Hr. m Zweiter Blatt M. Jahrgang Erscheint tt-iich mit Ausnahme des öevmtag«. Die „Gietze«er Za«iiie»dllttter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt fit den Kreis Liehen*' zweimal wöchentlich. Die ,.LM»d»ittschast!ichen Seit- frage«*' erscheinen monatlich zweimal. Gietzener Anzeiger Seneral-Anzeiger für Oberhejjen Montag, n. August M6 Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'jchei» llniversitats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. SchrMettung, Geschäftsstelle u.Druckeret: Schul» straße?. Geschäitsst-lle u.Verlag:S-G^51,Schrift« teitung: ed0112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. —— Kriegsbriefe aus dem Osten. Telegramm unseres zum Osthecr entsandten Krieg sberickterstatterS« (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Schlacht in Wolhynien. Armee Lins in gen, den 11. Augnst. Nach den Opfern des Massensturms tim 8. August — die Feldposten hatten hinter der Front gepredigt, Kowel müsse und werde fallen, — ging der 9. August unter ziemlicher Ruhte vorüber. In der Nacht vom 9. zum 10. kam es bei Bol-Porsk zu 5)ende Schar der Zuhörer einen tief ergreifenden Eindruck aus. Frl. Eichelsheim oerstaud es, das tragische Schicksal der „Sappho" mit wunderbar edlen Tönen zu zeichnen und bei bent heißen, goldenen Schein der Abendsonne und der idealen Naturdekoration alle Schönheiten des Werkes im glänzendsten Lichte zu zeigen. Rudolf M a n z stand ihr als jugendlich ungestümer Maon in Spiel und Sprache würdig zur Seite und in der Partie der „Melitta^, der ungllicklichen, von Phaon geliebten Sklavin der „Sappho" lernten wir in Frl. Gertrud Lerdau eine hochtalentierte junge Wiesbadener Künstlerin kennen, die ihre schwierige Aufgabe vortreftlich löste. Auch Ma^ And ran o als Sllave Rhanr- iras und Wilh.-lnnne Halm als .Kuchards'" verdienen volle Aner- kenmmg. Nach Schlich der von einer diskreten Musik unrrahmten Darstellung zeichnete der Großherzog und die Großherzogiu die HauptdarstÄlerin mit längerer angeregter Unterhalttlng aus. Die zum Besten der Hinterbliebenen gefallener hessischer Ktimer veron- staltete AuMhrung dürfte auch einen reichen materiellen Erfolg tqfidt haben. ' h. — Beim englischen Oberbefehlshaber Sir Douglas Haig. Ern Mitarbeiter der „Dvnres" hat dem Oberbefehlshaber des englÄch^n Heeres, SirtDougjlas Haig, in seinem Hatlptguartier eincm Besucl) abgeshattet. Es befindet sich in einem' ernfacheil Hause das zum Tell inoch von der Fanrilie bewölkt wird, der es gehört: und so mischen sich die Stäutmen der Kinder in den unar«fhVrlichen Dwrner der Geschütze, und die friedlichen Geräusche des Hauses dringen selbst bis in das Arbeitszimmer des,Oberfehls Habers. Sir Douglas Haig entstammt einer alten schottischac Familie, die seit Jahrhunderten in Fise ansässig ist. Er ist heuw 54 Jahve alt, Hai blaue Augen, scharf geschnittene Züge, ein energisches Kinn, und er liebt es, seine Worte mit einer gewissen erllärcnden Handbewegung zu begleiten. UelTrigens ist er kein Freund von vielen Wvrteir. wenn man ihn auch rächt gerade einen Schweiger von der Art Moltkes nennen kann. Interessiert er sich für einen Gesprächsstoff, so tmrd er auch lebhaft, besonders, wenn er feiner Dankbarkeit und Bewunderung ftrr sein H-ocr oder seiner Anerkemmng für die heldeirhaften deutschen Masännengewehr- Mannschaften Ausdnuk gibt. Das schottische Elentatt ist überhaupt im englischen Hauptguarüer in der lleberzahl: die ineistear der dort tätigen Offiziere sind aber erheblich jünger, als Sir Douglas, der eimnal gesagt hat: „Der Krieg ist der Sport der Jugend" (i8 a young man’s garae). Tie Lebensführung des englffchlrn Oberbefehlshabers in seinem Hauptguartter ist so regelmäßig und plintt- lich, tvie auch die unserer Heerführer. Sein Besuch erhielt fast den Eindruck, als ob er sich im Heim eines schottischen Landedelmannes befiülde, der gern Gäste empfängt. Iiden Adorgen um 8.25 Uln setzt sich Sir Douglas pünktlich mit seinen Stabsoffizieren an den Frühstücksttsch, wo bald das verttaulich: Gespräch von Menschen herrscht, die einander gut kennen. Ob scküechte oder gute Nachrichten vom .Kampfplatze ein treffen, merkt man dem Oberbefehlshaber