Nv. 113 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gtetzener Zamittenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich betgelegt, das „Urelrdlatl für den Krcfs Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. 16i» Jahrgang General-Anzeiger für Sberhesjen SamStaq, <3 Mal 1916 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Brrch- und Steindruckerei. R. Lang e, Gießen. Schriltleitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul- straßc?. Geschäftsstelle u.Verlag:^^51,Schriftleitung: e^a&112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 47. S i tz u n g, B e r l i n, den 12. M a i 1916. Am Tische des Bundesrats: Z i m m e r m a nn. Vizepräsident Dr. Paasche eröffnet die Sitzung um I Uhr 16 Minuten. Das neue deutsch-lörkische Abkommen. Eine kleine Anfrage des Abgeordneten Dr. Herzfeld (Soz. A.-G.) lautet folgendermaßen: „Auf dem Bankett der Jungtürken zu Ehren der deutschen Parlamentarier in Konstantinopel, Ende April ds. Js., hat der türkische Mini st er des Aeutzeren Halil-Bei bekannt- gegeben, daß Deutschland und Oesterreich mit der Türkei seit vier Monaten über ein Bündnis zu gleichen Rechten und von langer Dauer auf der Grundlage gegenseitigen und gleichwertigen Beistandes gegen jede Gefahr verhandelt, daß bis auf einige Einzelfragen ein endgültiges Einverständ- n i s erreicht sei und die Ratifikation dieses Vertrags durch die Souveräne binnen kurzem bevorstehe. An den Reichskanzler wird die Anfrage gerichtet, welchen Inhalt dieser Vertrag hat, und ob er dem Reichstag vor der Ratifizierung zur Kenntnis gegeben wird." Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Zimmermann: Die Bemerkungen, die der türkische M i n i st e r des Aeußern Halil-Bei bei dem Festmahl zu Ehren der deutschen Abgeordneten in Konstantionpel über die Vertragsverhältnisse zwischen Deutschland und der Türkei hat fallen lassen, werden in der Anfrage des Abg. Dr. Herzfeld nicht ganz zutreffend wiedergegeben. Nach der amtlichen französischen Uebersetzung seiner Rede hat der Minister zunächst von dem langfristigen, auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung aufgebauten Defensivbündnis gesprochen, das deutscherseits der Türkei zu Beginn des Weltkrieges angeboten, von der Türkei angenommen und bald darauf von beiden Mächten unterzeichnet worden ist. Dieser Bündnisvertrag wurde alsbald nach seiner Unterzeichnung ratifiziert. Ueber seinen Inhalt, der nach den Bestimmungen des Vertrages geheim zu halten ist, können zur Zeit keine Einzelheiten mitgeteilt werden. Weiter hat der türkische Minister in seiner Note erwähnt, daß zwischen Deutschland und der Türkei seit vier Monaten über eine Reihe von Verträgen verhandelt wird, welche die rechtlichen Beziehungen der beiden Reiche auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und des europäischen Völkerrechts regele sollen. Diese Verhandlungen haben, wie Minister Halil hervorhob, bis auf einzelne Einzelfragen vvn untergeordneter Bedeutung, zum endgültigen Einver - ständnis geführt, so daß die Ratifikation der Verträge binnen kurzem zu erwarten steht. Es handelt sich insbesondere um einen Konsularvertrag, einen Vertrag über' Rechtsschutz und Rechtshilfe in bürgerlichen Angelegenheiten, einen Auslieferungsvertrag uyd einen Niederlassungsvertrag. Der' Inhalt der Verträge lehnt sich im einzelnen an frühere Wmachungen an, die Deutschland mit andern Mächten geschlossen hat, bildet aber im ganzen ein einheitliches Rechts- fystem, das die gegenseitigen rechtlichen Verhältnisse der vertragschließenden Teile in erschöpfender und gleichmäßiger Weise wahrt. Es versteht sich von selbst, daß dieses neue Rechtsshstem nicht ohne Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften des Deutschen Reichs zur Geltung kommen kann. Die Verträge werden daher vor der Ratifizierung dem Reichstag zur verfassungsmäßigen Genehmigung vorgelegt werden. Ser Etak für den Reichstag. Vizepräsident Dove teilt mit, daß zu diesem Etat ein Antrag Bernstein (Soz. A.-G) eingegangen ist. Dieser Antrag ersucht, VorkehruHgen zu treffen, daß Redner bei der Ausübung ihrer parlamentarischen Rechte nicht gehindert werden, und daß verhindert wird, daß Preßberichte über die Reichstagsverhandlungen durch den Präsidenten beeinflußt werden. Der Vizepräsident stellt dazu fest: Man kann über die Zulässigkeit dieses Antrags verschiedener Ansicht sein. Ta man sich aber mit einem ähnlichen Anträge im Ausschüsse beschäftigt hat, werde ich die Verhandlung zulassen. Ich bemerke aber, daß dadurch kein Präjudiz geschaffen werden soll. Der Teil des Antrags über die Preßberichte stellt eine These dar. Es wird ein Verfahren von Mitgliedern des Reichstags für unzulässig erklärt, das sich nicht innerhalb des Sitzungsraums abgespielt hat. Es wird behauvtct, cs liege hier eine Ausnutzung der Autorität des Präsidenten vor. Man kann verschiedener Ansicht sein, waö damit gemeint ist. Wenn gemeint wird, daß diese Beeinflussung der Presse mit stillschweigender Einwilligung des Präsidenten geschehen sei, so wäre das eine unzulässige Kritik an dem Verhalten des Präsidenten. In dem andern Teil des Antrags, der einen Schutz der Abgeordneten bei der Ausübung ihrer parlamentarischen Rechte verlangt, kann ebenfalls eine Kritik des Präsidenten gefunden werden. Es kann darin der Vorwurf liegen, daß der Präsident die ihm zustehenden Rechte nicht in