Nr. 170 Sweites Biatt M. Jahrgang Erscheint K-Uch mH Ausnahme deS So>mt«gS. Die „Sietzener ZamilienblStter" werden dem «Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das «•Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seil- frs-en" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberhejfen §6M§tag, 22- Juli Mb Rotationsdruck und Verlag der Drühl'ichea llniversitätS -- Buch- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung,Geschaitsstelle u.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Berlaq:^^K51,Schritt» Leitung: 112. 'Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen. Kriegsbriefe aus dem Westen. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^ Erfolgreiche deutsche Vorstöße au der Somme. Großes Hauptquartier, 19. Juli. Durch die Besetzung von Longueval, die den Engländern «unter Verlusten geglückt war, welche von den deutschen Mitkämpfern als erschreckend bezeichnet wurden, hatten sie sich um einen Schritt näl)er an das erste Ziel ihrer Offensive, das Städtchen Bapaume heran ge arbeitet. Gestern versuchten sie, in dieser Richtung weiter fortzuschreiten und griffen die Lücke Pozieres-Martinpuich an, wurden aber restlos ab- gewieseu. Dagegen entrissen ihnen zu gleicher Zeit die Magdeburger und Altenburger das mit so vielen Opfern erkaufte Dorf Longueval und das anschließende Delville- Gehölz. Der Widerstand der Engländer war zäh und erbittert, wie schon ihr Vordringen an dieser Stelle mit Kämpfen verbunden gewesen war, welche als mit die schwersten der ganzen Sommeschlacht bezeichnet werden. Die Franzosen hatten keinen Erfolg mit Angriffen auf den Abschnitt Belloy-Barleux, die restlos abgewicsen wurden, während sie im Abschnitte Estrees-Soyeconrt neue Jnfanterieangrifse nicht versuchten, sondern nur schweres Artillerieseuer gegen unsere Stellungen unterhielten. Dagegen gelang es kleinen deutschen Abteilungen, südlich von Clerh über den Sommekanal zu dringen und sich in der neuen Stellung einzubauen. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. * ^ * Verstärke feindliche Angriffe. Großes Hauptquartier, 20. Juli. Den sehr starken gestrigen Artillerievorbereitungen sind heute in dem ganzen Abschnitte zwischen Foureaux-Wald und Somme die erwarteten sehr starken Anstürme der Engländer und Franzosen gesotgt. .Bisher sind sie völlig vergeblich und für den Feind sehr verlustreich gewesen. Die Masse des Einsatzes und die Wucht der Vorstöße läßt erkennen, daß der Feind einen bedeutenden Schlag führen will. Im Augenblicke der Absendung des Berichtes dauern die Kämpfe noch nckt unverminderter Erbitterung an. In der Nacht schon hatten die Franzosen drei vergebliche Teil- angrisse südlich der Somme unternommen. Sie haben jetzt ein sehr heftiges Artillerieseuer auf den Abschnitt Soye- court—Lihons gelegt, was vielleicht auf ihre Absicht deutet, die Angriffsfront zu verbreitern. Aeußerst erbittert waren auch die englischen Angriffe westlich Lille bei Fromelles, wo der Feind außerordentliche Verluste erlitten hat. W. .Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Ariegrbriefe m dem Osten. Bore«nferem zürn Ostheere entsandten Kriegsbericht e rHott» (Aickerschtt»ter Nachdruck, auch m» s L » gS wckse, verbot«.) In den Schützengräben bei Barauountschi. Baranowitschi, den 13. Juli. Der Wald hört aus. Der flache Einlaus in den Annäherungs- graben 'setzt an, ein paar Schritt und man ist in dem Schacht. Oben ist Sommerhimmel, den mächtige Wolken langsam überziehen, zur Rechten und zur Linken sind gelb-weiße ^andw-ände, an denen Winde und Kornblumen hcrunterblühen. Man geht nnc durch ein Gebirgstal. Der Boden ist hart, Hunderte von Zementplatten' haben einen harten Laufsteg im ckmreuden Sand gegeben. In unregelmäßigen Abständen dröhnt Geschützlärm rückwärts. von unseren feuernden Batterien herüber, und ebenso oft last schüttert der dumpfe Anffcklagton mit Hellem Pfeifen danach das Einschlaggeräusch der russischen Grairaten durch die Luft. Tie Geseckstsordonnanz erzählt, während wir Windung um Windung zurücklegen. Der Gefreite verwaltete eine Farm in Guatemala. Eine schöne Kaffee-Farm. Es wollten viele Deutsche da in seinem Umkreis. Sie ritten zufanrmen ab, die Waffenfähigen, damals am 5. August. Bon Mexrlo nach Spanien ging die Reise noch leicht. Aber dann, das bißchen Geld war bald verbraucht, saß der Farmer in Spanien und wartete. Hörte die vielen Lügen, hörte doch auch non deutschen Siegen. Da wurde eine kleine italienische Lustjacht geschartert. Einl/undertsechzig Mann schifften sich ein. Ter Kapitän, ein Italiener, war eine Art von Piraten- häuptling, aber er verstand sein Geschäft. Nachts lag »man in Verstecken; oft sahen sie die Umrisse der französischen Kreuzer dicht genug aus der blauen Dunkelheit sich abheben. An: Tage fuhr die Jacht. In dem italienischen Kahn wurden die Deutschen angespuckt. Es waren ja Bundesgenossen damals. Aber die italienische Liebe stieg nicht zu- allzu großen Frechheiten, denn es waren 160 Männer, viel seefahrendes Volk, das eine kurze Art hatte, sein Rechst zu finden. Am 12. Dezember wurde der Farmer Landwehrmann, machte den Siegeszug des schlesischen Landwehrkorps mit, holte sich das Eiserne Kreuz in den polnischen Kämpfen. „Trüben ist ein schönes Land," sagt er. Wir gehen Windung um Windung. „Meine Farm wird wohl zum Teufel gehen. Aber.. Er sagt nichts mehr. Das schmale Tal tvird noch enger. Der Regimentsführer kommt uns entgegen. Wir biegen in die Stellung ein, springen geduckt an vier Torfmauern entlang und erreichen die vorspringende Nase auf dem Hügel im Sumpf bei Labusch. Aus diese Hügelstellung halben die Russen acht Tage lang gehämmert. An