wenig an. Er nvacht sich offenbar aus denr Eindrücke, den er erweckt, nicht gerade viel, in England ist er pni'önlich wenig bekannt, und es scheint Sir Douglas auch vedyt gleichgültig zu sein, was Man zu Hause über ihn denkt. Gäste sieht er im Hauptquartier gern bei sich: er emp- fängt sie mit besonderer Freundlichkeit und Freimütigkeit: sie bilden seine migenehmste Zerstreuung Und iverden daher immer zu den Mahlzetten geladen. Führt ein besonderes Interesse sie Mr Front, sei es die Organisation oder das Lazarettwesen, der Transport, die Artttlerie oder die Sttategie, woran sie besonders teilnechweir, so fordert man sie auf, Fragen zu stellen und auch ihre Mrsichtenl frei zu äußern. Vom! Hause aus Kavallerist, wendet Sir Douglas Haig jetzt begreiflicherweise sein Indwesse möglichst gleichmäßig allen ZÄafsengatttmMM zu. Bei seinen Soldaten ist er beliebt, und cs tvttd bclMLfltet, daß seine ")Hrwescnheit auf sie stark «rnsauernd wirkt. In der ersten Schlackst bei ?)pern soll es in einem Auprachlicke, als die Lage bei den Engbäuderu bieiuahe verzwierfelt stand, allein sein persönliches Eingreifen gervesen sein, das ixe Engländer damals vor dem völligelr Zusarmiumbrach rettete. — Englands Verbeugung vor den farbigen Völkerschaften. Ter Jahrestag des Kriogisousdruches konnte iin Lager der Alliierten natürlich nicht vvrübQgehen, ohne daß auch den farbigen Söhnen Frankreichs und Englands der Tribut für ihre Beteiligung am Kampfe entri cht e t wurde. Allerdings gchg man nicht so nett, die farbigen Krieger iwakksch zu belohnen, sonderiz inan begnügte sich danrtt. ihrnni den Dankestribut ttr Form schöner, aber für die verschiedenen Eingeborenen wohl kaum vev- iveudbarer Phrasen zu zollen. Eine Groteske m dieser Groteske aber bildet die Verbeugung, die England aus diesem Ankrß not wnrdigerweff'e vor den farbigen Völkerschaften mmönt muß — lenes England, das bis zum.i^ricgsausbrrrch nur die weiße Rasse anerkannte und sich rächt bemüßigt fühlte, die Farbigen höher zu berverten als brauchbare Haussiere. Wie sehr der stolze John Bull sich auch in dieser Hinsicht der Kriegsinot cnsipreckrend wandeln mußte, geht am besten mcs dem Lob- und Prerslied hervor, das ettrer der nach Frankreich entsandten „Times"-Berichterstatter in dem überheblichsten aller englischen Blätter anstellt: „Auf den grünen Fluren Frmrkreichs," so heißt es in diesenr merkwürdigen poesischen Erguß, „kann Man heute zu jeder Zeit Leuten alber Farben und Rassen begegnen. Ta sieht Man scktturze Soldaterr auf dem Marschi. dunkelbvaune, hellbraune und gelbe ^lüeger'. die neben den weißen Engländern und Fransen eine rvabrhast nn- ponievende Kriegsmacht bilden. Besonders muß der Maori ,rc- dack't werden, der eingeborenen Polynesier- Neuseelands, die ilwe Heimat verließen, in der ewige oertmenmärme herrsche und die Bäume niemals welken. Aus der anderen Seite des Erdballes, zrvischen blauen eisgekrönten Bergen und breiten, sonneasitzerirden Strömen, lebte eine Rasse ritterlicher Krieger: es sind die Muosi. die nunmehr nach Frankreich kamen, um für die Sache ?lllrier ten, für Fveihett, Recht und Kulsirr zu kämpfe, die Nüaori. die ebenso gute Engländer sind wie die eingefesstuen Bürger des Ilffclreiches Ms Großbritannien vor marmehr zwei FaVven den Krieg erklärte, da kam ettr lautes Echo aus allen übm'eeisckxm Ländern, imd die Nüaori richteten an die bri±tfd>c Regierung bic Bihte. an dem Kantpf fttr den König von Englmrd teilnehmen zu dürfen. So kamen sie zuerst nadf Gallipvli und daun nach Frank reich. Sie sind imschuldige Kttrder und uiarkere .^krn^ger, nnsitäg, von den Weißen als Brüder bettachtet zu rverden." Ebc r stadt (Kr. DarMstadt), 13. Aug. Nach kurzem Leide:k verstarb hier inr Alter von 57 Ilrhren Fi-au Sanisiitsml Adelheid Mette. Tw Verstorbene war die Verfasserin -ablr>nck>er Märchen spiele. wie „Der Frvschkönig". „Die sieben O^sislem" und ..Hansel u nd Gretel". Zu „vänsel und Gretcl" schrieb ihr Bruder. Engelbert Hu mpe r d r n ck. die prächsige tclnideusick'e Musik, die bleibende-^ Eigentum der deusick»n^ Blstlmui ist. Wertverlweitel ist a»ui> das von Adelheid Mette demn^g-eden ' „Deutsche Kinderliedc'rlm.ch'.