Nr. 132 Erscheint tS-Uch mit Au-nahme deS Sonntag». D,E ..Sieheaer Famillenblatter- werderr dem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt das „Xreirblatt für den Xrelr Sictzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlicher, Zeit- sragen erscheinen monatlich zweimal. 16 G. Jahrgang General-Anzeiger für Gberheffen Mittwoch, 7. Imri MIT Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitats - Buch- und Steindruckerel R. Lange, Gießen. Schristleitung,Geschäftsstelle u.Truekecer: Schul, strafte 7. Geschäftsstelle u.Verlag:L^51, Schrift- leitung: e»U2. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 60. Sitzung, Dienstag, den 6 . Juni 1916. «v ^ Bundesrats: v. Bethmanu Holl weg. Dr.^Helfferrch, v. Jagow,d. Breitenbach, Kraetke, 1ö Mirurte^ fiöemW ^öffnet bze Sitzung um 11 Uhr !CTKH«SKrZ3Mß»: Kehre Anfragen. ©taWfrsett (Sog. SMS.) führt Beschwerde über das «r /J“. * osfentlicheo für den 81. Mai ge. L\? ZL l? '»L f 1L'L m ' 0 i-> BerNn-Friedrichsfelde, die sich Mtt der Lebensmittelfrage beschäftigen sollte. Ministerialdirektor im Reichsamt des Innern Dr. Lewald- Drc Genehmigung ch nicht erteilt worden, weil öffentliche Versammlungen politischer Vereine oder ihnen gleich zn achtender Vereimgungen grundsätzlich nicht ge- c ß oo^r 5, cr ^ ei1 gegenüber in gl-euher Weise gehandhabt. * S?* (Soz.) fragt an, ob der Reichskanzler bereit rst, bE nach Beendigung des Krieges einen Ausschuß zu berufen, z Wammen ge setzt aus Vertretern der staatlichen und gemeindlichen S ch u l p o l i t i k , der pädagogischen Theorie und diese Fragen zu beraten und sich über etwaige aesetz- E^ewschs Schkuhsoigerimgen für das Reich gutachtlich zw ällüem hat. Ministerialdirektor Dr. Lewald: Die Anfrage bezweckt eiüe Auskunft über Tatsachen, die nach der Geschäftsordnung nicht zur Zuständigkeit des Reichstags gehören. Daher ist der Reichskanzler nicht rn der Lage, die Antwort zn erteilen. 5McI (Soz.) weist darauf hin. daß besonders in Schlesien lug endlich e Textilarbeiterinnen zu schweren Arbeiten im Steinsetz gewerbe und in der Landwirtschaft unter Androhung der Ilnterstützungsentziehung angehalten werden, daß ste der elterlichen Fürsorge entzogen und durch das Zusammenarbeiten mit ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen sowie durch die Unterbringung in primitiven Lagerstätten der Gefahr sittlicher Schädigung ausgesetzt werden. Ministerialdirektor Dr. Caspar: Dem Reichskanzler ist n i ch t bekannt, daß derartige Zustände bestehen. Es werden Ermittlungen eiugeleitet werden. Die Deutschen in Portugal. Abg. Baffermann (Natl.) stellt folgende Änftage: Es ist mit- geteilt worden, daß -Portugal die Ausweisung aller nicht militärpflichtigen Deutschen, die Internierung der Militärpflichtigen und dre Beschlagnahmedes gesamten deutschen Eigentums angeordnet hat. Ist der Reichskanzler in der Lage und bereit, über die seitens der portugiesischen Regierung getroffenen Maßnahmen Mitteilung zu machen? MinisteriaDirek tor im Auswärtigen Amt Kriege: Die portugiesische Regierung hat in der Tat die Internierung der männlichen Deutschen zwischen 16 und 4ö Jahren und die Ausweifturg ter übrigen Deutschen angeordnet. In den portugiesischen Kolonien sind nach den hier vorliegenden Nachrichten sämtliche Deutsche interniert worden. Die deutsche Regierung hat der portugiesischen vorgeschlagen, die beiderseitigen Staatsangehörigen frei zu lassen, auch ihrer Abreise keine Schwierigkeiten zr bereiten. Wir werden, wenn in nächster Zeit endgültige Nachrichten vorliegen, gegen die Portugiesen in Deutschland, denen bereits die Abreise untersagt ist, mit entsprechenden Berge ltnngsmaßregeln Vorgehen. Die portugiesische Regierung hat ferner in Nachahmung der englischen und französischen Kriegsgefetzgebung jeden Handelsverkehr mit Deutsch land oder deutschen Reichsangehörigen untersagt, auch das in Portugal befindliche gesamte deutsche Eigentum mit Beschlag belegt. Die deutsche Regierung hat bereits gleichartige Vergeltuugsmaßregelu getroffen, die im Reichsgesetzblatt veröffentlicht worden sind. Dr Antrag auf Vertagung ded Reichstages bis zum 26. September 1916 wird angenommen. r e Die drille Lesung des Elüls. Aussprache wird fortgesetzt. Abg. Dr. Spahn (Ztr.): Der Reichskanzler hat gestern dem Reichstag für' die BewM- gung der Steuervorlagen den Dank der verbündeten Regierungen ausgesprochen. D^r Reichstag kann diesen Dank mich entgegennehmen, denn mit den bewilligten Steuervorlagen sind die Finanzen des Reiches aus eine gesunde Grundlage gestellt worden. So wie wir steht keine Finanzverwaltung eines der uns feindlichen Länder da. Der Reichskanzler hat sich auch über die Kriegslage ausgesprochen. Nach den neuesten Nachrichten ist jetzt an der bessarabischen Grenze ein n e u e r h e f t i g e r Kampf entbrannt. Wir können die zu- versichtliche Hoffnung haben, daß Oesterreich-Ungarn auch hier das Feld behaupten wird. (Lebhafter Beifall.) Oesterreich- Ungarn hat während dieses Krieges eine stets steigende Energie an den Tag gelegt, und Rußland muß sich darüber klar werden, daß es bei der langen Dauer eines so verlustreichen Krieges, wie es der gegenwärtige ist, mit einer Wirt" schaftlichcn Katastrophe bedroht wird, die seine ganze Zukunft geradezu gefährdet. (Sehr richtigIj Italien hat in den letzten Wochen ja auch erfahren, wie die Aussichten des von chm beabsichtigten Spazierganges nach Wien sind. (Heiterkeit.) Die Kräfte der Eiftente sind auf allen Gebieten geringer geworden. Bei Skagen hat unsere Marine einen Sieg erfochten, der eine schwere Niederlage für das seegewaltige England bedeu- tet, das immer so verächtlich aus unsere Flotte herabgeblickt hat. (Stürmischer Beifall.) Seine Seeherrschaft ist von jetzt ab erschüttert und der Satz von Englands Unangreifbar- r-ll\ i 1 k. er 1 e 0 (Erneuter stürmischer Beifall.) Aussichtslos ist auch der gegen alle Gefühle der Menschlichkeit von unseren Feinden gemachte Versuch, durchHunger, Notuvd Elend uns auf die Knie zu zwingen. Gewiß, Entbehrungen sind da. Aber wir werden die wenigen Wochen noch durchhalteu, bis die Sichel blinkt. All es Friedensgerede ist nach der Antwort die Sir Edward Grey