wirksamer Weise wahrgenommen hat. Diese Kritik würde ich für unzulässig erachten. Das Verhalten des Präsidenten ist lediglich noch den in der Geschäftsordnung festgesetzten Grundsätzen zu beurteilen. Bei der Zulassung dieses Antrags lehne ich also von vornherein ein Präjudiz ab. Abg. Dr. Paasche (Natl.) berichtet über die Verhandlungen des Ausschusses. Den Ausführungen des Präsidenten über den Antrag kann ich nur durchaus zustimmen. Im Ausschuß kam die Berichterstattung über die Vorgänge bei der letzten Rede des Abgeordneten Dr. Liebknecht zur Sprache. Dje Presse hatte zunächst einen Bericht mit allen Zurufen und Zwischenfällen fertiggestellt. Die Herren von der Presse, die dann mit dem Präsidenten eine Rücksprache hatten, waren der Ansicht, daß eine Verbreitung des Berichtes in dieser Form sich nicht empfehle. Der Bericht wurde darauf im Sinne der Wünsche des Präsidenten, aber nicht von dem Präsidenten selbst, einer Verkürzung unterzogen, weil man es. nicht für erwünscht erachtete, daß alle die Ausführungen, die gefallen und die Tatsachen, die vorgekommen waren, ausführlich verbreitet wurden, denn das würde das Ansehen Deutschlands im In- und Auslande nicht fordern. Den Vertretern der Presse wurde^dann der Wunsch zum Ausdruck gebracht, sie möchten diesen verkürzten Bericht, der den Inhalt der Verhandlungen kurz wiedergab, aber olle Zurufe und Zwischenfälle unberücksichtigt ließ, verbreiten. In der Kommission sprach man nun die irrtümliche Ansicht aus, daß die Zensur den ausführlichen Bericht verboten hätte. Das ist nicht richtig. Die Zensurbehörde hat ausd ücklich erklärt, daß sie keinerlei Weisungen an die Presse ergehen lassen könnte, daß sie diesen Bericht nehmen mühte; sie könnte nur das eine tun, mitteilen, daß der Präsident die 'Veröffentlichung dieses Berichtes wünsche. Im Ausschüsse erkannte man allgemein an, daß ein solches Verhalten durchaus gerechtfertigt sei, daß jedenfalls hierdurch den verfassungsmäßigen Rechten keineswegs zuwidergehandelt wurde, nach denen wahrheitsgetreue Berichte über unsere Verhandlungen nicht strafbar sind. Weiter kam in der Kommission auch die Frage zur Sprache, in welcher Weile oie Vorgänge in den stenographischen Bericht ausgenommen werden sollten. Dabei vertrat man die Ansicht, daß sobald die Glocke des Präsidenten ertönt, Zwischenrufe in einem wahrheitsgetreuen Bericht nicht mehr aufzunehmen seien, weil sie nicht mehr innerhalb der Verhandlungen gefallen seien. Zu dem uns jetzt 'in ähnlicher Fassung wieder vorliegenden Anträge betonte der Antragsteller, daß er damit keine Kritik an der Tätigkeit des Pcäsidetnen ausüben wolle. — Der Präsident erklärte, er führe sein Amt, w i e e s r h m die Pflicht gegen das Vaterland zu schreibe und könne-sich auf eine Kritik seiner Amtsführung nicht einlassen. Dieser Meinung hat sich die Ausschußmehrheit angeschlossen. In dem Antrag von sozialdemokratischer Seite wurde eine scharfe Kritik der Tätigkeit des Präsidenten an jenem Tage erblickt. Allseitig wurde anerkannt, daß zwar der Präsident der Kritik des Hauses unterstehe, diese sich aber in den geschäftsordnungsmäßigen Formen bewegen müsse. Danach wäre dem betreffenden Abgeordneten eine schriftliche Beschwerde, über die ohne Aussprache abgestimmt werden mußte, erlaubt gewesen. Die Mehrheit hat deshalb die Annahme des Antrages abgelehnt. Der jetzige Antrag bedeutet dem Sinne nach dasselbe. Deshalb bitte ich, auch ihn abzulehnen. Abg. Ledebour (Soz. A,-G.): Der amtierende Präsident hat gegen die von uns eingebrachte Entschließung zwei grundsätzliche Gesichtspunkte geltend gemacht. Zunächst hielt er ihre Form nicht für zulässig. Aus den Verhandlungen des Hauses ließen sich jedoch eine ganze Anzahl von Präzedenzfällen Vorbringen. Dann meinte er, unsere Anträge liefen auf eine Kritik der Amtshandlung des Präsidenten hinaus. Das bestreite ich. Der Vorredner hat ja auch Kritik an den Ausführungen des Präsidenten geübt. Auch ein Dank kann unter Umständen eine sehr scharfe Kritik sein. Vizepräsident Dr. Dove: Wenn ich eine Kritik darin gesehen hätte, hätte ich sie nicht unwidersprochen hingehen lassen. Abg. Ledebour (fortfahrend): Wir wollen die Redefreiheit der Abgeordneten und wahrheitsgetreue Berichte über die Verhandlungen sichern. Wahrheitsgetreue Berichte sind der Lebensodem des Parlaments, das sonst an Erstickung leidet. Der erstePräsidentdes deutschen Reichstages Simson hat einmal gesagt: Die Geschäftsordnung ist der natürliche Schutz der Minorität. Ich habe das Stenogramm der Sitzung am 8. April nachgelesen, dabei ergibt sich, daß Liebknecht nichts überraschend Neues gesagt hat. Infolge der starken Abneigung eines großen Teils des Hauses gegen den Abgeordneten'Liebknecht brach jedoch eine große Entrüstung los, die dem Präsidenten wiederholt Anlaß zum Einschreiten gab. Der Abgeordnete Hubrich entriß dann dem Abgeordneten Liebknecht das Manuskript. (Zurufe. — Vizepräsident Dove ersucht, den Redner nicht zu unterbrechen. — Heiterkeit.) Der Präsident^ hat es anscheinend nicht bemerkt. Hätte er es bemerkt und wäre nicht cingeschritten, so wäre allerdings schärfster Tadel am Platze. Dann hat Liebknecht scharfe Warte gebraucht, die allerdings formell gegen die Ordnung des Hauses verstießen, worauf ihn der Präsident zur Ordnung rief und aus der Sitzung ausschloß. Danach versuchte der Abgeordnete Müller-Meiningen ihn von der