8k. M Dritte Blatt mit Ausnahme des Sonntags. Dre „Gietze«r KrmMekblätter" werden dem „Aazeiger" vierrnal wöchentlich beigelegt, das fm den Krds Eichen" zweimai «öch-Ech. Die .Fandwirtschaftliche« Seil, frage«" erfthen.ev monatlich zweimal. l6ü. Zahrgang er Anzeiger General-Anzeiger fiir Gberhefien Samstag, ( 2 . August t <)16 Rotationsdruck und Verlag der Brmchlachen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen. Schristlettung,Geschäftsstelle u.Drrrckerei: Schul» stratze?. GeschÄtsstelle u.Berlag7E^^51,SchrjV- leitung: e=a§*112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger-Gießen. Die handelspolitische Verarmung Italiens. Bern, 8. Aug. Eine Korrespondenz des „Avanti" ans Rom beklagt sich über die Kündigung des Handelsvertrags mit D e u t s ch 1 ct n b. Die oen Franzosen und Engländern ergebenen italienischen Blätter suchten diese Kündigung als Freimachung Italiens von Deutschland hin- zustellen. Ueberall könne inan jetzt in den italienischen Blättern lesen, daß Italien seine Freiheit wiedergewünnen wollte. Demgegenüber weist das Blatt auf eine AeußerNng des „Giornale d'Jtalia" hin, worin gesagt war, daß der Minister Daneo nach seiner Rückkehr aus Paris dem Ministerpräsidenten BoseÜi den Willen der Verbündeten in wirtschaftlicher Hinsicht übermittelt habe, und Bo- sclli habe das Problem gelost gemäß den Bestimmungen der Verbündeten aus der Pariser wirtschaftlichen Konferenz Danach, meint der „Avanti", könne niemand mehr an der „Freiheit Italiens, den Handelsvertrag zu kündigen, zweifeln. Auch dürfe man nicht zweifeln an der großen Handelsfreiheit, welcher sich Italien gegenüber England und Frankreich nach dem Kriege erfreuen werde. Nur der englische und der französische Markt, deren Aufnahmefähigkeit für Italien so gering sei, würden in Ankunft den Italienern offen stehen Matt fordert die sozialdemokratischen Abgeordneten mrs, an dre Regierung folgende zwei Fragen zu richten: Erstens, hat die Regierung in Paris die erforderlichen Kompensationen ans dein englischen, französischen und russischen Mmckt erhalten für die sicheren Ausfälle auf dem deutschen und osterreichisch^ungarischen Markt? Zweitens, hat Frankreich für die Agrarprodukte Italiens auf die bisherigen !Tarife verzichtet und Italien die Meistbegünstigungsklausel zugestanden? Zum L>chlwß beklagt das Blatt, daß die Regierung bei^ der Kündigung dieses Handelsvertrages ihrem Versp^chcn, dre wirtschaftliche Zukunft des Landes nicht rohne das Parlament zu ändern, untreu geworden sei Die Negierung habe zwar nur alte Verpflichtungen für nichtig «erklärt, aber gerade dadurch, daß sie die Brücke zu dem alten Zustand abgebrochen habe, habe sie neue Verpflichtungen übernehmen müssen, obschon sie solche ohne das Parlament nicht übernehmen durste. Durch eine Anfrage -in der Kammer müsse das Ministerium Bofelli dazu gebracht werden, das Parlament etwas mehr zu achten rechterhaltuug des Betriebes Rohtabak bis auf weiteres gegen Bezugsscheine abgegeben werden darf, hat sich als allzu unrskändlich fiir die kleinsten Betriebe ätgeben, die jrch mrr ftcr einzelne Tage oder eine Woche mit tabat ein- zndecken pflegen. Der lKeickMänzlcr hat daher vorbehaltlich werterer Regelung einen sogenannten K leinmengen- ra 11 ' Rohtabak gemäß § 6 der Tabakzollorünnnq ohne Bezugs scheid frei gegeben. Ferner ist die Abgabe vrm Kentucky- und Birginia-Preßtabak