anordnung. Betr.: Feldschutz. , , [ Auf Grund der Artikel 36 und 43 des Feldstrasgesetzes vom 13. .Juli 1904 wird nach Anhörung des Gemeindekats mit Genehmigung Großh. Kreisanrts Gieße«« vom 29. August 1916 für die FeiDgemarkung der Unterzeichneten Gemeinde angeordnet, daß sänilliche bepflanzte Grundstück: .offene und eingefriedigte, von abends 9 Uhr bis morgens 5 Uhr geschlossen sind und derer« Betrete«« allen Personen, auch den Eigentümern, oerboten ist. AuSgesiummen sind nur Flächen, 'die als .Hausgarten dienen und mit einem Wohnhaus unmittelbar verbunden sind. Zuwiderhandlungen «verden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tage«« bestraft. Diese Anordnung trftt alsbald in Kraft. N i e d e r -B e s! i n g e n . den 4. September 1916. Großh. Bürgerineisterei Nieder-Bessin gen. 6411 I. P.: Roth. Feldpolizeiliche Anordnung. Betr.: Feldschutz. ^ . _ Auf Grund der Artikel .36 nird 43 des Feldstrafgesetzes vom 13. Juli 1904 wird nach Anhörung des Ü^emernderats nrit Genehmigung GvoßherzoglicheN Kreisamts Gießen vo«n 29 August 1916 für die Feldgemarkung Saasen angeordnet, daß sämtliche bepflanzte Grundstücke (offene und eingeftiedigte- ooir abends 9 Uhr bis morgens 6 Uhr geschlossen sind und deren Betreten allen Personen, auch den Eigentümern, verböte«« ist. Ausgenommen sind nur Flächen, die als Hausgarten dienen und mit einem Wohnhaus uninittelbar verbünde«« sind. Zuwiderhandlungen «verden nrit (Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mir Hast bis zu 14 Tagen bestraft. Diese Anordnung tritt alsbald in Kraft. Saasen, den 3. September 1916. Gvoßh. Bürgerineisterei Saasen. 6412 S ch epp. Feldpolizeiliche Anordnung. Betr.: Feldschnü ' . _ Auf Grund der Artikel 36 und 43 des Feldsiraigesetzes vom 13. Juli 1904 wird nach Anhörung des GcmeinderatS «nrl Genehmigung Großh. Kreisamts Gießen vom 29. August 1916 für ibie Feldgemarkung dir u«tterzeichi«eten Gemeinde airgeordnet, daß sämtliche bepfla««zte Grundstücke offene und eingesriedigte, von abends 8 Uhr bis morgens 6 Uhr geschlossen sind und deren Betrete«« allen ^Personen, auch bene Eigeulilmern, verbot^«« ist Ausgenommen sind nur Flächen, Pie als Hausgcrrteu die««en u««d mit einen« Wohnhaus unmittelbar verbunden sind. Zuwtderhandlunge«« werden mit Geldstrafe b«s zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tage,« besttaft. Diese Anordnung tritt alsbald in Kraft. W i t f c (f, den 2. September 1916. Gvoßh. Bürgermeisterei Wieseck. Schomber. (grösstes Lager am Platze. 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J.-R. 116 ist, weil er der Fahnenflucht verdächtig ist, zur Untersuchungshaft zu bringen- Es ivird ersucht, ihn $u verhaften und an die nächste Militärbehörde zum Weitertrailsport hierher ab- zuliesern- Geiuerbe' Rei« sender. Geburtstag und Geburtsort: 10. 9. 76 zu Mainz- letzt. Aufenthaltsort: Mainz- Größe: 1,58 in: Gestalt kräf- arz- .. tener schwarzerSchnurrbart- Sprache: Mtatnzer Dialekt: Tätowierungen: auf beiden llnterarnien u. linkem Oberarm- besondere Kennzeichen: schielt auf einem Auge- Be kteidung: besserer feldgrauer Anzug, vielleicht auch Zivil- kletdung. Ü402I) Gießen, 6. September 1916. Gericht des 1. Ers.-BatlS. J.-R. 116. ttg-vtafe: stark gebogen -Haar: schwlirz-Barl kurz geschnit- """»j Franz. Unterricht bes. Konu. Ludwigsvlgtz 14 Ny. Wer liefert Möbel am Ana Abschlagzahluna'? Schr. . u. 011794 an den G. A. czAfifuimteixmai QffuihacJi^cMniaOk >challplatten-~l Mt»! f a HbäRneiRRntt Gr/ibt.Vorlellf.Sprechniaschinen- bepitzer! Unbcgroiule Ahwcchslg. Fartwähr.Umtausch. 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