vier Stellen ist ein Labpcknth entstanden. Ans den Resten der Unterstände, den Balken der verschütteten Erde. Tie Erde konnte gewendet werden von den eisernen Hebeln!, die Entschlossenheit der Verteidiger nicht. Es gibt Stellen, da man springen muß, tveil man in Sicht der Russen ist, iveil der Graben nur noch aus losen Hügeln besteht, aber es gibt hier keine Stelle, die der Russe erreichte. Vor dem Hindernis, im Hindernis, liegen die Toten. In breiter Schleife umgibt die Schtschara den Hügel von Labusch. Drüben die Berge haben die Russen, laben daS Vorgelände zum Hügel, arbeiten heran. Auch die Verteidiger arbeiten. Mehr ist da nicht zu sagen. In dar kleinen zerschossenen Gehölzen wohnt der Tod. ^Man sieht die grünen Laubwipfel, die so sommerschön in der Sonne leuchten, sielst den Park des Gutes Tarowo. Unter dem Grün liegen die Toten, über dem Grün zerbarsten die kleinen schlohweißen Wolken. Auf der anderen Seite gelsts wieder über den Sumpfarm zurück. Ter Boden wiegt und federt unter jedem Schcktt. Die dünne Torfnrauer zur Linken trennt von den russischen Kugeln. In den Granatlöchern steht schwarzes, glanzloses Sumpfwasser. * Zwei Tage vorher tvar ick auf der Darowo-Höbe, die nördlich, durch Sumpf getrennt, an diesen Abschnitt anschließt. Eine Nacht lang waren die Gräben aus dem Hügel, der in den Sumpf vorspringt, in dem Besitz .der Russen. Tann hatte die deutsche Ar til lecke auf der Höhe gelegen, wie vorher und nachher die russische aus ihr lag. Die russischen Toten sind in den Boden eingestampft worden. Noch ist unter den Duschen der russischen Schrapnells, die auf sede Bewegung mit Feuer antworten, nicht Zeit und rächt immer Möglichkeit gewesen, die Toten sortznschaffen. Ost weiß man nicht, was Erde, was menschlicher Körper ist. Keine 200 Meter entfernt sitzen die Russen. Gewehckchüsse pcktscken durch die Luft. Arckllecke dröhnt. Eben ist ein Unterstand zerschossen worden, man sieht an der einen unbeschädigten Wand das Bildnis einer Frau rm weihen Birkenrahmen Ein anderer Unterstand, das ist schon in der Kckchhofstellung, die sich durch den Friedhof — von dem der Fckede weit genug e uts er r rt ist — zieht, scheint äußerlich ganz gut sockgekonrmen zu sckn. aber eine Granate, die absprang, flog durch die Tür in die Tiefe. AUe Insassen wurden durch den Luftdruck getötet: einer kam mit dem Leben davon, aber der Lustdruck preßte ihm' beide Augen aus dem Kopf. Wenn man aus der grauen Bedrängnis der zertrvmmelten Grabenteile kommt, ists wie eine Erlösung zwischen dem dichten grünen Rasenstrckfen der nicht beschädigten Strecken. So sah einmal aucki die Tarowo-Höhe aus. Ein schmales, grünes Tal mit den vielen Erfindungen und Freundlichkeiten und Sichcrhckten, die in Monaten geschaffen werden. Was will man? sagen die Verteidiger. Tie Ärbckt hat gelohnt. Nachdem wir Tarowo wiederhatten, haben wirs behalten. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Ans Sterdt uitfc ftanö. Gießen, 22. Juli 1616. Krupp in Gießen. Eine für die gewerblichen Verhältnisse unserer Stadt und Umgegend bedeutsame Entscheidung ist vor kurzem gefallen, das Braunst einbergwerk ist in der Form in den Be s i tz der Firma Friedrich Krupp, A.-G., in Essen, über- gegangen, da dieselbe die Mehrheit (über 3 / 4 ) der 1000 Kuxe käuflich erworben hat: die Kuxe sind sogar nahezu alle abgetreten worden. Wir begrüßen die Tatsache, daß das weltbekannte, für unser Vaterland hochwichtige Unternehmen nunmehr auch in unserer Gegend sich angetanst und sicher zum Segen der arbeitenden und gewerbetreibenden Bevölkerung hier Fuß gefaßt hat. Has Gießener Braunsteinbergwerk ist jetzt seit vielen Jahrzehnten im Betrieb: in den fünfziger Jahren des vorigen >zuhr- hustd-erts wurde dort zunächst Braunstein-Manganhyperoxyd, ein Mineral, das wesentlich zur Farbensabrikation, in Drogerien, Apotheken usw. Verwendung fand, und nur die hochprozentigen Erze gefördert. Damals befand sich das Bergwerksckgentum im Besitze der alten Gewerken Storch Briel und Metzler. Später trat Fernie ein, kaufte die Anteile aus und es entwickelten sich Prozeße unter den Gewerken, die Jahre und Jahrzehnte dauerten und erst Ende der 90er Jahre endgültig durch Vergleich beseitigt wurden. In den 60er Jahren bis Ende 1890 betrieb Fernie als Allckn- eigentümer das Werk, dessen kaufmännische und technische Leiter, die .Herren Wilson und Pascoe mit dem Bergwerksverwalter Herrn Kilbinger. mit der Stadt Gießen eng verwachsene Persönlichkeiten waren. Das Werk hat in jener Zeit, nachdem durch neue Arten der Eisenerzeugung die gute Verwendbarkeit seiner Produkte für den Verhüttungsprozcß sich ergeben hatte, einen großen Aufschwung! genommen, wenn auch sckue Betckebseinrichtungen noch primitiv waren. Ende der 90er Jahre wurde die Gewerkschaft gebildet, die das Bergwerkseigentum von einem rheinischen Konsortium zu hohem Preise erworben hatte. Es ergaben sich bald Schwierigkeiten und Rcchtsstreitigkeiten, die dazu führten, daß die Gewerkenversammlung den Herrn Dr. Pfahl und seine Leute abberies und Herrn Rcchtsannoalt Grünewald an die Spitze der Verwaltung stellte, der von 1898 bis jetzt Vorsitzender des Grubenvorstandes blieb. Die finanziellen Schwierigkeiten wurden überwunden, der Vorbesitzer Fernie befriedigt, die einmal drohende zwangsweise Veräußerung der Kuxe und Obligationen abgewendet. f Immerhin Vttc die Gewerkschaft an den übernommenen Verbindlichkckten schwer zu tragen, der Kaufpreis hatte sich auf über 7 Millionen beziffert und die Obligationen, zunächst in Höhe von 3' Millionen Mark im Umlauf, mußten verzinst und verhältnismäßig rasch amorüsiert werden. Bald erwiesen sich technische