auf die Rede des Reichskanzlers gegeben hat zur Zeit nutzlos. (Sehr richtig!) Wir waren dem Frieden langst naher, wenn England nicht die ganze Entente am Stricke führen würde. So lange die Kriegslage nicht endgültig feststeht, hat jede Erörterung über Friedensziel? sck keinen Zweck, sondern wäre direkt kim n S sind aber auch die ge- Manusk^^> d ^ J ! y t n ziehen, die vertraulich oder als Manuskript gedruat, durch die Post versandt werden. ~ r = bCr ^ichskanzler Betrachtungen über die Friede ns ziele anstellt, so hat das seine Berechtig 6 ung Uns aber fehlt diese Berechtigung w^il Mreftl^ der Unterlagen find, die beim Friedensschluß iEIÄ^^kscheidend imn werden. Wir haben auch nicht die - m ? r lorglEen Prüfung, und uns fehlt für dre,e Erörterungen hier im Reichstag die ver- kis Ö aSf * h e e ^i i01In0 * Dagegen haben wir ^ - die Anlchauungen des Reichskanzlers un,erieits ernzuwirken. Diese Ein- °! £ W. a6c[ dürfen sich nur von Mund zn Mund im ge 1 a) l o 11 e n e n Raum vollziehen. (Sehr richtig! im E^?krum.) Gewiß bestehen auch bei uns Meinungsverschieden- heiten über ftrwdensmpglichkelten. Der Reichstag hat a^r von seiner Macht, aus den Reichskanzler einzuwirkcn, reichlich Gebrauch gemacht, und wir rechnen damit, daß wie bisher so der Reichskanzler in mündlichen Darlegungen dem Reichstage alle wunwsenwerten Aufklärungen geben wird (Zu strmmung im Zentrum.) U ^ c. ,*5? Reichskanzler hat gestern nicht davon gesprochen, daß diese Angriffe auf Parteien des Reichstages z u- ^ glaube ni . d ^ t ' daß irgend jemand aus dem Reichstag dem Reichskanzler m der Erftillung seiner Pflichten, dre ft schwer aus ihm ruhen, Schwierigkeiten bereiten wird Aus seinem gestrigen Auftreten schließe ich, daß er eine Be Itatigung seiner Ansichten auch von seiner Reise nach Süd- d eu t schla n d zurückgebracht'hat. Die Mitteilungen, die der Rmchskanzler uns macht, muffen vertraulich sein, können mcht in der Dessen tlichke ft erfolgen. Er kann daher auch nicht » t .! Q ? widerlegen, was gegen chn vorgebracht wird. Darüber soll sich das Volk klar sein, daß sich die G e g e n s e i t e n i ch t frei äußern kann. (Sehr richtig!) Mich persönlich haben die Darlegungen des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen über dre Zeppelin- und I7-Bootfrage beruhigt. Wegen der El-Bootfrage durften unsere Beziehungen zu Amerika nicht abgebrochen werden. Einen außerordentlichen Einfluß aus diesen Krieg, auf seinen Verlauf und seine Dauer übt die Presse aus. Unsere Feinde in Paris und London sind, wie ich weiß, über dieVor- gänge im Reiche so genau unterrichtet wie wir selbst. Ihnen fehlt nicht die Kenntnis der tatsächlichen Vorgänge, ihnen fehlt nur die richtige Bewertung, und das ist für uns sehr bedenklich, weil cs die Gefahr der Verlängerung des Krieges m sich schließt, weil es ihnen falsche Hosfnüngen erweckt. (Sehr richtig!) Das gilt auch für die Erörterungen über unsere wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse und über die Schriften, die uns anoiihm zugehen. Unsere Krieger in den Schützengräben haben die Unvorsichtigkeiten mitihrem Leben zn büßen, die in diesen Schriftsätzen liegen. Sonst wäre dieser Literatur keine große Bedeutung zuzumessen. (Schr richtig!) Sie ist eines rechtlich denkenden Mannes unwürdig. (Erneute Zustimmung.) Solange die Zensur besteht, kann niemand verlangen, eine Ausnahinestellung einzunehmen. Anonyme Schriften gchören schon aus ethischeii Gründen in den Papierkorb. (Sehr richtig!) Mit Recht hat der Reichskanzler gestern als schönste Frucht dieses Krieges bezeichnet, daß wir die alte Unterscheidung zwischen nationalen und antinationalen Parteien für alle Zeiten zum akten Eisen Wersen müßten. (Sehr wahr!) Der Seesieg vom 1. Jmri hat uns dev Wert unserer Schiffsmannschaften erkennen lasten. Nicht auf die Zahl der Schiffe und Geschütze kvnrmt es an, sondern auf den Geist und die Ausbildung der Mannschaft. Wenn wir alle daheim urid draußen nasere Pflicht tun, so hoffe ich von der Gerechtigkeit der Vorsehung, daß wir nach Beendigung des Krieges einem neuen Aufschwünge entgegensehen. (Lebhafter Beifalls Abgeordneter Dr. Gradnauer (Soz.): Die gestrige Flucht des Reichskanzlers in die Oesfentlichkeit zeigt, wie giftig die Angriffe sind, die au4 dem Hinterhalt gegcn die Politik des Reichskanzlers geruhtet werden. Denn wegen einiger beliebiger Schmähschriften wäre der Reichskanzler hier nicht ausgetreten, sondern es muffen da° hmter ernflußreiche, mächtige Kreise stehen, die zwar cm Zahl gering sein werden, deren Geldmacht und Stellung aber mcht gering ist. (Zustimmung.) Die Zensurdebate von: vorigen Mittwoch mit den Angriffen der Abgeordneten v. Graese und Hirsch war ja nur ein ganz blaffes Vorspiel zu dem nns gestern mitgeteilten Schmäh- schrrftentrommelfeuer von Jnvektiven, Beleidigungen und Verleumdungen, das allerdings ein ftarckes Stück darstellt Keine Partei wird fih finden, um jene Leute und ihr sauberes Handwerk in Schutz *n nehmen. Aus welchem Lager kommen diele Geschosse? Aus dem N a t i o n a l i st e n l a g e r, aus dem fortge,etzt der Schrei nach Welteroberung ertönt, der rücksichtslosen .Gewaltmenschen nicht nur nach mchen, sondern auch nach mnen. In diesem Lager hat sich das Geld der am Krieg i«ter° etfierten Schwerindustne. haben sich die Phantastereien der alldeutschen Welteroberei und die reaktionären Gelüste der Scharfmacher und Feinde sider freiheitlichen Entwicklung zusammen- gefunden. Zu der Arilage, die man gegen den Kanzler erhebt, kann er sich eigentlich nur Glück wünschen. (Sehr richtig! links.) In den Augen aller F iedensfteunde und verständigen Leute sind die Angriffe sogar ein. Rechtftrtigurrg seiner Politik. (Sehr richtig! links.) Das deutfte Volk wird genau umgekehrt urteilen als lene hinterhältigen Wdersacher. und sehr damit einverstanden fern, daß der Reichskaizler alles getan hat, um den furchtbaren Krieg zu vermeiden. (Sehr richtig! links.) Das endgültige Ureil über d:c dem Kriegsausbruch unmittel- hax vorangegangenen Vorgänge wird erst zukünftig die Geschichte fallen können, aber heüe schon können wir immerhin sagen, daß gerade dre Tatsachen, auf deren Grund man die Anklage gegen den Reichskanzler anfgebaut hat, beweisen, daß die Behauptungen der Ententemächte unwahr sind, Deutschland habe den Krieg probozie:t und nicht sie. Der Zorn jener Ankläger richtet sich gegen dre angeblich flaue und schlaffe Polrtrk des Rerchskanzlers. Offenbar wollen sie sich ernen n euen R eichAanzler schassen. (Pfuirufe im Zentrum.) Sre suchen sich.inen Reichskanzler, der ihren EroberungS- planen ein gefügiges Wrkzeug wäre. Wir bekämpftn alle pha». h .rÄ & ^' 1 f än ä^tu>i0®Plänc cntfcfjiebcn. Jene Kreise haben ." ,C V aä s ? 