* Nr. 130 Erschein! tSgllch mU Ausnahme be« Sonntags. Die ..«ietzener ZamiUcnblatter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Ureisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- frchen" erscheinen monatlich zweimal. 16 ®. Jahrgang General-Anzeiger für Oberhejsen Montag, 5. Juni 8916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Hteindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung,Gcschästsstellc u.Druckerei: Schul, straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^zA51, Schrift- leitung: e=*£Ui2. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Mb, Deutscher Reichstag. 5 8, Sitzung. Sonn abend, 3. Juni 1916. Präsident Dr. Kaeuchf eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Min. Die Tabaksteuer. (L. Tag.) Abg. Henke (Soz. A.-G.)': -Tabakindustrie ist gegenwärtig etwas außergewöhnlich. Die neue Steuer wird viele MittelstandSeristenzen dermchten, ihre Ertragnisse sind sehr zweifelhaft. Wi? müssen furchten, daß auch nach dem Kriege derbürgerlicheSteuer- block sich zusammenffnden wird, um die Lasten des Krieges auf die Taschen der breiten Massen abzuwälzen. Auch diese Steuer trifft wieder nicht die Großunternehmer, sondern die Mittelftands- existenzew und die Kosten werden wieder den Acrinsten der Armen aufgebürdet. Dos ist eine unerhörte Gesetzgebung; man muß kein Gew'sien haben, wenn man sie mitmacht! Präsident Dr. Kacmps rust den Redner zur Ordnung. Abg. Henke (Soz.): . Die Arbeitslöhne in der Tabakindustrie sind nicht annähernd so gestiegen, wie die Kosten des Lebensunterhalts. Die Kinderarbeit nimmt überall ab, nur nicht in der Tabak-Industrie, ebenso ist es mit der Frauenarbeit. Deshalb ist auch die Säug - lingssterblichkeit in den Tabakbezirken so groß, die Tube rk u lo se sterblichk eit ist noch fürchterlicher. Die Bremensische Negierung hat einen der Tabakindustric nahestehenden Bevollmächtigten in den Bundcsrat entsendet. Staatssekretär des Innern Dr. Helfferich: Die verbündeten Negierungen sind wegen der Auswahl ihrer Bevollmächtigten zum Bundcsrat niemandem Rechenschaft schuldig. Sie weisen cs zurück, wenn nach dieser Richtung hin eine Kritik an ihnen geübt wird, wie sie ja auch nicht daran denken, etwa mit den Wählern des Vorredners zu streiten, wer in den Reichstag kommen soll. (Zuruf bei der Soz. A.-G.: Weil sie das nichts angeht. Heiterkeit.) Die verbündeten Regierungen find und das ist ja auch die Meinung der großen Mehrheit des Hauses — der Ansicht, daß bei trer Ordnung der Reichsfinanzen am Tabak unter keinen Umständen wird vorbcige'gangen werden können. Wer das noch nicht einsieht, der möge sich nur einmal die Zahlen vornehmen, die wir im Ausschuß über die Belastung des Tabaks bei uns und im Ausland gegeben haben. Die Länder mit Tabakmonopol, Frankreich, Oesterreich usw., scheiden dabei vollständig aus, ich nehme. Ihnen zuliebe, das M u st e r l a n d England. Bei uns beträgt die Besteuerung des Tabaks jetzt pro Kopf der Bevölkerung 2,71 M>, in England hat sie vor der letzten Steucr- erhöhung 7,46 M. betragen (Hört, hörtl), jetzt ist sie auf 10,46 M. erhöht worden. (Hört, hört!) Dabei ist der Verbrauch bei uns 1,71 Kilogramm pro Kopf, in England 0,94. Der Verbrauch ist bei unZ nahezu doppelt so groß, während die Steuerlast rn England ein Mehrfaches beträgt. Ich glaube, diese Zahlen find fihlagend. Wenn wir affv 8er