Tribüne herabzuziehen, wurde jedoch von anderen Herren zurückgezogen. Dieser Vorgang ist schädlich für den deutschen Reichstag. Gewalttätigkeiten gegen einen Redner schädigen nicht den Redner,^ sondern den Gewalttätigen. (Zuruf: Er war ausgeschlossen!) Dennoch brauchte Dr. Müller-Meiningen nicht den Schutzmann zu spielen. (Unruhe. Wiederholtes Läuten der Glocke. Lebhafte Zurufe.) Unterlassen Sie doch die papageienhaften Zwischenrufe! (Vizepräsident Dr. Dove ruft den Redner zur Ordnung.) Solche Gewalttätigkeiten müssen für die Zukunft nach Möglichkeit vermieden werden. Es genügt, daß man die Bestimmung des früheren Präsidenten Grafen Ballestrem wieder befolgt wonach der Raum zwischen den Plätzen und dem Stenographentisch, die Treppen zur Rednertribüne selbst von den Abgeordneten freigelassen werben sollen. Auch die- Mitglieder des Bundesrates verstoßen häufig gegen diese Bestimmungen. Sie pflanzen sich neben dem Redner auf und suchen mimisch ihre Unzufriedenheit^ zum Ausdruck zu bringen. (Heiterkeit.) Es genügt selbstverständlich, daß der Präsident, wenn turbulente Szenen anheben, an diese Bestimmung erinnert. Die Zensur lehnte die amtliche Verbreitung des schon erwähnten verstümmelten Berichtes ab. Einige Provinz- itungen brachten auch den ausführlichen Bericht. Als aber eine erliner Zeitung die Zensurbehörde fragte, ob sie dies auch tun könne, erhielt sie die Antwort: „Sie tun das auf Ihre Verantwortung!" (Hört! hört! b. d. Soz.) Wer auch schuld ist an dieser Beeinflussung, der Reichstag muß den Anfängen einer solchen Beeinflussung entgegentreten! principiis ot>s1a! Abg. Scheidemann (Sozd.): Wir legen das größte Gewicht auf die Aufrechtcrhaltung der Rechte des Parlaments und auf ihre Erweiterung. Auch wir be- dauerii die bekannten Vorgänge auf das Lebhafteste. Die Schuld daran trifft die große Nervosität, die damals im Hause herrschte. Denn gerade jene Rede Liebknechts hätte nicht den Anlaß zu jenen Zusammenstößen geben dürfen. Man hat dieser Rede nachher alle möglichen Mißdeutungen gegeben. Hätte man nicht den Schluß in jener Sitzung so überstürzt herbeigeführt, so wäre es besser gewesen. Man hätte Liebknecht ruhig anhören sollen und dann hätte ein Sachverständiger diese Ausführungen beantworten können. Jetzt sagt man im Auslande: „Was hat der Mann wohl noch alles gewußt! Was hätte er noch sagen können, wenn man ihn nicht gewaltsam daran gehindert hätte!" Durch den plötzlichen Schluß der Sitzung ist der Präsident auch wohl gehindert worden, gegen diejenigen Mitglieder des Hauses einzuschreiten, die sich zweifellos grobe Verstöße gegen die Ordnung des Hauses haben zuschulden kommen lassen. Wir stimmen den Anträgen insofern zu, als unter keinen Umständen das Recht, wahrheitsgetreue Berichte in die Presse zu bringen, irgendwie angctastet werden darf. I Anders steht die Sache, soweit sich der Antrag mit der Geschäftsordnung befaßt. Jede Oppositionspartei muß hier vorsichtig sein, um sich nicht Ruten zu schneiden, mit denen sie später gezüchtigt wird. Die Macht des Präsidenten ist groß genug. Er kann uns schon unbequem lverden, wenn er will, auch wenn wir uns sehr zahm benehmen. Das Buch des Geheimrats Jungheim enthält eine Fülle von Stoff, wir können dafür sehr dankbar sein. (Zustimmung.) Der Präsident muß den Redner vor Belästigungen schützen. Für den anderen Teil der Resolution können wir nicht stimmen. Abg. Liesching (Fortschr. Vpt.): Die heutige Aussprache ist wenig geeignet, das Ansehen des deutschen Reichstags zu stärken, soweit die Erinnerung an die unliebsamen Vorgänge vom 8. April wachgerufen wird. Dor Abg. Liebknecht hat zusammenhanglose, hämische Zwischenrufe während der letzten Rede des Reichskanzlers gemacht. Die Rede Liebknechts vom 7. April erfüllte zweifellos den Tatbestand des § 89 des Reichsstrafgesetzbuches. Bei dem Widerspruch gegen die Rede vom 8. April handelte es sich darirm, eine befürchtete Gefahr vom Reich abzutvenden. Gegenüber den fortgesetzten Provokationen mußte einmal Stellung genommen werden. Der Abg. Ledebour hat das Stenogramm auch nicht vollständig angeführt, denn die Ausführungen Liebknechts waren so, daß der Präsident sein großes Bedauern als Deutscher zum Ausdruck bringen mußte. Als der Abg. Liebknecht ausgeschlossen war und den Präsidenten wiederholt infam beschuldigte, ist es zu dramatischen Szenen gekommen, aber die Schuld liegt bei dem, der sie hervorgcrufen hat. Der Abg. Müller-Meiningen hat eine Zuschrift bekommen, worin ihm der Tod durch eine vergiftete Kugel angedroht wird. (Heiterkeit.) Diese Skandalszenen haben doch nichts mit einem wahrheitsgemäßen Bericht zu tun. Der Präsident hat deshalb nur emen wohlgemeinten Rat an die Presse gelangen lassen, sic nicht ausführlich wiederzugeben. Wie die Presse dachte, gebt aus dem Protokoll hervor, wo Händeklatschen auf Der Pressetribüne festgestellt wird, als Liebknecht schloß. Alle bisherigen Präsidenten haben ein Recht des Hauses zur Kritik an ihrer Amtstätigkeit nicht anerkannt. Ein Mißtrauensvotum kennt unsere Geschäftsordnung nicht. Sie läßt keinerlei Diskussion und keinen Antrag gegen die Geschäftsführung des Präsidenten zu. Abg. Dr. Paasche (ntl.): Gegen die Art, wie der Abg. Ledeboür die Berichterstattung über die Vorgänge vom 8. April dargestellt hat, muß ich mich verwahren. Es ist nicht die Autorität des Präsidenten benutzt worden, um einen