Aenderungcn als unumgänglich notwendig. Der Werksdirektor Herr Dr. Esch, der aus dem Reichsdienst hierhergekommen war, führte großzügige Projekte, die Elektcksierunq des ganzen Betckebs, Beseickgung der alten Trahckeübahu, Herstellung unterirdischer Transportwege, (Sr* richtung einer Misch- und Verladevorckchtung an der Linie Gießen—. Gelnhausen sowie ckne Agglomerieranstalt in genüüer Weise durch. Die letztgenannte Einrichtung diente dem Zwecke, die Erze zu der-» edeln durch Mstung in einer Temperatur von 1200 Grad Celsius, sie von Wasser und anderen schädlichen Bestandteilen pr befreien und in festes Aggregat zu bringen. Es ergab sich die Notwendigkeit einer neuen Anleihe, die in Höhe von ckner Million ausgenommen: wurde. Tie Förderung und der Veckand stieg nun von Jahr zu Jahr und erreichte zeitweilig 180 000 bis 200 000 Tons Erz-; das bedeutet arbeststäglich oft 80 bis 100 Doppckwaggons. Im Jahre 1908 schick» Herr Dr. Esch aus, um die Leitung der Gewerkschaft Dr. Geier (Waldalgesheim) zu übernehmen: an seine Stelle trat Herr Paul Wenner aus Haiger, der bis zur Gegenwart das Werk leitete. — Die Arbeiterzahl bewegte sich meistens zwischen 700 bis 800 Mann, in der Hauptsache handelt es sich um Bergleute, die in den benachbarten Dörfern wohnen, und dorten noch eine kleine Landwirtschaft oder dergleichen betreiben. Jedenfalls bildet das Bergweck für Tausende von Menschen in unserer Gegend eine gute und ständige Erwerbsquelle. Der Kckeg erhob große Ansprüche an das Weck, das mit Waldalgesheim zusammen in der Hauptsache den Bedack der kckegs- stahlerzeugenden Jndustcke an Manganerzen zu decken berufen war, nachdem die Auslandserzc nicht mehr zu erlangen warerst insbesondere der Kaukasus abgesperrt war. Tie Gewerkschaft hat diese Aufgabe in vollem Maße erfüllt, und die Heeresverwaltung, die ihr durch Belassung von Arbeitern und Gestellung von Kriegs- gesangenen entgegenkam, zufckedengestellt. Frcklich hat das Weck, zumal die Arbeiterzahl immerhin gecknger war als in Friedens-, Deutsche zraucn, schafft Euch eine feststehende Deutsche Zranenkleidung. (Eine Betrachtung über Frauenkleidung und Frauenmode.) Es ist so vieles in letzter Zeit gesagt und gesckwieben worden über „Frauenklckdung und Frauenmode". Zumckst waren die hieran geknüpften Erwägungen aus der Not der Kckegszeit geboren. Es war naheliegend, auf den Unsinn hinzuweisen, der darin tep. daß zu einer Zeit, in welcher im Interesse des Vaterlandes mit Stoffen bis zum Aeußersten hätte gespack werden müssen, eine „Mode" einsetzte, die für die Frauen unerhöcke Füllen an Material verschwendete. ^ Zwei Jahre vor Kckegsbeginn, als kein Mensch an Stoffmangckl dachte, herrschte dagegen in der Frauenkleidung ckne immer zunehmende Neigung zur „Enge der Gewandung"! Eine Neigung, die zu Beginn des Krieges tvvhl den Gipfel der Geschmacklosigkeit errckcht haben dürfte. Soll nun die, in ihren Tugenden so vielbesungene deutsche Frau nach wie vor Sklavin ckner ewig weclstelnden?Node bleiben? Sollte sie vielmehr nicht fähig sein, Protest zu erheben gegen den ihr fockgesetzt ausgezwungenen Wechsel ihrer Gewandung? Eine Neuerung jagt sckt Jahrzehnten die andere. Was vor 3 Monaten „modern" war, ist ein Vierteljahr später von einer gänzlich entgegengesetzten Geschmacks- und Formenckchtung überholt. Wer vermöchte da „mitzutun", außer den Wenigen, bck denen 'Zeit und Geldbeutel unerschöpflich sind! — Für die große Mehrzahl des weiblichen Geschlechts hckßt es, sich bei allzu grotesken Sprüngen der launischen Göttin Mode beschckdentlich unter Aufwendung tunt unendlich viel Mühe und Arbeit „verändernd", mit den alten Beständen anzupassen. Einige wenige Mutige fverden auch hier und da cknmal ganz gegen den Strom schwimmen. Anhängerinnen der „Reformkleidung" tun das sckt Jahven, ohne uns ckne cknhcktliche Lösung der Schwierigkeit gebracht zu haben. — Das ominöse Wort „modern" scheinen wir Frauen in unserer Klckdungsfrage nicht loswerden zu sollen und gerade dieses Wort möchte ich unbedingt ausgeschaltet wissen. Warum sollte es nicht möglich sein, eine feststehende deutsche Frauenkleidung zu schaffen. Eine Klckdung, die uns deutsche Frauen überall als Deutsche dokumentieck. Wir haben wahrlich nicht nötig, irgend etwas vom Auslande zu übernehmen und mehr denn je Grund dazu, auf unser Deutschtum stolz zu sckn. * Ich bin überzeugt, daß sich in Kunst und Gewerbe kunst- und sachverständige Frauen und Männer finden lassen, die diese einschneidende Frage praktisch zu lösen verstünden. 2luch derMann trägt ja seine Kleidung, die keinem Wechsel unterworfen ist. Die kleinen Neuerungslaunen in der männlichen Gewandung sind, sofern sie auftreten, so unbedeutend und nebensächlicher Art, daß wohl nur ckn vereinzelter Modeser ernsthaft damit rechnck. Der Straßen-Anzug eines Mannes wird niemals durch die „Mode" unbrauchbar oder unmöglich gemacht werden kö..neu. Wenn ich von ckner fe st stehenden deutschen Frauenkleidung spreche, so denke ich vorerst nur an das im Vordergrund stehende Straßen- und Hausklckd. Ans das Gesellschaftskleid, das ich mir ba ckner gänzlichen Umänderung in den bisherigen Anschauungen mehr als „Eigenklckd" dachte, das man lange, oft, gerne und wiederholt bei festlichen Gelegenhckten tragen sollte, komme ich vielleicht später einmal zu sprechen. — Viele, — vielleicht die meisten meiner Geschlechts geiros sinnen, werden zu mcknen vorstehenden Ausführungen den Einwand erheben: „Ein einheitliches Kleid, alle Frauen gleichartig gekleidck. das wird eintönig, uniformiert, unfreundlich wirken!" Ich halte dem entgegen:'Warum bewundeck man in unserer raschlebig-nüchternen Zckt so sehr die