0l? dinier sich, sondern setzen sich ausschliek" R?ich^kanÄerEwen^^ 3? J? t ..S um mindesten haben sic den '1 ? 0e öer Imicrc i Politik angerissen, sie befürckten nach Fr.edcnsichluß doch etwas von. der vie besprochenen Ne^ or.entierung Verwrrllickung fände. Diese Scbarsmack-^ fÄ mcbts gelernt und nichts vergessen. (Sehr richtig! be' den So^ 1 ? lC "Achten Sozialdemokratie verfemen und die alten Fehden gegen ftden Fortschritt wieder aufnchrnen. * Q Unfruchtbarkeit der inneren Politik ist mit H bieI Mißstimmung und Verdrossenheit vorhanden ist. Leider hat die Reichsregierung den Bestrebunaen CZnStcnprrf Ietne fortschrittliche Entwicklung wollen, allzu viel Entgegenkommen bewrejen. Nicht durch Worte, sondern durch Taten kann das Vertrauen der Arbeiterklasse gewonnen werden Wrr vertrauen nur auf die Macht der Tatsachen und des weiten.' feit mp°rV« SoZ'cllpolrtlsche Forderungen müssen zur Wirrlick- . t werden. Wir Sozralcsten wollen Träger der neuen Entwick- uns die freiheitliche Entwicklung weiter der- Srn muffen - 5" ben Kampf mir rücksichtsloser Energie r/ l r / dlte < m on rede Anschauung, welche es auch sei, solange sie chrlrch und offen vertreten wird. Die gestrige 5ftnzlerrede f.L 1 '? 11 ^ Zezergt, daß die vorhandenen Gegensätze öffentlich ausgetragen werden muffen. Wenn die Ausführungen des ReiÄs- SX ^^uderer gemacht hätte, wären fLe dem Zensurstift ? ^uU^n. Daß dre ^ Lichtscheuen an das Licht gezogen worden sind, kann nur als ein Gesundungsprozeß begrüßt werden. Auch General von Falkenhahn hat sich für die Lockerung der Zensur ausgesprochen. ' s 28 /?! 1 b . ic Schranken der Zensur fallen, dann 5? 'r Sorgen, daß dre große Mehrheit des deutschen Volkes nicht hinter den Krerfen steht, die der Reichskanzler gestern ge- brandrnarkt hat.^ (Sehr richtig! links.) Die große Mehrheit un- ,eres Volkes wünscht erne Politik, die aus die Schaffung r l -fr e / E h ^ envolIen Friedens nach außen und einer srei- hei lrchen Entwicklung unseres Landes im Innern abzielt. (Beifall l'uks.) ^er Reichskanzler hat gestern auch über die KinegZIaae und über ^riedensmöglichkeiten gesprochen. Meine Frak- tioir hat beschlossen, auch der neuen Kriegskre- sV-t y ^ e rhre Zustimmung zu erteilen. (Stürm. Meisau.) Unsere Stellungnahme vom 4 . August 1914 i st u n v e r ä n d e r t geblieben. Unsere Haltung bedeutet weder ein Vertrauen noch ein L>krßtrauen zur Regierung noch zum Reichskanzler. Unsere Haltung wird ausschließlich bestimmt von dem, was die LebenZintereffeu unseres Landes in dieser furchtbar schweren Zeit gebieten. (Lebh. Beifall.) Wir sind eine Fr.iedenspartei, wir haben^uns nie einem Krieasrausch hingegeben. Wir sind aber der Ueberzeu- gung, daß der Krieg noch, immer das ist, was er von Anfang an war: Ein Krieg um die Existenz unseres Landes. Dankwürdig ist, was unsere Brüder und Söhne zu Wasser und zu Lande gegen eine übermächtige feindliche Koalition geleistet und wie sie alle kindlichen Vernrchtungspläne zuschanden gemacht haben. (Lebh Beifall.) Wir sind aber nicht übermütig und weit entfernt von dem Wahn, als konnten wir die gegnerischen Mächte zerschmettern. Das- deutsche Volk will derartiges auch nicht. (Sehr richtig' b d. Sl^.). Es erkennt auch die TapseÄert der Feinde an und unter- chaht mcht rhre militärischen und wirtschaftlichen Hilfsquellen. Das deutsche Volk ist stolz darauf, daß es seine Verteidigung gegen d«-f übermächtigen Feinde ft ersolgreicb durchfübren konnte. Es halt fest an dem Wort der Thronrede: Uns treibt nicht Eroberungslust. (Sehr richtig! links.) Tie unbefriedigende Antwort, die aus England und Frankreich aus die verschiedenen Friedensangebote des Reichs- r a n z I e r s gekommen ist. ergibt für uns zweifellos die Notwendigkeit. die gegnerischen Angriffe weiter abMvehren. (Zustimmung - Der Kneg wird dadurch nicht um einen Tag verlängert. Im Gegenteil, baS trägt dazu bei, möglichst bald einen ehrenvollen 11 orrerchen und unsere Gegner geneigter zum Friedens- sthluß zu machen. Bei allen Völkern wächst die Sehnsucht nach Frieden. Deshalb sEe man auch einen ehrlichen Friedensmakler mcht zuruckweisen. Die Friedensrede Wilsons ist in onglrschen und auch m einem TeÄ der deutschen Presse mit wilden Protesten begrüßt worden. Das deutsche Volk wird aber einem ehrlichcm, unparteiischen Stcurtsmanne für seine Vermiti- Umg Dank wissen. (Zustimmung bei den Soz.) Unserer Ueber- zeugung nach kann der Krieg nur durch einen verständigen Ans- Dw deutsche Regierung mutz daher noch mehr als bisher alles daran sehen, den Völkern den heißcrseSnteu Frieden w-rederzugeben. (Beisall bei den Soz.) Abgeordneter Basscrnrann (Natl.): Die bedeutungsvollen gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers, aber auch Ausführungen iu der Presse von Delbrück und von Theodor Wolfs, die in den letzten Tagen ein Trommelfeuer auf uns eröffnet haben, veranlaff-en mich noch einmal, in aller Kürze, wie sie die Geschäftslage des Hauses und dre Aufrechterhaltung des Burgftiedens reftangen, unseren Standpunkt darzulegen. Dem Reichskanzler können wir in der Feststellung unserer'Erfolge auf allen Fronten nnr zuskmmen. In herßen Kämpfen stehen unsere tapferen Truppen vor Verdun. (Beifall.) Wenn auch diese gewaltige Festung nicht ans einen Ansturm überwunden worden üst. ft ist doch das eine erreicht, daß die französischen Armeen in ihren weitaus größten Bestandteilen dort ftstgehalten werden. Di^ Märzoffensive der Russen ist zurückgoschlagen. Der Reichskanzler ftrach von der günstigen Stellung im Osten, dort, wo unsere Truppen unter der geniaten Führu-ng von Hindenburg und von Ludendovff stehen, unter