ut.m Zweites Blatt M° Jahrgang Lrjcheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die .^icßrner ZamiilendlStter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich deigelegt. das „Hreisblatt für den Krets Siegen- zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeigei' für Oberhejjen Dienstag, 8. August Wb Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea llniversitäls -Buch- und Steindruckerec. R. Lange, Gießen. EchriMeitung, Geschäftsstelle ».Druckerei: Schiü. straße?. Geschäitsst-lle ».Verlag: ^«51,Schrift, leitung: e^^!12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Der Krieg am Zuezkanal. gut Ermangeluttig- der Erfolge an der flandrischen Front lassen sich, die Engländer große Heldentaten ans Aegypten 'melden. Das sieht gnt aus nnd läßt sich nicht so schnell nachprnsen. Aber es wird sicherlich Mieder kaum halb so groß artig nnd heldenhaft sein. Anffällig ist die Sicherheit, mit der Maxwells Nachfolger, General Murvay, der neue Obetbesehlselber, die Zahl der anrückenden Gegner zu nuckden weiß. 14 000 Türken sollen es sein. Und davon wtll Murray gleich 2500 unverwundet gefaben getrommen hoben. Morr wird die nächsten türkischen Berichte abwarten müssim, um klarer zn sehen. Der englische Bericht nennt als Kämpfer des Gefechts von Romonr ans britischer Serie tteuse^arldische, australische Und territoriale Truppen. Tue in^uchen Regimenter scheinen also alle abgeschoben wordear ± u sem. Aus die Einhütmscheir scheint man vollständig verzichtet zu haben. Die gingen ja nett fliegenden Fahnen zu den Türken über, wo es nnr immer möglich wäre Bezeichnend ist, daß die „Zähigkeit" der Neuseeländer und Australier hervorgehoben wird. Bisher war tränrlich von diesen ,Aerrttrnppen" nur Ungünstiges, Unbotmäßi^eit Nud Meuterer bekannt geworden. Ueber den sgritnen Klee gelobt werden die Territorialtruppen — man darf nicht vergessen, daß Großbritanniens Dauphin, der Prinz von Wales, säaiüttmamt im ägyptischen Gensvalstab ist und dem Hochst- kommarrdierenden der Streitkräste Englands im Gebiet des Mittelländischen Meeres zngetoilt wurde. In London erwartet man also, daß and* dem Hauptquartier im Savoy- Hotel zu Alexandrien recht bald ein strahlender Stegesadler aufsteige. Wahrscheinliche handelt es sich vorlänfiä rrur um Vorpostengefechte und Erkundwi-gskämpfe, ähnlich wie im vorigeri Jahre der türkische Vorstoß unter Djemel Pascha. Der Hauptschlag ivnrde bisher vv-u FireNud wird Feind wegen der klimatischen Verhältnisse erst für den Spätherbst erwartet. Sollte es aber jetzt schon ernst werden, so wird man die Wahrheit nicht ans den einseitigen nrrd gefärbten Nachrichten des Renterbnreaus erfahren. Nur eines steht fest: General Murray hat vier Monate Zeit gehabt, sich einznrichten und die schon von Maxwell entworfenen und begonnenen VerteidiMngsmaßnahmeu am Suezkanal zu vollenden. So gan$ ungenützt wird die Zeit wohl nicht verstrichen sein. 10000 Eingeborene sind von den englischen Behörden gezwungen worden, Tag und Nacht an der Verdoppelung der Eisenbahngleise Zagazik— Jsmailia zu arbeiten, einer Linie von großer strategischer Bedeutung, die Aegypten mit der längs des Suezkanals laufenden Bahn verbindet. An beiden Ufern des 160 Kilometer langen Kanals haben Eingeborene und englische Truppen mit großer