und sogen. Ungar- bler Höchstverbrauch fitr die ver- sorguugsberechtigte Bevölkerung zugelasseue Taaes- Uicu ge.vsn 200 Gramm Mehl und der bisherige Wrsmakh üoiMatz Kr Brotgetreide (Roggen 82 Proz., Weis«, MPr^ent) zunächst auch noch für das raue Erntejahr bis SW« 15. Septem ber 1916 weüergilt. Uhr die Zeit nach dem §-eutentlxT toird eute 3^ftimmuug getroffen werden Ergebnis der Ernteschätzung 1616. abgeschlossen * . Berlin, 11. Aug. (WTB. Amtlich.) Die Vorschrift in der Bekanntmachung vom 7. August 1916, nach der zur Auskunft, Wissenschaft nnd Leben. Das PNaumbenlied „AU dem Baume da hängt das moäit't ihr gerne haben." singen im- Westen un 1- tapferxn tfeloo rauen den Engländern zu, w-enn diese nnmer mr Mtkc wi^er vevglebllch ihre vFtenden Angriffe erneuern, um d i' uusiigen dre zah verteidigten Lmien von BaMuMe m pitm,- Natürlich weiß Tommy AtkinS nickt, daß es sich ber'ckeseM Sv-n/ Vers -um die llmdichtung eines beliebten Gassenhauers Hände den man vor einigen Jahren überall hören konnte- An her Baume da hängt 'ne PflauMe, die möcht' ich gerne haben." Bei der tkmbilduug, die das Lied durch unsere Soldaten erfahren bat A/?.bktznder.-,^ bemerkenswert, daß diese sich nickst im <«ringste i Hon! me. französische Aussprache des Ortsnamens Bavanme küm “f • die. daitsche Aussprache dos Namens hat sic vielmel > ^ gebracht, das schone Gedicht von der Pflaume »v Umbichtmiq DncKlted heraMMHen. In dcr ursprhnqliit-) Gomn ,mgen das Lied von der Moumc mit besondcrcr Borlubs dieieingen unserer Fcldgraui-n, die auf demi Balkan bci'chäitiat si >, m der Zeit der Waumienrsisc, also Mrade jefet. Hier hat da-' Augen des Liedes nne ganz besondere Bckeutangc Der Balka E.rN .das . Pflaumonliand der Welt, nirgends kommt 6icf; hfetitidTirtcctenlif Zeucht m so großen Massen vor wie bin Mi sprechen viel von dlrksschen Pflaumen nnd türkischem -Pflanme,/ wus . um damit eme ^sonders erlesene Ware zu bezeichnen. Zn beiden Fällen hat die Benenuuug „türkisch" auf die Tür km selbst Leinen Bezng, sondern b^i-elK sich acmz allgemein aui den Balkan der sich m früher vollständig in türkischem Besitz befunden hatte Unser Hauptlieferant für „türkische" Pflaumen ist Serbiem Hier ljt 5? c - -S« -n. L2-S -nV I 5 5 *3 i "2 2 S w -5 CO I (jo | ^ I l*s « 15 15.5 13.6 i c p 'S s -3 "'2'i £f ' ■o ; ' ®co • j Wetter 12,2 10.8 93 93 10 5 9 Regen Höchste Temperatur am 10. bis 11. August 1916: 4- so ,5 • c ^vWir ’i, » 10 ' ” U - . 1916: + 13,5 • C. Niederschlag 6,3 mm. Müller'sche Badeanststt. Wasf erwärme der Lahn am 12. August: 16' R. - Gütz von Berlichrngens „Prothese". Götz von Rerlichnrges „ch ferne Hand" ist mcht nur eine der vekamitefteu Er satzhände, die )c angefeArg-t worden sind, sondern sie ist auch, wenigstens für ,«re ZcL, eilte der vollkommensten; man kann sie wohl mit den kunstvollen Prothesen, die die Gegenwart hervor bracht hat, vergleichen, wenn man sich dabiei vergegenwärtigt, daß alle kimjmchen Hände der Rttterzteit — und es hat veren eine große AMchl gegeben — Lediglich der Führung der Waffen dienen kolltem Noch tjaiif wird G.