der Leitung des Geiveralfeld- marschalls, dkn der Kaiser in diesen Tagen unter dem Jubel des Volkes als Nationalheros imseres Volkes in diesem Kriege gefeiert und damit allgemein freudigen Widerhall in der Nation gesunden hat. (Lebhafte Zustimmung.) Kein Schritt breit Boden wird dort der russischen Uebermaclü geopfert. Fest rra& treu wird dort die Wacht gehakten. (Betsall.) Wir können Hinweisen mtf die feste Stellung der Bulgaren bei Saloniki, auf die Fortschritte unserer türkischen Freunde, die nach dem Fall von Knt el-Amara nun auch in Armenien Vordringen. Dazu kommen die gewst bewrmdernswerten Forff^bri-tte der Oesterreicher in Jtal'°n, wo unsere Bundesgenossen, eeren Leistungsfähigkeit sich m diesem Kriege ständig ertürht jetzt in einer wohldurchdachten Offensive Conrads von Hötzendorff von den Bergen in die Ebene nieder-stergcn nnd die Italiener in ihrem eigenen Lande angreifm. Endlich der Sieg unserer Flotte in der Schlacht am Skagerrak, der sich würdig d« siegreichen Schtaäü von Coronel und dem ruhmvollen Untergang unserer Schifft bei den Falklandsinseln an die Seite stellen kann. Damit ist d i e richtige Antworterteilt auf Churchills prablerisch-e Rede von dem AuLgraben der Ratten. (Sehr Bei diesem Siege gedenken wir auch des Schöpfers und genialen Orga- ntfators unserer Flotte, des Großadmirals von Tirpitz. Unsere Herzen waren erfreut, als wir heute morgen das Telegramm des Kaisers an ihn lasen. (Zustimmung.) Wir gedenken auch des Grafen Zeppelin, dessen Luftschiffe sich bei dieser Seeschlacht im Aufklärungsdienste große Verdienste erworben haben. Mit großer Geduld sehen wir die Früchte unserer Siege der Ernte entgegenreifen. Niemals war die Kriegslage mehr geeignet, den Wahlspruch Hindenburgs zu beherzigen: Nicht nur durchhalten, sondern siegen! Nichts liegt meinen politischen Freunden, jedem ein zig e n in unserem Kreise, f e r rs e r, als aus eigensüchtigen Motiven aus eine Verlängerung dieses furchtbaren Krieges hinzu- arbeiten. Was wir aber nicht wollen, ist, daß eine Abkürzung ^d es Krieges cintritt auf Kosten eines daucrhasten Fricdcns, eines Friedens, der Deutschland die Sicherung bringt, die cs vor künftigen Kriegen schützen soll. (Beifall b. d. Nationallib.). Gestern hat der Reichskanzler fest- gestellt, daß sich seit seinen letzten Erörterungen die Kricgs- karte zu unseren Gunsten verändert hat. Ich darf an ein anderes Wort des Reichskanzlers erinnern: je länger und erbitterter der Krieg geführt wird, Ü e st o mehr wachsen die Garantien, die für uns nötig sind. Unsere Reichsorganisation und unsere Landesverbände sind zu e i n i g c n Beschlüssen in der K r i c g s z i c l f r a g c gelangt. Der Schwerpunkt liegt nach unserer Auffassung der künftigen Sicherung Deutschlands in dem Ausbau unserer deutschen F c st I a n d s - und K ü st e n st e I l u n g. Dahinter tritt die Forderung eines großen Kolonialreiches, das auch wir erstreben wie jedes Weltvolk, zurück, weil es für eine kontinentale Sicherung einen Ersatz nicht bieten kann. (Sehr richtig? bei den Nationallibcralen.) Gegenüber manchen Deutunasvcrsuchen liegt es mir in dieser letzten Stunde, in der wir zur vollen Oeffentlichkeit sprechen können, am Herzen, in Kürze zu rekapitulieren, was der Reichskanzler in früheren Reden zu diesen Fra gen'ge sagt hat. In der Rede vom 2. Dezember 1914: Weder im Osten noch im Westen dürfen unsere Feinde von heute über Einfallstorc verfügen. durch die sie von morgen an uns aufs neue und schärfer als bisher bedrohen. Dann: Sollte Europa jemals zur Ruhe kommen, so kann das nur durch eine starke unantastbare Stellung Deutschlands geschehen. Am eingehendsten hat er sich am 15. April 1916 mit diesen Fragen befaßt. Er geht zunächst auf die polnische Frage ein, stellt fest, daß sie durch diesen Krieg aufgerollt ist und sagt: Deutschland und Oesterreich müssen und werden sie lösen. Er umgrenzt das Ziel im Osten schärfer, indem er die Frage stellt: Kann man annehmen, daß Deutschland freiwillig die von ihm und seinem Bundesgenossen befreiten Völker zwischen der baltischen See und den wolhynischen Sümpfen wieder dem Regiment des reaktionären Rußlands ausliefcrn wird, mögen sic Polen, Litauer. Balten oder Letten sein? Das belgische Problem berührt er, indem er ausspricht, daß Belgien nach dem Krieg nicht mehr das alte sein wird. Wir haben besonders begrüßt, daß das Problem der Balten und Flamen hier angedcutct ist. In der Tat sind wir der Meinung, daß hier ein weltgeschichtlicher Augenblick vorhanden ist, den, wenn er nicht benützt wird, vielleicht keine Ewigkeit zurückbringt. (Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Gelingt es nicht, diese, germanischen Volksteile dem Germanentum im siegreichen Kriege zu erhalten,^dann werden sie ihm verloren gehen und der Passifizierung und Fran- zösicrung verfallen. (Sehr richtig! bei den Natl.) Der General- gouverneur von Belgien, Freiherr v. Bissing, bringt der Flamenfrage volles Verständnis entgegen, möchte auch die belgische Zivilverwaltung den berechtigten Forderungen der Flamen tunlichst entgegenkommen. Wir sehen, wie es in der Flamenbewegung sich regt, wie die nationalen Zusammenhänge, dort erstarken und wie man sich mit Hoffnungen nach einem selbständigen Flandern trägt, losgelöst von dem - französischen Walloncntum und seiner Hoffnung auf Zerstörung des Germanentums. In bedeutungsvollen Worten hat der Reichskanzler von dem See sieg gesprochen. Aber dieser Sieg ist ein Wahrzeichen für unsere Zukunft, einer Zukunft, in der sich Deutschland Gleich, bcrcchtigung auch auf dem Meere erkämpft und damit auch den kleineren Völkern die dauernde Freiheit der jetzt durch die englische Mleinberrschaft abgeschlossenen Seewege erficht. Das, meine Herren, ist das belle und verheißungsvolle Licht, das der 1. Juni in unsere Zukunft wirft! — Auch dieser Satz findet unsere volle Billigung, enthält er doch den Gedanken, daß n i ch t V e r t r ä g c über die Seeherrschaft und die Freiheit der See entscheiden, sondern der Sieg und die Macht. (Lebhafte Zustimmung bei den Natl.) In seinen gestrigen Darlegungen hak der Reichskanzler nochmals daraus hingewiesen, daß starke Differenzen