Eile im Sande Schützengräben, Stacheldrahtfelder und Wolfsgruben angelegt. Besondere Aufmerksamkeit wendete man der jwestlichen Sette des Kanals zu, die am stärksten befestigt ist. Port Said, El Kantara, Jsmailia, Vera Point, Schaluf Agron und Suez find zu starken Festungen ausgebaut worden. Dazwischen wurden kleine und große Forts angelegt, die miteinander verbunden sind. Auf der östlichen Seite des Kanals wurden große Anlagen errichtet, um im gegebenen Fall die sandige Gegend aus weite Strecken hin zu überschwemmen. An verschiedenen Stellen ist der Kanal mit Drehbrücken versehen, welche es den englischen Truppen ermöglichen, die Verteidigung von einem auf das andere Ustr zu tragen. Auf dem Roten Meere streifen Geschwader von schnellfahrenden englischen und französischen, mit Schnellfeuergeschützen versehenen Kreuzern. Auch eine große Anzahl Kanonenboote und schnelle Monitore sind zur Verteidigung des Kanals bestimmt, — so melden wenigstens die britischen Berichterstatter, denen man alle diese Herrlichkeiten gezeigt hat und die in ihrer Voreiligkeit die Tinte nicht halten können. Wie ernst man aber trotz aller Ruhmredigkeit die ägyptische Lage in London betrachtet, geht aus dem Warnungsruf hervor, den Lovat Fraser in der „Daily Mail ausstieß. Der bekannte englische Schriftsteller meint: „Ter Suezkanckl ist für uns die Schlagader. Ihn müssen wir halten oder wir sind zugrunde gerichtet. Sind wir nicht unstanoe, ihn zu halten und ihn gegen jeden Angriff unverletzlich zu machen, dann werden wir morgen Unruhen in Indien, Bestürzung in ganz Australien und unmittelbar daraus den Zusammenbruch unseres Ansehens im fernen Osten erleoen. Es geht nun hart aus hart in Aegypten, und entscheidende Kämpse scheinen auch dort bevorzusteheu. London, 7. Aug. ;WTB.) Amtlich wird gemeldet: Der Oberbefehlshaber in Aegypten berichtet folgende weitere Einzelheiten über das Gefecht in Gegend von Romani am 4. August. Ter Feind machte in Verbindung mit einem Flankenangrt.st mn unseren südlichen Flügel einen Frontalangriff aus die brttychen Gräben Unter' Einsetzung von 14 000 Mann und schweren Haubitzen. Der Frontalangriff mißglückte. Bor dem Flankenangriff zogen sich unsere beritt eneu Truppen langsani zurück, bis der Femd am späten Abend des 4. August in die Sanddünen geraten war. Daun imirbe von allen Waffengattungen ein Gegenangrifs unternommen, der vollen Erfolg hatte. Bei Tagesanbruch, des 5. August wurde die Verfolgung des zurückgeh.mden Feindes ausgenommen. ttie Verfolgung wird zur Zeit der Abfassung des Berichtes noch fortgesetzt. Der Feind erlitt schwere Verluste. Bis 8 Ilhr abends wurden am 5. ?lligust über 2500 unverwundete Gefangene, darunter einige Deutsche, gemacht, 4 Gebirgsgeschütze und eine Anzahl Maschinengewehre eingebracht. Unsere Verluste sind nicht schwer. Tie neuseeländischen und australischen berittenen Truppen entwickelten Zähigkeit im Aushalten des starken Flankenangroses wwte bei der Verfolgung eine Energie und Initiative, die des höchsten Lobes wert ist. Tie beteiligten Territorialtruppen bewährten^ sich vorzüglich namentlich bei den Bewegungen über den schweren Land trotz der großen Hitze. Tie Monitore unterstützten durch, ihr Feuer von der Bucht von Tina aus die Operationen erheblich, Während die Tätigkeit des Königlichen Fliegerkorps vortrefflich gewesen Nt. London, 7. Ang. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Kairo wird amtlich gemeldet: Tie Zahl der. unver wundeten Gefan genen beträgt jetzt 45 Offiziere tntö 3100 Mann. Tie Ber folgung dauert fort. möglichst rasch zu erhalten: teils um dringenden Ver- brauchsbedars zu befriedigen, teils um greifbare Reserven zu schassen, teils, weil die Lagerung durch, öffentliche^Organisationen gewisse Sicherheiten der Erhaltung bietet, dr bei der Aufbewahrung durch den Erzeuger nicht in gleich vollständiger Weise gegeben sind. Ein zeitliches Znvrel an Ablieferungen ist unbedenklich, trenn — und das ist selbstverständlich unerläßlich — für Konservierung, Verarbetmng und Einlagerung hinreichend gesorgt ist. Freilich wo dazu wegen der technischen Eigenschaften der Produkte oder au^ sonstigen Gründen keine Möglichkeit vorhanden ist, kann eine fallende Höchstpreisskala Unzuträglichkeiten tm Gesolge haben. Eine Regelung der Zufuhren ist dann als Ergänzung fast unvermeidlich. fallende Höchstpreise. Den „Mitteilungen aus dem Kriegsernährungsamte entnehmen wir: _ , Manche Erfahrungen beider AnwendnnjA fallender Höchst preise haben zu skeptischen Betrachtungen über das Prinzip der fallenden Höchstpreise überhaupt geführt. Wm hat erklärt, daß das stufenweise, selbsttätige Fallen der .Preise unerwünschte Häufungen des Angebots in früheren, dafür dann Knappheit und Mangesl in späteren Perioden der Versorgung im Gesolge haben müsse. Dazu ist zunächst zn sagen, daß die Senkung der Höchstpreise nach Llblauf eines gewissen Zeitabschnittes keineswegs ein allgemeines Prinzip, sondern einfach ein technisches Mittel ist, das man — ganz absichtlich — anwendet, um größere Quantitäten möglichst rasch für den Verbrauch oder die gemeinschaftliche Aufbewahrung bereitzustellen. Wo man umgekehrt ein Interesse daran hat, Erzeugnisse längere Zeit in den Händen der Erzeuger zu belassen, da macht man -n mit vollem Rechte — von dem entgegengesetzten Mittel Gebrauch: von der automatischen Erhöhung des Preises für einen späteren Zeitabschnitt. So steht bei einzelnen Produkten neben dem zeitlichen Abbau der Frühproduktpreise ein Zuschlag für spätere Produkte. Je nach dem Zwecke wühlt man aber die Mittel. Daß unter Umständen preispolitische Maßnahmen nach der einen oder anderen Richtung allein nicht genügen, sondern durchs andere — Umlage, Befehl aa- chme — nähme — ergänzt werden müssen, sei nur nebenbei bemerkt. Wenn das technische Mittel der fallenden .Preise neuerdings häufiger zur Anwendung gelangt, so nur deshalb, weil in sehr vielen Fällen tatsächlich ein lebhaftes Interesse daran besteht, die Verfügung über die geernteten Vorräte Dar rumänische Heer. Es stellt im Kriege als Truppen erster Linie 6 Armeekorps mit einer Gesamtstärke von 350 000 Mann auf. Das Reservoir an ausgebildcten Mannschaften der aktiven Armee und der Reserve gestattet aber die Aufstellung erner weit höheren Ziffer, d. h. etwa 600 000 Mann. Außerdem ist die Aufstellung zahlreicher Ersatzkörper aus ausgebtlde- ten Mannschaften gesichert. Hinzu treten 40 Mrllz-Batlnl- lone und Ersatztruppen. Ueberdies ist für dre AufMllung der als Besatzüngstruppen ausersehenen Landsturmformationen Vorsorge getroffen. ä w Ein rumänisches Armeekorps