wenigen erhalten geblieberren Volkstrachten! Wirken sie je eintönig, uniformiert, unfreundlich!? Ich gebe zu, in der cknhcktlichen Klckdung der Männer unserer Zckt könnte manches nüchtern und uniformiert wirken, schon durch die engbegrenzte Wahl der Farben, die für Herrenstvffe in Betracht kommt. Doch hat sich unser Auge wohl schon zu sehr an diese Art der Kleidung gewöhnt. Bei den Stoffen, die in der Frauenklckdung Verwendung finden, ließe sich durch Farbe, kleine persönliche Ausschmückungen. Stickercken und tausend Klcknigkckten ckn so unendlich großer Spielraum für persönlichen Geschmack schaffen, daß der „cknhcktliche Schnitt" in keiner Wckse mehr den Eindruck des „Uniformierten" zu wecken vermöchte. Und als Letztes, damft man mir nickst einwenden kann: „Mit der schwindenden „Mode" schwinden auch die Einnahmen von Schnckderinnen und Konfektionsgeschäften!" Das ist mit rnchten der Falk! Hat man je gehört, daß ckn Herrenschnckder, wckl alle Männeranzüge gleichen Schnittes sind, nicksts zu tun hätte, oder daß in einem Hervenbekleidungsgeschäft aus demsckben Grunde nichts gekauft würde? Im Gegentckl, bck ckner einheitlichen deutschen Frauentracht werden die Frauen schon deshalb bckser und schöner gekleidck sckn, weil die Schneiderin mit ihren Schnitten nicht andauernd umzulernen hat, und rasch aus ihre Kuirdinnen erngearbcktck sckn wird! Für die Geschäfte, in denen fertige Be- llckdungssrücke zu kaufen find, gilt das gleiche! Selbswerständlich werden vorstehende Betrachtungen nicht von dem Gedanken beherrscht, daß rrun für unbegrenzte Zeiten die deutsche Frauenklckdung ein und dieselbe bleiben müsse. — „Fortsckfritt", sofern ein „Sichauftväcksentwickeln" damit verbunden ist, kamr und soll niemals aufgehalten iverden. Jede Zeit wird auch in dieser Richtung ihr eignes Gepräge trägem Nur das Wort „modern" mit seinen andauernd rvechselnden Ersck-ernnngs- sorrnen möchte ich, wie schon vorher gesagt, unbedingt ausgckchaltet wissen. Vielleicht gelingt es arrderen nach uns, in einem neuerblühten rckchen Deutschland, in weit größerem Maße als je vorher. Kunst und Formenschönheit auch in die deutsche Frauenlleidung zu tragen. Wir deutsche Frauen jedoch, die wir jetzt nach Kriegsende wohl mehr c»der weniger alle an der Not der Zckt mitzutragen! haben rverden durch Opferwilliglckt und bescheideices Genügen, wir sollten für uns fordern: Eine feststehende deutsche Frauen- kteidung, wie sie der jetzigen Zeit und den ernsten wirtschaftlichen Verhältnissen unserer Zckt entspricht! Emmy Retzlass. * Gberhessischer Kunftverein. Gießen, 22. Juli. Tie am vergangenen Samstag an dieser Stelle besprochene ?lusstellung erfordert cknen kleinen Nachtrag. Mittlerweile ist eine klckne Gruppe von Bildern lstnzugetreten, die besondere Beachtung verdienen. Es handelt sich um achtzehn Arbeiten, manchmal stark skizzenhaften Eharatters, die tckls mit Blck.' teils mit Oelkreide- stiften, tckls auckf mit Wasserfarben aus Papier geworfen. Farben- eindrücke eines jüngeren in Belgien stehenden Malers wieder gelten. Es ist ckn Malermlge, das sich bicr im Lande Vineenr van Gogbs an Lickst und Farbe berauscht, ohne sie nach Art des Impressionismus in ftimnrernde SckMingung auszulöseir. Wie bei allen unseren jüngeren Malern zeigt sich auch bck Hermmrn D i c n z das Bestreben. Linie und Farbe als den gegebenen Mitteln der Malerei ihr Recht werden zu lassen. Die ausgesprochene Linie nrrd die nngebrvcheTre Farbe — der Impressionismus kannte mir gebrochene Farben, deren lineare Abgrenzung möglichst verwischt tvurde — führen den Maler auch wieder zirr akttven Tätigkeit zur Komposition. Sckn Sehen Ist nickst mehr ein passives Erleiden mrd Nachschaffen, sondern ein akttves Erobern lntb Neusck>affen der Natur. Ter Vlame van Gogh war ckner von denen, die hierin vormcsgegangen sind. Man vergleiche nach dem Gesagten die Arbeiten von HermanR Dienz und nochmals die Zeichmingen: von Wactzlmeper. Neben »diesen grundsätzlickfen Bemerümgen über die Naturbckrachttmg des expressionistischen Malers sck bei .Hermann Dienz auf die sehr geipmrdte Technik aufmcrsam gemacht, besonders mcs die sttäciielnde oder punktierende Art. Einige Bildchen von der 'Nordsee und bat Dünen, sowie auS Danzig sind höchst beachtenswerte Leistungen. Zz. SCttat intb viele imgeschülte Kräfte eitthielt, unt^r der starken Iw mypniLhHahme gelitten imi> manche Verbesserungen und Neuvor rrchtwigen mußten Mrückgesöellt werden, um dem dringenden Bedarf nach ftxreierter Forderung hochproznrtiger, zur Stahlher- Uelluug geeigneter Erze zu genügen. Genossen die U-nteilseigner (Old- in letzter Zeit gute Ausbeuten, sv mußte mit BestimmtlM erwartet werden, daß nach Frredensschlnß große Summen für dre Wrederber,telluug der Leistungsfähigkeit des Werkes ausgc- tvendet werden müßten und daß, 'sobald die überseeischen Erze tvveder geliefert werden, die Preise erheblich sinken würden. Es bestehen alte Verträge, aus Grund welcher die Gewerkschaft noch mehrere Jahre hindurch etwa die Hälfte ihrer Produktion zu niürrigen Preisen liefern müßte, wenn sie nicht Befreiung vor» diesen Verbindlichkeiten hätte erlangen können. — Tiefe Erwägungen, wie auch der Ilmstand, daß neuerdings ein Verfahren angewendet wird (Calcium-Karbid), .das das Mangan zum Teil ersetzt, mögen die verantwortlichen. Leiter der Gewerkschaft bewogen haben, dem Gedanken an eine Veräußerung des Werkes an hochkapitalkräftige Interessenten, Selbst Verbraucher näher zu treten und schließlich ein Offert, das indirekt von seiten der Firma Krupp an ihn gelangte, den Gewerken zur Anna hin e zn empfehlet, zumal der gebotene Preis etwa 200 Mark über dem Tages kau rs