in der U-Boot - Frage und in iin seren, Beziehungen zu Amerika vorhanden waren, daß die Ansichten scharf aufeinaudcrfielen; er hat aber gleichzeitig festgestellt, daß die gegenseitige Ueberzcugung und Absicht geachtet worden ist, und daß die Verhandlungen aus sachlichem Boden geblieben sind. Die besten Gründe für und wider können ja nicht öffentlich erörtert werden. Wenn die überwiegende Mehrheit meiner Freunde für den rücksichtslosen U« Boot - Krieg ein getreten ist, so waren sie getragen von der Ueberzcugung, daß iins in der O-Boot-Waffe das Mittel 'zur Verfügung steht, das in der Tat den Hauplfcind England zum Frieden zwingt oder doch mindestens dem Frieden viel näher bringt, und daß diese Ausnützung der O-Boot-Wafse das Mittel ist, den Krieg abzukürzcn. Diese Uebcrzeugung stützten wir dabei auf Autoritäten, deren Gewicht wir voll in die Wagschale fallen ließen. Dabei haben wir die auftau chcnden Gesa h r e n der Führung c'ues solchen Krieges nach der Richtung Amerikas und der übrigen neutralen Staaten, das dürfen Sie uns glauben, nicht gering cingcschätzt, im Gefühl der vollen Verantwortung aber, die jeden einzelnen in dieser Frage, die eine der schwersten des ganzen Krieges ist, durchdrungen hat. Diese r-Dl -Boot-Krieg führte ja dann zu der amerikanischen Note, die den Abbruch der Beziehungen in Aussicht stellte und zu den bekannten deutschen Konzessionen. In der deutschen Note beißt cs: „Sollten die Schritte der Regierung der Vereinigten Staaten nicht zu dem Erfolge führen, den Gesetzen der Menschlichkeit bei allen kriegführenden Nationen Geltung zu vcr- schaffen, dann würde die deutsche Regierung sich einer neuen Sachlage gegcuübcrschcn. für die sic die volle Freiheit der Entschließung sich Vorbehalten muß." In unserer Zentralorganisation haben wir die Forderung ausgestellt, Haß in Ausnützung der in der deutschen Note vorbchaltenen Freiheit der Entschließung rechtzeitig und wirksam von allen uns zu Gebote sichenden Machtmitteln Gebrauch gemacht wird. Der Reichskanzler hat auf seine Rede vom 9. Dezember hin- gcwicsen, die die Ankündigung der Friedensbereit- s ch a f t enthielt, unb auf die Unterredung mit dem amerikanischen Journalisten v. Wiegand, worin er davon sprach: „Nur wenn sich die Staatsmänner der kriegführenden Mächte auf den Boden der wirtlichen Tatsachen stellen, wenn sie die Kriegslage so nehmen, wie sie hier die Kriegskartc zeigt, nur daun werden wir uns de mFrieden nähern." Er hat dann die Abneigung unie- rer Feiuoe festgestcllt. auf solche Fricdenscrörterungcn cinzu- gchcn, und schloß seine Bemerkungen damit ab, indem er sagte: „Jedes Fricdensgespräch, das wir jetzt beginnen, ist nichtig und Incht zum Ziele führend!" ^ . .. Asquith hat bei dem Empfang der Duma-Abgeordneten die Perspektiven, wie sie sich rn seinem Kops spiegeln, auSgesprock)en. Er sprach dabei von einer r us fisch-eng li chen Kultur ifyiwc Heiterkeit.) Es ist die Teilung der Welt zwischen Bär und Waliii'-b Ein Helles Liebt daraus, wie es in den Köpfen der französischen Politiker und Presselcute aussieht, wirft eine Erörterung aus jüngster Zeit. „Um stark zu sein, braucht es zwischen Frankreich und Belgien nach dem Krieg «mc einzige Armee, einen einzigen Oberbefehlshaber, einen einzigen Gesamtplan!' - Also von einer Wiederherstellung Belgiens ist nicht die Rede, sondern Belgien soll dem sraiizösischcn Einfluß vollständig untergeordnet werden und als Konsequenz davon ergibt sich eine wcsenl- lichc Schlcchtcrstelluiig Deutschlands. Angesichts dieser Sachlage erübrigt cs sich, aus die Anregungen im Sinne der Wicderhcr- slelluiig des Friedens cinzugehen. Wir werden abwarteu, wie weit cs Wilson gelingt, bei'unseren Gegnern das Gefühl der Friedeiisbereitschaff herbeizusührcu, das doch die Grundlage zu Vcrhandlungeii unserer Regierung sein muß. Bis jetzt sieht cs iiicht daiiach aus. In E n g l a ii d haben feine Bestrebungen durchweg eine s ch r o f f e A b l e h n u n g gefunden. Auch über die Methode habe ich doch Zweifel, ob die Konferenz zweckrnäßig ist, die Wilson im Auge hat, die die Frage behandeln soll, daß icdcs Volk sich die Regierung wählcii darf, die cs für die richtige hält. Selbstverständlich würde dadurch die ganze irische Frage, die indische Frage, die ägyptische Frage, die B u r c n f r a g c und eine Reihe anderer Fragen aufgeworfen- werden. Das ist sicherlich iiicht zur Herbeiführung eines raschen Friedens geeignet. Wir bedauern. daß die äußerste Linke an den indirekten Steuern Anstoß genommen hat. Andererseits war aber klar, daß das Stcuergesetz im Hause den alten Streit auslösen mußte. Die bürgerlichen Parteien konnten sich angesichts der Belastung des Besitzes durch die einzelstaatlichen Kommunen nicht dazu verstehen, nun auch noch jm Reich den gesamten Stcuccbcdarf aus direkte Steuern zu legen. Dainit soll iiicht gesagt sein, daß bei komnienden Steuerreformen im Reich nicht auch auf dem Gebiet der direkten Besteuerung Konzessionen gemacht werden müssen. (Sehr richtig! liiiks.) Wir werden da die richtige Mitte cinhalten. Mit Freuden begrüßen wir die Erklärung, der sozialdemokratische Fraktion, daß sic die Kriegskredite, bewilligen wird. (Beifalls Wir zeigen damit dem Auslande erneut, daß der Reichstag mit wenigen Ausnahmen einig i st über die Notwendigkeit, deii Krieg sortzusctzcn, bis ein ehrenvoller Friede erreicht ist. Zum Etat des. Auswärtigen Amtes haben wir eine Entschließung etngebracht im Interesse der sich .n Not und Bedrängnis befindlichen Ausländsdeutschen. Wir halten cs für dringend wünschenswert, daß das Reich hier mit Unterstützungen und Darlehen cingreift. Be d c u t u n g s v o l l e Neuorganisationen sind bei wichtigen Reichsämtern cingetrctcn. Dr. Delbrück ist gegangen. Ihm war bei Kriegsausbruch die Riesenaufgabe gestellt, ein Siebzig-Milliouenvolk mit Lebensmitteln zu versehen. Die Lösung ist nicht vollständig geglückt. Daß es nicht geglückt ist, liegt einmal an der Mißernte des «vorigen Jahres, und dann vor allem an Mängeln in der Organisation. Immerhin erfeunen wir den guten Willen und das reiche Mas; von Arbeit bei Dr. Delbrück an und werden ihm auch nie vergessen, daß cs ihm gelungen