Nr. 131 Erschein! täglich mit Ausnahme de? Sonntags. Die ..Stehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den KreU Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit, fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberhejjen Diendt;' a, €% 1 fMt.fi Rotatwirsdruck und ’ivii.ig oet Brühl'schen Universität-? ° Buch- und Siemdcuckerei :H. Lange, Gießen. Schristletkrng, Geschäftsstelle u.Truckerei: Schul« strafte?. Gescböitsstelleu.Berlaq:S^Aö1,SchrisL- leitung: S°-^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. B9. Sitzung. Montag, 5. Juki 1916. Am Tische des Bundesrats: Dr. Helfferich. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 1b Minuten. Die Vorlage auf Vertagung des Reichstages bis zum 26. September ist eingegangen. Die Anleihedenk schrift für die Schutzgebiete für 1914 wird ohne Aussprache erledigt. Die Rechnungen für Kiautschou für 1909 sowie für den Neichshaushalt für 1914 werden ohne Aussprache in dritter Beratung angenommen. KrieMiürollgesetz. (Dritte Lesung.) Abg. v. Brockhausen (Kons.) begründet einen soeben angegangenen Antrag seiner Fraktion, nach dem derReichslag befugt sein soll, Abschriften oder Auszüge von Verträgen über Kriegslieferungen verlangen zu können. Der Zweck der Kriegsgewinnsteuer war vor allem, unberechtigte Kriegsgewinne zu treffen. Ob solche vorliegen, darüber kann sich der Reichstag nur Gewißheit verschaffen, wenn er in diese Verträge selbst Einblick gewinnen kann. Das ist nur eine einfache Ausführung des Etatsrechtes und das verlangt die Stimmung in unserem Volke. Eine gute 'Stimmung ist aber auch daheim unbedingt notwendig. Deshalb mutz hier Klarheit geschaffen werden. . Staatssekretär Dr. Helfferich: Ich kann den Ausführungen des Vorredners nicht ganz folgen. Durch den vorliegenden Antrag sind wir etwas überrascht worden. Es ist nicht ganz leicht, sich über seine Tragweite sofort klar zu werden. Es handelt sich hier aber doch um eine nicht unbedenkliche Verschiebung der Kompetenzen zwischen Rechnungshof und Reichstag. Dieses Gesetz soll die Arbeiten des Rechnungshofes beschleunigen; es gibt ihm eine ähnliche Ermächtigung, wie sic seinerzeit bei dem Krieg in Südwestafrika beschlossen worden ist. Der Antrag bewogt sich auf einem ganz anderen Boden, er bezieht sich aus das Verhältnis des Parlaments zu den Verträgen, die über Kriegslieferungen abgeschlossen worden sind. Das hängt mit dem Zweck dieses Gesetzes gar nicht zusammen. Ich halte es auch nicht für möglich, datz die Kompetenzen des Rechnungshöfe? durch Kompetenzen des Parlamentes rn gewisser Weise durchkreuzt werden. Ich bitte deshalb, den Antrag abzulehnen. Abg. Noske (Soz.): Ich kann dem Staatssekretär im allgemeinen zustimmen. Der Antrag steht nur in einem sehr losen Zusammenhang mit dem Kriegskontrollgesetz. Diese Vorlage entspricht einem ausdrücklichen Wunsche des Reichstages. Der Bundes rat hat sich eng an unseren Wunsch angelehnt. Abg. Graf Westarp (Kcms.): Wir müssen unbedingt die Möglichkeit haben, die Form des Abschlusses von Kriegsvertragen prüfen zu können. Ich gebe aber zu, datz der Antrag etwas plötzlich gekommen ist. Da eine Beratung hierüber im Ausschutz noch nicht möglich gewesen ist, so schlage ich vor, das Gesetz nochmals an den Haushaltsausschutz zu überweisen. Abg. Bassermanu (Natl.): Der Antrag hat zweifellos eine große Tragweite. Es ist frag« lich, ob der Reichstag sich mit der Prüfung derartiger Rechnungssachen in allen Einzelheiten befaßen kann. Der Rechnungs. aus schuß wäre jedenfalls die geeignetste Stelle, diesen Antrag zu prüfen. Ich bitte daher, das Gesetz an den Rechnungsausschutz zu überweisen. Abg. Graf Westarp zieht seinen Antrag auf Ueberweisung an den Haushaltsausschuß zugunsten der Ueberweisung an den Rechnungsausschuß zurück. Das Gesetz wird nun mit dem Anträge an den RechnungZ- ausschuß verwiesen. Ae Änderung des Nelchsvereinszesehes. (Zweite Beratung.) Durch diese Vorlage soll im wesentlichen den Gewerkschaften und ähnlichen Berufsvcreipen, auch solchen der Arbeitgeber, größere Bewegungsfreiheit geschaffen werden. Sie sollen nicht mehr als politische Vereine gelten, wenn sie darauf verzichten, rein politische Fragen. Wahlrechtsfragen und Verfassungsfragen zu erörtern. Ferner wird die Möglichkeit gegeben, auch jugendliche Personen unter 18 Jahren als Mitglieder in die Gewerkschaft aufzunehmen. Der Ausschuß hat der Regierungsvorlage zugestimmt und weitergehende Wünsche abgelehnt. Er schlägt'?«ine Reihe von Entschließungen vor, wonach z. B. die für politische Vereine gegebenen Bestimmungen aus Vereine beschränkt werden, welche die Erörterung politischer Angelegenheiten in Versammlungen bezwecken. Weiter wird gefordert, datz den Angestellten de§ Staates und der Gemeinden das Vereins- und Versammlungsrecht nicht durch das Disziplinär- oder Vertragsrecht über das notwendige Maß hinaus beschränkt werde. Dem Reichstag soll baldmöglichst ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der das Arbeits - und Vertragsrecht der ländlichen Arbeiter und Dienstboten für das ganze Reich einheitlich regelt, der insbesondere auch die Strafbestimmungen gegen ländliche Arbeiter und Dienstboten wegen Einstellung der Arbeit oder Verabredungen zur Einstellung der Arbeit aufhebt. Die Sozialdem^ kratische Arbeitsgemeinschaft schlägt eine Reihe von Abänderungen vor und will die maßgebende Bestimmung der N-uregelung so fassen, wie sie bereits von einem Reichstagsausschusse im Jahre 1915 beschlossen wurde, namltch: „Ein Verein, der bezweckt, politische Gegenstände i n Versammlungen zu erörtern (politischer Verein), mutz einen Vorstand und eine Satzung haben. Nicht als politische Vereine gelten Vereine von Berufsgenossen oder Angehörigen verschiedener Berufe und Standesvereine, auch wenn sie zur Verfolgung ihrer Zwecke politische Gegenstände in Versammlungen erörtern.* Nach moser Fcchung sollen also auch Erörterungen über rein politische Fragen, Wahlrechts- und Verfassungsangelegenheiten zugclaffen >ern. Der Ausschuß hat sich auch eingehend mit dem Sprachen- Paragraphen beschäftigt. Von verschiedenen Seiten wurde )eme Aufhebung verlangt. Da dre Regierung sich aber dagegen erklärte, würde eine solche Forderung in die Ausschußanträge nicht ausgenommen. Wohl wurde aber ein besonderer Initiativ- Gesetzentwurf beschlossen, der im Anschluß an diese Aenderung des Vereinsgcsetzes, aber nicht'im Rahmen innerhalb der Vorlage, angenommen und dann der Negierung übermittel werden soll. Abg. Gröber (Zentr.): Die Regierung würde gut hn>, die im Ausschuß abgegebene Erklärung über das Verhältnis der Schulzucht zur Disziplin 0 es Lehrhercn auch hier öffentlich abzugeben. Abg. Heine (Soz.): Es handelt sich um ein N o t g e s e tz. Der jetzige Zustand darf nicht über den Krieg hinaus dauern. Jede vereinsrechtliche Ausnahmebestimmung muß verschwinden. Die Ausrechterhaltung des Sprachenparagraphen ist ein Zeichen mangelnden Willens und mangelnder Kenntnis. Der politische Kampf mutz von einer höheren Warte aus geführt werden, nicht mit kleinlicher Verhetzung. Das gilt auch für die Absperrung der Jugend von der Politik. Das öffentliche Leben überwuchert heute alles, deshalb weg mit jedem Anachrouismus. , Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fortschr. Vp.): Warum hat inan mit der bedauerlichen Kriegspraxis auf dem Gebiet des Versammlungswesens nicht gebrochen. Ueberlasse man doch eine solche Handhabung unseren Feinden. Unsere im vorigen 'Jahre vorgeschlagene Lösung wäre besser als die jetzige gewesen. Die deklaratorische Bedeutung des Gesetzes ist auch politisch wirksam, well sie viel Verbitterung beseitigt. Mne 'Wortfassung, die jedes Mißtrauen gegen falsche Auslegung ausschließt, läßt sich nicht finden. Die Gerichte und Verwaltungsbehörden müssen begreifen lernen, daß es sich um ein V e r t r a ue n s ge s e tz gegenüber den Organisationen handelt. Die Tendenz, datz hier ein Dank für die opferfreudige Haltung der Gewerkschaften ab- gestattet wird, darf nicht verwischt werden. Die Nadelstichpolitik muß aufhören. Das Gesetz hat sich jetzt zu einem Doppelgesetz ausgewachsen. Die Anfrcchtcrhaltung der Sprachenbcstimmung ist vom Ucbei. Der Reichskanzler hat ja auch den Polen eine sclbskäiidige Entwicklung ihrer Eigenart zugesagt. Den russischen Polen