Hr. $3 älvettes Blatt M. Jahrgang Lrs«h«n1 lätzttch mit Ausnahme des SsrtnIagS. Die .Metzeser FamilienblStter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureiödlatt für den Kreis Gichen" zweimal wöchentlich. Die „L»nöwirtschafttichen Seit- frage«" erscheinen monatlich zweimal. euer Anzeiger Eeneral-Anzeiger für Oberhejjen Montag. I. August Rotationsdruck und Verlag der Brüul'jch Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gießen. Schriitteitung,Geschäftsstelle u.Truckerei: Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:^S51,Schrift» leitung: d^zKil2. Äldresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. 4?O Sie Neuregelung des Verkehrs in Gemüse und Obst. Auf Antrag des Präsidenten des Kriogsernährungsamtes sind Veuo^uamgen über die Verarbeitung von Gemüse lntb von Obst erlassen worden. Zweck ist vor allem, die Gemüse und Obst verarbeitende Industrie fest zusammenzufassen und sie so zu leiten, daß einerseits Mrs dem Obst- und Gemüsemarkt Preistreibereien vermieden werde::, andererseits die Möglichkeit gegeben ist, soviel Rohstoffe für die Bevölkerung #u beschaffen, als zur Versorgung der Bevölkerimg nrn) des^'Heeres, insbesondere mit Marmeladen, Obstkvaut, Sauerkraut urrd Tvrrgemüse notig ist. Gleichzeitig sollen der Bevölkerung diese Nahrungsmittel zu .angemessenen Preisen gesichert werden. Darum ist vorgeschrieben, daß der Abschluß von Verträge:: über die hcnrptsächlichsten Rohstoffe für die Industrie iWeißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Mohrrüben und Karotten, "Aepfel und Birnen sowie Pflaumen) nur mit Genehmigung neu gebildeter Kriegsgesellschaften erfolgen darf und daß diese Kricgs- g-escllschaften in bereits bestehende, von der Industrie abgeschlossene Verträge nach Befinden eintreten oder sie ausheben können. Letzteres wird vor allem in Frage kommen, wenn die in den Verträgen/ ansbedungenen Preise zu hoch sind. Daneben haben die Kriegs-« gesell schäften das Recht und di' Pflicht, die Absatzbedi nn ~ ~ ’ für bfe Fabrikate, insbesondere die Preise, 'zu regeln. Ms solche §kricgs- ges-euschaften sind gegründet: die Kwiegsgesell schaff für Suuer^ant in Berlin, die Gemüsekonservenkriegsgesellschaft in Brannsch.reig, die 'Knegsgesellscbaft für Tvrrgemüse in Berlin, die Kriegs g es ell- schaft für Obskkonserven und Marmeladen in Berlin und die Kriegsgesellschaft für Weinobst-Einkauf und -Verteilung in Berlin. Die Kriegsgesellschaften umfassen bei weitem nicht alle Betriebe ihres Arbeitsgebietes. Die Mitgliedschaft ist auch in keiner Weise Vorbedingirng für die Fortsetzung des Betriebes. Dagegen haben alle Betriebe, ohne Rücksicht darauf, ob sie Mitglieder einer Kriegsgesellschaff sind, deren Vorschriften über Erwerb, Absatz und Preise der Rohstoffe und Erzeugnisse zu befolgen. Die Kriegsdesellschäften dagegen sind in allen ihren Verfügungen und Anordnungen an die Weisungen eines Bevollmächtigten des Präsidenten des Kriegsernährungsamtes gebunden. Als solcher ist der Vorsitzende der Reichsstelle für Gemüse und Obst bestimmt worden. Damit ist gewährleistet, daß die Gesellschaften keine einseitigen, von ihrem oder ihrer Mitglieder Privatinteresse diktierte Maßnahmen treffen, vielmehr inrch den Grundsätzen der Gemeinwirtschaft und des allgemeinen Wohls arbeiten. Zugleich ist damit die Sicherheit gegeben, daß aus besondere Verhältnisse, insbesondere auf die Bedürfnisse des