verstümmelte«, wahrheitswidrigen Bericht in die Presse zu bringen. Niemand denkt daran, wahrheitsgetreue Berichter st attung zu verhindern. Darum handelt es sich gar nicht, sondern um die Stimmungsberichte der Parlamentspresse, die sehr schnell hergestellt werden müssen. Diese wurden etwas verkürzt, waren also nicht ganz ausführlich, aber wahrheitsgetreu, wie sie nur sein können. Diese Berichte sind nämlich oft in jeder Zeitung anders. Ueber meine eigenen Reden habe ich schon die verschiedensten Berichte gelesen. Da wurde schon berichtet, was ich bei meinem Eid nicht gesagt hatte. Wahrheitsgetreue Berichte sind das also an und für sich nicht immer. Auch wir treten für die Redefreiheit ein. (Lachen bei den Sozd.) Warum lachen Sip? Wenn wir bezweifeln wollten, daß Sie für die Redefreiheit eintreten, würden Sie entrüstet sein. Es ist jetzt furchtbar leicht, über die Verhandlung vom 8. April zu reden. Jedenfalls muß man sich die furchtbare Erregung vergegenwärtigen, die in den letzten Tagen gegen den Abgeordneten Liebknecht herrschte und herrschen mußte. Auch der Abgeordnete Ledebour ist mit großer Wuppterizität hier hcraufgestürzt und hat eine drohende Haltung gegen den Abgeordneten Müller-Meiningen eingenommen. Das schickte sich auch nicht. (Zurufe bei den Sozd.) Abg. Stadthagen (Soz. A.-G.): Im Reichstag soll, wie in jeder gesitteten Versammlung, Redefreiheit herrschen. Die Mehrheit dieses Hauses will einen Abgeordneten an der Ausübung seiner parlamentarischen Rechte hindern. Das geht gegen die Verfassung, das ist, Herr Liesching beachten Sie das wohl, Hochverrat! (Heiterkeit.) Gegen Liebknecht wurden Rufe laut, wie „Halten Sie das Maul, Sie Lump Sie!" — „Wieviel Provision kriegen Sie dafür. Sie englischer Agent!" — Ist das sachlich? Die halbe Wahrheit ist die doppelte Lüge: Sie behaupten, den Präsidenten nicht kritisieren zu dürfen, und wollen deshalb den Antrag nicht annehmen, damit üben Sie die schlimmste Kritik. Die Abgg. Bernstein (Soz. A.-G.) und Dittmann (Soz A.-G.) äußern sich ebenfalls zum Tatbestände. Der Antrag Bernstein wird in allen Teilen ab. gelehnt. Für den Absatz, der den Präsidenten ersucht, zum Schutz der Redefreiheit Vorkehrungen zu treffen, stimmt nur die Soz. Arbeitsgemeinschaft. Sie Aendenmg des Vereinsgesetzes. Die erste Lesung der Vorlage wird fortgesetzt. Abg. Büchner (Soz. A.-G.) hält den Gesetzentwurf für un. zulänglich. Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (b. k. P.): Die Gewerkschaften, die unter der Leitung des Herrn Legten stehen, also die sozialdemokratischen, verfolgen viel wcitergehende politische Zwecke als die staatserhaltcnden Vereine. Ministerialdirektor Dr. Lewald: Herr von Hehl hat einen Dank an die Industrie vermißt. Ich konnte doch gestern bei diesem Sondergesetz nicht den allgemeinen Dank abstatten, der den deutschen Frauen, den deutschen Arbeitern, der deutschen Landwirtschaft, der Industrie, dem Handel usw. gebührt. (Sehr richtig!) Abgeordneter Frhr. von Hehl (b, k. P.):^ Die politische Bedeutung dieses Gesetzes für die weitere Agitation der Sozialdemokratie rn der Jugend bedauere ich auf das allerlebhafteste. Damit schließt die Aussprache. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 28 Mitgliedern. Abgeordneter Karschensteiner (fortschr. Vp.) kündigt an, daß er im Ausschüsse in der Jugendlichenfrage eine andere Stellung einnehmen werde als seine Partei- freunde. (Beifall rechts.) Mittwoch, 2 Uhr: Etats des Reichsschatzamtcs. des Rechnungshofes, des allgemeinen Pensionsfonds, des Reichseisenbahnamtes, der Reichseisenbahnen, der Post, der Reichsdruckerei und deS Reichsamtes des Innern. i ) vec Arieg zu Lande im Monat Apn!. Von besonderer Seite aus dem 'Felde wird uns geschrieben I. Eine Darstellung, welche es unternimnrt, die kriegerischen Er- e:gmsse zusamnnmzulassen, soelche sich Nwhcend eines bestimntten Kalenderabschnittes, also ctnw innerhalb emes Monats abgespielt IZaven, tragt erne l^efahr in sich. Sic ist dem Miß,Verständnis aus- gejedt, als stelle s:e, was rein zahlenmäßig durch den Monatsbeginn und -schluß abgegrenzt ist, anch innerlich ein in sich abgeschlossenes Ganzes dar, während cs sich in der Tat doch überall nur tim ein noch geeignet sind, die dargcstellte Entwicklung als ein auch inhalt ltch abgeschlossenes Ganzes zu erfassen. Das gilt im besonderen Main für die Kämpfe, welche sich im Monat April abgespielt haben. War es damals im März noch bis zu einem gewissen Grade möglich, ein Bild zu geben, dessen zeitlicher Rahmen eine auch inhaltlich verhältnismäßig abgerundete Entsoicklung umschloß, so ist es um die Walpiirgismona tsw e nd-e völlig unmöglich, die kriegerischen Gcftamtvorgänge anders denn in einer lediglich zeitlich, also völlig äußerlich begrenzten Zusammenfassung darzustellen. Diese Vordem ei' knng bat insbesondere für diejenige Gruppe von Kämpfen Altung. snelche auch Hütte noch im Mittelpunkte des Anteils der ganzen Welt steht: für die Kämpfe um Verdun. Bei ihrer Darstellung konute schon der Ablauf des Monats März nur eine Gebegenheitsbedeutimg haben: für den Verlauf des Monats April jgilt das genau im gleichen Maßp. Seit nunmehr zwei und einem viertel Monat wartet hier eine riesige Schlacht, die ohne Beispiel in der Weltgeschichte ist. Tag und Nacht mit nur vorübergehend geminderter Heftigkeit fort. Ihr Ende ist auch heute noch nicht abzusehen. Für die N o r d o