kann man aber doöh nichi mehr Rechte als den Deutschen gewähren. Hier mutz die Neuorientierung ein setzen. Der Abbau mutz bald erfolgen. Die gesamte Jugend soll durchaus nicht in die Politik gezerrt werden, wie zahlreiche Eingaben cmzunehmen scheinen In Gewerkschaften sollen die Jugendlichen Aufnahme finden dürfen. Gewerkschaften bezwecken den Schutz der Beruss- arbeiter, die Jugendlichen bedürfen seiner am meisten. Exzesse Jugendlicher werden die Gewerkschaften selbst hintanhalten. Sonst bekämen sie die öffentliche Meinung gegen sich und selbst Wider- sacher in ihren eigenen Reihen. Wir haben Vertrauen zu den Ge erk schäften, darum wagen wir den Schritt. Vergeblich wäre es. die Jugendlichen vor den freien Gewerkschaften bewahren zu wollen. Die sozialdemokrattsche Werbung findet schon Wege an die Jugend heranzukommen. In die Wahlversammlungen soll die Jugend nicht hinein. (Bestall.) Abg. Zunck (Natl.): Wir st i m m e n für die Novelle zum Vereinsgesetz als einem Teil einer von uns gebilligten Gesetzgebung. In bezug auf die Jugendlichen sowie auf die Polen und die Sprachenfrage nimmt ein Teil unserer Fraktion eine abweichende Stellung ein und wird sie bei der Abstimmung zum Ausdruck bringen. Dagegen stimmen wir geschlossen gegen die sozialdemokratischen Anträge, deren Begründung wir vorausahnen, da wir sie aus dem Ausschuß kennen. Ihre Annahme würde das Gesetz gefährden. Wer das Gesetz will, darf nicht für diese Anträge stimmen. Abg. Oertel (Kons.): War es nötig, während des Krieges diese Fragen anzurühren? Die Negierungen wollten doch diese Fragen erst nach dem Kriege regeln. Soweit wir bei der Gesetzgebung mitgewirkt haben, entsprechen die Gerichtsentscheidungen unseren Auffassung gen. Aber selbst wenn man diese Entscheidungen für irrig HÄt, so liegen doch keine Gründe vor, die Sache zu regeln, da die Entscheidungen außer Kraft gesetzt werden und ähnliche nicht zu befürchten sind. Wir sehen in diesem Gesetz den ersten kleinen, vielleicht z a g'h a f t e n Schritt in die Nebelräume der sogenannten Neuorientierung hinein. Der frühere bayerische Staatsminister Dr. v. Landmann schrieb in der „Deutschen Juristen-Zeitung", die Vorlage sei ein Entgegenkommen gegenüber der Arbeiterklasse und gegenüber den größten politischen Organisationen der Sozialdemokratie, den Gewerkschaften, eine Da nkerstattung au diese Partei für ihre Haltung während des Krieges. Also: ein Entgegenkommen gegeniwer der Sozialdemokratie. (Widerspruch bei der Soz. Arb.-Gem.) Das hat der Abg. Legien selbst im „Vorwärts" geschrieben, und der ist mir in diesem Kriege eine bessere Autorität für Gewerkschaftsfragen als Sie (zu der Soz. Arb.-Gem.) in diesem Winkel. (Heiterkeit.) Es handelt sich hier um ein absichtliches Sondergefetz zugunsten aller Gewerkschaften; denn bei den Arbeitgeberorganisationen gibt es wohl keine Jugendlichen. Das Gesetz ist keine Auslegung, sondern eine erhebliche Aenderung, obgleich der Abg. Heine im Ausschuß auf dem Pferd der Deklaration herumgeritten ist. (Heiterkeit.) Auch wir sind zu einem Entgegenkommen bereit und haben es durch einen A n - trag zum Ausdruck gebracht: die Anmeldung des Vorstandes und die Einreichung der Satzungen den Gewerkschaften zu erlassen. U n sere Jugendlichen dürfen nicht sofort bestimmten Berufsvereinen, die sich mit Lohnstreitigkeiten befassen, verfallen. Die Bestimmungen der Vorlage werden weder für die Jugendlichen noch für die Gewerkschaften vom Vorteil sein. Diese Bedenken werden von Mitgliedern vieler Parteien geteilt; das deutete nicht nur der Abg. Dr. Jnnck an, sondern wir werden vielleicht solche Ansichten auch aus der Mitte der Fortschrittspartei hören; ich will keinen Namen nennen! (Heiterkeit.) Auch die „Kölnische VolkSzeitung" brachte einen Aufsatz in diesem Sinne. DaS gleiche gilt auch wohl gegenüber von den Mitgliedern der Deutschen Fraktion, soweit sie der Reichs- Partei angehören; mögen sie auch der Fraktionseinheit hier ein Opfer bringep. Landwirtschaft und Industrie teilen meine Bedenken. Die Herren vom Zentrum verweise ich vor allem aus die Entschließung des Bayerischen Landwirtfchaftsrats. (Heiter- keit.) Auch der Bund der vaterländischen Arbeitervereine steht auf diesem Standpunkt! (Zuruf bei den Soz.: Natürlich!) Ich weiß, er gilt nicht viel bei Ihnen. (Sehr richtig! bei den Soz. — Heiterkeit.) _ Die Lehrerschaft wird mit der Haltung de» Mg. Dr. Müller-Meiningen wenig einverstanden sein. Kann man den Fortbildungsschülern den Anschluß an die Gewerkschaften ver- bieten? Geht hier Reichsrecht vor Landrecht? Ich bitte »m Aufklärung, datz hier die einzelstaatlichen Bestimmungen aufrechterhalten bleiben. Geistliche beider Bekenntnisse haben sich gegen das Gesetz ausgesprochen. Das kann man nicht damit ab- tun wollen, datz sich die Leute ern „Gespenst" konstruiert hätten. Wir führen einen aussichtslosen Kamps. Das stört uns nicht. Ebensowenig stört uns, daß die Herren von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft mit ups gegen das Gesetz stimmen. Dixirmis et salvavimus animas nostros. Der erste Schritt auf der Bahn der Neuorientierung :st verhängnisvoll für die Jugend, für die Volksseele, für unsere gesamte Entwicklung und vor allen Dingen für die Aufres Erhaltung der in unserer Zeit so bitter notwendigen Autorität. Wir warnen! Wir können Sie nicht aufhalten. Aber wir gehen nicht mit! (Beifall rechts.) Wir werden auch in Zukunft wohl noch manchmal in die Lage kommen, gegen die Mehrheit des Haufes zu stimmen. Abg. Vchrens (Deutsche Fr.): Wir stimmen für die Vorlage, lehnen aber alle wciter- gehenden Anträge ab Der christliche Arbeiterkongrcß hat dte Vorlage als Ausdruck des Vertrauens der Arbeitgeber gegenüber den Arbeitern begrüßt. Das Gesetz ändert nichts an dem gegenwärtigen Zustand gegenüber den Jugendlichen. Säuglinge sollen doch in den Bernfsversammlungen nicht das Wort nehmen können. Daran werden sie die vernünftigen Arbeiter schon zu hindern wissen. Die Gewerkschaften haben in ihren Versammlungen wirklich etwas Wichtigeres zu tun. In die Schulzucht greift das Gesetz nicht ein. Wenn einzelne evangelische Synoden sich gegen das Gesetz ausgesprochen haben, so frage ich: wo bleiben die übrigen Synoden? Wo bleibt namentlich der evangelische Ober- kirchenrat? Die Bedenken können da wohl nicht allzu wichtig sein. Ministerialdirektor Lewald: Das Gesetz wird mit großer Mehrheit im Hause an- gcnommen werden. Ich möchte aber vorher noch einige Fragen beantworten. Für die Frage der S ch u l z u ch t gilt noch die Erklärung, die der Staatssekretär Dr. Delbrück 1912 abgegeben hat, wo er sagt, das Vereinsgesetz gestatte nicht, auf ihm ein schrankenloses Koalitions, recht aufzubauen; das Gesetz sei nicht geeignet, das Recht der Eltern. Vormünder, Erzieher und Lehrherren zu beeinträchtigen. Für die Schulen liegt die Sache ganz klar. Kein Polizeipräsident kann Gymnasiasten über 18 Jahre hindern, Versammlungen zu besuchen, niemand kann aber den Direktor hindern, solche Schüler in den Karzer zu stecken. Bei den Fortbildungsschulen gibt die Gewerbeordnung rrur ganz allgemeine Bestimmungen, alles weitere ist den Einzelstaaten Vorbehalten. In Preußen würden die allgemeinen Gesichtspunkte der Schuldisziplin Anwendung finden. Ich möchte aber feststellen, daß der Ausübung der Disziplinargewalt dadurch Grenzen gezogen find, datz die Schüler in erster Linie gewerbliche Arbeiter sind. Gegenüber dem Abgeordneten Dr. Oertel muß ich betonen, datz es sich um ein Derlarationsgeseh bandelt. Unter dem gegenwärtigen Rechtszustand gehören zahlreiche Personen unter 18 Jahren den Gewerkschaften an. In allen Gewerkschaften wird unzweifelhaft im Sinne der wirtschaftlichen Sozialpolitik Politik getrieben. Faßt man nun Politik in diesem Sinne auf. wie es das Oberverwaltungsgericht in feiner bekannten Entscheidung tut. so möchte ich mir mal die Gewerkschaft zeigen lassen, die hiernach nicht gegen die gesetzlichen Vorschriften verstieße. Dürfte man da den Zustand fortbestehen lassen, daß Hunderttausend« von Personen gegen ein Gesetz verstoßen, während das, was sie tun, nur dem Willen des (Äfetzgebers entspricht, wie dieser seinerzeit ausdrücklich ausgesprochen worden ist? Wieviel Jugendliche den Gewerkschaften angehören, läßt sich nicht feststellen, jedenfalls ist aber nach den vorliegenden Untersuchungen ihre Zahl recht klein, weil ihnen im allgemeinen noch das nötige Verständnis hierfür fehlt. Der Abgeordnete Oertel hat ja auch keine Bedenken dagegen gehabt, daß Jugendliche der: Gewerkschaften angehören, sondern nur dagegen, daß sie sich mit wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen befassen können. Kann denn aber nicht der Klassenhatz bei Lohnfragen in viel höherem Matze gepredigt werden? (Sehr richtig!) Die Verbündeten Regierun^n verkennen gewiß nicht die Gefahr einer Politisierung der Jugend. Dieses Gesetz trägt aber nicht dazu bei, sondern will nur verhindern, datz zu unrecht bald gegen die eine, bald gegen die andere Gewerkschaft vorgegangen wird. Die Vorlage hat in der Kommission erfteulicherweise keine Wanderung erfahren. Ich bitte Sie, auch hier den Entwurf unverändert anzunehmen. Abg. Herzfeld (Soz. A.