Heeres und der Gemeinden sowie der Landeslebensmittelstellen gebührende Rücksicht genommen wird. Insbesondere wird dafür gesorgt werden, daß letztere in Bezug auf den Absatz von-Fabrikaten, die sie für ihre Bevölkerung hergestellt oder erworben haben, und die sie an diese absetzen wollen, nicht beschränkt werden, und daß angemessene Ankäufe dieser Stellen nicht beanstandet werden. Um im Absatz der Fabrikate in der ersten Zeit, solange noch keine Bestimmungen von den Kriegsgesellschaften getroffen worden sind, Stockungen zu verhüten, ist Vorsorge getroffen. daß die diesbezüglichen Vorschriften erst nach einiger Zeit (bezüglich des Obstweines an: 15. September, bezüglich der übri- E Fabrikate am 15. August) in Kraft treten. Bis zu diesen unkten werden die Kriegsgesellschaften die Bedingungen, zu der weitere Absatz erfolgen kann, bekanntgeben können. Im übrigen treten die Anordnungen sofort in Kraft. Es können also bis zu jenen Zeitpunkten wie bisher Obstwein, Marmeladen, Dörrgemüse usw. ohne Genehmigung und Bestimmung der Kriegs- aesellschasten verkauft werden. Der Erwerb von Gemüse und Obst für Fabriken ist sofort an die Zustimmung der Kriegsgesellschaften gebunden. Einige weitere Vorschriften sind von geringerer Bedeutung. Dazu gehört, daß allen Herstellern und Verkäufern von Gemüse- und Obstf-abrikaten eine Auskunftspfticht aufierlegt ist, und daß der Reichsstelle für Gemüse und Obst das Recht gegeben ist, einerseits über die gewerbsmäßige Verarbeitung von Gänüse und Obst Bestimmungen zu' treffen und andererseits Ausnahmen von den Vorschriften der Verordnungen zuzulassen. — Da es nicht angängig erschien, alle Betriebe unter die Regelung zu bringen, sind die lleineren, nur für den eigenen B^)arf oder einen örtlich beschränkten Umkreis arbeitenden Betriebe allgemein von den Vorschriften über bei: Erwerb der Rohstoffe ausgenommen, während die Bindung an die von den Kriegsgesellschaften getroffenen Bestimmungen über de:: Absatz jeden trifft, der Gemüse und Obst verkauft oder sonst absetzt. Es wird also jeder, der Gemüse oder Obst verarbeitet oder Sauerkraut, Dörrgemüse, Konserven, Marmelade::, Obstweine verkauft oder sonstwie absetzt, gut tun, sich mit den neuen Bestiinmungen genau vertraut zu machen, damit er sich nicht den hohen Strafen der Verordirungen aussetzt. Tie Verordnungen enthalten keine Höchslpvüsfestsetzungen für Gemüse und Obst, wie sie vielfach verlangt werden. Es steht aber zu hoffen, daß durch die Festlegung der Einkaufspreise der Konser- vemndiustrie, die der stärkste Käufer auf dem Gemüse-, und Obst- inarkt ist, die Preisbildung in einer den Berhältnffsen entsprechenden Weise beeinflußt wird. Sollte sich diese Erwartung nicht erfüllen, so müßte trotz der ungünstigen Nebenwirkungen, die gerade bei Gemüse und Obst sich nach den bisherigen Erfahrungen aus Höchstpreisfestsetzungen ergeben haben, die Bestimmung eines^ Höchstpreises erfolgen. Wcstrn dadurch ein Teil des Handels, der sich zu unbegründet hohen Preisen einzudecken sucht, zu Schaden kommen sollte, hat er es sich selbst zuzuschreiben. Kriegsbriefe aus dem westen. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. lUnberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Dic blutigen Verluste der Verbündeten. Großes Hauptquartier, den 5. August. Den Engländern war es bei einem ihrer ständig wiederholten Angriffe gestern gelungen, vorübergehend in unsere Stellungen be: Bazentin-le-Petit einend ringen. Als sie durch sofortigen Gegenstoß wieder hinausgeworfen waren, zählte man in unserem Graben im Abschnitte einer einzigen Kompagnie nicht weniger als 200 englische Leichen. Das ist nur ein Beispiel für den rücksichitslosen Einsatz, mit welchem die Verbündeten ihre Kräfte verbrauchen, ohne bisher einen entscheidenden Erfolg erringen zu können. An der Sommefront, wo ich bis gestern geweilt habe, schätzt man die Opfer, mit denen die Verbündeten beim Beginne ihrer Offensive jedes genommene Dorf ^bezahlt haben, äus durchschnittlich je 20 000 Mann Verlust. Das kennzeichnet das Verfahren, welches die Verbündeten gewählt haben, um uns aus den von uns eroberten Gebieten Frankreichs hinauszudvängen. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Der Seekrieg. London, 5. August. (WTB.) Lloyds berchtet, daß die Goeletten >,E r m e n i l d e" und „F o r t u n a" und die Dämpfer „Badges, „Chalan" und .Zvo" versenkt wurden. Die Besatzungen sind in Sicherheit. London, 6. Aug. (WTB. Nichtarntlich.) Lloyds meldet, daß der dänische Dampfer „Jaegersbor^ versenkt worden sei; 20 Mann seien gerettet worden. Ebenso sei der englische Fischdampfer „E g y p t i a n Pri n c e" versenkt worden; neun Mann seien gerettet worden. London, 6. Aug. (WTB.) Meldung das Reuters che:: Bu- roaüS. Die britischen Dampfer „Tottenham" und „Savo- nian", der italienische Danq^cr „Stenna" und der griechische Dampfer „TricoutiS" find versenkt worden. Bern, 5. Aug^ (WTB.) Der „Secvlo" meldet aus Tripolis: Nachdem man seit einigen Tagen über das Geschick des Dampfers „L-etimbro" sehr beunruhigt war, lourden von verschiedenen Häfen äüs Torpedoboote und Mndschafts-Schnelldampfer auf die Suche gesandt. Das Kriegsschiff „Guerrazzi" sichtete 110 Meilen vor Benghasi ein Boot, mit Ueberlebenden des Dampfers, nach deren Angabe der „Letimbrv" von einem österreichischen Unterseeboot versenkt worden war. Das Schiff führte etwa 120 Passagiere und 50 Mann Besatzung. An Bord befanden sich unter anderen der ComMendatore Lmlvadore, Generalsekretär der Cvrenaika sowie mehrere höhere italienisch« Offiziere, die hetmreisten. Rom, 6. August. (WTB.) Meldung der Agenzia Stesani: Am Morgen des 2. August torpedierte eines unserer Unterseeboote in der oberen Adria einen österreichischen Torpedobootszerstörer. (Notiz: Es bandelt sich um die vom Flottenkommandv bereits gemeldete Befchadigung des Torpedofahrzeuges „Magnet".) Kuttfi, Wissenschaft und Leben. — Was die Engländer im Kriege entbehren müssen. Wenn auch heute noch kein abschließender Ueberblick über die nicht militärischen Begleiterscheinungen des Krieges möglich ist, so kann doch das eine festgestellt werden: daß der stolze Und so oft laut verkündete Glaube der Engländer, das Leben im britischen Insel reich könne durch keinen Krieg berührt oder verändert werden, sich als vollkommen falsch erwies. Auch in Großbritannien folgte notgedrungen ein Verzicht dem anderen, sodaß die „Daily Mail" heule bereits in der Lage ist, eine lange Liste des Luxus, der Annehmlichkeiten, der Einrichtungen des praktischen Lebens und der Vergnügungen aufzustellen, die aus der Oefsentlichkeit in Großbritannien gestrichen werden mußten: „Kein Mensch hätte gedacht, daß auch wir uns in solchem Maße in unseren so fest eingewurzelten Sitten der Kriegszeit beugen nrüßten. Auch wir gehen heute eine Stunde früher