ist, mit den Arbeiterorganisationen in e t-n er« träglichc 6 Verhältnis zu, kommen. (Beifall.) Wer die gestrige-Rede des Reichskanzlers gcbört hat. mit der K c n n- z c i ch n u n g der Piraten d c r ö f f e n t l i ch e n Meinung, die unter Mißbrauch der nationalen Flagge cinhermarschicren. der mußte der Meinung sein, daß hinter dem anonymen Autor eine sehr bedeutungsvolle Persönlichkeit stehen muß. Jedenfalls ist der Broschüre, die gar nicht sehr verbreitet war, durch die Rede eine große Bedeutung beigelegt worden ‘ ' * " führen, land sich eines größeren und stärkeren Deutsch- erfrcuen können. (Beifall.) er Reichskanzler sprach von dem w e n'i g erhebenden Eindruck unserer letzten Z c n s u r d c b a t1 c. Wenn aber auf einem Gebiet, wie cs die Zensur ist, eine solche Menge von Verstimmung unb beleidigtem Gerechtigkeitsgefühl, von dem Gefühl, daß mit ungleichem Maß gemessen wird, sich auftürmt, dann ist cs schließlich selbstverständlich, daß hier im Paria- m c n t s i ch c i n m a l d i e S ch l c u s c n ö f f n e n. Es ist jedenfalls eine Jroiiie der Geschichte, daß'dcr Oberstgevoaltige der Zensur genötigt ist, sich angesichts von Mißständcn, die durchs die Zensur erzeugt werdeii, in die Ocfsentlichkcit zu flüchten. (Sehr richtig! rechts und bei den Nationallib.) Ter Reichskanzler hat recht mit seinem Protest gegcii a n o ii tjinc Broschüre n. Ihre Zahl ist Legion, und jeder von uiis wird mit solchen Denkschriften Schub- larrcn füllen können. (Sehr richtigl) Aber es sind das nicht nur Broschüren, die den Reichskanzler angreifen, cs sind auch Ver- tcidigungsschriften erschienen. Wir meinen, daß in diesen Dingen man Betrachtungen unter, lassen sollte, die den politischen Gegner verdächtigen. (Sehr richtig! recbts und bei den Natl.) Man sollte mit dem alten System brechen, dem politischcii Gegner Motive zu unterschieben, die außerhalb seiner Denkungsweise liegen. Gerade wir haben es m letzter Zeit erfahren müssen, das; mau uns nachsagtc, wir ließen uns bei der Verfolgung unserer Kriegsziele von Wünschen, Gesichtspunkten, Anschauungen und Forderungen leiten, die außerhalb der Fragen selbst liegen, von G e Id in t e r c ss c n . von dem Wunsche, die Verdienste der Schwerindustrie zu st e i g c r n usw. Meine politischen Freunde lassen sich bei allen Fragen i n i h r c r H a l t u n g. die sich ja nicht immer deckt ry i t der Haltung des Reichskanzlers, nur von sachlichen und Vater- I ä n d i s ch c n Gesichtspunkten u n i von keinerlei Nc benrücksichten I e . t c n. (Lcbh. Zustimmung bei den Natl.) Reichstag und verbündete Regierungen können mit Befriedigung aus diese Rcichstagstagung zurülckblickcn. Es ist ein Ruhmestitel für die gesetzgebenden Faktoren daß die Sozial- refoem auch in der Kriegszcit nicht stillg-standeu hat. Ich erwähne nur die Herabsetzung der Altersgrenze, das Verernsgeieh, das Kapitalabfindungsgesetz und die Nobelst zur Besoldungsord- uuug. Wir hoffen, daß die Begeisterung, )ic der Reichskanzler gestern gezeigt hat, zur Wahrheit werden wird, und daß wir auch nach dem Kriege in großen nationalen Fragen einig bleiben werden. Wir erkenten die Notwendigkeit einer Neuorientierung der Verhältiisse im Reich und m den Einzclstaatcn, Preußen voran, an. Wir verlangen Reformen unserer Gesetzgebung, die Fortführung dir Sozialrcform und Reformen in der Verwaltung. Vor allem nussen m Preußen allerlei Einseitigkeiten und jede Rückständsikeit und Engherzigkeit fallen. Es muß auf die Wünsche der Bevölkerung mehr Rücksicht genommen werden. Die heutigen Blätter bringen einen Erlaß des preußischen Kultusministers fir den Ausstieg Volksschüler zu den Gyninasien. Darübci hinaus erheben die Fordcvung, daß für a l l e T ü ch t i g j n d i e B a h n f r e i gemacht wird. Alle Schranken müssen bcfiirgt ivevden, die der Entfaltung ihrer Fähigkeiten im Wege sichen. (Beifall.) Der Vertagungsantrag ist ja bereits angenommen. Wir hätten eine kürzere Vertagung lieber eschen. Wir wünschen, daß bei dringlicher Veranlassung der Reickstag auch frilher schon cinbcrufen wird, und daß die Derb ndung zwischen Regierung und Parlament sandig aufrechterhalten bleibt. Aus den Worten des Reichskanzfrs klang Glaube und Liebe zu unserem Volke heraus. Er sprach jon ferner Heldengroße. Diesem Wort können wir 'alle zustimmcl. Dieser Krieg gewonnen durch unser tüchtiger, opfcrwillges Volk drinnen draußen. Deswegen soll das Vertrauen ku unserem Volke der Leitstern der künftigen deutschen Politik siiu. (Lebhafter Beifall.) Daß dieses Bewußtsein fest in unserem 8olke verankert ist. das klang aus der gestrigen Rcichskanzlerrcdc hervor. Vor wenigen Tagen hat hier im Reichstag der Deutsche Kulturbund getagt, und ein deutscher Soldat und Dichter, der auf allen Fronten draußen gekämpft bat, hat auf der Tagung ben gemeinen Mann als den wahren Holde n uutzres Volker bezeichnet. .Sehr gut!) Der Soldat habe mir ein £*I, den Sieg, der cmen Frieden bringt, der die ungeheuren Opfer lohnt. Vorher höre der Soldat nicht auf. und man solle nicht s-agcn, von ihm dar zu verlangen. Das ist die Parole draußen und sie soll und wird es auch im Innern sein. Von Tausends von Lippen geht täglich das Gebet dahm: Mögen die Opsiri nicht vergeblich gebracht sein, mögen unsere Söhne und Enkel,'für die wir den Krieg Abgeordneter von Payer (Fortschr. Vp.): Für unser Volk wird cs höchst peinlich gewesen sein, daß der Reichskanzler gezwungen war. gegen Verdächtig ii n g c n und Schmähungen üblkr Art sich im Reichstag öffentlich zur Wehr zu setzen. Wer aber die' Vorgänge der letzten Monate genau verfolgt hat, das Anschanellen dieser geheimen Literatur, die Heftigkeit ihres Tones und die persönlichen Angriffe, der hatte schon seit langem das Gefühl, daß es so nicht sortgehcn konnte, daß dieser politischen B r u n n e n v c r g i f t un g vielmehr endlich einmal ein Ende bereitet Iverdcn mußte. (S-ehr richtig! links.) Man empfindet es als eine Befreiung, daß' diese Machwerke in dem gestrigen Gewitter endlich mit aller Tmstich- feit als das bezeichnet worden sind, was sic in Wirklichkeit sind: eine schwere Gefahr für das Reich nu Innc r n und für seine Stellung nach außen! (Lebhafte