st gruppe der Angriffsarmec, welche in den vorausgegangenen Wochen siegreich aus der Woeore bis zun: Steilbang der Cote Lorraine vorgedrungen war, bedeutete der April einen völligen Stillstand der Operationen. Die N o r d g r u v p e dagegen, vom Dorfe Vaux bis zur Maas, vermochte in zähen:, wechselvollem Ringen ihre Stellung beträchtlich zu verbessern. ?bm Albend des 2. April brachte ein Angriff beiderseits des »Forts Douanmont Geländegenünne in: Caillette-Waldc und bis balbwvgs zur Ferme Thiaumont. An letzterer Stelle svurde am 17. dlpril noch ein weiterer gewichtiger Fortschritt erzielt: die französische Stellu:rg auf der Bergnasc nördlich der 'Ferme, welche schon seit dem Be,ginn der Kämpfe um Fort und Dorf Douaumont eine schwere Bedrohung ftir unser Vorgehen nnd für das Festbalten des Erkämpfteii gewesen war, wurde durch einen kräftigen Angriff aus dem Albain-Walde ^heraus erobert. Weiter ivestlich wurde der Albain-Wäld bis an den Weg Bras—Douaumont gesäubert, an- schließeiid wurde, der Feind von der Höh' des Pfefferrückens in die Mulde östlich Vack-erauville geworfen. Alle diese Errungenscl-aften nmrden -einem zähen Widerstande der Franzosen abgetrvtzt und nrnßten alsbald gegen wütende Gegenangriffe gehalten werden. Während so auf dem östlichen Maasufer im ganzen Monat April in beständigem schweren Ringen schon ganz erschliche Verbesserungen unserer Stellung erzielt Norden konnten, haben die Operationen auf dem Westufer im Verlaufe von heftigen, mit wechselndem Erfolge hin- und herwogenden Kämpfen unseren Waffen bock-bedeutsame Fortschritte gebracht, Nach Erstürmung des Waldes von Avocourt mar zwrscbei: beffcit Oftspitze und der Höhe 265 südöstlich Bekhincourt (viordivestzipsel der Toten-Mann-Stellung) noch ein weit in die deutschen Stellungen vorsprinqendes Geländestück, die vielherußene „Sackstet ln na", in Händen des Feindes geblieben. Von dieser wurde ihm mm während des April in rastlosem Vordringen ein Stück nach dem andern entrissen. Nachdem! schon am 30. März der westliche Stützpunkt, das Dorf Malancourt. in unsere Hände gefallen war, verlor der Feind am 1. April seine ' Limen nordöstlich dieses Torfes und zwei Tage spater seine sämtlichen Stellringen nördlich des Forges-Baches, ausschließlich des Dorfes' Betbincourt. Am 5. April fiel das einen südöstlichen Ans- lLuser von »Dcalaneourt bildende Dorf Haueourt, und am 9. auch der rechte Flügel stütz Punkt, das Dorf Bethincourt selbst. Am 10. stürmten wir noch die Werke „Elsaß" und „Lothringen" südwestlich Btzthincourt intb hielten damit die ganze erste französische Stellung von 'Haueourt bis zur Höhe 265 in Händen. Schon am Tage vorder hatte ein Angriff an der Mört-Hvmnre-Stellung auch die südöstliche '.Kuppe des auf der französischen Karte als „Mort homme" bezeichneten doppelgipfligen Höhenrückens in unsere Hände gebracht und damit dem französischen Preßgezänk über die Frage/ob wir oder die Franzosen dm Mort homme besäßen, ein- Ende bereitet ?ferner fiel ein Stützpunkt nördlich des Dorfes Cumieres in unsere Hand. Alle gewonnenen Gelände stücke mußten gegen heftige Gegenangriffe gehalten und in: stärksten feindlichen Feuer aus gebaut werden. Am 22. April setzte die Westgruppe zu einem neuen Stoß an und warf den Feind auch vom Westabbang der .Höhe 295 l Toter .Rann , auf dem er sich bisher noch hatte halten können, b:s zum Bachabschnitt südlich Cumieres zurück. Dafür gelang es' dem Feind am 23., im Verlauf l-efttger Gegenangriffe einige Gegenangriffe an dieser Stelle heftig erneuert, allerdings ohne wesentlichen Erfolg. Zusammenfasserü» ist über den Sta:ü> der Kämpfe bei Verdun folgendes zu lagen : Der deutsche Angriff auf das Fcsttingsgebiet un, serviln hat die Franzosen gezioungen, ganz außerordentliche Krane zur Verteidigung he ranzu ziehen, ft'.sbesuindere auch sehr bedeutende Artilleriemassen. In vorderster Lüne sind bisher auf ^tzöen Fvontbreite von wenig mehr als 40 Kilometer über 40 Twcswnerk eingesetzt worden. Die Kräfte alten:, die wer mit unserer Kampffricmt in rmmittelbare Berührung getreten such, betragen also mehr als 20 Armeekorps. In Reserve sind noch wettere ^lv:,wnen zu vernnttcu. Daß angesichts einer solch massenhaften Jus ammenzrehung von Vertechigungsmitteln eine Verlang- Grabenstücke am ^Ostabhang der Höhe 295 zurückziugewrnnen, die :>!M aber an: 25. tvenigstens teilweise wieder entrissen w?rdm bei Verdun zu reden uich zu: funken. Die deutsche Oeffentlichkeit lcnntfeit Degmn des gegenwärtigen Krieges wie aus der Geschichte der früheren diese krampfl-aften Versuck-e der Franzosen, ihrfl Ruderlagen :n S:ege rrmzndick-ten. Unsere Erfolge in den ersten Maitagen, über welche der Leser bereits durch die Berichte der Obersten Heeresleitung unterrichtet ist. dürften genügend sein, selcht einen zum krampfhaftesten Selbstbetrug entschlossenen Optimismus zu erschüttern und der Welt den Beweis zu liefen:, daß unsere Angriffskraft so wenig erschüttert ist wie unser An- gnssswille. II. Vergleich zu den Kämpfen beiderseits der Maas treten die kriegerischen Ereignisse ü: allen Abschnitten der Westfront m den Hintergrund. Dennoch herrscht auf großen Teilen der Front alles andere _ als Ruhe, vielmehr eine ingrimmige un- nntcrbrocheue Kampftätigkeit, wen:: auch mit örtlich begrenzte. Zrclen. Hervorzulieben ist. daß es in der Umgegend von Ypern zu heftigeren Kämpfen init den Engländern