zu Bett und stehen eine Stunde früher auf. Ich spreche im Namen vieler Tausender englischer' Männer und Frauen, wenn ich erkläre, daß vor zwei Jahren keine Mächt der Welt nrich zu einem solchen Verhalten hätte bewegen können. Aber wir sind alle zahm geworden und beugen uns vor der Notwendigkeit. Vor zwei Jahren hatten die Engländer noch den Ruhm, die eifrigsten Reisenden der Welt zu sein. Mle Erdteile waren mit englischen Reisegesellschaften überschwemmt, die Winter- hrrvrte auf dem Kontinent lebten zum größten Teil von englischen Gästen, und eine Fahrt von London nach Paris war nicht mehr als ein alltäglicher Ausflug. Heute sind Reisen von England nach dem Kontinent fast noch seltener als' sie es in dem dunklen Zeitalter vor den Kreuz- zügen waren. Wir alle sind ohne Unterschied an den begrenzten. Boden unserer Insel gefesselt. Aber auch bei uns selbst ist das Reiseleben mehr als eingeschränkt. Siebzehn Bahnlinien quer durch England haben bereits den Dienst durchlaufender Expreßzüge eingestellt. Auch die Zahl der LuxuS- und Speffewagen ist bereits auf ein Minimum beschränkt. Ja selbst, wenn der Postbote konrmt, werden wir an die Kriegszeit gemahnt. Vor zwei Jahren: lieferte er mindestens dreimal am Tage die Briefe ab, heute kommt er nur noch zweimal, in kleinen Orten sogar nur einmal während 24 Stunden. Tie Londoner, die früher daran gewöhnt waren, sich nur in Autodroschkell zu ihren Geschäften zu begeben, mußten einsehen, daß man die Geschäftsgänge auch zu Fuß besorgen kann. Die Leute, die den Sonnabend und Sonntag mit Autoausflügen verbrachten, nriilien sich darein finden, ihre freie Zeit auch ohne dieses Vergnügen totzuscAagen. Wir dürfen nicht mehr einem Freunde im Restaurant einen Whisky anbieten, wir haben keine geschulten Diener mehr in den Klubs und müssen selbst daheim immer mehr auf Köchinnen und Stubenmädchen Verzicht leisten. Sogar des Nachts können wir nicht vergessen, daß wir im Kriege leben; ein Blick auf die dunkle Straße nrit ihren sorgsam verhüllten, nur spärlich angezündeten Lichtern erinnert uns daran, daß auch das britische Jnselreich im Weltkrieg keine Sonderstellung einzunehmen vermag." — Eine Schwank-Uraufführung in Kreuznach. Aus Bad Kreuznach wird nntz geschrieben: An dem vom früheren Hagener Intendanten Dr. Oskar Kaiser geleiteten Kurtheater hat ein. neuer Schrank seine erste Bühnenprobe mit durchschlagendem Erfolge bestanden. Das zündende, Heiterkeitswirkungen entfesselnde Stück heißt: „D i e S ch e i du n g s f a l l e" und ist der bühnengewandten Feder Artur HoffmannS entflossen, des.Mitverfassers des allbekannt gewordenen Schwankes „Soft: Windhund". Der Knoten der in einem bunten Wirbel lcumiger Einfälle und drolliger Situationen entwickelten Ha:ü>lung ist aus den: Titel unschwer zu enträseln. Die Erfindung eines Patentkerls in allen Lebenslagen, des Rechtsanwalts Dr. Westhofen, ist sie, diese Scheidm:gsfalle. Er fängt damit seine sich, nach' Ehewechsel sehnenden .Klientinnen und Klienten, um sie dam: — o diese Rechtsanwälte ! — ebenso geschickt in den alten Ehehafen »nieder zurückzulotsen. Ein neuer Gedanke, lind das ivill auf dem abgegrasten Felde der Schwankliteratur heutzutage schon allerhand heißen. Artur Hoffmann hat ihm obendrein eine Form verschafft, die Bühnenübung mit sprudelndem, prickelndem Witz vereinigt und die Szene fefi'etiib zu steigern, ja diese mitunter auf die .Höhe