-G.): Wir sind gegen das Gesetz, weil es uns nicht weit genug geht. Wir fordern die sofortige Beseitigung des Sprachenparagraphen. Dieses Gesetz wird den Klassenkampf nicht mildern. Es ist ein Brosamen, den man den Arbeitern hinwirft! Man ist den Gewerkschaften entgegengckommen, weil sie eine Macht im Staate geworden sind, weil sic Millionen Mitglieder und 80 Millionen Mark Vermögen baben. Der Redner tvendet sich gegen die alte sozialdemokratische Fraktion, weil sie dem Gesetz zu stimmt. Das Gesetz ist ein Ausnahmegesetz gegen die Gewerkschaften (Heiterkeit); ein Ausnahmegesetz gegen die Staatsarbeiter. Es ist ein Gesetz für „gute" Gewerkschaften. Die Regierung hat ausdrücklich erklärt, ihre Vorlage müsse Wort für Wort, Silbe für Silbe, angenommen lverden. (Ministerialdirektor Lewa Id widerspricht.) Will man die Landarbeiter weiter in der Leibeigenschaft lassen? Ihre Arbeitgeber haben sich jetzt im Kriege die Taschen mit GoE> gefüllt! Wschlagszahlungen, die nennenswert wären, hätten wir entgegengenommen. Aber durch das vorliegende Gesetz werden Drangsalierungen der Gewerkschaften nicht ausgcschaltet. Auf Antrag S e y d a (Pole) wird die Mstimmung über den Gesetzentwurf auf Aufhebung des Spracheuparagrajchen namentlich sein. Abg. v. Lasczewski (Pole) fordert die Beseitigung des Sprachenparagraphcn. Eine Acnde- ruug deö RcichSvereinSgesetzeS ohne Ausmerzung der Ausnahmc- sprachenbestimmnng reißt nur von neuem diente Wunde auf. Staatssekretär Kr. Helfferich: Im Ausschuß hat der RegierungSVertreier erklärt, daß Berufsve reine nicht lediglich deshalb für politische Vereine erklärt werden sollen, weil si- auS Reichsangehörigen nich:dcntschcr Nationalität bestehen. Damit ist festgcstellt, daß auch für deutsche Reichsangehörige polnischer Nationalität daS Gesetz immerhin eine Erleichterung bedeutet. Das kann man nur bestreiten, wenn man von vornherein den verbündeten Negrerwnaen eine lUotooJc An.sührung unterstellt. An der Beratung von JnttiatsPantrZgen pflegt sich dt« Regierung nicht zu beieüigen. Davon abzugehen sehe ich im vorliegenden Falle um so weniger Veranlassung, als die verbündeten Regierungen in den Ausschutzverhandlungen über das Vereinsgesetz, aus denen der Initiativantrag hervorgegangen ist, in der be* stimmtesten und unzweideutigsten Weise erklärt haben, datz sie in den gegenwärtigen Zeitverhältnissen über den Rahmen des vorliege u ben Gesetzentwurfs nicht hinauSgehen können. Mit besonderer Deutlichkeit ist das gerade auch gegenüber dem Antrag auf Streichung des Sprachen Paragraphen des Vereinsgesetzes erklärt worden. Die verbündeten Regierungen haben zwar geglaubt, berechtig, ten Wünschen durch eine Deklaration Rechnung tragen zu können, die eine mit den Abfichten des Gesetzgebers nicht im Einklang stehende Anwendung des Gesetzes nach Möglichkeit ausschlietzen soll. Aber sie glauben nicht, auf einem bisher immerhin bestrittenen Boden Aenderungen bestehender Gesetze vornehmen zu können, solange der Krieg von Dauer und der Friede noch nicht gesichert ist. Alle Arbeiteanspannung gehört zunächst dem Krieg, der Erkämpfung des Sieges, der Sicherstellung eines Friedens, der uns gestattet, unbehelligt von autzen unser Haus neu u bestellen und die Arbeit an der Verbesserung der LebenSver- ältnisse unseres Volkes, an der Hebung seines gesamten Lebensstandes wieder aufzunehmen. Die Neubestellung unseres Hauses wird sich vollziehen auf der Grundlage des Erlebnisses, das dieser Krieg für unser Volk und jeden einzelnen von uns bedeutet. Wer durch dieses große Erlebnis hindurchgeht, ohne es innerlich bis in alle Tiefen zu empfinden, ohne bis in alle Tiefen davon erfaßt zu werden, der hat kein Herz und keinen Verstand dafür. In dieser großen und schwierigen Zeit ist, so hoffen wir zuversichtlich, daS Bewußtsein der Staatsbürger- Pflicht, ist die Erkenntnis der Staatsnotwendigkeiten in allen Schichten deS Volkes gereift. In brüderlichem Zusammcnstehen, in der Gemeinsamkeit der Tat und der Opfer mutzte sich das gegenseitige Verhättnrs der einzelnen Berufsstände, der einzelnen Klaffen, der einzelnen Konfessionen wandeln und klären. Das gleiche erwarten wir mit Zuversicht auch für d>s Verhältnis zwischen den nicht deutschsprachlichen Teilen unserer Volksgemeinschaft und dem großen deutschen Grundstock unseres Reiches. Dem neuen Inhalt werden selb st verständlich neue Formen entsprechen müssen. Die Aufgaben, die uns hier bevorstehen, sind so umfassend und so weitschichtig, sie hängen auch so eng miteinander zusammen, daß es nicht angeht, die eine oder die andere Frage, mag sie für den einzelnen noch so wichtig und noch so brennend scheinen, getrennt für sich vorwegzunehmen und zu behandeln. Man soll die Früchte nicht pflücken, ehe sie reif sind. Daß sie gut ausreifen, liegt mit in Ihrer Hand. Sie können Vorarbeiten, ein jeder in seinem Wirkungskreis, daß unser Volk in allen Teilen das Ergebnis des Weltkrieges im rechten Geist aufnimmt, datz die Erkenntnis der Staatsnotwendigteiten, datz der Geist der Einigkeit und Brüderlichkeit, der Geist der gegenseitigen Achtung und des gegenseitigen Vertrauens in unserem Volke bis über den Krieg hinaus erhalten bleibe und Frucht trage. D as i st d er Bv den, meine Herren, auf den wir zu bauen haben werden. (Zurufe bei den Sozd.) Ich habe zu unserein Volke das Vertrauen, datz dieser Boden da sein wird. Ich habe zu unserem Voll in allen seinen Schichten den Glauben, datz nach dem Weltkrieg mehr als je jeder von dem Bewußtsein und von der Erkenntnis der ewigen Wahrheit durchdrungen sein wird, daß Rechte nur auf dem sittlichen Boden der Pflichten gedeihen können. (Beifall.) Mg. Hanssen (Däne): In Flan.dern und in Polen verteidigen Sie das Recht auf die Muttersprache, hier in Deurschland versagen Sie es uns. Bei uns in den Grenzlanden ist von Neuorientierung nichts zu spüren. Die Anwendung des Sprachenparagraphen ist noch verschärft worden, die Mttsng^^kschasten dürfen ihre Generalver- scrmmlungen nicht mehr in Krnifcher Sprache abhalten. Deshalb stehen wir der Neuorixndierung mit Mitztrauen gegenüber. Wir verlangen nur Gerechtigkeit. Abg. Kerschensteiner (ForLschr. Dp.) spricht im Gegensatz au seiner Fraktion sich gegen die Zulassung der Jugendliche» zu den Gewerkschaftsversammlungen aus. Die Heraushebung der Gewertz'chsften aus den politischen Vereinen und ihr Rechjd sich den Nachwuchs zu erziehen, erkenne ich durchaus am In d2 Versammlungen gehören aber die Jugendlichen nicht hinein. DaS glitt Dr die geschloffenen wie die öffentlichen Versammlungen. In den geschlossenen waschen sich die Mitglieder gegenseitig die Köpfe, in den öffentlichen die Kopfe anderer! (Heiterkeit^ Das geschieht nicht immer mit Rosenseife und QuemvaFer, sondern nwt Schmierseife und Spülwasser. (Erneute Heiterkeit.) Bei den Griechen imb Römern hielt man die Jugend möglichst lange vom öffentlichen Leben fern. Erst in der Zeit des Niederganges des alten Roms, als die Jünglinge ihre toga practexta schon mit dem 15. Jahre erhielten, wurde es dort anders. Wir halten unsere Jugend der höheren Schulen möglichst von den öffentlichen Versammlungen fern. Das sollte auch bei der übrigen Jugend der Fall sein. Unsere Jugend muß zur Achtung vor dem Gegner erzogen werden. Sie muß wissen, datz die rü«ffichtslose Verfolgung der eigenen Interessen das StaatSintereffe und damit .echten Endes daS eigene schädigt. Die StaatSgesinnung der Jugend leidet schweren Schaden, wenn sie schon in politische Versinnmlungen hineinkvmmcn. Die Juyerw mutz die Ideale pflegen. Vor allem gilt das für das Zentrum und die Sozialdemokraten. Wir Liberalen haben ja leider keine . . . (Zuruf b. d. Soz.: JdecÄe! Heiterkeit.) — Ideale haben wir schon, aber keine so bedeutende Jugendbewegung. In den Grundsätzen fnü> der Abgeordnete MMer-Meiningen und ich vollkommen einig; er braucht sich also nicht zu bessern — wenigstens nicht in dieser Beziehung. (Große Heiterkeit.) Eö wird eine Zeit kommen, wo wir an den Zauberlehrling erinnert werden und die Geister, die wir gerufen, nicht mehr bannen können. (Beifall rechts.) Abg. Schulz-Erfurt (Soz.): Der Widerstand der Rechten beweist, daß der Gesetzentwurf auf dem richtigen Weg ist. Ohne Versammlrrngen kann man die Jugendlichen nicht gewinnen. Der jugendliche Arbeiter muh die Zusammenhang- de? dkvbeft-prozesseS so früh wie möglich erkennen lernen. Unsere Kinder werden auch weiterhin sozialistisch-proletarisch erzogen werben. Das lassen wir uns nicht nehmen. Abg. Miller-Meiningen (Fr. BP.) als Mrtberichterstatter: Der § 17 wird nicht aus ge hoben, sondern interpretiert. 