gekommen ist. Dio „Eloi-Stellung", welche durch einen überraschenden Angriff in den Besitz der Briten geraten war, wurde ihnen am 6. Avril wieder entrissen und gegen alle Gegcnairgrift'e behauptet. Am 24. Llpril lgab Mich die englische Flotte einmal wieder ein Lebenszeichen: sic unternahm es, sich vor der flandrischen Küste zu be- tättgen, um Minen und Sperren zu legen. Aber dieser Versuch wurde beim Auslaufen unserer Flotte rasch ausgegeben. und unsere Torpedo- und Vorpostenbootc säuberten die Küste. Im übrigen beschräntten die Engländer ihre Tätigkeit längs der ganzen von ihnen jetzt gehaltenen Front auf Artillerickämpfc, Sprengtätig- keit und Patrouillenunternehmungen. Irgend etwas Ernstliches zur Entlastung ihrer hart ringenden Verbündeten habe:: sie auch neuerdings nicht unternommen. Aus der Tätigkeit der übrigen Abschnitte der Westftont ist noch her vorzuheben, daß ein deutscher Vorstoß nördlich Celles (bei Badonviller. ungefähr 15 Kilometer jenseits der deurscheu Grenze auf der Höhe von Straßburg) zwei französische Linien in unseren Besitz brachte, während es andererseits den Franzosen gelang, ein vorspringendes Waldstück' der ihnen im März entrissenen Ville- aux-Bois-Stellung (nordwestlich Reims) zurückzugewinncn. III. Wahrend der März die große russische Entlastungsoffensive und auch sehr energische italienische Angriffs versuche gebracht hatte, liaben im April nur die Italiener ernstliche Unternehmungen verlacht. Und zwar ist hier hervorzuheben, daß ihr Druck gegen die ^'anzo-Front nachgelassen hat, wälzend sie auf der ganzen Tiroler Front eine erhöhte Tätigkeit entwickelt haben. Indessen sind auch hier wirklich merffiche Verschiebungen der Linien nicht erzielt worden. Zwar mußte die österreichische Stellung am Eol d: Lana infolge eurer seit Monaten vorbereiteten Spreng,mg geräumt werden^ Aber trotz größter Anstrengrmg ist es den Italienern auch hier nicht gelungen, tveitere Fortschritte zu erzielen. Andererseits wurt^n sre im Sugana-Tal aus dem Ort Marter und mehreren Hinteremander liegenden, gut ausgebauten Stellungen bis zum Westrande von Rvnceqno zurückgeworfen. Dü Russen dagegen blieben nach dem Zusammenbruch ihrer Märzoffenftve vor der ganzen Front unserer eigenen tvie der südlich anfcklreßimden österreichisck^ungarischen Armeen fast völlig rulng. Nur westlich Dünaburg und südlich, des Narorz-Sees unternahmen fte örtlich beschränkt-, übrigens völlig erfolglose Borstöße Dagegen ist es uns gelungen, selbst den belanglosen Geländege- wmn, den die Russen als einz-igen Erfolg ihrer mü stärkstem Kräste- ernsatz und ungeheuren Blutopsern unternommenen Enttastungs- offenfive in Händen behalte,: l-atten, zurüchUerobrTrn. Es ist noch rn frischer Erinnerung, daß wir en März- angrüfen verlorenen Teil unserer ehemaligen Stellung südlich des Rarocz-Sees, der: die Russen aufs stärkste ausgebau't hatten, m nnenr wuchtigen Angriff zurückerobert l-aben. Selbst die erste Lrme dar ursprünglichen russische:: Ausgangsstellung ist in unserem Besitz. Die Beute an Gefangenen imd Kriegsmaterial ist groß. ^ IV. Das Saloniki-Unternehmen der Entente ist noch immer nicht über die Besitzergveifm:g einer völlig wehrlosen neutralen Hafen- ftadt !gnd die dauernde schwere Kränkung und Vergewaltigung eines neutralen Landes hinausgelangt. Das bunte Truppengemisch, das sich auf griechischen: Boden angesiedelt hat, gab bisher keine merklichen . Zeichen kriegerffchcn Betättgungsdranges. Einen einzigen Fortschritt habcii unsere Feinde zu verzeichnen. von der See her durch rnsftsche Landungs truppen gefaßt, haben! die Türken noch tapferer Gegenwehr dem^ Feinde Trapezuitt über- laffen müssen. Einenr weiteren Vordringen her Russen in Armenien haben sie indessen Einhalt gebieten können. Eine reiche Entsch-ädigung für diesen unleugbar cmpfindlicheir Verlust l-aben die Osmanen in Mesopotamien erkämpft. Die seit rrmd fünf Monaten in Kut-el-Amara cingesck'kossenc Armee des Generals Tvwnshenb l>at sich, da alle Entfatzversuch.e .auch nach emem Wechie! m der Person des Obabefehlshabers der Entsatzarmee) fehftchlugen, am 29. den Belagerern ergeben müssen. Es :st überflüssig, die ungehrurc Tragweite dieser glänzenden Wafferr- tat noch näher zn beleuchten. Verzeichnen wir noch ein siegreiches Gefecht ältlich des Suezkanals vom 23. April, bei dem die Türke:: englischer Kavallerie starke Verluste zufüglcn, so ist festzustellen. t^aß die Lage unserer türkischen Verbünoeien. int ganzen genommen, -ernen entscheidenden Auffckwung genommen l)at. . Der i^ieg der Türken über die Engländer in: fernen Südosten ftellt s,ch als die wesentlichste Veränderung der Gesamtlage dar. welche der Mmwt ^lpril gebracht hat. Alle anderen Erfolge hüben und drübr,: sind teils rein örtlicher Ntttur, teils stellen sie stch lediglick' als .Glieder einer noch keineswegs abgeschlossenen Entwicklungsreihe 'dar. Immerhin ergib, sich aus unseren Be!recken. Bei Verdun sind wir in rastlosen: Fortschrci- ten, auf alle,: anderen Frontabsckmittei: hat sich die Lage z-um mindesten nicht verschlechtert. ^ Roch stehen unseren Feinden als Aufrick'.tungsmi^el die lleincn Geschenke der Freundsck-aft zu Gebote: oi- überaus dekorattve L-andung russischer^Truppen in Marseill", die unausgesetzten gcgen- ftitigen Besuche, Tischreden, Begrüßungs - und Benoeihräucneülnigs- telegramme. Neben idieser -emsigni Tätigkeit, die ia freilich ^",r kn egerische Erfolge einen etwas inageren Ersatz bilde:, geht das krampfhafte und verräterische Liebeswerben un: die Gunst'per den: Kriege Es her s-nngebliebenei, Staaten, bei denen man gleichzeitig o:e Mittelmächte mit den alten, abgenutzten Mttlelchen ziu verleumden sucht. Dentlickicer noch als vielerlei Anzeichen aus dem mnerholilischen Leben unserer Gegner enthüllt dieses emsige und demUttge Umschineicholn der Neutrale,: die immer deutlicher sich abzeickmendc Erdmrttnis unserer Feiirde, daß sie ihr Spiel verloren gegeben l-abm und eine Wendimg zun: Besseren nur ,röch von einem Wunder erhoffen. Wir l>abe,: das nicht nötig. Was wir Hab«:, das halten w:r und- Mehren es nock' täglich. Wir könne,:' gelaffe:: der stunde ,varken, da die jetzt schon langscmr ausdäm- ttventoc Einsicht unserer Feinde zur augenble,u>enden Klarheit werden wird. AivehLrche Zla&fvicbtetu Evangelische Gemeinde. o Ztadtttrche Sonntag, den 14. Ntai. Jubilate. Vorm. 6 Uhr: Vwrrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die New konflrnnerten aus der Markusgemeinde. Vorn:. 9'/. Uhr: Pfarre, Mahr. Vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Aiatlhänsgemeinde. Pmrrer Mahr. Mittwoch, den 17. Mai, abends 8 Uhr: Kriegs- belstunde. Pfarrer Schwabe. — 3n der öohanneskirchr. Sonn- tag, den 14. Mai, Jubilate. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer 2lusfel d Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten ans der Johannes- gemeinde. Vorm. 9X Uhr: Pfarrer B e ch l o l s h e i m e r. Vorm. 11 Uhr: Kinserttrche für die Lnkasgemeinde. Pfarrer B c ch to l s- heim er. Abends 8 Uhr im JohanneSsaal: Versammlung und Btbelbesprechung. Kirchberg: Sonntag, 14. Mai, vorm. 10 Uhr. (Heil. Abendmahl für Staufenberg). — Lollar: Mittwoch, 17. Mai. abends 9 Uhr: Knegsbetstunde. Dekan G u ß m a n n. Li.L&;£*i v >. . ^——• . i i u r ,u katholische Gemeinde. Gottesdien st. Samstag, den 13. Mai: Nachm. 5 Uhr nnd abds. 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 14. Mai, 3. Sonntag nach Ostern: ™ 0 Fr m ’ 6V, Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte. 7 Uhr: Hl. Atesse. 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachm. 2 Uhr: Christenlehre-, darauf Andacht. Dienstag und Freitag, abends 8 Uhr, ist Maiandacht. Diaspora-Gottesdienst am 14. Mai: In Grüubera 9'/, Uhr. In Hungen 9»/, Uhr. In Lich 8 Uhr._ fs Mntlen-Aether Verti£gt xuaterßisstg ■zn und dam 33 nd Flasche IJ25 ß 2.00 , 3<60 and 6.00M. Eichener ttonzertverein. Konzert am 12. Mäi 1916. Ein Arien- unb Lieber-Abnid war es. den der Gießener Kon- zertocrnn uitter Mttwirkung von Frl. Lillp Haas (Alt), Frieda ^ chm :dt Sopran) und 5>errn Gei ße-W in kel lBariton) zu- gimsten bes 9wten Kreuzes v-eranstaltet hatte. Die Borttagsfolge, d:e gerade bn solchen Darbietungen die Hauptrolle zn spielen pflegt spar vortrefflich gewählt, und bot in ihrer Steigerung ein abgerundetes Bttd. das keinerlei Ermiidung aufkommen ließ. In bunter Reihenfolge zage:: Wagner, Weingartner, Meyerbeer, Löwe n. a. an uns vorüber nnd die sttmmlich sehr gut disponierten) Künstler ernteten reichsten Beifall. An erster Stelle ist ivohl Herr Ge:ße-W:nkel lBartton) zu nennen. Konnte der Künstler in der langatmigen „Hans-Heiling-Arie" ynd der „Ansprache des Sachs" aus „Meistersmger" 3. Akt, sein technisches Könna::, sein kräftiges wohlgebudetes Organ, das allen Höhen und Tiefen gewachsen'zu sem schcnnt, vollauf entfalten, so traf er in der „Morgenhiymne" v. Henschel und der „FrühllNgsfabrt" vvn Sckmmann, den warmen herzlichen ^on, der aus diesen Liedern zu uns spricht Was er gar m per etwas nach „Erlkönig" schmecke:ider: Emden-Ballade von Kettel, dem „Prinz-Eugci:" und ,/Friedericns Rex" von Löwe gende Künstler die eben gewonnene Erkenntnis zum Ausgangs- I leisttnrg einer'großen Filmfabrik an Punkt emes neuen Werkes macht, um zu cmer neuen Erkenntnis srwvon denn diese lLwbesfewr, das blaue Meer, Zuneigung) anfangs nicht den rechten Fon zu ftnden vermochte — so hätte ich mir die an und für sich m der Tonmalcre: etwas farblose Liebcsseier lebhafter geivünscht ' " üramtc bald in Arien aus „Prophet" nnd „Odysseus" den ganzen Uin.ang ,hrer äußerst weichen, nwdulationssähigen Alt- >st:mmc zur Geltung, die dann in den „biblischen Gesänge,:" von Dvorak mn vollendetsten Ansdruck kam. Frl. Schmidt (Sopran, bewies sich in der Wiedergabe der Tannhäuser-Arie „Dich teure Halle' und der,Arie der Agathe aus „Freischütz" allen Anfor- erungen gelvachien. Ihr glockenreines Organ, das »yenig Schjvan- - ungen nnterioorfen, sprach auch in de:: höchsten Lagen leicht und sicher an und brachte der Künstlerin nach den innigen Liederic Vraldsee^ und „Daheim" sowie dem graziösen Ständchen ron Brahms besondere Anerkeniumg. An: Flügel erwies sich Herr Hofkapellmerster Stolz als feinsinniger Begleiter. W. M. * Gberhessischer Kunffocrdn. Gießen, den 12. Mai 1916. Zm Oberheffischen Kunstverein am Brand ist neuerdings eine Ausstellung eingezogen, btc bei nur drei Ausstellern die groß' Mannigfaltigkeit innerhalb der Tckvifensweisc eines Künstlers !!?!