des feineren Lustspiels zu heben versteht. Kein Wunder, wenn das Publikum in bester Stimmung war und mit den trefflichen Hauptdarstellern den Verfasser nach allen Aktschlüssen oftmals hervorrief. Dem i^uen Schwank dürfte sonach der Bühnenweg geebnet sein. — Eine a m erikanisch e Künstlertragödie* lieber eine erschütternde amerikan. Künstlertvagödie wird im jüngsten Hefte des „Cicerone" berichtet. Ganz New Bork interessiert sich nämlich augenblicklich für das unsäglich traurige Schicksal des amerikanischen Landschaftsmalers Ralph Albert Blakelock. Der Grund dafür ist nicht so sehr sein jahrelanges Leiden an sich, erst während seineü Tätigkeit, dann in einer Irrenanstält, als vielmehr der Umstand, daß plötzlich, nach langer Vernachlässigung, eines seiner Werke im Cacholina Lambertverhruf den hohen Preis von 20 000^ Dollars eintrug. Sofort bemächtigte sich die Presse dieser neuen Sensation und zog mm all das Traurige und Beschämende ans Licht, daß dieser zartfühlende, zur Schwermut neigende, im Lebenskampf zerbrochene. dabei an Schönheitssehnsucht so reiche Malerpoet zu erdulden gehabt hat. bis ein, man darf fast sagen, gütiges Geschick ihm seine Sinne trübte, und er als Gemeindearmer ins öffentliche Irrenhaus überführt wurde, während freilich seine arme Familie Aus dem Reiche. Berlin, 5. August (WTB. Amtlich.) Der Kaiser hat heute auf der Durchreise von der Ost- zur Westfront kurzen Aufenthalt in Berlin genommen. Seirre Majestät sprach beim Reichskanzler vor, nahm dessen Vortrag entgegen und daran anschließend die Vorträge der Staatssekretäre Dr. H e l f f e r i ch und Graf Röder und des Präsidenten des Kriegseriüihrungsamtes von Batocki. Kiel, 5. Aug. (WTB.) Der Kaiser hat dem Prinzen HeinrichvonPreußen den Orden Pour le meritc verliehen. Berlin, 5. Aug. (WTB.) Herr und Frau Krupp von Bohlen und Halbach haben in (Gmeins«Hast mit Frau F. A. Krupp dem Reichsverband der O st p r e u ß e n h i l f e eine Stiftung von 250000 Mark überwiesen. Stuttgart, 6. August. (WTB. Nichtamtlich.) Reichsschatzsekretär Graf Roedern trifft am Montag früh hier ein. Er wird im Laufe des Tages, wie der „Schwäbische Merkur" meldet, vom König, der aus Fxiedrichshafen hierherkommt, empfangen werden. Universitäts-Nachrichten. --- Frankfurt a. M., 6. Aug. Der Allgemeine Studenten^ ausschuß der Universität Frankfurt hat an die Studentenausschüsse der deutschen Univerfitäten die Aufforderung zur Gründung eines deutschen Studententages gesandt. Dieser Stu- denteutag soll die Ausgabe haben, die allgemeinen Interessen der gesamten reichsdeutschen Studentenschaft nach innen und außen zu vertreten. Ihm würde zufallen: 1. Die Vertretung studentisä^r Interessen gegenüber den akademischen Behörden einerseits und der Oefsentlichkeit andererseits unter unbedingt neutraler Stellung in parteipolitischer und konfessioneller Hinsicht und unter gleichünäßiger Berücksichtigung der inkorporierten und nicht korporierteu Gruppen. Hier wäre besonders die Gründung studentischer Ausschüsse an den Hochschulen anzuregen, die solche noch nicht besitzen, ferner im gegenwärtigen Zeitpunkt Stellungnahme zur Frage des Ausländer- studimns'. 2. Die Pftege gemeinnütziger studentischer Einrichtungen, sozialer Arbeit, Wohnungswesen usw. -ft. Gemeinsames repräsentatives Auftreten im iliamen sämtlicher Ausschüsse. — In dem Aufruf wird die Mhaltung einer Konferenz in Frankfurt a. M. im Herbst 1916 angeregt. Meieorologische Beobachtungen der Station Gießen. Aug. 1916 Q — l- £ jQ « o w o s L« Ö- iu £ ■S'S i'f es c ÖO , §> x> ^ il u :<3 i «Vn=. Jj£| 2 ß c -S "ad Wen« 6. 