lag. —Das Offert wurde sosört von fast allen Gewerken angenommen. Es liegt hier eines der erfreulichen Geschäfte vor, bei denen beide Teile zufrieden sind. — Die Gewerken, indem sic her Sorge enthoben sind, daß aus ihren Mitteln große Summen für die Verbesserung des Werkes hervorgeholt werden müßten, der Erwerber, der ein in vollem Betrieb befindliches Werk und ein reiches Erzvorkommen erwirbt, das bei 2lüfweudung genügender Mittel in noch höherem Maße als seither nutzbar gemacht werden kann, namentlich auch den Zwecken der Landesverteidigung. — Das belieben c Feld erstreckt sich, wie wohl hierorts bekannt ist, über eine Fläche von 12 000000 Quadratmetern, das Erzvorkommen zieht sich im Seltersberg (Unterhof) in südwestlicher Richtung nach Lützellinden zu und an vielen Punkten steht nach Ansicht der (Ideologen Manganerz an. Die vorhandenen Gutachten schätzen di Erzmengen sehr hoch ein. Ter Betrieb hat bis jetzt etwa 1% Millionen Quadratmeter der gesamten Feldesftäche ersaßt. Tie Verstärkung der elektrischen Kraft, die das Werk nötig hat (etwa 1 Million Kilowattstunden mehr als seither), wird dem Vernehmen nach von der Stadt Gießen bezogen werden. Wie eingangs bemerkt, darf für Gewerbetreibende und Arbeiter von dem Uebergang des Bergwerks an ein so großzügiges und gut geleitetes Unternehmen wie das Kruppsche, eine vorteilhafte Ent- wicklimg erwartet werden und so rufen nur der Firma Krupp ein herzliches Glückauf zu. ** O b-erhe s s ischerKun st verein. Die graphischen Arbeiten von Lnboschin-Wachlmeier, Elisabeth Bonin und Aguavelle von Prof. Hoffmann bleiben nur noch acht Tage einschließlich zweier Sonntage ausgestellt Neu ausgestellt sind 18 Blei- und Oelkreidestiftskizzen eines jungen Künstlers Hermann D i e n z, die malerische Eindrücke aus Nordbelgien wiedergeben. Wir verweisen auf eine Besprechung in unserem heutigen Feuilleton. Weiter verkauft wurden noch aus der Sammlung Laboschin eine Radierung „Holländischer Kanal", aus der Sammlung Bonin eine farbige Zeichnung „Motiv bei Grnningen drei Radierungen „Schiffenberg", „Motiv aus Worms" und „Alte Kirche", aus der Scnnrnlung Prof. Hoffrnann vier Aquarelle „Sarvazenenturm bei Alassio", „Am Lilienstein „Aus dem Erzgebirge" und „Sächsisches Bauernhaus". ** Tie Verteilung von Bvdenleder für die Grnppe Kleinverkehr. Von der neu gegründeten Reichs ledewha ndelBgesell s cha ft wird demnächst auf Grund von der Kontrollstelle für freigegebenes Leder erlassenen Vorschriften Bodenleder für.die Zivilbevölkerung aus die einzelnen Handwerkskammerbezirke verteilt. Tie Unterverteilnng innerhalb jedes Bezirks erfolgt durch eine von der Handwerkskammer gebildete Bezirks ko m m i s s i on ans die Lederhandlungen und Rohstoff-Genossen schäften des Bezirkes. Die Bezirks ko mmission handelt namens und im Auftrag der Reichsleder Handelsgesellschaft. Sie hat zunächst für jÄren Schuhmachereibetrieb mit weniger als 20 Arbeitskräften Lederkarten anszustellen. Aus der Lederkarte muß u. a. die Anzahl der beschäftigten Arbeitskräfte verzeichnet sein. In Betrieben, welche drei Arbeitskräfte (Gesellen, Lehrlinge) und weniger beschäftigen, wird her Meister als Arbeitskraft hinzugercchnet. Tie LÄrerkarten sind nur für den Inhaber gültig und nicht übertragbar. Aus Grund der Lederkarte hat der Betriebsinhabcr sich bei einer Lederhandlung oder Rohstoff-Genossenschaft des Kommissionsbezirks in die Kundenliste einschreiben zu lassen und kann für die Folge auch nur von dieser Stelle Leder erhalten.. Der Lederhändler muß außer dem Namen des Inhabers der Lederkarte auch die Anzahl der von ihm beschäftigten Arbeitskräfte in die 'Kundenliste eintragen, die Lederkarte vor Rückgabe mit Firmenstempel und Datum der Eintragung versehen und zwei Abschriften der Kundenliste der Bezirkskommission einreichen. Letztere prüft die Listen und gibt eine Abschrift an die Kontrollstelle für freigegebenes Leder wefter. Tie Menge des aus jeden Betrieb entfallenden Bodenleders (einschließlich Abfall) pro Arbeitskraft wird von der Kontrollstelle Berlin jeweilig festgesetzt und durch die Bezirks ko mmission den Lederhandlungen, Ro Hstoff-Genv s se n scha ft c n Und Schuh m acher eibetrieben bekannt gegeben und zu geführt. Tie Abgabe des Leders seitens der Bezirkskommission an die .Leder- Handlungen und Rohstoff-Genossenschaften erfolgt mir gegen'V o r- ausbezahlung in bar. Leistet die Handlung oder Genossenschaft der Zahlungsaufforderung innerhalb 8 Tagen keine Folge, so kann sie die Bezirkstommission von der Verteilung ausschließen und die aus die betreffende Handlung bezw. Genossenschaft entfallenden Leder anderen Lederhändlern bezw. Rohstoff-Genossen- schaften unter gleichzeitiger Ueberweisung der bei dem Angeschlosse- nm eingeschriebenen Kunden zuweisen. Für den Bezirk der Hessischen Handwerkskammer ist bereits eine Bezirkskommission unter dem Vorsitz eines von der Handwerkskammer ernannten Unparteiischen gebildet. Tie Geschäftsführung befindet sich zimächst noch bei der Handwerkskammer zu Tarmstadt, Saalbaustraße 60, von der die Vorarbeiten bereits in Angrifs genommen wurden. Der Termin, von wann und an welcher Stelle die Lederkarten ausaoqeben werden und die Einschreibung bei den Lederhändlern erfolgen kann, wird demnächst bekannt gegeben. Es wird hiermit bemerkt, daß nach einer Entscheidung der Kontrollstelle Eintragungen in die Kundenlisten erst von dem öffentlich bekannt zu gebenden Termin ab und nur aus Grund der von der Bezirkskommission ausgestellten Lederkarte von Lederhändlern und Rohstoff-Genossenschaften angenommen werden dürfen. Vorher erfolgte Einschreibungen sind demnach ungültig und finden keine Berücksichtigung. Jede weitere Auskunft erteilt die Handwerkskammer zu Tarmftadt, Saalbaustraße 60. Landkreis Gießen. -8- Bersrod, 22. Juli. DaS 13. Kriegsopfer unserer kleinen Gemeinde ist der Musketier Ludw. B e d t r, welcher, kaum 21 Jahre alt, in Galizien fiel. — Die Volksspende für die deutschen Gefangenen ergab von hier und Hofgut Winnerod 109,20 Mark. — Unser altes SchulhauS beherbergt zurzeit französische Gefangene, von denen je ein Drittel bei Landwirten, in einer nahen Grube und im Walde als Holüäller arbeitet. 