1908 haben wir die Gewerkschaften für nicht politisch gehalten. DaS beweisen die AusftchrnngS6estimmungen z. B. der bayerischen Regierung. Jetzt wird gegenüber der bisherigen unrichtigen Praxis der Begriff der Gewerkschaften authentisch abgegrenzt. Zn öffentlichen Versammlungen haben Jugendliche keinen Zutritt. auch über wirffchafMch-sogiale Fragen nicht. Alle pädagogischen Befürchtungen fallen also zusammen. Abg. Dode (F. Dp.)': Mein Freund Kexfchoystoiner hat nicht als Politiker, sondern als P äd a g o $ e gsftiwchen. Abg. Sirckthagnr (Soz. Arb.-Gem.): Wir fmfc gegen die Giftzahne, die die Vorlage birgt. Wg. <5h»f Wostnrp (korrs.): Der Anshsb^g des Sprachenparagraphen können wir nicht zustimmen. Alle diese Fragen müssen nach dem Kriege einheitlich geregelt werden. Die Aussprache schließt. Die Anträge der sozialdemokratischen Arbe itsgemeinschaft werden gegen die Antragsteller und die Polen abgelehnt. Für den konservativen Antrag, wonach die Gewerkschaften nicht verpflichtet sein sollen, den Vorstand anzumelden und die Satzung einzureichen, stimmen nur die Antragsteller. Die Vorlage wird darauf in zweiter Lesung angenommen, ebenso auf Antrag des Abgcord- netenDr. Spahn (Zentr.) indritter Lesung. Dagegen stimmten die Konservativen, die Reichspartei und du Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft. Tie Entschließungen deS Ausschusses wurden angenommen. Die namentliche Abstimmung über den Jnitiativgesetzentwurf, wonach der Sprachcnparagraph gestrichen werden soll, wird zurück^ gestellt. Die dritte Lesung der Kriegssteuern. Auf der Tagesordnung stehen weiter sämtliche Steuergesctze, nämlich die & r i e g § ft c u e r , der Warenumsatz st empel. die Erhöhung der Tabakabgaben, die Reichsabgabe zu den Po st- und Telegraphengebühren, der Frachturkundenstempel. Abg. Scheidemann (Soz.): Tie sozialdemokratische Fraktion kann neuen Belastungen, durch die in erster Linie die' Masse der kleinen Geschäftsleute und Arbeiter belastet werden, nicht zustimmen. Durch die steuerliche- Belastung ist heute schon die Lebenshaltung des Volkes erschwert. Die Ablehnung von Verbrauchs- und Verkehrsabgaben ist heute Pflicht, weil sonst die Massen in ihrer Existenz gefährdet sind. Wir lehnen die Erhöhung der Tabakbesteuerung, ebenso die Verkehrssteuern als den wirtschaftlichen Interessen der Verbraucher und der Wiederbelebung unserer Volkswirtschaft schädlich ab. Die für die Ausgleichung des bisherigen Haushalts nötigen Mittel hätten ohne neue Steuern durch schärfere Belastung des Besitzes beschafft werden können. Das deutsche Volk wird aus der ersten Krieas- finanzreform seine Lehren ziehen und für eine entsprechende Vertretung im De Aschen Reichstag sorgen. Abg. Haasc (Soz. A.-G.): Wir stehen einem festen Block der bürgerlichen Parteien gegenüber, der die von der Negierung vorgcschlagene Belastung des Verkehrs und Verbrauchs durch die Ausgestaltung des Warenumsatz,'temvels noch gewaltsam vermehrt hat. Tie sozialdemokratischen Anträge dagegen wurden abgelehnt. Das jetzige Kriegssteuergesctz hat zum Zmeck oder mitieibor zur Folge, eine wirkliche Kriegsgewinnsteuer zu vereiteln, es ist ein Feigenblatt zur Verdeckung der Belastung des Volkes. Die Kompro- mißparteien die dem L-teuerwcrk den Stempel ihres Klassengeistes aufgedrückt haben, müssen es verantworten. Wir lehnen die Steuern ab. Weitere Wortmeldungen lagen nicht vor. Ta sich niemand mehr ziim Worte gemeldet hatte, fand auch eine Einzelaussprache nicht statr. Abg. Bnssermanu (nl.) beantragt, das Krügsstcuergesetz cn bloc anzunehmen, vorbehaltlich der namentlichen G'c s a m t'a b st i in m.u n g. Das Gesetz wird en bloc angenommen. D i e anderen Steuervorlagen werden ohne Aussprache angenommen. Namentliche Abstimmungen. Darauf finden namentliche A b st i m m u n g e n statt. Zunächst wird über das K r i e g s st e u e r g e s e tz namentlich abgestimmt. Es wird Mit 312 gegen 24 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. Dagegen stimmten mit der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft die konservativen Abgeordneten Graf Westarp, v. Hchdebrand, v. Bonin, Gotischalk, v. Böhlendorf-Kölpin. Die namentliche Abstimmung über den Jnitiativgesetzentwurf des Ausschusses, wonach der Svrachenparagraph im Vereinsgesetz gestrichen werden soll, ergibt dessen Annahme mit 265 gegen 74 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Dagegen stimmten die Konservativen, die Reichspartei, einige Nationalliberale und einige Mitglieder des Zentrum?. Auf Antrag des Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fortschr. Vp.) wird sogleich die dritte Lesung vorgenommen. Abg. Sehda (Pole): Durch die Abstimmung hat das Haus zum zweitenmal während dek Krieges seinem Verlangen Ausdruck gegeben, den unglückseligen Sprachenparagraphen zu beseitigen und zwar sofort und nicht erst nach dem Kriege. Trotz der abweisenden Haltung des Staatssekretärs des Inneren glauben wir der Erwartung Ausdruck geben zu dürfen, daß die verbündeten Regierungen diesem wiederholten Beschlüsse des Reichstags bei nochmaliger Erwägung der Verhältnisse Folge geben werden. Sollte es nicht der Fall sein, so würde man dann eine unbegreifliche Nichtachtung gegenüber Beschlüssen des Reichstags erblicken müssen. Die polnische Bevölkerung müßte aber daraus den Schluß ziehen, daß die verbündeten Negierungen in Wirklichkeit eine Aenderung der Verhältnisse nicht haben wollen, daß eS nach dem Kriege beim alten bleiben wird, und baß es heißen wird: der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen! Darauf wirb das Gesetz in dritter Lesung angenommen. Sic dritte Lesung des Nals. Am Tische des BundeSrats ist der Reichskanzler v. Bethman« Hollweg erschienen, mit ihm außer dem Staatssekretär Dr. Helsferich, der schon zu Beginn 'der Sitzung anwesend war. die Staatssekretäre v. Jagow, Kraetkc, Graf Roedern, LiSco. ferner v. Langermann, Havenstein. Wahn- schaffe. Reichsfanzier v. Bethmann Hollweg: Der Reichstag hat soeben mit großer Mehrheit die Steuern bewilligt, die das Reich bedarf, um auch im Kriege eine geordnete Finanzwirtschaff fortzusühren. Der Reichstag hat sich damit den Dank der Nation verdient und unseren Feinden gezeigt, datz wir auf allen Gebieten bereit und willens find, auszuhalten. Ich habe die Ehre, namens der verbündeten Regierungen diesen Dank hier abzustatten. (Beifall.) Ich will an diese Worte deS DankeS einige allgemeine Bemerkungen anknüpfen. Vor einem halben Jahre, am 9. Dezember, habe ich zum ersten Male auf Grund unserer militärischen Lage von unserer Friedensbereit- schaft gesprochen. Ich konnte das tun in der Zuversicht, daß sich die Kriegslage weiter verbessern würde. Die Entwicklung hat uns^e Zuversicht bestätigt. (Beifall.) Weitere Fortschritte sind gemacht. Auf allen Fronten sind wir noch stärker geworden. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich bei dieser Entwicklung damals aussprechen konnte, daß wir bereit zum Frieden wären, so habe ich das nicht zu bedauern, auch wenn unser Angebot beim Feinde keinen Erfolg gehabt hat. In der kritischen Zeit vom Juli 1614 war eS die Aufgabe eines jeden vor Gott, vor dem Vaterland« und vor seinem Gewissen verantwortungsvollen Staatsmannes, nichts ungeschehen zu lassen, was in Ehren den Frieden erhalten konnte. (Beifall.) Ebenso haben wir nach erfolgter Abwehr unserer Feinde nichts unversucht lassen wollen, was geeignet war, die großen Erschütterungen Europas noch mitten in diesem Kriege abzukürzen. Später habe ich einem amerikanischen Journalisten gc'agt. daß Friede nsverhandlungcn ibr Ziel nur erreichen könnten, wenn sic von den. Staatsmännern der krieg, führenden Länder geführt würden aus Grund der Kriegslage, wie sie die Kriegskartc zeigt. Von der anderen Seite ist daS zurück- gewiesen worden. Man hoffte, die Kriegskarte noch zu verbessern. Inzwischen har sich die Kriegskartc verändert, zu unseren Gunsten. (Beifall.) Wir haben die Uebcrgabe der englischen Ürrnw von K u t c l Amara, die Niederlage und die gewaltigen Verluste der Franzosen vor Verdun, das Scheitern der russischen Märzoffensive. den gewaltigen V o r - bruch der ö st erreichisch -ungarischen Truppen gegen Italien (stürmischer Beifall), die Sicherung der Linie vor Saloniki, und in diesen Tagen haben wir mit jubelndem und dankbarem Herzen die Seeschlacht am Skagerrak erlebt. (Brausender Beifall.) So ist die Kriegskarte inzwischen anders geworden. Unsere Feinde wollen auch weiterhin die Augen hiervor verschließen. (Mit er- hoben er Stimme:) Dann müssen.'dann werden und dann wollen wir weiterkämpfen bis zum endgültigen Siege! (Stürmischer Beifall.) W i r haben das Ur. fttgc getan, um den Frieden an- z u b a h n e n. (Zustimmung.) Unsere Feinde haben uns mit Spott und Hohn zurückgewiescn. (Erneute Zustimmung.) Jedes FriedenSgespräch, da? wir jetzt beginnen würden, ist nichtig und nicht zu seinem Ziele führend. (Lebhafte Zustimmung.) Verschiedene Staatsmänner in England und auch anderswo haben den Versuch unternommen, unserem Volke an den Puls zu. fühlen und durch partikularistische und innerpoliti/che Gcgensnye unsere Schlagkraft zu lähmen. Diese Herren leben in merkwürdigen Vorstellungen. Wenn sie sich nicht selbst täuschen wollen, müssen sie selbst dabei l>emerkt haben, wie fest der Herzschlag de? deutschen Volkes ist. (Lebhafte Znstimmung.) ES gibt keine Einwirkung von außen her. die unsere Einigkeit irgendwie erschüttern könnte. (Stürmischer Beifall.) Gewiß, meine Herren, auch wir haben unsere Meinungsverschiedenheiten. Wir haben eingehend» Auseinandersetzungen in der Kommission gehabt, wir haben starke Differenzen, namentlich in der U-Boot-Frage und in unseren Beziehungen zu Amerika gehabt, die Ansichten sind schroff aufeinandergestoßen. 2lber ich kann und will es hier feststellen, daß in diesen Verhandlungen von allen Seiten die gegenseitige Heberzeugung und Absicht geachtet worden ist. Die Verhandlungen sind immer auf sachlichem Boden geblieben. (Zustimmung.) Meine Herren, unsrevcrtraulichcnAuSsprackcn in der Kam m i s s i o » haben das Bedürfnis nach einer Orient. l'chen Aussprache nicht befriedigen können. Welche Gründe uns abhalten, der breiten Ocffentlichkeit alle die Aufklärungen zu geben, die sie wünscht, wissen Sie. Ich glaube, wir waren in der Kommission mit wenigen Ausnahmen einig darüber, daß eine Erörte. rung dieser Frage vor der breiten Oeffentlichkeit, wenn sie den Gegenstand erschöpfen sollte, das Land schädigen würde. (Zustimmung.) Davon kann ich nicht abweichen. Allerdings, meine Herren, wünsche auch ich die Zeit herbei, wo die Zensur mit allen ihren Beschränkungen und Belästigungen, die nun einmal untrennbar mit ihr verbunden sind, ihr Ende erreicht hat. Ich will die Zensurdebatte von neulich nicht wieder neu beleben. Ich glaube nicht, daß der vorige Mittwoch im Lande den Ein- druck eines sehr erhebenden Tages hervorgerufen hat. (Sehr richtig!) Nur einige wenige Worte will ich sagen. Für jeden von uns gab eS nur ein Ziel, nämlich den Krieg zu einem siegreichen Ende zu führen. Und nur unter diesem Gesichtspunkt soll auch die Zensur arbeiten, mag es sich um militärische oder politische Dinge handeln. Ich werde dahin wirken, daß in solchen politischen Angelegenheiten, die nur los« mit der Kriegsführung Zusammenhängen, der Zenforstift sv wenig wie irgend möglich angewendet wird. (Beifall.) Die Presse, die trotz aller Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten in dieser ernsten Zeit ihre schwere Aufgabe mit Pflichtgefühl auffatzt und erfüllt, sie soll in gerechter und unparteiischer Würdigung ihrer Ziele nach meinem Willen so wenig Fesseln empfinden wie irgend möglich. (Beifall.) Das Bestehen der Pressezensur hat einen sehr bedauerlichen Mißstand hervorgerufen, über den ich einige Worte sprechen muß. Ich meine, die Treibereien mit offenen und geheimen Denkschriften, die teils anonym, teils mit Namen in Umlauf gebrach t sind. (Zustimmung links und im Zentr.) In Hunderten von Exemplaren ist dieser Tage ein anonymes Heft verbreitet worden, das in de^ Pamphletliteratur, soweit sie mir bekannt ist, an erster Stelle marschiert. (Erneute lebhafte Zustimmung lins und im Zentr.) In diesem Heft finden Sie, mit der Miene des besorg, ten Patrioten dorgetragen, Dinge auS der diplomatischen Vorgeschichte dek Krieges, die eine freie Erfindung, eine Kette von Unrichtigkeiten und Entstellungen des wahren Sachverhaltes find. (Lebhaftes Hört! Hört! links.) Nur ein paar Beispiele. Dieser Mann wagt ek zu schreiben, daß der deutsche Reichskanzler nahe am Zusammenbrechen gewesen sei, als ihm der englische Botschafter den Abbruch der Beziehungen mitgeteilt habe. Natürlich braucht der Schreiber dieses HefteL daS historische Faktum nicht zu wissen, daß der Abbruch der Beziehungen bereits einige Stunden vorher in einer llnterrÄmng erfolgt war, die der englische Botschafter mit Herrn v. Jagow, der in meinem Aufträge handelte, batte. Der Schreiber braucht nicht zu wissen, daß meine Unterredung mit Sir Edward Goschen, die er im Auge hat, der Abschiedsbesuch war. den mir der britische Botschafter machte, und er braucht nicht zu wissen — er kennt nur die englischen Quellen, die ihm gut genug sind, um den deutschen Reichskanzler zu verleumden — (Bewegung. — Lebhaftes Hört! hört! links und im Zentrum) — daß Sir Edward Goschen bei dieser Unterredung innerlich so erschüttert war, datz ich, weil es sich um einen persönlichen und menschlichen Vorgang bandelte, aus natürlichem Anstandsgefühl es unterlassen habe, jemals öffentlich davon zu sprechen. (Lebh. Hort! Hört! links und im Zentr.) Aber das patzte eben in das Bild: Schwäche des Reichskanzlers! Erstunken und erlogen ist es. (Lauter Beifall links und im Zentrum.) Weiter heißt es in dem Heft aus der Gcheimgeschichte der letzten Wehrvorlage, ich sei der Mann, der sich mit Händen und Füßen gegen di« Wehrvorlage gesträubt hat. (Lachen links und rm Zentrum.) Ich rate dem Schreiber dieser Schrift, sich cm den damaligen Kriegs- minister General v. Heeringen zu wenden. Ich weiß zwar nicht, ob es dem Geneval v. Heeringen, den wohl das ganze Haus vrn als einen geraden und aufrichtigen Ddann und Soldaten fecri, aHbi^ MA ^ »ft r! xt trtx fleeT*» «S«t e-i » z^n lassen. (Lebhafte Zustimmung links mrd im Zentrums JederrftrllL wird GeseroL v. Heering«, bestätigen» daß ich es ge- Wesen bin, der beidieserWehrvorlage für jede Ber- »eh^nag der Armee en^etreten ist, dcch ich eS war, der jeLe Forderung des .Kriegsministers bis auf den letzten Mann vertreten hat. (Hört! Hort! links und im Zentrum,) Dann die Behauptung, daß wir Japan vor Kriegsausbruch durch eine große Anleihe auf unsere Seite ziehen wollten. A5le^s P-Ha n ta siege bi?de! So geht es weiter durch das ganze Heft. Lasten Sie mich noch eine der widerwär- ti{tfte n Be hnnptungen näher belen chten. Ich werde beschuldigt, ich hätte entgegen dem milikarifcheu Votum iw« Mobilm ach u »gSbefehl um drei kostbare Tage verzögert, die uns nicht nur einen Teil des Elsaß, sondern Strome von Blut gekostet hätten, und ich hätte das rechtzeitige Losschlagen unter dem Einfluß meiner alten Verständigungsideen mit England vereitelt. Ja, meine Herren, diese Versuche. mich mit England zu verständigen, ich weiß, sie sollen mein Kapitalverbrechen sein. Ich habe darüber schon einmal ausführlich im Reichstag gesprochen. Aber weil falsche Anschauungen darüber immer weiter in dag Volk