3» 18,4 9.1 58 9 6. 9" — 15,0 9,6 75 — — 9 7. 7" 12,7 9,3 85 9 Höchste Temperatur am 5. bis 6. August 191« : + 19,1*0. Niedrigste . ,5. .6. * 1916: + 8,0*0. Niederschlag 0,0 mm. Müller'sche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 6. August: 16* R. Die Golöankausstele ist morgen von 3 bis 5 Uhr geöffnet! in Not und Elend zurückblieb. Tie Geschichte, »vie es Krm Letzten mit ihm kam, wie ein roher „Mäcen" versuchte, den für ein'0)emälde ausgemachten Preis auf ein Minimum herabzudrücken, irne der in seiner Künstlerlehre aufs tieffte beleidigte, von schiveren Sorgen bedrückte Meister nsit der erbärmlichen Bezahlung in Dollarscheinrn zu seiner, vor der Entbindung stehenden Frau, zurückkehct.und in einer Anwandlung von Ekel und Schwermut zugleich die Scheine ins Küchenfeuer wirft, obwohl sein Häus und Keller ganz leev sind, um dann in derselben Nacht noch in Tobsucht zu verfallen diese ganze Geschichte reiht sich den traurigsten, vom Erdemv-allei^ der Künstler bekannt gewordenen an. Jetzt wird versucht, mit Hilfe der durch den Sensationspreis erlveckten Neugierde dem gebrochenen Manne und seiner Fanrllie etwas zu helfen: und man sieht das fast anwidernde Schauspiel, daß allerlei reiche, „knnstlicbendr" Leute, denen es ein Leichtes gewesen wäre, recksizeitig einzugreifen nunmehr sich zu einer Wohltätigkeitsausstellung Blakolocksche-e Werke drängen und plötzlich seine Kunst zu bewundern anfange:'. die jetzt als die eines der größten amerikanischen Landschaftsmaler — und das nicht mit Unrecht — gepriesen wird. Wahrlich, der arme reiche Meister darf sioh sein, daß er das nicht noch bei gesundem Verstände durchmachcn muß. Eine Art Antiklima hat die Tragödie noch dadurch erhalten, daß dic Ne»v Aorker Akademie den interessierten Meister, offenbar ohne das Bewußtseiu grimmiger Selbssironie, zun: vollen Mitgliede ernamit hat. - Die Erblich keit der japanischen Schauspiel- ku n st. Es ist in Japan seit lairger Zeit Brauch, daß sich dev Schcruspielerberuf von dem Vater auf den Sohn und roeiter vererbt, Und es haben sich im Laufe der Jahrhunderte berühmte Schau spielerfamilien herausgebildet, deren Mitglieder ähnlich wie bei Herrscherfämilien hinter dem Fmniliennanven als der erste, zweite, dritte usw. bezeichnet werden. Ja, man hält in Japan so »'treng auf die Tradftion, daß es, wie die „Times" in ihrer japanischen Bei läge erzählen, nur gm:z genial begabten Schauspielern gelingt, sich eine bedeutende Stellung zu erobern, wenn sie nicht in dieser Beziehung „erblich helastep) sind. Die berühmteste japanische Schauspielerfamilie sind die Dairjures, deren 10: Mitglied, Koshiro, eine: der bedeutendsten Schauspieler in den kaiserlichen Theatern von Tokio ist. Dieser Familie steht die der Kikugow, die das konser'- vative Element in der japanischen Theatcrgeschichte lredeuten und die, augenblicklich unter 'Führung Äkugoro VI , jeden Einfluß der westlichen Schauspielkunst abl ebnen. Ebenfalls einer alten Schauspielerfamilie entstammt der Tokioer Uta nemo n, der der bekannteste Frauendarsteller von Japan ist, und der, obgleich cr schon in den sechziger Jahren steht, immer noch mit großer Anmut verliebte kleine Mädchen und stolze Prinzessinnen verkörpert.