ütz von BerlichingenS „eiserne Hand" aus oem Starnimschbossk derer von Berlichingen in Jagsthausen gezeigt. Gütz von Berlichingen, so erzählt Tch. Wolfs im „Pro- methLls" (Verlag von Otto Spcnner, Lerp.sigs in einem Aufsätze >,blw das Problem der künstlichen .Hand, verlor mit 24 Jahren i -and-?Hut rin Jahre 1504» durch einen Feldfckckangenscknisi "ke rechte Hand. Er felbst esiann sich eine Ersatzhand und lieh ;ie von einem geschickten Waffenschmied aus Stahl crnSführen. >Ine vortrefflich sie gebaut war, geht schon daraus hervor, daß sie zahlreichen Fehden bis an sein Ende, fast sichS »ihrzehnte lang, gedient hat. Das Kunstwerk, dessen Bauart aufs u? mueste untersucht ist, besteht aUS einer Stahlblechstulpe, die aber den Alrm gezogen und festgeschuallt wsurde; an der Stulpe sit dre eigentliche Hand, die der natürlichen Hand in Form imd 'Gliederung genau nachgebildet ist ^mrd besmiders Stellung und Be- eegiung der Finger getreu iviedergibt. Scharniere verbinden dre niizelnen Fingerglieder, die dnrck> ftebern bewegt werden. Der ganze Mechanismus besteht ans Federn, Hebeln und Spervädern nach der erneS Gewehrschlosses. Zur Beugung der Finger benutzte der nrtter'Götz von Berlichingen entweder die gesunde linke Hand oder er lützte die Kunsttzand mLt ihren Fingern auf eine ebene Unterlage fest auf, etwa die Tischplatte — dann blieb jedes der drei Gelenke in seiner Beu gestellt mg seststehen. Die Streckung erfolgt durch ^'sondere Drückvorrichtungen, je einenr Druckknopf über dem Drmmlen und dem kleinen Finger in der Höhe der Handwurzel. Der KnoP^ über dem kleinen Finger läßt alte vier Finger gleick- Fikrg iit die Strecklage zurück gehen, während der Damnen durch inen besonderen Knopf zu strecken ist. In ähnlicher Weise ist die Beugung und Streckung des .Handgelenkes mit Hilfe der gesimden Hand oder durch ltliufstützen möglich, ebenso erfolgt das Streckerr ^nrch Drücken auf einen Knopf. Gatzens „Prothese" konnte also unter Beugen und Strecken aller Finger die Hand schließen imd Isinen Und hielt einen Gegenstand, wie etwa den Schwertgrrff, nit großer Kraft unbeweglich fest. JUr ganzen wog die Prothese mir 3 Psiind. D 7 Ein Kriegsspnrsamkeits -Drama ans der snglr scheu Blüh ne. Da die von der englischem Regierung immer von neuem wiederholten Aufforderungen zur .Kriegsspar- ^urkert und zur Anlage des überflüssigen Geldes in KriegSpaPieren lange nicht das wünschenswerte Echo aus den Kreisen der Nvckbevölkerung gefunden haben, scheut man kein Mittel me^r, ’i m ZaS so dringlichst ersehnte Ziel auf anderem Wege zu erreichen. kam das National War SavingS ltioigmittee auf den Gödanken, eie beliebtesten englifcheu Bichnendichter Sutw und Srr Arthur Ziiiero u a aufzufordern, P r o pa gck n da stü ck e zu verfassen, me das Piiblikum zur ^Sparsamkeit erziel)« und dam bringivr wllen, dre Privatvermögen der Regierung zur Kriogchlchrnug zur zu stellen. Lange Zeit verstrich ohne das) ans diese ' t'^u CC r ! leßari '^ c Bestellung eme Lieferung erfolgt märe, uiio schvi glaubte die englische Regierimg anck> diesmal wiedrw v.'rzwelseln zu müssen, dis endlich die Auffelien erregende Nach ncht durch die Blätter ging, daß Sutro ein dem-Wünsch dev Aegrermrg gemäßes .