besteht aus 2 Ltrnen- und 1 Reserve-Division, jede Linien-Division gliedert sich in 4 Infanterie-Regimenter zu 3 Bataillonen, 1 Jägerbatcnl- lon, 1 Artillerie-Brigade zu 2 Regimentern mit je 6 Batterien und 1 Kavallerie-Regiment (Kalavaschen) zu 4 Eskadronen. Ferner besitzt das Armeekorps eine Feldhaubch- division zu 3 Batterien. Die Reserve-Division besteht au£ je 4 Rerjerve-Regimentern zu 4 Bataillonen, 1 Reserve-Ja- ger-Bataillon, 1 Reserve-Artillerie-Regiment zu 5 Batterien und 4 Geschützen, 2 Eskadronen und 1 Feldhaubitzbatterie. Von den technischen Truppen ist bei jedem Armeekorps 1 Pionier-Bataillon mit 3 Pionier- und 1 Telegraphen- Kompagnie eingeteilt. Alle sonstigen technischen Truppen sowie das Belagerungs-Artillerie^Bataillon unterstehen dem Armeekommando. Die Korps sind reichlich mit Brückentrains ausgestattet. Jede Telegraphen-Kompagnie (1 für bas Armeekorps) verfügt über 48 Kilometer Telegraphen- und 6 Kilometer Telephonleitung. An Anstalten treten zu jeder Division 1 Divisions-Ambulanz und 1 Munitionspark, zu jedem Armeekorps 1 Korps- Ambulanz, 1 Munitionspark, 1.Pionier- und 1 Telegraphenpark, 1 Feldspital sowie 1 Verpflegungskolonne. Ueberdies werden nach Bedarf mobile Verpflegungsdepots, Bäckereren und Feldspitäler ausgestellt. _ . _ _ . Sodann können die beiden Kalaraschen-Regrwenter nach Dotierung der Division mit je 1 bis 2 Eskadronen zuekt Korps-Kavallerie-Brigade vereinigt werden. Ans den Reserve-Regimentern aber toerbest rie-Divisionen zu je 6 Regimentern mit 4 Wvrdronen, 2 reitenden Batterien und 3 Maschiuengewehr-Mteilmrgen rrrit 2 Geschützen formiert. — Die GebirgsartillMe. die schweren Feldhaubitzdivifionen sowie das Eskorte-Regiment unterstehen dem 2Lrmeeko-mrnanLw. Mr den Landkmeg kommt weiterhin die Donauflottille in Betracht. .Sie besteht aus Panzerkanonenbooten, Pattouillenb«tten und sonstigen Fahrzeugen. Geist, Disziplin und .AusLttdung des rumürcischen H»ee- res sind vorzüglich. Ueberall ist ein Vorwürtsstreben und eiftiges Arbeiten wahrzunehmen. Das politische Parteileben im Ofsizierkorps, das früher ofttuals von sich reden machte, ist fast gänzlich verschwunden. Ohne Zweifel bildet das rumänische Heer einen Faktor, der im Kriege rus Gewicht fallen würde. Huuft, HttffewfdjaW rrrid Lebe«. — 2 5 Jahre elektrischer Kraftübertragung. In diesem Monat sind 25 Jahre verflossen, seitdem zmn ersten Ätale eine wirklich brauchbare Fernübertragung elektrischer Kraft in Betrieb gesetzt wnrde.L Es war dies die Wechfelstrom-Hochspan- »ungsleitnng, die die Kraft eures Neckargefälles bei L«uffen in der Nähe Heilbroirns nach dem 175 Kilometer entfernten Frankfurt leitete, die dort ben Motor einer Wasserpumpe trieb und daneben! noch etwa 1000 elektrische Glühlampen tmrt Strom versorgte. Diese erste Wechselstrom-Hochspa,urmrgsleitnng hat, wie der ,,Pro- nretheus" erzählt, ihre Vorgeschichte, allein die ersten tastenden Versuche, elektrische Kraft in die Ferne zu leiten, liegen, wemt man von Fontaines kleiner Uebertragung auf der Wiener Weltausstellung (1893) absieht, nur ein Jahrzehnt weiter z-urück. Auf der Pariser Weltausstellung des Jahres 1881 siihrte shiarcel Du- prez dem Internationalen jEbektrotechnischen Kongresse eine llcine Maftübertragungsanlage vor, und in seinenr Vortrage setzte er daun