LeSerzeAgUny fmb, daß bei den enormen Lasten, die uns der Krieg mrfleg-t, wir um eine stärkere Besten-, rung des Tabaks nicht herumkommen können, dann handelt es sich lediglich um die Wahl des Maßes und des Zeit- vunktes. Das Ergebnis meiner Besprechungen mit weiten Kreffen der Tabakindustrie ist, daß auch sie den Eindruck haben, wenn überhaupt eine höhere Besteuerung in Frage kommt, sei der jetzige Augenblick am günstigsten. Auch was der Abg. Deichmann gestern zur Bekämpfung der Vorlage angeführt bat, daß infolge der Tabakbesteuerung von 1909 und auch von früher e i n Rückgang der Arbeiterschaft stattgefuuden ^rt und deshalb die Löhne gesunken sind, spricht für meine Auffassung. Sobald eine TabaDesteuerung in Sicht kam, fanden sofort Spekulationen und Vorvcrsorgungen statt, Lie Industrie wurde aufs äußerste angespannt. eS wurden Arbeiter neu eingestellt, es wurde auf Lager gearbeitet, und wenn dann die Steuer kam, mußte ein Rückschlag eintreten. ^ Im Jahre 1901 wurden in der Tabakindustrie rund 138 000 Arbeiter beschäftigt. Die Zahl stieg jährlich etwa um 2-—3000, im Jahre 1907 jedoch um 8000, im Jahre 1908 um 11 000, also in diesen beiden Jahren um 19 000. Nach der Steuererhöhung von 1909 nahm dann die Zahl der Arbeiter naturgemäß wieder ab. Jetzt sind die Zahlen wieder langsam gestiegen, und im Jahre 1916 erleben wir sogar eine Steigerung von 28 000. (Hört, hört!) Die Löhne betrugen Anfang 1901 628 Mark, die Schlußziffer im Jahre 1916 macht 703 Mark. In der ganzen Kette dieser Jahre sind die Löhne gestiegen. Eine Ausnahme bilden die Jahre 1909. 1910, wo sie von 618 auf 616 sanken. 1911 stiegen sic auf 630 und haben dann den H öch st st a n d erreicht, der über- Haupt da war. Die Eigenart dieser zahlenmäßigen Entwicklung ist danach auf die Spekulation und die Vorversorgung vor der Tabaksteuer zurückzuführen. Diesmal sind diese Verhältnisse ausgeschlossen. Die Vorräte sind knapp, das Heer ist ein großer leistungsfähiger Abnehmer, und,nach dem Kriege wird die Tabakindustrie zweifellos zu tun haben, um die Läger aufzufüllcn. Weil wir etwaige Nachteilige Wirkungen vermeiden wollen, ist jetzt der richtigc Zeitpunkt, mit der Erhöhung vorzugehen. Nach den Statistiken des Zentral-Arbeitsnachweises haben wir viel mehr offene Stellen als ^Arbeitsuchende. Die Befürchtungen rn bezug auf das Beschäftigungsloswerden der Arbeiterschaft smd deshalb unbegründet. Aus der Aufnahme eines Paragraphen, der für die arbeitslos werdenden Arbeiter vorsorgt, darf man nicht dessen Notwcn- digkeit schließen. Ich halte die Vorkehrungen nicht für notwendig und glaube nicht, daß Arbeitslosigkeit eintritt. Im Ausschuß wurde mir von sozialoemokratischer Seite gesagt, dann brauchte ick auch keinen Widerspruch gegen diese Bestimmungen zu cr- beben. Jetzt dagegen führt der Abgeordnete Dcichmann die Tatsache der Aufnahme dieser Bestimmung als Beweis dafür an, daß Arbeitslosigkeit erwartet werde. Vor Tische las man daS anders. J)er Vorredner hat erneut die Behauptung aufgestellt, Last das -^teuerkomvromiß auf eine Auspowerung der großen Massen berechnet sei, und daß durch die Tabak- jteucrvorlage eine Unsumme von Klasscnhaß geradezu großgc- züchtet würde. Meine Herren, etwas Maß, etwas Maß l Was bedeutet diese Vorlage? 