Zustimmung links.) Wir wollen jenen Leuten nicht das Recht ihrer eigenen Meinung bestreiten. Dieses Recht gilt aber nur, soweit die Interessen des Vaterlandes es während des Krieges gestatten. So, wie sich bei uns die Zensurverhältnisse zu unserem Leidwesen gestaltet haben, kann man cs begreifen, daß Meinungen, die sonst nicht zum Ausdruck kommen, auf den Weg der Geheimniskrämerei verwiesen worden sind. Das muß man an und für sich in Kauf nehmen. Was wir ihnen übel nehmen, ist in erster Linie die absichtliche, ans Unwissenheit beruhende Entstellung der f e st st c h c n d e n Tatsachen durch tendenziöse Verdrehungen, wie sie durch alle diese Schriften bindurch- gcht. (Sehr richtig.') Die Trugschlüsse find so handgreiflich, daß die Verfasser sich ihnen nicht entziehen können. (Sehr richtig!) Was wir ihnen übel nehmen, ist vor allem der persönliche Haß gegen die Person des Reichskanzlers, dcp so gesteigert ist. daß wir diejenigen, welche ihm in dicker Form Ausdruck geben, einer objektiven Beurteilung und sachlicher Motive nicht mehr für fähig halten. (Zustimmung.) In letzter Lime nehmen wir übel den Mangel an jeglichem Gefühl d e r Verantwortlichkeit für das, was aus dieser Hetze für die Geschicke des Vaterlandes hcrauswächst nach innen und nach außen. ,. . . Wer mag d a h i n t e r st c ck e n? Heute lonnen wir ^.en Schleier noch nicht lüften Die Stunde ist noch nicht gekommen, in eine förmliche Untersuchung cinzutreten, wer die Schuld an dieser bösen Verwirrung unserer Zustände trägt. Freilich drangen sich manche Vermutungen aus. Jedermann hat sich in den letzten Monaten davon überzeugen können, daß diese Agitation mit einer ganz ungewohnten Freigebigkeit geführt worden ist, mit einer so offenen Hand, wie wir cs m Deutsch. Iaitb bisher nicht gekannt haben, vnd wie sie beängstigend auf die nück-tern und ruhig denkende Bevölkerung cinwirken muß, wie sic die Sorge erweckt, was ivohl daraus hervorivachscn möge, ob mit diesem Geldvergeuden zu höchst einseitigen und zweifelhaften Zwecken nicht ein unreiner Zug in unsere denbsche Politik und unser deutsches Wesen hmcinkommt. /Sehr richtig' links.) Wer dahinterstcckt. ist zunächst nebensächlich'gegenüber dem gemein, schädlichen Charakter dieses Treibens. (Sehr richtig!) Die Leute, welche diese systematischen Verhetzungen begangen haben, konnten leider durch Vorgänge in diesem L>ausc und durch einzelne unbedachte Aeußerungcn von Abgeordneten zu der falschen Anschauung kommen, als ob ihr Treiben um seines Zweckes willen auf irgend einer Seite dieses Hauses eine g c w i s s c U n t e r st ü tz u n g findet. Dem ist nicht so (Zuftimmnng). Allerdings ist in diesem Hause hier und da gesündigt worden und in der letzten Zeit erst wieder sehr stark (Sehr richtig!). Die Vorredner haben noch einmal die Stellung ihrer Parteien zu den verschiedenen Fragen klargclegt. Unsere Stellung ist unverändert gewesen. Was heute hier über die Diffe- rcnzcn in der El-Boot-Fragc gesprochen ist, sind hoffentlich er- lediglc Dinge. Wie die flämische und die baltische Bewegung sich gestalten wird, was auf Belgien wird, sind Fragen, zu bcncn niemand heute Stellung nehmen kann, weil die Entscheidung hierüber nicht von uns allein abbängü Was am letzten Mittwoch sich hier abgespielt hat, als wir die Zenfurdebattc hatten, und als unter Mißbrauch der Tagesordnung (Zuruf u Unruhe rechts u. b. d. Natl.) — Herr Bassermann möge mir verzeihen, die Ausführungen, die dame von Fest- st c l l u n ge n und Erklärungen, die sich in vcr. traulichen Besprechungen unwiderleglich ge. zeigt haben, hier in diesem Hause lviederholt worden stnd. als ob alles, was wir in jenen I'agen miteinander verhandelt haben, nur Luft gewesen wäre (iL>ehr richtig!). Wir haben mit Erstaunen gemerkt, daß Angelegenheiten, die zwischen uns in vcr- traulichen Besprechungen als erledigt und abgemacht galten, hier im Reichstag eine frohe Auferstehung gefunden haben. Wir sehen mit tiefem Bedauern, wie einzelne unrichtige Behauptungen in der ganzen Bevölkerung und über die Grenzen des Reiches hinaus Eindruck gemacht haben und machen mußten, weil sie mit aller Bestimmtheit, wie wenn sie unanfechtbar wären, ausgestellt wurden, lvährend wir, die wir diese Anschauungen bekämpft haben, welche mit uns auch die Regierung bekärnpst hicfc Frage sind nicht beseitigt. Ich widerstehe der' Versuchuni, gegen das zu polemisieren, tnas der Vorredner gesagt hat. ^ ch kann die Vertraulichkeit nicht b r e ch e n und beginge mich mit der Wiederholung der klaren und deutlichen Fcstsellung, daß die Eutlvicklüng, die diese Frage genommen hat, unercn Erwartungen nicht entspricht. (Sehr richtig! rechts und bi. den Natl.) Ich habe eine Er k lä r u n g obzugeben, zu der ich mich schon gestern, bevor der Richskanzler sprach, zum Wort gemeldet habe. Wir geben der E nt r ii ft u n g Ausdruck, die wir und weite Kreise mit uns übei die letzte Antwortnote des Präsiden t c n W i l so n mpfindcn. Der mehrfach ausgesprochene Gedanke, dvrß dcr Präsidnt Wilson zum Friede ns Vermittler berufen sei. erschein uns unerträglich. Daö deutsche Volk hat zu ihm nicht das Betrauen, . . . sSt>i'-miWidersbriech im Zentrum, bei den Foischrjttlern uub bei den Soz. Zuruf hei den Soz.: Sic sind nickt as Volk! ^ic dürfen >ucht im Namen des Volkes sprechen. Erruter Widerspruch und Lärm. Ruf- Die paar Mann um Sie. Präsident Dr. Kacmpf bittet, die Zurufe zu unterlassen.) Wenn der ameri^anksche Dvtfchafrer^ es für angezeigt gehalten hat, zu dem Vertreter eines deutschen Blattes von der Möglichkeit zu sprechen, baß Präsident Wilson bei seinen Vermittlungsvcrhandlungen einen Druck auf die K r i e g s f ü h r e n d e n auszufübren beabsichtige, so müssen wir aus^prechen, daß der Druck, der von jener Seite kommt, um uns unsere Siege gegen eine Welt von Feinden aus der Hand zu winden, das Maß des Erträglichen überschritten hat. (Sehr richug! rechts.) Auf Grund der deutschen Antwortnote steht die deutsche Regierung vor einer neucii Sachlage, dtc ihr die Freiheit der Ent- ichliegung wiedergibt, die Untcrscebootswaffc rücksichtlos einzu- ,ehen zur siegreichen Beendigung des Krieges und zur Erlangung eines