getragen werden, halte ich mich verpflichtet, es noch einmal zu tun. Wie war die Lage? England, Frankreich und Rußland waren gegen Deutschland durch eine Alliance eng miteinander verbünd«-,; in Frankreich eine starke Revanchepartei. in Rußland einflußreiche expansive, zum Krieg treibende Kräfte. Frankreich und Rußland konnten nur in Schach gehalten werden, wenn cS gelang, ihnen die Hoffnung auf England zu nehmen. (Lebhafte Zustimmung links.) Dann hätten sie sich nie iu einen Krieg gewagt. (Erneute Zustimmung.) Wollte ich gegen den Krieg arbeiten, und das habe ich allerding^S getan (Stürmischer Beifall und Händeklatschen links und im Zentr.), dann mußte ich versuchen, mit England zu einer Verständigung zu kommen, die die KrieIsparteie» in Frankreich und Rußland niederhiett. (Beifall links und im Zentrum.) Ich mußte das doch tun gegen- Wer den mir. wie irgendeinem anderen, bekannten deutschfeind- üche« Tendenzen der englischen Ginkreifungspslitiker. Ich habe de» «ersuch gemacht and schäme mich seiner nicht, auch warn er nicht geglückt >ist. Wer als Zeuge dieser bald zwei Jach re dauernden Wcltkatastrophe mir d az aus ein Verbre che n mach't, der mag seine Anklage vor Gott vertreten. (Große Bewegung und ftÄMrifther Beifall links und im Zentrum.) Ich sehe der Ent- schcld^g mit Ruhe entgegen. (Beifall.) D'i ef e B e c st'ä rrdä gm ngsver suche — was haben denn - die »kt' unserer Mobilmachung zu tun? Nichts, gar nichts! Ich soll die Mobilmachung um drei Tage verzögert haben! Weiß denn der Mann, der die Anklage gegen mich schleudert, ich sei wegen Verzögerung der Mobilmachung schuld an den Strömen des Mutes unseres Vccktts, weiß denn dieser Mann nicht, daß wir während dieser drei Tage fieberhaft gearbeitet habe» cm einer Verftrmdigung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, und daß es gerade unser Kaiser war. dem es am Herzen lag, seinem Volke den Frieden zu erhalten und der in diesen Lagen in unausgesetztem Depeschen- v-erKechr mit d-em Zaren stand? Und sieht der Mann nicht, was doch vor öfter Augen liegt, daß, wenn wir diese drei Tage früher die Mobilmachung erklärt hätten, wir die B lutsch»l d auf uns geladen hätten, die Rußland auf sich geladen hat (Erneute große Bewegung und stürm. Beif. link« u. i. Zentr.). indem Rußland während der schwebenden Verhandlungen, die guten Erfolg versprachen, entgegen den heiligen uns gemachten Versprechungen seinerseits mobilisierte? (Sehr richtig!) D«d der Ma««, der so die Geschichte fälscht, der nimmt stch Heran«, Mer mich g« Gerücht zu ffycn und tut fof Im 'Samen einer v i e der deutschen BiSmarckrunde (Hört! hört! links u. i. Zmrtr,). Der Kanzler fährt mit erhobener Stimme fort: Herunter mit der MaSke, damit man sieht, wer sie trägt! (Demonstrativer, sturm. Beif. und lebh. Händeklatschen links und im Zentr.), der es wagt, den Namen Bismarck in dieser s chtv ersten Zeit des deutschen Volkes mit niedrigen Verhetzungen un'd Verleumdungen zu mißbrauchen! (Erneute Zustimmung.) Ein anderes Heft, der Verfasser trägt einen Namen von gutem Klang. (Hört! hört! links.) Es ist d^r General- la n d schaf t sd i reckt o r Kapp (Hört! hört! links und im Zentrum), sagt, die von mir ausgegebene P-arÄe der Einigkeit fange an, bei uns dieselbe unglückliche Rolle zu spielen wie einst 1806 das nach Jena gefallene staatsverräterische Wort: , „Ruhe ist die oberste Bürgerpflicht." Woistheute das Jena? Hat der Herr nicht das Gefühl, daß er unsere große Zeit herniederzieht, indem er das Wort Jena ausspricht (Sehr gut! links und im Zentr.) Und woher nimmt er die Stirn, mich -als st.a a t sw e r rä't erisch zu brandmarken, weil ich in diesem Kampf um alles nichts als ein einiges Deutschland sche? (LÄh. Beif. links und im Zentr.) Meine Herren, es ist bitter, die Lügen im Ausland abzuwehren, zuwider ist es, wenn Schmächunigen und Verleumdungen in der Hei. ma t a u-ft t ecke n. (Mit erhobener Stimme:) J°ch nechan e den Kampf dagegen auf (Stürmischer Beffsll links und im Zentrum), ich werde ihn durchfechten. M. H., nicht meine Person ist in Frage; was hat der einzelne zu sagen in dieser Zejt, wo draußen die ganze waffenfähige Mannschaft Deüffchlands tagtäglich dem Tode ins Auge sieht? (Sehr wahr! Irrrks und im Zentrum.) Nein, nicht die Person, die Sache des Vaterlandes ist es, die Schaden leidet, wenn in systematischer Weise unter großem Aufwand von Kosten und geduldiger Druckerschwärze Verleumdungen und Irr- tümer durch das Volk getra ge n werden. (Zustimmung links und im Zentrum). Und so auffällig es sein mag, daß ich hrer Ihre Zeit in Anspruch genommen habe mit der Besprechung von anonymen, zum Teil auch von nicht anonymen Broschüren — meine Pflicht ist c5, für das Vaterland cinzutreten und dagegen zu wirken, daß das'Volk derg i-ft et werde. (Lebh. Beifall links und im Zentrum.) Ich weiß, meine Herren, keine Partei in diesem Hause billigt Hetzereien, die mit Unwahrheit oder mit Verleumdung arbeiten. Aber die Piraten der öffentlichen Meinung treiben leider häufig Mißbrauch mit der Flagge der nationalen Ehre. (Zustimmung.) Mich greifen sie an als einen Verächter der großen und starken nationalen Traditionen, auf die die alten Parteien dieses Hauses mit Recht stolz sind, und zum Beweise wird angeführt, daß ich mit den Sozialdemokraten liebäugle und die Flaumscher begünstige. Immer wieder heißt es: der Reichskanzler stützt sich ja auf niemand anderen mehr als auf die Sozialdemokraten und auf einige persönlich einflußlose Pazifisten. Meine Herren, soll ich in diesem Krieg, in dem es nur Deutsche gibt, mich an Parteien halten? (Lebyafte-5 Sehr gut!) Meine Herren, ich weiß sehr wohl, die Unterscheidung zwischen nationalen und andreren Parteien hat in der Politik vor dem Kriege eine bedeutende Rolle gespielt. Aber, meine Herren, die schönste Frucht, die dieser Krieg uns im Innern bringen kann, wird es doch sein, wenn wir diese Unterscheidung ein. für allemal zum alten Eisen legen können. .(Stürm, anhaltender Beifall, Händeklatschen links), weil die Sache der Nation eben einfach sekbswerftändüch ist. (Beifall.) Meine Herren, meine Hoffnung hierauf ist unerschütterlich trotz der Herren um Herrn Liebknecht. NK bene» wfttz dos Nvy nach tzem Krkeye aSveHm-. WunrfHM der Soz. A.-G.: Warten Sie abl) Wir werden Parteikampfe muh nach dem Kriege bekommen, so schwer, vielleicht sHAwrer als früher. Es wird eine neue, es wird eine andere Zeit sein, mit neuen geistigen Bewegungen, mit neuen soziale» Ansprüchen (Sehr richtig!), mit neuen Forderungen. Die Zeit wird kommen. Wir werden auch diesen Kampf führe«. Skber. meine Herren, wollen wir sie denn vergiften, indem wir immer wieder mit dem alte» Schematismus, mit den alten Theoremen von nationalen und anti« nationalen Parteien arbeiten? (Sehr richtig! und Verfall.) Meine Herren, ich sehe d re ganrze Nation t« Heldengröhe um ihre 8 u fünft kämpfe». Unsere Brüder, unsere Sohne, in treuer Kameradschaft kämpfen und sterben sie miteinander. Da ist hei allen die gleiche Liebe zur Heimat. Ob nun die Heimat Reichtum umschließt oder nur die Stätte ist, die das Leben fristet, nur diese heiligeFIamme d e r H e i m a t k l i e b e ist es, die die Herzen stahlt, daß sie tagtäglich in tausendfältigen Gefahren dem Tode trotzen und den Tod erleiden. Meine Herren, eS gehört doch ein vertrocknetes Herz dazu, um sich dem erdrückenden Eindruck von der Größe und von der Urkraft dieses Volkes zu entziehen (Sehr gut!) und sich der heißesten Liebe zu diesem Volke erwehren zu könne». (Lebhafter Beifall.) Meine Herren, da soll ich trennen? Da soll ich nicht einigen? (Bewegung.) Da soll Sorge und Angst um die Kampfe der Zukunft die Kraft lähmen, die wir brauchen für den Kampf in der Gegenwart? (Sehr gut!) Nein, meine Herren, der Glaubean mein VolkunddieLiebezu meinem Volke geben mir die feste Zuversicht, daß wir kamp-fen und siegen werden, wie wir bisher gekämpft und gesiegt haben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen links und im Zentrum.) Meine Herren, ich werde schließen. Unsere Feinde wollen es zum äußer sten treiben. Wir fürchten nicht Tod und Teufel, auch nicht den H u ng t r-t t n f ei, den sie uns ins Land schicken wollen. Die Männer, die um Verdun kämpfen, die Männer, die unter Hindenburg fechten, und unsere stolzen Blaujacken, die