26 Mark Erhöhung pro Kilogramm, 0,36 Pf. für eine mittlere Zigarre. Da sprechen Sie von einer Unsumme von Haß und vom Nagel zum Sarg! Kritik höre ich gern, aber nicht von Leuten, chie immer mir nein sagen. (Heiterkeit.) Deshalb kann ich die Befürchtung, eß werde Klassenhaß großgezogen durch die Vorlage, ebensowenig ernst nehmen, wie das sonst bei der Kritik der Fall war. Ich bin überzeugt, daß unsere Feldgrauen draußen, auch die zu Ihrer Partei (zu den Sozialdemokraten gewendet) gehörigen, mit einem anderen Ar^enmaß zu den Dingen stehen. Unsere Feldgrauen, bei denen doch alle Klassen vertreten sind, und die vor dem Feind Tag für Tag da§,elbe Schicksal erdulden und die größten Opfer bringen, werden das richtige Augenmaß haben für das, was das Vater, land bedarf. (Beifall.) Abg. Haas-Karlsruhe (Fortschr. Vp.): Briefe aus dem Felde beweisen, daß man auch dort der Ansicht fft, daß der T ab ak am ersten bluten kann. (Sehr gut!) Wir haben uns die Steuern sorgenvoller und ernsthafter überlegt, als die Herren von der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft; sic würde auch das idealste Steuerprogramm ab gelehnt haben! Wie hätte cs gewirkt, wenn der Reichstag bei diesen Steucrsragen sich bankrott erklärt hätte? Das wäre eine Bankrotterklärung ^ des Parlamentarismus selbst gewesen. Die Herren von der äußer- st e n Rechten haben dem Parlamentarismus keinen besseren Dienst geleistet als die äußerste Linke. lSehr richtig!) Abg. Hacke hat gemeint, wir hätten kein Gewissen: nehmen wir aber nur Rücksicht auf die Agitation im Lande, so kommen wir überhaupt nicht über die finanziellen Schwierigkeiten hinweg. Ick gebe offen zu, wir hätten in friedlichen Zeiten und bei anderen finanziellen Verhältnissen mancher der Vorlagen nicht zugestimmt. Jetzt mußte ein Kompromiß geschlossen, Opfer mußten gebracht werden. Uns wäre cs lieb gewesen, wenn auch die Sozialdemokratie die Steuergesetzgebung mitgemacht hätte. (Zurufe b. d. Soz.) Ihr Widerspruch zwingt mich. Ihnen etwas zu sagen, was keine Grobheit sein soll: Von der Sozialdemokratie wenigstens bin ich überzeugt, daß, wenn sie die Mehrheit in diesem Hause und damit die Verantwortung für das Zustandekommen der Steuergesetzgebung hätte, dann hätte sie diese Gesetze auch gemacht, hätte sic auch indirekte Steuern bewilligt. (Lebhafte Zustimmung b. d. bürgerlichen Parteien, Widerspruch b. d. sozialdemokratischen Parteien.) Abg. Antrick (Soz.): Wenn ick etwas ausführlicher werden sollte, bitte ich nicht ungeduldig zu werden. (Heiterteit.) Tie Schuld daran trägt der Staatssekretär mir seinen Ausführungen. Auch wir wollten dem Reiche geben, was cs oraucht, aber^ die besitzenden Klassen sollen zahlen. Mit Leichtigkeit hätte man da die nötigen 600 Millionen sckafscl' können, wenn man unsere Anträge angenommen hätte. (Sehr richtig! b. d. Soz. Widerspruch rechts.) Der Staatssekretär ist aber nur der Beauftragte der besitzenden Klassen. Die vom Staatssekretär angeführten Löhne sind erbärmlich. Es würde eine eiserne Stirn dazu gehören, trotz der vielen Eingaben, die uns zugegangen sistd, die Behauptung aufrcchtzucrhaltcn. daß die Mehrzahl der Tabak- industriellen die Tabaksteuer gutheißcn. Die Vorlage ist von dem interessierten Deutschen Tabakverein auSgearbeitet. Dann hat man aber nach den Ausführungen des Senators Biermann mit einer noch schlimmeren Vorlage gedroht, wenn er die jetzige nicht annehme. Ich weiß nicht, ob das ein objektiver Erpres- sungSversuch ist. Dizepr-asibent Dr. Dover Auch nicht bedingungsweise dürfen Sie der Regierung oder einem ihrer Vertreter eine strafbare Handlung zumuten. Abg. Antrick (fortfahrend): Den Unmut des Volkes hören Sie wegen der Zensur nicht. Es will die Opfer nicht für ein Vaterland der Reichen bringen. Die Lasten des Krieges sollen auch von seinen Nutznießern getragen werden. Ausreichende Ernährung, Freiheit und Frieden II Abg. Henke (Soz. A.