auseinander, daß man durch eine,: gewöhnlichen Telegraphen- draht von 4 Millimeter Durchmesser eine Leistung von 10 ?8 auf 50 Kilometer übertragen könne, wenn man dabei die unvermeidlichen Verluste trage,: wolle. Diesen Gedanken führte Duprez aus, und zwar in Deutschland; auf der Mmrcheirer elektrotechnischem Ausstellung des Jahres 1882 wurde tatsächlich ein Dyrmino gezeigt, der durch die Wasserkraft im Miesbach gespeist wurde. Die Entfernung betrug 57 Kilometer, die KrafÜeistung H5 ?8, und tatsächlich war ein Telegraphendraht zur Leitung dcÄ Stromes verwandt worden, der eine Spannung von 1200 Volt hatte. Die Anlage ging wegen verschiedener Storungen bald ein. Nicht viel besser erging es Duprez ,nit seiner Kraftübertrag,lugsanlagü Ereil—Paris, die trotz der hohen Spannung von 5000 bis 6000 Volt 70 v. H. Leitrmgsverlust hatte. (Änen erheblichen Fortschrftt bedeutete es, als bald darauf (1886) die Maschinenfabrik Oerlikon zwischen Kriegsstoitten und Solothurn eine Kraftübertragung an- legte, die die Entfernung von 8 Kilometern mit einer Spannung tvon 2500 Volt überwand und 50 P8 übertrug. Die endgültige Lösung der Ausgabe gelang jedoch erst, als man aus den Gedanken kam, Wechselstrom zu übertragen, und dies konnte erst geschehen, nachdem man gelernt hatte, einen brauchbaren Wechselskvoinmotor zu bauen und die Spamrung durch TranÄocmatoreu beliebig zu steigern und wieder zu vermindern, so daß die eigentliche -Hochspannung nur in der Leitung vorhanden ist Den ersten Versuch mit einer solchen Kraftübertragung plante die Zementsabrik bei Lauffen, die ein Wassergefälle des Neckars von 1200 Pferdestärken im Besitz hatte, davon aber nur 900 ausnutzen ko,orte. Es sollte eilte Kraftübertragung nach dem 10 Kilometer entfernten Heilbronn angelegt werderr, und aus den Rat Oskar von Millers wollte man Wechselstrom mit T-cansformatoren verwenden, v. Miller, der technische Leiter der für das folgende Jahr in Frankfurt a. M. geplanten cl^ktrotechnischen AussMimg, stAug vor, die elektrische Kraft versuchsweise nach'Frwtkftrvt zu. übertragen und die AEG. und -Oerlikon führten diesen Plmt gemeinsam durch. Der Drehstrvrw- Dynamo in Lauffen arbeitete mit einer Spannung von 55 Volt; der Strom wurde mit eirrer Spann,mg von 16 000 Volt in die! Leitung gesandt, in Frankfurt lvurde die Spanrmng wieder auf 110 Volt lstruntergesetzt. Die drei blanken Drahte der 175 Kilometer langeir Leitung, die der Sichsrheit halber auf den, Eisenbahnkörper geführt war, hatten 4 Millimeter Durchmesser; sie lagen auf Masten mit Oel-Isolatoren; der Betrieb erfolgte ohne Störung, und bei Versuck)en kam man zu dem erstaunlichen Ergebnis, daß die Kraftfernleitung sogar eine Spannung von 30 000 Volt aushielt. Der Leitungsverlust betrug nur 15 v. H. Diese erste Anlage hatte gezeigt, daß eine wirtschaftliche Durchführung dev elektrischen Kraftübertragung durchaus möglich? locrr, und tu der Folge entstanden rasch in Deutschland, noch mehr aber tn den Vereinigten Staaten und anderen Ländern, die au Wasserkräften reicher sind, große Fernleitungen zur elektrischen Kraftübertragung. In einem Vierteljahrhundert hat so die elektrische Kraftübertragung die ganze Welt erobert, und bei uns steht man gegenwärtig im Begriffe, die gesamte Kraftversorgung auf der elektrischen