2. Geilshausen, 22. Juli. Die Sammlung zur Volks- spende für Kriegs- und Zivilgefangene ergab in unserer Gemeinde 125 Mark. e. Lollar, 22. Juli. Tie hiesige Stenographen-Ge- sellschaft eröffnet am nächsten Sonntag in der Schule einen Anfänger-Lehrgang in Gabelsberqer Stenographie. Bei der großen Wichtigkeit, die heute die Stenographie im Verkehrsleben einnimmt, kann allen jungen Leuten nicht genug empfohlen werden, diele günstige Gelegenheit zur Erlernung der nützlichen Schnellschrist wahrzunebmen. (Siehe auch Anzeigenteil.) )( M a i n z l a r, 21. Juli. Während des gestrigen Gewitters schlug der B l i 1; in die Scheune des hiesigen Landwirts Friedrich Schwarz. Es verbrannte ein Gebund Stroh, das am Scheunentor lehnte. Das Tor ist stark angekohlt. — Die Volksspcndc für kriegsgesangene Deutsche betrüg hier 131,95 Mk. Kreis Alsfeld. s. N i ed er - OhMen, 22. Juli. Tie Hessische Tapferkeit medaillc erhielt der Leutnant im Feld-Art.-Regt. Nr. 205 Emil O h u a cker , nachdem ihm bas Eiserne K'reuz schon im Herbst 1914 geworben. — Seit dem 2. Juli, gilt der Musketier Joseph Stern von hier, 3. Komp. Inf.-Regt. Nr. 129, als^ vermißt. — Die Hessische Tapserkeitsmedaille erhielt ber Unteroffizier der 2. Kvmp. Jnf.-Rcgt. Nr. 14, Friedrich Berg. — Dieselbe Auszeichnung erhielt der Fahrer Karl Gerhardt im B.-A.-K.-Zug Nr. 44 — Das Eiserne Kreuz wurde verliehen dem Gefreiten der Res. Heinrich Seim. Nachdem er bereits am 22 August. 1914 bei Anloy verwundet worben war, traf ihn das feindliche Blei zum zweiten Male bei Verdun. — Unteroffizier Friedrich Becker dem kurz vor Weihnachten 1914 schon das Eiserne Kreuz verlieben wurde, erhielt nun auch die Hessische Tapserkeitsmedaille. Er diente in der 10. Kmnp. Jnf.-Regt. Nr. 117 und kämpfte nach seiner Verwundung im Herbst 1915 im Landw.-Jnf.-Negt. Nr. 85. Kreis Schotten. ~ Au s de m oberen Vogelsberg, 22. Juli. lieber vier Wochen sind bereits verstrichen, seitdem im oberen Vogels berg die Heuernte begonnen hat. Bis jetzt ist das Heu auch noch nicht zur Hälfte ein gebracht. Daß das Heumachen sich in diesen: Jahre solang? hinauszieht, liegt an der ungünstigen Witterung: vergeht doch kein Tag. an dem es nicht einmal in das manch,- mal schon heimbeförderungsfähige Heu regnet. Und wieviel mehr Arbeit entsteht dann wieder hem Landwirt dadurch. Ta ohnehin hier die Heuernte die ertragreichste und ausgedehnteste, von' allem dem was im Lause des Jahres eingebracht werden muß. ist, so kann man sich kaum ein Begriff machen, welch!,' Arbeit in diesen Wock)-en zu überwältigen ist. Allerorts mangelt es in der jetzigen Zeit an sten besten Arbeitskräften. An vielen Orten sind sie durch Gefangene^ oder durch Kommandos von Landsturmlcuten einiger maßen eksetzt worden. Familien, aus denen mehrere männlich Kräfte zum Heeresdienst einbernsen worden sind, werden durch Verwandte und Nachbarn tatkräftig unterstützt. Gegenseitige Hilfe ein schöner Zug des Vogclsbergec, ist überall zu finden. Sehr viel leisten auch schon die Kinder bei der Einbringung der Heuernte. — Auf den Wiesen, die vor einiger Zeit schon abgecrntet worden sind, steht das Grummetgras mehr als handhoch, sodaß dieser kräftig Wuchs ein nochmaliges, Mähen außer der des Grummetgrases nicht ausschließt. In diesem Jahr fällt die Heuernte sehr gut ans; fast jeder mittelbegüterte Landwirt kann 20 bis 25 Fuhren ein bringen. Seit einer Reihe von Jahren ist dies nicht der Fall gewesen. Starkenüurg und Rheinhesfen. Exzellenz von Batocki in Darmstadt. Der Präsident des Kriegsernährnngsamtes, Exz. von Batocki, traf gcstern^mittag hier ein und wurde kurz vor 1 Uhr in der Wohnung des Staats Ministers vom Großherzog und darauf von der Großherzogin empfangen. Ihre Königlichen Hoheiten und Exz. von Batocki nahmen das Frühstück beim Staatsminister ein, zu dem auch die Minister geladen waren. kb. T a r m st a d t, 21. Juli. In Anwesenheit des Präsidenten des Kriegscrnährungsamts Exzellenz von Batocki fand gestern nachmittag eine mehrstündige Besprechung über Volks- ernährungs fragen ftatr. Die Versammlung wurde von dem Minister des Innern Exzellenz von Homberg k zu V ach geleitet. An ihr nahmen außer den anderen hessischen Ministern Vertreter des stellvertretenden Generalkommandos des 18. Armeekorps, der Behörden und Stellen, die mit der Lebensmittelversorgung besonders vertrant sind, der beiden Kammern der Landstände, der Landwirtschaft, von Handel und Gewerbe, der Kommunalverbände und der Städte und der Verbraucher und der Presse teil. Exzellenz von Batocki bezeichnete es als den Z w eck seiner Reisen, sich an Ort und Stelle über die Wünsche der süddeutschen Bevölkerung zu unterrichten, damit er die verschiedenen Wünsche und Ansichten, die ihm dabei entgegen ge bracht würden, mit den anderwärts hervorgetretenen Bedürfnissen vereinigen fömxe. ^ sei Sein Ziel, die Opserwilligkeit des Volkes, die er immer mehr bewundern lerne, nicht allzu stark in Anspruch zu nehmen. Der Minister des Innern gab ein Ueberülick über die Lebensmittelversorgung des Großherzogtums, die bei der geographischen Lage Hessens stark von den umliegenden Bundesstaaten und den dort