°G.): Die Geschäftsinhaber an der Front müssen Urlaub zur Regelung ihrer Geschäfte bekommen. Keinem Staatssekretär wird sozialdemokratische Kritik angenehm sein. Ich geniere mich nicht, den Verbündeten Regierungen zu sagen, was ich auf dem Herzen habe. Will der Staatssekretär unsere blühende Tabakindustrie auf den Stand der englischen bringen? Staatssekretär Dr. Helfferich: Dem Wunsche auf Beurlaubung von im Felde stehenden Geschäftsinhabern wird, soweit es irgendwie mit dem militärischen Interesse zu vereinbaren ist. stattgegeben werden. Das ergibt sich bereits cmS dem Ausschußbericht. Im übrigen will ich mich nur gegen einen persönlichen Vorwurf verwahren Der Vorredner hat geglaubt, mir vorwerfen zu sollen, daß-ich mich mit besonderer Verve gegen die Sozialdemokraten richte, um irgendwo persona grata öst sein. Im Hause bin ich hinreichend bekannt, daß man wissen wird, daß ich meinen Standpunkt nach jeder Seite hin vertrete. Bezüglich unserer Feldgrauen irrt sich der Vorredner. Für die Wiederholung der Behauptungen, daß Kriegsinteressen- ten und Kriegsprofitmacher den Krieg herbeigeffchrt und ver. längert haben. werdenSie ebensowenig Verständnis haben, wie da- für. daß Ihre Freunde sitzen blieben, als hier im Hause von dem großen Sieg der deutschen Flotte die Rede war, wobei viele wackere Seeleute den Tod erlitten ha- ben. (Beifall.) Die Aussprache schoßt. Abg. Meyer-Herford (Natl.): Die Bestimmung über die Arbeitslosen ist nur eine Vorsichtsmaßregel. Abg. Dr. Blunck (F. Vp.) begründet einen Antrag, wonach die Tabaksteuer am 1. Juli, die Erhöhung der Zigarettensteuer am 1. Juni 1916 in Kraft treten sollen. Die Anträge werden angenommen, ebenso der AuHschutzantrag auf Errichtung von Fachausschüssen für die Tabakindustrie. Präsident Dr. Kaemps teilt mit, daß am Montag bei der dritten Lesung der Steuervorlagen nachmittags 6 Uhr auch die namentliche Abstimmung über einzelne Bestimmungen der Tabakstcuervorlage statt- finden wird. Damit ist die Tabakstcuervorlage in zweiter Lesung erledigt. Die Reichsabgabe zu ben post, aud Telegraphen- gebühren. Der Ausschuß hat die außerordentliche Krieg sab. 9 a.be l u r Briese im Orts, und N a ch b a r v e r k e h r Pfennig festgesetzt, für Briese im sonstigen Verkehr aus 6 Pf. Das Briefporto beträgt also im Orts, und Nachbarortsberkehr 7^ Pfennig, im sonstigen r Jf* r 0 ^f cuni 3* P o st k a r t e n kosten von nun ab 7^ Pfennig. Drucksachen bleiben frei. P a k e t e bis zum Gewicht von 6 Kg. haben aus Entfernungen bis 75 Km. einschließlich 5 Ps. Zuschlag zu zahlen, auf alle weiteren Entfer- nungen 10 Ps.; beim Gewicht über 5 Kg. auf Entfernungen bis 75 Km. 10 Pf., auf alle weiteren Entfernungen 20 Pf. Briefe mit Wertangabe kosten auf Entfernungen bis 75 Km. 5 Pf. Zuschlag, auf alle weiteren Entfernungen 10 Pf., P oft auf- trogsbriefe erfordern 6 Pf. Zuschlag. Die für Postan- Weisungen und den Postscheckverkehr in der Regierungsvorlage