Kraftübertragung auszubauen. — Krie gsbild aus Mailand. Ein Franzose, der Italien vor wenigen Wochen bereist hat, gibt in der „Revue des Deux dNondes" ein ansck>auliches Bild, wie |td) ihm Mailatid zeigte, in das sein Zug gegen Wend entlief. Mailand ist stockdunkel, heißt es da. Tastend sucht man seüren Weg längs des Kanals, in deut sich trübsinnig abgedämpste, grünliche Flämmchen einer einsamen Laterne spiegeln. Ans dem Domplatz macht die Galerie Vittore Emmanuele den Eindruck eines dunklen Höllen- schluudes, in dem man mtdeutlich das Hin- und Herwogen der nächtlichen Menge erterm-en kann, die sich darauf versteift, chren Abendspaziergaug zu macken, und sich vor dm Kaffeehäusern ver- samnielt, die hinter duntler Tapetenwand sorgfältig verborge» sind. Draußen ragt gespenstisch der Riese,ckau der Kathedrale in die Luft und zeichnet phantastisch seine Umrisse in den Nebelschatten des Vorhoses, in den Hut und wieder' die bleichen Laternen der elektrischen Bahnen ein schwaches Licht werfen. Auf den Straßenbahnen, die in unaufhörlicher Fahrt sich kreuzen und verfolgen, deren Aufleuchten urld Versckiwmden an bic Flüge der Johanniswürmchen in warmer Sommernacht erinnern, sind natürlich nur noch.Frcrueit als SchafftierÄmen beschäftigt. Sie tragen jchwarz- 1 eibene Mützen auf dem Kopfe, die mit der rot-grün-werßeit Kokarde verziert sind. Mends schläft man im! Hotel hinter verschlossenen Fensterläden, denn die Pvlizeivorschriften sind schr streng, und die bösen österreichischen Vögel lauern in der Nähe, hinter dem Kamme 'der Alpen. Das Letzte, was man vernimmt, ehe man einsck'läft in der dumpfen StnbeTrlnft, ist das Rattern der Flieger- moto re, die aufsteigen, um über Maüand die Nachtwache zu halten. Auch am Tage hört man svrrnMveud das Summen der riesigen Kriegsvögel, die in ganzen Geschwadern ihre Uebungeit in dev Lust atlsführen. Von Zeit zu Zeit kommt auch ein lenkbares! Lustschiss vorbei, das mit müjestättscher Würde die Luft durch-, fliegt und über den Zinnen des Domes schwebt. Oft wendet es dann plötzlich und stteut, ehe es vorschwindet- auf die Menge Zuschauer als Gruß kleine, bunte Paprerchen aus (!). Die Lebens- mtttelverterlung ist hier wie in. ganz Italien sehr sparsam. Es wird nickfts anderes als Roggenbrot gegeben und erstaunlicher- weise sckeint sogar der Wen, ein LuxusartMl zu werden. Der Zucker ist emgeteilt, die ^eisekarte ist spartanisch einfach. In den meisten Gasthäusern werden nur ztvet Platten vorrätig gehalten, und alles ist viel, viel teurer, als in s^rankrcich, von der Steinkohle an bis zu der Wagenfahrt in der L»tadt. — Warttm die Fran zosen in Spanien nicht be- l' e b t s i n d. Die Massenreisen französischer Gelehrter, Diplomaten ten und Journalisten nach Spanien, die während der letzten Monate von der französischen Presse in phrasenreichen Arttkeln gefeiert wurden, hatten — wie nunmehr zugegeben werden „ruß — keineswegs den erwarteten Erfolg. Trotzdem man in Frankreich alles ausbot, um den Spaniern die großarttgsteit Schmeicheleien zu sag«» u,td sie als den Franzoseit naheverwandt hinzustellen, mußten die französischen Sendlinge zu ihrem Schmerz die Erfahrung machen, daß die Spanier von den Versicherungen französischer Bruderliebe keineswegs begeistert sind. Allejs tu allem förderten diese