bestehenden Bedürfnissen und den dort getroffenen Maßnahmen beeinflußt werde. Jetzt sei fast hinsichtlich sämtlicher Lebensmittel in Hessen das E-rntesystem durchgesührt, oder doch eingeleitet. EF schlossen sich Referate an, in denen Ober- bürgernreister Dr. Göttclmann, Mainz, die Wünsche der Konsumenten, insbesondere der städtischen Bevölkerung, Dr. Hammann, Generalsekretär der Landwirtschastslammer, die Wünsche der Landwirtschaft, Handclskammersyndikus Neesmann, Mainz, diejenigen des Handels hinsichtlich der Ernährungsfrage erörterten. Ans der Praxis einzelner Versorgnngs- gebiete referierten Professor S ka l wei t, Gießen, über die Tätigkeit der Vieh Handelsverb ände, Direktor Berg von der Zentralgenossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine über die Futter- und Düwgemittelver- orgung. Dr. Krüger. Vorstand der nrilchwirtschaftlichen Versuchsstationen, über die Milch- und Butterversorgung! des Großherzogtums' und Dr. Fischer iiber die Tätigkeit der Mainzer Ei n ka u fsg esel l sch a s t. Zu den zahlreichen Wünschen und Anregungen der einzelnen Referenten äußerte sich Exzellenz von Batocki. Er legte besonderen Wert auf die Erklärung. daß der jetzt festgesetzte Kartoffelpreis ebensowenig wie der Getreidepreis eine Erhöl-ung erfahren werde, auch nicht im Weg irgendwelcher Prämien, daß der Schweine preis keinesfalls erhöht werde, daß bei den Rinderpreisen, falls ie sich nicht von selbst verringern, ein Abbau beabsichtigt sei, und endlich, daß eine E r h ö h n n g der Brotration solvohl für die Schwerarbeiter in Aussicht genommen, aber ebenso rvie eine allgemeine Erhöhung erst dann möglich sei, wenn die Ernte eingebracht wäre. Die auf Grund der bisherigen Erfahrungen ausgebauten allgemeinen Bestimmungen des Reichserrmhrungscmrts würden wohl dazu beitragen, die Ausfuhrverbote, die sich aus besonderen örtlichen Verhältnissen ergeben haben, zur Aufhebung zu bringen. * Mc. Darmstadt, 22. Juli. Den Heldentod für das Vaterland starb am 11. Juli der Redakteur der „Bayerischen Staats- zettung" in München Dr. Josef Keßler, Leutnant d. Res. im Res.-Jnf.-Rgt. 116, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapserkeitsmedaille. Er war ein geborener Darmstädter. Hessen-Nsssau F. C. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden 21. Juli. Der gesamte Ertrag der Einnahmen aus den Staatsund G e m e i n d e w a l d u n g e n ist von 4 257 731 Mk. im Jahre 1884 auf 7 994190 Mk. im Kriegsjahre 1914 gestiegen. .Es ist dieses die höchste Einnahme seit 1884. F. C. Aus d e m M a i n g e b i e t, 21. Juli. Der Roggen- ch n i t t hat hie und da begonnen. Die Ernte verspricht gute Körner- und Stroh-Erträge. ' Weizen, Gerste und Hafer zeigen guten Stand. Die nasse Witterung hat die Entwicklung der Kartoffeln. des zweiten Klees, des Futtermais, der Zuckerrüben, der Gemüse- und Dickwurzpflanzen sehr gefördert, dagegen die der Bohnen und Gurken ungünstig beeinflußt. Die bereits vereinzelt geernteten Frühkartoffeln sind völlig gesund. Univerfitäts-Na«t>ri«hte,i. = Frankfurt, 21 Jkcki. An der llniverfttät halMttvrte ich Dr. nved. Paul Pw o p pävu g für Ghisru-rgie m der medii^njsch^n.. Fa^ullckt. — In einer rm Hsrsaal des .KärolinLm abqehaltenenl Versammlung von Studenten «wd Studenbimten der klinischen Semester wurde die Frankfurter iKlinikerschaft gegründet, die eine Vereinigung der Kandidateir der sllLedt-in an der Frankfurter Universität zur Wahrirehmmvg ihrer Interessen, zur Förderung ihrer Ausbildung und Pflege des sesellig«r Berkchrs unter ihren Mrtgkvedern ist. Hircfrc tttid Scfmle* ri. Grünoerg, 20. Juli. Gestern und vorgestern ta.fte hier nach alter Werse die lutherische Konferenz für Ober- Hessen. Außer den üblichen Aridächten, an denen diesrrral die Pfarrer Koller, Kelsterbach, A u s s e l d, Gießen, mtb Fritsch, Ruppertsburg beteiligt waren, brachte die Tagung f >vei Vorträge, deren Gegenstand durch den Krieg bestimmt war. lm ersten Tag sprach Pfarrer Clotz, Hvlzh.rnsen, über ,)F eSnd cslieb c" Er zeigte, wie diese höchste Forderung des Christentums trotz des Krieges auch im Krieg nicht ausgeschlossen ist, gerade bei uns Deutschen, die wir uns gegen welsche, slavische und britische Lüge, Haß und Wut rein halten nwllen. Am zweiten Tag chiclt Pfarrer ^öchorlemmer, Frischiborn, einen Vortrag über „die W o ch c n b e t st u n d e , mit besonderer Berücksichtigung der Klnegsbetstundc." iMit entschiedener Begründung forderte er eine feierlichere Gestaltung der Betstunden und mies die Mttel und Wege dazu auf. Beide Borträge boten den Anlaß zu lebhafter Aussprache. UirchLsehs 2Xad?r$d?ien« Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 28. I u l i, ö. n a ch T r i n i t a t i s. , G o t t e s d i e n st. In der Ztadlkirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Schivabc. Zugleich Christenlehre für die Neukonsirinierten aus der Marknsgemeinde. Vorm. 97,, Uhr: Pfarrassistent Hoff- m a n n. Vorm. 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. der Ivhannerkirche. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Zugleich Christenlehre für die Nenkonfirmierten aus der Johanncs- gemcinde. Vorin. 914 Uhr: Professor I). Schi an. — Mittwoch, den 26.. Juli, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Piarrafsistent Hofsmann. — Ich bin bis zum 9. August verreist. Die Amls- geschäste werden in dieser Zeit von Herrn Pfarrassistenten Hoffmann, Wetzsteinstraße 38, versehen. B e ch t o l s he i m e r, Pfarrer der Lnkasgemeinde. Kirchberg: Sonntag, den 23. Juli, vorm. 10 Uhr. 11 Uhr: Chrislenlcyre für die männliche Jugend. — Lollar: Sonntag, den 23. Juli, nachm. IV, Uhr. Daubriuge»: Mittwoch, den 26. Juli, abends 9 1 /, Uhr: Kriegsbetstunde. Dekan Guß mann. Uatholische Gemeinde. G o t t e s d i e n sl. Samstag, d e n 22. I u l i 9iachm. 