e§ Albion gezeigt haben, wie die Ratten beißen (Sehr gut! und Beifall), die sind von einem Ge. schlecht gezeugt, das auch Entbehrungen zu tragen weiß. Diese Entbehrungen, ich sage das frei und offen heraus, auch dem Ausland gegenüber, sind da. Aber wir tragen sie. Und auch da geht der Kampf vorwärts. Unter dem Segen des Himmels reift eine gute Ernte entgegen. Die Verhältnisse werden nicht schiechter, sie werden bester als im vorigen schlechten Erntejahr. (Beifatl.) Die Rechnung der Feinde auf unsere wirk- schaftlichen Schwierigkeit en trügt. Ern Errmpel mit großen Zahlen hat unsere junge Marine am 1. Juni stark korrigiert. Auch dieser Sieg wird und nicht ruhmredig machen. Wir wissen, England ist damit noch nicht besiegt, nicht geschlagen. AB er dieser Sieg ist ein Wahr^zeiche-n für unsere Zukunft, einer Zukunft, in der sich Deutschland die Gleichberechtigung auch auf dem Meere erkämpft uu5> damit auch den kleineren Völkern die dauernde Freiheit der jetzt durch die englische Alleinherrschaft abgeschlostenen Seewege erficht. (Beifall.) Das, meine Herren, ist das helle und verheißungsvolle Lücht, das der 1. Juni i'n unsere Zukunft wärst. (Stürmischer, wiederholter Beifall und Händeklatschen im Zentrum, bei der Fortschrittspartei einem Teile der Nationakliberalen und Soz. nutz auf den Tribünen.) Das Haus ve r i die WeiterberaiungonfDttnllttig, 11 Uhr. Vorher Anfragen, Petitionen und Antrag auf Vertagung de» Reichstags. Schluß 6 ttffc. . 8arl Ernst KstoM. Zum 00. Gebürtstage am 6. Juni 1916. Bon Hans Otto Becker. Mitten in den Stürmen des Weltkrieges, einer Katastrophe sondergleichen, ovftendet ein Dichter des beschaulich-feierlichen stiften Lebens sein 60. Lebeusja.hr. Wohl uns, daß wir mitten im Toben des Kampfes um die Weltgeltung unserer Größen auf dem Gebiet der Kultur und Kim st gedenken kömren und dürfen! Unser hessischer Landsmann - K a r l Ernst Knodt hat sich weit über die Grenzen der Heimat hinaus in allen deutschen Landen Fremrde gewonnen, die heute gern au seinen: Wiegenfeste seiner gedenken. Seinem Leben und Schaffen seien die folgenden Zeilen gewinnet. Knvdt ist am 6. Juni 1856 im rheinheffischen Dorf Eppelsheim geboren, das der asien VöNerstadt Alzey benachbart in lauter Weinbergen versteckt liegt: dort war sein Vater Pfarrer, Karl Ernst der vierte von fünf Söhnen. Wie mancher Pstrrrers-- söhn, wurde er dom Vattr bis z-ur Uuter-Seßanda vorbereitet^ woraus er die Gymnasien in Darmstadt und Büdingen befurchte. 1975 begann er das Studium der Theologie in Straßchurg, wo er auch 1878 das Examen bestand: ein Jahr studierte er in Utrecht. Nach dem Befisch des Predigerseminars in Friedberg wurde er 1880 als Diakonns in Gernsheim ttugefieftt. Von 1882—1904 war Knodt Pfarrer in dem. tneltsernen Odenwalddörfchen Ober- Klftrgen am Otzberg, bis ihn ein Leihen zwang, den Pfarrdienst anfzngeben. Seitdem tvvhnt Modt in Benschmm, wo ihm Professor Metzendorff, unser berüharbsr Bamneifter, ein reizvolles- LmrdhAGchen, em wckchres Weinod unstmer heimlichen Baukunst, errichtet hat. - B« in Ober-Minden das Pfarrchans, hat sich in BonShsim das Xu&fribam des Dichters gor mairchem Gast schon er- schkssien, den Freunden dvs Mvifters, jungen litersrrschen Kollegen, die bei ihm Förderung suchen, wie den bedeutend^« Be r tret en c der zeitgenäffischen Kunst. Me ersten Gedichte Knvdts entstanden unter dem Eindruck der hyWänzischen Landschaft, unter dem wehmütigen Reiz ihrer Heide, utrfcex der schweren und schwermütigen StinMUMg der daatigen Luft, der eine heiße Sehnßucht nach Sonne und noch dem Land der Sonne, die alle Sehnsucht stillt, sich entrang. Diese Sehnsucht ist die Seele aller späteren Gesän«! des Dichttrs. Sie reifte larlgsam, den Künstler läuternd, dessen Aahrfprnch jenes Wort seines verewigten Freundes, des Prinzen Emil vmr S chve n- aich-Carolath, geworden: „Reine Liebe sättigt im Grunde ciu Herz, das Gott init einiger Sehnsucht schlug." Lap-ge hat der Dichter „in seiner Walbecke", in den herrlichen Wwlberrr von Ober-Klingen geträumt und feem Ramschen und Rannen des Odenwalds gelauscht. Und was zn ihm der ehrwürdige, heilige Wald in ewigen Worten und Weisen gesprochen, das fvrnrte der Dichter in feinet selten schönen Sprache zu Berse» von tiefem Gehaßt und klrngpokler Form. „Der Waldpfarrer" heiht darum Kwovt. Ewigkeftswerte hat der Lyriker geschaiffen; er wies der wligiSfen Dichtung ganz neue Wege, aus denwr zn pilgern für den Lefer ei» hoher, reiner Genuß. Kuodt vereinigt in sich üäc Elemente des geistigen Lebens^ Natur und Kunst, Knttur ,rnd Nissen. Gr bringt in Einklang Geist und Religion. Seme Lyrik ist fvoi vvn kanfess«-- netlen Schranken und geht zurück «tf eine rein chrtsUi«t>e Reftgion der Weisheit, Wcrhrheit, Schönheit. Doch dabei ist Knodt ein durchaus nroderirer Mensch, dfr den Stimrnew seiner Zeit gelauscht hat und der wei^ und versteht, w»s der Mensch der Gegnurart fühlt und denkt, hofft und sclMt. Er hat der irrenden Soeke den Weg gewiesen, den sie gehen muß. Kiwdt trat edva «erzigjährig an die OefsQktLchkeit, als die erster! scheuen .Mnber seiner Muse ans der StMe des Odenwald- dörfchens den SchE in die AM wagten. Danach tvat er mit -abgeschlossener, geklärter Weltanschauung hervor, im besten Mter des Mannes. _ Wenn er verhältnismäßig spät in der literarischen Welt erschien, so ist er bchür aber auch jung geblieben, kein Erlahmen seiner Kraft und Kunst -läßt sich spüren — er ist jung geblieben mit den Jungerr! In den schweren Tagen des Weltkriegs mit ihrem Leid und ihrer Not \ynt Knodts Dichtkunst numchem schon Trost und Kraft gespendet. Er selber hat den .Krieg^ spüren müssen — sein Sohn ward schwer verwundet, sein Pflegesohn siel auf französischer Erde. Dem Toten widmete er das Requiem „Ich halt' einen Kameraden": er klagt wohl um ihn, aber er schöpft doch wieder Zuversicht und Kraft. Und Ktwdts „Kriegsgebet", ..Zu dir heb' ich die Hände", gehört MM besten, was die Kriegstitevaitur geschaffen: von Fritz Könnecke vertont, wird es Vvn vielen Tausenden von Kindern ge- stmgen' auch wir hoffen, daß die Bitte, irm den „Sieg zur rechten Zeit" Erftlllung filmen möge. Knobts Lebenswerk ist schon reich. Außer einem Prosabuch „Fonte s melusinae“ schenkte er uns die Gedickstbücher „Aus meiner Waldecke", „Aus aÄen AugenMcken meines Lebens", „Wir sind die Sehnsucht", „Ern Dvn vom Tode und ein Lied vom Leben", „Bon Sehnsucht, Schönheit, Wahrheit", „Mlerleirauch", „Br>m Ruder-Tod". Eine wn Knodt gesmmnelte Äutlwlogie „Tie Gott sckchen" ist eine lebendige, poetische Literaturgeschichte. Zum 60. Geburtstag des Tftlfters ließ der Verlag MMler und Fröhlich, München, einen Ansleseband ans aller Lyrik Kwodts „L i ch t l e t u s i nd wir" mb das neue Buch „Lösungen und Erlö- sung-cn" erschein«, während eine literarische Eharakterftizzei »on Richard Kn res, einem rasch bekannt gewordenen jungen SchriftsteNer, in Knodts Leben und Wirken ernführt. LHWisner Tod. (Zum 100. Todestag von Goethes Fvau, 6. Juni.) Unter den Frmrenbildern, die um Goethe stehen, itric ein Kranz von Sterne» um chre Svune, erscheint Goethes Frau in. einem bescheidner«!, blässeren Licht, als manche andere, der er seine Liebe grscheM. La-rge hat den Deutscher das tiefere Verständnis für die Ehe ilwes größten Dichters gefehlt, und erst in neuester Zeit hat die Forschung das tmendkich zarte und doch sv bebontsame Geflecht bloßaelegt, das Goethes Läden auf seiner« Lwhe dnchh ein Viertetj^hrhürndert mit dem Wesen dieser Frmr unev»nq^r w« Bes-üchen bei Goethe als die brave Hmrsfrau, die für ihMU „Geheimen Rat" mit nnermoüblicher Liebe und Anf- vpfe«mg sorgte — stets ist sie die seöhliche Sorgenbvechmün „von naivem, si^i»«Mchem Wesen, mit vskkem, vrmdom: Gesicht, tau ge« Zocken, ffeiteem NäSchm., zboxtichem .Wrperb«» und -niedlichen, tanz- Lrstigen Füßchm ." Zu den Heften des GorO^ch«r Geists hat sie sich wie echotzen: sie wch-nte mit ftlbstverstÄMcher BeschränLmg in den Rioberrmgknr des oMäskiche» Lebens, war glücklich^ w«m sie dem Fremöde semLÜiche VochaglieHDeÄ im Htarse schaffe und allechsi Svr- mi und Beschwmutsse dem Wege räumen konnte Während in Deimerr sich znuLchft alles grae» die Geliebte des SHaatsMörtsters sUÄte, während m der Dernau Stadt die Berrästenungen und KränkilwgeN kein Ende nehmen tvollben, hat Goethes