AKita- tionsreisen die an der Seine mtt Betrübnis ausgenommene Wahrheit zutage, daß Spaniens Sympathien für Frankreich schon im Lanse der letzten Jahre nnd auch während des Krieges sich eher verringert als vermehrt haben. Was ist nun der Grund für diese nicht weg- züleugnende Erscheinung? So fragt nmn in allen Tonarten m den französischen Blättern, und einer der vvn Spanien zurück- gekehrten Delegierten gibt hierans in der „Revue des Deux Mondes die folgende nnerwartete Antwort: „Eine unserer größten NationLl- schwächen besteht darin, daß wir es als selbstverständlich betuttlitem, überall im neutralen Atrsland bewundert und geliebt zu werden. Leider aber ist dies nicht immer dar Fall, und hieran^ ist vor allem — die französische Spott sucht schuld. Da Mr Franzosen alles Ausländische, ja oft uns selbst mit einem Witz oder einem geistreichen, aber häuftg spitzen Wärt zu behandeln pflegen, schchen wir uns häuftg, iitdem wir fälschlich annehmen, daß auch die anderen Völker mtt Humor auf diese Eigentümlictckeit eingehen. Wir lwben die Spanier im Frieden immer als eilt Volk von Mchtsiuern, vvn Stterkämpfern und Serenadenliebhabern behandelt und mit der Zeit völlig vergessen, daß Spanien eine ernste Natton ist, die auch ernst genommen sein ivttl. Erst heute l>aben wir erfahren, sehr unsere Spottsucht uns selbst zu schädigen vermag. Darutn^ sollte in Zukunst einer der wichtigsten Leitsätze für die ftanzösische Diplomatie lauten: Wtet euch im Ausland vor der Spottsucht des ft'attzösischien Huntors, da dieser Tell des französischen Bolksgeiftes sich nicht zum Exportarttkel eignet! . . “ Ohne Lerugrschein sind folgende öegenstände bei mir in allen Preislagen ru haben: Kurzwaren, Schneiderei-Bedarfsartikel Besatzseiden und Blusenseide Seidene Bänder Halbseidenes Iackettfutter Spitzen und Stickereien Weißwaren: Kragen, Garnituren Korsetts, Korsettschoner Strohhüte, Mützen, Schleier, Häubchen Kragen, Manschetten, Chemisetts, Krawatten, Hosenträger Taschentücher Schirme und Stöcke vorgezeichnete und angefangene Handarbeiten Erstlingswäsche Gardinen, bunte Tischdecken Wachstuche, Möbelstoffe Steppdecken, Bettdecken Tischtücher, Servietten Sommerhandschuhe und Strümpfe Kindersöckchen Waschblusen und Röcke Kinderkleider und Mäntel Weiße Zierschürzen über 2 Mk. Haus-Schürzen über 4.50 Mk. b«s Kleiderstoffe und Vaumwollwaren bis zu Längen von 2 Metern, gleichgültig, ob diese vom Stück geschnitten oder als Rest verkauft werden. sowie sämtliche Artikel der Haushalt-Branche. Nicht bezugsfctseinlreie Waren zu bisherigen Preisen. — ~ Bezugsscheine werden gern bei mir ausgestellt. — - marktftr .17 J. ^Q\\\)VQ\\X\2Y Rittergaffe VwinieUmgen Alicestraße 11 ° ro $ 0ne Wohnung zu verm. f76 Näheres daselbst 1. Stock. ©ne 4 Zimmer-A^ohnuna, Kriistige Irimrifiter gesucht. Stundenlohn 45 bis 50 Pfennig. 1 Mich, Baii-AllilelliL'llr, Wetzlar. parterre, per 1. Oktober zu vermieten. 14836 Wilb. Plant, Mühlstraße 9. 3 Zimmer Schsftenbergerwog 59 hutsche 3-3isnnierwoIinnn8 zu verm. Näh. B olaiaangtraRe 14 . (4219 Hübsche freun bliche WoYanag, 3Zimmer mit Zubehör, part.. a. einzelne Person od. älteres Ebevnar zu vermieten. [4458 Näheres Hofmannstr. 14. 3-2tw.-'Moda. m. allem 2nded. n. Feranäa lml. St. aaf L. 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