5 Uhr und abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, d e n 23. I u l i, 6. S o n n t a g n a ch P f i n g st e n. Vorm. 67, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte: 7 Uhr: Hl. Riehe. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt inik Predigt. II Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Christenlehre, darauf Llndacht. — Dienstag und Freitag, abends 87, Uhr, ist Kriegsbittandacht. • Diaspora-Gottesdienst am 23. Juli: In Grünberg 9^ Uhr. In Hungen 9% Uhr. In Lich 8 Uhr. Börsen-Wochenbericht. Frankfurt a.M., 21. Juli. Die mit Beginn der Berichtswoche in Kraft getretenen Maß-^ nahmen zur Einschränkung der Spekulation haben sich jetzt im freien Verkehr der Börse doch stärker fühlbar genmcht. Die Umsätze sind stark zusammengeschrumpft und es herrscht eine G e s ch ä s t s st i l l e, wie sie nur ganz am Anfänge des Krieges zu beobachten war. Es bleibt allerdings zu berücksichtigen, daß wir uns im Hauptserienmvnat befinden, der in der Regel einen verringerten Geschäftsverkehr mit sich bringt und daß es auch trt letzter Zeit an neuen Anregungen fehlte. Im Allgemeinen h-at die Börse ihre zuversichtliche Haltung aber nicht ausgegeben. Bleibt auch die Kauflust gering, so z^igt sich dock) irus keinem Gebiete nennenswertes Angebot und die jeweil einwetenden Kursrückgänge find mehr die Folge mangelnder Unterriehnmugslust, die hauptsächlich in der Llusschaltung ^der Spekulation begründet ist. Das Vertrauen zur 5kriegs- und Wirtschaftslage, die ftüssigen O^eldverhält- nisse und die guten Aussichten für eine befriedigende Ernte bietm der Gescnntlxrltung eben nach wie vor eine wesentlick>e Stütze. Mit besonderer Genugtuung verfolgte inan an der Börse die Vvrgcurge an den Geldmärkten unserer Feinde, besonders die Schwierigkeiten am englischen Geldmärkte, mk sie neuerdings in der Er- hölmng der englischen Lombarde unleugbar in die Erscheinung tvatm. Der Stand unserer Reichsbank bleibt demgegenüber andauernd ein befriedigender und^ gibt keinen Ansas; zu Bedenken. Der Satz für Privatdislonten stellt sich schon seit geraumer Zeft auf 4 3 / 8 o/o und darunter. Von Einzelheiten im Verkehr ist diesmal roenig Bemerkenswertes zu berichten. Das Hauptgeschäft vollzog sich in einzelnen Spezialitäten, für welckie besondere Anregungen gegelien waren. In dieser Beziehung lourden rheinische und westfälische Stahlwerke genannt, ferner Stahlwerk Mannheim Aktien, Mainzer Gußapparate und Aumetz-Friede, die aus bessere Dividendenschätzungen ansehnlich höher. bezahlt wurden. Andere Montan Papiere lagen gedrückt, namentlich Kohsenaktien, aus die Schwierigkeiten, die sich der Erneuerung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats bis jetzt rwch entgegen stellen. Das glanzende Absatzverhältnis im vorigen Monat, bei dem die geringe Zahl der Arbeitstage berücksichtigt werden muß. befriedigte, blieb aber auf die Haltung ohne nennenswerten Einfluß. Von anderen Industrie Pa Pieren gaben RüstnngÄverte meist etwas nach, auch Autowerte schwächten sich ab. Hirsch-Kupfer waren stark schwankend.' Etwas besser hielten sich Elektrowertc, die Aktien chenrischer Fabriken, Aluminium NeuHausen, Waghäuseler Zucker und Gummipeter. Schiffahrtsaktien und Banken blieben vernachlässigt. Deutsche Anleihen lagen fest, auch Hypothekenbank, Pfandbriefe waren gefragt. Von fremden Fonds waren Mexikaner höher, Jta- lieirer und Japaner etlvas schwächer, Russen fest. Märkte. Gießen, 22. Juli. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter das Pfund 1,99—0,00 Mk.: Hühnereier das Stück 20 Psg.; Käse 10 Pfg., Kasematte 3 Pig. das Stück; Ochsenfleisch das Pfund 2,10-0,00Mk., Kühfleisch 2,10-0.00 Mk. das Pfund, Rindfleisch das Pfund 2,10-0,00 Mk., Schweinefleisch das Pfund 1,80-0,00 Mk., Kalbfleisch das Pfund 2,00 - 0,00 Alk., Hammelfleisch das Pfund 2,20—0,00 Mk.; Kartoffeln der Zentner 6,00 Mk.; Zwiebeln das Pfund 00-00 Pfg.; Milch das Liter 30 Pfg.; Nüsse 100 Stück 00-00 Pfg.; Spinat 00-00 Pfg. das Pfund, Kopfsalat 5-10 Pfg., Gelbe Rüben 20—00 Pfg. das Pfrmd, Wirsing 20—30 Pfg., Römisch Köhl 12—15 Pb das Päckchen, Erbsen 30—35 Psg. das Pfund, Kohlraben 10—15 Pfg., Gurten 20 bis 50 Psg.; Blumenkohl 30—60 Psg.; rote Rüben 20 Pfennig das Pfund; Johannisbeeren 33 Pfg. das Pfund, Stachelbeeren das Pfund 28 Pfg., Heidelbeeren 28 Psg. daS Pfund. — Marktzeit von 7 bis 1 Uhr. fc. Wiesbaden, 21. Juli. Heu- und Strohmarkt. Am gestrigen Markt notierte man für neues Heu 5,60—7,00 Mk. Stroh war nicht augefahren. Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen. Juli 1916 |öl otr 3 y= a s u -2- o s ft w ^ L ä •S-i 21. 3" 19,4 10,0 60 _ 5 Sonnenschein 21. 10” — 14,4 9,6 79 _ 0 22. 8" 12,6 9,9 91 i 10 Höchste Temperatur am 20. bis 21. Juli ISIS: Niedrigste * . 20. _ 21. „ 1916: Niederschlag 0,0 mm. -f 20,5* 9. + 6,9*0. Arrr SeTuteföimg Berwechsekugen M -3 Wh ft-rilj « oer SerrcremnfS» aujdO» ober wtri> bringend u» $«Se cxranrn oemMnmncT g elxt. Derlag des Gieff-Anzeigers Mttstrüßl !! Wohnung su reim. (76 Näheres daselbst 1. Stock. ftn den Neubauten der Heimstättenbau Gesellschaft ist im Haus Rr. 51 pari. von Frau Sem.-Dtr. Schäfer bewohnt) ab 1. Juli, sowie Ar. 4«» I St. (v. Rentier charff bewohnt) ab 1. Oktober je eine >4761 Wohnung von 4 Zimmern, Bad, Veranda, 3 Mansardcnzimmern zu verm. Näh.: Bcrgstr. IIP. und Schloßgasse 16. Wohnung zu vermieten. 14440 Lan^e, Neustadt 47. Zim.-W. in. Bad, Beranda u. Zubeh. sinn 1. Oft. z. verm. 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