dauernden Friedeiis. (Beifall.) Rückhaltlos stimmen wir dem zu, was der Kanzler über die Tapferkeit und den Erfolg u n s c r e r Truppen, über unsere Kriegslage, über die 51 , r a s t und den Willen zum D u r ch h a l t e n, über die Un- Möglichkeit von Friedensverhandlungen gesagt hat. Als Berichterstatter des Haushaltsausschusses werde ich die Erklärung de? Reichskanzlers, daß trotz aller offen zugegcbenen Entbehrungen v u n g c r f r i c g uns nicht zu Boden werfen wird, nach sorg, faltigen Erwägungen bestätigen und belegen können. Ebenso sind wir durchaus einverstanden mit den Ausführungen, daß weder die Kriegslage, noch das Verhalten unserer Feinde Fri edcnsver. h-andlungen von unserer Seite zur Zeit möglich machen. ..Jedes Friedensgespräch, das wir jetzt beginnen würden, ist nichtig und nicht zu seinem Ziele führend." Mit heller Begeisterung erfüllen uns die Tapferkeit und die Erfolge unserer Truppen im Osten und im Westen, die bald im zählen Aushalten, bald in herrliber. tatkräftiger, ungebreckener Angriffskraft überall gegen eine Welt voll Ueüermacht Erfolge großartigster Art erringen. Mit hoher Befriedigung gedenken wir der Taten und der Siege unserer Verbündeten. Besonderen E-tolz und besondere Freude ruft auch in uns der Sieg unserer Flotte über die größte Seemacht der Welt hervor. (Beifall.) In Dantbarkeit gedenken wir aller wackeren Kämpfer und der Führer. -^.-iefc Dankbarkeit hat, wie auch wir erklären ivollen, in einer dem ganzen Volke zg Herzen gehenden Weise der Kaiser ausgesprochen, als er in Hinden'vurg den Nation-alhelden des Volkes feierte.^ Dankbar gedenken wir auck feines treuen Vkit- arbciters, des Schöpfers der deutschen Seerüstung, des Großadmirals von Tirpitz (Beifafll), der an seinem Lebensabend noch den Erfolg unserer Flotte miterleüt hat. All diese Taten zeigen bic ungebrochene und nie erlahmende Kraft unseres Volkes (Beifall). .poLLwca: NeichSl'anzler v. Beibrnausr Vom Vorredner ivic auch vom Abg. D assermann ist bemängelt worden, daß ich durch meine gestrige Besprechung den Schriften eine Publizität verschafft Härte, die nicht nöiig gewesen wäre. Ich habe nur einige Schriften aus einem Bündel gleichartiger Schriften herausgegriffen, die, wie wohl ganzen Hause bekannt ist. seit Monaten in Deutschland, im dem Jnlande und auch in den Schützengräben in Umlauf gesetzt werden (Hört, hört!) und weil ich erkannt habe, daß durch diese Treibereien nicht nur die Stimmung im Innern vergiftet wird, sondern daß dabei auch eine Rückwirkung schließlich auf den Ge ist d r a u ß e n möglich ist.' Darum habe ich mich für verpflichtet gehalten, mich nicht in die Oesfentlichkeit zu flüchten, sondern diese Machenschaften an die Oesfentlichkeit zu ziehen. (Sehr gut!) Der Herr Vorredner hat gegen meine Ausführungen Widerspruch erhoben, die ich über die Denkschrift des Genercrllandschaftsdirektors Kapp gemacht habe. Der Aba. Gras Westarp hat gemeint, der Vor- w u r f ft a a t s v c r r ä t c r i s ch e'r Handlung, den ich a u s der K a p p s ch e n Schrift herausgelesen habe und auch noch heute herauslesc, habe nicht darin gestanden. Ich möchte das hohe Haus darauf aufmerksam machen, daß chie Einleitu-ng zu diesem fraglichen Passus lautet: „Der Reichskanzler beruft sich demgegenüber auf die unbedingt > notwendige Einigkeit des Volkes, das in solcher Zeit voll Vertrauen hinter ihm stehen müsse." Und bann konimt der Satz, in dem die Parole zur Einigkeit mit Jena verglichen wird, Ich habe nicht gewußt, welch« andere Folgerung ich daraus habe ziehen sollen, als die, die ick gezogen habe. (Sehr richtig!) Wenn das nicht die Absicht des Genecallandschaftsdircktors Kapp gewesen ist, so wird er dies ja wohl klarstellen können. Im übrigen habe i.ch mich beschränkt, nur diese eine Stelle aus der Schrift anzuführen. Sic wimmelt von den allerschärfsten Angriffen gegen mich. (Sehr richtig!) Es wird mir unausgesetzt in dieser Schrift zum Vorwurf gemacht, daß ich die Ehre des Landes preisgeüe. (Hört, hört! links.) Das wiederholt sich'an unzähligen Stellen. Ich glaube, niemand kann es mir übelnehmen, wenn ich gegen derartige Angriffe scharfe Verwahrung ciulege. (Lebhafte Zustimmung links.) Der Abgeordnete Graf Westarp hat in der Erklärung seiner politischen Freunde auf die Friedensvermittlung Wilsvns Bezug genommen. Ich kann nur sagen, ich habe in den Zeitungen gelesen, daß Präsident Wilson zu vermitteln beabsichtige. Ich habe auch heute noch in der Zeitung gelesen, daß die englische Presse sich mit großer Entschiedenheit gegen eine Friedensvermittlung Wilsons erklärt. Offiziell ist an mich auch nicht ein Wort herangetreten, daß der Präsident Wilson vermitteln wolle. Insofern ist diese ganze Frage absolut nicht aktncll. Daß wir bei einer Friedensvermittlung nicht einen Druck aus uns a u s n b e n lassen werden, der uns um die Früchte unserer Siege bringen wird — ich glaube. Sie verlangen wohl- von mir nicht, daß ich noch bie. ausdrückliche Erklärung abgebe, daß ich für solche Fricdensvcrhandlungen nicht zu haben wäre. (Beifall.) Dann noch eine kurze Bemerkung zu den Ausführungen des Abg. Gr a f e n W c st a r p zu meinen gestrigen Bemerkungen über die innere Politik, über die Stellung zur Sozialdemokratie. Ich habe gesagt, Gnd wiederhole es: Zeihen Sie mich eines Optimismus. Ich kann in diesem großen Kriege ohne Optimismus nicht leben. (Sehr gut! links.) Zeihen Sie mich eines Optimismus — ich habe die Hoffnung, daß wir nach dem Krieg in einen Zustand komnien werden, wo der Gegensatz, der doch niemand unter uns Freude machen kann, zwischen ^tational und Antinational verschwunden sein witd. In dieser Hoffnung lebe ich, und diese Hoffnung gibt mir einen großen Teil der Kraft, die ich in diesem Kriege entwickeln muß. (Bravo!) Der Abg. Graf Westarp hÄt dann von den Unter- schieden gesprochen, die auch nach dem Kriege seine Freunde und andere Parteien von den Sozialdemokraten trennen werden. Gewiß, diese Unterschiede werden bestehen, die Herren von recht? werden niemals mit den Herren von links Arm in Arm gehen. (Heiterkeit.) Ich habe dies auch niemals beo:uptet. Aber cs teerÜSnr mcfn«r Uusichk nach Ste TTrrferf<^c.b€ > btc sich