^briegSsparsanrkerts-Drama sertiggestellt habe. ^L^Ebhr fand die Erstaufsi'dhvung dieses Stückes im Londoner pvkpeum statt, und wenn man. den englisck>en Kritiken Glauben >''E^wckl, war der Erfolg laut und einstinmng. DaS Stück heißt „Der Drevstahl in der 0>reat Redding-Straße" und inacht, ivie ^ Londoner Presse nicht zn verhehlen vermag, keinerlei An- spreche aus kunstlerffche Wertung. Dafür ist es oder voll trefft ncher Ermahnungen zur Kriegssparsamkeit, wie man auS bem .fl^Zrerten Inhalt leicht zu ersehen vermag. In der Great Reddmg-^vaße wohnt nanilich e-in ?Rtnrn namenS Thomas ber zur .Klaffe der im Krieg vermögend gewordenen .wkeinburgei gehört. FenkinS war ein einfacher Arbeiter und verdiente nn Frieden nicht nrehr als 18 Schilling in der Wocde, mit ivekcheni Betrage er seine reichlich angewachsene FamÄie ver- forgen mußte. Im Kriege aber verbesserte sich seine Stellung der- 2 nunmöhr 140 Schilling die Woche verdiente. Natür- .^enkiiis dieser glücklichen Wendung in seinem Leben nicht glnchgultrg gegenüber. Er verbesserte seine ganze Lebenshaltung rauchte vorzügliche Zigarren und Zigaretten, aß und trank nach Herzenslust und oefiichte mit Frmi und .Kinder die Kmotheater. Ta diSv lukullische Dafenr ihm aber :wch nicht genügte, kam er aus E ^verzeihlichen Einsall, von den trotz allem noch erspürten. 400 Schilling ein Klamm zu kaufen. Doch als er diesen Plan aussuhren woll^,, stellte er zu seinem Entsetzen fest, daß ba« Gold verschwunden war. Wer aber ivar hex Dieb? Peinliche UntersnchMgen wurden angestelll, und es stellte sich heraus, daß me plllrrotische lachte des guten JenkinS das Geld entwendet hatte, nin es für chren auf^Abwem gerateueu Onkckl in Kriegsanleihen anzulegen. ^MiZms ist bekehrt, alles ist vergnügt und'zufriäen. und da^ Publikum eckt nach HMrse. in dein Bevnißtseiu, daß es verfarmlte Pflichten nachholen müsse. Soweit die londoner) ,praktlfchen Erfolg dieser dramatischen Theorie wtrd allerdings bisher noch Stillschiveigen bewahrt. Zprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachoereins. Altes deu tsches Wor tgut. Dre VerdentschnngÄinst unserer Zeit hat viel altes deutsches Sprack^gut wieder zu Ehren gebraäü. So sind die jetzt immer häufiger gebrauchten WiohnuugSbezeichuungen Erdgeschotz , nno ebensowenig Erfindungen des Sprachvereins' wie die Buckfmel. sondern sie wurden im deutschen Sprachgebiet lange vor der Gründung unseres Sprachvereins gebraucht. Schon im 18 ^ab-- hundert redeten Bürger, Boß und Herder von der Bücherei. Nicht nraner sprach man von der perfekten Köchin: eine fertiae Kochin suchte ui an bereits 1823 im Dresdener Anzeiger. Lange!ha't man von VÄb-m dem Aselteven, denr Jüngeren gesprochen; unsere Kanf- leiitt tonnen also ans semvr und luiuor verzichten, ohne das- man iie der Reucrungssticht anklagen kann. ?Nanck ist llingt vielleicht Or> mmg einer F'stlichkeit gesucht, er enckosift lieber ein Pro.namm, und doch sindet man den deutschen Ausdruck oft in Zeitungen oom An- wnge des vorigen Jahrhunderts. Wenn Sarrazin in fernem Ver • c ."tichMlstStmch Kunst koch fm- Traiteur empfiehl! oder Deich in örterbuch „Fremdwort und Verdeutschung" Insertion dilrch Enirnckung ersetzen will^so bringen beide Iper wie in sehr vlewn andercri Fällen alteS ^»prachgut ^znr Geltmig, denn leben m den vrerAger >>..ihren deS vorigen Ialnimuderls spricht da-> .^»tvukaUer Wochenblatt" vom K'nnskkoch, ist ihm die Redensart „gegen Erstattung dm Einrücknngsgebnbren" geläufig Auch die Abkürzimg N. S (-- Nachschrifti für P. S. ( - Postskriptum ist alt, man findet ne ettva in einem Briefe Kestners an feine Lvtw Endi- August 17,7.2. ^v„" man also jetzt auf den Dienst dieser und vieler anderer FreindWörter verzichtet, so nnderfÄmt ihnen daSsellw Sckncksäl vnS sie m einer frenrdwortfrol>ereu Zeit bereiteten. guten deutschen Wörtern M. Rau. Zwickau.