vorgesehenen Zuschläge hat der Ausschuß gestrichen. Von den Telegrammen wird als Reichsabghabe seines überraschend sicheren Spieles kaum besser zu fceriLeu. Um diese beiden Mittelpunkte gruppierte sich alles mit ungezwungener Belebung. Es kann bei der Unterlassung von Einzelwüachiguugen nur noch einmal betont werden, daß alle Mitspielenden, die Damen mit eingeschossen, auf ihrem Platze waren und zu dem großen Erfolge dieser Eröffnungsvorstellung mit beitrugen. Tie Zuhörer kargten daher auch nicht mit ihrem Beifall mtb es ist zu erwarten, daß „Wallensteins Lager" noch mehrere Male starten Zudrang ftnäxu wirb. zz. * — Thcateraufführnngen für die deutsch-en Kriegsgefangenen am Vierwaldstättersee. Aus Zürich wird uns .geschrieben: Vereine und Private sind. unermüdlich darin, für die gegenwärttg sich zur Erholung hier befindlichen deutschen Kriegsgefangenen Zerstreuungen auf Zerstreuungen zu ersttruen. Freudig zu begrlißen ist hier vor allein die Absicht des Züricher Stadttheaters, den Kriegs gefangenen am Vierwaldstättersee „Minna von Barn Helm" und Werke von Shakespeare vorzuspielen. Man trug sich anfänglich mit dem Gedanken, die Aufführungen in dem neuen hübschen Theatergebäude in Buochs, am Vierwaldstättersee gelegen, vor sich gehen zu lassen. Technische Grüirde und vor allem die verhältnismäßige Knappheit des dort zur Verfügung stehenden Raumes hinderten die Ausführung dieses Vorschlages. An Stelle des Bnochser Theaters, das gerade für die „Minna von Barnhelm" sich eignet, wühlte nr-an für die Ausführung von Shakespeares „Ter Widerspenstigen Zä h- mung".den Platz des ehemaligen Freilichttheaters von Herten stein, dicht bei Luzern gelegen, in einem Kastanienhain von erlesener Schönhett. Tos .Hertensteiner Freilichttheater war seinerzeit von Rndolph L-orenz gegründet tvorden und fand bei Joseph Kainz großes Interesse; er freute sich noch aus dem Krankenbette darauf, einmal dort zu spielen. Sicherlich werden diese Aufführungen bei den internierten Feldgrauen, die so lange den Klang der Muttersprache hatten entbehren müssen, freudigen Anklang finden. — Tie Kriegsschönheit der Kathedrale von Reims. Ganz eigenartig in Form und Inhalt ist eine Beschreibung der hertttgen Schönheit der Kathedrale von Reims, dn die „Revue des Teux Mondes" in ihrer neuesten Nummer bringt, und die sich wohltätig von der ewig wiedertehrenden Kla über die hunnenähnliche Zerstörungswut der Deutschen unterscheidet, in der für gewöhnlich ein französischer Artikel über Reims und seine Kathedrale gipfelt. Mitten in der Stadt Reims, so heißt es in dem ansprechenden Stimmnngsbild, in der Stadt, die im Vergleich zu mit flandrischen Orten nur wenig beschädigt ist und in der doch alle Energie wie eingefchlttfen ist, liegt der Kirchplatz. Ter Platz ist verwüstet, die Häiffer, die ihn umgeben, sind ver- schslossen. Und dort ragt vor nns die Kathedrale empor, eine andere Kathedrale, als die, die wir frühes founten. Bei Beginn! der Beschießung war die westliche Fassade mit Gerüsten bedeckt; die Granaten setzten sie in Brand, tmo die ganze.Kirche wurde von den iFlamnren eingeMlt. So erhebt sich jetzt auf diesem nüchternen Platz einer Provinzstadt ein so seltsam schöner Bau, daß man aus der Tanteschen „Hölle" oder irgend einer orientalischen Fabel die Worte erborgen müßte, irm die Pracht dieser märchenhaftes Erscheinung beschreiben zu