>*- -ß™ E:ck>gleich-bleiben in der Kunst ist ciu Unding, I zu locrden, dichtete einen .prächtige,: Film'unter dem^TitHa- bci lein ..censch verlang n kann. Es ist vielmehr so, daß der rip-1 Boche, ,ou ler:ode:: ein imd demselben Künstler zu- zulch^rerben. Zu dieser Betrach-tung fühlt man sich angeregt, wenn man die Schaffensweise des hier schon bestens bekannten Stuttgarter Malers Otto Jung überblickt, der die größte Bilderzahl zur Ausstellung geliefert hat. Wenn nran aber sieht, daß auf den meisten Werken das Entstehungsjahr 1915 verzeichnet ist, und nxmn man dabei bemerkt, wie wechselnd der jeweilige künstlerische Vor- wur, gelöst ist, so muß man wohl zur Ueberzeugung gelangen, daß Jung kein ringender Gestalter, somdern ein unglaublich sicherer Könner ist, der gleichsam spielend alle Register zieht, um zu er- we:ftn, welche unfeUbare Formsicherhett ihm zu eigen ist. Und er :st frnrllich in allen Sätteln gereckft, ob er seine Porträts, in denen größtenteils bekannte Gießener Perlönlichkeiten zu erkennen sind, revl tomsch aus dem Untergrund heraus aufbaut, oder sie impres- ftcmflttsch aus einem Zusam inen spiele:: des gebrochenen Lichtes eittstehen läßt, ob er über eine Landschaft die duftige Mich- hert des Pastells ergießt oder durch Kontraste kräftigere Wirkungen erzielen will. Der Wirkm:g ist cr jedesnml sicher, auch beim Porträt, bei dem ihm iwch eine ebenso sichere Charakteristik >zur Sette steht. Ebenfalls wirknngssicher ist der Münchener Macker E C u c u e l Se:ne Cngenart ist es, modern gekleidete Frauen harmonisch in c:n Stück Natur einzuordmen. Das Beftemdende eiirer Erscheinung, die man vor dem Krrege mondän gmannt hätte, auf der Lichtung eines Waldes oder am Ruder eines Kahnes, reizt den Künfller immer wieder zu neuer Gestaltung und es gelingt ihm tatsächlich vielfach, die erstrebte harmonische Verbindung dieser gefühlsmäßigen Gegensätze durch ein einheitlich farbiges Sehen 5 U 'erreichen. Da Cucuel nebeiibe: über eine gut ausgeprägte Technik verfügt, sind seine Bilder auch in dieser Bezielmng sehr rerzvoll. Von dem Bildhauer F. Scheider möchten wir die Holzplastik des „sitzenden Heilandes" m:d die Terrakottafigur „Johannes ' her vor heben. Die Holzplastik des HeUandeS ist techansch hervorragend gut ausgeführt, wie sich überhaupt in allen Pla- sttten des Künstlers eine gute handwerlliche Arbeit feststellcn läßt Die beidcm geilannttm Werke habe:: jedoch> künstterisck-e Bedeutung und erwärmen durch den gefühlsmäßigen Einschlag, dem man sich nur schwer entziehen kann. zz * ß- rv? V B .ichter in Nöt e n. Die Nöte des modernen Klnodichters schildert m ergötzlicher Weise der frcu^ösische Humorist P:crre Mille mr „Te:nps". Er beschlost eines Tages, ^binodichter ^ - -- .W Der Leiter ftagte zunächst, wovon denn diese zerstückelte Frau" handele, woraus der Dichter „Selbstverständlich vvn einer Frau, der«: Leiche zerstückelt wird: man srehi )me der Mörder sie mit Hammerschlägen ft*«' kunstvoll zerschneidet, den Rumpf in einen Koffer steckt und zum Bahnhofe bringt, die übrigen Teile in Post- pakete legt und an verschiedene bekannte Persönlichkeiten verschickt D°s gärt emen Shefctwr^B !" - Erfolg ? Gnviß, unter mtberen (rud) den, daß dre Zensur die Aufführung sofort verbietet. Aber ?,'E.^brn,Tnlent Mm Kin». An Stoff ist mich kein Mangel. ?iehmen Sie sich rrgend emon alten tmrtiemefrerm Tich- k:r, danach können Sie tnffifcfos einen Film dichten/' Ter Dichter »iwimol sagen. Er nahm an. Sophoklez sei gewiß schon langer a s dreißig Jahre tot nnd daher völlig tan- tiemesret nnd so wrsilmte er zunächst dessen „OediVus". Bild eins: man sicht OedMis als Kind, arrsgesctzt, mit dem Kopf nach nnten cm einem Oltvenbaum des Kithävons hängend lLcmdschaft: Wald von Fontainebleau — Täuschend ähnlich!,. Ein Schäfer kommt, nimmt sich des Kindes an und läßt es von einer Wölftn saugen (Das Motwlst der Sage von Ro mulus uird Remus ent- bw über 1000 Jahre später spielt. Es wirkt aber gut) Zweites Blld: OedftMs ist erwachsen, geht irgendwo in Phozis spaz:eren (LaMchaft aus ^der Gegend von Marseille), begegnet' ,e:nem Vater, der m einem zeitgemäßen Ochsemvagen ausfährt, erschlagt ihn Tann begegnet er — Bild drei — der Sphinx (Tie Dame, foxe dve Sphinx spielt, hat eine glänzende Rolle) und Weiter: er herratet Iokafte, seine Mutter (Bild fünf), er erhalt en dem Seher Trresias einen Brief Ovird mit Blutschrift projlz:ert, sehr wirllmgsvoll!), erfährt sein Verbrechen, sttcht sich d:e aus, wahrend feine Frau und Mutter sich an einer Säule des Palastes erhängt (Landschaft: Arena von Arles) Hier- mit ging der Dichter tzur Filmfabrik. Der Leiter las die Dichtung durch, erklartt d:e Ereignisse .Mr Verbreche:: eines Automobll- apachen w:e Bonnot erkannte an, daß der Dichter das Automobil der Apachen ganz glücklich durch einen Ochsenwagen ersetzt habe bAuntt er keune weder Svffh^leS :wch den Oedipns, d^s gliche gelte von der Polizei, und lehnte dannn diesen verbrecherischen F:lm ab. Nun meinte der Dichter, es sei wohl besser er schlüae dem Letter erst einige Stoffe vor, ehe er sich ans Dichten ZZ 2ß:e es z. B. Mit Shakespeare sei? „Shakespeare? AilSge^'ichntt' ^ Worauf Mille loslegte: „Z. B. Macbeth Er tötet den Konrg Duncan, cr tötet Bangiw, er beftagt die Hexen " — „Unmöglich!" — „Vielleicht „Hamlet": eine Frau vergiftet chren Gatten, um ihren Liebhaber zu heiraten, daraus tötet der Sohn seinen Sttcfwter mit einer vergifteten Klinge, er selbst stirbt, scnne Mutter sttrbt -ait Gift, alle sterben..." — „Unmöglich' K.eber nicht Shakespeare! Lieber etwas Modernes. Viell^t Victor Hugv? — „Gut: Hernam ist ein großer Räuber...^ ^Umnogttch. Wissen Sie was.?. Ich spiele lieber: „Lehmann ist.