Mütter rtt der neuen Hausg>envssin des Sohnes sogleich die verwandte, gesund-ursprüngliche Natur erkannt, deren Walten dem Gerrve in Vielem heilsam und notwendig sein könnte; herzlich hat sie die Schwiegertochter in Worten unb Taten ausgenommen, und so als erste den Weg gellnesen zu einer richftgen Würdigung der „Biel- gelästerten". Das lustige vergnügte T.riben Chriftianes auf Ballen und beim leidenschaftlich g-elieülen Tänzcherr im eigenen Harts, auf Ausflügen und beiin Kaffeeklatsch, es ist ja war die eine Seite ihres Wesens. Am schönsten hat sich die Aufopftrnng und Hingabe für Goethe in jenen drang volleu Tagen nach der Schlacht bei Jena bewährt, da sie sich den französischen Soldaten, die Goethe mit ihren Waffen bedrohten, mutig eurgegenwarf und dem Geliebten das Leben rettete. Aus dem Gesicht des festesten Zusamnrenge-. Wachsenseins mit seiner Frau heraus hat Gvethe damals der 17jährigen ß-ewisswsehe mit Christiane anchi den kirchlichen Segen gegeben, und was sie ihn: tvar, tritt am klarsten l>arvor bei rhrem Tode, der ihn im Innersten erschütterte. Sie kränkelt^ bereits seit ^einiger Zeit: 1815 war sie „zwei Querfinger vom Tode," wie Goethe an Wiktem-er schrieb. Ihr schweres Leidest brachte sie dem Tode immer näher, imd doch kam ihm ihr Abscheiden am 6. Juni 1816 an ihrem 52. Geburtstag, überraschend. Am 5. Juni zeichnete er in sein Tagebuch ein: „Meine Frau in. cvcherster Gefahr. Mein Sochr Helfer, Ratgeber urid einziger' haltbarer Punkt in dieser Verwirrung." Und dann am 6. Juni [ nachts: „Ende meiner Frau. Letzter fürchterlicher Kampf chrer' Natur. Sie verschied gegen Mittag. Leere und Totenstille in und außer mir." Am selben Tage dichtete er die erschütternden Verse: „Tu versuchst, o Sonne, vergebens, / Durch die düstern LÄolken zu scheinen! / Der ganze Gewinn meines Leberrs / Ist, Ihren Verkist zu beweinen." „Wenn ich Dir, derber geprüfter Erdensohu, vermelde, daß meine liebe kleine Frau uns tu diesen Tagen verlassen, so weißt Du, was es heißen tvill," schreibt er am 8. Juni an Zelter, unb anderen Freunden klagt er, daß sein Zustand an Verztveiflutrg grenze, daß ihm sein Lben nur erträglich erscheine, wem: er sich vorzähle, ivas sie ihm Gatts und Liebes getan. Und sie selbst läßt er in einem ftft Bild schlicht festhaltendest Gedicht die Abschiedslvorte spreche'.:: „Da blickt' ich ihü noch manchmal freundlich an / Und habe leitzerrd viel für ihn getan." — Reu eWrwerb ungen der Pariser Skulpturen- museen. Wie bereits berichtet wmde, ist vor einigen Wochen wenigstens die Skulpüwwralüeflung des Lmwre dem ösieittlichen Besuch wieder zugänglich gemacht worden, nachdem' die Bildhauerwerke aus den Kellerränuttu, in denen sie mrderthskb Jahre bewahrt gewesen waren, in die alten Säle des Erdge^Äo^s gebiet und dort neu geordnet worden waren. Bei dieser Gelegenheit konnten, wie der „Cicerone" mitteilt, den Besuchen: auch einige Neuerwerbungen vorgesi'chrt werden, in erster Lmie einige Tftweliess au3 nnffirer Zeit urtb aus dem 12. Jahrhundert. Eim mtevessmtte Nsnerwerck'ung lourtze in hm Scklen neuere': geftektt: das längst erworbene Ochsmok-MptzM der hrkKigen Wbi- am Vvn Berrrini. In einigst Wvchen sollen auch die Satt ei'öffnet werden, die die Sammlung Schlichting mit den berühmten Werken von Paj«u enthalten. Auch die Samnflungcn des Trocaderv^ stAen demnächst wieder eröGnet werde». Wälirend der Zeck der dieses Niusei!prs, das bekamrttich die Wertt der m abgüssen enthält, hkt sein Letter, der auch in De?ttschland wohl- bekamrtt Gelehrte ClLart fttr Ergänzungen seiner Samiwbmg gesorgt. Dahin gehört ein Preirzacwölbe cncck Sk. Martin von Tontt? aus den Jahren >508—k9, das einen "ftdonat vor Knsgsou^brnch in Givs gegossen nmrde, ferner eine Pieck-, die im nitttzO^n Fenfterkreuze vrm Rotte Dmw? de Piedö M Hymen mx girt Geltung komnit, so wie schließlich eine ittrlienffcher Atteittu. ^ w&äjtyfjpGa und Pßdo/teff QvT ürm/ffM'/rg Mjaka/ow/Zieht ► Tst/rppcuotecAi : -. 2Cn^pPomjr?o "‘Vfy ,V< AIjAjrffi# 4 oS °»M'- 'Z^r?} ""<§/ o/fofschrowo o Tsc/iernjuc/ww .. ^ /foro-S fyicAew ^Brussi/orp JSSficro^/y PyTßPrf 17 ) u f f ^ - jvj \J QÄ«W/W ÖMpO/ CT“*" Ä 7/fr, ^y 2a r- ■' — /r/■* r*-/t A~h r A ßogp/nn^y V nSrOM&ry To/vka ^*"'«*===’ fyyßoris^po/ O/Ast/Py :-. ,/ //orosc/rk/n 'owogrzdWo/yrrski . 0 Pu/n7 p) nur/rp o fMisotsc. «u^a? /fapgr/yk^ oBA/orko/v pfoe/njo SihepptoivAo- /Tunet r scAuUnorv ^ P'Dlonno/n " 7 / ; ,i\'°Z göun r "' W’/fnrosowka ., /,p *Sejnk/\ oST.Siojjfr PnypeA/seA/srAc oSkaseh/mn' o3ki*yototv ^ProJsAuroU 'BusA/tStAka c ßn/oAi Sokobwkg Q ' Ul/ < tfpnpffß/jc/rfiscfie w jds&CA/^sf/n&H'ka \ H pf!üJ\ w&a £ c$/efÄotv7y'<%^ ^ , ?'i Ao/oe/Jc wsya/rer o .. J. , , , ße/srnsol Ty/ir o v PAoPe/yka. 'tu o ^ /P cySafa/tn PAgrosfkolir V \ pßpßruppM /fop)'jT7y/7Cf2 ty^/ko tr/npy '<£o Sinkotvsy ßan^ Sn/m p^ussyapß orynna ^ , QSe/A/^Mew DunaJpn'Zy ^{/ynty.-PsfA/pa >(j b^°Pd / 3 ;l s. o >4 0 e- W o ii £’ ^ ’ u ‘ ^ oS-S/rorz/n L- r\ 4 §M? fUä^ : P-'erkoiuß2 c irstcpors t \' .. ^,-7- 4 A tU ^5fnnn?2 Podolski^t ■Ä fA rpxSfttvjnps^yvX* drorfko» X^sAUr/n c?A£r ^ ’^'TsJpeme^ey'^ vnU’^ 1^1/4 §i !(r M M M oBrifsrAany\kn/arpyyHäQdp^^ fjjfrfdc/ ^ - y o /9 . O-X^ Scrok/oy dor1 gemacht wurden, haben dies zu erzählen gewußt. Xscherkesfeu und Turkmenen sind wieder dabei, Leute, die .schon im vorigen Splitherbst in Odessa und Rerii zusammen- ,g^Fl>6^u wallen, um angeblich eine Operatiotr gegen Bulga- !rien vorzubereiten. Mumitiv-n für ihre Gewehre sollen sie ^temlich> reichlich besitzen. Auf den Munitionskisten finden tsich wieder japanische Zeichen. Auch die neuzrtsammeu^ geswNte Artillerie , besoitders die schweren Geschütze, srnd japauts'ches Fabrikat. Sie werden gerade so Aue bei der bessarabischen Offensive von japa- anschen Ingenieuren begleitet. Auffallend ist nach Den durüilrckerndeu Berichten wieder der Mangel an russi- schen Offizieren. Beständig sieht man, so heißt es, größere I Abteilungen ohne Offiziere durch Rowno umrschieren. Die kzahlenmäßige Ueberlegenheit der Russen wird also wahr- schetnltch wieder sehr groß sein. Aber die Führung läßt Rußland — zu wüuschen übrig. Der Haupt- r echer^ ehler.der treuen Russeuosfensive ist der, daß man an- sntmmt,-Oesterreich-llugarn habe für seinen Bewegungskrieg an Su-dttrol erhebliche Trtlppeukörper von der Nordost- Irout weggenomtnen, was eben durchaus nicht der '^all ist. Das größte Hindernis für die neue Offensive HJt wieder ber Dnjestr. %n der Strypa haben die braven lLrnppen Oesterreich - Ungarns die lange Wartezeit auch ^cwtß nicht unbenutzt verstreichen lassen und weiter nördlich Md alle Lehren des furchtbaren .Krieges beherzigt, um die gewonnene Front zu halten und .^edem auch dem wütendsten Durchjbruchsversnchi die Stirn zu bieten. Bezeichnend für die moralischen Mittet, mit denen man auf russischer Seite arbeitet, ist die Tatsache, daß die russische Armeeleitung in den Schützengräben die Nachricht verbreiten läßt, die ganze deutsche Flotte sei in der N o r d s e e s ch l a ch t vernichtet worden. Das soll der: Mut und die Tapferkeit befeuern. Die Enttäuschung über die mißglückten Anstrengungen wird nur um so größer sein, wenn die russischen Truppen außer ihren bitteren Erfahrungen gegenüber dem zähen, unerschütterlichen Gegner auch noch die volle Wahrheit über Deutschlands gewaltige Erfolge hören. Vielleicht sieht inan dann in Petersburg rasch ein, was man schon vor eirkem'Jühre hätte einseheu sollen, nämlich, daß akle Hoffnungen auf einen Umsturz der Lage im Osten vergeblich find. ln! Separate l»i? - W frisz Earl ,_ 35 Pfennig an 010 Wirestrüße H flrt S^„ c Wobnnua m wfmt. (7(i Näheres daselbst 1. Stock. ö JSimmer D Pirhnhofstr. 4K '»»Simmcrtucftmtua, samt! ^-rbehör, 2Balkons, Trocken !boden, Bletchplatz, 2. Stock zu wermien. <3142 5-Ziimner-Wohmmst csofort zu vermieten. 3343 Bahnbofftrahe 52?.. Bohnhofstr« 1 . Seräuinine 3-Z.-Min. »(Mansarde) mit Küche und Zubehör zu vermieten. Näh. Baünhoirträne 5. (42G1 ^1. 3 - Zimmer - Wohnung , aneinzelne Dame oderHerrn zu vermieten. (4125 frvfimxirttftrafre 14. irchenM 23 tekü schöne 3-ZimmerWobnutm Uu vermieten. _ [4077 56 hübsche zu verm. 14. [4219 3'3üM»er-Wvbmrug zn verrnieten. [4223 Gderstraße 20*,. j iöl. 2 B.-W ni. Zub. a.r.L v. ^LNtorstr. 73. 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