können. Tie Feuersbrtunst hat die unteren Teile des Gebäudes in die warmen Time des Bernsteins und.der gebrannten Sienna gekleidet; weiter oben gehen diese Farben Harmonien durch ein Rosagelb in Töne von Karminrot über, um endlich in das gelbliche Weiß alten Elfenbeins zu zerfließeu. Die Diese der Tore und der Nischen hinter den Figuren scheint gedoppelt dnrch ern Sammetschwarz, von dem sich die. Skulpturen lebendiger abheben dcmr je. Tie Farbenmischtmgen auf der ganzen Fassade der stolzen Ruine erinnern an die metallisch glänzend^ Außensckffcht der Felsen längs des Golfes vott Aegina oder an das bunte Schillern des Pstru.en.vides. Die .Schönheit dieses Eindrucks nurd noch imeirdlich vertieft durch den Gedanken, daß sie vergänglich sein wird, mrd daß diese Schönhett zu deneu gehört, die die Sterbenden umhüllt. Werden die voM Feuerbrand gefärbten Statuen nicht unter dem Regen zusamntwtbrechen? Werden diese goldenen und korallenfarbenen Steine nicht zu grauem Stand zerbröckeln? Tie Kathedrale von Reims blendet uns heute wie ein schöner Sonnenuntergang. . . — Temperatur und Feuchtigkeit im Waldeund int Freien. Tie Frage, ob die Luft im Walde oder im freietr Felde kühler und feuchter sei, gab häufig zu Erörterungen Anlaß, ohne daß sie ans Grund rein wissetrschaftlicher 'Feststellungen entschieden worden tväre. Eine svlcl>e Entscheidung wurde erst durch die von Richard Aßmann konstruierten und für diesen Zweck besonders geeigneten Meßapparate, die sog. Aspirationsfppchrometer, möglicl gemacht. Mit Hilfe dieser Apparate hvurden, wie die Naturwissenschaftliche Umschau der Chewiker-Zeitung bekanutgibr, in Eberswalde während mehrerer Jahve Messungen borgenonttnen, die über die Beeinflussung der Denryerattlr und FeuckUigkeft der Lust durch einen jungen Laubwald Aufschluß geben. Tie Feststellungen wurden in einer 4 Meter hohen Bnckienschonnng des Stadt- sorstes von Eberswalde und auf einer Feldstatwn so vorgenommen, daß man Tenrperatttr mrd Luftfeuchtigkeit in drei verschiedenen Höhen kontrollierte. Tie oberste Älblesung nahm man aus einer hohen, die anderem Bäume überragenden Kiefer über den Buchenkronen vor, die unterste ganz nahe am Erdboden, die mittlere in einer Höhe von 2,2 Meter über dem Boden. Eür Vergleich der durchschnittlichen Messungsergebnisse in dem Buchenwalde und ans freiem Felde ergab- daß im Walde die Dentpsiratur am Boden dte niedrigste war. auf brn, Felde hingegen die höchsten Temperaturen in der Nähe des Bodens herrschten. Tie Feuckittgkeit erhöhte sich im Walde je näher man dem Boden kam, während auf dem Felde eine solche Erscheimmg nicht ausgeprägt festgestellt werden sonnte. Beim Sinken der Sonne kühlt sich die Luft im Walde sehr schnell ab', was ditrch die grogen Ausstrahtungsitächwr der Blätter betoirkt wird. Ta außerdem die Luft im Walde ruhiger lagert als aus freiem Felde, bleiben die abgekühlten Luftschichten liegen, um smmer kühler zu werden. Daher nruß die Lust im Walde kühler sein als unter denselben Umständen auf freiem Felde, weit die örtliche Mkühlung sickt im Walde gründlicher durchzusetzen vermach Auch die höhere Luftfeuchtigkeit im Walde lnird durch die ruhigere Lage-, rung der Lust verursacht. Demnach steht auch wissenschaftlich einwandfrei fest, daß es im Walde unter sonst gleichen Umständen stets merklich kühler und feuchter sein muß, als ans freienr Felde, f t